Yami to Hikari von mrs_ianto ================================================================================ Kapitel 2: Marmorgugelhupf mit Schokoglasur ------------------------------------------- Hallo zusammen,   keine Angst Wüstensklave ist nicht vergessen, aber da ich hier schon das neue Kapitel fertig habe, dachte ich, dass ihr euch sicher darüber freuen würdet, wenn ihr es jetzt schon lesen könnt.   Ich muss zugeben, dass ich absolut sprachlos bin. Ich hätte nie gedacht, dass die Geschichte so gut ankommt, wie sie es wohl tut. *Blöder Satz, ich weiss*   Also dann, lasse ich euch nicht länger warten und wünsche euch viel Spass mit Yugi und Yami.     -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------     Marmorgugelhupf mit Schokoglasur     Die Dunkelheit umgibt ihn, während ihn die schwarzen Tentakel der Magie des bösen Geistes umschlingen und dieser versucht seinen Geist zu brechen, indem er durch sie beinahe unerträgliche Schmerzen in seinen Körper und Geist jagt. Noch hat er nicht seine volle Stärke zurückerlangt, die er braucht, um seinem Peiniger zu entkommen, weshalb er die Folter einfach stumm über sich ergehen lässt. Als ihm wieder eine kleine Pause gegönnt wird, hängt er keuchend in den Tentakeln, während ihn der böse Geist lachend ansieht. „Was ist jetzt, kleiner Mensch. Gibst du auf? Du bist ja schon lange nicht mehr verschwunden.“ Mit der krallenbewehrten Hand deutet der Geist auf sein Opfer. „Öffne das Tor zu deinen Erinnerungen und ergib dich mir. Dann hat deine Pein ein Ende.“ Trotzig erwidert Yami den Blick des Geistes. Ja, er ist schon deutlich länger als sonst nicht mehr ins Licht gezogen worden, aber wenn er Yugi das letzte Mal richtig verstanden hat, ist dieser für eine längere Zeit mit seinen Eltern unterwegs und somit nicht in der Nähe seines Gefängnisses. Von seinem Blick und Schweigen offensichtlich wütend und angestachelt, startet der Geist die nächste Attacke. Noch stärker als zuvor dringen Schmerzen in seinen Körper ein und verteilen sich über die Nervenbahnen, bis seine Wahrnehmung nur noch aus der scheinbar grenzenlosen Pein besteht.   Traurig sitzt Yugi auf der Rückbank im Auto seiner Eltern. Zwei Wochen ist er mit ihnen in Hokkaido in den Ferien gewesen und genauso lange hat ihn Yami nicht mehr in seinen Träumen besucht. Er versteht nicht, warum ihn sein Freund plötzlich nicht mehr besucht, haben sie sich doch vorher so gut verstanden und in den letzten beiden Monaten doch immer besser miteinander spielen und reden können. „Yugi, was hast du denn, mein Junge?“, besorgt sieht Naoko ihren Sohn an, indem sie sich auf dem Beifahrersitz zu ihm umdreht. „Nichts Mama. Wann sind wir endlich da?“, Yugi will seiner Mama nicht von Yami erzählen. Nur Opa darf von ihm wissen und der wartet Zuhause auf sie. Weil er den Laden nicht zumachen konnte. Lächelnd sieht Naoko ihren Sohn an. „Das ist es also, was dich bedrückt? Wir sind bald zu Hause. Nur noch etwa eine halbe Stunde.“ Als Yugi nickt und dann wieder gelangweilt aus dem Fenster sieht, dreht sie sich wieder nach vorn. Wo sie ihren Mann kopfschüttelnd ansieht. Ist doch Yugi schon seit über einer Woche so mies gelaunt und das obwohl er sich doch immer auf die Ferien bei seinen anderen Grosseltern gefreut hatte.   Als sie zu Hause ankommen steigt Yugi lustlos aus dem Auto und hilft dann den Erwachsenen beim reintragen der vielen Taschen und Koffer. Dabei wird er von seinem Opa fragend angesehen, weil er immer noch so ein trauriges Gesicht macht. „Was hat Yugi denn?“, fragend sieht er seinen Sohn Abe an, der jedoch nur mit den Schultern zuckt. „Keine Ahnung, er ist seit über einer Woche so mies gelaunt, will uns aber nicht sagen, was los ist. Vielleicht hast du ja mehr Glück.