Zum Inhalt der Seite
  • NETZWERK

Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Turn 41 - A Formidable Opponent

Turn 41 – A Formidable Opponent

 

 

Kyon nahm seine Sonnenbrille ab, um sie mit einem Tuch aus der Brusttasche seines Butleranzuges zu putzen. Das Spektakel dort unten interessierte ihn an und für sich nur mäßig, aber es war sein Auftrag, Anya Bauer im Auge zu behalten. So wollte der Sammler es.

Aber nicht nur deswegen saß er jetzt hier auf dem Ast eines knorrigen alten Baumes oberhalb der Höhle und wohnte unbemerkt dem Duell zwischen Anya Bauer und ihrem Gegner bei. Nein, er wollte Letzteren mit eigenen Augen sehen. Zanthe …

 

Dessen Feld war gefüllt mit zwei mächtigen Monstern. Dem schwarzgeflügelten, gold-weißen Sternendrachen [Constellar Ptolemy M7], welcher von einer Lichtsphäre umkreist wurde. Und natürlich das erhabene Synchromonster [Angel Wing Dragon], eine weiße, schlangenartige Kreatur, um deren Körpermitte ein goldener Ring mit vier Schwingen schwebte.

 

Constellar Ptolemy M7 [ATK/3900 DEF/2000 {6} OLU: 1]

Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

 

Aber nicht nur Monster füllten Zanthes Feld aus. Allein drei Slots seiner Backrow wurden durch Zauber gefüllt, namentlich [Constellar Star Chart], [Constellar Belt] und [Xyz Unit], wobei Letztere eine Ausrüstung für Messier 7 darstellte, die dessen Angriffskraft erhöhte und ein zusätzliches Xyz-Material simulierte. Wegen [Constellar Belt], der sich als dunstartiger Schimmer um Zanthe und seine Monster bemerkbar machte, konnte Anya die Effekte seiner Licht-Monster auch nicht annullieren. Mehr noch, besaß Zanthe zu guter Letzt noch eine verdeckte Falle und eine Handkarte.

Seine Gegnerin wiederum kontrollierte den roten Rubinritter mit einer Lanze und blauem Umhang, [Gem-Knight Ruby], und den goldenen, Blitzklingen schwingenden Topazritter, [Gem-Knight Topaz]. Mehr hatte sie nicht zu bieten, weder auf dem Feld, noch auf der Hand.

 

Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

Gem-Knight Topaz [ATK/1800 DEF/1800 (6)]

 

Anya schnaubte und blickte auf ihre Duel Disk. Das Mondlicht und das Licht der Hologramme sorgten dafür, dass sie einigermaßen gut sehen konnte. Dieser elende Wald, mehr noch, die Gesamtsituation ging ihr ziemlich auf die Nerven. Sie wollte nach Hause und einfach nur ausspannen, aber nein, sie musste ja unbedingt ein paar Duel Monsters-Karten hinterher jagen!

Gerade so hatte sie den Angriff des Werwolfs abwehren können. Wäre er durchgekommen, sähe es jetzt ganz düster für sie aus. Das Letzte, was sie wollte, war als Mitternachtssnack für diesen Idioten zu verkommen!

Mit angezogenen Brauen sah sie auf und griff nach ihrem Deck. „Mein Zug, du Torfnase! Fang schon mal an um Gnade zu winseln! Draw!“

Voller Eifer riss sie die Karte von ihrem Deck und identifizierte sie noch während der ausholenden Bewegung als Falle. Schlecht, aber es hätte sie schlimmer treffen können, sagte sie sich.

„Du denkst, du hast die besseren Monster, ja?“, raunte sie anschließend und nickte ihm hochnäsig zu. „Guck mal auf deinen Duellhandschuh oder was auch immer das Ding sein soll!“

Aber der Kopftuchträger tat nichts dergleichen. „Soll mir das Angst machen?“

„Ja! Denn du wirst merken, wie wenig Spielraum du noch hast!“

 

[Anya: 1500LP / Zanthe: 400LP]

 

„Ich mach mir da ehrlich gesagt keine Sorgen.“

„Solltest du aber“, giftete sie und streckte den Arm aus, „denn scheinbar hast du Rubys Effekt schon vergessen! Ich kann einen Gem-Knight opfern, um seine Angriffskraft temporär um die seines Kameraden zu erhöhen! Los!“

In leuchtenden Funken löste sich Topaz anschließend auf und wurde von Rubys Lanze absorbiert.

 

Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 4300 DEF/1300 (6)]

 

Das waren genug Punkte, um ihn unangespitzt in den Boden zu rammen, dachte Anya zufrieden. Egal welches seiner Monster sie angriff. Genau das war allerdings auch ihr Problem.

Sie kannte von keinem der beiden den Effekt. Und da war noch die verdeckte Karte. Aber was sollte sie sonst tun, ihr blieb nur ein offensives Vorgehen!

Einerseits wäre es am logischsten, [Angel Wing Dragon] anzugreifen, denn sollte Zanthe seine Monster stärken wollen, wäre bei dem Drachen die Chance größer, dass es nicht ausreichte. Außerdem war jener kein Constellar, konnte also nicht auf volle Unterstützung von Zanthes Decktyp hoffen. Andererseits … wäre das genau das, was man von ihr in dieser Situation erwarten würde.

Außerdem war der andere Drache, [Constellar Ptolemy M7] wesentlich gefährlicher, weil er stärker war. Der durfte nicht frei herumlaufen, sollte der Werwolf nur etwas liegen haben, was Schaden annulliert.

Verdammt, so viele Möglichkeiten …!

„Ne Idee, was ich tun soll, Levrier?“, murmelte sie leise.

 

Die Chancen stehen bei 100%, dass du scheitern wirst, egal welches Monster du angreifst. Also tu das, was du am besten kannst. Sei Anya Bauer, wie sie leibt und lebt.

 

„Sehr hilfreich“, kommentierte sie die Stimme aus dem Off ärgerlich, hatte den Wink aber verstanden, „mit dem Kopf durch die Wand, huh? Also Messier 7! Okay, Ruby, greif diesen kack Glitzerdrachen an, den ertrage ich ohnehin keine Sekunde länger! Sparkling Lance Thrust!“

Ohne Verzögerung schoss ihr Krieger wie ein Pfeil auf den halbmechanischen Drachen zu und richtete seine Lanze auf ihn.

„Heh, gar nicht so dumm für deine Verhältnisse“, grinste Zanthe, schwang daraufhin den Arm aus. „Angel Wing!“

„Huh!?“

Der schlangenhafte Drache schrie grell auf und bewegte sich in einer gleitenden Bewegung einfach vor Messier 7, bekam Rubys Lanze direkt durch den Kopf gejagt und explodierte. Es passierte so schnell, dass Anya glatt die Worte fehlten.

 

[Anya: 1500LP / Zanthe: 400LP]

 

„Ja ja“, kam Zanthe ihr mit langgezogenem Tonfall zuvor, „du hast doch Messier 7 angegriffen, wieso wurde Angel Wing getroffen, bla bla bla bla.“

 

Seid ihr zufällig verwand? Ich könnte schwören, dass mir seine respektlose Art bekannt vorkommt.

 

„Schnauze, Levrier!“, fauchte Anya wütend und zeigte ungeniert mit dem Finger auf Zanthe. „Und mir ist schon klar, dass dein bekloppter Drache sich einfach vorgedrängelt hat, Flohzirkus! Wieso stehst du noch!?“

„Angel Wing negiert jeden Schaden, den ich erleide, wenn er im Kampf involviert ist. Das ist seine Art, mich vor allen Gefahren zu beschützen.“ Zanthes Blick verfinsterte sich. „Er ist die perfekte Verteidigung, wie du noch merken wirst.“

 

Jetzt haben wir ein Problem, Anya Bauer.

 

„Tch, ich dachte, du hast das kommen sehen? Dann wirst du bestimmt wissen, wie ich zu kontern gedenke!“, fauchte das Mädchen aufgebracht und rammte ihre Falle in die Battle City-Duel Disk. „Die hier gesetzt! Ich beende meinen Zug!“

 

Gem-Knight Ruby [ATK/4300 → 2500 DEF/1300 (6)]
 

Noch während sich die Karte vor ihren Füßen materialisierte, tauchte noch etwas anderes auf dem Feld auf – der goldene, beflügelte Ring des eben erst erlegten Drachen! Zanthe griff nach seinem Friedhof und zeigte [Constellar Pollux] und [Constellar Kaus] vor.

