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Angel's Fate

A broken Dream
von

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Isolation

Kapitel 6 – Isolation
 

Lange saß ich noch alleine in meinen Gedanken versunken herum, nachdem ich Luzifer gebeten hatte mich alleine zu lassen. Dieses innerliche Gefühl hatte ich noch nie derart gespürt. Noch nie war das Gefühl der Leere, der Verzweiflung und Sehnsucht derart stark. Was haben wir nur getan? Sacred Feye und ich waren selbst Schuld an dem was passiert war und dass wir uns trennen mussten. Hätten wir uns an die Regeln gehalten statt uns unsrem Verlangen zueinander hinzugeben, wäre sie nun nicht abgeschieden in diesem bescheuerten Reich. Sie würde nicht mehr zurück ins Himmelsreich kommen, das war ihr Entschluss. Doch ich hatte beschlossen um sie zu kämpfen und sie nicht einfach so gehen zu lassen. Gott wäre nicht begeistert, denn wieder würden wir damit das Gesetz brechen. Aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin – es juckt mich sowieso nicht mehr, wenn ich niemanden lieben darf.
 

Erneut seufzte ich starrte in den wunderschönen blauen Himmel über den sich wieder ein Regenbogen gezogen hatte. Der selbe alltägliche Anblick. Die selbe scheinbare Idylle. Ich guckte mich etwas um konzentrierte mich auf die Geräusche um mich herum. Es war alles ruhig und friedlich. Keine Geräusche, nichts Aufregendes. Keine Spannung. Jeder tat seine gewohnten Aufgaben, folgte seinem gewohnten Tagesablauf. Wieder und wieder. War das die perfekte Welt, die Gott sich so vorstellte? Und doch wirkte es nur nach außen hin so harmonisch und schön. Die Engel fühlten sich unwohl. Und wenn man genau hinsah, konnte man das an ihren Augen ablesen. Doch sie sagten nichts. Keiner machte den Mund auf.

Luzifer dagegen wirkte neuerdings sehr unruhig und seltsam. Als würde er versuchen aus dem System auszubrechen und Gott anzuzweifeln. Warum hatte er mich gefragt ob ich wütend auf Gott sei? War er wütend? Ich hielt es nach wie vor für falsch den Glauben an Gott zu verlieren. Grade wir, als die ersten und mächtigsten Engel, sollten mit gutem Beispiel voran gehen und nicht anzweifeln was der Herr für uns tat.

Die Stille wurde durch den Klang einiger rascher Schritte durchbrochen. Kurz darauf sah ich Lumen's wunderhübsche Erscheinung vor mir stehen.

„Hier steckst du also. Ich hab schon unsere gesamten Stadtmauern nach dir abgesucht.“ „Warum hast du Luzifer nicht gefragt wo ich bin? Er hat mich vorhin noch gesehen.“ „Hm... Hätte ich, aber ich weiß nicht wo er ist. Ihn wollte ich ja ebenfalls suchen, aber er scheint wie verschollen.“ „Das ist aber seltsam. Was gibt es denn?“ „Der Herr lässt alle Engel zusammenrufen um etwas zu verkünden. Da wir großen Engel in der vordersten Reihe zu stehen haben, bitte ich dich mitzukommen.“ Ich seufzte: „Na wenn's denn sein muss. So eine Zeitverschwendung. Was es wohl diesmal wieder für Horrormeldungen gibt?“ „Vielleicht wird ja diesmal jemand geköpft.“ „Hahaha! Als ob du nicht bereits ganz genau wüsstest, was Gott uns zu sagen hat, meine Hübsche.“ „Hehe. Du hast mich ertappt. Aber du darfst es dir vom Herrn persönlich anhören.“ „Stimmt, du hast ja diese Schweigepflicht. Aber sag mal, wie sieht meine Zukunft auf? Was sagt die Liebe? Hier ist niemand außer uns. Mir kannst du es schon sagen.“

Lumen guckte mich finster und ermahnend an. Sollte wohl heißen, dass ich meine Scherze nun gefälligst unterlassen sollte. Ihre Pflicht ihre Visionen geheim zu halten nahm sie schon immer sehr ernst. Noch nie hatte sie jemandem verraten was wohl geschehen würde. Sicherlich eine große Last, die sie da auf sich trägt.
 

