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Liebe hinter Gittern

RPG
von

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Gefangen..

RPG von Soulfucker, Romanova und Blue_XD
 

+~+
 

//1... 2... 3... 4 Jahre... Wie lange sitze ich jetzt schon hier? Montag... Dienstag... Mittwoch... welchen Tag haben wir?//, fragte sich der Gefangene mit den langen schwarzen Haaren, die ihm strubbelig von seinem Kopf abstanden. Er seufzte schwer und strich sich über die ermüdeten Augen. Er konnte hier noch nie richtig schlafen. Auf diesem harten und kalten Bett, umringt von Mauern, die einen einkerkern und zu erdrücken schienen. Was war das nur für ein unfaires Leben, das jedem... wirklich jedem, egal ob unschuldig oder nicht, in dieses Gefängnis sperrte und ihm alle Freiheit nahm? Sie mussten von den Resten leben, die die Gefängniswärter übrig ließen. Wenn es nach ihnen gehen würde, dann wären sie schon alle längst verhungert, denn in ihren Augen, waren sie es nicht würdig zu leben.

Einer diesen "Sklaventreiber", wie sie diese Menschen gerne hinter ihren Rücken nannten, würde sogleich seine Runde führen und Aoi wusste, das er nicht davon verschont bleiben würde, wie jeden Tag auf's Neue, in den Dreck gezogen zu werden. Er war inzwischen daran gewöhnt, hatten sie doch schon schlimmere Dinge mit ihm getan. Die einzige Rettung verschont zu bleiben, hieß Schweigen und das tat Aoi... bereits seit sehr langer Zeit, denn aus seinen Fehlern hatte er gelernt...

Kalte Dusche..?

Der Wärter machte pünktlich um 16.00 Uhr seine Runde. Wie er diesen Job hasste... Wie er die Gefangenen hier drinnen verabscheute... Der Geruch widerte ihn an... Wurde mal Zeit, dass jemand "Neues" zu ihnen kam... Ein dreckiges Grinsen verzerrte sein Gesicht, als er zu dem Gefangenen Nummer 1308 ging... Wie hieß er wirklich? Ach, das spielte doch keine Rolle... Er würde hier eh nie wieder raus kommen... Ein Wunder, dass er nicht schon längst zusammengebrochen war, nach der langen Zeit... Die meisten hatten sich umgebracht, was wahrscheinlich noch der humanste Weg war...

Er strich sich die fettigen Haare zurück und rüttelte an den Stäben von Aois Zelle. "1308?! Aufstehen! Heute waschen wir dich mal! Du stinkst und der Direktor kommt heute zu Besuch. Da wollen wir doch einen hübschen Eindruck hinterlassen, nicht wahr?!" und dabei war sein Blick von solch einer Eiseskälte, der keinen Zweifel daran ließ, was passieren würde, wenn der Gefangene auch nur einen Mucks von sich geben würde...
 

Das allseits bekannte Rütteln erfüllte seine Zelle, als der Wärter seine Runde machte. //16Uhr...//, dachte sich Nummer 1308 und stand mit gesenkten Haupt auf. Schwankend lief er zur Zellgittertür und hob automatisch beide Arme, damit der Wärter ihm seine Handschellen umlegen konnte. Er könnte ja immerhin fliehen...

Seine Gedanken schweiften kurz zu dem Direktor und alles zog sich in ihm zusammen. //Mieses Schwein...//
 

Die Handschellen schlossen sich eng um Aois schmale Gelenke und der Wärter gab ihm eine Stoß. "Vorwärts in den Waschraum!"

Wer hier eingesperrt war, er hatte verlernt, was das Wort "Würde" bedeutete...

Der Wächter brachte Aoi in den so genannten Waschraum, der komplett mit harten Steinfliesen verkleidet war. "Zieh dich aus! Ich hole das Wasser!" Er verließ den Raum und schloss die Türe zu. Somit war Aoi wieder eingesperrt, nur eben an einem anderen Ort.
 

Der Gefangene zuckte nicht mal mehr mit der Wimper, als das kühle Metall seine Gelenke zusammengedrückt hatte und lief artig vor dem Wärter in Richtung Waschraum. //Schweigen.//, ermahnte er sich und biss die Zähne zusammen. //Warum beendet er nicht einfach mein Leben? Dann wäre ich wieder glücklich.// Der dünne Stoff unter seinen Füßen konnte die Kälte nicht zurückhalten und als der Wärter ihm die Handschellen abnahm, ihm befahl, sich auszuziehen und den Raum verließ, dann trennte er sich auch noch von diesem Stoff und erschauderte, weil der kalte Boden sich in seine Füße brannte. Mit zitternden Händen zog er sich den dünnen Overall aus und mit ihm, auch seine dreckigen Shorts. Er verzog angewidert das Gesicht. Er widerte sich schon selbst an. Frierend schlang er seine dünnen Ärmchen um seinen dürren Körper und wartete zitternd darauf, dass der Wärter wieder kam.
 

Der Wärter kam nach einer gefühlten Viertelstunde mit mehreren Eimern voll heißem Wasser wieder, dass er, ohne Vorwarnung, über Aoi goss, ehe er mit dem richtigen Waschen zu beginnen. Er schrubbte den "Dreck" mit einer Bürste von Aois Körper. Danach seifte er ihn grob ein, während sein Blick lüstern über die nackte Haut glitt. Mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht, tauchte er die Bürste reinigend in das heiße Wasser des zweiten Eimers, um ihm dann die Seife vom Körper zu schrubben. Als sich das Gröbste davon über dem Boden verteilte, wusch er noch Aois Haare grob durch. Im Anschluss erhob er sich, das Aoi inzwischen zu Boden geglitten war, nahm den zweiten Eimer und goss ihn spülend über den blutigen Körper. "Du hast auch mal mehr durchgehalten. Jetzt könnte ich theoretisch nochmal anfangen, aber... der Boss wird schon wissen, wie er damit umzugehen hat."
 

Zitternd wie Espenlaub hatte Aoi versucht, sich zunächst warm zu rubbeln. Doch es half alles nichts gegen die Kälte, die ihn umgab. Dazu kam der Wind, der durch alle Ritzen kroch und ihn umgarnte.

Als er hörte, wie die Tür aufging, machte er sich schon innerlich dafür bereit, mit eiskaltem Wasser begossen zu werden, denn die Warmdusche hatte er erst vor zwei Wochen erhalten. Doch anstatt der Eisdusche, kippte ihm der Wärter unerwartet heißes Wasser über den Körper, der bei der Berührung vorwärts strauchelte. Ein Schrei entfloh seinen aufgeplatzten Lippen. Fassungslos starrte Aoi sich seine blasenwerfenden Hände an, die nicht viel anders als sein Körper aussahen, der ebenso reagierte. Das dampfende Wasser suchte sich einen Weg in jede Ritze, in jede bereits fast verheilte Wunde an seinem Körper und ließ diese erneut aufplatzen. Doch Aoi blieb keine Zeit, sich an die Schmerzen zu gewöhnen, denn nun glitten kalte, ihm bereits bekannte, aber verhasste Hände, grob und tastend über sein geschundenes Fleisch und ließen ihn vor Angst verkrampfen.

Als dann schließlich die Bürste seine wunde Haut schrubbte, schrie er erneut vor Schmerzen auf und stolperte nach vorne und wenn der Wärter ihn nicht eisern fest gehalten hätte, dann wären wohl seine Kniee vor Schmerz und Kraftlosigkeit eingeknickt. Wimmernd vesuchte der Schwarzhaarige die Hände von sich zu schieben, die ihn überall berührten. Da entflohen sie von selbst und Aoi glaubte zu hoffen, das der andere das Interesse verloren habe, doch stattdessen traf ihn ein erneuter Schwall des heißen Wassers und er schrie gepeinigt auf. Auch hatte er das Gefühl, an Ort und Stelle verbrennen zu können.

//Wo bist du... Tod...?//, fragte er sich unter Qualen und fiel schließlich unsanft zu Boden und rührte sich nicht. //Bitte... Nicht... Geh!//, bat er unter Tränen, die, sobald sie auf seine Haut trafen, zischend verdampften.
 

Der Wärter reinigte ihn von Kopf bis Fuß und war ihm zum Schluss ein erstaunlich weiches Handtuch vor die Füße und eine frische Uniform. "Du hast 5 Minuten um fertig zu werden, Nummer 1308!" Noch einen letzten Blick auf den am Boden Liegenden werfend, wandte er sich schließlich von diesem ab und verließ den Raum, um die Tür hinter sich sicherheitshalber abzuschließen.

Irgendwie mochte er diesen schwarzhaarigen Sturkopf. Ja... Zumindest rastete dieser nie aus, was es ihnen natürlich einfacher machte, ihn zu quälen und sich daran zu ergötzen...

Nächtlicher Mord

Den ganzen Nachmittag hatte Uruha damit verbracht sich für den Abend herzurichten. Seine Frisur hatte er ungefähr fünfmal geändert und wie oft er seine Klamotten gewechselt hatte, wusste er nicht. Inzwischen war es schon fast die Zeit, in der er eigentlich bei Reita hätte vor der Türe stehen sollen, doch irgendwie wollte das mit der Schminke heute nicht hinhaun. Entweder es war zu viel oder zu wenig oder der Lidstrich war zu weit nach oben oder zu weit nach unten gezogen.

Genervt startete Uruha einen letzten Versuch, mit dem Entschluss wenn es jetzt nicht klappen sollte, dann ließ er es sein. Setzte eine Sonnenbrille auf oder tat einfach so, als wäre es jetzt neuer Trend nur noch ein Auge zu schminken. Wobei, dafür war er sich dann wohl doch zu eitel. Also hieß es, Konzentration und den Lidstrich endlich gleichmäßig ziehen. So lange wie gerade hatte Uruha wohl noch nie zum Schminken gebraucht, aber nachdem er damit dann endlich fertig war, schmiss er schnell alles bei Seite und machte sich daran Jacke und Schuhe anzuziehen um sich auf den Weg zu machen.

Eine ganze Weile später stand er etwas außer Atem bei Reita vor der Tür, hatte es aber noch rechtzeitig zu ihm geschafft. Er klingelte und wartete darauf, dass er die Türe öffnete.
 

Reita kam zur Tür und lies Uruha grinsend herein. Er trug nur ein ärmelloses Hemd, schwarze Cargohosen und seinen geliebten weißen Gürtel mit dem Eisernen Kreuz. An den Füßen hatte er Boots, die er nur halb geschnürt hatte und deren Schnürbänder lose nach unten hingen. In seinem Mundwinkel steckte eine Kippe und die Haare hatte er nur ein bisschen nach oben gestylt in einem seitlichen Iro. Was natürlich nicht fehlen durfte, war das Nasenband. "Uruha. Komm rein! Magst du was trinken, bevor wir los gehen?" Er grinste und hielt Uruha dann zwei paar Handschuhe mit abgeschnittenen Fingern vor die Nase. "Was meinst du? Die schwarzen mit den Nieten? Oder die schwarz-weißen?"
 

Uruha wartete ab und hörte dann die Türe aufgehen. Er hob den Kopf und sah ihn an. "Hei~", meinte er grinsend und trat ein. Er streckte sich leicht und musste dann auch schon eine Wahl treffen.

"Ano...", begann er, musterte abwechselnd Handschuhe und Reita und überlegte. "Ehm... die... ehm... die weißen..."

Er überlegte noch kurz und nickte dann bestimmt. "Japp, genau die."

Er schüttelte kurz den Kopf und antwortete noch auf die vorherige Frage: "Nein, ich möchte nichts, danke."
 

"Okay." Reita streifte sich die Handschuhe über und lächelte. "Na? Hmm... du siehst zum Anbeißen aus, Ruha... Die Kerle werden dir zu Füßen liegen." Reita grinste und strich Uruha sanft über die Wange. "Nun dann, meinst du, ich kann so gehen? Lässt du dich so mit mir blicken?"
 

Uruha lachte leicht und antwortete: "Du Schleimer~" Er lehnte sich etwas gegen die Wand und verschränkte die Arme. Kritisch musterte er den anderen von oben bis unten, hatte dabei einen ernsten Blick drauf, bis er mit den Augen wieder nach oben wanderte und ihn ansah.

"Och joa, an mich kommst du zwar nicht ganz ran, aber ist schon pasabel~", meinte er dann grinsend und zwinkerte ihm zu. "Quatsch, klar siehst du gut aus."
 

Reita grinste immer breiter als er so gemustert wurde. Provokativ schob er ein Stück seines Shirts nach oben und strich sich selbst verliebt über die Bauchmuskeln. Dabei hatte er einen Finger in den Mund gesteckt und den Kopf leise stöhnend in den Nacken gelegt.
 

Bei diesem Anblick musste Uruha unweigerlich lachen. "Okay okay, überzeugt~", meinte er und grinste noch etwas breiter. "Du bist doch ein Idiot~"

Grinsend nickte er Richtung Tür und fragte: "Sollen wir dann los? Oder willst du mich hier weiter anmachen?"
 

Reita ging zu Uruha und ließ wie zufällig seine Hand auf Uruhas Hintern sinken. "Hmm... wer weiß..?" raunte er in dessen Ohr und schmiegte sich an ihn, dann lachte er aber laut und klopfte seinem Freund auf die Schulter. "Nein nein, lass uns gehen! Ich muss doch noch ein paar andere von meinen... hmm... Qualitäten... überzeugen, hm?"
 

Uruha grinste und neigte den Kopf ein Stück zurück, sah ihn so von oben herab an. "Ach ja?", grinste er und musste dann aber ebenfalls lachen und nickte nochmal Richtung Türe. "Na dann lass uns mal los~", meinte er und verließ die Wohnung, wartete auf Reita und ging dann mit ihm los.
 

~+~
 

Reita ging mit ihm in eine Disco, verkrümelte sich dann an die Bar, nachdem er Uruha einen schönen Abend gewünscht hatte und begrüßte den Barkeeper herzlich. Er war nicht hier zum Flirten, der Alkohol machte den Laden doch erst interessant...
 

Im Club angekommen blickte Uruha sich etwas um, wollte Reita gerade etwas sagen, als dieser sich bereits verabschiedet hatte und verschwunden war.

"Na toll", meinte Uruha mehr zu sich selbst und seufzte. Na ja, er würde wohl irgendwie den besten Abend daraus machen.

Mit diesen Gedanken sah er sich etwas um.
 

~+~+~
 

Der gestrige Abend verlief für Uruha doch noch zu einem Erfolg. Zwar hatte Reita ihn einfach stehen gelassen, doch dafür hatte er jemanden kennen gelernt. Nicht nur, dass dieser jemand ziemlich gut aussah, nein, sie hatten sich auch richtig gut verstanden.

So war es kein Wunder, dass Uruha an diesem Morgen noch zusammen mit ihm im Bett lag. Er hatte einen ruhigen und irgendwie erholsamen Schlaf gehabt und momentan hatte er auch nicht das Bedürfnis, aufzustehen.

Er wurde langsam wacher, ließ die Augen aber geschlossen und döste noch ein wenig vor sich hin. Er drehte sich langsam auf die Seite und schmiegte sich leicht an die Seite des anderen. Er legte seine Hand auf dessen Brust, spürte aber anstatt Haut etwas feuchtes. "Hm?", murmelte er leise und blinzelte. Langsam öffnete er die Augen und blinzelte die rote Flüssigkeit an. Er hob seine Hand an und blickte ganz langsam, fast als wollte er gar nicht wissen, was ihn gleich erwartete, nach oben. Vor lauter Schreck rutschte er zur Seite und fiel über die Bettkante hinunter auf den Boden. "Was-", schluckte er und sah sich etwas hektisch um. Jetzt erst bemerkte er, dass das halbe Bett blutgetränkt war. Er rutschte etwas weiter zurück und ergriff seine Jacke, die am Boden lag. Ziemlich nervös kramte er nach seinem Handy, ließ es erst einmal fallen und tippte dann zittrig die erste Nummer an, die ihm in den Kopf schoss.
 

+~+
 

Reita war ziemlich spät nachts alleine Heim gegangen, mit sich und dem Alkohol zufrieden. Er hatte zwar diverse, eindeutige Angebote erhalten, doch alle mit einem charmanten Grinsen oder, als es ihm dann doch zu viel wurde, mit einem genervten Blick verscheucht. Müde war er dann zu sich nach Hause gestolpert, hatte Uruha noch Heim bringen wollen, doch der hatte sich so angeregt mit seiner neuen Bekanntschaft unterhalten, dass Reita den Beiden mal lieber ihre Ruhe ließ und irgendwann waren sie dann auch gemeinsam verschwunden. Reita schloss die Tür zu seiner Wohnung auf, gähnte kräftig und fiel todmüde auf seine Couch, auf der er prompt einschlief und erst am nächsten Morgen vom Klingeln seines Handys geweckt wurde, welches er schlaftrunken suchte und ein "Mhhjaaa?" rein nuschelte.
 

Noch immer starrte Uruha zum Bett und hielt sich zitternd, das inzwischen auch blutverschmierte Handy ans Ohr. Es dauerte etwas bis er überhaupt realisiert hatte, dass bereist jemand ran gegangen war und dass dieser jemand Reita war.

"R-rei?", begann er etwas zittrig und schluckte leicht.

Er suchte nach den richtigen Worten, doch was sollte er ihm sagen? "Reita ich bin heute Morgen neben einer Leiche aufgewacht, der die Kehle durchgeschnitten worden war?". Selbst wenn er es hätte sagen wollen, hätte er es im Moment nicht über die Lippen gebracht.

Das erste und einzige was er sagen konnte war: "Ich... Ich war das nicht~"
 

Reita blinzelte immer noch verschlafen und guckte erst mal auf das Display, wer ihn denn angerufen hatte. Es war Uruha. "Uru?" Müde setzte er sich auf und gähnte. "Was warst du nicht, Ruha-kun, hmm?"
 

Uruha blinzelte leicht, rutschte noch etwas näher zur Wand und drückte sich das Handy ans Ohr. "D-das... das Blut und das... es... ich hab's nicht getan~", beteuerte er immer wieder und biss sich fest auf die Unterlippe. Sie schmeckte nach Blut. Er sah langsam an sich runter und erst jetzt bemerkte er, dass er selbst auch voll davon war.
 

"Uruha... Was ist los??" So langsam begriff er Uruhas Worte und wurde mit einem Schlag hellwach. "Uruha?! Wo bist du?! Ich... ich komme zu dir, ja? Was ist passiert Uruha?? Um Himmels Willen, was ist passiert?"
 

Immer noch geschockt, sagte Uruha ihm wo er war, doch was passiert war, konnte er ihm nicht sagen. Denn so recht wusste er es ja selbst nicht. "Ich... ich war's wirklich nicht..."
 

"Das... will ich doch gar nicht wissen!! Uruha... ganz ruhig, ja? Du machst niemandem die Türe auf, ja? Bist du bei dir daheim? Uru... wo bist du???"
 

"Ich... i-ie~ Ich b-bin...", murmelte er und sah noch immer zum Bett. Plötzlich wurde ihm ziemlich übel von diesem Anblick und dem Geruch von Blut, dass er das Handy fallen ließ, sich im Bad vor die Kloschüssel fallen ließ und sich erst einmal übergab.
 

Reita schnappte sich seine Jacke und seine Autoschlüssel, zog sich im Laufen an und rannte runter zu seinem Auto. Dann fuhr er los und rote Ampeln galten allenfalls als Empfehlung für ihn.
 

Uruha hing immer noch über der Kloschüssel. Er lehnte sich daneben an die Wand und zitterte noch leicht. Was war in dieser Nacht nur passiert?
 

Währenddessen versuchte Reita immer noch Uruha wieder zu erreichen. Er wusste doch nicht, wo sich der Gitarrist aufhielt! Wie sollte er ihn denn nur finden?
 

Aus dem Schlafzimmer hörte der Blonde sein Handy klingeln. Er wischte sich kurz über den Mund. Spülte sich diesen anschließend mit Wasser aus und ging zögernd zurück. Schnappte sich sein Handy und verschwand wieder im Bad.

Er blickte auf das Display und stellte fest, dass es Reita war. "... Rei?", murmelte er ins Handy.
 

"Hai! Uruha, bitte sag mir wo du bist! Ich bin auf dem Weg zu dir, aber du musst mir sagen wo du bist, hörst du?? Bist du in einem Hotel? Irgendwo muss doch der Name zu sehen sein! Die haben doch Werbung da liegen... Komm schon... Du musst mir helfen!"
 

Uruha schluckte leicht und sah sich um. Er erinnerte sich, dass sie gestern nicht sehr weit gelaufen waren. Er versuchte Reita irgendwie den Weg zu beschreiben. Denn die Adresse konnte er jetzt auf die Schnelle nirgendwo herausfinden.
 

Reita folgte der Beschreibung und stand Minuten später vor einem alten, ziemlich baufälligen Hotel. Er beschrieb Uruha das Gebäude und als dieser bejahte, rannte er an der unbesetzten Rezeption die Stufen hoch und durch alle Gänge. "Uruha?! Uruha!! Wo bist du??"
 

Dieser saß noch immer im Badezimmer. Hatte sich in der Zwischenzeit noch zweimal übergeben und hörte aber von draußen, seine Rufe.

Zittrig stand er auf und ging zur Tür. Er öffnete sie nur ganz langsam.
 

Reita stand besorgt vor der Tür und erschrak fast zu Tode als er Uruha so blutüberströmt vor sich sah. "Um Himmels Willen, bist du verletzt?! Uruha!! Du blutest! Du brauchst sofort einen Arzt!! Verdammt was ist geschehen?? Hat dich das Schwein angegriffen??"
 

Uruha schüttelte den Kopf und zitterte noch immer. "Iie, ich... mir gehts gut, aber..." Er deutete leicht in Richtung Schlafzimmer und biss sich auf die Lippe. "Ich wars nicht, wirklich~"
 

Reita drückte sich an Uruha vorbei und erstarrte. "Was zum...?! Uruha! Du musst hier weg!! Sofort! Hier! Nimm meinen Wagen!! Aber bitte... fahr vorsichtig..." Reita drückte Uruha den Schlüssel in die Hand. "Meinst du, du schaffst das?"
 

"Aber~", meinte er und sah zu dem Schlüssel. Er hatte große Mühe ihn ruhig festzuhalten und so blickte er wieder zu Reita. "Was... aber... was machst du?"
 

"Ich versuch... deine Spuren zu verwischen! Geh Uruha!! Geh und pass auf alle Fälle auf, dass dich niemand sieht! Dann verbrennst du deine Klamotten und löschst den Anruf auf deinem Handy von mir, ja? Bleib ganz ruhig Uruha... Ganz ruhig... Wir kriegen das schon hin..."
 

Uruha nickte leicht und sah ihn an. Er hätte ihn ja jetzt gerne umarmt, aber dann wäre Reita auch voll Blut und deswegen ließ er es sein.

"Du kommst doch später, oder?"
 

"Hai, natürlich... Mach dir keine Sorgen, Uruha..."
 

Uruha wischte sich leicht über das Gesicht und nickte.

"Okay...", murmelte er und sah ihn noch kurz an. Er umklammerte fest den Schlüssel, drehte sich dann zur Türe um und lief nach unten zu dessen Wagen.
 

Reita begann alle Spuren von Uruha zu verwischen. Angewidert starrte er auf den Toten... Was sollte er tun? Erstmal suchte er nach Hinweisen, die auf Uruha schließen könnten und vernichtete sie. Dann löschte auch er sein Handy und versuchte, das Bett um die Leiche herum irgendwie so zu machen, als hätte da niemand gelegen.
 

Uruha lief zu Reitas Wagen, setzte sich ans Steuer und brauchte vor lauter zittern ziemlich lange, bis er den Schlüssel im Zündschloss hatte. Kurz hielt er inne und atmete tief durch. Er schloss die Augen für einen Moment und wischte sich darüber.

Als er sich einigermaßen gefangen hatte, startete er den Motor, sah noch einmal zum Haus und fuhr dann los zu sich nach Hause.

Er tat alles was Reita ihm gesagt hatte, schmiss das Handy danach auf sein Bett und verschwand für lange Zeit im Bad um zu duschen. Er duschte selbst dann noch weiter, nachdem er sich zum 5ten Mal abgewaschen hatte...

Wie alles begann...

Wie jeden Morgen um die selbe Uhrzeit, drehte Madame Sotaru ihre Runde. Sie klopfte an den Türen, um zu horchen, ob die Bewohner da waren, um dann später wieder zum putzen zu kommen. Wenn dies nicht der Fall war, würde sie die Tür öffnen und gleich mit dem Putzen beginnen.

Auch an diesem Morgen war sie unterwegs und endlich kam sie an der Tür 138 an, in dem Reita versuchte, alle Spuren zu verwischen. Nichtsahnend klopfte sie an der Tür und da ihr niemand antwortete, öffnete sie mit ihrem Schlüssel die Türe und trat ein.

Was sie dort sah, verschlug ihr dem Atem und ihre Augen waren Tellergroß geworden. Als sie ihre Stimme wieder gefunden hatte, schrie sie, ohne nachzudenken, denn schließlich befand sich direkt vor ihr ein "Mörder", so laut wie sie konnte: "HILFE!! EIN MÖRDER!!! RUFT DIE POLIZEI!!!!" und versperrte Augenblicklich mit ihren Armen den Türrahmen. An ihr würde dieser Kerl, mit dem stylischen Nasenband, niemals vorbeikommen. Schließlich war sie zufällig stolzer Besitzer des immerhin Gelben Gürtels geworden... Als sie noch ein Kind gewesen war, aber das musste ihr Gegenüber ja nicht unbedingt wissen.
 

Reita erstarrte, dann lief er in großen Schritten auf die Dame zu und schüttelte den Kopf. "Nein! So ist es nicht!! Bitte! Lady! Das ist ein Missverständnis!!" Er hielt verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit Ausschau. Verdammt... er wollte verschwinden, bevor ihn jemand bemerkte!
 

"Fassen sie mich nicht an!", schrie sie ängstlich, wich aber keinen Millimeter von der Stelle und ging in Kampfstellung. "Ich warne sie... ich kann Karate!", teilte sie ihm mit, doch bevor noch irgendetwas geschehen konnte, gab es Tumult auf dem Gang. Leute rannten durch den Flur und einige blieben bei der Frau stehen. "Die Polizei ist informiert.", hörte sie von einem anderen Bewohner, der sich direkt neben sie stellte, um Reita jede Fluchtmöglichkeit zu nehmen.
 

Reita sah sich gehetzt um. "Verdammt! Ich hab ihn nicht getötet! Lasst mich vorbei bitte! Ich kenne den Mann doch gar nicht!!" Er schätzte ab... Sie befanden sich nur im zweiten Stock... Das musste doch gehen...
 

"Ohhhh nein, sie werden schön hier bleiben! Ich glaube keinem Mörder!!" Auf ihren Wink hin, stürzten sich zwei kräftige Männer auf Reita und hielten ihn eisern fest. In der Ferne konnte man schon die Sirenen immer näher kommen hören.
 

Reita kämpfte wie ein Löwe, um sich zu befreien. Das konnte doch nur ein Alptraum sein!! Er knurrte wütend und schaffte es endlich, den Männern zu entkommen, rannte zum Fenster und sprang einfach nach unten. Er kam relativ ungeschickt auf, verdrehte sich den Knöchel, rappelte sich aber dennoch hoch und rannte los. Da waren die Polizisten! Verdammt! Schnell konnte er nicht laufen, also versuchte er sich zu verstecken...
 

"Hinter ihm her!! Das ist der Mörder!", rief Frau Sotaru halb aus dem Fenster hängend, nachdem Reita aus diesem gesprungen war.

Die Polizisten waren natürlich sofort hinter ihm her. Einige ließen ihre Hunde los, welche vor sprinteten, den Geruch Reitas aufnahmen und verfolgten, bis sie ihn schließlich knurrend einkesselten. Solange, bis die Polizei schnaufend ankam, um ihn zu verhaften. "Machen sie jetzt keine Fehler.", warnte ihn ein Polizist und kam mit Handschellen auf den Blonden Mann zu. Dicht hinter ihm noch drei weitere, schwer bewaffnete Polizisten.
 

Reita saß tatsächlich in der Falle... Hektisch sah er sich um, verfluchte die Hunde, machte noch einen letzten Fluchtversuch und rannte plötzlich los, durch die Hundemeute und durch eine enge Gasse, er rannte, bis er kaum mehr konnte, die Hunde immer hinter sich, die sich von ihrem ersten Schreck schnell erholt hatten.
 

//Fehler... großer Fehler...//, dachte sich der Hauptmann mit den Handschellen in der Hand und rannte mit seinen Männern dem "Mörder" hinterher. Die Hunde schnappten nach Reitas Beinen und einer von ihnen, konnte seinen Knöchel fassen und zerrte an ihm.
 

Reita schrie auf vor Schmerz und fiel zu Boden. Das Mistvieh hatte ausgerechnet seinen verletzten Knöchel erwischt... Er versuchte, aufzustehen, doch als er die Typen sah, sah er ein, dass es keinen Sinn mehr machte... "Ich bin unschuldig... Ich habe ihn nicht umgebracht...", murmelte er und sah den Hauptmann ernst an.
 

+~+
 

Uruha war inzwischen noch immer unter der Dusche. Hatte sich noch drei Mal gewaschen, doch als die Flasche leer war, blieb ihm nichts anderes übrig, als das Wasser abzustellen, sich abzutrocknen und sich wohl etwas Neues anzuziehen.

Und das tat er auch. Er trocknete sich ab und wickelte sich in das große Handtuch ein. So ging er ins Schlafzimmer und suchte sich ein paar Klamotten raus.

Diese zog er recht schnell an, warf immer wieder einen nervösen Blick zur Uhr und stellte fest, dass Reita schon ziemlich lange nichts von sich hatte hören lassen.
 

+~+
 

"Deine Worte bringen dir jetzt auch nichts mehr. Es wird Nachtuntersuchungen geben und bis dahin wirst du festgenommen. Zusätzlich wird eine Strafe dafür folgen, das du vor der Polizei weggerannt bist und jetzt komm mit.", sagte der Hauptmann barsch und hob Reita ohne Mühe vom Boden auf, brachte ihn weg zu seinem Wagen, um ihn dort hineinzuverfrachten und loszufahren. Seinen Männern überließ er die Absicherungen des Tatorts und das Einsammeln von Zeugen und Beweismitteln.
 

Reita starrte aus dem Fenster. Das konnte jetzt nicht wahr sein, oder?! Das war doch alles nur ein gottverdammter Alptraum... Doch die Handschellen an seinen Handgelenken waren mehr als deutlich... Er hoffte, dass Uruha keinen Fehler machte... Bescheid sagen konnte er ihm jetzt nicht mehr...Vielleicht würde sich ja noch alles klären... Reita hoffte es sehr...
 

Am Hauptbüro der Polizeiwache Tokios, ließ er sich die Akte von Akira Suzuki geben und fuhr dann mit ihm zu ihrem städtischen Gefängnis, um ihm dort dem Gefängnis-Oberhaupt zu übergeben. Er schilderte ihm die Situation kurz und sagte auch, dass er vorerst hier bleiben wird, da die Untersuchungen und die endgültige Entscheidung, ob er der Mörder ist, noch fallen muss, damit sie ihn hier behalten können und ihre Regeln auch an ihm anwenden können. Die Regeln, die dazu dienen, die Mörder unter anderem nach ihren Vorstellungen zu erziehen.
 

Ein Wachmann brachte Akira in eine Zelle. "Für die Zeit, in der du hier bleibst, bist du Nummer 1309. Klar?!", sagte er mir einem fiesen Grinsen im Gesicht und verschwand.
 

Reita stolperte in die Zelle und sah stumm zu, wie sich die Zellentür schloss... "13...09? Hey!! Ich will einen Anwalt sprechen, hört ihr?? Ihr könnt mich doch nicht einfach wegsperren!! Was soll denn das?!"
 

+~+
 

Uruha hatte inzwischen alles getan was Reita ihm gesagt hatte und saß nun auf seiner Couch. Er hatte sich in eine Decke eingewickelt und knabberte an seiner Unterlippe herum. Wo blieb Reita denn nur?

Immer wieder blickte Uruha nervös von der Tür zum Fenster und wieder zur Türe.
 

+~+
 

Der Wachmann ignorierte Nummer 1309 warf ihm einen Gefängnis-Overall zu, zischte ein: "Zieh das an!" und verschwand.
 

Reita starrte den Overall an und seufzte. Das... war jetzt alles nicht wahr, oder? Als er sich auszog und die Sachen anzog erstarrte er. Er war nicht allein... Da... war doch jemand... , oder? "H... Hallo? Wer ist da...?", murmelte er ziemlich ängstlich, obwohl das sonst nicht seine Art war...

Das erste Treffen

Der Schwarzhaarige blickte den Neuankömmling weiterhin starr und misstrauisch an und verblieb in seiner dunklen Ecke. Erst vor wenigen Tagen war sein Zellengenose gestorben. Teils hatte ihm diese Erkenntnis traurig gemacht, da er nun wieder ganz alleine wäre, doch auf der anderen Seite war er mehr als froh, endlich nicht mehr Angst vom Inneren der Zelle zu haben. Schließlich war sein Zellengenosse wegen Vergewaltigung in dieses Gefängnis zu kommen. Sie hatten sich nie etwas zu sagen gehabt, doch die bloße Anwesenheit des jeweils anderen, hatte ihnen immer die Gewissheit gegeben, dass sie hier nicht alleine waren... Doch jetzt war er Tod und ihm war schnell klar gewesen, dass es nicht allzu lange dauern würde, bis ein Neuer an seine Stelle treten würde. Doch so bald schon...?

Wenn der Neue, mit der Bezeichnung "1309", weiterhin krach mache, dann bekämen sie bald Ärger von den Wachmännern. Denn das was einer von ihnen vezapfte, musste der andere meist mit ausbügeln.

Doch warum redete er nur so viel? Er hatte keine Lust darauf, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nicht schon wieder...
 

Reita strich sich durch die Haare und versuchte in der Dunkelheit, etwas zu erkennen. "Wer ist da?", fragte er nun mutiger und ging auf Aoi zu. "Warum sagst du nichts und versteckst dich?!", fragte er misstrauisch.
 

Es dauerte einen Moment, bis der Schweigende begriff, dass der Neue ihn meinte. Erst dann sah er zu ihm auf. Fühlte sich in die Ecke gedrängt, da der Blonde ihm viel zu nahe war. Aoi räsuperte sich. "E-es ist verboten zu sprechen... Ich bin 1308...", erklärte er nur sehr leise und mit krächzender Stimme, erhob sich dann schwerfällig, um sich an Reita vorbeizudrängen und ließ sich anschließend auf seinem Bett zu verkrümeln. "Dein Bett ist dort oben..."
 

"Verboten? Du... ich will nicht deine Nummer hören... Wie heißt du? Ich bin Reita... Ich... Weshalb bist du hier?"
 

"J-ja verboten.", krächzte er wieder und hustete trocken. Als Reita seinen Namen wissen wollte, sah er ihn für einen Moment schweigend an. Verwirrtheit stand ihm im Gesicht geschrieben. Warum reichte ihm denn die Nummer nicht...?

//Warum will er das, wenn er eh nicht lange bleiben wird...// Dann überlegte er fieberhaft und kramte in seinem Gedächtnis, nach seinem wahren Namen.

"A... Aoi..", murmelte er schließlich, als er ihn gefunden hatte. Dann drehte er sich zur Wand, um den weiteren Fragen auszuweichen. Er wollte keinen Ärger bekommen, denn gleich müsste der nächste Wachgang kommen und wenn der hörte, das sie redeten, würde es wieder Schläge hageln. Das kannte er nur zu genau von früher, als er noch redebedürftig gewesen war...

Außerdem wusste er gar nicht mehr genau, warum er eigentlich in diesem Gefängnis eingesperrt war...
 

"Aoi... Okay... Du musst keine Angst vor mir haben... Du bist verletzt, oder? Komm her... Ich tu dir nichts... Ich will dir helfen Aoi..."
 

"Lass mich... bitte!" fauchte der Ältere leise und hörte auch schon ganz in der Nähe, wie die Schlüssel des Wachmannes gegen die Zellengitter schlugen. Er zuckte zusammen und erstarrte in einer zusammengekauerten Position. Reita tat ihm Leid, aber er musste so reagieren. So waren sie am besten geschützt. "Sei jetzt still... bitte.", bat er und tat so, als ob er schlafen wolle, damit er ihn Ruhe gelassen werde.
 

Reita blinzelte verstört. "Was...?"

Er drehte sich zu dem Wachmann um. "Hallo?! Ich will sofort einen Anwalt sprechen, hören Sie?! Sofort! Das ist Freiheitsberaubung! Ich habe nichts getan!! Ich bin unschuldig!!"
 

Kaum hatte Reita begonnen, sich laut zu äußern, trat auch schon der Wachmann, der seine Runde machte, an die Zellgittertür und sah ihn vernichtend an. Dann sah er kurz zu Nummer 1308 und beäugte ihn misstrauisch, bevor sein Blick zu Reita zurückzuckte und er seinen Finger in dessen Brust bohrte. "Hör mir jetzt mal ganz genau zu, Kurzer. Auch wenn du vielleicht," fing er an und verdrehte genervt die Augen, "vielleicht unschuldig bist, hast du dich an unsere Regeln hier zu halten, solange du hier bist. Sprechen ist verboten! Und wenn du nicht still bist, dann bekommst du eine saftige Strafe. Und wenn ich noch einmal hören muss, dass du unschuldig bist, werde ich dir eigenhändig wehtun!" Er zückte eine lederne Peitsche und ließ sie gegen die Gitterstäbe knallen. "Hast du kapiert?!"

Und mit diesen Worten ging er zur nächsten Zelle und besah sich die Lage.
 

Zitternd verweilte Nummer 1308 auf seinem harten Zellenbett und wagte sich nicht aufzuschauen, selbst, als der Wachmann weiter gelaufen war. Reita könnte für ihn gefährlich werden, wenn er so weiter machen würde.

//Aber vielleicht sterbe ich dann endlich...~ Ich muss nur auffallen...//, dachte er hoffnungsvoll, doch würde er sich niemals trauen, derartiges zu tun.
 

Reita zuckte zurück. Aber er wäre nicht Reita, wenn er sich so leicht unterkriegen lassen würde. Er sprang auf und legte die Hände um die Gitterstäbe. "Trotzdem habe ich das Recht auf einen Anwalt!! Ihr könnt mich nicht so einfach festhalten!! Ich habe Rechte!! UND ICH WILL EINEN ANWALT SPRECHEN! JETZT SOFORT!!!!"
 

Der Wachmann machte kehrt. Er war nun noch übler gelaunt als zuvor. "Halt die Klappe verdammt nochmal!!! Noch einen Mucks und die Peitsche knallt nochmal, doch sie wird nicht auf die Zellengitter treffen!", drohte er ihm und hielt die Peitsche in der Hand. "Du wirst niemanden sprechen! Klar?!! Die Polizei wird sich melden, wenn etwas fest steht. Bis dahin, gehörst du uns!"
 

"Das kann ja wohl nicht wahr sein!! Ich will SOFORT raus und ich will SOFORT mit einem Anwalt sprechen!!", knurrte Reita, zuckte keinen cZentimeter zurück und sah den Wachmann herausfordernd an.
 

Wütend knurrte der Wachmann, schloss die Zelle auf und schnappte sich Reita. Nachdem er seine Peitsche gut verstaut hatte, wandte er seinen berüchtigten Schraubstockgriff an und drängte Reita gegen die Zellenwand. "Wenn. Ich. Sage. Du. Sollst. Die. Klappe. Halten. Dann halt sie auch!!" zischte er ihn einzeln zu und legte ihm Handschellen an. Er zerrte ihn aus seiner Zelle und brachte ihn in die gefürchtete Arrestzelle, warf ihn dort zu Boden und trat nach ihm. "Jetzt werden dir mal Manieren beigebracht!"
 

Reita landete unsanft auf dem harten Boden, rollte sich allerdings geschickt ab und sprang auf die Füße. Er holte aus und trat nach dem Wachmann, den er unsanft an der Kniescheibe traf. Dann sprang er hinter ihn und drückte ihm mit der Kette der Handschellen die Kehle zu. "Und wenn ich sage, dass ich einen Anwalt sprechen will, dann will ich einen Anwalt sprechen, ist das klar?!", zischte der Blonde zornig in das Ohr des Wächters.
 

"Itai~! Du Mörder.", knurrte er und trat nach Reita. Als er die Ketten der Handschellen an seinem Hals spürte, pfiff er seine Männer zusammen, die den Blonden von ihm weg zogen. Wütend spuckte er nach ihm und schlug ihm seine Faust in die Magengrube, sodass Reita einknickte und auf die Knie ging. "Hahahahahahah!!!! Wag es dir noch einmal und du bist tot, ehe du bis drei zählen kannst. Deinen Zellengenossen kannst du dann gleich mitnehmen. Er hat seinen Zweck schon längst erfüllt und sein Gesicht geht mir langsam auf die Nerven! Vier Jahre lang immer dasselbe und er wehrt sich gar nicht mehr... Das ist doch langweilig!"
 

Reita keuchte und brach in die Knie. Er keuchte und krümmte sich, stand aber dann wieder auf. Allerdings schwieg er. Er wollte seinen Zellengenossen nicht in Gefahr bringen...
 

Gewinnend sah er ihn an und mit einem Wink, ließ er Reita durch andere Wachmänner zurück in seine Zelle bringen, wo sie ihn wieder zu Boden warfen. Sie hatten mit Absicht vergessen, ihn von seinen Handschellen zu befreien, traten alle nach ihm und verließen dann lachend ihre Zelle, schlossen die Zellentür wieder hinter ihm zu.
 

Reita krümmte sich keuchend und spuckte ein bisschen Blut. Stöhnend versuchte er sich in eine sitzende Position zu ziehen, was ihm aber nicht sofort gelang. Irgendwann gab er es auf und blieb einfach zu Aois Füßen liegen.
 

Als Aoi's Zimmergenosse wieder zurückgebracht wurde, hatte dieser sich noch keinen einzigen Zentimeter von der Stelle gerührt. Doch als die Wärter alle gegangen waren, drehte er sich langsam zu den am Boden Liegenden um. In seinem Blick lag Mitleid. "Ich sagte ja... , dass du lieber still sein solltest... ", murmelte er leise, bevor er sich mühsam aufrichtete, um am Gitter zu schauen, ob kein Wachmann in der Nähe war. Erst dann ließ er sich mit einigem Abstand zu Reita, neben ihm auf den Boden gleiten. Er besah sich kurz die Wunden, die sie auf dem Blonden hinterlassen hatten und fuhr nach einigem Zögern, ganz vorsichtig mit dem Finger an einer Schramme entlang, die sich an Reitas Wange befand. Sie leuchtete Rot, doch sah es nicht allzu schlimm aus. Ein erleichtertes Aufseuzen verließ seine rosigen Lippen. "Je öfter du dich gegen ihre Regeln richtest, desto grober werden sie. Das war noch gar nix... ", flüsterte er heiser und rückte mit ansteigendem Herzklopfen unsicher näher, um Reita in eine aufrechte Position zu helfen.

Man merkte deutlich, dass er es nicht mehr gewohnt war, so viel zu reden.

Dann rüttelte er kurz an Reitas Handschellen, doch als sie nicht nachgeben wollten, seufzte er traurig auf und beließ es bei dem Versuch.

Langsam krabbelte er zurück zu seinem Bett und zog sich an diesem hoch. Keuchend ließ er sich in die "Kissen" sinken und schloss die Augen. "Denk über meine Wort nach... Bitte... Handle dir nicht noch mehr Ärger ein, denn auch mich wird deine Strafe treffen..."
 

"Das heißt... du hast dich am Anfang auch gewehrt...? Sie sind nicht so stark... Einen von ihnen hätte ich fast überwältigt..." Reita lächelte und seine weißen Zähne blitzten. "Das war nicht schlimm, ich bin einiges gewöhnt und dass ist nicht mehr als ein Kratzer. Aoi? Lass mich nach deinen Wunden sehen... Sie sind schlimmer als meine." Er zog sich an Aois Bett hoch und kniete sich dann neben diesen.
 

"Ja... Das habe ich... Ist aber schon lange her. Sehr lange...", meinte er leise.

//Warum ist er nur hier...? Hier werden sie aus ihm nur so eine Leiche machen, wie ich eine bin.//

Kaum lag er auf seinem "Bett", konnte er hören, wie Reita ihm folgte. Seufzend ließ er die Augen geschlossen und wartete auf eine Reaktion seitens Nummer 1309. Er spürte die Nähe des anderen und erstarrte immer mehr zu einer Salzsäule, je näher und erdrückender dieses Gefühl kam.

Als das Brett unter ihm gefährlich knarrte, riss Aoi die Augen auf. Die Wärme, die von Reitas Körper ausging, schlug zu ihm hinunter und nahm ihm den Atem. Was wollte der andere nur von ihm?! Warum war er hier?! War er vielleicht auch so jemand, wie sein Vorgänger?! Angst schnürte ihm die Kehle zu und nur langsam, wandte sich sein weiß gewordenes Gesicht dem Blonden um. Sein Mund klappte überrumpelt auf, als Reita plötzlich meinte, er würde sich seine Wunden gerne anschauen. Die Angst in ihm überschlug sich und ballte sich zu Wut, um sich selbst zu schützen. "Lass mich bitte in Ruhe! Du kannst mir nicht helfen!", meinte er mit leicht erhöhter Stimme und versuchte noch weiter zur Wand zu rücken, um dem anderen auszuweichen. Doch schon bald spürte er die kalte Mauer hinter sich.
 

"Du hast Schmerzen und ich glaube nicht, dass es nötig ist noch mehr als nötig zu leiden, oder? Ich kann dir helfen... Also lass mich bitte."
 

Da Reita nicht locker ließ, setzte Aoi sich auf und starrte den anderen misstrauisch und ängstlich zugleich an. Seine Beine hatte er angezogen und seine Arme verschränkten sich schützend vor seiner Brust.

"Du bist ein Sturkopf...", zischte er und atmete unregelmäßig die stickige Luft ihrer gemeinsamen Zelle ein.

"W-warum willst du mir helfen? Willst du mich einfach nur bemitleiden, damit es dir besser geht? Oder... was hast du vor?"

Langsam bekam er Kopfschmerzen. Diese Konversation kostete ihn viel Kraft.

Und sein rasender Herzschlag verursachte ein Stechen in seiner Brust.
 

"Baka.", knurrte Reita, dann setzte er sich neben ihn, drückte ihn zurück ins Bett, schob sein Hemd hoch und betrachtete sich die Wunden mit ernster Miene. Dann riss er die Ärmel von seiner Gefängnisjacke und riss sie mit Hilfe seiner Zähne in schmale Streifen. Dann nahm er seine eh schon sehr knapp bemessene Ration an Wasser, machte einen Streifen nass und begann Aois Wunden vorsichtig zu säubern. Mit den anderen Streifen verband er die Wunden vorsichtig. So machte er weiter, bis kein Wasser mehr da war und jede Wunde verbunden war.
 

Gerade wollte er etwas auf Reitas geknurrtes >Baka< antworten, als dieser ihm noch näher rückte und ihn auf's mit seiner ganzen Kraft auf's "Bett" drückte, sodass Aoi sich nicht wehren konnte. Himmel war der neue Stark!

Entsetzt sah er zu ihm auf. Würde er etwa...? War er so wie die...?

Als Reita ihm sein Shirt hoch zog, verkrampfte sich Aois Unterleib. Panisch aufjapsend versuchte er das Shirt wieder nach unten zu schieben, dich Reita hielt seine Hände wissend in Schach und machte ihm jede Wehr unmöglich.

Kläglich wimmerte Aoi auf. //Nein... Nein! Bitte...//

Da nun die kühle Luft an seine Wunden kam, die seinen Körper zahlreich zierten, verzog der Schwarzhaarige schmerzhaft das Gesicht und versuchte seine Knie so hoch zu ziehen, da sie seinen Unterleib und seinen Bauch vor neugierigen Blicken verwehrten. Doch es half nichts. Der Blonde ließ sich wohl nicht von dem abbringen, as er vor hatte zu tun...

Aoi kniff die Augen zusammen und versuchte sich mit seinem Schicksal abzufinden. Doch es wollte nicht so recht.

"Bitte... Fass mich nicht an!"

Erneut wimmerte er auf, als er etwas Raues an einer seiner Wunden spürte.

Panisch riss er die Augen auf hob den Blick. Was tat er da?!

Überraschung zeigte sich au fseinen Gesichtszügen, als er sah, was ihn da berührte. "Rei... ta... ", hacuhte er fassungslos mit großen Augen und kniff sie augenblicklich wieder zusammen, als der eben Genannte ihm einen Verband anlegte und dieser gegen seine Wunde drückte. "Itai~", wimmerte er immer wieder auf, wenn der Blonde erneut ansetzte, eine Wunde zu säubern und diese dann zu verbinden.

Als Nummer 1309 fertig mit seiner Arbeit war, lag der Schwarzhaarige zitternd auf seinem Bett, hatte die Augen geschlossen und atmete hastig ein. Eine Träne benetzte das harte Holz unter ihm und eine Weitere lief ihm die Wange langsam hinab. "W-warum hast du das gemacht...?", fragte er schluchzend. "Es bringt eh nichts... "
 

Reita strich dem anderen sanft die Tränen weg, dann zog er sich mit den gefesselten Händen hoch in sein Bett. Dort lag er nun und schüttelte den Kopf. "Und wenn es auch nur kurzfristig ist... schaden kann es auch nicht... Also beruhige dich. Ich hab dir nichts getan und ich werde dir nichts tun." Reita fror. In der Zelle war es eiskalt und er konnte nicht mal die Arme um sich schlingen, um sich etwas zu wärmen. Eine Decke hatten sie ihm auch nicht gelassen...
 

Der Schwarzhaarige blieb liegen und zog sein Oberteil wieder nach unten. Er schluckte schwer und wischte sich über die nassen Augen. Die Berührung Reitas an seiner Wange verdrängend.

Mit wabbeligen Knien robbte Aoi aus dem Bett, biss sich unsicher auf die bebenden Lippen und stand ächzend auf, um nach Reita zu sehen, der ihm doch nur helfen wollte. Nicht, um ihn zu verletzen, wie er geglaubt hatte.

Traurig und verzweifelt sah er ihn an. "Wenn der Boss wieder zu Besuch kommt und sieht, das jemand anderes...,", begann er und sah dann zu Boden ", mich jemand anderes berührt hat, egal aus welchen Grund, dann bekommst du Ärger.", erklärte er und sah ihn mitleidig an. "I-ich danke dir... , Reita." Schwach versuchte er zu lächeln, doch es wollte nicht so recht. "Er s-sieht mich als sein Eigentum an... musst du wissen...", sprach er verloren wirkend weiter und nahm seine dünne Decke, die er sich irgendwann mal ergattert hatte, um sie Reita zu reichen. "Hier die brauchst du mehr als ich..." Dann legte er sich wieder auf sein Bett und starrte stumm das Holz über ihn an, auf dem Reita lag, bevor er versuchte, seinen schnellen Herzschlag zu beruhigen und zu schlafen. Er war erschöpft, obwohl er kaum etwas getan hatte.
 

"Solange du keinen Ärger bekommst...? Was sind das hier für kranke Methoden? Du musst es mir nicht erzählen Aoi... Ich kann es mir denken... und ich werde dir helfen. Das verspreche ich dir. Danke für die Decke... Es ist wirklich kalt... Aber... was ist mit dir? Du frierst sicher auch..."
 

"Sie wollen einen damit disziplinieren...", erklärte Aoi schwach und zuckte mit den Schultern. Er hatte nie Fragen gestellt, sondern lieber gehandelt. Als Reita davon sprach, ihm zu helfen und es dann auch noch versprach, wurde er ganz traurig. "Verspreche nichts, was du nicht halten kannst. Ich komme schon klar. Das bisschen Kälte macht meinem Körper nun auch nichts mehr aus." Inzwischen dröhnte sein Kopf richtig, wegen den Kopfschmerzen, die immer schlimmer zu werden schienen. Er schloss erneut seine Augen und versuchte es nochmal mit dem Schlafen. "Lass mich jetzt bitte schlafen... Ich bin müde...", murmelte er an Reita gewandt und drehte sich auf die Seite.

Warum war der Neue nur so... ungewohnt nett zu ihm...?

Sollte er ihm trauen...?
 

Reita verstummte, drehte sich zur Wand und schloss die Augen. Er hatte es sich fest vorgenommen, diesem Mann zu helfen, der so gebrochen war, dass er den Glauben an sich selbst verloren hatte... Er sagte nichts mehr, hoffte einfach nur, dass er Aoi helfen konnte und es auch richtig machte...

Alles vergessen? - Aoi´s hartes Schicksal

Da nichts mehr von Reita kam, konnte er sich vollkommen darauf konzentrieren, zu schlafen und das harte Bett unter sich zu vergessen. Schon bald schlief er ein. Allerdings folgte darauf kein Traum, für das man kein Lächeln übrig hatte, sondern ein eher Albtraum, der ihn unruhig schlafen ließ. "Fass... nicht...", murmelte er im Schlaf und drehte sich auf die andere Seite, schlug mit seiner Faust in die Luft.
 

Reita lag wach, konnte nicht schlafen. In was für eine schreckliche Situation hatte er sich da gebracht?? Er horchte auf, als er Aois Stimme hörte... Er kletterte runter und breitete die Decke über Aoi. Dann strich er kurz über seine Stirn und setzte sich dann in eine Ecke der Zelle, kauerte sich zusammen und starrte in die Dunkelheit.
 

Wimmernd schlang er seine Arme um seinen schlanken Körper, der heftig zitterte. In seinem Traum schwebte das Gesicht seines Peinigers, den er mehr als alles andere hasste und der ihn schon so viel Leid zugefügt hatte. Als er sich wieder in seinem Bett drehte, krallte er sich in die Decke, die plötzlich auf ihm lag und zog sie eng an sich. Plötzlich erschien Reitas Gesicht vor seinen Augen und er sah, wie dieser seinen Peiniger schlug. "Rei... ta... n-nicht...", wollte er ihn warnen, doch zu spät. Männer in schwarzen Anzügen standen hinter ihm und schlugen auf den Blonden ein, zerrten ihn von den beiden weg.

Wimmernd streckte er seine Hand nach Reita aus, griff dabei in die Luft, die kalt durch die Zellentüre drang.
 

Reita betrachtete Aoi, horchte auf, als Aoi seinen Namen rief. Er seufzte. Der Schwarzhaarige hatte Angst vor ihm... Trotzdem wollte er ihm unbedingt helfen... Er mochte ihn und er tat ihm Leid... Er wollte nicht, dass er so litt...
 

Auf einmal wurde er so sehr in seinem Traum bedrängt, dass er panisch aufschrie und von seinem Bett fiel. Mit weit aufgerissenen Augen sah er sich panisch um, atmete hastig und krallte seine rechte Hand an seinen Hintern fest. Dann konnte er Reita in der Dunkelheit ausmachen und als ob er eine Wahnvorstellung hätte, kniff er sich in die Wange und rieb sich über die Augen, doch als er sie wieder aufmachte, war der Blonde nicht verschwunden. "Du... lebst...", meinte er erleichtert und versuchte sich aufzusetzen. "Scheiß Albträume...", murmelte er leise und sein Blick fiel auf die Decke, die mit ihm zu Boden geglitten war. Verwirrt sah er Reita an. "Wenn du nichts von mir annehmen möchtest, hättest du das nur sagen brauchen...", sagte er trocken und krabbelte durch den Dreck zu seinem Wasserschälchen. Dort angekommen, trank er einen kleinen Schluck und kippte den Rest in Reitas Schale. Stumm krabbelte er zurück zu seinem Bett, lehnte sich verschnaufend gegen das dunkle Holz. Die Augen hatte er geschlossen.
 

Reita schrak zusammen, als er aus dem Bett fiel. "Hey... Aoi... Natürlich lebe ich...", murmelte Reita. "Du hast entsetzlich gefroren... deshalb hab ich dir die Decke gegeben... Ist alles okay? Der Traum ist vorbei..." Dann sah er, wie er das Wasser in seine Schale schüttete und seufzte. "Danke Aoi... Aber... sollten wir es nicht lieber gerecht teilen? Du hast viel Energie verloren... Du brauchst es... Hör mal... ich wollte dir keine Angst machen oder dich beunruhigen, ja? Tut mir Leid..."
 

"In meinem Albtraum wurdest du...", begann er, schluckte die letzten Worte jedoch hinunter, senkte den Kopf. "D-du wolltest mir helfen... und dann... dann haben sie dich geholt und haben...", versuchte er weiter, konnte und wollte es jedoch nicht aussprechen. Reita würde schon verstehen, was er meinte. Als dieser sein Vorhaben mit der Decke erklärte, sah er peinlich berührt weg. //Das war so lieb... und ich unterstelle ihm gleich etwas, was gar nicht stimmt... ich bin so doof.// "Gomen nasai~", sagte er leise in seine Richtung und deutete eine leichte Verbeugung an. Als Reita vorschlug, ihr Wasser zu teilen, seufzte er leicht genervt auf. //Warum muss er alles was ich tue hinterfragen?!// Er behielt seine Augen geschlossen, legte seinen Kopf auf das Bett hinter sich. "Du brauchst es mehr als ich...Reita... ich bin schon lange kein Mensch mehr, der wirklich lebt, ich brauche nicht viel... du bist neu und ungebrochen... und ein Mensch braucht Wasser...", erklärte er leise, jedoch noch so laut, das es der Blonde verstehen konnte. Er hielt sich den Kopf. Wollte keine weiteren Widerworte hören. Wenn doch diese verdammten Kopfschmerzen weg gehen könnten!
 

Reita biss sich auf die Lippen. Ja. Er verstand zu gut... "Aoi... wir müssen hier raus... Ist schon gut... Ich nehme dir dein Misstrauen nicht übel, aber ich werde... versuchen dir zu helfen... Das aus dir wieder ein Mensch wird..."
 

Nun öffnete er doch seine Augen und starrte ihn verständnislos an. "Wieso...? Du kennst mich doch gar nicht und schon willst du mir helfen?", fragte er und schüttelte den Kopf, biss sich sogleich auf die Lippen. Hätte er das doch bloß nicht getan... "Du bist naiv."
 

Reita starrte zu Boden. //Naiv...// "Was glaubst du, warum ich hier drin sitze?!", knurrte Reita und schlang die gefesselten Arme um die Knie.
 

Er legte den Kopf schief und sah ihn etwas unsicher an. "Ich weiß nicht... Vielleicht möchtest du es mir erzählen...?", fragte er mit leiser Stimme, denn Reitas Knurren hatte ihn abgeschreckt.
 

"Weil ich jemandem helfen wollte!!" Reita fauchte und starrte dann wieder zu Boden. "So bin ich nun mal... Versuch nicht mich zu ändern..."
 

Der Schwarzhaarige zuckte zusammen. "Hatte ich... auch nicht vor...", flüsterte er fast schon und schlang die Arme um seinen zitternden Körper. //Warum gleich so agrressiv? ...//

Er legte seinen Kopf auf seine übereinandergelegten Arme und schloss die Augen erneut. Er konnte auch auf dem Boden schlafen. "Man kann nicht immer... jedem helfen...", murmelte er noch leise Worte an Reita.
 

Reita schwieg und starrte auf die Handschellen, spürte jeden Knochen im Leib und hatte immer noch den Blutgeschmack im Mund. "Aber man kann sie annehmen, Aoi!!", brach es dann aus ihm hervor, ehe er wieder in Schweigen versank und die Augen schloss.
 

Er seufzte schwer, ließ jedoch den Kopf da, wo er ihn abgelegt hatte. "Hai... KANN man.", meinte er trocken und verstummte wieder, driftete langsam ab.
 

Reita blieb sitzen. Die Handschellen hatten seine Gelenke aufgescheuert, sie hatten ihn an der Kette gepackt und hoch gezerrt, als er am Boden lag. Er spürte die Schmerzen deutlich und ihm wurde übel. Ganz langsam sank sein Kopf auf seine Brust und er verlor das Bewusstsein.
 

~+~
 

Einige Zeit später hörte man gefährlich nahe an ihrer Zelle ein Geräusch von klappernden Schlüsseln. "ESSEN!!", brüllte jemand und wenn Aoi auf seinem Bett gelegen hätte, dann wäre er nun sicherlich von diesem hinunter gefallen, doch stattdessen schreckte er auf und sah sich ängstlich um. "W-wo bin i-?" Er seufzte schwer, als er die enge Zelle sah und den Blonden ihm gegenüber. Mühsam stand er auf und tabbste zum Gitter, schlang seine Finger um die kalten Stäbe und lugte so weit es ging hinaus. "ESSEN!!", brüllte der Wachmann nochmal und Aoi fiel beinahe zu Boden, da der Mann ihn direkt ins Gesicht geschrien hatte. Der Wachmann blickte zu Reita und sah den Schwarzhaarigen dann finster an. "Weck ihn gefälligst! Dann mach ich auch die Tür auf!", befahl er und Aoi nickte schüchtern, krabbelte zu Reita und rüttelte leicht an diesem. "Rei..." Er räusperte sich und sah ängstlich zu dem Wachmann. "1309... wach auf, es gibt Essen...", versuchte er ihn mit diesen Worten zu Wecken und hoffte inständig, das es ihm gelang. Er wollte die Nerven des Wachmannes nicht noch mehr strapazieren, denn das könnte gefährlich für sie werden.
 

Reita kippte Aoi in die Arme. Sein Gesicht war kreidebleich und seine Stirn war schweißbedeckt. Er bewegte sich keinen Zentimeter und gab auch keinen Laut von sich.
 

Überrascht fiepte der Schwarzhaarige auf und wäre beinahe nach hinten gefallen, aufgrund Reitas Gewicht, das plötzlich auf ihm lastete. "Reita~ Hey, mach keinen Scheiß... Bitte~!", flüsterte er ihm dringlich zu und versuchte ihn erneut durch leichtes Schütteln zu wecken. Hilfesuchend sah er sich nach dem Wächter um. "E-er brauch Hilfe...", krächzte er, bevor dieser dann zu toben begann und genervt die Zellentür aufschloss. Dann griff er sich grob den Blonden und schleifte ihn hinter sich her. Der Schwarzhaarige sah ihnen hilflos zu und schluckte schwer, bevor er sich wieder auf sein Bett schmiss. //Das Essen fällt wohl aus...//, dachte er traurig und hörte, wie die Tür ins Schloss fiel.

//Hoffentlich tut er ihm nicht weh...//
 

Reitas Fuß hatte sich durch den Hundebiss entzündet und sein Handgelenk war böse verdreht. Durch den Wundbrand hatte Reita Fieber bekommen und dämmerte nun zwischen Wachsein und Bewusstlosigkeit.
 

Schnaubend brachte ihn der Wärter zu ihrem kleinen Krankenzimmer. Dort übergab er ihn dem zuständigen Arzt und teilte ihm mit, dass er ihn am Leben erhalten soll. Dann verschwand er und der Arzt beugte sich misstrauisch über die Wunden, seufzte genervt auf, als er die Handschellen und dann das verdrehte Handgelenk sah. Mit einer kleinen Klemme knackte er das Schloss und besorgte sich einen Lappen. Mit diesem tauchte er ins klare Wasser ein, das er sich in einem Eimer dazu geholt hatte und wischte ihm das Handgelenk sauber, um mögliche andere Verletzungen vorzufinden. Doch da es tatsächlich an dieser Stelle nur das Handgelenk war, nahm er es und drehte es mit einem gekonnten Ruck wieder in die richtige Position zurück. Dann legte er ihm dort einen straffen Verband um, damit seine Hand eine Art Stütze erhielt. Mit dem Lappen fuhr er nun mit ruhiger Hand über die Bisswunde und verarztete sie danach so gut wie möglich.
 

Reita wurde zurück gebracht und in die Zelle geworfen. Erst davon kam er wieder zu sich, neue Handschellen hatten sich um seine Gelenke geschlossen und der Wärter stellte knurrend zwei Essen hin. "Das ist der Welpenbonus...", knurrte er und verschloss die Türe wieder.
 

Nummer 1308 war bereits vor einer ganzen Weile eingeschlafen, mit einem knurrenden Magen. Er bemerkte nicht, wie der Andere die Zelle wieder beherbergte und war wieder einmal in seinen düsteren Albträumen gefangen.
 

Reita setzte sich stöhnend auf. Was war passiert? Er wollte sich durch die Haare streichen, bemerkte aber wieder die Handschellen und seufzte. Er sah zu Aoi. "Aoi...?" Er schien wieder einen Alptraum zu haben... Reita setzte sich auf und strich vorsichtig über Aois Arm, um ihn zu beruhigen.
 

Der Ältere schreckte auf und saß mit einem Mal ganz gerade auf seinem Bett, schweißüberströmt, und sah zu Reita. Er atmete hastig und verdrängte die Nachwellen des Albtraumes nur mühehaft. "R-Rei...", hauchte er und schluckte schwer, sah dann die Handschellen und den Verband. Er wischte sich mit dem Hemdsärmel über sein Gesicht und schwang die Beine über die Bettkante. "Geht es... dir gut...?"
 

Reita sah hoch und lächelte. "Ja, mir gehts gut, keine Sorge... Hier... du musst was essen. Dein Magen knurrt so laut, dass es klingt wie ein Rudel Wölfe..."
 

Schwach lächelte er, besah sich nun auch noch den Verband an Reitas Fuß. "Was haben sie nur mit dir gemacht...?", fragte er traurig und schüttelte den Kopf. Über dessen Witz konnte er allerdings nicht lachen, doch sah er ihn dankbar und etwas erleichtert an, als er das Essen sah. Er hatte wirklich schrecklichen Hunger. Kurz leckte er sich über die trocken gewordenen Lippen und stand mühsam auf, um sich ein Schälchen mit Essen zu holen.
 

"Mir gehts gut... Keine Sorge... Es ist alles okay Aoi... Iss was und dann versuch weiter zu schlafen... Ich weiß zwar nicht wie spät es ist, aber ich denke ziemlich spät..."
 

Durch Reitas Worte angespornt, griff er sich eine Schüssel und nahm die andere für Reita mit, tabbste dann zurück zum Bett und übergab sie ihm. "Hier... du musst auch... essen...", sagte er müde und setzte sich auf die Bettkante. Er wusste zwar nicht, was der Inhalt dieser Schüsseln darstellen sollte, doch der Hunger trieb es rein und so begann er zu essen.
 

"Ich hab kaum Hunger... Aber danke, Aoi... Geht es dir gut? Tut mir Leid, dass ich umgekippt bin... Hast du... Ärger bekommen?"
 

Erstaunt sah er von seinem Essen auf. "Du musst doch was essen!", sagte er und schob ihm die Schüssel zu. "Oder willst du so mager wie ich werden...?" Kurz darauf biss er sich auf die Unterlippe und senkte den Blick. Als er dann gefragt wurde, ob es ihm gut ginge, wurde ihm mulmig zu mute. //Warum fragt er so viel...?// "H-hai... geht schon.", antwortete er knapp. Auf seine letzte Frage hin, schüttelte er verneinend den Kopf. Irgendwie war ihm der Appetit vergangen und so schob er den Rest seines Essens unter sein Bett zur Aufbewahrung. "Ich bin nur so... schrecklich müde..."
 

Reita seufzte. "Leg dich hin und schlaf... und... vergiss all deine Träume. Schließe einfach die Augen und schlafe... Und wenn was ist... ich bin da..." Er grinste. "Weglaufen kann ich ja nicht, hm?"
 

Leicht amüsiert gluckste er ganz kurz auf. "Träume vergessen...", murmelte er nach und schüttelte traurig den Kopf. Wie oft hatte er das schon versucht...? Er schwang die Beine zurück auf sein Bett und legte sich hin. Er sah zur Seite, dorthin, wo Reita saß. "Iie... das kann niemand. Willst du etwa wach bleiben?", fragte er und fühlte sich schlecht dabei.
 

"Hai... ich... ich hab lang genug geschlafen. Ich bin okay. Schlaf einfach Aoi... Träum von einer besseren Welt..."
 

Er musste schwer schlucken. Das konnte er dem anderen doch nicht antun! Erneut biss er sich auf die Unterlippe und sah Reita bittend an, als wollte er ihm sagen: Tu das nicht!

"Wie sieht die bessere Welt denn aus...?", fragte er neugierig und zog sich die dünne Decke über.
 

Reita lehnte seinen Kopf an die Wand und schloss die Augen. "Eine Blumenwiese... Ein See... mit Wasser, das so klar ist, dass man bis auf den Grund sehen kann... Fische schwimmen darin. Kannst du sie sehen? Und die Vögel singen. Es ist ein herrlicher Tag... Der Duft von Blumen ist überall... Es gibt keine Häuser... nur eine kleine Hütte, in der frisches Brot gebacken wird... Kannst du es riechen?" Reita sprach immer leiser und öffnete langsam wieder die Augen. "In dieser Welt wird dir niemand etwas tun. Du bist in Sicherheit, Aoi."
 

Je mehr Reita sprach, desto trauriger wurde er, bis schließlich eine kleine Träne seine Wangen hinablief. "I-ich bin seit mehr als 4 Jahren hier... Ich weiß nicht mehr... wie die Blumen riechen, Vögel singen, frisches Brot riecht... das wurde uns alles genommen...", sprach er leise und schloss die Augen. Er wollte schlafen, nicht noch mehr Schwäche zeigen.
 

Reita biss sich auf die Lippe. Er hatte helfen wollen... Aber er hatte es nur noch schlimmer gemacht... Was war er doch für ein Idiot! "Gomen... Schlaf... schlaf jetzt... ja?", stammelte er und kauerte sich eng zusammen.
 

"Hai...", murmelte er leise und drehte sich auf die Seite, versuchte zu schlafen.

Bald schon hatte er den Dämmerzustand erreicht.
 

+~+
 

Uruha hatte die ganze Zeit nicht schlafen können.

Viel zu viele Gedanken machte er sich, warum der Blonde an diesem einen Mittag nicht zu ihm zurück gekommen war.

Er saß am Tisch und trank seine inzwischen 4te Tasse Kaffee. Er rieb sich leicht den Nacken und schaltete den Fernseher ein. Er zappte ein wenig herum und wollte schon wieder ausmachen, als er bei den Nachrichten hängen blieb in denen er Reitas Bild erkannte.

Er richtete sich auf und erhöhte die Lautstärke des Gerätes...

Der Traum

Irgendwann in der Nacht durchzuckte den Schwarzhaarigen eine schmerzliche Erinnerung, an eine eben so düstere Nacht wie diese und an eine Gestalt, die erst vor kurzem zum Gefängnis wieder zurück gekehrt war und ihn bestimmt bald wieder holen würde. Dieses Monster...

Gepeinigt schrie er auf und stumme Tränen rannen seine Wangen hinunter, während er in seinem Traum schändlich missbraucht wurde...
 

Reita zuckte zusammen und nahm Aois Hand. "Aoi... Hey... Oh bitte... sag mir doch wie ich dir helfen kann..." Der Blonde war verzweifelt, er strich immer wieder über seine Hand. Einerseits wollte er ihm helfen, andererseits wollte er ihm aber auch nicht zu nahe treten...
 

Der Schwarzhaarige hörte die Bitte seines Zellengefährten nicht, jedoch wurde er etwas ruhiger, als dieser über seine Hand strich. Allmählich trockneten die Tränen und es flossen keine mehr nach.Seine verkrampfte Körperhaltung wurde mit einem Mal weicher und sein Kopf drehte sich zur Seite. Ein erleichtertes Seufzen kam über seine Lippen. Sein, durch den Traum aufgestelltes Glied, war leicht durch die Decke erkennbar. Ein kurzes Wimmern folgte und er drehte sich zur Wand um. Sein Körper zitterte.
 

Reita wurde feuerrot, als er das sah. "Nicht... nicht doch... Aoi..." Reita sah peinlich berührt weg, aber Aoi zitterte weiter... Also riss er sich zusammen, legte sich mit auf das schmale Bett und zog seinen bebenden Körper in eine sanfte Umarmung.
 