„Während der End Phase, in der Angel Wing getötet wurde, kann ich zwei Stufe 4-Monster von meinem Friedhof verbannen“, erklärte er und streckte den Arm in die Höhe, „um Angel Wing wiederauferstehen zu lassen! Komm zurück!“

Vor Schreck klappte Anya die Kinnlade hinunter. Der Ring über Zanthe begann sich im Uhrzeigersinn zu drehen, wobei sich gleichzeitig eine hellblaue, wässrige Oberfläche in seinem Inneren ausbreitete. Zu beiden Seiten kamen Kopf und Schwanzspitze des Drachen daraus hervor geschoben, bis der vollständige Drache dem Dimensionsspalt entsprungen war.

 

Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

 

„Oh fuck!“, fluchte Anya beim Anblick der schlangengleichen Kreatur. „Was ist das für ein Mistvieh!?“

„Wie ich sagte, Angel Wing ist die perfekte Verteidigung! An ihm wirst du dir die Zähne ausbeißen, Mädchen!“, rief Zanthe aufgebracht und griff nach seinem Deck. „Sofern du überhaupt noch dazu kommen wirst! Mein Zug, Draw!“

Schwungvoll riss er die nächste Karte von seinem Duellhandschuh und besah sie für einen Moment erstaunt, ehe er seinen Blick wieder auf Anya richtete. Dann zog er [Constellar Hyades] unter Messier 7 hervor und erklärte dabei: „Da nun eine Runde verstrichen ist, kann [Constellar Ptolemy M7] seinen Effekt aktivieren. Mit diesem ist es mir erlaubt, ein Monster vom Feld oder dem Friedhof auf die Hand des jeweiligen Besitzers zurückzugeben.“

Anya erschrak. Auf den ersten Blick hörte sich das zwar nicht nach viel an, ermöglichte aber tatsächlich diverse Optionen.

„Meine Wahl fällt auf [Gem-Knight Ruby], welcher damit in dein Extradeck geschickt wird! Los Messier 7, Return Of The Star!“

Der mechanische Drache schnappte nach der Lichtsphäre, die um ihn kreiste, und verschlang sie mit einem Happen. Anschließend stieß er eine Mischung aus Heulen und seltsamen Singsang aus, bei dem Anya alarmiert die Taste zur Aktivierung ihrer Falle betätigte.

„Vergiss es!“, rief sie dabei angespannt. „Falle: [Gem-Enhancement]! Mit ihr opfere ich einen Gem-Knight und beschwöre stattdessen einen anderen von meinem Friedhof!“

Gerade als unter ihrem Ruby ein goldener Runenzirkel erschien, begann er von sich aus in alle Richtungen Lichtstrahlen auszusenden und löste sich langsam auf. Anya nahm ihn von der Duel Disk und ersetzte ihn mit dem gewählten Gem-Knight von ihrem Friedhof.

„Kehre zurück, [Gem-Knight Aquamarine]“, rief sie dabei, „in Verteidigung! Da das alte Ziel nicht mehr vorhanden ist, verpufft Messier 7s Effekt!“

Der goldene Lichtkreis verschwand zusammen mit Ruby. Stattdessen kniete vor Anya nun ein blauer Ritter, ausgerüstet mit einem Rundschild, aus dem eine breite, kurze Klinge herausragte.

 

Gem-Knight Aquamarine [ATK/1400 DEF/2600 (6)]

 

Zanthe begann zu grinsen. „Ah verstehe. Das hast du also vor. Gar nicht mal so übel.“

Nebenbei nahm er ein Monster aus seinem Blatt und legte es in die dazugehörige Klinge des Apparates ein. Sofort schnappte er nach dem kleinen Schlüssel, der vor ihm erschien.

„Open the door to the crab! Zeig dich, [Constellar Acubens]!“

Er schwang den Arm neben sich aus. Dort, wo die Schlüsselspitze mündete, entstand ein weißes Siegel mit vielen verschiedenen Symbolen auf drei ringartigen Ebenen verteilt. Aus jenem Portal brach, als Zanthe den Arm wieder zurück riss, ein kräftig gebauter Krieger, dessen Waffenarsenal aus zwei orange leuchtenden Zangenarmen bestand.

„Acubens verstärkt bei seiner Beschwörung alle Constellar um genau 500 Angriffspunkte!“

Sowohl er, als auch der Drache Messier 7 begannen in weißer Aura zu erstrahlen.

 

Constellar Acubens [ATK/800 → 1300 DEF/2000 (4)]

Constellar Ptolemy M7 [ATK/3900 → 4400 DEF/2000 {6} OLU: 0]

 

Anya schluckte beim Gedanken daran, was so ein Angriff von Zanthes Assmonster anrichten könnte. Dennoch würde sie nicht den Schwanz einziehen!

Seinerseits war ihr Gegner am Überlegen. Glücklicherweise kannte er den Effekt von [Gem-Knight Aquamarine] bereits von Anyas vorletztem Zug. Wenn er den Ritter zerstörte, würde dieser eines seiner Monster zurück aufs Blatt geben. Das hieß im Klartext, dass entweder Angel Wing oder Messier 7 ins Extradeck wandern musste. Allerdings war Anya dazu gezwungen, bei einem Angriff der beiden das jeweils andere Monster als Ziel zu bestimmen, da sie andernfalls durch die direkte Attacke des nicht betroffenen verlieren würde. Was im Klartext bedeutete: er konnte entscheiden, ob er Angel Wing oder Messier 7 behalten wollte.

Nachdenklich sah er auf seinen Duellhandschuh. „Perfekter Angriff oder perfekte Verteidigung?“

Nein, eigentlich wusste er bereits genau, was ihm wichtiger war. So streckte er den Arm weit aus und rief: „Los, [Angel Wing Dragon], greif [Gem-Knight Aquamarine] an! Seraphim Judgment!“

Der schlangengleiche Drache, um dessen Körpermitte der goldene Ring mit den Engelsflügeln kreiste, öffnete sein Maul und feuerte einen strahlend weißen Lichtstrahl auf Anyas Krieger ab, wobei eine goldene Flamme sich um den Angriff schlängelte.

„Da kommt er!“, murmelte Anya und wandte sich ab, die Arme schützend über den Kopf gelegt.

Unter einer heftigen Explosion wurde ihr Ritter zerfetzt, sengender Wind schlug dem Mädchen entgegen. Durch einen Spalt zwischen den Armen lugte sie zu Zanthe und rief: „Effekt von Aquamarine! Er schickt bei seinem Tod eines deiner Monster auf die Hand zurück, nämlich [Constellar Ptolemy M7]! Also in dem Fall ins Extradeck! Damit hast du dein stärkstes Monster verloren!“

Zanthe zuckte nur unbedarft mit den Schultern, als unter dem Mechadrachen eine Fontäne empor schoss und ihn mit sich riss. „Messier 7 zurück zu beschwören ist leichter als du denkst.“

„Tch!“

Den Arm anhebend, zeigte der schwarzhaarige Werwolf schließlich auf seine Gegnerin. „Aber erstmal kannst du dir jetzt etwas Quality Time mit [Constellar Acubens] gönnen. Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte!“

Der Krieger im Zeichen der Krebses stürmte nach vorn und schnappte mit seinen Zangenhänden nach Anya, die erst zurückwich, dann aber doch erwischt und mit spielender Leichtigkeit in die Höhe gerissen wurde.

„Argh, lass mich runter!“, stöhnte sie dabei unter dem Druck, der auf ihre Oberarme und den Torso ausgeübt wurde. Natürlich dabei wild strampelnd.

 

[Anya: 1500LP → 200LP / Zanthe: 400LP]

 

Seine letzte Handkarte ansehend, seufzte Zanthe kopfschüttelnd. „Und die wollte sich ernsthaft mit mir anlegen? Was für'n Witz. Zug beendet.“

Damit ließ Acubens seine Gefangene unsanft auf den Boden plumpsen und kehrte zu seinem Besitzer zurück.

 

Anya rieb sich den rechten Oberarm, der von dem Klammergriff ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden war. Sie befand sich jetzt in der wunderbaren Situation, keinerlei Karten auf Hand oder Feld zu besitzen. Also gab es nur noch eine Möglichkeit, das Duell nicht zu verlieren. Aber sollte sie das tun? Ihren Vorsatz mal wieder brechen? Andererseits, wenn sie es nicht tat, würde sie der Welt womöglich nie beweisen können, dass sie diesen überhaupt einzuhalten vermochte.

