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Liebe hinter Gittern

RPG
von

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Finale? Part I

WICHTIG!
 

Da sich einige beschwert haben, was Aoi im letzten Kapitel geleistet hat, hier ein kleiner Beitrag, damit ihr ihn vielleicht besser versteht:

"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Vergewaltigung zur Folge haben kann, dass die Betroffene oder der Betroffende den Drang verspürt, mehr Sex zu haben."

Und von Aois sonstigen Zustand muss ich hoffentlich nichts erwähnen.
 

Und für dieses Kapitel gilt:

Ich habe kein Praktikum bei der Polizei gemacht und keinen Kurs der Spurensuche belegt. Herangehensweisen der Polizei oder Spurensuche sind mir nicht bekannt und hier frei erfunden.
 

~+~
 

Irgendwann, es fühlte sich an, als hätte Sakito Stunden zusammengesunken auf dem kalten und harten Boden des Krankenzimmers gesessen, richtete sich der angeschlagene Mann, der immer noch der Anwalt seiner zwei schwersten und kompliziertesten Klienten, die er je hätte bekommen können, auf und ächzte auf, als er beinahe eingeknickt wäre. Schmerzhaft verzog sich sein Gesicht, als er den ersten Schritt wagen wollte, doch seine Beine waren tatsächlich eingeschlafen und sein Hintern tat ihm vom vielen Sitzen weh. In Gedanken versunken klopfte er sich auf den Hintern, um wieder ein Gefühl hinein zu bekommen und ging dann wieder einige Schritte. Bei jedem Schritt durchzuckte ihn ein kurzer Schmerz, doch da er, wie der Chefarzt schon meinte, eine Mission hatte, mühte er sich vorwärts. An der Tür schließlich angelangt griff er nach der Klinke der Tür und öffnete sie, bevor er einen Blick hinaus auf den Flur warf. Er war leer. So leer wie sein Kopf es noch momentan war und sein Herz, dem ein Schleier von Trauer übergeworfen worden war.
 

Nach kurzem Grübeln und düsteren Gedanken vertreibend, entschloss er sich vorerst dazu, sein Zimmer aufzusuchen, um sich seine Wertgegenstände daraus zu beschaffen, bevor er von hier verschwinden würde. Alle Vorsicht über Bord geworfen. Es gab wichtigeres als einen angeschlagenen Anwalt, auch wenn es galt, einen seiner Klienten aus den Händen eines psychopathischen Entführers und seinen Killern zu befreien. Zur Not hatte er noch Takeda, der ihn mit seinen Leuten von der Polizei unterstützen könnte. Takeda. Vielleicht wäre es schlau, ihm einen kurzen Besuch zu bestatten? Schließlich hatte er seit der Entführung, seinen Kummer wegen Uruha und seiner Verletzung ziemlich viel verpasst. Jedenfalls hatte er das Gefühl, das kaum Zeit vergangen war, seit er Aoi hier raus geholfen hatte. Aoi... Ob es ihm gut ging? Was er gerade wohl machte? Sakito seufzte schwer auf, während er seine Schläfe auf der Seite seines gesunden Armes massierte. Er wusste gar nichts. Und die Zeit, die es brauchen würde, um all das, was er noch immer nicht wusste, aufzuholen, könnte Tote bedeuten. Doch Uruha glaubte an ihm, also musste er versuchen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um genau das zu verhindern. Sicher war, das nicht mehr viel Zeit blieb.
 

Da Sakito seine Beine wieder spüren konnte, ging er schneller und erreichte auch nach kurzer Zeit schon seit ehemaliges Zimmer. Schnell war er drin und suchte seine Sachen zusammen, wobei er versuchen musste, alles nur mit einer Hand zu tun, da sein verletzter Oberarm noch immer arg schmerzte. Doch für Sakito hieß es Zähne zusammenbeißen, denn der Schmerz, den er empfand, hatten Aoi und Reita tausendfach erleben müssen und dennoch lebten sie. Bei den Gedanken an diese zwei wohl stärksten und tapfersten Menschen, die er jemals kennen lernen durfte, verzog sich sein Mund zu einem traurigen Lächeln. Aoi war zwar schon lange nicht mehr jemand, den man als völlig gesund einstufen könnte, aber dennoch war er ein Mann, den man aufgrund seiner Leiden ehren musste, wenn man die Selbstmordversuche gekonnt missachten mochte. Was Liebe alles schaffen konnte, beeindruckte Sakito immer wieder, doch was diese Liebe schaffte, ließ ihn nur ungläubig wieder den Kopf schütteln und tausendfach an Gott und andere Götter danken, an denen er sonst nie geglaubt hatte. Hoffentlich wurde er jetzt nicht Christlich oder irgendetwas anderes von all dem... Sakito schnaubte und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Wenn er diesen... diesen... nein, dieses Schwein!... endlich hatte, dann würde er es mit ihm zu tun bekommen. Das hatte er verdient und auch Reita und Aoi hatten das, doch die beiden sollten sich da nicht einmischen, wenn es soweit wäre. Die beiden sollten, sofern er es schaffen würde sie da herauszuholen, ein neues Leben anfangen, ganz ohne Gewalt und Gedenken an die Vergangenheit. Auch wenn es natürlich schwer sein würde, aber aus irgendeinem Grund, hatte er auch nichts dagegen, dafür zu sorgen.
 

Waren die beiden mit ihren Leidenswegen ihm so sehr ans Herz gewachsen?!
 

Sakito schulterte seine Tasche und verzog augenblicklich das Gesicht. //Sei vorsichtiger! Du brauchst den Arm noch, um diesen...!//, dachte er und verkniff sich jegliches weiter denken, als er aus seinem Zimmer trat und eine recht grimmig dreinschauende Ärztin vor ihm stand. "I-ich muss gehen...!", meinte er eindringlich und war verblüfft, als die Schwester einen Schritt zur Seite machte. "Eigentlich passt mir das überhaupt nicht, Herr Edokawa, aber anscheinend bleibt uns auch nichts anderes übrig, hm? Sie würden bei uns ja doch nur kranker werden vor Sorge und Kummer. Könnte ich bitte ihren Arm nochmal sehen?", fragte sie und nickend ließ Sakito die Tasche sinken. Mit Leichtigkeit hatte sie ihm den Ärmel hoch gekrempelt ohne seine Wunde zu berühren. Dann beäugte sie misstrauisch den Verband, der dieses Mal nicht rot gefärbt war, schließlich war erst kürzlich von ihr neu verbunden worden, bevor sie den Ärmel wieder hinunter krempelte. Doch noch hatte sie Sakito nicht entlassen, der sie ungeduldig mit hochgezogenen Brauen musterte. "Und?", harkte er nach. "Ich fass' es nicht, das sie so auf die Straße gehen wollen!", meinte sie dann und musterte ihn kritisch, wodurch Sakito erstmal den Blick auf seinen Patientenumhang warf. "Eh...", machte er unbeholfen und sah über die Schulter nach unten, denn er kannte aus Filmen nur zu genüge, das bei solchen ja fast schon Kleidern ein breiter Schlitz über dem Hintern war. Doch zum Glück hatte man bei ihm Knöpfe dran gemacht, die diesen verschwinden ließen. Gerade als er erleichtert aufatmen wollte, stieß er einen überraschten Laut aus, als ein Finger der Schwester auf seine Brust tippte. "Ich rufe ihnen ein Taxi! Warten sie schön unten bei der Rezeption. Man sagt ihnen dann Bescheid."

"D-danke! Für alles!", warf er der davon tippelnden Schwester etwas spät hinterher und lief dann mit seiner Tasche zum Fahrstuhl, um in den ersten Stock zu fahren.

Kaum hatte er sich dort auf einen der Wartestühle gesetzt und versuchte angestrengt den fragenden Blicken der anderen Besuchern auszuweichen oder sie zu ignorieren, da rief man ihm zu, das sein Taxi da war. Schnell sprang Sakito auf und eilte mit einem kurzen dankbaren Nicken zur Rezeption hin hinaus aus dem Krankenhaus, direkt auf das Taxi zu, indem ein Mann saß, der einen verwirrten Blick zu seinem Fahrgast warf. "Würde ich Ärger bekommen, wenn ich einen Flüchtling fahre?" "Sie würden Ärger bekommen, wenn sie nicht fahren! Also los, ich hab nicht viel Zeit." "Schon gut, schon gut. Eilig hat's ja jeder im heutigen Leben." Sakito grummelte und wartete darauf, das der Fahrer sich wieder umdrehte und anschnallte. "Wohin soll's gehen?" "Erstmal in die Stadt. Ich muss mir was zum anziehen kaufen." Nach einem kurzen irritierten Blick in den Rückspiegel, zuckte der Fahrer mit den Schultern und fuhr los.

An einem Geschäft angelangt, wies Sakito den Taxifahrer an, ja auf ihn zu warten, bevor er aus stieg und schnell in den Laden rannte. Irritierte Blicke folgten ihm. Doch der Fahrer wartete geduldig, während sein Blick grinsend auf den Zähler linste. //Hoffentlich hat er auch genug Geld dabei.//

Sakito jedoch hatte ganz andere Sorgen, denn kaum hatte er sich das nächstbeste gegriffen, was auch noch anständig aussah, lief er in die Garderobe und erkannte mit Unwillen, das er es wohl nicht alleine schaffen würde, sich um zuziehen...

Als Sakito wieder aus dem Laden geschossen kam, gekleidet in einer gut betonten Hose und einem schwarzen Muskelshirt - Typisch Sakito: Ein Griff, alles passt - und ins Taxi sprang, da rief die Verkäuferin nach ihm, die ihm gerade beim Umziehen geholfen hatte. Ihre Wangen waren immer noch Rot vor Verlegenheit.

Sakito war kurz davor, den Taxifahrer anzuweisen, so schnell wie möglich weiter zu fahren, als er seine Tasche in ihren Händen erkannte, die er tatsächlich beinahe vergessen hatte. Mit einem peinlich verlegenden Lächeln und einem kurzen dankbaren Nicken hatte er die Tasche ins Taxi gezogen und wies den Fahrer an, zur Polizei zu fahren, wodurch nun nicht nur der Fahrer die Augen überraschend aufriss, sondern auch die Verkäuferin. "Sind sie etwa Polizist?" "Sowas ähnliches... und jetzt fahren sie bitte!" "Natürlich! Sofort!" Ein kurzer Blick nach Rechts und Sakito erhaschte noch einen strahlenden Blick der Verkäuferin, die ihm lächelnd zuwinkte, bevor das Taxi endgültig los fuhr.
 

Die Fahrt verlief schweigend. Nur der Fahrer lugte ab und zu misstrauisch in den Rückspiegel, doch Sakito ignorierte es, indem er seinen Laptop einschaltete und seine Mails checkte. Doch bis auf die Nachricht vom Gericht mit der Anfrage, wann der Prozess anlaufen sollte, hatte er nichts Weiteres bekommen. Schnell tippte er eine Entschuldigung und Aufschubsbitte der Verhandlung, bevor er den Laptop wieder ausstellte.

"Wir sind da.", verkündete der Fahrer und riss Sakito so aus seinen trüben Gedanken. Schnell packte der Anwalt seine Sachen zusammen und kramte nach dem Portemonnaie, während der Taxifahrer direkt vor dem Revier zum Stehen kam. Das macht dann 5892,71 Yen bitte.", meinte der Fahrer und funkelte Sakito mit drohendem Gesicht an. "Keine Sorge, ich hab's schon!", meinte Sakito und legte dem Mann 5900 Yen in die Hand, bevor er ausstieg. "Passt schon!", rief er noch, ehe der Fahrer etwas sagen konnte und war auch schon im Gebäude verschwunden.
 

"Takeda!", rief er und sah sich um. "Kann ich ihnen helfen?", fragte ein Polizist und stoppte ihm beim wilden Herumlaufen, indem er einen Arm ausstreckte, der Sakito am weiterlaufen hinderte. "Ich muss zu Takeda!" "Und sie sind?", fragte der Polizist misstrauisch. "Sakito Edokawa, Anwalt und ein Freund Takedas! Ich brauche seine Hilfe! Er steckt in dem selben Fall wie ich! Wollen sie jetzt auch noch meine Augenfarbe, Sternzeichen und Familienstatus wissen, oder bringen sie mich endlich zu ihm?!"

Nach einem kurzen Schweigen, wies der Polizist ihn an, ihm zu folgen und kaum hatten Takeda und Sakito sich gesehen, sprang Takeda auf, wies den anderen Polizisten aus seinem Büro und stürmte auf den Anwalt zu, der ihm erleichtert entgegen kam. "Mensch Sakito! Was machst du denn hier?! Wie bist du...", begann er und suchte seinen Arm ab. "Haben sie dich entlassen?!" "Eher notdürftig, aber ich bin nicht hier, um über diesen kleinen Erfolg zu reden. Ich bin hier, um zu erfahren, was ich verpasst habe und du raus gefunden hast! Bitte, sag es mir Takeda!" Der Polizist hatte die Stirn nachdenklich verzogen. Dann nickte er verstehend und beförderte Sakito in einen Stuhl. "Gut, aber unterbrich mich nicht! Fragen kannst du zum Schluss stellen.", meinte er und begann Sakito aufzuklären...
 

+~+
 

Ganz langsam, kam Uruha wieder zu sich und öffnete seine dunklen Augen. Etwas benommen durch die Beruhigungsmittel zog das Bild in seinem Kopf etwas nach. Wo war er?

Erneut schloss er seine Augen für einen Moment. Und je mehr er nachdachte, desto klarer wurde ihm was passiert war und wo er sich nun befand.

Etwas zögerlich öffnete er seine Augen wieder und blickte sich um. Er war noch immer in der Klinik, doch sah das Zimmer anders aus, als das in dem er vorher wach geworden war.

Er erkannte zwei Kameras an der Decke, die das Zimmer im Blick hatten und er sah die vergitterten Fenster.

Eine unangenehme Vorahnung machte sich in seinem Bauch breit.

Alles war ihm jetzt recht, aber nicht das an das er dachte.

Er richtete sich im Bett auf, hielt sich jedoch für einen Moment den Kopf, da ihm Schwindel überkam.

„Bitte nicht…“, flüsterte er zu sich selbst und stieg langsam aus dem Bett. An der Türe hing bereits ein großer Zettel mit Regeln und Anweisungen.

„..Frühsport..? Morgengruppe..?“, murmelte er und riss den Zettel von der Türe.

Der Blonde fühlte sich in seiner Vorahnung bestätigt und er zerknüllte den Zettel in seiner Faust, ehe er ihn fallen lies und vorsichtig den Raum verließ.

Der Gang war leer, doch nicht weit entfernt hörte Uruha Stimmen. Immer langsamer werdend ging er in die Richtung aus der die Geräusche kamen und erreichte schließlich einen großen Raum in dem einige Patienten sich die Zeit vertrieben. Zwar war der Brünette damals in einer anderen Klinik, doch erinnerte er sich ganz genau an die Atmosphäre.

Und genau dies hatte ihn jetzt wieder eingeholt. Langsam, fast träge sammelten sich Tränen in seinen Augenwinkeln. „Sakito…“, flüsterte er leise und er wollte sich gerade wieder in sein Zimmer zurückziehen, als ihn eine Schwester ansprach und ihn sofort mit ihn den Alltag einbinden wollte.

Erst am Abend konnte sich der Brünette in das Bad einschließen um etwas Ruhe zu bekommen.

Niemals würde er es hier aushalten. Er kühlte sich das Gesicht mit etwas Wasser und blickte dann wieder in den Spiegel.

Noch immer war er ein Wrack. Doch das schlimmste war nicht einmal, dass er aussah wie ein Penner, der seit Wochen weder gegessen noch geschlafen hatte, was zum Teil sogar stimmte. Das Schlimmste war, dass es anderen Sorge bereitete ihn so sehen zu müssen und genau das machte ihm ein schlechtes Gewissen.

Er wollte mit einem Arzt sprechen und so, verließ er das Bad wieder um zum Schwesternzimmer zu gelangen.

Doch dort wurde er zu Beginn gar nicht beachtet, bis sich eine Schwester „dazu erbarmte“ sich aus ihrem Telefonat zu lösen und sich ihm anzunehmen.

Doch auch dann wurde ihm das Arztgespräch verweigert. Es wäre zu spät und kein Arzt mehr im Hause.

„Das hier ist eine Klinik. Es ist immer ein Dienstarzt da~“, antwortete Uruha etwas säuerlich, hielt sich jedoch das Handgelenk, da dieses etwas schmerzte.

Doch selbst auf diese Aussage hin, wurde ihm das Gespräch verweigert und für morgen Vormittag angesetzt. Enttäuscht und geknickt ging Uruha wieder auf das Zimmer. Immerhin hatte er ein Einzelzimmer, wenn auch nur vorübergehend.

Er würde sowieso nicht lange bleiben, morgen würde er sich freiwillig entlassen, denn da er klar denken kann, konnten sie ihn nicht hier behalten.

Die Nacht über schlief Uruha nicht gut, um es genau auszudrücken, vielleicht eine halbe Stunde.

Die Kameras machten ihn verrückt und die Tatsache, dass sein Zimmer über Nacht abgeschlossen wurde.

Erst am nächsten Tag um 12 Uhr mittags bekam er sein gewünschtes Arztgespräch. Doch auch das verlief anders als gewünscht.

Durch seinen Selbstmordversuch und die momentane Lage in seinem Umfeld wird die Suizidalität von den Ärzten als sehr hoch eingestuft und so hatte er nicht einmal Ausgang.
 

Nachdem er es geschafft hatte, sich ein paar Zigaretten zu erschnorren, saß er in ihrem Raucherraum, das mehr wie ein großes Aquarium als ein Raucherraum aussah, und blickte aus dem Fenster.

Wenn er nicht mit Erlaubnis hier gehen durfte, dann musste er es irgendwie anders probieren.

Er nahm einen Zug an seiner Zigarette und schloss seine Augen. Er merkte, wie schwach er durch die letzten Wochen und Monate geworden war und wie anstrengend schon so ein kurzer Tag sein konnte.

Der Schweiß stand ihm bereits leicht auf der Stirn, doch davon wollte er sich in seinem Vorhaben nicht abhalten lassen.

Jetzt musste er sich sein Vorhaben nur noch überlegen. Sein Zimmer wurde nachts abgesperrt, das heißt, dass er es irgendwie vor 21 Uhr schaffen musste.

Doch durchs Fenster passte er nicht, selbst so dünn wie er jetzt war.

In Gedanken versunken merkte er nicht einmal, wie sich seine Zigarette von selbst rauchte und schließlich Asche auf seine Krankenhaushose fiel. Leise fluchend begann er sie von seiner Hose zu wischen, hörte jedoch wie er von zwei Mitpatienten dafür ausgelacht wurde.

Wenn er nicht sowieso schon schlechte Laune hätte, weil ihm einfach keine Lösung einfiel, wäre es ihm egal gewesen, doch er wollte gerade einen dummen Kommentar zurückgeben, als eine Pflegerin den Raum betrat. „Herr Takashima? Sie haben noch eine Untersuchung in der Chirurgie, wegen ihrem Handgelenk.“, sagte sie und überrascht blickte Uruha auf.

Er hatte einen Termin? Außerhalb dieser Station? Das war seine Chance.

Die Frage war nur, wie bekam er die Schwester los, die ihn begleiten musste?

Das überlegte er sich, wenn sie draußen waren. Er nickte ihr leicht zu, drückte den Zigarettenstummel aus und erhob sich um ihr zu folgen.

In der Chirurgie angekommen und die Untersuchung hinter sich gebracht, blieb Uruha kurz im Eingangsbereich der Chirurgie stehen.

„Was haben Sie?“, fragte die Schwester und blieb ebenfalls stehen.

„Ano... könnte ich... vielleicht noch die Toilette benutzen?“, antwortete der Brünette und deutete auf einen Gang, durch den es zu den Toiletten ging.

„Hm... na gut, aber beeilen Sie sich~“, antwortete die Schwester und ging mit ihm den Gang entlang.

Zu seinem Glück war es eine Schwester die ihn begleitet hatte und kein Pfleger, denn so konnte er alleine die Toilette betreten.

Sein zweites Glück war das Fenster, denn es war zwar hoch, aber groß genug um durch zu passen.

Er stieg auf einen der Toilettendeckel, öffnete das Fenster und versuchte sich rauszuziehen.

Was er dabei vielleicht vergessen hatte, war die Tatsache, dass sein Handgelenke nicht gerade die gesündesten waren.

Doch das versuchte er auszublenden, denn schließlich war er daran auch selbst Schuld.

Nach kurzer Zeit, hatte er sich aus dem Fenster gezogen, fiel jedoch in einen Busch, da das Fenster kein Fenstersims hatte. Kurz verzog er das Gesicht, da er ungünstig auf seiner Hand aufgekommen war, rappelte sich jedoch schnell auf, bevor ihn jemand entdeckte.

Er wusste, dass er gesucht werden würde, sobald sie merken, dass er weg war.

Und dann würde der Richter ihm einen Beschluss verhängen durch den er wohl die nächsten Monate in dieser Klinik eingesperrt blieb.

Uruha rannte die Straßen entlang, soweit wie möglich von diesem Krankenhaus weg.

Erst als er kaum noch Luft bekam und seine bereits schmerzlich nach Aufmerksamkeit schrie, wurde er langsamer und blieb an einer Hausecke stehen. Er stütze sich an der Wand ab und versucht nach Luft zu schnappen.

Wo konnte er eigentlich hin?

Wenn er nach Hause ging, fanden sie ihn sofort. Und wo Sakito wohnte wusste Uruha nicht, denn auch seine Telefonnummer hatte er nicht.

Da viel ihm ein, dass er gar kein Handy dabei hatte. Damit war der Plan Sakito anzurufen schon mal zunichte gemacht.

Langsam lief Uruha die Straße entlang und dachte nach.

Als er an einem Kiosk vorbei kam, fiel ihm etwas ein.

Dieser Polizist, der ihnen geholfen hatte. Wie hieß er gleich noch. Tatsuya...? Nein…Takuya?

Überlegend betrat Uruha den Kiosk und lief zur Kasse.

Auf die Frage nach einem Telefon sah ihn der Verkäufer etwas skeptisch an, gab ihm jedoch das Haustelefon und behielt ihn im Auge.

Uruha wählte die Nummer der Polizei, zögerte jedoch mit der Wahltaste, denn er wusste gar nicht so recht was er sagen sollte.

Schluckend tippte er dann die letzte Taste und hielt sich das Telefon ans Ohr.
 

+~+
 

"Also lass mich das ganze einmal zusammenfassen...", brummte Sakito am Ende Takedas Erzählungen vor verzweifelter Wut und hatte die Hände unter dem Tisch zu Fäusten geballt.

"Ihr... ihr habt gar nichts?!"

Takeda nickte schwer seufzend und ließ die Stirn auf dem Tisch sinken.

"Nur Spuren an der Küste, aber die verlaufen sich immer mehr im Sand."

Takeda nickte erneut. "Durch den Sturm, der kurzzeitig an der Küste entlang gezogen ist. Anscheinend wussten die Täter das und haben es genutzt.", meinte der Polizist und sah wieder auf.

"Und ihr habt nur die Leichen in der Hafenhalle entdeckt? Sonst nichts?! Keine Fingerabdrücke?! Hinweise?!" "Nein Sakito, das hab ich dir doch bereits schon gesagt.", maulte Takeda niedergeschlagen und rieb sich das Gesicht. "Wegen dieser Hoffnungsloigkeit in diesem Fall und dem Geschick dieser Täter haben meine Kollegen alle schon aufgegeben. „Wir haben noch genügend andere Fälle“, haben sie zur Ausrede genommen, aber Sakito, sie haben irgendwo schon Recht... Wir haben alles getan! Wirklich, aber es gibt nichts! Wir haben sogar einen Polizeihelikopter herum fliegen lassen." "Dann lasst ihn nochmal rum fliegen! Es kann doch nicht sein, das ein Auto nicht auffällt!", regte sich Sakito auf und sprang auf die Beine. "Gut, dann such ich eben alleine weiter. Schönen Tag noch Takeda.", wollte er sich verabschieden und drehte sich um, als er ein Hand auf der Schulter spürte, die ihn festhielt. "Nein, ich will helfen, Sakito! Ich will nicht untätig herum sitzen! Dafür wurde ich nicht Polizist!" Nur langsam drehte sich der Anwalt wieder herum. "Dann sorg' dafür, das die Ermittlungen weitergehen und schick den Helikopter nochmal los. Sie müssen irgendwo sein! Such, wenn nötig, die ganze Küste ab!" Takeda nickte verstehend und verließ mit dem Anwalt zusammen das Büro, um sich sofort an die Arbeit zu machen und die Polizisten zusammen zu rufen.

"Ach mist...", fiel es Sakito wieder ein, als er aus dem Polizeigebäude trat. "Ich hab vergessen, das ich das Taxi nochmal brauche..."

"Hey! Sieh da!", rief jemand und verwundert drehte sich Sakito zur Seite und erkannte überraschend den Taxifahrer wieder, der ihm grinsend zuwinkte. "Ich konnte doch mein Auto nicht direkt vor dem Eingang stehen lassen, Irgendwie hatte ich es im Gefühl, das sie mich heute nochmal brauchen werden." "Ähm... vielen Dank, da haben sie Recht.", meinte Sakito immer noch etwas irritiert aufgrund seines Glücks und stieg ein. Auch der Taxifahrer stieg hinter das Lenkrad und funkelte ihn neugierig über den Rückspiegel an. "Wohin?" "Fahren sie einfach. Ich sag dann schon, wo sie abbiegen müssen.", meinte er nur ausweichend und kramte nach seinen Klemmbrett, um all die wenigen neuen Informationen darauf niederzuschreiben.

"Okay.", meinte der Fahrer nur enttäuscht und fuhr los.
 

Nach einer Weile und vielen Anweisungen Sakitos später standen sie schließlich vor einer Haltestelle. "Und sie sind sicher, das wir hier richtig sind?", fragte der Fahrer irritiert, der damit gerechnet hatte, etwas aufregenderes zu sehen. "Nein, nein... Wir sind schon richtig, danke. Wie viel macht das?" "Ano... 1202,94 Yen." Nickend nahm Sakito seine Geldbörse hervor und bezahlte den Fahrer, bevor er ausstieg. Ohne sich noch einmal umzudrehen ging Sakito los. Er verfluchte die bereits eingekehrte Dunkelheit, die er nach seinem Besuch bei Takeda ungewollt bemerkt hatte.

Als er seine Wohnung von weitem sah, ging er schneller. Weswegen er so vorsichtig gehandelt hatte, wusste er nicht, aber er hatte lernen müssen, nicht jeden zu vertrauen.

Er ging also rein und hing seine Jacke auf, nachdem er seine Halbschuhe aus dem Krankenhaus von den Füßen gekickt hatte. Er wollte sich nur schnell etwas zu essen machen, sich andere Schuhe suchen und seine Detektivausrüstung schultern, bevor er dieses Mal mit seinem Auto weitermachen würde.
 

+~+
 

Als Uruha die Stimme eines Polizeibeamten hörte, blieb ihm für einen Moment die Stimme weg.

„A-ano... ich... ich würde gern mit einem ihrer Beamten sprechen. Takuya oder... Takeda oder so ähnlich?“, sagte er dann leise und hoffte, dass er wenigstens annähernd den Namen erkannt hatte.

„Takeda?“, wiederholte die unbekannte Stimme am anderen Ende der Leitung, „Ich werde Sie verbinden. Wie heißen Sie denn?“

Uruha schluckte und sah den Verkäufer kurz an, ehe er ihm den Rücken zudrehte. Vor ihm stand eine Nudelpackung auf der der Name „Kobayashi“ stand und so stellte er sich einfach unter dem Namen Kobayashi vor.

Endlich hörte er das Freizeichen, das ihm deutete, dass er verbunden wurde.

Hoffentlich lief alles gut.
 

+~+
 

Gerade als Takeda mit einer Schar an Polizisten die Polizeistation verlassen wollte, wurde er von einem seiner Leute, die zurückbleiben würden, um die Menschen, die ebenfalls Hilfe suchten, nicht vollkommen im Stich zu lassen, zurückgerufen. Genervt blieb er stehen und wandte sich um. "Was denn noch?", fragte er und war mit dem Gedanken schon ganz weit weg. "Da ist jemand für sie am Telefon." "Humpf...", machte Takeda und winkte seinen Leuten zu, sich schon mal in ihre Streifenwagen zu stürzen und bereits ohne ihn loszufahren. Ihre Anweisungen hatten sie ja von ihm erhalten und davon nicht zu wenig. "Soll ich ihn abwimmeln?" "Wer ist es denn?" "Irgendso'n Kobayashi.", meinte der Polizist und Takedas Brauen hoben sich. Verwirrung spiegelte sich in seinem Gesicht wieder und nun sah auch der andere Polizist verwirrt aus. "Soll ich ihn nun abwimmeln?" "Was? Nein nein...", murmelte Takeda mit nachdenklich verzogener Stirn und lief schnellen Fußes an dem Mann vorbei, um in sein Büro zu gelangen. Schnell hatte er es aufgeschlossen, schloss die Tür hinter sich und entriss anschließend dem Telefon den Hörer. "Takeda hier. Wer sind sie und was wollen sie?! Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.", meinte er lauernd und lauschte angestrengt.
 

Als er die Stimme vernahm zuckte er kurz zusammen, denn die Tonlage erschreckte Uruha doch schon etwas. Für einen kurzen Moment blieb ihm die Stimme weg, wodurch er sich räuspern musste.

"A-ano... Takeda?", fragte er nochmal leise nach und starrte noch immer die Packung im Regal vor sich an, "hier ist..Takashima... ano... Takashima Kouyou..."

Er wusste nicht, ob der Name dem Beamten etwas sagte, doch Uruha hoffte inständig, dass er ihm helfen konnte.
 

Als er diese ihm bekannte Stimme und noch dazu den ihm bekannten Namen hörte, riss Takeda überrascht die Augen auf. Natürlich erinnerte er sich! Diese Szene in dem OP-Saal, in dem verzweifelt um Reitas Leben gekämpft wurde, würde er nie vergessen! An dem Tag hatte er auch Kouyou kennen gelernt, aber... nach seinem Wissen müsste dieser sich doch noch im Krankenhaus befinden, oder nicht?! Hatte er etwas wichtiges verpasst? Hatte man ihn entlassen? "M-Mensch... Kouyou... Ich hätte nicht gedacht, das ich deine Stimme in nächster Zeit hören würde. Bist du schon entlassen?", fragte er erfreut und überrascht zugleich. "Ich weiß natürlich, was passiert ist, aber... wir werden alles daran setzen, ihn zu finden, glaub mir! Aber was mich interessiert: warum rufst du mich an? Was ist mit Sakito?", wollte er wissen und aus irgendeinem Grund hatte er ein schlechtes Gefühl in der Magengegend. Hätte er ihn vielleicht nicht alleine losfahren lassen sollen?
 

Bei diesen Worten musste Uruha doch leicht zittern.

Was würde passieren, wenn er ihm davon erzählte, dass er einfach abgehauen war?

Würde er ihn wieder dort hin zurück bringen? Jetzt war der Brünette doch ziemlich unsicher.

"Ich... na ja... nicht direkt.", gab er deswegen als Antwort wieder und hoffte, dass Takeda ihn irgendwie verstand.

"Ich... ich weiß nicht, wo Sakito wohnt...", antwortete er erneut und senkte seinen Blick Richtung Boden.

Seine Klinik Klamotten waren doch irgendwie offensichtlich, auch wenn man es für einen Jogginganzug halten könnte.
 

Überrascht hob Takeda die Brauen. "Ah... Ich verstehe...~ Ihr seid mir wirklich ein paar Chaoten, aber was wäre ich nur ohne euch?", seufzte er leicht grinsend und sah zu den Fenstern, die mit Schalousinen bedeckt waren, ob nicht vielleicht eines davon offen war, oder ob die Tür geöffnet wurde und jemand lauschte. "Sag mir, wo du bist und ich hol dich ab, bevor dich noch jemand wegfängt und zurückbringt.", sagte er und schnappte sich seinen Hut und einen zur Farbe passenden bechen Mantel seines Garderobenständers. Diese Sachen mussten doch zur Tarnung eines Entflohenen reichen, oder?
 

"Gomen...", nuschelte Uruha etwas schuldbewusst und er warf einen kurzen Blick auf den Kioskbesitzer, der ihn bereits etwas skeptisch betrachtete.

Doch er warf gleich wieder den Blick aus dem Fenster, um auf einem Schild den Straßennamen zu erhaschen, den er Takeda auch sofort durchsagte.

"Ano...arigatou..", murmelte der Brünette nach einiger Zeit leise und legte schließlich auch auf. Er hoffte jetzt nur noch, dass ihn kein anderer fand. Er gab das Telefon zurück und verneigte sich mit einem Dankeschön.

Jetzt wusste er nur nicht wo er hin sollte.

Sollte er hier drinnen warten? Oder draußen?

Eigentlich war beides für ihn etwas unangenehm, denn draußen war das Risiko größer gefasst zu werden, doch hier drin war der Besitzer bereits in Alarmbereitschaft.

Etwas unsicher blieb Uruha dennoch stehen.
 

"Okay, hab verstanden. Ich versuche so schnell wie möglich da zu sein. Ist schon okay, Kouyou. Ich bin doch auf eurer Seite.", meinte er grinsend und legte ebenfalls auf. Dann verließ er eilends das Büro, schloss rasch ab und rannte an den verwirrten Polizisten vorbei zu seinem Auto, um die Sachen, die er mitgebracht hatte, auf die Rückbank zu werfen und sich hinters Lenkrad zu setzen. "Auf auf Takeda!", spornte er sich an und startete den Motor, während er sich hastig anschnallte. Dann ließ er die Sirene aufjaulen und fuhr ihm schnellen Tempo los. Seinen Männern hatte er mit Hilfe seines Autotelefons mitgeteilt, das sie vorerst ohne ihn weiter suchen mussten.
 

Kaum hatte er die ihm von Uruha genannte Straße erreicht, sah er sich nach dem Laden um, den er ebenfalls erwähnt hatte. Dann fuhr er an die Seite, stellte die Sirene ab und verließ den Wagen, dessen Motor noch immer lief. Er wollte schließlich nur Kouyou abholen. Doch kurz bevor er den Laden betrat, fiel ihm etwas wichtiges ein, was er noch beachten musste, wenn er noch länger seine Dienstmarke behalten wollte. Nur zur Vorsicht natürlich...

Eine ernste Miene aufsetzend stürmte er den kleinen Laden, dessen Ladenbesitzer ihn aus großen Augen anblickte. "Officer, ich...", wollte dieser ansetzen, da er verwirrt über den Besuch war, ließ seinen Blick allerdings zu Kouyou weiter wandern, der ihm schon die ganze Zeit als hier fehl am Platze vor kam.

