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Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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Turn 78 - Encircled

Turn 78 – Encircled

 

 

Der nächste Morgen sollte für Anya mit einer Überraschung beginnen.

Sie lag noch im Bett und hatte sich Matts Laptop geschnappt. Dessen Besitzer schnarchte noch leise auf dem Bauch liegend im mittleren Bett vor sich hin. Bei dem Flohpelz hingegen war sie sich sicher, dass er längst wach war.

Mit scheelem Blick lugte sie herüber zum Bett, das der Tür am nächsten war. Sie sah nur schwarzes Haar. Er lag von ihr weggedreht.

„Bist du schon wach?“, fragte sie leise.

„Wie könnte ich nicht, bei dem Lärm, den der veranstaltet?“

„Yeah. Wenn er noch einmal dieses Geräusch macht, das wie ein verstopfter Abfluss mit Schluckauf im Stimmbruch klingt, dann schwöre ich dir, reiße ich ihm die Nase aus und nähe sie dort an, wo er sie bestimmt nicht haben will!“

Zanthe kicherte vergnügt und drehte sich auf den Rücken. Sein Kopf lugte unter der Decke hervor, er starrte die Zimmerdecke an. „Ich halte ihn fest. Aber nur weil ich seinen nackten Hintern sehen will.“

 

Genervt stöhnte das Mädchen auf und öffnete das Skype-Programm. Hätte sie dieses Gespräch bloß nie angefangen. Zu ihrem Erstaunen musste sie feststellen, dass Nick online war – und sie angeschrieben hatte.

Kaum hatte sie jedoch die Nachricht geöffnet, bekam sie bereits eine Video-Chat-Anfrage.

„Was will der denn jetzt schon von mir? Ist doch noch nicht mal 7 Uhr“, knurrte Anya und nahm an.

„Ist doch klar, Matts Geschnarche hört man selbst in Livington noch“, klagte Zanthe und setzte sich aufrecht hin, „naja, dann viel Spaß mit Nick. Ich geh mal ins Bad. Was meinst du, wie hoch stehen die Chancen, dass er dich zur Schnecke macht?“

Sprachs und schritt schlaftrunken herüber zur Badezimmertür. Und Anya ahnte schon, dass er jedes Wort von dem Gespräch mitbekommen würde.
 

„Guten Morgen, Anya“, sah diese sich aber plötzlich Nicks grimmiger Fratze entgegen. Um ihn herum war es stockdunkel.

Etwas erschrocken stammelte seine Sandkastenfreundin: „W-was willst du schon so früh? Es ist praktisch noch mitten in der Nacht!“

Ohne überhaupt auf ihre Kritik einzugehen, kam er direkt zum Punkt. „Es tut mir leid, dass du so kurz vor dem Ziel gescheitert bist.“

„Danke. Jedes Mal, wenn ich den Satz höre, spüre ich das dringende Bedürfnis, demjenigen eine reinzupfeffern.“

„Natürlich, entschuldige. Aber ich muss mit dir darüber reden, wie es jetzt weitergehen soll. Dein Hotelzimmer ist nur noch bis zum Ende der Woche gebucht. Also, diesen mit inbegriffen, drei Tage.“

Plötzlich grinste das Mädchen bitterböse. „Du wirst es mir nicht glauben, aber kurz bevor die blonde Schnepfe sich mit Othello duelliert hat, ist sie zu mir gekommen und hat mich herausgefordert.“

„Was?“, fragte ihr Freund ungläubig.

„Jep. Morgen bei Sonnenaufgang. Es soll ein Riding Duel werden.“

„Anya, sei nicht dumm, das ist eine Falle“, protestierte Nick sofort. „Halt dich von ihr fern. Ich übernehme-“

„Reg' dich ab, Harper, das weiß ich selbst. Aber das ist meine Chance, verstehst du?“ Anya schloss die Augen, erklärte ernst: „Ich werde mich heute den ganzen Tag mit Logan darauf vorbereiten.“

„Mit dem? Lass das lieber.“ Wie er es aussprach, so abwertend, dass selbst Anya es bemerkte. „Ein Tag reicht nicht, um zu lernen, wie man-“

„Doch“, erwiderte Anya stur, „halt dich da raus, Harper. Ich werde schon klar kommen. Wenn sie mir an die Gurgel will, werd' ich ihr zeigen, dass man sich besser nicht mit mir anlegen sollte. Sonst noch irgendwas?“

„Anya-“

„Nein?“ Grimmig fuhr das Mädchen mit ihrer Hand über das Mousepad. „Dann bis später.“

Und ehe der zerzauste Nick sich versah, sah er gar nichts mehr, denn Anya hatte das Gespräch sowie das Skype-Programm beendet.

„Tch, warum muss der sich immer überall ungefragt einmischen“, murmelte Anya zerknirscht.

Die Antwort kam prompt wie ungebeten aus dem Bad. „Weil du eine wandelnde Katastrophe bist.“

„W-wah?“ Matt schreckte auf. „Hat mich jemand gerufen?“

Während er von Anya eines vernichtenden Blicks gestraft wurde, drang hinter der Tür auf der anderen Seite des Zimmers nur gedämpft Zanthes frenetisches Gekicher zu ihnen.

 

~-~-~

 

Als Nick aus dem Aufzug trat, gekleidet in einem schlabbrigen, weißen T-Shirt und zerschlissenen Jeans, zog er umgehend ein genervtes Gesicht. Er hasste den 8. Stock des Micron Electronics-Gebäudes, denn dort befand sich unter anderem Aidens Büro. Und in dieses war er, kaum dass er hier angekommen war, sofort beordert worden.

 

Entsprechend schlecht gelaunt schlurfte Nick an den verschiedenen Büros und dessen Glastüren vorbei, die bis zur Schulterhöhe einer normalen Person mit silbriger Glasdekorfolie versehen waren.

Als er Aidens Büro erreichte, klopfte er gar nicht erst, sondern riss die Tür auf.

„Guten Morgen, Sonnenschein“, schnappte er seinen Vorgesetzten an, der an seinem Schreibtisch zu Nicks Linker saß und gerade am PC beschäftigt war, „was willst du von mir?“

„Dir auch einen guten Morgen, Nick.“ Mit einer Handgeste deutete Aiden gleich auf den Stuhl, der sich vor seinem Schreibtisch befand.

Trotzig ließ der großgewachsene junge Mann die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Er fühlte sich immer noch nicht wohl in diesem Büro, obwohl es einladend gestaltet war mit seinen dunklen Holzmöbeln und der Sitzecke hinter ihm. Aber vermutlich würde er sich nie wieder in der Gegenwart dieses Mannes wohlfühlen können.

 

Nachdem Nick sich gesetzt hatte, ließ Aiden vom Bildschirm ab und wandte sich seinem ehemaligen Geliebten zu. „Ich möchte gleich zur Sache kommen. Du glänzt in letzter Zeit immer öfter durch Abwesenheit.“

„Ich werde nicht gebraucht. Die Arbeiten an 'Monochrome' gehen auch ohne mich gut voran.“

„Trotzdem gilt für dich dasselbe wie für alle anderen Mitarbeiter.“

Gespielt schnappte Nick: „Aber Schatz, wie kannst du nur? Ich dachte, das zwischen uns beiden wäre besonders?“ Dann fügte er sarkastisch hinzu: „Ach wie konnte ich das nur vergessen, ich bin ja nur hier, weil du mich erpresst. Womit doch gleich?“

„Nick …“

„Ich frage mich, wer von uns beiden mehr geschwitzt hat, als Zachariah Bauer der Welt weiszumachen versucht hat, es gäbe mich wirklich.“ Nick grinste. „Ich wette, du warst es.“

„Du meinst, weil ich damit ein Druckmittel verloren hätte, sofern Anya ihm geglaubt hätte?“ Aiden sah aus dem Fenster zu seiner Linken. „Nein. Ich bin mir sicher, dir war dabei wesentlich unwohler als mir, denn ich hatte nichts zu verlieren. Nicht, solange ich nur deinem Vater-“

Nick beugte sich vor: „Er ist nicht mein Vater.“

„Biologisch gesehen schon. Aber ich möchte nicht, dass wir uns gegenseitig drohen.“ Aiden wandte sich ihm wieder zu. „Im Gegenteil. Ich mache mir Sorgen um dich. Wegen dieser Frau, die seit Neuestem immer an deiner Seite ist.“

Entspannter als zuvor lehnte sich Nick zurück. „Ach daher weht der Wind. Du bist eifersüchtig. Sie ist meine Freundin, ja.“

„Sie ist gefährlich“, sprach Aiden ruhig weiter, „sie hat hier herumgeschnüffelt. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sie dich bloß benutzt.“

„Alexandra würde so etwas nie tun.“ Nick klang bewusst aufrichtig, obgleich er seinen eigenen Worten keinen Glauben schenkte.

„Ich kann dir nicht vorschreiben, mit wem du dich triffst. Aber bitte, sei ihr gegenüber ruhig etwas skeptischer.“ Wie ernsthaft besorgt er klang. Erstaunlich zu sehen, dass Aiden immer noch etwas für ihn empfand, schoss es Nick durch den Kopf. Was musste er noch alles tun, damit dem nicht mehr so war?

 

„Inzwischen habe ich übrigens herausgefunden, warum du Zachariah Bauer als deinen 'Champion' ausgewählt hast“, wechselte Nick aus einer Laune heraus das Thema und schlug dabei ein Bein über das andere, „herzlichen Glückwunsch, du kannst jetzt jederzeit Duel Monsters crashen.“

„Es war nur ein Test um zu sehen, ob Monochrome funktioniert.“

„Und jetzt schlummert es auf den AFC-Servern. Schon eine Idee, was du damit als Erstes anstellen wirst?“
 

Natürlich wusste Nick, dass Aiden ihm darauf keine Antwort geben würde. Aber es war offensichtlich: Sobald das Spiel 'Monochrome' erst das Licht der Welt erblickt hat, wird es immer öfter zu Ausfällen der Duel Monsters-Server kommen und zu anderen technischen Schwierigkeiten, alle ausgelöst durch dieses kleine Programm, das Zach während des Legacy Cups bewusst oder unbewusst in die AFC-Server geschleust hatte. Das war typisch Aiden: Um sich selbst besser dastehen zu lassen, scheute er nicht davor zurück, andere in ein schlechtes Licht zu rücken.

