Journey to Evolution von Yurippe (Mit jedem Schritt wirst du stärker) ================================================================================ Kapitel 14: Ruhepause --------------------- Wer richtig Action in Teak City lesen will, sollte mal in s Fanserie "The Crystal Palace" reinschauen! „Ein bisschen gruselig sieht es ja schon aus“, meinte Lily und ließ ihren Blick unsicher über die Turmruine schweifen. Zwar war sie vorher schon einige Male in Teak City gewesen und hatte dabei auch die Überreste des ehemaligen Monuments besucht, doch die Vorstellung, dieses Mal ohne Begleitung ihrer Mutter oder Schwester hineinzugehen, behagte ihr trotz der sengenden Vormittagshitze nicht unbedingt. „Ach, er wäre kaum für Besucher offen, wenn es drinnen gefährlich wäre. Aber schön kühl dürfte es sein“, erwiderte Alex, der neben dem zögernden Mädchen stehen geblieben war. „Na los, du hast schließlich deine Pokémon dabei. Wobei ich Evoli vielleicht lieber auf den Arm nehmen würde, bevor es irgendwo hin verschwindet.“ Der Junge hatte Recht, und so folgte Lily seinem Rat und griff nach ihrem Normalpokémon, bevor sie hinter Alex, Bisasam und Endivie zögerlich die Ruine betrat. Im Inneren war es tatsächlich kühl, aber auch nicht sehr hell, wodurch eine seltsame Stimmung entstand. Aus der Tür und durch das kaputte Dach scheinende Lichtstrahlen erinnerten daran, dass draußen helllichter Tag war, und das Zwielicht im Inneren wirkte so nur noch befremdlicher. Außerdem hätte sie schwören können, einige geistähnliche Silhouetten in der Ecke schweben gesehen zu haben, aber vielleicht waren das nur einige der Smogon, die im Reiseführer erwähnt wurden, und deren giftige Ausdünstungen verursachten das leichte Unwohlsein, das sie verspürte. Lily umklammerte ihr Evoli etwas fester und schloss zu Endivie auf, das mit Bisasam dem forsch voranschreitenden Alex nachlief. „Guck mal, hier unten sollen die drei legendären Biester gelebt haben.“ Alex lehnte sich ein Stück weit über eine Absperrung und deutete auf das untere Geschoss, welches durch den fehlenden Boden zu sehen war. Lily blickte auf die Stelle, die seine Hand anzeigte, und konnte nicht leugnen, dass sie beeindruckt war. Allein schon die Tatsache, dass sie sich an einem Ort befanden, der möglicherweise einmal Schauplatz von Ereignissen geworden war, die sie sich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen konnte, ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Gleichzeitig war ihr etwas mulmig zumute, nicht wegen der potenziell gefährlichen Pokémon, sondern weil das große Loch im Boden vor ihr sie daran erinnert hatte, wie morsch der Boden in der Ruine war. „So langsam ist mir nach einem schönen Mittagessen, was sagst du?“, fragte sie deshalb ihren Begleiter, in der Hoffnung, er würde darauf eingehen und sie könnten die Ruine verlassen. Dieser zuckte mit den Schultern. „Klar, wieso nicht? Viel zu sehen gibt es hier eh nicht mehr.“ Sie gingen also durch das Halbdunkel auf den Lichtfleck zu, der den Ausgang signalisierte, und als die wieder im Tageslicht stand, atmete Lily unwillkürlich etwas auf. Leider war es inzwischen auch Mittag und somit beinahe unerträglich heiß geworden, sodass die Kinder beschlossen, nicht groß zu suchen und sich gleich in einem nahe liegenden Restaurant jeweils eine Schüssel mit Gemüse und Tofu, einer der lokalen Spezialitäten, zu bestellen. „Hast du schon eine Idee, wie du in der Arena vorgehen willst?“, erkundigte sich Lily, während sie auf ihr Essen warteten. Alex nahm einen Schluck aus seinem Wasserglas. „Nun, Jens setzt ja Geistpokémon mit Gift als Zweittyp ein, also dachte ich, mit Noctuh stehen meine Chancen vielleicht nicht schlecht. Bisasam sollte ich eher nicht einsetzen. Tut mir Leid, Kumpel“, sagte er mit Blick auf sein Pflanzenpokémon, welches mit Endivie und Evoli um eine große Schüssel mit Wasser und Gemüse saß. „Mogelbaum machen Giftattacken nicht viel aus, und wenn wir noch etwas trainieren, lernt es vielleicht noch eine der Unlichtattacken, die es laut PokéDex könnte.“ „Das könnte funktionieren, ja. Wir werden auf jeden Fall dabei sein und dir die Daumen drücken, stimmt's, Endivie?“ „Das ist nett.“ Alex lächelte etwas verlegen. „Dieses Mal sehe ich mir auch deinen Wettbewerb an, ohne dass Bisasam mich hinschleifen muss. Weißt du schon, was du in der ersten Runde vorführen willst?