Währenddessen fixierte Takeda Kouyou und zwinkerte ihm möglichst unauffällig zu, ehe er mit großen Schritten auf den etwas zurückweichenden Blonden zu ging, während er weiterhin die ernste Miene miemte. "Da bist du ja!", meinte er etwas erleichtert klingend, legte seinen Arm um Kouyous Schulter und dirigierte ihn zu Tür, während er möglichst sichtbar für den Ladenbesitzer seinen linken Arm fest im Griff hatte, natürlich darauf bedacht, nicht sein Handgelenk zu erwischen, denn von dem Vorfall hatte er erfahren. "Lauf nie wieder weg, ja?", richtete er seine Worte wieder an Kouyou, als ob er mit einem Kind reden würde und dirigierte ihn lächelnd aus dem Laden heraus. "Ich bring dich jetzt nach Hause.", meinte er noch möglichst verständlich für denn Ladenbesitzer, der ihnen nun verstehend hinterher sah. „Tut mir Leid, mein Herr, für die Unannehmlichkeiten!“, rief er noch zu dem Mann im Inneren des Ladens und hob die Hand zum Abschied.
 

Dann öffnete Takeda die hintere Tür seines Dienstwagens und ließ seinen Arm los. "Steig ein, Kouyou.", bat er ihn drängend, aber mit leiser Stimme und kaum war der Blonde eingestiegen, lief er um den Wagen herum und setzte sich hinters Steuer. "Tut mir Leid, aber ich musste so tun, als ob ich meine Pflicht tue. Du siehst nicht gerade unauffällig aus, verstehst du?", erklärte er und fuhr los, dieses Mal ohne Sirene, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. "Ich hab dir Sachen hingelegt. Sie dürften dir zu groß sein, da ich nicht gerade deine Statur habe, aber sie müssten zur Tarnung reichen. So... dann bring ich dich mal zu Sakito und hoffe, das er noch da ist. Ansonsten musst du bei mir bleiben oder wir versuchen ihn auf Handy zu erreichen."
 

Verunsichert blieb Uruha auf seinem Platz stehen.

Wie lange er wohl warten werden müsste? Er hoffte wirklich, dass es nicht all zu lange dauerte, denn der Besitzer des Ladens beäugte ihn bereits skeptisch.

Der Brünette ließ den Blick sinken und zupfte nervös am Ende seines Hemdes herum.

Als Takeda schließlich den Laden betrat atmete Uruha etwas erleichtert auf. Da er noch immer den Blick gesenkt hatte, bemerkte er nicht wie Takeda ihn anzwinkerte.

Bei den Worten des Beamten rutschte ihm das Herz etwas in die Hose, doch für ihn brachte es nichts, jetzt abzuhauen.

Immerhin wusste er nicht wohin, mal davon abgesehen, dass Takeda ihn wohl sowieso einholen würde.

Etwas geknickt lies er sich von Takeda "abführen", stieg in den Wagen und knetete etwas nervös seine Hände.

Nachdem er die Türe auf der Fahrerseite zugehen hörte sah er ganz zögerlich auf, entspannte sich aber doch wieder leicht, als er hörte, dass sie nun zu Sakito fahren würden.

"... Vielen Dank...", antwortete der Brünette und lächelte zaghaft. Er wandte den Blick nach hinten zu den Klamotten und nickte leicht. Nach kurzer Zeit, hatte er die zu großen Kleidungsstücke übergezogen und wandte den Blick aus dem Fenster.

Hoffentlich war Sakito da...
 

"Ach was... nicht dafür.", winkte Takeda grinsend ab und warf einen Blick in den Rückspiegel, als er glaubte, Uruha müsse fertig mit anziehen sein. "Hm... Entweder ich muss abnehmen oder du musst eindeutig zunehmen! Aber... sieht irgendwie witzig aus. Hoffentlich empfinde nur ich das so. Deine Tarnung soll ja nicht auffliegen. Schnallst du dich bitte an? Wir haben nicht viel Zeit.", meinte er und kaum hatte Uruha sich angeschnallt, erhöhte er die Fahrgeschwindigkeit, um letztendlich die letzte Einbiegung einer endlos vorkommenden Straße zu nehmen und vor einem Haus zu stoppen. "Wir sind da. Setz lieber den Hut auf und hüll dich richtig in den Mantel ein. Das Krankenhaushemd könnte dich verraten und mir den Job kosten.", erklärte Takeda noch, stellte den Motor aus, entschnallte sich und stieg aus dem Wagen, um Uruha die Tür aufzuhalten, nachdem er vorerst um den Wagen herumgelaufen war. Er half den Blonden auf die Füße, um den Wagen abzuschließen. Polizisten waren eben nie gerne gesehen und es gibt immer irgendwelche Idioten, die es wagen, einen Streifenwagen zu stehlen.

Gemeinsam gingen sie dann zu Sakitos Haus hinauf und Takeda klingelte gleich mehrmals, ungedulig.
 

Ein leichtes Lächeln stahl sich auf Uruhas Lippen, als er sich vorstellte, wie er wohl aussehen musste, vor allem nachdem was Takeda ihm sagte.

Er nickte jedoch gleich, zog sich die Jacke etwas enger, schloss sie bis auf den letzten Knopf um den Hals und nahm sich dann denn Hut.

Er strich sich die Haare nach hinten zusammen, als würde er sich einen Pferdeschwanz binden wollen, drehte sie leicht ein und hielt sie sich auf dem Hinterkopf fest bis er den Hut darüber gezogen hatte, sodass sie unter der Kopfbedeckung verschwanden.

Den Hut zog sich Uruha etwas tiefer ins Gesicht, denn nach all dem was Takeda für sie getan hatte, wollte er nicht der Grund sein, weswegen er den Job verlieren konnte.

Er stieg aus, und folgte dem Beamten bis zur Türe, wo er etwas hinter ihm stehen blieb und wartete.

Hoffentlich war Sakito zu Hause. Etwas nervös und angespannt verkrampfte er seine Hände in den Jackentaschen und biss sich leicht auf die Unterlippe.
 

+~+
 

Zum Glück ahnte Aoi nichts von Hizumis zweifelnden Gedanken und dessen inneren Kampf, den er führte. Zu sehr war er seiner Erschöpfung ergeben, doch er vertraute Hizumi, welcher ihm versprochen hatte, ihn zu wecken, wenn es los ging. Aoi wollte dabei sein... musste dabei sein! Denn dann würde er ja sehen, ob seine Entscheidung richtig war, wie es Reita ging und was passiert war, würde den Boss wieder sehen... und dennoch hoffentlich nie wieder leiden müssen... und wenn doch und wenn Reita bereits Tod war, dann sollte es endgültig vorbei sein. Hizumi hatte versprochen ihn gehen zu lassen, also würde auch dieser sich nicht gegen seinen Willen stellen.

Aber wer wusste schon... was ihn noch alles erwartete...?
 

+~+
 

Mit ungeduldiger Miene schritt Shi auf und ab, knurrte immer wieder auf, wenn er kurz davor war, durchzudrehen, weil es nicht weiter ging und sie immer noch auf die ersten Sonnenstrahlen warteten, die er sonst so sehr hasste und nun liebte, aber so lange darauf warten musste, bis er bekam, was er brauchte. Seine viel zu langen Fingernägel hatte bereits seine Arme ganz blutig gekratzt, aber es kümmerte ihn nicht und immer, wenn er etwas gehört zu haben glaubte, zuckte sein Blick in diese Richtung. Meistens war es jedoch nur der Boss in seinem über dem Schauspiel erhöhten Sitz, der sich rührte und die Position wechselte, da sein Hintern ihm weh tat. Shi knurrte jedes Mal wütend, wenn er dies tat. Er machte ihn noch verrückter mit seiner Dummheit und seinem Egoismus. Doch so war er ja schon immer gewesen... dumm, egoistisch, rechthaberisch, nervig und fantasielos und eben aus jenen Gründen war er es... Shi... der der Bessere von ihnen war. Doch er kostete seinen Ruhm nicht aus. Prahlerei war eine Schwäche der Menschen... Er war anders. Ganz anders...

Doch seine Schwäche war wohl die Ungeduld, wie er wiedermal feststellen musste, doch wie sollte er sie auch unter Kontrolle bekommen, wenn bisher alle seine Opfer den schnellen Tod gefunden haben?! Aber... er musste zugeben... die Idee seines Mitstreiters seiner Leidenschaft war eine verdammt Gute... Mal etwas anderes... Aber er musste sich gedulden! Wieder knurrte er auf und ging wieder in die andere Richtung. Sein Blick unterdessen zu seinem Sklaven und diesem... anderen, für den er keinen Namen hatte und auch keinen brauchte, denn sterben würde er sowieso und ein Grabstein würde er auch niemals bekommen. Lachhaft... Wenn jeder Grabsteine setzen würde, der so etwas herrlich abstoßendes wie er tätigte, dann würden die Straßen mit Grabsteinen beflastert sein! Unter Brücken, unter Mauern und Gebäuden... ja sogar ganze Landstriche davon bedeckt sein! Und man würde erkennen, das die ganze Welt ein einziger Grabstein ist!
 

Mit hasserfülltem Blick trat er näher an ihre beiden Opfer, die ihre Köpfe einander zugewandt hatten und als er die Tränenspuren auf ihren beiden Gesichter sah, musste er so sehr lachen, das der Boss vor Schreck fast aus seinem Stuhl gerutscht wäre. "Hahahah! Habt ihr's bald mal?! Was verschwendet ihr jetzt nach Jahren immer noch Tränen?! Das ist dumm... Lachhaft... Schwachsinn!", zählte er fast kreischte auf und kniete sich zu ihnen, wobei er einen kleinen Wortfetzen aufschnappte, welches von dem Namenlosen kam. Hasserfüllt griff er nach dessen Kehle, um sie ihn abzudrücken. Wut und Ungeduld hatte ihn blind werden lassen. Kato röchelte, hörte aber nicht auf, das Mantra an seinen Geliebten abzubrechen, auch wenn die Stimme ihm dazu fast gänzlich fehlte. Wieder liefen die Tränen nach und in dem Moment, wo sie auf Shis Hand fielen, hatte auch der Boss die Stimme erhoben, um ihm Einhalt zu gebieten. Widerwillig und vor Ekel verzogener Miene lockerte der Silberhaarige den Griff, sodass Kato wieder aufatmen konnte. Doch Shi beugte sich zu ihm hinunter. Mit einem Lächeln, das an Verrücktheit glänzte, hatte er sich zu seinem Ohr hinunter gebeugt. "Am liebsten würd' ich dir dafür die Zunge abschneiden...~ Was du tust, ist sinnlos. Du wirst ihn nie wieder sehen, dafür hab ich schon gesorgt...~", kicherte er und entfernte sich wieder mit einem Ruck. Die von einer Träne befeuchtete Hand wischte er sich mit verzogenem Gesicht an seinem Kittel ab und als er den Namenlosen nun auch noch unaufhaltsam Schluchzen hörte, musste er sich zurückhalten, um nicht wieder kehrt zu machen und ihm jeden nächsten Laut zu nehmen... Die Menschen waren schrecklich nervig! Doch... er musste geduldig sein. Nur noch wenige Stunden und der Tod war ihnen sicher, dafür würde er schon sorgen...
 

+~+
 

Schweren Herzens stand Hizumi auf, rief seine Leute zu sich und zog sich an. Es war soweit, die Aktion begann und die nächsten Stunden würden über Leben und Tod entscheiden... Hizumi bewaffnete sich bis unter die Zähne und steckte Messer und Pistolen ein. Auch schnallte er sich ein Katana auf den Rücken. Dann beugte er sich über Aoi und betrachtete ihn. Er war verliebt... Ohne Frage... Sein Herz schlug bis zum Hals und ganz behutsam, fast als berühre er etwas unendlich Filigranes, strich er ihm über die Wange und hauchte einen Kuss darauf. "Aoi...? Aufstehen..."
 

Als Aoi inmitten seines nur noch durch Albträume geplagten Halbschlafes, eine Berührung gleich eines kurzen hoffnungsvollen Windhauches, auf seiner Wange spürte, kräuselte der Schwarzhaarige die Nase und schlug verschlafen nach dem Übeltäter, ehe er sich auf die Seite drehte. Jedoch der sanfte Kuss auf die ebenso sanft berührte Wange, ließ ihn träge blinzeln, ehe er die Augen schließlich, wenn auch auf Halbmast, aufschlug. Wo war er hier? Wer...?

Aoi riss die Augen auf, als ihn ein hoffnungsvoller Gedanke kam und drehte sich wieder auf den Rücken, um Reita...

Er seufzte enttäuscht, als er Hizumi erkannte und ließ ein wenig verwirrt seine Hand nun an seine Wange wandern. "Ano... Ich dachte, du bist... Ach... nicht so wichtig... Geht es los?", fragte er anschließend und schluckte. Nervosität überfiel ihn und Angst davor, was ihn erwartete. Würden seine Zweifel sich bewahrheiten, oder gab es doch noch Hoffnung, die ihn, sogleich er es erkennen würde, innerlich zerbröseln ließen würde? Schließlich hatte er aus Verzweiflung und Angst etwas getan, was er vielleicht nicht hätte tun sollen...? Was sein Körper nicht hätte tun dürfen. Nicht verlangen dürfen...

Doch das was war, war doch aus vollkommen platonischer Sicht geschehen, nicht wahr? Aber... warum hatte ihn Hizumi dann geküsst? Oder irrte er sich?
 

Doch er vergaß vollkommen zu fragen, als er all die Waffen sah, die Hizumi an sich trug. "O-oh...", machte er und richtete sich mühselig auf. Sofort verzog er wieder das Gesicht, als er den Schmerz in seinem Unterleib spürte. //Nein, den hast du verdient.//, dachte er und biss sich kurz auf die Unterlippe, ehe er seinen Blick wandern ließ. Seine Sachen lagen wohl immer noch in Hizumis Arbeitszimmer verstreut. Ein wenig rot wurde er doch, als er daran denken musste und senkte verlegen den Blick. "M-muss ich auch eine... also... sowas tragen?", wollte er wissen und zeigte auf einer seiner Waffen, meinte aber alle, die er trug, denn Aoi war eher nicht der Typ, der wissentlich andere verletzen wollte... Obwohl... wenn er dem Boss gegenüberstehen würde... Er schluckte wieder. "Dann kann ich den.... dieses Mistschwein töten.", sagte er trocken, kalt, aber mit unscheinbaren Fragen auf den Lippen. Würde er es können, wenn er die Chance dazu hätte? Würde er wirklich zum Mörder werden für diesen Mann? Hatte er den Mumm dazu?

Und ohne das er's bemerkte, knabberte er unsicher auf seiner Unterlippe herum und stoppte am Bettrand seine Bewegung, nachdem er dorthin gerobbt war. "Hizumi...? Meinst du... Meinst du, das ich das kann?", wollte er seine ehrliche Meinung dazu wissen und sah zu ihm auf. Seine Stirn hatte sich nachdenklich verzogen.
 

// Ich dachte, du wärst Reita... Reita... Reita!// Dieser Name hämmerte HIzumis seinem Kopf, fraß sich wie ein Monster in sein Bewusstsein und ließ ihn zittern. Doch, sicher, Reita war mit Aoi zusammen. Für Hizumi gab es einfach keine Chance auf Glück oder gar die wahre Liebe... Wahre Liebe... Innerlich lachte er über seine Dummheit und die törichten Gedanken. Machte das Liebe aus einem Menschen? Nahm sie alle Rationalität und betrog sie den Menschen um Verstand und Logik? Nicht nur das tat die Liebe mit einem... Sie zerstörte auch... Ließ ihn dumme, komische Dinge tun und sorgte dafür, dass man sich selbst verlor... Hizumi sah Aoi an und hörte ihm dann zu. "Nein, du wirst ihn nicht töten, das werde ich nicht zulassen. Du wirst eine Schutzweste tragen, so kannst du nicht verletzt werden... Du wirst im Hintergrund bleiben und dich nicht einmischen, hast du gehört? Wir erledigen das, du darfst dann, wenn alles gut gegangen ist, deinen Freund in die Arme nehmen und feiern... //Reita... Gott... Ich kenne ihn nicht, aber ich hasse ihn...//
 

"Ist... ist alles in Ordnung, Hizu?", fragte der Schwarzhaarige zögerlich und verwundert zugleich. //Es war doch platonisch... oder nicht??//, fragte er sich nun doch wieder ängstlich, da er wieder glaubte, etwas falsch oder etwas wichtiges verpasst zu haben, doch er traute sich nicht, Hizumi darauf anzusprechen. Er hatte vorgehabt, es nie wieder anzusprechen. Es war NUR dieses eine mal gewesen! Dann würde er entweder vor Reita im Staub um Verzeihung betteln oder neben dessen Leiche sterben wollen oder... wenn er ihm nicht verzieh...

//Hoffentlich vergisst Hizumi das nicht...//, dachte er und schluckte, versuchte unter der Decke seine zitternden Hände zu verstecken.

Er spitze interessiert die Ohren, als Hizumi auf seine Frage antworten wolle, ob er sich vorstellen könne, wenn er den Schänder seines Lebens und den Reitas töten würde, wobei ihm wieder einfiel, das er sich auch dafür noch tausendmal entschuldigen müsse, obwohl er keine Ahnung hatte, wie er das anstellen sollte. Man zerstörte schließlich nicht dauernd jemanden das Leben... Wie entschuldigte man sich da? Konnte man das überhaupt? Würde er es können? Würde Reita ihm verzeihen, wenn... wenn er noch konnte?

Dann lauschte er wieder auf. Ließ Gedanken kurz Gedanken sein.

"I-im Hintergrund?! Aber ich will auch etwas tun! Ich kann doch nicht einfach Däumchen drehend darauf warten, das ihr mir helft, wofür...", begann er sich aufzuregen und biss sich jäh auf die Unterlippe, als ihm wieder etwas bewusst wurde. "Vielen Dank Hizumi, dass du mir hilfst, aber... ich würde so gerne auch helfen.", meinte er schließlich verzweifelt und zwang die Wut oder auch die Enttäuschung nieder, die ihn noch stärker zittern ließ.

"F-feiern?", lachte er gequält auf und sah Hizumi mit großen traurigen Augen an. "Die Qualen werden nie enden, Hizumi! Das war mein ganzes Leben schon so gewesen und wenn er wirklich leben sollte...", begann er und wirkte für einen Moment geistig abwesend, während ein seliges Lächeln seine Lippen umspielte, ehe er sich wieder fing und den Blick bedrückt senken ließ.
 

"Dann werd' ich ehrlich zu ihm sein und sagen, was ich von dir... verlangt habe. Was ich gewollt habe... und das nicht von ihm. Ich werde ehrlich zu ihm sein. Ja...", endete er seine Erklärung und sah wieder zu Hizumi auf. "Sagte ich dir nicht, den Ärger und die Qualen werden wir nie los bekommen? Irgendwie... führen wir nur immer wieder einen Teil dazu bei. Ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, in unserem Wissen oder nicht, es ist... wie ein Teufelskreis, in dem wir gefangen sind und nicht raus können.", meinte er und ein bitteres Lächeln lag nun auf seinen Lippen. Schließlich erhob sich Aoi, krallte sich dabei allerdings in die Decke, damit diese sein Geschlecht nicht entblößen würde, mit einer Hand, während er mit der anderen die Hizumis ergriff. "Und glaub mir bitte, Hizumi. Ich habe es nicht bereut.“, versuchte er ihm zu versichern und ließ den Kopf nachdenklich sinken. //Inzwischen weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. War das nur der Durst meines Körpers, oder bin ich echt unersättlich, allen Schmerz zuzufügen?//

„Doch wenn Reita... nun doch leben sollte... was ich an Hoffnung schon so gut wie aufgegeben habe, da ich spüre, wie mir das Herz geschnürt wird, jede Sekunde mehr, die verstricht. Doch...", fuhr er weiter fort, doch unterbrach sich, während er auch Hizumis Hand wieder entließ. "I-ich werde dafür gerade stehen, was ich getan habe. Was ich mir gewünscht habe und ich bitte dich, wenn dies tödlich endet, gib dir nicht die Schuld oder hasse ihn dafür! Für seine Schwäche muss man gerade stehen und wenn es zu Ende sein sollte, dann hatte ich wenigstens ein paar Momente gehabt, in denen ich glücklich war.", meinte Aoi, sah wieder auf und blickte Hizumi aufmunternd lächelnd an. Anschließend wickelte er sich dann die Decke um die Hüfte. "Ich geh mich nur schnell umziehen. Die Sachen sind noch drüben. Dann... Dann kann es losgehen.", sagte er ungewohnt gut gelaunt, um Hizumi nicht weiter Sorgen zu bereiten und um sich selbst zu betrügen, denn in Wahrheit hatte er einen riesen Schiss vor dem hoffentlichen Finale...? Würde Hizumi und seine Bande ihm wirklich helfen können, seinen Reita wieder zu bekommen? Und wie ging es diesem gerade? Bestätigten sich seine Vorahnungen? Konnte man ihm noch helfen?! Was würde mit dem Boss geschehen? Würden sie jemals ein normales Leben führen können? Frei von Gewalt und Schmerz?

Fragen über Fragen häuften sich in seinem wirren Kopf und er hoffte, bald auf alles eine Antwort zu erhalten, egal wie gut oder schlecht sie waren. Schocken konnte ihn soweit vieles nicht mehr...
 

~+~
 

Gerade stolperte Sakito aus der Küche heraus, im Mund ein eben schnell gemachtes Sandwich, in den Händen seine Tasche mit den wichtigen Utensilien wie z.B. seinen Laptop oder eine Pistole, die er sich zum Schutz einmal gekauft und lizensiert hatte, seine Autoschlüssel samt Hausschlüssel und sein Spionagekoffer, falls er Fingerabdrücke machen musste oder eine Taschenlampe brauchte. Besser vorbereitet sein, als gar nicht, lautete seine Devise.

Da klingelte es plötzlich an der Tür.

Ein missmutiges Brummen drang gedämpft aus seiner Kehle und schnell versteckte all seine Habseligkeiten im angrenzenden Wohnzimmer in einer Couchecke, bevor er die Pistole aus der Tasche zog und ein Kissen über den Rest warf, um alles zu verdecken. Wer wusste schon, wer ihn jetzt stören wollte?! Darauf bedacht, keine unnötigen Geräusche zu machen, schlich er sich zur Tür und sah durch den Türspion hinaus. Einen überraschten Laut ausstoßend, erkannte er Takeda und öffnete sofort die Tür, sah durch den Türschlitz. "Takeda, was ist denn noch?! Du weißt doch, das ich los wollte! Ist was passiert?!", wollte er wissen, ohne den anderen zu begrüßen und erspähte noch jemand anderen, der sich hinter Takedas breiten Rücken versteckte. Mit gerunzelter Stirn steckte er sich die Pistole hinter der Tür unter den Hosenbund und öffnete daraufhin die Tür einen Stück weiter. Er musterte den Eingehüllten von oben bis unten, sah dann von Takeda wieder zu dem anderen und als dieser so aufsah, das er dessen Augen über den Mantel hinweg sehen konnte konnte, musste er schwer schlucken. Diese Augen! Die kannte er doch! "U... Uruh... a?", hauchte er erstarrt, wollte nicht wahrhaben, wen er da gerade, so hoffte er zumindest, vor sich hatte, wollte etwas sagen, doch stattdessen gaffte er den Eingehüllten völlig perplex an. Erst nach einer Weile rührte er sich wieder. "B-Bist du e-es?", fragte er mit leiser hoffnungsvoller Stimme und ihm wurde ganz schwer ums Herz. "Takeda! Wen hast du da mitgebracht?", wollte er wieder an den Polizisten gewandt wissen und blickte wieder zu dem Verhüllten. Der Polizist lachte auf, schob Sakito allerdings etwas beiseite, damit er eintreten konnte. "Super! Man erkennt dich nicht! Hab ich's doch gewusst.", rief er triumphierend und sah sich neugierig in Sakitos Wohnung um, dessen Frage er noch immer nicht beantwortet hatte. "H-hey!", versuchte dieser nun wieder auf sich aufmerksam zu machen, stand an der Haustür gelehnt und ließ den Blick wieder zwischen Takeda und dem Unbekannten hin und her wandern. "Klärt mich mal jemand auf?", bat er mit klagendem Tonfall in der Stimme und ruckte mit dem Kopf zum immer noch Eingehüllten, der nun ebenfalls eintrat, sodass Sakito die Tür schließen konnte. "Also ich weiß nicht, wer dieser Uruha sein soll, von dem du geredet hast, aber ich hab dir Kouyou mitgebracht und... ich lass euch am besten mal eben alleine.", meinte Takeda und zwinkerte Sakito grinsend zu, was dieser jedoch nicht mehr sah, da der Anwalt sich schon bei Uruhas richtigen Namen dem Verkleideten zugewandt hatte. Vollkommen baff und einfach nur sprachlos, starrte Sakito seinen Uruha einige Sekunden an, ließ seinen Blick eher zufällig zu dessen verhüllten Handgelenke gleiten, eher er sich anschließend um Uruhas Hals warf.

"D-du Dummkopf!", schluchzte er geradeaus und klammerte sich an dem anderen fest. "W-warum?!", fügte er dem noch hinzu, nahm ihm mit zitternden Händen den Hut ab und zog mit einer Hand vorsichtig den Mantelkragen hinunter, um Uruha richtig ins Gesicht sehen zu können. Fragend und anschuldigend sah er ihn an.

Da war es wieder. Sein schneller Herzschlag. Sein rasender Puls. Seine Liebe. Sein Uruha direkt vor ihm, in seinen Armen und am liebsten würde er ihn nie wieder loslassen, doch er wusste, das ging nicht. Eigentlich schade, aber vielleicht ließe sich das irgendwann noch ändern...?

//Aus, Sakito! Vergiss nicht, was du eigentlich vor hattest! Überfall ihn doch nicht so!//, rief er sich zur Vernunft und löste sich nur widerwillig von Uruha. Peinlich verlegen blickte er ihn an und biss sich auf die Unterlippe. "T'schuldigung...", murmelte er und sah nach einem kleinen Lächeln wieder zu ihm auf, während er sich die Tränen aus dem Gesicht wischte und sich zu fassen versuchte. Allerdings wollte das Zittern nicht so recht aufhören und das Beben seiner Lippen ebenso nicht. "I-ich hatte schreckliche Angst um dich! Ich dachte, i-ich sehe dich nie wieder!", teilte er ihm mit zittriger Stimme mit und rang immer noch mit den Tränen.
 

Bis die drei Männer in der Wohnung standen hatte Uruha den Kopf gesenkt gelassen, nur kurz hatte er Sakito vor der Türe angesehen, doch den Blick sofort wieder nach unten gewandt.

Obwohl er erschöpft war, fühlte er noch immer die Nervosität in seinem Bauch, die sich so langsam in ihm breit machte.

Immerhin hatte Uruha Sakito seit diesem... Vorfall, nicht mehr gesehen und er hatte Angst vor dessen Reaktion.

Die Zeit, die verging während die beiden schweigend voreinander standen kam Uruha wie eine halbe Ewigkeit vor und nur langsam hoch er den Blick wieder an.

Im nächsten Moment spürte er jedoch schon Sakitos Arme um seinen Hals und er zuckte leicht zusammen, da er mit dieser plötzlichen Reaktion am wenigsten gerechnet hatte.

"I-ich weiß~", hauchte er leise auf dessen "Beleidigung" und mit Schuldbewusstsein in den Augen erwiderte er den Blick des anderen. "Es...es tut mir Leid..", nuschelte er und senkte den Blick.

Er wollte doch nicht, dass es den anderen dabei schlecht ging. Und je länger er sich damit auseinandersetzte, desto dümmer kam ihm sein Handeln vor.

Seine Tränen unterdrückend blickte er weiterhin zu Boden.

"... das... ich...", begann er, doch wie sollte er es erklären? Er wusste ja nicht ein mal selbst, wieso er es wirklich getan hatte.

Schließlich schluchzte er doch leise, fiel Sakito nun selbst um den Hals und entschuldigte sich immer wieder auf Neues bei ihm: "Es tut mir so Leid... ich... das... tut mir Leid..."
 

"Ich hätte dich verlieren können...", sagte er mit belegter Stimme und senkte ebenfalls den Blick, so wie Uruha es auch tat, um seine roten Wangen zu verdecken. Das Uruha jedoch einsah, dass er Dummes getan hatte, ließ ihn aufatmen. So konnte Sakito wenigstens schon mal hoffen, das es nicht noch einmal geschehen würde. "Du hättest somit den Problemen zwar aus dem Weg gehen können, doch du hättest alle, die dich l... ich meine, denen etwas an dir liegt, alleine gelassen. Alleine mit ihren Problemen. Mach das nie wieder... Bitte, Kouyou.", bat er ihn mit ernster Miene und ernster Stimme, die trotz Versuch noch immer etwas angekratzt klang, und schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter, als er Uruha schluchzen hörte. "U-Uruha...", hauchte er hilflos, da er den anderen den Weinen sehen konnte, schließlich hatte er von Anfang an versucht, den anderen davon abzuhalten, traurig zu werden, was im Nachhinein teilweise nicht der richtige Weg gewesen war, aber Liebe macht Blind, oder nicht? Doch weiter konnte er nicht nachdenken, denn nun war es Uruha, der sich ihm um den Hals warf und ihn überrumpelt zurück stolpern ließ. Doch reflexartig schlang Sakito seine Arme um den zitternden jungen Mann, der seine Entschuldigung wie ein Mantra vor sich her stotterte. Beruhigend strich ihm Sakito über den Rücken. "Schttt... Es war schon eine Entschuldigung genug, als du es eingesehen hast, dass es dumm war. Mehr wollte ich nicht hören und jetzt hör bitte auf zu weinen. I-ich kann dich so nicht ertragen...", gestand Sakito mit warmer Stimme, löste seine Umarmung und die von Uruha, nur, um diesen dann mit einer schnellen Bewegung unter den Achseln und den Kniekehlen zu packen und ihn zur Couch zu tragen, wo er sich niederließ und den Blonden wieder umarmte, um ihn sogleich wieder beruhigend über den Rücken zu streicheln. Das dieser nun auf seinem Schoß saß, nahm er schon gar nicht mehr war, da er sich diese Nähe schon so lange gewünscht hatte und da Uruha auch nicht zu meckern schien, was sein Herz fröhlich springen ließ. All die Sorge von zuvor, war wie weggeblasen, jetzt, da er Uruha wieder in seinem Arm halten konnte und wie er da so saß, so glücklich und doch wieder nicht, konnte er die erneut laufenden Tränen nicht mehr zurückhalten. Es wäre taktlos, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, sein Liebesgeständnis noch einmal zu wiederholen, da er sich sicher war, das Uruha es beim ersten Mal nicht gehört haben konnte, obwohl der Moment so perfekt schien, aber das war er nicht, wie ihm Takeda wieder bewusst machte, indem dieser ins Zimmer trat und sich räusperte.

"Ähm... Ich will ja nicht stören, aber... wollten wir nicht Leben retten?" Sakito schrak von seinen Beobachtungen im Gesicht des Blonden auf und blinzelte mehrmals verwirrt, um sich seiner Umgebung wieder bewusst zu werden. "A-ano... n-natürlich... Wo war ich nur mit meinem Kopf?!", fragte der Anwalt peinlich berührt in den Raum hinein, schüttelte ihn kurz und ließ Uruha langsam neben sich in die Kissen der Couch gleiten, damit dieser aufstehen konnte. "Und ich befürchte, du willst mitkommen, hm?", fragte er an diesen gewandt und sah ihn besorgt an. "Hier ist es auch sicherer.", setzte er möglichst überzeugend hinzu, da er Uruha nicht in Gefahr bringen wollte. Abwartend biss er sich auf die Unterlippe.
 

Nachdem Uruha mit zur Couch gezogen wurde, versuchte er sich wirklich zu beruhigen, was ihm schwerer fiel als gedacht. Er schluchzte noch leise an Sakitos Schulter und hielt sich leicht an seinem Oberteil fest.

Als er schließlich Takedas Stimme vernahm zuckte er für einen Moment zusammen, aber nur, weil er damit nicht gerechnet hatte.

Doch als er hörte was dieser sagte war er plötzlich still.

Er wusste was Sakito meinte, als er ihm das sagte und ihn dabei an sah, aber er wollte helfen und nicht einfach hier rum sitzen. Vor allem nicht, nach dem was er selbst vor kurzer Zeit getan hatte. "Ich... komm mit~"
 

Schwer auf seufzend ließ sich Sakito wieder neben Uruha fallen und fuhr sich durch die Haare. "Okay... dann... bleib immer schön bei mir oder Takeda, hai?!", bat er den Blonden mit einem Unterton in der Stimme, die Uruha deutlich machen sollte, das jede Widerrede sinnlos war. „Ich geb' dir erstmal andere Klamotten, bevor wir losfahren. So würdest du dich auf Dauer erkälten.", meinte er fürsorglich, griff nach Uruhas Hand und zog ihn mit hoch, als er wieder aufstand. Nah bei ihm gehend, ihn sogar etwas stützend, da die Anstrengungen der letzten Tage schwer auf ihm lasten mögen, verließen sie gemeinsam die Wohnstube und machte selbst keinen Stopp, als er sein Schlafzimmer erreichte. Dort versicherte er sich, das Uruha genügend Möglichkeiten finden könnte, sich irgendwo festzuhalten und ging zu seinem großen Kleiderschrank, um darin nach einer passenden Hose und einem Oberteil zu suchen. "Hat man dir wenigstens eine Unterhose gegeben oder brauchst du eine?", wollte er wissen und zog gerade eine Hose aus dem Schrank.
 

Mit dieser Reaktion des Anwalts hatte Uruha doch irgendwo gerechnet, aber er nickte gleich zustimmend.

Lieber blieb er bei ihnen, als wenn er gar nicht mit durfte.

Er ließ sich widerstandslos mit ins Schlafzimmer ziehen, hielt sich leicht an seinem Arm fest und setzte sich dort erstmal auf die Bettkante. Er schlang die Arme um sich und beobachtete Sakito beim Suchen.

Diese Frage war ihm sichtlich unangenehm. Uruha hatte sich bisher nicht wirklich damit beschäftigt, was er trug, außer dass ihm die Krankenhauskluft zu weit war und er sie an der Seite etwas zusammen geknotet hatte. Aber jetzt wo Sakito ihn direkt darauf ansprach senkte er den Blick und schüttelte leicht den Kopf.
 

