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Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

von

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Turn 24 - The Collector

Turn 24 – The Collector

 

 

„Puh, nur noch ausdrucken und ich bin fertig damit“, sagte Abby, nachdem sie den letzten Satz ihres Aufsatzes über den Artikel 231 des Versailler Vertrags abgetippt hatte. „Du wirst wirklich danach suchen gehen?“

Sie drehte sich auf ihrem Stuhl um 180° und sah zu Anya herüber, die auf Abbys Bett lag und verschiedene CDs anschaute, die allesamt dem Hippiemädchen gehörten.

„Ja, nachher“, antwortete die Blondine beiläufig und zeigte eine rote CD, auf der ein Piano abgebildet war, in die Höhe. „Kann ich mir die ausleihen?“

„Klar. Aber seit wann hörst du Mozart? Ich dachte Chopin wäre jetzt bei dir in?“

„Das bleibt unser Geheimnis, klar!? Wenn du es weitererzählt, werde ich allen erzählen, dass das Pennerkind bei dir wohnt und mit dir rumhurt!“

 

Niemand durfte je erfahren, dass Anya Bauer … klassische Musik liebte. Außer Abby, die ihre Leidenschaft teilte. Bloß war die so langweilig, dass sich niemand daran störte. Bei Anya hingegen war das anders, sie hatte immerhin ihren schlechten Ruf zu verlieren.

Diese Art der Musik hörte sie nur, wenn absolut niemand zuhause war und sie davon ausgehen konnte, dass das auch so blieb. Sie verstand sowieso nicht, warum man nicht beides, Death Metal UND Klassik hören durfte, ohne gleich als vollkommen irre abgestempelt zu werden. Diese Auszeichnung wollte sie sich durch andere Dinge verdienen, nicht durch die Musik, die sie hörte.

 

„Ist ja gut“, erwiderte Abby beleidigt und rückte ihre getönte Brille zurecht. „Er ist ohnehin nur hier zum Schlafen und manchmal zum Essen. Dass er so aufopferungsvoll nach seiner Schwester sucht, ist irgendwie … romantisch. Ich beneide sie fast ein wenig.“

Keifend erwiderte Anya daraufhin: „Geh mit ihm aus und ich kill einen von euch! Vorzugsweise ihn!“

„Ich weiß es zu schätzen, dass du eifersüchtig bist“, stichelte Abby pikiert, „aber die Wahl meiner Freunde treffe ich immer noch selbst.“

„Rede ich hier neuerdings mit einem Redfieldklon?“ Anya blinzelte verdutzt. „Seit wann wehrst du dich?“

„Seit ich dir das Leben zur Hölle machen kann?“

Um das zu demonstrieren, warf Abby eine einzelne, auf ihrem Schreibtisch herumliegende Naturiakarte in Anyas Richtung, aus der plötzlich eine kleine Sonnenblume mit Augen, Armen und Beinen auftauchte, direkt vor Anyas Nase.

„Ach ja?“, erwiderte diese herausfordernd, schnappte sich die Blume kurzerhand und biss ihr in den Kopf.

Sofort sprang Abby kreischend auf. „Neeeeeein! Was machst du denn da!?“

Daraufhin verwandelte sich die Sonnenblume in die Karte [Naturia Sunflower] zurück, die nun durch Anyas Zahnabdrücke entstellt war. Beide Mädchen sahen sich einen Moment lang an, ehe sie laut zu lachen anfingen.

 

„Ich gehe dann mal“, meinte Anya schließlich und sprang von Abbys Bett auf. Die CD packte sie neben die Duel Disk in ihren Rucksack, welchen sie danach schulterte. „Muss noch halb Livington abklappern, was 'ne Weile dauern kann.“

„Ich hoffe, du findest irgendeinen Hinweis, der dir weiterhilft“, meinte Abby aufrichtig und sah Anya besorgt an. „Wenn ich irgendetwas tun kann, dann sag es.“

„Ne sorry, ich fürchte, das ist 'ne Gründer-only-Angelegenheit. Du spürst ja nicht mal etwas direkt vor unserer Haustür, da wo Matts Pakt geschlossen wurde.“

„Leider nein.“

Anya stöhnte aufgrund des bedrückten Tonfalls ihrer Freundin. „Mach dir nichts draus, ich auch nicht, nur Levrier. Wie gesagt, ist wohl allein sein Gebiet.“

„Aber er hat nichts herausgefunden?“

„Nein, deswegen wollen wir uns ja die anderen Orte ansehen.“ Anya kratzte sich mit zusammengekniffenen Augen hinter dem Ohr. „Auch wenn ich nicht glaube, dass wir was finden.“

Abby legte einen mitleidigen Blick auf. „Und dir geht es auch wirklich wieder gut? Ich meine, erst gestern …“

„Ja ja, klar. Das mit dem Jinn ist dumm gelaufen, aber ich habe eh nie viel erwartet.“

„Was ist aus der Lampe geworden?“

Frech grinsend fuhr sich Anya mit dem Daumen über die Kehle. „Matt hat sie gestern noch verschrottet. Aber der dämliche Jinn wollte es ja so.“

„Trotzdem ist das irgendwie traurig.“

„Ja ja, was auch immer. Also ich hau dann mal rein, bis morgen“, Anya steckte angeekelt die Zunge heraus, „in der Schule. Warum muss ich da hingehen, wenn ich sowieso bald weg vom Fenster bin!?“

Doch Abbys strenger Blick sagte Anya, dass sie von ihr keine Zustimmung erhalten würde. Also verabschiedeten sich die Mädchen voneinander, sodass die Blondine sich auf dem Weg machen konnte.
 

Von Abby aus am nächsten lag der Park, in dem Marc sich mit Isfanel verbündet hatte. Zwar war Anya nicht wohl bei dem Gedanken, ihn aufzusuchen, nach allem was zwischen ihr, Marc und Valerie geschehen war, doch ließ es sich nicht vermeiden. Umso schneller hatte sie es hinter sich, sagte sich das Mädchen immer wieder.

Danach stand die Schule auf dem Programm, wo sie selbst den Pakt mit Levrier geschmiedet hatte. Anschließend würde sie zu der Stelle gehen, an der angeblich Alastair sein Mal erhalten hatte. Dort, wo sie vor einigen Wochen Jonathans Leiche gefunden hatte. Von wo es immerhin nicht mehr weit bis nach Hause war. Victim's Sanctuary, Valeries 'Territorium', lag dummerweise auf der anderen Seite der Stadt, weshalb Anya es sich für morgen nach der Schule aufheben musste.

Trotzdem, ihre Motivation ließ zu wünschen übrig …

 

~-~-~

 

Energiereste, wie auch bei dir zuhause. Aber nichts deutet daraufhin, wie wir sie für unsere Zwecke gebrauchen sollen. Hier liegen die Scherben eines zerbrochenen Elysions, doch zugreifen kann ich nicht darauf. Was bedeutet das?

 

„Dass du nutzlos bist?“, antwortete Anya ihm gallig und sah sich voller Unwohlsein um.

Das ganze Gebiet war abgesperrt worden, damit niemand den Tatort betreten konnte, was Anya jedoch nicht daran störte, das vollkommen abgebrannte Gelände trotzdem unsicher zu machen.

Sie stand in diesem Moment womöglich auf der Stelle, von der aus sie den Todesschlag gegen Marc befohlen hatte. Doch heute war es helllichter, wenn auch kühler Tag.

Aber nicht die herbstlichen Temperaturen waren der Grund, warum Anya ihre schwarze Totenkopflederjacke enger an sich zog. Es war der Teufel auf ihrer Schulter, der auf den Namen 'schlechtes Gewissen' hörte.

„Können wir jetzt gehen?“, nörgelte sie unzufrieden. „Ich frier' mir hier den Arsch ab.“

 

Wie bedauerlich. Komm, wir gehen in eine wärmere Zone der Stadt. Oder gleich nach Jamaika?

 

„Hör' auf mich zu ärgern, du Geisterspacko! Wenn ich mich bewege, wird mir wenigstens warm.“
 

Lass mich raten: durch dieses Wissen hast du deinen erstes „Bestanden“ bei einem Physiktest bekommen?

 

„Nein! Das habe ich dafür bekommen, dass ich genau berechnen konnte, wie schnell ein Messer fliegen muss, um einen Schädel sauber zu spalten! Wenn du willst, führe ich es dir gerne vor!“

 

Wie dem auch sei, ich habe nicht gefunden, wonach ich gesucht habe. Lass uns deine Schule aufsuchen.

 

Anya schnaubte. Ausgerechnet an einem Sonntag ging sie -freiwillig- in die Schule. Wenn jemand sie dabei sah, würde sie den Rest ihres Lebens wegen Mordes hinter Gitter kommen. Andererseits: lange absitzen müsste sie eh nicht.

„Na endlich“, brummte das Mädchen und setzte sich in Bewegung.

 

~-~-~

 

Auf dem kreisrunden Campusgelände angekommen, sah Anya sich um. Keiner außer ihr war hier, gut. Weder bei den Sporthallen links, noch rechts vor dem Gebäude der Unterstufe rührte sich etwas.

Also blieb nur noch der Weg geradeaus: ins Oberstufengebäude, gemacht aus dem hässlichsten Backstein, den Anya je gesehen hatte.

„Dafür müsste ich dich eigentlich auf Schadensersatz verklagen!“, beschwerte sich Anya und reichte nach dem Türgriff aus. Aber die Tür öffnete sich nicht. Auch nicht durch schütteln. „Was zum-!?“

 

Du besitzt nicht zufällig einen Schlüssel?

 

„Nö. Nicht dass ich einen bräuchte, aber du kannst nicht zufällig durch Wände gehen?“

 

Sicher könnte ich das. Du aber nicht. Bedauerlicherweise muss ich mich in deinem Radius aufhalten, solange der Pakt gültig ist.

 

„Also hiermit“, brummte Anya, zog sich kurzerhand eine Büroklammer aus den Haaren nahe ihres Pferdeschwanzes und verbog sie so, dass sie in das Schlüsselloch passte. Unter größter Friemelei versuchte Anya, das Schloss zu knacken.

 

Ich werde nicht fragen, warum du das in deinen Haaren trägst. Aber wenn du dir von Abby schon CDs leihst, frage sie das nächste Mal doch bitte auch nach Modeaccessoires.

 

„Die habe ich immer mit dabei, eben wegen so- scheiße.“

Das Ding war einfach abgebrochen, wie sie feststellen durfte, nachdem sie den Rest davon hinauszog. Mit fassungsloser Miene betrachtete sie ihr 'Werkzeug'. „Seit wann brechen Büroklammern ab!?“

 

Bist du dir sicher, dass das überhaupt eine ist? Ich gehe nicht davon aus, dass du sonderlich oft Büroklammern benutzt?

 

Bei näherem Ansehen war Anya sich da tatsächlich nicht mehr so sicher. Das Ding wegwerfend, stöhnte sie laut. „Also dann eben auf die altmodische Tour.“

Sprachs und schritt kurzerhand ein paar Meter weiter zu einem etwas erhöht liegenden Fenster, das zu einem der Klassenräume gehörte und schlug es mit dem Ellbogen ein.

 

Dezent wie immer.

 

„Uns wird schon keiner sehen! Außerdem ist das nicht das erste Mal“, murmelte Anya, beseitigte die verbliebenen Scherben innerhalb des Fensters vorsichtig und zog sich schließlich in das Klassenzimmer hinauf. Dabei redete sie ächzend weiter.

