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Dunkle Klingen

von

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Prolog

Der sanfte Wind fährt durch die grünen Wiesen, die sich sanft hin und her wiegen. Die Berge am Horizont sind Schneebedeckt und der klare blaue Himmel vervollständigt das friedliche Bild. In der Ferne ragen einige Tannen hinauf. Die Luft ist mit einem sanften Blütenduft erfüllt und die Vögel zwitschern von den Bäumen ihr Lied. Ein paar kleinere Felsen bieten Schutz und Schatten. So schön der Tag auch sein mag, so kann er auch täuschen. Das Königreich ist groß und hat eine gute Wirtschaft, im Land herrscht schon lange Frieden. Das große Schloss am Horizont ist der Mittelpunkt der Hauptstadt. So friedlich auch alles wirken mag, so verstecken sich einige Geheimnisse in den großen Häusern, die in diesem Schloss wohnen und ihren Aufgaben nachgehen.

Eine junge Schurkin, ihre Messer frisch poliert und geschärft, steht versteckt hinter den Vorhängen des majestätischen Schlosses. Im Gang ist niemand zu sehen, also wagt sie sich weiter vor. Warum sie hier ist, weiß nur sie. Seit dieser dunkle Kampf Ionia erschüttert hat, ist nichts mehr das gleiche. Und jetzt ist sie auf die Fährte gekommen, wer ihr mit dem Problem helfen könnte und möglicherweise die Verbindung zum Noxus hatte. Alles nur Spekulationen, aber man sollte das Unmögliche nie außer Acht lassen.

Durch die großen Fenstern flutet das Sonnenlicht die Gänge. Hier hält sie sich gerade im Hause Crownguard auf, der südliche Teil des Schlosses. Viele Treppenstufen höher im Turm ist was sie sucht. Ein Informant gab ihr die Karte und markierte den Turm. Dort sollte sich die Ansprechperson aufhalten. Seufzend klappt die Schurkin die Karte wieder zu und huscht von einem Schatten zum anderen.

Dort ist die Tür, die in den Raum des Alchemisten führt. Mit einem Stoß schwingt die Tür auf und sie springt hinein.

Erschrocken springt ein kleiner Mann hinter seinen Tisch und hält sich schützend die Arme vor das Gesicht. Mit gezückten Waffen kommt die Schurkin näher und kniet sich in einem sicheren Abstand nieder.

“Kommen wir zum Punkt. du sollst die Waffe an den Noxus gegeben haben.” Sie schiebt sich die Kapuze aus dem Gesicht.

“Außerdem hat es nicht nur mich in das hier verwandelt.” Ihre Gesichtshälfte ist mit seltsam leuchtenden Linien überzogen, die wie Adern lila pulsieren.

“Das Void… es ist nicht meine Schuld!” ruft her und krümmt sich noch kleiner zusammen. “Ich wurde gezwungen, es ist der böse Herrscher, der meinen Namen rief!” Die Schurkin steht auf und zieht die Kapuze wieder über, sodass niemand ihr Gesicht sehen muss.

“Wer ist dieser Herrscher?” fragt sie ruhig.

“Ich weiß es nicht! Er ist böse, und mächtig! Ich kann das nicht mehr aushalten, ich sollte diese Materie liefern!” Er beginnt zu schluchzen und in ihr breitet sich ein wenig Mitleid aus. Nein, sowas haben Schurken nicht. Die Gläschen auf dem Tisch fallen herunter und zerschellen auf dem Boden. Langsam breiten sich die seltsamen Flüssigkeiten aus und fließen in die Rillen.

“Ich werde dich jetzt erlösen. Danke für die Information.” Sie beugt sich herab und schneidet ihm mit dem Messer die Kehle durch. Das dunkelrote Blut sprudelt auf den Boden und beschmutzt ihre Schuhe. Seufzend wischt sie diese wieder sauber. sie sollte keine Spuren hinterlassen.

Als sie aufsteht, erwischt ihr Ellenbogen eine blau leuchtende Flüssigkeit. Rasch steckt sie die Messer beiseite und beeilt sich, zu verschwinden. Die Mixtur kommt mit den anderen Flüssigkeiten in Berührung und reagieren miteinander.

Verdammt...denkt sie sich und springt hinaus auf den Gang. Hinter ihr klirrt es laut und Staub wirbelt durch die Luft, als die Reaktion alles in die Luft sprengt. Ihre Arbeit ist getan. Wer die Leiche finden wird, überlässt sie dem Schicksal, wenn diese überhaupt danach noch identifizierbar ist. Sie hat die Informationen, die sie braucht. Stolz auf sich selbst verschmilzt sie mit dem Schatten und beobachtet, wie einige Wachen die Treppen hinauf gestürmt kommen und schockiert das Chaos betrachten. Man wird glauben, das Experiment ist schief gelaufen. Und die wahre Mörderin ist längst verschwunden.

Riven- 1

Der Regen perlt über ihre Wange und tropft auf ihr Schlüsselbein. Es kann nicht vorbei sein, es ist nicht ihr Ende. Vor ihr liegt noch soviel, ja zumindest dachte sie das. Und jetzt bleibt ihr nichts mehr als ihr Schwert und ihr gebrochenes Herz. Das hat sie sich selbst zuzuschreiben, es ist alles ihr Fehler! Wieso sieht sie überhaupt noch zurück. Soweit hat sie es nicht verdient. all diese Gedanken wirbeln in ihrem Kopf, ihr Herz schlägt viel zu schnell und scheint ihr aus der Brust springen zu wollen.

Warum? Warum hat sie sich überhaupt darauf eingelassen und all diese Dinge getan. Sie war zu naiv, so dumm und hatte es nicht einmal gemerkt, was vor sich geht. Und selbst jetzt verleugnet sie ihre Gefühle und die Momente, in denen sie das Bauchkribbeln und die wilden Gedanken noch freudig gefühlt hatte.

Jetzt tropft das Blut von ihrer Klinge und die Opfer ihres Schwertes sind nur wenige im Vergleich der vielen, die sie auf ihrer Liste hat. Sie wird sich nichts mehr erlauben, keine Gefühle und nur noch ihre disziplin. Und dann hat sie es einmal fallen gelassen, die Tränen heruntergeschluckt und die Entscheidungen frei getroffen. Ihr Herz lügt und die Bestimmung ist eine andere als ihr Herz sagt. Mit einem Schlag steckt sie das Schwert zurück in den erdigen Boden und sieht auf die weite Landschaft vor sich. Das Blut an den Händen und ihrer Kleidung wird mit dem Regen mit fortgespült, als wären es Tränen die ihr gewähltes Schicksal bemitleiden. Sie selbst bemitleidet sich kaum. Es war alles nötig, um an ihr Ziel zu kommen, egal wie.

Mit aufrechter Haltung und hoch gerichteten Kopf sehen die dunkelbraunen Augen hinauf in den wolkenverhangenen Himmel. Nicht für alle gibt es Hoffnung, das war der Leitsatz ihrer Freundin gewesen. Wo sollte sie nun hin? Was liegt vor ihr? Sie nimmt einen tiefen Atemzug und schließt ihre Augen. Angenehm kühl tropft der Regen auf ihre erhitzte Haut und spült alles fort.

Von hier an beginnt ihr neues Leben. Auch wenn sich die Erinnerungen an ihr altes kaum tilgen lassen und immer wieder aufkommen. Dann kann sie nicht anders als immer wieder darüber nachzudenken, genauso wie jetzt.
 

Von den dunkelroten Wäldern in die Stadt. Eigentlich bevorzugt Riven die Stille und das Rauschen der Blätter, um ihren inneren Frieden zu wahren oder in Ruhe ein paar Trainingsstunden einlegen zu können. Doch nicht immer kann man sich alle aussuchen. Vor ihr liegt die meterhohe Brücke, die nach Piltover führt. Die ganze Stadt löst in ihr Unbehagen aus. Sie ist eine stetig wachsende Stadt, mit ihren Zahnrädern und Stahl, selbst die Menschen verwandeln sich in Roboter und achten nicht mehr auf die steigenden Zahlen bezüglich der Kriminalität. Hier sind alle Regeln der Welt außer Acht genommen, hier werden fantastische Waffen und Körperteile hergestellt wie sie keiner gesehen hat.

Riven schwingt ihr Schwert über die Schulter und betrachtet die Konstruktion der Brücke. Hier wird nie etwas passieren, alles ist fest miteinander verknüpft. Mehr macht sie sich um ihre Geldbörse sorgen, denn hier wird schnell etwas geklaut oder einen Anschlag auf die Ressourcen verübt.

“Ist alles okay?” Yasuo sieht sie fragend von der Seite an. “Ja, ich mache mir nur Gedanken um diese Stadt. Sie ist einfach nicht das, was mir gefällt.” antwortet sie knapp und gemeinsam überqueren sie die ewig lange Brücke. Über ihnen fliegt ein Fluggerät Kreise über der Stadt. Die Häuser sind futuristisch gebaut, einige gehen weit hinauf in den Himmel. Die Straßenlampen leuchten in einem seltsam kalten Blau. In dieser Stadt geht es unermüdlich immer weiter hinauf, doch sie bleibt lieber am Boden.

“Weißt du schon, wo wir unterkommen werden?”

“Nun ja, ich wäre eher ein wenig durch die Stadt gewandert und hätte im Zentrum nachgesehen. Dort, wo die Gebäude am höchsten hinauf ragen.” Yasuo deutet auf die Wolkenkratzer direkt vor ihnen. Dort lebt das bessere Volk, die die sich immer währende Parties leisten können.

Ihr Gepäck wiegt viel zu viel und ihre Beine sind müde.Doch bald wird sie ihre Pause nehmen können, auch wenn sie sich selbst keine gönnt. Es gibt noch viel zu sehen und der Feind kann an jeder Ecke auf sie lauern und seine kalten Klauen nach ihr ausstrecken.

Im Vorort der Stadt, dort wo die Häuser noch kleiner sind, reihen sich kleine Läden mit verschiedenen Angeboten und kleine Cafes aneinander. Hier ist kein Grün, wenn dann nur im Blumenkorb vor den kleinen Fenstern. Auf dem Hauptplatz steht ein großer Brunnen, das Wasser fließt um eine Figur herum und plätschert in das Becken darunter. Die Bänke darum sind voll besetzt. Von hier aus ist man vollkommen von den Häusern umringt, sie ragen hoch hinauf und stellen alles in den Schatten. Hier ist auch die Bank Piltovers, einige Juweliere und die Häuser der Adligen. Mit ihrem übergroßen Schwert fällt sie hier kaum auf, verschiedenste Gestalten von Roboterkörperteilen, zu einem ganzen Roboter, oder die seltsamsten Fahrzeuge kreuzen ihren Weg.

Riven fällt ein Gasthaus auf, welches recht einfach und dennoch gut wirkte. Der Eingang ist mit einem blauen Vorhang verhängt, und der Eingang schlängelt sich um einige Ecken. Im Erdgeschoss stehen die Holztische mit der Theke. Dahinter steht ein Barkeeper und poliert die unendlich vielen Gläser. Die Treppe daneben führt hinauf zu den Zimmern.

“Wir nehmen erstmal eine Nacht, bitte.” Riven legt das Geld auf die Theke und schnappt sich den Schlüssel. Yasuo folgt ihr, ihr Zimmer liegt mitten zwischen den anderen. Als sie die Tür öffnet, empfängt sie der Geruch von frisch gemachten Bett und Badreiniger. Ja, genau so ein weiches Bett hatte sie schon lange nicht mehr gehabt. Auf der Reise hierher gibt es nicht immer eine Unterkunft, also haben sie schon ihre Nächte draußen unter dem freien Himmel verbracht. Als ob sie das stören würde, aber manchmal ist ein gutes warmes Bett einfach unbezahlbar schön.

“So lässt es sich leben.” Yasuo schiebt den Vorhang vor dem Fenster beiseite.

Draußen sieht man noch mehr hinaufragende Gebäude, gestützt mit Stahl und mechanischen Vorrichtungen. Diese Stadt entwickelt sich nicht nur geistig, sondern auch körperlich weiter.

“Das tut es doch erstmal. Mich haben schon immer die Bibliotheken hier interessiert. Es heißt, sie haben ein großes Wissen angesammelt.”

“Du suchst immer noch nach der Lösung mit ...der Noxus -Sache?” fragt Yasuo und schiebt den Vorhang wieder zurück.

Riven sieht ihn strafend an. “Das ist nicht nur eine Sache. Etwas seltsames hat dort mitgespielt, ein Art Wesen. Ich kann es nicht erklären!” Wütend wirft sie sich auf das Bett und streckt Arme und Beine von sich.

“Das wird schon, wir können später mal in der Stadt nach Informationen suchen.” Yasuo setzt sich auf die Bettkante, sodass das Bett ein wenig nachgibt.

“Lass mich ein wenig schlafen, dann bin ich wieder zu sprechen.” Riven schließt die Augen und blendet alles aus. Nichts und niemand kann ihren Schlaf nehmen.
 

Das grüne Leuchten um sie herum pulsiert im Takt ihres Herzen. Da ist sie wieder, das letzte Mal als sie hier in dieser seltsamen Welt war, hatte Illaoi ihr über die drohende Gefahr erzählt und sie gewarnt. Aber jetzt?

“Was ist los?” Riven geht ein paar Schritte im Nichts. “Du solltest nicht so viel hinterfragen, meine Liebe.” Illaoi taucht mit verschränkten Armen vor ihr auf, die Tattoos leuchten genauso grün wie die Welt um sie herum.

“Ich wollte eigentlich in Ruhe schlafen und einfach mal alles ausblenden.” gibt Riven zurück und setzt sich vor sie. Ein paar Tentakel tauchen auf und geben ihr eine Sitzmöglichkeit.

“Dieses Mal hat mir mein Gott etwas weiteres gesagt.” meint sie und lächelt geheimnisvoll.

“Ich habe nicht einmal eine Ahnung, was dein Gott ist oder was du als deine Aufgaben betrachtest. Wir sind in meinem Traum, also erzähl ruhig.”

“Du bist aber ganz schön forsch, meine Kleine!” Illaoi lacht und die Tentakel schwingen belustigt mit.

“Ich habe meinen Gott, der lebt dadurch, dass Menschen Wünsche haben. Und ich beseitige die Probleme und reinige die Seelen, die nicht würdig für diese Welt sind.” erklärt sie und überlegt. “Irgendwie möchte ich dir helfen. Du hast das Potenzial, den Feind zu erkennen und zu besiegen.”

“Warum machst du das dann nicht einfach, wenn du schon frei die Seelen beseitigt?” fragt Riven und findet die Frau erst recht gruselig. Jemand der seinen Gott so sehr unterstützt und auch Leute frei läutert…

“Das ist nicht so einfach, wie du glaubst. Mein Gott ist nicht der Einzige und so manche Kreaturen sind stärker, als man für wahr halten mag.”

Das gibt ihr zu denken. Was sollte sie tun, als eine Abtrünnige und ewig wandernde Kriegerin?

“Gibt es etwas, was ich wissen muss?” fragt sie und erwartet wieder eine sehr schwammige oder gar keine Antwort. Überraschenderweise hat Illaoi einen Tipp für sie parat.

“Dein Weg wird dich nach Icathia führen, der Ursprung jenes Unheils. Ich habe mehr noch nicht herausfinden können und ich denke, das ist auch besser so.” Mit verschränkten Armen sieht sie Riven ermutigend an. “Ich glaube an dich. Und in Piltover wirst du einen guten Anfang haben.”

Erleichtert steht Riven auf und schiebt sich die Haare aus der Stirn.

“Du trägst immer noch deine Kette, und das ist auch gut so.” Überrascht pflückt sie ihre Kette aus dem Ausschnitt und hält sie hoch. Das pulsierende Grün ist schon immer so seltsam hypnotisierend und auch ein wenig gruselig. Entschlossen steckt sie sie wieder weg.

“Was soll es mir bringen? Bisher hat diese nur seltsam auf die Materia reagiert und es auch neutralisieren können…”

“Das hier ist ein besonderer Segen. Nutze ihn gut, denn ich habe mir wirklich einen guten Besitzer ausgesucht.” Lächelnd verschränkt Illaoi ihre Arme und verschwindet langsam aus ihrem Traum.

Das alles hinterlässt in Riven ein seltsames Gefühl zwischen Erkenntnis und Unwissen. Als sie aufwacht, fühlt sie sich ein wenig benommen und die Decke ist verrutscht, sodass es ihr ein wenig kalt wird. Langsam richtet sie sich auf und sieht neben sich Yasuo schlafen. Schon seit längerem hat sie keine Gefühle mehr, die Hass oder Kampfeslust angehen. Einfach alles verschlossen in ihrem Herzen. Aber jetzt wartet eine neue Aufgabe auf sie.

Vorsichtig steigt sie aus dem Bett und zieht sich Hemd und Hose an, die unauffällig, aber auch bequem sind. Sie will heute sich ein wenig um die Situation in der Stadt erkunden und mehr über die Dinge herauszufinden, die Illaoi ihr aufgetragen hat.

Icathia, den unbekannten Feind und ihre Halskette. Möglicherweise gibt es hier ein kleines Viertel der Geheimnisse und Schwarzmärkte, wo man für Geld wirklich alles bekommen kann. Zumindest gab es das bei ihr Zuhause. Jede Altersstufe ist willkommen und nur die wenigsten wussten den genauen Ort, an dem der Markt stattfand. Es wechselte immer wieder, von einem Keller zu einem Lagerhaus oder ein unscheinbares Lagerhaus. Bestechung der Beamten, Diebstahl oder Mord war nichts neues in ihrer Heimat. Auch dort hatte sie sich gerne versteckt und unter den Tischen der Händler verschiedene Informationen spioniert. So klein und zierlich hatte sie in viele kleine Verstecke gepasst. Hier hatte sie auch ihr erstes Schwerttraining erhalten und gelernt, in den Straßen des Noxus zu überleben. Bis sie eines Tages für die Garde im Noxus angeheuert wurde und sie einfach ja sagte. So kommt es, aber ihre Taktiken und Fähigkeiten hat sie schon lange nicht verlernt.

Auf den Hauptstraßen ist schon einiges los, geschäftiges Treiben und einige Kinder laufen ihr über den Weg. Die Stadt ist so modern gebaut und auf Technologien gestützt, dass es Riven einfach sehr unsympathisch ist. Zu viele Menschen, zu viel Maschinen. Wo sollte sie hier als erstes anfangen, nach dem Markt zu suchen? Fragen ist tabu. Dadurch zieht man erst Recht die Aufmerksamkeit auf sich und sorgt für einiges an Aufregung. Nach ihren Taktiken her wird sie erst einmal die Stadt erkunden und nach Hinweisen suchen.

Es führt sie durch die Straßen, bebaut mit sehr hohen Gebäuden und dampfenden Maschinen, davon einige auch halb menschlich. Außerhalb dem Ring der Wohlhabenden wird die Suche schon einfacher. Die Häuser werden kleiner und die Menschen weniger, dafür gibt es aber mehr Gerüchte und Gespräche.

Ein Lagerhaus ragt vor ihr auf, die Holzlatten von Würmern zerfressen und das dach schon wellig. Es ist beinahe genauso wie bei ihr Zuhause. Der Eindruck und das Aussehen… In der Nähe ist niemand zu sehen. Einige Schritte hinter dem Haus ist ein kleiner Eingang, verdeckt mit einem Stück Metall. Vorsichtig schiebt sie es beiseite und findet dahinter einen schmalen Gang. Die Regeln lauten: leise sein, achten dass dich keiner sieht und wenn man im Markt angekommen ist, sollte man sich normal verhalten und nicht den Anschein eines Schwarzmarktes erwecken. Am Ende des Ganges liegt die große Halle vor ihr. Viele Tische und Zelte sind hier wild verteilt, auch Kinder sitzen neben den Tischen und beobachten das geschäftige Feilschen. Es gibt immer einen, der die Informationen verkauft, und das ist dann meistens auch der mit den ordinären Waren. Riven sieht sich um, von Essen bis hin zu Maschinenteilen oder zerbrochenen Schwertstücken wird hier einiges angeboten. Eine alte Dame fädelt kleine Perlen auf Schnüre und verziert kleine Broschen. Weiter hinten im Essensbereich findet sie nichts interessantes. Hier werden die Waren verkauft, die außerhalb nicht kaufbar oder illegal zu kaufen sind. Hier ist die Bevölkerung auf einem anderen Level. Sie haben einen anderen Wert als der Adel, was dieses hier zu etwas ganz besonderem macht.

Also ist die Person die sie sucht, ganz eindeutig die Perlen fädelnde Frau. Riven schlendert zwischen den Tischen voller Metallwaren vorbei und spricht die alte Dame an.

“Ich habe Interesse an einem ihrer Waren.” meint sie und sieht sich demonstrativ die Waren auf dem Tisch an.

“Womit kann ich ihnen dienen?” fragt sie mit einem leichten Lispeln.

“Ich brauche Informationen.” Riven verschränkt ihre Arme und wartet auf die Reaktion der Frau.

“Nun gut, es kommt ganz auf die Menge und dem Wert der Information an. Die alte Baba weiß leider alles und zu viel.” Sie grinst und ihre schiefen Zähne kommen zum Vorschein. Langsam steht diese auf und die junge Frau folgt ihr. Ein kleines Stück Metall und ein Tuch trennen sie von dem Rest der Halle.

“Pro Information wird berechnet. Was soll ich dir liefern?”

Riven überlegt kurz, bevor sie ansetzt. “Mir geht es um diese…. Geschehnisse im Noxus und um eine verschwundene Stadt namens Icathia. Was können sie mir sagen?” Die Baba kratzt sich am Kopf, dann beginnt sie zu reden.

“Es soll etwas mächtiges aus den alte Büchern hervorgekommen sein, ein Wesen was noch nie jemand gewagt hat, zu kontrollieren. Ein alter Bekannter hat mir aber nicht mehr darüber sagen können. Und Icathia? Das ist eine längere Geschichte.”

“Erzähl sie mir.” antwortet Riven schnell. Baba setzt sich auf ihre knochigen Beine und beginnt zu erzählen.

“Es waren einst Reisende, die sich nach Icathia verlaufen haben. Ich selbst habe mit ihnen gesprochen, sie sind sehr mutige Männer. Aber das steht in keinen der Bücher, die du finden kannst. Sie haben sich in die verlorene Stadt Icathia gewagt und stießen auf eine Stadt in Ruinen, zerfressen von der Leere. Sie haben es nicht lassen können und sind dann bisschen zu nahe gekommen. Tja, danach waren sie nicht mehr die gleichen. Ein wenig mehr zerfressen und haben die Kraft des Voids erlangt. Es heißt, wer stark genug ist sie zu überstehen, kann einen Gott töten. Das sagten sie mir. Glaub was du willst. Ich muss zur Arbeit. Die Kosten sind 100 Gold.” Baba dreht sich um und geht wieder zurück zu ihrem Tisch und hinterlässt Fragen über Fragen in Riven.

Der Rückweg ins Hotel ist um einiges einfacher, da die Stadt ein sehr lineares System hat. Die höchsten Gebäude liegen im Zentrum, genauso wie ihr Hotel. Wahrscheinlich ist Yasuo längst wach und sie ist einfach verschwunden.. aber Mittel zum Zweck. Und Icathia… In Gedanken versunken läuft sie den Weg zurück in das Hotel. Es war schon einmal jemand in Icathia und hat es geschafft, dort zu überleben und etwas mitzunehmen. Also wird sie sich eine Karte besorgen, und nach der alten Stadt Icathia suchen. Dort muss etwas sein, was den Hinweis auf die Geschehnisse im Noxus gibt. Gedankenverloren merkt sie nicht, wie sie in einer Menschenversammlung direkt vorn steht und ein Schaukampf zwischen Mensch und Roboter sieht.

Die langen Beine des Roboters und die metallenen Arme schlagen fest und bestimmt zu, die Bewegungen sind wie geölt. Der Menschliche Gegner glänzt mit Blocken und ausweichen, doch können sie beide keinen Angriff auf den anderen landen. Das erinnert sie selbst daran, dass sie ihre Fähigkeiten und Schwertkünste verbessern wollte… denn keiner wird ihr sagen können, was sie in Icathia erwarten wird.

Kapitel 2 - Riven

Yasuo sieht sie ein wenig überrascht an, als sie wieder im Zimmer steht.

“Ich habe mir schon ein wenig Sorgen gemacht, wo du abgeblieben bist.” Riven lächelt leicht und umarmt ihn kurz.

“Das kann ich dir alles erklären. Gibt es etwas neues?” Sie schnappt sich ihr schwert und betrachtet ihr Spiegelbild in der Klinge. Sie sieht ein wenig erholter aus und ihre Haare brauchen bald wieder einen Haarschnitt.

“Ich habe mit Akali sprechen können. Es gibt ein paar kleinere Aufstände bezüglich der Versorgung und da sie Syndra freigelassen haben…”

“Und was ist mit den anderen? Zed? Und auch Akali?” Yasuo überlegt kurz, wie er antworten soll.