“ Mit diesen Worten schnappt sich der Schwarzhaarige den grossen Koffer und schleppt ihn die Treppe nach oben.   Kopfschüttelnd blickt Sugoroku seinem Sohn hinterher und macht sich dann auf den Weg in Yugis Zimmer, wo dieser schon beinahe seinen ganzen Rucksack mit den Spielsachen ausgepackt hat, den Koffer aber ignoriert, der immer noch ungeöffnet auf dem Bett liegt. „Soll ich dir beim Auspacken helfen?“, fragend sieht er seinen Enkel an, der leise vor sich hin schniefend auf dem Boden sitzt und ein Blatt Papier in den Händen hält. Mit knackenden Gelenken geht Sugoroku neben ihm in die Hocke und betrachtet sich das Bild. Es ist eine typische Kinderzeichnung, die wohl zwei Leute mit der beinahe gleichen Frisur zeigt. „Ist das da Yami?“, mit dem Finger deutet er auf die grössere Figur, die wohl so etwas wie ein langes und dazu noch kaputtes Hemd trägt. Traurig nickt Yugi. „Ja, aber er hat mich wohl nicht mehr lieb, dabei habe ich gemeint, dass wir Freunde sind.“ Erstaunt sieht er nun seinen Enkel an. „Wie kommst du denn auf die Idee, dass er dich nicht mehr lieb hat? Du hast mir doch erzählt, dass ihr immer miteinander spielt und du ihm langsam unsere Sprache beibringst.“ Schniefend legt Yugi die Hand auf die Figur, die Yami darstellen soll. „Er ist schon lange nicht mehr zu mir gekommen und hat mit mir gespielt. Schon seit zwei Wochen nicht mehr. Opa, warum hat er mich nicht mehr lieb?“, mit Tränen in den Augen lehnt er sich an seinen Opa, der ihm tröstend den Arm um die Schultern legt. Dabei blickt Sugoroku die goldene Schatulle auf dem Schreibtisch an. „Vielleicht konnte er dich nicht besuchen. Wer weiss, vielleicht siehst du ihn heute Nacht, wenn du wieder in deinem eigenen Bett schläfst, ja wieder.“ Er weiss nicht, ob er hoffen soll, dass sich der Geist, den Yugi Yami nennt, wieder blicken lässt oder von seinem Enkel fernbleibt. Nur tut es ihm in der Seele weh, dass Yugi nun so leidet.   Schniefend, hebt Yugi seinen Blick, so dass er seinen Opa ansehen kann. „Glaubst du?“ Überzeugt nickt Sugoroku, auch wenn er sich ehrlich gesagt nicht wirklich sicher ist, dass seine Theorie stimmt. Nur das muss der Kleine ja nicht wissen. „Ja, das glaube ich und wenn er doch nicht auftauchen sollte, dann hat er deine Freundschaft nicht verdient, aber ich bin mir sicher, dass du ihn heute Nacht wiedersehen wirst.“ Mit einem leisen Ächzen steht er wieder auf. Mit seinen 64 Jahren merkt er schon langsam, dass er Jahrelang im Wüstensand herumgekrochen ist. „Na komm, ich habe deinen Lieblingskuchen gebacken und du darfst das erste Stück probieren.“ Lächelnd streckt er die Hand aus, die von Yugi, der nun bei der Aussicht auf seinen Lieblingskuchen schon deutlich besser gelaunt ist, ergriffen. Kaum auf den Beinen hüpft er schon beinahe zur Zimmertür. „Na los, komm Opa.“ Ungeduldig herumhibbelnd wartet er auf den alten Mann, der gemütlich zu ihm geht und ihm die Haare lachend verwuschelt. „Immer mit der Ruhe, der Kuchen rennt schon nicht weg.“ Froh, dass er seinen Enkel so leicht aufmuntern konnte, lässt sich Sugoroku von ihm widerstandslos in die Küche mitziehen. Dort angekommen, steuert Yugi sofort den Gugelhupf mit der Schokoglasur und den bunten Streuseln darauf an. „Opa, jetzt mach schon.“ Mit leuchtenden Augen sieht er den Kuchen an, während sein Opa in aller Ruhe das Messer nimmt und ein Stück mit besonders vielen Streuseln abschneidet, ehrfürchtig betrachtet Yugi die Marmorzeichnung des Kuchens. „Krieg ich noch Sahne?