 

„Ich habe nichts vor“, log Aiden wie erwartet, „ich bewundere nur das, was du geschaffen hast. Innerhalb weniger Minuten war es drin, hatte jede Firewall unbemerkt überwunden und sich seiner neuen Umgebung perfekt angepasst. Du könntest eine Revolution auslösen, Nick. Die Welt retten. Oder zerstören.“

All das war ohne Bedeutung für ihn und das wusste der brünette CEO von Micron Electronics auch nur zu gut, dachte Nick und schwieg.

„Wobei, eine Sache gibt es, die ich bereits mit Monochrome erreicht habe“, korrigierte sich Aiden jedoch plötzlich. Nick wurde hellhörig. Sein Gegenüber fuhr fort: „Dir ist es wohl entgangen, aber jemand hat einen Sprengsatz in das D-Pad deiner Schwester eingebaut.“

Sofort versteinerte Nicks Gesichtsausdruck. „Was?“

„Ganz recht. Aber keine Sorge, Monochrome hat ihn aufgespürt. Ich konnte ihn rechtzeitig untauglich machen.“

„Wieso ….?“

„Weil du mir mehr bedeutest als irgendetwas anderes. Triff die richtige Entscheidung und-“

Schlagartig sprang Nick auf. „Ich bedaure es.“

Überrascht sah ihn sein Vorgesetzter an.

„Ich bedaure es, mich nicht selbst klonen zu können und Selfcest zu betreiben. Der einzig wahre Partner für mich bin nämlich ich selber. Ein Jammer um all meine Bedürfnisse. Schade, aber unsere Zeit für heute ist damit wohl um.“

Mit diesen bewusst sehr spitz gewählten Worten drehte Nick sich um und verließ eiligen Schrittes das Büro, hörte aufgrund des Rauschens in seinen Ohren kaum, wie Aiden verwirrt seinen Namen rief. Aber die Vorstellung, dass Aiden ihm geholfen hatte, dass -er- Anya beschützt hatte, war so demütigend und niederschmetternd, dass Nick nicht länger im selben Raum wie er verweilen konnte.

Eine Bombe … Zachariah!

 

~-~-~

 

Kurz nach 9 Uhr klopfte es an der Tür. Anya saß inzwischen angezogen am Tisch und arbeitete an Matts Laptop, während dieser mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf dem Bett lag und in die Luft starrte.

Zanthe schlenderte zur Tür und wollte gerade öffnen, da sauste Anya wie ein Blitz an ihm vorbei und riss die Tür auf.

„Hey“, brummte Logan ihr entgegen.

„Guten Morgen“, wünschte der Werwolf als Erster hinter seiner Freundin grinsend.

Die hatte nur Augen für den in Plastik gehüllten, dunkelroten Motorradanzug und den Helm, den ihr der Zwerg in der linken Hand entgegen hielt.

„Sollte deine Größe sein“, erwiderte der auf Anyas forschenden Blick hin.

„Wo hast du den gekauft, in der Kinderabteilung?“, stichelte Zanthe und musste erstmal Anyas Fuß ausweichen, welche zornesrot nach hinten austrat.

Danach riss sie Logan das gute Stück aus den Händen und betrachtete es mit einer Spur Ehrfurcht in den Augen. „Das werde ich tragen? Hm.“

„Zieh dich um. Wir haben keine Zeit zu verlieren“, wies Logan sie kurz angebunden an.

„Kann ich mitkommen?“, fragte Zanthe hoffnungsfroh, welcher sich an die Wand neben der Tür lehnte.

Und ein vernichtender Seitenblick des Mädchens ließ ihn kurz darauf aufseufzen. „Ach ja, auf seinem Motorrad ist ja nur Platz für zwei. Wie praktisch.“

Sprachs und löste sich wieder von der Wand, während Anya auch noch den Helm entgegen nahm, um ihn zu mustern. Heute würde sie den Grundstein für ihre Zukunft als Duel Queen legen, so viel stand schon mal fest! Und dafür brauchte sie den Flohpelz nicht!

 

„Dann schon mal viel Glück“, wünschte Matt ihr und raffte sich auf, „ich werd' jetzt erstmal frühstücken gehen und dann unseren kleinen Flüchtling aufspüren.“

„Huh?“, drehte sich Anya zu ihm um.

„Nur um sicher zu gehen“, zwinkerte er ihr zu, zog an dem Mädchen vorbei, grüßte Logan und war auch prompt auf dem Gang verschwunden.

 

„Hey, du nimmst das ja tatsächlich ernst“, staunte derweil Zanthe, der sich an den Tisch gesetzt und eine Seite über D-Wheels vor Augen hatte.

„Ich zieh mich um“, murrte Anya Logan zu und verschwand kurzerhand im Bad. Knurrte dabei noch: „Wehe, ich sehe darin albern aus …“

 

~-~-~

 

Weiß. So grell, dass Valerie den Anblick kaum ertragen konnte. Auch wenn dies letztlich nicht an dem Hotelzimmer selbst lag, sondern an den Erinnerungen, die damit verbunden waren. Hier hatte alles seinen Anfang gefunden. Also war es nur richtig, es hier auch enden zu lassen.
 

Leise schloss Valerie die Tür hinter sich. Marcs Koffer lag auf dem Doppelbett, der junge Mann davor. Er sah sie nicht an, wie er die letzten Kleidungsstücke einpackte.

„Ich wollte mich verabschieden“, sagte Valerie entschlossen, „bevor du nach Livington zurückfliegst.“

„Nicht Livington“, kam eine knappe Gegenantwort zurück.

„Gainesville?“ Valerie musste ihr Erstaunen unterdrücken.

 

Wollte er etwa direkt das Studium an der University of Florida wiederaufnehmen!? Aber dann würden sie sich dort schon bald jeden Tag über den Weg laufen!

 

„Nein.“ Er drehte sich ihr zu. „Neuseeland.“

Überrascht von dieser Wendung verschlug es der Schwarzhaarigen im hellblauen Sommerkleid die Sprache.

Marc zuckte unbeholfen mit den Schultern. „Auf dem Campus brauche ich mich nicht mehr blicken lassen.“

„W-was willst du-?“

„Irgendwas. Ich habe noch keine genauen Vorstellungen. Aber da kennt mich wenigstens niemand.“

„Verstehe.“ Valerie senkte den Kopf. Dann kramte sie aus ihrer weißen Handtasche zwei einzelne Karten heraus. Zunächst zögernd, schritt sie auf Marc zu und reichte ihm die Zauber [Unstable Evolution] und [Change Of Heart] mit festem Blick. „Ich denke, die brauche ich nicht mehr. Sie haben ihren Zweck erfüllt.“

Marc nahm sie prompt und zerriss sie vor ihren Augen. „Sehe ich ähnlich.“

 

Unangenehmes Schweigen machte sich in dem schneeweißen Hotelzimmer breit wie eine Plage. Die beiden standen voreinander und sahen doch aneinander vorbei. Erst als Valerie dabei war sich wegzudrehen ergriff Marc noch einmal das Wort. „Ich werde mich nicht noch einmal dafür entschuldigen.“

„Verstehe“, kam es leise aus Valeries Mund.

„Das würdest du auch nicht. Um ehrlich zu sein bin ich verdammt froh, dass es so gekommen ist. Auch wenn der Preis letztlich zu hoch war. Ich bin mir nicht einmal sicher, wieso ich es gerade auf diese Weise getan habe. Nur dass ich es wollte, unbedingt.“

„Verstehe“, wiederholte sich Valerie bitter.

„Tust du nicht“, schüttelte ihr Ex-Verlobter jedoch betrübt den Kopf, „du verstehst nicht, dass ich es tun musste. Valerie … niemand ist perfekt. Selbst die größten Champs der vergangenen Jahre haben ab und zu auch mal ein Duell verloren. Claire nicht. Zu sehen, wie sie Othello pulverisiert hat, hat meinen Eindruck nur bestätigt.“
 

Valerie sah herüber zu den mit prächtigen Vorhängen versehenen Fenstern. Eines stand offen, sodass ein angenehmer Luftzug durch das Hotelzimmer ging und die Vorhänge zum Wehen brachte.

„Ich bin verdammt stolz darauf, verhindert zu haben, dass du ihr gegenüberstehen musstest“, gestand Marc.

„Anya wird sich morgen mit ihr duellieren.“

„Das ist ganz offensichtlich eine Falle. Claire hat sie durchschaut. Uns alle, von Anfang an.“ Marc seufzte, wandte sich von der abwesend da stehenden Schwarzhaarigen ab und drückte seinen Koffer zu. „Wenn du eine echte Freundin bist, solltest du sie davon abhalten. Sonst könnte Anya morgen ihren Tod finden.“

„Darum geht es doch. Wenn wir nichts tun, dann wird sie definitiv sterben.“

Seinen Koffer vom Bett ziehend, schritt Marc auf Valerie zu und wollte ihre Schulter berühren, doch jene wich prompt zurück. „Nicht.“

Marc ließ seine Hand sinken. „Man kann gegen sein Schicksal nicht ankämpfen.“

„Der Satz kommt mir bekannt vor. Als hätte jemand ihn irgendwann einmal zu mir gesagt.“ Valerie drehte sich zu ihm um. Sie lächelte nicht.