Durch die angestaute Erregung wurde er allmählich aus seinem Schlaf gerissen und als er zusätzlich noch umarmt wurde, verkrampfte sich sein Unterleib und er riss seine Augen ängstlich auf. "R-Rei...?", hauchte er hoffnungsvoll und auch seine Stimme zitterte. Ganz deutlich spürte er den fremden Körper an seinem Rücken und er musste schlucken. "B-bitte... lass mich los. Das macht es auch nicht mehr besser...", meinte er leise und besah sich seine Erregung. Wenn der andere so weiter machte, könnte es noch sehr schmerzlich werden. Seine Wangen färbten sich rosa. //Wie peinlich...//
 

"Schh... Ich tu dir nichts..." Sofort lies er ihn los und setzte sich wieder in seine Ecke. "Tut mir Leid... Ich... wollte dir nicht zu nahe kommen... Aber... du hast so gezittert und... geweint... Sumimasen... Aoi."
 

Zögernd drehte der Ältere sich um, als der andere ihn schon längst wieder freigegeben hatte und sah ihn peinlich berührt an. "Danke...", sagte er leise und lächelte schwach. Wollte Reita ihn doch nur trösten. //Wie süß...// Ein Ziehen in seiner Lendengegend machte ihm deutlich, dass es noch lange nicht vorbei war. Er biss sich auf die Unterlippe und kniff die Augen zusammen. "T-tut mir Leid... ich kann n-nicht mehr~!", meinte er dann, drehte sich wieder zur Wand, hielt sich den Mund, um unerwünschte Geräusche zu dämmen und ließ seine Hand langsam unter die Decke, zu seiner Erregung wandern.
 

Reita starrte ihn an und stand dann langsam auf. Sowas hatte er noch nie getan aber... Er setzte sich auf die Bettkante und strich mit seinen gefesselten Händen über die Decke, unter der sich Aois Erregung verbarg. "Soll ich...? Ist schon okay... Aoi..." Er lächelte leicht.
 

Gerade schlüpfte er mit den Fingern unter seine Shorts, die schon mal bessere Tage gehabt zu haben schien, stoppte jedoch, als er Reita neben sich bemerkte. Er hielt in seiner Bewegung inne und sah unsicher zu ihm auf. //Was hat er vor?//, fragte er sich, als auch schon sein Angebot kam und er ihn sprachlos anstarrte. Mit großen Augen besah er sich die gefesselten Hände Reitas und sah dann wieder auf. //Ist er auch so einer wie... der Chef...?// Er biss sich auf die Unterlippe. "Warum...?", fragte er schwach. "Hast du... d-das schon einmal gemacht...? Bei einem Kerl?"
 

Reita lächelte schüchtern. "Wenn ich es mache, dann muss es dir nicht peinlich sein... Hmm... nein... nur bei mir aber... so schwierig kann das ja nicht sein, oder?" Vorsichtig hob er die Decke an und legte seine Hände nun auf Aois pochende Erregung, die sich unter der Hose verbarg.
 

"A-aber... wenn wir erwischt werden, dann... dann...", wollte er etwas erwidern, doch keuchte ertappt auf, als er Reitas Hand auf seiner harten Männlichkeit spürte. Seine Wangen zierte nun ein tiefes Rot. Ergeben nickte er, schloss die Augen und hielt sich erneut eine Hand vor den Mund. Seine Hand hatte er inzwischen aus seiner Shorts genommen und diese krallte sich nun in das Bettgestell unter ihm. Die Situation war ihm mehr als peinlich. Er kannte den Blonden doch gar nicht!

"Es ist niemand hier... Sei still..." Reita schob Aois Hose ein Stück nach unten und sah das aufgerichtete Glied. Dann legte er eine Hand darum und fing an es zu massieren und zu reiben. Er strich über die Spitze und drückte mit der anderen Hand gleichzeitig die Hoden. Obwohl Reita so etwas noch nie gemacht hatte... Er stellte sich unglaublich geschickt an.
 

Er kam seiner Aufforderung sofort nach und verstummte. Sein Körper versteifte sich, als der Blonde seine Hose hinunterschob und sein Glied berührte. Er zog harsch die Luft ein. //Das ist mir... noch nie passiert... Nicht so...// Um seine Laute zu dämpfen, biss er sich auf die Unterlippe. Ein gedämpftes Stöhnen folgte auch schon, als Reita begann, ihm einen runterzuholen. Und wie!! Er war erstaunt, wie gut der andere das konnte, obwohl er gemeint hatte, dass er es noch nie bei jemanden getan hatte. Aus halbgeöffneten Augen beobachtete er ihn und musste schlucken. //Warum muss ich auch einen gut aussehenden Zimmergenossen bekommen, der dazu auch noch unschuldig ist? Bald werde ich wieder alleine sein... //, dachte er sich und musste erneut gedämpft aufstöhnen. Da seine Lippe aufgrund der Grobheit jedoch zu bluten begonnen hatte, legte er sich wieder eine Hand auf seinen Mund. "Motto~", sagte er eher es ungewollt und er schloss verlegen seine Augen.
 

Reita lächelte und setzte seine Bemühungen weiter fort. Er grinste und musste leise lachen bei Aois gestöhnten "Motto~". "Hai... Motto..." Reita strich weiter über sein Glied und verstärkte den Druck noch. Als Aoi zu laut stöhnte, beugte er sich vor, ohne 'ihn' loszulassen und drückte seine Lippen in einem langen Kuss auf die Aois. //Was tue ich hier?! Aber... er braucht Hilfe... Ich ertrage seine traurigen Augen nicht... Ich will ihm helfen!/
 

Als Reita lachte, glaubte er, er würde sich über ihn lustig machen und es zog sich alles in ihm zusammen vor Angst, dass der andere denken könnte, er wäre billig. //Warum passiert mir das immer?//, fragte er sich und bedeckte seine Augen. //Lass es endlich vorbei sein...// Da der Blonde jedoch immer geschickter zu werden schien, konnte er sich nicht allzu sehr zurückhalten, etwas lauter, als er vorgehabt hatte, zu stöhnen. //Hoffentlich hat das niemand gehört...//

Vorsichtig blinzelte er durch die Lücken zwischen seinen Fingern zu dem anderen, der ihm immer näher zu kommen schien. "Wa-?", wollte er fragen, hatte inzwischen seine Hände aus seinem Gesicht genommen, als er die weichen Lippen des Jüngeren auf seinen spürte. Fassungslos starrte er in seine Augen und fragte sich, was hinter ihnen vorging. Er verstand ihn nicht mehr...

Doch da eh alles schon zu spät zu sein schien und er ihn jetzt nicht mehr von sich stoßen wollte, da er dann immer noch dieses Problem hätte, schloss er seine Augen und erwiderte zaghaft den Kuss. //Wenigstens bin ich dann nicht mehr so laut.//

Kleine Sternchen erschienen schon bald vor seinen Augen und mit einem Mal entlud er sich in der Hand des Geschickten, stöhnte in den Kuss hinein und die angespannte Spannung verließ seinen Körper. Er ließ sich fallen...
 

Reita fühlte, wie der andere sich unter ihm zusammenzog und dann die warme Flüssigkeit durch seine Finger gleiten. Er lächelte und löste den Kuss, wischte sich die Hand an der Hose ab und strich mit der anderen sanft durch Aoi´s Haare. Er war auch extrem verlegen, legte den Kopf schief und zog sich dann von ihm zurück, setzte sich wieder auf den Boden. Er schwieg, wusste nicht, was er sagen sollte... Er hatte gespürt, dass der andere ihm nicht traute...
 

Schwer atmend lag er mit geschlossenen Augen auf dem Bett und zog sich schnell seine Shorts und seine Hose wieder über. Mit eingeschüchtertem Blick folgte er Reita, der sich wieder von ihm entfernte und fragte: "Hältst du mich jetzt für... billig...?" Er schüttelte betrübt den Kopf. "Das... d-das bin ich nicht... Wirklich..."
 

"Nein... das weiß ich auch Aoi... Tut mir Leid... Ich wollte dich nicht... Ich wollte nicht... Uhm... Ich wollte nur helfen... Sumimasen..."
 

"Nur helfen? Und warum hast du mich dann... geküsst?", fragte er leise und zog sich die Decke über seinen zitternden Körper.

"Danke...", fügte er noch leise hinzu und lächelte kurz zu ihm hinüber.
 

„Du... Du hast so laut gestöhnt und... und ich wollte dir doch nicht den Mund... zuhalten..." Reita hatte den Kopf gesenkt. Was hatte er da bloß getan??
 

Wieder leicht errötet schloss Aoi die Augen. "Es i-ist spät... lass uns schlafen gehen und diesen Moment vergessen, okay?", fragte er hoffnungsvoll und rieb sich die müden Augen.
 

Reita nickte, blieb aber sitzen und schloss die Augen. Dort wo er saß war er am weitesten von Aoi entfernt...
 

Noch kurz sah er zu Reita und seufzte traurig, ehe er sich von ihm abdrehte und versuchte einzuschlafen. Noch immer spürte er die Hand Reitas an seiner Männlichkeit...
 

Reita rollte sich auf dem kalten Steinfußboden zusammen und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
 

Nach einer Weile, in der er einfach nicht schlafen konnte, sah er über die Schulter hinweg zu Reita und seufzte traurig. //Hasst er mich jetzt...?//, fragte er sich und krabbelte aus dem Bett. Als er bei ihm stand, fielen ihm die weißen Flecken auf, die sich auf seiner Hose befanden.//Das ist mein...// Mit erröteten Wangen beugte er sich zu dem Blonden hinunter und versuchte ihn hochzuheben. //So wirst du doch nur krank.//, dachte er und sein Blick streifte die Lippen des Blonden. Warum sehnte er sich danach, seine Lippen zu berühren? Kopfschüttelnd biss er sich auf die Unterlippe und schaffte es schließlich, schwach wie er eigentlich war, ihn trotzalem vom Boden aufzuheben. Dann lief er zu ihren Betten und legte ihn in sein Bett, da er ihn unmöglich auf das höher platzierte Bettgestell legen konnte, warf ihm noch schnell die Decke über und krabbelte auf zittrigen Beinen die kleine Leiter hoch. Oben legte er sich in das Bett des Blonden und schlief ohne jegliche Bedenken in diesem ein.
 

Was wird wohl passieren, wenn der Bettwechsel bemerkt wurde? Und vor allem die merkwürdigen weißen Flecken auf Reitas Hose?
 

Reita zuckte zusammen, als er von Aoi hochgehoben wurde, doch er wachte nicht auf. Er bemerkte einzig und allein den Unterschied zwischen dem kalten Steinfußboden und dem verhältnismäßig warmen Bett. Doch so richtig entspannen konnte er sich nicht... Er fühlte sich hier nicht sicher...

Aois Qualen Teil 1

"Wacht gefälligst auf!!", schrie ein Wärter am Gitter und klapperte mit seinen Stock gegen die Gitterstäbe.

Ruckartig erwachte Aoi und richtete sich auf. Da er ja die Betten getauscht hatten, sah er sich fragend um, da er sich zu erst nicht mehr daran erinnern konnte, bis es ihm dann wieder einfiel und er den Wärter ängstlich musterte, welcher die Augenbrauen streng zusammen zog. "Du! Nummer 1308, sag mir, warum habt ihr die Betten getauscht?!"

"Eto~ ihm ging es Gestern nicht gut und so habe ich lieber das höher liegende Bett genommen.", versuchte er die Situation schön zu reden. "Dann komm hierher! Und du auch!", wandte er sich an Reita. "Heute ist Badetag~", grinste er fies und Aoi wäre vor Schreck beinahe aus dem Bett gefallen. Er hasste das Duschen hier... //Scheiße, wenn er Reitas Hose sieht...//
 

Reita murrte leise und stand dann auf. "Hum... Badetag, ja? Aha..." Er gähnte, sah Aoi irritiert an. //Warum liegt er in meinem Bett?// Dann ging er zum Wachmann vor an die Gitterstäbe und hielt ihm seine gefesselten Hände hin. "Kann ich die nun endlich abbekommen?"
 

Ängstlich blickte er in das Gesicht des Jüngeren und versuchte ihm mit stummen Lippenbewegungen mitzuteilen, dass er sich lieber nicht dem Wärter nähern sollte, weil dem sonst seine weißen Flecken auf der Hose auffallen würden. Doch genau das tat Reita und der Schwarzhaarige versteckte sich unter der Decke.
 

"Im Badesalon bekommst du die ab und jetzt tritt gefälligst zurück!", befahl er. "Nummer 1309!! Beweg deinen Hintern hier herunter!"
 

//Ist der denn blind?!//, fragte sich Aoi und krabbelte vom Hochbett. Er stellte sich abwartend neben Reita und besah sich den höchst interessanten Boden.
 

Der Wärter öffnete das Tor und legte dem Schwarzhaarigen eiserne Ketten an, bevor er beide Handschellenpaare zusammen befestigte und sie aus der Zelle heraus schob.

Dann brachte er sie in den Waschraum und nahm ihnen diese wieder ab. "Ausziehen! Aber Pronto!!", schrie er und verließ den Raum, um das Wasser zu holen. Bevor er jedoch gänzlich aus dem Raum gegangen war, sagte er noch: "Kaltdusche für Nummer 1309 und Warmdusche für Nummer 1308!"

Dann verließ er das Zimmer.
 

Der Schwarzhaarige seufzte ergiebig und begann sich auszuziehen. Dabei drehte er jedoch dem Blonden den Rücken zu, da er sich wegen der letzten Nacht schämte.
 

Reita stand nur da. Er verstand gar nichts... Langsam rieb er sich die Handgelenke. Es tat gut, den Druck los zu sein... Kurz sah er rüber zu Aoi, doch als er merkte, wie sehr er sich schämte, zog er sich auch aus und stand dann nackt in dem kalten Raum, die Hände über sein Geschlecht gelegt.
 

Zitternd wartete der Ältere auf sein Urteil und dieses kam mit dem Wächter, der die Eimer trug. Einer von ihnen dampfte und er wusste sofort, das es seiner war. Er trat ein paar Schritte zurück, hatte die Augen ängstlich aufgerissen. Da es sich jedoch nicht mehr abwenden ließ, schloss er die Augen und bedeckte sein Gesicht mit den Händen.
 

Breit grinsend stellte der Wärter die Bottiche auf den kalten Fliesenboden ab und musterte die beiden anderen. Bei Aois Anblick lachte er höhnisch auf. "Willst es wohl schnell hinter dich bringen was? Hahahahahah! Dann bist du als erster dran. Nummer 1309, sieh zu und lerne! Dich wird dieses Schicksal auch irgendwann treffen!", brüllte er dem Blonden zu und hob den dampfenden Bottich an, um damit auf Yuu zuzugehen.
 

Dieser wich noch einen Schritt zurück und krümmte ängstlich den Rücken, welcher unzählige Verbände und rote Stellen aufweisen konnte.
 

Der Wächter musterte seinen Rücken und bemerkte die Verbände. Seine Brauen zogen sich verärgert zusammen.

Er sah zu Reita. "Warst du das etwa???! Herkommen! Sofort!", wies er ihn an und ließ ihn auf sich zukommen. Dann drückte er ihm den Bottich in die Hand und wies mit dem Finger auf Aoi. Dabei hielt er jedoch die Arme Reitas mit einem speziellen Griff in der Hand, so dass er ihn nicht mit dem Wasser beschütten konnte.

Da der Blonde sich jedoch nicht rührte, warf der Wärter durch Reitas Hand, das heiße Wasser auf den zitternden Körper des Schwarzhaarigen und lachte dabei wie ein Irrer.
 

Schreiend fiel Aoi auf die Knie und krümmte sich wie ein Haufen Elend auf dem Boden zusammen. Sein Körper dampfte und laute Schluchzer waren zu hören.

Die Verbände schälten sich von seinem Rücken und die alten Wunden öffneten sich. Blut besudelte die kalten Fliesen...
 

"OH MEIN GOTT, NEIN!!" Er wollte die Hände zurückziehen, wollte Aoi das nicht antun!! Panisch starrte er auf Aoi und stürzte sich dann voll blanker Wut auf den Wachmann, prügelte auf ihn ein und schlug ihm den Eimer über den Kopf. Dann rannte er zu Aoi. "Aoi...", flüsterte er leise. "Aoi... oh Gott..."
 

Der Wärter brüllte so laut, wie er konnte, bevor er ohnmächtig wurde. Die Posten der am nächsten war, kam mit Verstärkung bereits angerannt...
 

Qualvoll wimmerte der Schwarzhaarige auf und wollte sich auf seiner juckenden Haut kratzen. Dabei fügte er sich allerdings noch mehr Schaden zu, was er gar nicht zu bemerken schien und ließ das Blut seinen Unterarm entlang laufen. "V-v-versuch... raus... kommen...", brachte er gerade noch so hervor, bevor er ohnmächtig zusammenbrach.
 

Die Wächter rissen die Tür auf und entfernten Reita von dem anderen. Aoi wurde hochgehoben und zum Arzt gebracht, damit er nicht alles noch voll blutete und Reita...?

"Du hast ihn niedergeschlagen, du wertloses Stück Dreck!!", schrie ihn jemand an und trat nach ihm.

Seine Hände wurden erneut mit Handschellen zusammengebunden und an der Kette zwischen den Ringen aus den Raum geschleift. Ob sie ihm damit weh taten, interessierte sie nicht.

Sie brachten ihn in seine Zelle zurück und warfen ihn dort wie ein wertloses Tier zu Boden...

Noch ein Tritt und die Wachmänner verließen die Zelle. "Deine Strafe wirst du schon noch bekommen!!!"
 

Reita krümmte sich nackt und schutzlos wie er war zusammen. Diesmal hatten sie ihm die Hände auf den Rücken gebunden... Die Schmerzen registrierte er kaum... Er dachte an Aoi... Was hatte er ihm nur angetan??
 

Ein Wachmann kam zur Zelle und warf ihm neue Kleidung hin. "Zieh dich an! Wenn du kannst... hahahahaha!", lachte er und verschwand wieder in der Dunkelheit aus der er gekommen war.

...
 

Erst am frühen Morgen wurde die Zelle geöffnet und ein Wachmann kam herein. In seinen Armen trug er Aoi, der in einem frischem Anzug steckte und noch nicht aus seiner Ohnmacht zurückgekehrt war. Zu sehr hatten ihn die Schmerzen übermannt gehabt. Man konnte von ´Glück´ reden, dass er es überlebt hatte und eine Qual war es gleich, zu wissen, dass er noch mehr ertragen musste. Wenn man von ihm ausginge zumindest. Die Wachmänner wussten um sein Begehren, dem Leben ein Ende zu setzen, doch sie gaben diesem Wunsch nicht nach und erfreuten sich stattdessen an seiner Pain. Tag für Tag...

Der Mann trug den Schwarzhaarigen zu seinem Bett und warf ihn darauf, dann drehte er sich zu dem schlafenden Bündel auf dem Boden zu, welches vor Kälte zitterte und nahm ihm die Fesseln ab.

Dann verließ er die Zelle wieder...
 

Reita hatte versucht, sich die Kleidung irgendwie wenigstens über zulegen, doch er hatte keinen Erfolg gehabt. Als man ihn von den Fesseln befreite fuhr er erschrocken hoch und vermutete die nächste Boshaftigkeit... Doch der Wachmann verschwand und Reita zog sich zitternd an. Dann sah er Aoi und automatisch wich er vor ihm zurück... Seit er hier war hatte er nur helfen wollen... Doch er hatte es immer nur schlimmer gemacht...
 

Aoi lag einfach nur da und rührte sich nicht. Sein Brustkorb hob und senkte sich schwach. Seine Hände, die aus dem Anzug hervorlugten, waren bandagiert. Ebenso wie der Rest seines Körpers. Sein Gesicht war blass. Er hatte sehr viel Blut verloren.
 

"Aoi... es... es tut mir so Leid... Oh man..." Reita zog sich hoch in sein Bett. Am besten bewegte er sich gar nicht mehr und sprach kein einziges Wort mehr...
 

Noch lange Zeit rührte sich gar nichts in ihrer Zelle. Kein Wachmann kam vorbei, um ihnen Essen zu bringen. Man ließ sie schlichtweg aus.

Quälend langsam verstrich der Tag und zum Abend hin, rührte sich Aoi. Erinnerungen durchzuckten sein Hirn und ließ ihn qualvoll aufstöhnen. Manche Dinge, wollte man einfach nicht mehr wissen... Und warum lebte er eigentlich noch? Warum haben sie ihn nicht einfach umgebracht?!
 

Reita zuckte zusammen, als er Aoi stöhnen hörte... Doch er sagte wirklich nichts, er hatte sich mit dem Gesicht zur Wand gedreht und tat, als würde er schlafen... So konnte er wenigstens nicht noch schlimmeres anrichten...
 

Um die Bilder vor seinen Augen zu vergessen, öffnete er sie zaghaft und sah sich um. //Nicht im Himmel...//, dachte er traurig und erblickte eine kleine Beule auf der Bettunterseite seines Zellennachbarn. "Warum... bist du nicht...geflohen?", fragte er und starrte die Beule an. Er wusste nicht, ob der andere wach war und ihm demzufolge hören konnte, aber die Frage war aus ihm ausgebrochen, bevor er darüber nachdenken konnte. In der Hoffnung, ihn nicht geweckt zu haben, blieb er stumm und schloss erneut seine Augen. Vielleicht konnte er ja wieder einschlafen und nie wieder aufwachen...
 

Reita hörte ihn sehr gut und ein leises Schluchzen kam aus seiner Kehle. Er presste die Hände vor's Gesicht um nicht noch mehr zu weinen und kämpfte die Tränen nieder...
 

Überrascht öffnete er wieder seine Augen. So hatte er doch eben ein Geräusch gehört. War Reita wach? Angestrengt lauschte er in die Dunkelheit und konnte ein gedämpftes Schluchzen vernehmen. "R-Reita? Warum... w-weinst du denn...?", fragte er besorgt und versuchte sich zu bewegen, doch alles tat ihm weh und so ließ er es bleiben. "Dich trifft keine Schuld...", fügte er noch leise hinzu.
 

"Natürlich... bin ich schuld..." Er schluchzte nochmal auf und riss sich dann zusammen. "Gomen... Wie... geht es dir...? Du hast sicher starke Schmerzen... Diese Schweine...!!"
 

"N-nein. Rede dir das nicht ein... bitte...", bat er ihn und hustete kurz auf. Nach Reitas Erkundungsfrage blieb er lange Zeit stumm, bevor er betrübt zur Antwort ansetzte: "Es gibt nichts... nichts hier, was mich noch überraschen könnte. Du hast doch meinen Körper gesehen... Ich schaff das schon... Genauso wie die letzten Male in den 4 Jahren..."

Vorsichtig versuchte er aufzustehen, was er nur mit Mühe schaffte. Das Bett knarzte unter ihm. Er wollte nicht, dass sein Zimmergenosse litt, weil es ihm schlecht ginge. Außerdem hatte der Blonde doch nur helfen wollen.
 

"Bleib... bleib liegen... bitte..." Er seufzte und kletterte dann aus dem Bett. "Du solltest was trinken... Hier... Ich habe... dir Wasser aufgehoben... Brauchst du... irgendwas...?"
 

Aus trüben Augen sah er den Blonden an. Dann gaben seine Beine gaben und er fiel zurück auf sein Bett. "Itai~!", stieß er leise aus und kniff die Augen zusammen. So war er doch auf seinem wunden Hintern gefallen. "Ja... vielleicht... ein wenig...", gestand er und senkte verlegen den Kopf. "A-aber du hast es doch sicher... nötiger als ich."
 

"Nimm es... Ich hab keinen Durst... Du solltest dich wirklich nicht bewegen... Nur ganz langsam... Tut mir Leid, aber zu essen hab ich nichts mehr..."
 

Unsicher sah er auf. "Okay, danke Reita...", murmelte er und versuchte zu ein Lächeln. Er nahm die Wasserschale des Blonden entgegen und setzte sie an die Lippen, welche aufgeplatzt waren.
 

Rei nickte nur und setzte sich dann wieder weit entfernt von ihm auf den Boden und schlang wieder die Arme um die Knie.
 

Aoi bemerkte natürlich die Distanzierung von Reita und seufzte traurig. "Du magst mich nicht... oder?", fragte er.
 

"Was für eine... dumme Frage... Doch Aoi... Ich mag dich... Mehr... mehr als hier gut zu sein scheint..."
 

Verstehend senkte der Schwarzhaarige den Blick. "Ich hatte dich ja gewarnt.", murmelte er und legte sich vorsichtig wieder hin. Vor Schmerz wimmerte er leise auf. "Ich hoffe darauf, dass du hier raus kommst..."
 

"Wir kommen hier beide raus, Aoi... Entweder beide oder keine ... Ich will nur nie wieder so... so benutzt werden... dafür benutzt werden, um dir weh zu tun..."
 

Betrübt sah er zu Reita. "Warum ich?", fragte er ihn, da er einfach nicht verstehen konnte, warum er so nett zu ihm ist. "Um deinen Willen zu brechen... machen die alles...", waren seine leisen Worte und er schloss erschöpft die Augen, blieb aber wach, um noch mit dem Blonden reden zu können.
 

"Sie werden dich niemals brechen... Du musst stark sein, Aoi... Vielleicht nicht äußerlich, aber innerlich... Du musst sie spüren lassen, dass sie dir nichts tun können... Schau... Was hast du schon zu verlieren...?"
 

Ausdruckslos blickte er ihn an. //Er versteht es nicht... Er will es einfach nicht verstehen... // "Reita!", rief er leicht ärgerlich aus, bevor er etwas leiser fort fuhr. "Sie haben es schon vor 4 Jahren geschafft! Ich habe nichts mehr... Gar nichts... Meine Familie verachtet mich. Mein... F-Freund hat mich verlassen... Ich habe gar nichts..." Mit Tränen in den Augen sah er weg. "Versteh es doch endlich...", murmelte er schwach und schloss sie. Wollte endlich von dem Albtraum erlöst werden.
 

"Das meine ich doch... Aoi... Gib ihnen das Gefühl, dass sie dir nichts antun können... egal was sie tun... Zeig ihnen deine Stärke. Lach ihnen ins Gesicht, wenn sie dich schlagen... Nur so bekommst du Macht über sie... Dann fangen sie an, dich zu fürchten..."
 

Gereizt seufzte er auf. "Was ist... Lachen? Hm???", murrte er und drehte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht von Reita weg. Er wollte nichts mehr hören. "Das einzige, was ich damit erreichen würde, wäre mein sehnlichst herbeigesehnter Tod...", gestand er leise und dachte über seine Worte nach. //Vielleicht könnte ich es so schaffen... ja...//
 

Reita kauerte sich zusammen und schwieg. Er würde die Kerle immer wieder angreifen, wenn sie Aoi etwas taten... Er würde nicht aufhören zu kämpfen...
 

Er war froh darüber, dass der andere es anscheinend aufgegeben hatte, auf ihn einzureden und schwieg ebenso. Vielleicht würde er jetzt einschlafen und nie wieder aufwachen? Er starrte Löcher in die verdreckte graue Mauer und klappte immer wieder seine schweren Augenlider zu, um Schlaf zu erhaschen, doch irgendwie wollte es nicht so richtig funktionieren, was wahrscheinlich auch am Schmerz lag, der ihn auf der Seite so quälte, auf der er lag.
 

Reita war wirklich still. Er bewegte sich kaum und legte irgendwann seinen Kopf auf die Knie. Er schloss die Augen. Alles was er tat oder sagte, führte dazu, dass es Aoi noch mieser ging... Also wozu dann reden...?
 

Es war sinnlos. Er konnte nicht schlafen! Die Zähne fest zusammenbeißend, drehte er sich wieder auf den Rücken. Der andere schwieg immer noch, was ihn etwas nervös werden ließ. "Du hast nicht auf meine Frage geantwortet...", stellte er fest und starrte an die Decke.
 

"Welche Frage...", murmelte Reita müde. Er schlief schon halb.
 

"Warum ich...?", wiederholte Aoi sie und sah zu ihm hinüber. Sah auch, dass er schlafen wolle. "Uhm... Schlaf gut..."
 

"Warum... du? Was... meinst du...? Warum ich mich so um dich... sorge...? Das... hab ich dir gesagt...", murmelte er.
 

"Hast du...?", fragte er blinzelnd und überlegte. "Weil... du... mich magst... irgendwie?" //Aber wir kennen uns doch gar nicht...//

"Schlaf lieber etwas, du siehst müde aus."
 

"Hai... gute Nacht...", murmelte Reita. Wieder flossen die Tränen über seine Wangen...
 

Seine Augen weiteten sich erschrocken. //Warum weint er denn jetzt...? Soll ich fragen...?// Ein paar Minuten verstrichen, bis er schließlich ergeben resigniert seufzte und leise fragte: "Rei... was ist los...?"
 

"Nichts... Ist schon gut..." Hastig wischte er sich über die Augen, wollte nicht, dass Aoi seine Tränen sah... Warum weinte er überhaupt...?
 

Der Schwarzhaarige schwieg. Wenn der Blonde nicht reden wollte, dann würde er ihn auch nicht dazu drängen wollen. Er sah noch einmal besorgt zu dem anderen hinüber und schloss dann niedergeschlagen die Augen. Nach etwa 10 Minuten war er dann auch endlich eingeschlafen...
 

Reita starrte in die Dunkelheit. Er musste hier raus... So schnell es ging... Aber es ging nicht schnell... Es schien, als hätten sie beschlossen, ihn so lange gefangen zu halten, bis jeder ihn vergessen hatte... Bei Aoi hatten sie es ja auch so gemacht...
 

~+~
 

Gebannt starrte er auf den Bildschirm seines Fernsehgerätes und dachte angestrengt nach. In seiner Hand hielt er die Akte eines gewissen Akira Suzukis und kam wohl bereits zum tausendsten Mal zu dem Schluss, dass dieser den Mord nicht hatte begehen können. Er sprang auf und lief auf und ab. Die Rezeptionistin hatte er nach dreitägiger Überredungskunst dazu gekriegt, ihm zu offenbaren, dass nicht Akira das Zimmer gemietet und mit dem Ermordeten in dem Hotel eingetreten war, sondern sein Freund Kouyou Takashima. Wieder blätterte er in den Unterlagen und fand in der Beschreibung des Suzuki Sprösslings und in den Aussagen seiner Großeltern den eindeutigen Hinweis, das Kouyou dessen bester Freund war... oder ist. Weswegen sollte man Akira also für schuldig halten? Gar nicht! Er musste etwas tun. Am besten wäre es wohl, seinem Freund mal einen Besuch abzustatten.

Er zog sich hastig an, wusch sich das müde aussehende Gesicht und marschierte aus dem Haus. In seiner Hand befand sich seine Tasche, in der Schreibkram und Fotos vom Tatort und den Beweisen drin waren. In seinem Notizbuch suchte er sich die Adresse des scheinbar Blonden heraus und machte sich auf den Weg.
 

Uruha war die ganze Zeit zu Hause gewesen. Er wusste nicht was er tun sollte, war mit der kompletten Situation einfach überfordert. Immer wieder kam ihm der Gedanke, dass er Reita da irgendwie raus holen musste. Diesem Gedanken folgte immer wieder die Frage wie? Wie sollte er ihn da raus holen? Wie konnte er die Polizei davon überzeugen, dass Reita unschuldig war?

Im Moment saß er in seiner Küche, hielt eine Zigarette in der Hand an der er ab und zu zog und blätterte durch eine Zeitung die er eigentlich gar nicht las. In Gedanken war er noch immer in dieser einen Nacht. Wie er dort in diesem blutigen Bett aufgewacht ist, die Leiche die neben ihm lag, Reita der sofort gekommen war um ihm zu helfen, und Reita der nun unschuldig wegen ihm im Gefängnis saß.

Er machte sich tierische Vorwürfe, dass er ihn in diese Situation gebracht hatte und gleichzeitig nervten ihn diese ständigen Gedanken selbst. Er sollte nicht rumjammern und untätig rumsitzen. Doch gerade das war es nur was er im Moment konnte. Rumsitzen, sich Gedanken machen und sich in Selbstmitleid baden.

So konnte es echt nicht weiter gehen. Uruha atmete tief durch und fasste einen Entschluss. Irgendwie würde er Reita da raus holen. Er drückte seine Zigarette aus und stand rasch auf.

Er haute sich den Kopf an der Nachttischlampe an und schon war der ganze Elan wieder weg. Er setzte sich wieder auf den Stuhl und zog die Knie an.
 

Er war doch wirklich ein Versager...
 

Sakito sah sich um. Kannte er dieses Haus nicht irgendwoher? Hm... ja, sicher! Er war ja auch schon zweimal dran vorbei gelaufen. //Vielleicht sollte ich doch lieber erst Morgen gehen.//, dachte er und seufzte schwer, ehe er nochmal auf den Stadtplan sah. Er war erst vor kurzem in diese Stadt gezogen, deswegen kannte er sich auch hier noch nicht so genau aus. //Es müsste doch hier ganz in der Nähe sein...// Irgendwo schepperte es. Eine Mülltonne war umgefallen. Er drehte sich erschrocken um und erkannte zwei düstere Gestalten. Da er ihnen nicht zeigen wollte, dass er Angst bekam, ballte er seine Hände angriffslustig zu Fäusten und starrte beharrlich den dunklen Gestalten entgegen. //Ich werde ihnen schon zeigen ... was ein Anwalt alles kann!//, ermutigte er sich und trat einen Schritt vor. "Wer seid ihr? Und was wollt ihr von mir?" "Dein Geld... Also schön die Hände hoch oder mein Finger, auf dem Abzug, könnte abrutschen.", wurde ihm gedroht und er trat wieder zurück. //Wie war das gleich? Du willst es ihnen zeigen, ja?//

Er hob die Hände und verschränkte sie hinter seinem Kopf. Als die beiden Gestalten jedoch aus dem Dunkel traten, stutzte er und senkte die Arme wieder. "Hizumi! Was machst du denn hier? Und was treibst du schon wieder abends auf den Straßen?" Vor ihm stand doch tatsächlich einer seiner letzten "Kunden", dem er aus der Patsche geholfen hatte. "Sakito-san? Das selbe könnte ich sie auch fragen." Hizumi legte die Hand auf die Waffe seines Freundes und trat dann näher zu ihm. "Jagen sie jetzt sogar schon Nachts nach dem Guten und wollen Unschuldigen helfen?" Sakito nickte. "Hizumi-kun, vielleicht kannst du mir helfen. Ich suche diese Adresse. Ich finde es nicht. Es ist einfach zu dunkel."

Der Schwarzhaarige lachte auf. "Sakito-san, Abends sind sie echt ein Blindfisch. Das was sie suchen, steht doch direkt vor ihnen!"

Überrascht drehte er sich zu dem Haus um, an dem er nun schon so oft dran vorbei gelaufen war. "Das ist es...?" "Ja, das ist es. Also viel Glück. Wir... müssen jetzt los. Fragen sie einfach nach mir, wenn sie Hilfe benötigen. Wir sind doch Freunde.", grinste er und verschwand.

"Ja, das mache ich!", rief ihm Sakito noch nach und schmunzelte. "Na dann..."

Mit eiligen Schritten lief er zum Eingang des Hauses und fand den Namen >Takashima< dort auf dem Türschild vor. Er klingelte. //So ein Aufwand und dann liegt es direkt vor meinen Augen...// Hoffentlich bedeutet das nicht, das ich eine Brille benötige.//
 

Uruha rieb sich den inzwischen leicht schmerzenden Hinterkopf. Diese dämliche Lampe. Das war nun schon das dritte mal allein an diesem Tag dass er sich den Kopf daran stieß. Am besten schmiss er sie in den Müll und kaufte sich eine die nicht so tief hing. Aber vielleicht würde er das Geld brauchen um Reita aus dem Gefängnis zu holen? Argh, da war er schon wieder. Der Gedanke daran. Er seufzte laut, fluchte leise über sich selbst. Das war wirklich zum verrückt werden. Wieso musste das ganze auch passiert sein?! Wieso ist er eigentlich mit diesem Kerl mitgegangen? Im Nachhinein war es nicht mal gut gewesen. Neben der Sache mit dem Tod des Kerls wohl gemerkt.

Uruha stand langsam, diesmal mit etwas bedacht, auf, um nicht wieder gegen die Lampe zu stoßen, und setzte Wasser auf um sich einen Tee zu kochen.

Dann würde er ins Wohnzimmer gehen und darüber nachdenken wie er Reita wieder rausholte.

Dass er selbst die letzten Nächte kein Auge zugetan hat und dementsprechend müde aussah und war, realisierte er bei seinen vielen Gedanken gar nicht.

Er lehnte sich an die Küchentheke und wartete ab. Als er das Pfeifen des fertigen Wassers hörte, klingelte es parallel an der Haustüre. Überrascht sah Uruha auf und blinzelte leicht. Wer war das? Er erwartete doch keinen Besuch. Langsam betrat er den Flur und sah zur Türe. "J-ja?", meinte er zur anderen Seite der Tür und ging langsam einen Schritt auf diese zu.
 

"Hallo? Herr Takashima? Mein Name ist Sakito und ich bin Anwalt. Ich möchte mit ihnen über Akira Suzuki sprechen. Ich denke, dass er unschuldig ist.", sagte er und lauschte angestrengt.
 

Der Brünette hielt kurz seine Luft an und lauschte den Worten des anderen. Ein Anwalt? Wegen Reita?

Erleichtert atmete er aus und ging zur Türe und legte die Hand auf die Klinke. Doch er zögerte leicht. Er war etwas nervös, doch selbst wusste er nicht genau warum.

Für einen Moment schloss er die Augen, atmete tief durch und öffnete dann die Türe ein kleines Stück. "... Er war es nicht."
 

Sakito beugte sich leicht zur Seite, um einen Blick auf Herrn Takashima werfen zu können und erhaschte dabei seine Worte. Er lächelte verstehend. "Das glaube ich auch. Doch um ihren Freund helfen zu können... müssten sie mit mir reden. Möchten sie denn helfen?" Noch immer sah er nur das dunkle Holz und eine Gestalt im Schatten.
 

Uruha überlegte kurz etwas. Er wusste nicht so recht, was er davon halten sollte, doch er wollte dem Blonden helfen und so öffnete er die Türe ganz und sah den Anwalt an. Er trat einen Schritt zur Seite und ließ ihn hinein. Kurz beobachtete er die Schritte des anderen, ehe er die Türe wieder schloss und fragte: "Möchten Sie einen Tee?"
 

Als Herr Takashima die Tür öffnete, lächelte er freudig und verbeugte sich, bevor er eintrat. "Ich danke ihnen.", meinte er mit ernster Stimme und sah sich etwas um. "Sie haben es nett hier.", sagte er. Er wollte auf jeden Fall, dass der andere sich erst einmal etwas lockerte. Er vernahm sein Angebot und nickte bestätigend. "Sehr gerne. Danke." Er stellte seine Tasche auf dem Boden ab und zog seine Jacke aus, bevor er sie an der Garderobe aufhing und seine Schuhe ordnungsgemäß auszog und an die Seite stellte. Dann nickte er dem Blonden aufmunternd zu. "Sie brauchen keine Angst zu haben. Ich versuche nur, ihnen zu helfen."
 

Uruha wartete bis sein Gast Jacke und Schuhe ausgezogen hatte und mit ihm das Wohnzimmer betrat. Er ging jedoch gleich weiter in die Küche und ging zum nächsten Schrank. Er hatte Gott sei Dank vor wenigen Minuten schon das Wasser aufgesetzt. Er holte eine Teekanne und zwei Tassen aus dem Schrank und schenkte das Wasser in die Kanne. Der Tee musste noch etwas ziehen und so ging er zurück zu seinem Besucher. "Ano...", begann er und sah ihn an, "Sie... sind also Anwalt..." Er wusste gerade nicht so recht was er sagen sollte, da ihn der überraschende Besuch doch etwas verwirrte.
 

Er blieb im Wohnzimmer stehen und sah sich die eingerahmten Fotos auf den Bildern an der Wand an. //Sie scheinen noch Freunde zu sein.//, ging es ihm durch den Kopf, als der Jüngere wieder das Zimmer betrat und ihn aus den Gedanken schrecken ließ. Er drehte sich ertappt um und holte seine Tasche aus dem Flur. Danach betritt er wieder das Zimmer und stellte die Tasche dort ab. "Ja, das bin ich. Hier ist mein Ausweis.", sagte er, holte den Ausweis hervor und reichte ihm diesen. "Wollen sie sich nicht lieber setzen? Sie sehen müde und geschafft aus. Sicherlich war das Ereignis ein großer Schock für sie gewesen.", plapperte er auf ihn ein.
 

"Danke, geht schon.", antwortete er etwas matt und besah sich den Ausweis. Er gab ihn dem Anwalt zurück und sah nochmal kurz nach dem Tee. So langsam bemerkte er, dass er ziemlich müde war, aber im Moment waren andere Dinge doch wichtiger. Er wartete bis der Tee fertig gezogen hatte und schenkte in beide Tassen etwas ein. "Hier~", sagte er, als er erneut das Wohnzimmer betrat und Sakito eine der beiden Tassen reichte. Er setzte sich an den Tisch und sah seinen Gegenüber leicht erwartend an. "Eto...", murmelte er und sah kurz in seine Tasse.
 

Den Ausweis zurück in die Tasche steckend, sah er Uruha nach, wie dieser erneut in die Küche ging. "Wie gut kennen sie Herrn Suzuki?", fragte er und holte sein Schreibzeug hervor, um sich Notizen zu machen. Kaum hatte er alles gefunden, was er benötigte, kam der Blonde zurück und reichte ihm die Teetasse. "Arigatou." Er folgte seinen Bewegungen mit dem Blick, bevor er die Tasse zuerst auf den Tisch abstellte. Er sah zu ihm herab und wusste nicht so recht, ob er sich einfach setzen sollte. Er wurde ja nicht dazu aufgefordert. „Nun gut, fangen wir an. Was haben sie an dem Tag des 13.4. diesen Jahres gemacht?"
 

Uruha sah ihn erneut an und blinzelte leicht. "Ich... ano setzten Sie sich doch.", meinte er dann, da es ihm doch etwas unangenehm war, hier alleine rumzusitzen.

Er sah erneut kurz in die Tasse und erzählte Sakito, dass Reita sein bester Freund sei und was er selbst an diesem Tag getan hatte.
 

Erleichtert setzte er sich nach der Aufforderung ihm gegenüber hin, damit er alles im Blickfeld hatte. Dazu gehörte natürlich auch seine Miene und so lauschte er seinen Worten und versuchte die Wahrheit hinter der Mimik zu finden. Zum Ende hin, war er sich ganz sicher, dass Uruha nicht log. "Und statt sie zu weiteren Untersuchungen dieses Falls festzunehmen, habe sie Akira-san geschnappt und ihn ins Gefängnis gesperrt? Wie selten dämlich sich die Polizei mal wieder verhalten hat, ist ja nicht auszuhalten.", meinte er und schüttelte den Kopf. Dann nippte er an dem Tee und stellte ihn dann wieder ab. "Ich hole ihn da raus. Ich verspreche es ihnen.", sagte er und sah Uruha mit festen Blick an. "Ich habe ihre Aussage hier festgehalten und die Aussagen der Rezeptionistin ebenfalls. War ihr... war der Ermordete gegen irgendeinen Gegenstand gekommen?", fragte er, obwohl er schon wieder eine ganz anderen Gedanken hatte. //Ich muss nochmal zum Tatort. Die Spurensuche muss gepfuscht haben oder der Täter... war sehr, sehr klug.//
 

"Gegen... einen Gegenstand gekommen?", murmelte Uruha und sah ihn etwas fragend an. "Er... nein... also... nicht direkt..."

Er erinnerte sich an das ganze Blut und wie er darin lag und sich nicht mehr bewegt hatte. Er trank schnell einen Schluck Tee um den Gedanken zu verdrängen, vergaß dabei aber, dass dieser gerade erst gekocht war und deswegen ziemlich heiß. Er verbrannte sich die Zunge und hustete leicht, als die Hitze sich den Weg durch seine Speiseröhre machte. "Sumimasen."
 

"Hm..." Er machte eine nachdenkliche Miene. "Hoffentlich konnte die Spurensuche seine DNA finden oder irgendwelche anderen Spuren. Morgen werde ich mich mal mit den Leuten da unterhalten. Die müssen doch auch Spuren vom wahren Täter haben!" Er hatte diese Ungerechtigkeit und die vorschnellen Handlungen des Polizeipräsidiums satt. Er erschrak, als Uruha sich an dem Tee verbrannte und nahm ihm die Tasse aus der Hand. Sein Gesicht sah besorgt drein. "Wollen sie sich nicht lieber hinlegen? Ich kann auch in den nächsten Tagen nochmal vorbeikommen."
 

Nach kurzer Zeit des Hustens beruhigte sich Uruha wieder und schüttelte leicht den Kopf. "Ist schon okay. Ich würde alles tun um ihn da wieder rauszuholen.", antwortete er und warf erneut einen Blick auf den Tisch.

Er hatte keine Ahnung warum dieser Kerl ermordet worden war und von wem und das Gefühl, dass er die ganze Zeit daneben gelegen hatte und womöglich genauso tot hätte sein können, wenn er aufgewacht wäre, beunruhigte ihn noch immer.
 

Schweigend beobachtete er ihn eine Weile und biss sich auf die Unterlippe. Er wollte ihn nicht noch mehr Leid zufügen, als er es eh schon durch die Fragen getan hatte, da der Blonde dadurch alles noch einmal hatte ertragen müssen. "Ich kann wirklich Morgen nochmal kommen...", versuchte er er erneut und sah Uruha besorgt an. "Vielleicht ... ja vielleicht schaffe ich es durch meine Kontakte, dass wir ihren Freund mal besuchen können.", versuchte er ihn aufzuheitern, stand auf und setzte sich neben ihn. "Doch... legen sie sich bitte etwas hin und schlafen erst einmal etwas. Ich werde mich um alles kümmern."
 

Langsam sah er auf und als Sakito sich neben ihn setzte blickte er zu ihm. "Das würden Sie wirklich tun?", murmelte er leise und sah ihn leicht fragend an.

Er blickte wieder nach unten und seufzte. Er wischte sich kurz über die Augen und nickte. "Hai... vielleicht, sollte ich mich doch hinlegen..."
 

„Ja, natürlich würde ich das machen. Ich möchte ihnen doch helfen.", meinte er und lächelte ihn aufmunternd an. "Vielleicht kann er uns etwas erzählen, was wir gegen das Gericht vorbringen können." Er lächelte zufrieden, als der Blonde meinte, dass er sich vielleicht doch hinlegen sollte. "Sie möchten ihm doch nicht noch mehr Sorgen machen, wenn sie total aufgelöst dort antanzen, oder?"
 

"Iie...", antwortete Uruha leicht lächelnd und nickte. "Dann... vielen Dank, dass Sie hergekommen sind."

Uruha wollte aufstehen und ihn zur Tür begleiten, doch sein Kreislauf wollte nicht so ganz wie er.

Er hielt sich am Tisch fest und schloss kurz die Augen.
 

"Das ist meine Pflicht als Helfer in der Not.", grinste er und stand auf, da diese Worte Worte des Abschiedes waren. Doch anstatt ihm zu folgen, hielt sich Uruha am Tisch fest. Er sah total fertig aus. Unsicher setzte er sich wieder und nahm den Blonden kurzerhand in den Arm. "Meine Mutter sagte immer, das soll helfen...", murmelte er etwas verlegen und strich Uruha beruhigend über den Rücken. "Brauchen sie irgendetwas? Einen Arzt vielleicht? Oder geht es gleich wieder?", fragte er besorgt und ließ wieder von ihm ab. Fragend sah er ihn an.
 

Uruha zuckte leicht zusammen, als der Anwalt ihn in den Arm nahm. Er hatte nichts dagegen, aber er hatte sich etwas erschreckt, da er damit nicht gerechnet hatte.

Er sah zu Boden und hielt leicht die Luft an um die Tränen zurück zuhalten. "Ich bin Schuld...", murmelte er und wischte sich über die Augen ", ... wenn ich ihn nicht angerufen hätte, dann wäre er nicht gekommen..."
 

Er lauschte seinen Worten und schluckte schwer. Er mochte es nicht, andere so leiden sehen zu müssen. "Bitte... Weinen sie nicht. Es wird alles gut werden... Bestimmt. Sie haben ja jetzt mich.", versuchte er ihn aufzumuntern, stand auf und hielt ihm die Hand hin. "Kommen sie... stehen sie auf und gehen ins Bett. Ich finde auch selbst hinaus."
 

Uruha sah weiterhin zu Boden und versuchte sich zusammen zu reißen. Er wollte ja selbst nicht weinen, aber es wurde alles zu viel und er konnte seine eigenen Vorwürfe nicht abschütteln.

Er nickte leicht auf die Forderung des anderen hin und stand langsam auf.
 

Sakito nahm seine Tasche und führte sie zur Eingangstür, wo er sich anzog. "Und ruhen sie sich wirklich aus. Versuchen sie es wenigstens.", rief er Uruha zu und öffnete die Tür. "Bis Morgen dann.", sagte er und verließ seine Wohnung, schloss die Tür hinter sich und machte sich auf den Weg nach Hause, um alles vorzubereiten. Er musste einen Bericht schreiben und das Schreiben an das Gericht. Er wollte Akira Suzuki aus dem Gefängnis holen...

Aois Qualen letzter Teil

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Helfer in der Not

Am nächsten Morgen wachte Sakito früh auf, um gleich ein paar Anrufe zu tätigen. Sich streckend lief er mit Zahnbürste im Mund hängend zum Telefon und schnappte es sich. Schnell seine Zähne zu Ende putzend lief er zurück ins Bad und rieb sich verschlafen die Augen. Er war eindeutig zu spät ins Bett gegangen und hatte zu viel am Fall gesessen. Die Sache ließ ihm einfach keine Ruhe! Fertig im Bad lief er dann ins Wohnzimmer, wo er gestern noch am Laptop gesessen hatte, um Informationen zu bekommen und bemerkte zu allererst ein paar Nachrichten. //Super, die haben schon geantwortet.// Er legte vorerst das Telefon beiseite und öffnete die erste Mail, in der stand, was die Obduktion ergeben hatte. //Ein einziger Schnitt. Ein Profi also. Das kann niemals Akira gewesen sein. Der hat noch nie einen Mord begangen und woher sollte er solche Kenntnisse dazu besitzen???// Er machte sich Notizen und schrieb schnell ein Dankeschön, bevor er sich der nächsten widmete. //Die Spurensicherung. Hm... sehr interessant... Ha! ´Es wurden außerdem noch die Spuren eines Vierten gefunden, doch noch ist nicht eindeutig klar, wem diese gehören. Die Person ist nicht auffindbar`... bla bla... Wie ist das möglich? Jeder Mensch ist auffindbar!// Er machte sich erneut Notizen und öffnete die nächste Mail, in der stand, dass niemand vom Gefängnis auf seine Anfrage geantwortet hatte. "Na das werden wir ja mal sehen!!" Er griff zum Telefon und rief bei der Polizeiwache an. Als es nach schier unendlich vielen Stunden, endlich mal jemand schaffte, an das verdammte Telefon zu gehen, war ein unfreundlicher Mann am Apparat, der ihm gar nicht behagte. "Ähm... Guten Morgen. Ich hätte gerne einen Termin zur Besichtigung des Angeklagten Akira Suzukis." Am anderen Ende der Leitung wurde es Totenstille, bevor ihn jemand freundlich darauf hinwies, dass dies sehr gefährlich werden könne und das sie es daher möglichst vermeiden wollen. "Danke für ihre Warnung, aber ich weiss, was ich tue! Ich bin Anwalt... nein, ich bin sein Anwalt und ich möchte ihn sehen. Ansonsten bekommen sie eine Klage ins Haus, wegen Unzulässigkeit! Denn noch ist die Schuld nicht 100%ig nachgewiesen!" Am anderen Ende der Leitung fluchte jemand und gab ihm schließlich ein Okay.

Sakito machte noch schnell einen Termin aus und legte auf. Er musste erst einmal versuchen, mit dem Herr Suzuki zu sprechen, um sich davon zu überzeugen, dass er wirklich unschuldig sei. Er zog sich an, um schnell zu Herr Takashima zu fahren und ihn von seinen Ergebnissen zu berichten.
 

Dort angekommen, klingelte er und trat von einem Fuß auf den anderen.
 

Uruha hatte die Nacht über erfolglos versucht zu schlafen. Immer wenn er es geschafft hatte, einzuschlafen, hatte er wirres Zeug geträumt und war wieder aufgewacht.

Er hatte es früh aufgegeben zu schlafen und war aufgestanden um sich einen Tee zu kochen.

Mit einer Tasse in der Hand und einer Decke um den Schultern saß er nun auf der Couch und dachte nach.

Wieder kam er auf keine Lösung seiner Fragen und etwas betrübt legte er den Kopf auf die Knie.

Es war so ruhig um ihn geworden, seit Reita nicht mehr da war.

Noch immer gab er sich selbst die Schuld dafür und erst als er die Klingel hörte, schüttelte er seine Gedanken ab und sah auf.

Langsam stand er auf, hielt die Decke um seine Schultern fest, stellte die Tasse weg und ging langsam zur Türe. Zögernd machte er sie auf und erkannte den Anwalt. Sofort öffnete er die Türe weiter und ließ ihn herein.
 

"Guten Morgen Herr Takashima. Sehr freundlich. Danke.", sagte Sakito und trat ein. Dann sah er auf seine Uhr und wieder zu Uruha auf. "Ich habe gute Neuigkeiten für Sie und ihren Freund Akira Suzuki. Wollen wir das nicht vielleicht bei einem kleinen Frühstück im Café ´Noir´ besprechen? Sie sehen ziemlich abgemagert aus.", stellte er besorgt fest und musste dann etwas grinsen. "Und ich muss zugeben, dass ich vor Aufregung auch noch nichts gegessen habe."
 

Uruha schloss die Türe hinter ihm und drehte sich mit einem etwas fragendem Blick zu ihm um. Als er die Worte "gute Nachrichten" aus dem Mund des Anwaltes hörte, erhellte sich seine Miene und er brachte ein leichtes Lächeln zustande. Er nickte und antwortete mit einem Ja. Er sah an sich runter und stellte fest, dass er noch immer seine Schlafsachen trug und etwas peinlich berührt lief er rosa an und murmelte: "Sumimasen.", ehe er sich kurz ins Schlafzimmer verzog um sich anzuziehen. Einige Minuten später kam er wieder zurück ins Wohnzimmer und sah Sakito an. "Okay..."
 

Auch er musste Lächeln. "Mit einem Lächeln in ihrem Gesicht, sehen Sie gleich noch viel hübscher aus...", rutschte es ihm raus und sah verlegen zu Boden. "Tut mir Leid... Das war mir so rausgerutscht.", entschuldigte er sich und verbeugte sich noch zusätzlich für sein unangebrachtes Benehmen. Als sein gegenüber bemerkte, dass er noch in seinen Schlafsachen steckte, verkniff er sich ein Kichern und sah ihm nach. "Schon okay...", murmelte er noch und wartete geduldig auf ihn. Als der Blonde schließlich wieder kam, öffnete er zuvorkommend die Tür und hielt sie ihm ganz Gentleman like offen.
 

Uruha hatte sich fertig umgezogen, zog noch eine Jacke über und seine Schuhe an, ehe er den Schlüssel in die Jackentasche steckte und seine Wohnung zusammen mit Sakito verließ.

"Arigatou~", murmelte er und lächelte leicht dankbar. "Ano... iie", begann er und schüttelte dann den Kopf. "Schon okay, vergessen Sie es..."
 

"Aber es stimmt.", sagte er noch leise und sah wieder geradeaus, konzentrierte sich auf den Weg, den beide entlang liefen, um zu dem Café zu gelangen. "Wie geht es Ihnen, Herr Takashima? Konnten Sie schlafen?", fragte er wieder etwas besorgt nach.
 

Der Blonde ging neben ihm her und sah schweigend zu Boden. Erst als der Anwalt die Stille unterbrach sah er auf. "Eto... Iie... na ja ein bisschen...", antwortete Uruha ehrlich und zuckte mit den Schultern.
 

Etwas verwirrt sah der schwarzhaarige Sakito zu dem Blonden auf. "Ein bisschen? Sie mussten an ihn denken... oder? Geben Sie sich bloß nicht selbst die Schuld dafür, okay?", wollte er sich vergewissern, dass er es nicht tat und öffnete die Tür des Cafés, um, wie kurz davor auch schon, ihm die Tür offen zu halten und ihn eintreten zu lassen.
 

Uruha sah auf und blickte ihn etwas schuldbewusst an. Er wusste was der andere meinte, aber je öfter er darüber nachdachte, desto schuldiger fühlte er sich.

Er folgte Sakito in das Café und sah sich nach einem freien Platz um. Am Fenster war noch ein Tisch frei und er ging zusammen mit seiner Begleitung dort hin um sich zu setzten.
 

Er spürte Uruhas Blick auf sich und sah in seinen Augen so etwas wie Schuld aufblitzen. Da hatte er wohl den sensiblen Punkt getroffen. Er seufzte auf. "Damit machen Sie sich nur selber fertig...", sagte er ihm noch, bevor der Blonde das Café betrat und er ihm nachging. Dabei zog er seine Jacke aus, war es doch relativ warm im Café, und folgte ihm zu einem Fensterplatz, wo er sich setzte und die Jacke über seine Tasche neben sich legte.
 

Uruha nickte leicht und seufzte. "Hai... ich weiß... Aber selbst im Schlaf mach ich mir noch Vorwürfe...", murmelte er und lehnte sich ein Stück in seinem Stuhl zurück.

Er wandte den Blick aus dem Fenster und beobachtete abwesend ein paar Leute auf der Straße.
 

Er lauschte den Äußerungen seines Gegenübers und seufzte schwer auf, als er deren Sinn verstand. "Herr Takashima... Wir werden das ganz sicher wieder zurecht biegen können.", versuchte er ihm Mut zu machen und nahm die Karte des Cafés, um sich schlussendlich für den ´Frühstücksteller´ zu entschließen und einen Kellner heran zuwinken. "Herr Takashima? Haben Sie sich schon entschieden?", fragte er freundlich lächelnd und sah ihn abwartend an. Der Angesprochene wirkte ihm schon wieder so abwesend, dass es ihm innerlich weh tat. Er konnte keine traurigen Menschen sehen, dann passt er sich nämlich deren Gefühlen an und er hasste nichts so sehr wie Ungerechtigkeit und unglückliche Gesichter. Vielleicht war er deshalb Anwalt geworden...?
 

Der Blonde sah etwas fragend zu ihm, als er angesprochen wurde und bemerkte erst in diesem Moment, dass die Bedienung da war. Er überlegte kurz, konnte sich aber nicht richtig konzentrieren. Also bestellte er sich eine heiße Schokolade und sagte, er würde sich noch was überlegen.

Etwas müde strich er sich über die Augen und sah zu Sakito. "Gomen ne.", murmelte er und strich sich leicht durch die Haare.
 

Er nickte daraufhin leicht mit dem Kopf und ließ den Kellner mit einem Wink wegtreten. "Schon okay... Kommen wir nun zu den guten Neuigkeiten. Ich werde heute Ihren Freund im Gefängnis besuchen gehen und wollte Sie fragen, ob Sie sich schon bereit dafür fühlen, ihn zu begegnen und Ihren Schuldgefühlen zu trotzen? Wir werden ihn bald aus dem Gefängnis herausholen können." Er lächelte sanft und freute sich, als sein Frühstücksteller recht schnell gebracht wurde und ihre heißen Getränke. Dann sah er Uruha abwartend an.
 

Uruha sah ihn an und Leben blitzte wieder in seinen Augen auf. "Wirklich?", fragt er nochmal etwas ungläubig nach und sah ihn hoffnungsvoll an.

"Das... Wirklich?"

Er konnte es irgendwie noch gar nicht glauben. "Natürlich will ich mit~", antwortete er dann und nickte.
 

"Ja, wirklich wirklich.", lachte er und strahlte ihn freudig an. "Ich habe heute Morgen eine Nachricht von der Spurensicherung bekommen und in dieser stand geschrieben, dass noch ein vierter Fingerabdruck gefunden wurde, dieser aber nicht in ihrem Verzeichnis steht. Also muss der Täter vorher noch nie eine Straftat begonnen haben, was wiederum für Herrn Suzuki ein Nachteil bedeutet, da dies auch bei ihm zutrifft, wie ich aus seinen Unterlagen entnommen konnte, doch das Opfer wurde mit einem gekonnten Treffer umgebracht. Das kann nur ein Profi gewesen sein und so schätze ich Herrn Suzuki nicht ein. Ich werde mir heute ein Bild von ihm machen. Doch wir werden nicht viel Zeit haben. Bedenken Sie dies und wir werden keinen Ärger bekommen.", erklärte er alles haargenau, aber so leise, das wirklich nur Uruha etwas von seinen Worten verstehen konnte.
 

"Hm...", antwortete Uruha und dachte erneut an den Morgen, an dem er neben der Leiche aufgewacht war. Voller Blut, voller Ekel und voller Angst.

Er seufzte leise und sah Sakito wieder an. "Aber... wenn ihn niemand gesehen hat, wie... wie kann man ihn dann finden?", fragte er und sah Sakito etwas fragend an. Er hatte Angst, dass sie ihn nie finden werden und sie Reita nie dort herausholen konnte.
 

"Hm... Ich weiß es nicht, aber lassen Sie das mal ganz meine Sorge sein.", meinte er und lächelte leicht. Was hatte ihn Hizumi ihm in der letzten Nacht angeboten? Seine Hilfe, wenn er in Schwierigkeiten steckt. Genau das war doch eingetreten! Er sah auf seine Uhr. "Wir müssen uns langsam beeilen. In einer Stunde ist es soweit." Er griff nach seinem Kaffee und trank ihn leer. Dann besah er sich das Frühstückstablett und begann zu essen.
 

"Eine Stunde...", wiederholte Uruha leise und blickte aus dem Fenster. Er würde Reita in einer Stunde wieder sehen. Er spürte wie sich Tränen in seinen Augen bildeten. Er freute sich so sehr ihn zu sehen, er wollte sich endlich bei ihm entschuldigen, ihn um Vergebung bitten und ihn bald dort rausholen.

Er wischte sich kurz etwas unwirsch über die Augen und sah zu seiner Tasse. "Eine Stunde...", wiederholte er in Gedanken und lächelte leicht.
 

Besorgt blickte er zu seinem Gegenüber auf und kramte kurze Zeit später in seiner Jacke nach etwas, was er ihm in seiner geschlossenen Hand reichte. Es war ein Stofftuch für seine Tränen.

Dann aß er weiter und dachte über das spätere Treffen nach.
 

Uruha blickte zu ihm und nahm leise dankend das Tuch. Er tupfte sich kurz die Augen ab und lächelte leicht. "Arigatou...", murmelte er und ließ die Hand sinken. Er nahm seine Tasse und nahm vorsichtig einen Schluck der warmen Flüssigkeit.
 

Er erwiderte das Lächeln und beobachtete ihn für einen Moment. Für seinen nächsten Gedanken scholt er sich innerlich, da er sich gewünscht hatte, den Blonden in den Arm zu nehmen. Auch wenn die Tränen vielleicht jene des Glückes gewesen waren, so machte es ihn doch traurig, dass er ihn so sah. "Kein Problem... Sie sollten etwas essen.", meinte er besorgt.
 

"Hm...", murmelte Uruha, nahm noch einen kleinen Schluck und stellte seine Tasse wieder auf die Tischplatte. "Ich hab keinen Hunger...", antwortete er und wandte seinen Blick erneut kurz aus dem Fenster. Er war viel zu aufgeregt, viel zu nervös und viel zu müde in einem, als dass er jetzt etwas hätte essen können.
 

Sakito legte seine Messer beiseite und sah den anderen leicht genervt an. "Aber Sie müssen etwas essen! Wer weiß schon, was Ihnen nachher vorfinden werden?! Ich habe nichts Gutes über das Gefängnis gehört. Wir sollten da ganz vorsichtig sein, hören Sie?", fuhr er ihn etwas scharf an und strich sich verlegen über sein Gesicht. "Ano... tut mir Leid.", entschuldigte er sich gleich darauf für sein Benehmen und sah verlegen und beschämt zugleich, weg.
 

Uruha zuckte leicht zusammen, wegen des Tonfalles seines Gegenübers. So eine Reaktion hatte er nicht erwartet. Er wollte Sakito nicht verärgern, aber irgendwie hatte er das Gefühl es trotzdem getan zu haben.

Er nickte als Antwort leicht und senkte den Blick auf den Tisch. "Ich... kann jetzt aber nichts essen...", murmelte er leicht entschuldigend und sah nicht auf.
 

Der Anwalt seufzte auf. "Tut mir Leid...", murmelte er noch einmal und sah zu Uruha. Ergeben nickte er schließlich und stand auf. "Ich... geh nur mal kurz eine rauchen, okay? Rauchen sie auch? Dann können sie gleich mitkommen. Appetit habe ich nun auch nicht mehr..." Er griff nach seiner Jacke und zog sich an.
 

Irgendwie war die Situation nun etwas angespannt. Uruha atmete etwas unruhig und versuchte seine Tränen zu unterdrücken. Erneut war ihm alles zu viel.

Er hasste sich selbst für diese Schwäche. Er brauchte ein wenig Zeit um Sakitos Worte zu realisieren und er blickte auf und nickte leicht. "Hai... Hai, ich komm mit...", antwortete er leise und stand auf. Er zog sich seine Jacke über und folgte dem Anwalt.
 

Auf dem Weg zum Ausgang, lief er noch an der Kasse vorbei und bezahlte für beide, bevor er dann mit Uruha zusammen das Café verließ.

Draußen angekommen, liefen sie ein kleines Stückchen und ließen sich schließlich auf einer Bank fallen, die an ein kleines Rasenstück grenzte. Er stellte seine Tasche neben sich ab und suchte in seinen Jackentaschen nach seinen Zigaretten. Als er sie gefunden hatte, nahm er sie hervor und zog eine Kippe aus der Schachtel, um sie anschließend zwischen seine Lippen zu schieben und ihm seine Kippen anzubieten. "Rauchen Sie diese Marke?", fragte er und steckte sich, mit der anderen Hand, seine Kippe an. Genüsslich zog er an ihr. "Tut mir Leid, dass ich Sie vorhin so angefahren habe, doch... Ich mache mir eben Sorgen um ihr Wohlergehen."
 

Uruha folgte dem Anwalt und blieb erst wieder neben ihm stehen, als sie das Café verlassen hatten. Er zog den Reißverschluss seiner Jacke zu und sah zu den angebotenen Zigaretten. "Ach, ist egal...", antwortete er und nahm höflicherweise eine Zigarette an, "Arigatou".

Er kramte sein eigenes Feuerzeug aus der Tasche und zündete die Zigarette an.

Er blickte Sakito wieder an und lächelte leicht nickend. "Ist schon in Ordnung...", antwortete er wahrheitsgemäß und strich sich kurz die Haare aus dem Gesicht.
 

Nachdem Uruha sich eine seiner Kippen genommen hatte, ließ er die Schachtel sogleich in seine Manteltasche gleiten. Da der andere auch nicht sauer auf ihn zu sein schien, atmete er erleichtert aus und nahm noch einen Zug von seiner Kippe. "Ich hoffe nur... dass es ihrem Freund gut geht. Ich habe von Gefangenen gehört, die haben vergessen, wer sie sind, haben vergessen, was es bedeutet frei zu sein und einige... kamen nie wieder raus. Einer meiner Freunde war hier früher auch einmal Anwalt und musste sich oft mit dem Gefängnis auseinandersetzen und dabei erfuhr er, dass es den Insassen nicht leicht gemacht wurde, menschlich zu sein und das sie früher oder später dort in ihren Zellen elendig dahinsterben, wenn ihnen niemand half. Ich sage Ihnen das nur, weil Sie also auf alles gefasst sein müssen. Dort kann Sie wer weiß was erwarten.", beendete er seine Ausführung und sah unsicher zu dem Blonden hinüber.
 

Der Blonde nahm einen tiefen Zug und schloss für einen Moment die Augen. Er fühlte sich sogleich besser und als sein Gegenüber anfing zu reden, öffnete er seine Augen wieder und sah zu ihm.

Ruhig aber schockiert, hörte er Sakito zu und umklammerte leicht die Zigarette. Immer wieder schossen ihm Bilder in den Kopf, die er am liebsten nicht gehabt hätte. Er nickte leicht, als der Anwalt geendet hatte und sah zu Boden. Er nahm noch einen Zug seiner Zigarette um seine Nerven zu beruhigen. "Aber... wir holen ihn da raus... Versprochen?"
 

Er nickte zuversichtlich und lächelte Uruha aufmunternd zu. "Ja, das habe ich ihnen ja versprochen." Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass sie nicht mehr als noch eine halbe Stunde Zeit hatten und so streckte er sich ein wenig, bevor er aufstand und seine Tasche nahm. "Wir müssen langsam los. Wie geht es Ihnen jetzt? Sind Sie bereit?"
 

Uruha sah etwas überrascht auf, als er sagte dass sie schon los mussten. Er hatte gedacht, sie hätten noch ein wenig Zeit, doch da hatte er sich wohl geirrt.

Er sah Sakito an und nickte nach kurzer Zeit leicht angedeutet. "Hai.", sagte er und nickte noch einmal bestärkend. Er würde Reita also wenig später sehen. Er freute sich und war traurig zugleich. Was ihn wohl erwarten würde?
 

"Tut mir Leid, dass wir uns so sehr beeilen müssen, aber mein Auto befindet sich zur Zeit in der Werkstatt und wir müssen wohl oder übel mit der Bahn fahren oder laufen. Was behagt Ihnen mehr?"
 

"Ano...", murmelte Uruha und zuckte leicht mit seinen Schultern. Er wusste nicht so recht, wie weit es war, deswegen konnte er nicht so recht entscheiden, was besser war. "Bahn?", fragte er und sah ihn mit einem leicht fragenden Blick an.
 

"Okay. Ist vielleicht auch besser so.", erwiderte er und hielt ihm seine Hand ihn, um ihn aufzuhelfen. Als er dies tat, wurde ihm bewusst, wie schwachsinnig die Aktion war, weil Herr Takashima keine Frau war, bei der man das aus Höflichkeit machte, geschweige denn Krank oder Alterssenil. Er zögerte kurz, ließ aber seine Hand ausgestreckt. //Er muss sie ja nicht annehmen...// Verlegen blickte er zu ihm, mit der Kippe zwischen den Lippen.
 

Uruha nickte leicht als Antwort und wollte gerade aufstehen, als er die Hand des anderen bemerkte. Er blickte zu ihm hoch und wieder zurück zu dessen Hand, ehe er realisierte, was der andere tat. Er dachte nicht wirklich darüber nach, nahm die Hand des anderen und ließ sich aufhelfen.

"Arigatou...", nuschelte er leise und ließ seine Hand wieder los.
 

Er war überrascht, als der Blonde seine Hand annahm, aber er ließ es sich nicht anmerken und tat seine Unsicherheit mit einem Lächeln ab. Kurz nickte er auf sein Dankeschön hin und blickte dann in die Richtung, in der die Station liegen müsste. "Dann lassen Sie uns losgehen, bevor wir noch zu spät kommen. Das Gefängnis liegt nicht gerade innerhalb der Stadt."
 

"Hai... okay...", murmelte Uruha als Antwort und sah ihm kurz ins Gesicht. Dann steckte er seine Hände wieder in die Jackentaschen und ging neben ihm her. Er war irgendwie ganz nervös. Er konnte sich nicht so recht vorstellen, was ihn jetzt erwarten würde. Er wusste nicht mal, was er dachte, dass ihn erwarten würde. Irgendwas eben. Er seufzte leise und zog die Jacke etwas enger um sich.
 

Eine Weile schwiegen sie, doch auch irgendwann hielt Sakito die Stille nicht mehr aus und richtete sein Wort an Uruha: "Und... ähm... Wie lange kennen sie sich, wenn ich fragen darf...?" Schon von weitem konnte man die U-Bahn Station sehen.
 