Als wir am Palast ankamen tummelte sich bereits eine Engelsschar vor der Treppe. Gott stand am oberen Ende der Treppe und beobachtete wie auch die letzten Engel sich so langsam zur Versammlung einfanden. Lumen und ich wurden direkt nach vorne durchgelassen. Die Engel hatten solche Ehrfurcht vor uns, dass sie sich gar nicht erst getrauten uns zu nahe zu kommen. Ein Phänomen das ich niemals wirklich verstand. Vielleicht gehörte es zu den Dingen, die sie einfach mitbekamen als sie erschaffen wurden. Schnell stiegen wir die Stufen empor und stellten uns neben den Herrn. Nach einer kurzen Verschnaufpause guckte ich mich um und suchte die Menge nach Luzifer ab. Er war nirgendwo zu sehen.

„Lumen? Wo ist Luzifer?“, flüsterte ich ihr zu. Auch sie guckte sich um: „Ich weiß es nicht. Vielleicht ist das so geplant und er soll gleich dazu kommen und bei der Verkündung mitwirken?“

Es war zu hoffen, dass sein Verschwinden geplant war. Immerhin war er vorhin bei unserem Treffen schon so seltsam. Dass ich anfing mir etwas Sorgen zu machen musste ich mir selbst eingestehen. Nun drehte sich auch Gott zu uns: „Wo ist Luzifer? Himmel noch eins. Habt ihr ihn nicht gefunden?“

Perplex starrten wir den Herrn an. Zumindest seine Kapuze unter die noch niemals jemand schauen konnte. Lumen und ich warfen uns unsichere Blicke zu.

„Also... Nein. Wir haben ihn nicht gefunden“, antwortete Lumen. „Er sollte doch bei der Verkündung dabei sein! Ohne ihn werden die Engel unsicher werden und sich fragen warum ihr König nicht dabei ist! Grade vorhin noch habe ich ihm ausdrücklich erklärt wie wichtig das sei und welch tolle Neuigkeiten alle erwartet. Dass er sich immer wieder so quer stellen muss. Unfassbar!“ „Tja, ihm ist die Bedeutung seiner Position entweder nicht bewusst oder egal“, stichelte Metatron, der soeben aus dem Palast herausgelaufen kam. Er und seine dämlichen Bemerkungen hatten gerade noch gefehlt.

„Zweifellos“, stimmte Gott ihm auch noch zu. Metatron schien sich seiner Sache sicher zu sein und verschränkte grinsend die Arme: „Es wäre ein wahrhaftiger Skandal, wenn der König sich vor öffentlichen Angelegenheiten drückt. Alle huldigen ihn, doch was ist er? Ein Feigling.“

„Yo alter Mann, halt mal die Backen still, sonst setzt es was!“ „Chamuel!“, ermahnte mich Lumen und packte mich am Arm. Metatron grinste weiterhin selbstgefällig. Dieser widerliche alte...

„Hört auf zu streiten! Und ich erlaube derartige Worte gegen meinen obersten Engel nicht. Hüte deine Zunge, Metatron.“ „Jawohl, Herr“, zischte er nun und grummelte irgendwas in seine grauen Bartstoppel.

„Herr, Chamuel und ich würden gerne noch einmal nach Luzifer schauen. Es handelt sich sicherlich um ein Missverständnis. Er würde sein Volk niemals im Stich lassen“, sagte Lumen und verbeugte sich vor Gott. „Ja, ich bitte darum. Findet ihn. Ich werde das Volk solange ablenken, damit keiner Verdacht schöpft und unruhig wird.“

Lumen packte mich fester am Arm und zerrte mich mit sich in den Palast, wo wir die Gänge abmarschierten und einen Blick in die jeweiligen Zimmer warfen.
 