„Ich weiß auch nicht, woher ich ihn habe. Aber es ist die Wahrheit. Wir haben getan was wir konnten, aber das ist zu wenig, um Anya eine wirkliche Hilfe zu sein. Und wir müssen auch an uns selbst denken.“

Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. „Sprich für dich, Marc. Solange noch Zeit ist, werde ich einen Freund nicht im Stich lassen.“

„Verstehe“, nickte Marc, „leb' wohl, Valerie. Ich werde dich immer lieben, das weißt du.“

 

Sie mit diesen Worten zurücklassend, schritt der sportliche junge Mann an ihr vorbei und drückte bereits die Klinke der Tür hinunter, als Valerie leise flüsterte: „Nein. Du bist es, der nicht versteht.“

Dazu konnte Marc nur traurig nicken. „Vielleicht verstehen wir beide am Ende nichts.“

 

Valerie biss sich auf die Lippen, um nicht in Tränen auszubrechen, als die Tür letztlich ins Schloss fiel und damit auch ein Abschnitt ihres Lebens für immer fort war. Es dauerte einen Moment bis sie ihre Fassung fand und sich umdrehte, um das weiße Zimmer zu verlassen.

Sie wurde jedoch jäh in ihrem Vorhaben unterbrochen, als das Smartphone in ihrer Handtasche zu klingeln begann. Überrascht kramte sie es heraus. Es war ein weißes Modell einer bekannten Marke, geschützt durch eine schwarze Hülle. Das Besondere an dieser war ein kleiner Anhänger, der daran befestigt war: Ein kleiner, schwarzer Würfel mit dem Gesicht eines Maulwurfs mit Schnurrbart, von dem kleine Stummelarme – und Beine abgingen.

Jenen hatte Marc ihr damals auf dem Fest vor dem Turnierauftakt geschenkt, da er ihn mit seinem heimtückischen Blick an eine gewisse Person aus ihrem Freundeskreis erinnerte. Seitdem baumelte er von Valeries Smartphone.

Jene betrachtete ihn einen Moment betrübt, ehe sie ein „Oh!“ von sich gab und endlich abnahm.

 

Und kaum hatte Valerie das Mobiltelefon ans Ohr gelegt, drang aus dessen Hörer bereits ungezügeltes Gezeter. „Auch endlich aufgewacht, Prinzessin!? Verdammter Kackmist, ich dachte schon das Teil ist defekt!“

„A-Anya?“

„Wer sonst, Hohlbirne? Ich wollte nur mal eben testen, ob ich mit meinem Helm wirklich telefonieren kann.“

Valerie blinzelte dabei verdutzt. „Und du rufst mich an?“

„Wen sonst, Einstein? Könnte vielleicht praktisch werden, auch wenn ich wohl kaum dich anrufen werde, sobald-“

„Anya, jetzt ist wirklich kein guter Zeitpunkt. Lass uns später reden, okay?“

Die schnaubte wütend. „Ich wollt eh nur testen, ob das funktioniert. Bild dir bloß nichts darauf ein, klar!?“

„Natürlich nicht“, reagierte Valerie distanziert, „also dann viel Spaß beim Training. Pass auf, dass du keinen Unfall baust, in Ordnung?“

„Was soll das denn heißen!?“

„Bis später.“ Schon hatte Valerie aufgelegt.

 

Das Smartphone vor sich halten, packte die junge Frau den Anhänger daran und wollte ihn im Anflug eines urplötzlichen Wutanfalls abreißen, doch es ging nicht. Der Maulwürfel, wie er genannt wurde, hatte Besseres verdient …

 

~-~-~

 

„... blöde Kuh“, fluchte Anya noch hinterher, auch wenn ihre Erzrivalin längst aufgelegt hatte.

Mit dem roten Helm auf dem Kopf drehte sie sich zu Logan um, der neben seinem schwarzen Motorrad Schrägstrich D-Wheel stand. „Okay, der Kram funktioniert tatsächlich. Damit werden wir morgen in Kontakt bleiben?“

„Jup“, nickte er.

 

Sie befanden sich am Stadtrand auf einem verlassenen Parkplatz, der zu einer inzwischen stillgelegten Textilfabrik gehörte. Das rote Backsteingebäude befand sich direkt hinter ihnen.

„Hab gehört, du hast dich schon ein wenig informiert“, begann Logan, als Anya näher trat.

„Ein bisschen“, zuckte die unbedarft mit den Schultern, „ich weiß, dass es zwei Wege zum Gewinnen gibt. Den klassischen via Duel Monsters … und den, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Deswegen auch 'Riding Duel', ein Rennen.“

Wieder nickte der gleichgroße Mann mit den buschigen Koteletten. „Gibt noch weitere Regeln. Bevor wir jedoch darauf zu sprechen kommen, möchte ich dir einen Rat geben.“

„Schieß' los!“

„Lernst zwar heute, wie man Motorrad fährt, aber zu deiner eigenen Sicherheit sollteste den Autopiloten während des Duells nie deaktivieren.“

Anya verschränkte die Arme. „Yeah, der Autopilot. Das Teil fährt das D-Wheel für dich, solange du mit deinem Zug beschäftigt bist.“

„Nicht nur das. Er hält dich auf der Strecke. Natürlich kannst du Richtung und Geschwindigkeit bestimmen, aber in Gefahrensituationen übernimmt der Autopilot.“ Logan tat es dem Mädchen gleich und verschränkte die Arme voreinander. „Die wenigsten Duellanten verzichten darauf. Hat versicherungstechnische Gründe. Bauste einen Unfall, während du manuell gefahren bist, wird keine Versicherung für die Schäden aufkommen. Ist wirklich gefährlich, sich gleichzeitig zu duellieren und zu fahren. Merk dir das.“

Sein Gegenüber aber winkte typisch altklug ab. „Ja ja, mach dir nicht ins Hemd. Zeig mir lieber, wie man dieses Baby fährt!“

 

~-~-~

 

„Puh!“, ächzte Zanthe, als er die heruntergekommene Bar betrat. Der Geruch, eine Mischung aus Alkohol, Zigarettenrauch und Schweiß, war stark genug, seine Sinne derart zu benebeln, dass er beinahe ins Schwanken geriet.

Eins musste er Exa lassen. Er mochte Ironie. Wieso sonst sollte er ausgerechnet die Kneipe besuchen, dessen Besitzer Zanthe vor wenigen Tagen erst mit einem Schlag in den Nacken niedergestreckt hatte.

 

Der junge Mann, der wie immer nicht ohne Kopftuch aus dem Haus gehen konnte, erspähte seinen Freund jäh am Tresen. Neben ihm stand ein bereits geleertes Bierglas. Zwar kostete es ihn einige Mühe, bei diesem Gestank nicht sein Frühstück auf dem Boden zu verteilen, aber ein Gespräch war inzwischen unausweichlich. Er hatte Exa seit dem Vorfall im Untergrund nicht mehr gesehen.

So setzte er sich wortlos neben diesen auf einen Barhocker und bestellte ein Glas Wasser, für das er auch noch spöttisch angeguckt wurde.

Als Exa das Gespräch von sich aus partout nicht beginnen wollte, seufzte Zanthe: „Wo warst du?“

„Hab mich'n bisschen zurückgezogen. In den letzten Tagen habe ich dich nur in Schwierigkeiten gebracht.“

Das klang gar nicht nach dem sonst so unbekümmerten Exa, schoss es dem Werwolf durch den Kopf, welcher daraufhin mit der Zunge schnalzte. „Halb so wild. Um ehrlich zu sein hätte ich mich zu Tode gelangweilt, die ganze Zeit nur die Duelle des Legacy Cups zu verfolgen.“

„Zanthe … ich kann hier nicht bleiben.“

„Und wo willst du dann hin?“, fragte jener einfühlsam. „Deine Welt ist fort. Du musst dir ein neues Zuhause suchen.“

„Ich weiß … aber hier ist es nicht.“ Der Blonde mit dem Rasterzopf hob sein gesenktes Haupt sowie die rechte Hand. „Barkeeper, noch ein Bier für mich.“

Der bärtige Glatzkopf hinter dem Tresen, der gerade mit einem schmutzigen Handtuch ein Glas abwusch, nickte. Zanthe seinerseits hob die Augenbrauen. „Kannst du das überhaupt bezahlen?“

„Nein.“

„Dann kannst du es jetzt.“ Zanthe zückte aus der hinteren Hosentasche seiner Jeans eine Brieftasche und legte sie seinem Freund vor die Nase.

Welcher darauf erwiderte: „Das ist nicht deine.“

„Nö, aber der, dem sie gehört, hat sicher genug Geld. Du brauchst es dringender.“

Exa aber drehte den Kopf ab und schob dabei gleichzeitig die lederne Börse dorthin zurück, wo sie hergekommen war. „Ich will nicht mehr stehlen …“

 

„Wie du bezahlst ist mir egal, nur tu es“, brummte der Barkeeper, der das alles mitbekommen hatte und setzte dem Blonden das Bier vor die Nase.

Zanthe funkelte den Mann böse an. Am liebsten würde er ihm an den Kopf knallen, dass, wenn er sich nicht gleich verzog, noch eine Nackenklatsche bekommen würde. Aber der Blick reichte auch aus, der Glatzkopf verzog sich.

„Dann nimm das Angebot von Logan an“, riet Zanthe ihm.