Da keine Antwort von Uruha folgte, wandte er sich kurz vom Kleiderschrank ab, in der Hand eine seiner Hosen und ein Shirt, was er soeben noch mit herausgezogen hatte, und konnte gerade noch sehen, wie der Blonde den Kopf geschüttelt hatte. Bei dieser Antwort färbten sich seine Wangen rot. Seine trocken gewordene Lunge ölte er ein, indem er bei dem Gedanken an Uruhas Nacktheit schwer schlucken musste. "S-so dann bekommst du noch eine von mir.", meinte er und wandte sich schnell um, um sich abzulenken und seine roten Wangen zu vertuschen. Schnell war eine Boxershorts gefunden, die bequem sein und sitzen musste und mit ihr zusammen, reichte er Uruha nun die Sachen, die er anziehen sollte. "Ich zeig dir das Bad.", murmelte er und bot ihm seine Hand, um ihm aufzuhelfen. Kaum hatte sich Uruha erhoben, führte er ihn weiter durch seine Wohnung und öffnete die Badetür. "Wenn du noch etwas brauchst... ich... bin in der Nähe. Ruf mich einfach.", bot er Uruha an und trat zurück, um ihm den Weg ins Bad freizumachen.
 

So unangenehm wie es Sakito war, war es Uruha auch. Er fühlte sich wie ein kleines Kind, das man umsorgen musste.

Er nickte leicht und stand langsam auf. "Danke..", antwortete er und nahm die Klamotten die er leicht an seine Brust drückte und so festhielt.

Uruha hielt sich leicht an Sakito fest und ließ sich das Bad zeigen.

Er blieb noch in der Türe stehen und hob seinen Blick langsam an.

"D-danke..", sagte er leise und schloss schließlich die Badtüre um sich um zuziehen.
 

"Kein Problem.", meinte Sakito lächelnd und wiederholte seine Worte an der Badtür noch ein weitere Mal, ehe Uruha dahinter verschwand. Am liebsten würde er ihn darin einschließen, damit er nicht mitkam, aber lieber wollte er ein wachsames Auge auf ihn ruhen, als ihn hier alleine zu lassen und wahnsinnig vor Unwissenheit werden zu lassen.

Schnell schüttelte Sakito den Kopf und erschrak als er Takeda erblickte. "Mensch... Erschreck mich doch nicht so.", schimpfte er halbherzig und trat von der Badtür weg. "Tut mir Leid. Wo wolltest du anfangen zu suchen? Am Hafen?" "Nein, an der Lagerhalle, wo man zuletzt die Leichen gefunden hat. Da fällt mir ein... Ich muss die Spurensicherung anrufen, um-" "Die hatten wir schon da.", meinte Takeda nachdenklich. "Aber es kann doch nicht sein, das keine Spuren gefunden worden. Das Auto muss... keine Ahnung... Tonnen gewogen haben! Vielleicht würde eine Erdprobe weiterhelfen können. Die Polizei hat ich bestimmt nur auf die sichtbaren Ergebnisse gestürzt. Doch was ist mit der Erde?" Nachdenklich legte Takeda die Stirn in Falten. "Hm... Kann sein, das dies tatsächlich noch nicht überprüft wurde. Man warum fällt mir das erst jetzt ein?!" "Mach dir keine Vorwürfe. Du hattest keine Ausbildung. Bist einfach da rein geschliddert. Als Anwalt hat man oft die verrücktesten Ideen, denn wenn es eine Möglichkeit gibt, gibt es meist noch andere." "Verrückt aber gut. Vielleicht sollte ich eine Ausbildung zum Anwalt machen?", gluckste Takeda und erhielt ein belustigtes Grinsen zur Antwort. "Dann müsstest du Jura studieren. Bleib lieber bei der Polizei. Der Job scheint dir zu gefallen." "Tut es auch. Gefällt dir deiner noch...?"Sakito ließ den Blick sinken und dachte über diese Frage nach. Doch, nach kurzer Schweigepause, schüttelte er schließlich den Kopf. "Wenn das hier vorbei ist, höre ich auf.", meinte Sakito und lehnte sich an die Wand. Takeda stutzte. "Und würdest du mir sagen, warum?" "Nach allem... was geschehen ist, würde ich alle andere Taten als Kleinvieh halten und nicht ernst nehmen. So würde ich mein Ansehen verlieren und meinen Job. Außerdem habe ich mir geschworen aufzuhören, wenn es Tatsache ist, das Aois Eltern Anwälte waren...", erklärte er und strich sich mit gerunzelter Stirn über den linken Arm. "Und...?" "Sie waren es..." "Uhm..."
 

~+~
 

Hizumi half Aoi beim Anziehen der schusssicheren Weste und strich über seine Brust. Schon bald würde es vorbei sein... mit ungewissem Ende... "Bist du bereit?" Er nickte ihm zu und wusste, dass einen keinen Weg zurück gab. In wenigen Stunden würde er Aoi verloren haben... So oder so... Er schnallte sich das letzte Messer um und rief dann seine Männer. Seine Stimme war wie gewohnt dunkel und gab einen Befehl nach dem anderen. Er berief eine Versammlung ein und befahl, dass die Männer in zehn Minuten fertig sein sollten.
 

Als sie 10 Minuten später ankamen, starrten ihnen wortlos eine Horde bis unter die Zähne bewaffnete, junge Männer entgegen, die alle aufgeregt ihren Anführer ansahen. Hizumi stellte sich schräg vor Aoi, verdeckte ihn nicht, aber gab ihm das Gefühl von Schutz. Dann erklärte er seinen Leuten den Auftrag und informierte sie über Opfer und Täter. Er teilte ihnen auch mit, was Kru herausgefunden hatte und schärfte ihnen nochmals ein, wie wichtig es war, dass Reita und mögliche andere Opfer überlebten. Dabei sah er zu Aoi und lächelte ihm aufmunternd zu. Was mit dem Ekel von Boss geschah, das überließ er ganz der Fantasie seiner Männer...
 

Nachdem sich Aoi im Nebenraum schnell angezogen hatte und für einen Moment über die sich leicht von seinen Hüftknochen abstehende Hose wunderte, war der Schwarzhaarige wieder zurück zu Hizumi gegangen, um sich bei der Schussweste helfen zu lassen. Hatte er wirklich so viel abgenommen, das er selbst den schlanken Hizumi übertraf?

Er schrak aus seinen Gedanken, als er Hizumis Hand auf seiner Brust spürte und erzitterte kurz. Schließlich war die Erinnerung an das, was hinter ihnen lag, noch allzu frisch. Doch daran durfte er jetzt nicht denken!

Er schluckte schwer und nickte ganz langsam, sodass ihm die Haare über die blassen Wangen fielen. "Ich hab nur... Angst...", gestand er murmelnd und schluckte erneut, als er das Messer auf blitzen sah, welches sich Hizumi in die dafür vorgesehene Tasche in seinem Gürtel steckte. Er zuckte zusammen, als Hizumi grollende Stimme ihn erneut aus seinen trüben Gedanken riss und sah mit großen Augen zu dem Schwarzhaarigen auf, biss sich auf die Unterlippe. Jetzt war Hizumi wieder anderes.... irgendwie... und das spürte Aoi, doch die Angst machte schnell dem Gefühl der Sicherheit platz. Auch nachdem Hizumi sich von ihm abwandte, folgte er ihm mit langsamen Schritten. Als dann jedoch Hizumis Gefolgsleute oder Freunde oder beides, alle aus ihren Winkeln gekrochen kamen, sah Aoi sich eingeschüchtert um und zitterte leicht. Die sahen ja alle... angst einflößend aus! Aber wiederum waren da Hizumis Worte und dessen Stimme, die ihn beruhigten, ihn von der Situation ablenkten und die sein Herz schneller schlagen ließ. //Er weiß tatsächlich wo er ist!//, dachte er und Erleichterung machte sich in ihm breit. Als Hizumi dann auch noch zu ihm blickte, brachte er ein dankbares Lächeln zu Stande und nickte. Er war mehr oder weniger bereit für diese Aufgabe. Unsicher wartete er ab was geschehen sollte und zuckte fürchterlich zusammen, als die gesamte Schar zu schreien begann vor Freude, teilweise sogar jubeln. Mit großen Augen und klopfenden Herzen wagte er es auf zusehen und erstarrte, als ihn jemand aus der Menge hasserfüllt ansah. Oder täuschte er sich?

Aoi schluckte, bevor er etwas sagen wollte, ihm aber keine Worte einfielen und wenn, dann wären diese wohl verloren gegangen in dem Lärm, der sich allmählich legte, als die Kämpfer aus dem Raum stürmten. Hastig sah Aoi sich um, doch der Mann, der ihn eben noch so feindselig angestarrt hatte, war verschwunden. Verwirrt drehte er sich um die eigene Achse, suchte die sich lichtende Menge ab und schrie vor Schreck auf, als eine Hand sich auf seine Schulter legte.

"Hallo~ Wir haben uns noch gar nicht kennen gelernt~", säuselte jemand mit fröhlicher Stimme in sein Ohr und Aois Herz rutschte ihm in die Hose, als sich noch zusätzlich ein Arm um sein Taille legte.

"Mein Name ist Tsukasa~ Und du... riechst nach Sex...", hauchte dieser Tsukasa ihm ins Ohr und Aoi kam es so vor, als ob dessen eben noch so fröhliche Stimme plötzlich in ein gefährliches, warnendes Knurren übergegangen war. Das war dieser Mann gewesen! Ganz sicher! Nicht einmal rot war Aoi geworden vor Verlegenheit, nach dieser Erkenntnis. Eher blasser. "Er gehört mir~ Hast du verstanden?", fügte Tsukasa dunkel hinzu und fuhr anrüchig mit der Zungenspitze Aois Ohr entlang, um vielleicht Hizumi zu erschmecken, denn kein anderen außer Hizumi sollte es wagen, den Gefangenen anzurühren. Nun verfluchte er sich dafür, das er solange fern geblieben war, um etwas Spaß mit Hizumis dritten Gefolgsmann zu haben. Kru hatte er nämlich schon vor langem aufgegeben. Nur Hizumi war schon lange sein Ziel, doch bisher war dieser nicht zu knacken und nun sollte es dieser... dieser... Fremde es geschafft haben! Unbändige Eifersucht und Wut brodelten in Tsukasa und am liebsten hätte er dem Gerippe vor ihm den schlanken Hals umgedreht... wenn dieser ihm nicht...

"Du kannst ihn haben!"

... gerade das zurück gemurmelt hätte. Überrascht hob Tsukasa die Brauen, ließ jedoch nicht von Aoi ab, während seine Hand, die zuvor noch auf Aois Schulter geruht hatte, zu dessen Kehle wanderte. "Was?!", zischte er und spürte, wie der Schwarzhaarige in seinen Armen erstarrte. Genugtuung überkam den Größeren. "D-du w-willst i-ihn haben...? W-wenn du gut zu ihm bist, d-dann kannst du ihn haben." "Willst du mir jetzt auch noch vorschreiben, wie ich mit ihm ungehen soll, oder was? Du traust dir ja was zu...! Dir ist bewusst, das ich dich ganz leicht...!", begann er und strich mit einem seiner langen Fingernägel Aois Hals entlang, was diesen die Augen schließen ließ. "Er hat es verdient, ja!", meinte Aoi schlug auf die Hand, jedoch war das nicht besonders klug, denn Tsukasas Fingernagel rutschte so blöd ab, das er ihn schnitt. Aoi jedoch verzog keine Miene, drehte sich nur schnell in Tsukasas Armen um, der noch überrascht von Aois Gegenwehr war, und stieß ihn von sich. Beide standen sich nun gegenüber und funkelten sich böse an, wurden dann jedoch von Hizumi unterbrochen.
 

Hizumi hatte sich soeben noch mit anderen unterhalten und sie nochmal zum letzten mal unterwiesen. Dann drehte er sich um und sah Tsukasa und Aoi zusammenstehen. Er ging zu ihnen. "Was hat wer verdient?"
 

Erschrocken sah Aoi auf, als Hizumi zu ihnen trat, senkte augenblicklich verlegen zu Boden und schwieg.

Tsukasa hingehen richtete sich siegessicher auf und stolzierte auf Hizumi zu, fuhr mit seinen schlanken Fingern über Hizumis gepolsterte Brust, hinauf zu dessen Hals, über den er anzüglich strich. Nach einer halben Umdrehung blieb er hinter Hizumi stehen und beugte sich zu dessen Ohr hinunter. "Mich~", hauchte er anzüglich und grinste süffisant.

Aoi biss sich währenddessen auf die Unterlippe. //Der will doch nur mit Hizumi spielen!//, dachte er und hob leicht den Blick, um so vielleicht festzustellen, ob Hizumi auf dieses Flittchen reinfiel. //Ich bin ihn für all das dankbar, was er für mich getan hat, da werde ich es nicht zulassen, das dieser...//, dachte er grimmig und funkelte Tsukasa böse zu.
 

Hizumi sah zwischen den Beiden hin und her. Er schenkte Tsukasa einen warnenden Blick und ging zu ihm, packte ihn am Kragen und drückte ihn gegen die Wand. "Tsu!", zischte er. "Wir haben eine Mission zu erfüllen und du wirst dich gefälligst zusammennehmen, ist das klar?! Ich hab hier das Sagen und das weißt du! Du schuldest mir absoluten Gehorsam! Und wenn du das vergessen hast, dann ist das sehr ungesund für dich, kapiert?! Also hör auf, Aoi Angst ein zu jagen oder ihm zu drohen!" Er hatte Tsukasa gegen die Wand gepresst und seine Augen flammten vor Feuer und Wut. Oh ja, Hizumi hatte verdammt gute Ohren. Dann drehte sich der Anführer von Tsukasa weg und ging zu Aoi hin, der immer noch zitterte. "Alles okay, Aoi. Mach dir keine Sorgen, ja? Noch heute bist du wieder mit deinem Liebsten zusammen und bald ist der ganze Schmerz der vergangenen Jahre vergessen und dann hast du auch mich vergessen. Aber das ist gut so, denn ich bin ein Teil deines Lebens, der dir nur Schmerz und Trauer gezeigt hat. Aber glaube mir, wenn ich dir sage, dass es auch noch andere Dinge gibt, schöne Erfahrungen, die du mit jemandem machen solltest, der bereits einen Platz in deinem Herzen hat." Bei diesen Worten sah er ihn an, das Feuer war aus seinen Augen gewichen und hatte einer tödlichen leere Platz gemacht. Hizumi war bereit. Bereit zu sterben, um seinem Schützling ein ruhiges, sicheres Leben zu sichern..
 

Überrascht hob Tsukasa seine fein nachgezogenen Brauen und erwiderte Hizumis Blick. Jedoch nur für kurze Zeit, denn diesem konnte er nie besonders lange standhalten ohne schwach zu werden. //Der Kerl macht mich rattig, egal was er tut, aber wenn er gehört hat, was ich dieser kleinen Hure zugeflüstert habe, dann...//, dachte er alarmiert und mit einem mulmigen Gefühl im Magen, als er auch schon am Kragen gepackt wurde und nach hinten gegen die Wand stolperte, von der sogleich Putz hinab regnete. Schmerzhaft keuchte er auf. Schweiß trat ihn auf die Stirn, als er Hizumis Worten lauschte. Nervös befeuchtete er sich die Lippen und jappste erschrocken nach Luft, als der Druck an seinen Schultern sich vergrößerte. Mit schnell schlagendem Herzen wagte er es aufzusehen und zuckte unter Hizumis Blick zusammen. "A-aber Hizumi...~ I-ich war... war nur wegen dir so...! Ich laufe dir schon seit Jahren nach und plötzlich verliebst du dich in den Nächstbesten!", meinte er leise zu ihm, trotzig, denn er glaubte zu wissen, das es nicht gut war, Hizumis Gefühle so offen zu legen.

"Es... tut mir Leid...", setzte er widerwillig hinzu und hatte den Blick reumütig gesenkt, während seine Hände sich zu Fäusten ballten. Doch Hizumi wandte sich einfach von ihm ab und beinahe wäre Tsukasa nach vorne gestolpert und weggeknickt, da seine Knie wie Gummi waren. Noch einen enttäuschten und wütenden Blick zugleich warf er diesem Schwarzhaarigen und Hizumi zu, bevor er sich abwandte und wie seine Vorgänger davor aus dem Raum lief.
 

Erleichterung hatte Aoi übermannt, als Hizumi dem anderen so offensichtlich ablehnte und ein freudiges Lächeln trat auf sein Gesicht, als er daran dachte, wie froh er sein konnte, Hizumi von der anderen Seite kennen gelernt zu haben, denn gerade wie er mit diesen jungen Mann umging, zeigte ihm deutlich, wie viel Macht er über seine Männer hatte und wäre er an Stelle dieses bösen jungen Mannes, dann hätte er sich wohl vor Angst in die Hose gemacht. Zumindest beinahe...

Als Hizumi auf ihn zu kam, schluckte er den Anflug von Nervosität hinunter und sah mit großen Augen zu ihm auf. Verwirrt legte er den Kopf schief, als Hizumi begann zu sprechen. "A-aber Hizumi! Warum sollte ich dich denn vergessen? Wie könnte ich? W-was redest du da?! Du hast mir keinen Schmerz und keine Trauer gezeigt!", meinte er entrüstet und stemmte die Hände in die gepolsterten Seiten. "Du bist doch überhaupt erst der Grund, warum ich noch lebe! Wenn du nicht an mich geglaubt hättest, dann hätt' ich wohl den Mut verloren...", setzte er noch hinzu und war zum Ende hin immer leiser geworden, hatte den Blick gesenkt. Als Hizumi ganz geendet hatte, sah er jedoch wieder auf, um etwas zu sagen, um sich zu bedanken, doch er erstarrte, als er in leere Augen sah, die ihren Glanz verloren hatten. "H-Hizumi?", fiepte er erschrocken auf und nahm dessen Gesicht in seine Hände, um es genauer zu betrachten oder besser: um sich zu versichern, was er gesehen hatte. "W-was hast du?! Ist alles okay? Hast du vielleicht... Angst? Du musst das nicht tun! I-ich kann da auch alleine hin!", meinte Aoi und versuchte dabei möglichst überzeugend zu klingen, was jedoch kläglich misslang. "Hast du was?"

//Er ist echt ein netter Kerl. Sowas in der Art hat bisher nur Reita zu mir gesagt...//, dachte er wehmütig und musterte Hizumi noch immer besorgt.
 

Hizumi brachte nicht mehr als ein schwaches Lächeln zustande. Er schüttelte den Kopf. "Nein Aoi... Alles ist gut.", sagte er und drückte beruhigend seine Hand. "Es ist nur so, weil ich konzentriert bin. Das ist normal.", log er. "Red nicht so einen Unsinn. Ich habe keine Angst, meine Bande ist bereit wie noch nie und sie alle werden dazu beitragen, dass alles in deinem Leben wieder gut wird. Du musst nur vertrauen und bitte tu nichts Unüberlegtes. Meine Männer sind bestens für solche Situationen ausgebildet und ich auch, Aoi. Halte dich nur von Tsukasa fern. Er scheint gewisse, völlig haltlose Besitzansprüche zu haben,und er scheint auch alles dafür zu tun, dass ihm nichts und niemand dazwischen kommt... Pass gut auf dich auf und wenn du das Gefühl hast, er will dir wirklich etwas tun, dann wende dich an Kru oder mich. Hast du verstanden, Aoi? Bald ist der Alptraum vorbei, alles ist überstanden und ich möchte dich sogar darum bitten mich zu vergessen... Es ist das Beste für uns beide, hörst du? Also... hör auf meine Worte und denk daran..." Er nahm seine Kette ab, ein silberner Anhänger in Form eines stirilisierten Drachens an einem schwarzem Lederband, und hängte ihn Aoi um den Hals. "Dein Talisman... Er hat mir immer Glück gebracht. Jetzt sollst du ihn haben.", sagte er leise und lächelte ihn dabei an.
 

Unverständnis spiegelte sich in seinem Gesicht wieder, doch zwang er den Drang nieder, zu widersprechen, indem er sich auf die Unterlippe biss. Nur langsam nickte er, hatte wieder den Blick gesenkt, doch als Hizumi meinte, es würde sich alles in seinem Leben bessern, schüttelte Aoi mit einer traurigen Grimasse den Kopf. //Er versteht es nicht... Es wird nie enden...//, dachte er und seufzte lautlos. Doch es war Unsinn, ihn immer wieder daran zu erinnern. Hatten sie nicht längst losgehen müssen?!

Mit sich hadernd, trat er von einem auf den anderen Fuß und rieb sich mit den Händen die Schläfen, versuchte den Kopfschmerzen Heer zu werden. Bitter lächelte er auf, als Hizumi ihn wie ein kleines Kind zurecht wies. "Woher soll ich wissen, wer Kru ist...?", wollte er schon leicht genervt wissen, verzog die Lippen zu einer Schnute, nickte. "Ja... verstanden...", grummelte er und riss schockiert den Kopf nach oben, als er Hizumis Bitte vernahm. Sein Kopf war mit einem Mal wie leergefegt. Aus großen Augen starrte er Hizumi an, blinzelte mehrmals, kniff sich, doch vor ihm stand immer noch Hizumi, der ihn vollkommen ernst anblickte, ohne jeglichen Schalk im Gesicht. "D-dann... W-was verlangst du da, Hizumi?!", fuhr er ihn mit wässrigen Augen an und trat zurück, sah wütend drein. "Ich soll dich verleumden und... und... dann sicher Rei belügen, was?", fragte er unglaubwürdig und zitterte abermals. "Und ich dachte, wir wären jetzt sowas wie... Freunde...?", setzte er mit schwacher Stimme hinzu und starrte zu Boden, während die Tränen über seine Wangen liefen, vorbei an seinen bebenden Lippen. "Warum...?", hauchte er einmal... zweimal... und zuckte zusammen, als Hizumi näher getreten war und anscheinend die Arme um ihn legen wollte. "N-nein! I-ich will das nicht!", rief er trotzig und boxte auf Hizumis gepolsterte Brust ein, schluchzte dabei laut auf. Die Worte des Größeren bekam er nur teilweise mit, da sein Schluchzen ihn immer wieder erzittern ließ, doch er bekam sehr wohl mit, um was es ging und das dort über seinem Herzen plötzlich etwas lastete. Heftig blinzelnd sah er nach unten und schluckte, als er den Talisman sah.

Mit immer noch tränennassem Gesicht blickte er schließlich zu Hizumi auf, der ihm ein Lächeln schenkte, und schüttelte den Kopf. "Wie soll ich dich vergessen...?", fragte er unwissend mit schwacher, leicht erhöhter Stimme, biss sich jedoch auf die Unterlippe, die noch heftiger bebte als zuvor, senkte die Lider und wollte an ihm vorbei in Richtung Ausgang gehen, aus dem auch die anderen Bandenmitglieder gestürmt waren, als er in seiner Bewegung erstarrte, da Hizumi sein Handgelenk fasste. Nur kurz warf Aoi einen Teils verzweifelten und Teils verletzten Blick zur Seite, riss sich jedoch los und ging weiter, wenn auch auf wackligen Beinen. "Danke. Ich werde ihn bei mir tragen.", meinte er noch mit belegter Stimme und verließ den Unterschlupf.
 

Hizumi starrte ihm nach. Warum verstand Aoi ihn immer falsch? Plötzlich spürte er etwas seine Wange herunter fließen. War es Blut? Hatte er sich verletzt? Zögernd fuhr er sich mit dem Finger die Wange entlang. Doch sein Finger war nicht rot. Nur... nass? Hizumi konnte es nicht glauben. Er weinte?! Hizumi wischte sich ärgerlich über die Augen. Was war denn jetzt los? Zeigte er etwa Schwäche? Hizumi schüttelte den Kopf und ging dann zu den Männern. "Los geht's!", koordinierte er und wies Aoi an, in seinen Wagen zu steigen und fuhr dann los.
 

Der Schwarzhaarige folgte stumm der Aufforderung des Bandeschefs, stieg in den Wagen und wandte sich sogleich dem Fenster links neben sich zu, um Hizumi ja nicht ansehen zu müssen. Unwirsch wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht und kurz nachdem er wieder eine klare Sicht hatte und sich seinem Spiegelbild gegenüber sah, hätte er am liebsten vor Wut das Glas eingeschlagen. Vor Wut auf sich selbst! Auf Hizumi und diese ganze bescheuerte Welt!

Lautlos ließ er seine Hand auf das kühle Glas wandern, um sein Spiegelgesicht abzudecken und gleich darauf die warme Stirn dagegen zu lehnen, wobei sein Blick auf den Talisman glitt, den er von H... von einem ihm Unbekannten geschenkt worden ist...

Wieder brannten Aoi die Tränen in den Augen und schnell schloss er sie, um das schlimmste zu verhindern.

Er wusste, das er ein schlechter Mensch war.

Er wusste, das er jämmerlich war und kompliziert, wie es Hi... jemand ihm einmal gesagt hatte...

Aber er hätte nicht gedacht, das er nach den vielen Jahren in Einsamkeit sogar ein schlechter Freund geworden war.

Anders konnte er SEINE Entscheidung nicht verstehen...

Doch was hatte er nur falsch gemacht?

Warum sollte er IHN vergessen?

Warum sollte es richtig sein, einen Menschen zu vergessen, der so viel für einen getan hat und man dachte, das sie nun Freunde seien?

Warum?!

Warum musste man ihm jemanden schicken, der einen länger an dieses grausame Leben fesselt, um ihn einem gleich darauf wieder zu entreißen?!

War es das Schicksal eines Engels?
 

Warum Hi... verdammt... Ich kann das nicht! Nicht einfach so... Nicht jetzt... Warum Hizumi?

Warum hab ich dich nicht verdient?

Hab ich denn Reita verdient?

Mit all meinen Macken?

Mit... meinen Fehlern?
 

Wieder strömten ihm die Tränen über die geröteten Wangen. Wieder versank er in Selbsthass, machte sich ganz klein auf seinem Sitz, und schaukelte während des Fahrens immer wieder vor und zurück, was er selbst kaum bemerkte.
 

Hizumi brachte die anderen endlich zu dem Anwesen, in dem Reita und die anderen gefangen gehalten wurden. Immer wieder hatte er während der Fahrt zu Aoi gesehen, doch sein Verhalten hatte ihm auch allen Mut geraubt. Er stieg aus, und pirschte sich zusammen mit Aoi und den Männern an das Schloss heran. Zuerst musste er Kru finden, und zu diesem Zweck legte er die Hände an den Mund und imitierte den Schrei einer Eule, nicht ungewöhnlich in dieser Gegend, aber ein eindeutiges Erkennungsmerkmal für Kru.
 

Eisernes Schweigen erfüllte den Wagen während der gesamten Fahrt. Nur die Geräusche, die von außerhalb kamen, ließen die Situation nicht ganz so trostlos wirken, doch niemand sprach ein Wort. Es gab nichts zu reden.

Stumm, schwach nickend, folgte er dem anderen aus dem Wagen und blieb mit etwas Sicherheitsabstand neben dem Auto, seinem Fahrer und Hizumi stehen und sah ehrfürchtig zu dem riesigen und düsteren burgähnlichen Gebäude auf. Schwer schluckte er und als er das Geräusch eines ihm altbekannten Tieres hörte, sah er sich nach diesem um und bestaunte den Himmel. Als er es jedoch in der Nähe rascheln hörte, stolperte er zurück zum Auto und sah sich um. Noch immer verließ kein Wort seinen Mund. Auch nicht, als etwas aus einem Gebüsch geschossen kam und Hizumi von dem Beinen riss. Entsetzt sah er hinüber zum schwarzen Knäuel und wandte den Kopf letztendlich ruckartig zum Fahrer. "Tun sie doch was!", bat er ihn mit zittriger Stimme und biss sich wieder auf die Unterlippe.

Er machte sich schon wieder Sorgen um Hizumi.

Sollte er selbst eingreifen?

Und warum lachte der Fahrer plötzlich?

Und warum lachte der Mann, der aus dem Gebüsch geschossen war?

Aoi verstand die Welt nicht mehr.

Wieder meldeten sich seine Kopfschmerzen und er verzog schmerzhaft das Gesicht.
 

"Buh!", hatte Kru mit tiefer Stimme gesagt, bevor er leise auflachen musste. "Du hast dir ganz schön Zeit gelassen, Alter.", setzte er dann tadelnd hinzu und erhob sich, wobei er Hizumi wieder auf die Beine zog. "Tut mir Leid. Konnte mich nicht mehr beherrschen. Das hier...", begann er und breitete die Arme aus ", ist ein riesiger Spielplatz. Der Wahnsinn! Und keine Wachen. Unsere Leute hab ich erstmal in Deckung gebracht. In dem Graben, wo ich auch den Ring von diesem Typen gefunden habe, den...", setzte er zur Erklärung an und sah sich um. Als er Aoi entdeckte, der eingeschüchtert vor ihm zurückwich, zeigte er grinsend auf ihn ", er sucht.", beendete er seinen Satz und wandte sich wieder an Hizumi. "Wenn das keine Action verspricht, dann schuldest du mir was.", meinte er, wandte sich ab und führte die beiden - Aoi folgte nur langsam und misstrauisch - zu den anderen, die sich mucksmäuschenstill in die Grube gehockt hatten und auf weitere Befehle seitens Hizumi warteten.
 

Hizumi erschrak ordentlich, als ihn etwas aus dem Dunkel angriff. Doch schnell realisierte er, wer es war und lachte ebenfalls. Mit Krus Hilfe stand er auf und klopfte seinem Freund auf die Schulter. "Du bist echt unmöglich, Kru! Mach das nie wieder.", grinste er und sah Kru an. "Alles okay mit dir? Geht es dir gut?", fragte er und befahl dann seinen Männern leiser zu sein. "Ein Spielplatz ist das hier nicht, höchstens vom Teufel persönlich.", sagte er seufzend. "Alle sind vorbereitet, wir werden lautlos in das Schloss eindringen, dort trennen wir uns und überzeugen uns von der Lage. unentdeckt zu bleiben hat oberste Priorität, ist das klar? Habt ihr noch Fragen?"
 

"Weiß ich. Hast du was anderes von mir erwartet?", erwiderte Kru nur grinsend und war voraus gegangen. "Ich bin kein Weichling, Hizumi. Klar geht's mir gut. Du hast mich ja spielen lassen.", meinte er, hob den Daumen seiner rechten Hand und sprang daraufhin in die Grube zu den anderen, um von dort wie auch die anderen auf Hizumis Anweisungen zu warten. Als es darum ging, noch die letzten Fragen stellen zu können, erhob sich Kru leicht. "Wer mit wem?", wollte er wissen und von den anderen kam unterdrücktes Lachen, doch sein Gesicht blieb ernst, wodurch das kleinste Glucksen sofort wieder erstarb, und sah fragend zu Hizumi auf.
 

"Die Gruppen wurden bereits verteilt, als wir in der Zentrale waren, du kannst dir aussuchen, mit wem du losgehen willst, meinetwegen auch mit mir. Die Aufgabenverteilung ist klar und ich möchte, dass Aoi bei euch mitgeht.", sagte er und sprach damit die Gruppe aus, von der er wusste, dass sie am stärksten und gleichzeitig aber auch am vorsichtigsten und ruhigsten war.
 

Verstehend nickte Kru und besah sich die Gruppen. "Dann pass ich auf dein Küken auf, hm.", brummte er und reckte den Kopf, um nach Aoi, der etwas abseits stand und von Hizumi verdeckt wurde, zu sehen und ihn heran zu winken. Da Aoi jedoch weiterhin ängstlich wie eine Salzsäule an seinem jetzigen Standpunkt verblieb, brummte Kru erneut auf und machte sich auf den Weg zu Aoi, der vor ihm zurückwich. "Du brauchst vor mir keine Angst haben, es sei denn, du willst es." Der Schwarzhaarige starrte ihn einige Sekunden lang an, ehe er schwer schluckend den Kopf schüttelte. "Gut, dann können wir los.", meinte er an Hizumi gerichtet und schob Aoi weiter, da dieser vor Angst immer noch nicht selbst gehen konnte, wie ihm genervt auffiel. //Super, aber Hizumi weiß, das er sich auf mich verlassen kann. Ich glaube, er würde es wollen, das ich mit dieser Bohnenstange gehe.//
 

Hizumi ging zu Aoi und legte ihm seine Hand sanft auf den Arm. "Aoi... Es wird alles gut... Du darfst keine Angst haben... Auch wenn es normal ist... Weißt du was? Wenn ich Angst habe... und das hab ich oft... dann zähle ich innerlich bis fünf... Konzentriere mich auf die Angst und lasse sie zu. Aber wenn ich bei fünf angekommen bin, dann lasse es nicht mehr zu, dass ich Angst habe. Und weißt du, was dann passiert? Ich spüre die Angst nicht mehr, sie ist weg und ich bin ganz ruhig. Und dann kann ich mich auf die Situation konzentrieren und nicht darauf, dass ich Angst habe.“
 

Aoi stemmte die Füße gegen den Boden vor ihm, damit er nicht gegen Hizumi stoßen konnte, der plötzlich auf ihn zukam, und Kru ließ knurrend von ihm ab, nachdem er nun selbst gegen Aoi geprallt war.

Maaaaa~n! Er wollte endlich seinen Spaß haben und sich in die Schlacht werfen! Doch dieser... dieser Aoi! - er wusste nun endlich seinen Namen - hielt mal wieder alles auf! Mit verschränkten Armen blieb er etwas abseits stehen und wartete darauf, das auch die letzten drei inklusive sich selbst weiter konnten, denn die anderen Männer warteten auch schon aufgeregt auf sie in der Nähe des Schlosses, versteckt hinter alten Büschen, die so aussahen, als ob der Tod an ihnen haftete. Vielleicht war es der Herbst? Schulterzuckend sah Kru in den Himmel. Sein Zeitgefühl beschränkte sich auf Tagesangaben, wie z.B. in zwei Tag wird dies und jenes getan, in fünf Tagen wieder etwas anderes, und um Jahreszeiten, die sich eh am Wetterumschlag bemerken ließen, aber nicht an genauen Angaben von Zeiten oder was für ein Wochentag ist. Für sie hatte all dies keine Bedeutung.