„Vor drei Jahren – Oder waren es vier? – hab ich mal meine Akten geklaut und verbrannt. Aber die Idioten hatten sich vorher Kopien gemacht.“

Mit einem Satz landete sie in dem Raum, in dem unter anderem ihr Geschichtskurs stattfand. Eilends schritt sie auf die Tür zu-

 

Der arme Wald, der dafür herhalten musste …

 

-und trat die Tür mit einem gezielten Kick auf, um auf den Gang zu gelangen. Das Schloss war einfach herausgebrochen und hing lose an der Tür.

„Wow“, staunte Anya, „ich glaub, ich bewerbe mich demnächst mal bei Superwoman als Aushilfe.“
 

Ich habe etwas nachgeholfen, wenn es dir nichts ausmacht. Und versuch es gar nicht erst. Bei Harley Quinn hast du größere Chancen.

 

„Du kennst dich mit Comics aus?“ Anya pfiff anerkennend und hastete durch den Gang, der sie zur Aula führen sollte.

 

Wenn die überall bei dir herumliegen, komme ich nicht umher, einen Blick zu riskieren.

 

Doch Anya war bereits vor der großen Flügeltür angelangt und öffnete sie mit beiden Händen, wie schon zuvor, als Alastair ihre Freunde gekidnappt hatte.

Den langen Raum durchschreitend, sah sie sich überrascht um. Die Stühle waren fort, damit die Bauarbeiter ungestört das Loch in der Decke reparieren konnten, durch welches trübes Tageslicht drang. Auch der Schutt war weggeräumt worden, dafür stand im Gegenzug nun ein Baugerüst mitten im Saal.

„Und, spürst du irgendwas?“, fragte Anya neugierig, als sie direkt in der Mitte der Aula zum Stehen kam. Ihre Stimme hatte einen leichten Nachhall.

 

Dieser Ort … ist anders. Ganz anders.

 

„Sind das gute Nachrichten?“

 

Ich glaube weniger. Die Scherben deines vorherigen Elysions sind zwar voller Energie, doch nicht alle. Außerdem kann ich nicht tiefer in das Gefüge eindringen, obwohl es dein Elysion ist.

 

„Das ist bescheuert“, stöhnte Anya und fasste sich genervt an die Stirn. „Lass uns von hier verschwinden, ehe wir noch erwischt werden. Was Konstruktives kommt hier ohnehin nicht bei raus.“

 

Mit dir definitiv nicht. Ich bin unschlüssig, was das zu bedeuten hat. Vermutlich ist all das meinem Einfluss als Gründer zu verdanken, doch wieso kann ich dein zerbrochenes Elysion nicht betreten?

 

„Weil ich ein neues habe?“ Die Blondine blinzelte verdutzt und wickelte dabei ihren Pferdeschwanz um den Zeigefinger. „Habe ich überhaupt ein neues?“

 

Ja. Nach einem Pakt wird ein neues Elysion geboren, während das alte zerbricht. Das liegt daran, dass ich ein Teil deiner selbst bin und somit auch zu deinem Elysion gehöre. Das, was uns hier begegnet ist, dürfte nicht sein. Ein zerbrochenes Elysion dürfte unter normalen Umständen nicht mehr existieren.

 

Anya schnalzte mit der Zunge. „Das habe ich auch kapiert! Nur sind das hier keine normalen Umstände. Egal, wenn das Ding defekt ist, haben wir ein Problem. Wie wär's wenn wir uns erstmal das letzte für heute anschauen gehen und uns dann überlegen, wie wir dieses hier reparieren?“
 

Vielleicht ist das die Lösung? Um Eden zu erwecken muss dieses Elysion wieder zusammengesetzt werden. Manchmal ist deine Art zu denken gar nicht so abwegig.

 

„D-danke“, brummte Anya mit einer Spur Stolz in der Stimme. „Aber ich will jetzt wirklich hier weg. Normalerweise habe ich keinen Schiss vor Cops, aber wenn die mich jetzt einbuchten, können wir dieses Ding nicht reparieren. Also nichts wie weg.“
 

Du hast recht, wir sollten uns um das nächste Elysion kümmern. Dem von Alastair …

 

~-~-~

 

„Ich glaube hier hat er gelegen“, meinte Anya eine knappe halbe Stunde später und deutete mitten auf den Asphalt der schmalen Straße.

Die Häuser zu ihrer Linken befanden sich allesamt auf einer höher gelegenen Ebene, die durch eine paar Stufen unweit von Anya erreicht werden konnte. Gegenüber der hohen Steinfassade lag ein dichter Wald, die Stadtgrenze, doch das Mädchen hatte keine Blicke für ihn übrig.

Der Himmel war beinahe genauso erdrückend grau wie an jenem regnerischen Tag, als Anya die Leiche entdeckt hatte. Doch dieses Mal schüttete es nicht wie aus Eimern. Eher hatte man den Eindruck, dass es jeden Moment schneien könnte. Das hieß, wenn man nicht wusste, dass es in Livington nur sehr selten schneite.

 

Du stehst genau auf der Stelle. Geh aus dem Weg.

 

Anya, die sich das nicht zweimal sagen ließ, wich mit flauem Gefühl im Magen zurück. Was auch gut so war, als direkt neben ihr ein Auto in hohem Tempo vorbeifuhr.

„Pass doch auf!“, brüllte Anya diesem hinterher, ohne etwas damit zu bezwecken. Das Auto bog um die Ecke, woraufhin das Mädchen sich wieder dem Asphalt widmete.

„Irgendwas?“

 

Ja. Dieses Elysion … ist nicht zerbrochen.

 

„Häh!? Aber die waren doch alle kaputt. Die müssen doch über'n Jordan gehen, wenn wir Pakte schließen, oder nicht!?“

 

Präzise.

 

„Dann ist die Narbenfresse also ein Schwindler! Das Mal an seinem Arm ist eine Fälschung!“

 

Nein, es ist echt. Denn sonst würde es hier kein verlassenes Elysion geben. Ich denke, das hat mit der Tatsache zu tun, dass Alastairs Paktpartner Refiel ein Engel ist. Womöglich unterscheidet sich der Prozess der Wiedergeburt eines Elysions im Falle eines Engels von dem, wenn meinesgleichen einen Pakt schließt. Aber einen Reim kann ich mir auch hieraus nicht machen.

 

Anyas Schlussfolgerung: „Warum zerscheppern wir es dann nicht? Problem gelöst.“
 

Wenn du es betreten kannst? Ich vermag das nicht. Wir werden Alastair fragen müssen, ob er das für uns erledigt, sofern es nötig ist. Aber ich frage mich dennoch, warum ausgerechnet dieses Elysion unbeschädigt ist. Es strahlt dieselbe Restmenge an Energie wie die anderen aus, was nicht besonders viel ist.

 

Die Blondine fasste sich ans Kinn und gab einen nachdenklichen Laut von sich. Nebenbei kickte sie einen kleinen Stein mit dem Fuß von sich fort. Irgendwas stimmte hier nicht. Vielleicht lag es daran, weil sie von diesem Hokuspokus keine Ahnung hatte – was ihrer Meinung nach auch so bleiben könnte. Dennoch passte irgendwie kein Elysion zum anderen, abgesehen von Matts und Marcs, die dieselben Merkmale besaßen. Sie verstand ohnehin nicht, warum überall in der Stadt verteilt diese Dinger …

„Levrier“, sprach sie leise, als sie etwas Interessantes realisierte, „ich glaube, diese Teile sind nicht zufällig da, wo sie sind. Und soll ich dir was sagen? Uns fehlt eins, womit ich nicht Victim's Sanctuary meine.“

 

Was bringt dich ausgerechnet zu dieser Annahme?

 

„Keine Ahnung, ob du den Stadtplan kennst, aber überleg' doch mal, du Schlauhirn. Von der Schule aus gesehen sind alle Orte, die wir besucht haben, ungefähr gleich weit weg. Wenn wir die jetzt mal als Mittelpunkt nehmen, könnte man um sie herum einen fünfzackigen Stern mit den anderen fünf Punkten zeichnen.“

 

Du machst Witze. Aber warte … womöglich ist da sogar etwas Wahres dran.

 

„Klar ist es das!“ Anya haute die Faust auf ihre flache Hand. „In den Filmen ist das auch immer so.“

 

Dass jeder Punkt den gleichen Abstand zum Zentrum, deinem Elysion, besitzt ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Fast als wäre es Schicksal. Wenn deine Theorie stimmt, sollte sich der Aufenthaltsort des letzten Elysions eingrenzen lassen.

 

„Im Südwesten der Stadt … gibt es den Bahnhof und das Einkaufszentrum!“ Anya drehte sich auf der Stelle um, ging ein paar Schritte nach vorn, nur um wieder zur alten Stelle zurückzukehren. „Fragt sich nur, wessen Elysion das ist.“

 

Höchstwahrscheinlich Melinda Fords, da sie erst vor Kurzem in diese Stadt gekommen und von Isfanel befallen worden ist.

 

„Aber warte“, sagte Anya und ihre Stimme wurde schlagartig sehr leise, „heißt das nicht, dass Marcs Pakt … noch besteht?“

 

Das kann ich weder bestätigen, noch abstreiten. Solange wir nicht mehr wissen, sollten wir uns in der von dir beschriebenen Gegend umsehen. Wenn du tatsächlich recht hast, könnte das ein großer Durchbruch für uns sein.

 

„Für dich meinst du wohl. Diese ganze Elysionkacke-“

 

Anya Bauer, hinter dir!

 

Das Mädchen wirbelte sofort um und erschrak zutiefst, als ein Mann in einem schwarzen Anzug direkt vor ihr stand. Das Haar tiefrot, die Augen fest auf sie gerichtet, wirkte seine Gestalt seltsam fehl am Platz. Doch warum konnte Anya beim besten Willen nicht sagen. Vielleicht wegen der Narbe auf der linken Wange?

Aber auch so stach er einfach heraus.

 

Er hat keine Präsenz! Als existiere er gar nicht! Ich konnte ihn nicht einmal sehen, bis zu diesem Augenblick! Sei vorsichtig, dieses Wesen ist nicht von dieser Welt!

 

Er streckte mit verträumter Mimik die Hand in den Himmel. „Ah ja, das Elysion. Unsere Seelenzuflucht, der Ort, der allen anderen vorenthalten bleibt.“

„Was willst du, du Schickimickifreak!?“, fauchte Anya ihn an und wich zurück. Aber weniger wegen seinem plötzlichen Auftauchen, sondern eher dem britischen Akzent, den er besaß. Anya hasste Briten, seit jene ihr vor vielen Jahren bei einer Auslandsreise ihres Vaters, auf welcher sie ihn begleitet hatte, den Eintritt in einen Pub verweigert hatten.

„Die Splitter eines verlassenen Elysions besitzen geheimnisvolle Kräfte. In der Sekunde, in der ein Pakt geschlossen wird, zerbricht es. Natürlich regeneriert es sich augenblicklich und wird neugeboren, doch was bleibt sind die Scherben einer vergangenen Realität, eines alten Pfads.“

Nun sah er sie wieder direkt an und lächelte wissend. „Verbindet man all diese verlassenen Pfade zu einem Netz, das sich um den Turm von Neo Babylon erstreckt, könnte man Eden womöglich finden. Aber wer weiß das schon mit Gewissheit? Du sicher nicht, Anya Bauer. Jene, die nach Eden strebt …“

„Woher weißt du-!?“

Er hob beschwichtigend die Hand. „Nur mit der Ruhe. Ich weiß vieles über dich. Womöglich mehr als du selbst.“

„Und woher!? Wer bist du!?“

Seine Stimme gewann etwas Einzigartiges, unendlich Geschmeidiges, Allwissendes an sich, als er mit großer Betonung antwortete: „Der Sammler.“
 

Könnte er der Collectordämon sein!? Der, der mit Seelen handelt!?