Uruha ging weiterhin schweigend neben ihm her. Er war noch immer etwas in Gedanken und bemerkte die Stille deshalb nicht. Als Sakito ihn fragte, wandte er seinen Blick zu ihm und lächelte leicht. "Na ja, ziemlich lange jetzt eigentlich schon...", antwortete und nickte leicht.
 

"Aha... ano..." und wieder war es still. Was sollte er auch fragen? Es war nicht seine Aufgabe, ihn auszufragen und er konnte auch nicht wissen, ob sie sich irgendwann mal wieder sehen würden, wenn dies alles vorbei sei. "Da vorne ist die Station. Kommen Sie!", rief er erleichtert und beeilte sich hinzukommen. Sie sollten ja schließlich den Zug nicht verpassen.
 

Erneut hatte Uruha den Blick nach unten gewandt. Er mochte die Stimmung nicht. Lieber hätte er ihm irgendwas erzählt, doch ihm fiel im Moment nicht mal etwas völlig belangloses ein.

Erleichtert sah er wieder auf, als Sakito die Station ansprach und folgte ihm. Sie hatten Glück und erreichten den Zug noch rechtzeitig. So langsam wurde Uruha etwas flau im Magen.
 

Als sie im Zug standen, sah er verlegen zu dem Blonden. "Alles okay bei Ihnen?", fragte er wieder leicht besorgt und versuchte sich an der Stange über ihnen festzuhalten, als der Zug anfuhr.
 

"Hai... nur... irgendwie ein bisschen nervös...", antwortete Uruha etwas verlegen und sah zu ihm. Er sah kurz wieder zu Boden und wandte den Blick dann aus dem Fenster.

Beinah stolperte er, als der Zug ins Rollen kam, konnte sich aber noch rechtzeitig festhalten.
 

"Hm... klar, das ist verständlich." Kurz lächelte er, bevor er die Verlegenheit des Größeren bemerkte und wegsah. Hatte er etwas Falsches gesagt? Als der Zug losfuhr, merkte er, wie Uruha das Gleichgewicht verlor und drohte zu stolpern, und griff automatisch nach ihm. Seinen Arm hatte er dazu kurz um seine Hüfte gelegt, damit er nicht fiel und als er wieder stand, ließ er ihn so schnell wieder los, wie er auch nach ihm gegriffen hatte und räusperte sich kurz. "Noch 5 Stationen...", murmelte er und sah aus dem Fenster.
 

Uruha blickte zu ihm und murmelte ein leises Danke.

Ihm kam die Berührung verwunderlich normal vor, dass er etwas rosa wurde, als ihm endlich klar wurde, was da eigentlich passiert war.

Er war froh, dass Sakito das Thema wechselte und er nickte leicht und antwortete: "Hai... Gut..."
 

Der Anwalt nickte kaum merklich und ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Mit wachen Augen überblickte er noch immer die Menge und sah aus dem Fenster. Wenn sie die Haltestelle verpassten, dann kämen sie nämlich zu spät und wer weiß, ob sie dann noch die Möglichkeit gehabt hätten, Akira Suzuki zu sehen...
 

Die Zeit verging schnell und allmählich wurden auch die anderen Fahrgäste weniger. Nur noch eine Haltestelle, dann würde sie das ´Grauen´ erwarten. Auch er spürte eine leichte Unsicherheit aufkommen. Oder... war es Ehrfurcht?
 

Uruha schwieg die ganze restliche Fahrt über. Zu nervös und zu übel war ihm als dass er etwas sagen konnte.

Er seufzte leise und sah weiterhin nach draußen. Kurze Zeit später wurde die Station an der sie raus mussten angesagt. Uruha blickte auf und wandte seinen Blick zu Sakito.
 

Er erwiderte seinen Blick und nickte ihm auffordernd zu. "Das ist unsere." Er stellte sich an die Tür und wartete darauf, dass der Zug anhielt. Als er dies getan hatte, griff er nach Uruhas Handgelenk, um ihn im Gewimmel nicht zu verlieren und stieg aus. Kurz wartete er darauf, dass der Blonde bei ihm war, lächelte ihm aufmunternd zu und lief zum Ausgang der Station. Seine Hand umschloss noch immer sanft sein Gelenk.
 

"Hai.", antwortete Uruha leise und war froh, dass der andere sein Handgelenk festhielt, war er doch extrem nervös inzwischen, sodass er sich wahrscheinlich selbst auf einem Bahnsteig hätte verlaufen können.

Er ging schweigend hinter ihm her und sah sich ein wenig um.
 

"Wir sind gleich da.", meinte er nach einer Weile des wiedergekommenen Schweigens und erblickte schon von weitem das riesen Gebäude. "Dort ist es. Sehen Sie es?", fragte er und streckte die Hand mit dem Koffer danach aus.
 

Uruha sah ihn an und folgte dann seinem Deuten mit einem Blick. Er sah das Gelände und schluckte leicht. Da saß Reita also. Und das nur wegen ihm. Wieder machten sich Gewissensbisse in ihm breit und er atmete tief durch.
 

Er senkte den Arm wieder und sah den Blonden fragend an. "Hey~ Zermartern Sie nicht ihren hüb- ihren Kopf...", verbesserte er sich gerade noch so und zog ihn wieder weiter.
 

+~+
 

Reita kam langsam wieder zu sich und dachte im ersten Moment, dass er tot war. Er hing nicht mehr an der Wand sondern lag in einem einigermaßen bequemen Bett... Und jemand hatte ihn zugedeckt... "Aoi...?"
 

Der Schwarzhaarige rührte sich nicht, doch sein Atem ging flach. Er schlief noch halb und halb war er noch bewusstlos. Auch er war zugedeckt und der Zustand seines Körpers war besser, als es nach der Folter noch gewesen war. Doch natürlich würden die Spuren nie so leicht verheilen...
 

Reita setzte sich vorsichtig auf und sah verwundert auf die Schlinge, die seinen verletzten Arm stützte. "Aoi? Bist du wach...? Hey... Geht es dir gut??"
 

Langsam regte er sich, wenn auch nur schwach. Sein Kopf kippte zur Seite und aus müden und ausdruckslosen Augen sah er sich ängstlich im Raum um. Warum lebte er denn immer noch?! Sie hatten ihm den Tod versprochen... Seine Finger tasteten nach etwas scharfen, fanden jedoch nichts. Ein enttäuschtes Wimmern drang aus seiner Kehle hervor, doch kein Laut, keine Worte folgten. //Reita...//, dachte er und Tränen fanden ihren Weg über seine Wangen. Er hatte ihn im Stich gelassen...

Das Treffen

... "Hey~ Zermartern sie nicht ihren hüb- ihren Kopf...", verbesserte er sich gerade noch so und zog ihn wieder weiter...
 

"Hm...", antwortete Uruha leise und ließ sich weiter mitziehen.

Er versuchte seine Gedanken irgendwie zu ordnen und er schloss für einen kurzen Moment die Augen.

Nach einem tiefen Durchatmen öffnete die Augen wieder, folgte Sakito und sah wieder zu dem großen Gebäude.
 

Schnell hatten Uruha und Sakito das Gebäude erreicht und ebenso schnell waren sie hineingelangt. Sofort kam ein Wachmann auf sie zu und musterte sie argwöhnisch. "Sind sie der Anwalt?!", herrschte er Sakito an. "Sie erzählten nichts davon, dass sie noch jemanden mitbringen! Was soll das?!"

Sakito baute sich vor vor dem Wachmann auf, indem er sich zuerst vor Uruha stellte. "Jetzt regen sie sich bitte nicht so auf, junger Herr! Ja, ich bin der Anwalt. Sakito mein Name und das ist Herr Takashima, ein Freund des jungen Suzukis. Wir möchten ihn sofort sprechen!"

Der Wachmann ließ sich nicht einschüchtern, knurrte aber, weil es ihm gar nicht gefiel, wenn ihm jemand Befehle geben wollte. Dennoch musste er sich dem Gesetz beugen. "Dann kommen sie hier entlang. Sie haben eine halbe Stunde. Nicht länger!!" "Schreien sie nicht so, wir sind nicht taub!", entgegnete Sakito leicht aufgebracht, aufgrund dieser Respektlosigkeit ihnen gegenüber. Er hatte Uruha wieder am Handgelenk gepackt, da er nicht wollte, dass dieser zurückblieb.

Sie wurden in eine Art Raum gebracht, wo sie sich an einen Tisch setzen und auf Herrn Suzuki warten sollen. Er bugsierte den Blonden zu einem Stuhl hin und lächelte ihn auffordernd zu...
 

Der Wärter war bereits auf dem Weg, um Reita abzuholen...
 

+~+
 

Reita bemühte sich, aus dem Bett zu kommen. "Aoi..." Es klang als habe er Schmerzen und so stellte Der Blonde seine Bedürfnisse hinten an und näherte sich vorsichtig Aoi. "Aoi...? Hey..."
 

Auch weiterhin flossen seine Tränen, doch als er Reitas Stimme ganz nah bei sich hörte, erschrak er sich etwas, da er nicht wusste, was ihn erwarten würde. Aus Reitas Stimme konnte er deutlichen Schmerz erkennen und es tat ihm alles so unendlich Leid. Nur weil er so schwach war, hatte er ihn nicht retten können... Und wie das schmerzte! Wie ein Stich im Herzen, als hätte man seinen Liebsten zu Tode geführt, mit seinem ganzen Kummer alleine gelassen. Doch was dachte er da? Den Liebsten...? War Reita das geworden? Wenn er genau darüber nachdachte, dann war der Blonde es schon irgendwie... Zumindest ein wichtiger Mensch, den er nie vergessen wollen würde.

Und da! Reita, wie er sich zu ihm beugt und besorgt drein blickt.

Mit großen verquollenen Augen sah der Schwarzhaarige ihn an, streckte die Hände nach ihm aus und tastete vorsichtig sein Gesicht ab, als wolle er wissen, ob dies nicht nur ein böser Traum war... oder ob er Schmerzen hatte. Er sah ihm in die Augen und wieder durchfuhr ihn ein Stich. "Es tut mir Leid... alles Leid...", murmelte er mit ganz schwacher Stimme, bevor sie ihm versagte. Leicht krampften sich seine Hände in Reitas Hemd und wieder benässten unzählige Tränen das morsche Holz des Bettes.
 

Reita kniete sich neben ihn und umarmte ihn mit der einen gesunden Hand, drückte ihn fest an sich. "Schh... Aoi... Nicht... Es war nicht deine Schuld... Ich will nur nicht, dass dir etwas geschieht... Du bist mir zu wichtig... Hast du starke Schmerzen?" Sanft strich er ihm die Tränen von der Wange, ignorierte die brennenden Schmerzen in seinem Unterleib.
 

Aoi's Blick fiel auf Reita's verletzte Hand und es ließ seinen Atem stocken. Was hatten sie ihm nur angetan?! Trotz dieser Gedanken, schmiegte er sich an seine warme Brust und schluchzte auf. Auf Reitas Worte hin, wollte der Ältere antworten, aber als er den Mund öffnete, kamen keine Worte heraus... Was war mit seiner Stimme los?! Verwirrt über sich selbst, schüttelte er den Kopf auf seine erste Aussage hin und legte seine Hand auf Reita's Brust. //Denke auch mal an dich... Ich bin nicht wichtig.//, dachte er, da er keine Worte herausbekam. Er sah ihn flehend an, hoffte, dass er verstand, was er meinte.

Dann nickte er leicht und ließ den Blick sinken, zeigte auf seine Körpermitte und vergrub seine rosa Wangen in Reita's Hemd. Wieder folgten ein paar Tränen, die sich unaufhaltsam einen Weg über seine Wangen bahnten und das Hemd des Blonden durchdrangen.
 

Reita schaffte ein leichtes Lächeln und nickte Aoi zu, dann hielt er ihn einfach tröstend an sich gepresst und wünschte sich sehnlichst, dass er ihm helfen könnte...
 

+~+
 

Uruha sah sich um als sie das Gebäude betraten und erschauderte leicht. Es war alles andere als gemütlich.

Er folgte Sakito schweigend und blieb stehen, als sie dem Wärter begegneten.

Während der ganzen Zeit, in der Sakito sich mit dem Wärter rumschlug schwieg Uruha. Er wollte sich lieber nicht einmischen, damit er nicht irgendwas noch komplizierter machte, als es eh schon war.

Er ließ sich von Sakito mitziehen, als er das geklärt hatte und sah sich in dem Raum in den sie gebracht wurden ebenfalls um.

Er setzte sich und versuchte das Lächeln des Anwalts zu erwidern.
 

Als Uruha sich gesetzt hatte, schob er seinen Stuhl leicht an den Tisch heran und nahm sich selbst auch einen. Diesen stellte er allerdings etwas abseits hin und setzte sich. "Ich bin vorerst nur Beobachter Herr Takashima. Sie sind an der Reihe. Ich gebe ihnen 20 Minuten Zeit, dann rede ich mit ihm."
 

"Ich?", fragte Uruha und sah zu Sakito hinüber. Er nickte ganz leicht und wandte seinen Blick etwas vor sich auf den Boden. Was sollte er Reita überhaupt sagen? Was würde der andere sagen? Wird er ihm Vorwürfe machen?

Uruha war so nervös wie noch nie an diesem Tag. Er fummelte an seiner Hose rum und schluckte leicht.
 

Sakito nickte bestätigend und hielt lächelnd den Daumen hoch. Dann holte er seinen Block und einen Stift hervor und wartete auf den Gefangenen.
 

Inzwischen war auch der Wärter an der Zelle von Nummer 1308 und 1309 angekommen. Als er die beiden so eng umschlungen sah, knirschte er mit den Zähnen und bellte: "Nummer 1309! Lass 1308 in Ruhe! Nimm die Finger von ihm und beweg deinen Hintern hier rüber!"
 

Reita stand auf und knurrte. "Sein Name ist Aoi! Hast du das kapiert? A o i! Drei Buchstaben! Geht das nicht in dein Hirn?!"
 

"Halt´s Maul Knirps und jetzt komm her!", knurrte er und war drauf und dann, seine Peitsche zu zücken, aber das würde gerade jetzt nicht gut kommen. Stattdessen hielt er sich zurück, was für seine Verhältnisse wirklich was Besonderes hieß!
 

Aoi hatte sich inzwischen zu einer ganz kleinen Kugel zusammengerollt und krallte sich zitternd in die dünne Decke. Seine ausgemergelten Finger versuchten seine Ohren zuzuhalten.
 

Reita funkelte den Wachmann an und streckte sich. "Was ist los?" knurrte er leise und extrem misstrauisch. Er wollte nicht zeigen, wie viel Angst er hatte.
 

"Du hast verdammten Besuch, also komm endlich her!", knurrte er und funkelte ihn böse an.
 

Reita stutzte. "B... Besuch?" Langsam kam er vor ans Gitter und sah den Wachmann an. War das wieder eine dieser Fallen? Er schluckte, sah den Typen dann aber mutig an. "Na, dann lassen sie mich mal raus."
 

"Jetzt werd´ nicht gleich frech Junge!", murrte er und öffnete widerwillig das Gitter. "Wenn du es wagen solltest mich anzurühren oder fliehen zu wollen, wird dein kleiner Freund hier sterben.", meinte er beiläufig und grinste fies. "Da geht´s lang!", wies er dann an und zeigte in eine Richtung, zückte die Peitsche zum Selbstschutz. Wer weiß schon, wozu der Blonde alles fähig war...
 

"Ich werde nichts tun... Keine Angst..." murmelte Reita und sah nochmal zu Aoi zurück. Was würde jetzt passieren?
 

Der Wächter schnaubte. "Angst... Tze...", lachte er und ließ die Peitsche neben ihm knallen. "Los! Geh da vorne in den Raum!"
 

"Jaja... ist ja gut..." Reita verkniff sich jeden Kommentar. Er hatte große Lust, den Wachmann zu überwältigen, doch er wollte Aoi nicht in Gefahr bringen. Also ging er in den Raum und sah sich um.
 

+~+
 

Uruha blickte weiterhin zu Boden und schwieg. Hoffentlich ging es Reita gut.

Und hoffentlich war er nicht sauer auf ihn. Er wüsste nicht wie er reagieren sollte, wenn der andere ihm Vorwürfe machte.

Er war in Gedanken ziemlich durcheinander und schluckte leicht. Er hörte die Türe und blinzelte. Jetzt war es also soweit. Der Brünette schloss für einen kurzen Moment die Augen und sah dann langsam auf.
 

Reita erstarrte. War das wirklich... Uruha...? Verunsichert presste er seinen kaputten Arm eng an seinen ausgemergelten Körper und ging vorsichtig einen Schritt nach vorne. Er wagte nicht zu sprechen, vermutete immer noch eine gemeine Falle hinter allem...
 

"Rei...", murmelte Uruha leise und stand langsam auf. Er bemerkte, dass der andere alles andere als gut aussah und gleich wurden seine Vorwürfe größer.

Reita saß nur wegen ihm hier. Uruha sah ihn entschuldigend an und suchte nach den passenden Worten.
 

Reita blieb stehen und sah Uruha wie ein verängstigtes Tier an, bereit zur Flucht oder zur Gegenwehr... Was hatte es zu bedeuten, dass Uruha hier war? Und wer war der gut angezogene junge Mann bei ihm? Reita wagte ein paar weitere Schritte und schaffte es sogar, ein wenig zu lächeln. "Uru... ha..." Seine Stimme klang rau. Er war das viele Sprechen nicht mehr gewohnt, wenn, dann hatte er meist nur geflüstert...
 

Uruha schluckte und versuchte seine Tränen zurückzuhalten. "Reita... es...", murmelte er und er ging einen kleinen Schritt auf ihn zu. So hatte er Reita noch nie gesehen. "... es tut mir so Leid...", flüsterte er und wischte sich kurz über die Augen.
 

"Du bist... hier... Was hat das..." Er räusperte sich. "Was hat das zu bedeuten...? Niemand darf mich besuchen..." Er ging noch näher auf Uruha zu, wurde dann aber von dem Wärter grob daran gehindert... Er senkte den Kopf und erwartete die Schläge.
 

Uruha zuckte leicht zusammen, als der Wärter Reita so unsanft daran hinderte. Er blieb ebenfalls stehen und sah kurz etwas Hilfe suchend zu Sakito, ehe er sich wieder an Reita wandte.

"Ich... also... Er ist Anwalt und... ich na ja, er hat mich mitgenommen...", antwortete er und sah Reita noch an.
 

Reita nickte. "Es tut gut... dich zu sehen... Wie geht es dir...?"
 

Er unterdrückte ein Schluchzen und schüttelte den Kopf. "Es ist doch egal wie es mir geht... Wie... geht es dir?", stellte er die Gegenfrage und sah den Blonden an.
 

Natürlich hatte Sakito Uruhas Blick bemerkt und stand auf. Es war nicht das, was er erwartet hätte. Er trat näher und legte eine Hand ruhig auf Reitas Schulter. Freundlich lächelte er ihn an. "Sie können Herrn Suzuki nun loslassen, danke.", sagte er mit etwas Nachdruck in der Stimme und verlor sein Lächeln nicht. "Mein Name ist Sakito und ich werde mich um ihren Fall kümmern. Herr Takeshima hat mir alles erzählt und ich... glaube, dass sie unschuldig sind. Doch davon können sie mich später noch überzeugen. Sie können mit ihrem Freund vorerst reden. Die haben sie ja schlimm zugerichtet.", merkte er an und durchbohrte den Wärter gefährlich mit seinem Blick. "Haben sie keine Angst. Wir sind aus freien Stücken hier.", sagte er wieder an Reita gewandt und lächelte aufmunternd.

Der Wächter war widerwillig einen kleinen Schritt zurückgetreten...
 

Reita zuckte zusammen, als Sakito ihn berührte und wich ein kleines bisschen zurück, hörte aber aufmerksam zu. "Sakito-san... Bitte... kümmern Sie sich um Aois Fall... Ein Gefangener, der seit vier Jahren hier ist... Er... braucht Hilfe... Er muss frei kommen... Bitte... Das ist wichtiger als ich..." Er wagte nicht, Uruha dabei anzusehen, doch sein Entschluss stand fest. Zum ersten Mal hatte er die Möglichkeit, Aoi wirklich zu helfen... Und das würde er auch tun, koste es was es wolle...
 

Uruha beobachtete die zwei und blieb still auf seinem Fleck stehen. Er schwieg und rang immer noch mit seinen Tränen.

Als Reita Aois Thema ansprach blinzelte Uruha leicht. Das war typisch Reita. Er wollte immer jedem helfen egal wie es ihm dabei erging.

Er kaute leicht auf seiner Unterlippe und wischte sich eine Träne weg.
 

Reita sah zu Uruha. Wie gern würde er ihn umarmen und fest halten. Er sah zum Wärter und ging dann auf Uruha zu und nahm ihn fest in den Arm. "Uru... Gomen nasai.."
 

Im ersten Moment wusste Uruha nicht wie er reagieren sollte. Nach wenigen Sekunden schluchzte er leise und schüttelte immer wieder den Kopf. "Iie...", flüsterte er und schniefte leise, "...es ist alles meine Schuld~"
 

"Schh... weine nicht... Bitte... Wird schon alles wieder gut... Keine Sorge..." Er strich ihm sanft über die Wange und lächelte, dann ließ er abrupt los und schrie auf, weil er einen Schlag mit dem Knüppel des Wärters auf seine verletzte Schulter bekommen hatte.
 

Uruha schüttelte erneut den Kopf und wollte gerade was antworten als Reita zusammen zuckte. Vor Schreck zuckte er ebenfalls zusammen und sah den Wärter näher stehen.

"Lassen Sie ihn in Ruhe! Er hat doch gar nichts gemacht!"
 

Reita sah hoch und biss die Zähne zusammen. "Schon gut... Ich... lass ihn in Ruhe..." murmelte er zu dem Wärter und lächelte dann wieder leicht. "Ich bin bald wieder draußen... Keine Sorge..."
 

Erneut blickte Uruha zu Reita und nickte leicht. "Hai... Versprochen...", antwortete er und wischte sich nochmal über die Augen.
 

"Habt ihr... etwas neues herausgefunden? Bitte... es ist mir wichtig, dass Aoi frei kommt..." murmelte er so leise, dass nur Uruha es verstehen konnte.
 

"Hm..", murmelte Uruha und schüttelte leicht den Kopf. Er wischte sich nochmal über die Augen und schüttelte erneut den Kopf. "Gomen..."
 

Der Anwalt musste schmunzeln, als er die Worte seines Klienten gehört hatte. Hatte er sich da verhört? //Wichtiger als sich selber raus zu holen?? So denkt kein Mörder... Wer soll dieser Aoi sein? 4 Jahre... Ich würde irre werden in diesen Gemäuern, wenn ich so lange hier drin bleiben müsste.//

Während er in seinen Gedanken steckte, lächelte er leicht, da er doch mitbekam, wie der Blonde Herr Takeshima umarmte, doch er erwachte zu spät aus ihnen, als der Wächter mit seinem Knüppel ausschlug. Erzürnt baute er sich vor dem Wärter auf. "Sind sie nicht ganz richtig im Kopf!?", fuhr er ihn an. "Er hat seinen Freund umarmt! Ist das eine Straftat!? Sie haben Herrn Suzuki nicht anzurühren, solange nicht seine Schuld bewiesen wurde! Und wie ich bereits gesehen habe, wurde er anscheinend sehr oft grob angefasst. Wenn ich ihn hier raus bekomme, bekommen sie heftigen Ärger und ich führe eine gründliche Inspektion durch!", drohte er dem Wächter, der ihn daraufhin einfach nur doof anglotzte.

Nachdem Sakito Dampf abgelassen hatte, drehte er sich wieder zu den beiden Freunden um. "Wer ist dieser Aoi? Wissen sie warum er hier ist und wie er mit Nachnamen heißt?", fragte er Reita und sah wieder ruhiger drein. Er wollte ihn ja nicht schon wieder erschrecken. Bereits die kleinste Berührung, hatte ihn zurückzucken lassen. Irgendwas war hier doch faul... Er wusste nur noch nicht, was es war...

Wieder war er in seinen Gedanken vertieft und bemerkte nicht, was die beiden da redeten. //Ich bin mir sicher... Er ist unschuldig!// Giftig blickte er zum Wärter. "Könnten Sie mir bitte diese Akte von diesem Aoi bringen?!" Es war mehr eine Aufforderung, aber auch er musste sich als Anwalt gepflegt ausdrücken und Haltung bewahren.
 

Reita sah verstört zu dem Anwalt und schüttelte den Kopf, als dieser sich so für ihn stark machte. "Schon gut..." murmelte er leise. "Nein... Ich kenne seinen Nachnamen nicht... Er... heißt Aoi... Mehr weiß ich nicht... Wir haben... nicht viel miteinander geredet.." Reita verbeugte sich vor dem Anwalt und sah dann wieder zu Uruha. "Wie... geht es dir...? Was ist so los? Erzähl mir... von draußen... ja?"
 

Uruha schwieg und ließ die beiden für einen Moment in Ruhe reden. Er blickte kurz zur Seite und wischte sich die Augen trocken.

Erst als Reita wieder etwas zu ihm sagte, blickte er zu ihm zurück. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Er wusste nicht, wo er anfangen sollte. "Es geht mir gut.", antwortete er damit der andere sich nicht noch zusätzlich Sorgen machen brauchte.
 

"Du lügst... Du zitterst und kämpfst mit den Tränen... Du bist mager geworden und schlafen tust du bestimmt auch nicht mehr viel... Uruha... Du machst dich noch kaputt..."
 

Etwas ertappt senkte Uruha den Blick. Reita kannte ihn wohl einfach zu gut. "Hai...", murmelte Uruha und nickte leicht. "Tut mir Leid..."
 

"Uruha... Ist schon okay... Mach dir keine Vorwürfe... Ich hab´s mir ja selbst ausgesucht... Pass lieber auf dich auf... Da draußen läuft ein Mörder frei herum... Das ist viel gefährlicher..."
 

"Aber... es ist doch irgendwie meine Schuld...", meinte Uruha leise und blickte langsam zu ihm auf. "Du meinst... aber... du glaubst doch nicht, dass... ich mein..."
 

Reita lächelte ein bisschen. "Wie? Ich verstehe dich nicht..."
 

"Na weil du gesagt hast, er läuft noch frei herum... Du meinst doch nicht, dass der nochmal kommt oder...?", fragte Uruha und sah Reita dabei an.
 

"Er hat dich anscheinend nicht gesehen... Trotzdem... Sei bitte vorsichtig... Ich kann dich nicht mehr beschützen... Es tut mir Leid..."
 

"Hm... schon okay~ Ich schaff das schon...", antwortete Uruha und rang sich zu einem leichten Lächeln. "Halt... durch ja?"
 

"Natürlich. Keine Sorge..." Was geschehen war, würde er Uruha niemals sagen können. Aber er war froh, dass der Brünette bei ihm war... Wenigstens kurz... mit seinem Anwalt.. Irrte er sich, oder lief zwischen den beiden was? Zumindest hatte es Uruha dem Anwalt wohl gewaltig angetan...
 

Uruha nickte leicht und wischte sich nochmal kurz über die Wangen. "Verzeih mir bitte...", murmelte Uruha und er umarmte ihn nochmal.
 

"Muss ich nicht... Ich konnte dir ein bisschen helfen, oder? Das reicht völlig, um mich glücklich zu machen..."
 

Auch Sakito verbeugte sich kurz und trat dann etwas zurück, ließ die beiden etwas mehr unter sich, während er beobachtete, wie der Wachmann hinausging, um Aoi´s Akte zu holen. Zufrieden grinste er. Dann sah er auf seine Uhr. "Herr Takeshima, wir haben nicht mehr viel Zeit."
 

"Gomen...", flüsterte er nochmal leise und schloss für einen Moment die Augen. Als Sakito seine Stimme erhob, ließ er Reita langsam los. Er sah den Anwalt an und nickte leicht. "Hai..."

Er war noch nicht mal wieder draußen, doch vermisste er Reita jetzt schon.
 

Reita stand verloren in dem Raum, doch seine Augen erhellten sich, als er sah, dass der Anwalt Aois Akte bekommen hatte. Gut... Er lächelte. "Arigatou.. Danke, dass du hier warst... Du hast mir sehr geholfen! Sakito-san? Haben Sie auch vielen Dank."
 

Als er die Akte bekommen hatte, war er schockiert, weil sie so verstaubt und zerfleddert aussah. Vorsichtig pustete er den Staub weg und wollte sie gerade öffnen, als er von Reita angesprochen wurde. Er sah auf und und lauschte seinen Worten. "Dozo. Ich helfe gerne.", sagte er lächelnd und streckte ihm die Hand hin. Hatte keine Angst, da er von seiner Unschuld überzeugt war.
 

Reita ergriff Sakitos Hand zögernd mit der falschen Hand, doch es war seine gesunde. Den kaputten Arm konnte er mittlerweile nicht mehr richtig bewegen. "Sie... holen ihn raus, ja? Bitte... Ich bin mir sicher, dass er unschuldig ist..."
 

Kurz musterte er ihn fragend, bevor er verstand, wen er meinte. "Ich muss mir zuerst die Akte anschauen und dann sehe ich, was ich machen kann. Er wird nicht umsonst 4 Jahre hier drin sein.", sagte er und sah bedrückt aus. "Ich werde sie rausholen, versprochen." Er lächelte sanft und drückte zaghaft seine Hand. "Geht es ihnen gut? Was ist mit dem Arm?"
 

"Ist... nicht so wild... Hören Sie... Das hier ist... schlimmer als die Hölle... Holen Sie ihn raus... Bitte... ich flehe sie an!" Reita wurde von der Wache gepackt. "So, die Zeit ist um!" Der Blonde sah verzweifelt zu Sakito und Uruha, dann wurde er abgeführt.
 

Überrascht sah er ihn an und schmunzelte. Er sah die Verzweiflung in seinen Augen und seine Hand wurde ihm entrissen, als der Wächter ihn packte. "Nicht so grob, sagte ich.", sagte er zu dem Mann, der knurrte. "Die Zeit ist um. Gehen Sie jetzt!", meinte der Wärter und führte Reita zurück in seine Zelle. Auf den Weg dorthin, befahl er eine Wache, Sakito und Uruha hinauszubegleiten. Er wollte ja nicht, dass die beiden sich hier herum schlichen. Er packte Reita wieder härter an und schubste ihn schließlich zurück in die Zelle. "Wehe wir bekommen Ärger wegen dir.", knurrte er und spuckte nach ihm. Dann schloss er die Zellentür und ging. Er war übel gelaunt und ließ es den anderen Gefangenen wissen. Sowohl sein Boss, als auch der Anwalt mit dem Gesetz im Rücken, verboten es ihm, Reita und Aoi allzu großen Schaden anzurichten. //Wir werden ja sehen...//
 

Reita stolperte zurück in die Zelle und sah sofort zu Aoi. Hatten sie ihm etwas getan?? Nein... Er sah nur furchtbar blass aus... "Aoi...? Hey..."
 

Zitternd und verweint drehte der Schwarzhaarige sich um. Er atmete erleichtert aus, als er Reita sah. Er hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet und das Alleinsein hätte er nicht aushalten können... ohne ihn. Doch wieder kam kein Laut über seine Lippen und er senkte beschämt den Kopf.
 

Der Blonde setzte sich zu ihm und lächelte, strich durch seine Haare, als der Wärter endlich gegangen war und hielt seine Hand sanft in seiner eigenen. "Alles okay... Mir geht's gut..."
 

Als wären seine Worte, Worte der Zustimmung gewesen, schmiegte er sich an ihn und versteckte seinen Kopf an seiner Brust. Er sehnte sich nach Zuwendung, nach etwas Liebe, obwohl ihm so weh getan wurde... Zitternd krallte er sich in sein dünnes Hemd und schluchzte. Warum war das Leben so gemein zu ihnen?! Warum mussten sie Reita Schmerzen zufügen? Er hatte das alles nicht verdient... Er, Aoi, hatte ihn nicht verdient...

Gefühle 1. Teil

Auch Sakito hatte den beiden nachgesehen. Er seufzte schwer, als sie weg waren und steckte ganz vorsichtig Aoi´s Akte in seine Tasche. "Ich konnte ihn nicht mal befragen... Was aber, denke ich mal, schon okay ist. Was will ich schon aus einem Unschuldigen herausbekommen, oder?" Er versuchte etwas Stimmung zu machen, da er bemerkt hatte, wie schweigsam Uruha gewesen war. Er ging langsam zu ihm und legte seinen Arm um seine Schulter. "Hey~ Wir müssen jetzt gehen. Haben Sie jetzt Hunger? Oder möchten Sie etwas trinken? Soll ich Sie nach Hause bringen? Irgendwas...?"
 

Uruha sah noch immer in die Richtung, in die Reita verschwunden war. Erst als er den Arm des Anwalts spürte kam er wieder etwas zu sich. Er blickte zu ihm und schüttelte den Kopf.

"Iie... Ich... will nur nach Hause...", antwortete er leise, sah nochmal kurz zur Tür und drehte sich dann langsam um.

Zwar hatte Reita immer wieder beteuertet, dass er keine Schuld daran hätte, doch das Gefühl schuldig zu sein, ließ einfach nicht locker.
 

"Okay, dann bring ich Sie jetzt nach Hause.", murmelte Sakito, führte ihn zur Tür und öffnete sie für ihn. Er schnaubte verärgert, als er einen Wärter erkannte, der bereits auf sie wartete. "Schon gut, wir gehen ja schon.", versicherte er ihm und begleitete Uruha zum Ausgang.

Draußen angekommen blieb er stehen und sah Uruha an. "Geht es Ihnen gut?", fragte er besorgt. "Möchten Sie sich kurz hinsetzen? Oder... möchten Sie reden?"
 

Uruha nickte leicht und folgte Sakito. Er atmete tief durch um seine Gefühle unter Kontrolle zu halten und seufzte leise. Als sie draußen standen schloss er für einen Moment die Augen. Er blickte nochmal zurück und biss sich leicht auf die Unterlippe. "Hm?", machte er als der Anwalt etwas sagte und er wandte sich ihm zu. "Ich weiß nicht... Ich glaub... ich will einfach nur nach Hause..."
 

"Okay... nach Hause... also zu Ihnen.", murmelte er und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. "Dann mal los... ich muss auch noch weiter recherchieren, Beweise sammeln, Zeugenaussagen einholen und mich... über diesen Aoi schlau machen, wer immer das sein soll. Wenn rauskommt, dass dieser Mann unschuldig ist... Oh Gott, ich will gar nicht dran denken..." //Der Arme...//

Schon bald erreichten sie die Bahnhofstation und stiegen in den Zug ein, der gerade anfuhr und genau in ihre Richtung wollte. "Perfekt... Da haben wir ja Glück gehabt."
 

"Hmhm...", antwortete Uruha nur und nickte leicht. Er hörte gar nicht so recht zu. Bekam nur irgendwas von Beweisen und Unschuldig mit. In seinen Gedanken war er bereits wieder woanders. Er war froh, dass der Zug so pünktlich kam und stieg mit Sakito ein. Er schwieg eine ganze Weile, ehe er sich dem Anwalt zuwandte und sagte: "... Danke."
 

Auch er hatte geschwiegen, denn er erwartete keine Antwort von dem anderen. Stumm hatte er sich umgesehen und mitbekommen, wie der Zug sich langsam füllte. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als Herr Takeshima endlich etwas sagte. Verwundert blinzelte er ihn an. "Wofür? Ich will nur helfen." Er lächelte unschuldig und sah aus dem Fenster. "Wir sind gleich da.", murmelte er noch hinzu und sah den Blonden wieder an. Er schmunzelte. "Sie sehen immer noch traurig und besorgt aus. Sie fühlen sich doch nicht immer noch schuldig, oder?"
 

Uruha blickte seinen Nebenmann an und nickte leicht. "Trotzdem danke dafür...", antwortete er wieder und lächelte leicht. Er blickte wieder zu Boden und verfiel erneut ins Schweigen.

Er seufzte leise und zuckte leicht mit den Schultern. "Ein bisschen vielleicht...", antwortete der Brünette und sah kurz zu Sakito.
 

Sakito lächelte glücklich, nickte nur kurz und schwieg. Was sollte er auch sagen? Seine Aufgabe war noch lange nicht vorbei und seine Arbeit nicht getan. Als Uruha auf seine Befürchtung zustimmte, seufzte er schwer und strich sich eine lose Strähne aus dem Gesicht. "Aber Schuld haben Sie nicht."

Sie erreichten ihre Haltestelle und Sakito beförderte den Blonden hinaus. Er blieb nah bei ihm, sodass sie sich nicht verloren. Kurz sah er sich um, um sich zu orientieren, bevor er Uruha sachte in eine Richtung dirigierte.
 

"Hm...", antwortete Uruha nur und schwieg weiterhin. Seine Schuldgefühle wurden trotz dem Wissen, dass niemand ihm die Schuld, trotzdem nicht kleiner. Er ließ sich von Sakito aus der Bahn schieben und sah sich auf dem Bahnsteig kurz um. Er blickte kurz zu Sakito, der allerdings gerade dabei war sich zu orientieren. Er ließ ihn einfach machen und ging dann weiter. Der andere wusste anscheinend genau wo sie hin mussten, wohingegen Uruha die Orientierung etwas verloren hatte.
 

Der Anwalt dirigierte Uruha immer weiter und weiter, wich mit ihm geschäftigen Menschen aus, die sich ohne Rücksicht durch die Masse kämpften und landete schließlich vor einem Haus. Kein Licht schien in diesem zu sein. Wie auch, wenn der Besitzer direkt vor ihm stand? "Wir sind da...", murmelte er ihm zu und brachte ihn zur Tür. "Machen Sie sich keine Gedanken mehr. Essen Sie was oder gehen Sie schlafen. Ich halte Sie auf den Laufenden." Er lächelte aufmunternd und kam etwas näher, wollte ihn in den Arm nehmen, beließ es jedoch dabei und trat wieder unsicher zurück. "Ich... Ich muss dann mal...", seufzte er und zog etwas aus seiner Innentasche. "Wenn sie etwas brauchen oder jemanden zum reden... rufen Sie mich an, okay?", fragte er und überreichte ihm seine Karte. Dann drehte er sich um und wollte gehen.
 

Uruha ließ sich von ihm den Weg zu sich nach Hause geleiten und blieb dort etwas unsicher stehen.

Er drehte sich langsam zu ihm um. "Hai... arigatou...", sagte er leise und blickte sein Gegenüber an. Er besah sich die Karte, die er gereicht bekommen hatte und nickte. "Werd´ ich machen...", beantwortete er Sakito's Frage und behielt das Kärtchen fest in der Hand. Er sah dem Anwalt nach als dieser sich auf den Weg machte. Er sah nochmal auf die Karte und rief dann: "Ano... Danke nochmal..."
 

Fragend drehte er sich um. Als er verstand, winkte er ihm lächelnd zu, bevor er mit seiner Tasche in der Dunkelheit verschwand. Er hatte noch viel zu tun...
 

Der Brünette blickte ihm noch nach und seufzte. Dann drehte er sich ebenfalls um, kramte seinen Schlüssel aus der Tasche und ging in seine Wohnung. Er machte das Licht an, schloss die Türe hinter sich und zog Jacke und Schuhe aus.
 

~+~
 

Reita strich hilflos durch Aoi's Haare. "Hey... Es wird alles wieder gut... Ich hab´s dir doch versprochen, oder? Weißt du... du hast mir nie erzählt, warum du hier bist... Aber ich bin mir sicher, dass du unschuldig bist... Du hast diese Qualen nicht verdient..."
 

Leise schnurrte er auf, als Reita durch seine Haare fuhr und weil ihn das so überraschte, hielt er sich die Hand vor den Mund und sah verlegen zu Boden. Hatte er gerade wirklich geschnurrt?! //Egal wie du das tust Rei...~ Hör bitte auf...// Er löste sich vorsichtig von ihm und sah ihn traurig an, nickte aber auf seiner Frage hin. Als er ihn darauf Aufmerksam machte, dass er ihm nie erzählt habe, warum er hier sei, musste er schwer schlucken und wollte etwas sagen. Doch anscheinend saß der Schock und der Schmerz so tief, dass er einfach nicht mehr in der Lage war. Was sollte er auch sagen? Dass es einfach nur ein dummes Missverständnis gewesen war? Wie erbärmlich... und dafür saß er nun 4 Jahre hier...? Bei dem Wort >Qualen< zuckte er leicht zusammen und sah ihn daraufhin hilflos an. Warum konnte er nicht sprechen, um ihm alles zu erklären?! Es schien, als würde sich jemand über ihn lustig machen wollen. Er hatte doch noch so viel zu erzählen!!!
 

"Gomen... Ich... ich wollte keine alten Wunden aufreißen... Tut mir Leid... Ich bin wohl besser still..." Reita seufzte und ließ ihn los, dachte, dass er alles nur noch schlimmer machte... "Ich... geh schlafen..." Mühsam kletterte er hoch in sein Bett und starrte die Wand an.
 

Als Reita ihn alleine ließ, sah er ihm hilflos nach und wollte ihn packen, ihn auf sein Bett zurückziehen und sich einfach nur an ihn kuscheln. Doch er erreichte ihn nicht und wieder entwich kein Laut seinen Lippen. Er verfluchte stumm seine Hilflosigkeit und zog seine Beine an den zitternden Körper. Wo hatte sich seine Stimme nur verkrochen...?! Er fiel in die Kissen zurück und atmete laut und traurig aus. Er hielt weiterhin seine Arme um sich geschlungen und versuchte einzuschlafen, doch sein Magen rebellierte leise und doch kam niemand, um diesen Einhalt zu gebieten. Hatten sie heute überhaupt schon etwas zu essen bekommen? Unruhig blieb er liegen und wartete... und wartete. Wartete darauf, dass etwas geschah.
 

Reita tat Aoi's Schweigen sehr weh. Konnte er nicht wenigstens ein Wort sagen? Ablehnung oder Zustimmung? Aber so... war es ihm unmöglich zu wissen, ob er etwas richtig oder falsch machte... Er schloss die Augen und presste die Lippen aufeinander. Er war so müde... nicht nur körperlich... Er war kurz davor, einfach aufzugeben... Würden sie ihn jetzt holen... Er würde sich nicht einmal mehr wehren...
 

Er fragte sich, wie es Reita wohl ginge? Ob er wohl schlafen konnte? Aoi war müde, aber dennoch konnte er nicht schlafen. Ob es der Blonde schaffte? Er drehte sich auf die andere Seite und sah in die hereinkommende Dunkelheit. Sein Herz tat weh. Es tat nicht weh, weil körperliche Schmerzen es einschnürten, nein... es schmerzte, weil er nicht ausdrücken konnte, wie sehr er den Jüngeren mochte. Er fühlte sich unbeholfen und konnte nicht einmal was dagegen tun, da ihm seine Stimme fehlte! Gab es denn keine andere Möglichkeit? Er biss sich unschlüssig auf die Unterlippe und setzte sich langsam auf. Sollte er... es riskieren? Es riskieren in seine Nähe zu kommen und damit Gefahr zu laufen, entdeckt zu werden? Schweigend saß er da und überlegte, was er machen sollte. Warum sollte er es nicht wagen? Wenn die Wachen schon nicht kamen, um ihnen Essen zu bringen, dann würden sie es ganz sicher jetzt auch nicht mehr tun und bevor Reita endgültig einschlafen sollte, erhob er sich und spähte zaghaft zu ihm. Schlief er? Er wollte rufen, nach ihm fragen, ob er denn schliefe. Stattdessen sah er aus, wie ein Fisch auf dem Trocknen, da sein Mund sich öffnete und wieder schloss, ohne dass auch nur ein Wort entwich. Er war zum Verrückt werden! Oder... war er das schon?
 

Sich Mut zusprechend, kletterte er so leise wie möglich, die Treppen zu seinem Bett hinauf und legt sich schließlich ganz vorsichtig zu ihm. Er wollte ihn nicht bedrängen, geschweige denn erschrecken und tastete sich lieber langsam vorwärts. Eine Hand schlich sich direkt auf den Blonden zu und blieb an seinen Bauch ruhen. Er robbte seitlich langsam zu ihm und schmiegte sich an ihn. Hoffentlich verstand Reita, was er ihm damit sagen wollte. Er brauchte ihn... irgendwie... Er konnte es nur nicht ausdrücken und im Moment nicht mal... aussprechen.
 

Als Aoi ihn berührte, zuckte der Blonde heftig zusammen. Waren 'Sie' wieder da?? Schon wieder??? Doch dann spürte er Aoi's Hand und langsam verstand er. Niemand wollte ihm etwas tun... Zumindest heute Nacht nicht... Mit seiner gesunden Hand griff er Aoi's Hand und streichelte sie. "Hey du..." Langsam drehte er sich zu ihm um und lächelte.
 

Reita's Zucken erschreckte ihn etwas, doch blieb er, wo er war. Er durfte jetzt nicht so einfach fliehen... sein Gesicht presste er ganz nah an Reita's Körper und sog seinen Geruch in sich auf, wollte ihn für immer bewahren, ihn immer bei sich tragen. Er schloss die Augen und öffnete sie erst wieder, als der Blonde ihn ansprach. Mit seinen Lippen formte er die Antwort eines ´Heys´ und strich sich dabei über seine Kehle. Er wollte ihm somit signalisieren, dass er seine Stimme verloren zu glauben schien, er nicht schwieg, weil er ihn nicht mochte oder jegliches... Um seine Antwort zu unterstreichen, rang auch er sich zu einem Lächeln durch und schmiegte sich an ihn.
 

Reita lächelte sanft und sah ihm tief in die Augen. Er glaubte, sich in ihnen zu verlieren, doch es war gefährlich, was sie hier taten... "Bring dich nicht in Gefahr, Aoi... Bitte... Wenn sie uns hier zusammen finden, dann..." Er brachte es nicht übers Herz, weiter zu sprechen.
 

Es kostete ihn Überwindung, den Augenkontakt zu lösen, doch natürlich hatte Reita recht. Es war gefährlich, was sie taten. Und wenn sie erwischt werden würden, dann wäre es allein seine Schuld. Traurig nickte er und löste sich langsam von ihm. Er wollte nicht, dass ihm etwas geschah...
 

Plötzlich ließ sich ein klirrendes Geräusch vernehmen. Ein Geräusch von Metall auf Metall. Die Wärter! Ängstlich sah er Reita an, bevor er sich hastig erhob und die Leiter mehr oder weniger hinunter stolperte, was er auch tat und ihn auf den Boden aufkommen ließ, da sein Fuß sich zwischen den Sprossen verhakt hatte. Er wimmerte nur kläglich auf und blieb am Boden liegen. Hilflos wie ein Vogel mit verletzten Flügeln.

Und da waren sie... die Wärter, oder... zumindest einer. Mit geduckten Kopf lag er da und kroch langsam auf sein Bett zu. Ganz langsam durch den Dreck.

"Steh gefälligst auf und sag mir, was du da unten tust!!"

Ängstlich sah der Schwarzhaarige auf. Wie sollte er es ihm denn sagen?! Ganz langsam und vorsichtig stand er auf, stützte sich an dem Bettgestell ab und stand leicht geknickt da. Sein Bein tat ihm weh, aber der Schmerz war unwichtig. Zu viel Angst hatte er vor dem Kommenden. Mit einer Hand versuchte er zu gestikulieren, dass er etwas gesucht hatte und dabei versehentlich gestürzt war... unglücklich gestürzt war.

Doch der Wächter sah das alles gar nicht so lustig. "Sprich gefälligst du kleine M... Missgeburt!!", schrie er und schlug wütend auf die Gitterstäbe. Er war noch immer sauer wegen dem Besuch des Anwalts und dass dieser auch seine Akte mitgenommen hatte.
 

Reita erschrak. //Nein! Sie durfen ihm nichts tun!// Reita tat so, als würde er gerade aufwachen und drehte sich um. "Was ist denn los?" murmelte er verschlafen und kletterte langsam runter. Als wäre es purer Zufall, stellte er sich schräg vor Aoi und sah den Wärter an. "Es ist doch mitten in der Nacht, oder?"
 

"Siehst du doch oder?!", keifte der Mann und zeigte nach draußen in den dunklen Himmel. "Ich sehe nur nach dem Rechten. Warum seid ihr noch wach?! Geht gefälligst schlafen!"
 

Der Magen des Schwarzhaarigen knurrte laut und bittend sah er den Wächter an. Er zitterte. „NEIN!!", brüllte der Wachmann. "Heute wird gehungert. Ihr habt schon viel zu viel bekommen! Und jetzt schlaft endlich!!"
 

Reita atmete erleichtert auf. "Ich hab schon geschlafen, aber dann war ja dieser Lärm und... Ach... verdammt! Ich hab Hunger!" 'Wütend' kletterte er wieder hoch in sein Bett und drehte sich demonstrativ zur Wand, er war heilfroh, dass Aoi nichts passiert war...
 

"Dann friss staub, Knirps." Der Wärter beäugte Aoi misstrauisch, wie der auf sein Bett krabbelte und versuchte, sein Bein nachzuziehen. Er verdrehte genervt die Augen. "Hast du dir nun auch noch das Bein gebrochen, oder was? Wie unfähig bist du eigentlich?! Wenn du schon sterben willst, dann frag deinen Zellengenossen! Alleine packst du´s eh nie!"
 

Aoi sah nur verstört auf und wich ängstlich an die Wand zurück. Womit der Wärter ihn beschuldigte, traf ihn wie ein Blitz, denn sich das Leben nehmen, hatte er gar nicht vorgehabt.
 

Reita seufzte. Was sagte der Mann da? Aoi wollte sich das Leben nehmen? Das durfte er nicht... //Aoi... Was auch passiert... Ich bin für dich da... Ich lass dich nicht im Stich...//
 

Der Schwarzhaarige schüttelte verneinend den Kopf und deckte sein schmerzendes Bein zu.

"Rede gefälligst mit mir!!", brüllte der Mann am Gitter und rüttelte heftig daran. Er war drauf und dran, seine Bedenken über Bord zu werfen und den kleinen Mörderjungen zu bestrafen.
 

Aoi zuckte noch mehr zurück und verkroch sich unter seiner Decke. Er wollte die Schreie nicht hören. Sie dröhnten in seinem Kopf und schlugen über ihn zusammen. Schienen ihn zu erdrücken und seinen Kopf beinahe platzen zu lassen. Hilflos lag er in seine Decke gemummelt da und weinte, schluchzte und zuckte. Wie sollte er sprechen, wenn er es nicht konnte?! Zumal seine staubtrockene Lunge ihm auch nicht dabei helfen konnte. Er hustete leise in seine Hand, sie er vor seinen Mund verkrampft hatte und Tränen benässten sie. Konnte man Tränen trinken? Dann wäre er sicherlich der gesättigtste Mann weit und breit...
 

Murrend gab der Wärter nach. "Dich wird der Tod schon noch holen! Hab keine Angst... Er wird kommen."

Der Mann verschwand in der Dunkelheit. Was von ihm noch zu hören war, waren die Schläge der Metallkette gegen die zahlreichen Gitter der anderen Zellen.
 

Reita knurrte vor Wut. Was machten sie nur mit dem armen Jungen? Er konnte doch im Moment nur nicht reden... Was war so schlimm daran? Immer wenn sie geredet hatten, wurde es ihnen verboten... Reita wartete bis der Kerl verschwunden war, dann kletterte er aus dem Bett und holte unter Aoi's Bett eine Schale hervor. "Trink das... Ist nicht besonders sauber, tut mir Leid..."
 

Zaghaft schlüpfte er unter der Decke hervor und sah ängstlich zu Reita auf. //Jetzt bringst du dich in Gefahr...// Er sah die Schale verwirrt an und richtete sich langsam auf. Am liebsten würde er ihn jetzt fragen wollen, woher er die hatte, aber er konnte es nicht. Ganz vorsichtig nahm er sie und sah hinein. Das Wasser war wirklich nicht sehr sauber, aber Dreck reinigte ja gewöhnlich den Magen, also hinunter damit. Ein zwei Schlücke nahm er, dann gab er sie Reita zurück. Er wollte, dass auch er etwas trank, sah ihn bittend und dankbar zugleich an.
 

"Trink... Du hast es nötiger..." Er lächelte und schob sie ihm hin. "Ich hab immer ein Drittel in die Schale geschüttet... Na ja... das ist das Ergebnis..." Er strich Aoi über die Wange. "Du hast dich verletzt, hm? Dein Knöchel? Bist du umgeknickt?"
 

Aus großen wässrigen Augen sah er den Blonden an und trank noch ein wenig, bevor er sie dann doch zurückschob und den Kopf schüttelte. Sie mussten das Wasser sparen! Vielleicht würden sie tagelang kein Wasser mehr bekommen! Er lehnte sich der Berührung entgegen und nickte schwach. Schon wieder kam er sich so hilflos und nutzlos vor...
 

"Dann schone deinen Knöchel. Leg ihn am besten hoch... Hmm... du bräuchtest was kühles... aber das haben wir hier nicht..." Er seufzte. "Versuch dich einfach nur auszuruhen und hinzulegen..."
 

Er nickte auf seine Anweisungen hin und legte sich lang. Vorsichtig zog er sein Bein in eine gerade Position auf das Bett, denn hoch legen konnte er es auch nicht. Aoi zog die dünne Decke über sich und sah zu Reita auf. Fast so, als würde er gelobt werden wollen. Etwas lächerlich kam er sich schon vor, doch er wollte auch nicht, dass Reita wieder verschwand.
 

Reita nickte und blieb neben Aoi sitzen. Jedes Mal hoch in sein Bett zu gehen war unglaublich mühsam und sein Arm tat dadurch nur noch mehr weh...
 

Der Schwarzhaarige umfasste Reita's Oberkörper zog ihn neben sich auf´s Bett. Wenn er schon bei ihm bleiben würde, dann sollte er nicht die ganze Zeit sitzen...
 

Reita keuchte auf, als sein Arm so schmerzhaft an den Körper gepresst wurde, er sagte aber nichts und lächelte. "Vergiss die Gefahr nicht... Bitte... Ich will nicht... dass dir etwas passiert..."
 

Unsicher ließ er ihn wieder los. Er schallt sich selbst, da er wieder zu unüberlegt gehandelt hatte und sah traurig auf seine Hände. Er formte ein ´Gomen´ mit dem Mund und strich hauchzart über seinen verletzten Arm. Betrübt musterte er ihn, wollte ihn fragen, ob alles okay sei und ob er ihn weh getan hatte, doch die Worte blieben unausgesprochen.
 

Er lächelte. "Schon gut. Nichts passiert. Aoi? Versprichst du mir etwas?"
 

Fragend sah er von seinem Arm auf und knabberte nervös an seiner Unterlippe herum. Schließlich nickte er unsicher.
 

Reita lächelte und strich ihm eine Strähne aus der Stirn. "Wenn du vor mir frei gelassen wirst... Dann möchte ich, dass du mich einmal besuchst, ja? Bitte... nur ein einziges Mal..."
 

Verwirrt blickte er ihn an. Wenn er könnte, wäre er wohl jetzt sprachlos gewesen. Er malte mit dem Finger ein Fragezeichen in die Luft. Es war doch echt zum Haare raufen! Er wollte wieder sprechen!!

Doch damit Reita nicht noch länger warten musste, nickte er so heftig, das sein Nacken schmerzte.

Da kam ihm plötzlich eine Idee. Er krabbelte ganz vorsichtig aus dem Bett. Bedacht auf sein Knöchel achtend und sank auf den dreckigen Bogen, schrieb in den Zentimeterdicken Staub »Warum freilassen? Ich werde nie frei kommen.«
 

"Doch, das wirst du. Ich bin mir ganz sicher, Aoi. Keine Angst. Kommst du mich dann mal besuchen, ja?"
 

Schnell verwischte er die Schrift im Sand und schrieb neu: »Ich war 4 Jahre hier. Warum sollte ich das jetzt tun!? Was ist mit dir? Ich...« Aoi unterbrach sein Schreiben und rang mit sich selbst. Sollte er es schreiben oder... sollte er nicht? Mit zittrigem Finger schrieb er weiter und hielt dabei seinen Kopf gesenkt. »Ohne dich, will ich nicht gehen...« Verlegen biss er sich auf die Unterlippe und wischte es schnell wieder weg. Unsicher linste er mit rosa Wangen zu Reita. Hatte er es noch lesen können...?
 

Reita versuchte etwas zu erkennen, doch Aoi hatte es zu schnell wieder weggewischt... Er hatte nur das mit den vier Jahren lesen können... Traurig nickte er und stand auf. "Schlaf jetzt, ja? Du musst mir nichts versprechen... Es war dumm von mir... Sumimasen~"
 

Seine Gesichtszüge erschlafften und zeigten Unverständnis. Schnell schrieb er: »Ich verspreche es!!!« Woraufhin er ihn traurig ansah und wischte es wieder weg, als er sich sicher war, dass Reita es gelesen haben musste und stand dann etwas wacklig auf. Er schlich sich in sein Bett und ließ sich darin fallen. Die Schmerzen ignorierte er. Wenn nicht einmal das Schreiben etwas brachte, dann ließ er es lieber gleich wieder bleiben...
 

Reita nickte und lächelte. "Hai, Arigatou~... Aoi? Du musst auf dich aufpassen... Bitte... Ich will nicht, dass dir etwas passiert..."
 

Blinzelnd sah er auf und legte den Kopf schief. //Warum redet er nur so...? Als ob ich hier je raus könnte.// Verwirrt nickte er, um Reita zu beruhigen.
 

Reita winkte ab, lächelte aber. Er war sich unsicher, was er tun sollte... Was Aoi wollte... Der junge Mann war ihm so wichtig geworden...
 

//Hö?// Aoi wüsste zu gerne, was im Moment in Reita's Kopf vor sich ginge, doch leider war er kein Superhirn, das er Gedanken lesen konnte oder so beherrschte... Blieben ihm also weiterhin die Fragen im Kopf verankert, wenn er sie nicht womöglich nicht vergaß. Er hatte schließlich schon viel in diesen Gemäuern vergessen. Warum er hier war, vieles aus seiner Vergangenheit und ja sogar manche Gefühle...

Der Ältere sah ihn fragend an, nein... durch ihn hindurch und war in seinen wirren Gedanken vertieft.
 

"Was...?" Reita bemerkte den merkwürdigen Blick und konnte ihn nicht deuten. "Aoi... Kannst du gar nicht mehr reden...?" Er sah ihn verzweifelt an.
 

Und ebenso verzweifelt erwiderte der Angesprochene den Blick, bevor er resigniert den Kopf schüttelte. Dann, um es ihm zu beweisen, öffnete er den Mund und versuchte seinen Namen auszusprechen, aber es kam nur ein röchelnder Laut heraus... Er fasste sich an die Kehle und versuchte es nochmal und nochmal, doch es wollte einfach nicht gelingen...
 

Reita seufzte auf. "Ich will dir helfen, Aoi... So dringend... Soll ich einen Arzt rufen, wegen deiner Stimme?" Er sprach leise, war traurig, dass sie jetzt nicht einmal mehr miteinander reden konnten...
 

Er biss sich zögernd auf die Unterlippe und überlegte. Er mochte die Männer aus diesem Gefängnis nicht. Selbst den Arzt nicht, da er seit 4 Jahren tatenlos zusah, wie er gequält wurde. Doch er wollte auch wieder sprechen können... Es half wohl nichts. Aoi nickte ergeben und ließ dann den Kopf etwas hängen.
 

Reita zögerte selbst noch ein bisschen und umarmte ihn dann. "Ich weiß wie du dich fühlst... Ach Aoi... Ich will dir nicht weh tun, hörst du?"
 

Seufzend ließ er sich in seine Arme sinken und strich zaghaft über seinen Rücken. Als er aber davon sprach, ihm nicht wehtun zu wollen, hörte er abrupt damit auf und sah ihn verwirrt an. >Willst du es etwa...?<, formte er mit dem Mund, ganz langsam, so das Reita versuchen konnte, es ihm von dem Lippen ablesen zu können. Seine Arme ließ er etwas verkrampft auf das Bett nieder sinken. Würde Reita ihm auch weh tun wollen...???!
 

Reita erschrak so heftig, als er entzifferte, was Aoi sagte, dass er ihn sofort los ließ und heftig den Kopf schüttelte. "NEIN! Nein niemals!!!" Er wich zurück. Hatte Aoi solche Angst vor ihm?
 

Aoi hätte erleichtert sein sollen, doch da Reita so heftig reagierte und von ihm Abstand nahm, schniefte er nur kurz auf und umarmte ihn einfach. Wenn der andere vor ihm Angst hatte oder ihn doch nicht leiden konnte, dann würde er das spätestens jetzt wohl merken, wenn er ihn von sich stieß... Wo blieb der Arzt nur...?
 

Reita legte im Gegenteil die Arme um ihn und drückte ihn kurz fest an sich. Dann ließ er ihn los und stand auf, schlug gegen die Gitterstäbe. "Hallo?! Einen Arzt!!! Wir brauchen einen Arzt!!!"
 

//Warum lässt du jetzt los...? Ah... einen Arzt. Vielleicht die Rettung...// Gespannt sah er zu Reita hinüber und machte sich über seine noch gesunde Hand Sorgen, die gegen die Gitterstäbe schlug.
 

"Was machst du da drüben für einen Lärm?! Du weckst ja alle!", schimpfte eine Wache und machte sich, vor sich hin fluchend, auf den Weg zu Reita's und Aoi´s Zelle. "Was nervst du hier rum? Ist er endlich tot? Ach nee... lebt ja immer noch." Genervt verdrehte er die Augen und sah abwertend zu den beiden. "Was ist los? Stört euch das harte Bett? Die dünne Decke? Willkommen im Gefängnis Junge."
 

"Einen Arzt!" knurrte Reita die Wache an. "Er bekommt kaum mehr Luft..." Wenn er nur sagte, dass er nicht mehr reden konnte, würden ihm die Wachen niemals helfen... "Er hat Schmerzen im Hals!"
 

"Knurr mich nicht an! Kaum Luft? So sieht er aber nicht aus..." Er sah zu Aoi, der plötzlich gar nicht mehr aufrecht saß, sondern sich auf dem Bett hin und her wand und immer wieder nach Luft zu schnappen schien. Auch seine Augen verdrehten sich öfters und ein Röcheln ließ sich vernehmen. //Hä? Gerade saß er doch noch aufrecht da und sah kerngesund aus.// "Wollt ihr mich verarschen?!", fragte er etwas verwirrt.

Plötzlich kullerte Aoi vom Bett und tat so, als ob er der Ohnmacht nahe sei.

"Ist ja schon gut! Tritt vom Gitter zurück, Nummer 1309!", sagte er etwas panisch klingend. Er musste an die Worte seines Chefs denken und schluckte schwer. "Wird´s bald mal!"
 

"Hai!" 'Erschrocken' sprang er zurück und machte dem Wärter Platz. Er war froh und dankbar, dass Aoi so gut mitspielte...
 

Der Wärter platzte in die Zelle und griff sich Aoi an den Handgelenken, zog ihn etwas grob auf die Beine. "Los! Beweg dich!", schrie er und drückte ihm den Knüppel gegen die Wirbelsäule.

Ängstlich, wie der Schwarzhaarige jetzt wieder war, tat er nicht mehr, als würde er gleich an Luftmangel krepieren, sondern lief rasch voraus.

Der Wärter schloss die Zellentür hinter sich und ließ Reita zurück.
 

Der Arzt besah ihn misstrauisch, als er in sein Arztkämmerchen gebracht wurde und winkte den Wachmann hinaus. "Was ist mit dir?", fragte er und sah, das Aoi etwas humpelte, als dieser näher trat. "Verstehe... Deshalb haben sie dich aus der Zelle geholt? Äußerst ungewöhnlich..."

Der Mann nahm sich des verletzten Fußes an und verband ihn schließlich. Dann seufzte er und winkte ihn raus. "Du bist fertig." Aoi schüttelte aufgeregt mit dem Kopf und sah sich nach einem Stift um. Als er einen gefunden hatte, schrieb er auf einem Zettel: >Ich kann nicht mehr sprechen!< Der Arzt besah sich die Worte und zog Aoi zurück auf einen Stuhl. "Mach mal Ahhhhh!" Aoi gehorchte und ließ den Mann machen, wie er da in seinen Rachen hinein sah. "Versuch mal zu sprechen." Aoi versuchte es... wieder erfolglos. Der Arzt legte alles beiseite, schmunzelte und überlegte angestrengt. Dann klopfte er ihm seufzend auf die Schulter. "Du hast wahrscheinlich einen Schock erlitten, der dir deine Stimme nahm. Du wirst es erst wieder können, wenn du es wirklich vom ganzen Herzen willst. So... und jetzt ab in deine Zelle!"

Er pfiff nach dem Wärter und ließ den Schwarzhaarigen zurückbringen, wo er ihn in die Zelle zurückstieß. "Schlaft endlich!" Dann ging er...
 

Reita zuckte zusammen, als Aoi wieder kam und sah ihn aufmerksam an. "Kannst du wieder sprechen? Haben sie dir was getan? Du siehst völlig fertig aus... Sag doch bitte was..."
 

Der Schwarzhaarige kam zum stehen und sah zu Boden. Er hatte ihn nicht enttäuschen wollen... Er schüttelte den Kopf und schrieb mit der Fußspitze auf dem Boden: »Stimme wegen Schock verloren. Dauert etwas, bis ich sie wieder habe... Tut mir Leid.« Dann torkelte er zu seinem Bett und setzte sich darauf, bedeckte sein Gesicht mit seinen Händen und schluchzte vor sich hin.
 

Reita schluckte, dann setzte er sich neben Aoi und nahm ihn in den Arm. "Hey... Ist schon gut... kein Grund zur Aufregung... Wir schaffen das schon... Hauptsache ist doch, dass du überhaupt noch reden kannst!"
 

Aoi klammerte sich hilflos an den Blonden, wollte ihm am liebsten nie wieder loslassen, was ihn doch etwas verwirrte, da er seit Jahren niemanden mehr an sich heran gelassen hatte. Nicht einmal von seinem vorigen Zellengenossen! Es wird eine Zeit kommen, wo Reita sich von ihm abwenden würde, das wusste er, denn... wer möchte schon mit ihm zu tun haben wollen?! Mit jemanden, der nicht spricht und andauernd heult und jammert...?! Diese Gedanken ließen ihn noch heftiger weinen, doch er versuchte es diesmal stumm geschehen zu lassen, mit dem Gesicht an seiner Brust. Er kam sich so armselig vor... Was er auch die letzten vier Jahre gewesen war... für die Wärter, für alle, die ihn kannten und für sich selbst. Dachte Reita vielleicht auch so...? Es würde ihm das Herz brechen...
 

Reita hielt Aoi fest im Arm und drückte ihn an sich. Die Tränen durchnässten sein Hemd völlig, doch Reita ließ es zu, lächelte ein bisschen, um Aoi zu beruhigen und strich mit seinem gesunden Arm über Aoi's Rücken. Er mochte den Schwarzhaarigen so sehr. Noch lieber hätte er es allerdings, wenn dieser frei wäre... Hoffentlich hatte der Anwalt seine flehende Bitte erhört...
 

Und wie das half! Zu schnell beruhigte er sich wieder, da Reita über seinen Rücken strich. Schon seltsam was solch eine kleine Geste alles bewirken konnte. Doch irgendwie schaffte das der andere auch so gut. Sie würden das schon irgendwie aushalten hier und er nahm sich vor, seine Stimme wieder zu bekommen, damit auch Reita sich nicht so einsam fühlen musste. Er brauchte schließlich auch jemanden zum reden! Er wischte sich mit der Hand über die Nase, schluchzte kurz auf und sah dann zu ihm auf. >Tut mir Leid<, formte er wieder mit den Lippen, senkte wieder den Blick und strich über sein teilweise benässtes Shirt.
 

Reita nickte nur und lächelte. "Shh... Schon gut..." Er wusste allerdings langsam nicht mehr weiter. Was sollte er denn schon sagen? Der andere konnte sowieso nichts sagen... Reita schloss kurz die Augen, dann sank er plötzlich nach vorne und schlug auf dem Boden auf. Er hatte einfach so das Bewusstsein verloren...
 

Wenn er gekonnt hätte, dann hätte er ganz sicher vor Überraschung geschrien oder irgendetwas gesagt, aber so kippte er einfach und wortlos mit Reita um, da er ja noch recht eng bei ihm gesessen hatte und er nach vorne kippte. Plötzlich.. ganz ohne Grund. Was war nur los? Doch lange konnte er sich keine Gedanken darum machen, da er an der Bettkante aufkam und sie beide vom Bett abrutschten, um kurz darauf auf dem harten Steinboden aufzukommen. Aoi verdrehte die Augen vor Schmerz, als sein Kopf auf dem Boden aufkam und er mit seinem Körper den Sturz Reitas aufhielt, driftete in die Dunkelheit ab und wurde ebenso, wie Reita es wohl geworden war, auch ohnmächtig...
 

~+~
 

Sakito war inzwischen nicht untätig gewesen. Kaum hatte er Herr Takashimas Wohnumgebung verlassen, war er zur Autowerkstatt geeilt, um endlich seinen Wagen abzuholen, um dann nach Hause zu fahren und alles, was er in den Gemäuern des Gefängnisses im Kopf eingefangen hatte, nieder zuschreiben und sich von allen seinen Mitschriften eine Kopie anzufertigen. Die Originale schickte er an das Gericht, mit der Bitte, ein Verfahren einzuleiten. Er wolle den unschuldigen Reita Suzuki aus diesem Gefängnis holen. Dann hatte er wie ein Wahnsinniger herum telefoniert und bat einige, in den Fall verwickelte, Personen, seine Zeugen sein zu können und fuhr daraufhin erneut los. Auf den Weg zu Uruha's Wohnung, rief er bei diesem an. Seine Nummer hatte er sich ja mal bei Herrn Suzuki`s Eltern notiert gehabt. Ungeduldig tippelte er mit dem Finger auf dem Lenkrad herum.
 

Uruha saß zu Hause in der Küche und stocherte etwas lustlos in seinem Essen rum. Er hatte es sich zubereitet, bevor er vor Hunger noch umkippte. Sobald er es fertig hatte und davor saß, war sein Hunger wieder verflogen. Von dem Geruch wurde ihm übel und nun stocherte er nur noch mit dem Löffel darin herum.

Leise seufzend wollte er noch einen Happen essen, wurde aber von seinem Telefon unterbrochen. Er sah auf und wandte seinen Blick Richtung Wohnzimmer.

Seufzend legte er den Löffel weg, stand auf und ging zum Telefon.

"Moshi moshi?", fragte er in den Hörer als er abgenommen hatte.
 

Sakito hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben gehabt, als am anderen Ende der Leitung doch noch jemand ran gegangen war und wie er sich erhofft hatte, war es Uruha. "Herr Takashima! Guten Abend. Ich bin es Sakito. Geht es Ihnen gut?? Was tun Sie gerade? Ich hoffe, Sie haben etwas gegessen?", sprudelte er los und biss sich, um sich Einhalt zu gebieten, auf die Unterlippe.
 

Erst war Uruha etwas überrascht die Stimme des Anwalts zuhören, doch irgendwie beruhigte ihn das sofort.

Er hörte sich die Fragen des anderen an und antwortete dann etwas langsamer als der andere: "Ja, es... es geht mir gut. Ich war gerade beim Essen."

Er wandte seinen Blick auf den noch fast vollen Teller und schwieg dann für einen Moment.

"Ano, weswegen rufen Sie an? Gibt es Neuigkeiten?"
 

"Oh dann störe ich Sie gerade? Tut mir Leid. Ich will Sie auch nicht lange aufhalten. Ich habe alles für eine richterliche Verhandlung vorbereitet und muss mich nun nur noch um diesen mysteriösen Aoi kümmern, zu Liebe Ihres Freundes. Ich mache mir nur Sorgen, wegen der Worte von Herrn Suzuki, da er Sie darauf aufmerksam gemacht hat, das der Täter noch in der Nähe sein könnte und Ihnen vielleicht etwas antun will. Er könnte Recht haben! Gehen Sie lieber nicht mehr aus dem Haus, es könnte gefährlich werden. Wenn Sie etwas brauchen, müssen Sie mir nur Bescheid sagen. Schließen Sie zu Hause alles gut zu und bleiben Sie ruhig. Ich werde immer in Ihrer Nähe sein, hai? Ano... Lassen Sie es sich schmecken. Ich muss jetzt Schluss machen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten."
 