“Es geht allen gut, aber hat sie eine Nachricht aus Demacia erreicht. Es ist ein Forschungslabor explodiert und dabei jemand zerfetzt worden. Auf jeden Fall macht sich Lux ziemliche Sorgen und auch das Problem mit Kata in Demacia ist immer noch nicht geklärt.”

“Nur kann man nicht einfach so Verhandlungen führen, dass eine berüchtigte Assassinin friedlich mit ihrem Liebsten im feindlichen Land leben darf…” Riven legt das Schwert beiseite und überlegt.

“Ihr Vater war ein großer, einflussreicher Mann. Ich weiß nur, wie er als wir noch jung waren, auf einer Mission verschwunden ist…” Yasuo sieht ihren ausschweifenden Blick. Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als man Kata überbracht hatte, dass ihr Vater während der Mission verschwunden ist.

Auf dem Tisch stand eine Torte für Kata ihrem vierzehnten Geburtstag. Er war verziert mit kleinen roten Kirschen und ihrer Lieblingsfüllung auf jedem Boden.

“Wollt ihr auch etwas abhaben?” stolz hob Kata einer ihrer Geschenke hoch, es waren ihre neuen Dolche.

“Du willst ernsthaft mit deinem dolch den Kuchen schneiden?” fragt Talon ein wenig empört von der anderen Tischseite her.

“Natürlich, das ist richtig cool!” prahlte sie und schnitt ein großzügiges Stück aus der Torte heraus. Natürlich sagten sie nicht nein, als sie die Stücke auf die Teller legte.

“Der schmeckt wirklich toll!” Sie lachten und aßen gemeinsam am Tisch.

Dieser Kuchen wurde von ihrem Vater in der besten Konditorei in der Stadt bestellt, da er an diesem Tag auf Mission gehen musste und klein Kata alleine zuhause bleiben musste. Aber da sie schon alt genug ist und stark, hatte sie sich nichts anmerken lassen.

Die Tür wurde aufgestoßen und ihr Kindermädchen stand nach Luft schnappend in der Tür.

“Katarina, bitte komme schnell mal raus. Es gibt Neuigkeiten.” Riven und Talon sahen sie an, doch Kata stand still auf und ging mit ihrem Kindermädchen vor die Tür.

“Meinst du, es ist ihrem Vater etwas passiert?” Talon brachte es direkt auf den Punkt.

“Sei nicht so negativ, wir sollten ihren Geburtstag erst zu etwas besonderen machen.” Riven nahm ein Stück Kuchen und beobachtete aus dem Augenwinkel heraus die Tür. Wie sollten sie reagieren, wenn sie zurückkam?

Katarinas Gesicht war wie versteinert. Auf ihrem Gesicht zeichnet sich nichts außer Kälte ab, eine Maske die sie so schnell nicht wieder ablegen wird.

Talon holt Luft, dann überlegt er was er sagen soll. “Ist….alles gut gelaufen?” fragt er schließlich und Riven könnte ihn innerlich dafür eine drüberziehen mit ihrem Schwert.

“Ist schon okay, es ist nur etwas auf der Mission passiert. Es war nur ein Angriff auf Vaters Truppen. Wenn er nicht wieder kommt, ist es meine Aufgabe, den Namen der Du Coteau weiter zu erhalten…” Sie sinkt langsam auf einen Stuhl und versteckt sich hinter ein paar roten Strähnen ihres Haares.

Ihre grünen Augen sehen auf den gefließten Boden.

“Wenn dann, kannst du immer auf mich vertrauen. Ich will in die Purpurgarde eintreten!” Riven hob stolz ihren Arm, in der Hand die Gabel.

“Ich aber dann auch! Dann können wir beide dich beschützen und für dein Wohl sorgen!” Kata sah sie lang an, dann nickte sie.

“Ich sehe da jetzt sowieso voran. Danke dass ihr da für mich da seit!” Für eine Sekunde funkelte eine Träne ihrem Auge. Die junge Riven umarmte sie feste und Talon kam dazu. So standen sie zusammen am Tisch, eine kurze Zeit Stille.

Von hier an hatte sich einiges verändert, Kata hatte ihre Stärke gefunden, Talon seine Fähigkeiten gemeistert und Riven schwer mit ihrem Training weitergemacht.

Sie schlägt die Augen wieder auf und sieht Yasuo in sein hübsches Gesicht mit der Narbe über der Nase. Sie hatte ihn bisher nie gefragt, woher er sie hat.

“Ich denke, wir sollten uns entscheiden, wie es weitergeht. In Ionia kann ich ihnen mit den Problemen auch nicht helfen, Kata ist in Demacia und anscheinend mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, aber ein Angriff im Schloss bedeutet niemals etwas gutes.

“Lass uns eines nach dem anderen erledigen. Meine Aufgabe führt mich nach Icathia.” entschlossen packt sie ihre Sachen zusammen. “Dass du mich begleiten werden willst, ist eine gute Sache, aber ab einem bestimmten Punkt müssen wir uns trennen. Ich hoffe, das ist dir klar?” fragt sie und sieht ihm direkt in die dunklen Augen. Es macht sie genauso traurig, aber ihre Aufgabe könnte die Problembewältigung für andere sein.

“Ja, ich werde dir folgen so weit es geht, und wenn es darauf ankommt, werde ich meinen Weg nach Ionia machen. Zed und Syndra sind sicher nicht meine engsten Freunde, aber ich kann wenigstens etwas für sie tun.” meint er und klingt dabei entschlossen.

“Gut, dann muss ich jetzt eine Karte auffinden, auf der sich selbst die vergessenen Orte befinden. Icathia ist längst nicht mehr, es ist ein schrecklicher Ort nachdem was ich soweit weiß.” meint Riven. Vor langer Zeit hatte sie ein paar Gerüchte darüber gehört und die Aussagen der Alten bestätigen es nur. Eine Stadt, zerfressen von dem Void und einige, die sich dort hingewagt haben und nicht viele kamen zurück.

Wo liegt es? Wer könnte ihr helfen? Fragen über Fragen stehen ungelöst im Raum.

Draußen auf den Straßen wundert es sie immer wieder, wie die Menschen es schaffen, so gut mit den Roboter auszukommen. Hier ist die Technik eins mit der Bevölkerung, von diesem Bild können sich einige Länder noch etwas abschneiden, denkt sie sich und denkt an ihr eigenes Heim.

“Was meinst du, denkst du es gibt hier einen Kartographen?” Yasuo sieht sich nach den Straßenschildern um.

“Wir können auch einfach hier entlangschlendern und auf das Beste hoffen.”

Die Wege sind Sternförmig vom Zentrum aus angerichtet, und in jeder der einzelnen Straßen gibt es Bars, Geschäfte und andere kleinere geheimnisvolle Läden, die man lieber nachts besucht, um seine Geschäfte abzuwickeln.

Die Menschen auf den Straßen ignorieren sie größtenteils, manche starren ihr großes Schwert unverfroren an und kleine Kinder starren auf ihre Ausrüstung.

Je weiter sie sich von der Stadt entfernen, desto schmutziger werden die Wände und Menschen. Graffiti verschmiert einige der Wände und die Gebäude werden immer kleiner. Und hier werden sie fündig, in eineme kleinen Laden mitten zwischen zwei Häuser gequetscht. Über dem Eingang hängt ein großes Schild, dass diesen kleinen Laden als Kartographen ausweist. Die Fenster sind mit Tüchern verhangen, sodass sie keinen Blick hineinwerfen können.

“Sieht interessant aus.” meint Yasuo und sieht in das Fenster. Tatsächlich, man kann wirklich nicht erkennen, ob jemand dort ist oder nicht. Das hier ist definitiv der Laden, den sie suchen. Vorsichtig klopft Riven gegen die Fensterscheibe, immer in Angst ob das Glas gleich unter ihren fingern zerbröseln würde.

Yasuo untersucht die Tür, dann öffnet er sie einfach.

“Sowas kann man nicht einfach machen!” flüstert Riven und zieht ihn am Arm zurück, doch er lässt sich nicht beirren. Es riecht nach Büchern und alten Papier, Staub hängt in der Luft. Auf den Tischen liegen Federn, lagenweise Papier und kleine Tintenfässer. Eine Karte zeigt diese Stadt, die Form und die Infrastruktur wird Riven überall wieder erkennen. Neugierig studiert sie die einzelnen Straßen und markierten Wege.

“Was habt ihr hier zu suchen und das ohne zu fragen?” eine harsche Stimme hinter ihr lässt sie zusammenfahren.

“Es wirkte nicht, als ob jemand uns einen Empfang bereiten will. Ich bin hier um sie für ihre Dienste zu bezahlen.” Riven holt einen gefüllten Geldbeutel hervor und stellt ihn zwischen die Tintenfässer auf den hölzernen Tisch.

“Gut, was wollen sie?” Der Mann hat einen gekringelten Schnauzer und eine kleine Brille auf der Nase. Seine Kleidung ist einfach und tintenbefleckt wie seine Finger.

Riven setzt sich auf einen kleinen Hocker und sieht ihn direkt an. “Mein Auftrag führt mich nach Icathia. Können sie mir eine Karte bieten?” Der alte Mann sieht sie nur an, aber ein kleines Zucken verrät ihr, dass er etwas zu verbergen hat.

“Diese Karte ist für eine Reise vor einigen Jahren gezeichnet worden, doch hat der Käufer sie nie abgeholt. Dafür müssen sie aber ihren angemessenen Preis bezahlen.” Er steht auf und holt aus dem Regal an der gegenüberliegenden Wand ein zusammengerolltes Stück Papier.

“Dieses Gebiet ist nicht selbst dokumentierbar, aber die Position und Größe habe ich damals aufzeichnen können.” er breitet das Pergament auf dem Tisch aus, schaufelt dabei einfach alles beiseite und zeigt den beiden eine leicht vergilbte Karte.

“Hinter dem Mogronenpass ist alles, was für uns Menschen nicht erreichbar ist. Dafür müssen sie erst einmal die Berge erklimmen um auf der anderen Seite einer einzigartigen Wüste entgegen zu sehen. Icathia ist dort, untergegangen und von böser Energie gefüllt. Ihr Auftrag ist viel zu riskant, Ma´am.” Der Kartograph rollt die Karte wieder zusammen, doch Riven legt ihre Hand darauf.

“Dort werde ich die Lösung finden, unseren Krieg zu beenden. Nicht nur den ihren, sondern diesen zwischen zwei großen Staaten Valorans. Damit tun sie es für einen guten Zweck.” Ihr Blick ist eiskalt und fokussiert.

“Wenn sie in Probleme geraten, wird das nicht mein Problem sein.” Er nimmt mit einem Schwung das Geld und überlässt ihr die Karte. Riven rollt sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck zusammen und verlässt ohne ein Wort den Laden. Yasuo weiß in dem Moment nicht genau, was er sagen sollte. So auf etwas fokussiert hat er sie lange nicht erlebt.

“Dieses Dorf hier kenne ich schon…” murmelte die junge Frau und fährt mit dem Finger über den Bergpass und die eingezeichneten Wege, über diese man den Pass erklimmen kann.

“Dass du wirklich so viel gibst, nach Icathia zu kommen…”

Riven fährt herum, einen kühlen Blick in den Augen. “Dieser Ort hat mit den Geschehnissen im Krieg zu tun, es leiden einige unter den Folgen des Krieges und meine Freundin aus Kindertagen kann nicht ihre Liebe leben, da sie eine Feindin ist. Wir sind praktisch in den Windeln mit den anderen aufgewachsen und meine Heimat ist mir immer noch wichtig. Ist dir das genug Grund?” Yasuo versucht, aus ihrer Reaktion heraus zu lesen. In seinem Land gibt es auch genug Probleme, aber was will man tun? Es lässt sich nicht alles erklären und helfen. Aber jemand hat ihr diesen Auftrag gegeben, der sie zu dieser Leistung motiviert.

“Dann verstehe ich dich vielleicht besser. Nächstes Mal kannst du mir doch einfach sagen, was los ist?”

“Ja, das hätte ich wohl. Es tut mir leid.” Riven rollt die Karte wieder zusammen und sieht sich um.

“Wie kommen wir am einfachsten in den Süden Valorans? Dort liegt hoffentlich eine Bahnstation, die wir von hier erreichen können.”

Die Barriere liegt südlich vor Shurima, sodass sie in der Hauptstadt aussteigen könnten und sie sich durch die Wüste auf den weg hinab nach Icathia macht.

“Hast du noch Geld übrig? “ Gemeinsam kramten sie nach den restlichen Proviant, die Taschen hatte sie schon anfangs eher klein gepackt und nur das nötigste mitgenommen. Für den langen Weg durch die Wüste, wieder einmal, packte sie genug Wasser und ein wenig fertig gepacktes Essen ein. Das wird genug an ihren Nerven lasten, aber wenn es ausreicht, um etwas zu verändern?

Am Bahnhof stehen sie gemeinsam am Bahngleis und vergewissern sich, dass sie genug eingepackt hat. Da kommt Yasuo überraschend auf die Reise zurück.

“Ich denke, ich werde nach Ionia zurückkehren. Es ist genug zu tun, außerdem gibt es Probleme in Demacia die man Ionia im Punkt Magie anvertraut hat. Ich werde mich darum kümmern, dass die Probleme in Demacia verschwinden.”

“Bist du dir sicher?” Riven umarmt ihn ein letztes Mal, da der Zug bald einfährt.

“Komme einfach lebend wieder, das würde vielen ein großer Gefallen sein.”

Ein letzter Blick ,dann trennen sich ihre Wege für eine unbestimmte Zeit. Die ganze Bahnfahrt über denkt sie an ihr Zuhause, an Kata die in Demacia undercover lebt und Talon, der jetzt alleine im Noxus ist und wahrscheinlich den ganzen Tag dem Kommandeur der Purpurelite zuhören muss, was es bedeutet, einen Krieg zu führen.

Sie alle drei zusammen, sie vermisst es fast. Es ist einfach schrecklich, so weit getrennt zu sein von ihren Freunden, aber das für einen guten Grund. Was auch immer im Noxus für seltsame Techniken genutzt werden, jemand hat sich dunkle Kraft angeeignet die schreckliche Ausmaße annehmen können, wenn sie keiner kennt und sie nicht ihren Ursprung herausfindet. Das ewige Mysterium der leeren Stadt und sie alleine im Zug auf dem Weg nach Shurima, um einer Gottesdienerin ihren verdammten Wunsch zu erfüllen und ihrer Heimat zu helfen.

Wenn das alles vorbei ist, wird sie nach Hause zurückkehren und hoffentlich das Bündnis zwischen den Ländern ändern. Kein Krieg für nichts, auch wenn sie ständig einen neuen Grund finden. Zum Beispiel als es um die Minen in Kalamanda ging, hatte Katarina eine Menge zu tun, dass die Verhandlungen zu gunsten ihrer ablaufen werden. Aber das ist nicht einmal lange her, als der Noxus sich dieses Mal zu einem Angriff entschieden hatte. Vielleicht sollte sie durch dieses Dorf gehen… Die Route würde ihr vielleicht noch Informationen beschaffen und ihren Proviant aufstocken.

In ihrem Abteil nimmt sie am Fenster platz und legt ihr Schwert und Tasche unter ihren Sitz. Man sollte nie vorsichtig genug sein, es kann eine Menge passieren, worauf sie immer vorbereitet sein will. Aus dem Fenster starrend und in Gedanken versunken fährt sie nach Shurima zurück, damit sie das Geheimnis um Icathia tiefer ergründen kann.

Kapitel 3 - Yasuo

Der Rückweg nach Ionia gestaltet sich anstrengender als gedacht. Erst wollte man ihn nicht nach Ionia mitnehmen auf einem Schiff, und dann als er schon jegliche Geduld verloren hatte, ist er an einen Teleportstein gekommen mit dem er sehr schnell wieder zuhause ist.

Vor den Toren des großen Hauptgebäudes im Placidium. die Sonne scheint und alles scheint fröhlich und friedlich, ein voller Kontrast zu Piltover. Die Farben, die Menschen und die Mentalität ist eine völlig andere. Erleichtert packt er seine Sachen zusammen und beschließt, sich in der Stadt in einen der Stammgasthäuser unterzubringen. Dann würde er sich auf die Suche nach den alten Begleitern machen, auf Akali würde er am einfachsten stoßen. Syndras Schloss zu finden ist ein einziges Mysterium und auf Zed war er nicht immer gut zu sprechen. Möglicherweise kann aber genau diese Verbannte ihm alles erzählen, was die Probleme in Ionia betrifft. Er hatte bisher nur mitbekommen, dass einige seltsame Geschehnisse nun auch Demacia erreicht haben. Sie ist die Magierin, die das Land fürchtet und genau deswegen könnte es interessant werden.

Im Gasthaus lässt er seine Sachen liegen, bis auf sein Schwert braucht er nichts weiter. Auf den Straßen ist heute eher wenig treiben, es ist Nachmittag und viele versammeln sich im Garten unter dem großen Baum, um ihren Nachmittag ruhig zu verbringen.

Tatsächlich liegt er auf der richtigen Spur, als er das Placidium verlässt und tiefer in den Wald geht. Eine typische Energie flimmert in der Luft, ihr Schloss kann ihre eingesperrte Kraft wohl kaum verbergen. Ja, hier ist sie. Möglicherweise ist auch Zed gerade hier, so wie immer. Grinsend sucht er den Himmel nach ihrem Schloss ab.

Dort ist es, die Festung aus dunklem Stein und kleinen Fenstern, die wenig Ausblick nach draußen geben. Er stellt sich darunter, richtet noch einmal sein Schwert und sieht hinauf. Es hält an und eine kleine leuchtende Leiter gewährt ihm Zutritt.

“Wie schön, dass du auch mal zu Besuch kommst.” Syndra steht mit verschränkten Armen über ihn, die Orbs fliegen neben ihr her und bleiben neben ihr still schweben, als sie ihm hinauf hilft. Yasuo bleibt kurz auf dem Teppich neben dem Eingang liegen.

“Es ist so verdammt viel passiert, ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll.” sagt er schließlich und rappelt sich wieder auf.

“Du brauchst meine Hilfe?” fragt sie trocken und ihre glühenden lilafarbenen Augen zeigen keinerlei Gefühl.

“Es geht um einen Vorfall in Demacia, der anscheinend mit Ionia in Verbindung steht…” Syndra führt ihn in ihren Hauptraum, an einen gedeckten Tisch mit Tellern und Gläsern.

Sie bedeutet ihm, sich zu setzen und Yasuo folgt der Geste.

“Ich habe tatsächlich davon gehört. Es hat auf jeden Fall etwas mit den seltsamen Mitteln zu tun, die ich bei den Kämpfern des Noxus gefunden habe.”

“Du hast Proben?” fragt Yasuo überrascht und nimmt ein Glas Wasser.

Syndra tippt mit ihrem Finger auf den Tellerrand. “Mir ist etwas zugekommen. Auf jeden Fall ist es eine andere Art von Macht, eine seltsam Arkane…” erklärt sie und sieht ihn ernst an. “Wo hast du Riven gelassen?”

Darauf grinst er schmal. “Sie ist auf dem Weg nach Icathia, weil sie anscheinend wegen diesen Problemes betreut wurde.” Sie senkt den Kopf und überlegt.

“Du kannst auf jeden Fall dafür sorgen, dass diese Information an niemand falsches gerät. Aber dieses Zeug, nenne ich es mal Essenz, diese ist eine Lebensform unter einer Art Gottheit, die sich von der Leere nährt. Diese Essenz hat sich jemand, wer weiß ich natürlich nicht, an sich genommen und nutzt sie jetzt für seine Pläne.”

Die Situation scheint aussichtslos und ziemlich seltsam zu scheinen, aber nichts ist unmöglich bevor man es versucht hat.

“Bald wird der Winter kommen, was sollte ich tun? Riven ist irgendwo in der wüste und ich kann nicht einmal unter den Umständen so einfach nach Demacia kommen…”

Syndra lächelt geheimnisvoll. “Wenn du es schaffst, dass ich Ionia verlassen darf mit meinem Schloss, dann werde ich dich überall hinbringen können. Meinst du, du bist dieser Aufgabe gewachsen?” Yasuo lacht kurz und nimmt einen weiteren Schluck Wasser.

“Ich werde mich einfach bei dem nächsten Fest zu den höheren Tieren gesellen. Das hier ist nicht wirklich der Ort, an dem ich bleiben will, aber für das Missionsziel werde ich es tun.” Damit ist der Deal gefasst. Er wird sich um die Geschehnisse in Demacia kümmern, mit Hilfe von Syndra dürfte das einfacher sein als gedacht.

Und Riven, auf sie muss er warten und hoffen, dass sie herausfindet, was der Auslöser für entstehende Probleme ist. Icathia ist geheimnisvoll und ein dunkler Ort, er weiß es dass es gefährlich ist. Gerade jetzt kann man nur abwarten und vertrauen.

Syndra meint, er würde bei ihr schlafen können, und sich ein paar Sachen in der Stadt kaufen gehen wenn er es braucht. Schlaf wird er sowieso nicht finden, also nimmt er Kontakt zu Akali auf.

“Akali, meinst du, du kannst mir Zutritt zu dem nächsten Treffen mit dem Rat verschaffen?” Überrascht sieht Akali ihn von der anderen Seite des Glases an. Die moderne Magie ermöglicht Kommunikation per spiegelnden Gegenständen zu anderen.

“Natürlich könnte ich das, aber ob da großartig was zu machen wäre? Was hast du vor?” Yasuo kratzt sich und überlegt. “Mir schwebt eine kleine Planänderung vor. Ich bin nicht mehr willkommen hier als ein Bewohner, also werde ich mir ein paar Freiheiten nehmen und mit Syndra das Land verlassen.”

Akali überlegt ein paar Sekunden lang, dann seufzt sie. “Ich werde dir helfen hineinzukommen. Dafür musst du aber einen Abend lang so tun, als ob ich deine Begleitung bin. Davon sollte Shen nichts erfahren und lass es nicht zu den anderen durchsickern!”

Er nickt, damit kann er sich anfreunden. “Wenn es schief läuft, stehe auch ich auf dem Spiel. Meine Familie tut eigentlich ihren Dienst und ich will nicht wegen dir von Ionia verbannt werden. “

Das versteht er, und so einigen sie sich darauf, am kommenden Wochenende sich Zugriff auf die Daten im Zentrum zu schaffen und Syndra mehr oder weniger unerlaubt eine Ausfuhrerlaubnis zu besorgen. Sonst würde sie fliehen und einem anderen Land helfen, aber so könnte er es umgehen und für beide eine Klappe schlagen. Freiheit und Hilfe, beides Dinge die er zu schätzen gelernt hat.

“Vielen Dank, ich bin immer froh, wenn ich auf deine Hilfe zählen kann.” meint er aufrichtig und lächelt ermutigend.

“Das ist eine wirkliche Ausnahme! Damit steht genug auf dem Spiel, aber wenn damit anderen geholfen werden kann, tue ich es.”

“Syndra wird das Land nie verlassen dürfen, und damit sie helfen kann tue ich das jetzt einfach.” Sie beenden das Gespräch mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck. Bis zum Wochenende hat er die Aufgabe, sich einen Anzug zu besorgen und sein Schwert irgendwo verstecken zu können, damit er nicht unbewaffnet auf fremdes Gebiet geht. Niemand weiß genau, wie der Rat tickt. Und da er für sie ein Feind ist, will er auf alles vorbereitet sein.

In dieser Nacht drehen sich alle seine Gedanken um die Aufgabe und Riven, wie es ihr wohl ergeht und was sie erwarten wird. Irgendwann hat auch er seinen Schlaf gefunden.

Die Zeit zum Wochenende vergeht wie im Flug und schon ist der abgemachte Tag, an dem er sich in den Rat schleichen wird und die Papiere stehlen wird. Nur ausleihen, das redet er sich die ganze Zeit ein. Alles für einen guten Zweck.

Nur würde ihm das sicher keiner so einfach glauben. Er glaubt an sich und das ist genug für Erfolg. Der Anzug wurde ihm von ausgeliehen, Bekannte Akalis sollen noch einen übrig gehabt haben. Ein wenig unwohl fühlt er sich darin schon, aber damit niemand sich wundert muss er heute zu seinem Leidwesen wie gestriegelt dort auftauchen.

Akali kommentiert sein etwas leidendes Gesicht nicht, sie trägt ein kurzes Schwarzes Kleid, klassisch geschnitten und knielang.

“Schau nicht so, ich würde auch gerne meine eigene Kleidung tragen und meine Kamas an der Hüfte spüren.” Vor ihnen liegt das große Rathaus, das Dach ist mit roten Kacheln bedeckt und der Eingang gigantisch mit zwei großen Säulen vor dem imposanten Tor. Vor den Türen steht niemand, also öffnet Akali diese einfach und führt ihn durch die langen Gänge in den großen Hauptraum. Hier steht alles, was Rang und Namen hat in einem Raum zusammen, die Sektgläser in der Hand und unterhalten sich mit vornehm angehobenen Kopf über ihre so wichtigen Themen.

