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You light up the path

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Leider hat die Story nicht so viel Anklang gefunden wie erhofft, aber auch wenn es die Motivation etwas dämpft, ich schreibe sie trotzdem gerne weiter. :)
Ich danke ganz herzlich den zwei Review-Schreibern und hoffe euch nicht zu entäuschen mit dem weiteren Verlauf der Geschichte.
Für dieses Kapitel habe ich versucht zu recherchieren wie viel Blut ein Mensch in einer Notsituation spenden kann/darf; leider kamen dabei keine brauchbaren Informationen raus. XD Zwar versuche ich es so realistisch wie möglich zu schreiben, aber bitte seht mir nach, dass ich kein tieferes ärztliches Wissen habe.
Außerdem wollte ich noch anmerken, ich weiß, dass die Beiden ihren Paarlauf bereits in Barcelona zur GP Gala vorgeführt haben, aber...FanFiction. :^) Zur WTT befinden sie sich in Sankt Petersburg, Russland.
Viel Spaß beim lesen! ♥ Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Zu diesem Kapitel… es hat mir großen Spaß gemacht, Yuuris und Viktors gemeinsame Zeit zwischen den Episoden etwas zu erläutern. Ich bin dabei aber extra nicht ins kleinste Detail gegangen, denn solche Szenen werden in künftigen Kapiteln ausführlicher beschrieben. Ehehehe,… aber bis es dazu kommt, erwartet euch erstmal noch etwas Vernichtendes. Bitte schlagt mich nicht… ._.
Trotzdem nun viel Spaß beim Lesen! Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
A/N: Hier kommt endlich das neue Kapitel! ^-^
Ich bitte vielmals um Verzeihung... der Juli war unfassbar anstrengend und ich war kein einziges Wochenende zu Hause. Freunde besuchen in Oldenburg, in Frankfurt am Main, meinen Bruder besuchen in Krefeld und zu guter Letzt der Cosday. *^* Es war klasse, aber auch verdammt anstrengend... und daran merkt man, dass man alt wird. xDDD
Das Kapitel war eigentlich schon eine ganze Weile fertig, nur lese ich es bestimmt fünf Mal Korrektur bevor ich es hochlade... und trotzdem habe ich etliche Tippfehler drin. =_= Hoffentlich beeinflussen sie nicht den Lesefluss. ;_;

Jetzt wird es kitschig, haha! Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Vielen Dank für euer Feedback, ihr Lieben! *^*
Yuuri ist endlich wach! Und damit beginnt das Gefühlschaos... aber am Ende dieses Kapitels gibt es noch ein Leckerli. :3
Achja und dadurch das ich mit meiner lieben --lina-- efrig RPGs schreibe, sind wir irgendwie darauf gekommen, das Makkachin eine Hündin ist. Auch wenn ich mir da nie sicher war, bin ich nun dran gewöhnt sie als Pudeldame zu betiteln. XD
Viel Spaß beim Lesen! ❤ Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Der Anfang dieses Kapitels ist ein Flashback. Eine Erinnerung an ein Gespräch, welches Viktor mit Chris geführt hatte. (Zur Orientierung: Folge 10, nach dem Ringaustausch und kurz nach dem Gespräch mit Yurio am Strand. :D)
Ich hatte überlegt es kursiv darzustellen, um es von der eigentlichen Zeitebene abzuheben, aber ich fand es anstrengend zu lesen, also habe ich einfach versucht zu erklären. XD
Außerdem habe ich das Kapitel nur einmal Korrekturlesen können, ich hoffe einfach, dass sich nicht zu viele Fehler eingeschlichen haben. T_T

Desweiteren erwartet euch jede Menge Fluff in diesem Kapitel... und dann gibts natürlich auch wieder einen kleinen Dämpfer. Diese FF ist halt voller Höhen und Tiefen. XD

Aber ohne Happy End geht gar nichts bei mir, von daher... *hust* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Kleine Anmerkung, weil einige sich gewundert hatten über Viktors Befund: In Kapitel 2 wird dieser bereits erwähnt. Deshalb war die Blutspende auch etwas 'leichtsinnig' von ihm. Aber alles für sein kleines Katsudon. ;-;
Nun zu diesem Kapitel: Der Schreibprozess war diesmal leider ziemlich zäh; Drama, Emotionen und plötzlich geht's zur Sache. :V
In den Nächsten gibt es wieder mehr Input, dieses diente zur Aussprache. :D

Aber jetzt habe ich erst einmal Uuuuuurlaub! Gamescom und Frankfurt Urlaub! *^* Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Lang, lang ist's her... das dieses Jahr noch etwas Neues von mir kommt, habe ich selbst nicht erwartet, um ehrlich zu sein. Die letzten Monate ist viel Schlimmes bei mir passiert, vieles was ich nicht unbedingt bis ins kleinste Detail erläutern werde, aber vieles was mein Leben komplett aus der Bahn geworfen hat.
Nun muss das Leben langsam weiter gehen... Sei es eine unbedeutende kleine Fanfiction. All sowas machte meinen Alltag aus und dahin möchte ich zurück finden.
Wahrscheinlich ist es den Lebensumständen zu schulden, dass ich wieder in die Dramaschiene hier abrutsche. Ich versuche mich ab jetzt zusammenzunehmen. So viel Drama gabs bei unseren Jungs zum Glück selten. x) Leider ließt es sich auch nicht sehr flüssig,... ebenfalls etwas woran ich arbeiten will.
Viel Spaß beim Lesen! ❤ Komplett anzeigen

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Der Unfall

Das größte Eislaufevent des Jahres, nach den Weltmeisterschaften, die World Team Trophy neigte sich dem Ende und das Schaulaufen zum Auftakt der Gala würde in wenigen Minuten starten. Die Läufer der sechs besten Nationen des vergangenen und diesen Jahres versammelten sich gemeinsam im Warteraum.

Man hörte wie die Zuschauerränge noch immer tobten und jubelten, denn vor nicht einmalmal fünf Minuten wurde Viktor Nikiforovs Comeback zu den russischen Meisterschaften verkündet. Die lebende Legende war zurück auf dem Eis und die Fans feierten diese Nachricht so lautstark, dass man es selbst im Warteraum noch hören konnte. Er würde sogar zum Finale der heutigen Gala zusammen mit dem diesjährigen Silbermedaillen-Gewinner und seinem Schützling Yuuri Katsuki einen Paarlauf vorführen.
 

"Mit einem Traumergebnis hatte Sara Crispino, Italien, die Kür der Damen bei der World Team Trophy 2017 für sich entschieden. Sie absolvierte ihre Elemente mit großer Sicherheit und bekam 159.49 Punkte.", laß die dunkelhäutige Schönheit aus Italien aufgeregt von ihrem Smartphone vor.

"Mit 146.17 Punkten konnte sich Mila Babicheva, Russland, um acht Punkte verbessern. Auch sie blieb fehlerfrei und belegte somit den zweiten Platz!", ergänzte Mila verzückt. Die beiden Mädchen hüpften auf und nieder, freuten sich über ihre heutigen Ergebnisse. Yuri, der blonde Eiskunstläufer aus Russland, hielt sich genervt von dem Gekreische die Ohren zu und zeterte.
 

"Ach Yuri, willst du dir meinen Lidschatten für deine Performance gleich ausleihen?", zog ihn die rothaarige Russin auf. Wieder stimmten die Mädchen ein lautes Gelächter an.
 

"Wenigstens sehe ich damit besser aus als du, alte Hexe!", fauchte er.
 

Yuuri und Viktor standen am anderen Ende des Raums und unterhielten sich. Yuri Plisetsky würde die Gala mit seiner Performance "Welcome to The Madness" eröffnen, mit einem Lied, dass sein Freund Otabek Altin ausgewählt hatte. Gleich danach waren die Beiden dran.

Viktor seufzte lautstark. Er sah alles Andere als glücklich aus und strich sich sein Haar aus dem Gesicht.
 

"Bist du dir wirklich sicher, Yuuri?", fragte er ihn mit besorgtem Unterton.
 

Der Schwarzhaarige nickte schwach. Er betrachtete Viktor aufmerksam und sah wie er ihn von oben bis unten musterte. Der junge Japaner atmete schwer, schloss den Mund um zu vertuschen, dass er nicht durch Nase atmen konnte. Trotz des Puders für die Kameras war seine Nase rot, sein Gesicht hingegen kreidebleich. Der Kontrast ergab einen furchtbaren Anblick.

Viktor legte seinen Handrücken an Yuuris Stirn.
 

"Dein Fieber ist gestiegen.", stellte er fest. Er seufzte erneut. "Das reicht. Ich werde unseren Lauf absagen."

Gerade als Viktor sich von ihm abwand und die Veranstaltungsleiter davon unterrichten wollte, dass sie nicht auftreten würden, griff Yuuri ihn hastig am Arm und hielt ihn zurück. Er drehte seinen Trainer wieder zu sich.
 

"Nein! Nein. Viktor bitte!", flehte er. "Es ist nur noch ein Lauf. Ich schaffe das. Danach kann ich mich immer noch hinlegen und ausruhen."
 

"Du hast hohes Fieber und bist heute trotzdem angetreten. Meinst du nicht, du hast dich damit genug unter Beweis gestellt? Die Gala bedeutet doch gar nichts, Yuuri."
 

Diese Aussage versetzte dem Schwarzhaarigen einen kleinen Stich. Viktor war nie der sensibelste gewesen und obwohl Yuuri wusste, dass er ihn nur schützen und vor einer Dummheit bewahren wollte, sah er ihn verletzt an.
 

"Mir bedeutete es aber etwas... mit dir zu laufen.", murmelte er.
 

Bei ihrem Training in Sankt Petersburg hatte Viktor einige Hebefiguren mit ihm ausprobiert. Zunächst nur aus Spaß, doch später stellten sie fest wie gut sie dabei harmonierten. Mila legte ihnen begeistert ans Herz einen Paarlauf einzuüben. Kurze Hand entschied Viktor sich für eine Paar-Choreografie zu "Stay Close to Me".

Auch wenn Yuuri es nicht zeigte, innerlich war er völlig aus dem Häuschen deswegen gewesen. Er stand jetzt nicht nur auf demselben Eis wie sein großes Idol, er stand mit ihm gemeinsam auf dem Eis.
 

Er konnte Reue in Viktors Blick entdecken. "S-So habe ich das nicht gemeint, Yuuri. Aber wir werden noch etliche Gelegenheiten haben unser Duett vorzutanzen. Es muss nicht heute sein. Du bist bereits am Ende deiner Kräfte."
 

Viktor legte eine Hand an sein Gesicht und streichelte mit seinem Daumen sanft über seine Wange. "Deine Gesundheit geht vor. Ich habe Angst, dass dir etwas passiert.", erklärte er ihm mit ruhiger Stimme.
 

Einer der Moderatoren kündigte Yuri Plisetsky und sein Programm „Welcome to The Madness“ an und man konnte erneut lautes Jubeln von den Zuschauerrängen vernehmen. Yuri lief gemeinsam mit Otabek an ihnen vorbei, dicht gefolgt von den anderen Teilnehmern, welche sich an die Bande zum Zuschauen begeben wollten.
 

„Yuuri! Viktor! Kommt ihr mit?“, fragte Phichit, thailändischer Eiskunstläufer und einer von Yuuris besten Freunden.

„Ja, wir sind gleich da.“, antworte der junge Japaner ihm mit einem Lächeln. Viktor schien nicht begeistert.
 

Nachdem alle Teilnehmer sich draußen versammelt hatten, versuchte Viktor erneut Yuuri zu überzeugen, aber dieser blieb verbissen. Er wendete Viktor den Rücken zu und lief ebenfalls zum Ring um sich die Performance des russischen Yuris anzuschauen. Sein Trainer konnte nichts tun, als ihm kopfschüttelnd zu folgen.
 

Yuri lieferte eine spektakuläre Show ab und die Menge tobte. Stolz, mit erhobenen Haupt, verließ er das Eis und gesellte sich zu den anderen Eisläufern. Sie beglückwünschten ihn und er konnte sich sein Lächeln nicht verkneifen. Phichit Chulanont wurde als nächstes auf das Eis gebeten.

Yuuri und Viktor saßen auf den oberen Zuschauerrängen. Sie hatten noch gute 5 Läufer vor sich, bevor sie an der Reihe waren und die Gala mit ihrem Auftritt zum Abschluss bringen würden.
 

Der Schwarzhaarige lehnte sich gegen seinen Trainer, stützte den Kopf auf seine Schulter und döste. Viktor war froh, dass er sich überhaupt in irgendeiner Art ausruhte. Ihm war nicht wohl bei dem Gedanken Yuuri übers Eis zu führen, mit ihm Hebefiguren und Sprünge vorzuführen. Das Fieber senkte seine Leistung drastisch, das merkte man schon während seiner Kür und dem Teamauftritt. Er landete mit der Hand häufig auf dem Eis, verlor oft die Balance und aus dreifach-Sprüngen wurden nur Einfache. Viktor konnte sich nicht vorstellen wie er plötzlich Hebe- und Wurffiguren mit ihm ausüben sollte.
 

Der Moment in dem ihre Namen fielen in der Anmoderation, jagte dem Älteren einen Schauer über den Rücken. Yuuri lehnte sich zurück und kämpfte sich hoch. Mit einem schwachen Lächeln wollte er Viktor dazu bewegen ihm zu folgen.
 

„Bist du dir wirklich sicher?“, fragte er ein letztes Mal.
 

„Komm schon, Viktor. Wir zeigen ihnen, wie ein Finale aussehen muss.“, antwortete Yuuri.
 

Mit großem Jubel wurden sie auf dem Eis empfangen. Yuuri platzierte sich in der Mitte, während Viktor zunächst am Rand blieb. Der junge Japaner würde die Choreografie eröffnen und später würde Viktor hinzukommen.

Der Ältere war überrascht zu sehen, dass Yuuri eine bessere Leistung ablieferte als in seiner Kür. Er wirkte die erste Minute sogar recht leichtfüßig. Vielleicht tat ihm die kurze Ruhepause ganz gut. Viktor versuchte sich zu entspannen. Wenn er Yuuri sicher führen und heben wollte, dann durfte er sich nicht ablenken lassen.
 

Der Moment war gekommen in den Paarlauf einzusteigen. Man konnte von allen Seiten Beifall vernehmen. Sowohl Zuschauer als auch die anderen Teilnehmer applaudierten als der 28-jährige zurück auf dem Eis erschien. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen wie Yuuri ihm ein breites Lächeln schenkte. Viktor schaltete seinen Kopf völlig aus, er reduzierte seine Gedanken nur auf den Lauf und konzentrierte sich darauf stets einen sicheren Stand zu haben, damit auch Yuuri eine sichere Darbietung abliefern konnte. Nach der ersten gelungenen Hebefigur entspannte sich der russische Läufer allmählich. Eine Weitere folgte und weder er noch Yuuri machten einen Fehler, allerdings hörte er wie sein Partner atemlos nach Luft schnappte. Die Hälfte war geschafft, doch der Schwarzhaarige war trotz seiner sonst so angepriesenen Ausdauer, völlig am Ende. Sie waren bei ihrer ersten Wurffigur angelangt. Anerkennendes Raunen zog durch die Halle, als Viktor Yuuri aus einer Figur in die Luft wirbelte und Yuuri mit dem rechten Bein auf dem Eis aufkam und noch eine Drehung beifügte um anschließend weitere Elemente synchron mit Viktor auszuführen.

Sie waren fast am Ende ihrer Kür, es folgte nur noch eine weitere Wurffigur und eine anschließende Spungkombination.
 

Viktor packte Yuuri an der Hüfte und hob ihn in die Höhe. Er bemerkte Yuuris hochrotes Gesicht, seine Atmung war unregelmäßig, er schnappte immer wieder nach Luft. Es half nichts, er musste ihn erneut von sich in die Luft stoßen, damit sie die Kür endlich beenden konnten. Doch als er ihn warf, durchzog ihn bereits ein ungutes Gefühl. Yuuris Körper verlor an Spannung und er rutschte ihm vor dem Wurf leicht weg. Der Schwarzhaarige drehte sich in der Luft. Viktor fuhr indessen weiter, hatte seinen Schützling aber weiterhin im Blick.
 

Yuuri fand keinen festen Stand bei der Landung, sein linkes Bein knickte ihm weg und er fiel beinahe direkt aus dem Wurf mit seinem Hinterkopf aufs Eis. Der Aufschlag verursachte ein dumpfes, klatschendes Geräusch, als hätte man ein rohes Ei fallen lassen. Die Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzplätzen, reckten ihre Hälse um erkennen zu können, was passiert war. Viktor stoppte den Lauf sofort und fuhr so schnell er konnte zu ihm. Yuuri bewegte sich nicht und die Musik wurde angehalten.

Er lag regungslos am Boden als Viktor sich neben ihm auf die Knie fallen ließ.
 

„Yuuri? Yuuri! Hey, Yuuri?!“
 

Er wiederholte immer wieder seinen Namen, doch keine Reaktion. Yuuri lag halb eingedreht auf dem Eis. Sein Trainer legte eine Hand auf seine Schulter und die andere an seinen Hinterkopf, als er plötzlich etwas Feuchtes an dieser bemerkte. Viktors Magen schnürte sich bei dem Anblick seiner blutgetränkten Hand zu, er spürte wie sein Gesicht heiß wurde, während seine Gliedmaßen kalt und wie gelähmt waren.
 

Die anderen Teilnehmer standen fassungslos an der Bande. Sara hatte beide Hände vor ihrem Mund und geweitete feuchte Augen, während Mila mit erstarrten Gesicht auf den Verunglückten schaute. Yuri schlug seine flachen Handflächen auf die Bande.
 

„Warum brauchen die Sanitäter so lange?!“, brüllte er zornig mit wackliger Stimme.
 

Viktor legte die Hand erneut an Yuuris Kopf und streichelte vorsichtig durch sein Haar. Er hatte Angst ihn zu berühren, als wäre er aus Glass. Der Schwarzhaarige öffnete die Augen und schaute sich hilflos um, ohne dabei den Kopf zu bewegen.
 

„V-Viktor...“, murmelte er leise. Mühsam versuchte er sich aufzurichten, doch sackte direkt wieder zusammen. Bevor er diesmal auf dem Eis aufschlagen konnte, hielt der Grauhaarige ihn fest. Ihm wurde eiskalt als er bemerkte wie Blut aus den Ohren seines Schützlings lief. Viktor schnappte nach Luft und versuchte zu sprechen, aber sein Mund fühlte sich staubtrocken an.
 

„на…напо́мощь…“, stammelte er auf Russisch. Er bittete in seiner Muttersprache verzweifelt um Hilfe. Yuuri lag bewegungsunfähig mit geistesabwesenden Blick in seinen Armen. Er zog ihn vorsichtig auf seinen Schoß um ihn vor der Kälte des Eises zu bewahren.
 

Nach gefühlt endlos langer Zeit kamen ihnen die Sanitäter zur Hilfe. Zwei junge Männer, in etwa in ihrem Alter, hätte Viktor geschätzt. Sie versuchten Yuuri anzusprechen, doch dieser reagierte nicht.

Sie wirkten Viktor zu unbeholfen und er wollte kaum, dass sie Yuuri anrührten. Sie fragten ihn in ob eine Trage notwendig war. Dies machte ihn so wütend, dass er endlich wieder zu Sinnen kam.
 

„Sieht es so aus, als würde er selbst laufen können?!“, blaffte er sie zornig an und sie zuckten etwas zusammen.
 

Wieder bei klarem Verstand richtete er sich vorsichtig mit Yuuri im Arm auf. Seine zitternden Beine waren nicht gerade vertrauenserweckend, aber lieber kümmerte er sich darum, dass sein Schützling sicher vom Eis getragen wurde, als ihm diesen inkompetenten Sanitäter anzuvertrauen. Am Ende rutschten sie aus und Yuuri würde erneut auf dem harten Eisboden aufschlagen. Wieder drehte sich sein Magen um, aber er manövrierte den Schwarzhaarigen vorsichtig und sicher vom Eis.
 