Uruha hörte den Worten des anderen weiterhin zu und schluckte leicht. Dann war Sakito also auch der Meinung, dass er noch in Gefahr sein könnte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und er sah vorsichtshalber kurz aus dem Fenster.

"Hai, okay~ Ich verstehe... Ich... werd alles abschließen.", antwortete Uruha und verließ die Küche ins Wohnzimmer, wo er sich ebenfalls nochmal umsah. "Danke, dass Sie das alles tun~", fügte er noch hinzu und setzte sich auf seine Couch.
 

"Okay, gut... Dann kann ich beruhigt sein. Und öffnen Sie die Tür nur, wenn Sie meine Stimme hören, oder erwarten Sie Besuch von jemanden?", fragte er und parkte das Auto am Bürgersteig. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. "Ich lebe, um anderen zu helfen und ihnen Freude zu bereiten, Herr Takashima. Das macht mich glücklich. Ich tue das gerne.", erklärte er lächelnd und stieg aus, sah sich aufmerksam um, während er mit seiner freien Hand das Auto abschloss und sich die Jacke enger um den Körper zog. "Also dann... schlafen Sie gut und sicher." Mit diesen Worten legte er auf, schloss seine Jacke richtig und atmete tief ein. //So schwer kann das ja nicht sein...// Er trat in die Dunkelheit. "Hizumi?!", rief er laut.
 

"Nein, erwarte ich nicht. Okay... dann... kommen Sie also morgen nochmal vorbei?", fragte er und irgendwie kam ein Gefühl der Freude auf, wenn er daran dachte. Er schüttelte leicht den Kopf über sich selbst und fuhr dann fort: "Danke schön, dann bis dann..."

Er hörte das monotone Piepsen aus dem Hörer und legte dann ebenfalls auf. Er atmete tief durch, stand auf und schloss die Haustüre ab. Dann kümmerte er sich um die Fenster, die er ebenfalls alle abschloss. Dann setzte er sich mit einer Packung Eis und einer Decke auf die Couch. Das Essen ließ er in der Küche stehen.

Er zog die Knie an und aß lieber das Eis.
 

"Ja, werde ich machen.", versprach er ihm und hatte dann aufgelegt.
 

"Hizumi?! Ich bin es, Sakito!", rief er noch einmal und wurde langsam ungeduldig.

"Was wollen Sie von ihm?!", kam es plötzlich aus der Dunkelheit und eine große Gestalt ließ sich im Schatten einer Laterne vernehmen. Sakito erschrak und drehte sich zu der Gestalt um. "I-Ich bin Sakito. Der Anwalt von Hizumi. Er meinte, dass wenn ich Hilfe bräuchte, einfach nach ihm rufen sollte. Bitte... bringen sie mich zu ihm!" Die Gestalt lachte in einem gruseligen Ton und kaltes Metall blitzte in der Dunkelheit auf. "Sie zu ihm bringen? Um dann zu sterben? Das können wir auch gleich erledigen, wenn Sie schon so mutig sind." Sakito bekam große Augen vor Schreck und trat einige Schritte zurück, stieß dabei auf etwas... oder besser gesagt jemanden. "Bitte. ich muss ihn sehen!", bat er und trat nun auch vor der zweiten Person zurück, die ein Messer in der Hand hatte. "Was seid ihr eigentlich für Gestalten? Wisst ihr, dass ihr wegen Waffenbesitz ins Gefängnis kommen könntet?", fragte er und war wieder ganz Anwalt. Vielleicht konnte er ihnen Moral predigen und sie würden ihn gehen lassen. Doch noch ehe er sein Amt walten lassen konnte, trat eine dritte Gestalt aus der Dunkelheit und lachte. Lachte nicht, wie es der andere getan hatte, sondern viel fröhlicher. Sakito erkannte ihn sofort. "Hizumi!" Erleichtert ging er auf ihn zu, doch blieb erstarrt stehen, als eine Waffe in seinen Nacken gelegt wurde. "Keinen Schritt weiter!", zischte jemand ganz dicht an seinem Ohr und ein Schauer überkam ihn. "Jungs ist schon gut. Er gehört zu mir.", sprach Hizumi und erlöste ihn von den bedrohlichen Waffen. "Danke...", murmelte der Anwalt und zitterte leicht. "Gehören die zu dir? Sag ihnen, dass sie keine Waffen tragen dürfen! Auf mich hören sie nämlich nicht." Er verschränkte die Arme vor der Brust und schien zu schmollen, worauf der schwarzhaarige Hizumi erneut lachen musste. "Nun... ano... Das ist nicht so leicht zu erklären, aber... manchmal braucht man die eben.", rechtfertigte er seine Freunde, die auf einen Wink ihre Waffen einsteckten. "Um andere zu bedrohen?!" "Nein, um sich zu schützen." "Aha... Ja, wie auch immer. Ich bin nicht wegen deinen Freunden hier. Ich brauche deine Hilfe Hizumi."
 

Dieser sah ihn leicht schmunzelnd an und legte seine Hand auf seine Schulter. "Dann schieß mal los. Soll ich jemanden umbringen?" Mit großen Augen sah ihn Sakito an. "Das... war ein Scherz. Gut, sowas lass ich demnächst.", versprach Hizumi und seufzte schwer. "Über sowas macht man keine Scherze!" "Ja Papa... Jetzt sag schon. Was ist so dringend?"

Sakito überhörte das >Papa<, so alt kam er sich dann doch nicht vor, und überlegte, wie er es ihm erklären sollte. "Also da gab es einen Mord und-" "Ahhh ~ Hört sich doch schon mal interessant an." "Lässt du mich jetzt bitte ausreden?" "Gomen nasai..." "Also es gab einen Mord. Mein Klient und seine Affäre teilten sich für eine Nacht ein Bett und-" "Jetzt wird´s dreckig.", giggelte Hizumi und bekam ein genervtes Murren zur Antwort. "Schon gut...", murmelte der andere etwas Kleinlaut und spitzte wieder die Ohren.

"In der Nacht wurde seine Affäre umgebracht. Kennst du einen gewissen Tatsuya Minamoto?" Hizumi erstarrte bei dem Namen. "Was ist mit ihm?" Seine Stimme klang plötzlich eiskalt, was Sakito stocken ließ. "E-er war die A-Affäre..." Aufgeregtes Getuschel drang von überall her, schien ihm, und ließ ihn schmunzeln. "Du kennst ihn, oder?" Hizumi ging auf und ab und fluchte leise vor sich hin. "Ja, das tue ich.", knurrte er schon fast. "Darf ich fragen woher?" Hizumi blieb stehen und fixierte Sakito mit einem ärgerlichen Blick, bevor er sich schnell wieder abwandte und sich kurz die Hände vor´s Gesicht hielt. Als er sein Gesicht wieder frei gab, sah er etwas betrübt aus und kam auf den Anwalt zu. Mutig blieb dieser stehen. "Es gibt Dinge, die muss man nicht wissen. Ich kenne ihn, da er ein guter Freund von mir war, okay?" Hm... okay." Er akzeptierte es, dass Hizumi es ihm nicht verraten wollte und fuhr mit seiner Erklärung fort: "Mein Klient hatte ihn in der Disco kennen gelernt und na ja... überlebte. Anscheinend wurde Herr Minamoto gezielt umgebracht von einem Mörder. Mein Klient rief am nächsten Tag seinen besten Freund an, der ihm natürlich sofort beistand und während Herr Takashima, mein Klient, floh, folgte ihm sein Freund nicht, denn der wurde festgenommen und ins Gefängnis gebracht." "Du meinst... DAS Gefängnis, in dem alle irre werden, wenn sie auch nur ein paar Monate drin waren?!" "Ja, ich glaube, wir sprechen vom selbigen.", meinte Sakito schmunzelnd und wieder wurde es um sie herum laut. Er sah sich um und erkannte überall dunkle Schatten. "Hizumi? Sind das alles deine Freunde?", fragte er ihn im Flüsterton und richtete sich den Kragen seines Anzuges. "Ja, sind sie. Sie brauchen keine Angst haben. Lassen Sie mich raten... Sie wollen den Freund ihres Klienten dort raus holen?" "Ganz genau. Denn er ist ganz sicher nicht der Mörder. Der schweift hier noch irgendwo herum. Und nun kommen wir zu meiner Bitte. Könnten Sie, bis die Gerichtsverhandlung kommt, auf meinen Klienten Herrn Takashima aufpassen? Der wohnt gleich da vorne." Er zeigte auf das Haus von Uruha. Hizumi sah mit stark zusammengekniffenen Augen zu dem Haus und zog eine Augenbraue hoch. "Das ist Ihre Bitte??", fragte er leicht überrascht. "Ich hatte da mit etwas anspruchsvollerem gerechnet, als den Babysitter zu mimen." "Hizumi bitte! Der Mörder könnte auch ihn umbringen wollen!" Der Schwarzhaarige sah nun interessiert zu dem Gebäude. "Nur von außen schützen. Er hat alles abgeschlossen, hoffe ich, doch der Mörder könnte trotzdem hier auftauchen. Würdest du es schaffen, ihn zu fangen und ihn festzuhalten, bis die Verhandlung ist? Bitte!" „Ano... Das ist kein Problem." Hizumi grinste bösartig und einige Umstehende lachten schaurig auf.

Ängstlich sah sich Sakito wieder um. "Müsst ihr immer so lachen?" "Jup, steht ihm Buch: Wie wirkt man schaurig und angst einflößend." "Sowas gibt es?" "Nein, natürlich nicht. Aber ich könnte es ja irgendwann mal verfassen." Hizumi grinste den Anwalt breit an und lachte drauf los, als der wieder etwas verwirrt drein schaute. "Wir kümmern uns um den Typen. Keine Sorge Sakito." "Danke. Ähm... wenn ihr ihn habt, könntest du ihn ins Gerichtsgebäude bringen? Ich informiere dich vorher über Ort und Zeit." Der Dunkelhaarige vergaß das Lachen und verschluckte sich beinahe dran. "Ich? Ins Gerichtsgebäude? Wo überall Polizisten sind?" "Hai...?" Hizumi murrte und winkte jemanden heran. "Wir werden ihn dir bringen." Sakito musterte seinen Freund fragend. "Um einen guten Eindruck zu machen, werde ich mit meiner ´Frau´ kommen.", meinte Hizumi und sah ihn ernst an. "Du hast eine Frau?!", kam es von alles Seiten, selbst von Sakito. Der Gefragte zeigte auf seinen Kumpel, den er zu sich gerufen hatte und erklärte den Umstehenden: "Mit etwas Schminke und einer passenden Verkleidung würde das doch hinhauen oder?" Lautes Gelächter drang durch die Dunkelheit und der Gemeinte, Hizumis ´Frau´, senkte verlegen den Blick. "Ach komm schon, Tsukasa. Du wirst schon nicht sterben. Siehst dann nicht viel anders aus." Das Opfer dieses Planes, Tsukasa wie Sakito erfuhr, versank förmlich im Erdboden. "Das ist gemein!", knurrte er. Gerade als Hizumi ansetzen wollte, ihn weiter etwas ins Lächerliche zu ziehen, unterbrach ihn Sakito schnell. "Ist gut! Kümmert euch darum. Danke." Verdutzt sahen ihn die beiden an, wobei der Blick von Tsukasa eher Dankbarkeit ausdrückte. "Ja... meld dich einfach. Meine Nummer hat sich nicht geändert." Der Anwalt nickte, winkte den beiden lächelnd zu und beeilte sich zu seinem Auto zu gelangen. Er stieg ein und fuhr los. Ab nach Hause, um geschafft ins Bett zu fallen. Was für ein Tag!
 

~+~
 

Schlussendlich hatte Uruha sowohl die Türe als auch alle Fenster geschlossen. Nun stand er an eben einem und sah nach draußen auf die Straße. Ob er wirklich in Gefahr war? Er zog die Vorhänge zu und drehte sich dem Raum zu. Er sah sich etwas darin um und ging dann auf die Couch zu, auf die er sich dann langsam sinken ließ. Was sollte er denn jetzt die ganze Zeit machen?

Nichts tun und warten, dass irgendetwas passierte? Doch ziemlich nervös stand Uruha wieder auf und ging in die Küche. Einfach rumsitzen klappte im Moment nicht, dazu hatte er zuviele Gedanken die in seinem Kopf herumschwirrten.

Er räumte die Küche soweit wie möglich auf und putzte sie ungefähr 3 Mal komplett durch, nur, um irgendwie die Zeit vorbeiziehen zu lassen und die Gedanken zu vertreiben.

Danach ging er wieder zurück ins Wohnzimmer und blieb stehen. Er hatte keine Lust mehr aufzuräumen, also entschloss er sich erstmal duschen zu gehen. Er betrat das Bad, zog seine Klamotten aus, die er sorgfältig neben ein Handtuch auf den Wannenrand legte und stieg unter die Dusche. Das warme Wasser, das über seinen Körper lief entspannte ihn für einige Minuten.

Nach einer Weile stellte er das Wasser ab und lauschte. Er dachte er hatte Geräusche gehört, doch jetzt war da nichts mehr. Musste wohl das Wasser gewesen sein. Uruha schüttelte den Kopf und verdrehte leicht die Augen über sich selbst. Er stieg aus der Dusche, schnappte sich ein Handtuch und trocknete sich ab. Er warf einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass er eine halbe Stunde geduscht hatte. Doch so richtig vergangen war die Zeit trotzdem nicht. Er verließ das Bad in Richtung Schlafzimmer und suchte sich dort ein paar Klamotten raus, die er sich überzog. Bei jedem Geräusch zuckte er zusammen und bald musste er über sich selbst Lachen. Das war doch wirklich übertrieben. Das Lachen wurde wenig später zu Tränen. Er ließ sich am Schrank entlang auf den Boden sinken und fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen. Sein Leben war im Moment alles andere als angenehm. Die Vorwürfe die er einfach nicht loswurde, die Angst, dass nocheinmal etwas passieren könnte, dass er vielleicht nochmal jemanden mit hineinzog, einfach alles wurde ihm im Moment zuviel. Erst ziemlich spät, nachdem er eine ganze Weile auf dem Boden saß, ging er ins Bett und versuchte zu schlafen.

Zerstörte Seelen...

Reita kam nur langsam wieder zu sich. Er rappelte sich hoch und sah irritiert zu Aoi, der neben ihm lag, schlafend... oder ohnmächtig? Mit aller Anstrengung hievte der Blonde den jungen Mann ins Bett. Was war passiert? Warum wachte er auf dem Boden liegend auf? Er strich Aoi durchs Haar und spürte die Beule, schluckte dann. //Aoi...// Trotzdem war es besser, wenn die Wächter sie nicht wieder zusammen erwischten... Er kletterte hoch in sein Bett und zog die Knie eng an den Körper.
 

Auch Aoi wurde langsam wach. Jedoch mit Kopfschmerzen, wie er als erstes feststellen musste. Er hielt sich den Kopf und kniff die Augen zusammen. //Aua...// Nachdem die Schmerzen etwas verebbt waren, blinzelte er auf und sah sich um. Verdutzt richtete er sich auf. Warum lag er nicht mehr auf dem Boden? War er nicht mit Reita aus dem Bett gefallen?... Reita! Wankend stand er auf und sah zu Rei, der auf seiner Liege zu schlafen schien. Enttäuscht setzte er sich wieder und lehnte sich gegen die kalte Steinmauer. Hoffentlich würden sie heute etwas zu essen und zu trinken bekommen...
 

Reita schlief nicht, aber er hatte nicht mehr die Kraft sich zu bewegen... Er musste gerade stark für zwei sein, und das war verdammt hart... Er seufzte leise, wusste aber nicht, wie er Aoi so richtig helfen konnte...
 

Auch der Schwarzhaarige seufzte leise vor sich hin und starrte Löcher in die Wand, als plötzlich ein Wärter an die Gitterstäbe trat und ihnen mit dem Fuß zwei kleine Schälchen zu schob und dann noch zwei weitere. Er warf ihnen einen griesgrämigen Blick zu und marschierte dann davon. Verwirrt sah der Schwarzhaarige ihm kurz noch hinterher, ehe er zu den Schälchen ging und misstrauisch hineinsah. Seine Laune besserte sich schlagartig, als er das glibbrige Essen sah, was er noch immer nicht zu definieren wusste und er nahm ein Schälchen davon und humpelte leicht zum Bett. Er berührte Reita kurz am Arm, damit dieser auf ihn aufmerksam werden würde. Er lächelte leicht und sah erwartungsvoll auf. Das Schälchen in den Händen an seine Brust gedrückt, damit es auch ja nicht zu Boden fiel.
 

Reita drehte sich um und sah ihn fragend an. "Was ist los? Alles okay? Oh... Essen?" Reita war nicht halb so begeistert wie Aoi und schüttelte den Kopf. "Iss du es. Ich hab keinen Hunger..."
 

Das Lächeln des Schwarzhaarigen erstarb und in seinem Gesicht spiegelten sich Unverständnis wider. Er schüttelte besorgt den Kopf und hielt ihm die Schale hin. //Du musst doch essen...//

>Bitte<
 

Reita lächelte, lehnte das Essen aber ab und nickte zu ihm. "Iss du was. Du hast es nötiger. Na los doch..."
 

Aoi ließ die Schale traurig sinken und hielt die Schale mit frischem Trinkwasser hin. Irgendwas musste Reita doch zu sich nehmen!
 

Der Blonde sah furchtbar traurig aus. Er schüttelte den Kopf und murmelte ein "Später... Iss du etwas..." Dann setzte er sich auf, umschlang seine Knie mit den Armen und legte den Kopf darauf. Was hatte er getan? Er hatte seine Freiheit für Uruha aufgegeben und dieser... dieser fühlte sich jetzt furchtbar schlecht... Er hoffte inständig, dass Sakito sich um Aoi's Fall kümmern würde...
 

Diese Traurigkeit, die er in Reita's Gesicht erblicken konnte, versetze ihm einen Stich ins Herz und ließ ihn leicht zittern. Er gab es auf, ihm etwas anbieten zu wollen und stellte seine beiden Schalen neben das Bett. Der Schwarzhaarige schlich auf die anderen beiden Schalen am Gitter zu und brachte sie zu seinem Bett, um sich darauf zu setzen und stellte dann die Wasserschale auf dem Boden ab und nahm sich die andere Schale. Lustlos besah er das wabbelige Zeug und aß stumm und ohne jegliche Gefühlsregung die Hälfte davon leer. Es schmeckte nach nichts, aber der Hunger trieb es rein, so wie es auch die letzten Jahre gewesen war... Dann stellte er auch diese Schale auf dem Boden ab und legte sich hin. Dachte über Reita nach und darüber, was der Wächter vorhin zu diesem gesagt hatte. Er hatte Besuch bekommen...? Und danach hat er so seltsame Dinge zu ihm gesagt. Hing das irgendwie miteinander zusammen?
 

+~+
 

Sakito war recht früh am Morgen aufgewacht und hatte sich zu aller erst ins Bad geschlichen, um sich zu duschen und danach nackt, wie Gott ihn schuf, in sein Zimmer zu schlurfen und sich Sachen zum Anziehen heraus zu suchen, und sich anzuziehen. Etwas wacher lief er dann in seine Küche und setzte den Kaffee auf, während er sich Brote schmierte. Dann frühstückte er und musste über seinen heutigen Tag nachdenken. Er würde sich zuerst einmal die Akte von Aoi angucken und sehen, was er für diesen Mann machen konnte. Dann, im Laufe des Tages, würde er seinem Klienten... also Herr Takashima einen Besuch abstatten. Bei den Gedanken an den Blonden, schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen, was er aber mit einem verlegenden räuspern recht schnell wieder verbannte. Er musste sich zusammenreißen!

Um sich abzulenken, stellte er das Radio ein und frühstückte ausgiebig, spülte alles mit dem Kaffee hinunter und lief dann mit eiligen Schritten zu seinem Laptop. Die Tatkraft hatte ihn gepackt und wachgerüttelt. Er griff in seine Tasche und holte die Akte hervor, um sie mit einem Staublappen zu säubern. //Die schludern ganz schön damit...// Er fertigte eine Tabelle in einem Programm an und wählte den Namen >Yuu Shiroyama< als Überschrift, da dieser Name in der Akte stand. Dann schmunzelte er und fragte sich, warum Herr Suzuki ihn Aoi nannte.

Schulterzuckend machte er sich an die Arbeit, die gesamte Akte durchzuforsten und alles Wichtige auf seinem Laptop zu notieren.

"Hm... sieht mir nicht nach einem Massenmörder aus, wie es hier geschildert ist. Zumindest sieht das Foto recht unscheinbar aus... Besuch bei den Eltern." Er nickte und stand auf. Notierte sich noch schnell die Adresse und machte sich auf den Weg...
 

+~+
 

Reita schwieg und hoffte einfach nur, dass der Tag schnell rum ging... Er hatte keine Lust mehr und keine Kraft...
 

+~+
 

Der Boss des Gefängnisses in Tokyo, befand sich derzeit in der Luft in einem Privatflieger, der in Bangkok gestartet war. Er vermisste seine zwei Spielzeuge und hatte sich deswegen auch rasch aufgemacht, um sich das zu holen, was sein Herz bzw. sein Schwanz brauchte. Ein dreckiges Grinsen schlich sich auf seine Gesichtszüge, als er an die beiden dachte und leckte sich über die Lippen, als er bei dem noch fast ungebrauchten Blonden hingen blieb. Als der Pilot ihm mitteilte, dass sie gleich landen würden, lachte er schaurig auf und rieb sich freudig die Hände.
 

+~+
 

Reita ahnte nicht, was ihm bevorstand. Er hatte oft angesetzt, um mit Aoi zu reden, ihn versucht aufzumuntern und ihm Mut zu zusprechen... Doch nun schwieg er wieder und starrte ins Leere.
 

+~+
 

Uruha hatte in der vergangenen Nacht das erste Mal in den letzten Tagen ein paar Stunden Schlaf gefunden. Trotzdem wurde er recht früh wach und saß nun in seinem Wohnzimmer. Er hatte sich nicht umgezogen, da er im Moment das Haus sowieso nicht verlassen sollte und es somit nicht für nötig gehalten hatte.

Schweigend saß er auf seiner Couch und stocherte lust- und appetitlos in seiner Müslischüssel.

Irgendwann ließ er das Müsli Müsli sein, ließ den Löffel in der Schüssel liegen und schob diese ein Stück von sich weg. Die Decke die er um die Schulter liegen hatte, ließ er zurück auf die Couch rutschen.

Er stand auf und ging zu einem der Fenster. Den Vorhang schob er beiseite und warf einen Blick nach draußen. "Hm...", seufzte er, holte sich kurz seine Zigarettenschachtel, stellte sich wieder ans Fenster, öffnete dies und machte sich eine Zigarette an.

Die frische Luft von draußen fühlte sich kalt an und nach kurzer Zeit fröstelte Uruha leicht.
 

+~+
 

Als Sakito vor dem Haus stand, in dem Yuu´s Eltern leben sollten, konnte er sein Pech kaum fassen und verfluchte die alte Akte dieses Jungen. In dem Haus wohnten nämlich keine Shiroyamas mehr, sondern irgendein altes Ehepaar, wie er feststellen musste, als er durch ein Fenster gespäht hatte. Seufzend erklomm er die Treppe und klingelte. Nach schier einer Unendlichkeit öffnete ihm ein alter Mann mit Brille und Krückstock. "Verzeihen Sie... aber ich habe meine Brille verlegt. Wer sind Sie...?", fragte er röchelnd und Sakito machte große Augen. //Oh Gott... Hoffentlich werde ich später nicht so einer sein.//, dachte er und verbeugte sich höflich. "Guten Tag. Mein Name ist Sakito und-" "Waas? Nein, wir haben hier keine Moskitos. Oder sagten Sie, das sei Ihr Name?" Der Anwalt wurde von einem überdimensionalen Drop erschlagen und räusperte sich. "Nein, mein NAME IST SAKITO!" "Schreien Sie doch nicht so, ich bin nicht taub. Wollen Sie hereinkommen, Herr Moskito?" //Von wegen nicht taub...// Er atmete tief ein und nickte lächelnd. "Das wäre sehr freundlich von Ihnen." „Tierfreunde nehmen wir immer gerne auf, obwohl ich sagen muss, diese kleinen Insekten sind recht lästig." Demonstrativ fuchtelte er in der Luft herum, als wolle er eine Fliege oder ähnliches beseitigen und trat einen Schritt zur Seite, um Sakito eintreten zu lassen. Dieser sah sich neugierig um. "Kennen Sie vielleicht eine Familie namens Shiroyama?" "Was??" "SHIROYAMA?!" "Nein, so heiße ich nicht. Mein Name-" Sakito schnaubte genervt auf und ließ den Kopf hängen. Zu seiner Rettung erschien die Frau dieses Mannes und sah ihn irritiert an. "Du sollst doch nicht alle hier hereinlassen, Liebling. Guten Tag. Darf ich fragen, wer Sie sind?" Sakito verbeugte sich vor ihr und stellte sich abermals vor. "Sehr nett, Sie kennenzulernen. Was verschafft uns die Ehre Ihres Besuches?" "Er will Moskitos fangen, Schatz. Doch ich habe ihm bereits erklärt, dass es um diese Jahreszeit hier keine gibt." Die Frau hob die Brauen und sah den Anwalt fragend an, der den Kopf schüttelte. Sie seufzte. "Liebling, such dein Hörgerät. Los, los.", wies sie ihn an und führte Sakito in die Küche. "Also, wie kann ich Ihnen behilflich sein? Und verzeihen Sie meinem Mann, aber er ist nicht mehr der Jüngste. Eben so wie ich." „Oh... natürlich. I-ich bin Anwalt und ich wollte Sie etwas sehr Wichtiges fragen." "Anwalt? Hat er irgendetwas getan?" „Was? Wer?" „Mein Mann." „Neeein~! Kennen sie eine Familie namens Shiroyama?" Der Ausdruck auf ihrem Gesicht wechselte in ein trauriges um. "Oh... Ja, die Familie kenne ich. Sie haben früher hier gelebt." Sakito nahm einen Notizblock und einen Stift zur Hand und notierte sich etwas dazu. "Und warum leben Sie jetzt nicht mehr hier? Sind sie weggezogen? Wenn ja, wissen sie wohin?", fragte er sie aus und sah sie aus großen interessierten Augen an. "Sie sind nicht weggezogen... Sie sind vor 4 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sie kamen gerade von einer Gerichtsverhandlung als es passierte. Man sagt auch, dass sie bei der Gerichtsverhandlung ihres eigenen Sohnes gewesen waren und ihn nicht mehr als den ihrigen bezeichnet haben sollen! Traurige Geschichte... Muss schlimm für den Armen gewesen sein. Doch was auch immer er getan haben sollte, ich glaube, dass er ein netter Junge gewesen war. Die Sachen, die er besaß, sahen nicht so aus, als ob sie einem Mörder gehören würden." Sakito spitzte seine Ohren und notierte fleißig. Bei ihren letzten Worten stutzte er. "Was meinen Sie damit? Die Sachen, die er besaß..." „Er lebte noch vor 4 Jahren in diesem Haus und sein Zimmer ist noch immer so gut wie unberührt geblieben. Ich war nur einmal oben und seit dem, bin ich nie wieder da hoch. Der Raum machte mich traurig... Ich weiß nicht, woher dieses Gefühl kam. Als ob der Geist dieses Jungen sich noch immer in diesem Zimmer befände... Gott, hab ihn seelig..."
 

Die Frau nahm ein Taschentuch hervor und schnäuzte sich die Nase. "Entschuldigung...", murmelte sie und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln.

Auch Sakito hatte die Traurigkeit bei ihren Worten erfasst und schüttelte den Kopf. "Weinen Sie ruhig. Es ist wirklich traurig. Doch ich kann Ihnen eines versichern. Was auch immer da oben sein sollte... es ist nicht der Geist des verstorbenen Jungen. Der sitzt nämlich noch immer Gefängnis... mehr tot als lebendig, aber er lebt. Und ich glaube, dass er unschuldig ist. Er ist kein Massenmörder. Bestimmt nicht..." Die Frau sah überrascht und entsetzt zugleich auf. „Oh Gott... der Junge lebt noch!? Sie sind doch Anwalt! Holen Sie ihn da raus! Würde es Ihnen helfen, wenn Sie sich sein Zimmer angucken? Sie können gerne den ganzen Tag dort oben verbringen. Ich bringe Ihnen Essen hinauf, aber verlangen Sie bitte nicht von mir, dass ich in dieses Zimmer gehe. Ich kann die Nachbarn zusammenrufen! Viele leben hier schon seit etlichen Jahren und vielleicht können die Ihnen noch mehr helfen!" Die Frau schien regelrecht in ihrer Entschlossenheit aufzugehen, was Sakito sehr bewunderte und lächeln ließ. "Ich wäre sehr dankbar." Kurz sah er auf die Uhr. "Ich werde in etwa zwei bis drei Stunden wieder hier sein. Können Sie bis dahin bitte die Nachbarn zusammenrufen? Ich muss nochmal kurz weg." //Kouyou...//, dachte er den Namen, den er doch nie aussprechen durfte. Schon lästig manchmal, so ein Job... Immer auf Formalitäten bedacht. Die Frau nickte eifrig und schickte ihn dann zur Tür raus. "Und wehe Sie kommen nicht wieder!" Sakito lachte. "Keine Angst. Hier meine Karte. Rufen Sie an, wenn etwas ist. Danke." Die Frau winkte noch lächelnd, als Sakito zu seinem Wagen ging. Er stieg ein und fuhr zu Uruha, um zu klingeln und nach ihm zu rufen. "Ich bin es, Sakito!"
 

"Und? Hat er die Moskitos gefunden?", fragte ihr Mann lachend und die Frau seufzte. "Schatz, das war ein Anwalt! Sein Name ist Sakito, nicht Moskito." "Ach so... Wieso hat er das nicht gleich gesagt?" Die Frau schüttelte den Kopf und bugsierte ihn in die Küche. "Kochst du was feines? Wir bekommen bald Besuch von vielen unserer Nachbarn."

Der Mann fragte erst gar nicht und fing damit an, während die Frau sich ihren Mantel schnappte und raus in die Kälte marschierte.
 

+~+
 

Noch immer stand Uruha am Fenster. Er rauchte bereits seine dritte Zigarette und wollte sich gerade noch eine aus der Schachtel fischen, bemerkte jedoch, dass diese leer war.

Seufzend schmiss er sie Richtung Tisch. Er sah wieder aus dem Fenster und beobachtete ein bisschen den wolkenbehangenen Himmel. Er strich sich die Haare aus dem Gesicht und klemmte sie hinter sein Ohr.

Er nahm den Aschenbecher von der Fensterbank, drehte sich um und wollte ihn gerade auf den Tisch stellen, als er die Klingel und einen Ruf hörte. Es war so still gewesen, dass er sich ziemlich erschreckte als so plötzlich die Klingel ging. Vor Schreck ließ er den Aschenbecher fallen. Leicht genervt über sein Ungeschick, trat er gegen den nächsten Stuhl, atmete tief durch um sich wieder zu beruhigen und ging dann zur Türe. Dort blieb er kurz stehen, wischte sich über die Augen und öffnete dann die Türe.
 

"Ohayou Herr Takashima~", flötete Sakito und lächelte breit. "Wie ich sehe... geht es Ihnen anscheinend noch nicht viel besser, oder? Aber Ihnen ist zum Glück nichts passiert." Erleichterung machte sich in ihm breit und er währe kurz davor gewesen, den etwas Größeren zu umarmen, was er aber mit geballten Fäusten, hinter seinem Rücken, zu verdrängen versuchte.
 

"~Ohayou...", murmelte Uruha und schüttelte dann den Kopf, "Iie, mir gehts schon besser~".

Er machte einen Schritt zur Seite und ließ ihn in die Wohnung. Die Türe schloss er hinter ihm wieder und ging mit ihm zusammen ins Wohnzimmer. "Möchten Sie was trinken?", fragte er dann und ging nebenbei das Fenster wieder zu machen.
 

"Konnten Sie schlafen? Haben Sie schon was gegessen? Ich habe Brötchen vom Becker auf den Weg hierher mitgebracht." Er lächelte freundlich und übergab ihm den Beutel mit dem Gesagten. //Hoffentlich bin ich nicht zu aufdringlich...// Er sah ihm nach und zog Schuhe und Jacke aus. "Gerne."
 

"Hai, ein bisschen~", antwortete Uruha nickend. Er warf einen kurzen Blick zu seinem Teller der noch auf dem Couchtisch stand und nickte auf die zweite Frage ebenfalls. "Nicht viel~"

Er nahm den Teller und brachte ihn zusammen mit dem Beutel in die Küche. Er stellte beides auf die Arbeitsfläche, ging zum Kühlschrank und holte eine Flasche Saft raus. Aus dem Schrank neben sich nahm er noch zwei Gläser und stellte sie auf den Tisch. "Gibt's... gibt's irgendwas neues?"
 

"Das ist schön." Sakito lächelte aufrichtig und hing seine Jacke auf, nachdem er die Schuhe zu den anderen Paaren gestellt hatte. "Sie haben ganz schön viele Schuhe.", merkte er überrascht an und ging dann auch in die Küche. Drinnen besah er sich den vollen Teller und seufzte leise auf. Er lehnte sich an die Arbeitsfläche und sah ihm leicht träumerisch zu. "Brauchen Sie eigentlich irgendetwas? Ich würde für Sie einkaufen gehen."

Als ihn dann der Blonde etwas fragte, fuhr er sich durch die Haare und seufzte. "Bei Herrn Suzuki hat sich nichts näheres bisher herausstellen können, doch ich glaube, dass die Beweise, die ich habe und die Zeugen, ihn da schon raus holen können. Natürlich dauert es immer, bis so eine Gerichtsverhandlung stattfinden kann und deswegen müssen Sie sich auch noch etwas gedulden müssen. Ich habe heute schon interessantes von seinem ´Aoi´ herausfinden können und nachher geht die Nachforschung weiter. Ich bin zuversichtlich, ihrem Freund seinen Wunsch erfüllen zu können." Wieder lächelte er und setzte sich an den Tisch. "Danke." Sakito nahm sich ein Glas und nippte daran.
 

Uruha schraubte die Flasche wieder zu und stellte sie zur Seite. "Brauchen? Ehm...", begann er und überlegte kurz, "Nein, danke~".

Er hatte soweit noch alles was er brauchte. Er setzte sich auf einen Stuhl, schob dem anderen ein Glas hin und nahm das andere selbst zur Hand. seine Kehle fühlte sich ausgetrocknet an und so nahm er einen großen Schluck Saft.

Er lauschte den Worten des Anwalts und seufzte dann leise. "Immerhin etwas...", antwortete er und nickte leicht. Er nahm noch einen Schluck und stellte das Glas dann wieder ab.
 

"Nichts? Okay, aber sagen sie ruhig, falls Sie Essen, Trinken oder Klamotten brauchen. Okay, das Letztere würde etwas schwer werden..." Er sah ihn erschrocken an und senkte verlegen den Blick. "Tut mir Leid. Ich rede wieder zu viel."

Er linste auf und beobachtete ihn heimlich, wie er trank. Als er sich dabei erwischte, gab er sich innerlich eine Ohrfeige. //Verdammt!// "Und... was machen Sie so den ganzen Tag?", fragte er, da ihm nichts besseres einfiel, um von seinem seltsamen Verhalten abzulenken.
 

"Okay, mach ich~", sagte er und lächelte leicht, als der andere sich entschuldigte. "Ist schon okay~"

Er trank noch einen kleinen Schluck und warf den Blick in das Glas, bis der Brünette ihn wieder ansprach. "Hm? Oh... na ja nicht sehr viel. Eigentlich nur warten~", lachte er leise, verstummte jedoch recht schnell wieder und zuckte mit den Schultern.
 

Sakito nickte und spielte nervös mit seinen Fingern. Damit seine Nervosität nicht auffiel, griff er nach seinem Glas und trank es bis zur Hälfte leer. Er lauschte seinen Worten, nickte abermals stumm und sah auf die Uhr. Eigentlich hatte er noch viel Zeit, aber er wusste auch nicht, was er noch sagen sollte und das ließ ihn schwer seufzen. "Ich möchte Sie am liebsten viel öfter lachen hören... Glauben Sie, das..., wenn das hier alles vorbei ist, dass Sie dann vielleicht mit mir... irgendwas... also... unternehmen würden? Nur... einmal oder so?", fragte er hoffnungsvoll und sah ihn mit leicht geröteten Wangen an. //Gott... ist das peinlich...// "Dann können wir ihre Freiheit feiern.", sagte er dann mit etwas mehr Stärke in der Stimme und lächelte ihm verlegen zu. //Sakito... du bist ein Mann! Also benimm dich auch so!//
 

Uruha merkte die Nervosität des anderen nicht. Viel zu müde und abwesend war er dafür. Er hatte den Blick wieder in sein Glas gesenkt und schwieg. "Hm?", machte er fragend als der andere seine Frage begonnen hatte und sah zu diesem auf. Er seufzte leicht innerlich über sich selbst und versuchte sich zusammen zu reißen.

"Was unternehmen? Ehm... ja, wieso nicht~", antwortete er dann und lächelte leicht. "...Gerne..."
 

Erstaunt sah er ihn an und sprang auf. "Das ist g-großartig! Also... schön..." Er räusperte sich über seinen Ausbruch und sah wieder auf die Uhr. Er wollte einfach nur noch weg. Wer weiß, was er sonst noch zu Stande bringt? "Nyo~ das mit dem Frühstücken überlasse ich Ihnen. Ich muss jetzt... wieder gehen.", meinte er dann.
 

Etwas überrascht sah Uruha zu ihm, als der andere so aufsprang.

Erst wollte er etwas sagen, doch Sakito unterbrach sich selbst.

"H-hai, okay...", antwortete Uruha und stand auf um ihn zur Türe zu begleiten. "Danke, für das Frühstück..."
 

"Hm... klar." Er lächelte wieder und zog sich an. "Aber frühstücken sie wirklich, okay? Ich rufe nachher an und frage nach der Anzahl der Brötchen. Wenn sie nicht weniger sind, gibt es Ärger, okay?" Er hob grinsend die Faust und schloss dann seine Jacke. "Ano... bis Morgen dann...?" Er winkte kurz und verließ dann Uruha's Wohnung. "Und schön wieder zuschließen!", rief er noch und war dann auch schon in seinem Wagen verschwunden. Fuhr zu der ehemaligen Wohnung der Shiroyamas und als er an einer Ampel halten musste, ließ er seinen Kopf auf das Lenkrad sinken. "Verdammt..."
 

Er atmete tief ein und wieder aus, ehe er weiterfuhr und irgendwann vor einem alten Haus anhielt. Sakito stieg aus, schloss es ab und gerade als er klingeln wollte, öffnete sich die Tür und er wurde hineingezogen. "Da sind Sie ja endlich!", meinte die Frau ungeduldig und schubste ihn in die Wohnstube. Mit großen Augen sah er sich um und nickte jedem zu, den er sah. Es war die ganze Nachbarschaft gekommen! Alle alt, mit weißen Haaren und Brillen auf. Saßen teilweise in ihren Rollstühlen und hatten einen Teller mit Essen auf ihrem Schoß. "Guten Abend." Er verbeugte sich und trat etwas weiter hinein. "Da sind sie ja~ Der Retter des kleinen Shiroyamas.", meinte eine Frau und rückte ihre Brille zurecht. "Ano... noch ist er nicht frei." „Aber das werden Sie doch schaffen, oder nicht?" "Wenn ich genug Beweise finde, die gegen sein Urteil sprechen...?" „Nun setzten Sie sich doch Sakito-san.", meinte die Frau des Hauses und bugsierte ihn zu einem Stuhl. Er setzte sich und holte wieder seinen Notizblock mit Stift heraus. "Am besten wir fangen einzeln an. Beginnen wir bei Ihnen Sir. Was wissen Sie über diese Familie?" ...
 

+~+
 

Der dickliche Mann kam im Gefängnis an und wurde sofort feierlich von einigen Wächtern empfangen, die ihm schmeichelten und buchstäblich in seinen Arsch krochen.

"Könntet ihr so freundlich sein und euer GELABER MAL LASSEN?!!", fuhr er sie genervt an und marschierte an unzähligen Zellen vorbei, in denen Gefangene saßen, die er ignorierte, bis er zu der Zelle von Nummer 1308 und 1309 kam. "Hey hey hey~ Wie geht es denn meinen Lieblingen?" Er grinste bösartig und schnalzte mit der Zunge.
 

Aoi schreckte auf, als er die ihm bekannte Stimme hörte und krabbelte in die hinterste Ecke seines Bettes. Er könnte auf der Stelle losheulen, als er ihn sah, doch wollte er sich nicht gänzlich die Blöße geben. Er schluckte hart auf und wartete ab, was der Boss von ihnen wollte. //Bestimmt wieder nur das eine... Nein... Reita!//
 

Reita fuhr hoch, als er die verhasste Stimme hörte und alles in ihm zog sich zu einem schmerzhaften Klumpen zusammen. //Nein!!// Am liebsten hätte er sich versteckt, doch noch größer war seine Angst um Aoi. Ihm durfte nichts geschehen!!
 

"Ha ha ha ha!!!", lachte der Boss schallend und schlug gegen das Gitter. Dann erlosch seine scheinbar gute Laune wieder und machte einer eiskalten Miene platz. "Bring sie auf mein Zimmer!", wies er die Wächter an, wandte sich ab und ging vor.
 

Die Wächter nickten eifrig, schlossen die Zellentür auf und liefen hinein.

"Los, komm da runter!", bellte einer Reita auffordernd an, während sich zwei weitere den Schwarzhaarigen schnappten, der sich zu wehren versuchte, ihnen aber kräftemäßig unterlegen war. Kein Schmerzenslaut oder ähnliches entwich ihm.
 

Reita's Körper zitterte, als er vom Bett gezogen wurde. Er wehrte sich, doch sein geschwächter Körper hatte kaum eine Chance.. //AOI! Nicht ihn!!! Bitte nicht...//
 

Nun lachten auch die Wächter. "Was ist denn los mit dir, Nummer 1309? Du wehrst dich ja gar nicht mehr? Ist dein Widerstand also doch gebrochen?", pisakten sie ihn und einer bekam einen Tritt von Aoi ab. Der Getroffene fluchte und zerrte Aoi grob hinter sich her, als er die Zelle verließ. Die beiden anderen hielten Reita zwischen sich gefangen und liefen dem anderen Wärter hinterher.
 

//Aoi nicht!!! Es ist schon gut... schon... gut...// Reita ließ den Kopf hängen und wurde von den Wärtern mehr geschleift, als dass er selbst laufen konnte.
 

Als ob er Reita's Gedanken gehört hatte, ließ es der Schwarzhaarige bleiben, sich zu wehren und ließ den Kopf nach vorne sacken. //Nein... Warum wache ich nicht endlich aus diesem scheußlichen Albtraum auf...? So schnell ist er noch nie wiedergekommen...// Er versuchte zu Reita zurück zusehen und stolperte dabei beinahe über seine eigenen Füße. "Pass gefälligst auf Schwuchtel!", wurde er beschimpft und er sah wieder nach vorne. Dann waren sie auch schon da. Der Wächter klopfte an der Tür des Bosses und wurde hinein gerufen.

"Bindet Nummer 1308 an die Wand. Er soll zugucken...", raunte er und hatte nur noch ein Handtuch um die Hüfte gewickelt.

"Ja Sir..." Der Mann schubste Aoi gegen die gemeinte Wand, an denen eiserne Ketten hingen und wollte ihn dort festmachen, doch der Kleinere drehte sich um und schlug gegen seinen Bauch. Er wollte schreien, wollte Reita aus der Sache befreien, doch er konnte nicht und das ließ ihn im Moment solche verzweifelten Dinge tun, die er sich die letzten Jahre nie gewagt hatte. //Was hat er nur mit mir getan...?//, fragte er sich und wurde grob an die Wand gepresst. "Glaubst du etwa, du kannst mir mit deinen mickrigen Händen wehtun?", fragte er spöttisch und machte Aoi´s linke Hand an der Wand fest. Der Schwarzhaarige hatte die Augen vor Schmerz verdreht und schüttelte hilflos mit dem Kopf. Seine rechte Hand war nun auch an der Wand befestigt.
 

"Kettet den Blonden an dem Bett fest!", herrschte der Boss seine Wärter an und leckte sich über die Lippen.
 

Die Wärter taten, was ihr Boss ihnen befahl und zogen Nummer 1309 zu dem großen Bett, auf das sie ihn warfen und die Handschellen so um seine Handgelenke schlossen, dass er sich nicht mehr von dem Bettgestell lösen konnte.
 

"Geht nun!"
 

Die Wächter zogen ab...
 

"Haha! Endlich wieder bei meinen kleinen Spielzeugen~", raunte der dicke Mann und näherte sich dem Bett.

"Jetzt kann dir dein Freund auch nicht mehr helfen~", meinte er und zeigte kurz auf Aoi.
 

Reita bekam mit, was mit ihm und Aoi geschah, doch er konnte nichts tun... Verzweifelt drehte er den Kopf zu Aoi und murmelte für den Boss unhörbar: "Daijobu..."
 

Der Schwarzhaarige sah auf, als er das geflüsterte Wort verstand und blickte Reita hilflos an, nickte jedoch leicht.
 

Reita versuchte zu lächeln, um Aoi nicht zu zeigen, was für eine furchtbare Angst er in Wirklichkeit hatte. Würde er... überhaupt überleben? Doch das war nicht wichtig... Was zählte war, dass Aoi frei kam. Das musste er schaffen, koste es was es wolle...
 

Der Boss entfernte das Handtuch von seiner Hüfte und entblößte sich gänzlich. Dreckig grinsend setzte er sich neben Reita und strich mit einer Hand seine Wange entlang, während die andere Hand den Reißverschluss seines Gefängnisoveralls öffnete. "Wir werden uns heute köstlich amüsieren Kleiner.", versprach er und riss ihm den Stoff grob vom Körper. Gierig fuhr er seine Brust entlang und zwickte in einer seiner Brustwarzen. "Wie ich das vermisst habe, euch zu quälen~"
 

"Bitte..." Reita schluckte, sprach sehr leise. Aoi musste es nicht unbedingt mitbekommen. "Aoi... 1308... muss ins Krankenhaus... Bitte Sir... Es geht ihm nicht gut... er kann nicht mehr sprechen..."
 

"Was? Ich bin extra aus Bangkok angereist, bin geil auf dich und fragst mich das?! Du hast Nerven.", grollte er ärgerlich und riss ihm die Boxer vom Leibe. "Warum sollte ich das bitteschön tun, hä??"
 

Reita zuckte zusammen, als er nackt vor ihm lag, doch in seinen Augen lag ein Ausdruck, dem zu entkommen schier unmöglich war. Ein Ausdruck, der sagte, dass es okay war, was mit ihm geschah, solange Aoi geholfen wurde und ihm nichts geschah...
 

"Schau mich nicht so an!", knurrte er und sah nachdenklich weg. //Geilheitskiller...//, dachte er und fuhr in Gedanken versunken in Reita's Schritt, massierte ihn hart. "Wenn du... machst, was ich dir sage, dann... schick ich ihn dort hin.", schlug er dann vor und musste bei seinem Körper wieder anfangen zu grinsen. "Ich brauche ihn schließlich nicht mehr... Ich habe ja jetzt dich."
 

Reita keuchte auf und nickte dann. "Hai~..." Wenigstens hatte Aoi jetzt eine reelle Chance, frei zukommen... Reita bäumte sich auf, es tat weh, so hart, wie der Boss seinen Schritt rieb.
 

Er schnalzte mit der Zunge und sah dem Jüngeren dabei zu, wie er sich aufbäumte. Das >ja< des Blonden ließ ihn breit grinsen und er malte sich schon all mögliche Dinge aus, die er mit ihm nun tun konnte. Allein schon bei der Vorstellung wurde er geil. "Geht doch..." Dass er dabei unüberlegt gehandelt hatte, darüber machte er sich keine Gedanken, denn die hingen bereits ganz wo anders. Ja... bei dem Blonden, der nun ihm ganz alleine gehörte.

Rasch griff er nach den Fesseln und knackte sie, nahm dann Reita's freie Hände und legte sie in seinen Schoß. "Na los... Beweise mir, was du kannst."
 

Aoi sah stumm zu, was dort auf dem Bett geschah und Tränen rannen ihm bereits aus Schuld und Trauer die Wangen hinab. Er wollte doch nicht, dass Reita so leiden musste und jetzt musste er es mit ansehen! Als der Boss jedoch plötzlich seine Fesseln löste, wunderte er sich und hob den Kopf noch mehr. Würde Reita sich jetzt wehren? Sie befreien? Hoffnung keimte in ihm auf, doch... warum tat er nichts?! Ungeduldig und starr blickte er auf Reita's Hände, die sich in dem Schoß des Bosses befanden. //Er wird doch nicht...?!//
 

Reitas Augen waren trüb, als er begann, das Glied des Bosses zu reiben. Das letzte bisschen seiner Würde schien verschwunden zu sein. Er gab sich Mühe und strengte sich an, machte seine Sache gut, wenngleich seine Hand durch die verletzte Schulter ziemlich zitterte. //Aoi, ich hoffe... du kannst mir eines Tages verzeihen...// Dann beugte er sich tief runter und nahm den großen Schwanz in den Mund...
 

"Hahaha! So gefällt mir das doch schon viel besser... au jaa~", grollte der Boss und ließ den Kopf in den Nacken sinken. Sein Atem schien langsam schneller zu werden und das Blut schien sich allmählich in den unteren Regionen zu stauen. Seine Hand griff in den Schopf des Blonden und drückte ihn näher an seinen Schritt heran, stieß ihm sein Becken entgegen. Er stöhnte grollend auf.
 

Fassungslos und geschockt sah Aoi zu den beiden und schluckte schwer. //Nein... Reita... Bitte...!// Doch er hatte es getan. Er sah, wie der Schwanz des Bosses immer mehr in seinem Mund versank und hörte das tiefe Grollen. Tränen über Tränen rollten seine Wangen entlang und er ließ den Kopf hängen. Das, was da eben geschah, hatte ihn die Augen geöffnet. Ihn würde wohl niemals jemand lieben können... Nicht mal Reita, wie er doch immer gehofft hatte. Er schloss die Augen und suchte nach den Scherben seines Herzens...
 

Reita würgte, rang nach Luft und sein geschwächter Körper zuckte immer wieder zusammen. //Aoi...// wahrscheinlich hasste er ihn jetzt... Er hatte dem Schwarzhaarigen versprochen, dass er ihm half... und wenn das der einzige Weg war...? Tränen rannen über seine Wangen... Der Abschied fiel sicher leichter, wenn Aoi ihn hasste... Reita führte schweigend zu Ende was er angefangen hatte, konnte Aoi dabei aber nicht mehr ansehen...
 

Der Boss sah den Blonden aus glänzenden Augen an. "Hey hey~ Sag doch was, wenn du kaum Luft bekommst.", lachte er, reduzierte jedoch die Stöße, da der Spaß für sie noch lange nicht vorbei sein sollte und bäumte sich schließlich auf und kam im Mund des Geschickten. Der Boss stöhnte wohlwollend auf und nachdem er abgespritzt hatte, drückte er Reita in das Bett und hob sein Kinn noch weiter an. Er sollte schlucken, was er ihm gegeben hatte. Dabei fuhr er mit der Zunge seinen Hals entlang und biss sich sachte in ihm fest. Saugte und zog an der geröteten Haut. Seine andere Hand strich seinen Körper entlang und brachte die Brustwarzen dazu, sich aufzustellen. "Scheint dir ja doch zu gefallen, du kleine Schlampe~", raunte er in sein Ohr und nahm die Hand von seinem Kinn. Dann zwang er ihm seine Lippen auf und küsste ihn begierig. Schob seine Zunge zwischen den zusammen gepressten Lippen des Blonden und erkundete seine Mundhöhle.
 

Aoi hatte es aufgegeben die Scherben zu suchen und sah emotionslos auf. Er hatte sich wieder in seiner eisernen Mauer vergraben und hoffte einfach nur, dass es bald vorbei sein würde und er endlich sterben würde. War wieder der alte Aoi... Doch trotzdem rannen unaufhörlich Tränen seine Wangen entlang und fielen zu Boden.
 

Reita konnte seine Tränen nicht unterdrücken. Gehorsam schluckte er das, was ihm der Boss gab und ließ zu, dass er ihn küsste, doch am liebsten hätte er den Fettsack von sich gestoßen, hätte Aoi befreit und in den Arm genommen. Kurz trafen sich ihre Blicke und Reita erschrak, wie emotionslos Aoi war. Er war unsicher... tat er denn überhaupt das Richtige? War Aoi... es wert...? Er schalt sich einen Narren. Natürlich war er das. Das und noch viel, viel mehr...
 

Wegen plötzlicher Atemnot löste sich der Boss wieder von dem Blonden und sah ihn mit gierigen Augen an. "Heul nicht rum Kleiner~ Das bringt dir auch nichts...", raunte er und ließ seine Hand weiter in seinen Schritt wandern, um Reita´s Glied wieder hart zu pumpen. Sein fettes Gesicht zierte ein dreckiges Grinsen, als er schon bald wieder davon ab ließ und sich zwischen seine Beine setzte. Er hob seinen Hintern an und drang mit gleich zwei Fingern in ihn ein, um sie sofort in ihm zu bewegen und seinen Lustpunkt zu suchen. Als er ihn gefunden hatte, rieb er einige Male drüber, bis einzelne Lusttropfen an der Spitze seines Schwanzes erschienen und ließ dann wieder von ihm ab. "Die Qual ist doch die größte Lust, meinst du nicht auch?" Er legte sich neben ihn und sah ihn auffordernd und fies grinsend zugleich an. "Reite mich...~"
 

Er erwiderte Reita's Blick und ein kleines Lächeln formte sich auf seinen Lippen. //Du wirst mir nicht mehr wehtun...//, dachte er und schloss dann seine Augen. Er konnte den Anblick einfach nicht ertragen, auch wenn er dachte, dass ihn das inzwischen wieder kalt lassen sollte, schien es nicht gänzlich zu klappen. Warum weinte er sonst auch...?
 

Reita's Herz brach bei diesem Anblick in tausend kleine Scherben und seine Seele zerriss. Er realisierte kaum mehr, was mit ihm geschah, wie sein Körper auf den Boss reagierte. Er tat, was dieser von ihm wollte, wie eine Maschine erfüllte er den Wunsch dieses Mistkerls. Er bewegte sein Becken hoch und runter, ließ ihn so tief in sich dringen, dass Blut zwischen seinen Schenkeln auf die Beine des Bosses tropfte.
 

Grollend stöhnte der Boss auf und kratzte erregt über Reita´s Rücken. Er bewegte sich ihm entgegen und bäumte sich mehrmals auf. Das war so gut~ Die letzten Jahre hatte er immer der Aktive sein müssen, da der Schwarzhaarige sich kaum geregt und auf seine Anweisungen nie gehört hatte. Er hatte es gehasst, in nicht vollständig in der Hand zu haben, doch jetzt... hatte er ja jemanden dafür gefunden. Glück überkam ihn und auch sein Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten. Er drückte den Blonden an sich und stöhnte lang gezogen auf. "Haaaa~!"

Dann verblieb er einige Minuten so und ließ sich dann keuchend zurückfallen. Stieß den Blonden neben sich und fuhr sich durch die Haare. "Ich könnte glatt nochmal, so geil war das..." Der Boss sah auf die Uhr, die er zuvor auf dem Nachtschrank abgelegt hatte und stutzte. //Verdammt... immer wenn es am schönsten ist.// Er stand mit zittrigen Beinen auf und lief ins Bad, um sich die Sekrete beider von Körper zu waschen und sich dann anzuziehen.
 

Aoi zuckte zusammen, als er das laute Stöhnen des verhassten Mannes hörte und starrte Reita an. Irgendwie tat er ihm Leid, aber nein! Gerade ihm gegenüber sollte er das nicht denken! Er hatte es ja so gewollt. Reita wollte den Mann lieber als ihn haben und musste mit den Folgen rechnen. Denn bestimmt war dies nicht das letzte Mal gewesen...
 

Reita brach einfach zusammen, als der Boss in ihm kam. Als dieser aufstand, fiel der bewusstlose Körper einfach zurück auf die Matratze und blieb liegen, während immer noch das Blut zwischen seinen Beinen auf das Laken tropfte. Sein letzter Gedanke ehe ihm die Sinne schwanden war //Vergib mir... Aoi...//
 

Der Schwarzhaarige zitterte, als er Reita zusammenbrechen sah und das Blut, das zwischen seinen Beinen entlang lief. Dieser Anblick erinnerte ihn an etwas, aus seiner Vergangenheit und ließ ihn qualvoll aufkeuchen. Er kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. Er wollte nicht daran denken, den Gedanken nicht fassen, dass es keine schönen Erinnerungen waren. Jahre, die er vergessen wollte... Menschen, die er aus seinen Herzen für ewig verbannt hatte, sollten nicht in seine Gedanken treten. Er wollte einfach nicht mehr... //Warum tun sie es nicht einfach...? Ein Schnitt am Hals oder... am Handgelenk... Ganz einfach... Sie wollen mich nicht vergessen lassen, diese.... Tiere...//
 

+~+
 

Nach dem Gespräch mit den älteren Nachbarn, lehnte sich Sakito erschöpft zurück und schloss die Augen. //So viel Informationen... und alle eine trauriger als die andere...//, dachte er und winkte dem letzten zum Abschluss zu.

"Na Sakito-san? Hat Ihnen das geholfen?", wurde er von der Frau des Hauses gefragt, die sich ihm gegenüber setzte und ihn gespannt ansah. Ihre Augen sahen geschwollen aus. Hatte sie geweint? //Kann ich ihr nicht verübeln...// "Ja, danke. Das hat mir sehr geholfen. Ich gehe für einen Moment an die frische Luft. Danach sehe ich mir sein Zimmer an." Die Frau nickte nachdenklich und erhob sich. "Ich bringe meinen Mann zu Bett. Ihn hat das auch sehr mitgenommen, obwohl er bestimmt nur die Hälfte davon verstanden hat..." Sie seufzte und lief dann davon. Der Anwalt erhob sich und streckte sich erstmal. Sein Hintern tat ihm vom vielen Sitzen weh. Dann zog er sich seine Jacke über, die er während des Gespräches ausgezogen hatte und verließ das Haus.

//Also was habe ich alles...?// Er nahm ein neues Blatt seines Notizblockes hervor und begann zu schreiben...
 

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Der Boss lief angezogen zu dem Bett, auf dem der bewusstlose Körper des Blonden lag und seufzte. //Das die immer gleich zusammenbrechen müssen...// Bei diesen Gedanken sah er zu Aoi auf und ging langsam auf ihn zu. "Na mein altes, verbrauchtes Spielzeug~?", säuselte er und hob Aoi´s Kinn an. Als er seine kalten Augen sah, musste er lachen. "Diesen Blick habe ich vermisst, Kleiner."
 

Aoi bekam mit, wer dort vor ihm stand und sah seine Chance. //Ich will nicht mehr...// Er spuckte dem Untier mitten ins Gesicht und trat nach ihm aus. Doch aufgrund seiner Schwäche, zuckte der Mann nicht mal zusammen, als er seinen Fuß in seinem Schritt spürte und griff stattdessen nach seinem Hals.

Der Schwarzhaarige röchelte und versuchte nicht zu atmen. //Noch... ein kleines... biss... chen...//
 

Wütend drückte der Boss ihm die Kehle zu und schlug ihn. "Mach das nicht nochmal!", knurrte er und ihm wurde bewusst, was er hier tat. Er hatte versprochen ihn in ein Krankenhaus zu bringen. Tze... warum sollte er? Trotzdem ließ er abrupt los und hörte Aoi enttäuscht auf seufzen. Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. //Das war also Absicht gewesen...//

//Vielleicht sollte ich ihn wirklich in ein Krankenhaus bringen, oder in eine Psychiatrie gleich, da er ein Suizidgefährdeter ist und sich mehrmals versucht hat, umzubringen.//, dachte der Boss und rief nach den Wachen. Diese kamen sofort und mussten lachen, als sie den bewusstlosen Blonden und Aoi sahen, wie dieser fast leblos an den Ketten hing. "Seid still!", brüllte der Boss. "Wascht ihn sauber und seid vorsichtig! Zieht ihn dann an und bringt ihn in seine Zelle zurück. Wehe ihr fasst ihn unnötig an! Nehmt Nummer 1308 von der Wand und bringt ihn in die Gummizelle. Zieht ihm die Zwangsjacke an, die ich mal zum Scherz aus dem Urlaub mitgebracht habe.", wies der Boss grinsend an und wurde fragend angeschaut. "Na los!!!"

Eilig machten die Wachmänner sich ans Werk, schafften Reita in die Dusche und wuschen ihn mit dem schwammigen Lappen des Bosses sauber, während einige die Jacke holen gingen und andere wiederum Aoi von der Wand nahmen.
 

Der Schwarzhaarige bekam kaum mit, was um sich herum passierte und ließ sich wehrlos aus dem Zimmer tragen. Sie brauchten ihn zuerst in seine alte Zelle, da die Zwangsjacke verschollen zu sein schien und legten sie in sein Bett. Dann wuselten sie davon und machten sich ans Suchen.
 

Aoi spürte die Abwesenheit der Wärter und richtete sich langsam auf. Er hatte irgendwie mitbekommen, dass er wohl nicht mehr lange in dieser Zelle verbringen würde und hoffte somit auf sein baldiges Ende.

Er stand wacklig auf und ließ sich an der Wand nieder. Dann setzte er seinen Finger an den Mund und biss solange hinein, bis sich Blut löste. Dann schrieb er an die Wand: >Reita... Wenn du das liest, werde ich hoffentlich nicht mehr sein. Du kannst dir nicht vorstellen, wie weh du mir getan hast... Ich dachte, du magst mich und wolltest mir nicht wehtun. Ich hatte angefangen dir zu vertrauen! Und wieder muss ich sehen, dass Vertrauen in dieser Welt nichts bringt... Erwarte nicht von mir, dass ich dir je wieder verzeihen kann... Ich mochte dich sehr, mehr als mein Verstand es zuließ, aber Gefühle sind wohl nur Wunschvorstellungen meiner zerstörten Seele... Aoi...<
 

Als er fertig war, holten ihn die Wachmänner und brachten ihn in diese ´Gummizelle´, wie sie sie nannten, zogen ihm den Overall auf und zwängten ihn in die Zwangsjacke. Dann ließen sie ihn liegen und verließen den Raum...
 

Währenddessen telefonierte der Boss mit einem kleinen Krankenhaus und beteuerte immer wieder, dass Nummer 1308 sich mehrmals umbringen wollte und verrückte Dinge erzählte. Lauter Lügen, über Lügen. Sie sollten ihn holen und versuchen, ihn gesund zu pflegen.
 

Reita kam unter der Dusche wieder zu sich, hob den Kopf und suchte nach Aoi... Doch dieser war verschwunden... Als die Wachen ihn zurück in ihre Zelle schafften, war diese auch leer. //Aoi...?// Als er die Zeilen las, wurde ihm so übel, dass er auf die Knie sank und sich die Hand vor den Mund presste. Aber... er hatte es doch so gewollt... oder nicht...? Er hatte ihm helfen wollen... Dass er endlich aus der Zelle kam, in ein Krankenhaus... wo sich die Leute gut um ihn kümmerten... Würde er je erfahren, was Reita getan hatte...? Seine letzte Hoffnung war nun Sakito... Sein Anwalt... Er musste ihn sprechen... Reita stand auf und rief nach einer Wache, verlangte einen einzigen Anruf...
 

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//Wo fange ich an...? Hm... Yuu Shiroyama... geboren 1979 in Mie. Als er 8 war sind sie hierher gezogen... Mutter und Vater hatten eine gut bezahlte Arbeit. Was waren sie? Anwälte? Nee... wie war denn das?!// "Verdammt!", rief er aus und lief auf und ab. Er musste seine Gedanken ordnen. //Darum kümmere ich mich später. Weiter im Text... Immer unterwegs, mussten den kleinen Sprössling alleine zu Hause lassen bei seiner Oma. Die starb als er 14 wurde. Hatte keine Bezugspersonen mehr, zog sich zurück und wollte nicht mal mehr mit den Nachbarskindern spielen. Eltern gaben ihm keine Liebe... Dann verliebte er sich in die Musik und wollte Gitarre spielen. Hat auch eine bekommen, aber die Eltern schienen sich nicht sonderlich dafür zu interessieren. Hm... er spielte sehr oft und alle waren verzaubert von seinem Spiel... Okay, das gehört jetzt nicht dazu!// Er raufte sich die Haare und seufzte schwer. "Konzentration Sakito!", orderte er sich an und fuhr in Gedanken fort. //Er haute von zu Hause ab und wurde drei Tage später auf einem Marktplatz von der Polizei aufgesammelt. War wohl Straßenmusiker oder so was... die kurze Zeit lang und er kam wohl auch gut an, aber das gehört wieder nicht darein. Persönliche Bewertungen müssen raus, das ist ein Bericht.// Die Tatsache, dass ihn die Geschichte auch sehr aufgewühlt hatte, machte es ihn nicht gerade leichter. "Wenn die Eltern Anwälte waren, will ich es nicht mehr sein! Damit kann ja niemand leben... eine Schande...", murmelte er und musste an Uruha denken. Kurz lächelte er und dachte daran, dass er mit ihm ausgehen dürfe, wenn die Sache vorbei war. //Okay... Sakito mach hin! Also wurde zurückgebracht und bekam gewaltigen Ärger. Hatte Hausarrest und durfte mehrere Wochen nicht raus. Eine hatte sogar behauptet, dass sie gesehen hatte, wie die Mutter ihren Sohn schlug!// Schnell kritzelte er alles auf seinem viel zu kleinen A4 Zettel und nahm den nächsten. //Dann mussten ihre Eltern wieder arbeiten und ließen den Bruder des Vaters von irgendwoher einfliegen. Also... Yuu´s Onkel! Mhm... sie waren weg und sahen den Jungen nie wieder. Herr Okushima, dessen Zimmer sich auf der Höhe dessen von dem Yuu´s befand, glaubte aber... dass er ihn einmal gesehen hatte, wie er mit kalkweißem Gesicht und blutleeren Lippen sehnsüchtig aus dem Fenster geschaut hatte und als er sein scheinbar geschwollenen Gesicht berührt hat, plötzlich Blut an seinen Wangen klebte... Aber es ist sich auch nicht sicher, weil er damals schon nicht so gut gucken konnte...// "Boah, hab ich jetzt ne Gänsehaut!", rief er aus und rieb sich über die Arme. Dann sah er zu dem Fenster auf und schluckte schwer. "Los geht's. Auf in dieses Zimmer..."
 

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Eine Wache kam schnaufend zu Nummer 1309. "Was willst du? Einen Anruf? Na sicher kriegst du den... in tausend Jahren!" Er lachte auf, als er aber sah, wie der Boss aus seinem Büro kam, verstummte er je. "Das geht nicht."
 

"Was geht nicht?", fragte ein gähnender Boss und sah müde in die Zelle, wo sein kleiner Liebling am Gitter stand. Er grinste. "Hast du etwa nach mir verlangt~?"
 

"Sozusagen... Bitte, einen Anruf... Nur einen Sir..." Rei versuchte zu lächeln und schaffte es sogar.
 

„Und was habe ich davon?“ Wieder schlich sich ein Grinsen auf sein Gesicht.

Umgewöhnung

"Wen willst du anrufen?"
 

Reita schluckte. Jetzt galt es. "Ich darf nur eine Person anrufen... Ich möchte mit meinem Anwalt sprechen... Sakito-san..."
 

Der Boss blinzelte, ehe er sich mit zusammengekniffenen Augen dem Wärter zuwandte. "Seit wann bitte, hat der Kerl einen Anwalt?!"

"Ano... seit... heute.", gestand der Mann Kleinlaut und trat etwas zurück.

"Und warum, erfahre ich erst jetzt davon?" Genervt und wütend zugleich sah er Reita an. "Und? Willst du ihn anrufen und ihm was vorheulen? Was willst du denn Dringendes von ihm, hum??", knurrte er.
 

"Ich... will ihn anrufen und ihn bitten, sich um meine Mutter zu kümmern... Ich will ihm nichts vorheulen... aber... jemand muss sich um sie kümmern... Bitte." Er hoffte, dass der Typ nicht nachforschte und er Sakito bitten konnte, sich um Aoi zu kümmern...
 

"Du willst einen Anwalt darum bitten?", fragte er und musste lachen. "Ist sie etwa auch so ein Mörder, wie du es bist~? Hm...?"

Dann musterte er ihn eine Weile und seufzte schließlich genervt. "Gut, wenn es unbedingt sein muss. Ich hatte ja auch mal eine Mutter, die nichts alleine auf die Reihe bekommen hat. Aber er wird bei dir bleiben und wenn du irgendwas erzählst, dann... gibt es Tote, hast du verstanden?!"

Er winkte dem Wärter zu, der daraufhin die Zellentür öffnete und Reita´s Handgelenke in seine Pranken zu nehmen und ihn hinauszuführen.

Der Boss hielt die beiden nochmal an und strich dem Blonden über die Brust. "Und das wäre doch Schade... um uns, nicht wahr?" Er grinste und ließ die beiden gehen.
 

Der Wächter führte ihn in einen Raum, wo es ein Telefon gab und reichte ihm den Hörer. "Und mach schnell.", grummelte er etwas deprimiert, da er mal wieder etwas falsch gemacht hatte und das machte sich bekanntlich gar nicht gut bei dem Boss.
 

Reita sah den Boss an und nickte, er würde nichts sagen... Er nahm den Hörer und wählte Sakito's Nummer, betrachtete den Wärter und schenkte ihm ein schmales Lächeln.
 

Der Wächter setzte sich grummelnd in seine Nähe und beobachtete ihn stumm.
 

+~+
 

"Und sein sie vorsichtig Sakito, ja? Wenn sie Hilfe brauchen, dann... dann schreien Sie. Wir brauchen Sie noch.", meinte die Frau lächelnd und blieb unten an der Treppe stehen. "Hm... alles klar. Danke...", murmelte Sakito etwas nervös und lief auf die Tür zu. Was ihn wohl erwarten würde...?"

Dann stand er auch schon direkt vor der Tür und hatte bereits seine Hand auf der Klinke. //Ganz cool bleiben... Kann ja nicht so schlimm sein. Ich glaube ja eh nicht an Geister.// Er versuchte sich Mut zu zusprechen, atmete einmal tief ein und wieder aus, ehe er die Klinke hinunter drückte und die Tür öffnete. Dann schlüpfte er hinein und sah sich neugierig um. //Scheint noch ganz normal zu sein...// Er trat etwas mehr in den Raum, stellte seine Tasche ab und untersuchte zuerst den Boden.

Dieser wurde anscheinend seit mehreren Jahren nicht mehr betreten, wie die Frau es gesagt hatte. Von dem vielen Staub, der in der Luft lag, musste er niesen, was noch mehr Staub aufwirbelte und sein Gesicht bedeckte. "Mhm... na super..." //Fängt ja toll an.// Er wischte sich über die Augen und blinzelte durch die Dunkelheit. //Gibt´s hier keinen Lichtschalter?// Plötzlich sah er etwas auf dem Boden liegen und beugte sich hinunter. "Ieh... Mäusedreck..." Er verzog das Gesicht und stand auf, suchte den Lichtschalter und schaltete ihn an. Nichts passierte. Er sah hinauf zur Deckenlampe und seufzte theatralisch auf. "Natürlich... sonst wäre ja die ganze Spannung weg.", murmelte er und lief zum Fenster, das sich mit etwas Anstrengung öffnen ließ.