Yasuo fühlt sich sehr fehl am Platz und versucht trotzdem, einen guten Eindruck zu machen. Er folgt eigentlich nur Akali, die ihn zu einer Säule dirigierte und so tat, als ob sie mit ihm ein sehr interessantes Gespräch führen würde.

“Wir sollten einfach hier mit niemanden ein großes Gespräch anfangen und schnell wieder verschwinden.” meint sie und zupft am Kleidsaum herum.

“Dann schnappe ich mir die Papiere und alles ist wieder gut. Ich möchte eigentlich hier nichts hinterlassen.”

“Den guten Eindruck auf die junge Dame dort hinten anscheinend schon…” Akali zwinkert ihm verstohlen zu und deutet auf eine blonde Frau im dunkelblauen Kleid, welche mit Sektglas am anderen Raumende steht und gerade ein Gespräch mit einem älteren Mann führt.

Soweit hat er niemanden hier gesehen, der ihn erkennen könnte. Und Akali sieht ebenfalls anders aus als in ihrer “Normalen” Kleidung, also sollten sie auf der sicheren Seite sein. Zumindest dachte er es, bis die Blondine auf ihn zukommt.

“Dein Gesicht sagt mir, dass du hier nicht aus freien Stücken bist. Wenn du willst, können wir auch draußen vor der Tür reden.” Ihre Augen sind so tief und feurig, dass ihm ein Schauder über den Rücken läuft.

“Reden über was? Ich bin nur aus politischen Interesse hier.” Verdammt, ist es schwer so locker wie möglich zu wirken wenn man innerlich dem Fluchtinstinkt zu widerstehen versucht.

“Nennen sie mich Kayle. Ich bin derzeit Forscherin für Anomalien hier in Ionia und habe meine Kriegsrüstung mal beiseite gelegt.” Höflich schüttelt Yasuo ihre schmale Hand.

“Ich bin Yasuo, ein einfacher Krieger aus den Dörfern Ionias.” meint er knapp und Akali, die sich beim Buffet ein Snack genehmigt, nickt ihm zu.

“Welch angenehme Gesellschaft. Wenn es ihnen beliebt, kann ich sie gerne mal in mein Forschungsbüro mitnehmen. Es gibt eine Menge interessanter Gerätschaften und noch mehr.” Sie lächelt und scheint es ernsthaft nett zu meinen.

“Vielen Dank für das Angebot, ich bin tatsächlich gerade im Auftrag bezüglich einer...magischen Anomalie unterwegs.” erklärt er. Yasuo ist sich sicher, dass sie noch von Hilfe sein wird.

“Tatsächlich? Davon habe ich gehört, aber keine Proben erhalten, um mich dieser anzunehmen. Dann sollten sie erst recht in mein Labor kommen.”

“Dafür werde ich eine Freundin mitbringen, sie hat eine Probe.” Kayle hebt eine Augenbraue, man sieht ihr an. dass sie nachdenkt.

“Schön, hier haben sie meine Visitenkarte. Kommen sie ruhig morgen vorbei und bringen sie ihre Freundin mit.” Yasuo nimmt sich die Karte und steckt sie in die Jackett -Jacke, bevor er sich höflich von ihr verabschiedet und wieder zu Akali geht.

Sie sieht ihn ziemlich überrascht an. “Dein Aussehen hat dir eine gut aussehende junge Frau und eine Einladung in ihr Labor beschert. Damit hast du schon einmal eine Hürde geschafft. Jetzt zu den Papieren? Ich will endlich raus aus dem Kleid.” Mit einem ziemlich unzufriedenen Gesichtsausdruck zieht sie das Kleid im Ausschnitt gerade.

“Gut, aber sei vorsichtig. Mach es schnell und dann gehen wir von hier.” Akali stellt das Glas zurück an das Buffet und gemeinsam verlassen sie den Saal voller nobler Gestalten. Wirklich nicht seine Liga.

Ein Stockwerk höher in dem Verwaltungsbüro wird Akali fündig. Mithilfe ihrer Schattenkünste schleicht sie sich hinein und durchsucht leise die Schubladen. Yasuo steht derweil an der Empore und sieht hinab auf den glänzenden Boden.

Kayle, eine Forscherin. Hat sie gewusst, worauf er aus ist? Gut ist es auf jeden Fall, endlich jemanden zu haben, der bei dem Projekt helfen kann. Er atmet einmal tief ein und aus und beruhigt sich. Damit wird alles besser werden.

“Ich hab sie” flüstert Akali und hält die Papiere hoch.Yasuo nickt zufrieden, dann gehen sie gemeinsam die Treppe hinab. Erst als sie wieder ein Stück den Weg vor dem Eingang hinab sind, wagt er wieder zu atmen.

“Verdammt, wir haben sie gestohlen!” Sie grinsen sich an, halb erleichtert und glücklich.

“Jetzt hoffe ich nur noch, dass die junge Forscherin uns noch helfen kann.” Akali nickt und zupft ihre Haare wieder aus dem ordentlich gebundenen Haarknoten. Deutlich erleichtert lächelt sie ihn an. “Komm heute einfach zu mir nach Hause, da ist noch Platz.”

“Dankeschön.” Auf dem Weg zu ihr begegnet ihnen niemand mehr, die Straßen sind wie ausgestorben. Unter den Laternen sammeln sich die Motten summend und vor ihnen liegt die dunkle Straße, gesäumt von den kleinen Häusern der Stadt. Auf einmal spürt er wieder die zerrende Einsamkeit wie auf einem Schlag. Sein Herz ist immer noch gebrochen, sein Meister ist tot und sein Bruder wird ihm nie wieder seine Ratschläge geben. Er hat Riven auf eine Reise in eine unbekannte Welt geschickt und er? Er bleibt zurück und versucht denen zu helfen, die sonst nicht gerettet werden können. Ihm konnte bisher niemand helfen, bloß wenn er an ihrer Seite ist und sie in den Armen spürt, füllt es seine Leere und gibt ihm das Gefühl, alles erreichen zu können. Und jetzt, wo sie einfach fort ist kommt langsam dieses kalte Gefühl wieder, kriecht in sein Herz und umkrallt sein Herz mit langen Fingern. Ehe man sich versieht, zerquetscht es sein Herz und alle Gefühle sind für immer verschwunden.

“Kommst du? Ich wohne hier.” Akali reisst ihn aus den Gedanken, als sie die Tür zu ihrem kleinen Häuschen in der Stadt öffnet.

“Heute sollten wir nicht im Palast schlafen, wo ich eigentlich wohne. Das ist echt zu auffällig und ausserdem wollte ich meine Blumen hier sowieso mal gießen.”

Sie wirft den Schlüsselbund auf den Tisch im Flur und schaltet das Licht ein. Sanft leuchtet es auf ein kleines Wohnzimmer voller Topfpflanzen und einem großen Sessel auf einem bunten Teppich.

Irgendwie sieht man es ihr nicht an, dass sie tatsächlich ein Fan von Pflanzen ist, aber sie kümmert sich mit Liebe um diese und gießt die Töpfe.

“Oben ist ein Gästezimmer, mach es dir bequem. Ich werde das Haus morgen einfach verlassen, mach dir Tür hinter dir zu.” erklärt sie und schneidet gerade ein paar kaputte Blätter ab.

“Alles klar, und noch einmal vielen Dank.” Yasuo winkt ihr zum Abschied, bevor er sich das Zimmer sucht und auf das Bett wirft. Die Visitenkarte hat er vorsichtshalber immer noch in der Jacke, als er sie auszieht. Morgen wird er mit Syndra ihr einen netten Besuch abstatten.

Kapitel 4 - Lux

Ratlos blättert sie durch verschiedene Bücher, als ihr Bruder in der Tür steht.

“Unten erwartet dich Besuch, du solltest mal vorbei sehen.” Seufzend legt sie den Wälzer beiseite und streicht ihre Kleidung glatt.

“Wer ist es dieses Mal? Wieder so ein Anliegen unter zwei Streitenden oder mal was ernsthaftes?” Garen verschränkt seine Arme, sichtlich nicht begeistert von seiner Schwester.

“Du solltest besser deinen Aufgaben als Prinzessin der Crownguards erfüllen…”

“Keine Sorge mein Bruder, das werde ich. Sonst dachte ich immer, du bist derjenige, der mit seinem vollen Herz für Demacia steht.” Sie verlässt den Raum und läuft schnell die vielen Treppenstufen in das Haupthaus hinab. Gerade ist die Sache mit Problemen aus Ionia ausgeweitet, man hat Demacia zur Rate gezogen. Und genau dann ist ihr Alchemist einfach gestorben, es soll an einem Experiment liegen hat man ihr gesagt. Und als ob es nicht gerade genug ist dafür eine Lösung zu finden, muss sie weiter Gäste empfangen und auf gut Laune machen. Umso überraschender ist es, als sie in der Eingangshalle auf zwei alte bekannte Gesichter trifft.

“Yasuo, Syndra, ihr seit hier?” überrascht hastet sie die Stufen hinab und umarmt erst Yasuo. Er riecht nach Natur, sie war schon so langen nicht mehr draußen, ein wenig spazieren oder einfach nur faul sein...das geht gerade nicht.

“Wie geht es dir?” fragt er und mustert sie von oben bis unten.

“Nun ja, es gibt eine Menge Stress, da Ionia den Rat von Demacia um Hilfe bittet und auch ich gefragt werde…” Yasuo sieht erst sie, dann Syndra an.

“Meine Begleitung hier meint, sie kann mit dem Problem in Sachen Magie helfen. Außerdem brauchen wir dich, damit du das Problem mit Lichtmagie lösen kannst…”

Lux winkt den beiden, mit nach oben in das Gästezimmer kommen können.

Syndra schweigt schon die ganze Zeit lang, die Arme verschränkt. Anscheinend ist sie nicht begeistert, hier im Hause Demacias ihre Zeit verschwenden zu müssen.

“Nehmt Platz, ich hole Tee. Wo ist eigentlich Riven?” fragt sie nebenbei und bemerkt Yasuos Gesicht, wie es einfriert und er nur antwortet: “Sie ist alleine auf eine Mission gegangen.”

Während das Teewasser gebracht wird, warten sie und unterhalten sich über die letzten Geschehnisse. Auf einmal, von einem Tag auf den anderen, sind alle diese Probleme aufgetaucht und auch Menschen beginnen sich zu verändern. Viel konnte man bisher nicht herausfinden, weshalb Syndra nun helfen sollte.

“Lichte Magie soll auf jeden Fall den Symptomen entgegen wirken. So hat die junge Forscherin es uns gesagt.” Lux faltet ihre schmalen Hände im Schoß und überlegt.

“Ich mache gerade meine Ausbildung zur vollständigen Lichtmagierin, und bin auch eigentlich für die Prüfung soweit. Aber die aktuelle Situation erlaubt es mir nicht, weiter zu lernen…”

Yasuo sieht sich um und bemerkt die vielen Bücher, die sich neben dem Tisch stapeln. Er zieht eines heraus und liest vom Buchdeckel die verschiedenen Zeichen für Alchemie ab.

“Sieht ziemlich… kompliziert aus…” und legt es wieder beiseite. “Wirst du uns trotzdem helfen? Ich meine, so eine Magie um gegen dunkle Magie entgegen zu wirken muss schon eine große Kraftaufforderung sein…”

Der Tee kommt und Lux schenkt ihnen beiden warmen dunkelgrünen Tee in die feinen Tassen.

“Ich werde es auf jeden Fall versuchen, keine Frage. Aber die Genauigkeiten kann ich auch nicht weiter ergründen. Keiner weiß, was hier die Leute kaputt macht und dunkel hinter uns lauert.” Sie nimmt einen Schluck und atmet tief das Aroma des Tees ein.

“Du bist so ernst, das ist einfach ungewohnt.” meint Yasuo und lächelt schief über den Tassenrand hinweg.

“Die Prüfungen nehmen mir jegliche Kraft, seit ich von der Reise heimkam blieb mir kaum Zeit für eigene Kleinigkeiten…”

Dort sitzen sie im Gästezimmer und schlürfen ihren Tee.

“Natürlich dürft ihr beide bei uns unterkommen, sofern ihr euch nicht mit den anderen Häusern anlegt. Laurent ist etwas… wie soll ich es sagen? Sie duellieren sich einfach gerne mit jedem und wollen die Herausforderung nicht stehen lassen.”

Überrascht zieht Syndra die Augenbrauen hoch, sagt aber nichts weiter dazu.

“Niemand möchte sich mit ihr anlegen. Es gab einige Vorfälle und Morde, daher rate ich euch, einfach wie wie Gäste meines Hauses Crownguards zu verhalten.

Die beiden hören sich die Regeln des Hauses an und versprechen, sie einzuhalten. Das ist immer eine Frage, wenn man eine böse Magierin und einen Schwertkämpfer unter seinem Haus hat.

Nach dem gemeinsamen Tee gibt es eine Rundführung durch den großen Palast. Es ist hier wie immer frisch geputzt so dass alles glänzt und leuchtet, durch die farbigen Glasfenster leuchtet die Sonne und vollendet das harmonische Bild.

Beide sehen auf jeden Fall glücklich aus und erstaunt über ihr schönes Zuhause.

Erleichtert zeigt sie ihnen den Hauptraum und die kleinen Flure, in denen die Zimmer der anderen Bewohner liegen.

Ihren Bruder kann sie nirgendwo finden und ihre Eltern sind gerade sicherlich in einer Besprechung, weshalb sie erst gar nicht mit ihnen rechnet.

Zurück in ihrem Stockwerk angekommen, zeigt sie ihnen ihre Unterkunft und legt ihnen ein paar alte Kleidungsstücke bereit.

Ermüdet sucht sie ihr Zimmer auf und wirft die Tür hinter sich zu. Lux lehnt sich an den Rahmen und schließt die Augen. In letzter Zeit wird so viel von ihr erwartet, die Prüfung und eine Lösung für die Anomalien soll sie jetzt auch noch haben. Die Prinzessin der Crownguards zu sein ist anstrengend genug, denn ihr Bruder hat vielleicht Muskeln, dafür umso weniger Hirn. Vor allem jetzt wo Katarina bei ihnen untergetaucht ist, scheinen alle seine Zellen nur noch für sie zu leben.

Erleichtert streckt sie sich auf ihrem Bett aus und lässt die Stille auf sich wirken.

“Wenn dir das alles zu viel ist, wieso setzt du dem Ganzen nicht ein Ende?” Eine dunkle Stimme in ihrem Kopf lässt sie hochfahren.

“Was willst du, verschwinde aus meinem Kopf!” wütend ballt sie ihre Fäuste und drängt dagegen an.

“Aber ich doch nicht, ich möchte nichts schlechtes von dir.” so einschleimend und süß, dass es schon fast schrecklich ist.

“Ich sagte verschwinde. Ich brauche keine weiteren falschen Versprechen.” Lux schüttelt ihren blonden Schopf und merkt die Erleichterung, als die Stimme tatsächlich aus dem Kopf verschwindet. Dafür hinterlässt es in ihr ein ungutes Gefühl. Wird sie schon so verrückt? Das sollte es wirklich nicht sein. Erschöpft lässt sie sich wieder zurück in die Kissen sinken und blendet für einige Stunden einfach alles um sie herum aus, auch seltsame Besucher. Oder war es einfach nur sie selbst, die sich etwas einreden wollte?

Am darauffolgenden Tag sah alles schon anders aus. Ihre Eltern waren wie immer beschäftigt und ließen sie alleine mit den anderen am Frühstückstisch.

“Wie war eure Nacht?” fragt sie und nimmt sich eine Frucht.

“Vielen Dank, dass du uns so großzügig unterkommen lässt. Eigentlich sollten wir dich nicht weiter stören…” Yasuo isst ein wenig zaghaft von den frischen Brot, dass die Bediensteten aufgefahren haben.

“Ist kein Problem soweit! Nur rufen meine Aufgaben mich, die Vorbereitungen für die Prüfung haben angefangen.”

Syndra blickt auf und fragt: “Also kannst du jetzt doch die Prüfungen machen?”

“Ja, ich soll sobald wie möglich meine Magie meistern um uns allen helfen zu können.”

Interessiert sehen die beiden sie an, so als ob sie genau erklärt haben wollen, was es damit auf sich hat und was genau ihr vorbesteht.

“Ihr werdet schon sehen, meine Nerven liegen gerade blank und ich möchte wirklich nicht noch verrückter werden. Mein Bruder ist nirgends zu finden und meine Eltern sind natürlich auch nicht da…”

Verzweifelt stützt sie ihren Kopf in die Hände und schmollt.

“Du schaffst das schon, ich werde an deiner Seite stehen und die Daumen drücken.” Yasuo lächelt sie an und Lux versucht es sich zu Herzen zu nehmen.

Man sollte sich nie zu viel Panik machen, wenn es überhaupt nicht so schlimm wird.

Ein wenig mehr ermutigt steht sie auf und macht sich auf den Weg in die Halle der Magie. Wie der Name der Halle es sagt, ist das hier der Ort, an dem sich die Magier aller Häuser treffen. Leider gibt es auch manchmal Streitereien, aber heute sind sie wegen ihrer letzten Vorbereitungen dort und haben ihre Streitereien begraben.

Die Fenster mit Buntglas scheinen heute noch schöner zu leuchten und zaubern farbige Lichtflecken auf den Marmorboden. Erfreut zupft Lux ihre Kleidung zurecht und geht mit einem aufrechten Gang in die Mitte des Saales.

“Willkommen, Zauberin.” Eine Novizin mit hochgesteckten Haar verbeugt sich vor ihr.

Sie verbeugt sich ebenfalls und studiert die heutigen Besucher. Einige Gesichter kennt sie schon, da sie eine wichtige Rolle in Demacia spielen. Zufällig bekommt sie ein Gespräch zwei Männer mit.

“....Sie haben ihn als tot erklärt, er ist angeblich an seinem Experiment gestorben, doch glaube ich daran nicht.”

“Warum, was meinst du?”

“Sonst war er eigentlich ein sorgfältiger und ordentlicher Mensch, ich glaube, da steckt mehr dahinter.”

Lux geht schnell ein paar Schritte beiseite, dass man sie nicht lauschen hört. Der Unfall im Labor ist einige Tage her und anscheinend machen sich gerade Gerüchte breit.

Menschen reden viel, vorallem wenn es um geheimnisvolle Tode in ihrer Nähe geht.

Umso interessanter ist es für sie, Gerüchte und falsche Nachrichten darüber zu verteilen. Egal wie anstrengend es auch sein mag, als eine Prinzessin muss sie immer ihr Gesicht wahren und so tun, als ob es sie nichts anginge und ignoriert die Geschichten. Doch dieses Mal ist sie auch interessiert, was nun die genaueren Umstände um den Tod ihres Alchemisten sind.

“Bist du schon vorbereitet auf deine Prüfung?” fragt die Frau neben ihr und blickt sie mit großen Augen an.

“Ja, natürlich. Was getan werden muss, das werde ich ohne mit der Wimper zu zucken tun.”

Lux geht mutig in die Mitte des Saals und verbeugt sich leicht.

“Meine Damen und Herren, ihr seit alle hier und meine Prüfung zu sehen und zu einer richtigen Zauberin aufsteigen zu sehen. Aber ich werde schon heute mit den zahlreichen Aufgaben beginnen und mich den Gefahren stellen.” Die Anwesenden versuchen, ihre Überraschung zu verbergen, doch das gelingt nicht allen.

Lux nimmt ihren Zauberstab und zeichnet die Zeichen für Licht auf den mit Mosaik geschmückten Boden. Das Leuchten wird immer größer mit jedem Zeichen und schon bald öffnet sich vor ihr ein verzaubertes Tor. Man kann nichts außer das helle goldene Leuchten sehen, dass den Kreis erfüllt. Mutig tritt sie hinein und wird von einer schlagartigen Dunkelheit übermannt.

“Hallo?” es hallt als ob sie in einer Höhle ohne Licht wäre.

“Hallo…” flüstert eine Stimme aus dem Nichts zurück. Überrascht zuckt sie zurück und versucht, mit ihrem Stab Licht zu machen.

“So einfach ist das nicht, die Dunkelheit ist wunderbar!” Die Stimme kichert und Lux wird ein wenig schwindelig. Nichts sehen, spüren oder orientieren zu können macht sie verrückt.

Aber nein, Aufgeben sollte sie nicht.

“Was bist du?” fragt sie ins dunkle hinein und geht ein paar gewagte Schritte. Ängstlich bleibt sie wieder stehen.

“Frag nicht so dumm, die Antwort ist doch total simpel!” die junge Frau lacht und Lux fühlt sich noch mehr verunsichert.

“Überleg doch mal ganz scharf. Und bis du mir nicht antworten kannst, werde ich dich hier sein lassen.”

Die Prüfung hat immer etwas mit der Person zu tun, es geht darum sich würdig der Magie zu erweisen. Warum sollte sie hier in vollkommener Dunkelheit überlegen, wer die Stimme ist? Absurd. Aber aufgeben kommt hier nicht in Frage. Lux kniet sich hin und tastet den Boden ab. Es ist glatt, nichts definierbares. Vielleicht ist sie nur in einer Illusion und der Erschaffer macht sich nicht die Mühe, eine Umgebung zu erschaffen.

“Du bist nur eine Illusion!” ruft sie in die Dunkelheit und erhält keine Antwort. Sie sollte sich auf die Dunkelheit einstellen und dort die Lösung finden. Mit geschlossenen Augen bleibt sie sitzen und versucht, innerlich alles auf sich wirken zu lassen. Es ist wie eine eiskalte Welle, die sie durchfährt und ein neues Gefühl hinterlässt. Und als sie die augen öffnet, ist das Schwarz einem sanften Wirbel aus Lilatönen geworden. Vor ihr steht sie selbst, nur mit einem viel aggressiveren Gesichtsausdruck und in einem dunklen Kleid mit Federn.

“Endlich hast du es geschafft. Dafür wirst du mich werden.” Die dunkle Lux hebt ihre Hand und die helle Lux presst ihre Handfläche dagegen. Einen kleinen Moment später ist die dunkle Lux verschwunden und etwas in ihrem Herzen hat sich verändert.

Erstaunt sieht sie auf ihre Brust hinab, in der ein kleines Glühen immer kleiner wird, bis es ganz verschwindet. Mit neu erwachten Mut geht sie den kleinen Weg entlang, der vor ihr auftaucht und in weitere Ungewissheiten führt.

Kapitel 5 - Lux

Geblendet von hellem Licht hält sie schützend ihre Hand vor die Augen. Die Luft ist warm und der Grund sandig. Vorsichtig hebt sieht sie auf, vor ihr erkennt sie ein großes Gebäude mit hellbraunen Stein. Eine Arena, ein Colloseum. Sand wirbelt durch die Luft und laute Rufe dringen zu ihr durch.

Der Weg führt weiter zu dem großen Tor mit Metallgriffen, es stehen keine Wachen oder ähnliches davor. Vorsichtig schiebt sie die Tür auf und geht hinein in die Arena. Um sie herum sitzen auf Sitzbänken eine Menge Zuschauer, aber nicht nur Menschen, es sind auch andere Wesen dabei in allen Gestalten. Wölfe, Vögel, seltsame Hybriden oder Fischmenschen brüllen lautstark ihre Jubelrufe hinab zu ihr.

“Dort haben wir unsere nächste Kämpferin, es geht um den Preis! Seit ihr genauso gespannt wie ich?” brüllt eine große Gestalt vom Podium rechts von ihr herab. Die Menge antwortet mit begeisterten Rufen. Lux hebt ihren Zauberstab ein wenig hoch als ob sie sich vor den Schreien damit schützen könnte. Was wird der Preis sein?

Ein großes vergittertes Tor wird nach oben gezogen und ein lautes Schnauben ist die Antwort. Das Wesen ist eine Mischung aus einem Wildschwein und einem Löwen, nur hat es anstatt Stacheln eine harte Panzerung aus Stein. Verdammt, was soll das werden? Aber sie wird keine Angst haben. Mutig sieht sie in die glühenden Augen des Monsters und beruhigt sich selbst mit langsamen Atemzügen. Ihr Zauberstab vibriert leicht und sie erinnert sich an die Worte ihres dunkleren Ichs.

Sie sucht im inneren nach dem Licht, es ist immernoch da und wartet darauf, geweckt zu werden. Die junge Frau berührt es und spürt, wie die Kraft durch ihren Körper fährt. Der Zauberstab verändert seine Farbe und eine andere Person schlüpft zu ihr in den Geist. Jemand stärkeres und dunkles, aber es ist nicht wie eine Kontrolle.

Gemeinsam würden sie genug Kraft haben, den Gegner auszuschalten. Mit einem geschickten Seitenschritt schafft sie es, den Ansturm des Monsters auszuweichen. Ihre magische Kugel hat eine dunkle Farbe und trifft es in die Seite. Die Menge jubelt vor Spannung über den Kampf. Lux kann die Wut des Monsters spüren, es dreht sich um und schabt mit den Hufen im Sand.

“Den Kampf kannst du schnell beenden, es ist schwach und untergeben.” sagt die andere Lux in ihr und lächelt fies.