 

„Meine Karten kriegst du nicht!“ Anya zeigte ungeniert mit dem Finger auf ihn. „Und ich kaufe nichts von Pennern … und allen anderen Idioten, die ich nicht leiden kann!“

„Oh nein. Ich bin hier, um zu kaufen. Und wonach ich gelüste ist das Anrecht auf deine Seele.“

 

Ich wusste es! Anya, hör ihm nicht zu! Du musst flüchten!

 

„Vor dem habe ich keine Angst!“, tönte das Mädchen aufbrausend und stampfte mit dem Fuß auf.

„Wie lästig. Wenn ich Geschäfte treibe, dann für gewöhnlich unter vier Augen“, sprach der rothaarige Edelmann und schnippte mit dem Finger.

Anya stieß einen kurzen Schrei aus, als ihr Mal nur für den Bruchteil einer Sekunde schmerzhaft brannte. Es war so schlimm, dass sie in die Knie gehen und sich den Arm halten musste.

„Nun sind wir ungestört. Solange ich anwesend bin, ist Levrier in deinem Elysion gefangen.“

Dass das die Wahrheit war, wusste Anya schon deshalb, weil ihr Paktpartner ihr nicht mehr in den Ohren lag, sie solle abhauen. Sie erhob sich langsam. Dreckig grinsend erwiderte sie dabei: „Seine Stimme hat mich sowieso nur genervt. Aber du hast immer noch nicht meine Fragen beantwortet.“

Der Brite lächelte zufrieden. „Ich bin hier, da deine Not mit jeder Stunde wächst. Und ich besitze das Wissen, das du brauchst, um dein Schicksal zu erfüllen. Ebenso das Wissen, das dir helfen wird, es -nicht- zu erfüllen.“

 

Die Haltung des Mädchens lockerte sich schlagartig, ein Teil ihrer Anspannung verschwand und wich der Neugier. „Soll das heißen, du weißt, wie ich … weiterleben kann?“

„Richtig, das tu ich. Aber der Preis und meine Assistenz für dieses Unterfangen muss“, er streckte ihr den Arm aus und machte mit seinen Fingern eine greifende Geste, „kann nur deine Seele sein.“

Anya schaute ihm tief in die braunen Augen, dann lachte sie hysterisch auf. „Vergiss es, das kaufe ich dir nicht ab!“

„Wenn du kein Interesse hast, werde ich gehen. Doch ob ich deine Seele besitze, oder sie durch Eden verloren geht, sollte für dich keine Rolle spielen. Aber wenn du nicht handeln willst.“

Er machte Anstalten, sich umzudrehen, doch Anya rief ihn zurück. „Warte gefälligst!“

Über seine Schulter sehend, warf er ihr einen abwartenden Blick zu.

 

„Kannst du das wirklich? Mich retten?“

„Retten kann ich dich nicht in dem Maße, welches du dir vorstellst. Den Pakt kann ich ohne Konsequenzen für dich brechen, doch nicht ohne den bereits von mir genannten Preis.“ Er drehte sich wieder zu ihr um. „Ich bin imstande, dir nahezu jeden Wunsch zu erfüllen. Selbst die, die das Leben eines geliebten Menschen wiederherstellen. Du hast es anhand von Marc Butcher gesehen, das war mein Werk.“

Anya klappte die Kinnlade herunter. „Du warst das!?“

„Deine Freundin hat dafür ihren Namen an mich weitergeben. Mit ihm war ich imstande, dich zu beobachten. Du befindest dich zwar auf einem richtigen Weg, was die Erfüllung deines Schicksals angeht, doch ohne meine Hilfe stehen die Chancen gut, dass du letztlich scheiterst.“

Er warf ihr wieder dieses geschäftsmännische Lächeln zu. „Und das wollen wir beide nicht, nicht wahr?“

„Du willst meine Seele haben, damit ich ein paar Jahre länger leben kann?“ Anya schwang den Arm aus. „Vergiss es, Kumpel! So dämlich bin ich nicht! Wenn du kein besseres Angebot hast, verschwinde und lass mich in Frieden! Sonst säg' ich dir nämlich den Kopf ab, tüte ihn schön ein und spiele erstmal 'ne Runde Basketball damit! Wollen doch mal sehen, wie viel deine Rübe verträgt, wenn -ich- Körbe werfe!“

Unnötig zu erwähnen, dass sie eigentlich vorgehabt hatte, Valerie Redfield diesen Spruch an die Stirn zu klatschen. Manchmal sogar wortwörtlich.

Der Collector jedoch machte sich scheinbar nichts aus ihren Drohungen, sondern zeigte mit dem Finger auf sie. „Du verlangst ein besseres Angebot? Ist es nicht besser, wenn ich deine Seele verwalte, anstatt sie im Limbus verrotten zu lassen? Aber ich denke, ich habe da eins. Es wird dir sicherlich mehr zusagen.“

„Lass hören!“

„Wir duellieren uns um die Wahrheit. Freikaufen kann ich dich nur durch deine Seele. Aber Informationen, wie du Eden werden kannst, sind hingegen etwas, das ich dir auf andere Weise geben kann.“

„Und wie!?“, verlangte Anya aufgebracht zu wissen.

Der Sammlerdämon lächelte nun wieder geheimnisvoll. „Finde es heraus, indem du dich mit mir duellierst. Du wirst merken, dass ich dir in vielerlei Hinsicht nützlich sein kann.“

 

Dieser Typ hatte eindeutig eins an der Waffel, dachte Anya skeptisch und betrachtete ihn genau. Von außen sah er 'nur' wie ein stinkreicher Angeber aus. Das Problem mit diesem Kerl war jedoch, dass er von Dingen redete, über die nur die wenigsten Bescheid zu wissen schienen. Allein was er über das Elysion gesagt hatte. Zeugte das nicht davon, dass er ihr wirklich helfen könnte? Auch nicht zu vergessen: er hatte auch Marc ins Leben geholt.

Trotzdem, sie traute diesem Bastard nicht über den Weg. Wenn er glaubte, sie in irgendein dubioses Seelengeschäft herein reden zu können, war er aber ganz schief gewickelt! Bloß wenn sie ihn jetzt gehen ließ, könnte sie die einzige Chance verlieren, die Wahrheit über Eden zu erfahren. Und auch wenn Levrier sie eine Opportunistin nannte … sie hatte ihr Versprechen ihm gegenüber nicht vergessen. Wenn er dieses Mal nicht Eden würde, dann nie mehr. Aber warum auf ihre Kosten!?

 

„Tch, von mir aus, ein kleines Duell am Nachmittag hat noch niemandem geschadet“, brummte Anya und setzte dabei ihren Rucksack ab.

Der Brite schien zufrieden. „Eine kluge Wahl.“

„Aber ich mache nur mit, wenn es in diesem Duell nicht um meine Seele geht, klar!?“

„Ohne deine Einstimmung kann ich sie nicht einfordern. Sei unbesorgt. Nicht der Ausgang des Duells wird dir die Antworten bringen. Deine eigenen Entscheidungen werden es sein.“

Seine Art so hochintellektuell zu reden störte Anya zutiefst. Sie nahm ihre Duel Disk aus dem Rucksack und legte sie sich an. Wollten doch mal sehen, ob er genauso gut mit seinen Karten umgehen konnte wie mit Worten.

Wieder schnippte der Collector mit dem Finger, woraufhin eine Battle City Duel Disk an seinem Arm erschien.

„Pass bloß auf, dass dein teurer Anzug nicht schmutzig wird“, zischte Anya gallig, „denn mit mir geht’s dreckig zur Sache!“

„Wenn du damit deine kleinen Tricksereien meinst, wie etwa Fehlaktivierungen von Karten? Nur zu.“ Er schwang gönnerhaft den Arm aus. „Aber falls du vorhast, dem Schicksal eine neue Wendung zu geben – sofern du dich überhaupt der Fähigkeiten Levriers bedienen kannst – werde ich einschreiten müssen. Aber wir beide wissen, dass du das nicht ohne ihn schaffst.“

Woher wusste der Kerl all das, fragte sich Anya ärgerlich und warf ihm einen missbilligenden Blick zu. Der war doch gar nicht beim Duell gegen Henry dabei gewesen! Aber wenn er davon wusste, dann vielleicht auch von Eden? Sie musste es herausfinden!

„Ich brauch den Quatsch nicht, um zu gewinnen!“

„Wie ich sagte, hier geht es nicht um den Ausgang des Duells, sondern um seinen Verlauf.“

Anya schnaufte und rief schließlich: „Duell!“

 

[Anya: 4000LP / Collector: 4000LP]

 

„Ich beginne!“, verkündete Anya und zog zu ihrem Startblatt gleich eine sechste Karte, ehe ihr Gegenüber widersprechen konnte.

Es war ohnehin verrückt! Sie duellierte sich mitten auf der Straße mit einem Freak, der mehr wusste als ihr lieb war. Genau dort, wo sie Jonathans Leiche gefunden hatte, made by Alastair. Sie konnte förmlich die Stimme des Narbengesichts hören, wenn er jetzt hier wäre. Blöde Dämonenbrut, bla bla, töte ihn, bla bla. Aber der würde sich noch wundern, wenn sie am Ende mit der Lösung ankam!

Behände griff Anya ein gelb umrandetes Monster aus ihrem Blatt. „Sag hallo zu einem meiner Lieblingsdrachen! Los, [Alexandrite Dragon]!“

Funkelnde, farblose Edelsteine überzogen die Haut des mannshohen Drachens, welcher mit einem Satz vor Anya landete und niederkniete. Als er sich auf zwei Beinen erhob, spannte er seine Schwingen an und stieß ein majestätisches Gebrüll aus. Anya grinste keck. „Er ist eines der stärksten Monster, die kein Tribut brauchen, um beschworen zu werden!“

 

Alexandrite Dragon [ATK/2000 DEF/100 (4)]

 

„Aber er gehört nicht zu den Karten, die du dir von dem Jinn gewünscht hast.“

Nach Luft schnappend, starrte die Blondine den Sammlerdämon irritiert an. Selbst das wusste er!? Aber sie hatte doch niemandem davon erzählt, nicht mal Abby!

„Alter, besorg' dir'n Privatleben und spionier' nicht das anderer Leute aus!“, fauchte sie anschließend und schnappte sich eine Karte aus ihrem Blatt. „Die verdeckt! Was heißt: Ende im Gelände. Vorerst!“

 

„Die Dinge zu beobachten ist sehr wichtig für mein Tun. Nur wer über das nötige Wissen verfügt, wird das bekommen, was er will. Du solltest das von allen am besten wissen“, schmetterte der Collector Anyas anklagenden Tonfall ab und zog seinerseits eine Karte. „Aber du wirst herausfinden, dass ich nicht nur über Wissen verfüge. Sieh her und lerne. Normalbeschwörung: das Empfänger-Monster [Fabled Kushano]!“

Aus einer blauen Lichtsäule tauchte ein geflügelter Mann auf, dessen ebenfalls blaues Haar wie ein Schleier um sein Gesicht lag. Mit dem Zeigefinger schob er die Brille auf der Nase nach oben und begann dann, in einem alten Buch zu lesen, das er in den Händen hielt.