Er blickte hinaus und erblickte eine der freundlichen Nachbarinnen, die erschrocken zu ihm aufschaute. Er winkte ihr zu und sie... wurde ohnmächtig. "Autsch... Wie sehe ich auch aus?!" Er sah in das verstaubte Fensterglas, wischte kurz mit dem Hemdsärmel drüber und erschrak. Er erschrak wegen seinem eigenen Spiegelbild. "Sakito, du siehst echt gruselig aus."

Plötzlich klingelte sein Handy und vor Schreck sprang er auf und schlug sich den Kopf an der Dachschräge. "Itai." Mit zittrigen Händen griff er nach seinem Handy und ging ran. "Sie sprechen mit dem Anrufbeantworter von Sakito. Wenn Sie eine wichtige Person sind, mit der es sich lohnt, in einer so wichtigen Tageszeit (er muss niesen) zu telefonieren, so nennen Sie mir Ihren Namen und Ihr Anliegen.", sprach er hinein, doch versäumte er es, durch ein erneutes niesen, auch wie ein Anrufbeantworter zu klingen. "Gut, hier ist nicht der Anrufbeantworter. Wer ist da? Ich stecke gerade in wichtigen Ermittlungen und hoffe, dass es wichtig ist."
 

Reita blinzelte verstört, dann räusperte er sich. "Sakito-san... Hier ist... Suzuki Reita... Gomen wenn ich störe... Ich darf auch nicht lang telefonieren... Meine... Mutter... ist im Memorial Krankenhaus... Bitte kümmern Sie sich um sie... Sie wird noch....verrückt... wenn sie länger dort bleibt..." Er hoffte, Sakito genug Hinweise gegeben zu haben.
 

"Suzuki??" Sofort war Sakito hell wach und lauschte angestrengt jedem Wort, was er sagte. //Mutter... Krankenhaus... verrückt...//, kritzelte er sich die Worte schnell auf die Hand. "Alles klar, ich... kümmere mich darum. Ich hoffe, bei Ihnen ist alles soweit klar?!", versuchte er noch aus ihm herauszubekommen und presste sich den kleinen Hörer ans Ohr. So bekam er auch mit, wie eine Stimme sagte, dass es genug mit dem Gespräch sei und dann das laute Piepsgeräusch, was aus dem Apparat erklang. Schnell hielt er es sich weit vom Ohr weg und dachte angestrengt nach. "Das ist sein erster Anruf aus dem Gefängnis und seiner Mutter ging es letztens noch sehr gut. Alles klar... da steckt ein Code hinter." //Hab ich zu viele Spionage Filme gesehen?// "Eindeutig JA!" Er lachte kurz auf und stürmte dann zu seiner Tasche. "Wo hab ich sie...? Ah...!" Er zog Reita's Akte heraus, suchte die Nummer von Reita's Eltern und rief dort an. Als die Mutter ran ging und noch ziemlich Gesund klang, schaltete er das Handy sofort aus und legte es in die Tasche. "Mein Gefühl war also das richtige. Wer steckt in diesem Krankenhaus??!" Er sah sich in dem Zimmer um. //Gut... dann... mache ich mich in etwa in einer Stunde los. Muss hier noch gucken. Ich spüre, dass ich nah dran bin.//
 

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Reita wurde der Hörer aus der Hand gerissen. Hatte Sakito ihn verstanden? Er hoffte es sehr. Denn jetzt gab es nichts mehr, was er für Aoi tun konnte. Jetzt war er alleine... sogar Aoi hatte ihn verlassen... Gab es noch etwas für ihn zu verlieren? Er bezweifelte es stark...
 

Der Wärter wollte Reita aus dem Büro wegschaffen und drängte ihn hinaus.

Als aber plötzlich zwei bis vier Leute in weißen Kitteln das Gefängnis betraten, vom Boss begrüßt wurden und dann mit ihm an ihnen vorbei rauschten, hielt er Reita lieber wieder an den Handgelenken gepackt. Er könnte ja versuchen zu fliehen.

Dann brachte er ihn schnell in seine Zelle und schloss sie, ehe er zu seinem Boss lief, der nicht mal so weit von ihm entfernt stand und fragte, ob er helfen könne. "Nein, die Ärzte betäuben ihn gerade. Dann kommt er in ihre psychiatrische Einrichtung."

Die beiden mussten auch nicht lange warten, als die Tür aufging und zwei groß gewachsene Männer den in eine Zwangsjacke verpackten Aoi, der durch eine Spritze ein Schlafmittel gespritzt bekommen hatte, an ihnen vorbei trugen. "Danke. Wir werden uns um ihn kümmern."

Der Boss nickte und scheuchte sie eilig hinaus.

Kaum war er weg, atmete der Boss erleichtert auf und lief zurück in sein Büro. "Ich muss leider für einige Tage weg. Bringt Nummer 1309 Essen und Trinken und wascht ihn durch keine Foltermethoden mehr. Er gehört jetzt mir und ich habe keine Lust, ein dürres Gerippe zu ficken.", sagte er noch, ehe er darin verschwand.

"A-alles klar Chef."
 

Reita starrte auf die Worte auf der Wand. Seine Seele zerbröckelte immer mehr, er spürte förmlich, wie sie zerriss... Vor der Wand sank er langsam auf die Knie, legte die Handfläche auf die kalten Steine und strich liebevoll über das Blut. Dann brach er weinend zusammen...
 

Der Wärter lief eilends zur Küche und holte Wasser und Trinken für Nummer 1309, zu dem er, als er etwas vom Morgen noch gefunden hatte, lief und die Schälchen hinein schob. Als er dann kurz in die Zelle schaute und schon weiter laufen wollte, blieb er verwundert stehen und sah zurück. Genervt seufzte er auf, schloss die Zellentür auf und schob die Schälchen etwas weiter weg. Er wollte sie ja nicht gleich wieder umschubsen. Dann ging er zu Reita und hob ihn auf, brachte ihn zu Aoi´s Bett, da dieser ja nicht mehr da war, und legte ihn hinein. Er musste schmunzeln, als er die geschwollenen Augen und die feuchten Tränenspuren sah und blickte zurück an den Ort, wo er ihn aufgelesen hatte.

Er entdeckte die Blutschrift an der Wand...

Kurz las er die Zeilen und hob die Brauen. //Die zwei haben sich anscheinend zu gut verstanden.//

Kurz blickte er noch auf den Schlafenden und lief dann los, um einen Eimer mit Wasser und einen Lappen zu holen und kam dann wieder. Noch war der Boss da und wenn er das entdecken würde, dann würde man ihn vierteilen. Er machte sich daran, das Blut von der Wand zu wischen, was schwieriger war, als er gedacht hatte.

Kopfschüttelnd wischte er den letzten Rest weg, stand auf und verließ die Zelle.
 

+~+
 

Reita verweigerte das Essen und das Trinken. Er magerte immer weiter ab und reagierte kaum noch auf irgendetwas. Als er bemerkte, dass die Nachricht an ihn verschwunden war, starb auch das letzte bisschen Menschlichkeit in ihm... Oft saß er einfach da und starrte ins Leere. Hatte es diesen Aoi überhaupt gegeben? Selbst sein Geruch verschwand aus der Decke... Er hatte nichts mehr von ihm... Hatte er ihn sich am Ende nur eingebildet...?
 

+~+
 

Sakito krabbelte über den staubigen Fußboden und suchte jeden Zentimeter des Teppichs ab. Nachdem er sich sicher war, dass sich dort nichts befinden konnte, stieß er doch, am Ende des Bettes, auf einen Bluttropfen! //Mist! ich habe meinen Spionagekoffer vergessen!// "Miss?!", rief er. Gepolter auf der Treppe, doch die Frau trat nicht ein. "Hätten Sie vielleicht eine Lupe, Pinzette, Tüten, eine Kamera, Ruß oder dunkle Schminke und Gummihandschuhe?" "Ano... Ich schaue mal nach." Wieder Gepolter auf der Treppe und wenig später wieder. "Kommen Sie bitte vor die Tür?", fragte die Frau etwas ängstlich. "Hai." Sakito stand auf und verließ durch einen winzigen Spalt zwischen Tür und Rahmen das Zimmer. "Dankeschön. Sie haben ja alles da.", meinte Sakito verzückt. "Mein Gott! Wie sehen Sie denn aus!? Hab ich mich erschreckt... Mein Mann liebte Spionagefilme...", murmelte sie dann verlegen und übergab ihm alles. "Tut mir Leid... Der Staub ist etwas lästig. Hätten Sie vielleicht noch einen Staubwedel oder so?" "Natürlich!" Und wieder eilte die Frau die Treppen hinunter, fast so, als hätte sie wirklich Angst davor, dem Zimmer lange ausgesetzt zu sein. Dann kam sie wieder und gab ihm das Gewünschte. "Arigatou." "Dozo. Wenn sie fertig sind, können Sie hier gerne duschen, wenn Sie möchten." "Oh... Ich komme darauf zurück. Danke." Die Frau nickte lächelnd und verschwand blitzschnell im Wohnzimmer. //Für ihr Alter ist sie noch recht schnell.//, musste er beeindruckt zugeben und ging mit den gebrachten Sachen zurück ins Zimmer. Mit dem Staubwedel befreite er ein kleines Stückchen Teppich vom Staub und legte die Sachen bis auf die Handschuhe, die Lupe und den Staubwedel ab. //Vielleicht hätte ich noch nach einer Schutzbrille fragen sollen...// Er nahm den Wedel und fegte ganz vorsichtig über das Blut hinweg. Dann pustete er den Rest irgendwohin, wo sich viele weitere Staubkörner über den Zuwachs freuen konnten und besah sich dann mit der Lupe den Blutfleck. //Eindeutig Blut... doch von wem...?// Er legte den Staubwedel beiseite und zog sich einen Gummihandschuh über. Dann berührte der damit den Blutfleck und sah sich seinen Finger an. Nichts klebte daran. //Nichts Neues... Eingetrocknet. Super...// Er nahm die Kamera und machte ein Bild davon. Dann machte er sich mit der Pinzette ein kleines Stück ab und warf es in eine Tüte. //Für DNA Tests... Man ist das spannend!// Mit vor Aufregung glühenden Wangen befreite Sakito das restliche Bett von seinem Staubbezug und zog sich erneut Handschuhe über. Mit der Lupe untersuchte er alles. Das Kissen und das Laken.

//Vielleicht sollte ich doch die Spurensuche machen lassen. Ich muss noch ins Krankenhaus und ich bin nicht der beste Spurensucher.//, dachte er und seufzte niedergeschlagen. //Gerade wenn´s so toll ist... Aber ich würde Ärger kriegen, wenn ich das machen würde.// Er zog einen Schmollmund und machte sich auf, das Zimmer zu verlassen. "Miss?" Die Frau kam aus dem Wohnzimmer geflitzt. "Hai?" Verwirrt blinzelte der Anwalt und übergab ihr ihre Sachen aus ihres Mannes Spionageköfferchen. "Ich werde die Spurensucher hier her schicken lassen. Ich bin darin leider kein Profi. Das ist doch okay, oder?" "Solange es dem Jungen helfen kann, ja!" "Okay, danke. Kann ich Ihre Dusche benutzen?" "Natürlich. Ich stelle das Wasser warm und lege Ihnen Handtücher hin." "Arigatou."
 

Gesagt getan. Die Frau war froher Stimmung. Sakito ebenso, denn gerade befand er sich auf dem Weg zum Krankenhaus und hatte bereits die Spurensuche alarmiert.
 

+~+
 

Irgendwann erwachte Aoi aus seinem gezwungenen Tiefschlaf und sah sich verwirrt um. //Warum lebe ich denn immer noch?! Und wo bin ich hier?// Der Schwarzhaarige wollte seine müden Glieder strecken, doch lagen sie noch immer durch die Zwangsjacke eng an seinem Körper gepresst.

Er versuchte die Jacke zu zerreißen, doch war er zu schwach dafür. Durch die Bewegung kippte er nach vorne und versuchte sich wieder aufzurichten, oder auch einfach nur liegen zu bleiben. Er entschied sich für das Letztere...
 

Durch die Bewegung im Raum, wurden Sensoren alarmiert und ließen Ärzte in einen Raum sprinten, der durch eine große Spiegelfläche von Aoi´s Zelle getrennt war. Neugierig starrten sie ihn an, als wäre er ein wildes Tier, doch schon nach einigen Minuten liefen bis auf einen Arzt alle gelangweilt davon. Gemurre wie: ´Warum regt der sich nicht?!´ oder ´Ist der wieder eingepennt?!` hinterließen sie, während der Übriggebliebene seinen Posten bezog. Er hatte die spannende Aufgabe, jede noch so kleine Bewegung zeitlich zu notieren. >17:34 Uhr - Patient scheint sich befreien zu wollen, kippt Kopfüber und bleibt liegen. Regt sich nicht. Wahrscheinlich wieder eingeschlafen. Narkose Spritze zu stark eingestellt.<
 

Er seufzte laut auf, setzte sich Kopfhörer auf und hörte laut Musik, während er mit dem Fuß auf dem Boden tippelte.
 

+~+
 

Reita starrte an die Wand und vor seinem InnereM Auge erschien die Schrift wieder. Er blinzelte verstört, und als er die Augen wieder öffnete, sah er wieder nur die weiße Wand... //Aoi... Geht es dir gut? Du fehlst mir so...//
 

+~+
 

Sakito kam an dem besagten Krankenhaus an, stieg aus und sah sich das doch recht unscheinbare Gemäuer an. //Könnte mal wieder eine Restaurierung gebrauchen...//, dachte er, nahm sich seine Tasche und schloss sein Auto ab. //Was mich dort drin wohl erwarten wird...?// Noch ein Blick in den klaren Himmel, der die ganze traurige Welt und ihrer Probleme mit ihrer Klarheit betrog und betrat das Gebäude. Am Empfang erkundigte er sich nach einem gewissen >Shiroyama<, der vor kurzem eingeliefert worden sein sollte und wünschte, ihn zu sehen. Die Empfangsdame sah ihn argwöhnisch an und verlangte seinen Ausweis, woraufhin sie, nachdem sie ihn gesehen hatte, jemanden anrief. Irgendwann legte sie wieder auf. „A-also er scheint zu schlafen. Wissen sie überhaupt, in welcher Verfassung er ist?" „Ano... Ich kann es mir denken. Es ist mir auch egal, ob er schläft. Ich bin schließlich nicht umsonst hierher gekommen. Kann ich jetzt zu ihm?", fragte Sakito höflich, aber auch eindringlich. Die Frau besah sich ihn skeptisch. „Hey, Hey! Ich bin sein Anwalt. Er ist unschuldig und ungefährlich. Also sagen Sie mir bitte, wo er ist. Er braucht mich." „Ungefährlich?", fragte sie skeptisch, räusperte sich kurz und wies ihn an, ihr zu folgen. Das tat Sakito und als er plötzlich in einen Raum gebracht wurde, von wo er in eine Art sterilen Raum sehen konnte, hinter einem verspiegelten Spiegelglas, und auf ein Häufchen blicken konnte, das sich in Nähe einer weißen Wand befand und sich nicht regte, war er doch sehr verwirrt. Er hatte vielleicht mit einigen Dingen rechnen können, aber nicht mit so etwas. //Soll das Yuu sein??! Oh Gott!// „W-was macht mein Klient in diesem Raum?!!", fragte er aufgebracht und stellte sich ganz nah an den Spiegel. Sah zu dem Bündel. „Haben Sie ihm eine Zwangsjacke umgelegt?! Sind Sie noch zu retten?!!" Er fuhr herum und starrte die beiden Angestellten sauer an. Dann griff er sich den Bericht vom Schreibtisch und sah sich die Notizen an. „Wie kommt man in diesen Raum?" „A-aber... aber der Junge ist verrückt! Und er hat eine Zwangsjacke an, weil wir ihn so hier eingeliefert haben. Wir haben ihn so bekommen!", versicherte der Mann, der sich die Notizen aus Sakito´s Hand wieder an sich riss. „Wie kommt man in diesen Raum?!", fragte der Anwalt nochmal und stellte seine Tasche ab, ging wütend aussehend auf die beiden zu. „S-schon gut. Durch die Tür da. Sehen sie den Griff? Von hier kann man die Tür öffnen." „Danke. Könnten Sie uns nun bitte alleine lassen? Das sind persönliche Dinge, die ich mit meinem Klienten beraten muss."

Die Angestellten sahen sich verwirrt an. „Hm... ja... natürlich.", murmelte der Mann schließlich und eilte hinaus. Die Frau ihm hinterher.
 

//Ich fasse es nicht... Diese Schweine...// Er nahm seine Tasche und lief mit ihr zu der Tür. Er öffnete sie und stellte die Tasche in den Spalt, während er hinein lief. //Hier herrscht eine richtig stickige Luft. Ekelhaft.//

Vorsichtig näherte er sich dem Schwarzhaarigen und hockte sich schließlich neben ihm. Dann tippte er ihn an. "Yuu Shiroyama? Bitte wachen Sie auf.", sprach er leise.
 

Das Bündel erzitterte merklich und Aoi´s Kopf drehte sich zu ihm. Emotionslos sah er ihn an. Er sah nicht sehr gesund aus und ungewaschen dazu.
 

//Der Ärmste...//, dachte Sakito, nachdem er sich kurz erschrocken hatte, aber sitzen blieb. Als er seinen Blick sah, fühlte er die Tiefe seines Schmerzes und seiner zerrissenen Seele und das ließ ihn trocken auf schlucken. //Ich habe noch nie so viel Kummer und Schmerz in einer Person gesehen. Sein Blick ist so... kalt.// "Hallo, Herr Shiroyama. Mein Name ist Sakito und ich bin Ihr Anwalt.", stellte er sich vor und lächelte warmherzig.
 

Aoi´s Mundwinkel zuckten kurz, doch ansonsten veränderte sich nichts.
 

Sakito räusperte sich kurz, ehe er Aoi bestimmend an den Schultern nahm und ihn aufrichtete, so dass er ihn gegen die Wand lehnen konnte.
 

Überrascht öffnete Aoi seinen Mund, doch nichts verließ diesen. Schnell klappte er ihn wieder zu und starrte Sakito unverwandt an.
 

„Ich will Ihnen helfen, Herr Shiroyama.", sagte Sakito noch einmal nachdrücklich und sah ihn ernst an. „Lassen sie mich Ihnen helfen, ich-"
 

Aoi schüttelte den Kopf. Er vertraute ihm nicht. Warum auch? In den letzten vier Jahren hatte ihn niemand aus dem Gefängnis raus holen wollen und er konnte sich nicht vorstellen, warum es plötzlich anders sein sollte und wer für ihn einen Anwalt bezahlte. Für ihn...! Den Verrückten...
 

Sakito unterbrach sich selbst und dachte nach, was er als nächstes tun sollte. //Es ist schwieriger als ich dachte.//

„I-ich kenne Ihre Vorgeschichte. Zumindest schon grob und wenn ich die Beweise Ihrer Unschuld finde, dann sind Sie ein freier Mann. Zusammen mit Herr Suzuki, der ebenfalls mein Klient ist."
 

Unverständnis spiegelte sich in Aoi´s Gesichtszügen wider. Wer war Herr Suzuki? Was redete der Kerl da für einen gelogenen Mist?! //Wenn er mich testen will, ob ich wirklich verrückt bin, dann kann er das haben...//

Er schloss die Augen und würgte. Dann ließ er sich nach vorne kippen, wurde von dem überraschten Sakito aufgefangen und übergab sich auf seinem Jackett.
 

Sakito stieß einen überraschten Laut aus, als er das bekannte Geräusch hörte und verzog das Gesicht. „Verstehe... du vertraust mir nicht... und kotzt auf meine Hilfe. Denk nicht, dass du mich damit los bist."

Er drückte Aoi vorsichtig zurück an die Wand und besah sich das Übel. „Hm... nicht viel gegessen, hum?"

Er stand auf und zog es sich aus, bevor er sich wieder zu ihm setzte.

"Hör mal Aoi... oder Yuu, wie auch immer man dich nun nennt, ich will dir wirklich helfen! ich verlange nicht, dass du mir vertraust, aber rede mit mir! Bitte. Herr Suzuki hat mich gebeten, dich raus zuholen und das tue ich auch. Du bist unschuldig. Ich bin mir sicher. Ich weiß nicht, was man dir alles im Leben angetan hat, aber das was ich weiß oder mir denke, zu wissen, ist schon genug. Genug für so einen armen Jungen, der die Musik so sehr liebte und es niemand für voll genommen hat. Ein Junge, der normal leben und geliebt werden wollte."
 

//Reita...? Ist er Herr Suzuki?! Das würde auf jeden Fall einiges erklären, aber warum...?// Je mehr sein scheinbarer Anwalt erzählte, desto mehr Erinnerungsfetzten fegten durch seinen Kopf und ließen ihn stark zittern. Blass war er dazu auch noch.

Er wollte sagen: >Hör auf!<, denn er wollte nicht mehr hören, aber er konnte es nicht.
 

Doch zum Glück erschien plötzlich eine größere Gestalt im Kittel am Eingang zu seiner Zelle.

"Bitte Sir, gehen Sie von dem Jungen weg! Er sieht noch kranker aus, als vorher. Er wird gleich untersucht und bekommt seine Mahlzeit. Bitte... gehen Sie."
 

Sakito erschrak und drehte sich um. //Verdammt!//

"Geht das nicht auch noch später? Ich glaube nicht, dass er jetzt etwas essen kann.", meinte er und zeigte auf sein Jackett.

Der Chefarzt hob die Brauen und verzog sein Gesicht etwas. "Nein, tut mir Leid. Sie müssen jetzt gehen. Die Sprechzeiten sind vorbei."
 

Der Anwalt blickte auf seine Uhr und seufzte. Dann sah er wieder zu Aoi. "Ich werde Morgen wieder kommen. Halte durch Aoi." Er lächelte ihm aufmunternd zu, stand dann auf und nahm sich sein Jackett, hielt es weit vom Körper.

"Keine Sorge. Das Krankenhaus bezahlt die Rechnung."

Sakito sah auf.

"Ähm... nett, danke."

Er nahm auch seinen Koffer und verließ den Raum. "Kümmern Sie sich bitte sehr gut um ihn. Er ist wirklich nicht verrückt. Ich glaube, dass er mehrmals vergewaltigt worden ist. Es hat wahrscheinlich schon in seiner Vergangenheit angefangen. Wenn Sie etwas herausfinden, dann sagen Sie mir bitte Bescheid."

"Das können wir nicht. Ärztliche Schweigepflicht."

"Hören Sie", fing Sakito leicht genervt an ", ich bin sein Anwalt. Er ist mein Klient und ich bin dafür zuständig, dass er als freier Mensch raus kommt. Ich kümmere mich um ihn und brauche alle Informationen, die ich kriegen kann. Wenn Sie stur bleiben, werden Sie mit den Konsequenzen rechnen müssen. Ein Sakito gibt nie auf!"

Mit diesen Worten ließ er den Arzt stehen und verließ das Gebäude.

Er wollte sich sofort aufmachen, zu dem alten Wohnsitz der Shiroyamas zu fahren, den säuerlichen Geruch seines Jacketts ignorierend.
 

Als Sakito am alten Haus der Shiroyamas an kam, sah er, wie die Spurensuche sich gerade daran machte, alles zu verstauen, um dann in ihr Untersuchungslabor zu fahren. Er stieg hastig aus und lief zu ihrem Wagen. "Hallo? Ich bin Sakito. Ich hatte Sie angerufen, damit Sie dieses Zimmer untersuchen." Der Mann, der die Spurensuche leitete, trat an ihn heran. Er war noch größer als Sakito, doch dieser schreckte nicht zurück, sondern sah entschlossen auf. "Guten Tag. Sie wollen bestimmt wissen, was wir bisher herausgefunden haben oder?" Der Anwalt nickte eifrig, holte wieder seinen Block und einen Stift heraus, um sich alles zu notieren. Der Größer nickte. "Dann kommen Sie bitte mit."

Sakito folgte ihm und beide landeten im Zimmer des jungen Shiroyamas. Sakito sah sich um. Unglaublich! Hatten sie hier den ganzen Staub entfernt? Alle Achtung! Endlich konnte man auch genaueres sehen.

Es war im großen und ganzen ein kleines Zimmer. Hinter der Tür befand sich ein Schrank. Womöglich ein Kleiderschrank. Dann kam auch schon die Wand, an der sich das Bett befand. Es sah genauso aus, wie Sakito es verlassen hatte, doch dieses mal konnte er mehr sehen, als er es durch den Staub am Anfang nicht konnte. Den einzelnen Bluttropfen, den er selber gefunden hatte, war nur einer von vielen gewesen! Eine leichte Gänsehaut kroch über Sakito's Rücken. Neben dem Bett stand ein kleiner Nachtschrank und an diesem lehnte eine Gitarre. //Er hat also wirklich mal gespielt!// Dann ein Tisch, was bestimmt einmal ein Schreibtisch für Schularbeiten gewesen sein sollte, der allerdings mit lauter Kuscheltieren überfüllt war. "Anscheinend hat er die gesammelt", meinte der Chef der Spurensuche und zeigte auf das nächste Möbelstück, was wohl mal eine Couch gewesen sein sollte, die auch mit diesen kleinen Stoffdingern übersät war. Über der Couch hingen lachende Masken. Clowns hingen an Bändern von der Decke neben der Tür. Lachende und glückliche Puppen...

„Auf der Matratze befindet sich noch mehr Blut. Wir fanden DNA-Spuren zweier Personen. Es muss noch untersucht werden, doch da auch etwas Sperma gefunden wurde, sind wir uns ganz sicher, dass der Junge, der hier mal gelebt hat, ganz sicher mehrere Male vergewaltigt wurde. Anscheinend von einer Person, die er kannte, denn nach einem wahren Kampf sah es nicht aus, als wir hier rein kamen. Blut, welches sich nur auf dem Bett und in der Nähe befand. Mehrere Male muss er das Opfer gewesen sein. Leider fanden wir nicht viel mehr. Ein paar Schulsachen, diese Puppen und Stofftiere, ein paar Klamotten. Kein Tagebuch oder sonstiges, was verraten könnte, was hier geschehen war. Anscheinend wurde ihm alles weggenommen, was für ihn wichtig war. Nur seine Gitarre blieb übrig und diese... Dinger." Er zeigte auf die Stofftiere. //Natürlich... Als er von zu Hause weggelaufen war, da musste es passiert sein. Die Gitarre hatte er ja immer bei sich getragen! Und ich verstehe, warum er diese Stofftiere und die Masken und Clowns gesammelt hat. Er war nicht glücklich und bekam keine Liebe... Da hat er sich diese leblosen Puppen mit dem falschen Lächeln geholt und hat für sich eine glückliche Welt geschaffen. Dann kam er allerdings ins Gefängnis und ab da konnte ihm nichts mehr helfen. Er vertraut niemanden, da jemand den er kannte, ihn missbraucht hat. Er liebt nicht, weil er nie geliebt wurde! Scheiße, ich könnte heulen...//
 

„Untersuchen Sie das bitte ganz schnell und sagen Sie mir dann schnellstmöglich Bescheid. Wenn die Person noch lebt, die ihm das angetan hat... Ich schwöre... Der wird sein Leben lang nicht mehr lachen können!", sagte er fest entschlossen und wurde fragend angesehen. „Sind Sie Anwalt oder ist das Ihr Sohn gewesen?" Sakito entgleiste der ernste Gesichtsausdruck und er starrte den Größeren ungläubig an. //Bin ich schon so alt?!// „Nein, ich bin Anwalt." „Dann wünsche ich Ihnen viel Glück. Das Kind tut mir Leid." „Danke. Vielleicht können Sie dem nun erwachsenen Kind helfen, in dem Sie, wenn das Gericht stattfindet, kommen und ihm helfen, wieder frei zu sein." „Wie meinen Sie das mit... frei?" „Der Junge ist unschuldig im Gefängnis!" Der Mann machte große Augen. „Shit... Natürlich werde ich da sein und meine Männer bringe ich auch gleich mit." „Danke. Sie werden auf alle Fälle noch von mir hören, aber rufen auch Sie an, wenn Sie was Neues wissen."
 

Sie verabschiedeten sich voneinander und Sakito blieb unschlüssig im Zimmer Aoi´s stehen. Er schluckte schwer und ging zu der Gitarre, um ehrfürchtig drüber zu streichen und sie schließlich mitzunehmen. //Er wird sich freuen...//
 

Dann verließ er das Haus. Das ältere Ehepaar schlief wohl schon. Er machte sich auf zu seinem Auto und legte die Gitarre vorsichtig in seinen Kofferraum. Er stieg ein und fuhr nach Hause, um dort erstmal seine Jackett rein zu waschen und alles, was er an diesem Tag an Informationen gesammelt hatte, in seinem Laptop in einem Bericht zusammenzufassen.
 

Als er fertig war, schaltete er ihn aus und machte sich Bett fertig.

//Gute Nacht Yuu Shiroyama... Gute Nacht Akira Suzuki. Ich bekomme euch da raus, ganz sicher...//
 

+~+
 

Aoi lag in dem Moment auf einem Krankenhausbett. Er schlief. Natürlich nicht freiwillig, denn er wurde wieder mit einer Spritze mit Schlafmittel eingeschläfert. Sie hatten überrascht feststellen müssen, dass sich der anscheinend Verrückte nur ein einziges Mal gewehrt hatte und das war, als sie ihm die Klamotten ausgezogen hatten und ihn untersuchen wollten. Er war erschrocken und ängstlich zurückgewichen, bis ihm jemand eine Spritze gegeben hatte. Später hatten Sie auch entsetzt feststellen müssen, warum der Schwarzhaarige so reagiert hatte. Er wurde bereits etliche Male vergewaltigt! Sogar etwas Sperma hatten sie in ihm finden können. Das musste am nächsten Tag sofort sein Anwalt erfahren! Sie entschlossen, ihn nicht mehr in dieser Gummizelle zu sperren und diese Zwangsjacke zogen sie ihm auch nicht mehr an. Er bekam ein Krankenzimmer nur für sich, das Video überwacht war. Denn er schien ja trotzdem ein gewalttätiger Mensch zu sein. Nicht umsonst würde er wohl aus dem Gefängnis kommen!

Sie fragten sich nur, warum er nicht sprach. Kein einziges Mal hatte er etwas gesagt, obwohl sich sein Mund öfters geöffnet und seine Lippen bewegt hatte. Vielleicht war er stumm?

Sie nahmen sich vor, den Anwalt am nächsten Tag zu befragen, der ganz sicherlich wieder kommen würde.

Ein Schrei aus seinem Inneren...

Am nächsten Morgen wachte Sakito sehr früh auf. Sein innerer Wecker war daran Schuld, der ihm verriet, dass heute wieder ein ereignisreicher Tag werden würde. Wenn es ein richtiger Wecker gewesen wäre, dann hätte er den Wecker ganz sicher gegen die nächste Wand geworfen!

Er stand auf, ging ins Bad und wusch sich. Dann wurde ihm bewusst, dass er sich nicht bei Herr Takashima erkundigt hatte, ob er das Brötchen gegessen hatte! //Hol ich später noch nach.// Dann zog er sich an und machte sich schnell etwas zu Essen, bevor er sich auch schon die Zähne putze und zum Auto hinunter flitzte. //Auf geht's ins Krankenhaus!// Mit einem Lächeln im Gesicht fuhr er los und dachte daran, wie Herr Shiroyama wohl reagieren würde, wenn er seine heiß geliebte Gitarre sehen würde. Natürlich musste er auch mit ihm über seine Vergangenheit reden. Wer ihm das alles angetan hatte. Warum er im Gefängnis war. Das interessierte ihn schließlich brennend und war sehr wichtig!

In der Ferne sah er schon das Dach des Krankenhauses.
 

+~+
 

Takeda war neu in die Stadt gekommen und würde heute eine neue Chance auf einen Job erhalten. Er war Jahre lang arbeitslos und hatte in der Zeit freiwillig in Altenheimen, Kindergärten und Armenhäusern gespielt. Sein Hobby war es, den Kontrabass oder die Geige zu schwingen. Er war schon immer sehr musikalisch gewesen, aber seine Liebe zu der Musik hatte ihm später nicht weiter geholfen. Auch war sein Abschluss nicht der gewünschte gewesen und nun war er froh, endlich etwas gefunden zu haben. Gut, ein Job in einem Gefängnis war bestimmt hart, aber vielleicht konnte er einige Gefangene zum Guten bekehren. Das würde ihn glücklich machen.
 

Er betrat das Gebäude, in welchem Hunderte von Gefangene, Mörder und Triebtäter saßen und sah sich um. Dann sah er das Büro, trat an die Tür und klopfte höflich daran. Doch niemand antwortete, also klopfte er nochmal. Wieder nichts. Er wollte die Tür öffnen, aber sie war abgeschlossen.

Er kratzte sich an der Wange und sah sich etwas hilflos um. Warum war hier niemand?

Er nahm sich vor, einfach mal einen kleinen Rundgang zu machen. Wenn er wieder hier wäre, dann wäre bestimmt auch wieder jemand im Büro. //Vielleicht ist gerade Mittagszeit?//

Er lief los und trat langsam an den Zellen vorbei.

Was er sah, schockierte ihn zunehmend. Ausgehungerte Menschen, Menschen, bei denen man nicht erkennen konnte, ob sie eine dunkle oder helle Haut besaßen, da sie sicherlich seit Wochen keine Dusche mehr gesehen hatten. Ihm wurde übel, je mehr er sah. Er hatte schon immer einen empfindlichen Magen gehabt.

Dann kam er an der Zelle von Nummer 1308 und 1309 vorbei, doch als er hinein sah, konnte er nur ein Häufchen Elend auf dem unteren Bett ausmachen. Dieser Mann sah recht sauber aus. Vielleicht wurde er eben gewaschen? //Ist vielleicht heute Waschtag? Dann ist es klar, dass niemand im Büro war. Ist bestimmt eine heiden Arbeit, hier jeden zu waschen.//

"Hallo? Junger Mann? Sind sie alleine hier? Wo ist denn ihr Mitbewohner? Wird der gerade gewaschen?", plapperte er drauf los und stand neugierig am Gitter.
 

Reita fuhr hoch und starrte den Neuen erschrocken an. Ein Wärter! Unsicher sah er den Mann an. War das ein Scherz? Wollte er sich über ihn lustig machen, dass Aoi nicht mehr da war??? Reita hob ein wenig den Kopf. "Ich habe keinen Mitbewohner.", brummte er. "Was wollen Sie?"
 

"Keinen? Aber warum stehen dann hier 2 Nummern? Wie heißen sie denn? Mein Name ist Takeda. Ich bin neu hier, wissen Sie. Ich möchte heute hier anfangen." Er lächelte. "Warum sind Sie denn hier?", fragte er neugierig. Denn das war er schon immer gewesen.
 

"Sir... Wenn Sie neu hier sind... Dann reden Sie zu viel... Man darf... mit den Gefangenen nicht sprechen, Sir... Sonst bekommen Sie und wir Ärger..."
 

"Man darf nicht mit den Gefangenen reden? Was ist denn das für ein Gefängnis?", fragte er leicht verärgert. "Okay danke... Ich schau mal, wo ich hier einen Angestellten finden kann."

Er sah nochmal kurz zu dem Blonden zurück und drehte sich von ihm weg, um dann weiter gehen zu können, doch stand plötzlich direkt jemand vor ihm, der ihn streng musterte.

Takeda schluckte trocken. "Hallo. Ich bin neu hier und suche einen gewissen-"
 

"Sie sind der Neue?! Haben Sie unsere Regeln nicht gelesen, die wir Ihnen mitgeschickt hatten?! Keine Gespräche mit den Gefangenen! Und jetzt folgen Sie mir!", befahl der Wärter und lief los.
 

Reita beobachtete den Wärter und seufzte. Also hatten auch die Wärter anfangs Hoffnungen, Träume und Illusionen? Es würde wahrscheinlich nicht lange dauern, bis sie den Neuen gebrochen hatten...
 

Takeda zuckte zusammen und wurde ganz klein. "Jawohl, Sir!" Er folgte ihm und führte dann ein langes Gespräch mit dem Wärter, der ihn die Regeln eintrichterte. Je mehr er hörte, desto schneller wollte er hier wieder raus. Doch er hatte nun schon so lange auf die Chance gewartet. Da könnte er ja erstmal schauen, wie die Arbeit hier ist.
 

Seine erste Aufgabe war es, den Boden zu kehren. Überall!

Er machte sich widerwillig an die Arbeit. //So hatte ich mir das nicht vorgestellt...//
 

+~+
 

Sakito kam im Krankenhaus an und wurde sofort von 2-3 Ärzten umzingelt. Sie brachten ihn in das Krankenzimmer, in welchem Sakito zufrieden feststellen konnte, dass Aoi hier lag und nicht mehr in der abgeschirmten Kammer hocken musste, wie ein Tier.

Er trat an das Bett und besah sich die dürre Gestalt. Er war gründlich gewaschen worden und verarztet. Sakito setzte sich lächelnd auf einem Stuhl neben dem Bett und stellte die Gitarre an die Wand.

"Bitte erzählen Sie mir, was Sie herausfinden konnten.", bat er mit ruhiger Stimme die Ärzte. Eine Schwester rannte hinaus und brachte den Chefarzt mit. "Kommen Sie bitte in mein Büro?" "Können wir nicht hier bleiben...?" "Aber..." "Er schläft doch. Ich möchte jetzt einfach bei ihm sein." Der Arzt seufzte und setzte sich auf einen anderen Stuhl. Die drei Ärztinnen wurden hinaus geschickt.

„Er hat einen verstauchten Knöchel. Wurde aber verarztet. Anscheinend von jemanden, der Ahnung davon hatte." //Bestimmt nicht diese Wärter!//, dachte Sakito. //Da gibt es also auch einen Arzt. Interessant.//

"Viel blaue, violette und grüne Flecken hat er. Wird alles verheilen. Sein Rücken sieht äußerst kritisch aus. Hier, wir haben von allem Bilder gemacht." Der Chefarzt öffnete seine Mappe, die er bei sich getragen hatte, und gab ihm vier Bilder. Sakito sah sie sich an. Erst der Knöchel, der dick angeschwollen war und recht Lila aussah. Dann die vielen Flecken auf seinen Körper. An Armen und Beinen besonders schlimm. Und dann der Rücken! "Oh Gott...", murmelte er sprachlos. "W-was ist das?", fragte er an den Arzt gewandt. "Seine Haut musste in Berührung mit sehr heißem Wasser gekommen sein. Sie war aufgeplatzt und hat Blasen geworfen. Dann kam Dreck in seine Wunden und die ganze Sache hat sich entzündet. Er muss wahrlich gelitten haben. Wir haben seinen Rücken mit Brandsalbe eingesalbt und hoffen, dass es wirkt.

Dann haben wir uns seinen Hals angesehen..." Der Arzt gab Sakito ein weiteres Bild. "Was ist denn das?" „Anscheinend hat ihn jemand kräftig in den Hals gebissen. Vielleicht war es auch ein Tier. Das konnten wir nicht genau feststellen. Der Biss ist älter, doch er ist noch da, was mich wundert." Sakito nickte nachdenklich. //Moment... dann... Der Biss muss von jemanden aus dem Gefängnis stammen! Wurde er von jemanden in den Hals gebissen? Nein... mir ist nicht geläufig, dass die Gefangenen jemals raus können, um sich zu sehen. Herr Suzuki war neu in seiner Zelle und er würde in niemals beißen. Dann... muss jemand anderes in ihre Zelle gekommen sein! Das Personal!!! Scheiße... haben die sich auch an ihm vergriffen?!// „Und dann mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass er sehr oft in den letzten Jahren vergewaltigt worden ist. Zumindest sehen sein After und sein Geschlechtsorgan sehr schlimm aus. Fast so, als konnten sie sich Jahrelang nicht erholen und als wäre er jeden Tag... also..." Der Arzt ließ den Kopf etwas hängen. "Tut mir Leid. Es ist einfach furchtbar. So was habe ich in meiner gesamten Arztlaufbahn noch nicht gesehen! Wissen Sie etwas darüber?" Er sah Sakito schon leicht flehend an.
 

Dieser seufzte und faltete die Hände.

„Ja, er wurde sehr oft vergewaltigt. Früher, bevor er ins Gefängnis kam. Doch dass er jetzt immer noch... dieses Schicksal erleiden muss, wusste ich nicht. Ich befürchte, es war das Personal. Die sind dort ziemlich grob zu den Gefangen und sonst würde Herr Shiroyama auch nicht so aussehen."

Der Arzt sah Sprachlos drein. "Okay, danke. Holen Sie ihn raus?" „Ja, das werde ich."

„Und verklagen Sie diese Übeltäter, die ihn das angetan haben?"

Auf diese Frage hin musste Sakito lächeln. Dass sich so viele um Aoi sorgten, freute ihn.

"Natürlich, werde ich das."

"Danke."
 

Dann verließ der Arzt den Raum und ließ Sakito und Aoi zurück, der sich langsam zu regen schien.
 

Der Anwalt griff nach der Gitarre und zupfte ein wenig vor sich hin. //Dass sie sich noch so schön anhört! Unfassbar...//
 

Aoi's Mundwinkel zuckten verräterisch und er öffnete die Augen.

Als er Sakito sah... mit seiner Gitarre in der Hand, die er von tausend anderen sofort erkennen würde, schossen ihm augenblicklich die Tränen in die Augen und er streckte die Finger danach aus.

"Ohayou Yuu Shiroyama. Ich hab dir etwas mitgebracht. Das ist deine..."
 

Doch der Schwarzhaarige ignorierte ihn und nahm sich seine Gitarre.
 

//Danke, wäre auch zu nett gewesen, nur ein Wort zu hören.//, dachte sich Sakito und lehnte sich schmollend zurück.
 

Bedächtig strich Aoi über das Holz und über die Saiten. Dann legte er seinen Kopf auf das Holz und schien die Gitarre zu umarmen. Immer wieder strich er mit seinen Hemdsärmel über seine Augen, denn er wollte ja die Gitarre mit seinen Tränen nicht benässen.
 

Irgendwann ließ er das schmusen sein, gab dem Gitarrenkopf einen Kuss und strich nochmal liebevoll über die Saiten, ehe er vorsichtig an ihnen zu zupfen begann.

Ein seeliges Lächeln schlich sich auf sein Gesicht und seine Augen schienen zu glänzen.
 

Oder irrte sich da Sakito?

Er räusperte sich und bekam endlich Aoi's Aufmerksamkeit, der ihn argwöhnisch musterte und die Gitarre nah an seine Brust presste.
 

"Keine Angst Yuu... ähm... Darf ich doch sagen, oder?" //Scheiß auf das Förmliche!//

"Du kannst sie behalten. Sie gehört doch dir."
 

Der Schwarzhaarige war erleichtert. Er fühlte sich im Moment irgendwie glücklich. Ein Gefühl, dass er seit Jahren nicht mehr gespürt hatte und allein ihm gehörte.

Er strich wieder über das Holz. Erstaunlich dass sie sich so lange gehalten hatte. Fast, als wäre sie täglich gepflegt worden, was natürlich nicht passiert sein konnte. Wer sollte so etwas tun? Er kannte niemanden...

Noch immer verspürte er Argwohn gegenüber dem Anwalt, aber wer konnte es ihm verübeln? Nach vier Jahren Knast erscheint plötzlich jemand und meint, er wolle ihm helfen.

Vor kurzem hatte er sich noch gewünscht zu sterben, aber was passierte dann mit seiner Gitarre?

Was passiert nun mit ihm? Würde er wirklich irgendwann aus dem Albtraum heraus kommen?
 

"Darf ich?", fragte Sakito nochmal nach und nur zögerlich nickte der andere.

"Danke. Yuu also... Es würde mir sehr helfen, wenn du etwas sagen würdest. Mir zum Beispiel sagst, was dort im Gefängnis vorgefallen war? Wer dich früher... vergewaltigt hat und vor allem, warum du ins Gefängnis gekommen bist? Das sind die Dinge, die noch in meinem Puzzle fehlen, um dich rauszuholen. Bitte, kannst du es mir sagen?"
 

Aoi sah ihn mit großen Augen ängstlich und überfordert an.
 

Falls sein Klient nun endlich reden würde, zog Sakito wieder seinen Block und seinen Stift hervor, doch diese Dinge wurden ihm plötzlich aus der Hand gerissen.

Erleichtert musste er feststellen, dass er die Notizen vom Vortag bereits in seinem Laptop eingetippt hatte und somit sicher waren...
 

Der Schwarzhaarige schrieb etwas und gab es dann Sakito zurück.
 

>Ich kann nicht sprechen... Der Gefängnisarzt meinte, aufgrund eines Schockes, hab ich sie vorerst verloren.<
 

Sakito starrte auf das Blatt. "Was für ein Schock?! Liege ich richtig, wenn ich behaupte, dass das Personal dich vergewaltigt hat???"
 

Der Schwarzhaarige senkte den Blick, stellte die Gitarre neben seinem Bett ab und nickte dann ganz leicht mit dem Kopf.
 

Sakito schluckte trocken. //Also doch...// "Wie viele? Wie oft???", wollte er als nächstes wissen und gab ihm den Block.
 

Unsicher sah ihn der Patient an und starrte den Block an.

Wollte er frei sein? Wie hatte sich die Welt da draußen wohl verändert? Er dachte an die Gefangenen des Gefängnisses und an das Personal. Würde es ihm Freude bereiten, sie leiden zu sehen? Und wie... Allein dafür lohnte es sich, die Wahrheit zu sagen. Doch wäre er dann nicht wie sie? Dennoch... sollten sie dafür bezahlen, was sie ihm angetan hatten! Aber... es würde seine Welt trotzdem nicht verändern. Würde er sich hinterher besser fühlen?

Hin und her gerissen blickte er auf seine Finger und dann wieder auf den Block.
 

Sakito seufzte. „Yuu... bitte. Möchtest du nicht frei sein? Spaß erleben? Musik machen? Einfach frei sein und auf Wiesen liegen, um in den Himmel hinaufzuschauen?"
 

//Musik, Himmel, Blumen... All das, würde ich zu gerne nochmal sehen und machen. Doch mit welchem Preis?// Angestrengt dachte er darüber nach und hieß seine morgendlichen Kopfschmerzen willkommen. //Nein... es wird richtig sein...//

Den inneren Widerstand ablegend, griff er nach den Block und schrieb: "Wieviele? Sehr viele! Wie oft? Jede Woche? Jeden Monat? Ich habe kein Zeitgefühl."
 

Sakito erhielt den Block wieder zurück und las es.

//Kuso...//

"Kennst du ihre Namen? Wie sahen sie aus?"

Er gab ihm den Block wieder.
 

"Alle, die dort arbeiten. Außer der Gefängnisarzt und Küchenchef."
 

"Alle?!", fragte Sakito ungläubig nach und war schockiert. "Haben sie das mit Akira Suzuki auch gemacht?!"
 

"Wer? Reita?"
 

"Dein Zellenmitbewohner!" Sakito klang sauer, was Aoi einschüchterte.

Sofort nickte er.
 

Sakito ließ sich seufzend auf den Stuhl fallen und fuhr sich über sein Gesicht.
 

Der Schwarzhaarige zitterte leicht, da ihn das ganze auch ziemlich fertig gemacht hatte. Er hatte bisher mit niemanden über seine Probleme und Erlebnisse geredet! Und das schien auch nur der Anfang zu sein...
 

+~+
 

Nach einer langen Nacht, die er mit einer Nutte verbracht hatte, warf der Boss diese raus und duschte sich. //Ich vermisse den Blonden...//, ging es ihm plötzlich durch den Kopf und seufzte. Während er also in der Dusche stand und an Nummer 1309 dachte, holte er sich einen runter. "Nghn..."
 

Als er gekommen war, spülte er das Sekret von seinem Körper und stellte die Dusche wieder aus. Er trocknete sich ab und schlüpfte in frische Klamotten. //Leider kann ich erst in ein paar Tagen wieder zurück.//

Er setzte sich im Wohnzimmer auf seine Luxuscouch und legte die Beine hoch.
 

//Wie es wohl Nummer 1308 geht? Hoffentlich kommen sie nicht auf uns... Ich frage mich immer noch, warum ich das eigentlich getan habe. Das war ein Fehler. Ich hätte ihn umbringen sollen!// Dann hatte er plötzlich eine geniale Idee. //Vielleicht bringt er sich dadurch selber um?//

Ein böses Grinsen schlich sich auf seine Züge und er griff nach dem Telefon.

"Verbinden sie mich bitte mit dem Memorial Krankenhaus in Tokyo."
 

+~+
 

Sakito brauchte eine Pause. Dringend! Das war selbst für ihn zu viel gewesen. So etwas Grausames zu erfahren.

"Ich hol mir nur mal schnell einen Kaffee. Bin gleich wieder da.", sagte er zu Aoi, stand auf und verließ das Zimmer.
 

Er bekam nicht mit, wie jemand kurz nach seinem Rausgehen, das Zimmer betrat und ein Telefon in der Hand hielt.
 

Der Schwarzhaarige saß zitternd da und starrte auf den Block des Anwaltes. Kurz nachdem der das Zimmer verlassen hatte, kam eine Schwester in das Zimmer gelaufen und hielt ihm nun das Telefon unter die Nase. Verständnislos sah er sie an, ehe sie es ihm in die Hand drückte und verschwand.

Wer bitte sollte IHN anrufen???!
 

Er legte den Hörer an sein Ohr und lauschte der nur allzu bekannten Stimme. Er wurde blass und seine Miene versteinerte sich.
 

"Hallo~ Nummer 1308. Ich wollte mich mal erkundigen, wie es meiner Schlampe so geht? Na? Hast du schon einen Ersatz bekommen? Vielleicht einen Arzt? Hm~ im weißen Kittel und starken Oberarmen, der dich bis zu Besinnungslosigkeit vögeln kann?" Bei der Vorstellung könnte er schon wieder rattig werden. "Wenn du zurück bist... Dann überleg ich mir was ganz Feines für dich und deinen blonden Freund." Bei der Erwähnung Reitas, fing er an noch breiter zu grinsen. "Du verfluchst mich ganz sicher, weil ich DEINEN Kerl gefickt habe, hum? Weißt du was, Kleiner? Es ist mir scheiß egal! Hass mich, was solls. Der Fick war toll und schon bald, wird sich das wiederholen, denn er gehört nun mir! Er hat mir versprochen, mein zu sein und weißt du, was ich ihm dafür versprechen sollte?" Er lachte schaurig und ließ Aoi noch mehr zusammen zucken, als das kleine Häufchen Elend eh schon war. "Dass ich dich ins Krankenhaus bringe. Das habe ich und... nun kann ich alles von ihm verlangen. Er tut es. Ist das nicht aufopfernd? Wird wegen dir zu meiner Marionette. Er scheint dich wirklich zu mögen, Knirps." Dann lachte er wieder und beendete das Gespräch.

//Herrlich. Eine schlechte Tat am Morgen und man ist gleich viel besser gelaunt.//
 

Aoi ließ den Hörer fallen und starrte an die gegenüber liegende Wand. Tränen lösten sich in Sturzbächen aus seinen eh schon verheulten Augen und die Mauer um sein Herz, stürzte mit einem Mal ein. Was hatte er getan...?! Hatte Abschiedsworte geschrieben, ihm Lebewohl gesagt, obwohl er das alles überhaupt ihm verdanken konnte?! Den Anwalt... Dass er jetzt hier war und... die Entdeckung, dass er doch zu lieben bereit war. Ihn... und zwar nur ihn!
 

Er verspürte soviel Hass auf sich selbst und die Situation, in die er Reita gebracht hatte, dass er den Mund öffnete und schreien wollte. Einfach alles loswerden. Seine Trauer und Verzweiflung in die Welt hinaus schreien, auf das alle erfahren, dass er noch lebt.
 

Und er schrie... Er schrie wirklich!
 

+~+
 

Sakito fuhr zusammen, als er den Schrei hörte und ließ den Kaffeebecher fallen. Direkt auf sein neu gewaschenes Jackett. //Schöner Mist! Auch noch heiß!// Es kam aus Aoi's Zimmer. Hatte er gerade geschrien?! Ein Wunder! Aber warum schreit er?! Panisch stürzte der zum Zimmer, schubste Krankenschwestern und Ärzte beiseite und lief hinein.

Da stand er! Yuu Shiroyama, mit der traurigsten Geschichte seines elenden Lebens, die Sakito je gehört hatte und taumelte zum Fenster! Er wusste sofort, was der andere vor hatte, lief zu ihm und hielt ihn zurück. "Nein, du bleibst schön hier Freundchen.", murmelte er und hielt den sich wehrenden Aoi fest. Er sah die Tränen in den verquollenden Augen und wieder überkam ihm tiefe Trauer. "BRINGEN SIE MICH ZU IHM!!", schrie Aoi, schluchzte und ließ sich schwach in Sakito's Arme fallen. Heulend brach er zusammen...
 

~+~
 

„Aber Sie können doch Herrn Shiroyama nicht hier weg bringen! Er hat Verletzungen und brauch Bettruhe!", versuchte ein Arzt Sakito davon abzuhalten, Aoi in seinen Armen zu seinem Auto zu tragen. „Ich bringe ihn dann doch wieder. Jetzt lassen Sie mich durch!", bat Sakito, der es nicht gewohnt war, andere Leute durch die Gegend zu schleppen, auch wenn Aoi wenig wog.

„Sollen wir Sie lieber fahren?"

„Kümmern Sie sich lieber darum, heraus zubekommen, wer ihn angerufen hat! Damit könnten Sie mir am besten helfen."

„Aber... wie-"

„Wollten sie nicht schon immer mal Detektiv spielen? Jetzt leben Sie den Wunsch aus und tun Sie, was ich sage!"

Verärgert sah ihn der Arzt an.

„Sie stehen ja immer noch hier?!"

Der Arzt stürmte wütend davon.

//Dass man immer erst laut werden muss... scheußlich.//

Er legte Aoi auf seine hintere Sitzreihe und schnallte ihn bestmöglich an. Dann setzte er sich ans Steuer und fuhr zum Gefängnis.
 

Als er dort ankam, stürmte er hinein und fand einen kehrenden Wachmann vor. Schmunzelnd lief er zu ihm. Irgendwie sah das ganz schön witzig aus.

„Guten Tag. Mein Name ist Sakito und ich bin der Anwalt von Nummer 1309. Ich würde ihn gerne Treffen. Können Sie das in die Wege leiten?"

Überfordert sah ihn der andere an. „J-ja,ja! Natürlich! Gehen Sie schon mal darein!"

Sakito nickte überrascht und lief zum Auto. Er schnallte Aoi ab. „Wach auf, Aoi!"
 

+~+
 

//Oh Gott... Was mach ich jetzt?! Mein Chef ist in die Mittagspause gegangen. Er wollte auch nicht gestört werden. Aber was soll schon großartig dabei sein? Ich meine... das... ist ein Anwalt. Völlig harmlos. Vielleicht kann er helfen und jemanden hier raus holen. Kenne ich Nummer 1309 nicht? Das war doch dieser... ähm... blonde Mann! Genau!//

Schnell lief er los und stand dann auch schon an dessen Zellentür. "Hey! Ähm... Hallo? Nummer... blonder Mann!" //Warum haben die Nummern?! Ist doch bescheuert...//

Verlegen stand er da und tappste von einem auf den anderen Fuß. Schlief Nummer 1309?
 

Reita sah hoch und hob die Augenbrauen. "Sie sind ja immer noch da... Was wollen Sie denn? Die Nummer... die man mir gegeben hat... ist 1309... Sie sollten sie sich merken...", murmelte der Blonde dumpf und senkte wieder den Kopf.
 

+~+
 

Der Schwarzhaarige zuckte zusammen, als jemand an ihm rüttelte und saß aufrecht. Verwirrt sah er Sakito an und wich etwas zurück, da dieser seinem Gesicht so Nahe war. Hatte er Besorgnis in seinen Augen aufblitzen sehen? Als er gegen die andere Tür stieß, drehte er sich ängstlich um und hielt seine Hand an das Glas. Hatte man ihn jetzt in eine noch kleinere Zelle gesteckt?
 

"Aoi! Wir können jetzt zu Herrn Suzuki. Doch dafür musst du aus dem Auto rauskommen." Er hielt ihm seine Hand hin, um ihn rausziehen zu können, falls er sich dafür zu schwach fühlen könnte.
 

//Au... Auto? Rei?!// Mit zittrigen Fingern tastete er nach etwas Greifbarem und zog sich zur offenen Tür, Sakito's Hand ignorierend.
 

Der Anwalt wich etwas zurück. Wenn Aoi noch immer Angst und Misstrauen gegen ihn hegte, dann wäre es wohl nicht ratsam, ihm zu Nahe zu kommen. Sonst galt er noch als aufdringlich und dann würde Aoi sich niemals ihm gegenüber öffnen.

"Kannst du stehen?", fragte er, da der Ältere ziemlich wacklig auf den Beinen war.
 

Als er außerhalb dieses Fahrzeuges war, sah er sich um und sog den Geruch der Luft in sich auf. Er schloss kurz die Augen und genoss die kurze Freiheit, ehe er mit entschlossenem Blick zum verhassten Gefängnis sah, in dem Reita steckte, und drauf zu ging. Sakito ihm hinterher, bis der Anwalt ihn überholte und nachsah, ob irgendwelche grimmigen Wächter in der Gegend waren. //Der den ich angesprochen hatte, war bestimmt neu.//, dachte Sakito und hoffte es auch.

Aoi wurde in einen Raum bugsiert und als die Tür in ihren Rahmen fiel, drehte sich Aoi ängstlich um, sprintete zur Tür und versuchte sie zu öffnen. Und siehe da... Sie war nicht zu. Etwas verlegen schloss er die Tür wieder und drehte sich zu Sakito um. "Gehen Sie dann bitte raus?"
 

Der Anwalt sah ihn erst überrascht an, dann nickte er jedoch verständlich.

Er verließ den Raum und wartete vor der Tür, als sein Handy klingelte. Irritiert ging er ran. "Ja, hallo?" „Hallo Sakito-san. Hier ist die Spurensuche. Wir haben den Übeltäter, der den Jungen vergewaltigt hat." Sakito ließ vor Aufregung fast den Hörer fallen, doch er konnte ihn gerade noch so fangen. „W-wer war es??" „Sein Onkel. Und wissen Sie was, Sakito-san? Der Typ lebt noch!" „Was?! D-danke, ich kümmere mich um ihn." Er legte auf und zerdrückte beinahe sein Handy in seinen Händen, so sauer war er plötzlich. //Er wagt es noch zu leben, dieses Schwein!// Er hörte auf, sein Handy zu strangulieren und rief einen Freund an, der Polizist in der Nachbarstadt war. „Hey~ Ich bin es Sakito... Nein, bei mir ist nichts okay. Ich arbeite nämlich gerade an meinem unglaublichsten und schrecklichsten Fall! Ich brauche deine Hilfe. Hast du Zeit? ... Gut, dann fahr bitte so schnell es geht nach Mie und finde heraus, ob dort noch ein Mann mit dem Namen Shiroyama lebt. Der Onkel eines gewissen Yuu Shiroyamas. Wenn du ihn gefunden hast, nimm ihn fest und sperre ihn ein. Machst du das? Du würdest mir sehr damit helfen. ... Warum? Die Polizei hier in Tokyo ist unfähig, deshalb! Ich vertraue denen nicht mehr. ... Echt? Danke Mann. Ich bin dir was schuldig."

Sie beendeten das Gespräch und Sakito könnte vor Freude in die Luft springen. Endlich näherte er sich seinem Ziel. Endlich löste sich langsam das Rätsel. Aoi konnte ja auch wieder sprechen! Breit grinsend stand er da und wartete auf Herrn Suzuki und den neuen Wärter. Der Mann tat ihm irgendwie Leid. //Was macht der auch hier?!//
 

+~+
 

"Also echt mal... Sie haben doch einen Namen. Dieses Gefängnis ist grausam... Na ja, was anderes... Sie haben Besuch. Ihr Anwalt ist da." Er lächelte und schloss die Zelle auf. "Leider muss ich Ihnen bis dahin Handschellen umlegen. Tut auch nicht weh. Nur, wenn Sie mir wehtun, dann muss ich Ihnen wehtun. Tun sie's bitte nicht. Ich habe mich noch nie mit jemanden gehauen." Verlegen trat er auf ihn zu. "Kommen Sie?"
 

Reita hob erneut den Kopf und sah ihn an. "Besuch...? Ich... komme..." Mühsam stand er auf, er hatte kaum noch die Kraft gerade zu stehen. "Ist schon gut... Ich bin das gewohnt nur... sollten Sie so was nicht... vor den anderen sagen... Sonst werden Sie leicht zum Opfer... okay?" Das Sprechen strengte ihn furchtbar an und er ließ es zu, dass sich die Handschellen um seine Gelenke schlossen. Kraftlos stolperte er hinter dem Neuen hinterher.
 

Erschrocken musste er feststellen, dass der Blonde ja kaum gehen konnte! Geschweige denn, ordentlich zu sprechen. "Danke für den Tipp, aber das sag ich ja auch nicht zu jedem." Er grinste schwach und führte ihn langsam zu dem Raum, in dem Gefangene mit Verwandten und anderen Personen sprechen durften. Was ihn schockiert hatte aran, war, dass das Schloss, welches er zuvor zum Betreten öffnen musste, ihm förmlich wegbröselte, so verrostet war das Eisen.
 

Der Anwalt, der eben noch davor stand, kam auf sie zu.
 

"Da sind Sie ja.", meinte Sakito erleichtert. "Wären Sie so freundlich und nehmen ihm die Handschellen ab? Dann kümmere ich mich um ihn."
 

Der Neue blinzelte irritiert und nickte sofort. "Okay, Sie sind der Anwalt.", murmelte er und löste die Handschellen.

Dann sah er, wie der Blonde zur Tür dieses Raumes bugsiert wurde, der Mann im Anzug die Tür öffnete und Nummer 1309 mit einem Lächeln leicht hineinschubste. Dann schloss er die Tür wieder und sah zufrieden aus.

"Warum gehen Sie denn nicht rein?". fragte Herr Takeda schmunzelnd.

"Ein Freund wartet auf ihn.", meinte der Anwalt nur und lächelte wieder.

Auch Takeda lächelte, holte sich dann seinen Besen, den er vorhin abgestellt hatte und suchte sich ein dreckiges Plätzchen für seine Arbeit.
 

Schmunzelnd sah Sakito dem seltsamen Wärter nach und schüttelte den Kopf.
 

Reita wusste kaum wie ihm geschah und schon stolperte er in den Raum, drehte sich erschrocken um, als sich die Tür hinter ihm schloss. "W... was...?"
 

"Rei...", hauchte jemand in der Dunkelheit und trat etwas ins Licht. Wieder glitzerten Tränen auf seinen Wangen und er war schockiert über den Anblick des Blonden, denn dieser sah ziemlich abgemagert und kränklich aus. "Was haben sie nur mit dir gemacht..."

Gespräche und Geständnisse

"Was haben sie nur mit dir gemacht... "
 

Reita glaubte nicht richtig zu hören... „Aoi... ?" Er stolperte auf den Schwarzhaarigen zu, brach aber noch zu Boden, bevor er bei ihm war und blieb zitternd auf Händen und Knien. „A... Aoi... " Nur langsam hob er den Kopf, als habe er Angst, dass es nur ein Traum sein könnte... „Du... du bist es... wirklich... Warum... warum bist du zurückgekommen... Haben sie dich... erwischt...? Nein... nein bitte... sag das nicht..." Er war zu schwach um weinen zu können, doch das Zittern seines Körpers sprach eine nur allzu deutliche Sprache...
 

Erschrocken ließ Aoi sich neben ihm auf die Knie sinken und sah ihn traurig an. //Was habe ich nur getan...? Er wollte nur... helfen...// Zum ersten Mal seit langem verfluchte er sein ständiges Misstrauen, das ihn in den letzten Jahre geschützt hatte.

„Ja, ich bin es wirklich. Ich habe dir doch versprochen, dass ich dich besuchen komme... Erinnerst du dich nicht mehr? Ich wollte dich sehen... Dir... sagen, dass es mir Leid tut. Ich wusste nicht, dass du es für mich getan hast... und ich? Ich hab dich dafür gehasst, dass du mir weh getan hast... Warum hast du das getan Reita? Denkst du, dass Ärzte MIR helfen können? Sie haben mich in eine Zwangsjacke gesteckt und für Irre gehalten... Mich ausgezogen und Spritzen gegeben. Immer wieder Spritzen... Bei dir zu bleiben, wäre mir lieber gewesen..."

Der Schwarzhaarige griff nach Reita's Handgelenken und zog sie vorsichtig zu sich, so dass Reita ihm in die Arme fiel und er zaghaft seine Arme um ihn legen konnte. "Es tut mir Leid, Rei... Ich wollte dir nicht wehtun..."

Er schluchzte auf vergrub seinen Kopf an Reita's Halsbeuge. „I-ich mag dich... Reita..."
 

Für einen Moment schloss er seine Augen und sah eine Spritze auf sich zuschnellen. Abrupt öffnete er die Augen wieder und sah sich panisch um. //Was war das...? Eine... Erinnerung?//
 

„R-Reita? Kann man diesem Anwalt vertrauen?", fragte er und sah ihn unsicher an. "Ich versteh nicht, warum er mir helfen will..." Misstrauen nagte an ihm und ließ ihn mit seinem Piercing spielen, das er sich damals aus Protest hatte rein machen lassen. Er konnte sich noch zu gut, an die Folgen erinnern, die ihn danach zu Hause erwartet hatten...
 

Reita sank ohne Widerstand in Aoi's Arme, schmiegte sich an ihn und klammerte sich an ihm fest. "Dann... hab ich wieder... versagt... wenn sie dir... nicht geholfen haben... Ich kann gar nichts, hm?" Er lächelte traurig, zitterte nur noch mehr. "Ich habe... gedacht, dass Sakito... vielleicht... so bessere Chancen hat... dich frei zu bekommen... Verstehst du? So kann er... in Ruhe... mit dir reden... Ja... vertrau ihm... Er will nichts Böses... Ich... mag dich auch... sehr... Aoi..." Er lächelte schmal und löste sich dann wieder von ihm. "Es ist... gefährlich... wenn du hier... bist..."
 

Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, strich er beruhigend über Reita's Rücken und schmiegte sich wieder an ihn. Er fühlte sich so wohl bei ihm, was ihn schon etwas verwirrte, worüber er sich aber auch nicht den Kopf zerbrach, weil er wusste, dass er nicht ewig bleiben konnte. Es war ein Wunder gewesen, dass das hier überhaupt möglich war. War das wieder dieser Anwalt gewesen?

Er ließ seine Gedanken Gedanken sein und lauschte dem Blonden. "Ach Reita... Natürlich hilft mir das, aber... ich bräuchte wahrscheinlich einen... Wie sagt man? Seelenklempner? Das hieß früher so... Ich weiß nicht, wie es jetzt heißt, aber ist es noch das selbe.", sprach er leise und hielt ihn fest in seinen Armen. "Ist dir kalt? Ich hab dir leider keine Decke mitbringen können, aber die hätten sie dir eh wieder genommen..." Nachdem der Jüngere meinte, dass er Sakito vertrauen sollte, lächelte er zaghaft und kraulte seinen Nacken. Die Tiere haben es früher immer gemocht, vielleicht war es bei den Menschen auch so? "Gut, dann werde ich mit ihm reden, auch... wenn es bedeutet, dass meine Vergangenheit mich einholt. Dann kann... ich dich als freier... Mensch besuchen." Er löste sich etwas von ihm und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, das jedoch rasch wieder verschwand.
 

"Ich... ich will nicht schon wieder gehen. H-hier ist mein Platz...", murmelte er, drückte sich an ihn und strich mit einer Hand über den staubigen Boden. Er schloss die Augen und genoss die kurze Zeit, die ihnen noch blieb. "Klingt das... egoistisch...?", fragte er und schmunzelte.
 

Reita hatte ihm zugehört und lächelte. "Nein... das klingt wunderschön... Aber dein Platz ist nicht hier, Aoi... Du gehörst nach draußen. Du hast das Leben verdient... Nun geh... Sonst... sonst bricht mein Herz... Geh... Aoi. Und wenn du magst... komm mich irgendwann mal wieder besuchen..- ja? Du wirst es schaffen... das weiß ich... Du bist so stark, wahrscheinlich... weißt du es selbst nur nicht..." Reita lächelte und blieb so auf dem Boden sitzen, sah zu ihm auf und sein Blick war voller Liebe und Zärtlichkeit.
 

"Warum soll ich das Leben verdient haben? Ich bin nichts Besonderes... Das wurde mir mein ganzes Leben eingetrichtert... W-warum bricht dein Herz, wenn ich nicht gehe? Willst du nicht, dass ich bei dir bleibe?", fragte er traurig und Kummer ließ sich aus seiner Stimmlage vernehmen. Doch er wusste ja, dass er gehen musste... "So schnell wie möglich, werde ich wieder bei dir sein. Du wirst mich nicht mehr los...", meinte er und grinste leicht. Er ließ ihn los und stand etwas wacklig auf. Dann sah er zu ihm und streckte ihm die Hand entgegen. Doch als er seinen Blick sah, wurden seine Wangen rot und er musste schwer schlucken. "R-Rei...~ Warum schaust du so~?", fragte er verlegen und zitterte vor Aufregung. Er wusste nicht, was mit seinem Körper los war und diese Unsicherheit machte ihn nervös.
 

Reita lächelte. "Ja... Du kommst zurück... Das weiß ich... Doch wenn du jetzt nicht gehst... dann wird das Warten für mich... unerträglich... Dann halte ich keine einzige Sekunde aus... Aoi? Werd´ glücklich. Denn du bist etwas Besonderes. Na geh schon... Und vertrau Sakito... Er wird dich rausholen... Zum Sprechen hat er dich... doch auch wieder gebracht..." sagte er leise und streichelte über Aoi's Hand. "Lass mich noch... einen Moment so... sitzen... okay?"
 

Verwirrt blinzelte er. Er verstand nicht ganz, was Reita meinte, aber es hörte sich sehr wichtig an. "Warum redest du nur davon, dass ich glücklich werden soll? Was ist mit dir? Ohne dich, weiß ich gar nicht, was ich dort draußen in der großen Welt machen soll.", murmelte er verlegen. "N-nein, nicht er war das! Das... D-der Boss hat mich im Krankenhaus angerufen und hat mir... von eurem Deal erzählt... Dann... hab ich geschrien..." Mit unruhigen Augen sah er zur Tür, an der jemand klopfte und wieder zu Reita. "O-okay." Er drückte seine Hand und öffnete dann die Tür. Sehnsüchtig sah er zurück, bevor er von Sakito empfangen wurde, der telefonierte.
 

Reita erstarrte. Der Boss also... Wie konnte dieses Schwein es wagen??? Er senkte den Kopf und seufzte. "Aoi...? Versprich mir bitte eine Sache, ja? Du musst dich zuerst um DICH kümmern. Dass du frei kommst. Sag Sakito das, in Ordnung? Bevor du nicht frei bist, will ich weder dich noch Sakito hier sehen... Du bist wichtig! Hörst du? Und... das ist mein voller Ernst!"
 

//Redet Sakito da mit seiner Frau?//, fragte er sich, bevor er Reita's Stimme hörte und sich rasch umdrehte. Seine folgenden Worte ließen ihn überrascht die Brauen hochziehen. "Baka... Wenn du das unbedingt möchtest.", seufzte er und schlang die Arme um seinen Körper. Ihm war irgendwie kalt. Hatte er noch dieses Krankenhausgewand an?? Er spähte zu seinem Rücken und seufzte genervt. Sakito hatte ihm zwar eine Jacke gegeben, aber von seinem Hintern war immer noch etwas zu sehen. Kein Wunder also, wenn er fror. Dann wurden sie von dem Anwalt angesprochen und er drehte sich halb zu ihm um. Er konnte ihm doch jetzt vertrauen, oder? Reita tat es, also konnte er das auch. Er lächelte Reita noch kurz, aber traurig, zu, bevor er zum Ausgang lief.
 

Kurz davor blieb er stehen und überlegte, ob er zurück rennen sollte. Er vermisste ihn irgendwie schon jetzt, aber würde er wieder egoistisch handeln und sie alle in Gefahr bringen. Kopfschüttelnd setzte er seinen Weg fort.