“, bittend sieht er seinen Opa an, der schmunzelnd die Sprühsahne aus dem Kühlschrank nimmt und ein kunstvolles Gesicht auf das Kuchenstück sprüht. „Hier, lass es dir schmecken.“ Sich zusammen mit seinem Enkel an den Tisch setzend gönnt sich Sugoroku eine Tasse Kaffee und auch ein Stück des Marmorgugelhupfes. „Du Opa, meinst du Yami mag auch Kuchen?“, fragend sieht Yugi seinen Opa an, der nachdenklich die Tasse auf den Tisch stellt. „Ich weiss es nicht. Da müsstest du ihn schon selbst fragen. Nur wie willst du ihm denn einen Kuchen bringen?“, gespannt auf die Antwort, mustert er seinen Enkel, der jetzt wirklich schon viel bessere Laune zu haben scheint. „Mensch Opa, ich träume den Kuchen einfach. Dann kann ihn Yami probieren.“ Voller Überzeugung verschränkt Yugi die Arme und nickt dabei. Das sieht so lustig aus, vor allem weil der Kleine auch noch einen schokoladenverschmierten Mund hat, dass sich Sugoroku nur mit Mühe ein lautes Lachen verkneifen kann. Stattdessen wuschelt er Yugi wieder durch die Haare. „Natürlich, auf den Gedanken hätte ich auch kommen müssen.“ Liebevoll sieht er seinen Enkel an, der nun wieder genussvoll seinen Kuchen isst, bis auch der letzte Krümel von dem Teller verschwunden ist. „Du Opa, muss ich bis zum Abendessen aufbleiben oder darf ich jetzt schon ins Bett? Bitteeeeee“, bettelnd setzt Yugi seinen besten Dackelblick auf, weil er genau weiss, dass sein Opa dann nicht Nein sagen kann. Im ersten Moment ist Sugoroku von der Bitte erstaunt, ist es doch gerade mal 16 Uhr durch und ganz sicher noch nicht Schlafenszeit. „Wieso willst du denn schon ins Bett gehen?“ Bei der Frage verdreht Yugi die Augen. „Mensch Opa. Ich muss Yami doch den Kuchen träumen und das geht nur, wenn ich noch genau den Geschmack weiss. Also darf ich?“ Innerlich schüttelt Sugoroku über diese Logik den Kopf. „Wenn du deinen Koffer anständig ausgepackt und dir die Zähne geputzt hast, darfst du von mir aus ins Bett gehen.“ Als sein Opa das sagt, verzieht Yugi das Gesicht. „Aber Opa, wenn ich die Zähne putze, dann weiss ich doch gar nicht mehr, wie der Geschmack vom Kuchen ist“, empört verschränkt er zusätzlich noch die Arme. „Ich putze sie morgen ganz fest und lange, aber nicht heute. Versprochen.“   Aufgebend schüttelt Sugoroku nun den Kopf. „Na gut, aber erzähl deiner Mutter nichts davon. Sonst schimpft sie nämlich mit mir und der Koffer wird auch zuerst anständig ausgeräumt.“ Kaum hat er das gesagt, springt Yugi von seinem Stuhl auf und rennt, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen, aus der Küche. Streckt dann aber den Kopf noch einmal hinter dem Türrahmen hervor. „Danke Opa. Du bist der Beste.“ Schon ist er wieder verschwunden und auf dem Weg in sein Zimmer, um so schnell wie möglich den doofen Koffer auszuräumen.   Grinsend räumt Sugoroku das benutzte Geschirr in die Spülmaschine. „Ja, ich weiss.“ „Was weisst du, Vater?“ Gerade erst in die Küche kommend, hat Naoko nur den einen Satz mitbekommen. Weshalb sie ihren Schwiegervater nun neugierig ansieht. „Wo ist eigentlich Yugi?“ Sich rücklings an die Arbeitsplatte lehnend, giesst sie sich eine Tasse Kaffee ein, während sie auf eine Antwort wartet.   „Yugi ist in seinem Zimmer um den Koffer auszupacken und danach möchte er gleich ins Bett gehen.“ Als ihn Naoko ungläubig ansieht, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nachdem er den Geschirrspüler wieder geschlossen hat, gönnt sich Sugoroku auch noch eine weitere Tasse Kaffee. „Schau nicht so ungläubig. Yugi ist auch nicht krank oder so etwas in der Art, aber er möchte eine Theorie überprüfen und das kann er nur, wenn er schläft. Also lass ihn für heute einfach in Ruhe und sag das bitte auch Abe.