“Gut, dann bringen wir es zu ende.” sagte sie und richtet ihren Stab auf das Monster. Es stürmt los und Lux schafft es nicht, rechtzeitig zu reagieren. Der Schmerz ist heftiger als erwartet, als es sie in die Seite erwischt. Nach Luft holend krümmt sie sich vor Schmerz zusammen und hält sich die Seite.

“Komm schon, steh auf! Das hier ist nichts, vergiss nicht den Kampf und vergiss deine Wunden.” meint die dunkle Lux und zeigt ihr in Gedanken, wie sie gemeinsam dem Monster mit einem gebündelten Energiestrahl ein Ende bereiten würden. Die Menge ist gespannt und beugt sich tiefer über die Absperrungen um mehr zu sehen. Lux holt tief Luft und spürt, wie ihr jede Bewegung durch Mark und Bein geht.

“Konzentriere dich und fokussiere die Energie auf den gewünschten Punkt.” so hatte sie es gelernt. Die Kriegerin hebt ihren Stab und schießt einen Strahl gebündelten Lichts auf das Monster. Zeitgleich mit dem Brüllen des Monsters schreit die Menge über den schnellen Wandel des Kampfes. Mit einem Grinsen auf den dunkel geschminkten Lippen stemmt Lux ihren Arm in die Hüfte und hebt den Stab in die Höhe.

“Das ist eine Leichtigkeit für mich, ich hoffe es hat euch gefallen!” Die Massen jubeln und der Ansager versucht durch die Schreie hindurch zu dringen.

“Du hast deinen Preis wirklich verdient! Komm hier hoch!” Die unteren Reihen strecken die Arme nach ihr aus, als sie die Treppen zwischen den Sitzplätzen hindurch zu dem Ansagerpodest hoch geht. Noch immer steckt die Magie der dunklen Lux in ihrem Stab und gibt ihr neuen Mut, stärkere Gedanken und einen sicheren Gang. Eine andere Persönlichkeit mit individueller Macht.

“Nun, du darfst dir eine dieser Kugeln nehmen und die grenzenlose Kraft dein eigen nennen.”

Eine einzige. Das ist eine Entscheidung in einem Test, man will sie testen ob sie es wert ist eine weitere Kraft zu erhalten. Eine gold-rot schimmernde und eine hellrosa Kugel liegen auf dem Samtkissen vor ihr. Lux streckt ihre Hand aus, unsicher welche sie nehmen sollte.

“Warum nur eine? Wie soll man zu größere Kraft kommen wenn man sich nur beschränkt und nicht von den Fesseln befreit? Nimm beide und verschwinde von hier. Ich werde dir dabei helfen.” Ist es das richtige? Das richtige tun in einem Test wie diesen, zählt das? Zu viele Gedanken, was soll sie tun?

Die dunkle Lux bekommt von ihrem Twist mit und schickt einen kraftvollen Schub. Sie nimmt beide Kugeln von den Kissen. Als sie direkt mit ihren behandschuhten Fingern auf die Oberfläche stößt, nimmt es sie mit in eine andere Dimension, ähnlich wie vor der Arena.

“Du kannst dich also nicht so richtig entscheiden, wie?” Ein Abbild ihrer selbst mit feuerroten Haar und Augen sieht sie wütend an.

“Lass ihr den Spaß, sie wird uns beide brauchen bei der bevorstehenden Prüfung.”

“Wieso musst du immer recht haben, Mystic? Aber was solls.” Die rote Lux wendet sich wieder ihr zu. Lux hat ihr Aussehen wieder erlangt und auch ihre andere Persönlichkeit ist verschwunden.

“Welche Prüfung? Eine für meine Kraft? Ich nehme sie gerne an um endlich meinem Land einen Gefallen tun zu können!”

die rosafarbene Lux namens Mystic lacht hysterisch.

“Okay, du hast mich überzeugt, Süße. Kommst du mit, Lava?” Sie streckt ihre Hand zu der roten Lux aus.

“Nun gut, aber nur weil du dich wirklich als stark erwiesen hast. Sonst würde ich dich gerne durch meine höllische Prüfung schicken.” Lustiger Pun...dachte Lux sich und ergreift schließlich die beiden hin gehaltenen Hände. Es ist wieder wie vorher, sie spürt sofort wie die beiden Lichter sich zu dem anderen dunklen in ihrem Herzen verstecken.

“Du solltest so schnell wie möglich wieder in deine Welt zurückkehren. Deine Kraft ist noch roh und ungeschliffen!”

“Wir werden ja sehen, wie du dich schlagen wirst, aber hör öfters auf andere. Die meinen es nicht immer nur schlecht mit dir.” sagt Mystic auf einmal. Das helle Licht um sie herum verschwindet langsam und der Raum mit den Glasfenstern taucht wieder auf. Um sie herum stehen die Begleiter des Rituals in ihren seltsamen weißen Mänteln. Fast wie bei einer Sekte… langsam rappelt sie sich wieder auf und sieht in die Gesichter der anderen.

“Willkommen zurück, du hast deine Prüfung bestanden!”

Kapitel 6 - Yasuo

Gelangweilt sitzt Syndra neben ihm und lässt die lilafarbenen Orbs durch den Raum schweben. Vor wenigen Stunden ist Lux auf ihre Reise aufgebrochen, aber da sie beiden nicht die beliebtesten Personen Demacias sind, sollen sie sich nicht in den Bereichen aufhalten, in dem sie möglicherweise erkannt werden. Das letzte Mal als er in royaler Gesellschaft war, war auf dem Blutmond-Fest. Dort hatte er endlich realisiert, dass zwischen den Schuldgefühlen für seinen Meister und den Trauer auch etwas wie Liebe versteckt sein kann. Aber genau wie Riven versperrte er es in sich und ließ es nicht näher an ihn herankommen. Ganz so gelungen ist es ihm nicht, denn wenn man jemanden wirklich von ganzem Herzen bewundert und liebt, ist das eine schwere Aufgabe nicht der Versuchung zu widerstehen. Jetzt ist sie fort, und hinterließ ein Loch in seinem Herzen. Wer weiß wann sie wiederkommen wird und wie? Veränderungen sind schrecklich und die Geschichten über die Leere genauso.

“Lass uns ein wenig spazieren gehen, das hier ist schrecklich langweilig.” meinte Syndra und steht auf. Seit sie hier ist, schwebt sie nicht mehr über den Boden, sondern bemüht sich ihre Magie auf einem normalen Level zu halten.

“Na gut, der Garten hier scheint wirklich ganz hübsch zu sein.” meint er und steht von dem weichen Sessel auf. Gemeinsam gehen sie die langen hellen Gänge entlang, die vielen Fenster geben die Aussicht auf das ganze Gebäude frei.

Trotzdem kann man sich wirklich schnell verlaufen. Wenigstens mussten sie nur in dem Turm der Crownguards herumirren und nicht in den weiteren drei Flügel des Schlosses.

Die große Brücke am Tor führt hinaus in die Stadt unter dem Schloss. Gegenüber davon liegt der Garten im Zentrum des Schlosses. Der Geruch ist betörend aber auch stickig. Viele verschiedene Sorten von Gewächsen kann man hier finden, die hübschen roten Rosen ranken sich die Wände hinauf und kleine Büsche mit Eukalyptus säumen den Weg. Auch andere Arten die er noch nie gesehen hat oder einfach nicht den Namen kennt, wachsen neben den gepflasterten Wegen im Garten. In der Mitte ist eine kreisrunde Hecke, sie blockiert die Sicht auf einen kleinen Pavillion. Ein guter Ort um geheime Treffen abzuhalten, dachte er sich und muss daran denken, wie es wäre wenn er nachts sich heimlich hier treffen würde mit Riven und sie küssen dürfte. Yasuo schüttelt schnell den Kopf und schiebt die Gedanken wieder aus dem Kopf. Sie hatte deutlich Abstand genommen während der Zeit als sie zusammen auf Reisen waren und ihm gezeigt, dass sie lieber für sich bleibt.

Syndra biegt ab zu einem Busch rosafarbener Blumen die sich wie ein Feld vor ihnen ausweiten.

“Ist es überhaupt erlaubt, sich eine Blume zu pflücken?” fragt er sie, doch Syndra reißt sich eine Blume heraus und steckt sie auf ihren großen Kopfschmuck.

“Das ist mir schlichtweg egal.” Sie sieht ein wenig traurig aus, so wie sie durch den Garten läuft.

“Dich scheint es auch zu bedrücken, dass du keine Freiheiten hast, oder? Ich meine, du und Zed ihr versteht euch wirklich gut, da…”

“Lass es sein.” fällt sie ihm ins Wort und sieht ein wenig zornig aus.

“Ich möchte deine Gefühle nicht verletzen. Du solltest dich nicht davon abhängig machen oder von anderen Personen. Oder den Fehler machen wie ich und alles in dich hinein fressen.” So langsam bereitet ihm der Geruch der vielen Blumen Kopfschmerzen.

“Das ist es nicht, ich mache mir einfach Sorgen. Schließlich ist er so oft heimlich zu mir gekommen, aber es ist eindeutig dass er genauso Blut auf seinen Klingen hat wie ich ohne Reue meine Meisterin umgebracht habe. Ich habe wirklich lange in diesem schwebenden Schloss verbracht bis ich auf Zed gestoßen bin. Dank ihm bin ich erst frei gekommen. Wenn der Rat von Ionia das erfährt, bin nicht nur ich unter der Guillotine.” Sie pflückt eine weitere Blume und reißt langsam die Blätter hinaus, die daraufhin langsam auf den Boden trudeln.

“Wir alle sollten etwas ändern, der Rat von Ionia hat viel zu viel Macht über das Gewicht der Magie. Wären sie nicht und würden das Land so regeln…” Yasuo ist ein wenig erschrocken über seine eigene Wortwahl.

“Ich weiß was du meinst, ich habe viele Bücher während meiner Zeit in meinem Gefängnis gelesen. Ionia war mal ein freies Land voller Magie und magischer Wesen, die ihren Willen hatten und so mächtig sein konnten wie ich es bin.” Sie sieht nachdenklich auf ihre Hände.

“Aber jetzt ist es alles dem Rat seine Schuld dass ich eingesperrt werde, Zed die verbotene Kraft bekommen hat und die alte Zeit einfach vergessen wird. Dort unten in den Wäldern, da gibt es noch viel mehr! Da bin ich mir sicher.”

Gemeinsam gehen sie den steinigen Weg entlang, er kann sie gut verstehen. “Wir sind beide nur irgendwelche Verbrecher die es nicht wert sind, die Wege Ionias zu beschreiten.”

“Was wenn die alte Zivilisation noch existiert? Und diese wirklich Magie einsetzten können wie sie wollen?” Syndra wirft den Stängel in das Gebüsch und bleibt abrupt stehen.

“Diese seltsame Kraft die das Land vor einigen Monaten angegriffen hat ist zwar von dem Noxus gekommen, aber was ist wenn es Absicht war?”

“Inwiefern Absicht?” Yasuo versuchte, ihrem Gedankengang nachzukommen.

“Vielleicht ist es etwas größeres was versucht durch dem Noxus sein Land zurückzugewinnen. Schließlich habe ich genug in den alten Büchern gelesen dass so etwas wie Götter durchaus existiert und Magie erst durch den Rat Ionias eingesperrt wurde.” Yasuo versteht durchaus worauf sie hinaus will.

“Wenn das der Fall ist, sollte man diese Kraft vielleicht nicht bekämpfen sondern nutzen.” Sie nickt und lächelt schmal.

“Riven ist nicht hier und untersucht die Anomalien des Voids, wenn das in Verbindung mit der Magie Ionias steht, wird es auf jeden Fall von Vorteil sein.”

Wenn Syndras Magie die vom Land gefürchtet wird nur ein Bruchteil des ganzen ist, was unter den Geheimnissen Ionias schlummert, könnte das eine Waffe sein gegen die Regeln und Einschränkungen.

“Sollten wir mal sehen, wie es Lux geht? Wir werden sie brauchen wenn es sich wirklich um eine göttliche Existenz handeln sollte…” meinte Yasuo und denkt noch einmal über seine Aussage nach. Kayle ist vielleicht weit genug mit ihren Ergebnissen, er sollte auf jeden Fall so schnell wie möglich Kontakt mit ihr aufnehmen.

“Na gut, aber vergiss nicht worüber wir hier geredet haben, das bleibt trotzdem unter uns!” Ihr Blick ist durchdringend scharf.

“Ja, das ist mir klar.” murmelt er in seinen Gedanken vor sich hin.

Auf dem Weg zurück entdecken sie eine imposant große Statue eines Gargoyles, dessen Flügel fast die Größe eines der Tore am Eingang hat.

“Weißt du auch, was das ist?” fragt Yasuo Syndra und deutet auf das Gesicht des Gargoyles, welches steinern vor sich hin starrt.

“Nein, aber es ist, glaube ich zumindest, ein Schutzpatron des Landes. Magie ist hier seltener, aber wie du siehst gibt es sie in der Prinzessin der Crownguards.”

Mittlerweile sollte diese sicher ihre Prüfung ihren Höhepunkt erreicht haben. So etwas geht sicher nicht sofort. Schließlich muss sie sich beweisen, größerer Kraft würdig zu sein.

“Ich werde mal die Bücher der Bibliothek genauer studieren.” sagt Syndra als sie den langen Gang zurückgehen.

“Tu das, ich werde Kontakt zu Kayle aufnehmen. Weißt du zufällig, wo sie so etwas wie Kommunikationskugeln haben?” Sie überlegt kurz.

“Ich habe gehört wie sich zwei Wachen darüber unterhalten haben. Schau einfach mal im unteren Stockwerk in den Räumen nach, schließlich ist das hier ein Schloss.”

“Vielen Dank, ich komme danach wieder zu dir nach oben.” er winkt ihr kurz zu und geht die glatten Marmorstufen hinab in das untere Stockwerk. Hier zieren Stuckverzierungen und Wandbemalungen die Wände, welche fantastische Geschichten über längst vergangene Zeiten erzählen. Weiter nach links von ihm geht es zur Kapelle, aber gerade aus scheint zu sein wonach er sucht. Die Säulen stützen das Gebäude und geben dem Gesamtbild ein edlen Touch. Die Tür zu einem der Räume steht offen, dort sieht er eine der Kugeln stehen. So etwas wie einen Telefonraum gibt es hier wohl auch für alle. An den Wänden des holzverkleideten Raumes hängen seltsame Gemälde von alten Herrschern des Landes Demacias und uralte Lampen auf genauso barocken Tischen. In der Mitte leuchtet leicht die Kugel, was zeigt dass eine Verbindung möglich ist. Yasuo kramt irgendwo in seinen Hosentaschen die Visitenkarte heraus, die er von Kayle bekommen hat.

“Aktiviere den Telefondienst.” sagt er zur Kugel. Das Schimmern wird zu einem hellen Weiß.

“Bitte wählen sie ihren Kanal.” sagt die Stimme aus der Kugel. Yasuo gibt die Daten von Kayles Kanal durch. Die Verbindung steht schnell, nur muss Kayle auch im Moment in der Nähe sein. Überraschenderweise nimmt sie sehr schnell ab. Ihr Gesicht taucht in der Kugel auf.

“Das ist wirklich super dass du dich meldest!” sie klingt ein wenig gehetzt.

“Was ist denn los?”

“Es gibt neues von meinen Forschungen, das ist einfach seltsam und gleichzeitig aufregend!” sie klingt freudig und gespannt gleichzeitig.

“Erzähl, was gibt es?”

“Kurz gesagt ohne Fachausdrücke ist das was du mir gegeben hast eine nicht erkennbare Materie aus einer anderen Welt, die gleichzeitig aber so viel Magie wie ein ganzer Staat beinhält! Die Messwerte dafür sind so hoch dass wir sie kaum messen können! Darüber hinaus scheint es ein Lebewesen sein zu können mit eigener Intelligenz aber auch ein Gegenstand ohne eigenen Willen. Wenn man die Magie extrahieren würde, könnte man damit ein ganzes Land mit Energie versorgen!” Aufgeregt hebt sie das Reagenzglas hoch.

“Es ist ein göttliches Wesen, wenn auch nur ein Stück davon. Ich bin überzeugt, dass es so ist!”

Yasuo weiß nicht recht, was er darauf antworten soll. Wenn es an die Öffentlichkeit gerät, dann wird es einen rießigen Trubel geben. Gerade als er antworten will, kommt ein schrilles Geräusch vom Turm über ihm in den die Prüfung von Lux stattfindet.

“Moment, ich bin gleich…” Die Verbindung reißt ab und die Kugel erlischt. Was geht hier vor?

Kapitel 7 - Riven

Die Luft ist warm und sandig, es hat sich nichts verändert zum letzten Mal als sie hier war. Warum auch, eine Wüste ist und bleibt ein unendliches Stück Land, dass sich immer verändert und bewegt.

Dank der besser werdenden Technologien hat sie dieses Mal einen Kompass dabei und die Koordinaten, an denen sich möglicherweise Icathia befinden könnte. Das mystische Land hinter der gefährlichen Barriere von denen es nur Geschichten gibt. Genauso wie die Geschichten über Vastaya nur noch vergilbte Seiten in kaputten Notizbüchern sind. Erschöpft nimmt sie einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. Alle Gegenstände die sie mitgenommen hat sind die wichtigsten zum überleben, und im Notfall hat sie auch dieses Mal ihren Teleportstein bei sich. Jedes Tröpfchen Wasser fühlt sich in ihrer rauen Kehle einfach wunderbar an. Nach einigen Schlucken steckt sie die Flasche wieder zurück und sieht auf dem Kompass nach. Noch immer gibt es keine genauen Zeichen von übernatürlicher Magie oder auffälliger Anomalien die den Weg nach Icathia zeigen könnten. Irgendwo wird es sein und die Antworten werden dort warten, so wie Illaoi es vorausgesagt hat. Die Halskette hängt immer noch um ihren Hals und wirft weitere Fragen auf. Ihre Magie ist seltsam und scheint wie ein kleiner Radar immer die boshafte Magie zu finden und auszusaugen. So kommt es ihr vor. Nächstes Mal sollte sie nach der Kette fragen.

Weit und breit ist nichts weiter als sandige Ebenen und die Sonne, die erbarmungslos auf ihre Haut niederbrennt. Augen zu und weiter machen. Riven schiebt die Fliegerbrille auf ihre Nase um sich vor Sand zu schützen, dann läuft sie weiter in die Richtung der Kompassnadel, die sich für eine südwestliche Richtung entschieden hat.

Nach einigen vielen Stunden, kurz bevor sie denkt wahnsinnig zu werden, geht die Sonne langsam unter und bietet ein wenig Abwechslung zu den immer gleichen Anblick. Bald wird es kalt und sie wird ihre Decke brauchen. Riven bleibt stehen und packt ihre Reisetasche aus. Ein kleines Abendmahl muss reichen, je mehr sie im Magen hat desto träger wird sie. Die besonders beschichtete Decke wird sie warm halten und ein kleiner Schutzstein wird sie vor Feinden warnen. Die Geheimnisse Shurimas sind unendlich, dazu gehören auch die Kreaturen der Leere.

In eine Decke eingewickelt legt sie sich auf den warmen Sand und sieht zu, wie der Himmel immer dunkler wird und die Sterne über ihr ausbreiten wie ein unendlich schönes Feld.

Morgen geht es weiter, hoffentlich auch in Richtung ihres Ziels.

In dieser Nacht kommt niemand in ihren Traum. Würde dort nicht das helle Schrillen des Schutzsteines sein, der sie auf eine Gefahr aufmerksam machen will.

Erschrocken fährt sie hoch. Noch ein wenig müde greift sie nach ihrem Schwert und umklammert den Griff fest. Das Glühen des Ki-Armreifes gibt ihr Mut, sie steht auf und versucht in der Dunkelheit genaueres zu erkennen.

“Zeig dich, du verdammter Feigling!” Riven dreht sich um, aber da die Nacht in der Wüste besonders dunkel ist, hat sie keine Chance. Ein lautes Brüllen erfüllt die Luft. Daraufhin kommt ihr ein Sandwirbel entgegen, der ihr zusätzlich die wenige Sicht raubt.

Das Monster dass sich vor ihr aus dem Sand gräbt, hat eine ganz andere Dimension von Größe. Es ist so gigantisch wie ein Gebäude in ihrer Heimat und das Brüllen hallt laut in ihren Ohren wieder. Verdammt, das müssen eine der gefürchteten Xer´Sai sein, von denen die Beduinen immer wieder erzählen. Sie fressen die Wanderer, oder wer in eines ihrer Löcher durch die sie sich buddeln sieht, wird wahnsinnig alleine vom Anblick des Voids. Riven packt ihre Sachen in die Tasche und achtet darauf, dem Monster nicht den Rücken zu zu wenden. Die Kreatur ist noch größer als erwartet, sie scheint eine eigene starke Aura auszusenden. Ihre Halskette ist ein sanftes Glühen, aber nicht als ob es gefährlich wäre.

“Was soll das? Lass mich in Ruhe, ich will nur meine Wege gehen. Außer du hast vor, schon zu sterben.” Das Monster ignoriert sie weiterhin und beginnt mit seinen scharfen Krallen in den Sand ein zu graben. Riven nimmt ihre Beine in die Hand und verschwindet aus dem Sandwirbel, den das Monster aufscheucht. Das Grollen ist so schrecklich laut, dass sie sich die Ohren zuhalten muss. Einerseits ist es interessant, mehr über die Kreatur zu erfahren, aber andererseits ist das kein Gegner ihrer Größe. Das hier ist nicht alleine bezwingbar. Der Sand häuft sich neben dem Monster, unter ihren Krallen schimmert etwas sehr helles, lilafarbenes hervor. Riven sieht das Gesicht ihres Gegners, übergroße Reißzähne und eine gepanzerte blau-lila Haut schützen das Wesen vor Angriffen.

“Du bist nicht wie die anderen dich beschrieben haben, das ist klar.” meint sie und steckt das Schwert beiseite. “Wenn du mich fressen wollen würdest, hättest du das längst getan. Komm, mir ist kalt. Was willst du?”

Ein lautes Grollen ist die Antwort, darauf vergräbt sich das Wesen halb im Sand. Die große Rückenfinne sieht nur noch hinaus. Anscheinend sollte sie darauf klettern und mitkommen. Die Leere ist gefährlich und kein Spielplatz. Aber was hat sie noch verloren? Mutig ergreift sie die Finne, dann verschwindet alles um sie herum. Das Wesen schießt in Überschallgeschwindigkeit hinein in eine unbekannte Dimension. Viele Farben fliegen an ihr vorbei, die langsam dunklen Tönen und einem seltsamen lila Leuchten weichen. Ein Gefühl von Einsamkeit und Angst macht sich in ihrer Brust breit und seltsame Stimmen versuchen von ihren Gedanken Besitz zu ergreifen. Doch erinnert die kühle aber raue Panzerhaut unter ihren Fingern sie immer wieder daran, wer sie ist. Sie werden langsamer und mitten in einem nichts aus verschiedenen dunkel wabernden Farben machen sie halt.

Alte Schätze stecken hier in weiten steinigen Felsen. Wenn es einen Himmel gibt, dann ist er dunkel und lila farben, genauso wie der Nebel über dem Boden. Sie sieht winzig klein neben der großen Kreatur aus.

“Ich bin Königin der Xer´Sai. Bin Rek'sai, du fürchten mich aber sollten froh sein.” die Stimme hallt in ihren Kopf wieder, als ob sie gar nicht richtig existieren würde.

“Warum hast du mich hierher gebracht? Natürlich fürchte ich dich, aber dieser Ort ist keiner für mich…”

“Aufgabe von Gott bekommen. Du sollen Relikt nehmen und Gefahr kämpfen.”

“Welche Gefahr? Ich dachte, außer diesem Gott Illaois gibt es keine weiteren…” Riven sieht sich um und entdeckt ein riesiges zerfallenes Gebäude vor sich. Vom inneren kommt eine seltsame Anziehungskraft, die magische Impulse entsendet.

“Nimm Stein. Dann Gott reden.” Rek'sai dreht sich fort und vergräbt sich im Boden.

“Rek'sai nicht ewig warten, du beeilen.”

“Jaja, es ist ja nicht so als ob ich Angst habe, schon vom Anblick hier wahnsinnig zu werden.”

“Du gehen, du Schutz haben von mir.” meint Rek'sai harsch und drängt sie zur Eile. Riven steigt über einige Skelette seltsamer Wesen und halb zerfallene Schätze. Um sie herum sieht aus wie in einem Albtraum. Nicht nur die Skelette jagen ihr Angst ein, wohl eher die fremden Geräusche aus der Ferne. Zwischen den Steinen krabbelt ein vierbeiniges Wesen, gebaut wie eine Spinne mit mindestens 8 Augen statt Beinen hervor. Alle Augen drehen sich gleichzeitig zu ihr und starren sie an. Riven hält den Atem an und versucht, ihren Blutdruck unten zu halten und nicht vor Furcht wieder zurück zu dem noch furchterregenden Monster zu springen. Eine Ritterrüstung liegt zwischen weiteren undefinierbaren Gegenständen. In dem Moment wird diese von schleimigen Tentakeln gepackt und fort gezerrt. Vor Schreck macht sie einen Satz von der Stelle fort und beeilt sich weiter zu kommen und nicht zu viel Beachtung der Umgebung zu schenken. Es ist nicht gesund diese abartigen Dinge noch länger zu betrachten.