Die anderen Teilnehmer scharrten sich um den Verletzten und seinen Trainer. Allesamt blickten besorgt auf sie und redeten auf sie ein. Weitere Ärzte kamen auf sie zugerannt, welche tatsächlich fähig wirkten, denn sie raunten Viktor an, er solle Yuuris Kopf nicht bewegen und ihn vorsichtig auf die Trage legen.
 

Nachdem er Yuuri möglichst vorsichtig auf die Trage legte, drängten sich die Ärzte zwischen die Beiden. Viktor wurde angewiesen ein paar Schritte zurück zu gehen. Mila legte beruhigend einen Arm um ihn, was er aber kaum zur Kenntnis nahm – zu tief saß der Schock.
 

„Er hatte Fieber.“, murmelte er kaum hörbar. „Es ging ihm nicht gut… und ich habe ihn trotzdem laufen lassen.“
 

Die rothaarige Russin streichelte ihm mitfühlend durchs Haar und drückte ihn anschließend. Ohne es zu bemerken liefen plötzlich Tränen über seine Wangen. Er ließ Yuuri nicht aus den Augen, während er verarztet wurde. Ansager verkündete im Stadium, dass es einen Unfall gegeben habe und der japanische Läufer Yuuri Katsuki bereits in ärztlicher Obhut war. Weitere Informationen würden folgen. Die Veranstaltung wurde dementsprechend unterbrochen.

Der Anblick, wie sie Yuuri eine Atemmaske überzogen, schmerzte Viktor so sehr, dass er sich am liebsten abwenden wollte.
 

Die Ärzte verfrachteten die Trage auf eine weitere mit Rollen und transportierten den Verletzten aus dem Warteraum. Yakov Feltsman, Trainer aller Anwesenden russischen Teilnehmer und Vaterfigur für Viktor, drängte sich durch die Menschenmenge im Warteraum und griff seinen Arm.
 

"Komm mit, Vitya. Sie bringen ihn ins Krankenhaus.", erklärte er ihm kurz in üblich rauer Stimmlage, aber Viktor konnte schwören selbst in seiner Stimme Sorge zu vernehmen. Das machte ihn noch nervöser.
 

Die Beiden verließen den Warteraum. Draußen stand bereits ein Rettungswagen bereit, in welchen Yuuri gerade getragen wurde.

Der russische Yuri war ihnen gefolgt und wollte ebenfalls mit ins Krankhaus kommen. Er diskutierte hitzig mit den Sanitätern. Währenddessen reichte Mila Viktor seine Turnschuhe, da er noch immer in seinen Schlittschuhen steckte. Er zog sich schnell um und lauschte mit einem Ohr, halb in Gedanken der Debatte.
 

"Nur Familie!", wiederholte einer der Rettungskräfte energisch.
 

"Er ist mein Verlobter.", brachte Viktor mit wackliger Stimme heraus.
 

Kurz betrachteten ihn alle Anwesenden, bis Yakov seinen Schüler erneut am Arm packte und ihn Richtung Krankenwagen schob. Der Sanitäter machte ihm den Weg frei und ließ ihn einsteigen.

Im Krankenhaus

Während Yakov sich mit einer der Schwestern unterhielt, lief Viktor die Flure des „MEDEM International“ auf und ab. Es war das größte und renommierteste Krankenhaus in Sankt Petersburg mit etlichen Fachbereichen. Momentan befanden sie sich in der Chirurgie.
 

Der Warteraum und die Flure der Etage waren abgedunkelt und menschenleer. Ein Blick auf sein Smartphone verriet Viktor, dass es bereits 23:38 Uhr, mitten in der Nacht war. Er betätigte den Power-Knopf fast fünf Mal in der Minute, jedes Mal sah er dabei wie sich die Bemerkungen häuften. Er hatte verpasste Anrufe und zahllose Nachrichten in der vergangene Stunde erhalten, doch fand nicht den Mut sie zu beantworten.
 

„Vitya… steck das Handy weg und setz dich endlich hin“, bat ihn sein Trainer im üblichen strengen Tonfall.
 

Viktor stoppte und drehte sich mit großen Augen zu ihm, doch nur um zu hören, dass Yakov nichts Neues von den Schwestern in Erfahrung bringen konnte. Ein unruhiges Seufzten entkam dem jungen Russen.
 

„Setz dich. Bitte.“
 

Beide waren nicht die Männer großer Worte und so schwiegen sie, als sie sich in den Warteraum des Krankenhauses setzten. Viktor konnte sich denken, das Yakov viele Fragen hatte, doch noch saß er einfach nur da mit verschränkten Armen, ein Bein über das andere geschlagen und mit grübelnden Blick ins Leere.

Viktors Smartphone vibrierte erneut auf dem Stuhl neben ihm und er erkannte auf dem aufleuchtenden Display eine Nachricht von seinem Freund Christophe Giacometti.
 

„Es ist überall in den Nachrichten. Melde dich we…“
 

Weiter konnte er die Nachricht auf dem Startbildschirm nicht lesen und er hatte nicht die Absicht sie zu öffnen. Ihm war so übel, dass er sich nur darauf konzentrieren konnte sich nicht zu übergeben. Immer wieder ging er den Abend durch und wie er einfach hätte darauf bestehen müssen, dass sie den Lauf absagen.

Er rutschte in seinem Stuhl nach hinten, beugte sich vor und legte die Arme auf den Knien ab, stützte seinen Kopf auf seine eiskalten Hände. Sie fühlten sich taub an, genau wie der Rest von seinem Körper.
 

Das Bild wie Yuuri regungslos auf dem Eis lag, ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Er japste nach Luft bei dem Gedanken an das ganze Blut. Noch immer hatte er sein Kostüm für die Gala an, auf welchem sich ein eingetrockneter, dunkelroter Blutfleck an seiner Brust befand. Es musste passiert sein, als er seinen Schützling vom Eis trug.

Ihm lief ein Schauer über den Rücken und er spürte eine Gänsehaut am ganzen Körper. Warum war das nur passiert? Er hätte es Yuuri einfach verbieten müssen.
 

„Vitya.“, hörte er plötzlich Yakov zaghaft sagen und riss ihn aus seinen Gedanken. „Was ist passiert? War es dein Fehler?“, fragte er unsensibler als beabsichtigt.

Viktor versuchte den Moment zu rekapitulieren. Er erinnerte sich an Yuuris rotes Gesicht, seinen angestrengten Blick und seine schwere Atmung als er ihn anhob. Die Spannung verließ seinen Körper und er rutschte Viktor weg. Das Nächste woran er sich erinnern konnte, war Yuuri am Boden.
 

„Er muss mir kurz vor dem Wurf weggerutscht sein.“, murmelte er tonlos.
 

Yakov brummte unzufrieden, als könne er nicht einsehen, dass sein bester Schüler einen Fehler gemacht haben könnte. Viktor spürte wieder eine Übelkeit in ihm aufsteigen. Sein Handy vibrierte währenddessen ununterbrochen.
 

„Er ist schwer erkältet und hatte deshalb hohes Fieber… und ich hab ihn trotzdem antreten lassen. Alles was passiert ist, habe ich zu verantworten.“, erklärte Viktor ihm lauter als davor, richtete sich dabei auf und seine Augen wurde glasig. Seine Kehle fing an zu brennen, in dem Versuch seine Tränen bei sich zu halten. Er stoß die Luft aus seinen Lungen und wendete den Blick wieder ab.
 

Er fragte sich, ob er wohl den Mann auf dem Gewissen hatte, den er über Alles liebte.
 

Er schluckte schwer, verdrängte diesen unerträglichen Gedanken sofort. Er wollte weinen aber zwang sich die Tränen bei sich zu halten. In seiner Kindheit gab man ihm zu verstehen, dass Weinen nichts ändern würde und so kam es sehr selten vor, dass er tatsächlich Tränen vergoss. Das letzte Mal war allerdings noch gar nicht so lange her, als Yuuri ihm vorschlug sich zu trennen nach dem Finale in Barcelona. Er kam nicht drum rum daran zu denken, dass es eventuell das Beste für seinen Schützling gewesen wäre.
 

Die Lichter auf der Etage schalteten sich wieder ein und man konnte Stimmen am Ende des Gangs vernehmen. Viktor erkannte Yuris laute und ungehaltene Stimme, sowie Milas die versuchte ihn in Schach zu halten. Sie betraten Beide den Warteraum und sahen Viktor, sowie ihren Trainer im Dunkeln sitzen, still und abwartend.

Die rothaarige Russin setzte sich neben Viktor, legte eine Hand auf seine Schulter und stellte ihm Fragen zu Yuuris Zustand, doch seine Stimme versagte und er konnte nur den Kopf schütteln. Yuri fuhr ihn an, doch erntete nur einen bösen Blick seiner Eislaufkollegin.
 

"Er wird wieder, Viktor. Mach dir keine Sorgen. Yuuri ist in den besten Händen.", sagte sie in dem kläglichen Versuch ihn zu beruhigen. Mila hatte keine Vorstellung davon, welche Schuldgefühle in ihm tobten. In diesem Moment konnte er sich selbst nicht ertragen.
 

Sie kramte in ihrer Tasche und reichte Viktor einen Beutel, darin waren ein schwarzes, schlichtes T-Shirt und eine graue Jogginghose, welche er sich anziehen sollte. Dankend nahm er sie entgegen, machte aber keine Anstalten sich in Bad zu bewegen um sich umzuziehen.

Einige Minuten später betraten auch Sara Crispino und ihr Zwillingsbruder Michele den Warteraum des Krankenhauses. Genau wie Mila und Yuri, waren auch die Beiden bereits umgezogen. Sie mussten allesamt gemeinsam hergefahren sein. Auch wenn Viktor einfach nur schweigsam dasaß, so wusste er die Anteilnahme der Läufer zu schätzen. Alle machten sich große Sorgen um Yuuri.
 

"Magst du etwas trinken?", fragte Sara ihn und bückte sich zu ihm.
 

Viktor verstand die Sorge um ihn nicht. Er war schließlich nicht Derjenige der verletzt wurde. Yuuri war der letzte Mensch der es verdient hatte, auf dem Operationstisch zu liegen und Viktor würde alles dafür tun, um mit ihm tauschen zu können.

Er schüttelte erneut den Kopf, richtete sich aber im Stuhl auf und betrachtete die Italienerin. Ihr mitleidiger Blick stach ihm direkt ins Herz. Er wollte ihr aller Mitleid nicht, er hatte es nicht verdient.
 

Wieder vibrierte sein Handy, welches noch immer auf dem freien Stuhl neben ihm lag. Diesmal war es ein Anruf und Vitor gefror das Blut in den Adern als er den Namen Hiroko Katsuki lesen konnte. Es war Yuuris Mutter.

Er sprang plötzlich auf, griff sich das Smartphone und lief in den Flur, während die Anderen ihn verwundert hinterher sahen.
 

Sein Puls beschleunigte sich und am liebsten hätte es klingeln lassen, aber wenn er eine Person in diesem Moment nicht ignorieren durfte, dann was das Yuuris Mutter. Sie hatte es verdient die Wahrheit zu hören. Mit zitterender Hand nahm er den Anruf entgegen.
 

Das Erste was er von der Anderen Leitung zu Hören bekam war ein lautes Schluchzen, ehe sie bemerkt hatte, dass Viktor rangegangen war. Sofort erkundigte sie sich nach ihrem Sohn, erzählte ihm, dass sie den Sturz vor ein paar Minuten in den Nachrichten gesehen hatte und direkt zum Telefon griff. Aus Reflex versuchte sie es zuerst bei Yuuri, doch nur um festzustellen, dass er tatsächlich nicht abnehmen würde. Danach rief sie direkt Viktor an, welcher glücklicherweise ranging. Sie wollte wissen wo ihr Sohn jetzt war und wie es tatsächlich um ihn stand und was genau passiert war. In den Nachrichten sprach man von einem schweren Sturz, bei dem er auf dem Hinterkopf aufgeschlagen sein musste und anschließend nicht mehr ansprechbar gewesen war.
 

Viktor holte tief Luft, er wusste nicht wo er anfangen sollte.
 

"Yuuri wird gerade operiert.", brachte er raus und befürchtete, dass seine Stimme erneut versagen würde. Noch nie hatte Viktor etwas Vergleichbares erleben müssen. Er war unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, zu gelähmt war er vor Angst Yuuri könnte diese Krankenhaus eventuell nicht mehr aus eigner Kraft verlassen.

Normalerweise war er nicht der Mensch der direkt den Teufel an die Wand malte, aber er musste feststellen, dass auch er nicht von solchen Emotionen gefeit war, wenn es um den Menschen ging, den der er liebte.
 

"Bis jetzt hat uns noch niemand etwas zu seinem Zustand sagen können.", erklärte er ihr.
 

Ein erneutes Schluchzen war zu hören. Viktor wusste nicht mehr weiter, er tat sich schwer im Umgang mit Tränen anderer, also erzählte er wie viele von Yuuris Freunden und Kollegen im Warteraum saßen und ihn mental unterstützen wollten. Hiroko wollte Freude darüber ausdrücken, doch es klang nur noch trauriger als zuvor. Sie äußerte sich außerdem froh darüber zu sein, dass zumindest Viktor bei ihm sein konnte und bat ihn gut auf ihren kleinen Jungen acht zu geben. Viktor schluckte schwer. Er versicherte ihr sich wieder zu melden, sobald es etwas Neues gab.
 

Als er aufgelegt hatte und sich umdrehen wollte, um zurück in den Warteraum zu laufen, verließen gerade ein Arzt und zwei Schwestern den Operationssaal. Viktors Herz setzte bei dem Anblick aus und doch war sein erster Impuls auf sie zuzugehen um die Wahrheit zu erfahren. Angestrengt versuchte er die Blicke zu deuten, als er auf sie zulief, doch sie hatten ein perfektes Pokerface und so schnürte sich Viktors Magen nur noch mehr zusammen.
 

"Doktor! Wie geht es ihm?!", fragte er, noch ehe er sie wirklich erreicht hatte.
 

Der angesprochene ältere Mann trug einen mintgrünen Kittel und war gerade dabei seinen Mundschutz zu entfernen. Auf seiner Kleidung waren feine Blutspritzer zu erkennen. Er seufzte und augenblicklich erstarrte Viktors Körper.
 

"Sind sie Herr Nikiforov, der Verlobte?", fragte er ihn und der Grauhaarige konnte nur Nicken. "Leider muss ich ihnen mitteilen, dass der Patient noch immer operiert wird und weiterhin nicht außer Lebensgefahr ist. Durch den starken Blutverlust und seiner seltenen Blutgruppe, neigen sich unsere Reserventransfusionen dem Ende. Wir sind hier um zu erfragen, ob jemand der Anwesenden seine Blutgruppe teilt."
 

Es war schwer die ganzen Informationen möglichst schnell zu verarbeiten. Viktor hing immer noch bei dem Wort Lebensgefahr fest. Während er versuchte einen Satz zu formen, erschien der Rest im Gang. Sie hatten mitgehört und erkundigten sich augenblicklich nach Yuuris Blutgruppe um helfen zu können.
 

Doch kaum sprach der Chirurg die Worte Blutgruppe A negativ aus, wurde die Stimmung bedrückter als zuvor. Die Anwesenden schauten sich Gegenseitig an, Mila übersetzte für Sara und Micky die russischen Worte des Arztes, doch niemand schien kompatibel zu sein, bis sich Viktors Blick erhellte und endlich seine Sprachfähigkeit wiederfand.
 

"Ich! Ich habe ebenfalls A negativ! Nehmen sie mein Blut!", rief er euphorisch und auch die Anderen stimmten in den kleinen Jubel ein und feierten den glücklichen Zufall, dass sich die beiden Liebenden eine Blutgruppe teilten. Einzig Yakov schwieg und betrachtete Viktor kritisch.
 

"Fantastisch! Bitte kommen sie gleich mit, Herr Nikiforov.", bat ihn der Arzt und verwies ihn an die Schwester links von ihm.
 

"Halt! Kann ich ganz kurz mit dir sprechen, Vitya?", fragte ihn sein Trainer plötzlich. Alle schauten ihn fragend an, doch Viktor wusste ganz genau, was er meinte.
 

Vor ca. einem Monat schickte ihn Yakov zu einem Arzt um ein Blutbild anfertigen zu lassen, deshalb wusste er auch genau über seine Blutgruppe Bescheid. Viktor schwächelte auf dem Eis und klagte über eine rasche Erschöpfung, deshalb bestand sein Trainer darauf auf Nummer sicher zu gehen. Auch wenn es lächerlich klang zu sagen er sei nicht mehr der Jüngste, da er gerade mal Ende zwanzig war, doch für einen Eiskunstläufer traf die Aussage leider zu. Hochleistungssportler hatten keine lange Karriere vor sich; üblich war es mit Ende zwanzig den Rücktritt anzukündigen. Doch während Andere zu diesem Zeitpunkt eine andere Laufbahn einschlugen, setzte Viktor noch eins drauf; er war Läufer, Choreograf und Trainer in einem. Seine Belastungsgrenze war erreicht und so fing selbst die 'lebende Legende' an zu schwächeln.
 

Bei dem Blutbild wurde eine Herzschwäche bei ihm festgestellt. Diese bedeutete für Viktor, dass es seine letzte Saison als aktiver Läufer sein würde, worüber er mit Yuuri noch nicht gesprochen hatte. Was aber noch viel schlimmer war, es bedeutete das er als Blutspender nicht in Frage kommen dürfte. Zu groß war das Risiko einer Herzmuskelentzündung. Viktor wurde über alles aufgeklärt und so wusste er auch ganz genau worauf Yakov hinaus wollte, aber es war ihm schlicht egal.
 

"Nein, es gibt nichts zu bereden. Je schneller ich spende, desto schneller können die Ärzte weitermachen und Yuuris Leben retten!", sagte er entschlossen. Sein Blick verdunkelte sich seinem Trainer gegenüber. Er würde ihm niemals verzeihen, wenn er die Spende jetzt verhindern würde. Yakov verzog keine weitere Mine. Viktor griff nach den Wechselsachen die Mila ihm erneut reichte und ließ die Anwesenden zurück.
 

Die Schwester führte ihn in einen Behandlungsraum, entnahm ihm ein paar Tropfen Blut für eine Überprüfung seines Zucker- und Eisenwertes und checkte seine Temperatur. Viktor betete, dass alles zufriedenstellend war. Sein Eisenwert war minimal unter dem Durchschnitt, aber die Schwester drückte ein Auge zu. Sie stellte ihm anschließend einige Fragen, woraufhin Viktor zum Lügen gezwungen war, was Krankheiten anging. Zumindest wusste er, dass er Yuuri mit seinem Blut nicht Schade würde, alles weitere war ihm egal.
 

Der russische Eiskunstläufer zog sich schnell um, damit seine Arme freilagen und legte sich flach auf die Liege. Die Schwester punktierte die Kanüle in die Vene seines linken Arms. Sie musste ungefähr 20 sein, dennoch machte sie ihren Job hervorragend, denn Viktor spürte maximal einen kleinen Pieks beim Einstich. Nach ungefähr 10 Minuten piepste das Gerät bereits.
 

"Reicht das etwa schon?", fragte er ungläubig.
 

"Zunächst ja. Mehr als einen halben Liter dürfen wir ihnen vorerst nicht entnehmen. Sollte es zu Komplikationen kommen, wären wir gezwungen ihnen erneut einen halben Liter abzunehmen, aber bis dahin ruhen sie sich Bitte aus. Essen und Trinken sie viel, stehen und laufen sie nicht zu viel.", erklärte ihm die Schwester. "Bleiben sie am Besten noch kurz liegen."
 

