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Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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Turn 71 - Resolve

Turn 71 – Resolve

 

 

„Sicher wirst du ein glückliches Händchen beim Ziehen beweisen, oder? Du bist dran.“

Valeries Worte hallten durch Anyas Gedanken, immer und immer wieder. Die Schwarzhaarige stand ihr leicht abgewandt auf der anderen Spielfeldseite gegenüber, bedachte sie eines feindseligen Blickes und Anya wusste dieses Mal wirklich nicht warum. Dabei war sie doch eigentlich auf Redfield wütend und nicht etwa umgedreht!

 

„Anscheinend ist Anya Bauer wirklich verzweifelt“, erklang Mr. Cs Stimme im kreisrunden Stadion, „seit Valerie Redfield ihr gesamtes Feld samt Handkarten ausgelöscht hat, steht sie da wie eine Salzsäule! Denkt sie etwa darüber nach aufzugeben?“

Einige Zuschauer unterstützten diesen indirekten Vorschlag lautstark. Ein regelrechter Singsang entstand, der Anya dazu aufforderte, das Spiel zu schmeißen. Ihre Lage war schließlich mehr als schlecht.

 

[Anya: 400LP / Valerie: 1900LP]

 

Ihr war nichts geblieben. Alles hing jetzt davon ab, was sie zog. Valerie dagegen besaß den großen, weiß-goldenen Eisvogeldrachen Moulinglacia, der über ihr flog sowie den Haimenschen [Gishki Abyss], welcher vor ihr verharrte.

 

Moulinglacia The Elemental Lord [ATK/2800 DEF/2200 (8)]

Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]
 

Außerdem lauerten auf Valeries Blatt noch [Gishki Shadow], ein Ritualhelfer und das Ritualmonster [Gishki Zielgigas] – ihr stärkstes und fiesestes von allen.

Anya schluckte. Wie sollte sie da bloß wieder heil rauskommen? Und dann wieder Valeries Worte.

„Sicher wirst du ein glückliches Händchen beim Ziehen beweisen, oder?“

Vorsichtig legte die Blonde ihre Hand ans Deck. Redfield wusste genau, dass sie in solchen Situationen mithilfe Levriers das Schicksal zu verändern versuchte. Sie rechnete damit. Und forderte sie heraus, genau das zu versuchen. Aber wenn sie das tat, dann …

 

Du denkst an deine Liste, nicht wahr?

 

Kaum merklich nickte Anya. Die aberdutzenden Bildschirme, die die Duellplattform umgaben, schalteten sich plötzlich wieder ein. Alle zeigten ihr Stirn runzelndes Antlitz.

Wenn sie jetzt den Cheat Draw benutzte, hatte sie ihr Recht verwirkt, bei einem Sieg Valerie von ihrer 'Pitchest Black'-Liste zu streichen. Andererseits, wenn sie es nicht tat und etwas Unbrauchbares zog, war es vorbei. Redfield würde ins Finale einziehen und Anyas Traum, Duel Queen zu werden, war damit vielleicht für immer zerstört. Was sollte sie tun!?

 

Verzweifelt suchte sie unter den Zuschauerrängen nach ihren Freunden, aber die waren nirgendwo zu entdecken. Kein Matt, kein Zanthe … kein Logan. Selbst von Marc fehlte nach wie vor jede Spur. Wo waren die bloß alle!?

 

Die Entscheidung liegt bei dir. Aber wenn du Valerie Redfield wirklich deine Freundin nennst, tu es nicht.

 

Levrier, der Unsichtbare, hatte Recht. Das wusste Anya. Was sie nicht wusste, war der Grund, warum sich Redfield plötzlich so abweisend verhielt. Wenn sie jetzt aber ein bisschen mit übernatürlicher Kraft nachhalf, würde das nur schlimmer werden.

„Verdammter Kackmist!“, schrie Anya und schloss die Augen. Mit dem Entschluss, nicht den Fehler zu begehen, der von ihr erwartet wurde. „Draw!“

 

~-~-~

 

Der Klang von Schritten hallte durch den Schacht. In unregelmäßigen Abständen waren kleine Scheinwerfer, Lampen, teilweise auch von der Decke hängende Glühbirnen aufgebaut, allesamt mit dem Zweck, den Besuchern der 'Temptation Lair' den Weg durch das dichte Netz an Tunneln zu weisen.

Zanthe und Exa folgten nebeneinander den Schienen.

Letzterer schluckte. „Gleich ist es soweit. Um ehrlich zu sein, bin ich etwas aufgeregt.“

„Du wirst das schon schaffen“, erwiderte Zanthe müde.

„Und deine Freundin? Schafft die es?“

„Wie oft noch, ich finde es überbewertet, bei jedem ihrer Spiele dabei zu sein. Ich hab die Wiederholung vom Viertelfinale angesehen. Hätte nie gedacht, das mal zu sagen, aber sie braucht mich gar nicht.“

Der große Blonde sah seinen Freund von der Seite mit großer Skepsis an. „Wieso habe ich das Gefühl, zwischen euch zu stehen?“

„Weil sie mir das Gefühl gibt. Können wir nicht über etwas anderes reden?“, fragte der Werwolf mit dem orangefarbenen Kopftuch genervt.
 

So sah sich sein Freund im engen Tunnel um. „Was ist das hier eigentlich?“

„Ein unbenutztes U-Bahn-Netzwerk. Sie hatten die Arbeiten daran fast fertig gestellt, aber dann hat der Senat den Geldhahn zugedreht und stattdessen in den Bau von Riding Duel-Strecken investiert.“

„Das war bevor diese Stadt zum Kartenspielhimmel erhoben wurde?“

„Genau. Dieses Netz ist weit ab vom Schuss, also sahen sie wohl keinen Bedarf, es jemals zu reaktivieren“, erklärte Zanthe, während sie den Lichtern folgten.

Neugierig fragte Exa weiter: „Und so hat sich der Untergrund eingenistet?“

„Ja. Sie benutzen die Subway Stations als Austragungsort für die Duelle.“

Sein Freund neben ihm verschränkte die Arme. „Kaum zu glauben, dass die Behörden davon nichts ahnen.“

„Natürlich wissen sie Bescheid“, belehrte Zanthe ihn altklug eines Besseren, „aber das ist nicht offiziell. Viele reiche Leute, die auch zum Wachstum und Wohlstand der Stadt beitragen, schließen hier Wetten ab, machen Geschäfte. Das zu zerstören bringt mehr Schaden als Nutzen, besonders wenn man sich vor Augen hält, dass Ephemeria City viermal so hohe Ausgaben im Jahr hat als New York, obwohl sie kaum größer als die Bronx ist.“

„Ja, was auch immer“, winkte Exa ab, da er offensichtlich den Faden verloren hatte.

 

Schließlich gelangten sie ins Herz der Temptation Lair. Einer mittelgroßen U-Bahnstation, dunkel, nur von einigen Lichterketten und Scheinwerfern erhellt, die gen Decke gerichtet war. In neongrünen Lettern war der inzwischen etablierte Name über die ursprüngliche Bezeichnung der Station geschmiert worden, welche nicht mehr lesbar war.

Die beiden hielten auf eine Holzrampe zu, die von den Gleisen hinauf zum Bahnsteig führte. Nicht wenige Menschen tummelten sich dort. Es gab ein paar kleine Holzstände, die mit allerlei Kram handelten. Doch wirklich voll waren nur jene, die Wetten auf den Sieger annahmen.

„Die Quote steht 20 zu 1!“, rief ein breit gebauter Mann durch die Menge. „Wer hält dagegen?“

„Wow, glauben die, ich bin so gut?“, fragte Exa fast ein wenig naiv, als sie sich an den Leuten vorbei schoben, ins Innere der Station.

„Nein. Genau das Gegenteil ist der Fall.“

„Autsch. Wieso?“

„Weil du das das erste Mal machst und dein Gegner sozusagen ein Star ist. Denk dran, du wolltest es ja so“, murmelte Zanthe schnippisch.

Aber sein Freund erwiderte ernst: „Wenn die Alternative heißt, alte Frauen auszurauben, ist mir das nur recht. Ich hasse so etwas.“

„Deswegen habe ich dich ja hierher gebracht.“

 

Mit hierher meinte er mehr oder weniger das, was ihnen begegnete, als sie den Bahnsteig verließen und die daran anschließende Halle betraten. Sie war groß, gestützt von vier Säulen. Um diese war ein Stacheldrahtzaun bis hoch an die Decke gezogen, um sie herum waren Lichterketten gewickelt.

Überall standen hohe Tische, an denen Menschen dem Alkohol frönten. Eine kleine Minibar war von den Jungs aus zu ihrer Rechten eingerichtet worden, in dem kleinen Raum, der ursprünglich für den Fahrkartenverkauf vorgesehen war.

„Einladend“, kommentierte Exa den Anblick wenig begeistert und zeigte auf den abgesperrten Ring inmitten der vier Säulen, „und da muss ich rein?“

„Ja. Ihr werdet euch mit runter geschraubten Sicherheitseinstellungen duellieren“, erklärte Zanthe, „die Angriffe der Monster richten keinen großen Schaden an, aber mit etwas Pech knallst du gegen den Zaun. Und der steht unter Strom, wenn du noch mehr Pech hast.“

An den beiden vorbei stolzierte eine leicht bekleidete, blonde Dame im Hasenkostüm, die mit Tablett in der Hand die Getränke servierte. Exa kam nicht daran vorbei, ihr hinterher zu sehen.

„In fünf Minuten fängt es an. Wenn du ihre Nummer willst, beeil' dich“, schnarrte Zanthe.

 

~-~-~

 

Den Arm mit der gezogenen Karte in der Hand von sich gestreckt haltend, wagte Anya es nicht, sich das Ergebnis ihres Entschlusses anzusehen. Sie wusste, dass das, was sie getan hatte, richtig war. Und sie glaubte, den kurzen Anflug eines Lächelns auf Valeries Gesicht zu erblicken, welche sich ihr nun wieder zu wandte.

„Ein Problem wäre wohl damit gelöst“, hörte Anya sie murmeln.

Das musste sich noch zeigen, dachte sie dabei und sah sich die Karte nun an.

„Tch.“ Sie schob sie in das rote D-Pad. „Ich setze diese da. Zug beendet!“

Zischend materialisierte sich die Falle vor ihren Füßen in vergrößerter Form.

 

„Draw!“ Valerie zog auf, doch runzelte die Stirn.

Und Anya flehte innerlich: „Bitte, wechsle [Gishki Abyss] in den Verteidigungsmodus, bitte. Wenn du das tust, könnte ich …“

„Ich weiß, was auf deinem Friedhof liegt“, sagte Valerie jedoch, „ich werde also nicht auf Nummer Sicher gehen. [Moulinglacia The Elemental Lord], greife sie direkt an! Neverwinter Blizzard!“

Anya weitete die Augen. Woher wusste sie von-!?