 

Fabled Kushano [ATK/1100 DEF/800 (3)]

 

Anschließend zeigte der rothaarige Mann ein weiteres Monster von seiner Hand vor. „Nun, da ich ein Fabled-Monster kontrolliere, kann ich [Fabled Grimro] abwerfen, um mir ein Fabled-Monster von meinem Deck auf das Blatt zu nehmen.“

Nachdem er seine Wahl getroffen hatte, zeigte er die Karte mit dem Namen [Fabled Krus] vor. Nur um dann eine Zauberkarte zu zücken. „Anschließend aktiviere ich [Graceful Charity], die es mir gestattet, drei Karten zu ziehen, um danach zwei von meinem Blatt wieder abzuwerfen.“

Anya knirschte wütend mit den Zähnen, während sie zusah, wie er der Reihe nach drei Karten von seinem Deck zog. Was sollte das werden!? Besonders überrascht war sie, als er zwei Monsterkarten ablegte, worunter auch [Fabled Krus] war. Doch ehe sie ihn darauf ansprechen konnte, begann er bereits von sich aus zu erklären.

„Die von mir abgeworfenen Monster waren [Fabled Dyf] und [Fabled Krus]. Sollte Letztere auf den Friedhof abgeworfen werden, vermag sie, einen Namensvetter von ebendort als Spezialbeschwörung zu beschwören. Drum erscheint jetzt [Fabled Dyf].“

Aus einer weiteren blauen Lichtsäule materialisierte sich neben dem Gelehrten Kushano ein dämonischer, älterer Herr. In grüner Robe gekleidet, waren seine Schwingen ledrig und mit Schuppen besetzt.

 

Fabled Dyf [ATK/1400 DEF/1700 (3)]

 

„Wird das jetzt eine Synchrobeschwörung? Oder … etwa eine Xyz-Beschwörung!?“, stammelte Anya irritiert. Sie kannte diese Monster nicht.

„Was wäre dir denn lieber? Aber nein, ich muss dich enttäuschen, nach Synchrobeschwörungen ist mir heute nicht. Daher erschaffe ich das Overlay Network.“

Seine Monster verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, die von dem sich öffnenden, pechschwarzen Schlund verschluckt wurden, welcher sich in der Mitte des Spielfelds öffnete.

„Xyz-Summon! Bringe verdrängte Erinnerungen zurück, [Lavalval Ignis]!“

„Was!?“, keuchte Anya beim Klang jenes Namens.

Aus der Düsternis entstieg eine einzelne Flamme. Doch diese stellte sich als der Kopf eines Kriegers heraus, welcher sich in dunkler Rüstung und wehendem, zerschlissenem Umhang des blutigsten Rots, das Anya je gesehen hatte, vor seinem Besitzer aufbaute. Selbst seine Fäuste brannten.

 

Lavalval Ignis [ATK/1800 DEF/1400 {3}]

 

„Nein …“, murmelte Anya fassungslos im Angesicht des großen Kriegers, um den zwei Lichtssphären kreisten. „Das kann nicht sein!“

„Du meinst, weil diese Karte aus dem Pakt zwischen Isfanel und Marc Butcher geboren wurde? Du liegst richtig, natürlich ist sie einzigartig. Aber aus Gründen der Demonstration habe ich eine Kopie erschaffen, die dem Original in Nichts nachsteht.“ Der Sammler streckte den Arm aus. „Sieh selbst. Ich greife dein Monster an.“

Sofort bündelte sein Ghost Rider-Abklatsch, wie Anya ihn insgeheim nannte, eine Feuerkugel zwischen seinen Händen, die er wie einen Torpedo auf ihren Drachen abfeuerte. Mitten im Flug wuchs sie plötzlich, als eine der Sphären ihr folgte und in ihr verschwand. Der Collector hatte [Fabled Kushano], welcher unter der schwarzen Karte auf seiner Duel Disk lag, entfernt. Und Anya wusste genau warum.

 

Lavalval Ignis [ATK/1800 → 2300 DEF/1400 {3}]

 

Ihr Drache wurde von der Flamme getroffen und konnte ihrer Macht nicht standhalten. Kreischend ging er in einer Explosion unter.

„Dargh!“ Anya schützte sich mit erhobenem Arm vor der daraus entstandenen Schockwelle, die fürchterlich auf der Haut brannte. Genauso heiß wie damals!

 

[Anya: 4000LP → 3700LP / Collector: 4000LP]

 

„Wie du siehst, habe ich ganze Arbeit geleistet, als ich die Kopie erstellt habe. Wie beim Original kann ich ein Xyz-Material entfernen, um [Lavalval Ignis] temporär um 500 Angriffspunkte zu stärken.“

 

Lavalval Ignis [ATK/2300 → 1800 DEF/1400 {3}]

 

Der Sammler lächelte zufrieden mit sich selbst. „Aber wer weiß das besser als du, die du gegen den Mann gekämpft hast, welchen du einst mehr als alles andere begehrtest?“

„Ich wiederhole mich“, zischte Anya ihm voller Verachtung zu, „schaff dir ein Privatleben an, Bastard!“

„Wieso? Die Leben der anderen sind viel interessanter. Und nützlicher.“ Er blickte auf sein Blatt und zog drei Karten daraus hervor. „Man kann keinen Handel treiben, wenn man keinen Überblick über den Markt hat. Ich setze zwei Karten verdeckt und aktiviere nun die dauerhafte Zauberkarte [Scales Of Wisdom].“

Während sich vor seinen Füßen die gesetzten Karten materialisierten, tauchte hinter ihm eine riesige, goldene Waage aus, wie sie auch die Justitia in der Hand hielt – nur dass ebenjene durch Abwesenheit glänzte. Beide Schalen der Waage, gehalten von Seilen aus purer Energie, befanden sich auf gleicher Höhe.

„Das ist die Karte, die dir jede Antwort liefern wird“, sprach der Sammler geheimnisvoll, „solange du den Preis bezahlst, heißt es.“

„Was ist das für ein Mist!?“ Anya war nicht wohl bei der Sache.

„Das Beste, das dir passieren konnte.“ Der Sammler streckte beide Arme weit aus. „Durch [Scales Of Wisdom] wirst du dieses Duell nicht verlieren können. Du brauchst dich also nicht vor meinen Angriffen zu fürchten, solange du unter dem Schutz dieser Karte stehst.“

Unmöglich, dachte sich Anya dabei erschrocken. Nie im Leben würde jemand freiwillig so eine Karte ausspielen wollen, ohne Hintergedanken zu haben!

„Und was ist der Haken!?“

„Es gibt keinen. Du triffst die Entscheidungen, bestimmst selbst … den Haken. Denn diese Waage erlaubt es dir einmal während unser beider Züge eine Frage zu stellen. Im Gegenzug gestattet sie mir, den entsprechenden Preis einzufordern. Zahlst du diesen, erhältst du deine Antwort.“

„Und was für ein Preis soll das sein!?“

„Der Abwurf einer Handkarte? Das Zerstören eines deiner Monster? Lass dich überraschen.“ Er lächelte wissend. „Du bist schließlich zu nichts verpflichtet. Mein Spielzug ist damit beendet.“

 

Für Anya klang das alles mehr als dubios. Was sollte diese Karte, wenn sie durch sie ohnehin nicht mehr verlieren konnte? Dieser Spinner plante doch etwas, so viel stand fest!

„Draw!“, rief sie aus voller Kehle und zog schwungvoll.

„Warum probierst du es nicht gleich aus? Was willst du wissen?“

Die Blondine runzelte die Stirn. Sollte sie es wagen oder nicht? Es war definitiv ein Risiko, sich auf diesen schleimigen Typen einzulassen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

„Fein! Fangen wir halt mit etwas Kleinem an! Wer bist du? … und was muss ich zahlen, um das zu erfahren?“

Der Sammler fasste sich ans Kinn und überlegte kurz, ehe er wieder aufsah. „Diese Information ist nicht allzu kostbar. Für 600 deiner Lebenspunkte wirst du es erfahren?“

„Nur 600!? Das ist ja spottbillig! Von mir aus!“

 

[Anya: 3700LP → 3100LP / Collector: 4000LP]

 

„Wie du willst“, erwiderte der rothaarige Brite. Er verschränkte die Arme und begann zu erklären. „Ich bin ein Dämon, der seit Jahrtausenden mit Seelen, 'Namen' und anderen Gütern handelt und dafür im Austausch alles Mögliche erhält. Hauptsächlich sind andere Dämonen und übernatürlichen Wesenheiten mein Klientel. Aufgrund meines hohen Alters gibt es kaum einen Ort dieser Welt, den ich noch nicht gesehen habe. Normalerweise gehen die Kunden auf mich zu, es ist selten, dass ich einen 'Hausbesuch' mache. Aber bei dir ist das etwas anderes. Dein erbitterter Kampf gegen das Schicksal hat mein Interesse geweckt.“

Er warf ihr eines seiner schmierigen Lächeln zu. „Zufrieden mit dem, was du gehört hast?“

Die Zornesfalten auf Anyas Stirn hätten ihm jedoch schon Antwort genug sein müssen. „Und für das habe ich gerade Lebenspunkte bezahlt!? Was soll der Scheiß!? Die eine Hälfte davon wusst' ich schon und die andere war mir piepegal!“

Allerdings ließ sich der Collector davon nicht erweichen. Er rechtfertigte sich folgendermaßen: „Du hast gefragt wer ich bin, also habe ich dir einen Überblick über meine Historie verschafft.“

„Gar nichts hast du! Nichtmal deinen Namen hast du genannt!“

„Meinen Namen hast du nicht verlangt. Und selbst wenn du es tätest, würdest du den Preis dafür nicht zahlen können.“ Er zuckte lachend mit den Schultern, schnappte sich plötzlich eine Schachtel Zigaretten aus dem Sakko und zündete sich eine davon mit einem offenbar sehr alten Feuerzeug an. Den Rauch aus der Nase blasend, fragte er: „Und was sind schon Namen?“

Erstaunt sah Anya mit an, wie er die eben erst angezündete Zigarette vor sich auf den Boden schmiss und austrat. Er lächelte sie besserwisserisch an. „Ist nicht gut für die Lunge. Und schmutzig. Ja, schmutzig in der Tat.“

Anya schnaufte nur wütend. Das war das erste und letzte Mal, dass sie mit diesem Spinner verhandelte. Seine blöde Zauberkarte konnte er sich sonstwo hinsteck-

 

Erstaunt stellte Anya fest, dass eine Schale der riesigen Waage nun etwas tiefer stand, während die andere durch jenes Gewicht auf der gegenüberliegenden Seite nach oben gehievt wurde.

„Mit dir treibe ich keine Geschäfte mehr“, raunte sie davon leicht verunsichert und griff nach einer Zauberkarte aus ihrem Blatt. Dabei murmelte sie leise zu sich selbst: „Wollen doch mal sehen, ob Matts kleines Bestechungsgeschenk etwas taugt.“

Anschließend verkündete sie laut: „Ich aktiviere jetzt [Gem-Knight Fusion]! Damit verschmelze ich [Gem-Knight Sardonyx] und [Gem-Knight Emerald] von meiner Hand! Emerald, du bist das Element, Sardonyx, du der Ursprung! Werdet jetzt zu [Gem-Knight Zirconia]!“

Der Boden vor Anya brach unter lautem Krachen auf, als sich ein massiver Ritter vor ihr aufbaute. Er war fast so hoch, wie er breit war, was vor allem daran lag, dass man seine Arme als richtige Pfeiler bezeichnen konnte. An ihren Enden befanden sich pizzagroße Edelsteine, die namensgebenden Zirkone. Der blaue Umhang des silbernen Ritters wehte still daher.