“ „Ungefähr. Mir sind durch den Pokéathlon ein paar Ideen gekommen, aber wir müssen auf jeden Fall noch viel trainieren. Dieses Mal würde ich gern wieder ein bisschen weiter kommen als beim letzten Mal.“ Angemeldet hatte Lily sich schon auf dem Weg zur Turmruine. Zwar freute sie sich irgendwie auf den Wettbewerb, und auch das Training mit ihren Pokémon machte ihr natürlich Spaß, aber sie war im Herzen immer noch mit den Ereignissen des Vortages, nein, eigentlich der gesamten letzten Tage beschäftigt und fragte sich, ob sie momentan überhaupt in der Verfassung war, halbwegs gut abzuschneiden – ganz abgesehen davon, dass es ihr immer noch an Erfahrung vor allem im Kämpfen fehlte. „Wir können gerne wieder zusammen trainieren“, schlug Alex vor, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Das würde ich gern.“ Lily lächelte ihn dankbar an. „Heute würde ich gern mit Endivie allein üben, aber für morgen nehme ich das Angebot an.“ Ihr Essen wurde serviert, und so widmeten sie sich erst einmal der Aufgabe, ihre Mägen zu füllen. Allerdings nicht so voll, dass sie auf dem Rückweg zum Pokémon Center nicht noch ein Eis vertrugen, welches sie rasch aufessen mussten, damit es ihnen nicht aus der Hand schmolz. Die Sonne brannte so sehr vom Himmel, dass Lily überlegte, ob sie sich nicht einen Sonnenschirm zulegen sollte, als sie an einem entsprechenden Schaufenster vorbeikamen. Zumindest war sie froh, dass Rose ihr noch eine Tube Sonnenschutz eingepackt hatte. Die Kinder verabredeten, sich gegen sieben Uhr wieder im Center zu treffen, dann ging Alex wie am Vortag auch wieder seinem Training nach, während Lily sich mit einer frischen Wasserflasche ebenfalls auf den Weg machte. Sie erinnerte sich an einen kleinen Park mit einem Teich, der nicht weit vom Glockenturm nahe der östlichen Stadtgrenze lag, und diesen wollte sie nun aufsuchen. Nach einigem Herumirren fand sie mit Hilfe einer netten Passantin den Park auch tatsächlich wieder und ließ sich erst einmal auf einer Bank nieder, um einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche zu nehmen, bevor sie begann, mit Endivie eine Vorführung für den Wettbewerb einzuüben. Durch den Pokéathlon inspiriert, ließ sie das kleine grüne Pokémon erst mit einem, dann mit zwei Bällen jonglieren. Anfangs hatte es damit noch Schwierigkeiten, doch nach einer Weile wurde es geschickter im Einsatz seiner Ranken, und als es auch einen dritten Ball immerhin für kurze Zeit in der Luft halten konnte, beschloss Lily, für diesen Tag Schluss zu machen und ihnen allen den wohlverdienten Feierabend zu gönnen. Sie selbst nahm wieder auf der Bank im Schatten platz, Evoli neben ihr und Endivie etwas weiter weg an einer sonnigen Stelle im Gras. Lily ließ ihre Gedanken baumeln und nahm sich Zeit, um ein bisschen Ordnung in ihre chaotischen Gefühle zu bringen. Am Vortag war sie einfach nur völlig erschöpft gewesen und in ihrem Kopf hatte sich alles gedreht, aber nun konnte sie endlich in Ruhe über einige Dinge nachdenken. Nach einer Weile riss sie jedoch ein Geräusch aus ihren Gedanken. Lily blickte sich um, doch keines ihrer Pokémon schien etwas wie „mäh!“ von sich gegeben zu haben. Hatte sie vielleicht einen Hitzschlag abbekommen? Doch dann hörte sie es wieder, diesmal näher. Nun sah sie auch, wie ein Voltilamm sich dem Teich näherte, um daraus zu trinken. Danach warf es einen skeptischen Blick auf Endivie, das in der Nähe lag und immer noch Photosynthese zu betreiben schien, und dann zu Lily. „Keine Angst, ich tu dir nichts“, sagte diese freundlich. Ihr Evoli sprang jedoch von der Bank und rannte auf das blaue Elektroschaf zu, um es neugierig zu mustern. Voltilamm erwiderte den Blick mäßig interessiert und trottete dann in den Schatten, um sich nicht weit von Lily niederzulassen. „Dir ist auch heiß, hm? Kein Wunder, bei dem dicken Fell.“ Bei solchen Temperaturen taten Pokémon wie Voltilamm oder auch Evoli dem Mädchen immer etwas Leid. „Ich wünschte ja, ich könnte dich scheren oder so, aber dazu fehlen mir das Können und die Ausrüstung.“ Außerdem waren wilde Pokémon bisher auch ganz gut ohne die Einmischung von Menschen ausgekommen. Sie saß noch eine Weile schweigend auf ihrer Bank und ließ ihre Gedanken schweifen, bevor sie sich gegen halb sieben, als es langsam dämmerte, auf den Weg zurück ins Pokémon Center machte. Als sie sich von Voltilamm verabschiedete, hob es kurz den Kopf und es schien ihr fast, als sollte sein „mäh“ sie ebenfalls grüßen. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)