„Keine Wahl“, stöhnte sie, „Levrier, tu, was du tun musst!“

 

Stets zu Diensten. Wenn ich dabei sterbe, weil mir die Energie ausgegangen ist, möchte ich-

 

„Schnauze! Mach gefälligst das, was man dir sagt, sonst stirbst du wirklich!“, fauchte Anya. Ihr war jetzt nicht danach, mit ihm herumzualbern.

Unter Zanthes interessiertem Blick legte das Mädchen ihre Finger an die oberste Karte ihres Decks und schloss die Augen. Ihre Hand begann weiß zu leuchten.

Sie sah es. Das Labyrinth aus endlos vielen Pfaden. Aber keiner davon war der, den sie gehen wollte. Ihr Verstand zeichnete einen neuen Pfad, immer dem Licht entgegen, das am Ende des Wirrwarrs wartete. Dann zog sie schwungvoll und unter lautem Ausruf. „Draw!“

Die Karte, die sie gezogen hatte, leuchtete weiß auf. Als Anya sie schließlich ansah, grinste sie dreckig. „Gute Arbeit, Levrier! Das ist genau das, was ich gebraucht habe!“

 

Sonne, Mond und Sterne, die Karte tanzt um meine Laterne …

 

Was auch immer das zu bedeuten hatte!

Anya wirbelte den Zauber mehrmals zwischen den Fingern, ehe sie ihn stolz präsentierte. „Ich aktiviere [Gem-Trade]! Da [Gem-Knight Fusion] auf meinem Friedhof liegt, darf ich ein Gem-Knight-Fusionsmonster von meinem Friedhof verbannen, um für jeden dritten seiner Stufensterne eine Karte zu ziehen!“

Mit tolldreistem Grinsen auf den Backen schob sie [Gem-Knight Topaz] in ihre Hosentasche, wodurch sie anschließend zwei Karten ziehen konnte. Und obwohl jene diesmal auf legale Weise in ihr Blatt gefunden hatten, fühlte Anya sich, als wäre sie immer noch im 'Cheater-Modus'. Nicht, dass sie daran etwas auszusetzen hatte!

„Zauberkarte! [Pot Of Avarice]! Ich schick fünf Monster von meinem Friedhof ins Deck und ziehe nochmal zwei Karten!“

Prompt legte sie [Kachi Kochi Dragon], [Gem-Knight Ruby] und [Gem-Knight Aquamarine] zurück ins Extradeck. Danach noch [Gem-Turtle] und [Gem-Armadillo] aufs Deck, welches sich automatisch durchmischte, ehe Anya zweimal nachzog und nun drei Karten auf der Hand hielt.

Perfekt, wenn man bedachte, dass sie mit wortwörtlich nichts in die Runde gestartet war! Und gleich würde es noch eine Karte mehr werden, jaha!

„Effekt von [Gem-Knight Fusion] auf meinem Friedhof! Ich verbanne [Gem-Knight Garnet] von meinem Ablagestapel und erhalte meinen Zauber von ebendort zurück!“ Kaum war die in ihrem Blatt gelandet, zückte Anya schon eine andere Zauberkarte. „[Gem-Refinement]! Damit beschwöre ich einen Gem-Knight von meinem Deck, aber nur, wenn ich [Gem-Knight Fusion] vorzeigen kann!“

Vor dem Mädchen materialisierte sich ein stolzer Ritter in türkisblauer Rüstung, der einen Bogen spannte und damit auf Zanthe zielte. „Darf ich vorstellen? [Gem-Knight Turquoise]!“
 

Gem-Knight Turquoise [ATK/1400 DEF/2000 (4)]

 

„Da ich noch keine Normalbeschwörung durchgeführt habe, rufe ich jetzt [Gem-Knight Alexandrite] von meiner Hand aufs Feld!“

Neben Turquoise erschien ein weiterer Ritter, diesmal in Weiß. An seinem ganzen Körper waren verschiedenfarbige Juwelen angebracht, die im Mondlicht nur so funkelten.

 

Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

 

„Effekt von Turquiose aktivieren!“, rief Anya unerbittlich weiter und schwang ihren Arm aus. „Indem ich [Gem-Knight Fusion] abwerfe, kann ich einmal pro Zug einen verbannten Gem-Knight beschwören. Komm zurück, Garnet!“

Daraufhin feuerte Turquoise von seinem Bogen einen Pfeil direkt über sich in die Luft ab, der zwischen ihm und Alexandrite landete. Dort öffnete sich ein leuchtender Riss, aus dem Garnet entstiegen kam.

 

Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

 

„Jetzt der Effekt von Alexandrite!“

Anya fühlte sich, als wäre sie in einem Rausch gefangen. Sie hatte vor, diesem Kerl eine deftige Lektion zu erteilen! Der würde schön die Glotzer aufsperren, wenn er erst sah, was sie vorhatte.

„Ich kann ihn opfern, um einen normalen Gem-Knight vom Deck zu beschwören! Erscheine, [Gem-Knight Crystal]!“

In buntem Licht löste sich der Krieger auf und machte einem anderen, weißen Ritter Platz. Dieser stemmte stolz die Hände in die Hüften, wobei die Kristalle an seinen Schulterplatten zu leuchten begannen.

 

Gem-Knight Crytsal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

 

„Und zuletzt“, schrie Anya förmlich und streckte den Arm aus, „erschaffe ich das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster! Lass es krachen, Levrier!“

Ihre beiden Ritter verwandelten sich in braune Lichtstrahlen, die umeinander wirbelten und in einem schwarzen Loch verschwanden, das sich vor Anya auftat. Daraus hervor kam der einzig Wahre.

„[Gem-Knight Pearl]!“

 

Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

 

Umgeben von seinen sieben riesigen Perlen sowie den beiden Xyz-Materialien, schwebte der schlichte, weiße Ritter herüber zu Anya, die nun zwei starke Monster kontrollierte.

 

mir ist immer noch schwindelig von eben.

 

„Reiß dich zusammen!“, motzte Anya ihn ohne Umschweife an. „Schau dir lieber seine Monster an!“

Zanthe, der es nicht für nötig gehalten hatte, Anya in ihrem Eifer zu unterbrechen, kontrollierte neben seinem schlangenhaften Drachen noch den Krebskrieger Acubens.
 

Verstehe. So viel taktisches Geschick hätte ich dir gar nicht zugetraut.

 

„Was soll'n das heißen, huh!?“ Anya stieß ein wütendes Grummeln aus. „Ach, was auch immer! Ich werde jetzt erstmal gewinnen! Mach dich bereit, Trantüte!“

Pearl streckte seine Hand aus. Die Perlen um ihn herum begannen wie aufgescheuchte Hühner durch die Luft zu schwirren.

„Angriff auf [Constellar Acubens]!“, befahl das Mädchen aus voller Kehle. „Sacred Spheres of Purity!“

Wie Kanonenkugeln schossen die Schmucksteine auf den Krieger im Zeichen des Krebses zu.

Zanthe grinste verschmitzt. „Ach komm schon, du kannst doch nicht wirklich an Alzheimer leiden, oder? Angel Wing, blockiere den Angriff, indem du dich zum Ziel machst! Konterangriff, Seraphim Judgment!“

Unmittelbar danach teleportierte sich [Angel Wing Dragon] direkt vor Acubens und feuerte einen weißen Lichtstrahl in Pearls Richtung ab, um den eine kleinere, goldene Flamme rotierte.

„Als ob mich das juckt! Effekt von [Gem-Knight Turquoise]! Wenn ich ihn und einen anderen Gem-Knight als Xyz-Material abhänge, verdoppelt er die Angriffskraft von Pearl! Los, volle Power!“

Eine cyanfarbene Aura begann sogleich um ihren Partner zu glühen.

„Nicht im Ernst!?“, erschrak Zanthe.

 

Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 5200 DEF/1900 {4} OLU: 2 → 0]

 

Levrier streckte die Brust nach vorn. Aus ihr heraus ragte ein mit Türkisen besetzter Pfeil, der die Lichtsphären absorbierte, welche um seinen Wirt kreisten. Dann schoss er aus Pearls Körper heraus und teilte in seinem Flug Angel Wings Gegenangriff, der rechts und links neben Anya einschlug und heftige Explosionen verursachte. Der Pfeil traf den Schlangendrachen direkt ins Maul, woraufhin auch dieser effektvoll verendete.