 

Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

 

„Der Sucker hat zwar keinen Effekt, aber dafür ordentlich Muckis!“, tönte Anya. Bevor sie die Karten des Jinns ausprobierte, wollte sie zunächst sehen, ob es auch mit ihrem derzeitigen Bestand klappte. Zumal es doch 'unhöflich' wäre, das Geschenk eines Fre- Bekannten nicht wenigstens 'auszupacken'.

„Interessante Wahl.“

„Worauf du einen ablassen kannst! Los, greif dieses Mistvieh von Ghost Rider an!“ Sie konnte den Anblick dieser Kreatur ohnehin nicht länger ertragen, da es sie an die Geschehnisse von damals erinnerte. „Zirconia Smasher!“

„Dann lass uns sehen, ob du aus deinem letzten Kampf mit dieser Kreatur gelernt hast. Ich rekonstruiere das Overlay Network!“

Anya stieß einen spitzen Schrei aus, als sich der schwarze Wirbel öffnete und den aus ihm geborenen [Lavalval Ignis] nun wieder verschluckte. „Das kann nicht sein! Wie kannst du-!? Und vor allem in meinem Zug-!?“

„Ich kann noch vieles, von dem du nichts weißt. Wenn du neugierig bist, frag einfach. Aus dem Rang 3-Monster wird nun ein neues Rang 3-Monster. Erscheine nun, [Lavalval Master – Ignis Aither]!“

Eine blaue Stichflamme schoss zusammen mit roten und schwarzen Blitzen aus dem Galaxienwirbel. Empor stieg dieselbe Kreatur, die Anya damals um ein Haar das Leben gekostet hätte. Blaue Feuerschwingen und ein in selbiger Farbe brennender Kopf, schwarze Rüstung sowie eine unheilverkündende Sense in den Händen – das war [Lavalval Master – Ignis Aither]. Zwei goldene Energiekugeln umkreisten seinen Kopf.

 

Lavalval Master – Ignis Aither [ATK/1800 DEF/1400 {3}]

 

Anyas massiver Ritter holte mit der Faust zum Schlag gegen den fliegenden Engel aus, doch jener parierte die Attacke mühelos mit seiner Sense und warf Zirconia spielend leicht zurück.

„Tch!“

Natürlich war Anya im Moment der Beschwörung des schwarzen, flammenden Engels klar gewesen, dass ihr Angriff scheitern würde. Nur Xyz-Monster konnten diese Incarnation Mode-Dinger, oder was auch immer, besiegen.

„Das ist echt blöd gelaufen“, musste sie zornig zugeben, reichte dabei nach ihrem Friedhof aus. „Aber dieses Mal bin ich vorbereitet! Ich verbanne [Gem-Knight Sardonyx] von meinem Friedhof, um meine [Gem-Knight Fusion] von dort zurück auf die Hand zu erhalten! Dann setze ich eine weitere Karte verdeckt und gebe ab!“

Neben ihrer in der letzten Runde gesetzten Karte erschien kurzerhand eine weitere.

Dem Mädchen stand der Schweiß auf der Stirn. Sie musste dieses Ding schnellstmöglich loswerden, sonst würde sie am Ende wieder aussehen, als wäre sie von den Toten auferstanden. Und dieses Mal war kein Levrier da, der ihre Wunden heilen und den Schmerz unterdrücken konnte.

„So eine Scheiße!“

 

„Aber hast du wirklich Grund zur Sorge?“, fragte der Sammler, während er sein Blatt um eine neue, dritte Karte erweiterte. „[Scales Of Wisdom] verhindert deine Niederlage. Meine Kreatur kann dir im Grunde nichts anhaben.“

Unter jene legte er [Fabled Kushano], woraufhin nun drei Lichtsphären um [Lavalval Master – Ignis Aither] kreisten. Anya wusste, dass dieses Biest während jeder Standby Phase sein Xyz-Material auf drei Stück aufstocken konnte. Dadurch war seine Macht nahezu unerschöpflich, wie Marc … nein, Isfanel ihr schmerzhaft bewiesen hatte.

„Tch! Ist das nicht der Sinn eines Duells!? Dass man den Gegner fertig macht?“

Anya sah sich beiläufig um. Nirgendwo waren Menschen. Es war eine verhältnismäßig kleine Straße, aber dennoch war duellieren hier verboten. Wo waren die Petzen, die einem sonst immer sofort im Nacken lagen? Machte der Kerl sich keine Sorgen, dass man sie sehen könnte?

Der Collector schüttelte den Kopf. „Nein, nicht im Falle dieses Duells. Aber wenn deine Lebenspunkte auf 0 fallen, kannst du das natürlich als Niederlage werten. Schließlich wäre dies der Fall, wäre nicht ich dein Gegner.“

„Ach ne!?“

„Lässt du es darauf ankommen und willst den Effekt von [Scales Of Wisdom] erneut aktivieren?“

Sofort schwang Anya daraufhin wütend den Arm aus. „Vergiss es! Nochmal lasse ich mich nicht von dir verarschen!“

„Auch dann nicht, wenn ich dir das komplette Wissen über die Incarnation Mode-Monster überlasse?“ Er schloss lächelnd die Augen. „Du weißt noch längst nicht alles über sie.“

Anya stockte. Wo er recht hatte, hatte er recht. Allein, dass er dieses Vieh in ihrem Zug gerufen hatte, war völlig unerwartet für sie gekommen. Und wenn Isfanel tatsächlich wieder angreifen würde, dann …

„Okay, was soll es diesmal kosten?“

„Der Preis für dieses exklusive Wissen“, sprach der rothaarige Anzugträger geradezu ölig geheimnisvoll, „sind 500 deiner Lebenspunkte. Wirst du zahlen?“

„500!?“ Das konnte sie nicht! Nicht, wenn [Lavalval Master – Ignis Aither] ihr Gegner war. „Gibt es keine Alternative?“

„Nein. Das ist der Preis.“

 

Nachdenklich wischte sich Anya mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Zahlte sie, würde sie nur noch 2600 Lebenspunkte besitzen und damit unweigerlich dem Field of Agony zum Opfer fallen. Dieses kostete sie 3000 Lebenspunkte, wenn der Sammler drei Xyz-Materialien von Ignis Aither abkoppelte, um es zu aktivieren.

 

„Kay, ich zahle. Aber wehe, du verarscht mich wieder!“

Kaum hatte sie das gesagt, verspürte Anya ein befremdliches Ziehen in der Brust. Gleichzeitig veränderte sich das Gleichgewicht der Waagschalen wieder, sodass die eine abermals aufstieg, während die andere absank.

 

[Anya: 3100LP → 2600LP / Collector: 4000LP]

 

„Wie du wünscht. Hinaus über das Wissen, das du bereits verfügst, existieren drei Regeln für Incarnation Mode-Monster, die dich, wenn du sie berücksichtigst, zum Sieg führen werden.“

Anya hielt sich die Brust verwundert, nachdem der Schmerz verschwunden war und sah auf. „Ach ja? Dann fang' mal an zu singen!“

„Die erste beschreibt ihre Beschwörung. Sie kann jederzeit während des gesamten Duells erfolgen, wie du bereits gemerkt hast. Aber niemals in dem Zug, in dem das ursprüngliche Monster beschworen wurde.“

Anya zog erstaunt eine Augenbraue hoch. „Deshalb hat Marc es nicht sofort eingesetzt … aber heißt das nicht, dass ich diese Dinger sofort beseitigen muss, wenn ich nicht ihrer Superform gegenüber stehen will?“

„Du hast es erfasst“, bestätigte der Sammler dies nickend. „Ferner besagt die zweite Regel, dass nur die Xyz-Materialien wiederkehren dürfen, die für die Beschwörung des Originals verwendet wurden. Als einzige Ausnahme gilt das Original selbst, in unserem Fall [Lavalval Ignis], auf welchem jede Inkarnation schließlich basiert. Auch dies ist eine Schwäche, die richtig ausgenutzt, zum Erfolg führen kann.“

Was er damit meinte, verstand Anya zwar nicht, aber sie würde es definitiv im Hinterkopf behalten. „Und die dritte Regel?“

„Sie können nur beschworen werden, wenn der Paktpartner es erlaubt. Sollte dieser blockiert oder unterdrückt werden, ist es unmöglich, zu inkarnieren. Und noch etwas, das dir helfen könnte: der letzte, mächtigste ihrer Effekte kann ebenfalls nicht in dem Zug aktiviert werden, in dem die Inkarnationen beschworen werden.“ Der Sammler verschränkte nun die Arme abwartend. „Das ist das Wissen, welches ich dir vermitteln sollte. Bist du zufrieden?“

 

Grübelnd kratzte sich Anya an der Schläfe und starrte den Asphalt unter ihren Füßen an. Eventuell könnte das alles wirklich nochmal nützlich werden. Zumindest war es gut, dass sie nun Bescheid wusste. Unsicher brummte sie, als sie aufblickte: „Ich glaube schon.“

„Stelle die richtigen Fragen und du wirst die richtigen Antworten erhalten. Aber nun setze ich meinen Zug fort. Wie du es sicher erwartet hast, werde ich nun die drei Xyz-Materialien von [Lavalval Master – Ignis Aither] abhängen, um seinen gefährlichsten Effekt zu aktivieren: Field Of Agony. Dies wird dir ohne Umschweife 3000 Punkte Schaden zufügen. Was wirst du jetzt tun, Anya Bauer?“

Der schwarze Flammenengel streckte seine Sense hoch in die Luft und ließ sie die drei goldenen Sphären absorbieren, ehe er sie mit aller Kraft schwang. Womit er eine endlos erscheinende Welle aus Flammen in Anyas Richtung aussendete, die erschrocken zurückwich.

„Also doch!“, keuchte sie.

„Es ist bereits ein Zug vergangen, seit dieses Monster inkarniert wurde. Deswegen konnte ich diesen Effekt nun aktivieren.“

Als die Flammen bedrohlich näher kamen, schwang Anya entschlossen den Arm aus. „Ach ja!? Dann friss das, Laberbacke! Meine Falle [Hallowed Life Barrier] wird den Schaden abfangen. Dafür muss ich nur eine Karte abwerfen.“

Woraufhin sie sich ihrer, einzig für diesen Zweck geborgenen [Gem-Knight Fusion] entledigte.

Sofort schloss sich ein Kraftfeld in Form einer Kuppel um Anya und ihren [Gem-Knight Zirconia] und fing gerade noch rechtzeitig die Flammen ab, welche ihrerseits die hohe Steinmauer und den Asphalt hinter dem Mädchen heimsuchten, glücklicherweise aber nicht bis zum Wohngebiet reichten.

Der Sammler klatschte anerkennend. „Gut taktiert. Aber das funktioniert nur einmal.“

„Das reicht auch!“, erwiderte Anya garstig.

Die Flammen um sie herum lösten sich zusammen mit dem Kraftfeld auf. Allerdings hinterließen sie pechschwarzen Ruß an Asphalt und der Fassade.