Sie reichte ihm ein Päckchen mit Traubenzucker und stellte einen Becher Apfelsaft für ihn bereit. Danach verließ sie den Behandlungsraum mit Viktors Blut.

Wäre es nach ihm gegangen, hätte sie ihm gleich alles was er hatte entnehmen können. Seufzend und nicht der Lage ruhig dazuliegen, wanderten seine Gedanken wieder zu seinem Verlobten. Er schloss kurz die Augen, betete, dass die Ärzte sein Leben retten würden und er ihn wieder in die Arme schließen konnte. Er hatte Yuuri noch so viel zu sagen. Es durfte hier und heute Nacht nicht enden.
 

Langsam richtete sich der Russe auf, nahm den Traubenzucker, kaute ihn, statt ihn zu langsam zergehen zu lassen und trank den Becher mit einem Mal aus. Ihm war weder nach essen, noch nach trinken zu Mute, aber er würde alles tun um eine zweite Spende für Yuuri zu ermöglichen, wenn es Notwendig war.
 

Und es war Notwendig.
 

Eine halbe Stunde später wiederholte sich die Prozedur, ihm wurde erneut ein halber Liter abgenommen und kurz bevor das Gerät piepste spürte Viktor eine starke Welle der Übelkeit. Ihm wurde schwindlig und schwarz vor Augen. Die Schwester rieb ihm entschuldigend die Schulter und sagte ihm immer wieder, dass er sehr tapfer sei und sein Verlobter dank seiner Hilfe sicherlich durchkommen würde. Sie gab ihm eine Decke und packte ihn darin ein, weil er anfing zu zittern. Außerdem legte sie seine Beine auf ein Kissen. Danach wies sie ihm an auch wirklich im Bett zu bleiben und verließ wieder das Zimmer mit seinem Blut.
 

Durch den hohen Blutverlust innerhalb kurzer Zeit beschleunigte sich Viktors Herzschlag enorm. Er fühlte sich so schwach und hilflos wie noch nie in seinem Leben. Die Müdigkeit übermannte ihn schließlich und mit einem letzten Gedanken an Yuuri schlief er ein.

Hoffnung

Desorientiert und noch immer stark erschöpft richtete sich Viktor auf der Krankenliege auf. Eine Frau hatte mehrmals seinen Namen gerufen, als er sich noch in einem unruhigen Zustand zwischen Traum und Realität befand. Das zunächst verschwommene Bild wurde klarer und er erkannte seine Eiskunstlaufkollegin und langjährige Freundin Mila vor sich. Ihr rotes Haar war zerzaust, ihr Make-Up von letzter Nacht verschmiert und ihre Augenringe tief.
 

„Die Schwester sagte wir sollen dich noch eine Weile ausruhen lassen, aber wir waren der Meinung du würdest es direkt erfahren wollen.“, sagte sie.
 

Einen Moment lang fragte sich Viktor was sie meinte, bis ihn die Erinnerungen der vergangenen Stunden einholten. Yuuri war bei der Gala gestürzt, er wurde operiert und Viktor hatte Blut für ihn gespendet, da sich die Transfusionen dem Ende neigten. Er japste nach Luft, als ihm alles wieder einfiel. Hilfesuchend betrachtete er seine Kollegin welche ihm ein warmes Lächeln schenkte.
 

„Alles ok, Viktor. Yuuri ist übern Berg!“, verkündete sie fröhlich. Viktor seufzte erleichtert und als die Anspannung von seinem Körper abfiel, sank er zurück auf die Liege. Noch nie in seinem Leben war ihm so ein gigantischer Stein vom Herzen gefallen.
 

„Gott sei Dank…“, murmelte er.
 

Als er den Kopf zur Seite drehte bemerkte er die ersten Sonnenstrahlen, welche durchs Fenster schienen. Er musste einige Stunden geschlafen haben. Er richtete sich erneut auf und wollte aufstehen, doch Mila hielt ihn zurück.
 

„Langsam! Du hast einen ganzen Liter Blut weniger im Körper. Du solltest erstmal etwas essen und trinken bevor du aufstehst.“
 

Doch Viktor ignorierte ihren Ratschlag und kämpfte sich auf die Beine. Augenblicklich beschleunigte sich sein Puls. Unangenehm aber erträglich schlug seine Herz gegen seinen Brustkorb. Tatsächlich stieg erneut die Übelkeit in ihm auf.

Er biss die Zähne zusammen und setzte sich mit Mila gemeinsam in Bewegung. Zwei Flure weiter wurden sie bereits von ihren Kollegen und Freunden erwartet. Sara sprang Viktor erleichtert in die Arme und drückte ihre Erleichterung und Freude aus. Mickey zog sie am Arm zurück, doch nicht aus seinem typischen Beschützerinstinkt heraus, sondern eher weil Viktor aussah als würde er gleich zusammenbrechen unter dem Gewicht der Italienerin.
 

„Wie fühlst du dich?“, erkundigte sie sich besorgt.
 

„Alles okay, wirklich.“, antwortete er mit einem halbgezwungenen Lächeln, denn er spürte Yakovs prüfenden Blick auf sich. Dankbar stellte er fest, dass niemand das Krankenhaus verlassen hatte, während Yuuri noch um sein Leben kämpfte.
 

„Ich danke euch, dass ihr alle für Yuuri da seid.“
 

„Ist doch wohl selbstverständlich.“, pfiff Yuuri in einem eher abfälligen Ton. Er stand am Rand mit verschränkten Armen und erst jetzt bemerkte Viktor das Otabek neben ihm stand. Er musste angekommen sein, als Viktor sich bei der Blutspende befand.

„Wo ist Yuuri jetzt? Kann man zu ihm?“, fragte Viktor.
 

„Er liegt auf der Intensivstation, eine Etage tiefer. Der Arzt sagte Yuuri braucht jetzt viel Ruhe aber Familienangehörige dürften zu ihm. Das schließt dich mit ein.“, erklärte Mila ihm.
 

Viktor schaute sie fragend an, bis ihm wieder einfiel, dass er den Sanitätern und dem Arzt gegenüber behauptete Yuuris Verlobter zu sein. Es stimmte in gewisser Weise zwar, nur hatten sie noch nicht genau darüber gesprochen. Der Deal war es, dass Yuuri Gold gewann bevor sie heiraten konnten. Viktor bereute diesen Scherz nun zutiefst. Wenn sie das hier Alles überstanden hatten, würde Viktor ihm einen richtigen Antrag machen.
 

Sara und Mickey verabschiedeten sich von der Gruppe. Jetzt wo Yuuri über den Berg war, konnten sie erleichtert in ihr Hotel zurückkehren um zu packen. Ihr Flieger in die Heimat würde in ein paar Stunden starten. Viktor umarmte Beide und bedankte sich erneut für ihre Anwesenheit und Unterstützung. Die diesjährige Saison war beendet und somit würden sie die Geschwister wohl ein halbes Jahr nicht wiedersehen. Sara bat die besten Genesungswünsche auszurichten und versicherte, sich nochmal bei Viktor zu melden wenn sie in Italien waren.
 

Auch der Rest begab sich langsam auf den Weg nach Hause. Alle waren erschöpft und konnten dringend Schlaf vertragen. Mila erkundigte sich zwar, ob sie noch eine Weile bei Viktor bleiben sollte, aber er bat sie ebenfalls nach Hause zu gehen um sich auszuruhen.
 

„Und wie fühlst du dich wirklich?“, erkundigte sich Yakov bei seinem Schüler, als alle Anderen die Etage verlassen hatten. Viktor hatte keine Lust sich zu unterhalten, er wollte einfach nur Yuuri sehen. Er zuckte mit den Schultern.
 

„Den Umständen entsprechend? Wie soll es mir gehen, solange Yuuri hier liegen muss?“, murmelte er trotzig mit finsterer Miene.
 

„Du weißt sehr wohl was ich meine. Benimm dich nicht wie ein bockiges Kind, Vitya. Ich mache mir auch Sorgen um den Jungen, aber du bist ein Idiot dein eignes Leben aufs Spiel zu setzen.“
 

Damit traf Yakov einen Nerv und Viktor wendete sich endgültig ab. Er wusste genau, dass sein Trainer es nicht so forsch meinte, wie es rüberkam. Mit Worten wusste er wenig anzufangen; einer der Gründe wieso seine Ehe den Bach runter ging.

Es tat Viktor Leid, seinen Trainer und praktisch seinen Vaterersatz einfach im Flur stehen zu lassen, während er selbst durchs Treppenhaus rannte um möglichst schnell zu Yuuri zu gelangen, aber er war wütend, dass Yakov seine Entscheidung nicht einfach respektieren konnte. Es war seine Schuld, dass Yuuri in diesem Krankenhaus lag und die ganze Nacht operiert wurde. Viktor tat mit seiner Spende das Mindeste für den Mann den er liebte.

Er liebte ihn mehr als sein eignes Leben und wenn die Spende seinem Körper geschadet haben sollte, dann sei es so. Die Hauptsache war, dass Yuuri dieses Gebäude schnellstmöglich topfit verlassen konnte.
 

Viktor wendete sich an eine Schwester an der Rezeption, welche ihm lächelnd den Weg zu seinem Verlobten zeigte. Sie blätterte in ihren Unterlagen, entnahm diesen, dass Yuuri noch nicht allzu lange auf der Intensiv lag und wies Viktor an sich ruhig zu verhalten und nicht zu lange bei ihm zu bleiben. Die Diagnose war eine schwere Schädelfraktur, Blutungen im Gehirn beziehungsweise innerhalb des Schädels sowie ein Wirbelbruch der Halswirbelsäule, doch die die Schwester schenkte ihm ein zuversichtliches Lächeln. Yuuri habe die Operation gut überstanden und alles was er jetzt noch brauchte war jede Menge Ruhe und Schlaf.

Viktor schluckte erschlagen von diesen Informationen, nickte aber zustimmend.
 

Anschließend betrat er vorsichtig das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Augenblicklich wurde ihm kalt. Er traute sich kaum mehr sich umzudrehen und Yuuri zu betrachten. Die Geräusche der Maschinen an welche sein Verlobter angeschlossen war, durchzogen seinen Körper. Er schluckte und wendete sich Yuuri zu. Der Anblick der sich ihm bat, war zu viel für ihn.
 

Yuuri war verkabelt mit etlichen Schläuchen und einer Sauerstoffmaske. Sein Kopf war einbandagiert; man musste ihm natürlich für die OP die Haare abrasieren. Als Viktor näher an sein Bett trat fiel ihm sein blasses, eingefallenes Gesicht auf. Sein Magen drehte sich erneut, als er feststellen musste wie krank und zerbrechlich Yuuri aussah. Seine Kehle war wie ausgetrocknet und brannte.

Er flüsterte den Namen seines Verlobten, als er vorsichtig seine rechte Hand an seinen Kopf legen wollte. Er bemerkte wie sehr er dabei zitterte. Kurz hielt er inne und wagte es schließlich ihn zu berühren. Sein Daumen fuhr zart über die Verbände.
 

„Yuuri… es tut mir so leid.“, flüsterte er. Seine Stimme versagte, als er gezwungen war, das letzte Wort mit einem Schluchzen zu beenden. Die linke Hand presste er gegen seinen Mund, damit keine weiteren Töne entweichen konnten. Stille Tränen liefen über seine Wangen, als er versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Übelkeit und Herzrasen zwangen ihn schließlich in die Knie und er hievte sich mit verbliebener Kraft auf einen Stuhl rechts neben dem Bett.
 

Minuten vergingen und Viktor erinnerte sich an die Bitte der Schwester, den Patienten nicht zu lange zu belästigen. Doch er konnte nicht anders als die Hand seines Verlobten halten und bei ihm zu bleiben. Eine Stunde war vergangen. Viktors rechte Hand streichelte Yuuri noch immer sanft.

Plötzlich spürte der russische Eisläufer einen kleinen Widerstand ausgehend von seinem Verlobten, fast als würde er sich an seine Berührung schmiegen wollen. Ein leises aber gequältes Geräusch entkam Yuuri und ganz langsam öffnete er die Augen.

Viktors Herz hämmerte wild und seine Knie fühlten sich weich an, dennoch sprang er auf und beugte sich über seinen Verlobten.
 

„Yuuri?!“
 

Er versuchte seine Lautstärke zu zügeln, aber seine Aufregung ließ sich nicht verbergen. Der Angesprochene blinzelte müde, sein Blick war leer und desorientiert. Langsam schien er Viktors Gesicht zu fokussieren. Sein Mund bewegte sich, doch keine Worte folgten. Bei dem Versuch den Kopf anzuheben und sich aufzurichten, kniff er die Augen zusammen. Diesmal entwich ihm ein lauter, schmerzvoller Ton. Viktors Körper verkrampfte sich.
 

„…was ist passiert?“, fragte der junge Japaner Wort für Wort.
 

„Shhh, nicht reden, Yuuri.“, bat er mit sanfter Stimme. Wieder legte er eine Hand an Yuuris Kopf und streichelte ihn. „Du hattest einen Unfall. Du bist… schlimm gestürzt und wurdest die ganze Nacht operiert.“ Seine Stimme zitterte heftig bei den kommenden Sätzen.

„Es war nicht einmal sicher ob du durchkommst, aber… Gott sei Dank, hast du es geschafft. Gott sei Dank, bist du wach.“
 

Tränen liefen erneut über seine Wangen und Yuuris Augen weiteten sich. Er blinzelte mehrfach als Viktor verzweifelt versuchte seine Tränen in Zaum zu halten. Er spürte wie Yuuri seine Hand leicht drückte.
 

„…Viktor… bitte.“, murmelte er. „…gib dir… keine Schuld. Es ist… nicht deine Schuld.“
 

Ein Schauer lief über Viktors Rücken und eine Gänsehaut folgte. Seine Tränen liefen unaufhörlich weiter und er konnte sich nicht erinnern jemals so viel geweint zu haben in seinem Leben. Eine Mischung aus Erleichterung und Reue tobte in ihm.
 

„Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und es ungeschehen machen. Du hast es nicht verdient hier zu liegen.“, stammelte der Grauhaarige und verbarg sein Gesicht hinter den Haaren. Yuuri drückte wieder seine Hand. Sprechen schien ihm noch schwer zu fallen, also versuchte er sich anders mitzuteilen. Viktor hob den Kopf an und schaute ihm wieder in die Augen. Sein Schützling lächelte und sein warmer Blick schenkte Viktor das erste Mal seit dem Unfall wieder ein Gefühl der Seligkeit. Er erwiderte sein Lächeln.
 

Der russische Eisläufer setzte sich wieder auf seinen Stuhl, rutschte näher an das Bett heran und ließ die Hand seines Verlobten nicht los. Ein Blick von ihm genügte, dass Viktor die Hoffnung fand, diesen schrecklichen Unfall eines Tages hinter sich zu lassen.

Er beugte sich über den jungen Japaner, welcher ihn mit roten Wangen betrachtete. Etwas Farbe war in sein Gesicht zurückgekehrt.
 

„Darf ich dich küssen?“, erkundigte sich Viktor.
 

Der Schwarzhaarige blinzelte ihn mehrmals an und nickte anschließend leicht. Der zarte Rotschimmer auf seinen Wangen wurde eine Nuance kräftiger. Yuuris Atem streifte seine Lippen, ließ ihn ein wenig erschaudern, bis er seine schließlich sanft auf die seines Verlobten legte. Yuuris sonst so weiche Lippen waren spröde, doch Viktor störte es nicht. Es fühlte sich dennoch fantastisch an, ihn endlich wieder küssen zu können.

Nach ihrem ersten Kuss beim Cup of China kam es öfter vor, dass Viktor diese Nähe zu ihm suchte. Anfangs spürte man Yuuris Unbehagen und starke Nervosität, aber es war der Tatsache geschuldet, dass Yuuri keine Erfahrungen mit dieser Art der körperlichen Nähe hatte. Er wollte Viktor genauso gerne küssen, wie er ihn, aber seine Unsicherheit stand ihm im Weg.
 

Wann immer sie Zeit für sich hatten ergriff Viktor seine Chancen. Es gab nie Momente in denen Yuuri ihn zurückwies, es sei denn es war in der Öffentlichkeit, dann kam es vor, dass Yuuri ihn mit hochrotem Kopf von sich drückte. Den Russen belustigte diese Schüchternheit jedes Mal; ab und zu tat er es aus Jux.

Während der körperliche Kontakt anfangs öfter von Viktor ausging, fing Yuuri auch bald damit an seine Nähe zu suchen. Umarmungen und Küsse wurden zu einer alltäglichen und schönen Geste. Eines Abends, es musste kurz nach dem Cup of Russia gewesen sein, kam Yuuri abends in sein Zimmer und fragte ihn ob er bei ihm schlafen durfte nach einem schlimmen Alptraum. Viktor fragte ihn zwar danach, aber er hatte ihm nie erzählt worum es ging. Ohne ihn mit weiteren Fragen zu löchern, streckte er ihm einen Arm entgegen und bat seine Hand an. Viktor erinnerte sich genau an seine feuchten Augen und wie er sich zitternd an ihn schmiegte. Sein Bett fühlte sich so warm und geborgen wie noch nie an mit Yuuri in seinen Armen.

Von diesen Abend an schliefen sie meistens gemeinsam in einem Bett. Hotelzimmer für ihre Reisen und Turniere buchten sie zwar mit zwei Betten, dennoch wurden diese entweder zusammengeschoben oder es wurde sich einfach ein Bett geteilt.
 

Etwa einen Monat nach dem Cup of Russia und kurz vor Yuuris Geburtstag lud Viktor ihn zu sich nach Sankt Petersburg ein um ihm die Stadt und sein zu Hause zu zeigen. Es war weder ein Hotel noch eine Wohnung die sie sich mit Familie oder Freunden teilten und so waren sie das erste Mal alleine und ungestört in einer Wohnung.

Es wurde bis zu diesem Zeitpunkt nie ausgesprochen, dennoch war Beiden bewusst, was sie für einander empfanden. Sie verbrachten den Abend vor Yuuris Geburtstag in einem feinen Restaurant, genossen das gute Essen und den Wein, welchen Yuuri wie üblich schlechter vertrug als sein Trainer, dennoch übertrieben sie es nicht.

Angestachelt vom Alkohol war Yuuri es, der den ersten Schritt machte, um Viktor körperlich so nah wie möglich zu kommen. Als sie spät nachts zurück in der Wohnung des Russen waren, zog Yuuri ihn mit sich ins Schlafzimmer und küsste ihn leidenschaftlich. Seine Hände wanderten etwas unbeholfen an Viktors Körper hinunter. Dieser grinste mit Vorfreude und einem starken Kribbeln im Bauch in den Kuss hinein, bis er schließlich die Führung übernahm. Seine Hände griffen die Taille des Schwarzhaarigen, er zog ihn an sich, ließ seine Zunge über Yuuris Lippen gleiten und führte ihn zum Bett, wo sie das erste Mal miteinander erlebten. Viktor nahm sich so viel Zeit wie möglich um seinem Partner ein unvergessliches erstes Mal zu bereiten. Während solche Berührungen für seinen Schützling etwas völlig Neues waren, hatte Viktor schon ein wenig Erfahrung.

Sie taten es mehr als nur einmal, sammelten Erfahrungen darüber was dem anderen gefiel mit Händen und Mund, das Einzige was noch ausstand war die wirkliche Vereinigung miteinander, aber es war etwas was Viktor nicht unbedingt in der Saison tun wollte. Ihm war klar, dass die ersten Male schmerzhaft werden würden für Yuuri und das wollte er ihm nicht antun, auch wenn dieser selbst es versuchen wollte.
 