„Wo ist der Penner? Lumen, ganz ehrlich, du müsstest doch wissen wo er ist. Deine Kräfte... Zeigen sie dir das nicht?“ „Nein, eben nicht. Ich habe keine Ahnung wo er ist. Chamuel, ich muss zugeben, dass ich mir große Sorgen um ihn mache.“ „Hat das etwas mit einer deiner Visionen zu tun?“ „... N-nein. Und wenn... Ich meine einfach, dass er vorhin schon so komisch war.“

Ihre Antwort schien eine indirekte Zusage zu sein, dass es tatsächlich etwas mit ihren Visionen zu tun haben musste. Beunruhigend, wenn Lumen sich schon Sorgen macht.

„Bei mir war er auch schon so seltsam. Offenbar stellt er Gottes Entscheidungen derzeit komplett in Frage.“ Lumen schluckte, antwortete darauf nicht. Wir müssten ihn unbedingt finden und gut auf ihn aufpassen. In aller Eile durchforsteten wir weiter alle Räume. Doch wir fanden ihn nicht. Vielleicht war er auch gar nicht mehr im Palast sondern irgendwo anders im Himmelsreich? Hinter den Außenmauern konnte man sich ebenfalls ganz gut verstecken. Aber jetzt alles abzusuchen würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Plötzlich blieb Lumen stehen und schien eine Idee zu haben: „Der Thronsaal!“ „Liebes, da waren wir vorhin schon.“ „Ja, aber wir haben nur kurz rein geguckt. Ich kann mir vorstellen, dass er trotzdem dort ist. Komm mit!“

Ich folgte ihr zurück zum Thronsaal, der völlig leer und dunkel war. Lumen schien sich ihrer Sache sehr sicher, denn sie lief geradewegs zum Thron hin. Neugierig beugte sie sich hinter den großen prunkvollen Sessel und winkte mir, ehe sie in die Hocke ging.

Als auch ich hinter den Thron guckte, sah ich Luzifer, der daran gelehnt auf dem Boden saß und die Beine von sich streckte.

„Hey! Wir haben dich gesucht. Hast du uns eben nicht gehört? Wir waren schonmal hier und haben nach dir gerufen, Alter.“ Er starrte weiterhin trübsinnig die Wand an: „Ich weiß. Und wenn ich nicht wollte, dass ihr mich findet?“ „Warum versteckst du dich, Luzifer?“, fragte Lumen sanft und blickte ihn besorgt an. Er antwortete nicht.

„Komm schon, du verpasst die Verkündung, die Gott aussprechen will. Er möchte, dass du dabei bist. Und Metatron feiert deine Abwesenheit schon. Willst du ihm das echt gönnen?“ „Ach, ist mir doch grade egal.“ „Eh! Nein, ist es nicht! Es hat dir nicht egal zu sein. Alter, was ist los mit dir?“ „Was fragst du mich so 'nen Mist!? Ernsthaft? Was ist los mit EUCH!? Stört euch das was er tut denn überhaupt nicht?“ „Luzifer, beruhige dich“, drängelte Lumen, die so langsam richtig nervös zu werden schien. „Du darfst nicht zulassen, dass deine Wut über ihn außer Kontrolle gerät. Bitte nicht.“ „Aber was soll ich tun, damit ich mit gutem Gewissen mit anschauen kann was hier abläuft?“ „Nichts. Lass es einfach zu. Es wird okay sein. Aber hör auf dich dagegen zu wehren. Das führt nur zu... zu...“ Lumen sprach nicht weiter. Sie zitterte etwas und rang mit Tränen.

„Wir reden da nochmal drüber, aber jetzt gehen wir erstmal zur Verkündung, Kumpel. Los, komm!“, forderte ich ihn auf und zog ihn am Arm auf die Beine. Begeistert war er nicht gerade, aber jetzt drängte die Zeit. Ich hoffte, dass er sich wieder einkriegt und, dass es nur eine Phase sein würde. Wahrscheinlich waren die Ereignisse mit Sacred Feye noch zu frisch.