Die dadurch entstandene Druckwelle warf Zanthe ein Stück zurück, welcher sich mit erhobenem Ellbogen dagegen wehrte. Dabei rief er unter dem Getöse: „Kämpfe mit Angel Wing fügen mir trotzdem keinen Schaden zu!“

„Aber Kämpfe mit [Constellar Acubens]! [Gem-Knight Crystal], ich will endlich gewinnen! Clear Punishment!“

Der weiße Ritter rammte seine Faust in den Boden, woraufhin dieser aufplatzte wie eine zu lange gebratene Wurst. Spitze Kristalldornen schnellten überall aus dem Spalt hervor, welcher sich seinen Weg zu Acubens bahnte.

„Wer hätte das gedacht, du bist ja lernfähig“, staunte Zanthe über Anya. Gleichzeitig schob er seine letzte Handkarte in den Schlitz an seinem Duellhandschuh, welcher für den Friedhof stand, „aber das reicht nicht! Effekt von [Constellar Alrakis] aktivieren! Ich werfe ihn ab, um die Position eines Constellars zu ändern! Ab in die Verteidigung, Acubens!“

Ein leuchtender, blauer Stern begann über seinem Krieger zu strahlen. Dieser ging in die Knie.

 

Constellar Acubens [ATK/1300 DEF/2000 (4)]

 

Kaum hatte er dies jedoch getan, wurde er schon von der zerstörerischen Schneise erreicht, aus der die Kristallspitzen schossen. Diese spießten ihn erbarmungslos auf, sodass er in tausend Teile zersprang.

„Nicht wahr!“, zeterte Anya ungläubig. „Das gibt’s nicht, mein Plan war doch so gut!“

„Aber eben nur gut!“, erwiderte Zanthe und schwang den Arm aus. „Denk nicht, dass ich dich dafür ungeschoren davonkommen lasse! Fallenkarte aktivieren, [Constellar Meteor]!“

Die Karte sprang vor ihm auf. Eine flammende, rote Kugel entstand über der Stelle, an der Acubens sein Ende gefunden hatte und wuchs dabei bedrohlich an. Tatsächlich war es, als sah man in ihr Acubens durchsichtige Silhouette.

„Wenn in diesem Zug deine Monster gegen Constellare kämpfen, werden sie postwendend ins Deck geschickt, sollten sie es wagen zu überleben! Also verabschiede dich von [Gem-Knight Crystal]!“

Unter lautem Zischen flog die Flammensphäre auf Anyas weißen Krieger zu, der sich bei Kontakt schreiend auflöste.

„Oh shit!“

„Du kannst noch so viel schummeln, so leicht gebe ich nicht klein bei!“, kommentierte Zanthe den Zug selbstbewusst. „Da reicht es auch nicht, einmal im Jahrhundert einen glücklichen Zug hinzulegen!“

 

Wenn der nur wüsste, dachte Anya grimmig. Für was hielt der sie, irgendso'ne Aushilfsamöbe von der Klasse eines Pre-Beichte-Nicks!?

Man wurde nicht Livingtons gefürchtetste Einwohnerin, indem man einfach nur die Fäuste sprechen ließ. Klar, damit hatte man auch Chancen, zum Bully des Jahres gewählt zu werden. Aber wahren Schrecken verursachten nur diejenigen, die neben ihrer Kraft auch ein Mindestmaß an bösartiger Intelligenz und Kreativität besaßen. Und wenn Anya eines ihr Eigen nannte, dann das!

 

Demnach relativierte sie selbstverliebt, mit bis zum Himmel reichender Nase: „Ach, so schlimm ist das auch wieder nicht. Umso mehr werde ich es genießen können, dich Stück für Stück zu zerpflücken. Zapple ruhig noch ein wenig, das machen manche Tiere auch, selbst wenn ihnen schon der Kopf abgeschlagen wurde. Damit dürftest du dich doch am besten auskennen.“

Damit nahm sie ihre letzte Handkarte und schob sie in ihre Duel Disk. „Die hier verdeckt! Zug beendet!“

Zischend materialisierte sich die Karte vor ihren Füßen. Damit erlosch die hellblaue Aura um Levrier, der sich geradezu schützend vor Anya positionierte.

 

Gem-Knight Pearl [ATK/5200 → 2600 DEF/1900 {4} OLU: 0]

 

Hohes Gekreische drang von Zanthes Spielfeldseite. Über ihm erschien der goldene, geflügelte Ring, aus dem der schlangenhafte Drache geschossen kam.

„Ich verbanne die beiden Stufe 4-Monster Acubens und Alrakis, um Angel Wing durch seinen Effekt zu reanimieren!“, rief der junge Mann bestimmend, doch klang seine Stimme überraschend belegt.

Wie eine lauernde Kobra bäumte der weiße Drache sich auf, sah er dank des goldenen Gestells um seinen Kragen einer solchen sogar recht ähnlich.

 

Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

 

Anya quittierte das mit einem abfälligen „Hmpf!“.

Daraufhin griff Zanthe nach seinem Handschuh und zog ruckartig. Auf seiner Stirn hatten sich tiefe Zornesfalten gebildet, von der anfänglichen Lockerheit war mit einem Male nichts mehr zu spüren. Er funkelte Anya an, die ihrerseits nicht weniger feindselig zurück starrte.

„Du denkst wohl, mir macht es Spaß, mich von Wild zu ernähren?“, fragte er verbittert. „Schon mal darüber nachgedacht, dass nicht alle so ein einfaches Leben haben wie du?“

„Nein“, erwiderte sie kalt. „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“

„Dachte ich mir. Bestimmt bist du nicht von deinem Rudel ausgestoßen worden, nur weil du anders warst als sie! Nachdem sie dich erst zu dem gemacht haben, was du bist.“

„Und wie bist du zu dem geworden, was du jetzt bist?“ Anya verschränkte abwartend die Arme, blickte dabei bewusst zur Seite. „Nicht, dass es mich interessieren würde. Aber offenbar bist du auch nicht gerade beliebt unter deinesgleichen. Genau wie ich. Der Unterschied zwischen uns ist nur, dass es mir so gar nichts ausmacht!“

Zanthe schloss die Augen. „Was spielt es für eine Rolle, darauf jetzt zu antworten? Du willst es nicht hören … und ich möchte auch nicht darüber nachdenken. Die Dinge sind ohnehin nicht mehr zu ändern.“

Ruckartig öffnete er seine Augen. „Jetzt ist nur wichtig, dass wir diesen Kampf beenden! Mach dich bereit …“

Er drehte die Karte zwischen seinen Fingern um, um sie anzusehen. Anya stand der Schweiß auf der Stirn. Bloß kein Monster, dachte sie. Das wäre fatal! Scheinbar dachte er dasselbe, denn er starrte gebannt die Karte zwischen seinen Fingern an. Doch die aufkommende Enttäuschung in seinen Zügen verriet, dass er wohl nicht gezogen hatte, was ihm vorschwebte.

Trotzdem streckte er voller Ehrgeiz den Arm aus. „Los, Angel Wing, zerstöre ihren Partner, [Gem-Knight Pearl]! Seraphim Judgment!“

Der Drache lud in seinem Maul weiße Energie auf. Anya stöhnte. „Gute Nacht, Levrier. Das wird jetzt weh tun.“
 

Deine Anteilnahme rührt mich zu Tränen, Anya Bauer.

 

Pearl positionierte sich direkt vor Anya und hielt die Arme über Kreuz. Angel Wing schoss den Lichtstrahl ab, um welchen eine goldene Flammenspirale kreiste. Von jener wurde Levrier voll erfasst, doch trotz der Tatsache, dass er den Kampf verlieren würde, blieb er standhaft. Anya, die hinter ihm verharrte, murmelte leise: „Sorry … ich lass dich nicht zu lange warten, versprochen.“

Dann explodierte Pearl, Anya wurde zurückgeschleudert und landete auf dem Rücken.

 

[Anya: 200LP → 100LP / Zanthe: 400LP]

 

Ächzend richtete das Mädchen den Oberkörper auf, ihre Jeansjacke war mittlerweile schmutzig bis zum Gehtnichtmehr. „Ouch!“

Zanthe stand dort drüben, regungslos, umgeben von Bäumen, die genauso finster anmuteten wie die Schatten, die sie warfen. Das Licht, welches von den Hologrammen ausging und ihn anleuchtete, ließ den junggebliebenen Mann wie einen Geist wirken.