„Logan? Ach der Typ, den du beinahe umgebracht hast.“ Sein Freund lachte bitter. „Ja klar, der wird mich mit offenen Armen empfangen.“

„Ich hab mit ihm gesprochen und mich entschuldigt. Du kannst jederzeit bei ihm anfangen.“

„Und was soll ich da machen? Diese … Autos reparieren?“

Zanthe nickte mit dem Anflug eines Grinsens. „Genau.“

„Die Fahrzeuge in meiner Welt sind dagegen viel komplizierter. Aber sie gingen ständig kaputt, weil sie teilweise sehr alt waren. Wir mussten den Schutz der Stadt oft verlassen, um Ersatzteile zu finden.“ Ein wehmütiges Lächeln zierte Exas Gesicht. „So war das, als meine Welt noch existiert hat.“

„Du hast nicht viel darüber gesprochen, als wir am Feuer saßen. Wie war deine Welt so?“

„Gefährlich.“ Exa gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Ich habe dir ja erzählt, dass eine Seuche dazu geführt hat, dass Hybrids entstanden. Monster, halb Mensch, halb Pflanze. Sie haben die Menschen immer weiter zurückgedrängt, bis unsere Stadt die letzte war, die noch existiert hat.“

Betrübt von der Geschichte senkte Zanthe sein Haupt. „Yeah. Ihr musstet jeden Tag ums Überleben kämpfen.“

„Aber wir waren gut. Stärker als die Hybrids. Wir mussten manchmal fürchterliche Dinge tun, aber wir haben überlebt. Vielleicht gab es noch andere Überlebende, irgendwo da draußen, aber wir haben nie welche gefunden.“ Exa schluckte. „Doch gegen das, was meine Welt vernichtet hat, hätten wir nichts tun können.“

„Was war es, das deine Welt zerstört hat?“

„Der Planet Eater. Ein riesiges Ding, selbst ein Planet, nur viel größer.“ Exa nahm sein Bier in die Hand und trank es bis zur Hälfte leer. Dann fuhr er fort. „Er hat seinen riesigen Schlund geöffnet und meine Welt verschluckt. Alles wurde binnen weniger Minuten stockfinster. Ich weiß, dieser Kyon hatte nicht viel Zeit und konnte nur einen von uns retten … wieso mich?“

 

Diese Frage konnte Zanthe ihm auch nicht direkt beantworten. Theoretisch hätte Kyon die Seele seines Bruders an jeden der Hüter aus Exas Welt binden können, solange sie stark genug waren. Vermutlich hatte er einfach den stärksten unter ihnen ausgesucht, also Exa.

 

„Komm mit nach Livington“, bat Zanthe, um seinen Freund auf andere Gedanken zu bringen, „ich hab mich dort auch eingelebt. Ist ein netter Ort. Okay, die Autos sind dir vielleicht zu primitiv, aber du wirst dich eingewöhnen. Ein Freund von einer Freundin wird dir die nötigen Papiere verschaffen, damit du legal arbeiten darfst.“

Ernst fügte der schwarzhaarige Kopftuchträger noch hinzu: „Aber hör auf, dich schuldig zu fühlen, weil du lebst und deine Freunde nicht. Daran lässt sich nichts mehr ändern.“

Exa hob seinen Kopf und schenkte ihm ein erzwungenes Lächeln. „Das stimmt. Ich werde darüber nachdenken …“

Sprachs und wandte sich wieder deinem Bier zu.

„Ach komm“, schlug Zanthe ihm seinerseits herzhaft auf den Rücken, „sobald du all meine Deppenfreunde kennen und lieben gelernt hast, wirst du gar nicht anders können, als Teil der Gemeinschaft werden zu wollen!“

So war es schließlich auch bei ihm gewesen …

 

~-~-~

 

Kreise. Alles drehte sich. Aber Anya schrie förmlich vor Vergnügen, wie sie die schwarze Maschine im Kreis um den Parkplatz fuhr. Dieses Gefühl, sie konnte es kaum beschreiben. Fühlte sich so etwa Freiheit an?

In einer mehr als waghalsigen Halbdrehung bremste sie vor Logan ab, welcher die Arme verschränkte. „Die Grundlagen sind dir recht schnell in Fleisch und Blut übergegangen.“

Anya nahm den Helm ab, wobei ihr blondes Haar offen über ihre Schultern fiel. Sie strahlte förmlich. „Yeah, als ob ich es schon immer gekonnt habe.“

„Vielleicht hast du das sogar. In einem früheren Leben.“

Das Mädchen blinzelte. „Huh? Glaubst du an sowas?“

„Nö.“

Sie musste bei der Antwort grinsen. Natürlich nicht, sonst wäre es ja nie zu dem Streit zwischen ihnen beiden gekommen. Und eigentlich war es auch ganz cool so, wie es jetzt war.

„Gut, fahren kannst du jetzt einigermaßen. Jetzt müssen wir über die speziellen Regeln eines Riding Duels reden.“ Er zeigte ihr eine Hand mit drei Fingern. „Die musst du dir merken, wenn du gewinnen willst.“

„Yeah, die kann ich dir auch so sagen! Erstens: Wer als Erster durchs Ziel fährt, hat das Duell unabhängig vom Lebenspunktestand gewonnen. Zweitens: Wer zum Stehen kommt, hat automatisch verloren.“ Parallel dazu ließ Logan für jeden richtigen Punkt einen Finger sinken. „Und drittens … uh.“

„Drittens: Nur der Spieler, der in Führung liegt, kann Zauberkarten aktivieren.“

„Was!?“, platzte es aus Anya heraus. „Ist das dein Ernst!?“

„'türlich.“

 

Schnaubend blickte sie sofort in die andere Richtung, herüber zu dem Backsteingebäude, der stillgelegten Textilfabrik. Die Fenster waren teilweise eingeschlagen, das Gebäude voller Graffiti.

„Würde dir empfehlen, nicht zu viele Zauberkarten in dein Deck zu packen. Ist unwahrscheinlich, dass du sie verwenden wirst.“

Eine zornige Falte bildete sich auf Anyas Stirn als sie sich ihm wieder zu wandte: „Danke für das Vertrauen!“

„Da ist keins. Kleine, ich kenne Claire Rosenburg. Du wirst Schwierigkeiten haben, überhaupt ihren Staub zu fressen. Also nimm dir meinen Rat zu Herzen.“

Anyas Finger bohrten sich tiefer in ihren Helm. „Ich muss vielleicht Staub fressen, aber sie wird den Asphalt küssen. Darauf kannst du wetten.“

„Werd' ich aber nicht.“ Logan kratzte sich am Hinterkopf. „Aber wenn du meinst. Nun, jetzt kannst du das Ding einigermaßen unfallfrei fahren und kennst die Regeln. Wie sieht's aus, willst du dich duellieren?“

Die Miene seines Gegenübers hellte augenblicklich auf. „Und mein neues Deck testen? Fuck yeah! Warte!“

Sie war schon im Begriff abzusteigen, da hielt Logan ihr im übertragenen Sinne die flache Hand vors Gesicht. „Nein. Auf dem D-Wheel. Du wirst mich während des Duells umkreisen.“

„Aber-“

„Schalte den Autopiloten ein, dann sollte es für den Anfang leichter werden. Wenn das klappt machen wir ohne weiter. Du musst lernen, dich gleichzeitig zu duellieren und zu fahren.“ Der Anflug eines Grinsens zierte seinen rechten Mundwinkel.

Anya ihrerseits blinzelte verdutzt. „Huh? Ich dachte, du hast gesagt …“

„Ich weiß, was ich gesagt habe. Und ich weiß, dass du sowieso nicht auf mich hören wirst.“

Erst als sie einen intensiven Blick untereinander austauschten verstand Anya. Und nickte anschließend grinsend. „Mir gefällt wie du denkst! Also los, mach dich schon mal frisch!“

Sprachs und setzte den Helm wieder auf, trat in die Pedale und nahm das Deck aus ihrer Box am Gürtel des roten Motorradanzugs. Logan seinerseits ging in eine kämpferische Haltung und aktivierte Anyas rotes D-Pad an seinem Arm.

Beide schrien unter Motorengeheul: „Duell!“

 

~-~-~

 

Der junge Mann stieß einen voller Selbstmitleid erfüllten Seufzer aus und blickte auf die weiße Karte in seiner Hand. Auf ihr abgebildet war nichts weiter als ein schwarzer Punkt, welcher sich am oberen Rand des Papiers befand.

„Wie lange willst du dich noch verstecken?“, murrte Matt, der gemächlich über den Bürgersteig schlenderte. An einer Kreuzung stoppte er vor einer Fußgängerampel, neben ihm staute sich der Verkehr.

 

Über eine Stunde suchte er nun schon nach Lee, aber bisher hatte er kein Glück. Solange der Punkt auf seiner Karte noch am oberen Rand war, war der selbsternannte beste Dämonenjäger noch weit entfernt – aber noch in Reichweite seines Zaubers, immerhin.

Als die Ampel vor ihm von einer Hand zu einem Fußgängersymbol wechselte, überquerte Matt gedankenverloren die Straße.

Was erhoffte er sich überhaupt von diesem Typen? Mrs. Carrington hatte Lee hierher geschickt, offensichtlich um ihm etwas Wichtiges mitzuteilen. Aber Matt zweifelte daran, dass diese Botschaft den Lee-Filter überstand. Geschweige denn überhaupt überbracht wurde, wenn man bedachte, wie bockig der Kerl sich ihm gegenüber verhielt.

 

Am anderen Ende der Kreuzung, welche gespickt war mit diversen kleinen Geschäften, schritt der Schwarzhaarige im Ledermantel stur geradeaus, wie es seine Karte ihm gebot. Wahrscheinlich wäre es klüger, seine Zeit in die aussichtslose Suche nach Edna zu investieren. Welche an sich schon ein Mysterium darstellte.

Wer waren dieses Mädchen und sein Begleiter Harris? Keine Dämonenjäger, dessen war sich Matt inzwischen sicher. Irgendjemand hätte mehr von ihnen gehört als ein paar halbgare Geschichten, die man den beiden im Endeffekt nicht einmal mit absoluter Klarheit zuordnen konnte. Agierten sie auf eigene Faust, oder steckte mehr dahinter?

 

Gerade als Lee bereits Gefahr lief, aus Matts Gedankengängen verbannt zu werden, verschob sich der schwarze Punkt auf der Karte langsam Richtung Mitte. Erstaunt blieb Matt einen Moment stehen, denn das hieß, dass der Typ irgendwo in der Nähe war. Anschließend beschleunigte er seine Schritte, dabei den Blick abwechselnd auf den Weg vor sich und auf die Karte fixiert.