“   Unterdessen ist Yugi eifrig dabei den doofen Koffer auszuräumen und weil er nicht will, dass sein Opa dann später mit ihm schimpft, gibt er sich die grösste Mühe auch ja alles richtig zu machen. So braucht er beinahe eine Stunde, bis er endlich alles in seinem Schrank verstaut hat, was noch sauber ist und den Beutel mit der dreckigen Wäsche in die Waschküche runtergebracht hat. Weil er den Koffer nicht allein auf den Dachboden bringen kann, stellt er ihn einfach neben seiner Zimmertür in den Flur, ehe er sich seinen Lieblingskuschelschlafanzug mit den Bären anzieht und dann ins Badezimmer geht, weil er noch dringend auf die Toilette muss. Nachdem er sich die Hände gewaschen hat, flitzt Yugi wieder zurück in sein Zimmer, wo er sich zusammen mit Brownie unter der Decke einkuschelt.   Kaum hat er die Augen geschlossen, beginnt das Auge auf der goldenen Schatulle in einem warmen Licht zu leuchten. Suchend sieht sich Yugi in dem Spielzimmer um, aber Yami ist nicht da. Enttäuscht schnappt er sich seinen Brownie und setzt sich mit einem leisen Schniefen auf den Boden.   Schwer atmend liegt Yami in der Dunkelheit, als er endlich wieder das schwache Licht erblickt. Erleichtert, dass er dem bösen Geist für eine Weile entkommen und auch den Kleinen wiedersehen kann, streckt er die Hand aus. Obwohl er inzwischen weiss, dass es nicht notwendig ist. Nur einen Wimpernschlag später findet er sich in dem hellen Kinderzimmer wieder. Langsam, weil jede einzelne Bewegung seine Muskeln schmerzen lässt, richtet er sich in eine kniende Position auf. Erst jetzt nimmt er das leise Schluchzen wahr, weshalb er suchend seinen Blick schweifen lässt, bis er den Kleinen entdeckt. „Yugi. Was… los?“ Sofort wirbelt Yugi herum und sieht ihn ungläubig an. „Yami?“ So schnell er kann rennt Yugi auf ihn zu und wirft sich mit Schwung um seinen Hals, so dass Yami mit seinem Gleichgewicht zu kämpfen hat. „Du bist wieder da. Du bist nicht einfach weggegangen. Warum bist du nicht gekommen?“ Den Kleinen in den Armen haltend, versucht Yami das schnelle Reden von Yugi zu verstehen. „Yugi… langsam… nein… verstehen“, sanft versucht er ihn von sich wegzuschieben, damit er aufstehen kann. Nur erreicht er mit dem Versuch nur das Gegenteil. Er wird nur noch fester umklammert, weshalb er schliesslich den kleinen Körper anders umfasst und sich langsam mit ihm in den Armen aufrichtet. Mit Yugi auf den Armen geht Yami trotz seiner protestierenden Muskeln zu dem seltsamen getreidesackähnlichen Ding in der Ecke, worauf man so bequem sitzen kann und lässt sich mit einem leisen Stöhnen darauf sinken. Nun Yugi auf dem Schoss haltend, sieht er ihn noch einmal sanft lächelnd an. „Yugi, … was… los?“   Schniefend kuschelt sich Yugi an seinen Freund. „Warum bist du weggeblieben? Hast du mich nicht mehr lieb?“, weil Yugi weiss, dass Yami immer erst überlegen muss, bevor er ihm eine Antwort geben kann, wartet er für seine Verhältnisse sehr geduldig ab.   Mit zusammengezogenen Augenbrauen versucht Yami die beiden Fragen zu verstehen. Mit der Ersten scheint der Kleine Fragen zu wollen, warum er ihn länger nicht besucht hat. Zumindest deutet er das aus dem Warum, Du und dem Weg. Bei der zweiten Frage ist es schon schwieriger. Darum versucht er auch diese auseinander zu nehmen. Du, Nicht bedeutet doch das gleiche wie Nein? Mich hört sich an wie Ich und dann bleibt noch dieses Lieb. Das hat ihm der Kleine doch schon einmal erklärt. „Yugi“, beginnt er nach einer Weile vorsichtig und hat sofort die volle Aufmerksamkeit des Kleinen. „Du… weg… Haus. Ich… weg… du. Du… Haus. Ich… du.