Nach einigen Minuten unterbrach Viktor den Kuss, küsste ihn erneut kurz auf den Mund und auf die Nase, bevor er sich mit einem warmen Lächeln auf den Lippen wieder aufrichtete. In diesem Moment wurde ihm bewusst wie kostbar und wie kurz das Leben war. Unendlich dankbar dafür, dass er sein Leben mit Yuuri fortsetzen durfte, schwor er sich ihn zu beschützen und ihn zu lieben, solange er Luft zum Atmen in seinen Lungen besaß.
 

Plötzlich spürte Viktor wie Yuuris Hand anfing unkontrolliert zu zucken. Verwirrt blickte er auf und bemerkte wie sich die Augen seines Verlobten nach Hinten drehten. Er schluckte. Sein Magen zog sich in böser Vorahnung zusammen.
 

„Yuuri?“
 

Eine der Maschinen fing laut an zu piepsen und Viktor konnte erkennen, dass sein Puls gefährlich niedrig fiel.
 

„Yuuri?!“
 

Als er aufspringen wollte um Hilfe zu holen, fühlten sich seine Glieder träge und schwer wie Beton an. Die Hilflosigkeit umklammerte seinen Körper erneut und erdrückte ihn. Noch ehe er die Zimmertür erreichen konnte, stürmten zwei Schwestern und eine Ärztin hinein. Sie nahmen nur wenig Notiz von ihm und rannten zum Patienten.

Sie versuchten ihn mehrmals anzusprechen, während die Ärztin mit einer kleinen Leuchte Yuuris Pupillenreaktion prüfte. Auf die Entfernung konnte Viktor nur erkennen, dass sie noch immer weit nach hinten gedreht waren. Bei dem Anblick durchfuhr ihn die Übelkeit. Wie versteinert stand er in einer Ecke des Zimmers und konnte nur in Zeitlupe erfassen, was vor sich ging. Als eine Schwester ihn nun doch wahrnahm, führte sie ihn hastig hinaus und verschloss die Tür. Diese hatte kein Fenster und alles was Viktor tun konnte, war abzuwarten.
 

Er wusste nicht was dort eben mit Yuuri passiert war. Es sah aus als hätte er sein Bewusstsein verloren, doch das heftige Zucken und das Absinken seines Pulses sagten ihm, dass er nicht einfach nur eingeschlafen war. Das Bild hatte sich in sein Hirn gebrannt. Diesmal kamen keine Tränen. Viktor stand einfach nur mitten auf dem Flur, während das Krankenhaus langsam erwachte und Menschen an ihm vorbei liefen. Die Sonne war aufgegangen und ein neuer Tag hatte begonnen. Ärzte liefen um ihn herum, Besucher zogen an ihm vorbei. Er konnte ein junges Mädchen weinen hören, einen jungen Mann fluchen, Ärzte präsentierte medizinische Fakten sachlich; doch all das nahm er nur unterbewusst wahr. Seine Welt war dabei in sich zusammen zu stürzten.
 

Die Tür zur Yuuris Zimmer öffnete sich nach einigen Minuten, welche sich endlos für den Eisläufer anfühlten. Die Ärztin kam auf ihn zu; ihr Ausdruck war undefinierbar.
 

„Herr Nikiforov.“, begann sie und legte eine Hand an seinen Oberarm. „Wir müssen ihnen leider schlechte Nachrichten überbringen.“

1000 Kraniche

„Mehr Spannung, Vitya!“, rief Yakov mit düsterer Miene. „Das sage ich dir jetzt zum sechsten Mal. Mehr Spannung, mehr Ausdruck, mehr Hingabe!“
 

Keuchend stützte der Angesprochene seine Hände auf die Knie. Schweißtropfen landeten auf dem Eis unter ihm. Seit Stunden trainierte er jetzt ein und denselben Sprung, welchen er normalerweise problemlos ausführen konnte und stand. Der vierfache-Salchow war Viktors Paradedisziplin und dennoch konnte er keine guten Ergebnisse abliefern.

Wütend richtete sich sein Blick zur Bande wo Yakov stand und noch immer mit ihm schimpfte. Seit einer Woche versuchte Viktor sich mit seinem Training abzulenken, doch es machte alles nur noch schlimmer.
 

„Mittagspause!“, rief jemand hinter Viktor. Der russische Yuri fuhr um ihn herum und stoppte genau vor ihm. Langsam kam er wieder zu Atem und richtete sich auf.
 

„Du schwächelst, alter Mann.“ Der Goldmedaillengewinner von diesem Jahr betrachtete ihn von oben herab, obwohl er gute zwei Köpfe kleiner war als er selbst. „Je länger du trainierst desto schlimmer wird’s werden.“
 

Viktor nahm wenig Notiz von ihm und seinem Kommentar. Emotionslos fuhr er zur Bande und verließ das Eis. Mila und andere Eiskunstlaufkollegen zogen sich bereits ihre Schlittschuhe aus und ihre Jacken über.

„Kommst du heute mit?“, fragte die rothaarige Russin ihn mit einem erwartungsvollen Lächeln, doch er schüttelte den Kopf.

„Ich besuche Yuuri.“, antwortete er knapp, zwang sich ihr Lächeln aus Höflichkeit zu erwidern. Auch wenn ihm nicht nach Lächeln zumute war, er konnte es dank jahrelanger Übung vor Fans und bei Pressekonferenzen perfekt faken. Mila nickte verständnisvoll, so wie sie es jeden Tag tat, nachdem Viktor ihnen absagte.
 

Sie liefen gemeinsam nach draußen, Viktor trennte sich am Ausgang von der Gruppe. Sie liefen nach rechts zu ihrem üblichen Restaurant, während der Grauhaarige links abbog, um zum Krankenhaus zu gelangen. Es waren nur fünfzehn Minuten Fußweg und so erreichte er es recht zügig.
 

Zwei Wochen waren seit dem Unfall vergangen. Zwei Wochen waren vergangen seitdem Yuuri ins Koma gefallen war, nachdem Viktor angenommen hatte, sie hätten das schlimmste überstanden. Doch das Schicksal war ja bekanntlich ein mieser Verräter.

Die Ärzte meinten das Koma wurde durch das Schädel-Hirn-Trauma hervorgerufen. Yuuris Hirnfunktionen wurden auf ein Minimum heruntergefahren, um eine schnelle Heilung zu gewährleisten. Yuuri nahm keine äußeren Reize mehr wahr, sei es Licht oder gar Schmerzen, ebenso war er nicht in der Lage selbstständig zu atmen. Die Ärzte klangen zwar positiv, doch die Tage vergingen und Yuuris Zustand blieb unverändert.
 

Eine Schwester erklärte ihm, dass sein Verlobter seine Stimme und seine Anwesenheit wahrnehmen konnte, doch Viktor glaubte nicht daran. Yuuri war in einem Zustand der völligen Bewusstlosigkeit gefangen, wie konnte sie da behaupten, er würde merken, dass Viktor bei ihm war. Trotzdem besuchte er ihn in jeder freien Minute. Die erste Woche verbachte er ununterbrochen in seinem Zimmer. Zwei Tage nach dem Unfall flogen seine Eltern nach Russland um ihren Sohn zu besuchen. Mari, seine Schwester, leitete währenddessen den Onsen weiter, weshalb seine Eltern auch nur wenige Tage bleiben konnten. Viktor wusste, dass es sie finanziell stark belasten würde und so hielt er es für selbstverständlich ihren Aufenthalt zu bezahlen, ebenso ein Hotel, damit sie bei ihrem Sohn sein konnten. Weinend fiel Yuuris Mutter ihm in die Arme, als sie ihn an seinem Bett sitzen sahen. Der Eisläufer schaffte es die Tränen bei sich zu halten. Also verbachten sie die nächsten drei Tage gemeinsam bei Yuuri, bis sie sich schweren Herzens wieder verabschieden mussten.

Kurz bevor sie das Krankenhaus verließen, sprach Yuuris Vater noch einmal mit ihm. Er vergewisserte sich, dass Viktor sich keine Schuld daran gab, denn Yuuri würde es sicher sehr traurig machen, Viktor leiden zu sehen. Im selben Atemzug gab er ihm seinen Segen in Zukunft sich gut um seinen Sohn zu kümmern. In diesem Moment liefen Viktor Tränen über sein Gesicht und eine Umarmung folgte.
 

Die erste Woche neigte sich dem Ende. Ab und zu besuchten Yuri und Mila ihren japanischen Eiskunstlaufkollegen. Auch Phichit und sein alter Trainer Celestino besuchten ihn die Woche mehrere Male, bevor sie wieder nach Thailand abreisen mussten. Selbst Yakov ließ sich noch einige Male blicken. Viktor wusste es zu schätzen. Sein Trainer war zwar kein Mann der großen Worte, aber er zeigte ihm dafür, dass er sich durchaus auch um Yuuri sorgte.

Als die zweite Woche anbrach versuchten Yuri, in seiner forschen Art und Mila, um einiges freundlicher, Viktor wieder aufs Eis zu bewegen. Zwar wusste er ganz genau, dass sie die Phrase „Yuuri würde es sicher so wollen.“ benutzten um ihn zu manipulieren, dennoch wirkte es.
 

Morgens erschien Viktor beim Training, in seiner Pause besuchte er seinen Verlobten, bis er wieder zur Eishalle zurückkehrte um abends nach Hause zu gehen um sich um Makkachin zu kümmern und wenigstens ein wenig Schlaf zu bekommen.

Das Training lief furchtbar, denn seine Gedanken hingen stetig im Krankenhaus bei Yuuri, außerdem war sein Körper erschöpfter denn je, durch den Nahrungsmangel und die Ermüdung, welcher er ausgeliefert war. Ihm fehlte der Appetit und nachts bekam er kaum ein Auge zu.
 

„Guten Tag, Yuuri.“, begrüßte er seinen Verlobten als er das Zimmer betrat. Mittlerweile wurde der junge Japaner in ein anderes Zimmer verlegt, es war heller und freundlicher, aber Viktor musste gestehen, dass er die Fenster, Bilder und den Fernseher zynisch fand, für einen Koma-Patienten. Anderseits war es einfach ein normales Patientenzimmer.
 

„Yurio meinte heute zu mir ich würde alt werden, weil ich beim Training nicht mithalten konnte. Frech von jemanden der noch so Grün hinter den Ohren ist, oder? Aber ich nehme es ihm nicht übel.“
 

Viktor erzählte ihm Meistens von seinem Tag oder wenn ihm nichts mehr einfiel, da seine Tage doch sehr eintönig waren, las er ihm etwas vor. Ironischerweise war es ein Buch für Angehörige eines Koma-Patienten. Seufzend setzte er sich auf den Stuhl neben seinem Bett und blätterte zum nächsten Kapitel.
 

„Sie wissen es vielleicht noch nicht, aber sie als Angehöriger sind eine der wichtigsten Personen, die dort am Patientenbett steht. Aus Berichten ehemaliger Patienten, konnte man in Erfahrung bringen, dass ihre Anwesenheit ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit gibt“, las Viktor laut vor und seufzte nach dem Satz. So sehr er hoffte, es würde stimme, er zweifelte noch immer an dem Wahrheitsgehalt.

„Es reicht als Angehöriger für den Patienten da zu sein; die Hand zu halten, von ihrem Tag zu erzählen, vorzulesen sind äußerst wichtig für den Patienten. Sprechen sie mit entspannter Stimme, auch ein Lachen kann helfen…“
 

Viktor hielt inne. Er setzte sich aufrecht hin und atmete tief ein. Er versuchte so natürlich wie möglich zu Lachen, dennoch klang es etwas gekünstelt. Seitdem Yuuri ins Koma gefallen war, konnte Viktor sich nicht daran erinnern gelacht zu haben. Hier und da ein Lächeln um seine Mitmenschen zufrieden zu stellen, doch ein herzliches Lachen lag gute zwei Wochen zurück.

Er ließ die Schultern hängen. Wie erwartet kam keine Reaktion von Yuuri. Er lag einfach da, angeschlossen an den ganzen Maschinen und Schläuchen, wirkte trotz allem als würde er nur schlafen.
 

„Hey Yuuri, ich muss das doch nicht persönlich nehmen, dass du mich nicht beachtest, oder?“, fragte der Russe mit einem traurigen Schmunzeln.
 

Plötzlich klopfte es an der Zimmertür. Viktor schaute über die Schulter und musste feststellen, dass der russische Yuri ihm anscheinend gefolgt war und nicht wie die Anderen zum Mittagessen gegangen ist. Mit üblicher grimmiger Miene trat er ein, kramte kurz in seinem Rucksack und warf Viktor etwas ovales, verpacktes in Papier in den Schoss.
 

„Du musst was essen.“, antwortete er auf Viktors fragendes Gesicht hin. Er stellte sich an die andere Seite des Bettes, doch trotz Stuhl blieb er mit Händen in den Hosentaschen stehen.
 

„Pirozhki?“, fragte der Grauhaarige, als er das kleine Päckchen vor ihm ausgepackt hatte.
 

„Katsudon-Pirozhki.“, korrigierte Yuri ihn. „Von meinem Großvater.“
 

Viktor bedankte sich für die Aufmerksamkeit und knabberte ein wenig daran herum, während der Blonde eine Art Entschuldigung aus sich heraus quälte. Seine Äußerung auf dem Eis sollte keine Beleidigung sein, sondern vielmehr ein Hinweis es nicht zu übertreiben.
 

„Die Wahrheit ist… du bist völlig am Ende. Physisch und Psychisch. Hat auch Yakov längst bemerkt. Ich glaube, sein ganzes Gemecker ist seine Art seine Sorge um dich auszudrücken.“, murmelte Yuri. Viktor nickte, danach rutschte er mit seinem Stuhl zurück und stand auf.
 

„Ich geh mir einen Kaffee holen. Möchtest du auch etwas? Einen Kakao oder so?“
 

Wütend zog Yuri eine Augenbraue hoch. „Auch einen Kaffee! Schwarz!“
 

Auf dem Weg in den Aufenthaltsraum bemerkte Viktor die Blicke der Menschen die ihn verfolgten. Gerade in Sankt Petersburg kannte die lebende Eiskunstlauflegende so gut wie jeder. Ebenso hatte jeder von dem Unfall gehört und nun klebten die mitledigen Blicke auf ihm. Mit einem lauten Seufzen holte er Kleingeld aus seiner Tasche und steckte dieses in einen Kaffeeautomaten. Der Automat erhitzte sich. Das laute Zischen übertönte fast den Fernseher, welcher in einer Ecke des Aufenthaltsraums hing, dennoch vernahm Viktor plötzlich Yuuris Nachnamen „Katsuki“ und wendet sich augenblicklich zum Bildschirm.

Er trat näher, ignorierte dabei die Blicke der anwesenden Leute, drehte den Fernseher sogar noch lauter. Eine Reporterin berichtete erneut von Yuuris Unfall, dabei zeigten sie Ausschnitte von der Gala. Viktors Magen verkrampfte sich als er den Sturz in Nahaufnahme und HD erneut mitansehen musste. Plötzlich wechselte das Bild und man sah bekannte Gesichter der Eiskunstlaufgeschichte, wie sie dabei waren weiße Stückchen Papier zu falten. Seine Augen weiteten sich als er Mila und Yuri auf dem Bildschirm sah. Diese falteten ebenfalls und die Stimme der rothaarigen Russin ertönte auf einmal im Off-Text.
 

„Yuuri Katsuki ist nicht nur unser Kollege er ist auch unser Freund. Wir haben uns überlegt was wir für ihn tun könnten und im Gespräch mit japanischen Eislaufkollegen kamen wir auf eine alte japanische Tradition. Ein Kranich kann, der Legende nach, tausend Jahre alt werden. Wenn man nun tausend Papierkraniche für einen kranken Menschen faltet, so heißt es, wird er wieder gesund.“, erklärte Mila in dem Beitrag.
 

Mit leicht geöffneten Mund betrachtete Viktor das Geschehen im Fernseher. Er fragte sich, wann sie diese Idee hatten, wann sie dieses Interview gaben und wieso sie ihn nicht eingeweiht hatten. Gemischte Gefühle überwältigend ihn.
 

„Diese Aktion soll eine weltweite Anteilnahme zeigen und nicht nur Yuuri Katsuki, sondern auch seinem Trainer und ebenfalls unseren Freund Viktor Nikiforov Kraft schenken.“
 

Eine Gänsehaut erstreckte sich über seinem gesamten Körper. Viktor war es so Leid zu weinen, doch er konnte nichts gegen die Tränen tun, welche über seine Wangen liefen. Yuri tauchte hinter ihm auf. Die Beiden sahen sich kurz schweigend an, danach lehnte der Blonde sich gegen die Wand und verschränkte die Arme.

Viktor wendete sich wieder dem Bildschirm zu. Eiskunstläufer der ganzen Welt wurden gezeigt wie sie weißes Papier falteten und kleine Origami-Kraniche in die Kamera hielten.

Japaner, Amerikaner, Russen, Italiener, Deutsche, Spanier, Franzosen… Die Liste nahm kein Ende. Es waren sowohl bekannter Gesichter darunter, wie auch völlig Fremde. Ob männlich oder weiblich, jung oder alt, etliche Menschen zeigten ihre Anteilnahme und Unterstützung. Viktor lächelte. Er fing an zu lachen, während ihm die Tränen wasserfallartig übers Gesicht flossen.
 


 

„Wann habt ihr das alles organisiert?“, erkundigte sich Viktor, nippte an dem heißen, schwarzen Kaffee in seiner Hand.
 

Nach dem Beitrag liefen die beiden Eisläufer zurück in Yuuris Zimmer, schlossen die Tür und setzten sich. Viktor war noch immer überwältigt, aber die Fragen in seinem Kopf häuften sich.
 

„War Milas Idee.“, fing Yuri an zu erklären. „Wir haben uns gemeinsam ausgetauscht, mit alten Freunden von Yuuri - aus Detroit waren die, glaube ich - darunter waren auch japanische Läufer und die haben uns auf die Idee mit den Kranichen gebracht. Alles war besser als nur abzuwarten… wir wollten dich überraschen, deshalb haben wir dich nicht eingeweiht. Dass der Beitrag gerade jetzt lief war aber nur ‚ne Zufall.“
 

Viktor lächelte ihn breit an und nickte. Der Blonde nahm einen großen Schluck von dem schwarzen Kaffee der ihm spendiert wurde, schluckte es schnell herunter um dem bitteren Geschmack zu entkommen. Sein Gegenüber verkniff sich jeglichen Kommentar.
 

„Wehe, du umarmst mich jetzt, oder sowas. Kannst du gerne mit der alten Hexe machen.“, fauchte Yuri und der Ältere lachte erneut.
 

„Ich danke euch von ganzem Herzen.“
 

Yuri machte sich nach seinem Kaffee wieder auf dem Weg zur Eishalle, während Viktor noch eine Weile bei seinem Verlobten bleiben wollte. Er versicherte seinem jungen Kollegen bald nachzukommen und bat ihn Yakov auszurichten, dass es ihm Leid täte – was es ihm nicht tat. Als der Blonde das Zimmer verlassen hatte, wendete sich Viktor wieder Yuuri zu.

Mit seinem Smartphone suchte er nach dem Beitrag, welcher bei Youtube schon mehrere tausend Aufrufe hatte. Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nachdem er Yuuri das Video vorgespielt hatte, las er ihm noch einige Kommentare vor, welche überraschenderweise alle positiv ausfielen. Es waren überwiegend Genesungswünsche, welche an den jungen Japaner gerichtet wurden.
 

„Du wirst du so sehr geliebt, Yuuri. Ich hoffe, dass du das weißt.“, flüsterte er ihm ins Ohr und gab ihm einen Kuss auf seine Stirn. Es waren nur zwei Wochen und sein Haar war bereits ein kleines Stück gewachsen. Nicht mehr lange und es würde genauso lang wie vor dem Unfall sein. Wenn doch nur alles so schnell gehen würde.
 