Schließlich begleitete er uns zurück zur Treppe, wo die Anderen immernoch warteten. Gott schnaufte erleichtert. Metatron dagegen warf uns spöttische Blicke zu: „Soso, der Feigling ist doch noch gekommen.“

Ich hatte Luzifer immernoch am Arm gehalten und zerrte ihn weiter weg von dem alten Greis. Provokation ist das letzte, das er jetzt gebrauchen konnte. Die Engel bemerkten scheinbar nichts von den Spannungen und Probleme. Als sie Luzifer sahen, fingen sie an zu jubeln und zu kreischen.

Gott trat einen Schritt vor und breitete die Arme aus: „Meine lieben Kinder! Heute ist ein wunderbarer Tag um euch die großartigen Neuigkeiten zu verkünden! Die großen Engel und ich haben diesen Tag lange herbeigesehnt! Bald schon wird neues Leben auf der Erde heranwachsen. Leben das ohne eure Taten und Kräfte nicht existieren kann! Denn ihr, meine wunderbaren Engel, habt die ruhmreiche und glanzvolle Aufgabe diese Wesen zu unterstützen und zu beschützen! Das neue Volk, die Menschen, werden weder über Flügel noch spezieller Kräfte verfügen. Sie werden nur euch als ihre unsichtbaren Beschützer haben und euch als Mitmenschen erleben, wenn ihr euch unter sie mischt. Somit kommen völlig neue Aufgaben und Erlebnisse auf euch zu! Was haltet ihr davon, meine Kinder?“
 

Ein kurzer Augenblick des Schweigens ging durch die Masse. Ich ließ einen kurzen Blick zu Luzifer schweifen. Er starrte wie weggetreten zu Boden und hatte die Fäuste geballt. In einem kurzen unscheinbaren Moment nahm Lumen kurz seine Hand und holte ihn aus seinen Gedanken zurück.

Während dessen fingen die Engel auch schon an zu jubeln und zeigten ihre Begeisterung von der Idee des Herrn. Sie fingen wild an zu reden und sich über mögliche zukünftige Szenarien auszutauschen.

„Eine kleine Info vor der großen Verkündung wäre nicht schlecht gewesen“, bemerkte ich beiläufig und mischte mich mit Lumen und Luzifer unter die Menge um Fragen zu beantworten. Fragen, von deren Antworten ich selbst keine Ahnung hatte. Dass wir selbst erst eben davon erfahren hatten, erfuhren die Engel nicht. Laut Gott hatten wir uns ja bereits lange darauf gefreut. Hmm...

„Luzifer, wusstest du davon?“, fragte ich ihn, während ich ihn zu mir zog damit wir uns in dem Trubel nicht aus den Augen verlieren. Die jubelnden und plappernden Engel waren ziemlich laut geworden.

„Ja, seit vorhin.“

Ein Engel der rechts von uns stand war besonders begeistert: „Leute ist das nicht wahnsinnig toll? Ich meine, wir, die großen Engel, dürfen sie beschützen und auf sie aufpassen!“ „Ja! Das wird super! Endlich etwas richtiges zu tun!“, stimmte ein anderer Engel zu. Der nächste hüpfte um die beiden herum: „Wir dürfen auf die Erde! Das Himmelsreich verlassen und die großen Beschützer sein! Juhuu!“ Ich verschränkte die Arme und grinste: „Das klingt doch eigentlich... gar nicht so schlecht. Etwas Ablenkung und Abwechslung. Oder etwa nicht, Alter?“ „Ja sicher. Erst die Diktatur und dann die Versklavung. Das wird sicher fantastisch.“Luzifer schwieg daraufhin und wendete sich ab. Von allen anderen unbemerkt entfernte er sich so langsam von der Versammlung. Nur Lumen war ihm gefolgt und schien ihm irgendwas zu sagen. Doch er schubste sie von sich und fuhr sie an. Dann ließ er auch sie stehen und verschwand unbemerkt hinter den Palastmauern. Gott und Metatron waren so sehr von der jubelnden Masse begeistert, dass auch sie Luzifer's Verschwinden nicht bemerkt hatten.
 