Der weiße Drachenvogel mit der goldenen Maske schlug heftig mit seinen Schwingen, von denen sich ein derart dichter Schneesturm löste, dass binnen kürzester Zeit die komplette Duellplattform davon eingehüllt war.

Mr. C brachte die Lage auf den Punkt. „Wenn dieser Angriff durchgeht, haben wir unsere erste Finalistin!“

„Kannst du vergessen. Shit, habe ich eben keine Wahl“, fluchte Anya und schwang den Arm über ihrer verdeckten Karte aus, „Falle, [Negate Attack]! Sie stoppt den Angriff und beendet die Battle Phase!“

Kurz bevor sie drohte, im Schneegestöber unterzugehen, prallte dieses an einer unsichtbaren Barriere ab, ausgehend von der aufgeklappten Falle.

„Ich wechsle [Gishki Abyss'] Position. Du bist dran“, verlautete Valerie und drehte dessen Karte auf ihrem D-Pad, sodass der Haimann in die Hocke ging.

 

Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

 

Die wirbelnden Schneeflocken nahmen in ihrer Zahl rapide ab, bis sie ganz verschwunden waren. Anya wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Phew.“

„Dieses Mal konnte Anya Bauer der Niederlage entkommen, doch jetzt steht sie wieder vor der selben Ausgangssituation“, hallte Mr. Cs Stille durch das Stadion, „der nächste Zug wird über ihr Schicksal entscheiden.“

 

Die Blonde biss sich auf die Lippe. Der Schwachkopf ahnte ja gar nicht wie sehr er damit Recht hatte. Allein der Gedanke daran, Redfield gegen Claire Rosenburg in den Ring steigen zu lassen, verursachte bei ihr Magenkrämpfe. Nein, -sie- musste ihres Schicksals Schmied sein, niemand sonst! Für ihr Leben und für ihren Traum!

 

Valerie bemerkte den verkniffenen Gesichtsausdruck ihrer Gegnerin und seufzte schwer. „Anya …“

Jene packte die oberste Karte ihres Decks. „Du denkst, ich habe keine Chance gegen Claire? Du wirst dich umgucken! Fucking Mega-Draw!“

Für einen Moment rutschte Valeries Herz in die Hose. Würde Anya oder würde sie nicht …

Als die mit Schwung zog, war sich Valerie für einen Moment nicht sicher. Etwas versetzte ihr einen Stich. Hatte sie …?

„Ich setze mein Monster“, verkündete Anya. „Zug beendet!“

Die Zuschauer hielten gespannt den Atem an. In horizontaler Lage materialisierte sich die Karte des sogenannten Underdogs vor diesem.

Valerie fuhr sich mit der rechten Hand über den nackten Oberarm. Wenn Anya Levriers Kräfte benutzte, versuchte sie für gewöhnlich das Duell im selben Zug zu drehen. Die grimmigen Gesichtszüge ihrer Gegnerin verrieten nichts.

 

~-~-~

 

Zwei Männer öffneten jeweils eine der Türen, die ins Innere des Stacheldrahtrings führten. Zanthe klopfte Exa auf den Rücken, welcher sofort verkrampfte. „Viel Glück. Pass auf dich auf.“

„Hoffentlich blamiere ich mich nicht vor Candy“, stammelte Exa nervös und schritt vorwärts.

Abseits von ihnen lief ein Mann mit Mikrophon durch die Massen. Mit dem Markenzeichen eines schwarzen Cowboy-Huts mit entsprechendem Outfit, war Roy McGilbert sozusagen der Manager der Temptation Lair.

 

Dieser Mann liebte den Kontakt mit seinen Kunden. Das hatte er mehr als deutlich gemacht, als er Zanthe und Exa vor Kurzem mit offenen Armen empfangen hatte. Natürlich ging es ihm in erster Linie um eine gute Show, doch entgegen der Annahme, ein Mann wie er hätte kein Herz, zeigte er sich Exas Lage gegenüber verbunden. Weshalb er in Absprache mit Zanthe ein Duell vorbereitet hatte, von dem niemand erwartete, dass der Neuling es bestand.

 

„Wer ist Candy?“, fragte Zanthe den Mann mit blondem Vollbart, als dieser sich neben ihn stellte.

„Das Mädchen dort“, erklärte ihm Roy und zeigte mit dem Mikro auf die dunkelhaarige Kellnerin, die gerade Exa zuwinkte, welcher vor dem Eingang des Rings Halt machte.

Der Werwolf rollte mit den Augen. Erst die Blondine, zwei Minuten später eine Candy …

Zusammen beobachteten sie, wie Exa zögerlich als Erster den Ring betrat. Hinter ihm wurde die Tür geschlossen und mit einem Vorhängeschloss abgeriegelt. Von seinem Gegner fehlte bisher jede Spur.

Die Stimmung wurde zunehmend gespannter. Immer mehr Leute versammelten sich um den Käfig, tuschelten aufgeregt und tauschten Wettgeschichten aus. Und ein Name fiel immer wieder: Jack Leonhart Jr., Exas heutiger Gegner.

„Ist das nicht der ehemalige Weltmeister, der gegen diese Anya Bauer verloren hat?“, wandte sich Zanthe erschrocken an Roy. Natürlich wusste er das längst, aber nicht, was dieser Typ ausgerechnet hier verloren hatte.

Der bedachte ihn aus seinen grünen Augen eines entschuldigenden Blicks. „Willst du, dass Exa seine finanziellen Schwierigkeiten in den Griff bekommt? Dann muss er einen starken Gegner besiegen.“

„Das ist ein Profi! Was hat der überhaupt hier zu suchen!?“

„Nach seiner schicksalhaften Niederlage gegen Claire Rosenburg hat er immer weniger Verträge angeboten bekommen. Dazu geht es seit Jahren mit der Firma seiner Familie abwärts, also musste er sich etwas überlegen, um an Geld zu kommen.“ Roy ließ ein bärbeißiges Lachen los. „Mittlerweile ist er sozusagen die Hauptattraktion. Auch wenn sein Ruf nach seinem Ausscheiden aus dem Legacy Cup gelitten hat. Deswegen war es so einfach, dieses Duell zu arrangieren.“

 

Zanthe verschränkte mit skeptischem Blick die Arme. Das konnte ja heiter werden. Er war sich zwar sicher, Exa gut vorbereitet zu haben, aber dennoch missfiel ihm dieser Einstieg in die Untergrundszene. Gäbe es eine andere Möglichkeit, hätte er diese gewählt, aber ohne festen Wohnsitz, Papiere und Green Card war es Exa nicht vergönnt, irgendwo Arbeit zu finden …

 

„Da ist er ja, unser Star!“, rief in dem Moment Roy und seine Stimme hallte durch die überall an der Decke angebrachten Lautsprecher.

Zanthe musste zweimal hinsehen, um Jack als ebendiesen zu erkennen. Sein blondes Haar, das zuvor beim Duell gegen Anya bis zu den Augenbrauen reichte, war zu einer spitz zulaufenden Frisur hochgegelt, der Anzug war einer schwarzen Jeans mit dazu passender Motorradjacke gewichen.

„Ich werde nie die Leute verstehen, die im Dunkeln Sonnenbrillen tragen“, schnarrte Zanthe beim Anblick des ehemaligen Weltmeisters, welcher wortlos den Käfig betrat.

Roy legte seine Hand auf das Mikrophon und zwinkerte dem Werwolf zu. „So ist er eben, will jeden beeindrucken. Hoffen wir, dass ihm das heute nicht gelingt. Wir brauchen dringend einen neuen Star.“

Dann sprach er in das Mikro: „Wie es aussieht, sind unsere beiden Kontrahenten jetzt versammelt. Ihr kennt das Spiel ja inzwischen: Do or die! Wer die Angriffe des Gegners nicht ab kann, ist nicht für die Temptation Lair geschaffen.“

Die umstehenden Leute jubelten.

 

Während Roy noch einmal die Regeln erklärte und die Wettquoten wiederholte, standen sich Exa und Jack gegenüber in dem Käfig, der nun von beiden Seiten abgeschlossen war.

„Viel Glück“, wünschte Exa seinem Gegner und schritt mit ausgestreckter Hand auf ihn zu.

Doch der Sonnenbrillenträger zischte: „Halt's Maul!“

Sofort blieb der Größere stehen, runzelte ärgerlich die Stirn.

„Nur damit du es weißt: Ich habe keinen Bock darauf, einen Anfänger wie dich zu zerquetschen, aber Roy hat mir keine Wahl gelassen.“ Jack senkte leicht den Kopf, lugte über den Rand seiner Brille herüber. „Wenn du uns beiden einen Gefallen tun willst, wehr' dich nicht zu sehr. Dann ist es wenigstens schnell vorbei.“

Der Vorschlag traf jedoch auf taube Ohren. Exa wirbelte wortlos herum und kehrte zu seiner Ausgangsposition zurück.

„... jetzt, wo alles geklärt ist“, rief Roy Gilbert erwartungsvoll, „lasst das Spiel beginnen!“

Exa streckte den Arm aus, an dem bereits seine abgerundete, weiß-blaue Duel Disk haftete, welche lediglich ein Stück weit ausfuhr. Dagegen spielte Jack mit einem schwarzen D-Pad, wie auch Matt eines besaß – Standardware vom Schwarzmarkt, da man sie nicht so leicht orten konnte.

„Duell!“, schrien die beiden sich gegenseitig an.

 

[Exa: 4000LP / Jack: 4000LP]

 

~-~-~

 

Als Valerie aufzog, stand ihr die felsenfeste Entschlossenheit ins Gesicht geschrieben.

„Ich wechsle [Gishki Abyss] zurück in den Angriffsmodus“, entschied sie und drehte dessen Karte auf ihrem D-Pad wieder in aufrechte Position. Der blaue Haimensch erhob sich aus seiner niedergeknieten Haltung.

 

Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

 

„Valerie Redfield will unter allen Umständen zum letzten Schlag ausholen“, ließ sich Mr. C es nicht nehmen, die Aktion zu kommentieren. „Wird es ihr diesmal gelingen, die verbliebenen 400 Lebenspunkte von Anya Bauer auszulöschen?“

Die Schwarzhaarige fuhr sich durch den hoch angesetzten Pferdeschwanz, der bis weit über die Schultern reichte, und schloss die Augen. Ganz als würde sie die Antwort schon kennen. „Angriff auf Anyas gesetztes Monster, Moulinglacia. Neverwinter Blizzard!"

Wieder entstand ein Schneegestöber um die Duellantinnen, ausgehend von dem weißen Drachenvogel über Valerie, der mit seinen Schwingen in Anyas Richtung schlug. Dadurch entstand ein Schneesturm, der über das Feld wirbelte und die verdeckte Karte Anyas zerfetzte. Aus ihr entsprang ein steinerner Krug, in dessen Inneren sich ein Auge verbarg.