Mit einem Seufzen erhob er sich aus seinem Stuhl.
 

„Ich muss zurück zum Training, sonst köpft mich Yakov noch.“, erklärte er seinem Verlobten. Er packte seine Sachen zusammen, zog sich seine Jacke über und wollte gerade die Zimmertür öffnen…
 

„…Viktor.“
 

Dem Angesprochenen stockte der Atem als er diese Stimme hörte. Als er sich umdrehte setzte sein Herz beinahe aus. Yuuris Augen waren geöffnet und er schaute ihn an. Sein Blick war müde, aber er sah ihn genau an. Als die Anspannung seinen Körper verließ, stieß Viktor mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Erleichterung die Luft aus seinen Lungen. Langsam lief er zurück zu Yuuris Bett, welcher ihn mit seinem Blick folgte.
 

„Yu-Yuuri? Du bist wach?“, stammelte der Ältere.

Nachwirkungen

„…Viktor.“, murmelte Yuuri erneut.
 

Seine Stimme war durch die Atemmaske gedämpft und er versuchte diese benommen von seinem Gesicht zu streifen. Viktor, welcher zunächst wie angewurzelt im Türrahmen stand, lief nun langsam auf ihn zu. Er wollte zu ihm eilen, doch seine Glieder waren schwer, beinahe gelähmt vor Ungläubigkeit.
 

„Yuuri.“, kam es mit wackliger Stimme gerade noch aus seinem Mund, bevor diese versagte.
 

Der Angesprochene war noch immer damit beschäftigt sich der Atemmaske und den vielen Schläuchen zu entledigen. Viktor riss sich zusammen, versuchte klar zu denken und betätigte schnell einen Knopf, um eine Schwester ins Zimmer zu rufen. Danach nahm er Yuuris Hände in seine, bemerkte seinen verängstigten Blick.

Instinktiv streichelte er mit seinen Daumen über Yuuris Handrücken und sprach ihm beruhigende Worte zu.
 

„Alles ist gut, ich bin bei dir.“, flüsterte er. Yuuris Hände waren eisig, doch Viktors Puls beschleunigte sich als dieser leichten Druck auf seine Hände ausübte. Es war kein Traum, sein Schützling war wirklich wach.
 

Keine Minute später kam eine Schwester ins Zimmer geeilt. Als sie sah, dass der Patient bei Bewusstsein war, holte sie einen Arzt, welcher Viktor bat beiseite zu gehen, doch Yuuri hielt ihn fest und schüttelte leicht den Kopf.

Etwas widerwillig brummte der Arzt, doch ließ die Beiden Körperkontakt halten, während er Yuuris Vitalwerte untersuchte. Seine Körpertemperatur, sein Puls und Blutdruck waren dabei auf einen Normalwert anzusteigen. Vorsichtig entfernte die Schwester auf Anweisung seine Atemmaske um festzustellen, ob er schon alleine wieder atmen konnte. Yuuri gab keinen Mucks von sich, während er untersucht wurde, auch beim Entfernen der Maske nicht. Er demonstrierte mit einem lauten Atmen durch den Mund, dass er das Gerät nicht benötigte.
 

Viktor beobachtete das Szenario angespannt. Hätte man seinen Blutdruck und Puls gemessen, wären die Werte wohl besorgniserregend hoch gewesen. Das Gesicht des Arztes war hart und ernst, was ihn Älter wirken lies als er in Wirklichkeit war. Es war nicht der übliche Arzt welcher Yuuri betreute. Die Schwester schenkte ihm ein warmes Lächeln und ein leichtes Nicken.
 

„Всебудетхорошо.“, flüsterte sie ihm zu und Viktors Anspannung löste sich langsam. Es bedeutete, dass alles gut werden würde.
 

„Nun, das sieht doch schon Mal sehr gut aus.“, sagte er plötzlich. Er sprach direkt auf Englisch, damit sein Patient ihn auch verstehen konnte. Der japanischen Sprache war er leider nicht mächtig.

„Sagen sie mir bitte wie sie heißen und wann sie geboren wurden?“, fragte er ihn.
 

Yuuri blinzelte einige Male, sein Blick wandte sich nach unten. Er schien zu überlegen. Nach ein paar Sekunden sprach er langsam: „Yuuri Katsuki. Ehm.. 29. November 1993.“
 

Viktor lächelte. Seine Augen brannten und er spürte wie sie feuchter wurde. Es war überwältigend nach der langen Zeit endlich wieder die Stimme seines Verlobten zu hören. Er sprach noch langsam, aber dafür klar und deutlich.
 

„Sehr gut. Erinnern sie sich daran was passiert ist?“
 

Wieder dachte der Angesprochene kurz nach, doch diesmal wirkte er etwas gequält. Er kniff die Augen enger zusammen und seine Mundwinkel verzogen sich nach unten.
 

„Die Gala. Ich bin gestürzt.“, antwortete er knapp und fing an zu zittern. Viktor drückte seine Hand ein wenig fester.
 

„Ja. Sie hatten einen schweren Unfall, Herr Katsuki. Sie wurden eingeliefert mit einer Schädelfraktur, Blutungen im Gehirn, sowie einem Wirbelbruch der Halswirbelsäule – deswegen auch die Halskrause, welche sie Bitte sicherheitshalber noch eine Woche um lassen. Sie lagen anschließend 2 Wochen im Koma.“, erklärte ihm der Arzt ruhig. „So wie es aussieht haben sie verdammt großes Glück gehabt. Patienten mit so einer Geschichte wachen meistens nicht auf, als wäre nichts gewesen.“
 

Yuuri nickte leicht und man konnte deutlich den Kloß in seinem Hals erkennen. Es war eine gewaltige Informationsflut welche auf ihn niederprasselte und er war noch keine 30 Minuten wieder wach. Viktor fühlte sich noch immer machtlos. Alles was er tun konnte war seine Hand halten, doch er konnte niemals ungeschehen machen, was passiert war. Er schloss die Augen und atmete tief ein, versuchte dabei keine Aufmerksamkeit zu erregen.
 

„Haben sie Schmerzen?“, fragte die Schwester, während der Arzt sich einige Notizen machte.
 

„Kaum.“, murmelte Yuuri, scheinbar mit den Gedanken wo anders.
 

„Sehr gut. Wir werden sie dann ausruhen lassen, bevor weitere Tests folgen. Lassen sie alles ganz langsam angehen, lassen sie sich von ihrem Partner helfen und drücken sie diesen Knopf wenn sie Schmerzen oder Fragen haben.“, erklärte sie ihm, ebenfalls auf Englisch.
 

Beide waren dabei das Zimmer zu verlassen, als Yuuri sich plötzlich aufrichtete. Viktor war überrascht, stützte aber sofort seinen Rücken, als er sah wie sich das Gesicht seines Schützlings schmerzhaft verzog.
 

„Werde ich wieder Eislaufen können?“, fragte er energischer, als seine ersten Worte.
 

Viktor verkrampfte. Eine Frage die er sich seit zwei Wochen immer wieder voller Schuld selbst stellte und nun stand sie im Raum. Der russische Eisläufer schluckte, traute sich kaum seinen Blick dem Arzt zuzuwenden.

Als er es endlich tat, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken, denn der Blick ließ nichts Gutes verheißen.
 

„Nun… es ist zu früh um darüber eine genaue Aussage treffen zu können, Herr Katsuki. Aber leider lässt sich mit großer Sicherheit sagen, dass sie diese Session aussetzen werden, wahrscheinlich auch die Darauffolgende.“
 

Viktor spürte wie Yuuris Körper bebte. Er sackte wieder ins Bett und gab keine Antwort, sodass der Arzt und die Schwester nach einem Blickaustausch und einer Entschuldigung das Zimmer verließen.

Die Beiden waren allein und niemand sagte ein Wort. Viktor hielt einfach nur Yuuris Hand, während dieser kaum hörbar ab und zu wimmerte. Es brach dem Russen das Herz. Schuldgefühle fraßen ihn von innen auf, doch er versuchte stark zu bleiben.
 

Die Minuten vergingen, während sie weiterhin schwiegen, bis Yuuri sein Gesicht Viktor zuwandte. Traurige, glasige Augen schauten ihn an, doch ein sanftes Lächeln folgte, welches er automatisch erwiderte. Er wusste, dass der junge Japaner mit aller Kraft versuchte die Tränen zurückzuhalten.
 

„Du warst jeden Tag hier und hast meine Hand gehalten.“, murmelte er plötzlich.
 

„Wo-Woher…?“
 

Überrascht und doch mit einer Woge der Freude, welche durch seinen Körper zog, blinzelte er den Schwarzhaarigen an. Hatte die Schwester und die Bücher doch Recht behalten? Hatte Yuuri seine Anwesenheit spüren können?
 

„Ich… habe viel geträumt, wusste aber irgendwie trotzdem was los war. Ich hab‘ deine Stimme hören können und deine Hand spüren können. Es waren auch Andere hier. Ich habe meine Mutter gehört.“, erzählte er seinem Trainer, welcher kräftigt nickte.
 

„Ja, deine Eltern waren wirklich hier.“
 

Es hatte keinen Sinn sich noch weiter anzustrengen. Die Tränen kullerten über Yuuris Wangen.
 

„I-Ich… stand barfuß, mit diesem weißen Kittel hier, auf dem Eis. Ich habe euch zugesehen beim Training und ich… wusste, dass ich euch künftig nur noch zusehen werde.“, sagte er mit zitternder Stimme, während die Tränen weiterhin liefen.

Viktor setzte sich auf das Bett und beugte sich zu ihm. Er legte beide Hände an Yuuris Wangen und wischte mit seinen Daumen die Tränen weg.
 

„Das weißt du noch nicht. Du bist stark. So viel stärker als du weißt und außerdem noch jung. Ich bin mir sicher, dass du wieder auf dem Eis stehen wirst.“
 

Viktor klang so ernst, so erwachsen und einfühlsam, wie Yuuri es noch nie erlebt hatte. Er griff nach den Armen seines Trainers und vergrub seine Finger in dessen Jacke, schluchzte dabei heftig. Der Russe wollte sich entschuldigen. Er wollte Yuuri sagen, dass es ihm schrecklich Leid tat, ihn angetreten haben zu lassen, doch er wusste es würde Yuuri rein gar nichts bringen.
 

„Alles was im Moment zählt ist, dass du wach bist. Ich hatte so eine verdammte Angst dich zu verlieren, Yuuri.“, sagte sein Trainer mit bebender Stimme. Anscheinend hatte er die vergangenen Wochen noch nicht genug Tränen vergossen, denn in diesem Moment flossen auch über seine Wangen welche. Sein Körper zitterte. Er legte vorsichtig seine Stirn gegen die seines Partners und gemeinsam weinten und lachten sie zur selben Zeit.
 

Beiden war klar, dass ihnen schwerer Zeiten bevorstanden, aber so lange sie einander hatten, würden sie alles schaffen.
 


 

Die Tage vergingen und Yuuri wurde jeden einzelnen davon mehrfach untersucht. Bisher wurden keine gravierenden Folgeschäden festgestellt. Zumindest was seine kognitiven Fähigkeiten anging. Die Ärzte betonten jedes Mal welches Glück er gehabt hatte nach solch einer Kopfverletzung und Viktor machte es jedes Mal wieder wütend. Natürlich hätte es noch schlimmer kommen können, doch Yuuris motorische Fähigkeiten waren dennoch betroffen. Er hatte so starke Gleichgewichtsstörungen, dass er nicht laufen konnte und auf einen Rollstuhl angewiesen war. Für einen professionellen Eiskunstläufer war das nicht gerade die Definition von "Glück gehabt".
 

"Diese Gleichgewichtsstörungen sollten mit der Zeit nachlassen. Die Trainierbarkeit der koordinativen Fähigkeiten ist in ihrem Alter noch hoch.", erklärte der behandelnde Arzt. "Dafür stellen wir Ihnen wie besprochenen einen Physiotherapeuten zur Seite. Frau Nikolajew wird sich noch heute bei Ihnen melden zwecks der gewünschten häuslichen Betreuung."
 

Viktors Griff um die Halterung von Yuuris Rollstuhl verstärkte sich. Vor ein paar Tagen hatten sie Yuuris zukünftige Physiotherapeutin Eva Nikolajew kennengelernt. Eine rothaarige Schönheit Mitte zwanzig und obwohl Viktor es besser wissen sollte, machte es ihn eifersüchtig. Yuuri hatte gesagt, sie würde ihn an Yuuko, seine älteste Freundin aus Hasetsu erinnern, was die Sache nicht unbedingt besser machte.

Den Japaner belustigte es wenn sein Trainer deswegen anfing zu grummeln. Viktor nahm es deshalb gerne in Kauf.
 

"Gut, das sollte dann vorerst alles sein. Ich wünsche ihnen weiterhin gute Besserung und solch schnelle Fortschritte, Herr Katsuki." verabschiedete sich der der Arzt von ihm.
 

Yuuri musste nachdem er aufgewacht war, noch zwei weitere Wochen im Krankenhaus bleiben, doch nun durfte er endlich nach Hause. Er und Viktor bedankten sich bei den Ärzten und Schwestern für alles und machten sich schließlich auf den Weg.
 

"Ich hoffe, Makkachin erkennt mich noch", scherzte der Schwarzhaarige, als sie in den Aufzug einstiegen.
 

"Sie erwartet dich sehnsüchtig!", antwortete Viktor.
 

Die Beiden arrangierten sich mit ihrer Situation und waren versprachen sich, für einander da zu sein, egal was noch auf sie zukommen würde. Ihre Beziehung ging weit über die eines Trainers und eines Schülers hinaus. Der Unfall hatte daran nichts geändert.

Yuuri ließ sich dank Viktors Halt nicht unterkriegen. Er hatte mit ihm allen Grund zu Lächeln, doch die Realisierung die nächste Session mit Sicherheit aussetzen zu müssen, traf ihn hin und wieder. Wann immer seine Unsicherheiten und Ängste ihn plagten, legte sich Viktor neben ihn, umarmte, streichelte und küsste ihn. Der Russe lernte allmählich mit den Emotionen seines Schützlings umzugehen.
 

"Bist du sicher, dass wir kein Taxi nehmen sollen?", fragte Yuuri, blickte über seine Schulter in die Augen seines Trainers.
 

"Mhm? Oh nein, nein, es ist ja nicht weit und die frische Luft tut dir sicher gut.", antwortete der russische Eisläufer mit seinem üblichen, sonnigen Gemüt. Tatsächlich war es ein schöner und warmer Frühlingstag in Sankt Petersburg.

Yuuri wirkte dennoch skeptisch, wegen Viktors Antwort.
 

"Möchtest du vielleicht noch einen Kaffee trinken?", fragte Viktor ihn mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
 

"Warum versuchst du Zeit zu schinden, Vitya?"
 

Ertappt versuchte er Yuuris Blick zu entkommen und sah stattdessen über die Straße. Er überlegte eifrig wie er das Thema unauffällig wechseln konnte, doch er wusste genau, dass man seinen Partner nicht so einfach täuschen konnte.
 

"Tue ich doch gar nicht! Ich möchte nur das schöne Wetter mit dir genießen.", redete er sich raus und Yuuri seufzte resigniert. Er beschloss nicht weiter nachzufragen und der Russe atmete erleichtert aus.
 

"Mhmm, na gut, lass uns noch einen Kaffee trinken gehen.", willigte der Schwarzhaarige schließlich ein.
 

Glücklich drückte Viktor seine Wange gegen die seines Schützlings und manövrierte den Rollstuhl sogleich in Richtung ihres Lieblingscafes.

Dort verbrachten sie gute zwei Stunden, tranken genüsslich ihren Kaffee, verspeisten Kuchen und lachten gemeinsam als wäre nie etwas gewesen. Selbst Yuuris Haar war bereits so lang wie vor dem Unfall.
 

"Meinst du ich sollte meine Eiskunstlaufkarriere an den Nagel hängen?", murmelte Yuuri in seine Tasse hinein während er nippte.

Viktor betrachtete ihn einige Sekunden bevor er antwortete. "Ich habe mal zu dir gesagt, ich würde mir wünschen, dass du nie zurücktrittst. Weißt du, was ich damit gemeint hatte?"
 

"Ehm... das sich unsere Wege als Trainer und Schüler nicht trennen?"
 

Es war eher eine Gegenfrage als eine Antwort. Viktor lächelte.
 

"Das sich unsere Wege generell nicht trennen. Ich wollte… ich möchte, immer mit dir zusammenbleiben. Auch wenn du zurücktrittst. Auch wenn ich zurücktrete. Immer."
 

Yuuris Wangen färbten sich nach diesem Geständnis dunkelrot und er erwiderte das breite Lächeln seines Trainers.
 

"Du weißt, ich liebe es dir zuzusehen wenn du auf dem Eis läufst, und als dein Trainer ist meine Antwort klar, aber es ist deine Entscheidung. Was immer du tust, ich stehe hinter dir."

Er nahm Yuuris Hand und drückte sie, spürte wie schnell sein Herz gegen seinen Brustkorb schlug, als dieser glücklich nickte.
 

Gesättigt und fröhlich verließen sie das Cafe und machten sich auf den Heimweg. Zum Glück hatte der Wohnblock einen Fahrstuhl, denn ihr Apartment lag im fünften Stock. Viktor kramte nach den Hausschlüssel und öffnete dir Tür. Die Lichter waren aus und die Fenster abgedunkelt. Misstrauisch zog Yuuri eine Augenbraue hoch doch im selben Moment sprang ihm Makkachin bellenden und wedelnd in die Arme. Sie winselte und weinte vor Freude ihr zweites Herrchen endlich wiederzusehen, schleckte ihm überschwänglich über sein Gesicht. Lachend wuschelte er durch das weiche Fell der Pudeldame.
 

"Hey, großes Mädchen! Ich hab dich vermisst!"
 

Plötzlich ging das Licht im Apartment an, die Vorhänge wurden geöffnet und Yuuri blickte in etliche vertraute Gesichter welche fröhlich riefen: "Willkommen zu Hause, Yuuri!!!"
 

Erschrocken fuhr der Japaner zusammen bevor er die ganzen Gesichter fokussieren konnte. Kollegen, Freunde und Familienmitglieder sprangen hinter der Einrichtung hervor, soviele das man sich wunderte wo sie alle Platz gefunden hatten. Sie hielten ein Banner in die Höhe mit gleicher Aufschrift. "Willkommen zu Hause, Yuuri!"
 

"Oh mein... Gott, Leute.", stammelte er überwältigt aber dennoch gerührt.
 

Seine Mutter fiel ihm überglücklich in die Arme und tastete dabei sein Gesicht ab nur um sicher zu gehen, wirklich ihren gesunden Jungen vor sich zu haben; gefolgt von seinem Vater. Seine Schwester hielt weiterhin die Stellung im Onsen, aber versprach nächste Woche ihren kleinen Bruder besuchen zu kommen.

Phichit und andere Freunde begrüßten ihn, unterhielten sich und lachten gemeinsam. Viktor hatte diese Willkommensfeier gemeinsam mit Yuri und Mila eingefädelt. Sie luden all ihre Kollegen und Freunde ein, sowie Yuuris Familie.
 

"Ich hab so etwas schon geahnt, als Viktor mich von zu Hause fern halten wollte.", gestand der Japaner mit einem breiten Lächeln im Gesicht, schaute mit großen Augen zu seinem Trainer. Dieser erwiderte sein Lächeln, trat dann vor ihn.
 

"Mhmmm, du glaubst doch nicht, dass das schon alles war, oder Yuuri? Du weißt doch schließlich ganz genau, dass ich es liebe Menschen zu überraschen.", verkündete Viktor plötzlich.
 