Heute war viel los in Ephemeria City, es war Wochenende, die Leute tummelten sich auf den Straßen. So auch hier. Regelmäßig überholte er Fußgänger und wich dem 'Gegenverkehr' aus, seinem Ziel immer näher kommend.

Und dann sah er ihn, besser gesagt seine Rückansicht, drei Gebäude von ihm entfernt. Keine Sekunde später verschwand Lee in einem Geschäft, welches sich, nachdem Matt es erreicht hatte, als Waschsalon entpuppte. Gar nicht lange fackelnd, öffnete der junge Mann die Tür und sah sich um.

 

In zwei gleichmäßigen Reihen befanden sich hier Waschmaschinen und Sitzbänke. Von Lee hingegen fehlte jede Spur, das Geschäft war leer. Aber es gab eine Tür im hinteren Teil des Salons, vielleicht war er also durch den Hintereingang geflüchtet.

Matt warf einen prüfenden Blick auf seine Karte. Der Punkt war direkt in der Mitte der Fläche angelangt. Nein, Lee Anderson war nicht geflüchtet … er hatte sich versteckt. Was, angesichts seiner fragwürdigen Intelligenz, vielleicht gar nicht so dumm war. Sein Pech war nur, dass es hier nahezu keine Möglichkeiten zum Verstecken gab. Entspannt zog Matt an den beiden Waschmaschinenreihen vorbei und trottete herüber zur Tür, die er grinsend öffnete.

 

Kaum fiel diese ins Schloss, schob sich langsam die Klappe der Waschmaschine in der Mitte der rechten Reihe auf und die Visage eines ziemlich mitgenommenen Lees mit seinem Schnauzer schob sich daraus hervor. Er schielte zum Ausgang des Waschsalons, in der Hoffnung, schnell genug zu sein, bevor Matt zurück war. Und bemerkte nicht, dass der direkt neben ihm stand und zunächst mit der Faust gegen besagte Klappe donnerte.

„Hab dich- Au!“, rief er, nur um dann schmerzhaft zu erfahren, dass er keine Anya war, deren Knöchel scheinbar aus Stahl zu bestehen schienen.

Grimmig schüttelte er die Hand und hockte sich vor die wieder geschlossene Waschmaschine, in welcher Lee benommen und eingekauert hockte. Aber er war ja nicht so, also öffnete er die Tür wieder, statt dem Drang nachzugeben, das Ding stattdessen testweise mal anzuwerfen.

„Unmöglich! Du hast einen faulen Zauber benutzt, Dämonenhexe!“, schrie dieser und zeigte aus seiner Wäschetrommel heraus auf den jungen Mann mit der sich auflösenden Karte in der Hand.

Der funkelte Vokuhila-Lee bitterböse an. „Komm da raus. Wir müssen reden.“

„Mit dir rede ich kein Wort!“

Schon landete Matts, wohlgemerkt noch immer schmerzende, Hand neben der Einschalttaste. So viel zu seinen guten Vorsätzen. Aber bei Idioten-Lee war es schwer die Beherrschung zu wahren.

„Und wenn ich dir eine kostenlose Grundreinigung spendiere. Dann vielleicht?“

Die Augen des bestimmt schon an die 40 herangehenden Mannes weiteten sich. Seine Lippen, nunmehr nichts als eine gerade Linie, pressten hervor: „Erpresser-Dämon!“

„Raus mit dir“, winkte Matt ihn zur Bank inmitten der beiden Waschmaschinenreihen.

 

Auf jene setzten sie sich schließlich auch zusammen. Schmollend verschränkte der Pseudo-Dämonenjäger die Arme, während der echte ihn von der Seite her forschend ansah. Er trug eine weiße Damenbluse unter einer Jeansweste, eine dreckige Cargohose und keine Schuhe, nur Socken. Vermutlich hatte er das alles irgendwo mitgehen lassen, nachdem Anya – und hier schieden sich die Geister, ob es aus reiner Boshaftigkeit oder Großzügigkeit – seine Klamotten vor ihrem Duell an ein paar Obdachlose verschenkt hatte.

Etwas, das Lee ihm allen Anschein nach sichtlich übel nahm. Vorsichtig versuchte Matt das Eis zu brechen. „Tut mir leid, dass wir dich gestern bei uns im Bad eingesperrt haben. Ich war dagegen, nur damit du es weißt.“

„Geh sterben“, verlangte der und drehte sich beleidigt weg.

Wenn Matt es nicht besser wüsste, hätte er jetzt das Gefühl mit einem 5-Jährigen zu sprechen. Ob behinderte Angestellte günstiger zu halten waren, fragte er sich unweigerlich, denn anders konnte er sich nicht erklären, warum der bei den Carringtons arbeitete. Apropos …

„Du hattest gesagt, deine Herrin, Mrs. Carrington, hat dich geschickt um uns zu helfen. Das ist sehr nett von ihr.“

„Natürlich ist es das!“, fauchte der Schwarzhaarige seinen Sitznachbarn an, als er sich ruckartig wieder ihm zu wandte. „Ich habe sie angebettelt, dich anzuzeigen, aber stattdessen soll ich dir von dem Abend erzählen, an dem Mr. Carrington seine Kräfte verlor!“

„Ok?“

„Denk nicht, ich wüsste nicht, worüber ihr geredet habt! Über Vaters Tod und was er mit diesem rothaarigen Jungen gemacht hat! Als Mutter erwähnte, dass du danach gefragt hast, musste ich ihr unbedingt erzählen, dass ich damals hinter dem Fenster zugeschaut habe. Man, war die baff!“

Nicht weniger als Matt selbst, welcher Lee in einer Mischung aus Faszination und Mordlust anstarrte. Damit rückte er erst -jetzt- raus!? Mrs. Carrington war zwar etwas unterkühlt gewesen, hatte aber nicht den Eindruck erweckt, etwas vor ihm zu verbergen. Ergo musste diese Information auch für sie neu gewesen sein.

Unwillkürlich packte der junge Mann das 80er-Jahre-Abwrackmodell am Kragen seiner 80er-Jahre-Jeansweste. „Und das fällt dir jetzt auf einmal ein!? Ein rothaariger Junge war derjenige, der euch in dieser Nacht besucht hat!?“

Anstatt zu antworten, biss Lee sich mit geweiteten Augen auf die Zunge. „Crap, das hätte ich nicht sagen dürfen.“

 

Da er sich aber längst in eine für ihn nicht sehr angenehme Situation manövriert hatte und Matt sowieso alles aus ihm herauskriegen würde, was er wissen wollte, ließ er Lee letztlich los.

Rothaariger Junge? Meinte er etwa den Sammler?

 

„Wie genau sah der aus? Hatte er eine Narbe auf der Wange?“, fragte er daher sofort nach.

„Dir sag ich-“ Aber als Lee eine weitere Sache an Matt kennenlernte, die dieser sich bei Anya abgeschaut hatte, sprach er. So im Angesicht des Todesblicks. „Nein, keine Narbe, aber Tattoos am linken Arm. Er war groß und sportlich und sehr aufbrausend, aber ich habe nicht viel von dem Gespräch verstanden. An das Meiste davon erinnere ich mich nicht mehr, nur, dass er am Ende gebettelt hat, zum Hüter gemacht zu werden!“

Erschrocken hielt sich Lee daraufhin beide Hände vor den Mund, weil er wieder hemmungslos seine vermeintlichen Geheimnisse ausgeplaudert hatte.

Matt legte die Hand ans Kinn und überlegte. Die Beschreibung kam ihm bekannt vor, aber er- Harris! Edna war laut Zanthes Aussage eine Hüterin und Harris' Freundin. DIE Freundin. Welche er damals hatte retten wollen. Es ergab Sinn.

„Hast du zufällig mitbekommen, wie der Typ hieß?“

„Ich rede nicht mehr mit dir!“

„Ja oder nein?“

„Nein“, quiekte Vokuhila-Lee unter einem weiteren Todesblick von der Seite. „Mehr weiß ich nicht, ich schwör's beim Leben meiner toten Großmutter! Und selbst wenn, würde ich es -dir- bestimmt nicht sagen!“

 

Die Beschreibung passte auf Harris. Zwar hatte Matt ihn selbst nie gesehen, da er nicht auf der Hochzeit anwesend war, doch Zanthe hatte ihn ziemlich genau beschrieben. Rote Haare, Tattoos, etwa Mitte 20. Zurückgerechnet wäre er damals ein Jugendlicher gewesen.

Könnte er damit wirklich der fünfte Hüter sein?

 

„Kann ich jetzt gehen?“, fragte Lee vorsichtig, nachdem Matt seit geraumer Zeit nachdenklich in die Leere starrte.

„Uh-huh“, nickte jener abwesend.

Vorsichtig erhob sich der nicht mehr ganz so junge, schwarzhaarige Mann.

„Danke für diese Informationen“, fügte Matt hinzu und sah zu ihm auf, „wenn das stimmt, gibt es jetzt einen Hauptverdächtigen.“

Aber konnte das sein? Hätte Zanthe Harris nicht ebenfalls als Hüter identifizieren müssen?

„Sieh's ein, Rookie, ohne mich wärst du aufgeschmissen!“, prahlte Lee gleich darauf los, seine Angst von einer Sekunde zur anderen vergessend.