„Da ich nicht mehr angreifen kann aufgrund des Effektes von [Lavalval Master – Ignis Aither], werde ich nun in meine Main Phase 2 wechseln und ein Monster beschwören. Es hört auf den Namen [Fabled Raven].“

Ganz in dunklem Grau gewandt, erschien vor dem Sammler ein dämonischer Mann, dessen Augen rot leuchteten. Besonders auffällig waren pechschwarzen Schwingen an seinen Armen und auf dem Rücken, die ihn umso düsterer wirken ließen.

 

Fabled Raven [ATK/1300 DEF/1000 (2)]
 

„Was will denn dieser Grufti hier!?“

„Ich aktiviere nun meine Fallenkarte [Limit Reverse], womit ich ein Monster mit maximal 1000 Angriffspunkten auferstehen lassen kann. Das wird [Fabled Krus] sein.“

Noch während seine Falle aufklappte, begann Raven fies zu kichern. Neben ihm tauchte ein kleines Mädchen in einem schwarzen Nachthemd auf. Mit ihren winzigen Fledermausschwingen hielt sie sich gerade so in der Luft und vergrub ihr Gesicht in den Händen.
 

Fabled Krus [ATK/1000 DEF/800 (2)]

 

Eine seiner beiden verbliebene Handkarten in einen der Zauber- und Fallenkartenslots schiebend, sprach der Collector seelenruhig weiter. „Mit ihnen erschaffe ich nun das Overlay Network. Xyz-Summon: [Daigusto Phoenix].“

„Was!? Noch so eins von der Sorte!?“

„Gewiss“, entgegnete ihr der rothaarige Brite lächelnd, während sich gleichzeitig seine gesetzte Karte materialisierte, als auch das schwarze Loch des Overlay Networks sich öffnete.

Seine beiden Monster wurden in gelben Strahlen hineingezogen und machten einem federlosen, unproportionierten Vogel Platz, dessen Schwingen und Schopf von smaragdgrünem Feuer eingedeckt worden waren. Um ihn kreisten seine zwei Xyz-Materialien.

 

Daigusto Phoenix [ATK/1500 DEF/1100 {2}]

 

„Damit beende ich diesen Zug. Und nun, da du wieder am Zug bist, kannst du mir deine nächste Frage stellen.“

„Alles klar! Die lautet: hältst du auch mal den Rand und lässt mich in Ruhe meinen Zug planen!?“

Der Sammler grinste verschmitzt. „Für 50 Lebenspunkte weißt du es.“

„Fuck you!“ Passend dazu zeigte Anya ihm den Mittelfinger. Gleichzeitig zog sie mit der anderen Hand die nächste Karte von ihrem Deck. Einen prüfenden Blick später stand ihre Strategie schließlich fest.

„Hmm, das ist eine zu wenig“, murmelte sie daher, „da muss ich wohl nachhelfen!“

„Wirst du keine Frage stellen?“

„Schnauze auf den billigen Plätzen! Sieh lieber zu und staune, bevor du am Ende noch heulend in der Ecke liegst!“ Anya griff nach ihrem Friedhofsschacht und erklärte dazu: „Ich verbanne den [Gem-Knight Emerald] von vorhin und bekomme [Gem-Knight Fusion] zurück!“

Kaum hatte sie das verkündet, fügte sie ihre wichtigste Zauberkarte schon ihrem Blatt hinzu.

„Selbst dann nicht, wenn ich dir etwas über Eden verrate? Zum Beispiel, wie man es erweckt?“

Sofort wurde Anya hellhörig und ließ vom Blick auf ihre Karten ab. „Im Ernst!?“

„Aber so ein Wissen ist keinesfalls billig. Du wirst mir ganze 1000 Lebenspunkte zahlen müssen, wenn du erfahren möchtest, wie du dein Schicksal erfüllen kannst.“

 

Ungläubig starrte Anya auf ihre Duel Disk. Sie hatte schon so viele Lebenspunkte gezahlt, um an Infos zu kommen. Wenn sie das jetzt schon wieder tat, würde sie auf 1600 fallen – viel war das nicht. Und sie durfte nicht vergessen, dass sie es gleich mit zwei Paktmonstern zu tun hatte. Eines von ihnen kannte sie nicht einmal und schlimmer noch, es befand sich noch in seiner Ursprungsform.

Andererseits … sie konnte doch sowieso nicht verlieren, oder? Zumindest, solange sie die [Scales Of Wisdom] nicht anrührte. Außerdem, selbst -wenn- der Sammler sie zerstören würde, hätte sie ja immer noch ein paar Lebenspunkte. Und wehrlos war sie auch nicht.

Was waren 1000 jämmerliche Lebenspunkte schon im Vergleich zur Gewissheit?

„Deal“, brummte sie leise.

 

[Anya: 2600LP → 1600LP / Collector: 4000LP]

 

„Und jetzt rede dir den Mund fusselig!“, gab ihm Anya diese, für ihre Verhältnisse, großzügige Erlaubnis. Nur um wieder von einem stechenden Schmerz geplagt zu werden, während sich das Verhältnis der Waagschalen abermals veränderte.

Ihr Gegner lächelte zufrieden. „Du weißt, worauf es ankommt. Eden … wie ich schon vorhin sagte, befindest du dich auf dem richtigen Weg. Dein Elysion, es muss mit den anderen fünf verbunden werden.“

„Also gibt es wirklich fünf!?“

„Ja und nein. Es gibt viele, doch nur diese fünf erfüllen die Vorgaben. Das heißt, eigentlich nur vier von ihnen. Das, welches sich hier befindet“, er machte eine Kunstpause, die Anya wie eine Ewigkeit erschien, „schläft. In künstlicher Starre. Wie du es daraus löst … weiß nicht einmal ich. Aber ich bin mir sicher, dass du es rechtzeitig schaffen wirst.“

Anya atmete tief durch und versuchte, das Kribbeln unter ihrer Haut zu ignorieren. Genau wie den trommelnden Herzschlag. Trotzdem bekam sie ihre unterschwellig vor Aufregung bebende Stimme nicht unter Kontrolle. „Und wie verbinde ich diese Dinger mit meinem!?“

„Nimm die Scherben deines Elysions und lade sie mit der Energie der fünf anderen auf, für jedes von ihnen genau eine. Dann bring sie zurück und lasse Levrier ein neues Elysion erschaffen. Warte damit jedoch nicht zu lange. Es muss passieren, bevor der Turm von Neo Babylon auftaucht. Gelingt es dir, wird sich dir der wahre Pfad zu Eden eröffnen. Wenn du es aber bis dahin nicht schaffst … ist alles zu spät.“

„Und das ist alles!?“

Der Sammler schloss die Augen. „Nein. Eine Sache noch. Nimm die fünf dazugehörigen Individuen mit in den Turm. … du weißt warum.“

„Also werden sie sterben?“, fragte Anya atemlos. „Matt, Alastair, Redfield, Marc und …“

Die Lider aufschlagend, entgegnete ihr der Sammler: „So ist es. Nun weißt du, was du innerhalb der nächsten sieben Tage tun musst. Bist du mit der Antwort zufrieden?“

Anya ließ den Arm, mit dem sie ihre Karten hielt, plötzlich hängen. „Nein. Aber das liegt nicht an dir …“

„Wenn du Eden geworden bist, wirst du keine Schuld mehr fühlen. Aber vergiss nicht: mein Angebot steht noch. Ich könnte dich von deinem Elend befreien und damit auch die anderen. Alles was du mir versprechen musst ist deine Seele.“

Sofort festigte Anya ihren Blick und gewann ihre kämpferische Haltung zurück. „Niemals!“

„Dann sei es so.“

 

Tief durchatmend, rang Anya um ihre Fassung. Sie durfte jetzt nicht über das Erfahrene nachdenken, nicht jetzt! Später ja, aber nicht jetzt! Dann konnte sie entscheiden, was sie tun sollte. Doch zunächst: „Weiter im Text! Ich aktiviere [D.D.R. – Reincarnation From A Different Dimension]! Ich werfe eine Karte ab und beschwöre eines meiner verbannten Monster aufs Spielfeld, welches mit dieser Zauberkarte ausgerüstet wird und damit an sie gebunden ist.“

Anya entschied sich für [Gem-Knight Fusion] und knallte anschließend das Monster ihrer Wahl auf die Duel Disk. „[Gem-Knight Sardonyx]!“

Vor ihr tat sich ein gekrümmter Spalt ins Nichts auf, aus dem ein breiter Krieger stieg. Seine Rüstung spiegelte den Edelstein wieder, auf dem seine Existenz basierte: rote und weiße Linien, ineinander verlaufen – der Sardonyx. An einer Kette schwang er einen ebenfalls aus rotem Sardonyx bestehenden Morgenstern.

 

Gem-Knight Sardonyx [ATK/1800 DEF/900 (4)]

 

Heftig atmend, die erschreckenden Gedanken mit aller Macht verdrängend, knallte Anya ihre letzte Handkarte auf die Duel Disk. „Hinzu kommt [Gem-Armadillo]!“

Neben ihrem Ritter gesellte sich ein Gürteltier mit Raketen auf dem Rücken, das keine Beine besaß, sondern einen rattenschwanzförmigen Unterleib.

 

Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/500 (4)]

 

„Wenn der beschworen wird“, erklärte Anya, nahm ihr Deck aus der Halterung und fächerte es auf, einen prüfenden Blick auf die Karten werfend, „schenkt er mir einen Gem-Knight. So wie [Gem-Knight Garnet]!“

Sie zeigte die normale Monsterkarte vor, die ihre einzige Handkarte darstellen sollte, und ließ anschließend ihr Deck von der Duel Disk durchmischen.

„Dann bedeutet das, dass du eine Xyz-Beschwörung planst.“

„Bingo! Overlay Network, go!“

In braunen Lichtstrahlen verschwanden Anyas Monster in dem sich öffnenden, schwarzen Loch, welches im Gegenzug einen mit Kristallen überzogenen Drachen freigab.

„Xyz-Summon! [Kachi Kochi Dragon]!“

Brüllend spannte Anyas neues Monster seine ebenfalls mit Kristallen überzogenen Schwingen.

 

Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 DEF/1300 {4}]

 

„Eine kluge Wahl“, kommentierte der Sammler dies anerkennend, „viel besser als [Gem-Knight Pearl].“

„Was du aber laut sagen kannst! Und jetzt gibt’s Kloppe!“ Anya streckte den Arm aus und zeigte auf [Lavalval Master – Ignis Aither], welcher sofort daraufhin seine flammenden Flügel um den Leib schlug, da er sich immer noch im Verteidigungsmodus befand. „Mach-es-kalt! Primo Sciopero!“

Wie ein Düsenjet hob der Drache ab und schoss schnurstracks auf seinen Gegner zu. Anya erklärte lauthals: „Da [Kachi Kochi Dragon] ein Xyz-Monster ist und ihn zerstören kann, hat dein dämlicher Ignis Aither mit seinen jämmerlichen 1400 Verteidigungspunkten keine Chance!“

„Korrekt!“

Vor dem schwarzen Engel angekommen, schlug der Drache mit seinen edelsteinbesetzten Klauen zu und zerteilte seinen Gegner unter einer heftigen Explosion.