Je näher sie den Ruinen kommt, desto stärker wird der Drang dorthin zu stürmen und sich vollkommen zu ergeben. Sie solle einen Schutz haben, sonst wäre sie aufgrund der Größe, der Menge an Schätzen und abartiger Wesen schon längst wahnsinnig geworden, das muss sie zugeben.

Einige Säulen sind zusammengefallen, die einst den Eingang gehalten haben. Das muss ein Tempel gewesen sein von großer Pracht zur Ehre von irgendetwas… Sie schiebt einige Steine beiseite und steigt in eine nicht so stark zerfallene Halle. An den Wänden sind noch einige Zeichnungen zu erkennen von alten Kriegern und den seltsamen Tentakeln, die nach etwas zu greifen scheinen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein großer Kreis zu sehen, aus dem seltsame Kreaturen ihren Weg hinaus in eine bunt gemalte Welt bahnen. Das ist wohl Runeterra und das alles hinter dem Kreis das Void und seine Kreaturen. Ihnen wird es wohl noch nicht gelingen, ihren Weg nach Runeterra zu bahnen. Diese Dimension sollte für immer versiegelt bleiben und niemanden mehr stören.

In der Mitte steht ein Podest auf dem ein kleiner glühender Edelstein liegt, sein pulsierendes lila ist anziehend und gruselig zugleich. Das muss es wohl sein, weshalb sie nun hier ist. Vorsichtig nähert sie sich dem Stein und spürt wie seine wabernde Kraft um sie herum fließt. Kaum haben ihre zitternden Finger den Stein berührt, fließen unendlich viele Gedanken auf sie ein. Angst, eine verfallene Stadt. Ein großes Monster wütet zwischen den kleinen Häusern und reißt sie in zwei. Magier die einen großen Zauber aufstellen, die große Barriere. Ein junger Prinz, der sie berührt, sie kann buchstäblich mit ansehen wie das Void seine Augen erfüllt. Schreie und der Geruch von Tod erfüllen ihre Gedanken.

“Bleib im Fokus, das ist deine letzte Aufgabe! Wir brauchen einen starken Geist und keine Schwächlinge.” Die fremde Stimme zieht an ihr wie ein Seil an ihrem Bein.

Der Sog der Erinnerungen holt sie wieder zu sich zurück, hinein in eine dunkle Welt voller Tod.

Vor sich sieht sie einen Mann in dunkler Rüstung und einer Maske mit rot glühenden Augen, welcher gegen die Tentakel der Leere ankämpfen. Seine markerschütternden Schreie fahren ihr durch Mark und Bein. Dann ist da wieder dieser Sog, dieses Mal noch stärker. Wie ein Ruck zieht es sie heraus aus den Erinnerungen.

Riven schlägt ihre Augen auf. Überraschenderweise ist die Umgebung nun eine andere, es ist einladend warm und hell. Unter ihren Füßen ist ein heller Boden und verzierte Säulen stehen wie im Viereck um sie herum.

“Wo bin ich jetzt? Gerade werde ich noch von einem Wesen hier entlanggezerrt und muss dieses Leid sehen, dann darf ich mir wohl einen Plausch mit…”

Ein junger Mann mit sehr langem Haar und Haut wie Alabaster taucht mitten in diesem Raum auf.

“einem sehr hübschen Mann führen, ja ich weiß. Mein göttliches Wesen ist nunmal gesegnet mit Glück. Auch mit den Genen.” er lacht und sieht dabei einfach perfekt aus. Jede Bewegung sieht aus wie ein geschmeidiger Leopard, der gerade seine Beute umkreisen will. Die langen Finger sind fast wie Krallen.

“Lass die Witze und komme auf den Punkt.” Riven verschränkt wütend ihre Arme und versucht den ernsten Blick zu halten und nicht seine eigenartige Perfektion zu bewundern..

“Ach tut mir Leid, manchmal komme ich aus dem Takt. Aber du dürftest meinen Namen schon gehört haben. Ich stehe für die Ordnung, der Gott der das Gleichgewicht erhält.” Er streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht. Seine Augen sind leer, sie sind von einem hellen Leuchten erfüllt.

“Alle tausend Jahre passiert das gleiche Unglück. Es kommt in verschiedenen Formen, dieses Mal zeigt es sich durch die Wut der Vastayan.”

Riven hatte heute noch über diese nachgedacht und ihre geheimen Geschichten die keiner erzählen will, vorallem nicht in Ionia.

“Lass mich raten: das wird sicher ein Problem für Ionia werden und ich darf wieder als Streitschlichter helfen?”

“Nein, so leicht wird es nicht. Wir, ich und der Gesandte des Chaos wählen einen Schützling und geben ihm die Kraft die er braucht, um seine Aufgabe zu erfüllen. Opfer werden immer gebracht werden müssen, also wird ein Krieg sicher euer Land erschüttern. Da kommst du ins Spiel.”

Der Gott kommt ihr immer näher und geht betont langsam um sie herum, wobei er sie mustert.

“Deine Beine und Arme haben auf jeden Fall gute Muskeln.” Riven sieht ihn wütend an aber spürt, wie das Kompliment berührt. Verdammt, was soll das hier werden? Ein Gefühlstest oder eine Aufgabe?

“Schön und gut, ich habe schon viele Kriege ausgefochten. Was hat das jetzt mit meiner Reise in das Void zu tun?”

“Auch wir Götter haben Gefühle und Beziehungen. Der “Gott” des Voids hat mich darum gebeten, seine Kraft jemand würdigen zu geben. Du warst aber gerade die einzige in der Nähe, also habe ich es dir überlassen. War aber keine schlechte Wahl.” Sein Atem streift ihr rechtes Ohr. Riven bleibt wie eingefroren stehen.

“Du nimmst den Stein mit und kehrst sofort zurück an den Punkt der Anfänge. Die Vastayan sind kaum mehr existent in dieser Dimension und werden deine Ankunft sicher nicht für gut halten. Sie lauern überall und werden sich ihre Magie gewaltsam zurück holen.” Der Gott bleibt links von ihr stehen und lehnt sich über ihre Schulter. In seiner Hand schwebt eine kleine helle Flamme.

“Diese darfst du haben, wenn du dich deiner Aufgabe gut beweist oder du in Schwierigkeiten steckst. Vergiss nicht, das Chaos wird sich seinen Auserwählten genauso holen und der Preis dafür ist nicht gering.” Riven schafft es, aus der Schockstarre zu erwachen und geht einen Schritt beiseite. Sein Geruch ist wie ein klebriges Parfüm, es bleibt ihr in der Nase hängen.

“Danke für diese Ehre, ist ja nicht so dass ich schon genug zu tun hätte…”

“Im Austausch mit dem Stein teile ich dir Geheimnisse über Icathia mit. Dich hat schließlich Illaoi geschickt, nicht wahr? Ihr Gott ist Teil meiner Allianz. Das ist schon genug verraten, nun geh!” er winkt ihr und sie schafft es nicht einmal mehr den Mund zu öffnen, dann steht sie wieder im Void mit dem Stein in der Hand. Er pulsiert nun nicht mehr und schrumpft zu der Größe der Fassung auf ihrem Armband heran. Ein weiterer Ki-Stein… Vorsichtig setzt sie ihn ein und spürt die dunkle Kraft fließen. Der Krieg fordert immer große Opfer und eine Menge Tote… Versteckt in ihrem Kopf tauchen fremde Erinnerungen auf die der Stein an sie schickt. Kriege, übernatürliche Menschen und Ionia in einem seltsamen glühen. Die Ereignisse von vor wenigen Monaten stehen direkt in Verbindung mit dem Hass der Vastayan auf Ionia. Sie haben die Magie genommen und verboten, sie fort gesperrt und das Volk verpönt. Jetzt nach Jahren der Sammlung haben sie es geschafft ihre Einflüsse so weit reichen zu lassen, dass der Noxus tatsächlich Ionia angriff. Eine junge Frau mit seltsamen Verformungen taucht in den Erinnerungen auf. Sie windet sich unter den Klauen der dunklen Magie, die auch im Kampf gegen Ionia eingesetzt worden sind.

Sie bricht in eine der Labore in Demacia ein und klaut Substanzen, die ihre Verformung verbessern sollen. Die Sicht wechselt zu dem Saal, in dem sie um einen Kreis stehen und zusehen, wie sich Lux erschöpft aus den Zeichen erhebt. Ihre Aura zeigt eindeutig neue Kräfte, aber dort ist auch das Mädchen mit den Narben. Sie brüllt etwas und schreit Lux an, welche daraufhin versucht, das ganze mit Worten zu regeln. Dann hört sie etwas schockierendes von der Angreiferin und die Sicht bricht ab. Alles das muss wohl gerade passieren oder passiert sein, vielleicht ist es auch eine Zukunftsvision.

“Verdammt…” Riven ballt ihre Fäuste. Rek'sai wartet immer noch draußen, sie sagt nichts weiter und lässt Riven auf ihren Rücken aufsteigen.

“Lass mich bitte an dem nächstbesten Ort heraus, an dem du deinen Tunnel graben kannst. Es warten meine Freunde auf mich.” Es überrascht sie selbst, dass sie so etwas jemals sagen würde als Einzelgängerin. Talon ist sicher beim Noxus, aber Kata ist mit Garen in Demacia in dem die Ereignisse stattfinden. Sofort stürmt Rek'sai los und lässt Riven keine Zeit mehr für weitere Gedanken.

Kapitel 8 - Riven

Am Rande der Wüste hört das Voidwesen abrupt auf durch den Sand zu schießen. Anscheinend sind sie schon nah genug an der nächsten Stadt, weshalb sie sich nicht zeigen kann.

“Vielen Dank, es ist mir eine Ehre die Königin der Xer´sai getroffen zu haben.” sie verbeugt sich und lächelt ehrlich. Rek´sais Blick bleibt gefährlich und durchdringend, aber irgendwie konnte sie spüren, dass sie ihr ebenfalls dankt. Mit einem Schwung schultert sie ihre Tasche und sieht auf ihren neuen Stein auf dem Arm. Es ist ein seltsames Gefühl diese neue Kraft in sich zu spüre, die beinahe ihren eigene Willen hat. Riven ballt ihre Faust und sieht gerade aus. Hinter ihr steht die Sonne schon über dem Horizont und da sie nur die halbe Nacht geschlafen hat, fühlt sie sich dementsprechend müde. Erschöpft schwingt sie ihre Tasche über die Schulter und stapft durch den Sand in Richtung der Stadt. Dort wird sie vielleicht auch eine Unterkunft finden in der sie sich bis zur Mittagszeit ausruhen kann und neue Kraft schöpfen.

Es ist eine kleine Ortschaft mit hellbraunen Häusern und flachen Dächern, die Fenster sind winzig klein und vor den Türen spielen die Kinder auf dem staubigen Boden. Je weiter sie hinein geht, desto mehr Stände und kleine Händler säumen den Weg. Sie kauft sich einen Beutel Datteln, die mit der besten Qualität soweit sie sieht.

Eine Unterkunft hier zu finden wird auf jeden Fall schwierig. Riven zieht sich die Kapuze tiefer ins Gesicht und sucht sich eine ruhige Ecke. Dort schließt sie die Augen und lässt ihre Müdigkeit sie übermannen.

Wie lange sie schlief, das weiß sie nicht wirklich. Die Sonne steht nun hoch am Himmel. Mittagszeit. Die Kriegerin öffnet müde den Beutel Datteln und kaut sie genüsslich. Sofort kommt die Kraft wieder zurück und ein Schluck Wasser wirkt Wunder. Irgendwo in ihrem Beutel ist der Stein, mit dem sie wieder zurückkehren kann. Nur ist es auch sicher, nach Hause zu gehen? Laut ihrer Vision ist anscheinend gerade der Teufel los in Demacia. Es ist nicht ihre Angelegenheit, aber ihre Neugier siegt. Der Teleportstein setzt sofort seine Wirkung ein, es ist wie immer ein seltsames Gefühl, durch Raum und Zeit zu reisen. Die Steine sind so teuer, dabei liegt nur ein einfacher Zauber auf ihnen. Er zerbröselt zwischen ihren Fingern auf den Marmorboden unter ihren Füßen. Das hier ist die große Eingangshalle von Demacia, so viel Prunk und Stuck gibt es sonst nirgends ihrer Erkenntnis nach.

Den Sand in den Stiefeln sucht sie mit ihren Augen die umgebenen Räume ab, es ist alles in bester Ordnung. Dafür ist es besonders still heute. Riven schultert ihre Tasche und geht in Richtung des Crownguards-Turms. Dort dürfte Lux sein, die bald ihren Angriff zu fürchten hat wenn sie der Vision glauben schenken soll.

Die vielen Stufen erschöpfen sie, sodass sie kurz stehen bleibt und am Treppengeländer Luft holt. Gerade in diesem Moment hört sie ein lautes Kreischen von dem Turm über ihr. Daraufhin folgt ein Beben, dass sie von den Füßen gerissen hätte, wenn sie sich nicht am Geländer festgehalten hätte.

Was ist hier los? Treten die Ereignisse schon ein? Hastig stürmt sie die Stufen hinauf und steht im mittleren Gang. Geradeaus weiter ist die große hölzerne Tür aufgesprengt und Rauch steigt auf. Riven zieht ihr Schwert und wirft die Tasche achtlos auf den Boden. Vor ihr ist der Raum in der Vision, bunte Glassplitter liegen überall verteilt. der aufgemalte Kreis ist verwischt, und in dessen Mitte Lux kniet. Ihr Zauberstab glüht in verschiedenen Farben auf und schafft eine Schutzkugel um die Zauberin.

“Was ist hier denn verdammt noch mal los?” Das Schwert schützend gezückt steht sie im Raum und sieht sich um. Über ihr am Kronleuchter sitzt das Mädchen. Die langen Haare hängen ihr wild ins Gesicht, welches von seltsamen lilafarbenen Auswüchsen bedeckt ist. Die Füße sind wie Krallen eines Vogels, die sich um das Holz klammern. Ihre Finger haben lange Nägel so spitz wie kleine Nadeln.

Das hat sie schon gesehen, aber nicht sie selbst inmitten dieser Situation.

“Lux, kannst du mir sagen was hier los ist?”

“Wohl eher sollt ihr mir sagen was hier ist!” Die Stimme des Mädchen ist markerschütternd und seltsam verzerrt.

“Du bist...mutiert.” erkennt Riven. Fast wie in einer gruselig schlecht geschriebenen Geschichte.

“Daran ist der verdammte Noxus Schuld! Und ihr verdammten Demacier mit eurer Wissenschaft! Verflucht seit ihr!” Die Gestalt springt vom Kronleuchter herab. An ihrer Hüfte baumeln zwei funkelnde Dolche, so spitz dass sie jemanden mit einem Schnitt die Adern aufschlitzen und verbluten lassen können. Riven hebt ihr Schwert höher.

“Verschwinde von hier, das ist nicht meine Angelegenheit. Hier sind andere Mächte am Werk die wir nicht unterschätzen sollten!” Das Brüllen des Mädchens hallt durch die Gänge. Lux steht langsam auf und sieht die niedergestreckten Priester in hellen Kutten ihrer Zeremonie. Langsam mit einem hellen Leuchten verwandelt sich ihr Äußeres und ihre Haare werden lang und lilafarben. Der Zauberstab wird beinahe schwarz und ihr Gesicht verzieht sich boshaft.

“Wen haben wir denn da, du störst einfach meine Zeremonie und erwartest dann, dass wir dir Antworten geben können? Verschwinde von meinem Schloss!” Lux zielt mit ihrem Stab auf die Brust der Einbrecherin.

“Nein, das werde ich nicht!” sie krümmt sich unter Schmerzen und verzieht dabei seltsam ihr Gesicht.

“Geh da weg, du weißt nicht was das ist!” weißt Riven Lux an.

“Ich bin keine ungeschützte kleine Prinzessin mehr, ich weiß was ich tun kann!” faucht diese sofort zurück. Nun gut, dann soll sie doch tun was sie will. Auf einmal hört die seltsame Einbrecherin auf sich zu winden. Lux zielt weiterhin auf die Gestalt, ihrem Gesichtsausdruck nach bereit zu allem.

Die Arme sind mit lila Geschwüren bedeckt die sich langsam hinab du den Beinen winden. Am Hals pulsiert ihre Halsschlagader und ihre Augen bekommen ein rotes Glühen. Die gekrümmte Haltung und die extremen Verformungen lassen sie wie ein Mischwesen aus Vogel und einem Raubtier.

“Ihr habt mich dazu gemacht, nur weil diese verdammte Magie der Fremden verwendet werden sollte!”

“Welche Magie? Meinst du den Vorfall von der letzten Auseinandersetzung?” Rivens Halskette wird schlagartig glühend heiß, je mehr sich die junge Frau verwandelt. Die Stimme wird immer verzerrter und abartiger.

“Es ist verboten und schwarze Magie, und ich dachte mit einem Einbruch in das Labor aus dem die Substanz stammt komme ich an Ergebnisse. Nun bin ich hier und will euch alle zerstören. Also los, kommt her und versucht mich doch zu töten!”

Lux schießt eine lilafarbene Kugel, die sie sofort an Grund und Boden festhält.

“Du gehst nirgendwo hin. Verrate mir, was soll das Ganze?” Die Augen der Einbrecherin rollen hinter und werden pupillenlos.

“Da ist etwas faul, wir sollten sie töten.” meint Riven und Lux nickt.

“Mach es schnell, bevor ein noch größere Unheil entstehen kann.” Ihre Klinge fährt wie Butter durch den Hals. Das Blut strömt auf den Boden herab und breitet sich in einer breiten Lache aus. Es umschwemmt ihre Schuhe, während sie schweigend sich ansehen.

“Meinen Erkenntnissen nach hat das alles mit einem Konflikt in Ionia zu tun, ich werde zu der Wurzel des Übels reisen müssen.” Die Zauberin regt sich nun und lässt die Verwandlung verfliegen.

“Ich fürchte, da diese hier aufgetaucht ist, kann es gut sein, dass es längst angefangen hat und wir zu spät kommen werden.”

“Du meinst den Krieg um die Magie? Ich habe alles gesehen und nun ist es mir klar. Wir müssen schneller handeln!”

Einige Wachen stehen in der zerbrochenen Tür, sehen das Blut und ihre Prinzessin.

“Ist mit ihnen alles okay?” sofort stürmen sie hinein, doch Riven hält ihnen das Schwert entgegen.

“Bleiben sie fort von hier, wir brauchen die schnellsten Transportmittel mit denen wir nach Ionia kommen können. Das hier ist eine ernste Angelegenheit die uns auch was angeht, wenn es nicht beseitigt wird.” Riven ist todernst, was die Wache auch bemerkt. “Ja natürlich, ich lasse alles vor den Toren bereitstellen. Wir können nur unsere neuesten magischen Flieger anbieten…”

“Nun machen sie hin!” brüllt Lux auf einmal und stapft in Richtung Ausgang. Auf ihr Wort rennen die Männer los.

“Du hast ja Temperament bekommen…” meint Riven und steckt ihr Schwert beiseite.

“Was getan werden muss, muss sein. Schnapp seine Sachen und dein Freund, der ist hier auch irgendwo. Wir treffen uns unten in fünf Minuten.” Lux lässt Riven einfach stehen. Ihr Freund, meint sie Yasuo? Wenn er hier ist, muss er sofort verschwinden. Die junge Frau nimmt ihre Beine in die Hand und stürmt zu den Gemächern, in denen sich Kata aufhalten muss. Ungeachtet reißt sie die Tür auf und bereut es eine Sekunde später wieder. Die rothaarige Frau steht mitten im Raum, Garens Hand auf der Hüfte und ihre Lippen an seinen.

“Beweg deinen Arsch, wir haben was in Ionia zu erledigen!” keift Riven sie an und verschwindet sofort wieder. Yasuo muss hier auch irgendwo sein, außer er hat schon von den Ereignissen mitbekommen. Auf dem Flur kommt ihr eine bekannte junge Dame entgegen. Diese langen weißen Haare wird sie überall erkennen.

“Du bist doch Zed seine Freundin, wir haben uns auf dem Fest gesehen.” spricht Riven sie an.

“Ja, ich bin Syndra. Hast du Yasuo hier irgendwo gesehen Er wollte nur ein Gespräch führen gehen…”

“Nein, ich suche ihn doch selbst! Verdammt, wir haben keine Zeit!” Sie packt die Magierin an ihrem Arm und zerrt sie den Gang herab.

“Was hat dich denn so gestochen?” Syndra gibt es auf ihr nachzurennen und schwebt ihr einfach hinterher.

“Wenn es stimmt, beginnt in diesem Moment ein wichtiger Krieg um die Magie in Ionia. Das geht nicht nur Ionia was an wenn die Vastayan wirklich wieder frei sind.”

“Huh? Von denen habe ich mal gehört, meine Magie soll auf jeden Fall vergleichbar mit ihrer sein…”

“Sie können das Land für sich beanspruchen und mit der Magie tun was sie wollen, fürchte ich. Wenn ein Gott mich ruft und mich beauftragt, das hier zu beenden ist es wirklich was wichtiges.”

Syndra hebt fragend ihre Augenbrauen, fragt aber nicht weiter nach. Die Brücke scheint eine Ewigkeit lang zu sein, aber am Ende kann sie schon die bereitgestellten Flieger entdecken.

“Wo ist Yasuo, hast du ihn gefunden?” fragt Lux und winkt sie hinein in das metallisch glänzende Flugobjekt.

“Keine Ahnung, ich habe ihn auf die Schnelle nirgends finden können. Wir sollten nicht länger warten und ihn sein lassen. Es ist besser, wenn er hier bleibt.”

“Wartet auf mich!” Der Rotschopf rennt über die Brücke und bleibt atemlos vor ihnen stehen.

“Husch, rein da und Anschnallen!” winkt Lux und drückt einige Knöpfe.

“Weißt du überhaupt, wie man so etwas fliegt?” fragt Syndra ein wenig skeptisch.

“Das ist nichts, es ist vollautomatisch. Ein neues Edelobjekt aus der Zusammenarbeit mit Piltover.”

Die Türen zischen leise als sie sich herabsenken.

“Wenn alle angeschnallt sind geht es los. Aber der Druck ist gewaltig, macht euch gefasst!” Kata schiebt sich noch die Haare aus dem Gesicht. Riven grinst fies.

“Tut mir Leid dass ich dich von der wichtigen Sache abgelenkt habe, aber auch dein Kampfgeist ist von Nöten dort drüben.”

“Wenn mich keiner entdeckt, sonst bin ich geliefert.”

“Das wird nicht der Fall sein, im Krieg sind Gesichter etwas flüchtiges. Außerdem brauche ich Rückendeckung wenn ich wirklich das Land retten soll.”

Lux beginnt, das Flugzeug starten zu lassen.

“Ein Auftrag? Wie willst du das bewerkstelligen?” fragt Kata sie.

“Nun, da war so ein seltsamer Gott der meinte, dass jetzt die Zeit für ein ewiger Kampf ist und ich ihn dieses mal mit dem Gesandten des Chaos auskämpfen soll. Dafür bekomme ich stärkere Kräfte, aber das hier, “ sie hebt ihren Arm mit dem schimmernden Stein aus dem Void, “ist auch ein Geschenk eines Gottes. Ich habe es noch nicht ausprobieren können.”

“Deine Halskette ist auch besonders, sie strahlt eine fremde Magie aus.” meint Syndra und deutet auf Rivens Hals.

“Das war ebenfalls ein Geschenk, aber ich habe sie schon länger. Irgendwie ist es wie ein Schutzstein, es hat mich vor der negativen Energie bewahrt die letztes Mal auf dem Feld benutzt wurde…”

“FESTHALTEN!” brüllt Lux gegen das Rauschen der Turbinen an. Mit einem Schwung heben sie ab und fliegen hoch in die Wolken. Der Druck ist so gewaltig, dass sie nicht einen Muskel rühren kann. Es geht tatsächlich übernatürlich schnell. Normalerweise hätte es mindestens eine Dreitagesreise über See gedauert, aber diese neue Technologie schickt sie in wenigen Momenten hinüber zur Insel. Es gibt keine Fenster, vielleicht ist sie auch froh nicht ansehen zu müssen, was unten abgeht. Langsam landet das Flugzeug.

“Verdammt, nie wieder!” Syndra sieht ziemlich bleich aus.

“Tut mir Leid, als schnell ist das hier das einzige was wir im Angebot haben.” Lux zuckt mit den Schultern und lässt die Türen hochfahren. Draußen bietet sich ihnen der Anblick einer seltsam anderen Welt. Die Bäume sind verformt und andersfarbig, der Boden statt dem staubigen Untergrund einer alten Kampffläche wieder saftig grün bedeckt. Ein Stück weiter Weg weht eine große Rauchwolke in die Höhe. Dort scheint ein Kampf stattzufinden.