“ Er weiss, dass es vermutlich ziemlich schwer zu verstehen ist, nur fehlen ihm einfach noch zu viele Wörter. Hoffend, dass der Kleine ihn trotzdem verstanden hat, sieht er ihn an.   Nachdenklich neigt Yugi den Kopf zur Seite. „Wenn ich nicht zu Hause bin, dann kannst du mich nicht besuchen? Du hast mich also immer noch lieb?“   Nach einem Moment nickt Yami langsam, glaubt er doch aus der Körpersprache des Kleinen herauszulesen, dass ihn dieser richtig verstanden hat. „Ich… du… lieb.“ Kaum hat er das gesagt, findet er sich in einer schraubstockartigen Umarmung wieder. „Ich habe dich auch ganz doll lieb.“ Strahlend kuschelt sich Yugi wieder an seinen Freund und beginnt von den beiden Wochen bei seinen Grosseltern in Hokkaido zu erzählen. Dabei vergisst er vollkommen, dass dieser noch gar nicht so viel versteht.   Doch zu seinem Glück stört das Yami nicht. Er lehnt sich einfach mit dem Kleinen in den Armen auf diesem komischen Sack zurück und lässt ihn erzählen.   Auf einmal fällt Yugi ein, dass er Yami ja noch den Kuchen herträumen wollte. „Ach ja, Opa hat meinen absoluten Lieblings-Lieblingskuchen gebacken.“ Sich gerade auf Yamis Schoss hinsetzend, beginnt sich Yugi zu konzentrieren, aber nichts passiert. Enttäuscht blickt er nun auf seine immer noch leeren Hände. „Wieso funktioniert das denn nicht?“   Neugierig hat Yami den Kleinen beobachtet und legt nun seine Hand in die von Yugi. „Was… du… probieren?“, fragend sieht er ihn an. Hat er doch vorhin gerade noch so verstanden, dass es wohl um einen Kuchen gehen muss, den irgendein Opa gebacken hat. Traurig blickt Yugi seinen Freund an. „Ich wollte dir den Kuchen zum Probieren geben, aber dafür muss ich ihn doch herträumen.“ Sich etwas aufrichtend legt Yami nun leicht die Fingerspitzen an Yugis Schläfe. Hat er doch schon vor ein paar Wochen bemerkt, dass er so telepathischen Kontakt mit ihm aufnehmen kann. Nur kostet ihn das ziemlich viel Energie, die er sich eigentlich für den Kampf gegen den bösen Geist aufsparen sollte. Deswegen verzichtet er in der Regel darauf, auch wenn es ihm das Erlernen von Yugis Sprache erleichtern würde. Ausserdem empfindet er dies eigentlich nicht als richtig, so in die Privatsphäre des Kleinen einzudringen. Vor allem, weil dieser nicht zu verstehen scheint, was er da eigentlich macht.   Yugi hält ganz still, als er merkt, dass Yami ganz vorsichtig in seinen Kopf eindringt und ihn in Gedanken noch einmal nach dem Kuchen fragt. Lustigerweise, verstehen sie sich so viel leichter, nur ist sein Freund danach immer sehr müde. Jetzt konzentriert er sich aber auf den Kuchen und wie lecker der doch gewesen ist. Auf einmal merkt er, wie seine Hände anfangen zu kribbeln und immer wärmer werden. Mit grossen Augen sieht er zu, wie langsam ein Stück von seinem Lieblingskuchen auf einem Teller auftaucht und dann noch mit einem Sahnegesicht.   Erschöpft zieht sich Yami wieder aus Yugis Geist zurück. Hat er doch einen Grossteil seiner Schattenmagie für die telepathische Verbindung und die Materialisierung des Kuchenstückes aufgebraucht, aber das war es ihm Wert, wenn er jetzt das glückliche Strahlen seines kleinen Freundes sieht, der nun ein Stückchen probiert.   „Ja, der ist genau wie der von Opa. Den habe ich aber gut hergeträumt.“  Vorsichtig bricht er jetzt für Yami ein Stück ab und hält es ihm vor die Lippen. „Hier, probier mal. Der ist echt lecker.“ Schmunzelnd öffnet Yami den Mund und lässt es zu, dass ihm Yugi das Stück in den Mund schiebt. Sorgfältig kaut er die Leckerei und kann sich nur mit Mühe ein Schmunzeln verkneifen, bekommt er doch so auch einen kleinen Teil seiner aufgewendeten Schattenmagie zurück. Als er den gespannten Blick des Kleinen bemerkt nickt er ihm zu. „Sehr… gut.