Matt rang sich ein müdes Lächeln ab. „Vielleicht. Also, man sieht sich. Oder auch nicht, ich werde dich nicht mehr verfolgen. Und wäre im selben Zuge dankbar, wenn du auch davon ablassen könntest, uns hinterher zu schnüffeln. Deine Tarnung ist mies, wenn ich das so sagen darf.“

Erschrocken weitete Vokuhila-Lee die Augen, nur um dann zornesrot anzulaufen. „Die kannst du nur durch Hexenwerk durchschaut haben, eine andere Erklärung gibt es nicht! Und merke dir“, fauchte er und richtete seinen Zeigefinger ruckartig unter Matts Nase, „ich tue das nur, um zu verhindern, dass du die Welt zerstörst!“

„Was wir tun wird die Welt nicht zerstören“, widersprach jener ernst und sprang auf, „nur ein Menschenleben retten.“

Lee funkelte ihn an. „Nicht jedes Leben ist es wert gerettet zu werden.“

„Vielleicht“, hielt sein Gegenüber engstirnig dagegen, „aber wer entscheidet das?“

 

Der Diener der Carringtons schnaufte und wandte sich ab. Matt zog an ihm vorbei und klopfte ihm dabei auf die Schulter. „Nichts für ungut. Wenn du dich doch dazu entschließen solltest, uns zu helfen … such um Himmels Willen bloß nicht nach uns. Das wäre für alle Beteiligten das Beste.“

Damit ließ er Lee stehen und verließ den Waschsalon.

 

~-~-~

 

Es musste schon weit nach Mitternacht sein, aber Anya konnte einfach nicht einschlafen. Zu überwältigt war sie noch von dem Gefühl, ein D-Wheel gefahren zu haben. Dazu Matts Vermutung, dass dieser dämliche Harris der fünfte Hüter ist und ihr damals somit gleich zwei von der Sorte durch die Lappen gegangen waren. Hrgh!

Zanthe hatte beteuert, dass ihm an dem Kerl nichts aufgefallen war, aber schließlich hatte er auch bei Edna nur kurz etwas gespürt, als sie sich unmittelbar in seiner Nähe befand.

Und dann war da immer wieder Claire Rosenburgs regungslose, arrogante Miene. Ob sie wohl heute Nacht in den Schlaf der Gerechten eintauchte? Bestimmt. Die Idee zu verlieren musste ihr doch vollkommen fremd sein.

 

Anya drehte sich auf die Seite. Die Vorhänge des Panoramafensters waren zugezogen, es war nahezu stockdunkel im Zimmer. Morgen würde sie mit Logan in aller Frühe aufbrechen. Aber würde sie auch wiederkehren? Wollte Claire sie aus dem Weg räumen, weil sie Bedrohung erkannt hatte oder nicht? Es musste so sein, denn einen anderen Grund gab es nicht für eine Weltmeisterin, sie, Anya Bauer, zu einem bedeutungslosen Duell wie diesem herauszufordern.

 

„Du solltest langsam mal einschlafen, findest du nicht?“ Zanthe seufzte. „Sonst bist du morgen völlig hinüber und das ist für jemanden, der von Hause aus wenig Denkkapazität besitzt, ziemlich gefährlich.“

Auch Matt im mittleren der drei Betten schien noch wach zu sein. „Jetzt beleidige sie nicht noch.“

„Hab mich schon gewundert, warum die Wände noch nicht wackeln“, stichelte Zanthe und spielte auf Matts Schnarcherei an.

Anya kicherte bitterböse. „Denk dran, was wir besprochen haben, Flohpelz. Sobald er damit anfängt geht’s los.“

„Ouh, ich freu mich schon drauf.“

„Wegen der Gewalt oder seinem Hintern?“

Auf die Frage des Mädchens antwortete der Werwolf glucksend. „Beidem natürlich.“

„Ich drücke diese Nacht garantiert kein Auge zu“, beklagte sich der Gebeutelte verärgert.

„Geht uns wohl allen so“, überlegte Zanthe laut.

Matt seufzte und drehte sich seinerseits auf den Rücken. „Anya, wenn du morgen Probleme haben solltest, frag Levrier um Rat.“

„Oh ja, das solltest du“, pflichtete der Werwolf ihm bei. „Spiel' bloß nicht das stolze Mädchen, das alles aus eigener Kraft erreichen möchte. Nicht morgen.“

„Levrier -ist- schließlich ein Teil von dir. Hilfe macht einen nicht schwächer, sondern stärker.“

„Ein großes Hurra fürs Schummeln – ich meine die Freundschaft!“

Der Dämonenjäger schnalzte mit der Zunge. „Natürlich, -du- musst natürlich das Negative darin sehen.“

„Die Wahrheit ist neutral, nicht negativ“, murrte Zanthe.

„Ja nachdem wie man sie auslegt, nein, ist sie nicht“, widersprach sein Zimmergenosse, „was meinst du, Anya?“

Von der kam jedoch keine Antwort. So wiederholte Matt: „Anya?“

„Herzlichen Glückwunsch, du hast sie zum Einschlafen gebracht“, gluckste Zanthe.

Denn tatsächlich, das Mädchen lag mit einem Ausdruck voller Wonne auf der Seite und träumte vom Sieg.

 

~-~-~

 

Es war noch halb dunkel, als Anya und Logan auf dessen schwarzem D-Wheel vor einem Torgitter zum Stehen kamen. Der Zwerg stieg ab und schritt herüber zu einem kleinen Wachhäuschen. Auf dem Weg hierher hatte er erklärt, dass Riding Duel-Strecken nur mit Genehmigung betreten werden durften.
 

Nach einem kurzen Gespräch zwischen Logan und dem Wärter fuhr das Tor zur Seite und gewährte Einlass. Anya, gerade wach genug um nicht vom Motorrad zu fallen, sah durch das Visier ihres roten Helms, dass hinter dem Tor Scheinwerfer ansprangen. Sie alle beleuchteten eine Start- beziehungsweise Ziellinie sowie die Boxen daneben. Logan winkte sie herüber.
 

Hinter ihrem Helm grinsend, griff Anya nach dem Lenker und fuhr langsam herüber zur Startlinie, an der sie sich platzierte. Von Claire war noch keine Spur zu sehen.

Logan trat an Anya heran. „Werde alles von hier aus überwachen. Denk dran: Nicht zum Stehen kommen, sonst heißt es Game Over.“

Dabei zeigte er auf ein noch leeres Pult bei den Boxen. Sie nickte.

„Gehe mal das Equipment aufbauen. Kannst dich schon mal sammeln, in ein paar Minuten geht die Sonne auf. Dann wird’s ernst.“

„Ich habe keine Angst vor Claire Rosenburg!“

„Gut so“, nickte der Mechaniker und grinste vergnügt, ehe er seine Ankündigung wahr machte und zu besagtem Pult herüber schritt. Dort schloss er einen Laptop via USB-Kabeln an ein Terminal an, welches sich darunter befand.

Nachdem der Laptop hochgefahren war, erschien auf dem Bildschirm die vereinfachte Karte der Strecke, die aus mehreren Kurven bestand, welche ihr eine zu unregelmäßige Form gaben, um sie zu beschreiben. Durch farbliche Abweichungen der gelben Linie wurde deutlich, dass es auch Steigungen und Gefälle gab.

 

Aber dazu musste Anya nicht auf einen Laptop schauen, das sah sie auch von ihrer Position aus. Nach der ersten Kurve in der Ferne stieg die Strecke langsam aber stetig an, verlief über massive Säulen über der Stadt, in dessen südwestlichen Teil sie sich befand. Die nähere Umgebung war nicht bebaut, dafür aber alles, was hinter besagter ersten Kurve lag.

 

„Guten Morgen“, wurden Anya und Logan aus dem Nichts gegrüßt.

Ganz am Ende der Boxen stand Claires Manager Nigel in seinem schwarzen Anzug und näherte sich langsam. Letzterer warf dem Geschäftsmann, welcher eine Sonnenbrille auf der Nase sitzen hatte, einen bösen Blick zu, als dieser das Pult erreichte.

„Claire wird gleich hier sein. Sie ist pünktlich. Immer“, sprach der Bärtige mit Nachdruck.

Inzwischen war der Himmel rötlich verfärbt, hinter ihnen stieg langsam ein grelles, gelbes Licht den Horizont empor.

 

Und tatsächlich: Wenige Minuten später drang Motorengeheul vom Eingang. Claire schoss durch denselben Eingang wie zuvor Anya und vollzog auf der Strecke eine Kehrtwende hin zur Startlinie.

Das schneeweiße D-Wheel kam rechts neben dem Mädchen zum Stehen. Anya blickte stur geradeaus, über die Stadt, die in die Morgenröte getaucht war. Eine unheimliche Farbe, sie kam ihr intensiver als sonst vor, ganz als prophezeie sie eine blutige Schlacht.

„Wir können beginnen“, drang Claires Stimme gedämpft hinter ihrem hellblauen Helm hervor, über den in der Mitte ein weißer Streifen vertikal vom Visier bis zum Nacken verlief.

Wie immer verlor sie nicht gerade viele Worte, dachte Anya dabei und setze ihren eigenen, knallroten Helm auf.

„Yeah. Wenn ich gewinne, bekomme ich dein Artefakt.“

Natürlich äußerte sich die amtierende Weltmeisterin gar nicht dazu, denn gewiss rechnete sie nicht damit, überhaupt zu verlieren. Aber Anya würde sie eines Besseren belehren.

„Okay, kann losgehen“, sprach Anya in das Mikrofon, welches in ihren Helm eingebaut war.

 

Bei der Startlinie, wo sich die offenen Boxen befanden, saß Logan direkt an der Strecke vor dem Pult und arbeitete weiterhin am Laptop. Aus der Vogelperspektive konnte er Anyas und Claires Position auf der Minikarte sehen.

„Mache das Startsignal bereit“, erwiderte er auf Anyas Worte hin.

Dabei warf er aus den Augenwinkeln einen Blick zur Seite, wo der rothaarige, bärtige Manager von Claire sich gegen die Wand der kleinen Box lehnte. Zu dessen Rechten befand sich die Einfahrt in die Boxengasse.

„Hmm.“

 

„Woah!“, schoss es aus Anya heraus, als plötzlich zu beiden Seiten der Strecke meterhohe, gläserne Absperrungen hochfuhren. Diese zogen sich um die erste, nach rechts verlaufende Kurve und darüber hinaus, vermutlich bis zur Zielgeraden, hin. Und so zerbrechlich sie wirken mochten, verbarg sich dahinter dickes Panzerglas.