 

Morphing Jar [ATK/700 DEF/600 (2)]

 

Von tanzenden Schneeflocken umgeben, frohlockte Anya trotz ihrer ernsten Lage. „Pech für dich, Redfield! [Morphing Jar] ist ein Flippeffektmonster, das uns beide alle Karten aus der Hand abwerfen lässt, wenn er aufgedeckt wird. Danach ziehen wir beide fünf neue!“

Ihr Grinsen wurde breiter, als die Blonde die Hand an ihr Deck legte und Valerie kommentarlos ihre vier Handkarten, nämlich die Monster [Gishki Zielgigas] und [Gishki Shadow], den Zauber [Forbidden Arts Of The Gishki] sowie die in diesem Zug aufgezogene Falle [Aquamirror Cycle], in den Friedhofsschacht schob.

„Sieht wohl so aus, als hätte ich dein miesestes Ritualmonster entsorgt, noch bevor du es überhaupt ausspielen konntest“, flötete Anya, „und mit meinem [Morphing Jar] finde ich sogar ins Spiel zurück! Fünffacher Fucking-Mega-Draw!“

Mit einem Mal riss sie fünf Karten von ihrem Deck und fächerte sie stolz vor sich auf, wohingegen Valerie besonnen eine nach der anderen zog. Dann lächelte sie kühl. „Du hast eins vergessen: Ich kann dich noch direkt mit [Gishki Abyss] angreifen. Los!“

… sie war noch nicht fertig, also …

Der Haimann stieß sich vom Boden ab und flog mit hoher Geschwindigkeit auf Anya zu, nein, schwamm vielmehr durch die Luft. Sein mit spitzen, weißen Zähnen bestücktes Maul weit öffnend, wollte er nur eins: Anya bei lebendigem Leib verschlingen.

Allerdings hatte die andere Pläne, als sie rief: „Pah, als ob mich das besiegen könnte! Effekt von [Kuriboss] auf meinem Friedhof!“

Abyss war nur noch etwa einen Meter von Anya entfernt, da tauchte vor ihr der braune Fellball mit dem grauen Cape und der Sonnenbrille auf der Nase auf. Panisch mit seinen Stummelarmen wedelnd, landete er genau zwischen den Zähnen des Haimanns, der seinen Ansturm abrupt stoppte.

„Wenn ich [Kuriboss] vom Friedhof verbanne, kann ich Kampfschaden negieren!“, erklärte Anya.

Und Mr. C staunte Bauklötze. „Sie hat den Angriff abgewehrt, aber wie ist diese Karte dort gelandet!?“

„Heh, das ist doch echt nicht schwer gewesen“, gab die Blonde im dunklen T-Shirt mit der Anschrift ihres Kartenladens auf dem Rücken großspurig an.

 

Anya nahm aus ihrem Blatt eine Zauberkarte und zeigte diese vor: „Und jetzt werden wir beide unsere Karten abwerfen und dieselbe Zahl an neuen aufziehen: [Card Destruction]! Pech für dich, dein Assmonster Soul Ogre ist damit hinüber!“

Valerie quittierte dies mit einem Schnalzen und legte ihre einzige Handkarte auf den Friedhof, genau wie Anya es mit ihren eigenen drei verbliebenen tat. Die letzte war [Kuriboss].

 

Während das Publikum begeistert applaudierte, verzog Valerie keine Miene. Sie starrte Anya an, wie sie sich im kurzen Ruhm ihrer vermiedenen Niederlage sonnte. Dann richtete sie ihr Augenmerk auf die fünf Karten, die sie durch [Morphing Jars] Effekt gezogen hatte.

„Ich setze zwei Karten verdeckt“, entschied sie und schob beide nebeneinander in das rote D-Pad, wodurch sie vor ihren Füßen vergrößert Form annahmen. „Dein Zug, Anya.“

 

Jene grinste breiter denn je. „Sieht so aus, als würde es nochmal richtig spannend werden, nicht wahr, Redfield?“

„Ja“, antwortete diese knapp.

Was Anya gar nicht schmeckte. „Was ist los? Hast du heute deine Tage oder was?“

Selbstverständlich reagierte Valerie gar nicht erst auf die Provokation. Was ihre Gegnerin nur umso fuchsiger werden ließ, welche mit Schwung zog. „Pah, dann schmoll' doch vor dich hin, Redfield! Draw!“

Ihre nun sechs Karten vor sich haltend, konnte Anya ihr Glück kaum fassen. Sie war bis hierher gekommen, ohne Levriers Kräfte zu benutzen! Jedenfalls nicht -diese Art- von Kräften. Aber hey, sie gönnte es ihm, wenn er das Spiel wenigstens für sie beendete!

„Ich habe mit [Card Destruction] übrigens noch eine Karte abgeworfen, die ich jetzt zurückhaben will!“

Anya holte bereits zwei Karten aus ihrem Friedhof, um sie vorzuzeigen, da kam Valerie ihr zuvor. „Ich weiß. [Gem-Knight Fusion].“

„Huh!? … 'kay, dann bist du heute nicht nur besonders zickig, sondern auch besonders dämlich, wenn du die bemerkt hast, aber [Kuriboss] nicht.“ Anya runzelte argwöhnisch die Stirn, als sie die Zauberkarte zusammen mit dem durch Moulinglacias Effekt abgeworfenen [Gem-Knight Turquoise] präsentierte. „Was auch immer, ich bekomme [Gem-Knight Fusion] zurück, indem ich einen gefallenen Gem-Knight verbanne.“

Statt diese aber in ihr Blatt zu packen, zog sie noch eine Zauberkarte aus jenem hervor und schob die eben erst erhaltene [Gem-Knight Fusion] wieder in den Friedhofsschacht. „Indem ich eine Handkarte abwerfe, kann ich [D.D.R. - Different Dimension Reincarnation] aktivieren, sie an ein verbanntes Monster ausrüsten und dieses zurück aufs Feld rufen! Also komm, [Gem-Knight Turquoise]!“

All das beobachtete Valerie mit starrer Mimik. Vor Anya erschien ein Ritter in einer hellblauen, mit dutzenden himmel- bis grünblauen Edelsteinen besetzten Rüstung, der einen Bogen mit sich führte.

 

Gem-Knight Turquoise [ATK/1400 DEF/2000 (4)]

 

Noch bevor er den Bogen spannen konnte, hatte Anya schon ihre [Gem-Knight Fusion] sowie [Gem-Knight Iolite] aus ihrem Friedhof geschnappt, seines Zeichens ebenfalls ein Opfer Moulinglacias.

„Ich verbanne Iolite, um [Gem-Knight Fusion] zurück auf die Hand zu bekommen, aber da wird sie nicht lange bleiben, denn ich werfe sie dank Turquoises Effekt ab, um einen verbannten Gem-Knight zu beschwören!“ Anya holte kurz Luft, da sie schneller gesprochen hatte, als man es je von ihr gewöhnt war. Dabei entledigte sie sich ihrer Zauberkarte wieder. „Und das ist der eben verbannte Iolite!“

Ihr Ritter des Türkis schoss einen Pfeil angewinkelt neben sich in die Luft, sodass er neben ihm einschlug und einen Runenzirkel um sich bildete. Aus diesem schwebte langsam ein blauer Krieger, welcher eine Wasserklinge mit sich führte.

 

Gem-Knight Iolite [ATK/1300 DEF/2000 (4)]

 

Mit fest entschlossenem Blick streckte Anya die Hand nach vorne aus. „Pass schön auf, Redfield, denn hier kommt dein Untergang! Ich erschaffe das Overlay Network!“

Ein Schwarzes Loch öffnete sich inmitten des Spielfelds. Die tausenden von Zuschauern gaben erstaunte Laute von sich, waren gespannt auf Anyas nächsten Schachzug. Beide Edelsteinritter wurden als braune Lichtstrahlen von dem Wirbel absorbiert.

„Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon!“ Eine Explosion erschütterte das Überlagerungsnetzwerk. „Stehe mir bei, [Gem-Knight Pearl]!“

„Ich wusste es“, murmelte Valerie tonlos.

Aus dem Lichtfeuerwerk entstieg ein weißer Ritter mit blau leuchtenden Augen, umgeben von sieben Perlen, so groß wie Menschenköpfe. Mit verschränkten Armen schwebte er rückwärts herüber zu Anya und positionierte sich vor ihr.

Die Schwarzhaarige funkelte ihn fast schon böse an. „Hi.“

 

Guten Tag, Valerie Redfield.

 

Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

 

Zwei Energiesphären umkreisten Levrier wie Motten das Licht, als er zur Verdeutlichung seines Grußes die Hand hob.

„Dieses Monster hat Anya Bauer bereits in ihren vorherigen Duellen benutzt! Unsere Analysen ergaben, dass es sich hierbei um ein besonders seltenes Exemplar handelt, ein Fehldruck, um genau zu sein.“ Mr. C konnte sich dabei ein Lachen nicht verkneifen, genauso wenig wie viele Valerie-Fans.

Anya verzog ein Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

 

Ist das eine Geschichte von Henry Ford, um meine Existenz zu rechtfertigen? Wie überaus verletzend. Ich will nicht wissen, was er [Gem-Knight Master Diamond] unter diesen Umständen angedichtet hat.

 

Die Farbe von Anyas Gesicht schwang bereits deutlich ins Rote über.
 

Andererseits sollten wir froh sein, dass er offenbar an so etwas gedacht hat. Das erspart uns lästige Fragen.

 

Aber es sorgte nicht dafür, dass Anyas Blutdruck sank. Im Gegenteil, die schnaufte wie ein Stier, weil dieser dämliche Schnöselprinz ihr mal wieder durch einen Tritt in die Eierstöcke zeigen musste, wie wenig er sie mochte.

„Das wird er mir noch büßen!“, knurrte die Blonde außer sich.

„Hoffentlich hat das Zeit“, drang sich Valerie ungebeten wieder in Anyas Wahrnehmungsbereich und zwar, indem sie eine ihrer Fallen auslöste. Wie schon seit Beginn des Duells, erklärte sie ziemlich unterkühlt: „Ich kenne den Effekt von Turquoise, solange er ein Xyz-Material ist. Du willst ihn mit Iolite abhängen, um Pearls Punkte zu verdoppeln. Aber das hat schon bei unserem letzten Duell nicht funktioniert und heute ebenso wenig! Ich aktiviere [Torrential Tribute]!“

Die Falle stellte sich vor Valerie auf. Zu sehen war ein mächtiger Wasserstrahl. Und genau das, Wasser, begann aus der Falle herauszusprudeln.

„Huh!?“, gab Anya dümmlich zum Besten.

 

Sie will alle Monster auf dem Feld zerstören!

 

„Diese Karte ist ein zweischneidiges Schwert, denn bei der Beschwörung eines Monsters reißt sie alle auf dem Spielfeld ins Verderben“, bestätigte Valerie Levriers Aussage, „[Gishki Abyss], Moulinglacia … und Pearl. Nun Anya, was wirst du tun?“

Panisch sah die in ihr Blatt, hatte aber nichts auf der Hand, um das zu verhindern. Indes begann das Wasser aus der Falle regelrecht zu sprudeln.