„Du bist dran“, sagte er gefasst.

 

Anya ließ sich zurückfallen, stützte sich mit den Händen nach hinten ab, als wolle sie eine Rolle rückwärts machen, sprang dann aber nach vorne und landete auf den Füßen. Was man von Buffy so alles lernen konnte!

„Das ist es!“, murmelte sie dabei fasziniert.

„Was ist was?“

„Mein Herz rast vor Aufregung. Man, wie habe ich das vermisst!“

Den Nervenkitzel. Alles gewinnen zu können oder alles zu verlieren. Anya fühlte sich lebendiger denn je, wie sie erst jetzt erkannte. Duelle wie dieses, sie waren immer noch die besten!

 

Unbedarft zuckte sie mit den Schultern. „Da ich in meinem letzten Zug [Gem-Trade] aktiviert und zwei Karten gezogen habe, kann ich erst in zwei Runden wieder Karten durch die Draw Phase ziehen. Macht aber nichts, ich habe eh alles was ich brauche!“

Zanthe schnalzte mit der Zunge. „Ach wirklich? Zeig her.“

„Gerne, Flohzirkus!“, schrie sie und schwang den Arm aus. „Zunächst verbanne ich [Gem-Knight Pearl] von meinem Friedhof, um [Gem-Knight Fusion] von dort zu erhalten!“

Gesagt, getan. Levrier landete in ihrer Hosentasche, die Zauberkarte in ihrem nicht existierenden Blatt. Plötzlich sprang Anyas gesetzte Karte durch einen Knopfdruck an der Duel Disk auf. „Dann aktiviere ich meine verdeckte Karte [Return From The Different Dimension]! Bis zur End Phase kehren beliebig viele meiner Monster aus der Verbannung zurück, auch wenn mich das die Hälfte meiner Lebenspunkte kostet! Erscheint!“

 

[Anya: 100LP → 50LP / Zanthe: 400LP]

 

Eine ganze Reihe von Monstern tauchte vor Anya auf. Zuerst war da eine weibliche Ritterin in braun-grauer Rüstung, an deren Helm zwei lange Schleifen herab hingen. Neben ihr der hellblaue Ritter des Eises. In der Mitte befand sich ein Krieger in rot-schwarzer Rüstung, welcher einen Morgenstern an einer Kette schwang. An dessen Seite stand ein Krieger in goldener Rüstung, dessen schwarzer Umhang über dem Boden entlang schliff, als er mit seinen beiden Blitzdolchen wirbelte. Und das Schlusslicht? Das bildete Levrier.

 

Gem-Knight Lazuli [ATK/600 DEF/100 (1)]

Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]

Gem-Knight Sardonyx [ATK/1800 DEF/900 (4)]

Gem-Knight Topaz [ATK/1800 DEF/1800 (6)]

Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 0]

 

Der weiße Ritter, um den sich seine sieben Perlen drängten, verschränkte die Arme.
 

Gut gemacht, Anya Bauer. Nun beende es.

 

„Wie du willst, Levrier“, raunte jene voller bösartiger Vorfreude und zückte ihre [Gem-Knight Fusion], „jetzt lernst du mein bestes Monster kennen, Dreckstöle! Ich verschmelze Lazuli, Sapphire und Sardonyx!“

Sie streckte die Hand mit den vier Karten in die Höhe. „Drei Lichter kreuzen den Weg des Lichts! Körper, Seele und Herz verschmelzen und werden zu der Macht, die in ihrer Reinheit einem Diamanten gleicht! Werdet eins!“

Über dem Mädchen öffnete sich ein regelrechtes, funkelndes Loch, aus dem dutzende Edelsteine geflogen kamen. Die drei genannten Ritter stiegen als durchsichtige Abbilder ihrer selbst in die Luft auf, wurden absorbiert und verschwanden in dem Wirbel.

Das war der Moment, indem Anyas rechte Hand in violetten Flammen aufging, ohne dabei die Karten zu versengen. „Werdet [Gem-Knight Master Diamond]!“

Ein bunter Blitz schoss aus dem Strom. Unter lautem Getöse wirbelte von dort ein riesiges Breitschwert in die Mitte des Spielfelds und blieb in der Erde stecken. Aus funkelndem Staub materialisierte sich genau dort ein prächtiger Krieger, der, nachdem er vollständig war, die mit sieben verschiedenfarbigen Edelsteinen besetzte Klinge an sich nahm. Seine silberne Rüstung reflektierte das Mondlicht, als er das wuchtige Schwert mit nur einer Hand schwang, während die andere, genau wie Anyas, in violettem Feuer brannte.

 

Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 DEF/2500 (9)]

 

Zanthe stand der Mund offen. Er konnte sie am ganzen Leib spüren, diese unglaubliche Macht, die von Anyas neuem Monster ausging.

„Wo hast du diese Karte her!?“, verlor er die Fassung. „Das ist keine Paktkarte, so wie dein Pearl!“

„Das geht dich'n Feuchten an! Mach dich lieber auf dein Ende gefasst! Diamond bekommt für jeden Gem-Knight auf meinem Friedhof 100 Zusatzangriffspunkte, auch wenn er die eh nicht braucht!“

Die Edelsteine an dessen Klinge begannen zu strahlen.

 

Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 → 3600 DEF/2500 (9)]

 

„Diesmal wird dein blöder Drache endgültig das Zeitliche segnen!“, verkündete Anya selbstsicher und zog sich mit dem Daumen über die Kehle, als sie rief: „Abmarsch, [Gem-Knight Master Diamond]! Shining Wave Breaker auf [Angel Wing Dragon]! Rest in pieces, Miststück!“

Zanthe zupfte an seinem Kopftuch, sodass es fast die Augen verdeckte. Dann senkte er den Kopf, als Diamond sein Schwert in einer halbmondförmigen Bewegung ausschwang. Eine glitzernde Schockwelle löste sich von der Klinge, welche auf Angel Wing zusteuerte. Dabei riss sie den Boden mit elektrischen Ladungen auf.

„Leb wohl“, murmelte Zanthe leise.

Dann wurde sein Drache getroffen, regelrecht zerfetzt von der Wucht des Angriffs. Heftiger Wind schlug ihm entgegen, auch wenn er keinen Kampfschaden nahm. Damit war der Weg frei für den letzten Angriff.
 

Und Zanthe streckte die Arme mit einem Male weit aus. „Töte mich! Beende meine jämmerliche Existenz!“

Kurz herrschte von Anyas Seite aus verwirrtes Schweigen über den plötzlichen Ausbruch des Werwolfs.

„Tu es!“, verlangte dieser.

„Tch, wenn du Dramarama schieben willst, mach's woanders!“, schnappte Anya und rollte genervt mit den Augen.

„Du verstehst das nicht! Zu leben wie ein Hund! Sich verstecken zu müssen, weil man die Bestie in sich nicht herauslassen darf!“, fauchte Zanthe sie erstickt an. „Ich könnte auch einfach machen, was andere meiner Art tun und Menschen reißen! Aber worin würde ich mich dann von einem Monster unterscheiden!?“

Da platzte Anya unerwartet der Kragen. Wütend zeigte sie mit dem Finger auf ihn. „Oh, jammer jammer, bla bla, heul heul! Du bist ja so ein armes Seelchen und so bemitleidenswert, weil du dich, aufopferungsvoll wie du bist, in einer Höhle verschanzt! Nicht! Das ist doch alles nur selbstherrliches Getue, um zu kaschieren, dass du dich aufgegeben hast!“

„Das ist nicht wahr! Ich will nicht zu einer vollkommenen Bestie werden, so wie einige aus meinem alten Rudel! So viel Menschlichkeit will ich mir bewahren!“

„Oh Gott, du bist so menschlich, menschlicher geht’s doch kaum! So'n paar Klauen und Fangzähne machen dich nicht automatisch zu 'nem Monster!“ Anya schwang aufgebracht den Arm zur Seite aus. „Du hast doch nur Schiss davor, wieder ausgestoßen zu werden! In 'ner stinkenden Höhle bist du dein eigener Herr, keiner kann dir weh tun! Bloß wirst du da auch keinen Grund finden, warum das Leben Spaß macht! Selbst als Werwolf oder was auch immer!“

Zanthe weitete seine Augen, die unheilvoll golden aufzuleuchten begannen. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wovon du redest!?“

„Und wie ich das habe! Meine beste Freundin ist eine Sirene! Als sie das erfuhr, hat sie sich fast in die Hose geschissen, weil sie Angst hatte, anderen weh zu tun! Und soll ich dir was sagen? Sie hat ihre Probleme in den Griff bekommen!“ Der Speichel flog regelrecht von Anyas Mund, wie sie ihre Moralpredigt hielt. „Und jetzt heul nicht 'rum, es wäre nicht dasselbe! Solche wie du machen mich krank, weil sie darauf warten, dass irgendein Ritter auf seinem hohen Ross sie retten wird! Aber weißt du was!? Der beste Weg gerettet zu werden ist der, zuzugeben, dass man auch mal daneben liegt! Und indem man seinen Arsch selbst bewegt, der Lösung entgegen! Manchmal muss man sich selbst retten!“

Pearl beziehungsweise Levrier sah in seiner holografischen Gestalt ausdruckslos herüber zu Anya.