Plötzlich erschien auf jeder einzelnen davon eine durchsichtige Ampel. Claire trat in die Pedale, Motorengeheul erklang. Rot. Anya tat es ihr gleich und startete die Maschine.

„Duel Modus, Autopilot, Standby“, drang von der vor ihr ausgebreiteten Duel Disk eine Computerstimme an ihr Ohr. Gelb. Bei ihrer verhassten Widersacherin geschah dies nicht. Aber wen wunderte es, sie war ja ein Profi, der keinen Autopiloten brauchte. Grün.

„Riding Duel, Acceleration!“, schrien beide synchron und schossen mit ihren Maschinen nach vorn.

 

[Anya: 4000LP / Claire: 4000LP]

 

Zwar hatte Anya schon gestern während des Trainings mit Logan dieses wahnsinnige Gefühl von Geschwindigkeit verspürt, doch dieses Mal war es noch intensiver. Sie beugte sich nach vorn und drehte voll auf. Die erste Kurve war nicht mehr weit entfernt, wer sie nahm, würde das Duell beginnen. Sie blicke nach rechts, wo ihre Gegnerin etwa gleichauf lag. Nein, sie fiel sogar ein wenig zurück. Perfekt!

Die beiden D-Wheels rasten über den Beton auf die nach rechts verlaufende Kurve zu. Anya gewann immer mehr an Vorsprung, zog während der Fahrt ihr Startblatt und steckte es in die Halterung hinter ihrer Duel Disk, da der Autopilot sie durch die Kurve geleiten würde. Zwar versuchte Claire Anya zu überholen, doch es war zu spät: Jene bog als Erste ein und hatte damit die Eröffnung sicher.
 

„Ich aktiviere eine Zauberkarte“, rief jene sofort und schob jene in den entsprechenden Slot, „[Absorb Fusion]! Damit erhalte ich sofort eine Gem-Knight-Karte aus dem Blatt. Außerdem dürfte ich danach sofort fusionieren, aber das würde die Materialien verbannen. Das will ich nicht, also soll [Gem-Knight Fusion] übernehmen!“

Bunte Edelsteine entstanden um Anyas Fahrzeug während ihrer Fahrt um die längliche, leicht nach aufwärts verlaufende Kurve, welche in den Deckschacht vor ihr schossen. Aus dem schob sich besagte Zauberkarte, die das Mädchen nahm und sofort in die Höhe hielt. „Ich aktiviere [Gem-Knight Fusion] …“

Hinter ihr holte Claire mit beachtlichem Tempo auf.

„… und verschmelze Gem-Knights von meiner Hand.“

Doch als Anya die Karte einlegte, erschien auf dem Display ihres D-Wheels der Schriftzug ERROR. Und das Mädchen schnappte: „W-was? Ah!“

Jetzt sah sie es. Ihre verhasste Widersacherin zog mühelos von der Innenseite der Strecke an ihr vorbei und verließ als Erste die Kurve. Und nur wer führte, durfte Zauberkarten aktivieren.

„Shit!“, schoss es aus dem Mädchen da heraus. So war das nicht geplant!

„Ist doch eine typische Strategie von ihr“, drang da plötzlich Logans Stimme zu ihr, „lässt ihren Gegner vor, um zu sehen was er vorhat, bevor sie ihm in die Parade fährt.“

Sofort schnauzte Anya zurück: „Hättest du mir das nicht früher sagen können!? Was soll ich jetzt machen!?“

„Haste dich nicht informiert? Denk selber nach.“

Anya zischte verstimmt. Die Strecke verlief nach oben, sie passierten gerade ein paar Wolkenkratzer zu ihrer Linken. Inzwischen führte Claire bereits um eine ganze Motorradlänge und der Abstand zu ihr vergrößerte sich zunehmend.

Was sollte sie jetzt ohne ihre wichtigste Zauberkarte tun? Das Mädchen im schwarzen Motorradanzug stöhnte. „Verdammter Kackmist! Ich setze ein Monster. Zug beendet!“

Zischend materialisierte sich die Karte links neben ihr und verschwand dann.

 

Stillschweigend zog Claire auf. Da sie momentan geradeaus fuhren, musste sie nur mit einer Hand lenken. Mit der anderen nahm sie eine Karte aus der seitlich neben ihr platzierten Halterung und legte sie auf die Duel Disk daneben.

„Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Tetherwolf].“

Ein weißblauer Helikopter erschien weit über ihr und folgte der jungen Frau, welche das Duell momentan anführte. Dabei besaß seine Vorderseite die unmissverständliche Form eines Wolfkopfes. Gleichzeitig besaß er zwei an langen Kabeln hängende Greifkrallen dort, wo sich sonst bei anderen Hubschraubern die Landevorrichtungen befanden.

„Wenn Tetherwolf normalbeschworen wird erzeugt er eine Projektion“, erklärte Claire, woraufhin neben ihrem Monster ein buntes, holografisches Abbild von jenem auftauchte.

 

Mecha Phantom Beast Tetherwolf [ATK/1700 DEF/1200 (4 → 7)]

Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

 

Wütend knirschte Anya mit den Zähnen, da ihr dieser Schrotthaufen nichts sagte. Ihre Gegnerin hatte ihn im Duell gegen Othello nicht eingesetzt. Vielleicht hätte sie sich auch über deren Karten informieren sollen und nicht nur über Riding Duels an sich.

„Tetherwolf greift das gesetzte Monster an“, verkündete Claire tonlos.

Mitten im Flug schwenkte der Heli herum und ließ seine Greifkrallen auf Anya los.

„Pah, dumm gelaufen!“, schnarrte die.

Direkt vor ihr tauchte schlagartig ein Ritter auf, in einer abwechselnd smaragdgrün und hellblau schimmernden Rüstung steckender. Mit sich führte er einen langen Metallstab, bestückt mit gleichfarbigen Edelsteinen, den er über den Kopf kreisen ließ und welcher ihn daraufhin in dichten Nebel tauchte.

„An der Verteidigung meines neuen [Gem-Knight Malachites] kommst du nicht vorbei!“

 

Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4)]

 

„Monstereffekt: Wenn Tetherwolf kämpft, kann ich eine Projektion deaktivieren, um seine Angriffskraft temporär um 800 zu erhöhen.“

Anya schnappte erschrocken: „Huh!?“

Schon löste sich das Hologramm neben Claires Helikopter auf.

 

Mecha Phantom Beast Tetherwolf [ATK/1700 → 2500 DEF/1200 (7 → 4)]

 

Dessen Greifarme schnappten sich daraufhin den im Nebel steckenden Malachite und rissen ihn brutal auseinander. Ein roter Blitz drang aus dem Dampf, ehe dieser sich auflöste.

„Shit“, fluchte Anya.

„Ich setze drei Karten. End Phase“, verkündete Claire und steckte nacheinander besagte Karten in die Slots rechts neben sich. Alle drei erschienen in vergrößerter Form auf ebenjener Seite, tarnten sich jedoch anschließend und wurden wie zuvor Anyas Monster unsichtbar.

 

Mecha Phantom Beast Tetherwolf [ATK/2500 → 1700 DEF/1200 (4)]

 

Wie im letzten Duell, schoss es Anya durch den Kopf. Wer wusste schon, was die blöde Kuh da alles an Fallen liegen hatte. Einer Sache war sich das Mädchen aber bewusst: Sie würde es herausfinden, ob sie wollte oder nicht.

„Ich werde nicht gegen dich verlieren“, knurrte sie.

Inzwischen hatte Claire ihre Führung ausgebaut, fuhr nun mindestens drei Motorradlängen von Anya entfernt. Sie bog bereits in die nächste Kurve ein, wohingegen Anya wie eine lahme Ente versuchte mitzuhalten. Verdammt, wieso war die bloß auf einmal so schnell!?

Als Anya einbog, wechselte sie auf den inneren Teil der Strecke, in der Hoffnung, ein bisschen Land wett zu machen. Solange sie hinten lag, war ihre [Gem-Knight Fusion] zur Nutzlosigkeit verdammt.

„Kch, shit!“, keuchte sie, nachdem sie aus der Kurve raus schoss, aber Claire immer noch genauso weit entfernt war wie bisher. Der verdammte Autopilot sorgte dafür, dass sie nicht die volle Geschwindigkeit aus Logans Maschine herausholen konnte! Am liebsten würde sie es ohne ihn versuchen, aber davor hatte er sie mehrmals gewarnt.
 

„So ein Kackmist! Draw!“, fluchte sie bei der Erkenntnis, Claire wohl so schnell nicht einholen zu können und riss ruckartig eine Karte von der Duel Disk vor ihr. Als sie die Falle erblickte, machte sich hinter ihrem Visier ein bösartiges Grinsen breit.

„Die setze ich gleich mal“, entschied sie, sodass die Karte zu ihrer Linken auftauchte und dann unsichtbar wurde. Danach nahm sie ein Monster aus ihrem Blatt in der Halterung und schmetterte es auf die Monsterkartenzone. „Mal sehen, wie dir der hier gefällt! Noch ein brandneuer Kumpel aus meinem Arsenal! [Gem-Knight Jasper]!“

Auf der gegenüberliegenden Seite materialisierte sich ein Ritter in einer schwarz-roten, massiven Rüstung, welcher eine lange Hellebarde mit sich führte. In der Brustpanzerung war ein einzelner, rot-orangener Edelstein eingelassen.