„Levrier“, kam Anya doch kurzerhand ein Geistesblitz, „ich habe eine Idee! Sie wird dich nicht direkt retten, aber …“

 

Du willst mich inkarnieren!? Vor allen Leuten!?

 

Als Valerie das mitbekam, kniff sie die Augen so fest zusammen, dass bestenfalls eine Rasierklinge zwischen die Lider passte. „Anya …“

Die bekam davon gar nichts mit. „Eine andere Wahl haben wir nicht!“

 

Aber-!

 

Weiter kam Levrier nicht, denn das Unumgängliche geschah. Aus [Torrential Tribute] schossen in alle Richtungen Wasserfontänen, die den weiß-goldenen Vogeldrachen, den Haimann und den Immateriellen mit sich rissen.

„Los jetzt!“, befahl Anya schroff.

Doch es passierte nicht das, was sie erwartet hatte. Die Zeit fror unvermittelt ein. Die Wassermassen hingen in der Luft, bewegungslos. In ihnen gefangen die drei Monster. Es war mit einem Male mucksmäuschenstill. Und die Umgebung verblasste, bis sie komplett schwarz wurde.

 

Dann drang ein goldenes Leuchten von unterhalb Anyas zu dieser. Jene sah erschrocken nach unten, entdeckte, dass sie sich in der Mitte eines Elysions befand. Doch war es nicht ihre eigenes, denn das Mosaik zeigte eine goldgelbe Sonne, groß, in alle Richtungen strahlend.

„Wieso bin ich-!?“

„Hier können wir ungestört reden.“ Valerie stand dem Mädchen unvermittelt gegenüber. „Du bist in meinem Elysion, Anya.“

Die Blonde schreckte zurück. „Huh!? M-Moment, was ist los!? Wie komme ich hierher?“

„Ich erwarte nicht, dass du verstehst, warum ich jetzt sagen werde, was mir auf der Seele liegt, aber-!“

„Redfield, what the fuck!? Du bist ungefähr so magisch wie eine Polly Pocket-Puppe, wie hast du das hier geschafft!?“

 

Anya hatte die Phase der fünf W-Fragen ganz offensichtlich noch nicht überwunden, welche da lauteten:

„Wo bin ich?“

„Warum bin ich hier?“

„Wer hat mich hierher gebracht?“

„Was will derjenige von mir?“

Und, ihre Lieblingsfrage: „Wie viele Schläge in die Nieren verträgt er, bis er mich freiwillig gehen lässt?“

Dementsprechend perplex breitete sie zur Untermalung ihrer eigentlichen Frage die Arme aus.

 

Valerie hob demonstrativ ihr D-Pad an, auf dem Anya [Moulinglacia The Elemental Lord] pulsieren sah.

„Dass du sogar deinen Freunden solche Karten gibst“, murmelte Valerie zerknirscht, fand jedoch wieder zu alter, unnahbarer Form zurück. „Allerdings sollte ich dir wohl dankbar sein, denn ich denke, die Karte hat auf meinen Wunsch reagiert, hier mit dir zu reden. Aber das klären wir später.“

Anya schwang wütend den Arm aus. „Wo ist Levrier?“

„Das ist mein Elysion und ich will ungestört mit dir reden. Also hör zu. Ich möchte nicht, dass du ihn inkarnierst.“

Ihr Gegenüber ließ verwundert den Arm sinken. „Du ziehst so eine Show ab, um mir das zu sagen?“

„Versteh mich nicht falsch, es geht nicht darum, dass ich Angst vor dem Ausgang des Duells habe, falls du inkarnierst. Es ist nur …“ Valerie wandte sich von Anya ab. „Mir ist aufgefallen, dass du dich immer mehr auf diese … seltsamen Karten verlässt.“

„Meinst du Angel Wing?“

„Ja. Ich habe dich beobachtet, auf der Feier und wie du dich gegen Melinda ein zweites Mal duelliert hast. Auch Marc hat es bemerkt.“ Valerie seufzte schwer. „Seit du diese Karten jagst, verlässt du dich zunehmend auf übernatürliche Kräfte aller Art. Du benutzt in jedem Duell [Angel Wing Dragon], jetzt auch Heavy T und gegen Ricther hast du nur gewonnen, weil du Pearl inkarniert hast.“

Ihre Freundin sah sie mehr als verständnislos an. „Und du sagst mir das weil …?“

„Du bist abhängig davon geworden.“ Valerie wandte sich ihr wieder zu, ein bedauernder Ausdruck lag in ihren Zügen. „Du bist berechenbar wie nie zuvor. Deine Gem-Knights, die früher alles für dich waren, sind plötzlich nur noch schmückendes Beiwerk für deine Hüterkarten.“

 

Wie es nun mal in Anyas Natur lag, konnte sie diesen Informationsinput nicht so schnell verarbeiten und das schon gar nicht, wenn es um Dinge ging, über die sie sich noch nie Gedanken gemacht hatte.

Demnach lautete die logische Konsequenz: „Das ist doch Schwachsinn, Redfield! Du willst doch bloß nicht verlieren!“

„Mit dieser Einstellung wirst du definitiv gegen Claire Rosenburg verlieren“, prophezeite Valerie düster und wandte sich vollends von Anya ab. „Ich habe dir schon bewiesen, wie leicht es ist, die Hüterkarten auszuschalten.“

Als sie über ihr Elysion zog, erhobenen Hauptes, hallten ihre Schritte durch die Dunkelheit. „Alles was ich dir sagen will ist, dass du wieder zu dir selbst finden musst. Als es noch keine Immateriellen und Hüterkarten gab.“

 

Mit Valeries Fortgang ins Nichts lösten sich auch ihr Elysion und die Dunkelheit auf. Anya stand wieder auf der Duellplattform, die Zeit fand wieder zu ihrem Fluss zurück. Pearl, Moulinglacia und [Gishki Abyss] wurden von der Flut aus Valeries Fallenkarte mitgerissen und zersprangen alle gleichzeitig.

„Denk über meine Worte nach“, forderte Valerie eindringlich.

Und Anya biss sich auf die Lippen. Denn nun musste sie entscheiden, ob sie [Gem-Knight Pearl] inkarnierte oder nicht. Falls sie das nämlich tat, hätte Redfield nur noch einen Grund, mal wieder auf sie herabzusehen und sie schlecht zu machen …

 

~-~-~

 

„Jetzt aktiviert sich [Satellarknight Alsahms] Effekt“, verkündete Exa, welcher jenen als Auftakt des Duells beschworen hatte. „Das sind dann 1000 Punkte Schaden für dich!“

 

Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

 

Der kleine Ritter, der mit seinem gespannten Bogen Amor nicht ganz unähnlich war, löste von der Sehne seines goldenen Bogens einen Lichtpfeil. Jener schoss geradewegs auf Jack zu und traf diesen in die Brust.

„Urgh!“, keuchte jener und wurde so weit zurückgeworfen, dass er beinahe gegen den mit Stacheldraht ausgelegten Käfig krachte. Aber da genau dies nicht geschah, hallten enttäuschte Pfiffe und Buhrufe durch die umfunktionierte U-Bahn-Station.

 

[Exa: 4000LP / Jack: 4000LP → 3000LP]

 

Der blonde Ex-Weltmeister hielt sich den schmerzenden Brustkorb. „Das büßt du mir, Frischling!“

Exa zuckte mit den Schultern. „Versuchs doch, es ist dein Zug.“

 

Zanthe, unter den Zuschauern, schüttelte fassungslos den Kopf. Roy war inzwischen abgezogen, denn der Leiter der Temptation Lair zog es vor, ganz im Gegensatz zu Mr. C, die Duelle an sich unkommentiert zu lassen. Also gab es niemanden, dem Zanthe in diesem Moment seinen Frust anvertrauen konnte.

„Wow, du machst es ihm aber leicht, sich zu rächen“, rief er seinem Freund zu, auch wenn dieser es aufgrund des Lärmpegels wohl kaum hören würde.

Dem Werwolf war überhaupt nicht mehr wohl bei der Sache, jetzt wo er Exa in Aktion sah. Immerhin schlummerte in dem die Seele seines Bruders. Und wenn der Dummkopf sich bei dem Duell verletzte, dann …

„Wir sind Freunde. Und ich hab dich da hineingezogen“, sprach Zanthe seine verworrenen Gedanken laut aus. „Was hab ich mir bloß dabei gedacht …“

 

„Draw.“ Mit herabhängenden Mundwinkeln zog Jack auf. „Normalbeschwörung, [Dragunity Pilum]. Und wenn das geschieht, ruft er ein Vogel-Dragunity aufs Feld, welches sich mit ihm ausrüstet. Erscheine, [Dragunity Militum]!“

Zuerst erschien ein giftgrüner Drache in dunkler Ganzkörperpanzerung, an dessen Kopfende ein kurzer Speer steckte. Direkt über ihm tauchte kurz darauf eine Kriegerin mit langem, dunkelblondem Haar auf, die Schwert und Dolch schwang. Von ihrem Rücken erstreckten sich metallische Schwingen, die in ihrer Aufmachung eher an die eines Schmetterlings, denn an die eines Vogels erinnerten. Mit einem Satz landete sie auf dem Rücken des Drachen.

 

Dragunity Militum [ATK/1700 DEF/1200 (4)]

 

„Militum hat jedoch den Effekt, ihr Reittier zurück als Monster aufs Spielfeld beschwören zu können“, erklärte Jack ruhig.

Die Reiterin stellte sich auf den Rücken Pilums, stieß sich ab und sprang hoch in die Luft.
 

Dragunity Pilum [ATK/1400 DEF/1000 (3)]

 

Der junge Mann ballte eine Faust. „Damit kann ich den Stufe 3-Empfänger Pilum auf den Stufe 4-Vogeltyp Militum abstimmen!“

Ebenjenen Arm stieß er in die Höhe und zitierte: „Whispering winds are the envoys of a combinated assault! The valley of mist shaken upon your mighty presence!“

Kerzengerade nach oben schoss Pilum an Militum vorbei und legte eine unglaubliche Verwandlung hin. Statt einer normalen Synchro-Sequenz, wuchs der Drache, wurde seine Rüstung los und färbte sich hellblau. Ledrige, schwarze Schwingen spreizten sich von seinem Rücken, als auf jenem die Kriegerin landete.

„Synchro Summon! Dominate, [Dragunity Knight – Trident]!“

Um die Leute ins Staunen zu versetzen, wirbelte der Drache einmal um die eigene Achse, ehe er Exa furchteinflößend anbrüllte.

 

Dragunity Knight – Trident [ATK/2400 DEF/1700 (7)]

 

„Los! Divine Trident Strike!“, befahl Jack mit ausgestrecktem Arm, dabei auf den kleinen Engel zeigend.

Der Drache, dessen Unterkiefer golden war und an eine Speerspitze erinnerte, besser gesagt an einen Dreizack, wenn man die beiden Auswüchse rechts und links vom Maul dazu nahm, flog wie ein solcher auf Exas Monster zu. Dieses konnte dem nichts entgegensetzen, wurde aufgespießt und der junge Mann selbst an der linken Schulter gerammt.