Und obwohl Kru nicht lauschen wollte, was Hizumi zu sagen hatte, hörte er doch mit einem Ohr zu und ein stolzes Grinsen trat in sein Gesicht. //Hizumi weiß eben zu allem einen Rat.//
 

Aoi hingehen starrte verwirrt in Hizumis Augen, die noch immer dunkel schienen und ab und zu verwirrte sich sein Blick auf dessen Lippen, die ihn vor kurzem noch darum gebeten hatte, ihn zu vergessen. Verständnislosigkeit herrschte in ihm, aber dennoch versuchte er trotz der beklemmenden Angst, den Sinn hinter Hizumis Worten zu verstehen. Nachdenklich legte sich seine Stirn in Falten und sein Augen fixierten einen Punkt zwischen Hizumis Augen, damit er ihm nicht länger in diese blicken musste. Viel zu hingerissen zwischen den Gefühlen und Gedanken wollte er seiner Bitte folgen und sie doch wieder missachten. Aoi wusste schlichtweg nicht, wie er sich gegenüber dem Größeren noch zu verhalten hatte, weshalb er auch auf der einen Seite froh war, nicht in Hizumis Gruppe zu sein, bei dem Gedanken an Kru, der ihm Angst machte, jedoch hoffte, Hizumi würde sich noch um entscheiden. Unsicher biss er sich auf die Unterlippe und fokussierte nun Hizumis Hand, welche sich auf seinen linken Arm gelegt hatte. Verwirrt nahm er dies zur Kenntnis, vergaß jedoch völlig, seinen Arm zurückzuziehen. Warum sollte er auch? Wenn Hizumi nun selbst wieder nach Kontakt suchte, warum sollte dann er, der „Unschuldige“, ihn auf seine Bitte aufmerksam machen, die er entweder falsch verstanden hatte oder sie schlichtweg nur unmöglich fand.

Um wieder ins Hier und Jetzt aufzutauchen, grübelte er angestrengt über Hizumis Worte nach, merkte jedoch, wie Ungläubigkeit jegliches Weiterdenken blockierte. "Du... und Angst?", wiederholte er mit zitternder Stimme und schluckte. "I-ich... bin nicht so stark wie du.", musste er sich dann eingestehen, da er Angst, die er versuchte zu verdrängen, auch lieber verdrängen wollte, als sie zuzulassen. Das hatte er sich in den letzten Jahren so angeeignet, denn wenn er sie zugelassen hätte, dann wäre er noch angreifbarer gewesen und so war es für ihn wohl das Beste, seine Gefühle einfach komplett abzustellen. Leider nur, hatte sich diese so besonderes Eigenschaft mehr und mehr verabschiedet, da das viele Hin und Her seiner Gefühle, seiner zerrütteten Seele und die vielen Umstände, des Helfens und Betrügends, ihm diese einzig noch vorhandene Stärke unmöglich machte. Wenn er es täte, würde diese starke Mauer, um die ihn viele beneiden würden, immer mehr reißen und ihn an Ende komplett hilflos zurücklassen. Zerstört. Wehrlos, wie ein kleines Kind.

"Ich... kann das nicht so wie du...", fügte er nach gefühlten Stunden hinzu und sah wieder auf. "Ich schaff das schon.", versuchte er Hizumi klar zu machen, griff nach dem Talisman und steckte ihn unter die Weste und unter Hizumis Shirt. Ein kleines Lächeln war dabei über seine Lippen gehuscht, was jedoch sogleich wieder verschwunden war. "W-warum Hizumi...? Warum willst du, das ich dich vergesse? Warum? ... Und wie? ... Wenn ich dich aus meinem Leben verdrängen müsste, würde ich jetzt nackt vor dir stehen, weil alles, was ich trage, dir gehört, oder gar nicht erst vor dir stehen... Ich würde Reita belügen und mit einer Lüge könnte ich nicht leben. Das weißt du. Und ich will mich nicht selbst belügen. Hasst du mich? Warum...", wollte er fortsetzen, doch seine Worte gingen in einem erneuten Schluchzen unter.
 

Kru, der nur mit einem Ohr gelauscht hatte, wandte sich mit gehobenen Brauen zu den beiden um. Er wusste nicht, was geschehen war, war er schließlich die ganze Zeit über hier gewesen, aber diese Auseinandersetzung verwirrte ihn. Hizumi hatte diesem Wicht Sachen geschenkt? Den Talisman, den er schon von Klein auf um seinen Hals getragen hatte, um den Kru in immer beneidete? Um den sie immer gekämpft hatten? Verwirrt verdunkelte sich sein Gesicht. //Und jetzt flennt der auch noch! Boah Hizumi, schlag ihn oder geh einfach von ihm weg. Das ist ja nicht auszuhalten. Gefühlsduselei...~ Da kräuseln sich ja die Fußnägel.//
 

Hizumi sah Aoi an und mittlerweile verstand er ihn auch nicht mehr... "Aoi, du musst dich zusammenreißen. Lass deine Vergangenheit hinter dir, wir haben andere Sorgen! Werd' jetzt nicht hysterisch, deinem Freund geht es mit Sicherheit schlechter und er braucht dich, Aoi!! Er braucht dich bei klarem Verstand!"
 

Und wieder riss Aoi die Augen auf. "B-Bitte?! Hysterisch?!!", wiederholte er fassungslos mit leicht erhöhter Stimme. "Ich bin bei Verstand!", versuchte er sich dann zu rechtfertigen, starrte Hizumi verletzt und wütend an, riss sich schließlich von dessen Hand los und rannte an ihm vorbei zu den Männern, von denen einer ihn ganz besonders böse anstierte, von dem Aoi allerdings wenig mitbekam, da er sich nicht nach Tsukasa umsah, der in der Menge lauerte, in dem er sich mit gesenktem Haupt zwischen die düsteren Fremden stellte und sich auf die Unterlippe biss. //Verdammt Hizumi... Dein Verhalten...// Aoi schüttelte den Kopf und fasste sich anschließend an diesen, plötzlich verunsichert, da er von allen angestarrt wurde und das nicht gerade freundlich, schließlich hatte er gerade ihren Boss und Freund angemacht... oder? //Bin ich vielleicht derjenige, der alles falsch versteht? Der... durchdreht? Der Hizumi dazu bringt, so gemein zu sein? Bin ich ihn Wahrheit gemein zu ihm?!// Aois Kopfschmerzen meldeten sich verstärkt wieder zu Wort und der Schwarzhaarige kniff schmerzhaft die Augen zusammen, während Tränen sich ihren Weg über seine Wangen bahnten. Er war so schwach...
 

Hizumi sah ihm nach, überfordert mit seinen Gefühlen und der Verantwortung für die 31 Männer, die auf seinen Schultern lastete. Er sah Aois Tränen, gab seinen Männern wütend ein Zeichen, dass sie schon mal losgehen sollten und wandte sich an Aoi, sah ihn an und umarmte ihn, drückte ihn fest an sich und versuchte ihn zu beruhigen. "Shh... nicht weinen... okay?", murmelte er lieb.
 

Als erst Aoi und anschließend Hizumi in Richtung Schloss gingen, verdrehte Kru genervt die Augen und eilte ihnen nach. Auch befolgte er die Befehle Hizumis, blieb jedoch verwirrt am Eingang stehen, welchen die anderen bereits nach kurzer Zeit problemlos und leise öffnen konnten, um hindurch zu schlüpfen und das nähere Umfeld zu sichern, blieben jedoch in der Nähe des Eingangs, um ihren Anführer nicht alleine zu lassen, zumal dieser die Führung einer Truppe und Kru die der zweiten übernehmen sollte, der nun ebenfalls noch weg blieb und das nur, weil dieser sich zur Aufgabe gemacht hatte, Hizumis Küken zu schützen, welcher jedoch gerade in eben jenen Armen lag, was ihn erneut stutzen ließ. DAS hatte Hizumi bei ihm noch nie getan. Kurz darauf hätte Kru auflachen können, wenn er nicht mucksmäuschenstill hätte sein musste, um sie nicht zu verraten, denn wann heulte er schon los, um eventuell von Hizumi umarmt zu werden und warum sollte er das bitte überhaupt tun? Nachdenklich kratzte sich Kru am Hinterkopf und ließ seinen Blick wieder zwischen seinen Männern im Inneren und dem Knäul außerhalb des Schlosses wandern. Wartend. Ungeduldig.
 

Schlaff hing Aoi zwischen Hizumis starken Armen, weinte lautlos und rang mit sich. Wenn Hizumi wütend war, hatte er Angst vor diesem, da ihn dieser Hizumi an die Szene im Bad erinnerte, weshalb er sich nun nicht traute, diesen von sich zu stoßen, obwohl sein Verstand ihm Mut zu redete. Allerdings ließ ihn Hizumis plötzlich wieder vertraut wirkende Stimme jämmerlich aufseufzen. "Ich weine wegen DIR und DU kannst es nicht ändern!", meinte er bitter an Hizumis Brust und versuchte sein Gesicht wegzudrehen, konnte sich jedoch kaum rühren, so sehr hielt ihn Hizumi fest. "Spiel nicht mit mir...", setzte er noch hinzu und ein Ton der Verzweiflung und der Trauer schwang in seinen Worten mit.
 

"Ich spiele nicht mit dir.", rechtfertigte er sich und sah ihn an. "Weine nicht wegen mir. Weine am besten gar nicht mehr. Bald ist sowieso alles ganz anders, das hab ich dir schon oft gesagt. Und wenn ich eh nichts ändern kann... dann... dann darfst du nicht mehr weinen..."
 

"U-und warum erklärst du mir nicht einfach, warum ich... ich dich vergessen soll und du mir Dinge vorwirfst, die gar nicht stimmen... oder... b-bin ich hysterisch? Bist du wegen mir so...?", wollte er wissen und schniefte einmal, zweimal, wischte sich mit der rechten freien Hand über sein Auge und tat es dann mit der linken Hand gleich. "I-ich will nur wissen, woran ich bin, möchte nicht mit einem schlechten Gewissen das hier enden lassen, sollte es der Fall sein und ich will nicht, das wir ohne ein Wort des Abschieds auseinander gehen. Kannst du mich nicht verstehen...?", setzte er fragend hinzu und schluckte. Dann musste er abgehackt auflachen. "I-ich werde wohl nie damit aufhören können zu weinen...", meinte er abgedämpft und schloss die Augen. "Antworte mir und dann... dann können wir rein. Bitte Hizumi..."
 

Hizumi schloss die Augen und dachte nach. Es war Zeit für eine Antwort, auch wenn diese Antwort Aoi weh tun würde und vermutlich auch verwirren würde. "Du hast die Wahrheit verdient Aoi... Aber... du musst damit leben... Ich... ich will, dass du mich vergisst, weil ich mich... weil ich mich in dich verliebt habe... Wir werden nicht ohne ein Wort des Abschieds auseinander gehen...", antwortete er ihm und sah ihn verzweifelt an.
 

Am Anfang nickte Aoi Bekräftigend, um Hizumi zu zeigen, das dessen Entscheidung, ihm endlich zu sagen, warum er sich ihm gegenüber so benahm, gut war und er nur darauf wartete, es wissen wollte, doch als er seinen Worten folgte, sickerte langsam die erschreckende, nicht erwartende Erkenntnis in ihn, was hinter diesen Worten steckte. Es waren mehr als Worte. Es war ein Gefühl, das er sich so lange gewünscht hatte, aber das doch nicht von Hizumi! Klar war er attraktiv, aber er liebte Reita und niemanden sonst! Er hätte nicht mit ihm schlafen sollen... DAS musste der Auslöser gewesen sein! Zumindest konnte es sich Aoi nicht anders erklären, denn warum sollte man sich in ihn verlieben? Das hatte er sich auch schon bei Reita gefragt, der ihn zu lieben schien, auch wenn er es nie ausgesprochen hatte, und woran er gezweifelt hatte, aber nie hatte er vorgehabt, Hizumi weh zu tun!
 

Leicht drückte er Hizumi von sich, um aufsehen zu können. Seine Augen schimmerten vor Tränen. "Es tut mir so Leid, Hizumi...", begann er sah ihn mitleidig an. "Das wollte ich nicht...! Ich will... dir doch nicht wehtun, aber... ich... i-ich liebe Reita! Es tut mir so Leid, Hizumi! Wirklich! Ich hätte dich nicht bitten sollen, mit mir zu schlafen... Ich wollte dich nicht verletzen, wirklich...! Wie lange... schon...?", wollte er mit brüchiger Stimme wissen, weinte nun hemmungslos und umarmte Hizumi, um ihn vielleicht etwas trösten zu können, indem er ihm über den bewesteten Rücken strich. Ach verdammt! Er konnte ihm nicht mal helfen. Hilflos behielt er ihn in seinen schwachen Armen und zuckte erschrocken zusammen, als sich ein Schlagstock in seine Seite bohrte.

Schnell ließ er von Hizumi ab und besah sich noch einmal die vielen Waffen, die Hizumi mit sich schleppte und schluckte. "U-und jetzt willst du da rein, um ihm... zu helfen, dem ich gehöre? Wie Selbstlos... Hizumi..." Hilflos, gerührt und verständnislos zugleich biss er sich auf die Unterlippe und sah wieder zu ihm auf. "Bitte glaub mir... Ich... hab das nicht mit Absicht gemacht.... Nicht gewollt, das du jetzt leiden musst... wegen mir... Ich wollte, das du jemanden findest, der dich glücklich macht, aber... d-der sollte nicht ich sein! Es tut mir so Leid, Hizumi.", schluchzte er und stand unsicher vor ihm, nicht wissend, ob er ihn noch einmal umarmen sollte oder nicht. "... so Leid...", murmelte er und sah zu Boden. Seine Wangen leuchteten Rot, doch seine Augen standen noch immer unter Wasser.
 

Hizumi strich ihm sanft lächelnd die Tränen weg und legte einen Finger unter sein Kinn, um ihn dazu zu bringen, ihn anzusehen. "Es muss dir nicht Leid tun, Aoi, auf keinen Fall... Es ist okay so, glaub mir, es ist alles okay und vielleicht musste es auch sein, denn jetzt weiß ich was Liebe ist und wie es sich anfühlt... und ich danke dir für diese Erfahrung, Es ist schon okay, weißt du? Und jetzt lass uns da reingehen und den Mann deines Herzens retten."
 

Unsicher begegnete er Hizumis Blick und hörte ihm geduldig, abwartend und nervös zugleich zu. Überrascht über die plötzliche Wendung und der Dankbarkeit Hizumis, blinzelte Aoi jedoch mehrmals, kniff sich ungläubig in den Arm und zischte aufgrund des Schmerzes auf. Da er nicht wusste, was er sagen sollte, nickte Aoi letztendlich zustimmend, schenkte Hizumi ein kurzes und unsicheres Lächeln und wandte sich dem Eingang zu und somit Kru, der ihn mit verschränkten Armen undeutlich ansah. //Ich habe ihm gezeigt, was Liebe bedeutet... Wie hab ich das gemacht?! Wie sollte ich das können, wenn ich es nicht mal selbst richtig weiß?!// Aoi konnte nicht erkennen, was sich dort in seinen Augen spiegelte, was er dachte, aber als er näher trat, machte ihm Kru schweigend Platz und bedeutete ihm mit einem Finger auf den eigenen Lippen es ihm gleich zu tun. Nur einen kurzen Blick warf Kru seinem besten Freund zu, hob kurz den Daumen, nickte noch ein letztes Mal aufmunternd und verschwand nach Aoi im Schloss, um ihn zu seiner Gruppe zu führen, um nun endlich die Aktion: "Rettet Reita!" zu starten.
 

Hizumi folgte Kru, überprüfte nochmal alles und schloss sich dann Kru an, um die Lage zu checken. Langsam kamen sie dem Folterkeller näher.
 

Je weiter sie gingen, desto düsterer und unheimlicher schien es zu werden. Ratten kamen ihnen entgegen, als wäre es Gang und Gebe, das sie hier herum liefen. Kru spürte, wie Aoi, den er immer im Auge behielt und manchmal sogar dazu bringen musste, weiterzulaufen, wenn ihm etwas erschreckt hatte oder Angst machte, wie z.B. diese Ratten eben, merklich zitterte. Als die Gruppe vor ihm plötzlich inne hielt, vertraute er Aoi jemanden seines Teams kurz an und ging mit Hizumi nach vorne, um die Lage zu checken und herauszufinden, warum angehalten wurde. Hier spaltete sich der Gang. Kru wandte sich an Hizumi und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und grinste. Er freut sich über beide Ohren, das er endlich seinem Ziel näher kam. Aufgeregt ließ er seine Fingerknöchel knacken und winkte anschließend seiner Gruppe ihm in den rechten Gang zu folgen, während Hizumi die linke Seite nehmen würde. Hastig zog Kru nun seine Krallenfinger hervor und stülpte sie über. Er war bereit zum Kampf. Sowohl körperlich, als auch seelisch. Nur ungern ließ er mehrere seiner Leute vorgehen, um Aoi im Blick haben zu können, der Hizumi hinterher gesehen hatte und nun mit geweiteten Augen auf Krus Finger starrte. Während sie gingen, verließ kein Pieps ihre Münder, doch als die Gruppe nach einer Weile erneut stehen blieb, musste Kru sich stark zusammenreißen, um nicht vor Unwillen loszubrüllen. Die angewiderten Gesichter seiner Leute machten ihn jedoch neugierig und so verließ er Aoi erneut, um nachzusehen, auf was seine Jungs gestoßen waren und selbst er, der starke Kru, der schon vieles in seinem jungen Leben gesehen hatte, verzog das Gesicht aufgrund des Anblicks, der sich ihm bot. Sie hatten anscheinend die wohl verwaiseste Küche entdeckt, die sie jemals betreten hatten und in ihr tummelten sich die Ratten. Doch das war nicht das schlimmste. Mitten auf dem Küchentisch, lag etwas, das viel Blut hatte lassen müssen und über dem Tisch gequollen war. War das ein Mensch? Vorsichtig trat Kru näher und trat nach den Ratten, die ihm das Bein hoch krabbeln wollten. Überall waren Ratten auf dem Körper und alle sahen wohl genährt aus. Anscheinend fütterte der Hausherr diese Plagegeister auch noch und ließ hier seine Leichen zurück. Angewidert spuckte Kru auf den Boden und wich zurück.
 

Und während Kru sich das Desaster angesehen hatte, hatte jemand Aoi aus der Mitte der Gruppe geschliffen, ohne das irgendjemand sich einschaltete. Warum auch? Er gehörte schließlich zu ihnen...

Eine seiner lang fingrigen Hände hatte sich um Aois Mund geschlossen, damit dieser erst gar nicht die Gelegenheit dazu erhalten könnte, ihn, Tsukasa, zu verraten. Etwas abseits der Gruppe blieb Tsukasa mit dem sich wehrenden Aoi im Arm stehen. Dann beugte er sich zu seinem Ohr hinunter. "Shhhttt... WAS... hast du mit Hizumi getan?", wollte Tsukasa wissen und drehte Aoi mit einer einzigen Bewegung in seinen Armen um und bedeutete ihm mit einem Finger auf den Lippen leise zu sein. "Was habt ihr draußen besprochen?", setzte Tsukasa hinzu und bedeutete Aoi mit einem Messer an dessen Kehle mit der Wahrheit rauszurücken, der ihn ängstlich anstarrte, den Mund öffnete und wieder schloss, doch kein Ton kam über seine Lippen. "Geht's noch undeutlicher?!", giftete Tsukasa und setzte das Messer an. Doch Aoi zeigte nur die selbe Angst wie zuvor auch. Er fürchtete sich schließlich nicht vor dem Tod. "Das geht dich nichts an...", hauchte der Schwarzhaarige schließlich und Tsukasa Augen verengten sich zu Schlitzen. "Wenn ich nur könnte, wärst du schon längst tot für deine Frechheiten. Lass die Finger von ihm, klar?!", drohte er ihm, stieß ihn grob von sich gegen die Wand und ging zur der Gruppe zurück, die sich allmählich wieder in Bewegung setzte.

Nur kurz verweilte Aoi an der Wand, um seine Gedanken zu ordnen, und gerade als er sich in Bewegung setzen wollte, um sich der Gruppe wieder anzuschließen, nahm er eine Bewegung hinter sich war und eine Hand, die wie aus dem Nichts kam, verschloss seine Lippen, die Krus Namen formten, und eine ungeheure Kraft zog ihn zurück in die Dunkelheit...
 

Kru, der soeben aus der Küche trat und seinen Leuten durch Handbewegungen deutlich machte, das sie weitergehen sollten, wartete darauf, das Aoi ihm begegnete, um sich dann anzuschließen. Doch selbst als der Letzte an ihm vorbei war, war kein Aoi in Sicht und leichte Panik stieg in ihm hoch. Hastig trat er in den Gang und sah seinen Leuten hinterher, die nicht zu bemerken schienen, das Kru zurückblieb. Kein Aoi. Er hatte sich nicht getäuscht. Aoi war nicht da! Kru lief den Ganz zurück, suchte nach Aoi in den unzähligen Nebenräumen, fand jedoch nichts. Nicht einmal eine Spur von ihm. Nur der herbe Geruch eines Mannes konnte er wahrnehmen, nachdem er seine Nase in die vermoderte Luft gesteckt hatte. Den Geruch kannte er nicht! Mist! Nein, nein, nein!! Mit zugeschnürter Brust rannte er den Gang wieder zurück, um zu seinen Männern zu gelangen. Wieder sah er sich dabei um, doch sein Verdacht wurde nur bestätigt. Aoi war verschwunden!
 

"Wo ist Aoi?", wollte er wissen und seine Stimme schwang dabei zwischen aufgebracht und nervös. Verdammt! Hizumi würde ihm Vorwürfe machen! Was bitte konnte er aber dafür, das der Kerl einfach abhaut?! "Hat jemand was gesehen? Wo er hin ist? Ist ihm jemand nach gelaufen?", wollte er mit leiser aber dringlicher Stimme in Erfahrung bringen, doch seine Freunde schüttelten nur betreten den Kopf und nahmen sich vor, nun etwas aufmerksamer zu sein. Fehlte noch jemand?

Kru erkundigte sich währenddessen noch bei den Letzten, die bisher geschwiegen hatten und demonstrativ zu Boden sahen, während ihre Hände zu Fäusten geballt waren. "Hey, was ist los?! Wenn ihr was wisst, dann immer her damit! Los, uns bleibt keine Zeit mehr! Redet!" Der, der ihm am nächsten Stand, hob zögernd den Kopf und wandte ihn dann wieder ab, zeigte auf eine Person. "Er hat... ihn weggebracht.", gestand er und schrumpfte unter Tsukasas wütenden Blick. Krus Gesicht verdunkelte sich merklich und als er auf Tsukasa zuhechtete, um ihn am Kragen zu packen und ihn an die Wand zu drängen, stoben die anderen auseinander.

Überrascht japste Tsukasa nach Luft, bevor ein unheimliches Lächeln auf seine Lippen trat und seine Augen sich auf Halbmast legten. "Wo hast du mit Aoi getan, Tsukasa?!" "Nichts~", säuselte der andere und leckte sich verführerisch über die Lippen, während seine Fingernägel sich Krus sehnige Arme hinauf kratzten, wodurch dieser ihn abrupt losließ. "Du sollst das verdammt nochmal lassen, Bitch! Wo ist Aoi?!" "Tze... woher soll ich das wissen?", warf Tuskasa gekränkt ein, verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Nase hoch. "Irgendwann werd' ich dich schon kriegen...", warnte er Kru mit rauer Stimme und gab einen erstickten Schmerzenslaut von sich, nachdem Kru nach ihm ausgeholt hatte. "N-nicht mein Gesicht!", fauchte Tsukasa erzürnt und tastete sein Gesicht ab. "Sag mir jetzt sofort, wo Aoi ist!" "Oder was?" "Oder... ich werde mir ein paar Gerätschaften von diesem Typen hier ausleihen und sie dir alle in den Arsch rammen, bis du um Gnade winselst!" Nachdenklich verzog Tsukasa die Stirn. "Was haben die denn im Angebot?"

Rasend vor Wut schlug Kru noch ein weiteres Mal nach Tsukasa aus, doch dieser duckte sich rechtzeitig und riss nun Krus Hände nach hinten auf den Rücken, beugte sich zu dessen Ohr hinab. "Viel lieber hätte ich aber etwas ganz anderes in meinem süßen Hintern stecken...~" "Mach nur weiter so und du wirst nie wieder dazu kommen, das dir irgendwer irgendwann etwas steckt!", warnte ihn Kru und befreite sich ohne große Mühe von dem anderen.

Tsukasa seufzte. "Ich habe nur mit ihm geredet, klar? Dann bin ich wieder zur Gruppe und er ist zurückgeblieben." "Und du hast natürlich nur wieder an dich selbst gedacht, was? Wir sollten auf Aoi aufpassen! Was ist, wenn die ihn haben?!" "Wir haben bisher alles gemeistert. Warum sollten wir das nicht auch schaffen? Außerdem...", begann er, unterbrach sich jedoch selbst und verschränkte die Arme vor der Brust. //Kann mir das gestohlen bleiben, das DER weg ist.//, setzte er in Gedanken fort und schwieg. Zum Glück winkte Kru wutentbrannt ab und trat wieder an die Spitze der Gruppe. //Ich müsste ihn suchen gehen, aber wir können keine dritte Gruppe aufmachen. Wir müssen uns an den Plan halten!//, meinte Kru und ging nun mit harter Miene voran, während die anderen ihn folgten und sich hin und wieder nervöse Blicke zuwarfen. Mit Kru war gerade nicht gut Kirschen essen und mit Hizumi würde es nicht viel anders sein, wenn sie ihn trafen und er von ihren Fehler erfuhr.
 

Hizumi war mit seinen Männern den anderen Weg gegangen, doch nun trafen sie sich wieder, als die Gabelung endete und die beiden Wege vereinte. Hizumi war schnell bei Kru. "Was gefunden?", fragte er und sein Blick überflog Krus Gruppe. Dann sah er Kru wieder an, stutzte aber. "Wo ist Aoi?!" zischte er und fasste Kru scharf ins Auge. Dann, ohne dass Kru etwas sagen musste, glitt sein Blick zu Tsukasa und langsam ging er zu ihm, ahnte instinktiv, dass dieser etwas mit Aois Verschwinden zu tun hatte. "Hast du mir was zu sagen, Tsukasa?", fragte der Anführer und funkelte seinen Untergebenen gefährlich an. Seine Stimme war ruhig, klirrte aber wie Eis.
 

Als Kru Hizumi auf sich zu hechten sah, senkte er betreten den Blick und schüttelte den Kopf. "Wer auch immer dieses Schloss gehört, er hält nicht viel davon, die Toten zu begraben. Wir haben in der Küche eine Leiche gefunden und überall waren Ratten. Und... und bei euch?", wollte er wissen und atmete noch einmal tief ein, ehe er zu erklären begann, was noch ungewöhnlich war. "Eh... Hizumi? Ich... ich habe einen großen Fehler gemacht.", wollte Kru dem anderen gestehen und hatte seine Hände erneut zu Fäusten geballt, doch da fiel Hizumi bereits Aois Verschwinden auf. Lautlos seufzte er. "Töte mich, wenn du willst. Ich hab nicht genug-", fing er an zu erklären, als Hizumi ihn stehen ließ. Verwundert wandte er sich um und ging ihm nach, als er sah, wie Hizumi zu Tsukasa ging, der zu schmollen schien. "Es tut mir Leid, Hizumi. Ich habe nicht genug auf ihn aufgepasst. Aoi ist verschwunden. Spurlos! Ich hab den Gang abgesucht! Keine Fußspuren, keine auffälligen Geräusche. Nichts und-", wollte er während des Laufens weiter erklären, doch Hizumi schien ihn zu ignorieren, denn gerade versuchte er aus Tsukasa die Antwort herauszufinden und funkelte ihn eisig an. Wie erwartet, wich Tsukasa beleidigte Miene und machte der einer Eingeschüchterten Platz. Mit gesenktem Haupt wartete Kru ab, was genau noch geschah und wann sein Urteil folgen würde. Schließlich trug er der Schuld auch seinen Anteil bei.

"I-ich habe nur mit ihm geredet! Etwas von der Gruppe entfernt und hab ihn dann stehen lassen. Er ist mir nicht gefolgt, aber... das... war mir auch nicht... na ja... ich fand's nichts ungewöhnlich.", verbesserte er sich schnell und senkte den Blick.
 

„Verdammt nochmal, wozu hab ich euch ausgebildet?! Ihr solltet auf ihn aufpassen, ihn mit eurem Leben verteidigen!!!" Er packte Tsukasa und griff um seinen Hals. "Das wird ein Nachspiel haben! Gnade dir Gott, wenn ich herausfinde, dass das Absicht war, hast du mich verstanden?!", zischte er ihm ins Ohr, so dass die anderen es nicht hören konnten. Dann drehte er sich wieder zu seinen Leuten um. "Wenn er gefangen wird, haben wir keinen Vorteil mehr, dann sind wir erpressbar. Fünf von euch suchen ihn und das ist eure Hauptaufgabe, verstanden?! Lasst euch nicht erwischen, aber bringt Aoi heil und lebend zurück. Sagt mir über das Headset Bescheid, wenn ihr ihn habt!", befahl er und schickte die fünf los. "Und ihr anderen kommt mit, vergesst nicht, was eure Aufgabe ist, das rate ich euch bei eurem Leben!", knurrte der Anführer bissig und schloss sich Kru an. "Wir reden später.", versprach er ihm knurrig.
 

Die Männer rings um Hizumi herum, fuhren bei dessen Aufschrei zusammen und senkten allesamt betreten die Köpfe. Jedoch war es Tsukasa, der darunter am meisten leiden musste und würde und das nur, weil er aus Eifersucht ein Gespräch mit Aoi gesucht hatte. Zittrig presste er die Lippen aufeinander und schloss die Augen, als ihn Hizumis Atem striff. Normalerweise würde ihn bei solch einem Umstand immer ein anrüchiger Spruch einfallen, doch aufgrund der Situation, in der er sich befand, schwieg er und rutschte mit wabbeligen Beinen an der Wand hinunter, nachdem Hizumi ihn wieder losgelassen hatte. Seine Worte hatten ihn verletzt. Schwer verletzt, denn er würde Hizumi niemals betrügen! Also nicht... zwischenmenschlich gesehen, sondern seine Familie betrügen! "Das war... keine Absicht, Hizumi...", warf er ihm nach und wendete schwer schluckend den Blick ab. Erst als eine Hand in sein Gesichtsfeld trat und welche er als eine jene identifizierte, die bereits seinen Körper hatte näher kennen lernen dürfen, schlug Tsukasa sie weg und rappelte sich auf. Er ließ seinen willigen Helfer zurück und vernahm Hizumis Anweisungen. Er musste sich nun zusammen reißen und tun, was er tun musste. Das Leben konnte schließlich nicht nur aus Sex und... Sex bestehen. Leider...

Während er dies bedauerte und sich die trocken gewordenen Lippen befeuchtete, nahm er wie hinter einem Schleier wahr, wie fünf ihrer Männer in die entgegengesetzte Richtung davon stürmten.
 

Kru war währenddessen noch immer geknickt an die Spitze der Truppe gegangen und blickte düster drein. //Es ist verdammt schwer, auf jemanden aufzupassen, wenn man gleichzeitig die Verantwortung für eine ganze Truppe hat. Verdammt... Ich hätte den Rat Hizumis befolgen sollen, das man niemanden vertrauen kann, nicht einmal den eigenen Leuten. Dann wäre Aoi jetzt noch da. Der Junge bringt nichts als Unglück und dieser verdammte Tsukasa! Wenn er nicht wichtig für die Jungs wäre, um sich zu vergnügen und auslassen zu können, dann hätte ich ihn schon längst sich selbst überlassen oder ihn gar um die Ecke gebracht! Hizumi hätte es auch, aber er weiß nun mal, was gut für die anderen ist. Wenn wir ihn nicht hätten. Was da allerdings zwischen ihm und diesem Knilch läuft, versteh ich nicht ganz, doch die Frage spare ich mir lieber. Ich sehe doch, das er nicht darüber reden will.//, dachte er und bemerkte Hizumi neben sich. Auf seine geknurrten Worte nickte er nur folgsam und zusammen machten sie sich weiter auf den Weg.
 

~+~
 

Nachdem Uruha die Türe geschlossen und sich für einen Moment sammelte, indem er sich auf den Badewannenrand niedergelassen hatte. Er atmete tief durch und begutachtete die Klamotten in seiner Hand. Er sollte sich beeilen, damit sie endlich los konnten. Mit diesem Gedanken stand Uruha auf zog sich die weichen Klamotten an und wusch sich das Gesicht, bevor er nochmal einen blick in den Spiegel warf. Hoffentlich hörte dieser Horror bald auf. Das hoffte Uruha wirklich, als er sich über den doch ziemlich hervorstehenden Wangenknochen strich. Er kämmte sich die Haare, bevor er sich den Pullover überzog und dann das Bad verließ um zurück ins Wohnzimmer zu kehren.
 

Sakito sah auf, als die Badezimmertür sich nach kurzer Zeit wieder öffnete und hob die Brauen. "Schon fertig? Okay, dann können wir los.", meinte er und musterte Uruha besorgt, ehe er sich von der Couchlehne abstieß und unter dem Kissen seine Tasche und seinen Spionagekoffer hervor zauberte.. "Willst du den Mantel behalten Uruha, oder soll ich dir einen wWrmeren geben? Draußen ist es kalt.", wollte er wissen und schlug den Weg zur Garderobe ein. "Takeda, brauchst du noch etwas?" "Ähm... nö. Ich bin bedient, danke. Ich will nur endlich los." "Dann geh schon mal zum Auto.", meinte Sakito nur leicht genervt und wartete auf Uruha.
 

Uruha sah für einen kurzen Moment an sich herunter als er den Mantel über gezogen hat und schüttelte dann den Kopf. "Es geht schon~", antwortete er auf Sakitos Frage und lächelte leicht unsicher. Es war nicht der richtig Zeitpunkt zu lächeln.

Er seufzt innerlich leise und dachte an Reita. Wann er ihn wohl wiedersehen würde...

Er zog den Mantel enger um sich und folgte den beiden zum Wagen.
 

Er wollte zwar auch wie Takeda endlich los, aber er hatte auch Sorgen um Uruha. Seiner Meinung nach, müsse er sich schonen, etwas essen und sich schlafen legen und nicht auf eine gefährliche Reise ohne Rückkehrversicherung gehen. Er wollte ihn nicht verlieren, ihm absichtlich schaden zufügen, auch wenn er dies bereits aus blinder Liebe getan hatte, sich jedoch weder schuldig ihm gegenüber fühlen, indem er ihm seinen Wunsch verwehrte und noch ihn alleine lassen. Ein innerer Konflikt herrschte in ihm und Sakito hoffte, das er dieses Chaos bald beendigen und ihn einfach nur ihm Arm halten konnte. Dort, wo er Laut seines geheimen Wunsches, hingehörte. Doch bis dahin mussten sie dem Schrecken in die Augen blicken und aus Ungewissheit eine schreckliche Gewissheit ziehen, die alle Beteiligten wohl nie vergessen könnten, denn wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, das Reita noch lebte? Das Aoi in Sicherheit war? Das sie lebend wieder aus diesem 'Krieg' kamen?