“Das ist ja...krass.” meint Kata und betrachtet die fremden Blumen.

“Hier ist eine sehr große Menge Magie im Spiel, das kann niemand einfach so machen…” Syndra sieht sich besorgt um.

“Scheint so als ob sie geschafft haben, das Siegel hier zu brechen und die alte Schönheit zurück zu gewinnen.”

Gemeinsam gehen sie in Richtung Rauches und lassen die Flugzeuge stehen.

“Diese Magie hier ist so stark, ich kann nicht fassen dass Ionia das hier einfach Jahrzehnte lang versteckt gehalten hat…”

Der Boden wird wieder staubig und trocken. Eine lilafarbene Feder fliegt Riven vor die Füße, dann sieht sie die Kämpfer auf dem Feld. Es sind nicht nur normale Menschen aus Ionia, sondern auch seltsame Hybriden aus Tierwesen. Ob Vogel, Fuchs oder Fischwesen, hier kämpfen gerade zwei mächtige Fraktionen gegeneinander. Nur warum? Es macht keinen Sinn, die Magie einzusperren oder sich gegenseitig umzubringen. Der Wald beginnt zu rascheln und ein riesiges Wesen, genauso verkrüppelt wie die Einbrecherin in Demacia ragt über dem Feld auf. Aus den Händen quillt dunkler Rauch. Erschrocken reißt Riven ihre Halskette ab, sie glüht so heftig dass es sich in ihre Haut einbrennt.

“Verdammt, was ist das denn?” schreit Syndra und wappnet ihre Kugeln zum Angriff.

“Es scheint direkt mit dem Mädchen in Verbindung zu stehen, sie meinte ja es ist wegen der Substanz vom letzten Kampf. Ich denke, es ist das Monster.”

Kata zieht ihre Dolche.

“Dann lass uns dem mal zeigen was wir so drauf haben. Vielleicht merken die dann, was für einen sinnlosen Kampf sie führen.” Riven aktiviert ihren neuen Ki-Stein und spürt die fremde Magie durch sie hindurchfließen. Ihre Arme werden zu fast großen Biestklauen und ihre Rüstung wird zu einer Panzerung im lila. Die Schuhe sind schick aber geben ihr genug Panzerung und Beinfreiheit. Ihre sandigen Hosen sind nun lockere Lederhosen gewichen. Die Rüstung umfasst ihren Bauch und Brust, es sieht aus als ob zwei Klauen sie von beiden Seiten umfassen würden.

Das Schwert ist genauso majestätisch in den Farben des Voids, der Stein glüht hier rot wie ein riesiges Auge und gibt ihr Kraft.

“Dann mal los, ich will schließlich meine Aufgabe für die Ordnung erfüllen und danach endlich mal Ruhe von der ewigen Kämpferei haben.”

Sie sehen sich mit entschlossen Blicken an und laufen in Richtung des Tumults.

Kapitel 9 - Riven

Der Nebel, den das Biest auf das Feld spuckt, raubt so gut wie jede Sicht. Die Nase und den Mund verschlossen bahnt sie sich den Weg zu den Füßen des Monsters. Auch andere Kämpfer haben sich dort bereits eingefunden. Über ihnen schwebt eine Frau mit einem vertrauten Gesicht, es ist die dunkelhaarige welche sie schon auf dem Blutmondfest misstrauisch gemustert hat. Karma, die Frau mit ihrer starken inneren Kraft. ,Ihre grünen Kugeln fliegen über das Schlachtfeld und explodieren über dem Kopf des Monsters. Es brüllt und reißt seine Arme heftig herum, wobei einige Bäume kaputt gehen. Hinter ihm tauchen weitere Gestalten auf, alles Vastayan. Angeführt werden sie von einer Frau mit langen dunklen Flügeln und einem durchdringenden Blick. Ihre Federn sind spitze Dolche, die direkt ihr Ziel in die Brust einiger Ionier finden.

Das hier ist ein aussichtsloser Kampf, wieso wird er dann noch weitergeführt? Sie soll das hier unterbrechen und für Ordnung sorgen. Doch wird hier niemand auf sie hören, das Monster muss fallen um vielleicht die Anhörung beider Seiten zu gewinnen.

“Lasst niemanden am Leben, das hier ist das Ende von euch Tyrannen!” ruft die Frau mit der Kapuze und schickt mit einer Handbewegung alle anderen hinter sich auf das Kampffeld.

Riven packt die Gelegenheit und rennt auf das Monster zu. Sein Bein ist mindestens so breit wie ein Baumstamm, also klammert sie sich daran fest und versucht nach oben zu klettern. Ja, das ist eine riskante und dumme Idee, aber im Moment der Ablenkung kann sie ein Stück erklimmen. Der Rücken ist mit breiten Stacheln geschmückt, an denen sie sich gut festhalten kann. Am Nacken angekommen stellt sie sich auf diese und hebt das Schwert. Es leuchtet so wunderschön dämonisch im Licht der vielen flackernden Funken der Magie auf dem Feld.

Unter ihr sieht sie, wie die Vastayan sich wie gierige Siecher auf die Menschen Ionias stürzen und beinahe zerfleischen. Karmas Schild hält auch nicht ewig stand. Weiter entfernt entdeckt sie Syndra über dem Feld schweben und dunkle Sphären auf die Vastayan werfend. In so einer Situation ist es schwierig, auf welcher Seite man stehen will. Die Vastayan stehen natürlich feindlich gegenüber allen, aber der Rat Ionias hat erst den Fehler begangen, sie fort zusperren und niemanden über sie zu lehren. So viel zu Gleichberechtigung und kein Rassismus. Riven hebt ihr Schwert und hält es an die Kehle des Monsters.

“Du hälst jetzt still und tust was ich dir sage, oder du bist schneller tot als du nur piep brüllen kannst.” Ob die Worte das Wesen erreichen ist ihr unklar, aber wenn sie nichts macht werden noch mehr Monster auftauchen und über das Schlachtfeld trampeln. Vor langer Zeit hat sie ihren Willen zu kämpfen verstümmelt und verschlossen. Das hier ist nur eine ganz andere Liga. Unendlich viele Menschen schießen sich ihre Magie in die Gesichter, rammen Schwerter in gegnerische Körper und vergessen kurz darauf den letzten den sie getötet haben.

Mit einem Schwertstich schickt sie das Monster geradeaus in die Horde der vastayischen Krieger. Unter Schreien rennen sie auseinander, sie stört es beinahe kaum mehr wie die Menschen unter den Füßen des Monsters zerquetscht werden. Riven bemerkt, wie die Kämpfer Seile auswerfen und versuchen, sie und ihr neues Reittier umzuwerfen. Mit einem Schwung steigt sie auf den Kopf und rammt das Schwert in die Stirn des Wesens. Angeekelt zieht sie es wieder hervor und hält sich noch in der letzten Sekunde fest, um nicht auf den Boden auf zu kommen und wie der Rest zu enden. Und zwar zerquetscht und tot. In Schmerzen windet es sich und hält seine riesigen Pranken vor die Wunde. Riven klettert langsam wieder herab und achtet darauf, nicht von brennenden Pfeilen oder einem Netz erwischt zu werden.

Beinahe verliert sie den Halt und schafft es gerade noch in letzter Sekunde, das Schwert als Stütze zu verwenden. Schwer atmend kommt sie wieder hoch und beachtet kaum die Leichen unter ihren Füßen. Für den Frieden werden Opfer gebracht. Eine extrem große leuchtende magische Kugel kommt aus den Wolken herabgeflogen. Unter den Umständen ist sie schneller da als sie sich retten kann und wird nicht nur sie verbrennen.

“Verdammt!” fluchend rappelt sie sich auf und rutscht auf dem nassen Boden beinahe wieder aus. Er ist blutgetränkt. auch die umstehenden ergreifen die Flucht, auf einmal rennen beide Seiten des Kampfes wie wahnsinnige fort und versuchen sich selbst zu retten.

Der rettende Baum kommt immer näher, als die Kugel auftrifft und alles in der Umgebung mit sich reißt. Erschrocken hebt sie ihren Arm und verdeckt die Augen. Die Hitzewelle kommt und drückt sie auf den Boden. Es ist so heiß, fast glaubt sie zu schmelzen. Als es vorbei ist, kann sie sich kaum rühren vor Schmerzen. Es hat ihre Haut in Mitleidenschaft gezogen, die Verbrennungen sind stark, aber beeinträchtigen sie nicht aufzustehen und sich in Sicherheit zu bringen. Die Baumrinde unter ihren Händen ist so angenehm kühl verglichen mit der warmen stinkenden Luft. Langsam dreht sie sich um. Viele Kämpfer liegen verwundet auf dem Boden und regen sich kaum mehr, andere stehen wieder auf und rammen ihre Schwerter in die Brust des Gegners. Hier gibt es keine Gnade auf dem Schlachtfeld.

Aus den knisternden Flammen steigt ein Schatten auf, ein dunkler Krieger mit einer Rüstung mit spitzen Verzierungen. Die Augen glühen wie zwei Stücke Kohlen, das Schwert so scharf dass es alles mit einem einzigen Schnitt entzweien kann.

Er ist so vertraut dass es beinahe gruselig ist. Riven dreht sich schnell um und krabbelt hinter den dickeren Baumstamm hinter sich. Er dreht sich um und sticht mit seinem Schwert in einen der Gefallenen. In ihrer Hand beginnt etwas immer stärker zu brennen je näher ihr kommt. Sie öffnet ihre Faust und sieht das glühende Zeichen auf ihrer Handfläche. Es ist ein strahlender Kreis mit zwei Flügeln, welcher sich löst und empor schwebt. Das ist das Zeichen um die Ordnung wieder herzustellen.

Langsam fliegt es empor und breitet sich in einem hellen Schimmern aus.

Die Flügel bedecken die dunklen Wolken und hüllen sie in ein warmes Leuchten, das ihr Mut und Hoffnung gibt. Das Zeichen fliegt in ihre Hände und breitet sich aus über ihre Rüstung. In ihrem Herzen spürt sie die Wärme sich über ihren Körper ausbreiten. Es verwandelt sie nicht nur äußerlich sondern auch innerlich. Langsam verwandelt sich ihre schwere dunkle Rüstung in eine golden schimmernde mit Verzierungen. An ihrem Rücken breiten sich zwei Flügel aus, die in einem leichten blau schimmern. Es ist wunderschön und atemberaubend wie die neue Kraft durch sie fließt, das Schwert lang und hell leuchtend. Ein Licht in der ewigen Dunkelheit des Schlachtfeldes wird sich erheben und die Hoffnung wiederherstellen.

Überrascht sieht sie sich an und streicht sich durch die Haare, sie sind nun eisig blau, genauso wie ihr Schwert. Tief einatmen und beruhigen, sagt sie sich. Eine große Kraft führt auch Verantwortung, vor allem wenn sie nur wegen ihres Gegenspielers erwacht.

Vor ihr liegt das zerstörte Schlachtfeld, kaputte Fahnen stecken im Boden, die Toten lassen sich kaum unterscheiden zu welcher Fraktion sie gehören. Der Sturm der Flammen in der Mitte hat sich immer weiter ausgebreitet und nimmt die eine Hälfte beinahe ein. Die Hitze kann sie bereits auf ihrer Haut spüren.

Ihr Schwert vibriert und reagiert auf die Energie, die von dem Feuer ausgeht. Die Entscheidung wird getroffen werden.

Mit einem Sprung schwingt sie sich in die Luft und fliegt beinahe zwischen den Wolken über ihnen. Das Chaos ist wie ein Magnet, es zieht sie an hinab zu stürzen und zu siegen. Es ist wie als hätte eine andere Persönlichkeit sie übernommen, eine mit Kraft und Mut, sich in den ewigen Kampf zu stürzen. Sie muss siegen und den Frieden für alle wieder herstellen. Dies hier sollte besser ausgehen als auf Ionia, als der Noxus gleichermaßen Ionier und ihre Kämpfer tötete. Riven ballt ihre Fäuste. Diesesmal gibt es nur einen Gewinner und ein Opfer. Mit einem gewaltigen Schwung fliegt sie hinab aus den Wolken und richtet das Schwert auf den rot glühenden Gegner. Sein Gesicht ist entstellt und die Augen glühen so rot wie Kohlen im Feuer. Das lange Schwert schneidet so scharf dass es sogar den Nebel entzwei teilen kann.

“Die Ordnung muss wieder hergestellt werden, dafür werde ich dich von dieser Welt tilgen!” Eine fremde Person spricht durch sie, gibt ihr Kraft und findet für sie die richtigen Worte. Als ob man welche bräuchte vor einem Kampf…

“Du hast es schon einmal versucht und bist gescheitert. Hier ist mein Ort, das Chaos wird perfekt sein und du kannst dich wieder zurückziehen und deine Wunden lecken, so wie das letzte Mal!”

Riven spürt eine fremde Wut über die Worte in sich aufbrodeln.

“Wir sind nun zwei vollkommen neue Erwählte, das hier ist etwas anderes! Dieser Krieg ist Unsinn, und das wirst du nun zu spüren bekommen!”

Riven fliegt mit ihrem Schwert in der Hand auf ihn zu und pariert seinen Angriff. Die Flammen legen sich um ihn herum und geben den Boden frei. Überall die verbrannten Leichen und der Geruch des Fleisches… Riven blendet alles aus und konzentriert sich nur auf ihren Gegner. Ihr Schwertkampf ist etwas magisches, sie versuchen sich am schnellsten zu verletzen und dabei selbst ihre Deckung nicht aufzugeben. Um sie herum erheben sich die letzten schwachen Krieger und sehen die leuchtenden Gestalten gegeneinander kämpfen. Es ist ein Anblick wie ihn zuvor keiner je gesehen hat. Mit einem Schlag schickt sie eine Lichtwelle gegen ihren Gegner und kontert seinen Gegenschlag. Er ist gut, sein Kampfstil kommt ihr seltsam bekannt vor. Sie macht weiter, immer mehr Kraft fließt aus ihr heraus und stärkt ihr Schwert. Die nächste Kombo lässt ihn taumeln, doch reißt sein Treffer sie beinahe von den Füßen. Verdammt, das sollte nicht für sie schlecht enden. Mit einer weiteren Welle ihrer Ki-Kraft versetzt sie ihm einen starken Treffer, dann reißt sie ihr Schwert herum und stößt es ihm in das Bein. Sein Blut fließt so wunderschön auf den Boden und tränkt die Stelle tief rot.

Sofort reißt er seine Waffe herum, aber sie reagiert schnell genug und blockt den Schlag ab.

“Komm schon, stich mich ab.” Seine Stimme ist tief und erzürnt, doch liegt noch etwas darin. Riven schüttelt ihren Kopf, es ist ihr Kampf und dieser Krieg im Ganzen muss ein Ende finden. Seine rot glühenden Augen mustern sie wuterfüllt. Mit Genuss sieht sie zu, wie ihr wunderschönes helles Schwert sich durch die dunkel glühende Rüstung ihres Gegners bohrt. Heute hat die Ordnung gewonnen. Riven steht auf und sieht zu, wie das Blut in den Boden sickert.

“Das Chaos wird niemals aufgeben, das solltest du niemals vergessen.” Er sieht ihr direkt in die Augen und für eine Sekunde ist es, als ob menschliche Augen sie ansehen.

“Verdammt, das war überhaupt gar nichts. Du stirbst einfach dahin und gibst auf, das ist kein Krieger!” Riven zerrt ihr Schwert wieder aus seinem Körper heraus und sieht ihn hasserfüllt an.

In ihrer Hand glüht es, das Zeichen schwebt wieder empor. Es ist Zeit zu gehen, eine geliehene Kraft bedeutet auch, dass sie vergeht. Riven spürt, wie die Magie verschwindet. Sie spürt nun den Schmerz der Wunden überall an ihrem Körper. Mit ihrer letzten Kraft hievt sie sich zu den letzten Kämpfern, die ihre Schwerter beiseite gelegt haben.

“Es ist vorbei, euer Krieg und euer Monster dass eure Gedanken kontrolliert, ist besiegt. Ihr solltet euch überlegen, für was ihr kämpft.” Die Männer sehen sie an, als ob sie eine Außerirdische sei.

“Verdammt, tut was ich euch sage!” brüllt sie sie an und spürt sofort den Schmerz in ihre Lunge schießen. Eine Wunde am Bauch, es ist nur ein Kratzer. Aber das Schwert ist etwas besonderes und die Verletzungen davon sind weitaus schlimmer als bei einem normalen Stahlschwert. Über ihnen beginnen die dunklen Wolken sich zusammenzuziehen. Es sieht nach Regen aus, der Regen der nach einer Schlacht alles fortspült.

Riven steckt ihr Schwert beiseite, nun wieder ein zerbrochenes Schwert. Langsam dreht sie sich um und sieht hinab auf den besiegten Gegner einige Meter weiter fort von ihr liegend. Doch dort ist niemand mehr, die Flammen sind erloschen.

“Es ist niemals vorbei.” Auf einmal steht jemand neben ihr, die Stimme ist leicht verzerrt. Die eine Hand ist auf die Bauchwunde gepresst.

Er hat eine zerbrochene Rüstung mit Blut befleckt und sein Helm ist zerbrochen. Die Augen sind wieder die bekannten dunklen Augen, die immer in ihre gesehen haben als ob sie das wichtigste in dem Moment wäre.

“Das Chaos hat mich erwählt und die Ordnung dich, das Schicksal meint es wohl nicht so gut.” Es ist seine Stimme, Yasuos.

“Was? Wieso?” erschrocken sieht sie ihn an, unfähig sich zu rühren. Er kommt ihr näher, immer noch die Hand auf der blutenden Wunde.

“Vor einigen Monaten wurde ich von der seltsamen Macht kontrolliert, und genau jetzt hat sich diese mich wieder geholt.”

Riven versucht, alles innerlich zu ordnen, doch gelingt es ihr nicht wirklich.

“Ich kann mich immernoch nicht wehren, aber du bist mein Feind für immer, egal welche Gefühle im Weg stehen.” Seine freie Hand wandert zum Schwert, welches er zückt und in den Boden steckt.

“Gerade will ich dich eigentlich töten, aber…” In Yasuos Stimme liegt ein Hauch der Dunklen Stimme.

Sie geht einen Schritt nach hinten.

“Verschwinde von hier und lass mich in Ruhe. Du bist mein Gegner, wenn Chaos dich aufgibt dann kann ich dir vielleicht wieder vertrauen.”

Der Regen fängt an, langsam auf sie herab zu tropfen. Die junge Kriegerin dreht sich um und geht fort. Sie steigt über die Leichen und die zerfetzten Flaggen, Schwerter und Schilder voller Blut. Mittlerweile wird der Regen immer stärker. Weiter vor ihr wird das Flugzeug stehen, mit dem sie hergekommen sind. So wie sie die anderen kennt, sind sie stark genug um das hier zu überleben. Ein helles Flackern im Augenwinkel taucht auf, dort ist Karma die einige Verwundete hochhebt und forttragen lässt. Riven verzieht den Mund dreht sich fort. Ihre Haare werden immer nasser und hängen ihr über ihre hellen Augen, welche voller Trauer und Hass in die Ferne starren.

Der Regen perlt über ihre Wange und tropft auf ihr Schlüsselbein. Es kann nicht vorbei sein, es ist nicht ihr Ende. Vor ihr liegt noch soviel, ja zumindest dachte sie das. Und jetzt bleibt ihr nichts mehr als ihr Schwert und ihr gebrochenes Herz. Das hat sie sich selbst zuzuschreiben, es ist alles ihr Fehler! Wieso sieht sie überhaupt noch zurück. Soweit hat sie es nicht verdient. all diese Gedanken wirbeln in ihrem Kopf, ihr Herz schlägt viel zu schnell und scheint ihr aus der Brust springen zu wollen.

Warum? Warum hat sie sich überhaupt darauf eingelassen und all diese Dinge getan. Sie war zu naiv, so dumm und hatte es nicht einmal gemerkt, was vor sich geht. Und selbst jetzt verleugnet sie ihre Gefühle und die Momente, in denen sie das Bauchkribbeln und die wilden Gedanken noch freudig gefühlt hatte.

Jetzt tropft das Blut von ihrer Klinge und die Opfer ihres Schwertes sind nur wenige im Vergleich der vielen, die sie auf ihrer Liste hat. Sie wird sich nichts mehr erlauben, keine Gefühle und nur noch ihre disziplin. Und dann hat sie es einmal fallen gelassen, die Tränen heruntergeschluckt und die Entscheidungen frei getroffen. Ihr Herz lügt und die Bestimmung ist eine andere als ihr Herz sagt. Mit einem Schlag steckt sie das Schwert zurück in den erdigen Boden und sieht auf die weite Landschaft vor sich. Das Blut an den Händen und ihrer Kleidung wird mit dem Regen mit fortgespült, als wären es Tränen die ihr gewähltes Schicksal bemitleiden. Sie selbst bemitleidet sich kaum. Es war alles nötig, um an ihr Ziel zu kommen, egal wie.

Mit aufrechter Haltung und hoch gerichteten Kopf sehen die dunkelbraunen Augen hinauf in den wolkenverhangenen Himmel. Nicht für alle gibt es Hoffnung, das war der Leitsatz ihrer Freundin gewesen. Wo sollte sie nun hin? Was liegt vor ihr? Sie nimmt einen tiefen Atemzug und schließt ihre Augen. Angenehm kühl tropft der Regen auf ihre erhitzte Haut und spült alles fort.

Von hier an beginnt ihr neues Leben. Auch wenn sich die Erinnerungen an ihr altes kaum tilgen lassen und immer wieder aufkommen. Dann kann sie nicht anders als immer wieder darüber nachzudenken, genauso wie jetzt.

An den Fahrzeugen ein Stück entfernt angekommen, sitzt Lux bereits drin und drückt einige Knöpfe.

“Riven, du lebst!” Lux springt ihr entgegen und drückt sie mit ihren dünnen Armen an sich.

“Puh, du bist ja nass. Nimm dir wenn wir zurück sind ein Handtuch.” Riven nickt nur langsam, sie ist wirklich froh dass sie so eine wunderbare Freundin haben kann. Ihre Kleidung ist wieder wie immer ihre einfache Hose mit Rüstung.

“Wo sind die anderen?” Sie steigt ein und zieht die Tür neben sich zu um nicht noch mehr Überschwemmung im Inneren zu machen.

“Syndra habe ich gesehen, nur Kata nicht. Ich denke, ihr geht es gut. Aber deine Wunden sehen nicht gut aus...” besorgt dreht Lux sich um und schiebt Rivens Hand von der Wunde herab.

“Wir werden zuhause unbedingt dich zum Arzt bringen.”

Die Tür geht wieder auf und Syndra steht mit Kata auf den Schultern im Rahmen.

“Los, macht schon, sie ist wirklich schwer verletzt.” Beide fallen klitschnass neben Riven in den Sitz, als Lux schon startet und sie wieder in den Sitz drückt beim starten.

Alles ist wie ein Traum, sie ist immer noch geschockt. Aber nun beginnt ihr neuer Abschnitt.

Kapitel 10 - Riven

Es herrscht Chaos, als sie wieder zurück in Demacia ankommen. So ziemlich jeder ist auf den Beinen und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Sie landen vor den Toren auf der breiten Brücke im Schatten der hohen Türme.

Syndra trägt die immer noch bewusstlose Kata auf den Schultern aus dem Flugzeug und Riven hilft Lux heraus. Sie sind alle immer noch schmutzig, nass und riechen sicherlich nach Schlachtfeld.

Das getrocknete Blut auf ihren Kleidern lässt sich noch erklären, aber die ganzen Verletzungen und das Verschwinden der Prinzessin nach den Ereignissen im Turm sind ein Mysterium. Hoffentlich wird es keine dieser Fälle mehr geben, sobald der Frieden zwischen Ionia und den Vastayan festgelegt wird. Nach dem sie den Drahtzieher hinter dem Chaos beseitigt hat, sollte sich alles doch zum Guten wenden, oder?

“Sie ist wirklich schwer, wie kann man denn nur so viele Dolche tragen und dabei nicht zusammenbrechen?” Syndra ist sichtlich von Katas Last erschöpft. Lux zupft noch ihre Kleidung zurecht, dann lächelt sie aufrichtig.

“Dann lass sie uns mal in den Krankentrakt bringen und eine Ausrede finden, was hier passiert ist.”

“Die Wahrheit ist immer besser.” antwortet Riven ruhig.

Bereits im Treppenhaus herrscht ein schreckliches Durcheinander, überall stürmen die Bediensteten und Anwohner umher und beachten sie erst gar nicht. Lux sieht sich ein wenig überrascht um, dann führt sie sie aber gezielt zum Krankentrakt.

Vorsichtig sieht Lux um die Ecke, dann winkt sie die beiden weiter.