 

Keine Sorge, ich werde niemandem davon erzählen, dass du gerade allen Ernstes versuchst, jemandem etwas Gutes zu tun. Aber ich fürchte, sein Leid ist tiefer verwurzelt.

 

Zanthes Augen gewannen wieder ihre normale Farbe zurück. Er ließ den Kopf hängen, erwiderte zerknirscht: „Wenn du das sagst …“

„Pft, du musst mir nicht glauben. Aber ich weiß, dass es immer Menschen gibt, die einen so akzeptieren werden wie man ist.“ Anya streckte den Finger in die Höhe. „Und genau deswegen werde ich dich auch nicht umbringen, Flohzirkus! Wenn du nämlich erstmal kapiert hast, dass ich Recht habe, wirst du mir die Füße küssen!“

Und das, so sagte sich Anya innerlich mit diabolischer Vorfreude inklusive Gottkomplex, würde sie sich nicht entgehen lassen. Nur deswegen redete sie ihm ins Gewissen, aus -absolut keinem anderen Grund-!

Mit voller Wucht riss sie den Arm nach unten. „Levrier, gib ihm eine Kostprobe davon, was das Freundschaftsgeschwafel bei uns bewirkt hat! Direkter Angriff! Blessed Spheres of Purity!“

 

Wie du wünscht!

 

Wie ein Dirigent schwang Levrier den Zeigefinger. Eine nach der anderen begannen seine Perlen wie Kanonenkugeln auf Zanthe zuzufliegen. Der nach außen hin junge Mann schloss die Augen und atmete tief durch. Dann hagelte es Explosionen um ihn herum, als die leuchtenden Perlen in seinem direkten Umfeld einschlugen.

 

[Anya: 50LP / Zanthe: 400LP → 0LP]

 

Tiefer Rauch hüllte den Waldabschnitt ein.

„Ah!“

Es kam so plötzlich, dass Anya nur die Augen aufreißen konnte. Wie von Geisterhand geführt hob sich ihr rechter Arm, streckte die Hand aus. Dann schossen dutzende Lichtstrahlen von dorther, wo Zanthe eben noch gestanden hatte. Dieser stieß einen gequälten Schrei aus, während die Lichtstrahlen in Anyas fingerlosen Handschuh verschwanden.

Ehe sich das Mädchen versah, hielt sie das in der Hand, wonach sie so eifrig gesucht hatte.

„Angel Wing …!“

 

Ein grelles Licht blendete sich urplötzlich. In unglaublicher Geschwindigkeit, so schien es, flog sie ihm entgegen. Um sie herum Mauern, nach links und rechts, das Labyrinth. Aber Anya glitt wie ein Geist durch die Wände. Und hörte verzerrte Stimmen.
 

Nex … ssel … Real … i … tät … thex … Sie-Au … Undiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii …
 

Das letzte Wort dröhnte derart in ihrem Kopf, dass sie die Hände gegen ebenjenen drückte.

Es war so schnell vorbei, wie es gekommen war. Anya stand im Wald, nahm Levriers Worte nur unwesentlich zur Kenntnis.

 

Du hast es geschafft, Anya Bauer. Aber ich frage mich … zu welchem Preis.

 

Da die Hologramme inzwischen verschwunden waren, hörte sie Levriers Stimme nun in ihrem Kopf. Auch der Rauch verzog sich langsam. Zanthe torkelte verkrampft zurück, hielt sich die Brust und keuchte, sackte gar in die Knie. Er war leichenblass.

„Krass“, murmelte Anya und bestaunte ihre Handschuhe. Plötzlich war ihr mulmig zumute, ihre Beine fühlten sich auf einmal wie Pudding an. War das so etwas wie eine Vision gewesen, was sie da gerade gesehen hatte?

Aber sie stand aufrecht – als Sieger. Neugierig betrachtete sie die neugewonnene Karte des [Angel Wing Dragons] und sah dann überrascht auf, nachdem sie das Gefühl beschlich, dass sich ihre Umgebung verändert hatte.

 

Ihr war während des Duells nicht aufgefallen, wie der Himmel zunehmend heller geworden war. Zwar regierte immer noch die Nacht, doch am Horizont machte sich bereits das Licht der Sonne bemerkbar. Es sah irgendwie wunderschön aus, als würde man ihr mitteilen wollen, dass es Hoffnung gab. Sie hatte den ersten von sieben Siegen errungen – sie solle nicht aufgeben!

Trotzdem war da auf einmal diese aufkommende Bitternis …

 

Zanthe raffte sich genervt stöhnend auf.

„Gegen eine so durchschnittliche Duellantin wie dich verloren zu haben“, sprach er dabei und schüttelte seufzend den Kopf, „ist irgendwie demütigend. So demütigend, dass mir schlecht ist. Du hättest es echt durchziehen können, weißt du!?“

Erstaunt blickte er auf, als Anya überraschend geknickt den Kopf senkte. „Das musst du mir nicht sagen, du Möchtegern-Emo. Aber ... es gab eine Zeit, in der ich nicht einmal durchschnittlich war.“

„Huh?“

Sie ballte eine Faust. Die Gedanken an diese seltsame Vision verdrängte sie dabei.

„Vor einigen Monaten noch konnte ich ohne die Hilfe eines Freundes nicht einmal ein Duell gewinnen. Und wäre er nicht gewesen, wäre ich immer noch so schlecht. Aber ich habe ein Ziel.“

Zanthe zog den Mund schief, Zweifel und Hohn schwangen deutlich in seiner Stimme mit. „Immer noch diese Duel Queen-Sache?“

Schlagartig sah Anya mit einer derartigen Inbrunst auf und verschränkte frech grinsend die Arme, dass ihr Gegenüber glatt für einen Moment vergaß, sie zu verspotten. „Verdammt richtig! Ich werde eines Tages die Surpreme Duel Queen sein! Das ist mein Traum! Solange werde ich überleben, ob es dir und den anderen Knalltüten passt oder nicht!“

 

Wann war dieser Wunsch überhaupt in ihr aufgekommen, fragte Anya sich dabei insgeheim.

Als Marc ihr damals einen Korb gegeben hatte, war ihr alter Traum, seine Freundin zu werden, erloschen. Von da an war es nur noch der Kampf gegen Eden, dem sie sich gewidmet hatte. Aber nachdem auch diese Schlacht geschlagen war, wurde ihr Leben zunehmend öder. Irgendwann war die Schule vorbei, ihr Berufsleben fing an.

Aber Anya Bauer als Verkäuferin? Nein! Sie war zu Höherem berufen! Und was könnte größer sein als der Titel der Duel Queen?

Dass ihr das erst durch das Duell mit diesem Typen in aller Konsequenz aufgegangen war, mochte eine Fügung des Schicksals sein. Der Nervenkitzel, der Adrenalinschub, den sie all die Zeit unwissentlich vermisst hatte, er war zurückgekehrt. Und am stärksten war er dann, wenn man etwas zu verlieren hatte.

Dieser Titel ... sie würde ihn an sich reißen, dachte Anya zuversichtlich. Diese anderen sechs Schwachmaten, die sie zu besiegen hatte, um ihre verlorene Lebenszeit zurückzuerlangen, sie waren die perfekte Gelegenheit für einen Testlauf!
 

Zanthe lachte derweil amüsiert auf und fasste sich an den Kopf, ganz zu Anyas Missfallen.