 

[Exa: 4000LP → 3000LP / Jack: 3000LP]

 

Der Schwung der Attacke schleuderte Exa bis in den Stacheldraht, wo dieser sofort mit dem Rücken hängen blieb. Als wäre dies aber nicht schon schlimm genug, bekam er unmittelbar effektreich einen Stromschlag verpasst, welcher ihn aufschreien ließ.

„Exa!“, rief Zanthe erschrocken dessen Namen.

Jener riss sich sofort los, was an sich schon so manchen Zuschauer erstaunte. Seine blaue Strickjacke war im Eimer und der Rücken voller Kratzer.

Keuchend murmelte der Blonde: „War doch gar nichts …“

„Sicher, spiel' ruhig den Taffen“, winkte Jack desinteressiert ab und nahm drei Handkarten, die er in sein schwarzes D-Pad schob. „Die drei verdeckt. Und nun Tridents Effekt. Ich kann bis zu drei Karten von meiner Spielfeldseite opfern …“

Jene tauchten in einer Reihe vor seinen Füßen auf, nur um sich allesamt in Millionen goldene Partikel zu spalten, die in [Dragunity Knight – Trident] verschwanden.

„… um dieselbe Anzahl an Karten aus deinem Extradeck zu eliminieren. Da du Satellarknights benutzt, muss ich mir das Ganze gar nicht ansehen. Ich wähle [Stellarknight Delteros], [Stellarknight Triverr] und [Tellarknight Ptolemaeos]. Cease Existence!“

Sowohl im Maul des Drachen, als auch an den beiden Spitzen zu dessen Seiten entstanden goldene Entladungen, die er in Exas Richtung entfesselte. Der gebündelte Strahl traf dessen Duel Disk, aus der die genannten drei Xyz-Monster geflogen kamen. Geschickt fing Exa sie auf und schob sie zähneknirschend in den Friedhofsschlitz.

„Der Rest ist nur eine Frage der Zeit. End Phase“, sagte Jack mit einer Spur Boshaftigkeit, die ihm einige begeisterte Zurufe bescherte.

 

Exa kniff die Augen zusammen, als er wortlos aufzog. Sein ganzer Rücken fühlte sich taub an, obwohl er hätte schmerzen müssen. Solche Untergrundduelle waren definitiv ungesund, aber davor hatte Zanthe ihn ja gewarnt.

Mit halb geschlossenen Lidern nahm er Jack ins Visier. Der selbstherrliche Mistkerl war genau die Sorte Mann, der Exa nur zu gerne eine Lektion erteilte. Er brauchte nur seine Geheimwaffe rufen und das Duell war vorbei. Wäre da doch nur nicht sein Versprechen gegenüber Zanthe, genau dies nicht zu tun …

 

Die beiden schritten den ausgeleuchteten U-Bahn-Schacht entlang.

Dir ist doch klar, dass du vorsichtig sein musst?“, fragte Zanthe unvermittelt.

Bin ich doch immer.“

„Du darfst diese Karte, die du gegen Kakyo benutzt hast, auf keinen Fall ausspielen. Die sollte es gar nicht geben.“ Der Kopftuchträger blieb unvermittelt neben ihm stehen und sah seinen größeren Freund eindringlich an. „Versprich es.“

Exa seufzte. „Wenn's sein muss, okay.“

Absolut niemand darf wissen, dass du so etwas hast. Es wirft bloß Fragen auf, die wir nicht gebrauchen können“, erklärte Zanthe ernst. „Oder schlimmer, es lockt Leute … oder Dinge an, mit denen wir uns nicht anlegen wollen.“

Um seine vorherige Aussage noch einmal zu betonen, nickte der Blonde. „Ich lass die Finger davon, Ehrenwort.“

Und der Schwarzhaarige vor ihm lächelte dankbar. Dann weitete er plötzlich die Augen, als wäre ihm etwas eingefallen. Und er griff in seine Hosentasche …

 

Exa schluckte seine Wut auf Jack herunter. Es war wichtiger, Zanthe nicht zu enttäuschen, also würde er auf das Excel-Monster verzichten. Auch wenn das hieß, vorerst den Schwanz einziehen zu müssen. Was nicht im Sinne der Zuschauer war, die in synchronem Zurufen forderten, dass Exa zum Gegenschlag ausholte.

„Ich setze ein Monster und eine verdeckte Karte“, weigerte dieser sich allerdings, als er zwei der fünf Karten aus seinem Blatt auf die entsprechenden Zonen verteilte. Zischend materialisierte sich in horizontaler Lage zunächst ein Kartenrücken, dann dahinter in vertikaler noch einer. „Dein Zug, Abruelio.“

Jack runzelte die Stirn über seiner Sonnenbrille. „… was?“

„So nennen wir Angeber.“

Scheinbar hatte nie einer der Leute hier diesen Begriff schon einmal gehört, weshalb eine peinliche Stille sich verbreitete. Aber Exa zuckte nur mit den Schultern.

 

„Deine seltsame Sprache spreche ich nicht“, zischte Jack abweisend und zog auf, „Draw!“

Er nahm jene zusammen mit seiner verbliebenen Handkarte und zeigte beide vor. „Ich aktiviere [Dragon Mastery], mit deren Effekt ich [Dragunity Brandistock] an Trident ausrüsten kann. Das steigert zudem dessen Angriffskraft um 500!“

Der permanente Zauber stellte sich vor dem Blonden auf. Kurzerhand erschien die durchsichtige Gestalt eines dunkelblauen Drachens in saphirfarbener Rüstung, welche in der größeren Daddy-Version verschwand. Jene erstrahlte in weißer Aura.

 

Dragunity Knight – Trident [ATK/2400 → 2900 DEF/1700 (7)]

 

Jacks rechter Mundwinkel zuckte nach oben. „Trident, greife sein verdecktes Monster an. Divine Trident Strike!“

Wie ein Pfeil schoss der Drache, getrieben von seiner Reiterin, im Sinkflug auf Exas verdeckte Karte zu. Jene wirbelte um die eigene Achse, wodurch aus ihr ein weißer, fast noch kindlicher Ritter entsprang, dessen Helm dank der Edelsteine daran an einen Hund erinnerte.
 

Satellarknight Procyon [ATK/1300 DEF/1200 (4)]

 

Jener wurde gnadenlos niedergemäht. Jack wandte sich höhnisch an Exa. „Denkst du, das reicht, um dich zu schützen? Ich zeig dir was! Dank [Dragunity Brandistocks] Effekt, solange dieser ein Monster ausrüstet …“

Der blaue Drache, welcher gerade eine Kehrtwende in dem engen Käfig machte und zurück zu seinem Herr wollte, zog einen Kreis und schoss abrupt auf Exa zu.

„.. kann Trident jetzt zweimal angreifen. Das war's für dich. Divine Trident Strike!“

Der große Blonde stieß einen erschrockenen Laut aus, erwiderte dann aber bissig: „Rechnen ist wohl nicht-!?“

In dem Moment klappte vor dem grinsenden Jack eine Fallenkarte auf. Nur, dass dort nie eine gelegen hatte.

 

Dragunity Knight – Trident [ATK/2900 → 3700 DEF/1700 (7)]

 

„Was!?“ Exa weitete die Augen.

„Und deswegen bist du ein Amateur.“ Sein Gegner strich sich über das hochgegelte Haar. „Dachtest du, ich hätte meine drei Karten vorhin einfach so geopfert, nur um dein Extradeck zu schwächen? Ich bitte dich. Diese Karten haben Effekte, die sich auch aus dem Friedhof aktivieren lassen, wenn man sie von dort verbannt.“

Exa las still den Namen der Falle, die sich vor Jack aufzulösen begann. Es war [Skill Successor] und sein Lesetempo reichte gerade so aus, um zu begreifen, dass er damit die Punkte Tridents bis zum Ende des Zuges um 800 erhöht hatte. Wenn dieser Angriff durchging-!

„Das lasse ich nicht zu!“, musste Exa davor jedoch gar keine Angst haben. Er ließ die Hand über die eigene gesetzte Falle fahren, die aufsprang. „[Stellarnova Wave]!“

Vor ihm entstand ein Lichtsymbol, besser gesagt ein Sechseck, aus dem ein roter Strahl schoss.

„Damit kann ich pro Zug einen Sternenritter von der Hand beschwören! [Satellarknight Deneb]!“

Er schmetterte dessen Karte auf die Duel Disk, wodurch der Strahl quer nach oben schlug und die Form eines Vogelritters annahm, der ein Schwert schwang, dessen Klinge aus zwei umeinander verschlungenen Spiralen bestand. Um ihn drehte sich ein weitläufiger Ring, an dem ein Miniaturplanet hing.

 

Satellarknight Deneb [ATK/1500 DEF/1000 (4)]

 

Der Krieger positionierte sich zwischen seinem Besitzer und dem herannahenden [Dragunity Knight – Trident], sodass er es war, der die Wucht des Dreizack-Kiefers abbekam. Unter einem lauten Schrei zersprang er in tausende gelber Funken.

„Wenn Deneb beschworen wird, erhalte ich einen anderen Sternenritter vom Deck“, holte Exa in der Zwischenzeit den Effekt seines gefallenen Monsters nach, „und ich habe genau den Richtigen gefunden, um dich zu ärgern. Sirius …“

Dessen Karte schob sich automatisch ein Stück weit aus dem Deck und wurde von Exa zufrieden grinsend aufgenommen. Jack schnalzte mit der Zunge. „Und du glaubst wirklich, ich lasse dich einfach so deine verlorenen Xyz-Monster retten? Gut … wenn ich dir die nicht nehmen kann, dann das Mittel, das du für ihre Beschwörung benötigst.“

Er hob den Zeigefinger und deutete auf die offen stehende Falle vor Exa, die noch immer das Sechseck vor sich projizierte. In dem Moment klappte eine vorher nicht da gewesene Zauberkarte vor Jack auf. Mit einem Male öffnete sich ein Riss vor dessen Fingerkuppe, schwarz und funkelnd, als wäre er ein Wurmloch, das ins All führte. Und genau aus diesem Spalt fegte plötzlich ein strahlender Wirbelsturm übers Feld, der auf Exas [Stellarnova Wave] traf und sie zerfetzte.