Sakito an ihm vorbei und öffnete die Tür seines Autos. Etwas ängstlich zwar, stieg er dennoch ein und kämpfte mit dem Gurt, bis er saß und ihn festhalten konnte.

Er sah zu dem Gefängnis zurück. //Rei...// Ein leichtes Lächeln schlich sich wieder auf sein Gesicht.
 

+~+
 

Uruha konnte auch diese Nacht nicht sehr gut schlafen. Er verfluchte sich selbst dafür. Er war müde, doch sobald er sich hingelegt hatte, war er wieder wach, machte sich Gedanken über dies und das und tat eigentlich alles, außer schlafen.

Doch immerhin hatte er es an diesem Morgen zum frühstücken geschafft, nach dem er etwa eine halbe Stunde unter der Dusche stand, bis es ihm zu lästig war, sich ständig die Haare aus dem Gesicht zu wischen. Er hatte sich abgetrocknet und war wieder in Jogginghose und Shirt geschlüpft und in die Küche geschlurft.

Es war schon erstaunlich wie wenig er zu tun hatte, wenn sein bester Freund nicht mehr da war. Doch für Uruha war das Wissen, dass Reita wegen ihm noch immer dort hinter diesen Gittern saß, schlimmer, als der Gedanke daran, selbst dort zu sitzen.

Inzwischen saß Uruha noch immer in der Küche, rührte in seinem nun kalten Kaffee rum, und biss ein Stück von einem Apfel ab, den er sich als kleinen Nachtisch, nach seinem Müsli geholt hatte.

Doch nach der Hälfte war ihm schlecht und er warf den Rest in den Mülleimer. Der Kaffee fand seinen Weg in den Abguss und der Brünette setzte erneut Wasser auf, um sich einen Tee zu kochen.

Er warf einen Blick auf die Uhr und seufzte. Was sollte er denn den ganzen Tag machen? Vor allem, wenn er sich eigentlich auf nichts anderes konzentrieren konnte, als auf die Tatsache, was in den letzten Wochen geschehen war.

Einige Zeit später ging er mit einer Tasse in der Hand ins Wohnzimmer, stellte sie auf den Tisch und hätte sich beinahe auf sein Handy gesetzt. Er schob es zur Seite, setze sich und nahm es dann in die Hand. Ob Sakito schon Neuigkeiten hatte? Uruha wählte die Nummer des Anwalts aus seinem Telefonbuch und besah sie sich eine Weile in Gedanken vertieft. Wenn es Neuigkeiten gäbe, dann hätte er sie ihm bestimmt schon mitgeteilt.

Er seufzte, schmiss sein Handy wieder zur Seite und schaltete den Fernseher ein. Doch auch dieser konnte ihn nicht ablenken. Wieso musste er auch immer so viel nachdenken. Er schaltete die Kiste wieder aus, lehnte sich zurück und linste erneut zu seinem Handy. „Ach man...", murmelte er, nahm es wieder auf, wählte erneut die Nummer und drückte diesmal den kleinen grünen Knopf. Sofort hörte er das Freizeichen, kaute leicht auf der Unterlippe rum und überlegte, was er überhaupt sagen sollte, wenn der andere dran ging.
 

Kaum hatte Sakito sein Handy wieder weggesteckt, klingelte es erneut und er wäre beinahe vor Schreck laut geworden, wenn er sich nicht auf die Unterlippe gebissen hätte. Er holte es wieder aus seiner Tasche hervor. ///Kouyou~// Er nahm das Gespräch an und legte es an sein Ohr. "Hallo~ Herr Takashima... Wie geht es Ihnen?", fragte er flüsternd, da er nicht auf sich aufmerksam machen wollte und blickte sich lauernd um.
 

Der Brünette blinzelte leicht überrascht, als er die Stimme hörte und im ersten Moment fiel ihm keine Antwort ein. "Ano...", begann er, schüttelte dann den Kopf und versuchte seine Gedanken zu ordnen, "Mir geht's gut, danke... ano... gibt es... ehm... schon irgendwas Neues...?"

Irgendwie kam er sich blöd vor, bei dieser Frage. Bis jetzt hatte ihm der Anwalt immer Bescheid gegeben, wenn er irgendwelche Neuigkeiten hatte. Er zupfte leicht an seiner Hose rum und wartete eine Antwort ab.
 

"Das ist schön. Tut mir Leid, dass ich Gestern nicht mehr angerufen hatte, aber im Moment ist einfach so viel los. Also es gibt viel Neues, aber noch nichts wegen Herrn Suzuki und Aoi kennen Sie ja nicht. Obwohl... Wenn ich die beiden rauskriege, werden Sie ihn bestimmt auch kennen lernen." Er grinste etwas, was natürlich Herr Takashima nicht sehen konnte, aber würde es auch senil wirken, wenn er alles kommentieren würde, was er machte, oder? "Und immer schön zu Hause bleiben. Da sind Sie sicher, ja?"
 

"Ach so... okay... tut mir Leid... ich... ehm... wollte nicht Neugierig sein... oder so... na ja, Sie wissen schon.", sagte er und zog die Knie auf die Couch. Er warf einen leicht sehnsüchtigen Blick Richtung Fenster und nickte leicht. "Hm... hai, ich weiß~ Ich bleib zu Hause..."

Ihm war inzwischen etwas langweilig. Hatte die Wohnung nun schon zum zweiten Mal aufgeräumt und hatte einfach nichts zu tun. Wie lange er wohl noch in seiner Wohnung bleiben musste? Was wenn der Kerl gar nicht hinter ihm her war und er nie gefasst würde? Müsste er dann in seiner Wohnung versauern? "Ano dann... Sie sind bestimmt ziemlich beschäftigt, ich... ehm... will gar nicht weiter lange stören..."
 

"Was? Schon okay, kein Problem. Kann ganz schön langweilig werden, oder? Hm... Vielleicht schaffe ich es, heute Abend zu Ihnen zu kommen? Ich könnte Spiele oder Filme mitbringen? Also... wenn Sie nichts anderes zu tun haben." Sakito sah auf seine Uhr und stutzte. Schon so lange waren sie hier?! Sie mussten gehen! Er ging zur Tür und klopfte an.
 

Uruha sah auf und musste leicht lächeln. Das hörte sich gut an. Er blinzelte leicht und war etwas verwirrt über sich selbst. Er lief etwas rot an, als ob er sich irgendwie in Verlegenheit gebracht hatte und vergrub sein Gesicht lieber an seinen Knien. "Ano, aber nur wenn Sie wirklich Zeit haben...", meinte er dann etwas leiser und hoffte gleichzeitig ziemlich stark, dass der andere Zeit hatte.
 

"Ja, ich werde bestimmt Zeit finden.", lächelte Sakito, als die Tür plötzlich aufging. Überrascht sah er Aoi an, der zwar an der Tür stand, aber noch immer mit dem Blonden redete. "Ich muss jetzt Schluss machen. Bis später~", sagte er zu Herrn Takashima. Widerwillig legte er auf und spähte zu Reita, der am Boden kniete.
 

Uruha nickte erneut leicht, jedoch mehr zu sich selbst und antwortete dann: "Okay~, dann... ano~ Bis später dann..."

Er legte ebenfalls auf, blickte eine Weile auf das Display seines Handys und legte es dann zur Seite. Er legte sich zurück, wandte den Blick an die Decke und schwieg. Hoffentlich verging die Zeit schnell und er musste sich nicht zu lange langweilen. Der Brünette stand wieder auf, ging zum Fenster und öffnete dieses um etwas frische Luft zu schnappen.
 

+~+
 

"Alles okay mit euch?", fragte Sakito besorgt und legte zaghaft eine Hand auf Aoi's Schulter. "Wir müssen jetzt leider los." Er drehte sich kurz von ihnen weg und sah nach dem kehrenden Wachmann. "Hey~ Sie~!", flüsterte er gebrüllt und der Wachmann sah zu Ihnen herüber. Der Anwalt winkte ihn heran. "Achten Sie schön auf ihn, klar?!"
 

"Ich versuche es, aber es ist schwer... Wer ist denn der Schwarzhaarige?", fragte Takeda.
 

Schmunzelnd sah Sakito ihn an. "Das... darf ich Ihnen nicht sagen. Wir waren nie hier, verstanden?", meinte Sakito mit Nachdruck und bugsierte Aoi zum Ausgang.
 

Der Wachmann schmunzelte, nickte dann aber ergeben und begab sich zu Reita in den Raum. "Ano... Warum hocken Sie denn da unten? Hat ihn jemand von den beiden weh getan? Los, kommen Sie. Stehen Sie auf. Wir müssen zurück, bevor die Pause zu Ende ist."

Er hievte ihn vom Boden hoch und legte ihm die Handschellen um. "Schnell!"
 

"Nein, mir geht's gut." Er lächelte den Wächter an, stand zitternd auf und ließ sich ohne Widerstand fesseln. Dann lief er mit dem Wärter mit, stolperte zwar einige Male, doch er fing sich immer wieder. "Sie sind... ein guter Mensch... Wissen Sie das?"
 

"Passen Sie auf, dass Sie mir nicht hinfallen.", meinte Takeda besorgt und brachte ihn in seine Zelle zurück, wo er ihm die Handschellen wieder abnahm. "Hum? Ano... ja, das sagt man mir oft. Danke. Und jetzt ruhen Sie sich ein bisschen aus." Er lächelte noch kurz, bevor er schnell die Zelle verließ und sich aufmachen wollte, zu seinem Besen zu eilen, als er plötzlich an der Schulter gefasst und umgedreht wurde. Vor ihm stand ein anderer Wächter. "Oh... ano... Ich hoffe, das Essen hat Ihnen gemundet. Ich wollte gerade-"
 

"Schweig! Was machst du hier?!", fragte der Größere und linste in die Zelle zu Nummer 1309. Schmunzelnd betrachtet er ihn, bevor er den Kleineren am Kragen packte. "Du hast da einen Fleck übersehen...", sagte er gehässig, drückte ihn auf den Boden und zeigte auf seine Schuhe. "Saubermachen!"
 

Takeda hatte sich kaum wehren können, als er zu Boden gedrückt wurde, da er nicht annähernd so stark war, wie der andere. Doch als er den Sinn dahinter verstand, sah er säuerlich auf. "Das ist bestimmt nicht die Aufgabe eines Wächters!? Wenn doch, putzen Sie sich die gefälligst alleine!" Auf solch eine Arbeit würde er sich niemals herunterlassen! Er war ein Künstler!
 

„SAUBERMACHEN!!!!“, brüllte der Wärter ihn an und Takeda machte sich dann doch zitternd daran, dem unfreundlichen Mann die Schuhe zu putzen.
 

~+~
 

"Aoi? Darf ich dich was fragen?"
 

"Später... Bitte... fragen Sie mich später... Sakito...", murmelte der Schwarzhaarige und lehnte sich im Auto zurück. Seine Hände hatten sich an den Griff der Tür verkrampft, so dass seine Fingerknöchel weiß hervor traten. Als der Anwalt an einer Ampel halten musste, atmete er erleichtert auf und entspannte sich ein wenig, bevor es auch wieder weiterging und er beinahe an der Tür klebte. "W-wann sind wir endlich da?!", fragte er mit leicht erhöhter Stimme und hatte die Augen zusammen gekniffen.
 

Sakito fand die Frage witzig, da kleine Kinder das auch immer ihre Eltern fragten, doch als er grinsend in den Spiegel blickte und das bleiche Gesicht des Schwarzhaarigen, die zusammen gekniffenen Augen und die Lippen, die nur noch einen Strich bildeten, sah, da erlosch auch sein Grinsen und er konzentrierte sich wieder auf die Fahrbahn. "Wir sind gleich da. Halte durch!", bat er und sah schon das Krankenhaus.

Erleichterung machte sich in ihm breit, doch ließ ihn trotzdem immer wieder nach hinten sehen.

//Bitte nicht wieder übergeben.//, betete er und parkte auf dem Parkplatz des Krankenhauses.
 

Dann stieg er aus, nachdem er sich abgeschnallt hatte, und lief zu der Tür, hinter der Aoi saß. Er öffnete vorsichtig die Tür und lugte in den entstandenen Spalt. "Aoi, du kanst die Tür jetzt loslassen. Wir sind da."
 

Ein Auge Aoi's öffnete sich zaghaft und sah sich um. //Wir stehen wirklich!// Das Andere gesellte sich dazu und er ließ die Tür langsam los. //Wie ein Kind...//, dachte er verlegen, räusperte sich und stieg aus. Kaum stand er, wäre er auch beinahe wieder umgefallen, hätte ihn Sakito nicht im letzten Moment gestützt.

"T'schuldigung... Bin etwas wacklig auf den Beinen... Danke..."
 

Überrascht nickte Sakito. //Er redet mit mir!// "Kein Problem. Lass uns jetzt rein, sonst kriegen die Ärzte noch einen Kollaps.", meinte er und grinste.

"Und das... obwohl sie die Ärzte sind. Wäre ganz schön peinlich...", murmelte Aoi und lief etwas vorsichtiger los. Der Anwalt lachte. "Au ja! Und Patienten hätten sie dann wohl auch keine mehr." Aoi's Miene veränderte sich nicht während Sakito sprach, während dieser seine Phantasie spinnen ließ und dieses ´Gespräch´ lustig fand und lachen musste. Das war wohl der Unterschied zwischen den Gefangenen und denen die frei sind. Sie haben andere Ansichten von Humor. Ob er je wieder über einen Witz lachen konnte, wusste Aoi nicht. Doch das war etwas, was ihm im Moment herzlich wenig interessierte. Er hatte Reita etwas versprochen und nun war es an ihm, sich endlich gegen die Ungerechtigkeit zu wehren...
 

"Das sind Sie ja endlich! Mein Gott! Wie blass er wieder aussieht! Ich wusste sofort, dass dieser Ausflug nicht gut für ihn wäre!", begrüßte sie ein Arzt vorwurfsvoll.
 

"Freut mich auch, Sie wieder zu sehen...", meinte Aoi ironisch und lief an ihm vorbei.
 

"Gut, es ist meine Schuld. Er ist blass, weil wir gerade Auto gefahren sind. Ihm geht's gleich wieder besser u-"
 

"Sakito!", rief Aoi leicht genervt...
 

"Ja, eh... Muss weg! Wir möchten auch nicht gestört werden!", meinte Sakito grinsend und eilte dem Schwarzhaarigen nach.

Als sie beide sein Zimmer betreten hatten, wurde Sakito's Miene wieder ernster.
 

Aoi schritt langsam auf sein Bett zu und legte sich darauf.

Sakito setzte sich wieder neben ihn und nahm seinen Block, der nun neben dem Bett lag, da jemand Aoi´s Bett neu bezogen hatte, und zog seinen Stift hervor.

"Darf ich jetzt fragen?"
 

"Ja... dürfen Sie.", erlaubte ihm der Ältere.
 

"Danke. Ich freue mich, mit dir kooperieren zu können."
 

Der Schwarzhaarige nickte und schloss die Augen.
 

"Wann hat dein Onkel angefangen, dich zu vergewaltigen?", fragte Sakito direkt.
 

Überrascht öffnete sich der Mund seines Klienten und schnappte gleich wieder zu. Er musste die direkte Frage erst einmal verdauen. Sein Blick ruhte nun auf der Decke. Wie schön weich sie aussah...

Murrend schob Aoi seine wirren Gedanken weg und versuchte die wirklich Wichtigen zu ordnen. Warum wusste Sakito von... IHM?!

"W-wie viel wissen sie denn schon... über mich?", fragte er schlielich, zögernd und mit wild schlagendem Herzen.
 

"Einiges. Also?"
 

Aoi musste schwer schlucken und überlegte angestrengt. "M-mit 14..."
 

Einen Moment zögerte Sakito, während er Aoi's Antwort niederschrieb. Kopfschütteld setzte er seine Befragung fort, während sein mitleidiger Blick dem anderen galt, der ihm wohl nicht mehr in die Augen sehen konnte. "Wie ist es passiert? Also... wie war er vorgegangen?", fragte er recht durcheinander und konnte einfach nicht verstehen, warum man ihm so etwas antat!
 

"W-wie?! E-e-es war schreck... schrecklich!!", meinte Aoi entsetzt und verschluckte sich beinahe an seiner Spucke, die ihm im Halse fest hing.

Seine Hände ballten sich zu Fäusten.
 

"Nein, nein! Ich meinte... Das ist mir natürlich klar, dass es schrecklich für dich gewesen sein musste, aber ich meinte, wie kam es dazu, das er dich... na ja... dass das passierte?"
 

Aoi senkte den Blick auf seine bebenden Finger. In ihm zog sich alles zusammen, als er DARAN zurückdenken musste.

Er schluckte schwer... Dachet an Reita...

"E-es war mein Geburtstag... Meine E-Eltern waren wieder mal unterwegs und viel zu beschäftigt, als zu dem Geburtstag ihres Sohnes zu kommen... Doch mein Onkel kam. Er sagte, ich solle froh sein, dass er überhaupt gekommen war, da er eigentlich gar nicht in der Verfassung dazu war, von irgend einem Balg den Geburtstag zu feiern. Er hatte sich kürzlich von seiner Frau getrennt und die Kinder hatten sie ihm auch genommen, da er schon mehrere Male als Betrunkener bei der Polizei gemeldet war und das natürlich auch kein gutes Bild auf ihn geworfen hatte. Auch an diesem Tag hatte er wieder etwas getrunken... Ich war, als er auf dem Sessel vor dem Fernseher eingeschlafen war, mit meinen wenigen Freunden rausgegangen... haben Fußball gespielt... gelacht... Was halt normale Jungs so machen... mit ihren Freunden. Als ich am Abend wieder kam, schlief er noch immer und ich... bin dann ins Bad gegangen, um zu duschen. Als... als...", stotterte er und kämpfte mit den ersten Tränen. "Als ich... damit fertig war, stieß er die Tür auf... weinte und meinte, er habe geträumt, das seine Kinder gestorben seien und er sie doch so sehr liebte. Ich stand da... vor ihm und... nackt..." Er unterbrach sich selber und wischte sich über die Augen. Doch sein Zittern verriet ihm, wie er litt. "Er wollte mir zeigen, was Liebe bedeutet... wahre Liebe... und sie tat weh... In seinen Träumen waren seine Kinder gestorben... gestorben für ihn, weil er sie nie wieder sehen würde, aber... an diesem Tag... an meinem vierzehnten Geburtstag... war ich gestorben..."

Er schluchzte laut auf und zitterte noch mehr als zuvor. Sein ganzer Körper bebte und krümmte sich unter den seelischen Schmerzen leicht zusammen. Seinen Kopf presste er in seine Handflächen und sein Atem ging stockend.
 

"S-soll ich einen Arzt rufen?", fragte Sakito hilflos, der sich alles notiert hatte und sprang förmlich auf, als Aoi sich so kümmte. Er wollte zu ihm, doch Aoi hob zitternd die Hand, um ihn auf Abstand zu halten, den er gerade eigentlich dringend benötigte...
 

"N-n-nein...! Nächste... nächste Frage..."

Aoi atmete tief ein und wieder aus, um sich zu beruhigen.
 

Sakito musste bei dem Anblick mit sich ringen, wirklich die nächste Frage zu stellen und ihn nicht tröstend zu umarmen.

"D-das ging dann in regelmäßigen Abständen in den folgenden 4 Jahren weiter so? Merkten deine Eltern etwas?"
 

"Die haben sich doch nie für mich interessiert!!!", schrie der Schwarzhaarige und ließ den Anwalt zurückschrecken.

"Tut mir Leid... Bitte... weiter..."
 

Sakito nickte eingeschüchtert. "Frage am Rande... Was arbeiteten deine Eltern...?"
 

Aoi hob die Brauen. "Sie... waren Anwälte... Deswegen hasse ich solche Leute... Doch Reita meinte, ich könne Ihnen vertrauen..."
 

"Oh... da bin ich aber erleichtert, dass du mich also doch nicht ganz so sehr hassen, wie andere Anwälte?" //Sie sind wirklich Anwälte gewesen... Eine Schande...//
 

Aoi nickte langsam und fixierte das Wasserglas auf seinem Nachttisch. Da es aber nicht zu ihm geflogen kam, beugte er sich zur Seite und griff danach. Dann nippte er daran, während er mit verheulten Augen und anfangenden Kopfschmerzen, an die Wand ihm gegenüber starrte. //So ein weiß... habe ich 4 Jahre lang nicht gesehen. Ich hatte ganz vergessen, wie schön diese Farbe sein kann... Ist es überhaupt eine Farbe...?//, ging es ihm durch den Kopf und erschrak, als Sakito's Hand vor seinen Augen erschien und sich hin und her bewegte. Als er der Bewegung folgte, wurde ihm bald auch noch leicht mulmig in der Magengegend und er schloss wieder die Augen.
 

"Aoi?"
 

"Hum...?"
 

"Alles okay?"
 

"Nein..."
 

"Brauchen sie einen A-"
 

"Nein! Fragen Sie schon. Ich schaff das schon..."
 

"G-gut... Also du bist dann vor etwa 4 Jahren abgehauen, um Musik zu machen. Wurdest aber gefasst und hast Ärger mit deinen Eltern bekommen. Dann hattest du Hausarrest. Was ist dann passiert??? Du bist kein Mörder, aber warum wurdest du als solch einer bezichtigt?!"
 

Während Sakito mehr und mehr erzählt hatte, schrumpfte Aoi immer mehr in sich zusammen, bis er gänzlich und mit schlaffen Armen auf dem Bett lag. Diese Fragerei... machte ihn fertig. Die Müdigkeit griff nach ihm.
 

"A-Aoi???!"
 

De Schwarzhaarige schrak auf und öffnete die Augen. "War ich weg...?"
 

"Ja, warst du."
 

"Tut mir Leid..."
 

"Sollen wir wirklich nicht aufhören?"
 

"H-hören Sie, S-Sakito... Reita will... dass ich als erstes rauskomme. Vorher möchte er nicht einmal, dass Sie auch nur darüber nachdenken, ihn da raus zu holen. Das soll ich Ihnen auch ausrichten... also holen Sie mich raus! Bitte..."
 

Der Anwalt schluckte trocken und sah erstaunt aus. //Kann es sein... dass sie sich mehr als nur... mögen? Wie schön für die beiden... Dann muss ich sie nur noch rausholen und dann werden sie glücklich sein.//, dachte Sakito und dachte schon an ein rosiges Happy End. "Alles klar,... dann machen wir wohl weiter."
 

Der Ältere nickte schwach und sah an die Decke. Über ihm hing eine Lampe. //Wenn die runterkrachen würde... genau... jetzt... dann... ... Nein! Denk nicht mal dran!//, ermahnte er sich und gab sich eine Ohrfeige.
 

Der Anwalt sah ihn sprachlos und besorgt an. Hatte er gerade wirklich gesehen, wie der andere sich gerade selbst geschlagen hatte?!
 

"Aoi? Sollen wir wirkl-"
 

"Also zu Ihrer Frage...", fuhr Aoi etwas lauter fort, um Sakito und seinen Einwand zu überhören. "Ich... kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber ich versuche es...", meinte er wieder in normaler Lautstärke und musste plötzlich husten. //Mir... geht es gar nicht gut... Mein Magen verführt Kunststücke... Ich hoffe, ich pack das...//

"Mein Onkel hatte mich 2 Wochen nicht mehr besucht und ich hatte schon Hoffnungen gehabt, er habe kein Interesse mehr an mir. Doch am Abend war er plötzlich wieder da gewesen und n-nachdem er... w-wieder Hand an mir gelegt hatte, war ich eine Weile bewusstlos gewesen. Als ich später wieder zu mir kam, hatte ich aus Verzweiflung im Internet nach Möglichkeiten gesucht, wie man... sich am besten umbringen könnte... Ich konnte einfach nicht mehr! Ich wollte meinem Leben ein Ende bereiten! Mir wurde das einfach zu viel... Doch... da bin ich auf einen Chat gestoßen und gerade als ich es wieder verlassen wollte, hatte mich jemand angeschrieben. Irgendwann merkte ich, dass es ein Kerl war, aber er blieb an mir dran... was mich wunderte und ein bisschen abschreckte... Musste ich doch immer an meinen Onkel denken. Wir redeten ein bisschen über dies und das... Ich weiß nicht mehr, über was ich mit ihm geredet habe, aber erzählt habe ich ihm von meinem Onkel und mir erst, nachdem ich zwei Monate mit ihm geschrieben hatte und glaubte, ihm vertrauen zu können. Ich brauchte jemanden, dem ich mich anvertrauen konnte... Vielleicht hatte ich auf Hilfe gehofft... ich weiß es nicht... Zudem war ich an dem Tag auch nicht mehr wirklich zurechnungsfähig gewesen, da... er... ungewohnt grob zu mir gewesen war..." Aoi machte eine Pause und drehte Sakito den Rücken zu, damit er sein jämmerliches Bild nicht sehen musste, das er gerade abgab. Er war unnatürlich blass geworden, seine Wangen glühten rot und seine Augen waren es ebenfalls. Seine Lippen hatten an Farbe verloren und ihm war es, als ob heiße und kalte Phasen durch seinen Körper zogen. Er wird doch wohl nicht auch noch krank werden!?
 

"Ich... ich h-habe es ihm erzählt... nur grob erzählt, was mein Onkel mit mir tat und dass ich am Ende wäre... Dann wollte er mich treffen! Er sprach schwammig von irgendwelchen Problemen... Noch an diesem Tag wollte er mich sehen... und ich dachte... dass er mich aufmuntern wolle und um ihm... meinem Onkel... zu entgehen, vor möglichen weiteren Misshandlungen fliehen zu können, da er noch immer zu Hause war und ihm jeden Moment wieder das Verlangen danach packen konnte, schlich ich mich aus dem Haus und machte mich auf den Weg... um den Unbekannten zu treffen. Ich weiß nicht, was ich mir erhoffte... aber... vielleicht konnte er mir helfen, aus dem Land zu fliehen, oder würde mir einen schnellen Tod schenken... Der Mann wollte mich in einer Lagerhalle am Hafen reffen und als ich dort war... sah ich... zwei Frauen... Nackt waren sie und vor ihnen stand ein Mann mit heruntergelassener Hose und einem Messer in der Hand. Die beiden Frauen lebten nicht mehr und als ich das begriff, war es bereits zu spät gewesen, um zu fliehen, denn die Hallentür war quietschend aufgegangen und so hatte er mich bemerkt. Er zog sich wieder an und zog mich... da rein... zu den Mädchen, neben denen ich landete, als er mich zu Boden warf... und... dann... weiß ich noch... wie er mit einer S-Spritze auf mich zukam, mir etwas sagte und mir dann irgendwas verabreichen wollte. Natürlich... hatte ich mich versucht zu wehren, aber er war viel stärker als ich gedacht hatte und so war ich unfähig, mich zu bewegen, als er plötzlich auf mir saß. Ich bekam es mit der Angst zu tun, schrie nach Hilfe, doch die blieb aus... Auch, als er die Spritze ansetzte, war noch immer niemand zur Stelle und meine Sicht wurde... neblig und ich konnte nicht mehr klar denken. Er öffnete meine H-Hose und gab mir etwas in die Hand... Dann war ich weggetreten und wachte erst wieder im Gefängnis auf, wonach ich sofort zur Rede gestellt wurde. Sie nannten mich Drogenkind... Triebtäter und... Mörder..." Zum Ende hin, wurde seine Stimme immer schwächer und schwächer, bis er plötzlich wegen der Erinnerungswelle schmerzhaft aufschrie, sein Gleichgewicht verlor und vom Bett fiel...

Kein Schluchzen war mehr zu hören, gar nichts...
 

Sakito war mit Tränen in den Augen entsetzt aufgestanden und um das Bett herumgerannt. Er schluckte schwer und drückte auf einen roten Knopf, der die Schwestern rufen sollte, bückte sich zu ihm und versuchte ihn wach zu rütteln. "Aoi! Bitte... Wach doch auf!"
 

Ärzte kamen hineingerannt, da sie nicht nur durch den roten Knopf alarmiert wurden, sondern auch die Überwachungskameras einen Patienten gesehen hatten, dem es immer schlechter ging.

Sie liefen zu Sakito und dem schwarzhaarigen Patienten, schoben den Anwalt beiseite und hievten Aoi auf das Bett. Sie fühlten den Puls und schlossen ihn an ein Herzgerät an. Sein Herzschlag nahm immer mehr ab! Die Ärzte redeten laut durcheinander und schoben das Bett mit Aoi aus dem Raum. Er wurde zur Intensivstation gebracht, wo er hoffentlich wieder geflickt wurde...
 

Sakito konnte nur hoffen. Er durfte nicht einmal bleiben! Die Ärzte beschuldigten ihn sogar, weil er Herr Shiroyama erst aus dem Krankenhaus geführt hatte, hat ihn in einem Auto zurück gefahren und dann schließlich so lange auf ihn eingeredet, bis Aoi zusammengebrochen war. Es war zwar nur die halbe Wahrheit, aber trotzdem fühlte sich Sakito schlecht und so verließ er das Krankenhaus und setzte sich in sein Auto. Darin schlug er auf das Lenkrad und ließ seine Wut auf sich und die Situation Aoi's mit einem Schrei heraus. Nur leider hatte er zu dolle drauf gehauen, denn der Airbag löste sich und Sakitos Kopf wurde gegen die Kopfstützte gedrückt. "Ach verfluchtes Teil!!", schrie er genervt und drängte es zurück. "Ach... alles mist... verdammt...", fluchte er immer weiter und weiter, bis neben seinem Auto plötzlich Eines einer alten Frau hielt und die Oma entsetzt rüber schaute.

Verlegen riss Sakito sich zusammen, schnallte sich an und fuhr nach Hause.
 

Dort schlurfte er ins Bad und ließ sich Wasser für ein Bad ein. Dann nahm er sich einen Joghurt und aß ihn, schlürfte einen kalten Kaffee und stieg in die Wanne. //Hoffentlich schafft er es... War wohl doch zu viel, aber er wollte ja nicht hören... Auf jeden Fall kann ich ein neues Verfahren einleiten und ihn damit schon mal rausholen...//
 

Irgendwann verließ er dann doch die Wanne, zog sich neue Sachen an und suchte DVDs und Spiele für den Abend mit Herrn Takashima heraus. //Auf Spiele habe ich jetzt eigentlich keine Lust mehr, aber wenn er will, dann mach ich mit...//
 

Als er alles hatte, sah er auf die Uhr. Es war gerade mal Kaffeezeit. //Hm... dann schreib ich erst mal den Bericht. Ist auch wichtiger...// Er dachte an Uruha und musste lächeln. //Dauert nicht lange. Versprochen.//

Er setzte sich an seinen Laptop und verfasste alles, was er bisher herausgefunden hatte in einem 5 seitigen Bericht! Oder war er jetzt schon so neben der Spur, dass er sich verzählt hatte? Na ja... Es waren viele Blätter gewesen, das stand fest.

Als er das geschafft hatte, ließ er sich nach hinten fallen und griff nach seinem Handy. "Hi, ich bin es... Sakito. Hast du ihn? ... Tut mir Leid. Ich will das nur alles schnell hinter mir bringen. Du kannst ja auch zur Gerichtsverhandlung kommen, dann weißt du auch warum... Nein, ich schick den Bericht gleich ab. Sag dir dann aber Bescheid. Hast... hast du ihn nun? ... Hm... okay~ Dann such weiter. Seinen Namen kenne ich leider nicht. Ich muss mal bei der Spurensuche anrufen. Schreib dir ne Sims... Okay, bye~" Er legte wieder auf und seufzte schwer. Sein Freund hatte ihn in Mie noch nicht aufspüren können. Wäre auch zu schön gewesen, ihn schon so früh wie möglich eine reinzuhauen...
 

Dann rief er bei der Spurensuche an. "Hallo. Ich bin es, Sakito. Ihr hattet gesagt, dass es Yuu Shiroyama's Onkel war, der ihn vergewaltigt hat. Wisst ihr auch seinen Namen?"

"Ja, einen Moment bitte." Sakito wartete gespannt. "Ein gewisser Morashi Shiroyama." "Danke. Wird der mit sh geschrieben?" , wollte er sich vergewissern und saß schon wieder an seinem Laptop. "Ja, wird er." "Danke. Wir sprechen uns nochmal. Tschüss."
 

Er verbesserte in dem Bericht die ganzen >Onkels< durch Morashi und speicherte dann alles ab. Während er es sich kopierte und auch eine Sicherheitskopie am Laptop machte, schrieb er an seinen Polizistenfreund den Namen des Triebtäters.
 

Dann schrieb er an Hizumi eine SMS: Hallo, Hizumi. Ich hoffe, dir und deinen Freunden geht es gut. Hast du schon irgendetwas merkwürdiges entdeckt? Sakito
 

Kurz nachdem er die SMS abgeschickt hatte, kam eine zurück: Boah Alter! Habe gerade fett geschlafen man! Nix gesehen, tote Hose (ö.q) *gähn* Gute Nacht... =_=
 

Sakito musste kurz auflachen und stand schließlich auf. //Gut, dann geh ich jetzt zu Kouyou.//

Leg dich nie mit (d)einem Boss an!

//Gut, dann geh ich jetzt zu Kouyou.//
 

Er nahm seine Jacke, schloss die Tür hinter sich ab und lief mit den DVDs und Spielen zu seinem Auto, das er anknurrte, aber trotzdem einstieg. Dann fuhr er los und landete schon bald darauf bei ihm.
 

Er klingelte und setzte ein Lächeln auf. Herr Takashima sollte sich doch keine Sorgen machen oder gleich von seiner schlechten Laune erschlagen werden!

"Ich bin es. Sakito."
 

Uruha war eine ganze Weile am Fenster gestanden. Hatte zwischenzeitlich seine Zigaretten gesucht und stand nun wieder an dem, inzwischen geschlossenen Fenster und dachte schweigend nach.

Er war gelangweilt. Ziemlich gelangweilt. Wahrscheinlich so gelangweilt wie noch nie~ Oder zumindest solang wie er sich noch daran erinnern konnte.

Seufzend lehnte er den Kopf gegen die Scheibe, hauchte kurz dagegen und malte dann irgendwelche Dinge, die ziemlich nach Kindergarten aussahen, wischte sie dann jedoch kopfschüttelnd gleich wieder weg. Er drehte sich wieder dem Raum zu und sah sich um. Er könnte mal wieder umräumen. So schnell wie dieser Gedanke gekommen war, so schnell vertrieb er ihn auch wieder aus seinem Kopf. Dazu hatte er keine Lust. Das würde nur wieder anstrengend werden. Er sah wieder in die Küche. Seit dem kleinen ausgefallenen Frühstück, hatte er nichts mehr gegessen. Vielleicht sollte er was kochen um die Langeweile zu vertreiben? Aber auch dazu hatte er nicht großartig Lust, immerhin würde das Essen danach erst rumstehen und schlussendlich wieder in den Mülleimer verschwinden.

Seufzend setzte sich Uruha auf die Fensterbank, ließ die Beine ein bisschen baumeln und sah wieder hinaus.

Als dann endlich die Klingel ertönte sah er auf. Ob das der Anwalt war? Uruha wollte gerade einen Blick auf die Uhr werfen, als er schon die Stimme des anderen hörte. Er lächelte leicht, rutschte von der Bank runter und ging die Türe aufmachen.

"Hallo.", sagte er, lächelte leicht und ließ den anderen eintreten.
 

Da war er... Kouyou und er lächelte! Da springt das Herz einem doch gleich viel höher.

Lächelnd trat Sakito ein, zog sich die Jacke aus und hing sie auf. "Alles okay hier? Und mit Ihnen auch?", fragte er und klang wieder leicht besorgt. "Ich habe ein paar Spiele mitgebracht und auch ein paar Filme. Wenn Sie möchten, können Sie sich die mal anschauen und sagen mir dann, was Sie gerne schauen würden.", schlug er vor und hielt ihm den Beutel hin.

Dann sah er sich etwas um. //Hier bin ich irgendwie... richtig gerne.//, bemerkte er und war etwas verblüfft über diese Feststellung.

"War wohl wirklich langweilig hier, oder? Aber... jetzt bin ich ja da." Lächelnd sah er den Blonden an.

//Mir liegt die Vergangenheit Aoi's noch immer auf dem Herzen... Jetzt fröhlich zu sein, wird mir wohl etwas schwer fallen. Ich hoffe, er merkt nichts. Nicht, dass er dann auch nur wieder bedrückt ist wegen mir... er soll doch Lächeln und fröhlich sein.// Nachdenklich spähte er in die Küche und dann auf seine Uhr. "Haben Sie schon etwas gegessen?"
 

Uruha ließ den Brünetten eintreten und schloss die Türe leise hinter ihnen. Diesmal schloss er nicht zusätzlich noch ab. Er drehte sich dem Anwalt zu, wartete bis dieser richtig angekommen war und ging dann mit ihm zusammen ins Wohnzimmer.

"Hai... ist alles okay, hier...", antwortete er und nickte leicht. Als er den Beutel in die Hand gedrückt bekam, sah er etwas überrascht auf, nickte dann jedoch leicht und warf kurz einen Blick hinein.

Er stellte die Tasche auf den Wohnzimmertisch und fragte: "Möchten Sie was trinken?"

Als die Frage nach dem Essen kam, sah Uruha für einen Moment betreten zu Boden. "Eto~ Noch nicht...", antwortete er, schüttelte den Kopf und ging langsam Richtung Küche.
 

Schmunzelnd beobachtete er den Blonden, wie er nur einen kleinen Blick in den Beutel geworfen hatte und strich sich verlegen durch die Haare. "Tut mir Leid. Was Besseres hatte ich auf die Schnelle nicht finden können." Als sie dann in die Wohnstube hineingetreten waren - Sakito hatte inzwischen seine Schuhe ausgezogen und sie an der Garderobe abgestellt - wurde er nach dem Wunsch eines Getränkes gefragt und sah lächelnd zu ihm auf. "Gerne, möchte ich etwas trinken. Danke." Als Kouyou ihm gestand, dass er noch nicht gegessen hatte, erwachte ihm das Bedürfnis, dies schnell ändern zu wollen. Seine Stirn legte sich in Falten und er folgte seinem Gastgeber.

"Wie wäre es... wenn wir gemeinsam etwas Feines kochen und es dann während eines Filmes essen? Das würde bestimmt Spaß machen, oder...?", schlug er vor und sah ihn fragend an. "Ano... natürlich können wir auch einfach eine Pizza bestellen...", setzte er verlegen murmelnd hinzu und lockerte die Krawatte. Er ärgerte sich gerade, dass er sich vorher nicht umgezogen hatte, bevor er zu Uruha gefahren war.

Draußen regnete es inzwischen.
 

Kurze Zeit später kam Uruha mit einem Glas und einer Flasche Saft wieder zurück. "Was anderes, hab ich gerade nicht da...", meinte er immer noch etwas verlegen und stellte das Glas auf den Tisch. Während er die Flüssigkeit in das Glas goss hörte er ihm zu und sah erst wieder auf, als er die Flasche zuschraubte und wieder auf den Tisch stellte. Er reichte ihm das Glas und antwortete: "Ich hab aber nicht viel im Haus..."

Und wirklich Hunger hatte er auch nicht. Aber dies band er ihm jetzt nicht noch auf die Nase. "Aber... ehm... kochen klingt gut...", fügte er noch hinzu und nickte leicht. Er fummelte leicht an seiner Hose rum, da er nicht so recht wusste wohin mit seinen Händen.
 

"Aber das reicht doch vollkommen. Ich mag Saft und dann ist es auch noch Orangensaft.", sagte er fröhlich, dann musste er jedoch schmunzeln. "Brauchen Sie kein Glas?" Er bekam seinen Orangensaft in die Hand gedrückt und bedankte sich kurz, ehe er daran nippte und das Glas wieder abstellte. "Aber... warum haben Sie denn nichts gesagt? Ich hätte doch jederzeit einkaufen gehen können.", meinte er etwas vorwurfsvoll und senkte den Blick. "Kochen können wir aber nur, wenn was da ist." Sakito sah auf seine Uhr und seufzte. "Um diese Zeit haben bestimmt schon die meisten Geschäfte zu. Einkaufen oder essen gehen fällt also auch flach. Darf... darf ich mal in ihren Kühlschrank schauen? Vielleicht findet sich etwas.", hoffte er und sah ihn fragend an.
 

"Okay, dann ist gut...", antwortete er und blinzelte leicht fragend. "Huh? Ach ehm... ich hab gar keinen Durst~", fügte er dann hinzu und lächelte leicht.

"Na ja, so schlimm ist es ja nicht~ Für mich reichts~", sagte er und zuckte andeutungsweise leicht mit den Schultern.

"Ano... ehm... wenn Sie wollen~"

Er machte einen Schritt zur Seite und führt ihn in seine Küche zum Kühlschrank, den er dann auch öffnete.

Ob der andere wohl was fand. Nach einigen Minuten fragte er dann vorsichtig: "... und?"
 

Schmunzelnd betrachtete er sein Gegenüber. "Dann trink ich Ihnen ja was vor...?", meinte er leise und es war mehr eine Feststellung, als eine Frage. Er mochte es nicht, etwas tun zu können, wenn andere es nicht können oder tun wollen. Doch streiten wollte er auch nicht. Nicht wegen einem Glas Saft. Der Gedanke kam ihm schon etwas schwachsinnig vor, aber man musste bedenken, dass Herr Takashima in einer mageren Gestalt vor ihm stand, um die er sich stets Sorgen machte! Aas er wirklich etwas?

"Ich gehe Morgen für Sie einkaufen und keine Widerrede!", sagte er und sah ihn dabei ernst an. Wenn der andere sich nicht helfen lassen wollte, musste man ihn halt zu seinem Glück zwingen.

"Ja, das würde ich gerne."

Sakito folgte ihm stillschweigend und sah dann in den Kühlschrank, der wirklich spärlich gefüllt war. Seine Brauen wanderten fast schon schockiert nach oben und er sah ungläubig auf. "Davon wollten Sie in den nächsten Tagen leben? Hm... Haben Sie noch Nudeln und Tomaten?", fragte er und sah sich nach dem Gemüse um.
 

Uruha rückte einen Schritt zur Seite und ließ den Brünetten einen Blick in den Kühlschrank werfen. Um ehrlich zu sein, wusste er nicht mehr, wie wenig drin war, nur das nicht mehr allzu viel da war.

Er sah kurz hinein, als der andere geschockt nachfragte und schüttelte dann leicht den Kopf. "Mehr brauch ich nicht...", meinte er etwas leiser, verschluckte den halben Satz und sah etwas verlegen woanders hin.

"Ano... ehm... vielleicht~", meinte er und ging zu einem anderen Schrank. Er fand Reis und etwas weiter hinten auch noch ein paar Nudeln. Er nahm die Packung raus, drehte sich wieder zu Sakito um und sagte: "Nudeln ja...Tomaten sieht glaub ich schlecht aus..."
 

Nachdem Herr Takashima gesagt hatte, dass er nicht mehr brauche, sah er ihn sprachlos an und musterte ihn demonstrativ. "Wie dünn wollen Sie denn noch werden...?", fragte er etwa hilflos und sah ihm nach, als er nach den Nudeln suchte. Sakito seufzte leise vor sich hin. Zum Glück waren noch welche da! Was man von den Tomaten nicht behaupten konnte. Gedankenverloren sah er in den Kühlschrank und schnappte sich Kurzerhand eine dort drin aufbewahrte Ketchupflasche, die etwas mager aussah. "Hm... Sieht nicht gut aus. Das reicht für eine kleine Portion. Soßen haben Sie nicht zufällig da, oder?"
 

"Eto...", murmelte Uruha leise und zuckte leicht mit den Schultern. Er fummelte leicht an einer Ecke der Nudelverpackung und schwieg daraufhin. Er wollte nicht dünn werden. Er hatte nur schlichtweg kaum Hunger. Früher hatte er sehr oft, aus reiner Langeweile gegessen, inzwischen lenkten ihn allerdings seine Gedanken aus seiner Langeweile ab und so vergaß er oftmals das essen.

Den anderen wieder beobachtend, hielt er die Nudelpackung weiterhin in der Hand.

"Soßen... ehm... weiß nicht...", meinte er dann und öffnete noch ein paar Schränke. Wieso kannte er sich eigentlich in seiner eigenen Küche nicht aus? Er seufzte und suchte weiter.
 

Sakito, der von Uruha's Gedanken nichts mitbekam, nur stumm darauf wartete, dass der andere aus einer Träumerei erwachen würde und ihm antwortete. Doch sein Wunsch blieb ihm verwehrt.

Noch immer sah er ihn fragend an, als sein Gegenüber sich aufmachte, die Soßen zu finden. Schmunzelnd sah er ihm nach.

Nachdem Herr Takashima mehrere Schränke durchsucht hatte, gab er es auf und stellte die Ketchup Flasche wieder zurück in den Kühlschrank. "Ich... ich werde uns lieber Pizzen bestellen, okay?", schlug er vor und lächelte aufmunternd.
 

Als er die Worte des anderen vernahm, blickte er auf, blinzelte leicht verlegen und nickte dann. Irgendwie kam er sich schon komisch vor. Er hatte den Anwalt als Gast bei sich und nun kümmerte dieser sich um alles. "Ich... ehm... hol mal das Telefon...", meinte er dann und verließ die Küche. Irgendetwas musste er schließlich auch tun. Er wollte nicht so umsorgt werden. Nicht dass er nicht wollte, dass der andere es tat, sondern eher die Tatsache, dass er sich so fühlte, als würde er die gute Seele Sakitos ausnutzen. Er griff nach dem Telefon, sah es an und blieb noch kurz im Wohnzimmer stehen. Er wollte dem anderen keine Sorge mehr bereiten. Tief durchatmend, nahm er das Telefon fester in die Hand und ging zurück in die Küche. "Hier..."
 

"Ano... okay.", murmelte er und steckte das Handy wieder ein, welches er gerade hervor ziehen wollte. Als der andere etwas länger brauchte, als er dachte, wollte er schon nachsehen, ob alles okay bei ihm war, doch genau in dem Moment kam der Blonde wieder in die Küche. Erleichtert lächelte er und nahm dem Hörer entgegen. "Wie mögen Sie denn Ihre Pizza haben?", fragte er freundlich und wählte bereits die Nummer der Auskunft, um dann mit einem Pizzalieferanten verbunden zu werden.
 

Uruha überlegte kurz. Was wollte er eigentlich? Nachdem er nicht großartig auf etwas bestimmtes Hunger hatte, antwortete er dem Brünetten einfach, dass er eine ganz normale einfache Pizza bestellen sollte.

Er bot dem Anwalt einen Stuhl an und setzte sich dann ihm gegenüber auf einen anderen.

Während des Telefonats schwieg er, immerhin wollte er ihn nicht stören. Er spielte leicht mit einem Aschenbecher rum, warf abwechselnd einen Blick aus dem Fenster, zu Sakito und auf den Tisch und wartete.
 

"Eine normale Pizza? Eto... ich hoffe, Sie mögen Schinken? Ich bestell uns einfach mal zwei Stück und wenn es Ihnen nicht schmeckt, können Sie den ja von ihrer Pizza runternehmen... oder ich mach es. Egal..." //Sakito, du redest zu viel!//, ermahnte er sich selbst und wurde endlich mit der Auskunft verbunden. "Hallo~ Könnten Sie mich bitte mit einem guten Pizzalieferanten verbinden? ... Dankeschön. Einen schönen Tag noch.", flötete er gespielt fröhlich ins Telefon und wieder drang das allbekannte Tutgeräusch in sein Ohr. //Er soll sich nur keine Sorge machen.//, erklärte er sein seltsames Benehmen und nickte leicht.

Er sah zu Uruha und grinste ihm leicht zu, bevor sein Blick zu dem Aschenbecher schnellte. Wie lang er doch schon nicht mehr geraucht hatte! //Durch die ganze Aufregung vergisst man das schon mal. Eigentlich könnte ich aufhören.// Doch je länger er den Aschenbecher ansah, desto mehr verlangte er nach einer schönen Kippe, wenn man dieses krebserregende Zeug überhaupt als 'schön' bezeichnen konnte!

Eine Hand fuhr routiniert in seine Hosentasche und förderten eine etwas zerdrückte Zigarettenschachtel zu Tage. Fragend blickte er zu dem Blonden auf.

"Darf ich? Kleine Macke von mir.", erklärte er verschmitzt lächelnd und in dem Moment drang eine Stimme an sein Ohr. "Guten Tag. Ich hätte gerne zwei Schinkenpizzas...", erklärte er und gab noch die Adresse an. Mit einem "Danke" beendete er das Gespräch wieder und streckte Uruha fragend den Hörer entgegen. "Ich weiß leider nicht, wo Ihr Telefon sonst immer liegt, sonst würde ich es selber wegbringen, aber..." und er unterbrach sich selbst. Was redete er da schon wieder?! //Ich weiß leider... urg~//, widerholte er sich selbst und hätte sich am liebsten dafür gescholten. "Hum... hier.", gab er dann noch verlegen nuschelnd von sich und fummelte mit der anderen eine Kippe aus der Schachtel, die, oh welch ein Wunder, selbst nicht so zerknittert aussah, wie die Schachtel es tat.
 

"Hai, Schinkenpizza klingt gut~", antwortete Uruha etwas leise und nickte zustimmend. Sakito war wirklich ein sehr freundlicher Mensch. Fast so wie Reita. Nur irgendwie auf eine andere Art und Weise. Bei diesem Gedanken seufzte er wieder leise und warf den Blick aus dem Fenster. Dass er auch immer selbst auf solche Gedanken kommen musste. Er lauschte nebenbei Sakito's Stimme und sah fragend auf, als der andere ihn etwas fragte. "Nein nein, natürlich. Ich rauch doch selbst~", meinte er nickend und schob ihm den Aschenbecher entgegen, den er selbst noch in der Hand hatte.
 

Zufrieden nickte er und bestellte alles, um dann wenig später das Gespräch zu beenden. Dann hatte er Uruha das Telefon gereicht und nun steckte er sich die Kippe zwischen die Lippen. "Danke.", nuschelte er und nahm sich den Aschenbecher an. "Unsere Pizza müsste bald kommen. Haben Sie schon einen Film rausgesucht?", fragte er freundlich und forderte sein Feuerzeug zu Tage. Geschickt zündete er sich die Kippe an und steckte das Feuerzeug wieder zurück in die Tasche, aus der er es geholt hatte. Sehnsüchtig nahm er den ersten Zug und stieß den Qualm in die Richtung des Fensters aus, welches jedoch geschlossen war. Er musste unweigerlich lächeln. //Schön. Er hört auf mich.// Er stand auf, lief zum Fenster und sah hinaus, um es wenig später aufzumachen. "Ich mach es dann auch gleich wieder zu. Ich will nur nicht die ganze Luft hier verpesten.", meinte er grinsend und zog noch einmal an dem Glimmstängel.
 

"Einen Film? Ehm... nein~ Also, nicht wirklich~", antwortete er und schüttelte den Kopf. Er beobachtete wie der andere zum Fenster ging, dieses dann nach einer kurzen Erklärung öffnete und die Zigarette genoss.

"Schon okay~", antwortete Uruha auf dessen Verteidigung hin und lächelte leicht.

"Ano, falls Sie noch was trinken möchten, einfach sagen..."

Er strich sich kurz durch die Haare und lehnte sich wieder etwas zurück.

Er war kein allzu guter Gastgeber, das wusste er selbst.

Dazu hatte er viel zu selten Besuch und der der kam, der sorgte meistens für sich selbst.
 

"Na dann gucken wir gleich nochmal zusammen.", meinte er lächelnd und sah aus dem Fenster. "Sie besucht sonst niemand, oder?", fragte er aus Neugier. Als er von Uruha auf die Getränke hingewiesen wurde, nickte er und murmelte ein "Danke, ich sag dann schon Bescheid" vor sich hin. Schnell rauchte er die Kippe zu Ende und drückte sie schlussendlich im Aschenbecher aus, ehe er das Fenster schloss und den Aschenbecher auf dem Küchentisch abstellte. "Wollen wir dann mal nach den DVDs schauen?" Grinsend klatschte er in die Hände und ging in die Wohnstube. Dort packte er den Inhalt des Beutels aus und wartete auf den blonden Schönling.
 

Leicht auf seiner Lippe kauend wartete Uruha. Das Schweigen, war ihm irgendwie unangenehm und er war froh, dass der andere eben dieses brach.

Uruha antwortete mit einem kurzen Nicken und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Er wartete, bis Sakito so weit war, und folgte diesem dann ins Wohnzimmer.

"Hai~", sagte er und warf kurz über der Schulter des Anwalts einen Blick zu den DVDs.

"Ano~ Welche sind denn gut?", fragte er dann und sah Sakito an.
 

Sakito blickte lächelnd über die einzelnen DVD-Hüllen, als Herr Takashima sich plötzlich hinter ihm befand und ihn etwas fragte. Er musste schlucken. So nah war er dem Blonden bisher noch nie gewesen. Er spürte die Wärme, die von seinem Körper ausging und die Stimme so nah an seinem Ohr, sodass wohlige Schauer über seinen Rücken rieselten und eine Gänsehaut hinterließen. "Ano... I-ich habe nur die besten mitgebracht.", sagte er und warf ihm ein unsicheres Lächeln zu. Ihre Gesichter waren sich so nah... Er glaubte, in seinen Augen zu versinken, die doch so traurig und einsam wirkten.
 

Leicht lächelnd nickte Uruha und antwortete: "Ach so, na ja dann... ehm... fangen wir einfach mit irgendeinem an..."

Etwas fragend blickte er aus dem Augenwinkel zu Sakito und bemerkte erst jetzt, wie nah er ihm eigentlich war. Er blinzelte leicht, bewegte sich jedoch kein Stück weg. Ebenfalls etwas unsicher lächelnd blickte er ihn noch an. "Ano..."
 

Er musste unweigerlich glucksen. "Wieviele möchten Sie denn sehen?" //Dann muss ich irgendwann entweder übermüdet nach Hause fahren oder ich... kann hier schlafen...?!// Er zitterte vor Aufregung. Ihr Blickkontakt brach nicht ab und auch schien der andere sich nicht wegbewegen zu wollen. Sakito hob die Brauen und sah ihn unsicher an. Dann musste er schlucken. //Ich glaube eigentlich nicht an dich, Kami, aber wenn er mich mag, dann schick mir ein Zeichen!// Der Anwalt schickte dieses kleine Gebet ab, blinzelte und wollte gerade den Mund aufmachen, um irgendetwas zu sagen, als es an der Tür klingelte. Er erschrak und wäre beinahe in die Luft gesprungen, hätte er sich nicht an seinem Gegenüber festgehalten, der ebenfalls erschrocken war. "Mein Gott...! D-das muss der Pizzabote sein.", murmelte er mit leicht erhöhter Stimme und nahm die Hände von den Schultern des Blonden. "Tut mir Leid.", entschuldigte er sich noch, ehe er hastig an ihm vorbeischritt und die Tür, nach einen Blick in den Türspion, öffnete. "Pizzaaaa~~!! Das machte 11,40Yen meine Herr~", flötete der Pizzabote mit versuchtem italienischen Akzent und öffnete die Hand. "Ähm... ja...", murmelte Sakito etwas sprachlos. Italienisch in Japan..? Wer kam denn auf die Idee? Schulterzuckend kramte er in seiner Hosentasche nach seinem Portemonnaie und gab ihm das Geld, was er ihm schuldete. Dann bekam er die Pizzen und schloss die Tür. "Ich hoffe, Sie haben Hunger~?", fragte er lächelnd und trug die Schachtel zum Wohnzimmertisch, um sie dort abzustellen.
 

Uruha erschrak ebenfalls, als plötzlich die Türklingel läutete.

Er war abgelenkt gewesen, von den Augen des anderen, dass er ziemlich zusammenzuckte. Schnell richtete er sich wieder auf, hoffte, dass es nicht so extrem aufgefallen war, und wollte gerade sagen, dass er aufmachen gehen würde, als Sakito schon stand und fast durch die Türe in den Flur verschwunden war.

Hinter ihm her blickend ermahnte sich Uruha kurz selbst und wartete dann.

Als Sakito dann zurück kam, lächelte er leicht, immer noch etwas verlegen, da er so erschrocken war.

Auf dessen Frage hin nickte er und ging Richtung Küche. "Ich hole Teller..."
 

+~+
 

„SAUBERMACHEN!!!!“, brüllte der Wärter ihn an und Takeda machte sich dann doch zitternd daran, dem unfreundlichen Mann die Schuhe zu putzen.
 

Reita hob den Kopf, als er das Brüllen hörte und sah den Wächter am Boden knien. Er stand auf und rüttelte an den Gitterstäben. "Was soll das??? Behandelt ihr etwa auch Euresgleichen wie Tiere?? Lass den Mann in Ruhe, du Schwein!" brüllte er.
 

Takeda sah erschrocken auf. Warum setzte sich der andere für ihn ein. Er wird nur Ärger bekommen! "Bitte... ist schon gut." //Ich werde sowieso bald nicht mehr hier sein. Egal ob ich wieder arbeitslos werde, das hier tue ich mir nicht an.//

Er zitterte leicht und stand dann auf. Sah Reita bittend an und schüttelte den Kopf, sah etwas panisch zu dem viel stärkeren und größeren Wärter auf.
 

Überrascht musterte der Wärter den Gefangen, der es aus irgendeinem unerklärlichen Grund gewagt hatte, ihn zu beschimpfen! "Halt´s Maul, Knirps! Mit dir redet keiner. Der Neue ist noch keiner von uns. Er ist noch viel zu nett. Er hat bestimmt wieder mit dir geredet, oder?! Sonst würdest du ihn nicht verteidigen!"

Mit zu Schlitzen verengten Augen sah er Takeda an, der zurück wich. Dann aber schlug er überraschend gegen die Gitter, so dass Reita zurück stolperte. "Beim nächsten Mal erwische ich dich!", drohte der Wärter und knurrte. "Jetzt leg dich gefälligst hin und sei still! So... und nun zu dir... Takeda. Was war in der Pause hier vorgefallen? Hast du dich nett mit dem da unterhalten, oder was sollte das?! Du hast mir und den anderen Wärtern zu gehorchen, wenn der Boss nicht da ist! Schließlich bist du... der Neue." Fies grinste er ihn an und trat näher. Takeda wich erneut zurück.
 

"N-nichts war los!", log er und schüttelte den Kopf. "Ich schwöre... ich habe ihn angesprochen. Ihn trifft keine Schuld! Also lassen Sie Ihre Wut nicht an ihm aus." Seine letzten Worte wurden immer leiser, bis seine Stimme vor Angst erstarb.
 

"Gut dann an dir...", brummte der Größere und schlug ihn.
 

Takeda fiel zu Boden und hielt sich wenig später die blutende Nase.
 

Reita knurrte und ballte die Fäuste, doch in der Zelle gefangen konnte er ihm nicht helfen... Es sei denn, er lenkte den Wärter ab... "Hey du mieses Stück Scheiße!!! Du fühlst dich wohl obercool, weil der Boss nicht da ist, was??? Na warte! Das wird nicht ohne Folgen bleiben, das verspreche ich dir!!!"
 

Ruckartig wandte er sich dem Gefangenen zu, als dieser ihn beschimpfte. "Was hast du gesagt?!", fragte er grollend und kam der Zelle ein Stück näher. Die Finger seiner rechten Hand legten sich um den Knüppel, doch noch hielt er sich zurück. Er durfte ihm nicht wehtun, aber... der Gefangene könnte sich ja selber verletzt haben.

Ein hinterhältiges Grinsen schlich sich in sein Gesicht und statt dem Knüppel, nahm er die lederne Gerte aus seinem Gurt. Mit solch einem Instrument kam man immer besser an die Gefangenen ran, ohne sich großartig bewegen zu müssen oder auf Gegenwehr zu stoßen...

"Verspreche nichts, was du nicht halten kannst...", knurrte der Wärter und schlug nach ihm. Die Gerte traf den Blonden am Bein und wurde zurückgezogen. "Du hast eh keine Chance Kleiner...~", säuselte er amüsiert und wollte zum nächsten Schlag ansetzen, als sich etwas an seinen Arm hängte und diesen senken ließ.

"Takeda! Lass mich gefälligst los, oder du wirst den morgigen Tag nicht mehr heil erleben!", bellte der Größere und Stärkere und versuchte den anderen von sich zu schütteln.
 

"Bitte... Bitte tun sie ihm nicht weh! Er ist etwas verwirrt. Er wollte Sie nicht beleidigen, oder?" Bittend sah er Reita an und deutete ein Nicken an, dass der andere nur nachmachen sollte.
 

Reita stolperte zurück, als ihn die Gerte traf. "Wann kommt der Boss wieder?" fragte er stattdessen und zog es vor, nicht auf die Frage zu antworten. Warum half dieser Wärter ihm? Er brachte sich doch nur immer mehr in Schwierigkeiten...
 

Der rechte Mundwinkel des Wärters zuckte verräterisch und er ließ die Gerte in Stück sinken. "Na~? Vermisst du ihn schon?", fragte er gehässig, schubste Takeda von sich und steckte sie wieder ein. Tat so, als hätte er die Lust daran verloren, ihm etwas zu tun und sei es nicht die Furcht vor dem Boss selbst. "Takeda! Du sollst hier saubermachen! Was stehst du hier noch rum?!", fragte er plötzlich und spuckte auf dem Boden. "Du hast einen Fleck übersehen...", meinte er fies grinsend und fuhr sich durch sein fettiges Haar. "Und wehe du redest mit ihm! Die Wände haben Ohren!" Er sah ihn prüfend an und, bevor er Reita einen hasserfüllten Blick schenkte. "Glaub nicht, wir sind fertig miteinander."
 

Reita lachte nur böse. "Du fühlst dich unheimlich stark, wenn der Boss nicht da ist, hab ich recht? Aber sobald er da ist, ziehst du winselnd den Schwanz ein und leckst IHM die Stiefel!"
 

"Halt bloß deine große Klappe, Kleiner, denn die Antwort kommt immer doppelt zurück. Du hast ja gar keine Ahnung, mit wem du dich hier eigentlich anlegst.", meinte er knurrend und ballte die Hände zu Fäusten. "Nur weil du nun das Sp..." Sein Blick fuhr zu Takeda und da dieser gerade im Begriff war, auf den Knien rumrutschend, jeden kleinen Fleck zu beseitigen, verstummte er augenblicklich. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. "ICH lecke hier NIEMANDEM die Schuhe! Takeda! Hol ihm Essen und etwas zu Trinken. Das wird für heute sein Letztes sein."

Ein letzter Blick galt dem Gefangenen, ehe der Wächter kochend davonraste und in sich in seinem Büro einschloss. //Der hat keine Ahnung, wozu ich fähig bin... Wozu WIR fähig sind...!!!//
 

Reita ließ sich seufzend auf das harte Bett sinken. "Lassen Sie sich hier nicht alles gefallen, Takeda-san... Am besten verschwinden Sie hier ganz schnell wieder... Dieser Ort ist... nicht menschlich..."
 

Währendddessen griff der Wächter zum Hörer und wählte eine Nummer. "Hallo, hier spricht das Stadtgefängnis Tokio. Wir haben vor kurzem jemandem in ihrem Krankenhaus einliefern lassen, bei dem wir dachten, er sei verrückt. Wir geht es Yuu Shiroyama...?"

Er lauschte dem Arzt am anderem Ende des Telefons und mit jedem Wort, was gesprochen wurde, verdüsterte sich sein Gesicht. "Ich verstehe... Jemand wird in den nächsten Tagen vorbeikommen, um nach ihm zu sehen..." Ein hasserfülltes Grinsen schlich sich auf sein Gesicht und der Griff um seinen Knüppel wurde immer fester. Plötzlich stockte sein Atem. Der Arzt erzählte etwas von einem Anwalt, der den Patienten besucht haben soll! Harsch sog er den Sauerstoff in sich auf. "Danke. Sie werden noch von uns hören. Halten Sie diesen Anwalt von ihm fern und denken Sie an die ärztliche Schweigepflicht!" Mit einem Knall ließ er den Hörer auf der Ladestation krachen und gleich darauf folgten seine Fäuste, die auf den Tisch einschlugen und diesen erzittern ließen.

Kurz war ihm danach, jemanden zum Tode zu prügeln, aber Takeda war noch ganz neu, sein Verschwinden würde auffallen, und der Gefangene 1309 wurde noch gebraucht. Er wäre ja für den Folterkeller...

Er griff erneut zum Telefon und informierte den Boss über die Probleme, die sie durch Nummer 1308 hatten. Seltsamerweise rastete der andere vollkommen aus, wodurch er den Hörer etwas von seinem Ohr weghalten musste.

"Spielzeug hin oder her... er wird dafür büßen müssen!!! Ich werde in etwa 3 Stunden bei euch sein... Bereitet den Folterkeller vor.", wies der Boss an und legte auf.

Böse lachte der Wächter auf und verließ sein Büro, um sich in den Folterkeller zu begeben...
 

+~+
 

Reita ließ sich seufzend auf das harte Bett sinken. "Lassen Sie sich hier nicht alles gefallen, Takeda-san... Am besten verschwinden Sie hier ganz schnell wieder... Dieser Ort ist... nicht menschlich..."
 

Takeda sah ängstlich auf. Er hatte die ganze Zeit stillschweigend den Boden geputzt. "Ich kann Sie doch nicht bei diesen... Monstern hier lassen...", sprach er leise zu dem Gefangen und sah sich nach allen Seiten um. Dann senkte er den Blick wieder auf dem Boden und schrubbte ihn. Den Besen hatte er beiseite gestellt.
 

"Doch Sir... Verschwinden Sie von hier... Vielleicht... können Sie ja von außen mehr erreichen... ja? Bitte Sir..."
 

Takeda sah auf. "Was kann ICH denn erreichen? Aber... Sie haben Recht. Nur... ich werde jetzt noch nicht verschwinden. Meine Schicht ist bald vorbei. Dann kann ich wenigstens behaupten, einen Tag gearbeitet zu haben."
 

"Ich helfe gerne. Ich hoffe, dass Sie frei kommen werden. Ganz ehrlich... Sie wirken für mich nicht wie ein Mörder." Sanft lächelte er und sah auf seine Armbanduhr. "Ich... mach mich dann wohl mal fertig. War nett Sie kennenzulernen. Vielleicht sieht man sich ja nochmal irgendwann, wenn sie ein freier Mann sind." Er stand ächzend auf, blickte Reita noch einmal an und nahm dann die Putzgeräte, um sie wegzubringen. Er machte sich schleunigst daran, das Gefängnis zu verlassen.
 

Reita lächelte und legte sich dann auf sein Bett. Wenigstens war Takeda jetzt draußen...
 


 


 


 

~+~+~
 

Das nächste Kapitel ist nichts für schwache Nerven.

Eine Szene im Folterkeller, wie hier schon angedeutet.

Wie alles zusammen kam...

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Zersplittertes Eis birgt neue Hoffnungen

Takeda war inzwischen fündig geworden. Er hatte den Chefarzt ausgefragt und wichtige Informationen erhalten. Diese verwendete er umgehend dazu, den Anwalt anzurufen, während in seinem Kopf die weiteren Informationen herumschwirrten. Informationen über Aoi's Zustand als er eingeliefert wurde und was sie von dem Anwalt hatten erfahren müssen. Es war grausam. Schrecklich grausam...
 

Der Anwalt Sakito nahm ab.
 

"Hallo? Guten Tag. Mein Name ist Takeda. Kennen Kie mich noch? Aus dem Gefängnis? Der Wärter, der den Boden geschrubbt hat?"

Etwas peinlich war es ihm schon, aber nur so könnte sich der etwas Ältere wohl nur an ihn erinnern.
 

"Ano... Ja, ich kann mich erinnern. Was ist passiert?! Geht es um Reita??!"
 

Takeda blinzelte verwirrt und grübelte darüber nach, wen er mit Reita wohl gemeint haben könnte. "Meinen Sie Nummer 1309? Der Blonde, den Sie von mir aus der Zelle haben holen lassen??"
 

„Ja, genau den meinte ich. Lassen Sie bloß die Nummer weg...", kam es etwas verächtlich von Sakito, welcher dem Liebesfilm nun gar nicht mehr folgte und stattdessen bedrückt zu Uruha sah, der ihn neugierig musterte.

„Also was ist los??!"
 

Takeda schluckte. "Er wurde soeben im Krankenhaus eingeliefert. Bitte kommen Sie schnell! Ich erkläre Ihnen alles."
 

Der Anwalt starrte entsetzt auf das Couchpolster. „N-natürlich! Wir sind sofort da!"
 

Uruha horchte auf, als das Handy des Anwalts klingelte und griff nach der Fernbedienung um den Ton abzuschalten.

Der Brünette schwieg und wartete, kam sich etwas komisch vor, denn normalerweise lauschte er nicht bei Gesprächen, doch als Sakito so entsetzt war, war er doch etwas neugierig.

Nicht darauf vorbereitet was eben dieser wenige Minuten später zu ihm sagte, nachdem er aufgelegt hatte, war er im ersten Moment etwas durcheinander.

„Wir?", wiederholte Uruha verwirrt.
 

„Egal!!!" Sakito beendete das Gespräch und stand auf. „Vergessen wir diesen Film. Reita wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Wir fahren sofort hin. Ziehen Sie sich bitte an."

Er selber flitzte zum Fernseher und stellte ihn aus, um dann zur Garderobe zu hechten und sich anzuziehen.
 

Doch als der andere so hektisch wurde, wurde Uruha klar, dass die Situation wirklich ernst schien und so stand er ebenfalls auf, folgte ihm in den Gang, zog sich seine Schuhe an, ließ Jacke Jacke sein, nahm seinen Wohnungsschlüssel und folgte Sakito.

Reita war im Krankenhaus. Immer wieder schoss ihm der Satz durch den Kopf ohne weiter zu denken. Ohne sich zu fragen wieso oder seit wann. Einfach nur die Tatsache, dass er im Krankenhaus war.
 

Unruhig suchte Sakito in seiner Tasche nach seinem Autoschlüssel und als er ihn gefunden hatte, standen sie auch schon vor seinem Auto und er schloss es auf. Er hielt dem Blonden die Tür auf und wartete bis dieser eingestiegen war, um dann um die Karre herumzurennen und sich in auf den Fahrersitz fallen zu lassen. Er brauchte mehrere Anläufe, den Schlüssel in das dafür vorgesehene Loch zu stecken, doch als er es geschafft hatte, bat er den Blonden noch, sich anzuschnallen, bevor er auch schon losfuhr. Sakito konnte sich schon denken, was passiert sein musste. Der unseriöse Boss muss wieder im Gefängnis gewesen sein. Er wusste schließlich, was dieser mit Aoi, wie nun auch Reita, tat. Diese Information hatte er von Aoi erhalten und hatte daraus schlussfolgern können, dass Reita dasselbe Schicksal ereilen würde. Nur... wusste Kouyou noch gar nichts davon. Er hatte es ihm verschwiegen. Sakito krallte sich ins Lenkrad und starrte beschämt aus dem Fenster. Er wusste, dass er es ihm nicht lange verschweigen durfte!

Von weitem konnte man das Krankenhaus sehen und Erleichterung überfiel ihm. Er wollte endlich wissen, was los war! Warum hatte ausgerechnet Takeda ihn angerufen?! Warum... hatte er nichts mitbekommen? War er so abgelenkt gewesen? Hatte er sich so ablenken lassen?!
 

Uruha beeilte sich sowohl mit dem Einsteigen, als auch mit dem Anschnallen. Doch die ganze Fahrt über herrschte Stille. Zum einen war sie angenehm, zum anderen aber auch ziemlich unheimlich. Der Blonde sah die ganze Zeit aus dem Fenster, in Gedanken versunken und hätte es wohl nicht mal gehört, wenn Sakito etwas zu ihm gesagt hätte.

Etwas nervös und auch weil er sich ziemliche Sorgen machte, zupfte er an seiner Jeans herum, die ihm inzwischen schon etwas zu groß war.
 

Sakito kam auf dem Parkplatz des Krankenhauses zum Stillstand und stieg langsam aus. Der Anwalt lief herum und öffnete dem Blonden die Tür. „Uruha... es gibt da noch etwas, was du wissen musst...", eröffnete er ihm und sah ihn traurig an.
 