Wenn er Uruha so betrachtete, die hervorstechenden Wangenknochen mit dem Blick striff und den Schmerz in seinen Augen und die Sehnsucht nach den alten Zeiten darin sah, ließ ihn die Sorge um den blonden Schönling, der für ihn immer diese Bezeichnung tragen würde, erzittern und die Fäuste entgegen der unsicheren Zukunft und Hilflosigkeit ballen. Wann nur, hätten sie endlich den Punkt erreicht, an dem ihr Leben wieder 'normal' ablaufen würde? Könnten sie dem irgendwann entfliehen? Wieder sicher sein?

Doch was war schon >Normal<? Was bedeutete es?
 

Uruhas Worte rissen ihn wieder zurück in die schmerzende Wirklichkeit und kaum hatte er dem mit einem Nicken zugestimmt, was auch immer der andere gesagt haben mochte, in dem Moment seiner fehlenden Aufmerksamkeit, und war nun mit Uruha an der Seite Takeda zum Wagen gefolgt. Die Tür hatte er natürlich sicher hinter sich abgeschlossen und einen letzten sehnsüchtigen Blick auf seine ehemals so sicher vorkommende Behausung, die in schlimmen Zeiten zum ärgsten Feind werden könnte. Nicht ohne Grund hatte er schließlich Uruha damals aus seiner Wohnung geholt.
 

Sakito öffnete die hintere Wagentür und deutete Uruha einzusteigen, wobei er sich aufmerksam in der Nachbarschaft umsah. Keine Menschenseele brachte zu dieser frühen Stunde seinen Hund raus und plötzlich kam Sakito diese unheimliche Stille so fremd und unwirklich vor, das er Uruha zur Eile antrieb. "Ich mag diese Stille nicht...", meinte er nur entschuldigend und warf dem Blonden einen besorgten Blick zu. "Und schnall dich an.", fügte er dem hinzu und schloss die Tür, ehe er schnell um den Wagen herum lief und die Fahrertür öffnete. Doch Takeda blickte ihm besorgt lächelnd entgegen. "Ich fahre. Du bist mir zu aufgewühlt."

Dafür hatte Sakito nur ein dankbares Knurren zur Antwort und leicht beschämt wechselte er wieder die Seite, um nun als Beifahrer zu agieren. Kaum saß er, hatte er Mühe, sich anzuschnallen, da Takeda bereits rücksichtslos losgefahren war. "Wir wollen da lebend ankommen!", meinte er leicht genervt zu dem Polizisten, nur um sich sicher zu gehen, doch der Angesprochene grinste nur und stellte seine mitgebrachte Sirene an. Sakito bekam große Augen. "Wo hast du die denn her?" "Tja..." "Hast du vergessen, das wir nicht auffallen wollten?" "Und du vergisst, das wir erstmal durch die Stadt fahren müssen, um zum Hafen zu kommen. Ich hab keine Zeit und keine Geduld mehr, wie ein normaler Autofahrer zu warten, bis die blöde Ampel auf grün springt oder die Geschwindigkeitsvorschriften einzuhalten. Scheiß drauf!" Verwundert wanderte Sakitos Blick zu dem am Lenkrad Sitzenden, der anscheinend sein Spaß hatte, einfach vorbei gelassen zu werden oder auf der zweiten Gegenspur zu fahren. "Und das von einem Polizisten?" "Ja, das von einem Polizisten! Die Marke zählt in diesen Zeiten herzlich wenig, wie du bereits gemerkt hast. Macht haben und Macht wirklich nutzen... dazwischen liegt ein gewaltiger Unterschied."

Verstehend nickte der Anwalt und hielt sich ohne Meckern an der Beifahrertür fest, als es um eine scharfe Kurve ging. "Halt dich schön fest dahinten!", forderte er Uruha auf und blickte besorgt in den Rückspiegel.
 

~+~
 

Hizumi trieb seine Männer weiter voran, Sie mussten bald da sein, er roch altes, längst getrocknetes Blut und spürte, wie er Gänsehaut bekam. So viel er in seinem Leben auch schon gesehen haben mochte, dieses Schloss machte ihn fertig, die alten Mauern schienen ihm die Luft zum atmen zu nehmen und schnürten ihm die Kehle zu. Er erinnerte sich, was er Aoi geraten hatte... //Bis Fünf zählen, dann besiegt man die Angst...// Er sah sich um, ob ihm noch alle folgten und hoffte, dass sie die Unsicherheit in seinem Blick nicht bemerkten... //Eins... Zwei... Die Wände schienen immer näher zu kommen... Drei... Der Blutgeruch wurde stärker... Ein Rascheln! Was war das?!! Nur eine Ratte... Vier... Würden sie es überhaupt schaffen?? Würden Sie Reita retten können?! Ging es Aoi gut??? ....... Fünf............// Hizumi atmete tief durch und befahl sich, die üblen Gedanken beiseite zu schieben und sich einzig und allein auf die Mission zu konzentrieren.
 

Selbst Kru, der zuvor noch aufgeregt und äußerst gespannt auf das Innere dieses Schlosses gewesen war, spürte die Kälte, das Negative und etwas Klamm wurde ihm schon bei den düsteren Vorahnungen, was sie erwarten würde. Wie Hizumi war auch er angespannt, unruhig, aber dennoch wachsam und jederzeit bereit, wenn Gefahr drohte und Not bestand, sich für seinen besten Freund und Anführer zu opfern. Er hatte keine Angst vor dem Tod, doch eben jener schickte ihm eine Gänsehaut über die noch vom Dreck eingeschmierten Arme, als er den beißenden Geruch des alten Mauerwerks roch. Auch er vernahm das Rascheln und ging wie automatisch in Kampfstellung, bis ihm die Ratte auffiel, die verschreckt aus ihrem Häuschen gekrochen kam und piepsend davonrannte und er sich augenblicklich wieder entspannen konnte.

"Mit solchen Dimensionen hätte ich nicht gerechnet. Von außen sieht es vollkommen harmlos aus...", meinte er mit belegter Stimme und holte Hizumi auf. "Schon was... neues?", fragte er, um sie ein wenig von der unangenehmen Situation abzulenken und vielleicht ein wenig Hoffnung schöpfen zu können, denn wie Hizumi schon sagte: wenn sie Aoi haben, hätten sie sie in der Hand und dabei handelte es sich nicht nur um ein zwei Leute, sondern um seine Familie, die etwa 30 darstellten, abzüglich derer, die als Wachen im Unterschlupf zurückgeblieben waren! Und wenn er daran dachte, was Hizumi geschehen könnte, wurde ihm ganz mulmig. Seit sie sich im Alter von 5 und 9 in den dunklen Gassen Tokios begegnet waren, konnte Kru sich nichts anderes mehr vorstellen, als in Hizumis Nähe zu sein. Was wäre nun, wenn ihm etwas zustieße? Dann wäre er alleine auf dieser riesigen Welt voller Übel und Machthunger. Allein beim bloßen Gedanken, machte sich die Angst um seinen Freund in ihm breit. Verwirrt schüttelte Kru den Kopf und strich sich anschließend die Haare aus dem Gesicht. "Wir sind zusammen reingegangen und kommen auch zusammen wieder raus. Versprochen, Hizumi?", schlug er mit einem etwas misslungenem Grinsen vor und hob den kleinen Finger seiner Linken. "Wir haben bisher alles zusammen geschafft. Dann werden wir auch das schaffen. Wir retten... deinen Aoi schon und diesen anderen Typen.", fügte er zuversichtlich hinzu, da er die Unsicherheit Hizumis spüren konnte. "Vielleicht werde ich heute dazu kommen, meine Schuld bei dir zu begleichen, als du mir damals das Leben gerettet und mich bei dir aufgenommen hast.", sprach er mit stolzer Stimme und blickte vor sich, wo es allmählich heller zu werden schien. Auch bemerkte er, wie die Wände dieses tunnelähnlichen Flures größer zu werden schienen. Mit einem seiner Krallenfinger zeigte er diese Beobachtung Hizumi, während er selbst in angespanntes Schweigen verfiel.
 

Hizumi nickte. "Es ist wie in einem meiner schlimmsten Alpträume...", gab er zu und hörte dann Krus Versprechen. Lächelnd hakte er seinen kleinen Finger bei ihm ein und nickte. "Ja, das schaffen wir.", sagte er und schlich dann weiter. "Zuerst müssen wir diesen Reita finden, das ist das Wichtigste. Alles andere muss warten. Kru... wo würdest du in diesem Schloss einen Gefangenen hinrichten? Ich denke, da sie es so lange aufschieben, soll es ein großes Spektakel werden... also brauchen sie Platz. Wir suchen also einen großen Raum, in dem der Boss das Finale abhalten möchte."
 

Nur zögerlich nickte der Schwarzhaarige auf Hizumis Geständnis hin und ballte die Hände zu angespannten Fäusten. "Aus Albträumen wachsen die Stärken. Du siehst also... Sie können auch Positives mit sich bringen. Wir dürfen das Negative nur nicht an unserem starken Geist zehren lassen. Das ist etwas, was ich durch dich gelernt habe. Vergiss die Lehre bitte nicht. Vor allem müssen wir als Einheit wahre Stärke zeigen. Wer zögert, der verliert. Zusammen schaffen wir alles. Das war immer so.", meinte er um Hizumi aufzubauen und auch aus der Meute hinter ihnen drang zustimmendes Murmeln. Grinsend hob er den kleinen Finger seiner Linken, in den Hizumi sich einhakte. "Machen wir aus dem Albtraum einen Spielplatz.", setzte er scherzhaft hinzu und wurde sogleich wieder ernst, als er das Selbige im Glimmen Hizumis Augen erkannte. Auf leisen Sohlen folgte Hizumis starke Bande ihrem Anführer. Aufmerksam lauschte Kru jedem Wortfetzen und jedem Geräusch, das sich rings um sie auftat. "Hm... Ich weiß ja nicht, wie diese Spielwiese hier eingeteilt und eingerichtet ist, aber deine Richtung ist logisch. Es muss ein großer Raum sein. Allerdings zeigt sich hier, das diese Räume nicht häufig oder gar nicht verwendet werden. Ich würde also daraus schließen, das es hier mehrere Etagen gibt und den Zugriff müssen wir so schnell wie möglich finden.", meinte er und als sie um die Ecke bogen, hinter der aus der Ferne scheinbar helles Licht zu strömen schien, staunten sie nicht schlecht, als sie vor einer aufzugartigen Konstruktion zum Stehen kamen, hinter der ein kleines und von Spinnweben fast vollständig verdecktes Fenster gerade noch zu erkennen war. "Es wird hell.", merkte er überflüssiger Weise an und trat mutig auf die Konstruktion, sah sich dabei nach links und rechts um. "Seht ihr einen Hebel?", fragte er an die anderen gewandt und sprang probeweise auf das Holzstück, das gefährlich zu knacken und zu wanken begann. "Viele passen hier nicht drauf. Wir müssen euch Häufchenweise runterschicken.", meinte er und besah sich die Decke. "Es geht also in den Berg hinein. Wie spannend.", meinte Kru aufgeregt grinsend. Jegliche Angst war für einen Moment ausgeloschen und auch die Männer schauten weniger bedrückt als vorher. "Männer, ihr kennt eure Aufgabe. Falls wir getrennt werden, versucht im Team zu bleiben.", meinte er jedoch wieder ernster an die Männer gerichtet, aus deren Mitte vier von ihnen trotteten, um sich vorsichtig auf die Konstruktion zu begeben. Nun sah Kru wieder zu Hizumi auf. "Wir finden ihn schon und deinen Aoi auch.", meinte er sehr von seinen Worten überzeugt und hob siegessicher die Faust.
 

Hizumi war beruhigt über Krus Worte. Er merkte, wie sie seinen Männern neuen Mut schenkten und sie anspornten, weiter zu machen. Hizumi allerdings ließ sich von der Fröhlichkeit nur äußerlich anstecken. Innerlich verging er fast vor Selbstvorwürfen... Er hatte Aoi versprochen, seinen Reita zu retten, und jetzt war selbst Aoi verschwunden und brauchte seine Hilfe. Was, wenn er Reita retten konnte, und Aoi nicht? Innerlich rief er sich wieder zur Professionalität. Niemand bekam mit, was in ihm vorging.
 

Er rief sich zur Ordnung und sah, wie Kru auf die schwankende Holzkonstruktion sprang. Blitzschnell griff er nach seinem Arm und zog ihn zurück. "Ganz langsam drauf steigen. Nicht in Hektik verfallen.", warnte er die vier, die sich langsam vorwagten und begannen in die Tiefe zu fahren. Der Aufzug knarrte und schwankte heftig, und mit einem Mal gab es einen lauten Knall, als die morsch gewordenen Seile rissen und der Aufzug samt der vier Männer in die schier bodenlose Tiefe stürzte. Die Schreie der vier endeten auf eine grausam abrupte Weise und Hizumi, der sich vorgeworfen hatte, um wenigstens einen noch zu erwischen, starrte entsetzt die Staubwolke an, die von unten zu ihnen hoch schwebte und so gnädigerweise den Blick auf die zertrümmerten Teile und die zerschmetterten Körper verbarg. Hizumi stand langsam wieder auf und wandte sich ab. Seine Kehle war trocken, seine Stimme belegt. "Wir... müssen uns einen anderen Weg suchen...", sagte er nur und führte seine Truppe in eine andere Richtung weiter.
 

Überrascht stolperte Kru von der Konstruktion direkt in Hizumis Arme, der soeben die anderen warnte und zur Vorsicht gebot, bevor sich der morsch wirkende Aufzug in Gang setzte. Vorsichtig darauf bedacht, nicht in das tiefe, schwarze Loch zu fallen, begab er sich mit bedachten Schritten zum Schacht, um hinunter zu blicken. Schon als er das Schwanken der Holzplatte und das Rudern ihrer Freunde sah, wurde dem Schwarzhaarigen bewusst, das es die Fahrt in die Hölle werden würde und diese Erkenntnis ließ ihn mit zittrigen Lippen und getrockneter Kehle zurück stolpern, wobei er die Arme ausbreitete, um die bei dem plötzlichen Knall heranstürmenden Männer zurückzuhalten. Die ängstlichen Schreie seiner sonst so tapferen und starken Gefährten machte ihm außerdem bewusst, das selbst die Stärke eines Menschen von einer Heunadel ausgelöscht werden konnte und verursachten eine Gänsehaut bei ihm. Sein nun wieder unsicherer Blick lag nun auf Hizumi, der am Boden kniete und hinab zu ihren gefallenen Gefährten blickte. Langsam ließ Kru die Arme sinken, denn Widerstand konnte er nicht mehr von den anderen erwarten. Der Blick Hizumis sprach Bände und sie wussten alle, das, wenn etwas verloren war, auch immer verloren blieb. Jeder von ihnen hatte diese Erfahrung bereits in ihrem Leben machen müssen. "Nun gibt es vier weitere Gründe zu kämpfen.", meinte Kru grimmig und schickte die anderen an, weiter zu gehen, so wie es auch Hizumi tat. Trotz angestachelter Wut über den Tod der Männer, blieb die angespannte Atmosphäre und legte sich wie eine zweite Haut über sie. "Hoffentlich war das nicht der einzige Zugang nach unten. Jetzt jedenfalls, werden sie wissen, das wir hier sind.", meinte er an Hizumi gerichtet und musterte dessen Miene. "Wir werden sie rächen.", fügte er hinzu und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, bevor er die nach Hizumi ausgestreckte Hand wieder zurückzog und sie zum Griff seines Dolchs wandern ließ. "Ich decke die Männer von vorne. Bleib du hier.", wies er bedacht an und wollte sich an den Männern seitlich vorbei zwängen, als die Mauer plötzlich hinter ihm nachgab. Er stieß einen überraschten Laut aus, fiel rückwärts, den Halt verlierend, und versuchte nach den übrig gebliebenen Seiten der Mauer zu greifen.

Doch er bekam sie nicht zu fassen!

Sie schien ebenso bröckelig zu sein, wie jene, die hinter ihm nachgegeben hatte und nun in die langsam aufhellende Nacht stürzte.

Panik ergriff ihn und ließ seine Hände schwitzig werden, wodurch ihm zwei Krallen von den Fingern rutschten und er mühe hatte, nicht auch die anderen zu verlieren, die wahrscheinlich seine einzige Hoffnung würden sein können. Wenn er es nämlich schaffen könnte, sich damit an der Mauer festzuhalten, könnte er wieder zu den anderen hinauf klettern!

Verzweifelt versuchte er die noch stehen gebliebene Mauer zu ergreifen, packte sie und versuchte sich nun mit seiner ganzen Kraft hinaufzuziehen. Doch da brach auch der einzige Ziegel, den er hatte packen können, staubrieselnd von der restlichen Mauer ab. So rutschte er immer mehr dem Abgrund entgegen. //Neeeiiiinnn!! Ich muss doch Hizumi beschützen!!//, war sein einziger Gedanke und suchte die Mauer nach einem Vorsprung ab.
 

Hizumis Blick war hart. Das, was in diesem Moment zählte war, das Schreckliche nicht zu sehr an sich heran zu lassen. So dachte er für den Moment nicht einmal darüber nach, wer alles nun nicht mehr unter ihnen war. Was zählte waren die Lebenden und das wollte er seinen Männern auch zeigen. Für jeden einzelnen von ihnen war er bereit zu sterben, und er wusste, dass die Männer genauso dachten. Er kannte sie lange und gut, und hatte sie eben deshalb ausgewählt. Krus Worte gaben den Männern den nötigen Mut und Hizumi nickte bekräftigend. Er bildete die Nachhut, als er das unheilvolle Knacken vernahm und sah, das Kru nach draußen stürzte und sich verzweifelt an der bröckeligen Mauer festhielt. Mit zwei Sätzen war er bei ihm, warf sich auf den Boden und packte Krus Hand in letzter Sekunde mit aller Kraft. Vor seinem geistigen Auge sah er Kru schon in die Tiefe stürzen, doch das plötzliche Gewicht an seinem Arm, dass ihm schier die Schulter auszukugeln drohte, riss ihn zurück in die Realität und verbissen versuchte er, Kru hochzuziehen, hielt ihm die andere Hand hin. Vor lauter Anstrengung brachte er kein Wort hervor, doch was er wollte war eindeutig. Er wollte, dass Kru losließ und Hizumis anderen Arm packte, sich somit in Sicherheit brachte. Doch das Gewicht des Freundes zog Hizumi immer weiter über den Rand, sein Oberkörper hing bereits im Freien und mit zusammengebissenen Zähnen zischte er seinen Männern zu, dass sie ihn festhalten mussten. Er sah ihn Krus weit aufgerissene Augen. "Keine Angst... Ich... lass dich... nicht los!", keuchte er.
 

"Nein, lass mich los, Hizumi! Lieber ich, als wir beide!", rief er zu seinem Freund hinauf und versuchte sich aus Hizumis Hand zu winden. Doch dessen Griff war zu fest und sein Handgelenk, welches Hizumi umpackt hielt, schmerzte. Als er sah, wie sein Freund dem Abgrund entgegen rutschte, riss Kru entsetzt die Augen auf und rammte seine Füße ohne zu Überlegen in die steinerne Mauer. Er brauchte dringend einen festen Untergrund, um sich abzustützen. Hizumi durfte nicht sterben! Lieber starb er als Hizumis Tod zu verschulden.

"Du darfst nicht... sterben!", brachte er mit einem schmerzhaften Laut verzweifelt aus und hatte es tatsächlich geschafft einen Ziegel aus seiner Fassung zu sprengen und eine kleine Einbuchtung zu schaffen. "Z-Zieht ihn rauf!", wies er den Männern an und musterte Hizumis verzweifelten Blick. Er verstand sehr gut, was er wollte, aber wie konnte er sich sicher sein, das er Hizumi damit nicht noch weiter hinunter zog?

"Los Kru!", riefen plötzlich einige ihrer Männer, die Hizumi anschließend an der Hüfte packten und ihn zurück hinauf ins Schloss zogen, was Kru nun auf der Zehenspitze stehen ließ und ihm einen Schmerzenslaut entlockte. Er hatte wahnsinnige Schmerzen, wenn er seine Füße oder Zehen bewegte. "Dickkopf...", presste er zwischen den Zähnen hervor, packte nun auch Hizumis Handgelenk, ließ den Ziegel los, der Schutt hinterlassend an ihm vorbei in die Leere flog und ergriff Hizumis zweite Hand. "Zieht!", rief er erneut hinauf zu ihren Männern, die nun verstärkt zupackten und ihn packte die Erleichterung, als zumindest Hizumis Hüfte schon über den Rand der Mauer hineingezogen worden war..
 

Hizumi schloss für eine Sekunde die Augen, als der Ruck an seinen Armen so stark wurde, dass er ihm fast die Gelenke auskugelte. Doch er ließ nicht los. Niemals würde er Kru in die Tiefe stürzen lassen. Ein zweiter Ruck an seiner Hüfte, dann wurde er von den Männern rein gezogen... Der raue Stein riss das dünne Fleisch an seiner schmalen Hüfte auf. Doch er spürte den Schmerz nicht, war viel zu sehr damit beschäftigt, nicht los zulassen. "Schneller!!", keuchte er, da er spürte, wie Kru drohte, aus seinen Händen zu gleiten... Ihre Blicke trafen sich und Hizumi schaffte ein kleines Lächeln. "Ich lass dich nicht fallen", murmelte er tonlos, so dass nur Kru es verstehen konnte.
 

"Dummkopf!", wiederholte er mit einem leichten Lächeln und sah besorgt mit an, wie Hizumi über die Kante des Risses hineingezogen wurde. "Seit doch vorsichtiger!", knurrte er zu den anderen hoch, die verständnislos zu ihm hinunter blickten und Hizumi so wie zuvor weiter hinauf zogen. //Sicher... Wer von uns ist schon vorsichtig und einfühlsam... außer Hizumi...?//, wurde ihm wieder bewusst und kaum glaubte er, war er dem Riss in der Mauer am nächsten, konnte er es schon gar nicht mehr abwarten seinen Freund zu entlasten und versuchte durch das Lösen seiner einen Hand den Rand zu erwischen, um sich selbst hochzuziehen. "H-Hizumi... L-lass los!", wies er ihn unter Anstrengung an und hatte seine Hand über die Mauer bekommen können, die sich nun da versuchte festzuhalten. Aus den Augenwinkeln sah er, wie weitere Männer heranstürmten und nach seinem Arm griffen.
 

Hizumi ließ erst los, als er sicher wusste, dass mehrere Männer Kru nun endlich sicher gepackt hatten und keine Gefahr mehr bestand, dass Kru erneut abrutschen und in die Tiefe stürzen konnte. Der Anführer stand auf und etwas wacklig auf den Beinen eilte er zu Kru, um ihm mit den anderen zusammen herein zuziehen und ihm aufzuhelfen. Kurz berührten sich ihre Hände und ein Blick in Hizumis bleiches Gesicht verriet, dass er Todesängste um seinen Freund ausgestanden hatte. Hizumi drückte Krus Hand aufmunternd und schaffte ein kleines Lächeln. Dann klopfte er sich den Staub ab und führte die kleine Gruppe weiter. Er verlor kein Wort darüber, was eben passiert war, doch nicht, weil er nicht wollte... Der Schreck saß so tief in seinen Gliedern, dass er keinen Ton heraus brachte...
 

+~+
 

Und natürlich blieb das Geräusch des zerstörten Aufzuges nicht unbemerkt in dem riesigen Kellergewölbe, in dem noch immer Shi ungeduldig herum getigert war und der Boss halb dösend über dem Geschehen wachte, sodass beide aus ihrer bewussten Starre gerissen wurden. Wie konnte das Bersten des Holzes, das Quietschen der Abseilräder, das Aufkrachen der Kostruktion auf einer Staubschicht, die sich bereits viele Generationen über hier gestapelt hatte und nun aufgrund der Druckwelle durch die Gänge gepresst wurde und schließlich am Eingang des Kellergewölbes eine große Staubwolke hineinrieseln ließ, nicht erhört und bemerkt werden?. "Was zum...?! Wir haben Eindringlinge!!", kreischte Shi aufgebracht und wandte sich wutentbrannt an den Boss. "Hast du jemanden geschickt oder warst du wirklich so dumm und hast diese Eindringlinge hierher gelockt?!" Immer noch verschreckt und nun leicht eingeschüchtert mühte sich der Angesprochene von seinem „Thron“ und wagte es nicht, Shi in die Augen zu blicken. "Wie zum Henker...", murmelte dieser fassungslos und hob hilflos die Hände. "Der Wagen wurde anscheinend nicht weggefahren." "Ach und wie kommt das?! Vielleicht weil du zu dumm warst, einem deiner Speichellecker diese Anweisung zu geben?!" "Du hast ja keine Garage und ich war zu aufgeregt, als das ich-" "Genug!", unterbrach ihn der Silberhaarige. Verständnislose Blicke folgten seitens Shi, dann schüttelte er jedoch den Kopf und ging der Staubwolke entgegen, um sich zu vergewissern, was genau passiert war.
 

Währenddessen näherten sich von außerhalb hubschrauberartige Geräusche...
 

+~+
 

Erleichterung überfiel den noch nie so am Leben hängenden Kru, als er endlich wieder Boden unter den Füßen spürte und er Hizumi in Sicherheit wusste. Dessen Sturheit hatte er zu verdanken, das er noch lebte und nur wegen ihm hatte er leben wollen! Niemals wollte er die Truppe in Gefahr bringen oder aufhalten, noch fehlende Einbuße für einen Fehler machen, der beinahe das Leben seines besten Freundes gekostet hätte. Einbuße hatte er getan, das spürte er an seinem linken Fuß, den er in die Mauer gerammt hatte, aber war das genug? Sein Blick fieberte weiter zu Hizumis aufgerissene Kleidung im Bauchbereich und es sich sich alles in ihm zusammen, als er die Schürfwunden erblickte, die er sich wegen ihm zugezogen hatte. Allein deswegen würde er sich am liebsten den Kopf irgendwo gegen rammen oder anderweitig wehtun. Wie konnte er nur so unvorsichtig sein?!

Als Hizumis warme Hand - im Gegensatz zu seinen Kalten - seine berührte, blickte er zu ihm auf und Kru musste schwer schlucken. Er fühlte sich schuldig - wie so oft schon - und wusste nicht, wie er es wieder gut machen konnte. Sich im Notfall vor ihm zu werfen, das sollte die Wiedergutmachung seiner Rettung von vor Jahren sein und nicht die Wiedergutmachung dieser Schuld! //Dann... werde ich ihm bis zum Ende das Leben retten.//, kam er zu dem Entschluss, da ihm nichts Besseres einfiel und am liebsten hätte er den anderen aus Dankbarkeit und Schuld in den Arm genommen, aber sein Stolz war zu groß, dies vor den anderen zu tun. Wie hätte er es erklären sollen? Außerdem war die Angst vor der Ablehnung zu groß. Er hatte Hizumi bereits früher schon mit seiner Anhänglichkeit genervt und hatte gelernt, Emotionen zu verbergen, um im Leben zu überleben. Das hatte ihm Hizumi beigebracht. Umarmungen waren darin nie vorgesehen.

"Danke...", meinte er ehrlich zu ihm und erwiderte etwas überrascht den Händedruck. "Du bist ein Dickschädel! Was wäre passiert, wenn du mit mir hinuntergestürzt wärst?", fügte er dem hinzu, leicht vorwurfsvoll, und lief ihm nach. //Er bricht seine eigenen Prinzipien.//, fiel ihm auf und drehte den Kopf, als die anderen ihm auf die Schulter klopften und sichtlich erleichtert waren. So merkte er auch nicht, das Hizumi einfach weiter ging. Erst als er sich beschämt murmelnd bedankt hatte und seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne lenkte, mahnte er die anderen zur Eile. "Los, los! Und bleibt von den Mauern fern!"

//Jetzt wacht er vorne und ich kann nicht einschreiten! Aber nochmal werd' ich es nicht wagen.//, mahnte er sich und ließ seinen Blick über die brüchigen Mauern wandern. Sie mussten diesen unsicheren Ort schnell verlassen!
 

Aufmerksam lauschte er in der todbringenden Stille rings um sie, sah hin und wieder hinter sich, um Nichts zu sehen, und kontrollierte die letzten Krallenfinger, die ihm treu an den Fingern geblieben waren. Als sein Blick durch die Fingerzwischenräume fiel, fiel sein Blick auf seinen linken Fuß, dessen Ballen das einzige war, was den Boden noch berührte, selbst beim Laufen, da sonst der Schmerz überhand nehmen würde. Sein abgelaufener und damals auf der Müllhalde gefundener, notpreparierter Schuh, war an den Seiten wieder aufgerissen und Blut lief durch sie hinaus. //Mist! Keine Spuren hinterlassen!//, erinnerte er sich an eine von Hizumis Regeln, die er damals wie ein Mantra auswendig gelernt hatte und riss sich ein Stück seines Shirts ab, um kurz darauf stehen zu bleiben und sich das Stück Stoff um die Schuhspitze zu wickeln und zuzuknoten. Das er dabei keine Rücksicht auf seine Verletzung nahm, tat er aus Vorsicht, wobei er sich kräftig auf die Unterlippe biss, um sie nicht durch einen verweichlichten Schrei zu verraten. Er konnte nicht ein dutzend Mal stehen bleiben, um sich den Verband neu zu wickeln, nur weil er ihn nicht fest genug drumgelegt hatte! Deshalb: Augen zu und durch!

Als er fertig war, humpelte er den anderen nach und sprang mehrmals über besonders brüchig aussehende Stellen, die durch das leichte Sonnenschimmern, welches durch kleine Schusslöcher hereinfiel, sichtbar wurden. Kaum hatte er aufgeholt, bemerkte er erleichtert, das Hizumi einen Weg weiter ins Innere gefunden hatte und wollte folgen, als ihn ein Geräusch herum fahren ließ.
 

Propeller Geräusche?!
 

"Sie wissen, das wir hier sind.", teilte er den ebenso überraschten Männern mit, die auf der Treppe hinein stehen geblieben waren, um ihre Neugier zu stillen. "Lauft, lauft! Steht hier nicht so rum! Wenn sie auch noch wissen, wo wir uns befinden, werden wir schneller Probleme bekommen, ehe wir Reita gefunden haben!", schimpfte er und verfluchte das große Fenster, das in dem Turm, in dem sie sich offensichtlich befanden, eingelassen worden war.
 

Hizumi horchte auf, als er das Hubschraubergeräusch hörte. Nun mussten sie sich beeilen. "Los jetzt!", flüsterte er und war froh, dass er seine Stimme nicht benutzen musste. Hizumi führte seine Männer tiefer ins Schloss und als er um eine Ecke bog, prallte er zurück, weil am anderen Ende ein Wachposten stand, glücklicher Weise mit dem Rücken zu ihnen. Hizumi gab seinen Männern das Zeichen, keinen Laut zu geben und er pirschte sich an die Wache heran und brach ihr mit einem gezielten Ruck das Genick. Dann legte er den Toten vorsichtig auf den Boden und durchsuchte ihn. Er gab den Männern nun das Zeichen, näher zu kommen und zeigte ihnen lautlos, mit was für Waffen sie es zu tun hatten. Die Wache war gut ausgerüstet mit Pistolen, einer MG und sogar Handgranaten. Das konnte heikel werden... Hizumi nahm die Handgranaten und clippte sie an seinen Gürtel. Dann stand er auf und winkte ihnen ihm zu folgen.
 

Neugierig sah auch Kru sich an, was der Tote bei sich trug und strich die halb zerstrubbelten Haare aus dem Gesicht, um sie sich zurückzubinden, damit sie nicht störten. Handgranaten... damit hatte er nicht gerechnet. "Wir müssen schneller sein als diese Männer, wenn wir überleben wollen.", warf er ein und klopfte denen, die ihm am nächsten waren, aufmunternd auf die Schultern. "Wär doch gelacht, wenn wir das nicht schaffen, oder?" Zustimmendes Nicken folgte und der Ansporn ließ die Angst in den Hintergrund treten. Sie hatten eine ausreichende Ausbildung hinter sich und auch, wenn sie nie mit solchen explosionsartigen Waffen gearbeitet haben, werden sie dies durch ihre Schnelligkeit wett machen können.

Und auch, wenn es ihn anwiderte, zog er den blass gewordenen Tsukasa auf die Beine und stieß ihn voran. "Jetzt bekommst du Muffensausen, hm? Vielleicht kannst du dich hier endlich mal beweisen. Beweisen, das dein Körper auch für's Töten da ist." "Wie ich dich hasse..." "Hm?", machte Kru gefährlich und stieß Tsukasa nochmal in Schulterhöhe vorwärts. "Du kannst dich später mit mir anlegen. Zum Spielen hab ich jetzt keine Zeit." "Du hast nie Zeit." "Weil ich's nicht nötig habe, dich flachzulegen. So verzweifelt bin ich nicht." "Oh du ewige Jungfrau, wer redet denn davon, mich flachzulegen?", grinste der Bleiche und wollte nach Krus Hand greifen, doch dieser zog sie rechtzeitig zurück. "Halt einfach die Fresse, Tsukasa. Ich bin nicht einer deiner Spielgefährten, die für Sex alles für dich tun würden. Such dir ein anderes Opfer, das dich beschützen soll oder geh einfach sterben und nerv mich nicht." "Rücksichtsloses Schwein!" "Egoist und jetzt geh schon, oder soll ich dich zum Ziel katapultieren?!", knurrte Kru gereizt und schnaubte erzürnt, als Tsukasa sich beleidigt, aber umso blasser, weg drehte.
 

Hizumi hörte die Streitereien zwischen den beiden und ging wütend dazwischen. "Schluss jetzt! Ihr benehmt euch ja wie Kinder! Was ist denn in euch gefahren?!", fauchte er sie wütend an. "Für sowas haben wir keine Zeit, kapiert?!", knurrte er und machte unmissverständlich klar, dass er sowas nicht länger duldete.
 

Schuldig senkte Kru den Blick. Schon wieder hatte er sein Ziel aus den Augen verloren, dank diesem Nichtsnutz Tsukasa. Warum ließ er sich auch immer so leicht reizen? "Tut mir Leid, Hizumi. Kommt nicht wieder vor." "Ja, nicht heute.", sagte Tsukasa stattdessen und verbeugte sich leicht vor Hizumi. Innerlich jedoch lachte er Kru aus. Verdient hatte er die Rüge. Schließlich hätte er beinahe seinen Hizumi auf dem Gewissen.

Wütend ballte der Krallenbesetzte die Hände zu Fäusten über diese Unverschämtheit, die Tsukasa wie immer an den Tag legte. Dumm... dummer Junge... So kommt man im Leben nicht weit und genau das, würde er heute vielleicht endlich erfahren. Selbst wenn es das Letzte wär, was er dächte.
 