Yuuris Atem stoppte, als er auf einmal vor ihm auf die Knie ging.

"Für Immer"

"Also seid ihr jetzt verlobt, ja?"
 

"Ich... weiß es nicht?"
 

Chris strich sein blondes Haar zurück und blinzelte seinen besten Freund verwirrt an. Der Kellner bewirtete sie mit Speisen und Getränken, während Viktor unsicher mit den Achseln zuckte. Sie bedankten sich und machten sich daran das Essen zu vertilgen.

Der junge Schweizer spießte eine Traube auf seine Gabel und zeigte damit in die Richtung des Russen, machte kreisende Bewegung um dessen rechte Hand.
 

"Du weißt nicht, was dieser goldene Ring an deinen Finger da bedeutet? Das soll wohl ein Scherz sein?", fragte er mit einem schiefen Grinsen, doch der Angesprochene seufzte nur.
 

Es war der Morgen vor dem Grand-Prix-Finale im Dezember letzten Jahres. Viktor war wie immer sehr früh wach, während Yuuri noch seelenruhig schlief. Es dauerte eine Ewigkeit bevor er endlich in Viktors Armen eingeschlafen war. Die Nervosität nagte in der letzten Woche heftig an ihm. Trotz den wenigen Stunden Schlaf, die Viktor dadurch bekam, war er bereits um sechs wach gewesen und hatte einen Strandspaziergang gemacht. Dort traf er auf den russischen Yuri und hatte ein kurzes Gespräch mit ihm. Glücklicherweise konnte man ihn nicht schnell verärgern, ansonsten wäre er wohl immer noch wütend über dessen Worte gewesen.
 

Er sprach schlecht über Yuuri und die Zukunft der Beiden, doch Viktor war reif genug sich die Kommentare zu schenken und den jungen Russen toben zu lassen. Im Grunde wusste Yurio nur nicht wohin mit sich und seinen Emotionen. Er war eben ein Teenager. Und ob er es zugeben wollte oder nicht, er mochte Yuuri sehr gerne - so auch Viktor - und sah Beide als ebenbürtig ihm gegenüber an.
 

Danach traf der russische Trainer und Choreograf sich mit seinem besten Freund Christophe Giacometti zum Frühstück im Hotel.
 

"Aber gestern meintest du doch noch, es seien Verlobungsringe.", hakte der Schweizer nach.
 

Viktor stocherte in seinem Rührei herum. "Ich wollte Yuuri anstacheln... Ich weiß es nicht. Er hat mir den Ring kommentarlos an den Finger gesteckt."
 

"Wie kann man nicht wissen ob man verlobt ist oder nicht?!"
 

Chris schien es herzlich zu amüsieren, er konnte sich das Lachen nicht verkneifen und verschluckte sich dadurch beinahe am Kaffee.
 

"Du bist eine wirklich große Hilfe.", merkte der Russe ironisch an.
 

"Was soll ich denn sagen, Viktor? Anscheinend war es eine Kurzschlussreaktion von Yuuri. Der Ring steckt an deiner rechten Hand, was keine Verlobung bedeutet sondern eine Vermählung. Wahrscheinlich hatte er einfach selbst keine Ahnung."
 

Seufzend hielt der Ältere seine Hand in die Höhe. Das Licht spiegelte sich und tanzte auf der goldenen, glatten Oberfläche des Rings.
 

"Die Bedeutung der Seite kannte ich noch nicht mal.", murmelte er resigniert.
 

"Ich habe da eine verrückte Idee für euch Beide. Wie wäre es wenn ihr miteinander reden würdet?"
 

Nun musste auch Viktor schmunzeln.
 

"Er hat ihn dir an den Ringfinger gesteckt oder nicht? Das sollte dir doch eigentlich alles sagen.", meinte Chris, nahm sein Glass frischgepressten Orangensaft und nahm kräftige Schlucke.
 

"Du hast Recht.", bemerkte der Russe. "Wenn er die Goldmedaille in den Händen hält mache ich ihm einen richtigen Antrag."
 

"Silbermedaille meinst du wohl.", verbesserte ihn der Schweizer.
 

Die Beiden Eikunstläufer grinsten sich gegenseitig an.
 


 


 

Und hier waren sie nun. Yuuris Atem stoppte, als Viktor auf einmal vor ihm auf die Knie ging. Er schien sofort zu realisieren was der Ältere vorhatte. Als er sich umsah, bemerkte er wie sich alle um sie herum gescharrt hatten, mit erwartungsvollen und glasigen Augen.
 

"Yuuri Katsuki.", begann Viktor und holte noch einmal Luft, bereitete sich mental auf die kommenden Worte vor. "Ich möchte heute etwas nachholen, was ich schon hätte viel früher tun sollen."
 

Dem Japaner stieg die Röte ins Gesicht, als sein Trainer seine Hand nahm. Er konnte nicht sagen ob vor Aufregung oder Sauerstoffmangel.

Dieser Rollstuhl in welchem er saß, hatte Viktor zwar nie in seine Vorstellungen über den Antrag eingebaut, aber es tat nichts zur Sache, solange Yuuri es war der darin saß.
 

"Wir haben jetzt eine Menge gemeinsam durchgemacht. Wir haben großartige Erinnerungen, Höhen und Tiefen erlebt. Als du diesen Unfall hattest und wir alle hier um dein Leben bangen mussten... ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so verloren gefühlt. Ein Leben ohne dich ist nicht lebenswert. Ich liebe dich, Yuuri."
 

Die Hände des Japaners zitterten genau so sehr wie Viktors als er sprach. Aus den Ecken des Zimmers konnte man das leise Schluchzen von einem Mädchen vernehmen. Es könnte Sara gewesen sein, oder Mila. Oder auch Beide. Yurio stand ganz vorne, fotografierte die Szene mit seinem Handy, während Phichit gleich ein ganzes Video aufnahm. Chris beobachtete sie mit verschränkten Armen und einem breiten Lächeln. Yuuris Mutter zerrte aufgeregt an dem Ärmel ihres Mannes.
 

"Unsere Beziehung beruht auf Vertrauen, Ehrlichkeit, Liebe... wir wollen immer nur das Beste für den Anderen. Mein Leben hat so sehr an Bedeutung gewonnen mit dir an meiner Seite. Ich danke dir dafür, Yuuri. Du bist gütig, stark und voller Liebe. Trotz deines großen Talents bist du auf dem Boden geblieben, vielleicht ein wenig zu sehr... du weißt gar nicht wie großartig du eigentlich bist."
 

Plötzlich holte Viktor eine kleine, schwarze Schatulle aus seiner Jackentasche und öffnete sie langsam vor Yuuri, welcher ihn mittlerweile mit Tränen in den Augen fixierte.
 

"Jahrelang kam ich Abends allein vom Training nach Hause und doch wusste ich erst wie es anfühlt nach Hause zu kommen, als ich dich kennengelernt hatte. Du machst mich zum glücklichsten Menschen auf Erden und ich möchte für immer an deiner Seite bleiben, dich lieben und dich unterstützen wo ich nur kann."
 

Tränen flossen über Yuuris Wangen als er sich zu seinem Trainer vorbeugte. Er hatte Viktor die vergangene Woche öfter nach ihren Ringen gefragt, doch dieser meinte nur, dass er sie reinigen hat lassen. Nun sah Yuuri, dass Viktor sie aus einem anderen Grund entführt hatte. Auf der Innenseite beider Ringe war etwas eingraviert worden.
 

"Yuuri Katuski, willst du mich heiraten?", fragte Viktor ihn endlich.
 

Der Japaner japste nach Luft. Unfähig etwas zu sagen nickte er heftig mit dem Kopf, während die Tränen unaufhörlich über seine Wangen liefen.
 

"Ja... aua... will ich!", antwortete er schließlich und Viktor legte schnell seine Hände an Yuuris Wangen um seine Kopfbewegung zu unterbinden.
 

"Nicht so sehr den Kopf bewegen, Dummchen.", ermahnte er ihn.
 

Yuuri beugte sich weiter vor, legte die Arme um Viktors Hals und küsste ihn, während ihre Freunde und Familien kräftig applaudierten und jubelten. Die Mädchen kreischten begeistert, die Jungen klatschten laut, als Viktor ihm den Ring an den Ringfinger der linken Hand steckte. Chris zwinkerte dem Russen dabei zu.
 

"Du Idiot...", murmelte Yuuri im ins Ohr. “Wieso denn ausgerechnet jetzt? Ich war noch nicht einmal duschen und habe eine Jogginghose an."
 

"Das ist doch völlig egal.", antwortete er ihm und sie küssten sich erneut.
 

Nachdem ihnen alle Anwesenden gratuliert, sie umarmt und auf die Schulter geklopft hatten, eröffnete Viktor das Buffet, welches Yuuri vorher noch nicht einmal bemerkt hatte. Es gab zahlreiche kalte Platten, viel Obst und andere süße Leckereien. Der Russe hatte alles genauestens durchgeplant und es geschafft, dass sein Verlobter davon nichts mitbekam. Er erklärte Yuuri, dass er viele helfende Hände gehabt hatte und Mila, Gregori und Yurio winkten, der Letzte mit einem grimmigen Gesicht.
 

"Ich danke euch allen.", sagte Yuuri in die Runde, sein Gesicht war dabei noch immer dunkelrot. Seine Eltern umarmten und beglückwünschten ihn auch noch einmal und verkündeten, dass seine Schwester Mari, ihn die kommende Woche besuchen wollte um auch nochmal nach ihrem kleinen Bruder zu schauen.
 

Während die Party im Gange war und sich alle unterhielten, tanzten und Spaß hatten, zog sich, dass zum zweiten Mal frisch verlobte Paar ins Schlafzimmer zurück. Yuuri stand vorsichtig auf, tapste durch die noch bestehende Gleichgewichtsstörung ein wenig hin und her, doch bestand darauf sich ohne Hilfe umzuziehen.

Viktor saß auf ihrem Bett und hielt sich nur zur Sicherheit bereit, um ihn im Ernstfall festhalten zu können.
 

Als sich der Schwarzhaarige in eine schwarze Jeans gekämpft hatte, mopste er sich noch einen weißen Pullover, mit dunkelblauen Streifen von seinem Trainer, welcher ihn nur angrinste.
 

Mit langsamen Schritten kam er aufs Bett zu und setzte sich neben ihn. Er streifte den Ring von seinem Finger und hatte endlich die Gelegenheit die Gravur zu untersuchen.
 

"Eine... Schneeflocke?", fragte er etwas verwirrt, betrachtete danach Viktor.
 

"Die Hälfte einer Schneeflocke.", verbesserte er ihm, nahm seinen eignen Ring ab und legte ihn auf Yuuris. Zu sehen war eine komplette Schneeflocke. Auf Viktors Ring waren zusätzlich die japanischen Schriftzeichen: "永久に." und auf Yuuris russische: "навсегда." zu lesen
 

"Für immer.", murmelte der Schwarzhaarige.
 

Yuuri lächelte glücklich. Sein Kiefer war schon dabei wehzutun von dem Dauergrinsen im Gesicht.
 

"Aber warum eine Schneeflocke?", wollte er wissen.
 

"Du wirst dich nicht mehr daran erinnern, aber der Kuss beim Cup of China... es war nicht unser erster Kuss.", erklärte er Yuuri welcher sogleich hellhörig wurde und ihn erschrocken ansah.
 

"W-Was?!"
 

"Als wir uns beim Bankett vom Grand-Prix-Finale vorletztes Jahr kenngelernt hatten, warst du nicht der Einzige, der zu viel getrunken hatte.", erklärte er Yuuri lachend und dessen Gesicht färbte sich erneut tiefrot.
 

"W-W-Wie bitte? Was haben wir-?!"
 

"Hey, was denkst du denn von mir? Als ob ich dich betrunken ausnutzen würde.", verteidigte sich Viktor sofort und spielte den Beleidigten.
 

"Ja, aber wenn du auch betrunken warst..."
 

"Nein, nein... das Bankett war eigentlich so gut wie vorbei, da sind wir frische Luft schnappen gegangen. Auf dem Balkon haben wir uns über irgendetwas unterhalten, ich weiß gar nicht mehr genau worum es eigentlich ging... naja, auf jeden Fall, hast du mich dort zum Abschied geküsst."
 

Yuuri vergrub das Gesicht in den Händen und nuschelte irgendetwas davon, dass er im Erdboden versinken wollte und es ihn verzweifeln lässt, dass er sich an den gesamten Abend einfach nicht erinnern konnte. Viktor amüsierte es nur und er streichelte ihm entschuldigend über den Rücken.
 

"Und dann fing es auf einmal an zu schneien.", beendete der Russe seine Erklärung.
 

Yuuri richtete sich wieder auf und betrachtete ihn einige Sekunden bevor er seine Arme um Viktors linken Arm platzierte und seinen Kopf auf dessen Schulter legte. Er brauchte nichts weiter zu sagen, sein Trainer verstand ihn auch ohne Worte.
 

"Wollen wir zurück zur Feier? Schließlich sind alle deinetwegen hier."
 

Doch Yuuri schüttelte den Kopf, als er sich wieder aufrichtete. Er zog an Viktor Arm, brachte ihn damit dazu, sich zu ihm zu beugen und gab ihn einen zunächst sehr zarten Kuss, welcher schnell fordernder wurde. Der russische Eisläufer drehte sich komplett zu ihm, widerstand aber Yuuris Bemühungen ihn auf sich zu ziehen.
 

"Hier? Jetzt?", nuschelte er in den Kuss hinein und kämpfte mit sich selbst, sich zurückzuhalten. Der Jüngere legte die Arme um seinen Hals und er gab endlich nach, legte sich mit seinem ganzen Gewicht auf seinen Verlobten und küsste ihn leidenschaftlich.
 

"Yuuri, ein Zimmer weiter sind..."
 

"Mir egal.", hauchte er ungeduldig und mit lasziven Blick. So sehr es Viktor gefiel seinen Verlobten so gierig nach ihm zu sehen, fühlte er sich nicht wohl bei dem Gedanken. Yuuri war gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen und er wirkte zerbrechlicher denn je auf den Russen. Ganz zu schweigen davon, dass Familie und Freunde nur ein Zimmer weiter waren.
 

Es half nichts. Nach all der Zeit war es schwer sich zurückzuhalten, aber einem so forderndem Yuuri Widerstand zu leisten war einfach unmöglich.
 

Plötzlich spürte Viktor ein Stechen im Brustkorb. Zunächst ignorierte er es, doch das Stechen wurde schnell stärker und er unterbrach gezwungenermaßen den Kuss. Yuuri, welcher die Hände bereits unter seinem Shirt hatte, betrachtete ihn fragend.
 

"Was ist los?", erkundigte er sich, als er sah wie sein Verlobter sich aufrichtete und versuchte ruhig zu Atmen. Er legte eine Hand auf die linke Seite seiner Brust und sein Ausdruck ließ darauf schließen, dass er Schmerzen hatte.
 

"Viktor?!", fragte Yuuri energischer, begab sich ebenfalls wieder in die Vertikale und legte besorgt eine Hand auf seine Schulter.
 

"Es ist nichts. Nur ein leichtes Stechen in der Brust.", versuchte er ihn zu beruhigen, doch sein Gesicht sagte etwas Anderes.
 

Als er die Schultern zurückzog und kerzengerade langsam ein- und ausatmete, nahm das Stechen endlich wieder ab. Erleichtert nahm er einen langen Atemzug, bevor er sich Yuuris fragenden, ängstlichen Blick stellte.
 

Früher oder später hätte er Yuuri eh von seinem Befund erzählen müssen.

Aussprache

Besorgte Augen fokussierten den russischen Eisläufer, während dieser sich überlegte wie er den Befund, den er vor Wochen erhielt, in Worte fassen konnte. Er spürte wie Yuuris Hand auf seinem Rücken zitterte und er hatte Schuldgefühle, es ihm nicht eher gesagt zu haben. Ein Seufzen kam über seine Lippen.
 

"Ich.. Wir müssen reden.", sprach er zögerlich. Er sah auf, bemerkte wie sei Verlobter versuchte ruhig zu atmen. Wahrscheinlich gingen ihm gerade die wildesten Theorien durch den Kopf, nur weil Viktor nicht wusste wie er es erzählen sollte.

Vom Wohnzimmer konnte man Musik und die lauten Stimmen ihrer Freunde hören. Auch während ihrer Abwesenheit feierten sie eifrig weiter.
 

"Stechen in der Brust?", wiederholte Yuuri die Worte seines Trainers. "Etwa dein Herz?"
 

Noch vor fünf Minuten lachte der Japaner und das Glück stand ihm breit ins Gesicht geschrieben. Viktor verfluchte seinen Körper dafür, diesen Moment ruiniert zu haben. Nach all dem was passiert war, könnte ihnen das Schicksal ruhig eine kleine Verschnaufpause gönnen.
 

"Bitte mach nicht so ein trauriges Gesicht. Ich kippe schließlich nicht gleich tot um.", versuchte Viktor zu scherzen, doch es ging völlig nach Hinten los. Yuuri sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Es lag soviel Fassungslosigkeit und Angst in seinem Blick, dass der Russe seine Worte sofort bereute. Es war nicht die klügste Wortwahl, aber er wollte die Situation lockern, stattdessen machte er es noch schlimmer.
 

"Okay, hör mir zu. Vor ein paar Monaten hat mich Yakov zu einem Arzt geschickt, weil meine Leistung beim Training deutlich nachgelassen hatte. Es wurde ein Blutbild angefertigt und eine leichte Herzschwäche festgestellt. Es ist nicht weiter tragisch, wirklich.", erklärte Viktor seinem Verlobten.
 

Die Anspannung des Jüngeren schien etwas nachzulassen, doch sein Blick war noch immer besorgniserregend für Viktor. Statt Angst konnte er plötzlich Wut darin erkennen. Yuuri war wirklich sehr emotional und manchmal war es schwer für den Russen damit umzugehen - dieser konnte nämlich sehr schnell ungewollt wie ein Trampel reagieren.
 

"Nicht weiter tragisch? ", wiederholte der Jüngere, seine Stimme klang dabei höher als gewöhnlich. "Hast du mit Yakov über das Ergebnis gesprochen? Was bedeutet es für dich? Deine Gesundheit? Deine Karriere? "
 

Wie er es von Yuuri erwartet hatte, dachte dieser um einiges weiter als er selbst. Ein trauriges Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab.
 

"Es wird meine letzte Saison als aktiver Läufer sein.", antwortete er knapp.
 

Er senkte den Blick, schaute auf die Bettdecke und sah wie Yuuri nervös seine Hände knetete. Als er hörte wie dieser nach Luft japste, schaute er auf und musste feststellen, dass sein Verlobter verzweifelt versuchte nicht in Tränen auszubrechen. Genau davor hatte Viktor solche Angst gehabt.
 

"Yuuri, ich-"
 

"Wann wolltest du mir sagen, dass wir nie wieder gemeinsam auf dem Eis stehen werden?!", unterbrach er ihn. Seine Stimme versagte und er schluchzte laut. Es brach Viktor das Herz. Er fand keine passenden Worte, also senkte er erneut den Blick, versuchte dem Anblick zu entkommen.
 

Plötzlich klopfte es an der Tür und man hörte die lauten Stimmen von Phichit und Yuri, wie sie nach ihnen riefen und es klang irgendwie danach als hätten sie sich schon ein wenig am Bier und Wein zu schaffen gemacht.
 

Ohne das jemand der Beiden sie rein bat, traten sie ein und sie mussten feststellen, dass sie nicht mal abgeschlossen hatten.
 