„Na bitte!“, jubelte Anya und war wieder voll in ihrem Element. „Und als Krönung entferne ich jetzt ein Xyz-Material und lasse [Kachi Kochi Dragon] gleich nochmal angreifen! Los, Secondo Sciopero!“

Der Drache drehte den Kopf zur Seite, fraß eines seiner beiden Xyz-Materialien und nahm den federlosen Phönix ins Visier, als jener plötzlich in ein sich öffnendes, schwarzes Loch unter ihm gezogen wurde. „Incarnation Mode, ich rekonstruiere das Overlay Network.“

„Wusst' ich's doch!“

Aus dem Overlay Network schossen rote, grüne und schwarze Blitze, als ein völlig in smaragdfarbenden Flammen gehüllter, riesiger Vogel daraus hervortrat und weit über den beiden Duellanten seine Kreise zog. Der Sammler nannte ihn: „[Eternal Daigusto – Jade Phoenix]!“

 

Eternal Daigusto – Jade Phoenix [ATK/1500 DEF/1100 {2}]

 

„Der sieht zwar nicht übel aus, ist aber noch lange kein Match für [Kachi Kochi Dragon]! Den hättest du dir sparen können!“, gab Anya sich siegesgewiss und befahl: „Los, setze deinen Angriff fort!“

„Ich entferne eines der Xyz-Materialien und mache mein Monster einmal pro Zug unzerstörbar für Kämpfe. Ferner werden mir nun die Lebenspunkte gutgeschrieben, die ich sonst verlieren würde. Reverse Of Life!“

Anya erschrak zutiefst, als der Phönix einen Lichtstrahl aus seinem Schnabel auf ihren Drachen schoss, welcher direkt in die Brust getroffen wurde, quer über das Spielfeld flog und direkt vor seiner Besitzerin unter einem dröhnenden Schmerzensschrei auf den Boden knallte.

 

[Anya: 1600LP / Collector: 4000LP → 4600LP]

 

Zischend wischte sich Anya den Schweiß von der Stirn, als sich ihr Monster zum Glück wieder aufrichtete.

„Dämliches Mistvieh!“, beschimpfte sie den am Himmel verharrenden Flammenphönix. „Aber bilde dir nicht ein, dass du so einfach davon kommst! Vielleicht kann ich dich nicht ins Jenseits befördern, aber ein bisschen Prügel hat noch niemandem geschadet!“ Mit ehrgeizigem Blick wandte sie sich an [Gem-Knight Zirconia], der alles abwartend mit angesehen hatte. „Los, immer feste drauf! Zirconia Smash!“

Sofort sprang der massive Ritter in die Luft und holte mit seinem linken Pfeilerarm zum Schlag aus. Dieser saß, als er den Phönix erreicht hatte, denn jener wurde ein ganzes Stück durch die Luft geschleudert, obschon er den Angriff überlebte.

 

[Anya: 1600LP / Collector: 4600LP → 3200LP]

 

Als Anyas Krieger mit einem Satz wieder neben dem Drachen landete, verkündete diese schlecht gelaunt: „Zug beendet!“

 

Und kaum hatte der Collectordämon seine nächste Karte gezogen, schob er [Fabled Krus], die er zuvor als Aktivierungskosten für Reverse Of Life entfernt hatte, wieder unter das Xyz-Monster auf seiner Duel Disk. Dieses war nun wieder von drei goldenen Sphären umgeben.

„Wie wäre es mit einer Frage? Was möchtest du wissen?“

Anya biss sich auf die Lippen. Sollte sie oder nicht? Vermutlich würde sie das wieder viele Lebenspunkte kosten, aber … sie wollte es wissen! Wissen- „-was ist Eden!?“

„Die Antwort würde deine gesamten restlichen Lebenspunkte kosten.“ Der Sammler sah sie fragend an. „Ist es das wert?“

Die Blondine geriet ins Stocken. „Alle!?“

„Ja.“

„Dann vergiss es!“

Auf keinen Fall durfte sie ihre verbliebenen Lebenspunkte aufgeben. Denn wenn die [Scales Of Wisdom] danach zerstört werden würde, hieße das zu verlieren. Was im Falle ihres Gegners wohl alles andere als gut war!

„Dann lasse mich dir ein Gegenangebot machen. Eine kleine Information über Eden, für nur 500 Lebenspunkte.“

Anya stöhnte. Wenn es ihr half … „Meinetwegen, 500 sind entbehrlich.“

Sofort tauchte der stechende Schmerz in ihrer Brust wieder auf, die Waagschalen bewegten sich, sodass eine nun fast ganz oben lag, während die andere von einem unsichtbaren Gewicht belastet beinahe den Boden berührte.

 

[Anya: 1600LP → 1100LP / Collector: 3200LP]

 

„Eden“, sprach der Sammler leise und sah Anya dabei tief in die meeresblauen Augen, „wurde bereits einmal erweckt. Und anschließend wieder versiegelt.“

„Und weiter?“

Ihr Gegner lachte. „Das war alles.“

„Was!? Für den Mist habe ich meine wertvollen Lebenspunkte ausgegeben!?“

„Ich dachte, sie seien entbehrlich? Ich sagte 'eine kleine Information'. Wenn du mehr willst, musst du auch mehr zahlen.“

Dafür kassierte er glatt noch einen Stinkefinger von Anya. „Vergiss es, du Dreckskerl!“

„Wie du meinst. Nun werde ich meinen Zug fortsetzen.“ Er legte eine seiner beiden Handkarte auf die Duel Disk. „Beschwörung: [Fabled Gallabas]. Mit anschließender Fallenaktivierung: [Call Of The Haunted], womit ich [Fabled Grimro] vom Friedhof erwachen lasse.“

Vor ihm materialisierten sich ein dämonischer Krieger, welcher mit seinen schuppenbesetzten Armen einen riesigen Morgenstern schwang und eine pechschwarz gefederte, junge Frau, welcher Rabenflügel aus dem Rücken wuchsen.

 

Fabled Gallabas [ATK/1500 DEF/800 (4)]

Fabled Grimro [ATK/1700 DEF/1000 (4)]

 

„Ich erschaffe das Overlay Network“, rief der Sammler unter Anyas genervtem Stöhnen, „Xyz-Summon! Erscheine, [Evigishki Merrowgeist].“

Kaum erklang der Name von Valerie Redfields Paktkarte, horchte die Blondine mit gespitzten Ohren auf. Mürrisch brummte sie eher zu sich, als ihrem Gegner: „Alles, bloß nicht dieses Teil!“

Als das schwarze Loch sich in der Mitte des Spielfelds öffnete und die beiden gelben Lichtstrahlen, die transformierten Monster des Sammlers absorbierte, schnaufte Anya laut. Denn als die mit einem Zauberstab bewaffnete, rothaarige Meerjungfrau die Bühne betrat, fühlt das Mädchen sich sofort an die Zeit zurückerinnert, als Valerie sie vor den Angriffen der Verrückten aus Victim's Sanctury beschützt hatte – eine glatte Demütigung.

 

Evigishki Merrowgeist [ATK/2100 DEF/1600 {4}]

 

„Nun“, rief der Sammler und streckte seinen Arm nach dem Phönix am Himmel aus, „entferne ich zwei Xyz-Materialien, um den Effekt von [Eternal Daigusto – Jade Phoenix] zu aktivieren. Somit schicke ich zwei Karten auf dem Spielfeld auf deine Hand zurück. Deine Monster. Wind Scars Of Life!“

Anya glotzte wie ein Mondkalb, als sie sich völlig sicher war, richtig verstanden zu haben. „Was!?“

Doch schon sendete der Phönix am Himmel per Flügelschlag etliche gebogene, grün leuchtende Energieklingen, die auf Anyas Monster wie ein Hagelschauer niedergingen. Sowohl der Drache, als auch Zirconia schrien, bevor sie sich letztlich auflösten und in Anyas Extradeck verfrachtet wurden, da sie sie nicht einfach ihrem Blatt hinzufügen konnte.

„Das getan, werde ich nun deine Lebenspunkte direkt angreifen. Doch keine Sorge, du wirst nicht verlieren. [Evigishki Merrowgeist], Sceptre Of Foresight!“

Behände ließ die schwebende Meerjungfrau den Zauberstab in ihren Händen wirbeln und richtete ihn schließlich auf Anya. Welche es sich nehmen ließ, mal wieder den Mittelfinger zu zücken.

„Verpiss dich, Miststück! Als ob ich mich von so'ner Wischiwaschi-Tante wie dir angreifen lasse! Meine Falle wird genau das verhindern: [Fragment Fusion]! Sie verbannt Sardonyx und [Gem-Armadillo] von meinem Friedhof, um mich eine Fusionsbeschwörung durchführen zu lassen. Das gerufene Monster stirbt zwar am Ende des Zuges, stellt aber einen super Schild gegen die Angriffe von ollen Möchtegernschicksen dar! Komm zurück, [Gem-Knight Zirconia]!“

Überall tanzten plötzlich Edelsteine in der Luft, als einige vor Anya ein Pentagramm durch Energielinien zeichneten, aus dem letztlich Zirconia hervortrat.

Dieser streckte die Arme vor Anya aus, um sie vor den Angriffen ihrer Feinde zu schützen.

 

Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

 

Unverrichteter Dinge brach die Meerjungfrau ihren Angriff ab und zog sich ein Stück Richtung des Collectordämons zurück. Dieser meinte unbekümmert: „Wenn das der Fall ist, beende ich meinen Zug hiermit.“

Wodurch Zirconia in tausend Teile zersprang.

 

„Mein Zug!“, schrie Anya hitzig und riss die nächste Karte von ihrem Deck. Bevor ihr Gegner etwas sagen konnte, blaffte sie ihn an. „Und vergiss es, ich will keine Fragen mehr stellen.“

„Aber du hast doch noch gar nicht gefragt, wie die andere Möglichkeit aussieht. Die, dich von Levrier loszulösen.“

Anya schnappte nach Luft. Verwirrt entgegnete sie: „A-aber du sagtest doch-“

„Damit meinte ich nur, wenn ich -es- für dich erledigen soll. In dem Fall verlange ich nach wie vor deine Seele. Aber wenn -du- es tun willst, nun ja, kostet es dich lediglich …“ Er machte eine seiner Kunstpausen. „Den Rest deiner Lebenspunkte.“

„Unmöglich! Mach's billiger und wir können drüber reden!“

„Sicher? Dieses Wissen ist wertvoll. Nicht nur für dich, sondern für alle deine“, das letzte Wort betonte er besonders stark, „Bekannten. Mit ihm könntest du sie alle retten, inklusive dich selbst. Wenn du bereit bist, ein großes Wagnis einzugehen.“
 

In Anya schrie es laut 'Was gibt es da schon groß zu überlegen, sag ja!', doch gleichwohl war ihr das einfach zu gefährlich. Was, wenn das alles doch nur eine Falle war? Sie wusste ja nicht einmal, ob überhaupt etwas von dem stimmte, was er ihr erzählte! Und dieser Schmerz, den sie immer wieder spürte, was hatte der zu bedeuten?

Aber dem gegenüber stand die Freiheit. Nein, das Leben. Was hieße es denn schon, wenn jetzt etwas Unvorhergesehenes geschähe? Wenn sie zu Eden wird, wäre sowieso alles aus. Und wenn sie dabei versagt, landete sie im Limbus, dem Ort ohne Wiederkehr. Was könnte schon schlimmer sein als das!? Sie wäre frei, wenn sie jetzt zustimmte!

 

„Ich werde nicht verlieren?“, vergewisserte sie sich mit leiser Stimme.

Der Sammler nickte nur knapp.

„Dann … meinetwegen.“

Sofort ließ ein grässlicher Schmerz sie aufschreien und sie glaubte, ihr Herz würde stehen bleiben.