Hizumi war schlecht gelaunt. Was dachten sich die beiden eigentlich dabei, jetzt und hier ihre kleinen Machtkämpfe auszutragen?! Wütend ballte er die Hände zu Fäusten. "Kein Wort mehr jetzt!", ordnete er an und trieb die kleine Gruppe weiter voran.
 

Leicht zuckte Kru unter Hizumis Aufforderung zusammen, nickte jedoch gefolgsam und brauchte sogar Tsukasa nicht mehr zu sagen, er solle sich beeilen Schritt zu halten. Um einer weiteren Auseinandersetzung zu entgehen, holte er ihre Männer ein und bildete nun die Spitze des Trupps. Hier war er definitiv richtig, denn die Gefahr, die hier überall lauern könnte, trieb die Kampfeslust in ihm an und ließ Tsukasa aus seinen Kopf vertreiben. Um den konnte er sich später kümmern. Nun war er an der Reihe, in Hizumis Namen zu kämpfen!

Doch etwas machte Kru einen Strich durch die Rechnung. Wieder gabelte sich der Gang und Kru visierte den Rechten an, blieb davor stehen und lauschte hinein. "Wir teilen uns wieder auf. Meine Truppe zu mir!", forderte er und bemerkte am Rande, wie Tsukasa, der offensichtlich angriffslustig zu ihm sah, sich von seiner Truppe abwandte und sich stattdessen Hizumi anschloss. Sollte er doch machen und verrecken...

Ihn aus seinem Kopf verbannend, klopfte er seinen Männern auf die Schulter, bis er schließlich bei Hizumi stehen blieb.

"Also dann Soldat. So wie wir reingekommen sind, gehen wir wieder raus. Seite an Seite, wie immer. Wir werden uns wiedersehen. Versprochen! Let's fight!", sagte er an seinen besten Freund gerichtet und schlug in dessen Hand. //Hoffentlich kreuzen sich die Wege!//, hoffte er, nickte noch einmal und lächelte dem Schwarzhaarigen aufmunternd zu, bevor er sich umdrehte und seine Männer in den rechten Gang führte und erneut zur Eile antrieb. Jede Minute konnte kostbar sein!
 

Hizumi nickte. "Ihr habt Kru gehört! Auf jetzt!" Er trieb die anderen zur Eile an und hoffte ebenfalls, dass die Wege wieder zusammen liefen. "Jungs, wir schaffen das. Keine Sorge. Wir sind die Besten.", motivierte er seine Männer.
 

"Leider haben wir wenig Zeit für große Worte, aber wir sind stolz auf euch. Egal wie dieser Kampf heute endet. Ihr kämpft, überlebt oder sterbt ehrenvoll und wenn wir unser Bestes geben, können wir das letzte vermeiden. Also Jungs, gebt mehr als nur alles. Es ist kein bloßes Spiel. Heute wird's ernst und wenn ihr eurem Feind gegenüber steht, seid egoistisch!", spornte Kru seine Truppe an, nickte ihnen zu und wandte sich anschließend von ihnen ab, um voran zu eilen. Seine Männer folgten ihm auf den Fersen.
 

Weiter vorne vernahm er Schritte, die sich ihm näherten. Es mussten etwa drei sein und er sollte recht behalten. Riesige Männer, wie er erstaunt bemerkte, waren es. //Der kam bestimmt mit dem Helikopter.// Doch mehr Zeit zum Denken blieb ihm nicht, denn der erste von ihnen stürmte vor und wollte nach ihm ausschlagen. Kru duckte sich weg und sah eine Pistole in dessen Manteltasche aufblitzen, die er zur Not einsetzen könnte, wenn Fäuste nicht halfen. "Sie haben Pistolen in ihren Manteltaschen!", erklärte er seinen Männern, packte den mittleren Mann um die Taille und kickte den Nebenmann, der seine Waffe soeben hervor ziehen wollte die Waffe aus der Hand und anschließend gegen dessen Brust, wobei er durch den Schwung, den er zusätzlich durch die Tritte bekam, den Mittleren einen Schritt zurück stolpern ließ, und indem Kru sich anschließend in dessen Seite krallte, was den Mann schmerzhaft aufschrien ließ, erhielt er noch zusätzlich den Halt, den Schwung weiter zu nutzen und trat den Linken mit beiden Füßen in den Rücken, was diesen nach vorne in die Arme seiner Männer fallen ließ. Schnell fanden ihre Feinde den Tod und Kru entnahm dem einen die am besten erhaltende Schutzweste, um sie sich selbst anzulegen. Die Waffen gab er seinen Männern und die Patronen, die er an den toten Leibern fand, ebenfalls. "Und weiter!", orderte er seine Männer an und eilte weiter.
 

Auch Hizumi hatte sich mit seinen Männern gegen einige Angreifer zur Wehr gesetzt und lautlos kämpften sie sich weiter voran. Tsukasa war bei ihm, tat aber nichts, hielt sich vornehm zurück. Hizumi starrte ihn wütend an, sagte aber nichts, da sie hoffentlich bald am Ziel waren und endlich Reita retten konnten...
 

Gleichzeitig machte er sich Sorgen. Er hatte das unbestätigte Gefühl, dass Aoi gefangen wurde... Weil Tsukasa nicht auf ihn aufgepasst hatte... Wütend ballte er seine Fäuste. Dafür würde Tsukasa die Konsequenzen tragen müssen!!
 

+~+
 

Währenddessen zog sich einige Meter tiefer etwas anderes zu. Gerade kehrte Shi aus dem düsteren Gang zurück, in dem noch immer der Staub unruhig die Luft verpestete und warf dem Boss, dessen Aufmerksamkeit näher kommender Schritten galt, die Leiche eines Fremden vor die Füße, sodass dieser zurückschreckte, als er sich überrascht zu ihm umdrehte. "Ist das einer deiner Männer?!", wollte der ehemals Silberhaarige - nun gräulich vom Staub eingeschneiter - Shi wissen und wandte seine Aufmerksamkeit, wie der Boss zuvor, dem Gang, aus dem die Schritte unzähliger kamen, zu Seine Stirn verdüsterte sich zunehmenst. "Nein, das ist keiner von meinen Männern, aber wir bekommen Besuch." Shi schnaubte. So schlau war er auch schon gewesen. "Und was stehst du hier noch rum?!" "Was soll ich denn tun?" "Verkriech dich in dein Mäuseloch, aus dem du gekrochen bist, du Schisser! Wer nichts wagt, der nichts gewinnt! Ohne deine Männer bist du wohl nichts, hm?!" Nun verdüsterte sich auch die Stirn des Bosses. "Auch du hättest keine Chance gegen eine Vielzahl von Gegnern!" "Aber ich würde ehrenvoll sterben, indem ich bis zum Tod kämpfe!" "Im Gegensatz zu dir, häng ich an meinem Leben!" "Indem nur noch der Spaß eine Rolle spielt. Was ist schon „Leben“? Es besteht nicht nur aus Spaß!" "Und du wirst immer ein Kind bleiben, dessen Verstand dem eines Verrückten gleicht! Und was ist schon „Leben“, wenn du nicht lebst?" "Besser als keins zu haben, allemal...", knurrte Shi, ignorierte seine Frage und packte den Boss an den Schultern, was diesen zum überraschten Aufschreien brachte. "Ach komm, tu nicht so, als würde dir das nicht gefallen.", fügte Shi weiterhin knurrend hinzu und stieß ihn zu dem Gang, aus dem die Schritte kamen, um ihn einer seiner Waffen in die Hand zu drücken. Abwartend stierte Shi in die Dunkelheit. Es wäre dumm, hinein zulaufen, ohne etwas zu sehen. Also wieder abwarten...
 

Als jedoch der Erste ersichtlich wurde und Shi auf diesen losgehen wollte, packte ihn diesmal der Boss und zog ihn zurück. "Das sind meine Männer!", meinte der Boss erleichtert und zog Shi zur Seite, um sie durch zulassen, was gar nicht so einfach war, da Shi sich wehrte. "Das ist bestimmt eine Fa-!", glaubte er und wurde vom Boss unterbrochen, der sich immer noch erleichtert an den wesentlich Größeren und ausgerüsteten Mann widmete. "Woher wusstet ihr, das wir eure Hilfe brauchen?" "Ihr Peilsender hat sich verabschiedet, also waren wir auf Alarmbereitschaft und haben uns so schnell wie es nur ging bereit gemacht, das Schlimmste zu erwarten und sind dem letzten Signal gefolgt. Was ist geschehen?" "Dieser Depp hier hat mein Handy zerstört. Wir haben Eindringlinge im Schloss, die uns unser Spielzeug nehmen wollen. Haltet sie um jeden Preis auf! Verteilt euch!", orderte er an und ließ Shi los, der die Fremden misstrauisch musterte und sich grummelnd zu den Gefangenen zurückzog.
 

Reita wandte erneut seinen Kopf rüber zu Kato. Während sich Shi und der Boss ständig stritten, riss er an den Fesseln und versuchte verzweifelt, sich zu befreien. Leise beschrieb er Kato, in welcher Situation sie waren und wie die Lage aussah. Gleichzeitig spornte er diesen an, dass er auch versuchen sollte, sich zu befreien. Zu zweit hatten sie vielleicht eine Chance... Vor allem jetzt, da der Boss und Shi abgelenkt waren. Mit Sorge merkte er allerdings, wie die Zeit immer weiter voran schritt...
 

"E... es... keinen... S... Sinn.", krächzte Kato und hustete leise, als seine Tränen zu viel Staub aufwirbelten, den er einatmete. "Tod..."

Kato war nicht willens sich zu befreien. Er hatte schon längst den Tod gewählt, egal wie schmerzhaft er werden würde. Schmerzhafter, als sein Herz ihm zu entreißen, konnte es nicht werden...

Reita sollte sich befreien und glücklich werden. Das war sein letzter Wunsch. Glücklich werden ohne ihn. "Bef... rei... du d... ich...", fügte er dem unter Anstrengung hinzu und hustete erneut, was die Aufmerksamkeit Shis auf sich lenkte, nachdem weitere Schritte den Boden erzittern ließen.
 

"Was wird hier geredet?!", fuhr Shi sie an und wechselte die Blicke zwischen den beiden. "Euer Ende naht! Ihr werdet schon sehen. Ein lustiges Spiel hat er sich für euch ausgedacht. Au ja~", fügte er grinsend hinzu und strich sich den Staub aus dem Gesicht.
 

Reita hörte Shis Worte und sah das verhasste Gesicht. Er spuckte Shi ins Gesicht. "Du wirst uns nicht brechen! Wir werden nicht sterben, du wirst dich noch wundern!", versprach er ihm und versuchte Kato wieder Mut zu machen. Er durfte sich nicht aufgeben...
 

"Denkst du, das macht mir was aus?", fragte Shi höhnisch und ließ zu, dass Reitas Spucke ihm die Wange hinunter lief und auf sein Gewand tropfte. "Und das mit dem Brechen, lass mal ganz unsere Sorge sein. Wir haben da so unsere Methoden~", meinte Shi sehr von sich überzeugt und fischte ein Tuch aus seiner Arztkitteltasche. "Du redest mir eindeutig zu viel.", setzte er erklärend hinzu und bückte sich zu Reita hinunter, um ihn das Tuch vor den Mund zu binden und diesen endlich zu schließen. Das war ja nicht auszuhalten, wie dieser verzweifelt versuchte, den anderen, der sich längst aufgegeben hatte, noch zu ermuntern, sich hilflos und kraftlos, wie er war, zu wehren. "Hast du nicht kapiert? Er will sterben~", versuchte er Reita zu erklären und pattete diesen wie ein kleines Kind, als ein freudiger Aufschrei ihn hochfahren ließ. Fragend wandte er den beiden Gefangenen den Rücken zu und hob, die Brauen, als einer der Männer des Bosses jemanden im Arm hielt, der ganz anders aussah, wie die ausgerüstete Mannschaft samt muskulösen Aussehen, und sich zu wehren schien. Um zu erfahren, was hier soeben geschehen war, als er sich den Gefangenen widmete, schritt Shi zügig zu seinem Konkurrenten, der sich freudig grinsend die Hände rieb und dabei hasserfüllt in die Augen des Fremden starrte, der angesichts seiner, sich noch heftiger zu wehren versuchte und ebenso hasserfüllt, jedoch ängstlich zugleich, zurück starrte und wenn er könnte - der Mann, der ihn festhielt, hatte eine seiner Pranken auf dessen Mund gelegt - würde er sicherlich mit Flüchen um sich werfen. "Wer ist das?", wollte Shi wissen und musterte den gebrechlichen Mann, dessen schwarzes Haar leicht zottelig von der Wehr, sein halbes Gesicht verdeckte. "Das, mein Lieber...", holte der Boss genießerisch aus und warf einen Blick zu Reita.
 

"Das ist Aoi."

"Aha~ Hast du mir nicht von dem erzählt?"

"Das ist Reitas jetziger Geliebter.", erklärte der Boss und verdrehte genervt die Augen. Ja~ Jaa~ Jetzt hatte er wieder die Macht über das Spiel und er genoss es nach Strich und Faden! Haha!

Shis Augen weiteten sich verstehend, dann zierte auch sein Gesicht ein hinterhältiges Grinsen und er trat so beiseite, dass Reita das Geschehen beobachten könne.

"Höchst Interessant, nich? Und was machen wir mit ihm?", tat Shi auf neugierig und erfreute sich an Reitas Leid.

"Legen wir ihn doch zu ihm und hängen zum Geschenk des Wiedersehens eine weitere Kugel auf.", antwortete der Boss und winkte seinen Leuten, die sich daran machten, eine weitere Eisenkugel hinunter zulassen. "Ich hatte doch versprochen, die Liebenden im Tod zu vereinen...~ Das ist eine gute Idee.", merkte Shi nickend an und griff nach Aois zierlichen Arm, den dieser versuchte, ihm zu entziehen.
 

Als der Gefolgsmann des Bosses sich Reita zuwandte und mit Shi zusammen langsam auf die Mitte zu marschierte, erblickte Aoi über die riesige Hand hinweg Reita, wie dieser entsetzt zu ihm aufblickte und erkannte sofort das Leben ihn ihm, was er glaubte, verloren zu haben. Wieder schwammen seine Augen im Wasser. //Reita!! Nein, was haben sie getan?! Was haben sie nur mit ihm vor?! Ich... Ich war grausam zu ihm...! Er lebt! Welch ein Glück!//, dachte er aufgewühlt und versuchte nach dem Hintermann auszutreten, um zu Reita zu gelangen, aber der Hühne störte sich nicht weiter an dem Versuch, presste ihn nur weiter an ihn und dieser seltsame Mann, der neben ihnen her gegangen war, begann doch tatsächlich zu lachen! Was war bitte so lustig, wenn einem aus Eigenschuld das Herz ausgerissen wird und der Verstand verrückt spielte! Verzweifelt versuchte er sich aus der Umarmung zu ziehen, baumelte jedoch bereits durch dessen alleinige Kraft schon über dem Boden, schaffte es nicht, die nötige Kraft dafür aufzuwenden. Stellte der Boss jetzt auch schon Boxer oder ähnliches bei sich ein?! //Dieses Schwein! Er soll nur herkommen! Ich werde ihn töten!//, dachte er sich und schlug nach dem Unbekannten aus, um wenigstens diesen eine Lektion zu erteilen, doch als er dessen scharf zugespitzte Fingernägel bei dessem Umdrehen ganz nah vor seinem verschwommenen Blick ausmachen konnte, schmolz seine Wehr und ließ ihn erstarren. "Noch einmal Freundchen und ich schlag zu, okay?", schlug Shi freundlich vor, doch Aoi erkannte den Hass in seinen Augen sofort. Aoi schluckte schwer.
 

"Los, Shi! Ich möchte langsam anfangen! Gleich ist die Sonne da!", rief der Boss und kam zu ihnen gelaufen. Grummelnd wandte sich Shi von Aoi ab und bereitete die Knebelvorrichtungen am Boden vor.
 

Reita konnte nur noch grummeln, als ihm der Mund mit einem Tuch verschlossen wurde, doch kurze Zeit später riss er entsetzt die Augen auf und starrte Aoi an. Aoi... der Mann, den er über alles liebte... war gefangen... Reita riss wie verrückt an den Ketten, die ihn hielten. Er kugelte sich schier die Gelenke aus, doch er machte weiter, schüttelte heftig den Kopf und schaffte es so zumindest, sich den Knebel abzustreifen. "AOI!!!", brüllte er und in seiner Stimme schwang Verzweiflung und Todesangst um seinen Geliebten mit...
 

Bereits nach kurzer Zeit war Shi mit der Vorbereitung der Knebelvorrichtungen fertig und winkte den Mann, der Aoi noch immer fest an sich gepresst hielt und jeden Widerstand zu brechen wusste, ihm den gebrechlichen Mann zu geben, der, kaum lockerte sich ein wenig der Druck der Hand über seinem Mund, die Chance nutzte und in die fleischige Hand biss, damit sie ihn loslassen würde. Und tatsächlich lockerte sich die Hand aus Reflex aufgrund des Schmerzes, den Aoi ihm zugezogen hatte, und kämpfte ich frei. Allerdings hatte der Schwarzhaarige nicht mit seinen wabbeligen Knien gerechnet, die ihm einen Strich durch die Rechnung ziehen wollten. Doch selbst das hielt ihm nicht auf, um zu seinem Reita zu krabbeln, der hoffentlich, sobald er dazu kommen würde, ihm seine Schandtat zu beichten, noch immer sein sein wollte, die doch keine ganze Schandtat war, wie Hizumi ihm wohl hatte auch klarmachen wollen..

Doch diese Schuld ließ sich nicht so einfach tilgen! Nie würde sie das!

Als er Reita erreicht hatte, wusste er gar nicht, was er zuerst tun sollte.

"Reita, du lebst!", war das erste, was ihm über die Lippen purzelte und Aoi streckte die Arme nach ihm aus, um ihn in die Arme zu nehmen und am liebsten nie wieder loszulassen. "I-Ich hab schon mit dem Schlimmsten gerechnet!", gestand er schluchzend und ließ seine Hände weiter zu den Seilen wandern, um sie mit seinen zitternden Fingern zu lösen oder sie zumindest zu lockern, doch diese waren fester als er dachte. "Du musst fliehen, Reita! Du darfst nicht sterben!"
 

"Ist ja rührseelig...~", meinte Shi gelangweilt und bohrte seine spitzen Fingernägel in Aois linke Schulter, um ihn von dem Gefangenen zurückzuziehen. Überrascht aufschreiend stürzte der Schwarzhaarige nach hinten, stieß die Hand jedoch so kräftig wie nur möglich von sich, nachdem er auf dem harten Boden gelandet war, um wieder auf die Beine zu kommen und zu Reita zu gelangen. Doch daraus wurde nichts, denn Shi ließ seine widerspenstige Art nicht lange auf sich sitzen und bohrte sich nun auch noch in die rechte Schulter, um dann seinen linken Arm um ihn zu schlingen und seine Hände auszuschalten, doch er hatte nicht mit der Kraft gerechnet, die die Verzweiflung in Aoi antrieb. "Lass mich los! Und lass Reita gefälligst frei, sonst bekommst du es mit mir zu tun!", drohte der Schwarzhaarige mutig, doch aller Mut half nichts, denn nun griff auch der Gefolgsmann des Bosses ein, der Aoi problemlos auf die Beine zog und ihn wieder in einen Klammergriff nahm, sodass Aoi beinahe die Luft wegblieb, da dessen starker Arm sich auf seinen Brustkorb presste. "Man, jetzt bring ihn schon her!", forderte Shi den Mann auf, der ihm mit eisiger Miene den zappelnden Aoi zwischen die Knebelvorrichtungen hin hielt und belustigt grinsend darauf wartete, das Shi, der in seinen Augen ein Schwächling war, ihm den Gefangenen abnahm, um ihn endlich mit Hilfe der Konstruktion zu bändigen. Als Shi die Arme nach dem Schwarzhaarigen ausstreckte, knurrte er wütend auf, als dessen Fuß seinen Arm versuchen wollte wegzukicken, riss ihn am Kragen zu Boden, sodass er auf dem Rücken landete und pinnte ihn mit Hilfe seiner Beine dort fest. "Ich sags dir nur einmal Junge... Noch ein Ding und ich schwöre dir, das ich dich eigenhändig umbringen werde!" "Shi, was redest du da?! Er soll do-", wollte der Boss einwenden, als dieser ihn mit einer Geste klar machte, ihn jetzt nicht zu unterbrechen. "Du nervst mich, hast du verstanden?! Und dein ewiges rumgeheule in den letzten Minuten kotzt mich noch mehr an!

Ich rate dir, treib es nicht zu bunt mit mir, denn unter meinen Anweisungen zu sterben ist viel grausamer, als einen schnellen Tod durch solch eine Eisenkugel zu erleben, die dein süßes Köpfchen zermalmen wird. Und mit deinem Freund kann ich ja auch experimentieren, wenn du das möchtest...?", schlug er Aoi vor, der panisch an Shis Kopf vorbei zu den riesigen Eisenkugeln hinaufstarrte. //Und ich dachte, die Grausamkeit, wie ich sie bereits erlebt habe, kann man nicht mehr toppen...//, dachte er und ihm war, als würden Tonnen auf ihn lasten und ihn niederpressen vor Hilflosigkeit und Todesangst um Reita. //Wie soll ich ihn nur hier raus holen?//, fragte er sich verzweifelt und gab einen überraschten Laut von sich, als sein Kopf zur Seite gedreht wurde. "Siehst du die Toten an den Wänden? Sie erstickten unter der Maske, die ich ihnen allesamt aufgenäht habe. Schön, oder? Jeder lächelt, selbst im Tod. Ist das nicht schön? Sie sind wie... ja, wie... Clowns?", schlug Shi grinsend fort und Aois Augen weiteten sich bei diesem Vergleich und jegliche Gesichtszüge entgleisten ihm.
 

"Soll ich deinem Reita auch so eine tolle Maske anfertigen? Dann kann er dich selbst im Tod anlächeln, während er verfault." "Hör... auf...", murmelte Aoi und starrte noch immer zu den Toten an den Wänden, die ihm ein Stück Vergangenheit zurück holten. "Was?", fragte Shi gespielt naiv und grinste diabolisch. Als Aois Kopf zu ihm ruckte und sein hasserfüllter Blick ihn festnagelte, hob der Kittelträger fragend die Brauen. "Was? Ist das nicht lustig?", fragte er gespielt verwundert und stichelte damit noch weiter in Aois Wunde. "Du Schwein!!", schrie dieser angewidert und bot seine ganze Kraft auf, um den anderen von sich zu stoßen und ihn nun selbst auf dem Boden festzunageln. "Du widerst mich an! Lass ja deine Hände von ihm!!", warnte er den Silberhaarigen, kniff die Augen zusammen und schlug blind nach seinem Gesicht. Normalerweise hasste er es, anderen weh zu tun, es sei denn es ist Notwehr oder sein Verstand ging mal wieder mit ihm durch, aber dieser Mistkerl hatte seiner Meinung nach 100 Schläge, und mehr verdient, und wenn er erst mit ihm fertig war, dann würde der Boss dran glauben, wenn-

"Jetzt hilf ihm doch!", lachte der Boss in dem Moment und Aoi wurde von zwei starken Männern von dem Kittelträger hinunter gerissen. "Ich hab vergessen, dich vor seinem Temparament zu warnen.", gluckste der Boss Shi entgegen, der sich knurrend aufrichtete. "Überlass ihn mir!", bellte er, kaum das er stand und trat so nah vor Aoi, das sich beinahe ihre Nasenspitzen berührten. "Ich will ihn qualvoll sterben sehen! Er hat es gewagt, meine Autorität in Frage zu stellen!" "Himmel, er hat dich nur gestreichelt! Der kann doch nix." "Ach... nix, hm?", knurrte Shi und legte seine Hand auf Aois Bauch. "Dennoch hat er es gewagt!", bellte der Silberhaarige, hob sein Handballen ein wenig und kratzte mit den Nägeln von außen nach innen. Reflexartig biss sich Aoi auf die Unterlippe, um jeden Schmerzenslaut im Keim zu ersticken. Soviel Genugtuung wollte er diesem Mistkerl nicht geben. "Genug jetzt! kettet ihn auf dem Boden fest!", befahl der Boss seinen Männern und Aoi wurde an Shi vorbei zur Mitte der Halle gebracht.
 

Reita konnte nur hilflos zusehen. Er gebärdete sich wie verrückt, riss an den Ketten und schrie wütend, einerseits, um seiner Angst und seiner unbändigen Wut Luft zu machen und andererseits, um Shi und den Boss abzulenken und Aoi zu zeigen, dass er lebte. Und wie er lebte. Die Ketten knackten bedrohlich und der schmale, zerschlagene Körper bäumte sich immer wieder auf, versuchte, seinem Geliebten zu helfen... "Hört auf!! Nehmt mich!! Verdammt nochmal!! Er ist doch viel zu schwach!!!"
 

"Hm~ reagiert der auch immer so?", wollte Shi von dem Boss wissen und deutete mit einem seiner blutbespritzten Finger auf Reita. Der Angesprochene lachte daraufhin schadenfroh auf. "Sie werden wie im Leben schon, auch im Tod gut zusammen passen. Nur leider haben wir wenig Zeit, uns großzügig um die Schmerzenswünsche dieses Jungen zu kümmern. Wenn du magst, kannst du ja noch ein wenig spielen gehen, aber lass sie am Leben.", mahnte der Boss und der Silberhaarige begann diabolisch zu grinsen. "Ich glaube, das wird zu machen sein. Zu gerne würde ich mit den Blonden noch ein wenig experimentieren, aber nicht jeder überlebt den Eingriff~", meinte Shi und seufzte enttäuscht auf. "Halt dich einfach etwas zurück.", mahnte der Boss den Kittelträger noch ein weiteres Mal, ehe dieser den beiden Männern mit Aoi im Schlepptau nach eilte.
 

//Wie konnte ich nur an seiner Liebe zweifeln?! Ich verstehe mich selbst kaum noch. Kann ich noch unterscheiden, wann ich klar denke und wann nicht? Kann ich den Unterscheid nicht sehen? Kann mein Herz nicht dem rechten Weg folgen? Warum lässt es sich so von meinem verwirrten Verstand betrügen?! Wie soll ich das nur je wieder gut machen?! Wie soll ich ihm das nur erklären?! Wie nur?! Wie kann ich ihn nur befreien, wenn er selbst danach drängt, das Gegenteil zu erzielen mich zu verschonen? Ich kann nicht ohne ihn! Nur mit ihm, aber wie soll ich das machen?! Ich... kann doch nichts... Gott, wie erbärmlich bin ich, wenn ich nicht mal meiner Liebe helfen kann?!!//

Aois verschwommener Blick fieberte zu Reita und wieder rollten Tränen seine Wangen hinab, als er ihn so sehr mit den Ketten kämpfen sah, das die Angst über sein Wohl sich noch mehr steigerte. //Tu dir nicht wegen mir weh Reita, bitte!!//, bat er stumm, da ihm das Sprechen wieder durch eine Hand über seinem Mund verboten wurde. Er versuchte die Tränen wegzublinzeln, um besser sehen zu können, während das Gefühl der Schuld mehr und mehr in ihm wuchs.
 

"So So... Da will sich jemand freiwillig opfern, hm?", fragte Shi und rieb sich die Hände. "Wie wär's denn, wenn ich mit euch beiden spiele? Das wäre doch gerecht, hm? Es soll hier schließlich niemand benachteiligt werden.", setzte er mit einem lehrhaften Gesichtsausdruck hinterher und sah anschließend grinsend dabei zu, wie Aoi, der sich immer noch versuchte zu wehren, mit Hilfe der Ketten am Boden befestigt wurde. Das dabei dessen Mund frei wurde, kam ihm nur recht. "Na Aoi? Wie entscheidest du? Willst du dich auch opfern?" "Lass ja die Finger von ihm! Nimm mich und nicht ihn!", antwortete ihm der Schwarzhaarige und wandte sich daraufhin zu Reita. "Reita bitte, ich... ich will dich nicht weiter leiden sehen! Ich kann nicht... verstehst du?! Das bin ich dir schuldig. Opfere dich nicht. Das bin ich nicht Wert...", meinte der Schwarzhaarige unter Tränen und zischte schmerzhaft auf, als seine Hand, die er nach Reita auszustrecken versucht hatte, grob gefasst und am Boden befestigt wurde. Er hatte diese Schmerzen verdient! Mehr als Reita! Dieser war unschuldig in die ganze Sache verstrickt worden!
 

"Wenn ich solche menschlichen Empfindungen hätte, würde ich das jetzt vielleicht romantisch finden, aber in Anbetracht dessen, das ich nicht so ein Weichling bin, unterbinde ich dem jetzt mal, freundlich, wie ich bin.", sagte Shi und kniete sich zu Reita, um das Tuch, welches eigentlich dessen Mund versperren sollte, am Hinterkopf aufzuknüpfen, um es anschließend neu zu binden. "Das Gesülze nervt nämlich ganz schön und normalerweise hätte ich dem schon längst ein Ende gesetzt. Was mir zum Beispiel gefallen würde, wäre dein Freund.", gestand er Reita und Aoi erstarrte. "N-nimm die Hände von ihm!", antwortete dieser ihm verunsichert und wurde daraufhin bereit angegrinst, wobei Aoi die spitzen Zähne auffielen, die ihn an einen Hai erinnerten, den er vor vielen Jahren mal im Fernsehen gesehen hatte. Danach hatte er die ganze Nacht über nicht schlafen können. Damals jedenfalls, als er noch sehr viel jünger gewesen war, doch der Anblick war wie damals auch schon, angsteinflößend und abstoßend. "Zwar scheint er wenig auf den Knochen zu haben, aber er sieht lecker aus. Meinst du, ihm würde ein Arm fehlen? Oder ein Bein? Ein Finger?", fragte er rhetorisch, da Reita ihm durch das Tuch nicht mehr antworten konnte. Aois Gesicht wurde bleich. Das war doch jetzt ein schlechter Scherz, oder?!

"Meine Schwester hatte ich auch zum fressen gern. Ganz schön geschrien hat das Mistding. Hat mich an meine Mutter erinnert...", knurrte Shi und spuckte angewidert auf den Boden. "Die hat auch immer so geschrien, wenn ihr wehgetan wurde. Widerliches Fleisch."

Aois Augen weiteten sich, als er die grausame Wahrheit hinter Shis Worten verstand. "Du... Monster!!"

"Oh... danke.", erwiderte Shi und strich sich eine lästige Strähne aus dem Gesicht, bevor er sich zu Aoi hinunter beugte und ihn gierig betrachtete. "Soll ich deinen Freund in Ruhe lassen, ja?" Der Schwarzhaarige nickte sofort. "Wenn.... w-wenn du ihm auch nur ein Haar krümmst, dann... dann werd' ich... ich werde...", versuchte Aoi die passende Worte zu finden, aber was sollte er auch schon tun können? Er konnte sich ja kaum noch bewegen! Als er eine Bewegung neben sich ausmachte, starrte er mit geweiteten Augen die Hand Shis an, die sich Reitas Schopf näherte. "Dann was?", fragte der Kittelträger grinsend und riss Reita ein Haar aus, um es dann direkt vor Aoi hin und her zu biegen. Dies begleitete sein Lachen, das einem Verrücktem glich.
 

Wieder schaffte es Reita, das Tuch um seinen Mund, zu lösen. "Aoi!! Hör nicht auf ihn!!! Hör nicht auf ihn!! Wir schaffen das!! Wir kommen beide hier raus!!", brüllte er. "Und du, du Monster!! Nimm deine dreckigen Finger von ihm!!"
 

Als Shi zu ihm kam um ihn erneut zu knebeln, gelang es Reita wenigstens, Shi hart in die Hand zu beißen, doch dann wurde sein Mund erneut verschlossen und mehr als ein wütendes Knurren brachte er nicht mehr zustande und seine Augen sahen Aoi verzweifelt an, so gerne würde er ihm helfen!!
 

//Auf was soll ich nicht hören??//, fragte sich Aoi verzweifelt und war noch immer geblendet von den spitz zulaufenden Zähnen Shis. Mühsam wandte er sich von der grinsenden Gefahr ab und musterte Reita. Sein Gesicht war noch immer blass und in seinen Augen stand die Angst geschrieben. Nicht mehr nur die Angst um Reita, sondern auch die Angst, wortwörtlich gefressen zu werden. Soll dies die Lüge gewesen sein? Aber wie sollte Reita sich da sicher sein? Wurde ihm etwa... etwa bereits etwas genommen?!

Aoi schluckte heftig und ihm wurde schlecht, als er nur an die Möglichkeit dachte. Er zuckte zusammen, als Shi neben ihm wütend aufschrie. Reita hatte ihm doch tatsächlich soeben in die Hand gebissen! Sein rechter Mundwinkel zuckte erfreut über diese Tat, doch als sein Blick auf das rot werdende Gesicht fiel, verschwand die Schadenfreude so schnell wie sie gekommen war und sein Blick fieberte erneut zu Reita, erwiderte den verzweifelten Blick mit schierer Angst um ihn.
 

"Du verfluchter...!", knurrte Shi wütend und schlug Reita direkt ins Gesicht. Dafür würde er noch büßen!
 

"Du sollst ihn nicht anfassen!! Warum geht das nicht in deinen dummen Schädel?!", versuchte Aoi den Kittelträger zu provozieren, um ihn von Reita abzulenken, dessen Nase blutete. Verzweifelt ruckte Aoi an den Ketten, doch diese schnitten ihm in das wenig widerspenstige Fleisch.
 

"Dumm ja?! Wie willst du das wissen, wenn du noch nie in meinen Schädel hinein geblickt hast?! Willst du vielleicht wissen, wie es in deinem aussieht?", fragte er den Schwarzhaarigen und wandte sich wie erhofft von Reita ab. "N-nein!", erwiderte Aoi, dem ein Schaudern über dem Rücken lief. Er hatte ja schon viel erlebt, aber dieser... Mann war vollkommen irre! Widerwärtig! Grausam! Sogar schlimmer als der Boss! Und dabei hatte er so sehr doch gehofft, niemand Schlimmeren mehr zu begegnen.

Damals hatte er gedacht, man könne seinen Onkel im Gebiet der Grausamkeit nicht toppen, aber der Boss hatte es um Längen. Und jetzt... jetzt traf er hier auf diesen Irren! Konnte die Welt noch grausamer sein? Oder waren es... die Menschen, die alles zerstörten...? Solche wie der Boss, sein Onkel, dieser Shi, die Wachmänner aus dem Gefängnis, diese Männer oder die hier wie Panzerschränke herum liefen? Bei manchen könnte man denken, sie wären ganz 'normale' Menschen, aber der Schein trügt, wie Aoi immer wieder feststellen musste. Liefen da draußen Hunderte, nein Tausende solcher Menschen rum? Das Leben ist grausam zu denen, die die Grausamkeit nicht verdienen. Wann würde das jemals ein Ende finden?!
 