*
 

So viele Jahre waren nun seit unsrer Erschaffung und unserem Einzug in das Reich der Dunkelheit und Elemente vergangen. Es waren so viele, dass ich sie schon lange nicht mehr wirklich zähle. Als auch wir von der Erschaffung der Menschheit erfuhren, waren wir froh, dass unsere elementare Kraft endlich einen besonderen Zweck hatte. Der Energiefluss der Erde muss geleitet werden, damit sich die Lebensbedingungen auf dem Planeten gut entwickeln. Als Wassergöttin war es meine Aufgabe durch meine Existenz die Kräfte der Meere, Flüsse und Seen in Balance zu halten. Ohne mich würden sich immer mehr Katastrophen auf der Erde häufen. Nun... Es verlieh zumindest meiner Existenz einen Sinn. Aber als ich erneut wehmütig auf die Landschaft starrte, fühlte ich Wehmut. Mein Leben würde niemals enden. Ich würde für immer hier sein. Immer nur hier... Bei dem Gedanken daran schüttelte es mich.

Sollte es wirklich damit getan sein? Mit der Herrin, Viki und den drei anderen Göttinnen hier lebenslänglich gefangen zu sein? Sacred Feye hatte es uns verboten ins Himmelsreich zu gehen. Wir durften also nicht einmal dort hin. Warum nicht? Wer waren die Engel, die dort lebten? Wie lebten sie dort? Und fanden sie es toll die Erde besuchen zu dürfen um den Menschen dort zu helfen? Die vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten ließen mich jedes mal wieder träumen und neugierig werden.

Ich würde gerne so viel mehr kennenlernen als nur die selben fünf Gesichter. Sacred Feye und wir Göttinnen hatten ein eher oberflächliches Verhältnis zueinander. Dennoch war sie unsere Herrin, und es war unsere Pflicht sie im Ernstfall vor allen Gefahren zu beschützen. Egal wie.

Zumindest hatten wir hier viel Platz um uns nicht auf die Nerven zu gehen. Wir lebten in einer Burg aus Steinmauern. Fast wie eine Festung... Die Gemäuer baten viele Zimmer. So viele, dass man sich leicht verlaufen konnte. Im Zentrum lagen die Zimmer von Sacred Feye, und wir Göttinnen und Viki lebten verteilt auf andere Räume. Die Korridore streckten sich schier endlos wie ein Labyrinth. Doch nach all der Zeit kannten wir sie in und auswendig. Die Türme, die sich in jede Himmelsrichtung streckten hatten insgesamt vier Dachterrassen. Auf einer davon hatte ich mich gerade niedergelassen.

Gott hatte die Gemäuer gut eingerichtet bei der Erschaffung, das musste man ihm lassen. Hier auf der Terrasse war es immer gemütlich und perfekt um sich einfach zu entspannen und zu träumen. Ich legte mich in die Ecke, die ich mir zurechtgemacht hatte. Kuschelige Decken, einige Kissen... Hier regnete es nur dann, wann wir es absprachen, also konnte man es sich auch draußen fast immer gemütlich machen. Das gefiel mir auch wesentlich besser als diese muffeligen Steinmauern in denen es nur durch Inferra's Kerzen Beleuchtung gab.
 

„Halli, hallo!“, begrüßte mich Terrania's freundliche Stimme an diesem wunderschönen sonnigen Vormittag. Ich war froh sie zu haben... Ohne sie wäre das Leben hier unerträglich. Noch langweiliger als es sowieso schon war. Sie war der kleine Lichtschimmer, der mir den Tag erhellte.

„Hey, na du? Was hast du heute schon so schönes gemacht?“, fragte ich sarkastisch. Das selbe wie immer. „Das selbe wie immer“, antwortete sie und grinste. „Blumen wachsen lassen. Und noch mehr Blumen. Bald werde ich die Burgmauern mit Efeu überziehen. Wenn wir den Herbst beschwören, wird der schön rot leuchten.“ „Hach... Manchmal beneide ich dich um deine Erdkräfte. Ich kann nur Regen, und Teiche...“ „Hey! Dank dir können wir schön baden gehen. Und du machst den Winter. Mit Schnee zu spielen und auf Eis zu laufen macht Spaß.“ „Hihi, wenn Inferra das nur auch so sehen würde.“ „Hahaha!“

Ich hob meine Hand und hauchte ihr etwas Schnee entgegen. Kichernd versuchte sie die Flocken einzufangen. Als Dank bekam ich Kirschblüten zurück. Laut schnaufend steckte sie sich und ließ sich neben mich in die Kissen fallen. So lagen wir eine ganze Weile schweigend nebeneinander und genossen die Ruhe.