„Man, da hast du dir aber etwas vorgenommen. Duel Queen? Den Titel gibt es doch gar nicht! Aber ... irgendwie ist das interessant.“ Plötzlich grinste er auf dieselbe Weise, wie Anya zuvor. „So eine dumme Nudel wie du will eine unbesiegbare Duellantin werden? Das will ich sehen.“

„Mach dich weiter darüber lustig und du wirst bald vor lauter Graberde gar nichts mehr sehen!“

Jedoch winkte Zanthe unbekümmert ab. „Was auch immer.“

Unerwartet trübte sich sein Gesichtsausdruck, er blickte nachdenklich nur Seite und schien scheinbar mit sich zu ringen. Dann schnaufte er.

 

Ehe Anya sich versah, kam er schnellen Schrittes auf sie zu und reichte ihr die Hand. „Gratulation!“

„W-was?“

„So macht man das, wenn man verloren hat. Sieh es als deine erste Lektion in Sachen Duel Queen an, du blutige Anfängerin“, maulte Zanthe, zwinkerte aber dabei, „und danke übrigens, dass ich dich ab heute begleiten kann.“

„W-was!?“, platzte es aus Anya heraus, die sofort zurückwich. „Du willst mit mir kommen!? Ich glaub, Levrier hat wohl etwas zu doll zugehauen! Warum sollte ich dich mitnehmen!? Eben wolltest du noch sterben, schon vergessen!? So hast du mir übrigens wesentlich besser gefallen!“

„Ganz einfach. So hohl wie du bist, muss irgendjemand auf dich aufpassen. Außerdem“, sprach Zanthe und sah über die Schulter herüber zu der Höhle, in der er lebte, „habe ich mich lange genug versteckt. Da du sehr überzeugt von deinen Worten warst, will ich herausfinden, ob etwas dran ist.“

Sich wieder zu Anya umdrehend, schnappte er sich ihre Hand und schüttelte sie fest. „Danke, dass du gesagt hast, was du denkst. Andere hätten sich nicht die Mühe gemacht.“

„I-ich hab gar nichts gemacht, 'kay!?“ Sofort riss sie den Arm wieder weg und drehte sich demonstrativ zur Seite. „Was interessiert mich auch deine kümmerliche Existenz, Flohzirkus? Den Gedanken, mich zu begleiten, kannst du dir abschminken!“

„Und wie willst du mich dran hindern?“, fragte Zanthe schnippisch.

„Also, indem ich … wie kommst du überhaupt darauf!? Ich bin deine Feindin!“

Der dunkelhaarige, junge Mann zuckte entspannt mit den Schultern. „Nun, jetzt nicht mehr, Angel Wing gehört dir. Außerdem scheinst du viel rumzukommen auf dieser Reise, was für mich durchaus von Vorteil sein könnte.“

Skeptisch, gleichwohl aber auch neugierig, blickte Anya über ihre Schulter zu ihm herüber. „Wie meinst du das?“

„Ich will“, erwiderte Zanthe leise und sah ihr dabei entschlossen in die Augen, „wieder ein ganz normaler Mensch sein. Sprich: ich suche nach einem Gegenmittel und du wirst mir dabei helfen.“

Anya blinzelte zweimal verdutzt. Dann wandte sie sich ab. „Pah! Tu was du willst, aber wenn du denkst, dass ich dir dabei helfen werde, irrst du! Ich habe meine eigenen Sorgen!“
 

Fühlt sich da jemand etwa an die eigene Situation erinnert? Im Turm von Neo Babylon?

 

Als Levrier neben ihr auftauchte, zischte Anya leise. Mittlerweile kannte er sie zu gut, als dass er noch mit seinen Vermutungen falsch lag. Aber deswegen musste er sie doch nicht gleich laut aussprechen, dieser Idiot!

„Außerdem wüsste ich nicht mal, wie …“, fügte sie dann nachhaltig noch an.

Zanthe jedoch lachte nur auf, sprang sie von hinten an und legte seinen Arm um ihre Schulter, stieß ihr mit der Faust kumpelhaft in die Rippen. „Das ist mir auch klar, so viel kann man nicht von jemandem wie dir erwarten.“

„Fass mich nicht an, schon gar nicht von hinten!“, fauchte Anya erzürnt und hielt sich die schmerzende Stelle, während sie erfolglos versuchte ihn abzuschütteln. Der hatte doch garantiert absichtlich so hart zugestoßen, verdammte kacke, tat das weh!

„Sorry Anya, aber ich steh nicht auf dich“, palaverte Zanthe jedoch unbekümmert und schleifte sie unter seinem regelrechten Schwitzkasten weiter Richtung Höhle, „Weiber sind nichts für mich.“

„Das sehen die sicher genauso!“, röchelte sie und versuchte krampfhaft, sich zu befreien, scheiterte aber an seinem eisernen Griff. „Lass mich lo-“
 

„Lass sie sofort los!“

Beide hielten erstaunt inne, als ein Lichtkegel sie von hinten anleuchtete. Der Werwolf ließ Anya gehen, als die beiden erstaunt herum wirbelten.

„Nick!?“

„Wen haben wir denn da? Ist das dein Lover?“, gluckste Zanthe beim Anblick des groß gewachsenen Sandkastenfreund Anyas, welcher hinter einem Baum hervor trat und sie mit der Taschenlampe anstrahlte.

Mit wütendem Gesichtsausdruck stampfte der Harper-Spross auf die beiden zu.

„Was willst du hier?“, blaffte Anya ihn überrumpelt an. „Ich dachte du bist im Hotel und tust Nerdzeugs!“

Vor ihr angekommen, strafte er sie mit einem missbilligenden Blick. „Das wollte ich auch, aber dann ist mir mittendrin eingefallen, dass du dich spielend leicht in ernste Schwierigkeiten bringst. Und da bin ich-“

„Mit mir mitgekommen. Das ist doch, was dir auf die Zunge liegt, lieber Nick Harper.“

 

Nick drehte sich mit grimmiger Miene herum. Hinter ihm traten noch zwei Personen hervor. Es waren der rothaarige Sammlerdämon und sein Diener Kyon. Der Brite stellte sich neben den größeren Nick und tat lediglich so, als würde er ihm die Schulter klopfen. Zu groß war wohl die Gefahr, sich Bakterien von ihm einzufangen, daher musste diese mehr als seltsame Geste reichen.

„Ich war auf dem Weg zu dir, Anya Bauer, und da habe ich ihn aufgegabelt, wie er gerade in ein Taxi steigen wollte“, erklärte der Sammler ohne Umschweife.

„Uhh, ich hoffe, ihr habt nicht irgendwo einen kleinen Zwischenstopp eingelegt“, scherzte Zanthe und machte einen Schritt nach vorn, wobei er seine dicken Augenbrauen in eindeutiger Manier auf und ab bewegte, „wenn ihr wisst, was ich meine.“

Nick schnaubte. „Ich weiß es nicht und will es auch nicht wissen! Du hättest tot sein können, Anya! Als er-“

„Ja ja, das könnt ihr später klären, ich habe nicht viel Zeit.“

Der Sammler ging bedachten Schrittes herüber zu Anya. Welche bisher nur verdattert geglotzt hatte. Was wollte dieser Typ denn ausgerechnet jetzt von ihr!?“

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Sieg“, sagte der Rotschopf vor ihr angekommen, „du hast dich wacker geschlagen. Deswegen habe ich eine Belohnung für dich.“

„Was immer es ist, ich will es nicht!“, raunte Anya nun, um nun auch zu Wort zu kommen.

„Nun, dann gib sie doch deinen Freunden.“

In die Innentasche seines feinen Sackos greifend, holte er daraus vier Karten hervor. Er reichte sie Anya, die ihren Gegenüber ansah wie eine Kuh, wenn es donnerte. Zanthe gesellte sich dazu, beugte sich über die Karten und blinzelte verdutzt.

„Das ist unfair, von denen kann ich keine gebrauchen!“

Anya schien, nach einer kurzen Denkpause, plötzlich doch an der unerwarteten Gabe interessiert, was man allerdings eher ihrer angeborenen, manchmal schier unermesslichen Gier zuschreiben konnte statt etwa tatsächlicher Überlegung. „Wieso gibst du mir die?“

„Du wirst sie brauchen. Oder eher deine Freunde. Nimm sie oder nicht, mehr kann ich momentan nicht für dich tun. Außer du zählst meine schiere Anwesenheit ebenfalls dazu.“

„Tch, gib her!“, fauchte sie schlussendlich und riss ihm die vier Karten aus der Hand.

 

Derweil standen Kyon und Nick nebeneinander. Letzterer war es, der dem schwarzhaarigen Diener des Sammlers einen scharfen Seitenblick zuwarf. Und ihm fiel auf, dass jener völlig auf Zanthe fixiert war.