“ Sofort wird ihm noch ein Stück vor den Mund gehalten, was ihn leicht grinsen lässt.   Yugi macht es riesigen Spass seinen Freund zu füttern und er findet es toll, dass dieser ohne zu murren immer wieder den Mund öffnet, wenn er ihm ein neues Stückchen hinhält. So bekommt er zwar nichts von dem Kuchen ab, aber er kann ja dann am Morgen sicher noch eins von seinem Opa bekommen. Kichernd macht er dann Yami noch eine Sahnenase, was diesen schielend auf seine Nasenspitze schauen lässt. „Yugi… das… kalt.“ Mit dem Finger wischt er sich das weisse Zeug von der Nase und leckt es dann mit einem leisen „Hmmmm“, ab. Noch ist ein wenig von der Sahne, wie er aus Yugis Gedanken weiss, auf dem Teller, so dass nun er mit dem Finger Yugis Nasenspitze mit ihr verziert. Was Yugi laut kichern lässt. Auch er wischt sich mit dem Finger die Nase sauber, ehe er sich wieder an Yami kuschelt. Der nun die Arme um ihn legt und sich wieder zurück in das weiche Ding lehnt.   So sitzen sie ruhig da, was besonders Yami erstaunt, hat er den Kleinen doch sonst immer als ziemlich quirlig erlebt. Erst als Yugi anfängt sich langsam aufzulösen lässt er ihn los und hebt ihm grinsend den kleinen Finger hin. Sofort wird die Geste von Yugi erwidert. „Wir sehen uns Yami. Bis dann.“ Schon ist er verschwunden und nur einen Atemzug später findet sich auch Yami in seinem dunklen Gefängnis wieder. Sofort wird er von dem bösen Geist mit einem schwarzen Energieball angegriffen. Im letzten Moment kann er diesen mit einer Art Energieschild abwehren, wird aber dennoch nach hinten zu Boden geworfen. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht richtet er sich wieder auf, ist er doch ziemlich unsanft auf seinem Steissbein gelandet. Denn auch wenn er sich eigentlich schon lange an Schmerzen gewöhnt hat, spürt er sie nämlich immer noch wie am ersten Tag. „Na, kleiner Mensch. Bereit für die nächste Runde?“, lachend holt der Geist wieder aus und wirft den nächsten Energieball auf ihn zu. Doch diesmal weicht Yami ganz altmodisch aus und verschwendet keine wertvolle Magie darauf, einen Schild aufzubauen. Wenn er es sich nicht schon längst abgewöhnt hätte, mit diesem Monster zu sprechen, würde er ihn nun verhöhnen. Stattdessen streckt er ihm einfach frech die Zunge raus und nimmt dann die Beine in die Hand.   Während sich Yami wieder mit seinem Mitgefangenen rumschlägt, hüpft Yugi mit bester Laune runter in die Küche, wo er Sugoroku Kaffee trinkend am Tisch sitzend vorfindet. „Opa, Opa, Yami war da und er mag deinen Kuchen.“ Strahlend wirft er sich um dessen Hals. Lachend nimmt Sugoroku seinen Enkel in die Arme. „Guten Morgen mein Junge, das ist ja toll. Jetzt sei aber etwas leiser, deine Eltern schlafen noch. Schliesslich ist es erst sieben Uhr und dazu noch Sonntag.“ Sanft schiebt er Yugi von sich weg, der nun zu seinem Stuhl geht und sich auf diesen setzt. Nun selbst aufstehend, stützt sich Sugoroku an der Tischplatte ab. „Willst du einen kalten Kakao haben?“, fragend sieht er seinen Enkel an, der breit grinsend nickt. „Oh ja, gern Opa.“ Sich über seinen Enkel köstlich amüsierend, holt Sugoroku die Kakaoflasche aus dem Kühlschrank und füllt ihm ein Glas. Sich dann wieder hinsetzend, stellt er Yugi den Kakao vor die Nase. „Also, dann erzähl mal, was du denn geträumt hast.“ Auch wenn er es nicht zugibt, ist er schon neugierig darauf, was die beiden wieder gemacht haben und Sorgen macht er sich auch nicht mehr wirklich, da er sich inzwischen sicher ist, dass der Geist aus dem Puzzle keine Gefahr für seinen Enkel ist. Im Gegenteil, ist Yugi in den letzten beiden Monaten richtiggehend aufgeblüht und irgendwie wirkt er auch ein wenig selbstbewusster.     „Also, ich habe ganz viel mit Yami gekuschelt. Als er dann endlich gekommen ist. Er kann mich nämlich nur besuchen, wenn ich in meinem eigenen Bett schlafe. Darum schlafe ich nie wieder woanders.“ Wie um seine Worte zu unterstreichen nickt Yugi mit verschränkten Armen. Was Sugoroku amüsiert schmunzeln lässt. „Aha und was habt ihr sonst noch gemacht?“, sich bequemer hinsetzend genehmigt sich Sugoroku einen Schluck Kaffee.   Mit den Beinen hin und her baumelnd strahlt Yugi seinen Opa an. „Ich habe ihm ganz viel von Opi und Omi erzählt und dann habe ich ihm ein Stück vom Kuchen geträumt. Das hat aber nicht gleich geklappt, aber dann hat Yami mir hier hin gefasst.“ Mit den Fingern deutet er auf seine Schläfe. „Und dann ist der Kuchen aufgetaucht und der war sogar mit Sahnegesicht und voll lecker. Genau wie deiner.“   Nachdenklich sieht Sugoroku seinen Enkel an. „Sag mal Yugi, macht Yami das öfters, dass er dir die Finger auf die Schläfe legt?“ Zu seiner Erleichterung schüttelt Yugi den Kopf. „Nein, das macht er ganz selten, aber dann kann er besser verstehen was ich sage. Nur ist er nachher immer voll müde. Weisst du denn warum?“, fragend sieht er seinen Opa an.   Sich in Gedanken die richtigen Worte zusammensuchend reibt sich Sugoroku das Kinn. „Ich weiss es nicht genau. Ich kann mir aber vorstellen, dass er ein wenig zaubern kann und darum so müde ist, wenn er das gemacht hat.“ Mit grossen Augen blickt Yugi ihn nun an. „Und warum ist er dann so müde und macht das nicht immer? Zaubern ist doch toll.“   Lächelnd schüttelt Sugoroku nun den Kopf. „Yugi, stell dir deine Taschenlampe vor. Die leuchtet doch auch nur, wenn die Batterien voll sind. Bei Yami ist es vermutlich genau gleich. Er kann nur solange zaubern, wie seine Batterie voll ist und dann muss er sie wieder aufladen. Darum ist er danach auch immer so müde und macht es nur selten. Denn vermutlich braucht er eigentlich immer volle Batterien.“   Einige Sekunden lang sitzt Yugi nur ganz still da und denkt über das, was ihm sein Opa da erzählt hat nach. „Ach so. Dann werde ich noch ganz viel mit ihm reden üben, dann muss er nicht mehr zaubern.“   Gerade als Sugoroku noch etwas dazu sagen möchte, kommen Naoko und Abe in die Küche. Weshalb er nach einem Blick zu seinem Enkel lieber schweigt. Stattdessen beginnt er mit den Frühstücksvorbereitungen, während die anderen beiden Yugi mit Fragen löchern. Unter anderem, warum er denn so früh schlafen gegangen ist. Doch Yugi schweigt eisern dazu und sieht dafür bockig aus dem Fenster. „Naoko, Abe, lasst den Kleinen doch einfach in Ruhe. Seid doch froh, dass er freiwillig ins Bett geht und ihr nicht immer stundenlang mit ihm diskutieren müsst, wenn es Schlafenszeit ist.“ Verschwörerisch zwinkert er Yugi zu, der ihn, jetzt hinter vorgehaltener Hand kichernd, ansieht.   Den verwirrten Blick der anderen ignorierend, beginnen Sugoroku und Yugi miteinander zu reden. Dabei erzählt ihm sein Enkel endlich, was er sonst noch so in Hokkaido gemacht hat, ausser Trübsal zu blasen.   Nach dem Frühstück rennt Yugi nach draussen auf den Spielplatz, wo er beinahe den ganzen Tag verbringt.     -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------     Yami hat es wirklich nicht leicht, aber trotzdem hat er das Herz immer noch auf dem rechten Fleck. Denn sonst würde er Yugi ja nicht helfen den Kuchen herzuträumen, obwohl ihn das wertvolle Energie kostet, die er eigentlich gegen den Geist gebrauchen könnte.   Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen.   Eure mrs_ianto Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)