Auf den Betten liegen einige der verletzten Prieser, sie wirken schwach und wie ausgebrannt. Die Krankenschwestern kümmern sich um wie Wunden und geben Medikamente. An einem stark verwundeten Kämpfer sitzt eine junge Frau mit lilafarbener Haut und Hufe anstatt Füßen.

“Sie ist eine Heilerin extra aus Ionia gerufen, aber der Situation nach sollte sie besser zurück in ihr Land.” flüstert Lux ihr zu als sie den Blick von Riven sieht.

“Wir brauchen Hilfe für unsere Freundin hier.” die Prinzessin deutet auf Syndra welche gerade Kata versucht, auf einen der freien Betten abzulegen.

Eine der Helfer kommt sofort und nimmt ihr die verletzte Kämpferin aus den Armen.

“Nicht hier, wir machen das schon. Und du kannst dort zu Melia gehen.” Sie winkt hinüber zu einer weiteren Helferin, welche gerade einen anderen Patienten hilft.

Riven geht zu ihr hinüber und setzt sich auf die Bettkante des unbelegten Bettes daneben. Der Geruch von sterilen Geräten und Medizin liegt in der Luft und verursacht ihr unbehagen.

“Gib mir deinen Arm, die müssen wir sofort desinfizieren.” Die Krankenschwester steht neben ihr mit einem Alkohol getränkten Wattebausch.

Sie krempelt ihre schmutzige Ärmel hoch und legt einige Kratzer frei, die bereits einen rosefarbenen Rand gebildet haben.

“Das hier war auf jeden Fall keine normale Waffe.” merkt sie an.

“Woher wissen sie das?”

“Ich behandele sehr viele Opfer hier, und jetzt halt still.” Die Schwester packt ihren Arm und beginnt die Wunden zu säubern. Sofort zuckt die junge Frau zusammen, der Alkohol in ihrer Wunde bereitet ihr mehr Schmerzen als die Wunde selbst. Riven beißt sich auf die Lippe und versucht tapfer zu bleiben, während eine Wunde nach dem anderen behandelt wird. Im Augenwinkel sieht sie jemand Fremdes hereinkommen, welcher sofort auf die Heilerin bei dem Schwerverwundeten läuft.

“Wir haben dringende Neuigkeiten!” Die Heilerin sieht überrascht auf.

“Sie werden in der Hauptstadt gebraucht, es gibt viele Verwundete nach der Auseinandersetzung auf dem Schlachtfeld!” Sofort steht sie auf und unterbricht die Behandlung.

“Ich werde sofort gehen, es tut mir Leid.” sie verbeugt sich leicht vor dem Patienten und den Krankenschwestern.

“Geh nur, du hast wirklich eine wunderbare Arbeit geleistet!” Beide verbeugen sich und die junge Heilerin verschwindet aus Rivens Blickfeld.

“So, das war es. Jetzt muss ich mir deine Bauchwunde anschauen. Bitte lege dich auf die Liege.” Riven tut wie gewollt. Ist Yasuo an seiner Wunde gestorben? Das war kein guter Treffer, aber ihre Schwerter magisch und die Herzen voller Wut. Sie unterdrückt eine Welle der Trauer und richtet ihre Gedanken auf den Schmerz um es auszublenden.

“Du siehst wirklich aus, als ob du leidest.” Lux setzt sich neben sie auf die Liege. Ihr sonst fröhlicher Gesichtsausdruck ist ernst und ihre Stimme leise.

“Es ist auch ein harter Tag hinter uns, einfach so hinaus gehen und kämpfen macht keiner.” antwortet sie und schließt ihre Augen. Das kalte Wattebausch reinigt ihre Bauchwunde.

“”Das ist wahr. Natürlich hoffe ich nur das Beste, dass die Situation sich lockert und der Frieden wiederhergestellt werden kann.”

“Schließlich habe ich die Quelle getötet. Das wird werden.” antwortet Riven und nickt ihr aufmunternd zu.

Lux lächelt schmal, dann steht sie auf und klopft ihr aufmunternd auf die Schulter.

“Wenn du hier fertig bist, kannst du ja zu mir kommen, ich werde in der Zeit nach meine Bruder schauen. So wie ich ihn kenne, wird er sich in sein Training vergraben haben.”

“Wenn er das mit Kata und der Auseinandersetzung erfährt, dann ist er schneller hier als du denkst.” meint Riven und winkt mit ihrer freien Hand.

“Das stimmt leider, ich muss dann los. Die anderen wissen Bescheid, Syndra bleibt noch kurz hier. Weißt du was mit Yasuo ist? Laut ihr war er noch bei ihr heute morgen.”

Daraufhin schweigt sie einen Moment. “Nein, das weiß ich nicht.” Es ist besser wenn er einfach verschwindet, aus ihrem Leben und dem der anderen.

Als die Behandlung beendet ist, zieht Riven sich in das Zimmer zurück, in dem sie bleiben darf laut Lux. Frische Sachen liegen bereits auf ihrem Bett, welche sie dankbar annimmt. Ein wenig hat die Prinzessin ihren Geschmack getroffen, die weichen Hosen und die lockere Bluse sind bequem und dennoch gut genug, um nicht zu viel Haut zu zeigen. Jede Bewegung versetzt ihr ein stechen, aber die Krankenschwester hat eine sehr gute Arbeit mit ihrer Behandlung geleistet .

Erschöpft setzt sie sich auf das weiche Bett und starrt in aus dem Fenster. Die Sonne ist zu hell, der Raum zu kalt und ihre Gedanken wandern immer weiter in eine traurige Spirale.

Sie hat ihn geliebt aber es nie zugegeben. Im ewigen Kampf mit sich selbst vergisst man oft das um sich herum, aber als sie zusammen die lange Zeit auf Reisen waren, hat sie vieles über sich gelernt und auch ihn. Gemerkt dass es nicht immer richtig ist, in jedem den Feind zu sehen. Der Noxus war ihr zuhause, aber mittlerweile wird es nur noch fremder. Sie beschließt, dass es Zeit wird, woanders hinzugehen, an einen anderen Ort sich ein wenig Auszeit zu nehmen. Nur wo könnte sie das am Besten? Riven ist im feindlichen Gebiet, aber da sie eine Abtrünnige des Noxus ist, hat sie hier am wenigsten zu suchen. Langsam steht sie auf und fasst automatisch an ihren Hals. Dort ist immer noch die Kette, doch hat sie sich seit dem Gespräch mit dem seltsamen Gott-Typen nicht mehr geregt. Die letzte Nacht ist nun schon länger her, also sollte sie sich besser schlafen legen. Hoffentlich kann sie Antworten bei Illaoi finden, eigentlich sind die Fragen über Illaoi mehr als die über die Götterwelt. Wie in Trance legt sie sich auf die Decke und versucht den Kopf freizubekommen.

Irgendwann schafft sie es tatsächlich, einzuschlafen.

Dort ist wieder der grüne schimmernde Raum, das wabernde etwas um sie herum und das Gefühl von Geborgenheit.

“Ich spüre, du hast einen großen Wunsch. Mein Gott spürt das.” Illaoi steht auf einmal neben Riven, welche schweigend auf dem Boden sitzt und die Beine angezogen hat.

“Eigentlich wollte ich keine Toten mehr sehen und nie mehr das Kampffeld betreten. Aber du und die Götter die über diese verdammte Welt wachen, müssen mir diese verdammte Kraft geben.” antwortet sie und öffnet ihre Handfläche. Dort ist schwach das Zeichen zu sehen, welches kurz aufglüht und wieder verschwindet.

“Damit hast du das Schicksal zweier Nationen auf den Weg geleitet. Bis diese sich entscheiden, kannst du lang genug deinen Weg finden, den der für dich passt.” llaoi stemmt ihre Arme in die Hüfte und lächelt von oben auf sie herab.

“Du klingst wie meine Mutter, erst muss ich mich als eine deiner der Götterschützlinge beweisen und jetzt darf ich mit meinen eigenen Zweifeln kämpfen.” Riven steht langsam auf und streicht sich die Haare aus dem Gesicht. Es ist kalt und ohne Gefühle.

“Ich kann dir sagen, dass meine Voraussagungen und Tests für normale Menschen teuer sind. Aber mein treuer Gott sagt mir, dass du auf jeden Fall deinen größten Wunsch erfüllt bekommen wirst. Sonst würde es ihn genauso wenig wie dich antreiben.” Illaoi klingt immer sehr geheimnisvoll wenn sie redet, aber dieser Satz schenkt ihr ein wenig Mut.

“Was ist mit der Kette die du mir gegeben hast? Ich trage sie nun schon so lange, dafür wurde ich öfters beschützt wie mir lieb ist…” Riven hebt die Kette hoch und sieht sie an. Das Schimmern beruhigt sie irgendwie innerlich.

“Behalt sie. Es ist einer meiner Talismane die ich mal gemacht habe und selbst nie wusste, wem ich sie geben soll.” Sie lässt die Kette wieder zurückfallen.

“Wirklich? Nur weil du nicht wusstest, wohin damit?”

Illaoi lacht und der Raum bebt mit ihr. “Das auch, aber es ist ernsthaft ein göttlicher Schutz. Du solltest mir eher dankbar sein, meine Kleine.” Riven seufzt und atmet tief ein und aus um sich zu beruhigen.

“Und jetzt? Weiß dein Gott wieder wen ich umbringen muss damit alles gut wird? Welchen Freund soll ich als nächstes verlieren?” Es klingt ein wenig sarkastisch aber auch ehrlich. Was kommt als nächstes? Ein Kampf um die vielen Kriminellen in Piltover? Oder Schätze im sagenumwobenen Shurima?

“Du hast als eine der wenigen das Void gesehen und bist noch heil zurückgekommen dank deines Segens. Ich denke, du bist von deinen Aufgaben frei. Eigentlich machst du doch sowieso was du willst.”

Die Umgebung um sie herum wird ein wenig schwächer.

“Oh, du wachst auf, ich habe dir genug gesagt. Ich bin schließlich nicht dein Ratgeber für Notsituationen, also los geh, mach was aus deinem Leben solange du kannst!” Illaoi lacht wieder und Riven fühlt sich ein wenig veräppelt.

Vielleicht hat sie ja recht, und immer nur sich in die ankommende Trauer zu stürzen funktioniert auch nicht ewig.

Freljord. Nur das eine Wort schießt ihr durch den Kopf. Genau, dort kann sie hin. Taliyahs Ausbildung läuft gerade im vollen Gange und vielleicht tut es ihr auch mal gut, fort von hier zu gehen und die Vergangenheit buchstäblich einzufrieren. Die Götter haben sie einander aufgescheucht. Yasuo lebt sicher noch, doch wird er sicher noch immer unter dem Gott stehen. Manche Kombinationen gehen nicht immer, wie hier die Ordnung und das Chaos einfach nicht miteinander funktionieren.

Riven wacht auf und sieht sofort die hell gestrichene Wanddecke über sich. Vielleicht sollte sie einfach gehen und alle hinter sich lassen. Kata ist eine andere Liga, Syndra kennt sie kaum. Nur mit Zed hat sie ein paar mehr Worte gewechselt und Lux hat ihr viel geholfen. Mehr hat sie mit denen hier nicht zu tun, also tut es auch mit keinen Abschied. Langsam schiebt sie die Decke von sich und schlüpft in ihre Lieblingsschuhe. Das Schwert und der Rucksack voller Kleidung steht noch dort wo sie ihn abgestellt hatte. Ein Bad könnte vielleicht vorher noch gut tun, also geht sie in das naheliegende Bad und lässt sich ein Bad mit großzügig viel Schaum ein.

Wie lange ist es schon her, wo sie den Genuss eines entspannendes Bads genießen konnte? Die vielen Tage hintereinander haben nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Gemüt mitgenommen. Aber sie ist eine Kämpferin die keine Zeit für Gefühle hat, das wird ihr wieder einmal klar.

Riven bleibt lange in der Wanne bis das Wasser kalt ist, dann trocknet sie sich ab und lässt alles im Bad liegen. Zwischen den Sachen die in einem Schrank im Zimmer liegen ist auch ein etwas wärmerer Mantel der sie im Freljord vor der größten Kälte schützen dürfte. Zurück in den Palast finden wird einfach, die Schützerin über dem Land hat sie bereits kennengelernt und ihre Zeit dort ist nicht all zu lange her.

Entschlossen wirft sie ihren rucksack über die Schulter. Wo bekommt man am schnellsten einen Teleportstein her? Vielleicht sollte sie in den Alchemielaboren nachsehen? Das der Crownguards wurde zerstört, also kann sie es nur bei den anderen drei versuchen. Die Laurents vielleicht? Ihre Anführerin ist eine schrecklich versnobte Frau mit einem spitzen Degen. Wenn sie ihr über den Weg läuft, könnten sie sich einen guten Kampf liefern. Leise schleicht sie sich auf den Gang hinaus durch die ewig gleich gestalteten Gänge voller Gemälde und großen Fenstern. Es ist überraschend wenig los, auch in der Haupthalle ist es leer. An den Säulen sind die Wappen der Häuser zu sehen, das mit den sich duellierenden Degen kann nur das der Laurents sein. Warum ist hier keiner? Egal denkt sie sich, umso einfacher kann sie sich den Stein schnappen und von hier verschwinden ohne einen großen Eindruck zu hinterlassen. Kämpfen wäre mit dieser Verletzung nicht so schön, sie ist zwar vernäht und tut äußerlich nicht mehr weh, aber eine falsche Bewegung kann dies schnell ändern.

Dem Grundbau des Palastes nach muss der Alchemieturm im obersten Stockwerk liegen. Die Fenster werden immer kleiner, je höher sie die Treppen hinauf schleicht. Oben angekommen steht sie vor der Holztür mit einem kleinen Messingschild.

Hier ist sie richtig. Vorsichtig lauscht sie mit einem Ohr an der Tür, es ist komplett still. Entweder die Tür ist zu dick oder es ist gerade wirklich niemand anwesend. Vorsichtig schiebt sie die Tür auf. Ihr fällt ein Stein vom Herzen, als sie niemanden hinter dem vollgestellten Tisch vorfindet.

Angespannt wandern ihre Blicke durch den Raum. Die Regale sind bis zum Platzen gefüllt mit gläsernen Flaschen und Flüssigkeiten ohne Beschriftung. Auf dem Tisch sieht es genauso unordentlich aus, überall stapeln sich die Papiere und Kleinigkeiten. Zwischen zwei kleinen Apparaturen liegt ein funkelnder lilafarbener Kristall, er sieht beinahe aus wie eine der Teleportsteine wie sie sie immer benutzt hat, doch umgibt diesen eine seltsame andere Aura. Vorsichtig nähert sie sich dem Tisch und hebt den kleinen Stein auf. Eine andersartige Magie entströmt ihm wie ein Leck in einem Wasserrohr. Diese Magie ging auch von dem großen Monstrum aus welches sie besiegt hatte. Riven steckt ihn kurzerhand ein. Normalerweise sollten sich Ionia und die Vastayan nicht mehr aufgrund ihrer immensen Magie im Weg stehen, wenn man mittlerweile Magie künstlich herstellen kann und sie in Kristalle packen. Das muss es sein, besser sie zeigt es Lux. Zwischen den Papierstapeln liegt alles was sie nicht gebrauchen kann, leider weiß sie nicht wie die Zusetzung eines Teleportstein funktioniert, sonst hätte sie sich kurzerhand alles geklaut.

“Verdammt…” leise wühlt sie zwischen kleinen Gläsern und Kräuterbündeln bis sie eine verschlossene Holztruhe findet. Sie ist nicht verschlossen und darin liegt tatsächlich ein letzter Teleportstein. Normalerweise sollten die blau gefärbten Steine immer mehrere Aufladungen haben, was auch mehrere Anwendungen erlaubt, aber dieser hier hat nicht mehr viel Magie übrig. Für einmal wird es noch reichen, einen kaufen auf dem Schwarzmarkt wird eine viel teurere Angelegenheit sein als sich einen klauen. Vorsichtig schiebt sie die Holztruhe zurück und versucht alles so wie vorher wieder zu verlassen.

Riven trifft auch dieses mal niemanden auf dem Gang an. Das ist wirklich seltsam, normalerweise sollte es immer jemanden geben der hier patrouilliert, vor allem die Laurent sind vorsichtig mit Wachen. In der Haupthalle angekommen findet sie Lux vor, welche nervös im Kreis läuft.

“Was ist los?” schnell hastet sie die Treppen hinab und packt Lux am schmalen Arm.

“Dort wollen sie gerade die Verträge besprechen und haben herausgefunden, dass ich mit dem Ionia-Kampf verwickelt bin. Die Ionier wollen sofort eine Lösung und auch eine Strafe für mich da ich mich im Namen Demacias eingemischt habe…”

“Hole doch erstmal tief Luft. Ich habe hier etwas, was vielleicht interessant ist mit der Sachen zwischen deinem Reich und den Vastayan.” Lux geschwollenen Augen und ihr nervöses Zucken zeigen Riven, wie ernst die junge Prinzessin die Situation nimmt.

Geheimnisvoll holt sie den lilafarbenen Kristall hervor.

“Diesen hier habe ich gefunden. Die Laurent haben schon im Vorhinein die Vastayan unterstützt und den Komplott geplant. Das ist das einzige, was mir dazu einfällt.”

Lux dreht den Stein und betrachtet ihn im Licht.

“Du hast ihn gefunden? Was ist das überhaupt?”

“Ich war bei den Laurent. Und das hier strömt exakt die Magie aus, welche das Monster der Vastayan hatte. Vielleicht steht es in Verbindung, aber um deinen Kopf aus der Schlinge zu holen würde ich sagen, du solltest das hier den anderen zeigen.”

“Du hast ihn geklaut und sie werden mich beschuldigen!”

“Sag ihnen ehrlich dass ich ihn geklaut habe. Ich bin schon längst fort.” Riven hebt den Teleportstein hoch und lächelt aufmunternd.

“Ich verrate dir auch nicht wo ich hingehe, dann bist du sicher. Am besten verschwinde ich hier bevor sie mich finden.”

Riven hastet die Stufen hoch um ihr wenig Gepäck zusammen zu finden.

“Danke.” sagt die junge Prinzessin noch, dann geht die große Tür auf und zwei Wachen winken sie in den übergroßen Saal.

Im Zimmer nimmt sie ihre Sachen und den Stein in die Hände. Lux wird das schon schaffen, was Syndra machen wird mit Kata… das muss jeder für sich entscheiden. Sie wird immer neutral bleiben aber das ist nicht so einfach, wenn dir ein Gott sagt sie solle für die Ordnung kämpfen und ihr keine Wahl lässt.

Ein letzter Blick hinaus auf die hell erleuchtete Stadt, dann nutzt sie den Stein. Sofort setzt das seltsame Gefühl wie immer ein, und alles um sie herum fließt zu einem Wirbel von Farben zusammen.

Keine Rückkehr mehr, nicht mehr zu ihren Gefühlen und zu ihrer Vergangenheit.

Kapitel 11 - Riven

Um den großen Eichentisch sitzen viele unbekannte, aber auch einige Gesichter die sie sehr gut kennt. Ihre Eltern sitzen links von ihrem Platz, daneben einige Politiker und Mitglieder des magischen Rats in Ionia. Ihre schimmernden Kutten und immer ernster Blick macht sie so einfach wieder erkennbar.

Jeder sieht sie ernst an und wirkt beinahe wie ein Rudel Wölfe, welches ihr hinterher starrt, wie sich auf ihren Stuhl setzt und versucht einen würdigen Blick aufzusetzen.

“Wir haben uns heute aufgrund unerfreulicher Ereignisse eingefunden.” spricht eine ältere Frau rechts von ihr. Unter ihrem Cape schimmert etwas seltsames hervor. Sind das etwa...Fischohren? Lux versucht ihre Überraschung trotzdem zu verstecken und bleibt ruhig.

“Es gab eine Auseinandersetzung auf Ioninaischen Boden zwischen unserem Volk der Vastayan und den Ionier. Daran sind auch Demacier verwickelt weshalb wir uns heute einfinden müssen.”

Lux ihre Mutter zuckt sichtlich zusammen unter den Anschuldigungen.

“Was gibt ihnen das Recht, das zu sagen?” wirft ein großer Mann in der roten Kutte ein.

“Uns wurde gesagt wir sollen unser Land zurückfordern und Ionia zerstören. Natürlich haben wir das Recht dazu, aber nicht die Macht. Diese hat man uns gegeben.”

“Inwiefern gegeben? In den Kampf war unsere Prinzessin verwickelt! Darüber hinaus läuft eine ihrer stärksten und gefährlichsten Magier frei herum und das wahrscheinlich noch auf unseren Grund!” wirft ein Demacianer ein und haut mit der Faust auf den Tisch. Das Wasser in den Gläsern schwingt mit der Wucht.

“Beruhigen sie sich. Wir sind hier für Diplomatie.” der Begleiter der Fischfrau hat sein Gesicht im Schatten seines Capes versteckt.

Lux möchte gerne ein Wort einlegen, aber was sollte sie schon sagen? Da fällt ihr der Kristall in der Tasche ein. Vorsichtig zieht sie ihn hervor und betrachtet ihn unter dem Tisch. Die Magie fließt immer noch hervor wie aus einem Leck und verteilt sich im Raum.

Schnell schließt sie ihre schmalen Finger um den Stein, als ob es die Magie stoppen würde.

“Wir haben schon lange nichts mehr miteinander zu tun gehabt, unser Volk hat sich nur vor der gierigen Ausbeutung Ionias entziehen müssen. Und jetzt haben sie unser Land zerstört und ausgesaugt, es bleibt nichts mehr außer unsere geheime andere Welt.” Die Frau mit den Fischohren sieht wirklich erbost aus. Ionia hat schon lange Magie gesammelt und versucht, sie gerecht unter dem Volk zu teilen. Aber über die Vastayan weiß wirklich bisher kaum jemand.

Die Blicke sind alle am Tisch ernst und fokussiert was die gegen liegende Partei sagen wird.

“Es tut mir Leid, aber ich wollte nur das Beste für beide unserer Seiten. Ich habe mich dort hinbegeben im Wissen dass es nicht gut sein wird.” Lux verschränkt ihre Finger und drückt den Stein fest.

“Meine Freundin mag vielleicht auf keine der Seiten stehen, aber sie hat hier bei unseren Verbündeten den Laurent einen Stein gefunden, der der Magie auf dem Feld ähneln soll.” Lux öffnet ihre Hand und offenbart den Stein. Sofort sind alle Gedanken und Blicke auf den Stein gerichtet.

“Was ist das?” neben ihr will ihre Mutter sofort nach dem Stein greifen, doch die junge Frau zieht die Hand fort.

“Ich kann es mir nicht erklären, aber es muss mit dem Monster zu tun haben. Erkennen sie es?” sie wendet sich an die beiden Vastayan die sich über den Tisch beugen um ihn genauer zu sehen. Lux schiebt ihnen vorsichtig den Stein hin und beobachtet die anderen ihre gierigen Blicke. Spüren sie die ausgehende Magie?

“Seltsam, es ist genau wie sie es sagen.” Der Mann sieht den Stein nur an und wagt ihn nicht zu berühren.

“Ich will mit dieser schmutzigen Magie nichts zu tun haben.” Fischfrau verschränkt ihre Arme vor der Brust.

“Das ist einer aus meinem Labor, das ist eigentlich ein strikt verbotenes Objekt an das niemand herankommt!” brüllt der Laborant des Hauses Laurent. Wenigstens ist das Oberhaupt nicht bei der Versammlung anwesend, es hätte sonst eine hitzige Diskussion werden können.

“Wieso forschen sie an so etwas?” fragt Lux neugierig und beobachtet die Reaktionen im Gesicht des Forschers.

“Das ist eine gesicherte Information, ich darf sie an niemand unberechtigtes weitergeben.” zwischt er zurück und verschränkt die Arme.

Die Reaktion bleibt nicht allen unbemerkt, die Vastayan sehen weiterhin mit ihren versteckten Augen unter der Kapuze über den Tisch als wären alle anderen Anwesenden ihre Beute.

“Trotzdem muss ich weiter darauf beharren.” meint Lux und verschränkt ihre Finger um die Anspannung zu verbergen.

“Wir wollen das doch nicht mit Aggression klären sondern wie Erwachsene. Das hier ist geheim, also geht es sie nichts an.” er klingt gestresst und seine Augen sehen sie nicht direkt an. Innerlich übernimmt ihre dunkle Persönlichkeit des dunklen Elements des Lichts und lässt sie mehr aus sich herausgehen.

“Mir ist klar dass sie lügen und für Noxus und Ionia arbeiten. Ist es nicht wahr? Der Krieg den es nun zwei mal gab, ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen. Nun bin ich nicht mehr naiv um an das Gute zu glauben.” Lux funkelt ihn wütend an und scheint ihn eingeschüchtert zu haben.

“Das ist wahr, wir haben Geschäfte mit ihm geführt. Dieser Stein ist eine der Endprodukte durch das Experimentieren mit dem Void und anderen Wesen. Wir haben jedoch jeglichen Handel nach den Außenmaßen des letzten Kampfes eingestellt. Unsere besten Kämpfer wurden verseucht.” Alle am Tisch sehen erschrocken auf.