Erst als Sakito schlussendlich den Wagen vor dem Krankenhaus parkte und er ausstieg, erhob der Brünette wieder das Wort. Irgendwie wurde Uruha bei diesen Worten etwas mulmig.

„... Nani?", meinte er dann und sah ihn etwas unsicher an.
 

Sakito senkte den Blick. „Wenn du willst, kannst du solange sitzen bleiben...", bot er ihm an und holte tief Luft. „Wie soll ich das erklären...? Der Name von Reitas Zellengenosse sagt dir doch was, ne? Aoi, hai... Ich war heute Morgen mit ihm bei Reita. Sie haben miteinander geredet und danach war Aoi bereit mit mir zu reden. Er offenbarte mir seine Vergangenheit, die schrecklicher als alles andere war, was ich bisher gehört habe..." Er schluckte und hob den Blick. „Warum ich dir das erzähle, willst du wissen, hm...? Er... erzählte mir auch von den Jahren im Gefängnis und was dort mit ihm geschehen ist, was die Wärter und der... Boss dieses Gefängnisses mit ihm gemacht haben. Aoi hat nie etwas genaues gesagt, aber eindeutig war es, als er sagte, dass er oft vergewaltigt worden war. Nun liegt Aoi aber im Krankenhaus. In eben jenem, in dem Akira nun auch liegt. Schwer verwundet und höchst wahrscheinlich vom Boss sehr übel zugerichtet. Du musst mit dem Schlimmsten rechnen... Wahrscheinlich wurde er... wurde er..." Der Anwalt atmete noch einmal tief ein und wieder aus, sah den Blonden traurig und mitfühlend an. „Wahrscheinlich wurde er auch vergewaltigt und das... nicht nur einmal.", offenbarte er ihm dann und griff nach seinen Händen, wollte ihm Halt geben. „Es tut mir Leid, dass ich es dir nicht früher erzählt habe, aber ich... konnte es nicht."
 

Hinsetzten? Wieso sollte er sich hinsetzten? Jetzt hatte er ein noch unguteres Gefühl als vor wenigen Sekunden noch. Trotzdem blieb er stehen und sah seinen Gegenüber weiter an. Doch was dann kam ließ ihn für einen Moment die Luft anhalten. Hatte er den Anwalt gerade richtig verstanden? Uruha sah ihn noch für kurze Zeit gedankenlos und schweigend an. Doch dann realisierte er schließlich, was Sakito gesagt hatte und, dass er es ernst meinte, sah er in dessen Augen.

Für einen Moment schossen ihm Bilder in den Kopf und schließlich auch die Erinnerung daran, wieso Reita dort gelandet war. Natürlich konnte man sagen, es war eine Reihe unglücklicher Zufälle, doch trotzdem war Reita nur dort gewesen, da Uruha ihn angerufen hatte, ihn um Hilfe gebeten hatte und sich nun schlussendlich die Schuld dafür gab. Er trat einen kleinen Schritt zurück, stieß jedoch gleich gegen den Wagen des Anwalts. Leicht zur Seite drehend sank er in die Hocke, stützte sich mit der einen Hand leicht am Wagen ab und hielt sich mit der anderen in seinem Shirt vor der Brust fest. Und alles nur, weil er für einen Abend Spaß haben wollte...
 

Als der Blonde nach hinten stolperte, wurden ihm seine Hände entrissen und Sakito sah ihn erschrocken, aber auch besorgt, an. Was er sah, ließ sein Herz für einen kurzen Moment still stehen. Der Anblick zerriss ihn förmlich. Er wollte nicht, dass es dem Blonden so schlecht ging! Aber die Realität kann hart sein. Er hatte sie ihm die ganze Zeit verschwiegen, aus Eigennutz kann man behaupten, denn er wollte sich nicht um ihn sorgen, er wollte ihn lächeln sehen. //Ich hätte wissen müssen, dass Schweigen nicht die beste Antwort ist...// „Kouyou... es tut mir Leid.", wiederholte er und hockte sich zu ihm, realisierte nicht, wie er in seiner Sorge die Höflichkeitsfloskeln außen vor ließ. „Gib dir nicht die Schuld an alledem. Du hättest dir die Folgen doch niemals erahnen können! Nenne es Unglück, aber gib dir nicht die Schuld..." Zaghaft legte er seine Hand auf die Hand von Kouyou. „Wenn du weinen möchtest, dann... hab ich immer eine Schulter frei für dich, okay? Was red ich da... zwei Schultern! Doch... dann mache es jetzt, wir müssen zu Takeda und dann zu Akira." Ein kleines Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Takeda war für ein paar Stunden Arbeiter im Gefängnis, hat Akira und mir geholfen und ist schließlich geflohen. Er war es, der mich angerufen hat. Er gehört zu den Guten."
 

Uruha hatte den Blick vor sich auf den Boden gerichtet, stützte sich noch leicht an der Seite des Autos ab und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, doch was Sakito ihm gerade offenbart hatte, klang so unreal und wie aus einem schlechten Film. „Ich hätte da drin sein sollen... nicht er...", begann er dann leise, weinte jedoch nicht, denn dazu war er noch zu sehr von der Nachricht geschockt.

„... Er hatte doch nichts damit zu tun..."

Nach dieser Nachricht, wusste er nicht ob er Reita sehen konnte. Zu groß waren die Vorwürfe, die er sich selbst machte.

Er wollte nicht bemitleidet werden, aber er wünschte, er könnte die letzten Wochen zurückdrehen und alles ungeschehen machen.
 

Er lehnte sich zögerlich vor, um die leisen Worte seines Gegenübers zu erhaschen und musste schwer schlucken, als er Uruha sprechen hörte. „Bitte... sag doch sowas nicht. Kouyou...", murmelte er bedrückt und legte seine Hände auf seine Schultern, um ihn zu sich umzudrehen. „Ihr habt beide nichts damit zu tun. Du hattest nur nicht weiter gewusst und Akira hat es unglücklicherweise getroffen. Nicht mehr lange und dann ist er frei! Ich habe genug Beweise gesammelt, um das Verfahren erneut ins Rollen zu bringen. Es wurde bei den Beweisen geschludert und dann MUSS er einfach frei kommen. Sie können ihn nicht wegen bloßem Verdacht festhalten. Wenn der Mörder gefasst wird, dann ist alles vorbei."

Er legte eine Hand unter sein Kinn und hob seinen Kopf an.

„Kommst du mit rein...?", fragte er unsicher und als der Blonde noch hilfloser schaute, nahm er ihn in seine Arme. „Es tut mir Leid, dass ich es dir nicht früher gesagt habe... Ich hatte Angst... Angst um dich und dein Befinden. Aber ich war dumm, zu glauben, dass du es nicht irgendwann eh herausfinden würdest."
 

„Aber...", begann Uruha und blickte Sakito unsicher an. Er atmete tief durch um die jetzt aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Sakito hatte Recht, aber dennoch verschwanden die Gedanken nicht aus seinem Kopf. Er musste leicht schlucken, als er Sakito's Blick sah und wandte seinen Eigenen leicht zur Seite. „Ich... weiß nicht, ob ich das kann...", murmelte er leise und sah zu Boden. Er war schwach geworden und Reita brauchte gerade jemanden, der für ihn da war, der für ihn stark war.

„Ich... versuche es...", antwortete er dann und nickte leicht. Reita war für ihn da gewesen und so wollte Uruha auch versuchen für den Blonden da zu sein. Nach kurzem Durchatmen stand er langsam wieder auf.
 

Da Uruha die Umarmung nicht erwiderte, geschweige denn, seinen Tränen freien Lauf zu lassen, seufzte er traurig und ließ wieder von ihm ab. „Du schaffst das schon, Kouyou. Zur Not bin ich doch für dich da.", meinte er und lächelte aufmunternd. "Wenn du nicht mehr kannst, dann sag mir Bescheid. Dann gebe ich dir meinen Autoschlüssel und du kannst dich ins Auto setzen. Hier herumzuspazieren würde das Verschanzen in deiner Wohnung zu Nichte machen."

Ihn etwas stützend, liefen die beiden zum Eingang des Krankenhauses und betraten es durch die automatischen Schiebetüren. Ein junger Polizist wurde auf sie aufmerksam und kam aufgeregt auf sie zugelaufen. „Takeda-san...", murmelte Sakito und empfand Dankbarkeit für diesen Mann, den er nicht einmal kannte.
 

„Sie sind gekommen! Ich bin so glücklich Sie zu sehen. Geht es Ihnen gut? Sie sehen so blass aus...?", fragte Takeda an Uruha gerichtet.
 

„Er... hat nur eben das Schicksal seines besten Freundes erfahren. Es wird schon gehen..."
 

Verwirrt blickte ihn der Polizist an, bevor er jedoch mit den Schultern zuckte und sie anwies, sich zu setzen.
 

Sakito bugsierte den Blonden zu einem Stuhl und setzte sich neben ihn. „Also Takeda-san. Was ist passiert???"
 

Der Angesprochene zog einen Stuhl heran und setzte sich ihnen gegenüber. Dann räusperte er sich und setzte die Mütze ab, strich sich durch's braune Haar.
 

„Nun ja... Sie wissen ja Sakito-san, ich habe heute Morgen in dem Gefängnis angefangen zu arbeiten. Wie sich heraus stellte, war es ein großer Fehler gewesen, aber auch mein Schicksal. Dazu komme ich noch. Ich habe miterleben dürfen, wie ein Wächter Herrn Suzuki behandelt hat, aber ich konnte nichts dagegen tun. Auf seinen Rat hin, habe ich das Gefängnis verlassen und habe dann Recherchen vorgenommen. Ich war in anderen Gefängnissen und informierte mich dort nach dem Umgang mit den Gefangenen und erfuhr Erstaunliches! Ich habe ihn von den Wärtern erzählt und habe es geschafft, ein paar Polizisten des Westbezirkes zum Tokioter Gefängnis in der Innenstadt zu bringen. Sie haben sich umgesehen und anhand des schlechten Zustandes, indem sich die Insassen befanden, haben sie Verstärkung geholt. Wir haben alles durchkämmt, Krankenwagen fuhren die verletzten Gefangenen, die kaum noch als Lebend hätten gelten können, in dieses Krankenhaus, während die Polizei immer weiter in das Gefängnis vordrang. Wir erreichten eine dicke Stahltür, die unmöglich zu durchbrechen war. Mit etwas Sprengstoff und anderen Mitteln schafften wir es schließlich und was wir sahen, war grausam. Herr Suzuki hing an Eisenketten von der Decke und der Chef dieses Gefängnisses, nackt war er, hatte ihn ein Messer in die Brust gejagt. Zwei Polizisten und ich konnten ihn gerade noch so davon abhalten, ihn... umzubringen... Er wird gerade verhört, aber mit mäßigen Erfolgen. Auch die Angestellten werden gerade verhört, aber sie wollen nichts preisgeben. Der Verletzte befindet sich zurzeit in der Intensivstation und wird gerade genäht, wie ich erfahren habe. Er wird durchkommen, aber nur mit einem sehr starken Willen. Wussten Sie, dass Yuu Shiroyama hier verweilt? Ich habe ihn überraschenderweise entdeckt, als er bewusstlos auf dem Krankenhausboden lag und alle über ihn drüber gelaufen waren. Sah gar nicht schön aus..." Er schüttelte den Kopf und verzog die Miene. „Es ist alles so schrecklich. Wie ein Albtraum..."
 

Sakito hatte den Ausführungen des Mannes gelauscht und sich eifrig Notizen gemacht. Immer wieder hatte er entsetzt aufgeschaut, mal panisch zu Kouyou rüber geblickt und seine Hand gedrückt, um ihm zu zeigen, dass sie das durchstehen mussten und er bei ihm bleiben würde. Überraschte Laute hatte er ausgestoßen und das Gesicht leidend verzogen. Zum Ende hin, schüttelte er ungläubig den Kopf und stand auf. Takeda tat es ihm gleich. Die Männer sahen sich ernst an. „Ja, es ist schrecklich, aber... dank Ihnen ist es jetzt vorbei..." Dankbar lächelte Sakito und zum Zeichen seiner Dankbarkeit, umarmte er ihn für eine kurze Zeit. „Es war wirklich Schicksal Ihnen begegnet zu sein. Kouyou...? Ist das nicht schön? Es ist vorbei. Akira wird durchkommen und ist frei! Die Tyrannei ist vorbei!" Er hockte sich zu ihm und sah ihn lächelnd an. "Kouyou...?"
 

Takeda lächelte glücklich und sah auf die Uhr. „Bald müsste er wieder rauskommen.", meinte er und sah zur Intensivstation, an der noch immer die Lampe brannte.
 

Uruha schwieg die ganze Zeit, ließ sich auf einen der Stühle drücken und lauschte den Worten Takedas. Die Vorstellung der Erzählung ließ ihn schließlich die Tränen doch nicht mehr zurück halten. Doch er weinte leise, hatte den Blick gesenkt und biss sich auf die Unterlippe. Das musste doch alles nur ein schlechter Witz sein. Erst als Sakito ihn wieder direkt ansprach, sah er langsam auf. Er nickte leicht, aber richtig freuen konnte er sich nicht. Leicht schluckend wischte er sich über die Augen, wischte sich die feuchten Spuren aus dem Gesicht.
 

Als er sah, wie Kouyou weinte und versuchte dies einfach zu verstecken, kippte seine Stimmung schlagartig um. Wo sich gerade noch ein glückliches Lächeln befand, war nun ein trauriges vorzufinden. War er schon so weit, dass er traurig wurde, wenn der Blonde dies war? Aber er wollte sich freuen! Es war vorbei und bald würden sie frei sein! Endlich machte sich seine Mühe bezahlt!

Er leckte sich über die trockenen Lippen und sah zu Kouyou auf. „Bitte weine doch nicht, Kouyou. Denkst du, Akira würde es so wollen?" Zaghaft strich er mit einer Hand über seine von Tränen benetzte Wange. „Möchtest du lieber wieder nach Hause?", fragte er jedoch gleich darauf, denn er wusste nicht, wie lange der andere dies aushalten würde. Vielleicht war es einfach zu früh, ihn zu ihm zu bringen?
 

„Gomen ne...", murmelte Uruha, wischte sich nochmal über die Augen und sah weiterhin nach unten. Er schüttelte leicht das braune Haar und sagte: „Ich... will's versuchen."

Den Blick langsam anhebend nickte Uruha noch einmal und atmete tief durch. Irgendwie würde er es schon schaffen, vor allem für Reita. Vorsichtig griff er nach der Hand des Anwalts und sah ihn an. „... Danke..."
 

Reita wurde immer noch operiert, die Ärzte taten alles, um sein Leben zu retten, doch es schien, als habe der junge Mann seinen Lebenswillen völlig verloren und das Kämpfen aufgegeben. Sein Blutdruck sank, seine Werte sackten plötzlich rapide in den Keller und sein Herz schlug nur noch schwach und unregelmäßig.
 

Erstaunt blickte Sakito auf die Hand, die sich auf seine gelegt hatte. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen und sein Herz vollzog einen Hüpfer. „Hm... Kein Problem...", nuschelte er verlegen und half Uruha aufzustehen.
 

Plötzlich kam eine Ärztin hektisch aus der Intensivstation gerannt und rannte beinahe Takeda um, der sich nur bei ihr erkundigen wollte, was denn passiert sei.
 

Verwirrt sah sie kleine, rundliche Frau zu ihm auf und wurde rot. "T-Tut mir Leid!!"
 

Sanft lächelte Takeda. „Schon gut. Ist ja nix passiert. Was ist da drin los?!"
 

Die Frau sah von ihm zu Uruha und Sakito, die näher gekommen waren. "Sie kennen den Patienten?"
 

„Hai!", antworte Sakito sofort und sah sie ernst an. Er ahnte schon Schlimmes. Doch was er nicht bemerkt hatte, war die Hand Kouyous, die er noch immer nicht losgelassen hatte.
 

Plötzlich fuchtelte die Ärztin mit ihren Händen wild in der Luft heran. „Ich weiß auch nicht was los ist!!! Plötzlich sinken seine Werte drastisch und wir wissen nicht warum!"
 

Entsetzt sah sie der Anwalt an, bevor er zu Uruha sah. „Kouyou! Du musst zu ihm! Red ihm gut zu. Tu irgendwas! Er darf nicht sterben! Ich hole Hilfe!", meinte er entschlossen und bekam zum ersten Mal mit, dass er seine Hand hielt. Seine Augen weiteten sich und er löste seine Hand aus der Uruha's. „Gomen nasai~", murmelte er, bevor er sich die Ärztin schnappte und sie nach etwas fragte.
 

Takeda sah dem Anwalt verwirrt hinterher. „Okay. Operation: Akira Suzuki retten hat begonnen! Darf ich bitten?", fragte er den Blonden höflich, ehe er auch schon einen Arm stützend unter Uruha's Achsel schob und ihn zur Intensivstation dirigierte.
 

Geschockt als die Ärztin auf einmal vor ihnen stehen blieb und ihnen die vermutende Lage erklärt, schluckte Uruha und hielt sich leicht an der Hand des Anwalts fest. Und als dieser sich noch zu ihm drehte und ihm irgendwas sagte, dass er im ersten Moment nicht verstand, da er in Gedanken bei Reita war, zitterte Uruha leicht.

So schnell wie er mit ihm geredet hatte, war er schließlich auch mit der Ärztin verschwunden und Uruha stand etwas verloren im Raum rum. Er konnte doch nicht einfach in den OP.

Als nun auch der Wärter ihn ansprach, zupfte er nervös wieder an seiner Hose, und wurde dann jedoch schon davon abgehalten, indem er zur Intensivstation geschoben wurde.
 

Kurz vor der Tür hielt Takeda an und wagte ein Blick zu dem zitternden Bündel neben ihn. „Ist alles okay bei Ihnen? Sind Sie dazu in der Lage?"
 

Uruha sah auf und warf einen Blick zu Takeda. „H-hai... ich glaub schon...", antwortete er leise, immer noch leicht zitternd und nickte.
 

„Okay, dann gehen wir jetzt rein. Halen Sie sich einfach an mir fest, wenn Sie eine Stütze brauchen.", sagte er und lächelte aufmunternd. Dann stieß er die Doppeltür auf und betrat mit dem Blonden die Intensivstation. Sofort wuselte ihnen eine Krankenschwester entgegen und streckte die Arme von sich. „Keinen Schritt weiter!" „Wir wollen ihm nur helfen, okay? Er schafft es nur durch die Unterstützung seiner Liebenden. Also lassen Sie uns bitte durch!" Mit unruhigem Blick, sah er an der Frau vorbei und erblickte Akira. Er sah furchtbar blass aus, aber zumindest war die Wunde vernäht worden. Die Geräte, die an ihm angeschlossen waren, piepten unaufhörlich in einem schrillen Ton. "Bitte!", sagte er noch einmal zur Ärztin, die unsicher zu den Ärzten sah, bevor sie einen Schritt zur Seite machte. „Dann... retten Sie ihn!“

Zuversichtlich nickte Takeda und brachte Uruha zu der Liege, die mitten im Raum stand und grell beleuchtet wurde. Nervös leckte er sich über die Lippen und besah sich die Herzfrequenzen. Er musste schwer schlucken. „Bitte, rede mit ihm...!", bat er Uruha drängend und glitt mit unruhigem Blick zur Tür. Wo blieb Sakito-san nur?!
 

Das EKG hatte mittlerweile fast eine horizontale Linie erreicht, nur hin und wieder schlug Reita's Herz für einen Moment, dann schien es wieder Ewigkeiten zu dauern, bis der nächste Schlag einsetzte. Um Reita herum war überall Blut, der Blonde hatte eine Menge davon verloren und dementsprechend schlecht ging es ihm auch.
 

Er selbst bekam nichts mehr mit, befand sich längst an einem anderen Ort... hier war es so friedlich... und still... Warmer Wind umschmeichelte seinen Körper und obwohl es dunkel war, hatte die Dunkelheit nichts Lauerndes mehr an sich, vielmehr war es eine warme Dunkelheit, die ihn sanft umfing. Reita fühlte sich zum ersten Mal geborgen, endlich hatten all die Schmerzen und Qualen ein Ende. Endlich konnte er seine Augen schließen und ausruhen. Ihm würde nichts mehr passieren. Alle Schmerzen waren verschwunden, sein Körper fühlte sich leicht an, und dennoch stark, voller Leben, und ein nie gekanntes Gefühl des vollkommenen Glücks durchströmte ihn.
 

"Hai...", antwortete Uruha mit etwas festerer Stimme. Er schloss nochmal für einen Moment die Augen, als Takeda die Türe zum OP öffnete, und folgte diesem dann. Als er den leblosen Körper da liegen sah, und in das blasse Gesicht des Blonden sah war all der Mut, den er vor der Türe nochmal gesammelt hat, wieder dahin. So schwach und blass hatte er Reita noch nie gesehen.

Erneut begann er leicht zu zittern und dass die Ärztin sie anwies wieder rauszugehen, hörte er gar nicht hin. Wieder sammelten sich Tränen in seinen Augen und er versuchte sie wieder fort zu blinzeln, was jedoch nur dazu führte, dass sie seine Wangen hinab liefen. Als Takeda ihn drängte mit Reita zu reden nickte er leicht hastig und ging vorsichtig ein paar Schritte auf Reita zu. Was sollte er sagen? Alles wird gut? Das war schwach. Uruha beugte sich leicht über den Blonden, legte vorsichtig seine eigene Hand auf die Kalte des anderen und begann mit ihm zu reden. Was er erzählte, wusste er selbst nicht, in seinem Kopf hatte er immer nur den Gedanken daran, dass Reita das überleben musste. Er erzählte ihm Dinge, aus ihrer Vergangenheit und zählte Sachen auf, die er noch machen wollte, die sie zusammen machen wollten. Die Tränen liefen immer noch über seine Wangen, und er wischte sie etwas unwirsch aus seinem Gesicht. „Bitte gib nicht auf...", flüsterte er und unterdrückte ein Schluchzen.
 

Takeda biss sich erneut auf die Lippen. Reita's Werte sahen gar nicht gut aus. Sie machten ihm Angst. Er würde doch nicht vor seinen Augen wegsterben, oder?! Das würde sein Kumpel niemals aushalten! Und er selber auch nicht. Er war ein sensibler Typ und nur dazu da, um anderen Menschen zu helfen und sie glücklich zu sehen. So war es schon immer gewesen. Traurige Menschen wollte er zum Lachen bringen und glücklichen Menschen versuchte er begreiflich zu machen, dass die Traurigen Hilfe bräuchten und sie helfen könnten, dies zu ändern. Meist ohne Erfolg, wie er in den letzten Jahren feststellen musste. Und was hatte ihn all das gebracht?! Er selber war auch Arbeitslos geworden! Doch das würde sich jetzt ändern! Es muss sich ändern!
 

Stumm lauschte er den Worten Uruha's und wurde ganz traurig. Es war ihm eine Ehre, Teil ihrer Vergangenheit zu werden, allein mit Worten. Sie kannten sich schon so lange! Da durfte doch der Blonde nicht aufgeben!

Zur Vorsicht stellte er sich nah bei Uruha auf, da dieser stark zitterte und sah wieder zur Tür. Wo blieb er nur?!
 

„Akira Suzuki! Ich bin es, Takeda! Ich bin geflohen, wie du es mir aufgetragen hast. Ich habe Polizisten in dieses scheußliche Gefängnis gebracht! Die Angestellten sind festgenommen! Du wirst bald frei sein! Es kann jetzt nur noch besser werden! Stirb deinem Kumpel hier nicht weg! Ich bitte dich... Sei stark! Sei so stark, wie du es auch warst, als du noch... DORT warst!", wandte er sich dann an Akira selbst, als Uruha verstummt war und legte seine Hand auf Reita's Schulter.
 

Hoffnungsvoll wartete er ab, ob etwas geschah, doch nichts passierte. Keinen Finger bewegte Reita! Nichts... Gar nichts...
 

Plötzlich wurde es um sie herum laut und die Doppeltür schwang auf.
 

„Lasst uns durch! Bringt mir eine Liege oder einen Stuhl!", rief der Anwalt und verwirrte Ärzte taten, was Sakito angefordert hatte.

Sie konnten auf medizinischer Basis nichts mehr für ihren Patienten tun, aber vielleicht konnte die Psyche helfen? Sie glaubten fest daran und bangten mit den anderen mit.
 

Eine Liege hatten sie gebracht und Sakito hastete zu ihr, um den immer noch bewusstlosen Aoi darauf zu legen. Diese Liege brachte er dann ganz dicht neben die Reitas. Kurz sah er auf in Uruha's blasses Gesicht, in Takedas verwirrte Augen und dann zu Reita selbst, der immer schwächer zu werden schien.

„Akira! Ich weiß, dass du mich hören kannst! Ich habe dir deinen geliebten Aoi mitgebracht. Du wirst nicht sterben, hörst du?! Er braucht dich! Kouyou braucht dich! Und alle wollen, dass du weiterlebst! Gib nicht auf!", rief er ihm hilflos zu und tätschelte Aoi's Wangen. Dann wandte er sich an eben jenen. „Aoi, bitte wach auf! Dein Akira wird noch sterben, wenn du nicht aufwachst. Er braucht dich!", rief er hilflos und gab ihm eine Ohrfeige. Er wollte ihm doch nicht wehtun, aber ihm blieb nichts anderes übrig! Aoi könnte die einzige Rettung für den Blonden bedeuten!
 

Doch es tat sich nichts...
 

„Aoi... bitte...", murmelte Sakito und wandte sich dann mit wässrigen Augen an die Ärzte. "Verdammt! Machen Sie doch was! Er MUSS aufwachen!"
 

Die Angesprochenen sahen sich fragend an. Dann trat ein größerer Mann aus ihrer Mitte und ging auf Aoi zu.

„Da er nicht durch Kreislaufprobleme ohnmächtig geworden ist, sondern durch unser Vergehen...," sagte er und dabei senkte er beschämt den Blick, " kann er nur durch einen Impuls des Herzens wach werden und-"
 

„Reden Sie nicht, sondern tun Sie es einfach!!!", schrie Sakito fast und knirschte mit den Zähnen.
 

„Aber es kann gefährlich sein!", protestierte der Arzt schließlich. „Mit Bewusstlosigkeit ist nicht zu scherzen!"
 

Sakito verstummte augenblicklich und sah den Schwarzhaarigen hilflos an. //Er würde es wollen... ganz sicher. Dafür glaube ich ihn schon viel zu gut zu kennen. Er liebt ihn doch...! Oder etwa nicht?!//
 

„Herr Shiroyama würde es wollen, dass Sie das tun! Ich nehme die Verantwortung auf mich."
 

Der Arzt verstummte, nickte schließlich und winkte Arzthelfer heran, die das Gerät dafür vorbereiteten.

„Gehen Sie bitte von dem Mann weg!", bat ihn ein Arzt und schmierte die Platten ein, die an Aois Brust gelegt werden müssen.
 

Nur widerwillig ließ Sakito ihn los und wenig später, legte der Arzt die Platten an die Brust des Bewusstlosen und jagte ihm einen elektrischen Impuls in den Körper. Dann nahm er die Platten wieder weg und trat beiseite.
 

Bei dem Kontakt mit dem Strom, öffneten sich Aois Augen und starrten weit geöffnet an die Decke. Sein Oberkörper hatte sich nach oben gewölbt und zuckte verräterisch. Alles drang auf einmal auf ihn ein. Gefühle, Gedanken und das Wissen, um das Geschehene. Seine Vergangenheit... Worte, die an sein Ohr drangen. Unverständlich jedoch. Sein Name... sofern es seiner war.

Er presste sich die Hände an die Ohren, denn der augenblickliche Tinitus tat ihn in den Ohren weh. Dann ließen die Schmerzen nach, sein Brustkorb fiel auf die Liege zurück, rollte jedoch zur Seite weg und fiel von der Liege. Kurz schrie er auf und blieb liegen. Sein ganzer Körper schmerzte.

"Aoi!", rief Sakito und eilte erleichtert auf ihn zu. „Tut mir Leid, dass wir dich so unsanft geweckt haben, aber Reita ist in Gefahr! Er wird sterben, wenn du ihm nicht beistehst.", erklärte der Anwalt schnell und half ihm auf. Gequält stöhnte der Schwarzhaarige und klammerte sich an dem Jüngeren fest. Er verstand wieder was gesagt wurde, aber dies war ganz sicher nicht das, was er hören wollte. //Reita... und sterben...?//
 

Dann sah er ihn und hörte das hohe Piepsen des EKG's. Panisch starrte er es an und hätte es am liebsten kaputt geschlagen. Das wollte er nicht sehen!! Er wollte Reita so nicht sehen!

Er schubste Sakito leicht weg und wankte auf Reita's Liege zu, an dem ein ebenfalls blonder Japaner stand und ein Mann im Polizistenanzug. Kurz schmunzelte er und fragte sich, wer diese Menschen waren, die bei SEINEM Reita standen, aber dafür hatte er auch später noch ausreichend Zeit zur Verfügung. Reita war nun viel wichtiger!
 

Seine blassen Finger legte er an die Wangen des Blonden und hilflos sah er ihn an. Sein warmer Atem streifte Reita's Gesicht. „Hey Reita. Ich bin es... Aoi.", sagte er und musste schlucken. //Was soll ich denn sagen...??!//
 

Als hätte Sakito gemerkt, was Aoi beschäftigte, stellte er sich zu ihn. „Sag ihm, dass du ihn liebst...", bat er den Schwarzhaarigen, der sprachlos zu ihm aufsah. „W-was...?" „Bitte tue es Aoi! Es ist doch wahr, oder nicht?"
 

Der Schwarzhaarige klammerte sich nun an Reita's Schultern fest und unruhig wanderte sein Blick über die blassen Züge seines... ja was? Seines Geliebten? Liebte er ihn? //Verdammt! Was ist denn Liebe!?//, fragte er sich und schluchzte hilflos auf. „Rei... bitte, wach auf! Ich brauche dich doch... Ich kann doch nicht ohne dich! Vielleicht ist das Liebe, aber ich weiß nicht, was das ist...! V-Vielleicht m-möchtest du es mir zeigen...? Werd' bitte wach!"

Er konnte seine Tränen nicht mehr aufhalten. Unaufhörlich wanderten sie über seine Wangen und einige wagten es, das Antlitz des Blonden zu beschmutzen. Eine Träne schlich sich auf Reita's Lippen und wie auch die anderen Tränen, die dies gewagt hatten, küsste Aoi sie fort. „Ich brauche dich.", hauchte er gegen seine Lippen und küsste ihn noch einmal sanft, in der Hoffnung, dass er, wie in einem Märchen es Dornröschen ebenfalls geschafft hatte, mit einem Kuss die Augen öffnen und ihn in seinen Armen nehmen würde.
 

Reita öffnete die Augen wieder. Er hörte Stimmen... so viele Stimmen... die durcheinander riefen... Hörte seinen Namen... Er presste sich die Hände auf die Ohren. „Seid still! Ich will euch nicht hören! Seid doch still!" Doch sie verstummten nicht... Im Gegenteil, sie riefen immer lauter nach ihm und er spürte langsam die Kälte wieder... Nein... er wollte nicht, dass es kalt wurde... es sollte so warm und angenehm bleiben... und dunkel... wurde es da vorne etwa hell? Nein... Nein! Warum ließen sie ihn nicht in Ruhe?

Doch plötzlich hörte er eine vertraute Stimme, die mit ihm sprach. Er hatte mit dieser Person viel erlebt... und nun fiel es ihm auf. Sie fehlte. Die andere Hälfte seines Herzens fehlte hier... Sie rief ihn... und obwohl die Dunkelheit so warm und einladend war, so war doch diese Stimme der Grund, dass er sich aus der Finsternis löste und auf das Licht zuging, langsam, schleppend, jeder Schritt kostete Überwindung, mit jedem Schritt nahm die Kälte mehr zu und das Licht wurde heller...
 

„Reita bitte... mach die Augen auf! Wenn du gehst, hab ich keinen Grund mehr, auch zu bleiben... Du hast in mein graues Leben Farbe gebracht. Nimm sie mir nicht wieder weg... Ich will mit dir über grünes Gras laufen, mit dir unter der Sonne gehen, die Blumen riechen und S-spaß haben... Ich möchte nicht an deinen Erzählungen festhalten, sondern sie erleben und zwar nur mit dir. Nichts würde mich glücklicher machen, als bei dir zu sein."

Sanft strich er über Reitas Gesicht und fischte ihm ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Schluchzend, da sich immer noch nichts rührte, legte er seinen Kopf leicht auf Reitas Brust und lauschte dem langsamen Herzschlag. „Bitte... geh nicht...", hauchte er und schloss die Augen. Die Tränen fielen ihm am Kinn herab und benässten Reitas OP-Hemd, wodurch ihm auch wieder bewusst wurde, dass der andere gerade behandelt worden sein musste. Schnell hob er den Kopf, als ihm das Messer wieder einfiel und tastete mit zittrigen Händen nach der Narbe. Als er sie gefunden hatte, legte er seinen Arm vor seine Augen und zog die Nase hoch. An Höflichkeitsfloskeln zu denken, kam ihm nicht in den Sinn. Er musste es 4 lange Jahre nicht und deshalb war es sinnlos, sie jetzt wieder anzuwenden, wenn er dafür nichts als Leid zurückbekommen hat. Er versuchte die Schluchzgeräusche zu unterdrücken, denn vielleicht konnte sie Reita doch hören...? Wenn, dann musste er stark für ihn sein!

Er nahm Reitas Hand in die seine und drückte sie sanft. „Ich werde hier solange ruhen, bis du aufwachst Rei...", warnte er ihn mit einem schiefen Grinsen und hielt sich an der Liege fest. Hoffentlich würde er das bald tun, denn seine Beine konnten sein Gewicht nicht mehr lange halten und Schmerztabletten oder ähnliches wären sehr hilfreich...
 

Reita wusste nicht mehr den Namen, der zu der Stimme gehörte... Er wusste nur, dass er diese Stimme liebte und schrecklich vermisst hatte. Immer weiter ging er auf das Licht zu und je weiter er ging, um so lauter wurde sein Herzschlag... Er dröhnte in seinen Ohren und wurde immer lauter. So laut, dass er die Stimme übertönte...
 

Der Schwarzhaarige keuchte und knickte leicht ein, als seine Knie nachgeben wollten. Wäre da nicht Sakito gewesen, der ihn gestützt und somit vor dem Sturz bewahrt hatte, dann hätte er sein Versprechen Reita gegenüber nichtig gemacht. Er musste bei ihm sein, aber seine Kraft nahm immer mehr ab. Er schloss erschöpft die Augen und befahl sich in Gedanken, stark zu bleiben und nicht wie ein Schwächling dem Schlaf nachzugeben. Seine andere Hand löste sich von der Liege und nahm Reitas andere Hand in seine. Dann verhakte er sie und schmiegte sein Gesicht an das von Reita. Das Blut um sie herum, das von Reita ausging, tränkte auch seine Sachen. Mit schwacher Stimme richtete er sich an die Ärzte. „Hat Reita noch genügend Blut...? Wenn er welches brauch und wir die selbe Blutgruppe haben, nehmen sie meines. Er soll leben..."
 

„Wir haben ihm bereits einen Beutel Blut gegeben. Nur ist der Beutel schon fast leer und er benötigt noch mehr." Beschämt senkten sie den Blick.
 

Aoi hob den Kopf. „Dann stehen Sie doch da nicht so rum! Es geht um Reita! Sagen Sie mir einfach... was für eine Blutgruppe er hat."
 

„B-Blutgruppe A hat er!" Ein Lächeln schlich sich auf Aoi's Lippen, ehe es kurz darauf auch wieder verschwand. „Die habe ich auch. Geben Sie ihm welches von mir!", wies er die Ärzte an und war im Begriff sich von Reita zu lösen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Verwirrt folgte er der Hand zu ihrem Besitzer. Ein fremdes Gesicht offenbarte sich und der Fremde musterte ihn mit einem besorgten Blick.
 

„Yuu Shiroyama, ich bin Takeda. Bleib bitte bei Akira. Ich werde ihm mein Blut geben. In deinem geschwächten Zustand könntest du sterben!"
 

„Besser ich, als er..." Abschätzend musterte er den Polizisten. Er vertraute niemanden und so fiel es ihm schwer, Reita diesem Mann anzuvertrauen.
 

"Bitte Aoi, vertraue Takeda-san. Er hat Reita das Leben gerettet!", mischte sich nun der Anwalt ein, der hinter Aoi stand, um ihn im Notfall aufzufangen.
 

Der Schwarzhaarige nickte stumm und senkte den Blick auf den Blonden. Sakito war einer derjenigen, den er glauben konnte und deshalb ließ er sein Vorhaben bleiben.

Wieder schmiegte er sich an den Größeren. „Rei~ wach bitte auf. Deine Freunde erwarten dich... Ich erwarte dich. Dein Aoi...~"
 

Währenddessen hatte Takeda seinen Arm entblößt und ließ sich abzapfen.
 

Als die Ärzte genug Blut hatten, füllten die es in einen Plastikbeutel um und wechselten den inzwischen leeren Beutel am Tropf ab.
 

Als sie auf die Messgeräte sahen, stutzten sie. „Die Werte scheinen sich zu bessern!", rief einer begeistert und notierte sich alles.
 

Sakito sah Aoi strahlend an. „Siehst du Aoi, du schaffst das. Mach nur weiter. Bald hast du es geschafft.", redete er ihm gut zu, doch der Schwarzhaarige schien ihn nicht zu hören.
 

Zu sehr war er damit beschäftigt, dem langsamen Herzschlag Reitas zu lauschen. Ja, er hatte bereits gemerkt, dass es ein wenig schneller geworden war, aber der Unterschied war so gering, dass er sich nicht sicher war, was es bedeuten könnte. Kaum nahm er die Worte war, die von anderswo an seine Ohren drangen und die erfreulichen Worte waren gar nicht erst zu ihm vorgedrungen. //Bitte verlass mich nicht Rei... Ich brauch dich doch so sehr. Ohne dich, gibt es keinen Grund mehr, zu leben, zu atmen und zu... existieren.// Seine Hände strichen seine Seiten entlang und vorsichtig beugte er sich zu seinem Ohr vor. „Du sagtest mir, ich sei ein Mensch. Du hast mir das Gefühl gegeben, es zu sein. Wenn du gehst, hast du mir den Halt genommen und ich kehre zurück zu der Annahme, ein Nichts zu sein. Nur durch dich, bin ich wieder ein Mensch geworden. Nimm mir diese Hoffnung nicht... Sei nicht herzlos oder... egoistisch. Das bist nicht du! Du bist alles für mich. Die Luft, die ich atme. Der Wille, der mich am Leben hält. Die Welt, die mich trägt, mit all seinen Macken. Wer würde mich ertragen, wenn nicht du...?", flüsterte er in sein Ohr und schmiegte seine Wange an die des Blonden.
 

+~+
 

Uruha hatte sich inzwischen von dem OP-Tisch entfernt. Er verfolgte das ganze Geschehen stillschweigend, wischte sich ab und zu leicht über die Augen und hielt sich mit der anderen Hand leicht in seiner Hose fest.

Ob Reita es wirklich schaffen wird? Uruha zweifelte nicht daran, dass Reita es schaffen könnte, aber daran ob er es schaffen wollte.

Immer noch zitterte er leicht, jedoch trockneten langsam die Tränen die sich ihren Weg über seine Wangen gemacht hatten.

Er biss sich auf die Unterlippe, atmete ab und zu etwas tiefer durch und wiederholte für sich selbst immer wieder die Worte, dass Reita es schaffen würde.
 

+~+
 

Reita wollte doch zu ihm... Zu seiner geliebten Stimme, die das Eis, dass sich um ihn gelegt hatte und ihm Wärme und Zuflucht vorheuchelte, schmelzen ließ... Doch das Eis schloss sich immer fester um Reita, drohte ihn zu ersticken und hielt ihn unbarmherzig fest, zog ihn zurück in die Dunkelheit...
 

Reita bäumte sich plötzlich auf dem OP-Tisch auf, er schnappte nach Luft, seine Augen waren aufgerissen und verdrehten sich nach hinten, dann schlossen sie sich wieder und der schmale Körper schlug zurück auf die Liege. Dann erfüllte ein grausam sonorer, monotoner Ton den Raum, in dem sie alle standen und das EKG zeigte nichts als eine waagerechte Linie an...
 

Aoi wurde zurückgestoßen, als sich der Körper unter ihm jäh aufbäumte und fiel direkt in Sakitos Arme. Ängstlich und am ganzen Körper zitternd, beobachtete er jede einzelne Bewegung, die sich direkt vor seinen Augen abspielte. Ein bizarres Bild, das ihm schreckliche Angst einjagte. Dazu kam noch das monotone Summen dieser Geräte, die ihn fast wahnsinnig machten.
 

Sakito übergab den Schwarzhaarigen Takeda und lief zu Reita. „Er brauch eine Mund zu Mundbeatmung, oder??!", fragte er die Ärzte, die eilig nickten. Ohne zu überlegen, wollte er die Rettungsaktion durchführen, als ihn Aoi leicht wegschubste. „Überlass mir das!", fauchte er beinahe schon, wandte sich dem Blonden zu, legte eine Hand an Reitas Nase, um sie ihm zuzuhalten, atmete tief ein und legte seine Lippen auf die Reitas. Er beatmete ihn, ließ von ihn ab, um ihn daraufhin eine Herzmassage zu verabreichen. Noch einmal atmete er tief ein und vollzog die Beatmung und wieder gab er sich die größte Mühe, sein Herz wieder zum Schlagen zu bringen. „Reita! Du sollst verdammt nochmal leben!", rief Aoi verzweifelt und versuchte den Tränenschleier wegzublinzeln.
 

Reita rührte sich nicht mehr, die Geräte piepsten hektisch, bis auf das EKG mit seinem nicht enden wollenden Piepen. Einer der Ärzte stieß Aoi zurück, in seiner Hand hielt er einen Defibrilator, den er an den Strom anschloss und das Gerät lud sich auf. „Weg von der Liege!" schrie er und drückte das Metall auf Reita's Brust. Dann jagte ein Stromstoß durch den reglosen Körper und wieder bäumte er sich auf und fiel zurück. Immer und immer wieder versuchte es der Arzt, erhöhte die Stromstärke und versuchte es so lange, bis das piepsen endete und ganz leise und schwach immer wieder ein einzelner Ton erklang.
 

//Warum tut sich nichts?! War es doch nicht richtig...? Habe ich es falsch gemacht?!! Habe ich ihn sterben lassen...?// Aoi wusste weder ein noch aus, öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schwieg jedoch und schrie nur jäh auf vor Schreck, als er von Reita's Liege weggeschubst wurde. So schnell hatte Sakito gar nicht gucken können und demzufolge landete der Schwarzhaarige auch auf dem Boden und blieb wie ein Häufchen Elend dort sitzen. Der Anwalt sah noch kurz zu Reita und dem Arzt mit dem Defribilator, bevor er sich zu ihm hockte und ihn etwas zaghaft in den Arm nahm. „Alles okay bei dir? Es wird alles gut werden Aoi...", redete er ihm gut zu und strich dem zitternden Bündel über den Rücken. Aoi erstarrte und Angst der Einengung überkam ihm plötzlich. "N-nicht... ich brauch nicht... Rei... aufhelfen...", brachte er in Brocken hervor und starrte zu dem Letzteren hinauf.

Doch Sakito verstand und half ihm auf, wobei er wieder versuchte, den Abstand zu gewährleisten, den Aoi brauchte.

„Warum wacht er nicht auf?", murmelte Aoi hilflos und klammerte sich an Sakito's Arm. Jedes Mal, wenn Reita ein Stromstoß durch den Körper gejagt wurde und dieser sich daraufhin erfolglos aufbäumte, zuckte der Schwarzhaarige heftigst zusammen. Seine Augen hatte er geschlossen. Er war einfach nicht mehr in der Lage, den anderen so leiden zu sehen...
 

... Sie hatten ihn wieder...
 

Doch... da!

Dieses Piepsen!

Dann die immer lauter werdenden Geräusche!

Es schmerzte.

Aoi schlug die Augen auf.

Und sah Ärzte, die sich in den Armen lagen. Ärzte die erst ungläubig auf die Geräte starten und dann mit in den Jubel mit einstimmten.

„Wir haben es geschafft!", riefen sie und es versetzte ihn ein Stich direkt ins Herz.

Sie...

Sie haben ihn gerettet...

Er hatte nicht helfen können... War machtlos gewesen...

Natürlich war er glücklich darüber, dass Reita wieder lebte, aber gleichzeitig kam er sich so unglaublich... nutzlos vor, dass er gar nicht dazu fähig war, es zu zeigen. Er starrte auf die blutige Liege, dann auf den Mann, der ihm so viel bedeutete, aber nicht wusste, wie viel VIEL!

Und zum ersten Mal fiel ihm auf, wie gut er doch aussah.

Unglaublich, dass er solange gebraucht hat, um das zu merken und dann auch noch in solch einer Situation!
 

„... oi? Aoi?"
 

Der Angesprochene schreckte zusammen und sah zögernd auf.
 

Der Anwalt schenkte ihm ein zufriedenes Lächeln. „Geh zu ihm...", wies er ihn freundlich an und gab ihm einen kleinen Stubser in die richtige Richtung. Kurz sah er dem Schwarzhaarigen nach, bevor er sich von ihm abwendete und seine Aufmerksamkeit endlich wieder jemanden schenken konnte, der ihm etwas bedeutete. Kouyou... er hatte ihn Takeda übergeben gehabt. Nun ging er mit einem schlechten Gewissen auf den Blonden zu, der abseits an der Wand gelehnt dastand und zitterte. Vorsichtig näherte er sich ihm. „Hey...~ Er hat es überstanden.", sagte er und lächelte sanft.
 

Aoi war währenddessen zur Liege gestolpert und klammerte sich sofort an das Gestell der Liege. Seine Augen ruhten unruhig auf Reita's Antlitz und er sah ihn an, als sähe er ihn zum ersten Mal. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Mundwinkel und seine Hände strichen vorsichtig über seine Wangen, fast so, als habe er Angst, dass er diesen schönen Traum zerstören könnte und somit auch den Blonden, der ganz ruhig atmete. „Danke, Reita.", hauchte er und wischte sich eine Träne aus den Augenwinkeln. „Danke, dass du nicht aufgegeben hast.", murmelte er und legte eine Hand auf seine Brust, um den langsamen Herzschlag zu fühlen, der bis in seine Fingerspitzen drang.
 

+~+
 

Uruha hatte die Arme um sich geschlungen und geschwiegen. Er konnte Reita nicht helfen, diese Bindung die früher zwischen ihnen war, schien nicht mehr das zu sein, was sie war. Traurig und noch immer besorgt, hatte er dem ganzen Geschehen zugesehen, leise geweint und immer wieder versucht falsche Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen.

Als Sakito schließlich auf ihn zu kam und ihn anlächelte, nickte er leicht unsicher und wandte den Blick zum Boden. "Hai...", flüsterte er, versuchte leicht zu lächeln und stieß sich dann ganz leicht von der Wand ab, drohte im ersten Moment etwas zu wanken, konnte sich jedoch rechtzeitig abfangen.

„Ich... geh jetzt nach Hause...", murmelte er dann weiter, sah noch immer hinab vor seine Füße und ging langsam zur Türe, durch die er hinaus auf den Gang trat. Reita wird jetzt Ruhe brauchen.
 

Sakito hob die Arme, um den Blonden im Notfall aufhalten zu können, als er sah, wie jener gefährlich schwankte, doch er konnte auch ohne ihn stehen. Fast schon traurig, senkte er sie wieder und blickte ihm verwirrt hinterher. „Kouyou...?", murmelte er hilflos und legte den Kopf schief. Einen kurzen Blick warf er den noch immer bewusstlosen Reita und dem weinenden Aoi zu, bevor er Takeda einen bedeutungsvollen Blick schenkte und dem Blonden schließlich nacheilte. Draußen griff er nach Uruha's linker Schulter, um ihn anzuhalten, doch ehe er sich bewusst wurde, was er im Begriff war zu tun, drängte er ihn vorsichtig an die Wand, gleich neben sich, und stützte seine Hände, eine links und eine rechts, neben seinem Kopf an der Wand ab, damit er nicht einfach verschwand. „Kouyou... was ist los...? Ich sehe doch, dass etwas nicht mit dir stimmt?! Freust du dich nicht...? Was denkst du???" //Ja... was denn? Ich weiß nicht, was in deinem Kopf vorgeht, wenn du so schweigst.// Besorgt musterte ihn. „Soll... soll ich dich nach Hause fahren...?"
 

Währenddessen war Uruha schon ein ganzes Stück den Gang entlang gelaufen, jedoch wurde er langsamer und blieb schlussendlich stehen, als er die Stimme des Anwalts hinter sich vernahm. Er wollte sich gerade umdrehen, als er sich, so schnell konnte er gar nicht reagieren, bereits gegen die Wand gelehnt wieder fand. „Was... ", begann er, da er mit so einer Reaktion gar nicht gerechnet hatte. Er zitterte immer noch leicht und die Tränenspuren auf seinen Wangen waren noch nicht getrocknet. Als er sich Sakito's Fragen durch den Kopf gehen ließ antwortete er leise: „Ich...doch ich freue mich schon, aber... er braucht jetzt Ruhe und... ich kann ihm nicht helfen, also...ich meine..."

Er musste tief durchatmen um nicht wieder durcheinander zu kommen.
 

+~+
 

Das Eis war zersprungen, mit einem Knall. Die Welt hatte ihn wieder... die Welt... und die damit verbundenen Schmerzen... die Erinnerungen... alles war wieder da. Im Bruchteil einer Sekunde schlugen die Erinnerungen über ihm zusammen... Doch er konnte nicht schreien, konnte sich nicht wehren. Er konnte überhaupt nichts tun, nicht einmal die Augen öffnen oder sich bewegen... Doch... ganz kurz und kaum spürbar zuckte seine Hand.
 

Jede Bewegungen, jedes Heben und Senken seines Brustkorbes, sog Aoi magisch in sich auf. Er hatte einen Entschluss gefasst. Er würde bei ihm bleiben und egal wie schwach er selbst war und wie schlecht sein Zustand war, würde er durchhalten, nur um bei dem Blonden bleiben zu können.

Selbst dieser seltsame Polizist, der Reita das Leben gerettet haben sollte, konnte ihn nicht davon abhalten, als dieser ihn fragte, ob er sich nicht ausruhen wolle. Schlaf würde ihm sicher gut tun, hatte er gemeint. Ja, würde es, aber dann hätte er ein schlechtes Gewissen, weil er ihn alleine gelassen hätte. Nein, das könnte er nicht. Reita würde genauso handeln, wenn er in seiner Haut stecken würde. Außerdem war ihm bewusst geworden, wie sehr und wie viel der andere ihm schon geholfen hatte und er hingegen hatte nichts geben können. Was hatte er auch groß vergeben können? Er hatte nur sich... sich ganz allein.
 

Auch ein paar Ärzte versuchten ihn nun von Reita's Liege wegzubekommen, aber er ignorierte sie.

Etwas anderes hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
 

Litt er unter Wahnvorstellungen, oder hatte sich Reita's Hand eben bewegt?!
 

„R-Reita! Bitte, wach auf!", bat er ihn mit zittriger Stimme und schluckte, während er zaghaft nach seiner Hand griff und sie fest in die seine nahm. Mit dem Daumen strich er über den Handrücken seiner wieder erschlafften Hand und erhoffte auf ein erneutes Zeichen. „Bitte...", brachte er unter Tränen hervor und wurde wieder von einem Arzt angesprochen. Reita solle in ein anderes Zimmer gebracht werden.

Auch gut. Dann wäre er wenigstens mit ihm alleine.

„K-kann ich... bei ihm ble-eiben?", fragte er mit schwacher Stimme und erhielt ein genervtes Seufzen, was wohl so viel wie ein 'ja' bedeuten sollte.

Sehr zum Leidwesen der Ärzte allerdings, denn die hatten nicht damit gerechnet gehabt, WIE ernst es der Schwarzhaarige gemeint hatte.

Aoi ließ Reitas Hand nicht einmal los, oder wich auch nur einen Zentimeter zu viel von der Liege. Der Blonde sollte spüren, dass er immer bei ihm war.
 

Doch leider hatte er nicht mit dem starken Willen Takedas gerechnet, der den Ärzten unter die Arme griff und Aoi, nachdem er sich mehrmals bei ihm entschuldigt hatte, von Reita losriss, um den zeternden Schwarzhaarigen einen Arzt zu übergeben, der diesem ein Schlafmittel spritzte.
 

Worte des Protestes fanden ihren Anfang in der Kehle Aois, doch erstarben in kürzester Zeit wieder, da das Schlafmittel überraschend schnell wirkte. Der Kopf des Schwarzhaarigen sank nach vorne auf seine Brust und auch der Rest seines Körpers erschlaffte. Takeda keuchte überrascht auf, als er Aoi's ganzes Gewicht auf sich spürte und hob ihn hoch.

Von einer Ärztin wurde er in den Raum geführt, in den bereits Reita gebracht wurde. Er lag nun in einem Bett und noch immer rumorten Geräte um ihn herum. Das Piepsen des Herzmessgerätes hatte einen gleichmäßigen Rhythmus.
 

Takeda schenkte Reita einen traurigen Blick, bevor er Aoi in dem anderen Bett ablegte und eine Decke über ihn ausbreitete.

„Schlaf gut. Du warst tapfer, Yuu."
 

Leise ging er zu dem anderen Bett. „Hey Reita... mach keinen Scheiß und werd' wieder wach, okay? Ich wüsste niemanden, der deinen Yuu noch aufmuntern könnte... Er brauch dich. Die Welt... braucht solch starke Charaktere wie dich."
 

Kurz wartete er ab, ehe er traurig seufzte und aus dem Zimmer schlürfte.
 

+~+
 

Sakito erschrak leicht, als er erst merkte, WIE er bei Uruha stand und schnell ließ er die Hände sinken. Er wollte ihm doch keine Angst machen! Beschämt biss er sich auf die Unterlippe und sah den Blonden verzeihend an. "Tut mir Leid... ich... sag mir einfach, wenn was ist, okay? Ich mache mir nur Sorgen. Ich fahre dich jetzt nach Hause...", meinte er leise und trat zurück. "Ich wollte dir keine Angst machen. Tut mir Leid..."
 

Uruha ließ langsam die Arme sinken und fummelte leicht an seinem T-Shirt Saum herum.

"Schon okay...", murmelte er als Antwort und nickte leicht. Irgendwie war er doch froh, dass er nicht alleine nach Hause musste. Auch wenn er gerade vielleicht ein bisschen Ruhe vertragen könnte. Erneut nickte er ein bisschen und löste sich langsam von der Wand. "Danke..."
 

"Hm...?", drehte er sich fragend zu ihm um, als er verstand, was Kouyou wohl gemeint haben musste. Leicht nickte er und ging los, immer darauf achtend, dass der andere ihm folgte.
 

Draußen an seinem Auto angekommen, öffnete er dem Blonden die Tür und ließ ihn einsteigen, bevor er selbst auf die andere Seite huschte und sich ans Lenkrad setzte. Dann noch schnell den Motor gestartet und schon ging es los.
 

Die Fahrt über schwiegen sie sich wieder an und hingen ihren eigenen Gedanken nach. So bemerkte Sakito gar nicht, dass sie Kouyous Haus bereits erreicht hatten und fuhr direkt an diesem vorbei. "Oh..." Er stoppte den Wagen und sah in den Rückspiegel. "Bin wohl etwas zu weit...", nuschelte er und grinste verlegen.
 

Vorsichtig fuhr er rückwärts in eine Parklücke und stoppte den Motor. "Willkommen zu Hause." Lächelnd sah er zu dem Blonden auf und hob überrascht die Brauen. Er war eingeschlafen! Einfach so... hier... in SEINEM Auto! Dass er erschöpft war, hatte man ihm ansehen können und dass ihn all das sehr an den Nerven gezerrt hatte auch, aber... in seinem Auto...! Seine Mundwinkel bogen sich nach oben. //Süß...//
 

Hm... und jetzt?

Kurz überlegte er, was er machen sollte, bevor ihm auch schon eine Idee kam.

Leise stieg er aus, rannte um das Auto herum und öffnete ganz langsam die Tür. Stück für Stück, damit Uruha's Körper auch ja nicht nachrutschen konnte und sich womöglich noch verletzte! Als er die Tür genug geöffnet hatte, hob er ihn aus dem Sitz und machte die Tür hinter ihm zu. Mit all seiner Kraft bemühte er sich den Blonden zu halten, während er in seiner Hosentasche nach seinem Autoschlüssel tastete, um dieses abzuschließen.

Nach ewigen hin und her, war es geschafft und er wankte zur Tür. Er war nicht gerade der stärkst, musste er zugeben. Und das, obwohl der andere schon so mager wahr! Er sollte sich echt schämen.

Vor der Tür blieb er stehen und überlegte angestrengt, wie er es jetzt schaffen sollte, den Schlüssel aus Uruha's Taschen zu fischen, ihn dabei festzuhalten, nicht rückwärts über die Treppen zu stolpern und, wenn er den Schlüssel gefunden hat, wie er das Schlüsselloch treffen sollte?! Er konnte praktisch gar nichts sehen, was unterhalb seiner Brust und sich dazu noch vor ihnen befand. Uruha versperrte ihm die Sicht und wecken wollte er ihn nur ungern.

Grübelnd drehte er der Tür den Rücken zu und lehnte sich dagegen, um nachzudenken. Als er eine Weile so dastand, kam ihm abermals die Erleuchtung und er lehnte sich gleich noch weiter zurück, während er die Füße weiter von der Tür wegsetzt, um einen größeren Winkel zu schaffen. Dann entfernte er vorsichtig eine Hand von Uruha und suchte blind nach dessen Hosentaschen. Seine Wangen glühten rot. Hoffentlich würde der andere jetzt nicht aufwachen!

Denn wenn man ihn sie so sehen würde, könnte man schon auf falsche Gedanken kommen.
 

Ah! Gefunden!
 

Beinahe hätte er vor Freude aufgejubelt, aber er biss sich stattdessen auf die Zunge, damit er ja die Klappe hielt. Jetzt musste er nur noch den richtigen Schlüssel finden und das passende Loch dazu. Zu seiner Erleichterung, hatte Uruha gar nicht so viele Schlüssel an seinem Schlüsselbund und so suchte er sich den größten Schlüssel heraus. Dann stemmte er sich mit den Schultern von der Tür ab und drehte sich in gerader Position der Tür zu. Er strich mit den Fingerspitzen seiner freien Hand über sie, bis er die Türklinke finden konnte und dann das Schlüsselloch, in welches er den Schlüssel, nach mehreren Versuchen, tauchte und die Tür dann schwungvoll öffnete. Er betrat das Haus und ohne auf seine Schuhe zu achten, lief er zuallererst auf die Couch im Wohnzimmer zu und legte den Blonden dort ab. Dann holte er nach, was er versäumt hatte. Rasch eilte er zur Tür und schloss sie ab. Dann entledigte er sich seiner Schuhe, lief zu Uruha und zog ihm seine aus, um sie, wie seine auch zuvor, an die Garderobe abzustellen. Dann lief er wieder aus leisen Sohlen zu dem Schlafenden und hob ihn abermals hoch, um ihn in sein Schlafzimmer zu tragen, welches er nach dem dritten Anlauf auch gefunden hatte. Dort legte er ihn auf seinem großen Bett ab und betrachtete ihn lächelnd.
 

//Er sieht so friedlich aus, wenn er schläft.//, dachte Sakito wehmütig und versuchte den Blonden möglichst vorsichtig sowohl die Hose, als auch sein Hemd auszuziehen. Das war schwieriger als er gedacht hatte, besonders, weil sein Herz wild gegen seine Brust hämmerte und seine Konzentration immer mehr nachließ, was nur an Kouyou liegen konnte! Sakito's Hände zitterten und mit fahrigen Bewegungen, legte er seine Sachen beiseite und deckte ihn zu.
 

Unsicher sah er zu dem Schlafenden hinunter. Soll er es tun oder es doch lieber sein lassen? Mit sich selbst ringend, knabberte er nervös auf seiner Unterlippe herum, beugte sich schließlich zu ihm hinunter und zuckte wieder zurück. Wann würde er sonst noch die Möglichkeit dazu haben, es zu tun?

Er wusste es nicht und diese Ungewissheit nagte so sehr an ihm, dass er sich schließlich doch hinunter beugte und dicht vor seinem Gesicht stoppte. //N-nein Das wäre nicht richtig!//, ermahnte er sich, schloss dennoch die Augen und küsste ihn. Nein, nicht auf den Mund, wie er es ganz zu Anfang vorgehabt hatte, nein, er hauchte ihm einen sanften Kuss auf die Stirn. Sofort wich er zurück und stolperte von Uruha's Bett zurück. "Schlaf gut...", murmelte er noch und schon schloss er die Tür zum Schlafzimmer und machte sich auf, um zur Garderobe zu laufen und sich die Schuhe wieder anzuziehen. Noch ein Blick zurück in die dunkle Wohnung Uruha's und schon verließ er das Haus und rannte die Treppen hinunter, um möglichst schnell dieser dunklen Straße entfliehen und sich in sein sicheres Auto setzen zu können. Dann fuhr er wieder in Richtung Krankenhaus und kaum als er sein Auto geparkt hatte, lief er hinein und erkundete sich nach Aoi und Reita.
 

Uruha hatte von dem allem nichts mehr mitbekommen. Viel zu erschöpft war er gewesen und da störte ihn nicht mal, der fahrende Wagen. Aus dem Auto draußen, lehnte er sich etwas mehr an die Wärmequelle, schlief jedoch seelenruhig weiter und auch, als er schlussendlich in seinem eigenen Bett lag, wurde er nicht wach.

Zu schlafen hatte er eigentlich gar nicht vorgehabt, aber er konnte sich nicht mehr dagegen wehren. Er kuschelte sich näher in die warmen und weichen Kissen, spürte entfernt die kurze Berührung von Sakito, bemerkte jedoch nicht, dass dieser weg war und er jetzt allein war.
 

+~+
 

Sakito wurde die Zimmernummer genannt und so begab er sich auf die Suche.

Als er sie nach langem umherirren in den Gängen gefunden hatte, öffnete er leise die Tür und trat ein.

Zwischen ihren Betten machte er halt und sah von einem schlafenden Gesicht in das nächste. Er war froh, dass es den beiden gut ging. Das war das Allerwichtigste und bald würde es ihnen auch besser gehen. Das zumindest, hoffte er...
 

Er setzte sich auf einen Stuhl und kramte seinen Laptop aus seiner Tasche hervor, die er die ganze Zeit über im Auto liegen gelassen hatte. Nun klappte er den Deckel auf und ließ ihn hochfahren.

Kaum war dies geschafft, arbeitete er weiter an dem Brief, den er an das Gericht schicken würde.

Er arbeite solange, bis es ihm die Dunkelheit im Raum immer schwerer machte, die Augen offen zu halten, geschweige denn die Tastaturen zu treffen. Da er aber endlich damit fertig werden wollte, stand er samt Laptop auf und ging zum Fenster. Dort setzte er sich auf das Fensterbrett und lehnte sich mit dem Rücken an die Wandkante. Das Mondlicht beschien die Tastatur und es ließ sich so gleich viel besser schreiben.
 

Irgendwann dann, es musste etwa 3Uhr am Morgen gewesen sein, verschwand das wenige Mondlicht, das er noch gehabt hatte, gänzlich, da schwere Gewitterwolken den Nachthimmel besiedelten. Blitze zuckten auf und der Regen, der mit den Wolken gekommen war, klatschte laut gegen die Fensterscheibe, als wollten sie sie zum bersten bringen.
 

Zum Glück war der Anwalt endlich fertig mit seinem Werk geworden. Er speicherte die Datei ab und schaltete den Laptop aus, bevor er sich wieder auf einem Stuhl sinken ließ und den Laptop noch schnell in seiner Tasche verstaute. Dann ließ er den Kopf nach vorne kippen und schloss die Augen. Kaum waren sie geschlossen, verfiel er sogleich in einen unruhigen Schlaf...
 

+~+
 

Uruha hatte eine ganze Weile geschlafen. Geträumt hatte er nicht, und irgendwie war er darüber froh. Nachts wachte er schließlich wieder auf, rieb sich die Augen und sah sich im ersten Moment verwirrt um, bis er erkannte, dass er in seinem Schlafzimmer lag.

Wie kam er denn hier her? Hatte er nicht vorhin noch in Sakito's Wagen gesessen?

Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er schon eine ganze Weile zu Hause sein musste. Er stand auf, zog sich ein paar lockere Klamotten an und ging in die Küche, wo er sich einen Tee aufbrühte. Erneut rieb er sich kurz die Augen und seufzend, setzte er sich auf einen Stuhl und wartete.
 

Er wartete. Er wartete jetzt schon seit geraumer Zeit. Versteckt in Büschen hockte er und ging in seinem Kopf immer wieder den Plan durch, den er schon vor Wochen ausgearbeitet hatte. Nun war endlich seine Zeit gekommen. Genug hatte er sich zurückgezogen und zu viel Unheil hatte sein Versäumnis gebracht. Ein Fehler, der unverzeihbar war. Unverzeihbar für jemanden, der viel zu verlieren hatte. Aus Mitleid hatte er einen Unschuldigen am Leben gelassen und konnte nun aus Zeitungen, die Menschen achtlos weggeworfen hatten, Dinge über seinen Fehltritt lesen. Wenn er ihn nicht wieder gutmachte, dann würde es irgendwann herauskommen, das nicht einfach dieser unfähige junge Mann der Mörder sein konnte. Alle Beweise mussten vernichtet werden. ALLE!
 

Und mit dem herannahenden Gewitter, setzte er sich in Bewegung. Auf leisen Sohlen näherte er sich dem Haus, in dem schon lange kein Licht mehr war und besah sich die Fenster. Suchte nach Fenstern, die nicht verriegelt waren. Doch zu seinem Pech, waren sie es alle, also schlich er zur Tür. Mit einer Haarnadel versuchte er das Schloss zu knacken und zu IHM zu gelangen...
 

Während das heiße Wasser so vor sich hin köchelte, starrte Uruha gedankenverloren und müde vor sich auf den Boden. Den Kopf hatte er auf die angezogenen Knie gelegt.

Das leise Kratzen von Richtung Eingangstür nahm er gar nicht richtig wahr. Erst beim zweiten Mal darüber nachdenken kam es ihm etwas komisch vor.
 

"Verflucht...!", zischte er leise und warf die Haarnadel weg. Kurz rüttelte er an der Tür, doch sie gab nicht nach, blieb standhaft.

So ein gut durchdachter Plan und dann scheiterte er bereits an der Tür. //Gut, dann müssen meine Lieblinge herhalten.// Er nahm den Rucksack ab und suchte im Inneren eine kleine Ledertasche. Als er sie gefunden hatte, hob er sie ehrfürchtig hoch und öffnete sie. Im Inneren befanden sich sämtliche Werkzeuge zum Schlösserknacken und eines dieser Instrumente nahm er an sich. Den Lederbeutel mit den restlichen Werkzeugen, steckte er zurück in die Tasche und griff unter seiner Jacke nach seinem Messer. Während eine Hand auf dem Knauf des Messers lag, versuchte er erneut das Schloss zu knacken.
 

Erst dachte er, dass er sich nur verhört hatte, aber als jemand an der Tür rüttelte, schrak er doch auf. War da jemand? Da war doch wirklich jemand an der Türe...

Uruha stand langsam auf, strich sich kurz etwas unruhig durch die Haare und ging Richtung Flur, wo er immer noch etwas an der Türe hörte.

Da war wirklich jemand, aber wieso sollte jemand bei ihm einbrechen wollen?

Er ging leicht zur Seite und griff nach dem Telefon auf seiner Kommode um die Polizei anzurufen.
 

Wieder ein Blitz und alle Straßenlaternen erloschen in wenigen Sekunden. "Hihi... umso besser...", kicherte er und hörte, wie die Tür ein metallisches Klicken von sich gab. //Endlich...//

Um seine Genialität auszukosten, drehte er nur langsam den Türknauf und holte das Messer aus seinem Versteck.
 

Vor Schreck, da auf einmal das Licht ausging und er das Klicken der Türe hörte, fiel ihm das Telefon aus der Hand. Im Dunkeln war es auch nicht gerade einfach, es wieder zu finden, schließlich hatte der Flur keine Fenster. Er ging in die Hocke und tastete nach dem Telefon. Als er es schließlich gefunden hatte, hörte er wie die Türe langsam geöffnet wurde.

Immer nervöser versuchte er die richtige Nummer zu wählen, doch die Batterien waren aus dem Gerät gefallen und diese noch schnell zu suchen, war es jetzt auch nicht mehr wert.

Er stand wieder auf und lief Rückwärts Richtung Wohnzimmer.
 

Immer mehr offenbarte sich hinter der Tür und die vermummte Gestalt mit dem aufblitzenden Messer in der Hand, riss die Tür abrupt auf, da seine Geduld es einfach nicht mehr ausgehalten hatte und er außerdem von innen ein merkwürdiges Geräusch gehört zu haben glaubte, und trat in den Flur. Hinter ihm zuckte ein Blitz und traf einen Baum auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Doch all dies war nun nicht mehr wichtig. Er hatte eine Mission zu erfüllen.

Mit raschen Schritten trat er ein und ließ die Tür hinter sich zufallen. Sein Kopf zuckte etwas nach rechts. Hatte sich da nicht gerade etwas bewegt? Mit zu Schlitzen verengten Augen lief er eilig voran und betrat einen großen Raum, der sehr einem Wohnzimmer glich. "Ich weiß, das du da bist...", zischte er. "Komm raus, komm raus...~" Seine Stimme verstellte er und so klang sie recht hoch und wie die Stimme eines verstörten Kindes. Den Kopf legte er schief und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem überlegenem Grinsen. Nur seine Augen bewegten sich unruhig durch den Raum, auf der Suche nach seinem Opfer.
 

Da, ein Blitz!
 

Nur für wenige Sekunden hatte er das Zimmer erhellt. Sekunden, die gereicht hatten, um IHN zu sehen!
 

Wie ein Irrer lachte er auf und lief auf Uruha zu. "Du hast schon lange genug gelebt!", schrie er im hohen Ton und hob sein Messer. Bereit, um es dem verschreckten Mann in die Brust zu jagen...
 

"RAHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!"

Déjà vù?

„RAHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!"
 

Als Uruha hörte, wie die Türe ins Schloss fiel, war er bereits im Wohnzimmer. Jetzt konnte er sich sicher sein, dass jemand in der Wohnung war. Aber wer? Und warum?

Immer noch ging er rückwärts, um die Sicht auf den Gang zu haben. Er stieß gegen den Tisch und beinah wäre ein Glas, das noch darauf stand, runter gefallen, doch in letzter Sekunde konnte er es noch festhalten und es machte nur ein kleines Geräusch. Er stellte es zittrig wieder ab und hörte auch schon eine Stimme. Wer war das? Die Stimme kam ihm nicht bekannt vor.

Als der Blitz den Raum erhellte, erstarrte er kurz bei dem Anblick seines Gegenübers. Dieser irre Blick und das Messer, das bei dem Lichteinfall aufblitze.

Vor Schreck und aus Reflex verschränkte er die Arme über seinem Kopf und stolperte leicht zur Seite, wodurch er dem Messer ausweichen konnte. Schnell und doch ziemlich ängstlich, richtete er sich wieder auf und stolperte Richtung Flur.
 

„HIER GEBLIEBEN!!!", grollte der Eindringling und hetzte dem Blonden nach. Mit einem schiefen Grinsen holte er ihn rasch ein, packte ihn an der Schulter und ihn zum Halten zu bewegen, nur um ihn dann mit einem kräftigen Griff ins Haar gegen die Wand unweit vor ihm zu drängen. Das Gesicht seines Opfers schön gegen die Wand gepresst, damit er ihm nicht in die Augen sehen musste, wenn er den jungen Burschen das Messer in den Rücken rammen würde. Auch wenn dieser Mann im Alter seines Sohnes war, er musste erledigt werden, so wie er es schon an dem einen Abend hätte tun sollen, an dem er ihn aus Mitleid hatte leben lassen. Schnaubend, drückte er ihn mit seinem Ellenbogen im Nacken gegen die Wand und holte zum todbringenden Messerstich aus.
 

