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Newsmeldung von animexx

Thread-InfosVeröffentlicht: 25.06.2002, 14:55
Quelle: Comicforum


News von  animexx
25.06.2002 14:55
EMA: Offizieller Brief an den SPIEGEL
Newsmeldung von  animexx auf Animexx.de
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Der Aufruhr rund um den Manga-Artikel in der SPIEGEL-Beilage kulturSPIEGEL zieht immer weitere Kreise: Jetzt hat sich auch EMA-Chefredakteur Georg Tempel mit einem offiziellen Protestbrief an die SPIEGEL-Redaktion gewandt. Der Brief ist im Anhang in vollem Wortlaut wiedergegeben.

---------- (Quelle: Comicforum)

Liebe Kolleginnen und Kollegen vom SPIEGEL!

Mir ergeht es ähnlich wie dem Kollegen Joachim Kaps vom Carlsen Verlag. Hatte ich den Artikel im FOCUS über das Phänomen Manga vor einigen Wochen noch als Paradebeispiel für schlecht recherchierten Journalismus gehalten und mich trotz eines gewissen Ärgers köstlich amüsiert über platte Vorurteile und Altmännerdenken, muss ich nun leider feststellen, dass der SPIEGEL gemäß dem Motto "gib dem Affen Zucker" sogar noch in der Lage ist, diese Art von Berichterstattung zu toppen.

Es wird weniger analysiert, warum Heerscharen von Kindern und Jugendlichen der Faszination der japanischen Jugendkultur erliegen und zu tausenden die Bildergeschichten aus unserem Hause und dem Hause Carlsen förmlich verschlingen bzw. täglich den Sender RTL2 einschalten, um sich von den dort ausgestrahlten Animes unterhalten zu lassen. Vielmehr wird wieder einmal mehr den seit Jahren gehegten Klischees Nahrung gegeben. (Wieso eigentlich fehlt der Hinweis auf die berühmt-berüchtigten Automaten, aus denen der geneigte japanische Durchschnittsperverse für ein paar Yen gebrauchte Mädchenslips ziehen kann?).

"Sex sells" sagt sich wahrscheinlich auch der SPIEGEL und garniert seinen in diese Richtung verfaßten Artikel dann auch mit dem entsprechenden Bildmaterial, vergisst dabei aber völlig, auf die Themenvielfalt der Manga einzugehen, die unsere Kinder wieder zum Lesen bringen, und zu diskutieren, warum Manga auf einmal auch Mädchen zum Medium Comic führen. Auch die Chance, den Unterschied der westlichen zur japanischen Kultur zu erörtern und daraus Rückschlüsse auf Generationskonflikte zu ziehen, wird leider gänzlich vernachlässigt. Schade, denn interessante Ansätze in Ihrem Artikel gehen letztlich in Plattheiten unter.

So werden "Pokémon"-Sammler, "Sailor Moon"-Romantiker und "Dragonball"-Abenteurer (um nur einige wenige Serien zu nennen) zu sexhungrigen Jugendlichen, die nur noch eins im Kopf haben...

Ich denke, dass ich auch im Namen meines Kollegen Kaps spreche, wenn ich Ihnen und den beiden Autoren, Jörg Böckem und Christoph Dallach, kostenlosen Nachhilfeunterricht in Sachen "Deutsche Jugend und die Faszination Manga" anbiete.

Ansonsten: Setzen! Sechs!

Georg F.W. Tempel
Egmont Manga & Anime Europe
Verlagsleitung

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