“Das Zeug hat seinen eigenen Willen, es verwandelt sie in etwas grausameres als wir uns vorstellen konnten. Nur wegen dem Geflüster eines angeblichen Gottes der uns versprach, die Magie zu tilgen!” der Mann schräg rechts von ihr der spricht schlägt wütend auf den Tisch.

“Ishtar, beruhige dich.” meint die Frau mit lockigen hellen Haar neben ihm.

“Magie tilgen um unser Land zu zerstören, das wollten wir nun mit einem Kampf endgültig klären.” grummelte die Fischfrau.

Also gab es bloß einen Kampf wegen eines gut ausgeklügelten Komplotts? Lux schaut nicht mehr durch die Situation durch. Der Stein ist auf jeden Fall mit mächtiger Magie erfüllt die nicht nur gutes bewirken könnte wenn man es falsch einsetzt.

“Also gab es wieder mal den ewigen Kampf zwischen Magie und Nicht-Magie.” winkt ihr Berater namens Sol ab.

“Das dachten wir auch, aber ihr gierigen Demacier wollt ihn doch grabschen! Uns vielleicht hintergehen!” Ishtar ist immer noch erbost.

“Das würden wir niemals tun, unser gemeinsame Feind ist Noxus und auch er hat den Stein erhalten, meint unser Mann hier. Klären sie das unter sich, aber jetzt gilt der Friedensvertrag.” Lux steht auf und richtet ihren Stab auf den Stein.

“Nein, tun sie das nicht!” mit zittriger Hand winkt der Forscher nach dem Stein. Er ist gierig und in seinen Augen funkelt Gier nach Macht und einer anderen Magie. Eigentlich verabscheut Demacier unnormales, selbst Lux ist überrascht dass sie trotzdem Prinzessin sein darf mit magischen Fähigkeiten ohne gebannt zu werden. Wären die Laurents an der Macht, dann wäre sie längst eine Verbannte so wie Riven.

“Ich brauche ihn!” brüllt der Forscher und seine finger berühren den Stein. Ein leichtes lilafarbenes Glühen kommt zwischen seinen Fingern hervor. Die Magieaura verdichtet sich und fühlt sich an wie ein Monster, dass gleich von hinten sie erwürgen wird.

Ohne zu zögern schießt sie einen Lichtstrahl auf den Stein und ignoriert die Hand. Mit einem hellen “Kling!” zersplittert der Kristall in winzig kleine Einzelteile. In der Hand des Mannes prangt ein verkokeltes Loch. Erschrocken sieht er auf und kann kaum fassen, was die sonst gutmütige Prinzessin dort getan hat.

“Los, nimmt ihn mit. Wir brauchen ihn nicht mehr.” weißt die junge Frau an und winkt den Wachen an der Tür. Sofort packen sie ihn an den Armen und ziehen ihn fort. Langsam tropft das Blut auf den Boden und hinterlässt eine dunkle Spur.

Lux setzt sich wieder auf ihren Stuhl und stützt ihr Kinn auf die Hände.

“Nun zu den Friedensvertrag. Es ist alles geregelt und wir werden die Vastayan unter unseren Schutz stellen. Da wir aber auch mit Ionia verbündet sind, heißt dass es wird keinen Kampf geben.” Die Blicke sind ungläubig, doch sie lässt sich davon nicht beirren.

“Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit meine Damen und Herren, ich habe auch andere Sachen zu erledigen.” Lux kann jeden der einzelnen Blicke in ihrem Rücken spüren, wie sie durchbohren und fragen: Wo ist die hübsche nette Prinzessin geblieben?

Vor der großen Tür angekommen wartet sie, bis es wieder geschlossen ist. Dann sinkt sie ohne Beachtung der Wachen auf den Teppich und atmet tief durch.

“Danke, dunkles Ich.” wispert sie in sich hinein. Ohne diese Kraft hätte sie wohl niemals den Mut gefunden, über ihre Strengen zu schlagen und eine andere Persönlichkeit anzuschlagen.

Somit ist eine neue ära sicher, vielleicht gibt es eines Tages Hoffnung für das zerrüttete Land endlich die andere Seite voller magischer Kreaturen zu akzeptieren.

Langsam steht sie wieder auf und macht sich auf dem Weg zum Krankensaal. Sie sollte Syndra und Kata besser bald fortschicken bevor sie noch auffällig werden. Und so wie sie Riven kennt, ist sie bereits über alle Berge auf ihren eigenen abenteuerlichen Pfaden.

Kapitel 12 - Riven

Der Wind schneidet ihr kalt in die Knochen. Trotz der dicken Jacke und den flauschigen Fellstiefeln ist Freljord immer noch ein kalter Ort, passend zu ihrem Zustand im Herzen. Alles eingefroren, so sehr dass sie einfach alles vergessen hat und sich nun auf die Arbeit konzentriert.

Erst vor drei kam sie hier an und sofort wurde sie von Ashe herbeigerufen. Anscheinend hat sie in ihr eine junge Frau für Teepartys und Aufgaben gefunden. Aber wenn sie im Königreich bleiben will, muss sie sich in die Gesellschaft eingliedern und mithelfen. Taliyah ist hier um ihre Lehre zu machen und Riven hat das wunderbare Privileg bekommen, in den frostigen Wäldern im Tal die Tiere zu jagen. Die lange Bergkette des Freljord ist schon ein wirklich schöner Anblick. In der Ferne vom Nebel verhüllt ist der Mount Targon, der sagenumwobene Berg. Aber hier im frostigen Tal sind sie sicher, das hat man ihr versichert.

Taliyah hat versprochen, ihr einige Sagen zu erzählen damit sie sich besser mit anderen unterhalten kann. Warum die große Brücke über der großen Kluft ist und warum Ashe immerzu für den Kampf bereit ist. Auch die sogenannten “Eisgeborenen” wurden genannt. Wenn es um einen Krieger geht den Ashe haben will, dann sollte sie besser nicht Riven fragen. Müde hackt sie das letzte Holz für den Ofen und bringt es in die Hütte.

“Dein Schwert so zu verwenden ist schon ein wenig traurig.” Taliyah sitzt am kleinen Kamin und versucht ein Feuer anzubekommen.

“Ich kann wenigstens damit etwas gutes tun.” Riven tut ihr Schwert beiseite und hilft ihr, das Holz in den Kamin zu bekommen.

“Musst du heute nicht wieder aufgrund dieser blöden Lagebesprechung in den Palast?”

“Erinnere mich nicht schon am ersten Tag daran.” Kaum angekommen wurde sie gleich mit eingeplant. Jeden Tag gibt es eine Lagebesprechung und es wird über Einwanderer entschieden, die fremd zum Königshaus sind. Auch das Training wird jedes Mal für eine Uhrzeit eingeplant an dem Riven teilnehmen solle um den anderen noch ein paar Tricks zu zeigen. Einfach anstrengend und überhaupt nicht was sie will, doch vorerst ist das hier die beste Option ein wenig unterzukommen und Taliyah zu helfen. Hier sind ihre Gedanken immer bei der Arbeit und wandern kaum ab zu ihm. Sofort ballt sie ihre Fäuste und denkt an was anderes. Nicht über den Verräter denken, denn sonst werden ihre Gefühle wieder erwachen.

“Ich mache das Essen heute mal!” meint Taliyah hinter ihr und räumt in der kleinen Küche auf. Riven sieht auf und lächelt.

“Vielen Dank, was wäre ich hier nur ohne dich. Wohl immer zu am schuften oder dahin wandern.” meint Riven ein wenig selbstironisch.

Taliyah lacht und holt zwei Schüsseln aus dem Schrank.

“Lass uns erstmal in aller Ruhe was essen bevor du wieder dort rüber musst.”

Riven setzt sich zu ihrer Mitbewohnerin und sucht das Besteck aus der Schublade. Ein ganz normales Leben ohne weitere Probleme.

“Du machst dir viel zu viele Gedanken, du hast wieder den nachdenklichen Blick drauf.”

Erschrocken sieht Riven sie an und lenkt ihre Gedanken wieder nach vorn.

“Interessant dass du mir sowas ansiehst.” antwortet sie und lächelt nett. Vor Taliyah kann man sich kaum verstecken, sie weiß zu genau was in ihr vorgeht nach all den Geschehnissen in den letzten Wochen. Normalerweise ist sie an die vielen Enttäuschungen und Schmerzen gewöhnt weshalb sie sich so viele Gedanken genau um so etwas macht.

Das warme Essen füllt ihren Magen und sofort fühlt sie sich um einiges besser. Draußen vor den Fenstern zieht ein Schneesturm auf aber in diesem Tal zieht der Wind normalerweise schnell ab. Die Fensterläden klappern und der Kamin raucht noch stärker durch den Schornstein hinaus.

“Ich glaube nicht dass du jetzt losgehen solltest…” Taliyah steht auf und schiebt die Vorhänge beiseite. Dicke Schneeflocken fliegen vorbei und der Wind pfeift laut.

“Ich mag das Wetter irgendwie, es ist besonders und schön anzusehen.” meint Riven und setzt sich auf die Fensterbank.

“Du wirkst irgendwie ein wenig melancholisch in letzter Zeit, sonst hast du ein wenig besseren Eindruck gemacht.” Taliyah kneift an Rivens kalten Wangen.

“Lass das, ich bin schon okay.” wehrt sie ab und faltet ihre Hände im Schoß zusammen.

“Es ist nur so seltsam endlich einmal zu wissen, dass man nirgends hingehen muss und das hier als sein Zuhause nennen soll. Ich mag es hier, nur ist alles immernoch so...anders.”

In ihrer Hand schimmert leicht das Crest auf, dass sie immer noch mit sich trägt, aber nicht mehr genutzt hat. Irgendwie hat sie Angst, wieder in die Schiene der Retterin gesteckt zu werden und andere ihre Probleme austragen zu müssen. Das bisschen dort war auf jeden Fall nicht alles, derzeit dürfte gerade einmal die Verhandlung über die Vastayan laufen. Vielleicht hat es was geholfen, Lux den Stein zu überreichen. Hoffentlich geht es ihr gut und den anderen, vor allem wenn es sich um zwei Abtrünnige handelt. Am Ende ist ihr Syndra sympathisch geworden, wenn auch nicht als eine Freundin. Sie bewegt etwas anderes und ihre Welt ist eine andere mit viel mehr Magie als Riven selbst erfahren würde.

An der Tür klopft es auf einmal laut. Taliyah stürzt sofort an die Tür und öffnet sie vorsichtig. Der Schnee weht sofort hinein und schmilzt in der Wärme. Eine der Botschafter des königlichen Hauses kommt herein, einen halb zugefrorenen Zettel in der Hand.

“Ich bin noch neu und habe den Weg nicht sofort gefunden, aber ich bringe ihnen eine wichtige Nachricht.”

Riven nimmt das Papier hebt es hoch. Langsam schmelzen die Schneeflocken. Darunter kann sie erkennen, dass Ashe sie in die Schlosshalle zitiert damit sie eine wichtige private Nachricht annehmen kann. Anscheinend so wichtig dass sie persönlich aufkreuzen muss.

“Okay, ich breche auf sobald der Schneesturm aufhört.” antwortet sie und wirft den Zettel ins Feuer.

Zur Antwort heult draußen der Wind und lädt eine weitere Schneewelle auf ihre kleine Hütte.

“Sieht heute aber schrecklich da draußen aus!” Taliyah presst ihre Nase gegen die kalte Scheibe und bewundert die herum wirbelnden Schneeflocken.

“Ich bin wieder unterwegs, Nachricht überbracht!” der Bote salutiert und geht schnurstracks hinaus aus der Wohnungstür.

Eigentlich wollte sie ihn noch zum bleiben einladen, aber da war er schon wieder im Gestöber verschwunden. Riven schüttelt den Kopf und wendet sich wieder in Richtung Ofen. Die Wärme gibt ihr Zuversicht und Geborgenheit. Bis es sicher ist zum Schloss zu gehen sollte sie die Wärme genießen.

“Du musst mich auch mal wieder mit ins Schloss nehmen! Ich sage dir, diese Säulen und die Verzierungen, da wird mein Architekten-Herz weich!” meint Taliyah und wendet sich vom Fenster ab.

“Ich dachte nie, dass du so tickst, aber ja mache ich.” Riven lächelt und denkt an die wirklich schöne Bauweise. So hohe eindrucksvolle Säulen und von eisbedeckte Wände hatte sie noch nie gesehen. Ionia ist schön, aber die frostige steife Architektur in Freljord hat ihren eigenen Charm.

Jede der Bemalungen im Thronsaal erzählt ihre eigene Geschichte. Von dem Kampf der Wächter und Lissandra, die Königin hoch im Norden. Der heulenden Schlucht und der eindrucksvollen Brücke die hin zum Schloss führt. Tatsächlich ist diese so lang, dass man nie glaubt ein Ende zu sehen und dass einem die Finger abfrieren, bevor man die Glocke läuten kann. Und tief dort im Abgrund schwimmen Eisbrocken in einem schnell fließenden kalten Fluss. Dort will man nie unter irgendwelchen Umständen hineinfallen.

Riven holt ihre dicken Handschuhe und die Felljacke aus der Garderobe und legt stellt ihre Schuhe bereit.

“Es wird auf jeden Fall besser, willst du schon losgehen?” Taliyah reicht ihr eine warme Mütze.

“Ja, bevor ich von der Hoheit Ärger bekomme weil ich nicht sofort vorbeigekommen bin.” Königin Ashe kann schon fordernd sein und ist manchmal mindestens so kalt wie der Nordwind über dem Tal.

Dick eingepackt stapft sie zur Tür und packt ihr Schwert vorsichtshalber in ihre Halterung. Manchmal würde sie wirklich gern wie andere einfach ihre Waffen in eine andere Dimension packen und sie beliebig an einem anderen Ort wieder hervorziehen.

“Drück mir die Daumen dass ich schnell wieder verschwinden kann.” meint sie und drückt Taliyah kurz an sich.

Trotz der warmen Kleidung spürt man den Wind sofort durch Mark und Bein gehen. So schnell es nur geht stapft die junge Frau durch den Schnee und ärgert sich darüber, zugestimmt zu haben die Anweisungen durchzuführen damit sie hier auf längere Zeit bleiben darf. Die Brücke wird von titangroßen Säulen gesäumt, die beinahe in den dünnen Wolken verschwinden. Ein Karren schlittert vor ihr über die Brücke und versucht trotz der teilweise gefrorenen Stellen schnell auf die andere Seite zu kommen. Riven drückt die Arme an sich und ignoriert den schneidenden Wind und die Flocken die sofort auf ihrem Gesicht schmelzen.

Vor ihr taucht nach einer gefühlten Unendlichkeit endlich das Schloss auf. Die spitzen Säulen stehen neben einigen Treppenstufen an denen eine Wache den Verkehr beobachtet. Hinter dem Tor wartet eine kaum einladende kalte Halle und ein Weg zum Thronsaal.

Die Ketten der Brücke rasseln als sie eine Kutsche wieder aufhiefen. Hier gibt es niemanden der den Weg für andere freiräumt und es ein wenig unfallfreier macht. Im Schatten des riesigen Berges hinter dem Schloss geht sie durch die Eingangstür und stapft ein wenig missmutig die kalte Halle zum Hauptsaal entlang. In den höherliegenen Gebieten Freljords ist es sicher noch um ein Stück kälter und windiger, also redet sie sich jedes Mal ein nicht zu jammern über das bisschen Wind.

Die Fackeln brennen einladend vor der Tür und Licht schimmert zwischen dem Türspalt hindurch. Mit einem Schwung öffnet sie das Tor und tritt ein in die warme Halle mit Kerzen und einem warmen Ofenfeuer. Schön ist es auf jeden Fall, das Eis reflektiert die Lichter und erzeugt eine schöne Lichtstimmung. Magisches gefährliches Eis, um genau zu sein.

“Wie schön dass du gekommen bist, auch wenn es echt lange gedauert hat.” Ashe verschränkt ihre Arme vor ihrer Brust sieht grimmig aus.

“Draußen wütet wieder ein Schneesturm und ich soll mich beeilen? Das ist Wunschdenken.” giftet Riven zurück und erntet einen fiesen Blick. Heute trägt die Königin ein langes helles Kleid mit dem Wappen auf dem Rock. Sonst zeigt sie sich weniger edel, aber das ist ja ihre Entscheidung.

Ihr Gatte ist wieder nicht da, er ist oft auf seinen eigenen Wegen unterwegs in den hohen Bergen des Freljord.

“Warum musste ich so dringend hier her kommen?” fragt sie neugierig und zieht ihre dicke Winterkleidung aus.

“Es gibt einen Gast für dich, leider ist er verwundet und ich habe unsere Krankenschwester gerufen damit sie erstmal das gröbste tun kann.” Sofort zieht sich ihr Herz zusammen. Jemand wo sie kennt, verletzt und hier m Freljord?

“Ich frage mich wie man weiß dass ich hier bin, meine Freunde wissen nicht wo ich hingegangen bin.” meint Riven und hängt wirft die Kleidung auf einen kleinen Hocker neben sich.

“Komm mit, ich hoffe du bleibst trotzdem...gelassen.” meint Ashe und dreht sich ohne ein weiteres Wort fort und führt sie zum Krankentrakt. Das ganze ist ihr zu mysteriös. Aber man sollte nie Schlüsse im Vorhinein ziehen, ohne genau zu wissen was wirklich Sache ist.

Kapitel 13- Riven

Mittlerweile ist Riven den Krankentrakt gehörig satt. Der Geruch, die leidenden Gesichter und das Gefühl von Krankheit bereiten ihr Unwohlsein. Hier liegen weniger Patienten in den Betten als es bei Lux war, aber das Gefühl bleibt.

Dort ist das Bett von dem das meiste unwohle Gefühl von ausgeht. Wie ein Faden der sie damit verbindet und ihr Angst macht. Trotzdem beruhigt sie sich und verspricht sich selbst, alles rational und normal zu sehen.

Die langen dunklen Haare liegen wie ein Fächer auf dem hellen Kissen und bilden einen schönen Kontrast zu den blutbefleckten Verbänden um die Brust.

“Ich habe dich geholt da ich weiß, dass du wohl am Besten mit ihm umzugehen weißt.” Ashe deutet auf das Bett und macht Platz für die Krankenschwester.

“Er hat deinen Namen gerufen also habe ich die Königin informiert. Es ist alles meine Schuld.” die junge Ärztin wirkt ein wenig eingeschüchtert von Rivens grimmigen Gesichtsausdruck.

“Nein, es ist schon okay. Wenn sie mich bitte alleine lassen würden?” Riven setzt sich an die Bettkante und nimmt die kalten Finger die auf der Decke liegen in die Hand. Wie eine Welle verschwindet ihr Groll und Hass und macht einem beruhigenden Gefühl platz.

Feinde zu sein heißt nicht, dass man einander trotzdem vertrauen kann.

“Tut mir Leid was ich dir angetan habe, Yasuo.” sagt sie leise sodass nur er es hören kann. Seine Finger umklammern schwach ihre.

“Was hast du überhaupt angestellt? Das sieht wirklich nach einer schweren Wunde aus…”

“Kampf...gegen ein Biest.” flüstert er und schließt wieder seine Augen. Wenn etwas ihn so schwer verletzt muss es etwas bedeuten.

“Ich habe immer noch Wunden und bleibende Narben von dem Kampf fortgetragen… Aber ich habe dich ebenfalls schwer verletzt.” Sofort bemerkt sie die Reue in sich aufwallen.

“Genau danach ist es aus dem Wald aufgetaucht. Große Krallen hatte es…” er blickt in die Ferne und Riven spürt wie die Kette um ihren Hals leicht glüht. Wie so oft weiß sie selbst nicht, warum und weshalb sie gerade jetzt ausschlägt. Vorsichtig nimmt sie den Anhänger ab und legt in ihre Handfläche. Das grüne Schimmern pulsiert leicht zu der Wärme des Steines.

Vielleicht kann es ja sein, dass er von dieser dunklen Macht angezogen wird? Meistens hat es wegen der seltsamen Substanz einer anderen Welt geglüht. Je näher Riven es zur Wunde hält, desto heißer wird es und scheint sich in ihre Handfläche zu brennen. Mit größter Mühe hält sie es fest und legt es auf die abgedeckte Wunde. Yasuo verzieht sein Gesicht, er scheint auch die unglaubliche Hitze zu spüren die der kleine Stein von sich gibt. Nach einem kurzen Moment lockern sich seine Züge und er kann seine Augen schließen. Im Stein wirbelt etwas dunkles bis es sich auflöst und es wieder abkühlt.

“Danke, Illaoi.” flüstert Riven und hält den Stein nah an ihre Brust. Er ist wieder kalt und es ist beinahe so, als ob er kein Leben mehr hätte. Es ist nicht nur ein Stein, sondern ein Beschützer vor dunklen Mächten.

“Jetzt sollte es dir besser gehen.” langsam streicht Riven über seine dunklen langen Haare. Jemand muss ihn gewaschen haben und durch den Stein hat er einige Leiden weniger. Aber trotzdem muss das Crest wie sie es in ihrer Handfläche hat, bei ihm doch auch sein. Vorsichtig hebt sie seine rechte Hand und sieht eine leicht rote Verzierung aufglühen.

Das ist es nicht, was im Schatten lauert. Riven legt die Hand zurück auf das Laken und beobachtet den schlafenden Yasuo. Die Atmung geht wieder normal und er scheint ein wenig erleichterter zu sein.

Nichts ist hierbei herausgekommen, die Götter spielen ihre Spiele mit den Menschen und Macht ist immer noch die größte Währung. Vorallem die Vastayan werden sicher nicht sofort ihre Anerkennung bekommen und sich in ihr Leben zurückkämpfen dürfen.

Vor den Fenstern heult der kalte Wind und Riven weiß nicht recht, was sie glauben sollte. Den Göttern ihr Ziel verfolgen oder sich einfach allem ausschließen, beides ist eine unmögliche Option. Immer mehr werden verletzt werden und die Schwerter blutig einen nach dem anderen zerreissen. Entschlossen steht die junge Frau auf und verlässt den Trakt. Manche Antwort kann man wohl nur von einem Gott selbst erhalten. Auf dem Flur vor dem Krankentrakt umschließt sie feste den Stein und konzentriert sich auf ihre innere Stimme.

“Illaoi, ich will Antworten. Zeige dich mir ein letztes Mal!” nichts passiert. Enttäuscht hängt sie den Stein um ihren Hals und setzt sich auf den Boden an der Wand. Manchmal soll man auch keine Antworten erhalten dürfen. Sie schließt die Augen und merkt kaum wie sie abdriftet.
 

Das flackernde Grün um sie herum ist fast so vertraut wie auch gruselig. Wie lange war sie nicht mehr hier gewesen? Und das erste Mal als sie mit der Gottesbotin sprechen durfte…

“Du hast bei mir ja eigentlich keine Sessions zu buchen, das macht alles mein Gott.” Illaoi taucht vor ihr auf, die Arme in die Hüfte gestemmt.

“Ich verstehe einfach nicht, was das hier alles soll! Warum wir kämpfen und für was? Warum ich jetzt dieses Mal mit mir herum tragen darf und den Willen anderer ausführen soll, egal wer dabei verletzt wird!” Riven setzt sich auf den flimmernden Boden.

“Meine Liebe, manchmal muss man Dinge nehmen wie sie kommen. Ich habe nur Einfluss auf Dinge wie das Verlangen. Mein Test zeigt mir ob es jemand wert ist, seinen Wunsch erfüllt zu bekommen oder er weiter seinem Verlangen nachjagen soll.” erklärt Illaoi und kniet sich vor die niedergeschlagene junge Frau.

“Du solltest das Beste aus deiner verbleibenden Lebenszeit machen und versuchen, das Glück in der Zukunft und in deinen Freunden finden. Versprich mir das.”

Die Worte sickern durch ihre Gedanken.

“Ja, okay.” antwortet sie schließlich. Was bringt es auch sich zu wehren und nein zu sagen?

“Du nimmst dein Schicksal selbst in die Hand. Ich habe dir ein Geschenk gemacht, also nutze es auch. Geh bisschen auf Reisen und zeig ein paar Bösewichte deine Kraft. Aber du bist du, und dein Wille ist dein.”

Mit den Worten verschwindet die Umgebung und Riven wacht auf dem kalten Boden auf. Langsam richtet sie sich auf und streift den Staub von ihrer Kleidung. Vielleicht sollte sie etwas in die Hand nehmen und nicht einfach aufgeben. Einige warten auf sie, erwarten großes und andere wollen sie gerne Tot sehen. Aber das ist nicht ein Grund sich dem zu ergeben.

Mit aufgerichtetem Kopf und einem selbstsicheren Blick geht sie zurück, denn dort wartet bereits jemand für den es sich lohnt, stolz und stark zu sein.


Nachwort zu diesem Kapitel:
So nähere ich mich dem Ende dieser FF, aber trotzdem hoffe ich doch, dass ich ein wenig Epilog und Sidestory-technisch weiter schreiben kann/möchte :) Komplett anzeigen

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