Verwirrt kratzte sich jener am Kopf. „Noch so ein Trick?“

„[Galaxy Cyclones] Effekt ist kein 'Trick', du hoffnungsloser Anfänger. Dieser Zauber lässt sich ebenso vom Friedhof aktivieren und verbannen, um eine deiner offenen Zauber- oder Fallenkarten zu vernichten.“ Der Sonnenbrillenträger lachte bitterböse auf. „Ich sagte ja, ich lasse auf keinen Fall zu, dass du Xyz-Beschwörungen durchführst. Aber du kannst es gerne probieren, es ist dein Zug.“

 

Dragunity Knight – Trident [ATK/3700 → 2900 DEF/1700 (7)]

 

Zur selben Zeit fasste sich Zanthe an die Stirn. Dieser elende, arrogante Dreckskerl von Jack, der spielte förmlich mit Exa! Von seiner Position aus sah er durch die Maschen des Zauns, wie dessen Rücken voller Wunden war. Dünne Rinnsale an Blut liefen aus jenen herab. Blut …

Sofort wandte der Werwolf den Blick ab. Er durfte auf keinen Fall jetzt an -solche Dinge- denken, nicht hier, unter hunderten von Beobachtern! Allein deren Gestank, deren Lärm, deren Anwesenheit stellten Zanthes Geduld auf eine harte Probe. Und seine dauerpochende Stirn natürlich …

 

„Ist das dein ominöser Freund?“

Worte, die Zanthe zusammenfahren ließen. Gesprochen von einer Person, die er hier niemals erwartet hätte. Der Schwarzhaarige wirbelte sofort herum und sah sich Logan gegenüber, was an sich schon merkwürdig genug war, wo dieser doch fast 20 Zentimeter kleiner war als er.

Der Zwerg, in brauner Lederjacke mit dunklem Shirt darunter unterwegs, verzog wie so oft keine Miene.

„Wieso bist du hier!?“, fuhr Zanthe ihn sofort an. „Solltest du nicht Anya zugucken?“

„Sollt' ich. Mach ich aber nicht, wie du siehst. Muss ja irgendwie kompensieren, dass meine Werkstatt geschlossen hat.“

Und das tat er ausgerechnet hier, fragte sich Zanthe mehr als skeptisch. Als ob! Der spionierte ihm garantiert nach, vermutlich noch auf Anyas Geheiß! Wieso konnte sie sich nicht einfach aus seinen Angelegenheiten raushalten, auch wenn sie es – für ihre Verhältnisse – nur gut meinte!?

 

Logan deutete an Zanthe vorbei auf Exa. „Hab' übrigens auf den da gewettet. Wenn er also dein Freund ist, mach ihm ruhig etwas Dampf. Steht 'ne Menge Kohle auf dem Spiel.“

„Mach's selbst. Wäre das dann alles?“, murmelte Zanthe verstimmt.

„Willste mich loswerden?“

Der Werwolf rollte genervt mit den Augen. „Nein, das ist meine unbeholfene Art, dir meine Zuneigung zu gestehen …“

„Du siehst blass aus“, wechselte Logan das Thema, „alles in Ordnung mit dir?“

„Mir geht’s gut! Ich stehe übrigens total auf die Aufmerksamkeit, die meine natürliche Blässe mit sich bringt. Wink verstanden? Ja?“ Er blinzelte böse. „Könntest du mich also bitte in Ruhe lassen?“

 

Exa ahnte nichts von Zanthes zunehmendem Ärgernis, das in Form Logans nicht so einfach verschwinden wollte. Er hatte inzwischen auf vier Karten aufgezogen und sah sich genau dem Problem gegenüber, das Jack ihm hatte verursachen wollen.

Gut, die verlorenen Xyz-Monster konnte er mit [Satellarknight Sirius] zurück ins Extradeck verfrachten. Aber für die guten brauchte er mindestens drei Monster auf dem Feld. Er hatte sogar genau so viele auf der Hand … konnte aber höchstens zwei davon beschwören. Das dritte hätte durch seine nicht mehr existierende Falle kommen müssen.

„Was ist am Duellieren nur so toll?“, brummte er ärgerlich. Ihm schwebten ganz andere Methoden der Konfliktlösung vor, aber ihm war eindringlich von Kyon-Kakyo-oder-wer-auch-immer geraten worden, sich den allgemeinen Moralvorstellungen anzupassen.

So zog er eine säuerliche Schnute. Was sollte er jetzt tun!? Wenn er wieder defensiv spielte, würde der Aasgeier da drüben nicht nur mehr seiner unerträglichen Sprüche vom Stapel, sondern vermutlich auch Taten folgen lassen. Und Exa hatte für seinen Geschmack heute schon genug Narben davon getragen.

„Sorry Zanthe, ich habe keine Lust mehr. Wird schon keiner Fragen stellen, wenn ich …“

Na ja, wenn er ehrlich war, glaubte er selber nicht daran. Sein Freund würde solche Warnungen niemals ohne Grund aussprechen. Aber nicht umsonst hatte der ihn einst 'one of the bad kids' genannt. Exa grinste, schloss die Augen, ballte eine Faust und schlug sie gegen die Brustmitte.

„The stars have decided! Summoning contract established!“, murmelte er vor sich hin und konnte hören, wie die Zuschauer erstaunte Laute von sich gaben. Er wurde konsequent lauter. „Witness the creation of the eternal gate!“

Die Hand von der Brust in die Höhe streckend, rief er: „The contract is established! Open the eternal gate! Excel Summon!“

 

Mitten in einem schnippischen Spruch unterbrach Logan sich selbst und gluckste: „Was macht der da?“

Zanthe drehte sich erschrocken um. „Was!? Dieser Dummkopf! Hör-!“

Von allen Seiten stellten die Leute Fragen zu dieser seltsamen Beschwörungsformel.

 

„Grade 7! Rule indefinitely, [Cosmic Enforcer – Event Horizon]!“, beendete Exa seine Ansprach und riss die Augen auf.

Jack stand ihm mit offenem Mund gegenüber. Nur einen Moment. Dann schloss er ihn und schwieg einen Moment.

„Eh?“ Exa sah nach oben. Da war kein riesiges, an einen Satelliten erinnerndes Schlachtschiff.

„Das war mit Abstand das Dümmste, das du heute verbrochen hast. Und entschuldige, wenn ich das sage, aber deine Quote hattest du eigentlich schon erfüllt.“ Jack entfuhr ein schier perplexes Lachen. In das viele Anwesende einstimmten.

Selbst Roy Gilbert, der inzwischen an der Bar saß, war so verblüfft, dass er in das Duell eingriff und in das Mikro fragte: „Was sollte das? Ist alles in Ordnung mit dir, Frischling?“

Dem aufkommenden Spott zum Trotz, war Exa viel zu verwirrt, um die Auswirkungen seiner misslungenen Beschwörung vollends zu begreifen. „Wieso hat es nicht geklappt!? Letztes Mal hat es doch auch-!?“

 

Zanthe klatschte sich die Hand vor die Stirn. Selbst Logan konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, wobei sein Kichern eher ein Knurren war und nur rudimentär als amüsierte Reaktion interpretiert werden konnte.

Erleichtert atmete der Werwolf vor ihm aus. Wenigstens war Exa damit nicht aufgeflogen …

„Was denkst du dir dabei!?“

 

Diesmal hörte Exa ihn und wirbelte mit verzweifeltem Gesichtsausdruck herum. „Was mach ich jetzt, es hat nicht funktioniert?“

„Mach etwas, das funktioniert?“

Exa nickte wenig schlauer als vorher. Das war wohl die Strafe dafür, sein Versprechen gebrochen zu haben. Moment mal, jetzt, wo er genauer darüber nachdachte … !

 

Zanthe zog unter dem grellen Licht des von allen Seiten beleuchteten U-Bahn-Schachts eine Karte aus der Hosentasche. „Da du auf die Excel-Beschwörung verzichten musst, dachte ich, ich gebe dir das als Ausgleich.“

Hm?“ Erstaunt nahm Exa sie entgegen. „Ist das nicht eine von deinen?“

Ich habe mir neulich eine zweite davon besorgt.“ Der Werwolf grinste verschlagen, aber versprühte auch eine gewisse Art der Wärme dabei. „Ich dachte mir, da du das Deck meines Bruders spielst und seine Seele in dir trägst, solltest du auch einen Teil von mir haben. Nicht zuletzt, weil mein Bruder mir mein Deck einst geschenkt hat.“

Nicht so recht wissend, was er darauf erwidern sollte, nickte der Blonde dankbar. „Ich werde sicher einen Weg finden, deine Karte zu nutzen.“

„Besser ist's“, zwinkerte sein Freund. „Komm jetzt, die warten nicht auf uns.“

 

Vielleicht war das weniger die Strafe, sondern ein Hinweis. Einer, dass es gar nicht nötig war, Event Horizon zu beschwören. Alles in seiner Hand war doch versammelt, um …

Exa blickte zuversichtlich nach vorn. Jack kicherte abwesend vor sich hin.

„Ich rufe [Satellarknight Vega]!“ Exa legte deren Karte auf die Duel Disk.

Ein goldenes Licht trat vor ihm aus dem Boden aus und brachte eine Kriegerin in pinkfarbenem Kleid mit sich, welche ihr Antlitz hinter ihrer goldenen Stola verbarg.
 

Satellarknight Vega [ATK/1200 DEF/1600 (4)]

 

„Wie bei jedem Satellarknight aktiviert sich Vegas Effekt bei deren Beschwörung. Sie lässt mich sofort noch einen Sternenritter aus der Hand rufen.“ Exa und sein Monster schnippten synchron mit dem Finger. Ohne Umschweife tauchte neben Vega ein schlanker, großer Krieger auf, dessen schwarzer Helm entfernt die Form eines Hundekopfs besaß. „Welcher [Satellarknight Sirius] wäre.“

 

Satellarknight Sirius [ATK/1600 DEF/900 (4)]

 

„Und bei dessen Beschwörung mische ich fünf Tellarknight-Karten ins Deck zurück, um eine Karte zu ziehen.“

Exa zeigte diese auch vor, wobei es sich um seine drei Xyz-Monster Delteros, Triverr und Ptolemaeus sowie um Procyon und Alsahm handelte. Den Regeln entsprechend verteilte er die fünf aufs normale und das Extradeck. Erst dann riss er schwungvoll eine Karte von seinem Deck.

Jack, der sich entschieden hatte, dem Duell wieder beizuwohnen, grinste gehässig. „Oh? Du willst tatsächlich Ernst machen?“

„Und wie ich das will“, erwiderte sein Gegner grimmig und strecke die Hand aus, „ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“

Seine Ritter verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, die von einem in der Mitte des Spielfelds entstehenden Schwarzen Loch absorbiert wurden. Eine Explosion erfolgte daraus.

„Xyz Summon! Strahle, [Tellarknight Ptolemaeus]!“

Nach der Erschütterung schoss aus dem Wirbel eine Lichtsäule, die gleichzeitig eine imposante Kreatur empor hob. Es handelte sich um einen voll gepanzerten, schlanken Zentaur, ganz in Weiß und Gold gehalten. Von dem Rücken der menschlichen Hälfte erstreckten sich Flügel, die in langen, spitzen Enden mündeten und welche bunt leuchteten. Zwei Lichtkugeln umkreisten das Wesen dabei.