"Wo steckt ihr denn, Männer?! Yurio hier, verträgt ja wohl mal gar nichts. Ich dachte du bist 'ne Russe?", bemerkte er, während er ihn mehrmals mit dem Zeigefinger anstupste. Genervt drückte er den Thailänder von sich weg.
 

"Nenn mich nicht Yurio! Und du musst gerade reden!", fauchte er, daraufhin wendete er sich wieder Yuuri und Viktor zu. "Bewegt ihr eure Hintern jetzt mal ins Wohnzimmer? Ihr könnt heute Abend immer noch... eh... machen was ihr wollt! Ekelhaft!"
 

Viktor setzte ein Lächeln auf, wie er es auch vor der Presse und für das Fernsehen tat. Yakov hatte ihn so sehr darauf gedrillt, dass es kein Problem für ihn war zu Lächeln, obwohl ihm nach Weinen zumute war.
 

"Wir kommen gleich.", antwortete er. Die Beiden wollten sich nicht damit zu Frieden geben, doch Chris tauchte hinter ihnen auf, packte sie am Kragen und sorgte dafür, dass sie das Zimmer verließen.
 

Yuuri hatte sich zwischenzeitlich unauffällig mit seinem Ärmel die Tränen weggewischt. Er schaute starr zum Boden, schien noch trauriger, als an dem Tag als er erfuhr, selbst eine längere Zeit aussetzen zu müssen, was das Eislaufen betrifft.

Viktor dachte verzweifelt darüber nach, was er sagen könnte, doch glücklicherweise unterbrach der Jüngere das unangenehme Schweigen im Raum endlich.
 

"Ich... muss das wohl erst einmal verdauen. Tut mir Leid.", murmelte er.
 

"Nein..., mir tut es Leid, dass ich nicht eher etwas gesagt habe, aber ich wusste einfach nicht wie. Dann kam der Unfall und... es tut mir so Leid, dass das Alles passiert ist. Ich hätte dich aufhalten müssen. Ich hab als dein Trainer versagt."
 

Es war nicht geplant, doch auf einmal kam alles wieder hoch und obwohl Viktor seinen Verlobten nicht auch noch mit seinen Schuldgefühlen belasten wollte, sprudelte in diesem Moment alles aus ihm heraus. Er vergoss dabei keine Tränen, er schaute einfach nur starr zu Boden.
 

Aus dem Augenwinkel bemerkte er wie Yuuri sich ihm wieder zu wand. Er spürte wie eine Hand durch sein Haar strich, seinen Nacken hinunter und schließlich auf seinen Schulterblättern verweilte. Eine Gänsehaut breitete sich bei den Berührungen über seinen Körper aus.
 

"Es ist nicht deine Schuld gewesen.", antworte er ihm. Seine Stimme war ruhig und bedacht. "Es ist passiert und es ist nicht mehr zu ändern."
 

Viktor sah ihm in die Augen und seufzte. Der Tag hatte so wunderbar angefangen. Sie waren glücklich und lachten, hatten sich endlich offiziell verlobt und nun saßen sie hier und die vergangenen Wochen belasteten sie mehr denn je. Zusätzlich kam jetzt noch sein Befund dazu.
 

"Ist es sicher für dich wenn du diese Saison noch läufst? Wird es dir auch nicht schaden?", erkundigte sich Yuuri besorgt, woraufhin der Ältere nickte.
 

"Ich muss Ruhephasen einhalten und genauer auf meine Ernährung achten, aber der Arzt sagte ich kann dieses Jahr ruhig noch antreten. Yakov stellte nur die Bedingung das ich mich regelmäßig untersuchen lassen.", erklärte er.
 

Yuuri nickte, stimmte Yakov damit zu. Er atmete tief ein und seufzte dann kaum hörbar.
 

"Darf ich mir etwas wünschen?", fragte der Japaner plötzlich.
 

"Natürlich.", antwortete er direkt.
 

"Wir beenden die kommende Saison gemeinsam... zur Gala. Wir laufen noch ein letztes Mal gemeinsam."
 

Viktor betrachtete ihn, genoss das entschlossene Funkeln in seinen Augen, welches ihn zu einem breiten Lächeln motivierte. Er nickte und nahm die Hand seines Verlobten, drückte sie fest.
 

"Deal."
 


 

Nachdem die Beiden sich ausgesprochen hatten, umarmten sie sich eine Weile. Viktor spürte wie fest Yuuri sich an ihn drückte. Es musste ihm schreckliche Angst gemacht haben, zu sehen wie er Schmerzen hatte. Viktor küsste seine Stirn, streichelte dabei beruhigend seinen Rücken. Er war der Meinung Yuuri sollte lieber an seine eigne Gesundheit denken, anstatt sich auch noch Sorgen um ihn zu machen, aber der Russe war da nicht besser.

Bevor sie sich wieder zu den Anderen im Wohnzimmer gesellten, musste Viktor seinem Verlobten versprechen immer die Wahrheit über seine Gesundheit zu sagen. Er verlangte das Gleiche von ihm.
 

Sie feierten gemeinsam mit ihren Freunden bis in die Nacht hinein. Aßen und tranken, unterhielten sich und sprachen über Pläne für die Zukunft. Man merkte schnell wie das Thema "Eiskunstlauf" außen vor gelassen wurde, obwohl es sonst natürlich das Hauptthema war. Es schien Yuuri eher zu amüsieren als zu stören. Viktor wusste, dass es ohne den Druck der Anderen angenehmer war, für Yuuri sich zurück aufs Eis zu kämpfen.

Wie noch im Krankenhaus angekündigt, kontaktierte Yuuris Physiotherapeutin ihn am späten Nachmittag und sie machten einen Termin für den nächsten Tag aus. Als sein Trainer würde Viktor die Stunden begleiten und darüber war er ganz froh.
 

Nachdem die Gäste langsam alle das Apartment verlassen hatten und in ihre Hotels gingen, machten sich die Beiden frisch Verlobten fertig für die Nacht. Für den morgigen Abend hatte der russische Eisläufer noch eine Reservierung in einem der besten Restaurants der Stadt getätigt, dem Percorso. Es sollte als Abschiedsessen dienen, bevor die meisten ihrer Freunde und Kollegen wieder die Heimreise antreten mussten.
 

Viktor meinte er würde Morgen aufräumen, worüber Yuuri nur schmunzeln konnte. Wahrscheinlich hatte er andere Dinge im Kopf als aufräumen. Und so war es auch. Ohne Vorwarnung nahm der Russe Yuuri auf seine Arme und trug ihn ins Schlafzimmer. Makkachin bellte und wedelte aufgeregt, als der Jüngere vor Überraschung einen kleinen Schrei ausstieß. Ein wenig beleidigt tapste sie zurück zu ihrem Hundebettchen, als Viktor es anwies. Heute Nacht wollten die Beiden Zweisamkeit genießen.
 

"W-Warte, ich bin sicher zu schwe-"
 

Viktor unterbrach ihn, schaute ihn ungläubig an. "Schwer?! Das soll wohl ein Scherz sein. Du bist federleicht geworden.", antwortete er schon fast mit besorgtem Unterton. "Wir müssen dich erstmal wieder aufpäppeln, bevor das Training wieder losgehen kann. Für Morgen ordne ich ein üppiges Frühstück an. "
 

Viktor legte ihn vorsichtig auf das Bett, kletterte über ihn und streichelte liebevoll über seine Wange. Er bemerkte schnell, dass der Japaner nicht ganz bei der Sache war, spätestens als er zu einem Kuss ansetzen wollte, welchen Yuuri nur zaghaft erwiderte.
 

Er stoppte und betrachtete ihn fragend.
 

"Können wir... ich meine... hast du öfter solche schmerzen?", stammelte der Jüngere.
 

Viktor schüttelte den Kopf. "Nein, Yuuri. Ich muss mich vorhin nur unvorteilhaft bewegt haben. Ich hatte noch nie Probleme damit. Ich bin weder krank noch aus Zucker, also bitte sorge nicht dafür dass ich mir wie ein alter Mann vorkomme.", antwortete er lachend und Yuuri ließ sich darauf ein.
 

Auf den nächsten Kuss reagierte der Japaner nicht mehr so verhalten.
 

"Nur wenn du mich auch nicht so behandelst", meinte er mit einem schiefen Lächeln. "Du hast mich aufs Bett gelegt, also würde ich gleich zerbrechen."
 

"Sagen wir einfach, wir verhalten uns wie immer?"
 

"Klingt gut!"
 

Beide lachten und küssten sich erneut.
 

"Also wollen wir dort weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben?", fragte Viktor, hauchte Yuuri ans Ohr, welcher daraufhin anfing zu zittern. Dem Älteren gefiel diese Reaktion so gut, dass er direkt mehr sehen wollte. Er küsste seinen Hals, hinunter bis zum Schlüsselbein, wo ihm der Pullover schlussendlich im Weg war. Er entledigte Yuuri kurzerhand von diesem.
 

Viktor genoss den Anblick von Yuuris freien Oberkörper, strich mit den Fingerspitzen zart über seine Bauchmuskeln, welche zwar etwas zurückgegangen waren, aber der Ansatz war nach wie vor sichtbar. Er senkte den Kopf, küsste Yuuris Bauch, hinauf bis zum Schlüsselbein. Dieser fixierte ihn mit den Augen, beobachtete seine Bewegungen genau.

Die Wangen des Japaners färbten sich dunkelrot, als Viktor seine Zunge über seine rechte Brustwarze gleiten ließ. Der Blickkontakt ging verloren, denn Yuuri ließ den Kopf in den Nacken fallen. Viktor gefiel wie empfindlich der Jüngere gegenüber seinen Berührungen war. Und nicht nur das. Allein Worte reichten aus um den Japaner anzustacheln. Etwas was den offenen und schamlosen Russen herzlich amüsierte und was dieser auch auskostete.

Dennoch war Yuuri keines Wegs verklemmt, er verwöhnte Viktor auch sehr gerne, brauchte aber immer etwas Zeit um sich wirklich fallen lassen zu können. Den Jüngeren so erregt und ungeduldig zu erleben, wie früher an diesem Tag war etwas besonderes und hatte sich in seinen Kopf eingebrannt.
 

Yuuri gab unter den Küssen und Liebkosungen immer wieder ein leises Stöhnen von sich. Der Russe musste schnell feststellen, dass es in seiner Jeans unangenehm eng wurde.
 

Er schlich sich mit den Finger unter Yuuris Hosenbund, öffnete langsam die Knöpfe und den Reisverschluss der Jeans, während der Japaner sich ungeduldig unter ihm wand. Als er sich seinen Lippen, für einen Kuss näherte, spürte er die extreme Hitze welche von Yuuris Gesicht ausging und musste grinsen.
 

Viktor legte eine Hand an Yuuris Gesicht, fuhr mit dem Daumen über seine Wange und küsste ihn zunächst zart, dann immer fordernder. Das Verlangen der Beiden wuchs mit jedem Moment.

Der Jüngere schlang seine Arme um den Nacken seines Verlobten, während dieser mit seiner freien Hand auf Wanderschaft ging.
 

Nach Wochen konnte sie endlich wieder Zweisamkeit und Intimität genießen, weshalb sie diese Nacht auch nur sehr wenig Schlaf bekamen. Zu schön war das Gefühl den jeweils Anderen berühren und spüren zu können.

Am nächsten Morgen lag eine zutiefst beleidigte Pudeldame vor ihrer Schlafzimmertür. Sie entschuldigten sich mit jeder Menge Streicheleinheiten bei Makkachin und versuchten sie mit Leckerlis wieder fröhlich zu stimmen. Erst nach einem langen Morgensparziergang durch den Michael Garden, einer der größten Parkanlagen der Stadt, schien sie die Nacht hinter sich zu lassen.
 

Das versprochene, üppige Frühstück musste leider verschoben werden. Als wieder zu Hause angekommen waren bereitete Viktor etwas kleines zum Essen vor, während sich Yuuris für seine erste Stunde mit der Physiotherapeutin fertig machte, welche in wenigen Minuten bei ihnen klingen sollte.

Schritt für Schritt

Leider musste Yuuri feststellen, dass er nach seinem Koma ziemlich eingerostet war. Verbittert biss er die Zähne zusammen, als seine Physiotherapeutin Eva mit einer Hand sein Schienbein hielt und mit der anderen Hand seinen Fuß gen Boden drückt. Dabei musste sie ihn immer wieder anweisen mit dem Oberkörper gerade zu bleiben. Peinlich berührt davon, wich er Viktors Blicken aus.
 

„Keine Sorge Yuuri, es geht allen Patienten ähnlich am Anfang. Das ist völlig normal, nach langer Zeit ohne Bewegung. Dein hartes Training vor dem Unfall wird sich ganz schnell bezahlt machen, glaub‘ mir.“, erklärte sie ihm mit einem warmen und zuversichtlichen Lächeln.

Eva hatte rotes, langes Haar und gelbe, strahlende Augen. Sie war nur ein Jahr älter als Yuuri, schien aber schon eine Menge Berufserfahrung zu haben. Viktor konnte allein anhand ihrer positiven und zuversichtlichen Art sagen, wieso sie eine stets ausgebuchte Physiotherapeutin war. Ein leises Seufzen kam ihm über die Lippen, als er mit verschränkten Armen den Beiden zusah. Er konnte genau sehen, wie unangenehm Yuuri die Situation war. Der Schwarzhaarige war einer fremden Person ausgeliefert, sein hartes Training seit Kindheitstagen schien nutzlos und Viktor beobachtete ihn in einem seiner schwächsten Momente.
 

„Hörst du, Yuuri? Du wirst es um einiges einfacher haben, als der Rest ihrer Patienten.“, versuchte Viktor ihn aufzumuntern, doch er schien das Gegenteil zu erreichen. Ein finsterer Blick traf den Russen unverhofft. Fragend blinzelte er, doch erhielt keine Antwort.

Eva schien die Spannungen ebenfalls wahrzunehmen. Sie räusperte sich kurz, dehnte Yuuris Bein ein letztes Mal ausgiebig und stand schließlich auf.
 

"Nun, wollen wir dann die ersten Belastungsübungen starten?", fragte sie überschwänglich, half Yuuri dabei sich in die Senkrechte zu begeben. Das funktionierte schon wieder ganz gut, doch er schaffte es nicht lange zu stehen ohne zur Seite zu taumeln. Laut seinem Arzt waren dies Folgeschäden des Unfalls, die aber durchaus beseitigt werden konnten. Besser wäre es, sonst würde Yuuri künftig nur noch im Kreis fahren, oder im besten Fall Pirouetten drehen.
 

Eva stützte Yuuri und leite ihn zu einer Art Gehbarren. Er fiel kürzer aus, als einer den man in Praxen für Krankengymnastik kannte, man konnte dennoch gute fünf Schritte gehen. Viktor hatte einen gemietet damit Yuuri sein Training zu Hause problemlos absolvieren konnte. Nachdem dieser an dem Gerät Halt fand, wendete sich Eva dem russischen Eiskunstläufer zu.
 

"Viktor, wie wäre es, wenn sie einen kleinen Spaziergang machen? Wir haben ja schon am Anfang alles relevante für sie als Yuuris Trainer besprochen. Falls sie noch Fragen haben, stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung.", schlug sie ihm vor.

Wahrscheinlich wollte sie eine entspanntere Atmosphäre für ihren Patienten schaffen, doch Viktor verstimmte es trotzdem. Es ging ihm nicht darum die Beiden alleine zu lassen, er war schließlich kein eifersüchtiger Teenager mehr. Vielmehr wurde ihm vor Augen geführt, dass er der Störfaktor war, der dafür sorgte, dass Yuuri sich unwohl fühlte. Sollte er nicht eigentlich das genaue Gegenteil sein? Außerdem wurde er gerade aus seiner eignen Wohnung rausgeschmissen...
 

Ein Blick zu Yuuri verriet ihm allerdings das die Physiotherapeutin recht hatte und so verabschiedete er sich mit einem Lächeln, griff seine Jacke, Makkachins Leine und verließ die Wohnung. Seine Pudeldame hüpfte aufgeregt neben ihm her. Anscheinend war sie völlig aus dem Häuschen über diesen Überraschungsausflug. Normalerweise gingen ihre Herrchen Morgens und Abends mit ihr spazieren, doch heute auch noch Mittags.
 

"Zumindest du freust dich, nicht wahr?", murmelte der Russe mit einem traurigen Lächeln, während er Makkachin den Kopf kraulte. Mit einem vergnügten Bellen bejahte sie seine Frage.
 

Viktor überlegte ob er irgendwelche Besorgungen machen konnte, um sich die Zeit zu vertreiben. Das stupide spazieren durch den Park wurde bereits nach einer halben Stunde langweilig. Außerdem wollte er vermeiden darüber nachzudenken, wieso Yuuri ihn nicht in seiner Nähe haben wollte, bei seinem Training mit Eva.

Er kramte sein Smartphone aus der Jackentasche und checkte seine Nachrichten, sowie seinen Instagram Account. Chris und Phichit sorgten dafür, dass er minutenlang nach unten scrollen, lesen und Bilder betrachten konnte. Dabei hatte er heute Morgen das letzte Mal reingeschaut. Die Beiden liebten es wirklich ihr Leben mit der ganzen Welt zu teilen.
 

Während der Thailänder von seinem Urlaub und Aufenthalt auf den Philippinen berichtete, gewährte Chris erste Einblicke in seine neue Choreografie. Viktor hielt inne. Es war bereits Mai und bisher hatte er nicht sonderlich viel trainieren können. Wenn überhaupt ging er die Basics mit Yakov durch, doch für eine neue Choreo oder zumindest ein Thema für die kommende Saison war noch keine Zeit. Kurz überlegte er ob er es einfach lassen sollte, schließlich hatte er andere Dinge im Kopf, aber er konnte seine Versprechen an Yuuri unter keinen Umständen brechen.

Er beschloss den Rest der verbliebenen Zeit sich in sein Lieblingscafé, in der Nähe seiner Wohnung zu setzen und ein paar grobe Notizen zu machen. Es war ein sonniger, angenehm warmer Tag in Sankt Petersburg, sodass Herrchen und Hündin draußen Platz nehmen konnten. Makkachin lag neben Viktor und schlief seelenruhig, als die Kellnerin ihm seinen Latte Macchiato brachte.
 

Viktor surfte ein wenig durch das Netz. Schaute sich einige Videos an und hörte Musik in der Hoffnung dadurch Inspiration finden zu können, doch die weiße Leinwand in seinem Kopf blieb leer. Ein Seufzen und einen großen Schluck von seinem Kaffee später, schaute er in die Ferne. Normalerweise war es für ihn ein Leichtes Ideen zu finden, es war nicht sein Stil sich dafür hinzusetzen zu müssen und verzweifelt darüber nachzudenken. Die Ideen kamen zu ihm. Es ging ihm darum sich auszudrücken, sich der Welt mitzuteilen, diese zu überraschen und in seinen Bann zu ziehen. Er war stets der Meinung, dass man sich damit nicht unter Druck setzen sollte, doch diesmal fühlte es sich anders an.
 

Erst am später Nachmittag kehrte Viktor mit Makkachin zurück nach Hause. Yuuri saß im Wohnzimmer auf der Couch, mit einer Tasse heißen Tee in der Hand und schaute sich etwas auf seinem Laptop an. Als der Russe die Wohnung betrat, schloss Yuuri den Laptop. Er legte ihn seitlich von ihm ab und betrachtete seinen Verlobten mit großen, fragenden Augen.
 

"Wo warst du?"
 

"In einem Café."
 

"Du warst stundenlang weg."
 

"Ich dachte, du möchtest eventuell etwas Zeit für dich haben.", antworte Viktor mit ruhiger Stimme, verriet damit wenig über seine Stimmung. Yuuri schaute zum Boden und wirkte niedergeschlagen. Er nestelte mit den Fingern an seiner Tasse.
 