"Was denkst du gerade, hm?", wollte Shi wissen, der, wie Aoi irritiert feststellen musste, nachdem er aus seinen Gedanken gerissen worden war, seine Arme abtastete. Was sollte das?! "Du hast echt nicht viel an dir dran, Jungchen, aber für eine Suppe könnte es reichen..."
 

"Du spinnst doch!", knurrte der Schwarzhaarige und versuchte wieder an den Ketten zu reißen, aber bis auf Schmerzen brachte es ihm nichts ein. "Nimm deine widerwärtigen Finger von mir!", setzte er dem hinzu und wieder ließ sich eine Spur Angst daraus vernehmen, was Shi nicht unentdeckt blieb. "Widerwärtig~?", säuselte der Silberhaarige belustigt und ließ seine langen Krallen Aois Arme hinunter schrammen. Der Schwarzhaarige schrie auf vor Schmerz. "Mach nur weiter, wenn du mich beleidigen willst. Ich bin es nicht, der an einem dünnen Faden hängt. So hab ich wenigstens etwas Spaß."
 

Dann, urplötzlich, meldete sich Kato krächzend zu Wort, der all dem von Anfang an gelauscht hatte. "H-hey... d-du! Warum nimmst du dir diesen Schwächling zum Opfer?! Kannst du dich nicht mit den harten Jungs anlegen?!", warf er dem Silberhaarigen vor, der sich, wie nun Kato erhoffte, von dem ihm Unbekannten, aber willkommenden Aoi abwandte. Reita hatte es verdient glücklich zu werden und wenn es dieser Aoi sein sollte, dann sollte es auch so sein. Sollte sich Shi um ihn kümmern.

"Los, komm doch her, wenn du dich traust!", knurrte er und holte die letzten Kraftreserven aus seinem schwächelnden Körper. Auch ballte er die Hände zu Fäusten und riss einmal kräftig an den Ketten, sodass sie klirrten. "Los, komm schon her, du Schisser! Legst dich mit den ganz Kleinen an, hm? Haha! Und du willst der mächtige Shi sein?! Hörst du, wie ich über dich lache?!", machte Kato den Silberhaarigen weiter an und lachte auf.
 

"Du...!!!", fing Shi an und in seinem Gesicht stand Wut geschrieben. "Du traust dir ja ganz schön was, Kleiner!", giftete er, löste sich abrupt von Aoi und sprang über Reita auf Kato zu. "Na komm doch und wehr dich!", forderte er den Gefesselten auf, der wieder an den Ketten zerrte und versuchte seine provozierende Maske aufzubehalten. Wann hatte er das letzte Mal so mit jemanden geredet? Es musste Jahre her sein...

Nun lachte Shi auf. Dann, als er sich ausgelacht hatte, bückte er sich blitzschnell und schlug dem Wehrlosem mehrmals blind ins Gesicht.
 

"Shi!! Was tust du da?! Willst du uns den Spaß nehmen, indem du ihn umbringst?", warf der Boss ein, dessen Blick erstmalig wieder auf Shi traf, mit gehobenen Brauen, doch Shi wütete weiter. Mit den Augen rollend, winkte er zwei seiner Männer, die Shi von den Gefangenen wegbringen sollte.
 

"Ich hätte dich gleich umbringen sollen, so wie deine Freunde zuvor!", kreischte Shi schon fast und holte zum erneuten Schlag auf den halb weggetretenden Kato aus, als seine Arme von zwei Männern des Bosses gepackt wurden und er auf die Füße gezogen wurde, um einigen Abstand zwischen ihm und den Gefangenen einnehmen zu können. "Lasst mich los, oder wollt ihr sterben?!", regte sich der Kittelträger auf und schaffte es tatsächlich sich freizukämpfen. Überrascht sagen sich die beiden die Kratzer an ihren Armen an, sahen daraufhin bedrohlich auf und knackten mit den Fingerknöcheln.

"Männer, geht wieder an eure Plätze! Shi, du kommst bitte zu mir."
 

"Tze... Denkst du jetzt, nur weil du deine Männer an deiner Seite hast, das ich auf dich höre wie ein gehöriger Hund?!" Der Boss seufzte. "Du sollst zu mir kommen, damit wir mit dem Spiel beginnen können." "... Ich seh mir das von hier an. Ich will das genau sehen." "Bitte...", seufzte der Boss leicht genervt und winkte seine Männer zu den Konstruktionen, die mit den Eisenkugeln verbunden waren. //Wenn er getroffen werden will, dann sind gleich vier meiner Probleme ausradiert.//, dachte der Boss und wendete sich an Reita. "Dir Reita, obliegt es nun, dich in wenigen Sekunden zu entscheiden, wen du retten willst. Willst du dich selbst retten, so roll so schnell wie möglich aus dem Feld der Kugeln. Versprechen kann ich dir allerdings nicht, das du gänzlich verschont wirst. Wenn du Aoi retten willst, stoße ihn zur Seite und opfere dich. Wenn du deine erste Liebe retten willst, dann stoße ihn zur Seite und Aoi und du sterben. In allen anderen fällen, stirbt Kato. Also entschei-", wollte der Boss sagen, wurde jedoch von Shi unterbrochen. "Und der, der es schafft, den Kugeln zu entkommen, bekomme ich?" "Der kann versuchen hier rauszukommen, ja." Vergnügt rieb sich Shi die Hände. Der Plan war besser, als er gedacht hatte.
 

Aoi zitterte heftig. Hatte er eben richtig gehört? Reitas erster... Seine erste Liebe? Sein Konkurrent? Und Reita sollte sich zwischen ihnen entscheiden?!

"Du Schwein!", rief Aoi kraftlos und schluchzend aus. Sollte das wirklich das Aus aller sein? Das Aus ihrer gemeinsamen Geschichte? Ihrer gemeinsamen Leiden? Ihrer... Liebe?

"R...Reita...", murmelte er und zog die Nase hoch. "Reita, bitte... Rette dich!", flehte Aoi und Angst um diesen lag in seinen Augen und um seine Mundwinkel. "Ich könnte es nicht ertragen, wenn du stirbst. Bitte lebe! D-du bist der Einzige, der sich hier noch irgendwie befreien könnte! Der von hier fliehen könnte! Du hast die Stärke, das zu schaffen! Gib dich nicht auf, bitte! Wenn nicht in diesem Leben, so werd' ich dich vielleicht im nächsten Leben mir verdienen können...", meinte der Schwarzhaarige und schluchzte zum Ende auf. "Bitte... Ich hab dich nicht verdient. Vergiss mich... Werd' ohne mich glücklich, nur LEB!! Bitte, ich... liebe dich doch..."
 

Reita hörte entsetzt die alles entscheidenden Worte und sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen... Er sollte über Leben und Tod entscheiden?! Aoi... Kato... Keiner von den beiden durfte sterben!! Aber Reita lag in der Mitte von beiden... Würde die Zeit reichen, um beide aus dem Radius der todbringenden Kugeln zu bringen?? Reita überlegte fieberhaft, doch ein Blick in die kalten Augen des Bosses zeigte ihm mit grausamer Klarheit, wie aussichtslos die Sache war... Doch Aoi durfte nicht sterben!! Mit großem Entsetzen und Trauer hörte er Aois Worte... Er spürte seine Liebe zu ihm immer stärker werden, wenn das überhaupt möglich war... Aber nun war er sich sicher: Aoi würde er als erstes retten.
 

Er drehte den Kopf und sah Aoi an, so viel Liebe lag in seinem Blick und plötzlich war er ganz ruhig... Er liebte diesen Mann, ob in diesem oder im nächsten Leben... Was spielte das für eine Rolle... Er hatte keine Angst mehr vor dem Tod. Er wollte nur seinen geliebten Aoi retten... Was mit ihm selbst geschah war nebensächlich... Reita streckte seine Hand aus und schaffte es, Aois Hand zu berühren, ihre Fingerspitzen streiften sich und Reita versuchte durch diese einzige kurze Berührung genug Kraft zu sammeln, um Aoi zu retten und wenn es möglich war, auch noch Kato aus der Gefahrenzone zu befreien... Wegen ihm waren der Mann, den er liebte, und der Mann, den er einst geliebt hatte, nun in dieser Lage und mussten dem Tod ins Auge sehen. Reita konnte und wollte das nicht zulassen und so sah er dem Boss entschlossen in die Augen und nickte. Er hatte sich entschieden.
 

Aoi blinzelte überrascht und versuchte den Kopf zu heben, um zu sehen, was ihn an den Fingerspitzen berührte. So fein sie auch war, so schön fühlte es sich auch an. Da ihm sein Tränenschleier jedoch noch immer die Sicht nahm, versuchte er aus dem Gefühl heraus zu erkennen, was oder wer es war.

Doch Aoi wurde schnell eines klar: wer ihm solche Schauder nur durch die kleinste Berührung durch den Körper jagen konnte, konnte nur Reita sein! So schnell wie diese sehnsüchtige Berührung auch war, so schnell war sie auch wieder verschwunden und nun versuchte Aoi von sich aus, seine Hand so weit wie möglich nach Reita auszustrecken, nur um ihn noch einmal zu berühren. Wieder liefen ihm dabei dicke, salzige Tränen über die Wangen und seine Lider juckten so schrecklich, das er seine Augen schloss. Wann hörte dieses Drama endlich auf?! Aber... gleich war es ja vorbei...

Aoi war bereit loszulassen, solange Reita sich rettete. Nur dann könnte er diese kurze Qual ertragen, die seinen Körper, der es mit wirren Verstand gewagt hatte, ohne Zusage seines Herzens zu sündigen, zerstören würde. Nur dann...

"R-Reita...? Bitte... rette dich...", schluchzte er und wandte die flehenden, aber von den Tränen geröteten, Augen zu seinem Geliebten. "Du kannst dein Leben noch genießen! Es ist nicht so verwirkt wie meines. Ich habe niemanden, du hast Kouyou. Denk doch an ihn! Du kannst... kannst dich noch einmal verlieben. Ich könnte es nicht. Ich könnte kein normales Leben mehr leben, ohne dich... Denk gar nicht dran, mich zu retten! Rette dich! Denn wenn, dann... dann werde ich dir folgen und du hast Nichts gerettet. Werde glücklich. Bitte, das ist mein letzter Wunsch.", sprach Aoi, berührte noch einmal Reitas Hand und zog sie dann zurück, um ihm zu zeigen, das er keine Widerrede duldete, auch wenn er nicht sprechen konnte. //Bitte!!//, flehte er innerlich, schloss die Augen und atmete tief ein und wieder aus.

//Auch wenn ich eigentlich nie an deine Anwesenheit geglaubt habe, Gott, so bitte ich dich, schütze ihn und schenk ihm ein neues Leben. Halte ihn von dummen Entscheidungen ab und halt ihn von solchen falschen Schlangen wie mir fern. Er soll glücklich werden. Strafe die Bösen mit deinem Zorn. Und... verzeih mir für meine Sünden.//, betete er und bereite sich auf das Ende vor. //In meinem nächsten Leben, werde ich dich suchen, Reita und wenn ich ein Jemand bin, der dich verdient hat, werde ich dich auch finden.//
 

Kato hingegen, noch immer leicht benommen von den Schlägen Shis, schloss schlapp die Augen, legte den Kopf wie zuvor auf dem kalten und verstaubten Boden ab. Er spuckte Blut und hustete im Anschluss. Sollte das Ende doch endlich kommen...

"Lass mich ja hier liegen, du Nichtsnutz.", beleidigte er Reita absichtlich und knurrte schwach. "Wenn, dann bist du nicht Schlauer als früher...", fügte er dem hinzu.

Reita sollte es nicht wagen, ihn zu retten.
 

Die kalten Augen des Bosses lagen noch immer auf Reita. "Gut, dann beginnen wir. Ich habe hier einen Schalter. Der löst die Ketten an euren Gelänken und du hast wenige Sekunden Zeit, die ausgewählte Person zu retten. Ach... fast hätte ich's vergessen, aber du bist sicherlich schon von selbst drauf gekommen. Da du in der Mitte liegst, kannst du es wohl vergessen, dich selbst zu retten!", lachte der Boss und auch Shi schrie verzückt auf. "Dann gibts Reita-Gulasch!", fügte dieser grinsend hinzu und der Boss verzog angewidert das Gesicht. "Na ja... Damit kannst du wohl ein zweites Leben auch vergessen, so fern die Christen die Wahrheit sprechen.", meinte der Boss nachdenklich und musste im Anschluss daran lachen, da Aoi einen Entsetzensschrei bei seinen Worten ausgestoßen hatte.
 

"WAG ES DIR, DU MONSTER!! VERFLUCHT SEIT IHR!! ALLE!", hatte Aoi entsetzt aufgeschrien und riss den Kopf hoch. Seine innere Ruhe war vergessen. "Wenn ich tot bin, werde ich euch solange verfolgen, bis ihr wahnsinnig werdet und euch selbst umbringt! LASST UNS IN RUHE!!", kreischte er und zerrte wütend an den Ketten, als wolle er sofort aufspringen, um sich Shi zu krallen. Der Boss war ihm im Moment egal. Shi sollte nur seine dreckigen Hände von Reita lassen!! In seinem Blick lag der Wahnsinn...
 

+~+
 

Gerade als Kru einem weiteren Wachmann den Hals umgedreht hatte, horchte er auf. Da hatte doch jemand geschrien! "Los, wir sind gleich da!!", stachelte er seine Männer an und rannte dem Schrei entgegen. Er vermutete das es Aoi war und hoffte gleichzeitig, Hizumi habe es auch gehört. Nun war endlich die Zeit gekommen, den Kampf aufzunehmen, der in die Geschichte der Underground-Kämpfe gehen würde unter: "Der große Hizumi und seine unschlagbare Bande.". Zum Kampfgebrüll aufschreiend, sprang er auf einem ihm entgegenstürmenden Muskelprotz und rammte ihn seine Krallenfinger in den Nacken. In seinen Augen flammte das Feuer der Kampfeslust. Alles oder nichts. Er war bereit bis in den Tod seinen Mann zu stehen.
 

+~+
 

Der Boss, der bei Aois Gezeter auflachen musste, hielt inne und sah auf, als er einen anderen Schrei wahr nahm. "Männer, schwärmt aus!", befahl er augenblicklich und widmete sich wieder den Gefangenen. Schweiß lief ihm an der Schläfe entlang und auch seine Hände waren schwitzig. Schnell wischt er sie an den Oberschenkeln ab, um die Bedienung nicht aus den Händen zu verlieren. Wenn er ehrlich war, lief es sowieso nicht ganz so, wie er es sich vorgestellt hatte. Reita war sich viel zu schnell sicher gewesen! Er hätte sich innerlich zereißen müssen! Der Boss knurrte auf. Jetzt oder nie!

Als sich jedoch einige seiner Männer um ihn herum stellten, um ihn zu schützen, verlor er den Blick auf die Mitte. "AUS DEM WEG! Kümmert euch um die Eindringlinge!", regte er sich auf und wieder war unnötige Zeit geopfert wurden.
 

+~+
 

Matsuda, der längst im Labor Shis Vergessene, war die unzähligen Stufen zum großen Kellergewölbe hinaufgekrochen und blickte nun unbemerkt von den anderen über das Geschehen hinweg. Sein rechtes Auge war geschlossen und blutüberströmt. Das Gerät in seinem Kopf, das Shi ihn einmal eingepflanzt hatte, hatte begonnen ich auszubreiten und ein Stromstoß, der aus seinem Kopf über sein Gesicht und in sein Auge gedrungen war, hatte ihn dort blind werden lassen. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit, das spürte er. Am ganzen Körper aufzuckend, als ein erneuter Stromstoß über seinem Körper tanzte, ließ Matsuda aufröcheln und nach vorne fallen. Zum Glück fiel der Laut in den vielen Geräusche der anderen nicht auf, denn sonst hätte er sich dadurch wohl verraten. //K... Kato...//, dachte er schwach und starrte mit zuckendem Augenlid zu diesem hinüber. //K... Kato...//, dachte er wieder und sah sich nach Shi um, der wie gefesselt auf die Gefangen blickte und mal zu einem dickeren Menschen, den Matsuda noch nie zuvor gesehen hatte und anschließend zur Decke. Träge hob Matsuda den Kopf, um zu sehen, was dort interessant sein sollte. //Kugeln...?//, erkannte er nach längerer Unsicherheit und zuckte wieder am ganzen Körper. Er musste sich beeilen und Kato helfen! Was auch immer die Kugeln zu bedeuten hatten, wichtig war es nur, Kato zu helfen.
 

+~+
 

Reita hörte Katos Worte und wie Messer schnitten sie in seine Brust. Er würde versuchen beide zu retten! Erst Aoi.. dann Kato. Doch würde er das schaffen bevor ihn die Kugel zermalmte? Er schloss kurz die Augen und spannte seine Muskeln an. Ja, er würde es schaffen! Vorsichtig berührte er wieder Aois Hand. "Ich will, dass du glücklich wirst, Aoi. Ich liebe dich von ganzem Herzen, daher möchte ich, dass es dir endlich besser geht und du endlich deinen Frieden findest. Weine nicht um mich. Du hast mir die schönste Zeit meines Lebens geschenkt.", sagte er ehrlich und war selbst erstaunt, wie sicher und fest seine Stimme klang.
 

+~+
 

Uruha ließ sich antreiben, wusste schließlich, dass Sakito es nicht böse meinte und wusste aber auch, was auf sie zukommen würde.

So stieg er also ein, schloss die Wagentüre und zog den Gurt nach vorne um sich anzuschnallen.

Es war ein komisches Gefühl, die Sirene zu hören und gleichzeitig zu wissen, was es bedeutete.

Er ließ den Blick aus dem Fenster gewandt und knetete etwas nervös seine Finger.
 

"Und wo wollen wir zuerst hin?", erkundigte sich Takeda noch einmal bei Sakito, um sicher zu gehen, das er in die richtige Richtung fuhr: Richtung Küste. Doch da Sakito ihm nicht antwortete, lugte Takeda mit Hilfe des Rückspiegels zu seinem Beifahrer, der verbissen aus dem Fenster starrte und erst durch einen zweiten Versuch ihn anzusprechen, konnte Takeda ihn aus seinen Gedanken reißen. "Du fährst schon richtig. Bring mich zu der Lagerhalle. Hoffentlich sind wir noch nicht zu spät...", sagte Sakito und wurde zum Ende hin immer leiser. "Ich hoffe es auch. Leider fährt das Auto nicht schneller." "Hm...", brummte Sakito und sah wieder hinaus. "Woran denkst du gerade?", wollte Takeda wissen und starrte konzentriert auf die Fahrbahn. "An Aoi.", gestand Sakito und in Takedas Gesicht ließ sich Verwirrtheit darüber erkennen. Sogar einen Blick wagte Takeda, um Sakitos Gesicht zu mustern, in dem in dem Moment nur Panik stand. "Konzentrier dich auf die Straße!", orderte dieser sofort an und Takeda pinnte seinen Blick wieder nach vorne. "Fällt schwer, wenn du diesen Namen erwähnst. Ist Aoi nicht mehr in der Quarantäne?" "Du scheinst was verpasst zu haben, lieber Takeda, aber nein, ist er nicht mehr." "Warum hab ich eigentlich meine Männer, wenn sie mich darüber nicht informieren?!", regte sich Takeda auf und schüttelte den Kopf. "Ich hab ihn unter meiner Aufsicht 'entführen' lassen. Das war besser für ihn. Er ist jetzt bei einem alten Bekannten von mir, der auf ihn aufpasst.", erklärte Sakito und hob die Brauen, als Takeda zwar den Mund empört aufriss, aber kurz darauf laute Flüche über einen zu schnell fahrenden Motorradfahrer ausstieß. "Ich hab dir grad' ein Geständnis gemacht und das regt dich mehr auf?", fragte Sakito belustigt, doch Takeda tat verwirrt. "Hm... was? Hast du was gesagt? Ähm also... Aoi ist jetzt bei einem alten Freund von dir, richtig? Und warum machst du dir Sorgen um ihn?", wollte Takeda wissen und Sakito musste über Takedas Ausweichmanöver grinsen. "Ich kann ihn nicht erreichen und das ist mehr als seltsam. Ich befürchte, das Aoi in der Sache mit drin steckt. Wer weiß, was der Boss alles auslösen kann, um Aoi aus einer Gruppe von Gangmitgliedern und dazu noch einer der besten im Underground zu holen. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, das deren Bandenoberhaupt und mein alter Klient, Aoi verloren haben könnte oder sogar Tod wär, im schlimmsten Falle."
 

"Du hast ihn...", fing Takeda beinahe etwas sprachlos über die viele Informationen an. "Du kannst von Glück reden, das ich ich bin und nicht irgendein dir unbekannter Polizist, der das nicht tolerieren würde. Aber wenn es wirklich stimmt, das Aoi nun im Besitz des Bosses ist, dann war ja alles umsonst gewesen! Alles!" Grinsend wägte Sakito den Kopf hin und her und sein Grinsen verblasste. "Deswegen sag ich es ja auch dir und niemand anderen. Und nein, es war nicht alles umsonst! Die Gefängnisse sind nun von seiner Macht befreit, aber was Aoi angeht, hast du schon Recht... Die Quarantänestation war fast wie ein Gefängnis und es hat die Situation nicht bessern können. Seine Psyche muss einen, in den drei Jahren seines Gefängnisaufenthaltes, einen gewaltigen Klapps abbekommen haben. Sein Verhalten war... fast animalisch, verwirrt, verrückt...?", versuchte Sakito in Worte zu fassen und sah in Fahrtrichtung, da sie sich der Küste mit rasanter Geschwindigkeit näherten. "Aber dennoch! Das ist doch alles nicht fair!", stieß Takeda aus und schlug verärgert auf's Lenkrad. "Was ist heute schon fair...?", murmelte Sakito mehr für sich und warf einen kurzen Blick in den rechten Seitenspiegel, um nach Uruha zu spähen, während Takeda zu seinem Handy griff, ein paar Tasten betätigte und es sich ans Ohr hielt. Sich wieder von Uruha losreißend, warf Sakito einen Blick zu Takeda, da diese gerade mit einem seiner Männer zu sprechen begann, um in Erfahrung zu bringen, wo die sich aufhielten. "Sie steigen gerade in die Luft.", informierte Takeda ihn und Sakito schnaubte belustigt auf.
 

//Ein Polizist, der die Regeln bricht, die es für ihn galt strengstens zu halten und ein Anwalt, der schon längst kein Anwalt mehr ist... Tolles Duo.//, feixte Sakito im Stillen und wandte sich Takeda zu. "Sag ihnen, dass sie dort suchen sollen, wo sie noch nicht gesucht haben." "Also außerhalb Tokios?" "Ja! Nur schnell!" Takeda nickte und gab die Befehle an seine Männer weiter, bevor er auflegte und sich das Handy zurück in die Brusttassche steckte. Kurz darauf, legte er eine scharfe Kurve ein und fuhr auf das Gelände der Lagerhalle ein, auf dem die zwei Morde statt gefunden hatten und Hinweise auf eine Entführung entdeckt wurden. Die Polizei glaubte im Geheimen, das es nur der Entführte Akira Suzuki sein konnte, aber da es keine eindeutigen Beweise gab, wurde diese Vermutung nicht offenkundig laut. Sakito jedoch war sich sicher. Das waren zu schnell aufeinander folgende Folgen von 'Zufällen', das es nur Reita sein konnte, der hier festgehalten wurde. Er hatte es im Gefühl.

"Du kannst im Auto bleiben, Uruha. Dauert auch nicht lange.", versprach Sakito einen letzten Blick in den Rückspiegel werfend, nachdem Takeda auf dem Gelände gehalten hatte und schnallte sich ab, um anschließend auszusteigen. Takeda folgte ihm auf dem Fuße, hielt jedoch, im Gegensatz zu Sakito, der sich zu der Stelle hinunter beugte, auf die Takeda ihn hingewiesen hatte, Ausschau nach etwas verdächtig wirkendes. Vielleicht wurde sie beobachtet? Konnte man nicht ausschließen, wenn man es mit dem Boss aufzunehmen versuchte. Sakito indes, holte aus seinem Spionagekoffer ein Reagenzglas hervor, was Takeda stutzen ließ. "Und du weißt, was du da tust?" "Ja, ich glaub schon. Ich hab mal an so 'nem Spurensuche Projekt teilgnommen, als ich ein damals ein Praktikum bei der Polizei gemacht habe.", erklärte Sakito und Takeda war überrascht." "Wolltest du mal Polizist werden?" "Nein, eher Detektiv, aber da hab ich kein Praktikum bekommen können und so musste ich darauf ausweichen. War auch ganz interessant." "Dann werd' doch Polizist?" Sakito schnaubte belustigt und schüttelte den Kopf. "Darüber kann ich mir später Gedanken machen." "Stimmt.", antwortete Takeda und richtete sein Augenmerk wieder auf die Lagerhalle.

Sakito jedoch machte sich an die Arbeit. Mit äußerster Sorgfalt tauchte er die offene Seite des Reagenzglases gegen die Erde, die keine Spuren von Reifen trug, während seine freie Hand sich auf die Erde, gleich neben dem Reagenzglas, legte. Dann drückte er behutsam das Glas in die Erde hinein, sodass die Öffnung vollends hineingetaucht und von der Erde darüber verschüttet wurde. Während er durch seine linke Hand und leichtem Druck versuchte den Stand der Erde beizubehalten, drückte er nun am anderen Ende des Glases das Reagenzglas in die Erde in die Richtung,in der seine Hand lag. Als er glaubte, genug der Bodenprobe eingefangen zu haben, hob er die linke Hand und zog das Glas senkrecht aus der Erde hinaus.
 

Takeda betrachtete Sakitos Herangehensweise kritisch und neugierig zugleich, sagte jedoch nichts, sondern trat näher an ihn heran, um in das Glas spähen zu können. Auch Sakito betrachtete es aufmerksam, während er unbeobachtet einen kleinen Korken aus seinem Koffer zog, um das Reagenzglas zu schließen. "Siehst du hier," fing Sakito an zu sprechen, sah nachdenklich auf das Glas und zeigte mit dem Zeigefinger seiner Linken auf etwas in der Erde, wie es Takeda schien aber nicht für ihn zu erkennen war, bevor er fortfuhr ", dort ist die Erde aufeinander gepresst. Ein schweres Auto könnte hier also gestanden haben oder drüber gefahren sein. Hoffen wir, das die Spurensuche und die Polizei nicht so schlau waren und sich genau hier hin gestellt haben. Das Auto ist also...", begann Sakito wieder und hob den Blick ", in östliche Richtung gefahren.", meinte der selbst ernannte Spurensucher und stand mitsamt Koffer auf, nachdem er das Glas darin sicher verstaut hatte.
 

"Und das hast du allein an der Erde abgelesen?" "Ja. Soll ich dir das Glas nochmal zeigen? Die Konsistenz zieht sich im Bogen in östlicher Richtung." "Ä-ähm nein, ist schon gut.", blockte Takeda ab und scheuchte Sakito zum Auto. "Du kannst mir das später erklären, wenn du mein Partner geworden bist." Nun war Sakito verwirrt, dem die Beifahrertür aufgehalten wurde. "Wie meinst du das?" "Na wenn du nicht mehr Anwalt bist, brauchst du einen neuen Job, oder nicht? Ich werbe dich an. Kann mir keinen besseren Partner vorstellen, wenn ich ehrlich bin.", meinte Takeda beschämt, grinste jedoch voll Ehrlichkeit. Verlegen senkte Sakito den Blick, schwieg einen Moment und öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen, beließ es dann jedoch dabei und setzte sich, um sich anzuschnallen.
 

Nachdem auch Takeda eingestiegen, angeschnallt und losgefahren war, wandte sich Sakito lächelnd an Takeda. "Vielen Dank, Takeda. Das ehrt mich.", gestand er und verbeugte sich leicht im Sitzen, doch Takeda winkte grinsend ab. "Lass gut sein. Alles okay, Uruha?", wandte er sich nun an den letzten im Bunde und warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel. Auch Sakito sah auf.
 

~Rückblick~
 

Uruha sah den beiden etwas unsicher hinterher und seufzte leise, als er im Auto warten sollte.

Er wusste so oder so nicht sorecht, was sie hier machten. Er beobachtete die beiden Männer nur durch die Fensterscheibe und zupfte leicht unruhig an dem Stoff seiner Hose.

Aber die beiden wussten ja was sie taten, da war sich Uruha sicher.

Als Sakito und Takeda schließlich zurück kamen und sich wieder in den beheizten Wagen stiegen wandte Uruha den Blick nach vorne, ohne jedoch etwas zu sagen.
 

~Rückblick Ende~
 

Uruha nickte leicht und antwortete: "Ja... Alles okay..."

Er sah durch den selben Spiegel nach vorne zu Sakito. Dennoch war er gespannt, was die beiden herausgefunden hatten und vor allem wohin sie jetzt auf dem Weg waren.
 

Fast zärtlich lächelte Sakito zurück, als er in Uruhas Gesicht blickte. "Zumindest wissen wir jetzt, in welche Richtung wir suchen müssen. Hoffen wir einfach, das wir ihre Spur so schnell wie möglich finden. Takeda, fahr los!", wies er zuletzt an Takeda gerichtet an, doch dieser wäre auch ohne Sakitos Anweisung in die Spuren gekommen. "Anschnallen!", bellte Takeda und machte sich im Eiltempo daran, die Küste in die auf Sakito hingewiesene Richtung ab zu fahren. Aufgeregte Stille machte sich im Auto breit, während die Sonne immer weiter über dem Horizont aufging. "Sakito, ruf meine Männer an und sag ihnen Bescheid! Sie sollen Verstärkung rufen!", fiel Takeda recht bald ein und sah sich aufmerksam auf dem Geländen um, die sie entlang fuhren und allmählich die Innenstadt Tokios hinter sich ließen. Sofort und ohne sich zu beschweren, nahm sich Sakito das Handy Takedas an, und während Sakito telefonierte und den Männern am anderen Ende beschrieb, wo sie suchen mussten, merkte Takeda verwundert, wie die Erde begann steiler zu werden. Ein Berg? In Tokio? In der Nähe Tokios? Warum wusste er davon nichts? Oder war es nur ein Überbleibsel eines längst vergangenen und nicht behobenen Erdbebens?
 

Doch viel Zeit zum herum wundern blieb ihnen nicht mehr! Sie mussten Reita so schnell wie möglich finden und diesen Irren vor der Welt verschließen! Kurz glitt sein Blick zu Sakito, als dieser das Handy wieder sinken ließ und nun in seiner Tasche verstaute. "Sie sind auf dem Weg.", klärte dieser ihn auf und Takeda nickte mit fest zusammengebissenen Zähnen. Er kannte Reita noch nicht lange, aber lange genug, um um sein Leben zu bangen. Dieser durfte nicht sterben! Nicht wegen ihm, aber wegen so vielen anderen! Der Gerechtigkeit! Aoi! Uruha!
 

Plötzlich beugte sich, die Augen zusammen kneifend, um den Blick zu schärfen, Sakito nach vorne und riss Takeda aus seinen Gedanken. "Was ist?! Hast du was gesehen?!", wollte er mit innerer Unruhe wissen und sah nun ebenfalls angestrengt in die Richtung, in die Sakito fast ungläubig starrte. Wenn die Straße, wenn man das überhaupt Straße nennen konnte, so holprig und rissig war sie inzwischen geworden, nicht gerade gewesen wäre, dann hätte es sicherlich ein Problem gegeben, als Takeda zur Rechten aus dem Fenster sah und nur mit dem linken Blickwinkel die Straße etwas im Auge behielt.
 

In der Entfernung ließ sich etwas Großes, etwas Ungetümes ausmachen, das sich in sich selbst zu übertrumpfen versucht haben musste. Ein zerfallenes Schloss oder eine zerfallene Burg war es, die in der aufgehenden Sonne allmählich zu erscheinen begann. Fast Inselartig türmte sie sich auf, denn unter ihr befand sich das peitschende Meer, welches versuchte, den hohen Widerstand zu erklimmen. Das, was man als Erde unter dem Gemäuer bezeichnen konnte, war U-förmig geformt, so schien es, hätte es das Meer in Tausenden von Jahren versucht.

Tatsächlich stieg der Grad des Bodens Stück für Stück, je näher sie dem Zerfall kamen. Auch wirkte es fast so, als ob die Düsternis, die diese Burg, oder was auch immer es darstellen sollte, ausstrahlte, mit den warmen Strahlen der Sonne kämpfte.
 

Ganz groß und ungläubig waren sowohl Sakitos als auch Takedas Augen geworden, der nun mit tränenden Augen wieder nach vorne blickte, um sie sich unwirsch wegzustreichen und die allmählich ansteigende Biegung wahrzunehmen.
 

Sakito indessen, dessen rechte Hand sich unbewusst auf das Glas der Fensterscheibe gelegt hatte, schluckte schwer. "H-hoffentlich... hoffentlich(!) lebt er noch... Ich fass es nicht... Wie... w-wie kann nur...", murmelte er mit fast erstickter Stimme und schüttelte den Kopf. "Nie hab ich DAVON erfahren! Nie! Diese... Burg kann sich doch nicht von selbst errichtet haben!", meinte er und rieb sich ungläubig die Augen. "Takeda...!" "Psssst... Sakito, lass... Wie müssen wir an die Sache herangehen?" "... Professionell. Du hast Recht. Dann ist sie eben einfach... da!", antwortete Sakito und schenkte der Burg einen ungläubigen und gleichzeitig trotzigen Blick. Wenn die Sache vorbei war, würde er recherchieren müssen. Soviel war sicher!

"Ich geb deinen Leuten Bescheid. Wir müssen davon ausgehen, das sie sich dort verstecken."
 

Takeda nickte auf diesen Schachzug hin und schenkte wieder der Straße und dem näher kommenden Gebäude seine Beachtung. Und natürlich kamen sie dem Gemäuer näher. Wär ja noch schöner, wenn es diese Burg von sich aus tat, was man, wenn man viel Fantasie besaß, sich durchaus vorstellen könnte, so sehr zogen die dunklen Mauern, die Geheimnisse zu bergen wussten, neugierige Besucher an. Doch Takeda war Realist. Für ihn war es nur ein Gebäude, das dem Abriss übergeben werden müsse. Vielleicht konnte er sich sogar vorstellen, das ein schönes Schloss hier errichtet werden könne, doch wüsste Sakito, was sein Fahrer sich vorstellte, dann wäre er es wohl, der entsetzt darüber wäre...
 

Während Sakito erneut mit etwas zittriger Stimme telefonierte, bemerkte Takeda beim näher heranfahren, wie sich ein großes Tor auftat, welches verschlossen und umrankt von Efeu war, als wäre es nie geöffnet wurden. Der Polizist wurde langsamer und stoppte schließlich gänzlich das Auto.
 