 

Tellarknight Ptolemaeus [ATK/550 DEF/2600 {4} OLU: 2]

 

„Was willst du mit dem? Der nützt dir nichts“, spottete Jack. „Du bräuchtest schon drei Overlay Units, um überhaupt-“

„Danke für den Tipp, aber darauf bin ich schon selbst gekommen! Ich aktiviere [Xyz Unit]!“ Exa schob den Ausrüstungszauber in seine Duel Disk. Kurzerhand umkreiste eine weitere Lichtkugel Ptolemaeus.

 

Tellarknight Ptolemaeus [ATK/550 → 1350 DEF/2600 {4} OLU: 2]

 

Anschließend erklärte der Größere: „Diese Karte hat zwei Nutzen. Einerseits verstärkt sie das ausgerüstete Xyz-Monster um seinen Rang mal 200. Und sie kann als zusätzliche Overlay Unit verwendet werden, auch wenn sie eigentlich keine ist. Macht drei.“

Demonstrativ zeigte Exa seinem Gegenüber den mittleren Finger seiner rechten Hand. Der war mit einem Mal verdächtig still geworden. Was Exa mit einer gewissen Genugtuung wahrnahm, denn könnten Blicke töten, wären die Gläser von seiner Sonnenbrille längst geschmolzen.

„Da du dich so gut auskennst, muss ich dir den nächsten Schritt nicht erklären. Ich rekonstruiere das Overlay Network mit Ptolemaeus' Effekt!“

Der dunkle Wirbel öffnete sich erneut inmitten des Spielfels, direkt unter dem Sternenritter. Eine nach der anderen wurden die drei Lichtkugeln des Zentauer davon absorbiert, sodass es sich selbst in grellem Gelb verfärbte.

„Mein Rang 4-Ptolemaeus inkarniert sich in ein Rang 5-Monster!“ Daraufhin tauchte letztlich auch Ptolemaeus in das Überlagerungsnetzwerk ein. „Rank-Up-Incarnation! Erscheine!“

Eine grelle Lichtexplosion entstand. Die Besucher der Temptation Lair grölten und riefen Exas Namen, feuerten ihn an. Und staunten, als aus dem gold-gelben Wirbel ein weißer Krieger erschien, auf dessen Rücken sich eine schwarze Platte befand, die mit ihren spitzen Ausläufen fast genauso aussah wie die Flügel Ptolemaeus'. „[Constellar Pleiades]!“

 

Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 1]

 

Er war eines von Zanthes Aushängeschildern, sein Markenzeichen war das Schwert, das er mit der Klinge nach unten gerichtet führte. Nur eine Energiesphäre umkreiste ihn.

 

Beim Anblick des Monsters, das er Exa geschenkt hatte, begann Zanthe zu strahlen. Exa blickte in dem Moment über seine Schulter, sodass sein Freund ihm den ausgestreckten Daumen zeigte.

„Damit wird er gewinnen“, war er sich sicher.

Logan verschränkte mit grimmigem Gesichtsausdruck die Arme. „Jack ist vielleicht ein arroganter Scheißkerl, aber er war einer der besten Duellanten Amerikas.“

„Bis Claire Rosenburg kam. Jetzt ist er nicht mal mehr Anya-Level“, erinnerte Zanthe ihn altklug.

„Hmm …“

 

Gleichzeitig drehte sich Exa seinem Gegner wieder zu und schwang den Arm aus. „Effekt von [Constellar Pleiades] aktivieren!“

Jener warf seine massive Klinge in die Höhe, welche im Flug das Xyz-Material absorbierte. „Damit kann ich eine Karte auf die Hand ihres Gegners schicken!“

 

Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 1 → 0]

 

Pleiades setzte zu einer 360°-Drehung an, die begann, als er die Klinge auffing. Von ihr löste sich eine Schockwelle, die wie eine funkelnde Sternenflut auf [Dragunity Knight – Trident] zu schoss.

„Heh … Amateur.“ Und konsequent abprallte, als aus dem Nichts eine Fallenkarte vor Jack erschien.

Nicht nur Exa weitete in diesen Moment die Augen, als die Schockwelle quer gegen die Decke der U-Bahn-Station schlug und dort zerschellte.

Nur Logan verzog keine Miene. „Wie erwartet …“

 

~-~-~

 

Inkarnieren oder nicht inkarnieren? Das war hier die Frage und Anya wusste sie nicht zu beantworten. Was sie wusste war, wenn sie sich nicht gleich entschied, das Zeitfenster für eine Effektaktivierung vorbei sein würde.

Planlos sah sie in ihr Blatt, dann wieder auf zu ihrer Gegnerin, die die Arme verschränkte und abwartete. Fast als wolle Valerie ihr sagen, dass egal wie sie sich entscheidet, leicht machen würde sie es ihr auf keinen Fall.

„Anscheinend hat Valerie Redfield voraus gedacht und die potentielle Gefahr von Anya Bauer Xyz-Monster beseitigt, ehe diese einen Nutzen daraus zog“, hallte Mr. Cs Stimme durch das Stadion.

 

Anya bekam langsam Panik. Die blöde Schnepfe hatte bestimmt vorgesorgt! Wenn sie jetzt auf Pearl Radiance verzichtete, könnte das vielleicht das Ende des Duells bedeuten. Redfield hatte bereits bewiesen, wie scharf sie auf den Titel war, wieso sollte sie also überhaupt auf sie hören!?
 

Wir können gar nicht inkarnieren, Anya! Ich habe nicht genug Kraft dafür gespeichert!

 

„Dann eben ohne das Oomph, nur die Karte!“

 

Das ist zu gefährlich. Wir könnten disqualifiziert werden, denn die Inkarnation befindet sich im Moment nicht einmal in deinem Extradeck!

 

„Aber ich habe keine Wahl!“, zischte Anya verzweifelt.

 

Man hat immer die Wahl. Sieh doch, links von dir, erste Reihe.

 

Anya reckte den Kopf verwirrt herum. Dort, von zwei leeren Sitzen umgeben, saß Matt und hielt ein selbstgemachtes Plakat in die Höhe, das „Go Anya!“ las. Bestehend aus verschiedenen Gem-Knight-Karten. Eine, [Gem-Knight Zirconia], war selbstgezeichnet und der Punkt des Ausrufezeichens.

„W-wo kommt der denn jetzt her, ich dachte-!?“
 

Du hast nur noch ein paar Sekunden, also triff deine Wahl! Ich denke, wenn es nur um die Karte an sich geht, könnte ich das hinbekommen! Aber du musst entscheiden, ob es dir das wert ist!

 

Anya aber sah nur das Plakat an und den dazu grinsenden Matt. Ihr Blick gewann etwas Entschlossenes und sie betrachtete nur einmal kurz ihr Blatt. Und sagte nichts, sah kämpferisch zu Valerie auf, die zum ersten Mal an diesem Tag lächelte. Denn die Entscheidung war getroffen.

„Sieht so aus, als könnte ich jetzt anfangen, das hier zu genießen“, strahlte Valerie zufrieden.

„Ich muss erst darüber nachdenken, ob das, was du gesagt hast, wirklich stimmt“, erwiderte Anya grimmig, „aber mir ist selbst gerade aufgefallen, dass ich mich in etwas hineingesteigert habe.“

Sie nahm Pearls Karte sowie [Gem-Knight Fusion] von ihrem Friedhof, schob Erstere in ihre Hosentasche und Letztere in ihr Blatt, bevor sie fortfuhr. „Denn es sieht so aus, als müsste ich nichts mehr tun, als …“

Zusammen mit zwei Monstern zog sie die Zauberkarte wieder aus ihrem Blatt und hielt alle drei in die Höhe. Ein Wirbel entstand über ihr, der dutzende verschiedener Edelsteine aus dem Nichts in sich hinzog. „… als meine Lieblingskarte zu aktivieren! [Gem-Knight Fusion]!“

Über Anya tauchten zwei Ritter auf, einer in weißer Rüstung mit Kristallen an den Schulterplatten und einer in hellgrüner, welcher einen Rundschild mit sich führte, in dessen Mitte ein Smaragd platziert war.

„[Gem-Knight Crystal], du bist das Element, [Gem-Knight Emerald], du der Ursprung! Vereinigt eure Kräfte“, schrie Anya, als beide in den Sog hineingezogen wurden, „Fusion Summon!“

Ein Lichtblitz schoss aus dem Vortex. Mit einem Satz landete ein massiver Krieger vor ihr, silbern gepanzert, dessen Arme so breit waren wie Laternenmäste, an ihren Enden prangerten pizzagroße, transparente Edelsteine. Ein blauer Umhang flatterte um seine Schulter.

Als er sich vor Anya erhob, nannte diese ihn: „[Gem-Knight Zirconia]!“

 

Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

 

Sofort wirbelte Anya herum zu den Zuschauersitzen, wo Matt aufsprang und das Plakat in die Höhe riss. Sie zeigte ihm beide Daumen, drehte sich dann aber sofort wieder zu Valerie um.

 

Gute Entscheidung.

 

Und auch wenn Anya Stolz verspürte, nagten auch Zweifel an ihr. Wieso hatte sie nicht gesehen, dass sie mühelos fusionieren konnte? Hatte Redfield etwa Recht?

Die Fragen mit einem Kopfschütteln vertreibend, zeigte sie auf ihre Erzrivalin. „Ich hoffe, du bist gut gewappnet, denn jetzt gibt’s hart aufs Maul! Zirconia, direkter Angriff! Zirconia Smasher!“

Unmittelbar ihrem Befehl Folge leistend, stampfte der Ritter lautstark auf Valerie zu. Deren Lächeln nicht schwand, schon gar nicht, als sie den Arm über ihrer verdeckten Karte ausschwang. „Denkst du wirklich, dass es so einfach wird? Ich aktiviere [Call Of The Haunted]!“

Die Falle sprang auf, zeigte einen Friedhof bei Nacht. „Damit kann ich ein Monster von meinem Friedhof im Angriffsmodus reanimieren. Da das bei Moulinglacia leider unmöglich ist, wähle ich [Evigishki Merrowgeist]!“

Dutzende Grabsteine schoben sich aus dem Boden. Zwischen ihnen die rothaarige, fliegende Meerjungfrau mit dem blauen Zauberstab in der Hand.

 

Evigishki Merrowgeist [ATK/2100 DEF/1600 {4} OLU: 0]

 

Zirconia stoppte. Und Anya sah das Xyz-Monster perplex an. Wenn Redfield schon andere in ihr Elysion einladen konnte, war sie dann auch imstande zu inkarnieren!? Dann saß sie richtig tief in der Scheiße!

… nein! Mit Ausnahme von [Gem-Knight Pearl] konnten die Paktmonster nicht im selben Zug inkarniert werden, in dem sie beschworen wurden! Das hatte sie vom Sammler erfahren, als er sie damals in sein perfides Spiel hineingezogen hatte! Damals, als sie auf der Suche nach Antworten war, wie man zu Eden wurde, damals, als dieser Scheiß hier anfing!

„Es gibt nichts zu befürchten“, rief Anya ihrem Ritter grimmig zu, „hau mächtig drauf!“

Die einzige Person, die hier noch inkarnieren durfte, war sowieso sie, Anya Bauer!