„Weißt du, manchmal würde ich hier gerne einfach mal ausbrechen“, fing ich an zu quatschen. „Wie meinst du das diesmal?“ „Na zum Beispiel mal ins Himmelsreich abhauen und sehen wie die Engel so sind.“ „Hach, Aqua. Das Thema hatten wir doch schon so oft in all den Jahren.“ „Ja, aber ich kann es einfach nicht lassen. Ich würde so gerne mal... Hey, meinst du die männlichen Engel sind sexy?“ „Hihi, wer weiß. Würdest du dann einen verführen?“ „Klar. So richtig männliche Kraft zwischen den Beinen wäre eine willkommene Abwechslung.“ „Du bist blöd“, kicherte sie und wir schienen beide die selbe Vorstellung vor Augen zu haben.

„Du weißt aber was dir blüht, wenn du dabei erwischt werden solltest? Das Himmelsreich wird angeblich gut bewacht wegen diesem seltsamen Liebesverbot, das die Engel haben. Ich wette kein Engel wird sich darauf einlassen was mit dir anzufangen“, erklärte sie und lächelte mich dabei mitleidig an. Die gute Terrania... „Da hast du wohl recht. Zu schade, oder? Die sind bestimmt richtig gut ausgestattet. Du weißt schon... hahaha!“ Wir kicherten beide wie junge Teenager, doch dann nahm sie Schwung und lehnte sich über mich: „Vielleicht... Aber wenn du dir dort 'nen Typen suchen solltest... Was wird dann aus uns?“ „Was soll schon mit uns sein?“, fragte ich herausfordernd.

Als Antwort bekam ich einen langen innigen Kuss. Zumindest wussten wir, wie wir uns den Alltag etwas versüßen konnten. Wir küssten uns weiter hielten uns fest in den Armen. Terra löste sich von mir und lachte: „Diese Kleider... Sie sind so unpraktisch. Wieso müssen wir die immer tragen?“ „Anordnung der Chefin. Haha. Die selbst halb nackt rumläuft. Ernsthaft... Du heiße Braut dürftest meinetwegen den ganzen Tag nackt herumlaufen.“ „Das gebe ich zurück. Weg mit den Klamotten!“

Wir zogen uns gegenseitig diese prunkvollen Fummel vom Leib und vergnügten uns eine Weile miteinander.
 

Außer Puste aber zufrieden lagen wir eng umschlungen zusammen und guckten uns in die Augen. Wir waren kein Paar. Nur zwei Frauen mit viel Langeweile und ein wenig Zuneigung zueinander.

„Ich würde mich so gerne in einen Engel verlieben.“ „Du bist einfach eine hoffnungslose Träumerin, kleines Dummerchen“, antwortete sie mir mit einem Lächeln. „Wenn du einen Engel aufreißen solltest, werde ich da sein um dein gebrochenes Herz zu kurieren.“ „Oder meinen Kopf aufsammeln, wenn Gott mich dafür bestrafen lässt.“ „Würde ich auch tun. Den würde ich mir auf meine Kommode stellen.“ „Iiiih.“ „Du bist eine tolle Frau. Wunderschön... Bitte geh' kein falsches Risiko ein, Aqua. Ich hab doch nur dich.“ „Ich pass' schon auf mich auf, du Wunder der Natur.“

Wir küssten uns erneut.
 