"Warum hälst du an?", wollte Sakito wissen und steckte sich das Handy wieder zurück in die Tasche, ehe er aufblickte und sein Blick sich sprachlos nach oben lenkte, bis er sich nach vorne beugen musste, um das Tor in voller Größe betrachten zu können. "Anscheinend will jemand, das wir hier nicht durchkommen.", meinte Takeda und musste grinsen. "Versuchen wir das Tor zu öffnen.", meinte Sakito jedoch mit ernster Miene und schnallte sich ab, um auszusteigen. "Uruha, warte hier. Wenn du etwas merkwürdiges bemerken solltest, dann sag sofort Bescheid." "Was sollte denn geschehen?", wollte Takeda verwirrt wissen und stieg nun ebenfalls aus. "Nie Horrorfilme gesehen?! Das Ding erinnert mich an solch ein Schloss aus den Filmen. Verflucht waren sie alle." "Du schaust anscheinend zu viele, mein Lieber. Das ist eine ganz normale Burg." "Normal... Normal also findest du die teilweise fehlende Mauer hier und da, die zerbrochenen oder herausgefallenen Fenster, die schiefen Türme, die Tür, die von Efeu und sonstigem Gewächs umwuchert ist?! Ich könnte die Liste beliebig lang weiter führen, aber schon das nähere Betrachten jagt einem einen Schauer über den Rücken." Takeda hob daraufhin die Brauen und sah Sakito ein wenig zweifelnd an.
 

„Nie wieder Horrorfilme schauen, kann ich dazu nur sagen. Können wir jetzt?" "Natürlich.", grummelte Sakito verlegen und beide griffen nach den Gittertüren des Tores, um sie, wenn möglich, jeweils zu sich und voneinander weg zu drücken. Mit einem rostigen Knarren öffnete sie sich Stück für Stück und machte Platz für den aufgebrochenen Fahrweg zur Burg. "Zum Glück, geht sie auf. Ich dachte schon, wir müssen mit dem Auto da durch. Dann hätte ich meinem Chef erklären müssen, wie wir ohne Erlaubnis auf ein fremdes Grundstück eingebrochen sind." "Etwas dagegen zu haben, etwas Gutes zu tun, sollte er nicht." "Ha... Du weißt, mein Lieber, ich rede von der Polizei ne?" "Hai...", seufzte Sakito. "Das ihr immer so kompliziert sein müsst!" "Hey, was kann ich dafür?" "Nichts. Tut mir Leid. Ich mein ja nur. Trotz der Vorschriften solltet ihr wenigstens auch euren gerechten Verstand einschalten und danach handeln dürfen und das hier etwas nicht stimmt, merkt man, oder? Auch wenn die Polizei sich nicht um Reitas Fall kümmern wollte, so kann es doch ein Einzelner als Mensch tun, um Gerchtigkeit zu schaffen." Takeda nickte. "Ich musste noch nie einen Polizisten verteidigen.", fiel Sakito auf und ließ die Tür los, um zu sehen, ob sie dort blieb, wo sie war. Da es funktionierte, ließ auch Takeda das Gitter los und beide setzten sich zurück ins Auto, um weiter fahren zu können. //Warum wohl, wenn man immer Recht hat?//
 

"Lassen wir jetzt das Thema Thema sein. Es bringt doch eh nichts mit MIR darüber zu diskutieren, was Recht im Polizeiwesen bedeutet, denn das ich dir zustimme, liegt wohl auf der Hand. Außerdem haben wir einen Fall zu lösen, wenn ich dich daran erinnern darf!" "Natürlich, natürlich! Jeder Zeit! Es sind wohl die Anwaltseigenschaften, über solche Dinge in den unmöglichsten Situationen nachzudenken! Fahr nur, los los!", trieb Sakito den kopfschüttelnden Takeda an, der sich dies natürlich nicht zweimal sagen lassen musste.
 

Wenn hier jemand ein Schloss errichten würde, wie Takeda es sich vorstellen konnte, dann würde Sakito den Erbauer durchaus für verrückt halten. Wer wusste schon, auf wie vielen Grabsteinen sie hier traten? Wer hier vergraben war? Wer hier sogar umgekommen war?

Sah Sakito tatsächlich zu viele Horrorfilme, oder steckte doch etwas Wahrheit in ihnen?
 

Kaum stand der Wagen nach einer Vollbremsung, bei der Sakito sich, da er es für unwichtig gehalten hatte sich anzuschnallen, vorne am Amaturenbrett abstützen musste, um nicht mit dem Kopf die Glasscheibe zu demolieren, stürmte Takeda aus dem Wagen, um die Mauern nach einem anderen Eingang als das Hauptportal zu suchen. "Und du willst wirklich mit?", wandte sich Sakito besorgt an Uruha, der sich nickend abschnallte, um auch auszusteigen. Seufzend tat es Sakito ihm gleich und stieg aus, um Takeda zur Hand zu gehen. Grummelnd rieb er sich die schmerzenden Handgelenke, während er sich genauer umsah.
 

Nicht lange dauerte es, in der Zeit selbst Uruha sich zur Spurensuche einer zu öffnenden Tür begeben hatte, und sie fanden das gesuchte Stück.
 

"Ob sie sich öffnen lässt?", murmelte Sakito und schluckte. Nicht viel Fantasie benötigte es, sich auszumalen, wie diese Doppeltür, die einem Schlund glich, wenn man sie öffnen würde, nach einem schnappen könnte. Über ihr waren zur Mitte spitz weg gebogene Fensterrahmen, die dann jeweils zum Ende hin zu ihrer gehörenden Tür spitz nach unten zuliefen, um dann in der Mitte wieder zusammenzulaufen. Man habe sie wohl aus Absicht wie zwei Augen formen lassen, doch für Sakito war es kein guter Scherz. Dazu war das unheimliche Kribbeln in seinem Magen nicht angenehm genug.
 

"Finden wir es doch heraus.", meinte Takeda und legte Sakito aufmunternd eine Hand auf die Schulter. "Falls du Angst hast, kannst du dich gerne an mich klammern, aber nasse Hosen wechsle ich nicht.", warnte er scherzend, um die Spannung zu lockern. Selbst Uruha wirkte angespannt, der dicht hinter Sakito stand und über seine Schulter lugte.
 

"Ha ha...", sagte Sakito monoton und schenkte Takeda einen warnenden Blick. "Wie war das mit professionell arbeiten?" "Ich meine ja nur...", antwortete Takeda ausweichend und hob unschuldig die Hände. "Aber halt dich auch dran.", konterte er dann und taktierte Sakito mit einem auffordernden Blick, sodass dieser grummelnd seinen wieder nach vorn lenkte. Tief einatmend und wieder ausatmetend, starrte Sakito misstrauisch Löcher in die Tür, die er gleich zu öffnen wagen würde.

"Uruha? Noch da?", fiel ihm mit leicht flatternden Nerven ein und drehte den Kopf wieder von der Tür ab, als wolle er Zeit schinden. Als er ihn hinter sich entdeckte, formten sich seine Lippen zu einem erleichterten Lächeln und mit der freien Hand umfasste er die zitternde Hand des Jüngeren. "Damit du mir ja nicht verloren gehst.", meinte er, um seine Handlung zu erklären und drückte die feine Hand Uruhas aufmunternd, was so viel bedeuten sollte wie, das er für ihn da wär, wen ner Hilfe benötigte.
 

"Na dann los...", sprach er, nachdem er sich wieder dem Schlund zugewandt hatte, mit kräftigerer Stimme als zuvor, erhöhte den Druck seiner Hand auf die eiserne und eisige Klinke, drückte sie nieder, bis sie mit einem lauten Knarzen aufging, um das Innere des Schlundes zu offenbaren...
 

+~+
 

Über die Ignoranz Shis wütend aufschnaubend, riss Aoi ein weiteres Mal an den Ketten und versuchte sich loszubekommen. Dabei verzog er nicht mal die Miene, als seine aufgeschürfte Haut an den Handgelenken zu bluten begann. Ja, er schien es nicht einmal bemerkt zu haben!

Als ihn jedoch etwas so sanftes, zaghaftes Gefühl an den Fingerspitzen striff, war es, als zucke er darunter zusammen und der Schwarzhaarige wandte sich abrupt seiner Hand zu, die nun mit Reita verbunden war. Dann als Reita zu sprechen begann, wich Aois irrer Blick und machte dem eines leeren Platz. Und während Aois Körper mehr und mehr an Stärke verlor, sackte dieser immer mehr zusammen und auch der Schmerz an seinen Handgelenken erreichte ihn. Verwirrt fragte sich Aoi, wie das zu Stande gekommen war, doch mit einem lauten Geräusch, als wäre ein schwerer Sack mit Kartoffeln auf den Boden geworfen worden, brach Aoi in sich zusammen.

Hastig ein und ausatmend starrte der Schwarzhaarige hinauf zu den Kugeln, die immer näher zu kommen schienen und ihn einengten. Nur unter großer Anstrengung konnte Aoi das Rauschen in seinem Ohr und die Angst ausblenden, um Reita zu lauschen, dessen Stimme und Worte wie balsam auf seiner geschundenen Seele war, doch die aus seinen Worten folgenden Erkenntnisse versetzten ihm gefühlte dolchgroße Narben auf seinem Herzen. Mit bebenden Lippen und zuckenden Mundwinkeln fiel Aois Kopf geschwächt zur Seite. Verzweifelt, ausgelaugt und ängstlich zugleich betrachtete Aoi Reitas geliebtes Gesicht. Ja, er hatte Angst vor sich selbst!

Dann auf dessen Lippen, um ja jedes einzelne Wort zu verstehen starrend, erstarrte er. Reita musste dies gerade gesagt haben, was er glaubte, ihm von den Lippen abgelesen zu haben! Sein Herz verkrampfte sich.

Er liebte ihn von ganzem Herzen?? Und er... er trat seine Gefühle mit den Füßen! Wieder versuchte ein Tränenschleier seine Sicht zu blockieren und ein heftiges Schluchzen drang aus seiner Kehle. Wie hatte er nur zweifeln können?! Wie hatte sein Gefühl ihn nur so verlassen und betrügen können, indem es die Wahrheit über Reitas aufrichtige Liebe ausblendete und ihn ohne Verstand walten und handeln ließ?! Wie... konnte er nur so dumm gewesen sein? "N-n... ein...", schluchzte Aoi, da er Reitas Liebe nicht verdient hatte und schloss die Augen, da sie vor Erschöpfung brannten. //Ich habe dich nicht verdient!//, dachte er, bekam jedoch kein Wort heraus, da seine Kehle wie zugeschnürt war. Doch Reita sprach weiter, als ob er Aois innere Qualen nicht bemerkte. Wie auch, wenn er die Wahrheit nicht wusste?! Wenn er nicht wusste, wie falsch er war? Wie verdorben, untreu und falsch!

//Frieden? Wie oft muss ich ihm noch sagen, dass es das auf der Welt für mich nicht geben kann?//, dachte Aoi und schluchzte erneut auf, schüttelte den Kopf und riss einmal verzweifelt an den Ketten, was den Schmerz wie Blitze in seinen Körper schießen ließ. Doch der Schwarzhaarige schrie nicht, er seufzte fast zufrieden über diesen Schmerz. Er sagte ihm, das er noch lebte und das sein Gefühl noch da war, so wie es Minuten zuvor nicht gewesen war, als er diesen unsagbaren Hass auf Shi verspürt hatte. Wenn er was in seinem Rausch gesagt hatte, könnte er seine eigenen Worte nicht wiederholen. Er wusste sie ganz einfach nicht mehr. Es war eine weitere Lücke in seinem Gedächtnis, die Aoi Angst bereitete. Angst vor dem, was er war. War er verrückt? Vielleicht Schizophren? Denkbar wäre es. Doch konnte er noch klar denken?!
 

Nachdem auch der Sinn der letzten Worte Reitas in Aois Kopf eingedrungen war, riss Aoi wieder die Augen auf, um seinem Nebenmann einen verständnislosen Blick zuzuwerfen. Aoi schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter. "Meinst du das ernst...?", wollte er mit rauer Stimme wissen und schüttelte immer wieder den Kopf. "Das kann nicht dein ernst sein! So schrecklich kann dein Leben da draußen in Freiheit nicht gewesen sein, als dass du das, was mich krank gemacht hat, als 'schön' empfindest! Was daran fandest du schön? Mich, der dich in diesen tiefen und dreckigen Teufelskreis riss, der dein Leben ruinierte?! Reita, ich bin doch an allem Schuld!", warf er sich vor und verstand nicht, was 'daran' schön gewesen sein sollte. Sie hatten die ganzen letzte Monate mehr gelitten, als er es alleine in der selben Anzahl an Monaten tat. Reita wäre beinahe umgebracht worden! Er wurde seinetwegen vergewaltigt! Seinetwegen vom Boss entdeckt! Wenn er sich besser um seinen Zellenbewohner gekümmert hätte, wäre Reita nie in seine Zelle gekommen! Hätte er doch nur seine Angst vor diesem Schänder, den er fast drei ganze Jahre Seite an Seite ertragen hatte müssen, überwinden und mit ihm geredet! Dann wäre er vielleicht nicht an Vereinsamung gestorben, wie der Gefängnisarzt es formuliert hatte. Stattdessen hatte er nach den ersten zwei Wochen aufgehört zu reden und war ihm aus den Weg gegangen, um nicht auch Opfer diesen Schänders zu werden. Wenn er doch nur...

Aoi schluchzte erneut laut auf.

Dann erstarb sein Schluchzen auf einmal und Aoi richtete sein Augenmerk auf die Kugeln. Fassungslosigkeit und Erkenntnis ließ sich darin spiegeln.

"Ich bin ein... Todbringer...", murmelte er mit fast erstickter Stimme und sein leerer Blick striff die alten Wand entlang, an den Toten vorbei und schließlich hinauf zu den Kugeln. Er dachte an Reita, an Sakito, an Takeda, an Uruha, an Hizumi und Kru... Würden sie alle wegen ihm sterben? Würde... er... sie alle umbringen? Er war ja schließlich auch Schuld an dem Tod seiner Eltern. Wenn er nicht mit diesem Minamoto Kontakt aufgenommen und sich ihm anvertraut hätte, dann wäre er gar nicht erst in die Verlegenheit gekommen, sich im Gericht verteidigen und aufgrund seines Zustandes verlieren zu müssen! Dann wären seine Eltern auch niemals diesen Weg gefahren, um auf dessen halbe Strecke Teil eines Unfalles zu werden und dann zu sterben! Dann wäre er auch nie in das Gefängnis gekommen und wäre Reita begegnet, den er jetzt auch ins Grab bringen würde... Er ist schuldig. Mehr schuldig als es ein Schuldiger je sein kann! Er hat Menschen auf dem Gewissen! Seine Liebsten! Seine Vertrauten! Seine... Liebe, die er innerlich und äußerlich töten wird, auch wenn das Innere nur zutreffen würde, wenn er nicht zu Feige wäre, es jetzt auf der Stelle... hier ihm zu beichten, was er getan hatte! Wenn er es doch nur still für sich behalten hätte, als der Onkel angefangen hatte, ihn...

Aoi wurde Schwarz vor Augen und sein Gesicht war Leichenblass.

Nun hatte er verstanden...

"Es tut mir Leid. Vom ganzen Herzen. Ich... Ich bin an allem Schuld...", murmelte Aoi mit schwacher Stimme und schloss die Augen. "Lasst das Schicksal zuschlagen...", fügte er dem melancholisch hinzu. Es sollte geschehen. Es sollte endlich ein Ende haben.
 

Wenn er starb, würde niemand mehr sterben.
 

Auch Reita nicht, selbst wenn sie das Schicksal teilten.
 

Zumindest... redete sich Aoi dies ein...
 

+~+
 

Hizumi hatte einen anderen Weg eingeschlagen, als Kru, doch auch dieser führte zu der großen Halle. Mit einem Handzeichen befahl er seinen Männern, stehen zu bleiben. Mit einigen wenigen Blicken erfasste er die Lage und sah dann Aoi neben dem Blonden liegen, der wohl Reita sein musste... Aoi! Er war also auch in den Fängen dieses widerlich fetten Kerls und dem geradezu grotesk abgemagerten, weißhaarigen Mannes, der neben ihm stand. Hizumi überlegte, dann sah er Kru im Schatten. Er hoffte, dass er ihn sah und versuchte mit Handzeichen auf sich aufmerksam zu machen.
 

+~+
 

Während Aoi sich sein Ende herbei wünschte, gelangte Kru in die große Halle, die so viel mehr Tod ausströmte, das Kru vor Erstaunen die Augen aufriss, kaum das er sie erblicken konnte. Sowas hatte er noch nie erlebt! Und er hatte schon so einiges sehen müssen.

Seine Jungs strömten währenddessen an ihm vorbei und hielten eben so wie er inne, um sich über die Ausmaße des Schrecklichen und des Bevorstehenden kundig zu machen. Doch viel Zeit blieb ihnen nicht, da ihnen eine Horde kampfeswütige Soldaten des Bosses entgegen strömten, um ihnen den Weg zu versperren. Und während Krus Truppe mit Kampfgebrüll los stürmte, um Tod zu säen, sah Kru sich hastig um. Er als Führer seines Trupps musste dafür sorgen, das sie taktisch klug handelten und sie unterstützen, aber die Angst um Hizumi ließ ihn einige Sekunden verharren. Hatte er den Weg hier her gefunden? War er vielleicht schon da?!

Dann machte er eine Bewegung am Rande eines weiter entfernten Ausgangs auf und Kru wäre vor Freude und Erleichterung am liebsten in die Luft gesprungen, doch das konnte er später immer noch machen, indem er seine Feinde besprang und anschließend tötete, als er Hizumi erkannte. Die nun auszumachende Handbewegung, die Hizumi tätigte, ließ Kru erkennen, wo sein Augenmerk liegen sollte und er fokussierte ohne weitere Sekunden zu zögern die Mitte des Raumes an, die von zwei Männern verdeckt wurde, da diese gerade auf ihn zustürmten. Sofort ging Kru in Kampfstellung stürmte los. "Aus dem Weg!", orderte er sie an, doch ließen sie sich von Kru, dem mageren Jungen, nicht einschüchtern. Schließlich hatten sie Muskeln und... Muskeln...
 

//Allerdings kein Hirn.//, fügte Kru dem hinzu, da die beiden Muskelprotze zusammenstießen, als sie ihn packen wollten. Kru nutze natürlich diese Chance, sprang auf deren starke Arme, sprang dann auf die Schultern, die sich am nähesten waren, und ließ seine Krallenfinger sprechen. Ächzend brachen beide unter ihm zusammen, während Kru indessen weiter lief.

Schnell versuchte er sich den nötigen Überblick zu schaffen, wobei er verwirrt stehen blieb. //Die beiden sehen so aus, als wären sie die Chefs. Hizumi allerdings sagte, das Aoi gerettet werden muss. Wie viel Zeit bleibt mir, beides zu schaffen?//, fragte sich Kru und erblickte die Kugeln an der Decke. //Scheiße! Irgend'nen Hebel... Hebel...//, sagte er immer wieder in Gedanken und erspähte in der Hand des dickeren Mannes eine Art Fernbediehnung. //Das muss es sein!//, sagte er sich und stürmte auf die beiden zu.
 

+~+
 

"Verdammt! So geht das nicht! Ihr könnt doch nicht einfach unter den Kugeln hindurchlaufen! Schnappt euch die Eindringlinge und bringt sie zur Strecke! Wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, können wir-", war der Boss gerade im Begriff zu sagen, als ihn Shi mit einem genervten: "Tu es endlich! Selbst Schuld, wenn sie drunter laufen!" unterbrach. "Du könntest ja zur Abwechslung auch was tun und dich um die Eindringlinge kümmern!", knurrte der Boss zur Antwort, dem dieser Umschwung selbst auch nicht gefiel. "Um deinen fetten Arsch zu retten?! Träum weiter! Ich lass mir das nicht entgehen und jetzt gib mir diese verdammte Fernbedienung!", bellte Shi und lief auf den Boss zu, der erschrocken über diesen zu raschen Wandeln rückwärts stolperte und die Fernbedienung fallen ließ. Mit großen Augen sah der Boss der Fernbedienung hinterher, wie sie im hohen Boden in Richtung der Kellermitte fiel. "Los raus aus der Schussbahn!!", rief der Boss eilig und auch Shi wandte sich der Mitte zu. Überrascht, doch erfreut über den durch ihn vorangetriebenen Vorgang, bewegte er hibbelig seine langen Finger. Wenn die Fernbedienung auf die Vorderseite fallen würde, dann würden zwar beide Knöpfe ausgelöst werden, aber so oder so würden alle sterben.
 

Endlich konnte das Finale beginnen! Endlich! Ja, so sehr hatte er darauf gewartet! Die ganzen Stunden des Wartens hatten sich für dieses belustigende Ende gelohnt! Shis Augen funkelten gespannt. Sein Atem ging schnell. "Jaaa~? Jaaaaa~!", spornte er die Fernbedienung an, als wolle er sie alleine dadurch dazu zu bewegen, mit den Schaltern nach unten zu fallen.
 

Und tatsächlich...
 

Sie beugte sich Shis Wille...
 

Es knackte gewaltig, sodass es in der ganzen Halle schallte und sie erbeben ließ. Die Ketten der Kugeln wurden soeben von ihren Verankerungen gelöst und fielen. Auch knackten die Hand- und Fußschellen der Gefangen.
 

+~+
 

Aoi blieb wo er war. Es war so weit... Er würde sterben...
 

+~+
 

Matsuda stolperte vor Schmerz und Verzweiflung aufschreiend zu Kato, der ebenso wie Aoi bereit war, das grausame Leben hinter sich zu lassen..
 

+~+
 

Kru handelte blitzschnell. Er wandte sich von dem dickeren Mann ab, der die Fernbedienung losgelassen hatte und sprintete so schnell er konnte zu Aoi, bis er urplötzlich am Arm zurück gerissen und somit von den Füßen gerissen wurde. Lange, spitze Fingernägel krallten sich in seinen Arm und ließen Kru in die Realität zurückkehren und aufspringen.
 

+~+
 

"DUUU!!! Nimmst mir nicht die Show!", keifte Shi den ihm Unbekannten aber Störenfried an und holte nach Kru aus, der sich duckte und seinen Kopf in dessen Magenkuhle rammte, um sich selbst aus dem Schussfeld der Kugeln zu bringen. //Tut mir Leid, Hizumi, aber es ist zu spät.//

Shi schrie hell auf und nahm seine Klingen zur Hand, die unter seinem Gewand steckten. Sofort zog Kru seine und parierte Shis Angriffe.
 

Wow... Er hatte endlich jemanden gefunden, mit dem er sich messen konnte!

Leben oder Tod. Die Klinge sollte entscheiden...
 

+~+
 

Hizumi reagierte sofort, als der Tumult losging. "Rettet die Gefangenen!", wies er seine Männer an, hatte zuvor fassungslos Reitas Worten gelauscht. Dieser Mann liebte Aoi. Er musste das akzeptieren und gleichzeitig verspürte er den Wunsch, die beiden zu retten...
 

Hizumi hatte davor schon seinen Männern die Aufgaben gesagt, nun blieb nur noch zu hoffen, dass sie professionell handelten.
 

Sein Gegner stand schon fest. So wie Kru gegen den Kittelträger kämpfte, stürzte sich Hizumi auf den fetten Boss. Seinen Erzfeind. Mit einem Schrei sprang er auf ihn zu und seine mit einem langen Messer bewaffnete Hand holte zu einem tödlichen Schlag aus.
 

+~+
 

Der Boss, der mit großen Augen und vor Aufregung schnell schlagendem Herzen, hinauf zu den Kugeln sah und sie mit all seiner Konzentration verfolgte, um sie auch ja nicht aus den Augen zu verlieren und anschließend das Finale genießen zu können, stolperte überrumpelt vornüber, da er von jemanden angesprungen wurde. "M-Männer!", rief er sofort um Hilfe, konnte sein Gleichgewicht nicht mehr halten und fiel auf die Knie, entkam so knapp den versuchten Mord an ihm. Doch das realisierte er erst, als er seinen Angreifer fluchen hörte. "Los, macht schon! Knöpft ihn euch vor!", schrie er seine Männer an und versuchte den Angreifer von sich zu schütteln. Jedoch ohne Erfolg. Panik überkam ihn und die ersten Treffer machten sich bemerkbar. "Ahhh!", schrie er schmerzhaft und wutenbrannt auf, packte sich Hitzumis Arme, um sie zum zur Unbeweglichkeit zu zwingen, ließ sich absichtlich zur Seite kippen, um sich dann mit all seiner Kraft auf den Rücken zu drücken und den Angreifer unter seinem Gewicht zu erdrücken, wie er hoffte. Der Angstschweiß ran ihm an der Schläfe hinab und seine Männer näherten sich von allen Seiten sowie einige aus der feindlichen Truppe.
 

+~+
 

Reita bemerkte deutlich, wie Aoi aufgab... Erneut riss er an den Fesseln, versuchte für Aoi da zu sein. Sein Entschluss stand fest. Er würde Aoi retten, und wenn es das Letzte war, das er tun würde!
 

Sein Blick wanderte hoch zu den todbringenden Kugeln... würde er die Kraft haben, das zu tun, was er vorhatte? Würde er sein Leben opfern können für das eines anderen? Hatte er nicht schon genug für ihn gelitten? Doch das unheimliche Geräusch der Ketten, die die Kugeln lösten, löschten alle Zweifel mit einem Schlag aus. Er würde sterben. Das wurde ihm brutal bewusst... Aber Aoi würde leben! Er würde nicht jetzt und hier sterben, sondern hoffentlich irgendwann im Alter nach einem erfüllten Leben.
 

Der Blonde spürte, wie seine Fesseln mit einem Schlag fielen und hatte nur noch einen Gedanken....
 

+~+
 

"Achtung!!", warnte der Boss noch eben seine Männer und riss die Arme hoch, um sein Gesicht zu verdecken, als er sah, wie die Kugeln auf den Boden sausten. Seine Hände verkrampften sich in dieser Position, um sich vor den größeren Brocken des Bodens, die zur Seite flogen, zu schützen. Von der Druckwelle gefasst, stolperten die Männer, die zwischen ihm und den Kugeln gestanden hatten, auf ihn zu. Dies noch rechtzeitig bemerkend, kurz nachdem er die Arme hatte sinken lassen, riss der Boss die Augen vorhersehbar auf und mühte sich mit aller Kraft ab, sich wieder zur Seite zu rollen, wobei er den Angreifer dieses Mal nicht festhielt, um seinen näherkommenden Männern auzuweichen. Tatsächlich schaffte der Boss es, trotz seiner Körpermasse, und die Männer, die ihren Schwung durch die Druckwelle nutzen, verloren die Panik ihren Boss unter sich zu vergraben und stürzten sich stattdessen auf Hizumi, der wie ein Käfer auf dem Rücken dagelegen hatte, bevor auch er zur Wehr ansetzte.
 

Währenddessen, ungeachtet von Feinden, da diese beschäftigt waren, riss er die Arme freudig hoch und lachte auf. Die Schmerzen waren für den Moment vergessen. "Wahnsinn!", rief er aus und bestaunte seine Werk. "Shi, bin ich nicht genial?! Hast du's gesehen?", rief er fragend an seinen Konkurrenten, der alle Hände voll zu tun hatte und nicht in der Lage war, als in seiner Situation nur ein Knurren zu Stande zu bringen.



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Kommentare zu diesem Kapitel (9)

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Von: abgemeldet
2010-04-06T20:20:38+00:00 06.04.2010 22:20
Wie fieees an der Stelle aufzuhören ;_____;
Ich hab auch ziemlich lange gebraucht um das ganze Kapi zu lesen, aber ich fand`s toll und so spannend *_*
Kru ist ja mein Liebling xDD
Auf jedenfall hoffe ich das ihr bald weiter schreiben werdet, ich will so gerne wissen wie es ausgeht ;_;
Bin also gespannt auf das nächste Kapi^^
Von:  Kao
2010-03-16T16:10:31+00:00 16.03.2010 17:10
endlich habsch es geschafft es zu ende zu lesen ;O;~
aber wie könnt ihr nur an der stelle enden? O___O *heul*
arme jungs ;O;~ isch hoffe das alles gut wird!!!

die ff ist so genial, auch wenn ich bei shis experimenten echt hart schlucken musste O~O DER hat sie doch nicht mehr ALLE!!! >~< vor dem hätte isch echt angst!!! ;_____;~

ich hoffe nun das ihre eure prüfungen gut übersteht und es bald weiter geht *O*~ *daumen drück*
man sieht sich lbm oda sou XDD~
Von:  LadyKisu
2010-01-19T12:22:09+00:00 19.01.2010 13:22
eure ff ist einfach nur toll ^^
ich hab in den letzten tage jede freie minute damit verbracht eure ff zu lesen, ich musste mich regelrecht dazu zwingen in bett zu gehen und endlich bin ich bis hier her gekommen ^^ ich konnte gar nicht aufhören zu lesen, da die ff mich sogar bis in meine träume verfolgt hat
es gab wirklich momente da war es schwer für mich meine tränen zurückzuhalten und andere in denen ich einfach vor freude gelächelt habe xD und ich wie gerne würde ich shi und dem boss an die gurgel gehen
mir ist jeder der jungs so ans herz gewachsen und ich bete dafür, dass sie doch endlich glücklich werden
vor allem aoi und reita, die beiden haben es verdient gemeinsam glücklich zu werden
ach wenn ich doch nur die zeit schneller laufen lassen könnte >_<
ich platze fast vor neugier und hoffe das es alle drei rechtzeitig unter den kugel weg geschafft haben
Von:  _Kimiko_
2010-01-08T19:54:31+00:00 08.01.2010 20:54
nnnneeeeiiinnn..*heul*
nicht eiinfach mittendrinne aufhören...das zerreist meine nerven..
*hyrterischwerd*
das ist mal wieder ein wahnsiniges kapitel. ihr drei macht das echt super! <3
und jetzt heißt es warten..*hibbeligbin*
ich halt es jetzt schon nicht mehr aus.. T_T
bitte schreibt so schnell wie möglich weiter..
und viel erfolg bei den prügungen!
Von:  Seme-Aoi-chan
2009-12-29T17:32:47+00:00 29.12.2009 18:32
Aoi und hizu haben verständigungsprobleme!xD
also, auch wenn der titel "Final" schon böse klint, weil ja bestimmt bald das ende kommt, it es schon toll, auch mal ne entscheidung endlich zu kriegen!^^
*plüsch*
shi ist so blöde pervers!V.V
aber das sie jetzt schon wieder Aoi haben! das ist so unfair! das arme süße männequiken!>__>
aber reita und aoi sind so süß! auch wenn die szene nicht süß war! wo sie sich immer berührt haben!^^
armer Hizu!
*schnute zieh*
wird er wenigstens auch noch glücklich??
*bettel*
also, schreibt schneller!^^
ihr alle drei habt das ganz spitze gemacht!
*hibbel*
*allen plätzchen und glühwein dalass(auch wenn es vorbei ist!xD)*
Lg dat seme aoi

Von:  Vampire-Mad-Hatter
2009-12-27T18:33:05+00:00 27.12.2009 19:33
*tischkante annag* Ich glaub ich besitz keine Nerven mehr, die hab ich jetzt alle bei diesem Kapitel verbraucht.... O__O Was für ein Wahnsinns tolles Kapitel. <3 Ihr schafft mich immer wieder aufs neuste. *umkipp*
Aber bevor ich Anfang, Aoi würde ich am liebsten eine Reinhauen, würde er nicht schon genug leiden. Was redet der Depp sich für eine scheiße ein? Hat es nicht verdient zu leben... spinner... mit seinem gerede treibt er mich noch zum heulen. *schnief* Man leidet doch so arg mit allen mit! *heul*
Und Kru... Verdammt er ist soooooo tooooooll! *wub* <3
Hizumi tut mir leid, da wurde ihm wohl das Herz gebrochen. *ihn pat*
Shi, wie ich den Kerl hasse! >_____________< Ich hoffe Kru macht ihn fertig. `_´
Bei der einen Szene wo Kru fast abgestürzt wäre, jagt mir doch nicht so einen schrecken ein! X_X Mein armes Herz *_* Ich dachte das wars! *röchel* Aber Hizumi, Retter in letzter Sekunde und ging fast selber mit drauf! o______________o
Es gab immer wieder Szene wo ich Geänsehaut bekam. Als sich Aoi´s und Reitas Finger sich immer wieder berührt haben. *schnief*
Und dann der Schluss! °________________________________________°
Das könnt ihr nicht machen! *hyterisch rum schrei*
Ich sitz schon wieder wie auf heißen Kolen und um mich rum liegen schon lauter Holzspäne vom Tisch. *lol*

Aber zum Schluss noch: Da Weihnachten ja rum ist *zum glück* Wünsch ich euch einen guten Rutsch ins neue Jahr, auf das man sich schnell wieder liest!^^

GLG Vampire-Mad-Hatter


Von: abgemeldet
2009-12-26T13:05:44+00:00 26.12.2009 14:05
das war mal echt marathon lesen an dauer und aufhören war nicht drin.
so spannend und ich hab so mitgelitten mit aoi/reita
*seufz*
ach uruha...ein toller uruha der einfach ausbricht^^
aber es ist so spannend
was passiert..stirbt reita oderü berleben sie beide??
ich hoffe sie überleben das sie glücklich werden aber auch uruha/sakito ^__^
ich warte geduldig das es weiter geht^^
ihr schreibt toll alle <33
Von:  cookie-monster-kyo
2009-12-26T10:05:24+00:00 26.12.2009 11:05
ich glaub, ich hab nur 4 stunden gebraucht oO" aber egal^^
GOTT O_________O
scheiße ihr könnt doch da nich einfach mit schreiben aufhören
*rumquietsch*
soviel spannung x________x
mehr als in 100 ü-eiern xX
bei der ersten hälfte hab ich fast geweint und auch eben musste ich mich teilweise zusammenreißen Q_Q
und ich liebe kru <3 der is zwar bisschen krank, aber geil xD
*euch alle 3 mal durchknuddl*
auch wenn wir armen leser jedesmal leiden müssen, wir lieben euch für die story *_* (ich zumindest xD)
ach und blue.. nachdem du mich gestern ins bett geschickt hats, konnte ich ewig nich einpenn, ich wollte weiterlesen ><
Von:  Nikooru
2009-12-25T19:02:47+00:00 25.12.2009 20:02
OMG ich hab echt über 5 Stundenb gebraucht um diesen Kapi zu lesen Ö_Ö""
...
lass sie Leben TT_TT
*schnief*
und ich will wissen wies weiter gehn!



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