Ihr Monster setzte den Ansturm fort, hob seine Rechte und schmetterte diese mit aller Kraft in Richtung Merrowgeists, die von dem Treffer weggeschleudert wurde und in die Fassade unterhalb der Zuschauerränge hinter Valerie krachte, wo sie in tausend Teile zersprang.

 

[Anya: 400LP / Valerie: 1900LP → 1100LP]

 

Anya wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Dann nahm sie eine Fallenkarte, [Return From The Different Dimension], aus ihrem Blatt und schob sie in das D-Pad, sodass diese sich vor ihr materialisierte. „Die setze ich. Zug beendet! … phew, für einen Moment dachte ich echt …“

 

Ihre Gegnerin, die dabei war aufzuziehen, lachte vergnügt. „Wirklich? Wie kommst du auf so etwas?“

Doch ihre Stimme und ebenso ihr Gesichtsausdruck wurden schlagartig ernst. „Außer, in -dieser- Karte steckt noch mehr von dem ich nichts weiß. Anya?“

Jene verschränkte trotzig die Arme. „Heb' dir deine Fragen für später auf!“

„Na, wenn du es so eilig hast zu verlieren“, stichelte Valerie versöhnlich und nahm ein Monster aus ihrem Blatt, „das lässt sich arrangieren! Zunächst aber aktiviere ich [Pot Of Desires]!“

Plötzlich nahm die Schwarzhaarige einen ganzen Batzen an Karten von ihrem Deck auf. „Zwar muss ich dafür die obersten zehn Karten meines Decks verdeckt verbannen, darf aber danach zwei ziehen.“

„Bist du bescheuert!?“, herrschte Anya ihre Gegnerin verständnislos an. „Was, wenn dadurch wichtige Karten wie deine Ritualzauber verloren gehen!?“

„Seit wann kümmert dich so etwas? Aber keine Sorge, diese Karte kann strategisch ebenso eingesetzt werden, um mein Deck auszudünnen. Eigentlich benutze ich sie erst, wenn [Gishki Aquamirror] schon auf meinem Friedhof liegt, aber …“

Anya keuchte, als eine Vase vor Valerie erschien. Halb grün, halb violett, bestand sie aus den Töpfen der Gier und der Trägheit. Zehn symbolisch ließ Valerie die aufgenommen Karten in ihn hineinfallen, um dann zwei aufzuziehen. Und wenn sie schon ihre Strategie erklärte, dann …

„… ist der Spiegel längst in ihrem Blatt“, begriff die Blonde.

„Haha, wer weiß“, zwinkerte Valerie ihr zu. „Ich beschwöre [Gishki Marker], mit dessen Effekt ich ein Ritualmonster von meinem Friedhof ins Blatt nehmen kann!“

Vor der Schwarzhaarigen tauchte ein weiteres Seeungeheuer auf. Bei diesem handelte es sich um einen Humanoiden, dessen Kopf ein roter Tintenfisches war. Jener hielt in seinen Tentakeln zwei Schwerter, wohingegen der menschliche Teil mit einem Speer bewaffnet war.

 

Gishki Marker [ATK/1600 DEF/1200 (4)]

 

Genau diesen rammte das Wesen in den Boden. Valerie benannte das Ziel, dessen Karte sich infolge dessen aus ihrem Friedhofsschacht schob: „[Gishki Zielgigas]!“

„Ugh!“, keuchte Anya.

„So leicht war es dann wohl doch nicht, ihn loszuwerden.“ Ihre Rivalin zückte eine Zauberkarte und zeigte diese vor. „Ich aktiviere [Gishki Aquamirror]! Um [Gishki Zielgigas] zu beschwören, muss ich Monster mit insgesamt zehn Stufen opfern! Das sind [Gishki Marker] von meinem Feld und [Evigishki Tetrogre] von meiner Hand!“

Ein goldener Spiegel tauchte aus dem Nichts vor Valerie auf. Seine runde Fläche bekam nach und nach Sprünge, bis der Spiegel in tausend Stücke zerbarst. „Erstehe auf aus der Finsternis des Ozeans! [Gishki Zielgigas]!“

Die vor ihr verteilt liegenden Scherben verflüssigten sich und bildeten eine wässrige Oberfläche, die die ganze, leicht erhöhte Duellplattform zu überfluten begann.

Anya staunte nicht schlecht. „Wow Redfield, du zahlst zur Abwechslung mal die vollen Ritualkosten? Gerade jetzt, wo ich mir endlich gemerkt hatte, wie deine Substitut-Monster funktionieren! Tch!“

Diese erwiderte: „Man tut was man kann.“

Passend dazu erhob sich vor ihr eine düstere, drei Meter große Kreatur, die selbst Zirconia damit noch überragte. Dieses Monster glich mit seinen vier Armen und breiten Schwingen eher einem menschgewordenen Herkuleskäfer, denn einer Meereskreatur, aber das war nicht weiter verwunderlich, handelte es sich hierbei um eine wiedererweckte Form von [Steelswarm Hercules], einer Karte, die Matt einst gespielt hatte.

 

Gishki Zielgigas [ATK/3200 DEF/0 (10)]

 

Valerie schwang den Arm aus. „Das ist mein stärkstes Ritualmonster! Jetzt erlebe seinen Effekt! Für 1000 Lebenspunkte darf ich eine Karte ziehen und wenn diese ein Gishki ist, schicke ich deine gesetzte Karte postwendend ins Deck zurück!“

Die oberste Karte ihres Decks umfassend, riss die Schwarzhaarige sie förmlich davon und präsentierte sie stolz als das Effektmonster [Gishki Emilia].

 

[Anya: 400LP / Valerie: 1100LP → 100LP]
 

„Huh!?“, staunte Anya Bauklötze. „Jetzt fängst du hier mit Cheat Draws an oder was!?“

„Nichts da, das war alles 100% ehrlich“, konterte Valerie, als ihr riesiges Insektenungeheuer alle vier Handflächen aufeinander legte und dazwischen eine schwarze Energiekugel auflud, die es wie eine Kanonenkugel auf die verdeckte Karte der Widersacherin seiner Herrin abfeuerte.

Die weitete die Augen, als ihre Falle getroffen wurde und sich zersetzte, als wäre sie von Säure übergossen worden.

Tosender Applaus und Jubel wurde Valerie zuteil, die eine kerzengerade Haltung annahm.

Anya flüsterte fassungslos: „Das kann nicht sein … ich-!?“

„Nun benutze ich den Zauber [Double Summon] und rufe damit [Gishki Emilia] als zweite Normalbeschwörung!“, ließ Valerie sie nicht dazu kommen, die bittere Erkenntnis in ihrer Ganzheit zu erfassen und schob den Zauber in ihre Duel Disk.

Zuerst war es nur eine Silhouette, die vor Valerie entstand, die eines Mädchens mit langem Haar. Erst nach und nach gewann diese an Gestalt, der rote Schopf wurde von einem Zauberhut bedeckt, der Körper steckte in einem Korsettkleid. Heiter drehte sich der immer noch leicht durchsichtige Geist Emilias einmal um die eigene Achse, ehe er energisch einen Zauberstab entstehen ließ und ergriff.

 

Gishki Emilia [ATK/1600 DEF/800 (4)]

 

Der Anblick der beiden Monster verschlug Anya die Sprache. Zielgigas war stark genug, um Zirconia zu vernichten. Emilia würde es danach beenden. Ihre verdeckte Karte war fort und konnte sie nicht mehr schützen …

Schlaff sank Anya auf die Knie.

„Sieht ganz danach aus, als hätte Anya Bauer ihre Niederlage vor Augen!“, röhrte Mr. C und das Publikum explodierte förmlich vor Enthusiasmus. Matt, der immer noch stand, ließ langsam Anyas Plakat sinken.

„Tut mir leid Anya“, murmelte Valerie aufrichtig und senkte ihr Haupt, „aber wir wussten beide, dass es nur eine schaffen kann. Danke, dass du … auf mich gehört hast. Ich bin mir sicher, du-“

Dass Anya sie gar nicht schroff unterbrach, anfauchte, beleidigte, ließ das Mädchen verstummen. Sodass es sich schuldbewusst abwandte. „Dann ist das wohl das Ende. [Gishki Zielgigas], Infestation's Solitude Beam und Emilia, direkter Angriff!“

Der schwarze Insektenkoloss streckte seine Brust vor, in welcher das Wappen der Gishki in Rot eingelassen war … und fror ein, wurde binnen eines Herzschlags zu einer Eissäule. Emilia stoppte ebenfalls jegliche Bewegung und gab weißen Dunst von sich ab, als wäre sie von Innen tiefgefroren.

„Nanu!?“, erschrak Valerie und wirbelte verwundert herum.

Auch Anya sah überrascht auf, zeigte dann auf das D-Pad ihrer Erzrivalin. „Huh!? Redfield, da!“

Ein blaues Licht drang aus Valeries Friedhof, pulsierte in regelmäßigen Intervallen. Die bemerkte es auch und zog die eine Karte vorher, von der das Strahlen ausging: [Moulinglacia The Elemental Lord].

„Falls diese Karte das Spielfeld verlässt, überspringe die Battle Phase deines nächsten Spielzugs“, las Valerie den letzten Satz vor und sah ungläubig von der Karte hervor, „Anya! Dieser Satz stand dort vorhin noch nicht!“

 

 

Turn 72 – Dear Agony

Exas Versuch, Jacks [Dragunity Knight – Trident] zu Fall zu bringen, ist gescheitert, wodurch er in eine gefährliche Lage gerät. Diese verschlimmert sich noch, als die Zankerei zwischen Logan und Zanthe aus dem Ruder zu laufen droht. Anderenorts erreicht auch das Duell zwischen Anya und Valerie seinen Höhepunkt …



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  fubukiuchiha
2017-10-22T19:35:19+00:00 22.10.2017 21:35
Hey
Klasse Kapitel, da laufen ja zwei Duelle auf höchstem Niveau ab. Ich bin von Anya immer wieder erstaunt, dass sie tatsächlich auf Valerie gehört har. Die Sache mit dem Elemental Lord ist doch bestimm auf den Sammler zurück zu führen, der will doch das Anya gewinnt... Bin mal gespannt, wie das weiter geht und wie Valerie und Anya auf diesen überraschenden Effekt reagiert.
Exa hat es auch nicht einfach, aber ich hoffe dass er trotzdem gewinnt. Zanthe und Logan kriegen sich jetzt ziemlich in die Wolle.
Bin echt gespannt wie das ausgeht.
Lg fubukiuchiha
Antwort von:  -Aska-
29.10.2017 11:16
Hey,
danke dir, das freut mich.
Tja, dass Valerie so etwas passiert ist schon ungewöhnlich, wenn man bedenkt, wie gewissenhaft sie normalerweise mit ihren Karten umgeht. Zufall? Wer weiß ...
Wo Zanthe hingeht, gibts halt auch irgendwie immer Unfrieden. Noch was, was er mit Anya gemein hat.


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