Als Kyon bemerkte, wie feindselig Nick ihn ansah, schloss er die Augen. „Wenn ich du wäre …“

„Ja?“

„Kyon. Wir gehen“, hallte es da vom Sammler dazwischen.

„Schon gut“, winkte dessen Diener schließlich ab, „nicht alles muss ausgesprochen werden, damit der andere versteht, was nicht sein sollte.“

Nick blinzelte verwirrt ob dieser kryptischen Worte. War das …?

 

Kyon und der Sammler trafen sich in der Mitte. Der Dämon wandte sich noch einmal an Anya, während Kyon mit einem Handschwenk eines seiner Portale hinter ihnen öffnete.

„Ich wünsche dir noch weiterhin viel Erfolg auf deiner Suche, Anya Bauer“, sagte der Collector feierlich, „wenn die Zeit gekommen ist, werden wir uns wiedersehen und deine Fortschritte auswerten. Bis dahin verabschiede ich mich von dir.“

„Kch, verpiss dich bloß!“, zischte Anya böswillig mit den Karten in ihrer Hand.

Zanthe trat überraschend vor das Mädchen. „Überlass' sie mir, Opa. Mit mir an ihrer Seite kann sie gar nicht scheitern.“

„Die Glückliche“, kommentierte Kyon das Ganze geheimnisvoll. Dabei warf er dem Sammler, der vergnügt grinste, einen argwöhnischen Blick zu. Dann sagte er: „Meister, wir müssen gehen.“

„Natürlich. Also dann, wir werden uns hoffentlich bald erneut zu einem kleinen Plausch treffen. Bleibt bis dahin am Leben, ihr alle.“

Die beiden drehten sich um und durchquerten das Portal, aber nicht, bevor der Sammler sich noch einmal umdrehte und jemanden eindringlich ansah. Und zwar Nick, wobei er das „ihr alle“ besonders betonte. Anschließend verschwanden die beiden hinter dem Tor, das leise verpuffte.

 

Nun waren es nur noch Anya, Zanthe und Nick. Die Sonne war fast aufgegangen.

„Kennst du diesen Kyon?“, fragte Nick ohne Umschweife. „Ja, dich mein ich.“

Zanthe schürzte die Lippen, als ihm zugenickt wurde. „Nein, nie zuvor gesehen. Aber von dem Ginger hab ich schon viel gehört. Eins muss man deiner Freundin lassen, selbst im Anblick des Todes auf zwei Beinen riskiert sie eine kesse Lippe.“

Nick kommentierte das nicht weiter. Einzig sein grimmiger Gesichtsausdruck verriet, dass er Zanthe kein Wort zu glauben schien.

„Was auch immer“, raunte Anya und stemmte die Hände in die Hüften, „die wichtigere Frage ist: wie kommen wir jetzt zurück zum Hotel?“

„Mit deinem Handy, wir rufen ein Taxi“, antwortete Nick ihr, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Als Anya aber ihre Taschen durchforstete, machte sie große Augen. „Ich glaub, ich hab das Teil verloren. Dann nehmen wir halt deins.“

„Siehst du ein Headset auf meinem Kopf?“ Leicht verärgert zuckte Nicks Augenbraue. „Ein eigenes Handy habe ich nicht, aus gutem Grund.“

Zanthe seufzte. Ratloses Schweigen.

 

~-~-~

 

Anya ließ sich missmutig auf die Kante ihres Betts fallen. Der mehrstündige Marsch zurück ins Hotel hatte sie völlig ausgelaugt. Selbst ein Nick war schließlich machtlos, wenn er keinen Zugang zur Technik besaß. Während des Rückwegs hatten die Drei zwar wenig gesprochen, dennoch das Wichtigste untereinander ausgetauscht. Nick und Zanthe mochten sich nicht besonders, das war Anya schnell aufgefallen. Aber sie würden miteinander auskommen müssen. So ein Werwolf könnte durchaus noch praktisch werden, hatte sie nach einer Weile entschieden.
 

Sich die Schulter reibend, fasste sie zusammen: „Okay, eine haben wir, sechs bleiben noch. Ich hab die Schnauze voll von Dice! Was kommt als Nächstes, Nick?“

Jener drehte sich auf dem Stuhl vor seinem Laptop zu ihr um und schielte sie mit halboffenen Augen sonderbar tadelnd an. „Du weißt genau, was.“

„Nein?“, erwiderte Anya.

Zanthe, der die beiden vom Türrahmen aus beobachtete und nebenbei seinen Seemannsrucksack absetzte, spürte die seltsame Spannung. Anyas Ton hatte sich minimal verändert, war etwas heiserer geworden. Es war klar, dass sie log.

„Doch, das weißt du“, sagte Nick mit Nachdruck.

„Ich will aber nicht!“, platzte es aus seiner Kindheitsfreundin heraus, die vom Bett wild gestikulierend aufsprang. „Alles, nur das nicht!“

„Wir müssen.“

„Nein!“

Dem Dritten im Bunde wurde dieses Spiel jedoch sehr schnell langweilig, weswegen er dazwischen rief: „Darf ich auch erfahren, worum es hier geht oder muss ich erst einem von euch das Gehirn rausfressen?“

Sofort fragte Anya fasziniert: „Hast du das schon mal gemacht? Kann man damit Gedanken der Person lesen?“

Zanthe winkte spielerisch ab. „Ach bitte-“

„Das interessiert jetzt nicht“, ging Nicks Stimme scharf dazwischen, „das Thema ist ernst.“

„Müssen wir gegen Graf Dracula kämpfen oder was?“, scherzte Zanthe jedoch weiter. „Den kenne ich nicht persönlich, aber dafür einen anderen Vampir. Und mit Verlaub, der Typ ist eine Zumutung.“

„Pah“, rümpfte Anya jedoch die Nase, „schön wär's! Es ist viel schlimmer als das!“

Überrascht kratzte sich Zanthe am Kopf. „Sieh an.“

„Wir müssen zurück nach Livington“, brummte das Mädchen missgelaunt und zog eine Miene, als würde man ihr gerade Nicks mindestens ein Jahr lang nicht mehr gewaschene Unterhosen unter die Nase halten. „Dort steigt in einer Woche die Hochzeit von Redfield … und ich bin eingeladen. Das hat die doch mit Absicht gemacht!“

 

Was dafür sorgte, dass Zanthe nach kurzer Überlegung anfing, beim Gedanken an Anya und Hochzeitseinladung mädchenhaft zu kichern, während Nick sich stöhnend die Hand vor die Stirn schlug.

Keiner von den beiden ahnte, dass Nick bewusst die Frage nach der zweiten Zielperson aus dem Weg ging. Er kannte sie immerhin … nur wie sollte er sie jemals finden? Bloß war das nichts, was er Anya zeigen durfte. Nicht ihr!

 

 

Turn 42 – Demon Goddess

Zurück in Livington, wollen sich Anya und Co von den Strapazen der Reise erholen, da bis zu Valeries Hochzeit noch etwas Zeit ist und sie erst weitere Anhaltspunkte für die nächste Zielperson sammeln müssen. Allerdings wird der Ruhepause ein jähes Ende gesetzt, als Anya am Folgetag mitten in ihrem Zimmer einer verhüllten Person begegnet, die einen sehr von Anya geschätzten Gegenstand mit sich nimmt. Die daraus entstehende Verfolgungsjagd quer durch Livington mündet darin, dass Nick den Übeltäter in einer Seitengasse stellt. Doch jener …

 



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu diesem Kapitel (1)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  fubukiuchiha
2017-07-14T16:22:57+00:00 14.07.2017 18:22
Hey
Super Kapitel, ich kann mir vorstellen dass Zanthe es nicht leicht hat und es überrascht mich, dass Anya so etwas wie Mitgefühl empfinden kann. Würde mich interessieren welche Karten der Collector rausgerückt hat, kommt bestimmt bald raus.
Valerie heiratet? Das ist für Anya das rote Tuch, das kann nur in die Hose gehen XD.
Freue mich schon auf das nächste Kapitel.
Lg fubukiuchiha
Antwort von:  -Aska-
20.07.2017 17:22
Hey,
danke. Zanthes Leben war in der Tat nie einfach, aber dazu irgendwann mal mehr.
Anya lernt langsam, kein Arschloch mehr zu sein - zumindest kein großes. xD

LG,
-Aska-


Zurück