Die Waagschalen hinter dem Sammler bewegten sich wieder ein Stück, während Anya keuchend in die Knie ging und sich die Brust hielt. Nun standen beide Schalen am jeweiligen Zenit ihrer Möglichkeiten. Noch mehr Gewicht würde das Gebilde gewiss nicht verkraften.

 

[Anya: 1100LP → 0LP / Collector: 3200LP]

 

„Ich weiß, dass du bereits von dem jungen Ford gehört hast“, der Sammler lächelte wissend, „dass er den Tod überlebt hat, um den Pakt zu brechen. Er irrt. Und liegt doch richtig.“

„Sprich Klartext“, presste Anya schwer atmend hervor. Sie war insgeheim erstaunt, tatsächlich noch zu leben. Hielt der Sammler sich am Ende tatsächlich an die Vereinbarung?

„Zu sterben ist der Weg, sich eines Paktes zu entledigen. Der Tod ist das Ende, aber ist er nicht immer endgültig. Doch was im Leben miteinander verbunden ist, muss im Tode auseinander gehen.“

Langsam erhob sich Anya, als der Schmerz nachließ. „Ich verstehe immer noch nicht.“

Der Sammler nickte. „Wenn du stirbst, muss der Dämon ebenfalls sterben. Sollte dies nicht geschehen, besteht die Möglichkeit, dass die alte Verbindung – der Pakt – wieder 'zusammenwächst'. Bist du mit dieser Information zufrieden?“

„Aber wie soll ich das anstellen!?“, begehrte Anya auf.

Allerdings wurde sie nur vor einem erhobenen Zeigefinger gestellt. „Diese Frage wirst du nicht mehr stellen können. Das Limit ist erreicht. Von nun an musst du das gewünschte Wissen selbst zusammentragen. … Oder du machst mir ein Angebot.“
 

Mit einem Mal stampfte Anya auf. „Vergiss es! Diese dubiosen Geschäfte gehen mir langsam auf die Eierstöcke! Und deswegen werde ich das jetzt beenden!“

„Ach so?“

„Ich verbanne von meinem Friedhof [Gem-Knight Zirconia], um meine [Gem-Knight Fusion] zu bergen“, rief Anya und tat genau dies, knallte anschließend ihre nachgezogene Karte auf die Duel Disk. „Jetzt rufe ich [Gem-Armadillo] und suche mir durch seinen Effekt [Gem-Knight Obsidian] auf die Hand!“

Auf Anyas Spielfeldseite tauchte wieder das altbekannte Gürteltier auf, oder besser gesagt die zweite Kopie, die das Mädchen davon in ihrem Deck spielte.

 

Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/500 (4)]

 

Kaum hatte Anya die Karte mit dem Bild eines pechschwarzen Ritters, welcher eine Kette aus Perlen als Waffe benutzte, ihrem Blatt hinzugefügt, streckte sie schon ihre Hand mit [Gem-Knight Fusion] zwischen Mittel- und Zeigefinger in die Luft. „Und nun verschmelze ich Obsidian und Garnet von meiner Hand und beschwöre [Gem-Knight Ruby]! Scheiß auf den Beschwörungsspruch, hau einfach rein!“

Als die Abbilder der beiden zu verschmelzenden Monster über Anya erschienen und ineinander übergingen, wurden die verschiedensten Edelsteine mit in den Fusionssog gezogen. Aus dem sprang kurze Zeit später ein eleganter Krieger in roter Rüstung, dessen blauer Umhang auf magische Weise wehte. Die Lanze auf den Sammler gerichtet, stieß der Ritter einen stolzen Schrei aus.

 

Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

 

Doch neben ihm tauchte plötzlich noch ein Ritter auf, dieser trug eine bronzene Rüstung und bündelte einen Schwall Flammen in seinen Händen.
 

Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

 

„Na, überrascht?“, lachte Anya gehässig. „Doof, was? Dass Obsidian, wenn er von meiner Hand auf den Friedhof wandert, ein normales Monster auf meine Spielfeldseite vom Friedhof beschwört! Also [Gem-Knight Garnet]!“

Sie setzte ein noch widerlicheres, siegessicheres Grinsen auf. „Aber keine Sorge, Kumpel, der verschwindet gleich wieder. Zusammen mit [Gem-Armadillo].“

„Dessen bin ich mir bewusst“, antwortete der Sammler unbekümmert.

„Umso besser, denn dann weißt du, dass du längst verloren hast! Ich opfere meine beiden Monster, um ihre Angriffskraft auf Ruby dank dessen besonderer Fähigkeit zu übertragen!“

Garnet und das Gürteltier lösten sich in helle Lichter auf, die von der Lanze ihres Kameraden absorbiert wurde. Um den explodierte nun förmlich eine rote Aura.

 

Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 6100 DEF/1300 (6)]

 

Der Sammler klatschte anerkennend in die Hände. „Wirklich gut. Dein Kampfstil wird immer besser.“

„Klappe! Von dir brauche ich kein Lob! Beende das jetzt, Ruby! Greif die olle Sumpfkuh mit Sparkling Lance Thrust an!“ Schließlich fügte sie noch hinzu: „Und versuch gar nicht erst, dieses Miststück zu transformieren, Bastard! Auch wenn du ihre Weiterentwicklung im Verteidigungsmodus rufen würdest, wäre das egal, denn Ruby fügt Durchschlagschaden zu! Nun jetzt mach-ihn-alle!“

„Sehr gut erkannt“, sprach der Sammler und schloss seine Augen.

Wie ein Pfeil schoss Anyas Ritter auf die Meerjungfrau zu und stieß ihr seine Lanze in die Brust. Einen jämmerlichen, hilfesuchenden Schrei von sich gebend, zersprang jene schließlich in tausend Teile …

 

[Anya: 0LP / Collector: 3200LP → 0LP]

 

… und hinterließ Anya damit, geschützt vom Effekt der [Scales Of Wisdom], als Siegerin.

 

Schwer atmend ging das Mädchen in die Knie, als sie begriff, dass es tatsächlich vorbei war und sie gewonnen hatte.

„Gut gespielt“, lobte der Sammler sie, welcher plötzlich direkt vor ihr auf der Straße stand.

Anya sah mit grimmiger Miene auf. „Klaro! Und jetzt hau ab!“

„Für deinen grandiosen Sieg verrate ich dir noch etwas. Sieh es als Dreingabe für deinen Einsatz im Duell an“, sagte er geheimnisvoll. „Das letzte Elysion befindet sich in der Kanalisation unterhalb der Stadt, zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum. Wo genau es ist musst du selbst herausfinden.“

Dann drehte er ihr den Rücken zu. „Das Schicksal ist kein festgelegter Weg, sondern ein Netz aus vielen Pfaden, die man beschreiten kann und deren Zahl je nach der eigenen Situation variiert. Dabei ist es so umfangreich, dass kein Sterblicher es je begreifen könnte und retrospektiv betrachtet, zeichnet sich in diesem Netz der eine Weg ab, den man hinter sich zurückgelegt hat. Das ist Leben.“

„Huh!?“

Als er sich von ihr entfernte, sprach er in seiner kryptischen Art und Weise weiter. „Deshalb ist es aber auch nicht möglich, die Zukunft mit Gewissheit vorherzusehen. Doch all diese Pfade enden letztlich mit dem Tod. Und von dort erstreckt sich ein ganz neues Netz aus Pfaden.“

Er blieb stehen. „Aber es ist möglich, dem Netz des Schicksals neue Pfade hinzuzufügen, Pfade, die nie vorgesehen waren. Dies ist meine Aufgabe als Sammler. Um auf die zu deiner Unzufriedenheit beantwortete Frage zurückzukommen.“

Der Rothaarige sah sich noch einmal nach Anya um, die ihn völlig irritiert betrachtete. „Ich bin mir sicher, dass wir uns wiedersehen werden. Denn unser beider Pfade laufen aufeinander zu wie eine Kreuzung. Bis dahin, Anya Bauer … stirb nicht.“

Und einen Herzschlag später, Anya hatte nur geblinzelt, war er fort.

 

Was hast du dir dabei gedacht!?

 

Anya hielt sich die Ohren, als es plötzlich laut in ihrem Kopf hallte.
 

Habe ich dich nicht vor ihm gewarnt!? Dieser Dämon hätte dich töten können! Oder gar Schlimmeres! Hast du übersehen, dass er noch über eine verdeckte Karte verfügt hatte? Was hättest du getan, wenn er damit [Scales Of Wisdom] zerstört hätte!?

 

„Krieg dich wieder ein“, raunte Anya und erhob sich langsam.

Den hatte sie in all der Aufregung ganz vergessen. Seinen Worten nach zu schließen hatte er jedoch alles aus dem Elysion miterlebt.

 

Wenn du gestorben wärst-

 

„Bin ich aber nicht, 'kay!? Und solltest du nicht etwas dankbarer sein, Sackgesicht!? Immerhin weißt du jetzt alles, was du wissen musst! Und das hast du nur mir zu verdanken! Mir und meinem Mut, etwas zu riskieren!“

 

Du meinst wohl deinem tollkühnen Egoismus!

 

Anya sah sich derweil um. Die Brandspuren an der Fassade unterhalb der Wohnhäuser und auf der Straße waren ganz schön groß. Wenn jemand sie hier bemerkte, würde das eine Menge Ärger geben, welchen sie sich im Moment nicht leisten konnte.

„Egal! Ende gut, alles gut!“

 

Wie dem auch sei. Du hast recht, ich danke dir. Mit dem Wissen des Collectors können wir endlich unsere Bestimmung erfüllen. Aber was wirst du jetzt tun? Es sollte kein Problem sein, dein Elysion mit anderen zu verbinden, abseits dem von Alastair, welches wir erst erwecken müssen. Doch die Frage ist: wie bekommen wir die Zeugen der Konzeption dazu, den Turm zu betreten?

 

Plötzlich ließ Anya den Kopf hängen und begann, sich dem anliegenden Wald zu nähern. Ohne Levriers Frage zu beantworten.

 

 

Turn 25 – Inevitable Decisions

Am nächsten Tag versammelt Anya die gesamte Truppe, bestehend aus Matt, Alastair, Valerie, Marc, Orion, Henry, Abby und Nick in der Küche der Familie Redfield, um ihnen von ihrer Begegnung mit dem Sammler zu berichten. Doch anstatt ihnen die Wahrheit über das Geschehe zu sagen, tischt Anya ihnen eine folgenschwere Lüge auf. Zudem versucht sie Alastair dazu zu bringen, sein zurückgelassenes Elysion zu zerstören. Doch der misstraut dem Mädchen. Ausgerechnet Marc ist es, der sich für Anya einsetzt und …

 



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  fubukiuchiha
2017-05-11T20:45:25+00:00 11.05.2017 22:45
Hi
Super Kapitel, Anya hört Klassische Musik? Da fehlen mir die Worte, aber schön das sie sich mit Abby versteht.
Das Treffen mit dem Collector war echt heftig, zwar hat Anya wichtige Informationen bekommen, aber das war riskant.
Ich bin gespannt wie das weiter gehen wird.
Lg fubukiuchiha
Antwort von:  -Aska-
13.05.2017 12:37
Hey,
danke mal wieder. Ja, sie ist eben immer wieder für Überraschungen gut. Genau wie der Sammler. ;-)
Übrigens nicht wundern, wenn nach dem heutigen Update ein paar Tage nichts kommt - ich fahre morgen für ne Woche in Urlaub.

LG,
-Aska-


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