Obwohl wir kein Paar waren liebten wir uns auf eine gewisse Art und Weise. Und dennoch. Dieser Wunsch... Sie war die Einzige, die von meiner Sehnsucht und meinen schmutzigen Gedanken wusste. Einmal ins Himmelsreich gehen und die Engel kennenlernen. Mich einmal verlieben... Was für ein dummer Wunsch. Er würde mir nur das Herz brechen, da hatte Terra sicher recht. Aber es wäre ein Ausbruch aus meinem öden Alltag. Solange Sacred Feye nichts davon erfahren würde wäre alles okay. Ich wusste, dass die Engel an sich nichts dagegen hatten, wenn wir ins Himmelsreich kommen würden. Es war einzig und allein Sacred Feye, die es uns verboten hatte.

Ich konnte und wollte es nicht akzeptieren. Ob ich mich trauen sollte? Das Risiko eingehen? Erwischt zu werden und dafür den Ärger meines Lebens zu bekommen? Vielleicht würden meine Taten mit dem Tode bestraft werden. Aber es schien so aufregend. Ich sollte es endlich wagen und meinem Verlangen nachgeben!
 

Terrania und ich lagen noch eine Weile zusammen und genossen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Irgendwann ließ sie mich jedoch alleine zurück um sich um ihre Pflanzen zu kümmern. Sie nahm ihre Pflichten und Aufgaben sehr ernst. Und obwohl sie auch von der Tristheit ihres Alltags gelangweilt war, genoss sie es ihre Pflanzen täglich zu umsorgen und die Blumen zum Erblühen zu bringen. Ihre wunderschönen Sträuße und Blumenkränze schmückten unser gesamtes Heim und machten es zu einem bunteren Ort.

Mit der Zeit erhob ich mich ebenfalls von den gemütlichen Kissen und blickte in die Ferne herab. Sollte ich es wagen? Mein innerer Konflikt drohte mich förmlich zu zerreißen. Aber um diese Zeit des Tages war es in der Festung sehr ruhig und die Herrin hielt seit einer halben Ewigkeit täglich ihren Mittagsschlaf. Das wäre die beste Gelegenheit für mich durch das Tor zu wandern und innerhalb der zwei Stunden wieder zurückzukehren.
 

Letztlich nahm ich all meinen Mut zusammen, zog meine Kleidung nochmals zurecht und schnellte durch das Treppenhaus der Gemäuer. Im Korridor nach draußen lief mir niemand über den Weg. Auch außerhalb der Festung wurde ich nicht entdeckt. Es lief alles glatt. Einige Meter vor mir sah ich schon das Tor zum Himmelsreich. Ich müsste nur noch meine Elementkugel hoch halten, es öffnen und dann...
 

„Aquarienne.“ Mein Körper zuckte zusammen und mein Herz fühlte sich an als wäre es für einen Moment stehen geblieben als ich die Stimme von Sacred Feye, meiner Herrin, hinter mir hörte. Starr drehte ich mich um und lächelte: „Herrin... Hehe... Ähm...“
 

Kapitel 6 – Isolation – Ende – Fortsetzung folgt
 

Halli hallo ihr Lieben :) Ich hoffe ihr hattet schöne Weihnachtsfeiertage und eine schöne Zeit! Falls einige von euch über die Tage arbeiten mussten – meinen größten Respekt dafür und danke, dass ihr die Stellung gehalten habt! >v< Tut mir leid für den kleinen Cliffhanger am Ende xD Ich konnte nicht anders, haha! Falls ihr das hier noch vor Neujahr lest: Habt einen guten Rutsch und frohes Neues! <3



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  kabaem-chris
2015-12-29T02:07:14+00:00 29.12.2015 03:07
Ich kann Lutz verstehen D: Und weiterhin "Gott" nicht xD; Wieso?! Kapuze runter und feddisch! Lutz kriegtn Harten (Chamu auch, aber das spielt keine Rolle grad XD), die blöde Anti-Liebes-Regel fällt weg und... wäre die Menschheit dann je erschaffen worden? o_o
Und... Zwei Göttinen haben Spaß miteinander? Wieso wusste ich nicht dass die beiden so weit gehen?! O_O xD Aber wie viel Zeit ist denn da vergangen? 10 Jahre? 100? 1000? Und wie kam es überhaupt dazu, dass die beiden sich anfingen "auszutauschen"? xD Zeit für Kapitel 7 -o-!


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