 

Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4)]

 

Ohne Probleme konnte der schwebende Krieger mit seiner Herrin mithalten. Die zeigte geradewegs auf den Wolfshubschrauber in der Luft. „Der ist reif für den Schrottplatz! Angriff!“

Eine entsprechende Reaktion von Claire folgte auf dem Fuße. Ohne sich umzudrehen streckte sie die Hand zur Seite aus, wo gleich zwei ihrer Fallen aufsprangen. „Fallenaktivierung: [Aerial Recharge] und [Cyber Summon Blaster]. Letztere fügt meinem Gegner für jede spezialbeschworene Maschine 300 Punkte Schaden zu. Mit [Aerial Recharge] kann ich pro Zug eine Projektion eines Mecha Phantom Beast-Monsters erschaffen. Vom Typ Maschine.“

Anya keuchte, als zunächst am Rahmen über dem Hinterrad von Claires D-Wheel ein trichterförmiges Geschütz aufsetzte. Zwar war es viel kleiner als die Version im Duell gegen Othello, doch leider genauso gefährlich. Denn als neben Tetherwolf ein buntes Hologramm seiner selbst auftauchte …

 

Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

 

… richtete sich die Kanone zielgenau auf Anya aus und feuerte eine blitzende Energieladung auf das Mädchen ab. Jene wich nach links aus und stieß ein erschrockenes Keuchen aus, als neben ihr der Asphalt vom Treffer zerbarst.

 

[Anya: 4000LP → 3700LP / Claire: 4000LP]

 

Für einen kurzen Moment kam Anyas Motorrad ins Stocken, fuhr in Schlangenlinien. Das Mädchen hatte ihre liebe Mühe, die Maschine wieder unter Kontrolle zu bringen.

Verdammt, fluchte sie dabei in sich hinein. Nicht nur, dass ihre Gegnerin von Anfang an mit harten Bandagen kämpfte, nein, solche Treffer verlangsamten sie auch noch! Der Abstand zu Claire wurde größer!

„Willst du mich umbringen, blöde Kuh!?“, fluchte Anya in ihrem Frust wütend, während die Strecke eine leichte Steigung nahm, die sie an diversen Bürogebäuden und Hotels vorbeiführte.

„Replay-Regel. Die Zahl meiner Monster hat sich verändert.“ Ging ihre Gegnerin jedoch nicht darauf ein. „Wähle ein Monster, das du angreifen willst.“

Dadurch wurde Anya sich ihrer Lage erst gewahr. Claire kontrollierte Tetherwolf und dessen Ebenbild. Das hieß, wenn sie jetzt das Original angriff, würde dieses nur sein Abbild opfern, um sich auf 2500 Angriffspunkte zu bringen. Genau wie letztes Mal!

Dann blieb ihr gar keine andere Wahl. „[Gem-Knight Jasper]! Nimm dir die Projektion vor!“

Mit atemberaubender Geschwindigkeit schoss jener an Anya vorbei. Dabei holte er mit der Hellebarde aus und ließ jene, kaum hatte er Claire und ihre Monster erreicht, durch das bunte Hologramm sausen, welches daraufhin auch verschwand.

„Zug beendet“, knurrte Anya missmutig, als Jasper an ihre Seite zurückkehrte.

„Zweiter Effekt von [Aerial Recharge]. Ich muss pro Zug ein Mecha Phantom Beast als Tribut anbieten oder aber diese Karte auf den Friedhof legen. Ich verzichte auf [Mecha Phantom Beast Tetherwolf].“

In bunten Funken löste sich der wölfische Helikopter auf. Was für Anya überraschender kam als es sollte. Sie erinnerte sich, dasselbe war ebenfalls im Duell gegen Othello geschehen. Vielleicht würde sich das noch als nützlich erweisen, wenn sie wirklich jeden Zug etwas opfern musste …

 

Wortlos zog Claire eine Karte auf. Übergangslos nahm sie eine andere aus der Halterung neben sich und legte sie auf die Duel Disk. „Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Harrliard].“

Über ihr tauchte aus dem Nichts ein Kampfjet auf, golden und anmutig, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sein Cockpit einem Löwenkopf nachempfunden war. Anya erkannte ihn wieder.

„Dieses Teil!“, knurrte sie ärgerlich.

 

Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4)]

 

„Effekt von [Aerial Recharge]. Sie erschafft eine Projektion meines Monsters.“ Besagte permanente Fallenkarte klappte wieder neben ihr auf. Aus ihrem Artwork schoss eine bunte, holografische Version von Harrliard, die sich hoch zu jenem gesellte.

 

Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4 → 7)]

 

Anya schnaufte nur wütend als der Kanonenaufsatz an Claires D-Wheel Energie aufzuladen begann. Sich auf den kommenden Treffer vorbereitend, begann Anya sich zunehmend nach links zu lehnen.

„Eine Maschine wurde spezialbeschworen, also fügt [Cyber Summon Blaster] 300 Punkte Schaden zu“, drang Claires Stimme aus den Kopfhörern in Anyas Helm.

„Denk dir was Neues aus“, brummte die, als der Schuss kam. Statt ihm einfach nur auszuweichen, duckte sie sich regelrecht in ihrer nach links geneigten Haltung hinweg. „Nochmal wirst du mich nicht damit verlangsamen, blöde Kuh!“

 

[Anya: 3700LP → 3400LP / Claire: 4000LP]

 

„Ich greife mit [Mecha Phantom Beast Harrliard] [Gem-Knight Jasper] an.“

Der Jet über Claire setzte zu einer langsamen Kehrtwende über Kopf an und schoss noch mitten in der Bewegung mehrere Raketen aus den krallenartigen Triebwerken an seinen Tragflächen.

Sie auf sich und ihren Ritter zukommen sehend, stockte Anya innerlich. Ein Doppelkill!? War die jetzt völlig bescheuert? Wobei …

„Pah, denkste! Falle aktivieren!“ Nicht mit ihr, sagte sich die Blonde und ließ ihre eigene gesetzte Karte neben sich aufspringen. „Wenn du denkst, meine Fusionen versiegeln zu können, täuscht du dich gewaltig! [Pyroxene Fusion]! Damit kann ich eine Gem-Knight-Fusion durchfü-“

„Konterfalle: [Do A Barrel Roll]. Ich opfere sämtliche Projektionen, um eine Kartenaktivierung zu vereiteln.“

„Huh!?“ Anya weitete die Augen während Claire in die nächste Kurve einbog. Das bunte Hologramm über ihr verschwand und die Raketen schlugen rings herum um Anya ein. Ihre Falle zersprang und [Gem-Knight Jasper] ebenso, jedoch nicht, ohne eine rötliche Explosion dabei auszulösen.

„Das gibt’s doch nicht! Aber unsere Monster waren gleichstark, also …“

Hinter Anya, die nun ebenfalls einbog, schoss aus der zurück gebliebenen Rauchwolke die gewaltige Hellebarde ihres Ritters. Ihr Ziel: der in der Luft verharrende Löwen-Kampfjet.

„… bist du deins auch lo-“

„Effekt meines Monsters. Wird eine Projektion aufgelöst, erschafft er einmal pro Zug eine neue.“

So schnell wie das bunte Hologramm Harrliards verschwunden war, tauchte an seiner Stelle augenblicklich ein neues auf.

 

Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

 

Und Claires Kanone setzte sich wieder in Gang. Doch statt Anya anzuvisieren, schoss sie diesmal die fliegende Waffe ab.

 

[Anya: 3400LP → 3100LP / Claire: 4000LP]

 

„D-das gibt’s nicht“, stammelte die Jüngere fassungslos. „Aber wie-!?“

„Jedes Mecha Phantom Beast ist unzerstörbar, solange Projektionen auf dem Spielfeld existieren.“ Und zum ersten Mal sagte Claire etwas, das nicht zum absolut Nötigsten gehörte. „Dieser Angriff hätte mich nie mein Monster kosten können.“

Anya zuckte innerlich zusammen. Mit welcher Eiseskälte sie das ausgesprochen hatte, als hätte nie ein Zweifel daran bestanden. Frustriert blickte das Mädchen auf ihre Handkarten. So ein Kackmist, wie sollte sie jetzt fusionieren!? Ihre Zauber waren nutzlos, ihre Ersatz-Falle ausgehebelt – was blieb ihr da noch!?

„Ich setze eine Karte. End Phase“, drang die nun wieder mechanisch klingende Stimme Claires an ihr Ohr. Parallel dazu verschwand gerade neben deren D-Wheel wieder eine verdeckte Karte. Gleichzeitig löste sich Harrliards buntes Ebenbild auf, da Claire es scheinbar als Tribut anbot, um [Aerial Recharge] nicht aufgeben zu müssen.

 

Sie musste aufholen, dachte Anya panisch. Irgendwie! Ansonsten würde sie dieses Duell verlieren, denn auch wenn jenes noch nicht lange lief, wurde eines bereits jetzt deutlich. Claire Rosenburg schien jeden ihrer Tricks mühelos kontern zu können …

 

 

Turn 79 – Absolute Configuration

Durch Claires Führung ist es Anya unmöglich eine Fusionsbeschwörung durchzuführen, wodurch sie sich einmal mehr auf [Angel Wing Dragons] Stärke verlassen muss. Zur selben Zeit suchen Nick und Alexandra den versiegelten Dämonen Joel auf, welcher sich nicht nur als äußerst undurchsichtig, sondern auch gut informiert erweist …



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  fubukiuchiha
2017-11-16T18:09:06+00:00 16.11.2017 19:09
Hi
Super Kapitel, da hat Anya ja etwas gefunden was ihr fast so viel spaß macht wie Leute quälen: D-Wheel fahren. Scheint ja gut zu klappen, aber leider wird das für Claire nicht reichen und die hat ja bereits die Zügel in der Hand, bin gespant wie Anya sich da rauswinden will.
Matt und Lee werden nicht grün miteinander, aber wenigstens war der Möchtegern-Dämonenjäger doch mal zu etwas zu gebrauchen.
Nick hat auch so seine Probleme mit seinem Chef und hoffentlich tut er jetzt nichts blödes... obwohl es ist Nick, also ist etwas blödes ja schon vorprogrammiert.
Bin echt gespannt wie das weiter geht.
Lg fubukiuchiha


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