"Viktor... tut mir Leid, dass ich heute Morgen so abweisend zu dir war."
 

Der Angesprochene stand noch immer im Flur, hatte weder die Jacke abgelegt, noch die Straßenschuhe ausgezogen. Eine Woge der Erleichterung durchzog seinen Körper, aber noch immer fühlte er einen leichten Druck auf seinem Brustkorb. Sein Blick senkte sich.
 

"Ich will deiner Genesung nicht im Weg stehen, Yuuri. Wenn du mich nicht um dich haben mö-"
 

"So ist das nicht!", fiel er Viktor direkt ins Wort und stand aus Reflex auf. Einige Schritte nach vorne und schon geriet er ins Wanken. Instinktiv streckte Viktor die Arme zu ihm, umfasste seine und stützte ihn. Yuuri schluckte.
 

"Das ist es...", murmelte er. Seine Stimme klang brüchig dabei. "Ich kann nichts alleine machen. Ständig brauche ich deine Hilfe. Ich will dich so sehr bei mir haben und gleichzeitig komme ich mir wie eine Last vor. All das Training mit dir scheint völlig umsonst... praktisch habe ich nur deine Zeit verschwendet."
 

Viktor verstärkte den Griff um Yuuris Arme. Er atmete einmal tief ein und wieder aus, verschaffte sich damit etwas Zeit eine Antwort zu formulieren. Er war wütend über diese Aussage.
 

"Ich will nicht, dass du aus Mitleid bei mir bleibst. Ich will überhaupt nicht, dass du Mitleid mit mir hast!"
 

"Ist das dein Ernst?", sagte Viktor plötzlich. Yuuris ängstlicher Blick traf auf seinen. "Ich dachte, ich hätte dir diese Unsicherheit ausgetrieben."
 

Viktor seufzte und dirigierte Yuuri vorsichtig zurück zu der Couch um sich mit ihm hinsetzen zu können. Eigentlich durfte er seinem Verlobten keine Unsicherheit vorwerfen. Er selbst zerbrach sich den halben Tag den Kopf darüber, weshalb er ihn von sich gestoßen hatte.
 

"Es ist genau wie vor dem Grand Prix Finale. Du redest dir etwas ein, bekommst Angst und schiebst alles und jeden von dir weg. Du solltest doch mittlerweile wissen, dass ich dich niemals als Last betrachten würde. Wir sind noch nicht einmal verheiratet und du willst mich nicht mal jetzt durch schlechte Zeiten mit dir gehen lassen?"
 

Auch wenn Viktor von sich selbst genau wusste kein großer Redner zu sein, zumindest nicht wenn es um sensible Themen ging, war er doch ganz zufrieden mit dieser Ansprache. Yuuris Augen wurden glasig und seine Lippen begannen zu zittern. Am liebsten hätte er ihn jetzt einfach in die Arme genommen und das Thema verschoben, aber er wusste, dass sie es jetzt ein für alle Mal aus der Welt bringen mussten.

In letzter Zeit gab es häufiger Spannung zwischen ihnen und Viktor nahm an, Yuuri sprach nun endlich den Grund dafür aus, welcher aber kein Grund war, sondern etwas was sich der Japaner eingeredet hatte.
 

Es war so paradox, dass Yuuri Angst hatte Viktor auf die Nerven zu gehen und ihn damit wohlmöglich zu verlieren, aber er ihn gleichzeitig nicht an sich ran kommen ließ.
 

Yuuri lehnte den Kopf gegen die Brust seines Verlobten und weinte. Dieser legte eine Hand auf seinen Rücken, streichelte ihn in langsamen Kreisbewegungen. Die andere Hand fuhr zart durch Yuuris schwarzes Haar, welches bereits wieder so lang wie vor dem Unfall war.
 

"Wir stehen das gemeinsam durch. Das wollen wir uns doch schließlich versprechen oder?", flüsterte Viktor und spürte ein leichtes Nicken an seinem Brustkorb.

Plötzlich hörten sie ein leises Winseln neben der Couch und vor ihnen stand Makkachin. Unbeholfen stupste sie ihren Kopf an Yuuris Bein um ihn zu trösten. Er hob den Kopf an und tätschelte ihr weiches Fell; hickste ein letztes Mal, bevor sich wieder ein Lächeln auf seine Lippen legte. Viktor legte erleichtert eine Hand an die Wange seines Verlobten und gab ihm einen kurzen Versöhnungskuss.
 

"Wenn du mit mir reden möchtest... jederzeit, Yuuri. Ich weiß, ich bin nicht der beste Redner aber ich..."
 

"Das hast du erschreckend gut gemacht.", gestand Yuuri, gespielt überrascht und die Beiden mussten Lachen.
 

Yuuri trainierte fast täglich mit seiner Physiotherapeutin. Tatsächlich machte er sehr schnell Fortschritte, so wie Eva es vorher gesagt hatte. Dennoch war es nie leicht. Es kostete viel Kraft und Geduld die Übungen richtig auszuführen. Nach ihrem Gespräch ließ sich Yuuri von Viktor unterstützen, so half er ihm beim Dehnen, stützte ihn und nahm die Gespräche mit Eva ernst.

Die Übungsstunden fanden meistens Vormittags statt, so dass Viktor sich danach umziehen konnte und zur Eishalle joggen konnte, um dort sein eignes Training zu absolvieren. Yakov wurde deutlich strenger mit ihm, doch der Russe hatte kein Problem härter zu trainieren.
 

"Vitya, mach Schluss für heute. Es ist bereits nach acht.", rief sein Trainer vom anderen Ende des Rings, zog sich dabei bereits eine Jacke über um nach Hause zu gehen. Außer Viktor war niemand mehr auf dem Eis. Seine Kollegen hatten sich bereits vor einigen Stunden verabschiedet.
 

"Ich bleibe noch ein bisschen.", antwortete er und setzte zu einem Salchow an. Er sprang ab, machte drei dynamische Drehungen hoch in der Luft und kam sauber auf dem Eis mit dem rechten Fuß, auf der Außenseite seiner Kufe, wieder in den Stand, um sich ein paar Meter ausgleiten zu lassen. Ein perfekter Sprung.
 

"Übertreib es nicht, Junge. Du weißt was der Arzt gesagt hat."
 

"Ja, ich weiß."
 

Yakov verließ die Eishalle und Viktor setzte seine Kopfhörer auf, um noch ein wenig an seinen Schritten zu feilen. So langsam hatte er eine grobe Vorstellung davon, was er mit seinem diesjährigen Thema ausdrücken wollte. Während er sich von der Musik leiten ließ, kamen ihm Ideen für Schritte und Sprünge, welche er für sich durchführte. Er würde lügen, wenn er sagen würde es war kein tolles Gefühl wieder auf dem Eis zu stehen, auch wenn es nur für diese Saison war.
 

Nach ca. 30 Minuten voller Schrittsequenzen, Sprüngen und Drehungen kam Viktor erschöpft zum Stehen. Mit seinen Händen auf den Knien, versuchte er wieder zu Atem zu kommen. Er bemerkte deutlich wie sehr diese Jahr Pause an seiner Kondition genagt hatte, obwohl er nie aufgehört hatte zumindest täglich Cardiotraining zu absolvieren.

Der Eisläufer wischte sich mit einem Zipfel seines T-Shirt den Schweiß aus dem Gesicht, riss dabei die Kopfhörer versehentlich raus. Auf ein Mal hörte er es hinter sich klatschen.
 

Langsam richtete er sich auf, drehte sich zu der Geräuschquelle und sah Yuuri an der Bande stehen. Mit einem breiten Lächeln und leuchtenden Augen, applaudierte sein wahrscheinlich größter Fan und Verlobter ihm. Viktor schnellte zu ihm.
 

"Yuuri! Was machst du hier? Wie bist du hergekommen?"
 

"Ich bin hergelaufen.", verkündete er stolz. "Ich dachte, ich könnte dich abholen.
 

Bei dem Japaner angekommen, bremste er indem er seine Kufen zur Seite zog. Mit einer Umarmung zog er Yuuri an sich und küsste etliche Stellen seines Gesichts überschwänglich. Da war sie wieder. Diese vertraute Unbeschwertheit zwischen ihnen.
 

"Wahnsinn, Moya lyubov!"
 

Yuuri konnte mittlerweile russisch immerhin gut genug um seine Liebesbekundung zu verstehen.
 

"Spasibo.", entgegnete er Viktor, welcher daraufhin noch enger an sich drückte, sodass langsam das Atmen schwer fiel.
 

"Du machst große Fortschritte. Ich bin so stolz auf dich."
 

"Vitya, du erdrückst mich."
 

Lachend schob er seinen Verlobten von sich, nahm den Rucksack von seinem Rücken und öffnete den Reisverschluss. Zum Vorschein kamen zwei, schwarze, schon viel zu lang nicht mehr genutzte Schlittschuhe. Viktor spürte wie sein Herz einen Satz machte, als er sie erblickte. Er konnte nicht sagen, ob es ein positives oder negatives Gefühl war.
 

"Yuuri, du... ich weiß nicht ob..."
 

"Führ mich.", bat der Schwarzhaarige mit einem Lächeln.
 

Viktors ganzer Körper kribbelte vor Nervosität. Er konnte sich nicht erinnern sich jemals vor einem Wettbewerb so gefühlt zu haben, nicht einmal bei der Olympiade. Er schaute dabei zu, wie Yuuri sich die Schlittschuhe anzog, wie er die Schnürsenkel mit jedem Ruck fest zog, bis sie perfekt saßen.

Als er fertig war, erhob er sich und machte einige Schritte. Er kam nicht ins Wanken, nicht ins Taumeln, er machte geschmeidige und federleichte Bewegungen, verlagerte sein Gewicht von ein Bein auf das Andere. Yuuri sog Luft in seine Lungen um wenig später in aller Ruhe auszuatmen.
 

Es dauerte keinen Monat bis der Japaner wieder ohne Probleme Laufen konnte. Er und Viktor gingen täglich ein wenig mit Makkchin spazieren, so kamen sie an die frische Luft und es war ein gutes zusätzliches Training. Das Yuuri nun plötzlich vor ihm stand, bedeutete, dass er eine neue Herausforderung gemeistert hatte und direkt eine neue starten wollte. Er wollte wieder auf das Eis.
 

Ohne ein weiteres Wort reichte Viktor seinem Verlobten eine Hand, welche dieser dankend annahm und seinen ersten Schritt aufs Eis machte. Der Zweite folgte und er ließ sich ganz langsam an Viktor Körper gleiten, genoss dabei sichtlich das Gefühl.

Eine kleine Weile standen sie Arm in Arm dort. Yuuri hatte sich an Viktors Brust gelehnt, während dieser die Wärme genoss welche vom Jüngeren ausging. Er hatte so lange trainiert, dass es schwer sein durfte seine Glieder heute Abend wieder aufzuwärmen.
 

"Bereit ein paar Schritte zu machen?", fragte Viktor ihn. Als Antwort nickte der Japaner zuversichtlich.
 

Yuuri schien keine Angst zu haben und Viktor zu vertrauen. Während dieser langsam ein paar Schritte rückwärts lief, folgte sein Verlobter ihm. Sie fassten sich an den Händen und hielten stets Blickkontakt. Die erste Kurve fuhren sie ebenfalls ganz vorsichtig Schritt für Schritt, die nächste fingen sie an langsam zu Übersetzen. Die Crossovers gelangen spielend und Yuuri stieß ein erleichtertes Lachen aus. Auch Viktor musste breit Lächeln.
 

"Würdest du mich heben, Viktor?"


Nachwort zu diesem Kapitel:
Die Beiden kommen einfach zum Schuss... :V Komplett anzeigen

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Kommentare zu dieser Fanfic (15)
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Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  --lina--
2017-12-01T18:36:22+00:00 01.12.2017 19:36
Und da ist sie wieder. Mein Engel.
Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen wie schwer das alles war und ich freue mich, dass du zurück bist.
Für Viktor ist die Situation auch nicht leichtcund irgendwie tut es weh, die Beiden so zu sehen auch wenn es zum Ende des Kapitels wieder besser zu laufen scheint :)
Ich bin gespannt was du dir fürs nächste Kapitel überlegst.
Ganz viel Liebe an dich Schatz. ❤️
Von:  --lina--
2017-08-19T23:40:06+00:00 20.08.2017 01:40
Ich hätte an Yuuris Stelle leider auch so reagiert ;;
Nichts ist schlimmer als zu sehen wie ein geliebter Mensch leidet.
Ich kann das so gut nachvollziehen ;;
Hoffen wir einfach aufs Beste für Beide und auf ein Happy End >3<
Von:  --lina--
2017-08-09T21:16:01+00:00 09.08.2017 23:16
Es ist so süß >\\\\\<
Und wehe du quälst mich noch mehr D:
Viktor darf nicht noch mehr leiden ;;
Maaaannooooo! Du und dein Drama immer und immer an unpassenden Stellen. AlskynwjybsmfuB!!
Schreib bald weiter ja?! *^*
Liebe dich ❤️
Von:  --lina--
2017-08-07T20:17:26+00:00 07.08.2017 22:17
AldbxualyiqvLaofksbyhav!!!!
FRAAAAAAAANZIIIIIIII!!!!
Schreib weiter! Jetzt! Sofort!
Goooooott ;;
Ich weine und lächle und quietsche und weiß gar nicht was ich schreiben soll.
Ich will meeeeeehr ;;
Liebe an dich mein Engel ❤️❤️❤️
Von:  Yuugii
2017-08-05T13:09:12+00:00 05.08.2017 15:09
Wow... ;A;)/

Hätte nicht gedacht, dass ich im deutschen Fandom eine Fanfiktion finde, die so unter die Haut geht. Du beschreibst die Charaktere genau so, wie sie sind. Du greifst das Universum auf, in dem diese Charaktere leben und verzichtest darauf, ihnen neue und viel bessere Identitäten zu verpassen. Und genau das ist es, was ich bei einer guten Fanfiktion/Geschichte erwarte. Originalgetreue Darstellung der Charaktere und eine Handlung, die sich gut ins Canon eingliedert – genau wie deine FF hier. Man merkt, dass du dir sehr viele Gedanken gemacht hast.

Schreibstil und Rechtschreibung ist super. Ich habe rein gar nichts auszusetzen. Und ich bin jemand, der da sehr empfindlich reagiert, gerade weil der durschnittliche Fanfiktionschreiber ja meist nicht mal „das“ und „dass“ zu unterscheiden weiß. Ich habe keine Fehler gefunden, wenn welche da waren, waren sie so nichtig, dass ich sie nicht einmal bemerkt habe. Der Textfluss ist abwechslungsreich, du findest die richtige Mischung zwischen Dialog, Monolog und Text. Auch die Absätze sind perfekt gesetzt. So eine hohe Qualität bin ich sonst nur von englischsprachigen FFs gewohnt.

Da ich selbst schon oft den Gedanken hatte, was passieren könnte, wenn ein Eiskunstläufer sich mal nicht richtig auffängt, finde ich diese FF umso besser. Sie spricht mich einfach an. Du greifst hier eine Thematik auf, die genau so auch passieren könnte und nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Außerdem beschreibst du die Geschehnisse sehr ausführlich und weißt genau, was du einbringen musst, um die Geschichte an sich glaubwürdig zu gestalten.

Ich bin begeistert davon, wie unglaublich gut diese Geschichte anfängt. Und ich bin enttäuscht, wie wenig Kommentare du bisher erhalten hast (Nein, Gespräche in der Kommentarsektion zählen nicht), denn dafür, dass diese Serie so gehypt wird, sind die Reaktionen bei Fanarbeiten doch sehr verhalten.

Und dieses Ende, dieser eine Satz von Viktor „Er ist mein Verlobter“ hat mir Gänsehaut beschert... ♥
Antwort von:  KeksFanxXx
07.08.2017 10:10
Ich kann ebenfalls einfach nur "Wow" sagen! ;w;

Allein bei der Länge deines Kommentars war ich baff und als ich dann alles gelesen hatte, hätte ich vor Freude losheulen können. Natürlich schreibt man, weil man gerne schreiben möchte, aber sein wir doch mal ehrlich: Jeder freut sich über so ein Feedback!! Wahre Wertschätzung und ich danke dir! :')

Ich hoffe sehr, dass dich die kommenden Kapitel nicht entäuschen werden. Dank dir bin ich motivierter denn je endlich weiterzuschreiben. XD

Vielen lieben Dank! <3
Von:  MuyMariposa
2017-07-27T19:58:45+00:00 27.07.2017 21:58
Eine wirklich schöne Geschichte! :) Ich leide richtig mit Victor mit! So viel Drama hält mein armes Victuri-Herz gar nicht aus. Ich hoffe sehr auf ein Happy-End.
Freue mich auf weitere Kapitel!
Die Idee mit den Kranichen passt wunderbar. Ich finde es toll, dass du dies so schön eingebunden hast. Nun muss Victor aber auch noch einen falten ;)
Antwort von:  KeksFanxXx
28.07.2017 11:55
Vielen Dank für deinen Kommentar!
Freut mich wirklich sehr und motiviert weiterzuschreiben! *^*
Ich freu mich auch, dass dir die Geschichte und die Idee mit den Kranichen gefällt. ^3^

Am Wochenende komme ich sicher endlich zum weiterschreiben. <3 :D :D
Von:  --lina--
2017-07-24T13:34:09+00:00 24.07.2017 15:34
Aaaaaaaaahhhhhhhhhh!
Ich will mehr! Jetzt! Ich weine ;;
Das Ende, dieser Cliffhanger ;;
Aber er hat die Augen geöffnet und die Idee mit den Kranichen, omg!
Ich hoffe wir müssen nicht zu lange aufs nächste Kapitel warten, auch wenns natürlich berechtigt war.
Ich liebe dich so sehr!! ❤️❤️❤️
Von:  --lina--
2017-06-08T21:34:09+00:00 08.06.2017 23:34
WAS ZUR HÖLLE TUST DU DA?! ;;
Du willst mich killen richtig? Das ist nicht dein Ernst ;;
Ich.. Ich.. Wiesoooooo?! ;;
Franzi bitte! Bitte ich brauche Gewissheit und Fluff und Liebe und wääääääääh ;;
Why? ;;

Antwort von:  KeksFanxXx
24.07.2017 12:20
Tut mir Leid ;A;
Aber jetzt wirds langsam kitschiiii! *^*
Und bald kommen auch Yuri und Otabek mehr vor, kehehe.
Antwort von:  --lina--
24.07.2017 15:37
Uuuuuhhhh. Ich bin ja sooo gespannt >\\\\<
Von:  Skaletsakura-chan
2017-05-30T18:08:23+00:00 30.05.2017 20:08
Omg
Ich bin so gespannt wie es weiter geht
LG
S
Antwort von:  KeksFanxXx
01.06.2017 09:41
Ich freue mich sehr , dass es dir gefällt! ^-^

LG Keks
Von:  --lina--
2017-05-29T19:46:24+00:00 29.05.2017 21:46
Omg!
;;
Fraaaaaaaaanziiiiiiiiiii
Ich weine, ich kann nicht mehr. Viktor leidet so sehr, es tut so weh ;;
Ich weiß, dass die FF länger wird, aber ich hoffe auf Besserung von Yuuris Zustand und dass alles gut wird. Gott mir bricht das Herz. ;;
Ich liebe dich.
Antwort von:  KeksFanxXx
01.06.2017 09:42
Es tut mir so Leid, Schatzii... TT^TT
Aber prepare yourself, kitsch is coming! XD

Ich liebe dich auch! <3
Antwort von:  --lina--
01.06.2017 23:46
Ich hoffe es wo sehr T^T Unsere Babies!!! ❤️
Antwort von:  --lina--
01.06.2017 23:47
Wo = so xD
Gott, warum kann man seine Kommentare nicht editieren? X'D


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