Als Uruha die Hand in den Haaren spürte, schrie er leise auf.

„Nein!", wimmerte er mehr, als dass er es sagte und als er gegen die Wand gedrückt wurde, kniff er die Augen zusammen. War das etwa der Typ, der Uruhas damalige Bekanntschaft getötet hatte? Aber wieso war er nun hinter ihm her? Er hatte doch nichts gesehen.

Er versuchte sich zu wehren, doch er wurde schon fast schmerzhaft gegen die Wand gedrückt und innerlich hatte er schon fast mit seinem Leben abgeschlossen.
 

Doch plötzlich durchbrach ein lautes Berstgeräusch die Stille und der Vermummte blickte überrascht zur Tür, die mit einer solchen Wucht eingetreten worden war, das sie aus den Angeln riss und gegen die Wand krachte.
 

Drei Männer traten ein. Die muskolöse Statur, ihre schwarz bemalten, kantigen Gesichter, ihre verhasste Blicke, die wild abstehende Haare und schwarze Kleidung ließen keine anderen Behauptungen zu. Die Schattengestalten ballten ihre Hände zu Fäusten und ließe ihre Fingerknöchel knacken. „Lass ihn gehen! Wenn du ihm auch nur ein Haar krümmst, dann vergess ich mich!", knurrte einer der drei und trat hervor. In seiner Hand hielt er einen Schlagstock.
 

„Wer seid ihr und was wollt ihr hier?! Der Mann gehört mir!!!", stellte der Einbrecher mit wackliger Stimme klar und hob erneut das Messer
 

Noch bevor der Vermummte hätte zuschlagen können, wurde sein Handgelenk gepackt, herumgedreht, sodass er das Messer mit einem Aufschrei fallen ließ und dann selbst gegen die Wand gedrückt wurde. Schmerzhaft keuchte er auf. „Was wollt ihr?! Lasst mich los!!!", brüllte der nun waffenlose Mann verzweifelt und versuchte sich aus dem Griff zu befreien. Ohne jeglichen Erfolg.
 

Uruha gingen gerade so viele Dinge durch den Kopf, die er noch sagen, machen oder erleben wollte, sodass er etwas überrascht aufschrie, als der Mörder plötzlich von ihm weggezogen wurde. Seine Beine zitterten so sehr, dass er sich nicht darauf halten konnte und einknickte. Er kroch in eine der Zimmerecken und sah zu dem Geschehen.
 

„Wir wollen dich... Du hast jemanden auf dem Gewissen, der uns sehr am Herzen lag und nun wirst du dafür bestraft."
 

Die Augen des Mannes weiteten sich, als ihn die Erkenntnis traf.
 

Von zwei starken Männern hochgehoben und aus dem Haus gebracht, bettelte er gedämpft um Gnade, da einer ihm ein Tuch vor sein Gesicht hielt. Doch schon bald verstummte auch seine Stimme.
 

Einer der schwarzen Gestalten war geblieben. Sie hockte sich gerade zu der zitternden Gestalt am Boden und strich dem blonden Püppchen über die Wange.
 

Als es ruhig war, und nur noch ein letzter Mann im Wohnzimmer stand, der dann auch noch auf ihn zu kam, rutschte er noch ein Stück weiter in die Ecke.
 

„Er wird keine Gefahr mehr für dich sein... Erzähl dem Anwalt, dass wir ihn gefasst haben...", murmelte der Schwarzhaarige und stand auf. „Tut mir Leid wegen der Tür."

Der junge Mann kratzte sich verlegen am Hinterkopf und trat nach draußen. „Schöne Grüße von Hizumi." Ein letzter Gruß über die Schulter und schon war er im Schatten der Nacht verschwunden.
 

Anstatt zu Antworten nickte Uruha nur zittrig und sah Hizumi nach.

Eine ganze Weile saß er zitternd in der Ecke, während sich langsam ein paar Tränen den Weg über seine Wangen suchten. Schließlich krabbelte er zum Telefon, suchte die Batterien, die er beim zweiten Anlauf in das Batteriefach steckte und er Sakitos Nummer wählte. Mit zitternder Hand hielt er sich den Hörer an sein Ohr.
 

Als sein Handy in der Hosentasche zu vibrieren begann, schreckte Sakito jäh aus seinem unruhigen Schlaf und blickte sich panisch um. „Kouyou...!", murmelte er, denn dieser war der Grund seiner unruhigen Nacht. Das mulmige Gefühl in seinem Magen verriet ihm, das ettwas im Gange war. Irgendetwas musste geschehen sein! Hastig griff er nach dem Handy in seiner Tasche. "Kouyou!", erkannte er auf dem Display, schluckte schwer und nahm ab. Dabei sah er auf seine Uhr und stutzte. Er war vor etwa zwei Stunden eingeschlafen! Warum rief er ihn um diese Zeit an?!

„K-Kouyou?! Alles okay bei dir??? W-weinst du etwa?"

Rasch sprang er auf und schnappte sich seine Tasche, die beinahe zu Boden gegangen wäre, um dann schnell aus dem Zimmer zu hasten und an verwirrten Ärzten vorbei zum Ausgang zu laufen.

Er hätte ihn nicht alleine lassen sollen!
 

Als er Sakitos Stimme am anderen Ende vernahm, begann er noch etwas mehr zu weinen, er atmete leicht durch und versuchte ruhiger zu sprechen: „K-kannst du schnell kommen...?"

Ein erneuter Blitz und der Schatten eines Baumes, der gegen die Wand geworfen wird, ließ ihn erneut zusammen zucken. Zwar war der Mörder gefasst, aber so richtig verarbeitet hatte er das in diesen wenigen Minuten nicht. „B-bitte"

Ohne aufzulegen, ließ er sein Telefon sinken, ließ es am Boden liegen und er verkroch sich in seinem Schlafzimmer in einer Ecke. Die Zeit, während er allein in diesem dunklen Raum saß, der Regen gegen das Fenster prasselte und er sehnsüchtig darauf wartete, nicht mehr alleine zu sein, schien gar nicht vergehen zu wollen.
 

„Kouyou...?", fragte er noch einmal mit erstickter Stimme und hörte, wie das Wimmern und das Schluchzen des anderen immer lauter und in immer kleineren Abständen folgte. Was war nur passiert?! Als der Blonde ihn darum bittete, zu ihm zu kommen, musste er lächeln. Vertraute er ihm schon so sehr, dass er ihn in Not brauchte? IHN und niemand anderen? Ein warmes Gefühl breitete sich in seinem Körper aus und ließ sein Herz schneller schlagen. Mit diesem beschwingten Gefühl setzte er sich in sein Auto und legte seine Tasche auf den Nebensitz.

Die Stille ließ sein Lächeln gefrieren. Warum hörte er gar nichts mehr aus dem Handy? War der Akku leer? Ein kurzer Blick verriet ihm, dass das Telefonat noch lief, aber kein Kouyou war am anderen Ende der Leitung. Kein Wimmern mehr und kein Schluchzen. War er etwa eingeschlafen? Nein, das konnte nicht sein. „Kouyou?", fragte er vorsichtig nach und startete den Motor. Doch wieder nichts...

Nun packte ihn die Panik und entriss ihn von Wolke Sieben.
 

Schnell fuhr er los und war nach etwa 10 Minuten auch schon bei ihm. Das erste, was er bemerkte, war der klaffende Eingang. Wo war die Tür?! Sein Herz zog sich aus Angst zusammen. Schnell rannte er mit wedelnder Tasche die wenigen Stufen hinauf. Dann sah er die Tür, die zersplittert am Boden lag. Mit schreckgeweiteten Augen suchte er den Flur nach Hinweisen ab. „Kouyou??!", rief er leise, um ihn nicht zu erschrecken oder gar jemanden auf sich aufmerksam zu machen, und rannte anschließend in die Wohnstube. Doch hier war er nicht. In der Küche sah es nicht anders aus. Im Bad vielleicht? Nein.
 

//Verdammt...!//

„Kouyou?!", rief er erneut etwas gedämpft, während er die Schlafzimmertür aufstieß.

Ein erschreckter Aufschrei zerstörte die sonstige Stille.

Sakito drehte sich dem Laut zu und erkannte das zitternde Bündel in der Ecke des Zimmers. Sein Atem stockte. „K-Kouyou, was ist denn passiert...?", wollte er im ruhigen Ton wissen und hockte sich langsam zu ihm, um ihn nicht zu verschrecken. Hatte der Jüngere einen Schock erlitten?
 

Die ganze Zeit hatte Uruha versucht sich zu beruhigen. Immerhin war es jetzt vorbei.

Doch das zittern ließ einfach nicht nach und auch das Zusammenzucken, bei jedem kleinen Geräusch, konnte er nicht steuern.

Als er schließlich die Türe aufgehen hörte und die Stimme nicht gleich erkannte, kauerte er sich noch etwas weiter in eine Ecke.

Was war er nur für ein elendiger Feigling. Wenn er die Ruhe gehabt hätte, hätte er wahrscheinlich gerade über sich selbst gelacht, doch der Schock über die Tat oder besser gesagt, verhinderte Tat, ließ nicht von ihm ab.

Erst als sich Sakito vor ihn kniete und ihn erneut ansprach, blickte der Brünette langsam auf. Als er sein Gegenüber erkannte, brach er vor lauter Erleichterung wieder in Tränen aus. Er wollte ihm erzählen, was passiert war, doch ging die Hälfte der Wörter in Schluchzen unter.
 

Erst kamen die Tränen, die in wahren Sturzbächen über Kouyous Wangen liefen und dann erzählte er von den Geschehnissen der letzten Stunden... oder Minuten...? Anscheinend war ihm jedes Zeitgefühl verloren gegangen und auch die Fähigkeit, ordentlich in Sätzen zu sprechen. Nur die Hälfte der Worte konnte er verstehen und davon waren einige so zusammenhanglos, das er sie regelrecht nicht unterordnen konnte. Leicht überfordert entschloss er sich erst einmal dazu, den Blonden zu beruhigen. Er rückte näher zu ihm, lehnte sich an die Wand und zog den anderen etwas vorsichtig in seine Arme. "Sssssht... Kouyou... So kann ich doch kaum was verstehen von dem, was du sagst. Beruhige dich erstmal.", redete er beruhigend auf ihn ein und strich ihm über den von Schluchzern aufbebenden Rücken.

Sakito selbst, ordnete seine Gedanken und versuchte die einzelnen Brocken an Wörtern in seinem Kopf zu einem Sinn zusammenzufügen.

Plötzlich stutzte er. "Sagtest du Hizumi??!"

//Wenn das wahr ist, dann befindet sich der Mörder von Kouyous One-Night-Stand gerade in seinen Händen!! Das wäre... einfach super! Das würde die beiden nicht nur aus dem Gefängnis holen, sondern sie würden auch als unschuldig gelten, was ich ohne den Mörder nicht geschafft hätte!//

Auf seinem Gesicht erschien ein Grinsen, das gefror, sowie er in das Uruhas sah.
 

Dieser versuchte sich zu beruhigen. Doch das dauernde Blitzen und seine verwirrten Gedanken ließen dies fast nicht zu.

Erst als er die Arme des anderen um sich spürte und dieser ihn leicht an sich drückte, wurde er langsam etwas ruhiger.

Er schluchzte noch leicht, doch die Tränen versiegten. Hizumi? Ja, das hatte er gesagt. Uruha nickte bestätigend und versuchte den Satz, den Hizumi zu ihm gesagt hatte, ruhig auszusprechen. "Er... er hat gesagt, dass... sie ihn gefasst haben.", sagte er dann leicht stockend und wischte sich erneut über die Augen.

"Ist... ist es jetzt vorbei...?", flüsterte er dann, wischte sich erneut aufkommende Tränen weg und schwieg. Ob die Tränen nur weiterhin wegen des Schocks kamen, oder aus der Inneren Freude an den Gedanken daran, dass es vorbei war, wusste er nicht.
 

Am liebsten hätte er vor Freude laut aufgejubelt, als Kouyou seinen Verdacht bestätigt hatte, aber aus Rücksicht vor ihm und den Umständen, beließ er es bei einer freudigen Umarmung, wodurch sein Herz gleich noch ein wenig schneller schlug. Unglaubliche Freude und Erleichterung überfiel ihn. "Ja Kouyou, es ist vorbei. Wir haben den Mörder! Hizumi war mir einen Gefallen schuldig. Er hat dich die letzten Tage beschützt, wenn ich außer Haus war. Ich wusste, dass der Mörder es irgendwann wagen würde, sich dir zu nähern. Das er allerdings so weit kommen musste, haben wir Hizumi selbst zu verdanken. Der kriegt noch Ärger, glaub mir, und die Tür wird er dir auch ersetzen." Grinsend sah er ihn an und strich sich die Tränen aus dem Gesicht. "Geht es dir wieder besser? Kann ich etwas für dich tun?" Er holte ein Taschentuch hervor und wischte damit dem Blonden die Tränen von den Wangen. "Lächelnd gefällst du mir viel besser...", wollte er ihn aufmuntern und schenkte ihm ein warmes Lächeln.
 

Der Blonde hörte Sakito zu und nickte dann nur leicht. Zwar war er immer noch unter Schock, aber die Bestätigung, dass es vorbei war, beruhigte ihn etwas.

Er wischte sich ebenfalls nochmal über die Augen und seufzte leise. "Ich... ich denk schon...", antwortete er und versuchte leicht zu lächeln, was ihm jedoch nicht so richtig gelang.

Er wandte den Blick leicht zur Seite und versuchte weiterhin ruhig zu bleiben. Er wollte irgendwas sagen. Aber was? Ja, das war die Frage. Am besten sagte er das erste was ihm in den Sinn kam.

„Ich... ano...", begann er dann, verstummte jedoch wieder.
 

Sakito legte den Kopf leicht schief und blicket den anderen fragend an. Einen Moment lang wartete er auf den Rest seiner Worte, bis er merkte, dass da wohl nichts mehr kommen würde. „Soll ich dir erstmal einen Tee machen? Vielleicht beruhigt das ein wenig die Nerven. Behalt den Gedanken bei dir, okay? Ich renn dir nicht weg. Wollen wir aufstehen?", fragte er ihn, da Kouyou noch immer in seinen Armen lag..
 

"Oh... hai... Entschuldigung.", antwortete Uruha und nickte leicht. Er löste sich von dem Brünetten und setzte sich langsam auf.

Er wischte sich erneut über die Augen und strich sich die Haare zurück.

Langsam stand er auf und hielt dem Anwalt die Hand hin, um ihm aufzuhelfen.
 

"Schon okay.", meinte er lächelnd und wollte aufstehen, nachdem Kouyou aufgestanden war, als dieser ihm auch schon seine Hand hinhielt, um ihm aufzuhelfen. "Oh... danke." Sakito nahm die ihm angebotene Hand nur zu gerne an und stand auf. Nur ungern ließ er sie wieder frei und lief verlegen lächelnd an ihm vorbei in Richtung Küche. "Kommst du?" Ein Lächeln. Ein kurzer Blick. Dann betrat er die Küche, um den Wasserkocher nach dem Wasserstand zu überprüfen und ihn schließlich zu betätigen. "Kouyou? Wo hast du denn deine Teebeutel und welchen Tee magst du haben?"
 

Der Blonde half ihm auf und nahm die Hand zurück, nachdem Sakito sie losgelassen hatte. Leise seufzend sah er ihm nach und strich sich kurz über den eigenen Arm. Tief durchatmend, wischte er sich die letzten Tränenspuren aus dem Gesicht und wollte dem Brünetten gerade nachkommen, als er diesen schon rufen hörte.

"Ich komme schon.", antwortete er und folgte ihm dann in die Küche.

"Ehm... die sind im Schrank..."

Er ging zu einem der Hängeschränke und öffnete die linke Türe, um eine kleine Box mit Tee rauszunehmen.
 

Sakito sagte nichts, sondern dachte über etwas nach, was ihn schon länger beschäftigte, nur nicht den Mut hatte, es auszusprechen. Einen scheuen Blick warf er Kouyou zu, der gerade eine Box mit Teebeuteln aus einem Hängeschrank hervorholte. Leise seufzte er und fasste sich an seine Schläfen, um sie ein wenig zu reiben. Kopfschmerzen könnte er nun gar nicht gebrauchen.

Um jedoch nicht ganz untätig zu sein, suchte er die Schränke nach den Tassen ab und hatte Glück, als er beim ersten Versuch sogleich den richtigen Schrank gefunden hatte und zwei Tassen daraus hervornahm. Diese stellte er lächelnd auf den Küchentisch ab und öffnete die Box, die ihm sein Gastgeber reichte. "Danke. Was für eine Sorte möchtest du denn haben? Du hast... eh... Kamillen-, Apfel-, Himbeer- und Kräutertee. Ah... hier ist noch der Grüne Tee. Möchtest du vielleicht den haben?"
 

~+~
 

Es war noch dunkel, als Aois Bewusstsein wieder an Stärke gewann und das Schlafmittel vollends aus seinem Körper verschwunden war. Wachnis bemächtigte sich seiner Sinne und ließ seine Augenlider zucken. Dann ging es über in seine Glieder, die er zaghaft von sich streckte.

Warum... war das Bett nur so weich...?

W-was war... passiert?

Gestern? Nein... heute...!

... REITA!

Da schossen ihm auf einmal all seine Gedanken, Gefühle, sein ganzes Bewusstsein auf ihn ein und ließen ihn japsend die Augen öffnen. Keuchend krampften sich seine Finger in den Stoff über seinem Herzen, das schnell gegen seine Brust schlug, als wolle es flüchten.
 

Unruhig sah er sich in dem riesigen Zimmer um, was ihn sprachlos den Mund öffnen ließ. Die meisten würden wohl sagen, das es verhältnismäß klein im Gegensatz zu einem ihrer Zimmer war, aber war ihm auf einmal bewusst geworden, das er frei war! Weg aus dem Gefängnis. Dieser kleinen Zelle dort. Es wurde ihm zum ersten Mal richtig bewusst! Dieser Raum hatte sogar ein Fenster! Wollte er sich nicht erst vor kurzem aus einem dieser monströsen Dinger stürzen...? Ein schrecklicher Gedanke, den er zu gern wieder verwarf.
 

Mühsam krabbelte er aus dem Bett und tat alles daran, erstmal auf den wackligen Beinen, nicht sein Gleichgewicht zu verlieren.

Ein Gedanke ließ ihn gestärkt nach vorne stolpern. //Da vorne liegt er...!//
 

Plötzlich trübte sich sein Blick. Seine Sicht trübte sich, als würde sich Gas im Raum ausbreiten. Schwachsinn! Weder vor Gas noch vor Nebel musste er sich fürchten! Unruhig tastete er sein Gesicht ab und fand das übel. Tränen hatten sich unbemerkt einen Weg in ihre Freiheit gebahnt.
 

Erleichtert stolperte er über seine eigenen Füße, konnte sich aber gerade noch am Bettgestell seines Gegenübers festhalten. Ein ermüdetes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, was sogleich wieder erstarb.

Warum konnte er nicht für Reita lächeln?!

Er war doch so glücklich darüber, das der andere ihn nicht alleine ließ und dann schaffte er nur solch ein gespieltes Lächeln?! Wie undankbar...
 

Beschämt auf die Unterlippe knabbernd, griff er nach Reitas Hand und umfasste sie, hielt sie sanft in seiner.
 

„Reita, kannst du mich hören? Ich bin jetzt bei dir... Bleibe bei dir und halte dein Hand. Kannst du es fühlen? Wenn nicht, dann... stell dir unsere erste Umarmung vor. So ähnlich wird es sich wohl anfühlen. Weißt du, wie stolz ich auf dich bin? Du hast es geschafft! Du bist wirklich stark. Warst es von Anfang an und ich bewundere das so sehr an dir."
 

Mit der freien Hand rieb er sich den Schlaf aus den Augen, der ihn wohl wieder aus Erschöpfung übermannen wollte. Um nicht vor Schwäche zu fallen, setzte er sich mit auf das Bett und beobachtete Reita mit leerem Blick.
 

"Ich vermisse dich...", murmelte er seufzend und beobachtete traurig das schlafende Gesicht Reitas.
 

Dieser schien seine Worte zu hören. Ganz leicht erwiderte er den Druck von Aois Hand und für eine Sekunde bewegte er den Kopf. Er war der Dunkelheit entkommen. Langsam öffneten sich seine Augen, doch er konnte nichts erkennen, nur verschwommene Schemen waren auszumachen...
 

Den leichten Druck an seiner Hand spürend, blinzelte der Schwarzhaarige träge und gab er einen überraschten Laut von sich. Träumte er? Mit zittriger Hand wischte er sich die Tränenaus dem Gesicht. So musste Reita ihn nicht sehen. Er wollte doch auch für ihn stark sein.

Wieder eine Bewegung! "Rei...?" Hoffnungsvoll beugte er sich über ihn und starrte auf sein Gesicht.

Dann öffnete Reita seine Augen und sah ihn an. Aoi konnte keine Regung der Gesichtsmuskeln entdecken, wodurch sich sein Herz vor Schmerz verkrampfte. Erkannte er ihn nicht mehr...?! "Reita, ich bin es. Aoi... Brauchst du irgendwas? Hast du noch Schmerzen...?"

Hilflos biss er sich auf die Unterlippe und drückte die Hand des Blonden. Er musste die wieder aufkommenden Tränen verdrängen.
 

Reita schloss für einen Moment die Augen. Er konnte nichts verstehen. Er sah einen Umriss und hörte etwas, doch es ergab alles keinen Sinn... Warum konnte er nicht zurück in die Dunkelheit? Die Schmerzen... sie nahmen ihm den Atem... raubten ihm fast wieder die Besinnung...
 

"Rei...?" Wieder sah er zu den Geräten, mit denen der Blonde verbunden war. Sie zeigten Werte an, die ihn beunruhigten. Eine Hand löste er aus Reitas Hand und strich ihm über die Stirn. Einzelne wirre Haarsträhnen verklebten sie. "Hey, bleib bitte wach!", bat er verzweifelt und drückte den Notknopf über seinem Bett, um eine Krankenschwester ins Zimmer zu rufen.
 

"Sei Stark... ich flehe dich an... Reita!"
 

Reita öffnete wieder die Augen und sah sich verstört um. Gehörte diese Übelkeit dazu? Reita spürte Aois Berührung und zwang sich, wach zu bleiben. Er öffnete seinen Mund, doch mehr als ein leises Keuchen drang nicht daraus hervor.
 

"Scheiße Rei!", brach es panisch aus ihm heraus und widerstandslos liefen die Tränen über seine Wangen. "Sag doch was... Irgendwas..."
 

Eine Ärztin kam herein gelaufen. "Was ist passiert?"
 

Aoi wandte sich ihr zu und blinzelte den Tränenschleier fort. "Er redet nicht... und scheint immer noch wahnsinnige Schmerzen zu haben. Tun sie doch was!"
 

Die Ärztin nickte und eilte zu den Geräten, die Reitas Zustand überwachten.
 

Reita rang nach Luft und fing sich so langsam. "Uhhh...W...Wo bin... ich...?", keuchte er atemlos.
 

Erleichtert legte der Schwarzhaarige seine Hände behutsam an Reitas Wangen, sah ihn forschend an. "Du bist in Sicherheit. Im Krankenhaus... Wie... wie geht es dir...?", wollte er besorgt wissen und eine seiner Tränen tropfte auf dessen Kinn. "Ich dachte, ich würde dich ein zweites Mal verlieren...! Mach mir keine Sorgen Rei... das würde ich nicht noch einmal durchhalten..." Er löste eine Hand von seiner Wange und legte sie auf sein eigenes Herz, das noch immer wild in seiner Brust schlug. "Du kannst dir nicht vorstellen... wie... wie ich... mich f-freue, dir b-begegnet zu sein...", stotterte er verlegen und senkte den Blick. Dann löste er die eine Hand von Reitas Wange und die andere von seinem Herzen, um sich vorsichtig an Reitas Körper zu schmiegen und hauchzart über seine Brust zu streichen. "Ich... danke dir für alles... für alles Reita...", murmelte er und schloss erschöpft die Augen.
 

Reita schloss wieder die Augen und spürte Aois Herzschlag. Er lächelte. "Aoi... Du bist... hier... bei mir... haben wir es geschafft...? Wirklich geschafft...?? Ich... ich will dir keine Sorgen machen..."
 

Gegen den Drang einzuschlafen, hob er seinen schweren Kopf leicht an und schlug die Augen auf. "Ja, wir haben es geschafft, Reita.", murmelte er und versuchte zu lächeln, was ihm nur halb misslang. "Brauchst du irgendwas?"
 

Die Ärztin räusperte sich verlegen. "Willkommen zurück im Leben, Herr Suzuki. Es gibt gleich Essen und sagen sie mir nicht, sie hätten keinen Hunger. Es wird ihnen Kraft geben und Herrn Shiroyama ebenfalls."
 

Aoi sah zu der Frau auf und blinzelte. Er hatte sie vollkommen vergessen.//Essen...?// "M-meinen sie so richtiges... Essen?", fragte er ungläubig. "Keinen ekligen Brei?"
 

Die Ärztin hob die Brauen. "Ja, richtiges Essen. Außer für ihn." und damit zeigte sie kurz auf Reita. „Er bekommt Milchreis. Er darf sich nicht bewegen, da er die Mahlzeit im Liegen einnehmen muss."
 

"Milchreis...? Das schmeckt bestimmt lecker.", murmelte Aoi und sah Reita aufmunternd an. "Soll ich dich dann füttern?", fragte er und sah ihn aus großen Augen an.

Als ob der andere eine andere Wahl hätte. Aoi würde niemand anderen an ihn ranlassen, das stand fest. Warum das so war, konnte er sich allerdings nicht erklären. Vielleicht aus dem Grund, ihm die Freundlichkeit zurückgeben zu wollen, die er die ganze Zeit bekommen hatte...?

Leicht nickte der Schwarzhaarige. Ja, das müsste es sein...
 

Die Ärztin verschwand wieder aus dem Raum.
 

Reita sah nur Aoi an. Es ging alles zu schnell für ihn. Fragend sah er ihn an, realisierte die Worte kaum. "Essen...? Nein... jetzt nicht..."
 

Der Ältere blinzelte mehrmals und sah ihn traurig an. "Aber Rei... du musst doch etwas Essen. Du hast in den letzten Tagen bestimmt nichts gegessen... als du alleine warst... Du wirst immer dünner und dünner... bald siehst du aus wie ich! Bitte, versuch es wenigstens. I-ich werde auch etwas essen, okay? Denn Hunger habe ich auch nicht wirklich...", merkte er nur leise an und strich über Reitas immer dünner werdenden Bauch.
 

Reita schaffte ein schmales Lächeln und legte seine Hand auf Aois. "Ich dachte ich sterbe, Aoi... Ich... war an einem komischen Ort... und es schien kein Zurück mehr zu geben... Aber... die Schmerzen waren verschwunden... Und alle Qualen... Nur... warst du auch nicht da..."
 

Aoi hörte ihm aufmerksam zu und obwohl er sich nicht ganz vorstellen konnte, wie dieser Ort war, verstand er doch, das er Reita beinahe verloren hätte. Als er davon erzählte, das alle Qualen und Schmerzen verschwunden waren, lächelte er sehnsüchtig, setzte aber sogleich eine ernste Miene auf, als er zu ihm sprach: "Egal, wie schön dieser Ort klingt, bete ich... das du ihn nie wieder betreten musst... Wer weiß, ob du es das nächste Mal auch schaffen wirst, ihn wieder zu verlassen und in die Realität zurück zu kehren... Wenn du ihn allerdings betreten solltest... und dort nicht alleine sein möchtest, dann werde ich bei dir sein... Dann können wir dort zusammen sein... denn... zu gehen und nicht an deiner Seite zu sein, was bringt mir das? Dann... hätte ich das Gefühl, dich im Stich gelassen zu haben und dann ist der Tod nichts mehr wert..." Er nahm seine Hand und drückte sie sanft. Schwach seufzte er und schmiegte sich wieder an den anderen.
 

Reita lächelte schmal. "Was... glaubst du... warum ich zurückgekommen bin... hmm? Was sollte ich denn... ohne dich tun?"
 

Und wieder erhob Aoi seinen schweren Kopf und sah den Blonden fragend an. "W-wegen... mir? Aber... du hast doch noch dein Freunde und... Familie...! Hast du es nicht für sie getan...?", fragte er und wurde zum Ende hin immer leiser. //Liegt ihm so viel an MIR?!// "Ich... habe nur noch dich, niemand sonst... aber du...? Du hast ein tolles Leben gehabt... oder nicht? Als du bei diesem Ort ohne Schmerz und Qual warst und... wir um dich gebangt haben, da war ein blonder junger Mann mit dabei gewesen... Ist das nicht auch ein Freund von dir...?"
 

Reita hörte ihm zu. Immer noch fiel es ihm schwer, sich zu konzentrieren... "Uruha... ja... mein bester Freund... Ich bin... für ihn... ins Gefängnis gegangen... Aber... er ist mein einziger Freund weißt du...? Familie habe ich selbst nicht mehr..." Er lächelte schwach und erschöpft. "Glaub mir... Aoi... so toll ist mein Leben... auch nicht gewesen... Wie... wie geht es ihm...? Wie geht es... Uruha..?"
 

Mit schief gelegtem Kopf sah er den Blonden verwirrt an. „Oh... Ich habe dich nie gefragt, warum du mir im Gefängnis Gesellschaft geleistet hast... Wie konnte denn das nur passieren...? Aber du bist unschuldig, Rei. Du hättest nicht bei mir sein müssen. Nicht das miterleben müssen, was ich die Jahre über ertragen musste..." Traurig schüttelte Aoi den Kopf. "Und du warst... mit Uruha ganz allein auf dieser weiten Welt...? Dabei hielt ich dich für jemanden, der viele Freunde haben müsste... Und... tut mir Leid wegen deinen Eltern..." Traurig begegnete er seinem Blick und verzog sorgenvoll die Stirn. "Ich weiß nicht, was mit ihm ist. Sie haben mir Schlafmittel verabreicht und mich dann hierher gebracht, nachdem du es geschafft hast... Er ist bestimmt nach... Hause..."
 

Langsam und stockend erzählte Reita die Geschichte, die ihn ins Gefängnis gebracht hatte... Es fiel ihm schwer, nach so vielen Monaten darüber zu reden, doch es zu verschweigen machte es nicht besser... Er erzählte Aoi alles darüber...
 

+~+
 

"Du bist zu gut für diese Welt, Reita. Eal wie edelmütig es auch war, sieh doch was es dir gebracht hat. Vielleicht wäre Uruha überhaupt nichts passiert, selbst wenn du nicht eingegriffen hättest. So hast du dich nur verdächtig gemacht, oder nicht? Was mich verwirrt ist, warum dieser Mann umgebracht und dein Freund verschont wurde... Oh nein... Kann es nicht vielleicht sein, das er noch immer in Gefahr ist?!", fragte Aoi plötzlich und ihm behagte ein ungutes Gefühl. "Ansonsten wäre der Mörder unglaublich dumm... meinst du nicht auch?"
 

Reita fuhr hoch und starrte Aoi erschrocken an, gleich darauf sank er aber wieder stöhnend zurück. "Oh mein Gott... Uruha...! Jemand muss ihn warnen!! Gib... gib mir ein Telefon... schnell!!"
 

Erschrocken fuhr er hoch und wäre beinahe aus dem Bett gefallen, wenn er sich nicht verkrampft an das Gestell festgehalten hätte. Er kniff die Augen zusammen und atmete hastig ein. Zu viel Aufregung vertrug er einfach nicht mehr so viel...

"J-ja...", stotterte er eingeschüchtert, bekam wieder Boden unter den Füßen und versuchte zur Tür zu gelangen. Für einen Moment kniff er erneut die Augen zusammen, da ein heftiges Stechen ihn an seine gebrochenen Rippen erinnerte, und bemerkte nicht, wie die Tür aufgestoßen wurde.

Schmerzhaftes Stöhnen erklang vom Boden, welches man als jenes von Aoi identifizieren konnte, der der Länge nach hingefallen war.
 

"Oh mein Gott! Herr Shiroyama! Sie sollten doch im Bett liegen bleiben!", meckerte die Krankenschwester mit hysterisch klingender Stimme, stellte das mit Essen beladene Tablett auf einen Schrank nähe der Tür ab, um Aoi sofort aufhelfen zu können. Dieser allerdings wedelte aufgeregt mit dem Arm und hatte sein Gesicht schmerzhaft verzogen. "Holen sie ein Telefon! Es ist dringend...!"
 

"Aber Herr Shiroya-"
 

"Gehen sie schon! Es geht um Leben und Tod! Ich schaff das schon..."
 

Kurz blieb die Ärztin noch stehen und warf ihm einen ungläubigen Blick zu, doch als Aoi knurrte, nickte sie und verließ eilends den Raum.
 

Schwer keuchend versuchte sich nun der Schwarzhaarige aufzurichten. "Verdammt...", nuschelte er und hielt sich an seinem Bett fest. Als er das Essen sah, hätte er beinahe den Halt verloren.
 

Wie lange hatte er schon 'richtiges' Essen mehr gesehen? Zu lange... 4 Jahre um genau zu sagen und in den letzten Tagen im Krankenhaus, konnte er sich an keinen Moment erinnern, wo er etwas gegessen haben konnte. Entweder schlief er, war ohnmächtig oder bewusstlos. Hatten sie ihn künstlich ernährt?

Nachdenklich legte er die Stirn in Falten und stemmte sich schließlich an dem Bettgestell ganz hoch.
 

Um Reita keine allzu großen Sorgen bereiten zu müssen, schenkte er ihm ein müdes lächeln, was soviel wie: "Mir geht es gut" ausdrücken sollte, oder "Ich schaff das schon."

Mit zittrigen Händen griff er nach dem Tablett und brachte es mit großer Mühe - sein Körper war noch recht schwach- zu dem kleinen Nachtschrank, welches neben Reitas Bett stand.

Kaum hatte er es abgestellt, kam die Krankenschwester mit einem Telefon zurück und eilte zum Bett. "Ehm... wen möchten Sie anrufen?", wollte sie wissen und richtete den Hörer kurz an Reita, ehe sie ihn zu Aoi schwenken ließ, der sich erschöpft auf die Bettkante gesetzt hatte.
 

Mit einem fragenden Blick auf Reita, nahm Aoi schließlich den Hörer entgegen und drehte sich damit zu Reita um "Blieb liegen, okay? Sag mir die Nummer, ich wähle und du sprichst. Auf dich wird er hören...", murmelte er zuversichtlich und wartete seine Antwort ab.
 

Reita erschrak, als Aoi einfach so umkippte. Er wollte aufstehen und zupacken, aber er konnte es nicht. //Aoi... Werde ich dir jetzt gar nicht mehr helfen können?/ Verbittert seufzte er, lächelte dann aber, als er Aois Augen sah, wie sie das Essen geradezu hypnotisierten, dann wurde ihm der Hörer hingehalten und Rei nannte ihm Uruhas Nummer, hoffte, dass der Brünette an sein Telefon gehen würde...
 

~+~
 

Uruha währenddessen besah sich gerade die Teebeutel und vergaß fast, dass er noch antworten musste. Erst als das Telefon klingelte, zuckte er zusammen und blinzelte. "Der grüne Tee ist in Ordnung...", sagte er, nickte und blickte Sakito für einen Moment an, ehe er ihm ein 'Danke' entgegen brachte und ins Wohnzimmer ging, um das Telefon zu holen, das noch immer klingelte.

Er nahm zögernd ab und wartete wer dran war.

"Hallo?"
 

"Uruha! Gott sei dank! Hier... hier ist Rei..." Er wusste nicht, ob sein Freund nach so langer Zeit seine Stimme noch kannte... "Hör zu... wenn der Mörder noch frei herumläuft, bist du in großer Gefahr! Du musst auf dich aufpassen... Er wird... dich sicher töten wollen... Du bist ein Zeuge, den er nicht gebrauchen kann!", sprudelte es aus Reita heraus. Er verfluchte dieses Bett... So konnte er doch niemandem helfen!
 

Im ersten Moment zuckte Uruha bei der aufgeregten Stimme am Hörer zusammen, ehe er Reita sowohl an der Stimme, als auch an dessen Worten erkannte. Er hörte ihm erst zu ehe er antwortete: "Ich weiß... es... er war schon da. Es geht mir gut, Rei." Er setzte sich auf die Couch und strich sich kurz durch das seit Wochen ungestylte Haar.
 

"Er war da??? Wie bitte?? Oh mein Gott!!! Geht es dir gut??? Uruha!!! Ist alles in Ordnung??? Hat er dir etwas getan???"
 

"N-nein nein, mir gehts gut. Ich... es ist alles gut. Mach dir keine Sorgen, hörst du? Wie geht es dir?", fragte er stattdessen und wollte leicht von dem Thema ablenken, dass er noch nicht verarbeitet, aber gut verdrängt hatte.
 

"Ich... ich mach mir aber Sorgen, Uru... Mir... mir gehts gut... Alles okay... Keine sorge...", murmelte er leise, wieder sehr erschöpft.
 

Mit halben Ohr dem Gespräch aus dem Wohnzimmer lauschend, setzte Sakito den grünen Tee auf und wagte einen Blick auf Uruha, damit er sicher gehen konnte, das es ihm gut ging. Erleichtert nahm er die Tassen und gesellte sich zu dem anderen. "Wer ist es ...?", wollte er neugierig wissen und schollt sich innerlich für dein dreistes benehmen. Uruha hatte schließlich auch noch eine Privatsphäre! Doch nun konnte er nicht gehen. Jetzt, wo er bereits gefragt hatte.
 

Für einen Moment schwieg Uruha und ließ sich die Worte des Blonden noch einmal durch den Kopf gehen. Kurz wischte er sich über die Augen und sagte dann: "Sie haben ihn gefasst... es... es wird jetzt alles wieder gut."

Kurz blickte er zu Sakito auf und formte Reitas Namen kurz mit den Lippen. Dann blickte er lieber wieder vor sich auf den Boden und wartete auf eine Antwort.
 

Besorgt musterte derweil Aoi Reita und stach lustlos im Essen herum, welches mal nicht aus irgendeinem Brei bestand. Als der Blonde jedoch lauter wurde, fasste er vor Schreck in die Butter, die sich mit auf dem Tablett befand und hielt sich daraufhin verwirrt den Butterfinger vor die Nase. //Ist das... Butter?// Kurz roch er daran, ehe er sich den Finger einfach in den Mund steckte und davon probierte. Leicht verzog er das Gesicht und schob das Tablett demonstrativ von sich. Vielleicht später...

Er linste zu Reita. //Hoffentlich ist alles okay...//
 

"Alles... gut...", murmelte Reita erschöpft. "Hai... das klingt gut... Wirklich... gut... Du... du kommst zurecht... oder? Eigentlich... brauchst du mich nicht, oder?"
 

Überrascht ließ Sakito sich zufrieden in das Couchpolster sinken und schloss müde die Augen. //Endlich wird alles wieder gut.// Mit einem Ohr lauschte er weiter dem Gespräch.
 

Als Uruha die letzten Worte von Reita hörte schluckte er leicht. "Wieso... wieso sollte ich dich nicht brauchen...?", fragte er vorsichtig und fummelte leicht an dem Saum seines Shirts herum. Dass er dies in letzter Zeit sehr oft tat, fiel ihm gar nicht so richtig auf.
 

"Ich... du hast doch... Freunde... und ich kann dir nicht... helfen... ich... bin kein Freund... wenn ich dir nicht einmal helfen kann..." Rei war am Ende. Tränen schimmerten in seinen Augen, doch er würde nicht weinen... Er würde stark sein... so... wie immer...
 

"Was... natürlich kannst du mir helfen.", sagte Uruha und biss sich leicht auf die Unterlippe. "Du bist doch mein bester Freund..."
 

Aoi sah auf, als er Reitas leise Worte vernahm. Das hörte sich gar nicht gut an. Und als er dann auch noch die wässrigen Augen des Blonden sah, konnte er nicht anders, als Reitas freie Hand zu nehmen und sie aufmunternd zu drücken. //Los wein doch schon... Kleiner Idiot... Soviele Gefühle... Schmerzen... Das hält doch niemand aus... Und das denke ich.//
 

"Du hast... Besseres verdient Uruha... Nicht so... jemand schwachen... wie mich..." Reita konnte Aoi nicht ansehen... biss sich so fest auf die Lippe, dass sie anfing zu bluten.
 

"Aber das stimmt doch gar nicht!", antwortete Uruha etwas bestimmter, wurde aber gleich wieder leise. "Du bist nicht schwach, Reita."
 

"Doch... sicher... ich... ich konnte... niemanden... beschützen... nicht wirklich... Uruha... verzeih mir... Ich... ich kann nicht mehr..." Was passiert war, vor allem das was in den letzten Tagen von Reitas Gefangenschaft geschehen war, hatte den jungen Mann zerstört... Es war wie ein Monster, dass sich in seiner Brust eingenistet hatte und ihn von innen heraus auffraß...
 

Aois Augen weiteten sich vor Schreck, als er das Blut an seiner Unterlippe sah. Sofort ließ er seine Hand los und legte sie an Reitas Wangen. "Rei~", murrte er leise und sah hilflos zu, wie das Blut von seinem Kinn auf die Bettdecke tropfte. "Hör auf... bitte.", bat er ihn abermals im leisen Ton, aber eindringlich. "Sag doch sowas nicht... bitte...!" Jetzt tastete er verzweifelt an seinem Kinn herum und versuchet den verkrampften Kiefer zu lösen, damit er sich nicht weiter wehtat.
 

Reita hob den Kopf, sah Aoi aber nur aus völlig erloschenen Augen an und hielt ihm den Telefonhörer hin. Seine Hände zitterten zu sehr um den Hörer halten zu können und Worte brachte er auch nicht mehr heraus.
 

"Reita? Hör mir zu ja? Du hast mir schon so oft geholfen... Ohne dich wäre ich doch hier total untergegangen. Wer hat immer gesagt, dass man nie aufgeben soll. Wer hat immer gewusst was zu tun ist? Du... Du warst immer für mich da. Du... du bist für mich...", kurz musste Uruha unterbrechen, da sich ihm bei dem Gedanken daran, die Kehle zuschnürte.

"Du bist sofort für mich da gewesen... du bist in dieses Gefängnis gegangen für mich... Niemand der schwach ist, kann das alles von sich behaupten... Du bist nicht schwach. Du bist stark. Du... hast das alles überlebt. Und du hast nicht aufgegeben. Jetzt darfst du das auch nicht aufgeben. Hörst du...? ... Du darfst nicht aufgeben...", die letzten Worte gingen in einem leisen Schluchzen unter, doch Uruha hielt sich die Hand vor den Mund und atmete tief durch.
 

Der Schwarzhaarige schrak zurück. "R-Rei was...?!" Er schluckte schwer und verlor sich in den leeren Augen des anderen. //Nein... sie haben ihn gebrochen...//

Er wachte erst aus seiner Starrerei, als er die fremde Stimme vernahm, die aus dem Hörer drang, welchen Reita ihm hinhielt. Mit ebenfalls zittrigen Händen, nahm er den Hörer, doch damit die aufmunternden Worte, die einzeln an sein Ohr drangen, nicht ihm gebührten, hielt er ihn schnell an Reitas Ohr. "Er braucht dich doch...!", murmelte er und sah ihn traurig an, bevor er den Blick abwandte. Er konnte diese Augen nicht ertragen...
 

Reita wollte weinen, doch er konnte nicht. Er brachte kein Wort mehr heraus, drängte Aoi dazu, den Hörer zu nehmen, um Uruha wenigstens zu sagen, dass er sich keine Sorgen machen sollte... Er konnte ihm das nicht mehr sagen...
 

Sakito hatte die Augen aufgeschlagen und sich aufgesetzt. //Was ist denn los?!//, fragte er sich besorgt und musterte Uruha. Als er ihn so aufgelöst sah, zog sich alles in ihm zusammen. Nein, so wollte er ihn nicht sehen!

Vorsichtig setzte er sich hinter den Blonden und zog diesen dann an sich, legte beruhigend seine Arme um ihn. Über eventuelle Konsequenzen dachte er nicht. Der andere würde ihn schon signalisieren, wenn er irgendetwas nicht wollte.
 

Als Uruha die Arme um sich spürte, kamen ihm noch mehr Tränen, die er aber weiter versuchte zurück zuhalten. Als keine Antwort mehr aus dem Hörer kam, wischte er sich kurz über die Augen und murmelte: "... Rei?"
 

Überrascht keuchte er auf, als er den Druck spürte, mit der Reita versuchte, ihm den Hörer zurückzugeben. Verunsichert blickte er ihn an und schluckte. Was sollte er denn sagen...?

"U-Uruha...? Hier ist A-Aoi... Mach dir bitte keine Sorgen. Ich weiß, ich... kann dich niemals ersetzen... und das möchte ich auch nicht! Aber... ich werde ihm beistehen so gut ich kann. Vertrau mir... bitte... Es tut ihm Leid, so.. Leid...!"

Er unterbrach sich und befeuchtete seine trockenen Lippen. Dabei glitt sein Blick zu Reita und er sah ihn fragend an, wollte wissen, ob es okay gewesen war, was er gesagt hatte.
 

Reita nickte. Er war unglaublich bleich, seine Wangen waren eingefallen und man konnte jede Rippe einzeln sehen. Er hatte den Klang von Uruhas Stimme im Ohr, doch immer wieder brachen Erinnerungen auf ihn herein... Erinnerungen vom Gefängnis... Vom Boss... und von den schlimmsten Stunden seines Lebens...
 

Aoi? Wer war... natürlich, der Mann, der mit im Op-Saal war! "Ich... okay... pass... pass auf ihn auf, ja?", sagte er noch, ehe er den Hörer vom Ohr nahm und auflegte. Den Blick noch zu Boden gesenkt, umklammerte er leicht den Telefonhörer und schwieg.

Reita wollte nicht mehr mit ihm reden? Ob er ihm doch Vorwürfe machte?
 

Leicht nickte er, bevor er den Kopf wieder abwandte. //Warum er...? Wenn ich doch nur stärker gewesen wäre, hätte ich ihn vor den Boss beschützen können...// Gewissensbisse nagten an ihm und ganz leise schluchzte er auf. //Wir sind so kaputt...//

"... Uruha...?"
 

Hatte der andere aufgelegt? Aber immerhin hatte er ihm sein Einverständnis gegeben und erleichtert ließ nun auch Aoi den Hörer sinken. //Warum war das so... einfach?// Dieser Uruha vertraute ihm einfach so seinen besten Freund an... Hatte er in der kurzen Zeit, in der sie sich nur gesehen hatten, soviel vertrauen aufgebaut...? Naiv war er schon etwas...

"Hey... ich... pass jetzt auf dich auf..."

Ein leichtes Lächeln schenkte er dem Blonden, legte den Hörer auf den Nachtschrank und besah sich Reita. Krank sah er aus... mehr als krank. //Er erinnert mich an... mich... vor 4 Jahren, erging es mir nicht besser, aber ich... hatte niemanden...// "Reita? Wenn du... weinen willst, solltest du das tun. Das hilft..." Schniefend wischte er sich eine Träne von der Wange.
 

Rei hörte das Schluchzen und es tat ihm noch mehr weh. Ganz langsam legte er seine Hand auf Aois und brachte ein schmales Lächeln zustande. Selbst jetzt versuchte er stark zu sein. Doch wer in seine Augen sah, konnte den Versuch der Täuschung leicht erkennen... Innerlich war Reita wie leer...
 

Aoi durchschaute seinen Versuch und schaffte es nicht, sein Lächeln zu erwidern. Verbittert sah er auf ihre Hände, die beide stark zitterten. "M-mach mir doch nichts vor, Rei...! Lächel nicht, wenn dir nicht anch Lächeln zu Mute ist! Versuche nicht stark zu sein, wenn du es nicht kannst! Das hilft niemanden... und dir fügt es nur noch mehr Schaden zu. Du sollst nicht stark für mich sein! Sei stark für dich! Ich schaff das schon... Ich hab es vier Jahre überstanden... Aber ich war alleine gewesen...! Lass dir bitte helfen, Rei... Erinnerst du dich an die ersten Tage, als wir uns kennengelernt haben? Ich verweigerte dir auch, mir zu helfen. Vielleicht kann die Hilfe nicht immer wirken, aber nimm sie an! So etwas... sagtest du zu mir... mach mir nicht weis, dass das alles eine Lüge war..."

Er nahm seine Hand unter der Reitas weg, um seinen Worten an Bedeutung zu verleihen und ihn blickte traurig aber trotzig zugleich an.

"Was haben sie nur getan...?", murmelte er nachgebend und schluchzte erneut auf. "Das wollte ich alles nicht..."
 

Er legte sich zu ihm umarmte ihn. Wie am Anfang, legte er seinen Kopf auf dessen Brust und schluchzte hemmungslos auf. "Es tut mir alles so Leid..."
 

Aoi weinte... Wegen ihm... Weil er schwach gewesen war... Reita verfluchte sich. Langsam legte er die Arme um ihn und drückte ihn an sich, streichelte ihn und hielt ihn fest, war einfach nur für ihn da, tröstete ihn. Er hatte, zumindest für den Moment, seine Stärke wieder bekommen.
 

Als Reita ihn begann zu streicheln, seufzte er bitter auf, jedoch wurde sein Schluchzen weniger. Hatte er ihm nicht zugehört? Er sollte doch nicht mehr stark für ihn sein.

Sich die Tränen aus den Auggenwinkeln wischend, hob er den Kopf. "Verzeihst du mir Reita? Ich... ich hab das alles wirklich nicht gewollt... Wollte dich schützen, aber konnte nur hilflos zusehen... während sie dir Leid antaten. Wie kannst du sowas Schwaches wie mich... nur mögen?" Zaghaft strich er über Reitas abgemergelten Wangen, sah ihn in die Augen und erhoffte sich so sehr, keine Leere mehr darin vorzufinden...

"Wir schaffen das beide... ja?", fragte er mit leiser Stimme und ertappte sich dabei, wie er Reitas Lippen sehnsüchtig angestarrte. Der Schwarzhaarige musste schlucken, bekam einen leichten Rotschimmer auf seinen blassen Wangen und konzentrierte sich wieder auf seine Augen.

Er war so schwach in Reitas Nähe...
 

Reitas Augen änderten sich nicht mehr. Er war gebrochen, fühlte kaum mehr etwas... Und er wollte nicht mehr darüber nachdenken, was passiert war... Aoi war bei ihm... das war das Wichtigste.
 

Da er keine Antwort bekam und auch seine Augen noch immer leer wirkten, senkte der Schwarzhaarigen den Blick und seufzte traurig auf. Seinen Kopf legte er wieder auf Reitas Brust ab und lauschte dem beruhigenden Herzschlag. "Schlafen wir ein wenig...", murmelte er schläfrig und war schon bald darauf eingeschlafen. Es war zu viel geschehen in den letzten Stunden. Zu viel Strapazen, die ihn kraftlos hatten werden lassen.
 

"Ich... ich habe dich enttäuscht... nicht wahr? Ich spüre es... Es tut mir Leid..."
 

Da Aoi schlief, hörte er nichts von dem, was Reita zu ihm sagte, stattdessen atmete er laut ein und schmiegte sich unbewusst noch ein wenig mehr an den warmen Körper des anderen. Seine linke Hand lag ausgebreitet auf Reitas linker Brust.
 

Reita seufzte und schwieg wieder. Er dachte über vieles nach und jetzt endlich, wo niemand ihn sehen konnte, rollte eine stumme Träne über seine Wange und sickerte ins Kissen.
 

Murrend zog Aoi die Decke etwas höher über sie, während er murmelte: "... Nicht... traurig... Nein..." und dabei seine Hand leicht in Reitas Oberteil verkrampfte. Wovon er wohl träumte...?
 

Reita biss sich auf die Lippe und seufzte. "Nein... du sollst nicht traurig sein... Aoi... Schlaf gut...", flüsterte er leise und streichelte ihn.
 

~+~
 

Sakito seufzte traurig, stützte seinen Kopf auf Uruhas Schulter, um ihm den Hörer aus seinen verkrampften Griff zu lösen und ihn beiseite zu legen. "Hey... Was ist denn los... hm?", fragte er vorsichtig nach und strich ihm beruhigend über den Arm.
 

Noch immer starrte er auf den Hörer und als er eine fremde Hand daran sah, blinzelte er und ließ locker.

"Es... nichts...", sagte er, stand auf und ging in die Küche, um irgendetwas zu tun, um sich abzulenken, um nicht wieder in Gedanken zu versinken.

Er begann das wenige Geschirr, dass noch in der Spüle stand abzuwaschen und danach abzutrocknen, wobei er mindestens 2 Minuten für jedes Teil brauchte.
 

Das Kouyou ihn offensichtlich belog und dann auch noch aus seiner Umarmung floh, machte ihn deutlich, das er wohl nicht mehr erwünscht war. Auch er stand auf und lief dem Blonden hinterher. "Uruha... Ich spüre, das du alleine sein willst, aber du hast keine Tür und so kann ich dich nicht alleine lassen! Möchtest du in ein Hotel oder... zu mir... vielleicht...?", fragte er unsicher und hielt sich am Türrahmen fest.
 

Uruha hatte noch immer einen trockenen Teller in der Hand, den er mit einem Handtuch versuchte zu trocknen. "Ich muss das erstmal sauber machen...", antwortete er und realisierte gerade gar nicht, dass es eigentlich um eine Türe und einem deswegen geplanten Wohnungswechsel ging.

Seine Gedanken versuchte er gerade abzuschalten, um nicht weiter über Reita und die vergangenen Wochen nachzudenken.
 

Sakito blinzelte verwirrt. Hatte der andere ihm nicht zugehört? "Kouyou?! Hast du... überhaupt gehört... was ich dich gefragt habe?" Er trat näher und nahm ihm den Teller und das Handtuch ab. "Hey...?"
 

Als ihm das Handtuch und der Teller aus der Hand genommen wurde sah er noch kurz auf seine Hände ehe er den Blick hob. "... Was?", fragte er dann und ließ die Hände, die er vorher noch auf Brusthöhe hatte, sinken.
 

Er seufzte und wiederholte seine Frage. "Was denkst du? Hier... kannst du vorerst nicht bleiben. Erst wenn Hizumi deine Tür ersetzt hat, dann kannst du hier wieder sicher sein.", meinte er, trocknete den Teller ab und gab ihn ihm zurück.
 

"Ja... ja ich weiß...", antwortete er und nahm den Teller, besah ihn sich und stellte ihn dann auf die Ablage neben sich.
 

"Und wo willst du hin? Hotel, zu Freunden... zu mir?", fragte er und wandte den Blick aus dem Fenster, da große Aufregung in ihm herrschte. Wie würde sich der Blonde entscheiden...? Vertraute er ihm?
 

"Ich...", begann er und hielt dann inne. Wo sollte er hin? Reita war sein einziger guter Freund gewesen und zu diesem konnte er nicht. Und zu Sakito? Er wollte ihm nicht zur Last fallen.

Aber ein Hotel? Da wäre er dann wohl alleine und seinen Gedanken völlig ausgesetzt. "Ich weiß es nicht..."
 

Fragend wandte er sich wieder an ihn. "Verstehe... dann... werd' ich wohl hier bleiben müssen. Wenn ich dir zur Last falle, sag mir das, okay? Ich versuche inzwischen einen Tischler zu erreichen..." Er drehte sich um und lief zum Telefon, das noch immer auf dem Wohnzimmertisch lag. Dann suchte er seine Tasche, entnahm ihr seinen Laptop und ließ ihn hochfahren. Als nächstes bemerkte er eine Nachricht. Zunächst ignorierte er sie und suchte mit einer Suchmaschine nach einen Tischler. Als er einen in der Nähe gefunden hatte, rief er diesen sofort an. Da nur der Anrufbeantworter anging, erklärte er ihm schnell sein Problem und hinterließ Uruhas Adresse. Seufzend legte er auf, legte das Telefon beiseite und kümmerte sich um seine bekommene Mail, die von niemand anderen als dem Gericht selbst kam und ihm mitteilte, das Reitas Verhandlung bald wäre und der Fall 'Aoi Shiroyama' neu aufgenommen werden würde. Um nicht vor Glück laut aufzuschreien - wollte er doch Kouyou nicht erschrecken- steckte er sich die Faust in den Mund und biss hinein. Freudig gluckste er auf und streckte feierlich die andere, ebenfalls zur Faust geballten Hand, siegreich in die Luft.
 

Bevor Uruha irgendetwas antwortete war Sakito schon gegangen. Etwas verloren blieb er stehen nickte nur. "Hm..."

Er drehte sich wieder zum Waschbecken und sah ein bissen hin und her.

Er nahm sich das Handtuch erneut, einen Teller und begann erneut diesen zu trocknen.
 

Als er sich wieder beruhigt hatte, nahm er den Laptop von seinem Schoß und stand rasch auf, um sogleich zu Kouyou zu eilen und ihm von der tollen Nachricht zu erzählen. "Kouyou~!", rief er freudig und betrat die Küche, sah, wie der andere den inzwischen schon längst trocknen Teller erneut versuchte zu trocknen. "Ehm... willst du die Farbe von dem Teller putzen oder was machst du da?", fragte er und grinste. "Ich habe tolle Neuigkeiten! "Reitas Verhandlung ist bald und Aois Fall wird neu aufgenommen! Ist das nicht toll?! Sie werden frei kommen! Ich spüre es! Wir haben den Schuldigen!"
 

Die Farbe vom Teller waschen? Er wandte den Blick auf den Teller und blinzelte leicht. Dann legte er ihn weg und versuchte seine Verlegenheit zu verbergen. "Nein...", sagte er, schüttelte den Kopf und wollte gerade noch etwas hinzufügen, als er die Worte des Brünetten hörte.

Er blickte auf und sah zu Sakito. Dessen Worte ließ er sich noch ein paar Mal durch den Kopf gehen, ehe er sich ganz sicher war, die Bedeutung verstanden zu haben. "Wirklich...?", fragte er nochmal leise nach und ließ das Handtuch ins Waschbecken vor sich fallen. Die Tränen die aus Freude und Erleichterung in ihm aufstiegen, hielt er zurück. Er wollte nicht schon wieder weinen.
 

"Ja, wirklich!", bestätigte er grinsend und folgte dem Handtuch mit dem Blick, als Kouyou es fallen ließ. Etwas verwundert sah er wieder auf, konnte aber nichts merkwürdiges an seiner Miene feststellen. Erleichtert... ja, so konnte man es vielleicht beschreiben.

Dann ging er zu ihm, nahm seine Hände und drehte ihn lachend im Kreis, passte natürlich auf, das er nicht hinfiel oder sich irgendwo stieß. Es hatte ihn die ganze Zeit schon so in den Fingern gejuckt, das vor Freude zu tun und ein Opfer hatte er auch gefunden. "Wollen wir das nicht gleich Reita und Aoi erzählen?? Also... nicht am Telefon, sondern live. Ich möchte mir nicht ihre glücklichen Gesichter entgehen lassen.", schlug er vor und verlangsamte den kleinen Freudentanz, um schließlich wieder zum Stehen zu kommen. Erwartungsvoll sah er ihn an.
 

Im ersten Moment stolperte Uruha leicht überrascht, fing sich aber und ließ den anderen seine Freude ausdrücken. Erst als sie wieder still standen und er seinen Gegenüber anblickte antwortete er auf dessen Frage.

"Eh... jetzt?", sagte er und nickte dann aber zustimmend. "Okay."

Er lächelte leicht und hoffte so sehr, dass bald alles wieder in Ordnung war.
 

Wie zur Bestätigung nickte er lächelnd und ließ etwas widerwillig Uruhas Hände frei. "Ja, jetzt. Möchtest du noch mal ins Bad oder können wir gleich los?", fragte er und stellte den nun zweifach getrockneten Teller in den Schrank zu dem anderen Geschirr. Zufrieden aufseufzend warf er dem Blonden noch einen Blick zu, ehe er in die Wohnstube zu seinem Laptop wuselte und ihn herunterfahren ließ, bevor er ihn wieder in seiner Tasche verstaute und sie schulterte. Dann sah er sich um. "Hm... Kouyou?", rief er und packte seine ganzen DVD's und Spiele wieder zusammen.
 

Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen nickte Uruha nochmal. "Ich zieh nur nochmal kurz eine andere Hose an..."

Er sah Sakito kurz nach, räumte kurz das Geschirr zur Seite und ging rasch in sein Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Als er zurück gehen wollte, hörte er schon Sakitos Stimme, bevor er das Wohnzimmer betrat. "Ja?", rief er ihm zu und stand schließlich in der Türe, sah den Brünetten an und hatte die Augenbrauen leicht fragend hochgezogen.
 

"Du hast mir noch nicht auf meine Frage geantwortet. Du kannst hier doch unmöglich bleiben... also ohne Tür. ich habe bei mir zu Hause genügend Platz, also wenn du... wenn du zu mir möchtest, dann sag ich nicht nein. Möchtest du aber lieber für dich alleine sein, dann kann ich dir ein Hotelzimmer besorgen. Ein ein oder zwei Tagen, wirst du wieder eine Tür haben. Versprochen hai?" Er warf ihm ein Lächeln zu und nahm dann sein Handy hervor. Gedankenverloren starrte er Hizumis Nummer an, sah dann aber wieder fragend auf.
 

"Oh... ehm. Na ja, wenn das keine Umstände macht? Ich will dir nicht zur Last fallen oder so...", sagte er und löste sich von dem Türrahmen. In einem Hotel war er alleine. Und so richtig wohl fühlte sich der Brünette bei dem Gedanken daran nicht. "Also wirklich nur, wenn es okay ist..."

Er kaute kurz leicht auf seiner Unterlippe und folgt seinem Blick kurz zu dem Handy. "... Wartest du auf etwas...?"
 

Überrascht sah er ihn an. "Das macht doch keine Umstände. Ich würde mich freuen, nicht so alleine zu sein.", meinte er und sah Uruha nach. Wie unsicher der andere war, merkte er sofort und es brachte ihn schließlich zum kurzen Auflachen. "Kouyou, es ist okay.", versicherte er und folgte seinem Blick auf sein Handy. "Nein, ich überlege gerade, ob ich Hizumi anrufen soll. Er ist sicherlich beschäftigt, aber... jemand muss auf dein Haus aufpassen. Hier kann ja jeder rein und raus, wie er will." Wieder blickte er auf sein Handy. "Ich schreibe ihm eine SMS und hoffe einfach mal, dass er sie liest. Die Tür... also das, was davon übrig ist, kann ich notdürftig einsetzen. Dann sieht es wenigstens so aus, als gäbe es noch eine Tür. Hast du alles, was du brauchst? Zahnbürste, Schlafzeug, Klamotten?"
 

Leicht verlegen guckend, als der andere anfing zu lachen, sah er vor sich auf den Boden. "Okay..."

"Ich pack kurz ein paar Sachen zusammen...", antwortete er und nickte dann leicht. Er drehte sich um und ging wieder in sein Schlafzimmer. Kramte eine Tasche hervor und packte ein paar wenige Klamotten ein, ging weiter ins Bad und packte dort sein Waschzeug zusammen.

Kurz blieb er stehen, betrachtete sich im Spiegel und überlegte, was er noch brauchen konnte.

Nachdem er zu einem Schluss gekommen ist, ging er wieder zurück ins Wohnzimmer und sagte: "Okay, ich hab alles..."
 

"Ha, ich seh mir inzwischen die Tür mal an.", meinte Sakito und tat dies auch. Also die war ja wirklich nicht mehr zu retten! Da hatten Hizumi und Co. ganze Arbeit geleistet, aber... warum immer gleich mit Gewalt?! Der Anwalt schüttelte seufzend den Kopf und nahm sein Handy zur Hand, tippte eine SMS an Hizumi, dass er jemanden her schicken sollte, der auf Uruhas Wohnung aufpassen sollte, dass er diesem eine Tür schuldig war und er ihm in den Hintern treten würde, wenn Hizumi dies nicht wieder gutmachte und anschließend noch der Hinweis, dass er den Schuldigen lebend(!) brauchte. Zumindest hoffte Sakito, dass der andere seiner Bitte nachkam. Hier zu warten bis jemand kam, wollte er nicht.

Er schreckte aus seinen Gedanken auf, als Uruha in die Wohnstube trat und verkündete, er sei fertig. Sakito schickte noch schnell die SMS ab, ehe er sein Handy mit einem Grinsen sicher verstaute und auf den Ausgang wies. "Dann geh doch bitte schon mal zu meinem Auto. Ich setz die Tür so gut es geht ein."
 

Ein wenig verunsichert, durch die Reaktion des Brünetten sah er diesen noch an und wartete.

Erst als Sakito seine SMS abgeschickt hatte und ihm mit einem Grinsen erklärte, dass er sich schon mal ins Auto setzen solle und dass er die Türe noch einsetzen will, war er wieder etwas beruhigt und nickte.

Schuhe und Jacke waren schnell angezogen und so nahm er seine Tasche, sah Sakito noch einmal kurz an und ging dann zu dessen Auto.

Dort angekommen stellte er die Tasche zuerst einmal wieder neben sich ab und lehnte sich vorsichtig gegen den Wagen.

Wann er wohl wieder zurück ging? Eine neue Türe einsetzen würde wohl nicht wirklich lange dauern, aber um beruhigt wieder dort leben können? Immer noch hatte Uruha die Bilder der vergangenen Stunden im Kopf, die er eigentlich verdrängen wollte. Doch jetzt, wo er kurzzeitig wieder alleine ist, und nichts zu tun hatte, musste er wieder daran denken. Diese Schreie, dieser irre Blick und das Messer...

Uruha atmete tief durch und drehte sich zur Seite, sah die leere Straße entlang und seufzte erneut leise.

Der Typ war gefasst, wozu also noch solche Gedanken machen...
 

Der Brünette erwiderte Uruhas Blick mit einem beruhigenden Lächeln und wartete, bis dieser das Haus verlassen hatte. Dann rieb er sich die Hände und hob die Tür vom Boden auf. Das war ja leichter, als er gedacht hatte! Na umso besser. Vorsichtig drehte er sich und trat rückwärts aus der Tür, um dann die beschädigte Tür in den Rahmen zurückzudrücken. //Hoffentlich habe ich alles.//, dachte er noch, als er es knirschen hörte. Sofort verzog er das Gesicht und versuchte es nun noch eine Spur vorsichtiger. //Die hört sich fast so an, als ob sie gleich in ihre Einzelteile zerfallen würde.//

Dann wieder ein Knirschen, bevor Sakito glaubte, es geschafft zu haben. Zumindest stand die Tür. Ob sie das auch noch tun würde, wenn er sie losließe? Einen Versuch war es wert. Noch einmal tief eingeatmet und Sakito trat einen Schritt zurück, entfernte dabei seine Hände von der Tür und zog nur leicht an der Klinke, die zum Glück noch dran war.

Nichts passierte. Ein Zeichen dafür, dass sie saß. "Ja!", stieß er vor Freude aus und lief grinsend zu seinem Auto, an dem noch immer Uruha gelehnt stand. "Oh tut mir Leid Kouyou. Ich habe vergessen, die den Schlüssel zu geben, ich Dummerchen.", sagte er wehmütig und schloss es schnell auf, um dem Blonden die Tür aufzuhalten. "Schönheit geht vor... ich meine... eh... setz dich bitte.", murmelte er und wurde immer leiser. Verlegen kratzte er sich am Hinterkopf. "Wir fahren dann wohl mal schnell los, hm?"
 

Als er die Stimme des Anwaltes vernahm, hob er seinen Blick und schüttelte leicht lächelnd den Kopf.

"Schon okay. Ich musste ja nicht lange warten.", antwortete er ihm und machte einen Schritt zur Seite, um Sakito die Türe zu überlassen. Nachdem dieser dann die Türe geöffnet hatte und Uruha sich in den Wagen gesetzt hatte, gingen ihm die soeben erwähnten Worte noch im Kopf umher. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, während er sich anschnallte. Dann allerdings wandte er seinen Blick wieder aus dem Fenster.
 

"Okay.", antwortete er nur und lächelte kurz auf, ehe er zum Haus zurücksah. "Also die Tür... hab ich mehr oder weniger wieder eingesetzt. Sieht zwar etwas beschädigt aus, aber von weitem sieht es sicher aus, oder?", fragte er und betrachtet kritisch die Tür. Mit einem Seufzen, drehte er sich wenig später wieder zu dem anderen um und bedankte sich kurz, als Uruha beiseite trat, damit er den Wagen öffnen konnte. "Wir müssen auf Hizumi und auf seine Leute vertrauen. Wir können hier nichts mehr tun.", meinte er. Ein paar Worte später, ließ er Uruha auch schon einsteigen und ging anschließend um das Auto herum, um einzusteigen. Dann schnallte er sich an und startete den Motor. Gemäß der erlaubten Geschwindigkeit, fuhr er los.
 

"Okay, danke...", sagte Uruha, sah noch einmal zu seiner Wohnung zurück und stellte fest, dass die Türe wirklich geschlossen aussah. "ja, sieht verschlossen aus."

Als sie losfuhren, sah Uruha aus dem Fenster. Beobachtete die vorbeiziehenden Häuser und Bäume und dachte eine ganze Weile nach.

Zwar war der Typ jetzt gefasst, Reita wieder aus dem Gefängnis und eigentlich alles in Ordnung, aber würde es wirklich wieder so werden wie früher?

"... und es ist wirklich sicher, dass dieser Typ nicht mehr frei kommt...?", fragte Uruha etwas unsicher, behielt den Blick aber weiterhin aus dem Fenster.

Zwar sah Hizumi schon ziemlich brutal aus, aber wenn er sich an die Nacht erinnerte, in der er neben dieser blutverschmierten Leiche lag, da hatte er doch Angst, der Mörder könnte sich befreien.
 

"Nicht dafür.", lächelte Sakito nur und nickte auf Uruhas Meinung hin. "Gut, dann hoffen wir mal, dass nichts fehlt, wenn du wieder zu Hause bist."

Und während er zum Krankenhaus fuhr, um mit Uruha zusammen den beiden die glückliche Nachricht zu überbringen, lief im Hintergrund nur leise Musik aus dem Radio, die er angestellt hatte, um der Stille zu entgehen. Er wollte Kouyou nicht aus seinen Gedanken reißen. Leicht im Takt der Musik wippend, musste er an einer Ampel stoppen und fuhr erschrocken hoch, als sein Mitfahrer ihn unerwartet ansprach. Ein kurzer Blick zur Seite, ehe er sich wieder auf die Straße konzentrieren musste und weiterfuhr. "Ja, ganz sicher. Vertrau Hizumi. Ich weiß, das fällt einem schwer, wenn man ihn nicht kennt, aber er und seine seltsamen Freunde schaffen das schon. Außerdem hat er auch persönliche Gründe, die ihn dazu veranlassen, sich auch wirklich gut um den Typen zu kümmern. Dein One-Night-Stand, welcher in der Nacht sein Leben verlieren musste, war mit ihm befreundet. Zumindest glaube ich das, denn er war ziemlich aufgebracht, als ich ihm den Namen des Opfers verriet. Du siehst also... er hätte keinen Grund, ihn laufen zu lassen. Ich musste ihn eher davon abbringen, ihn nicht zu töten.", erklärte er und erkannte das Krankenhaus nicht weit von ihnen entfernt.
 

"Hm...", antwortete Uruha leise und sah noch immer aus dem Fenster. Er hoffte so sehr, dass es stimmte was Sakito sagte.

Er hatte ihm immer vertrauen können, aber trotzdem fiel es ihm schwer.

So sehr er es auch wollte, die Gedanken und Gefühle ließen ihn nicht los.

Leise seufzend nickte er nochmal und schlang die Arme um sich.

"Okay..."
 

Wieder schwiegen sie. Es war kein unangenehmes Schweigen, aber dennoch sehnte sich Sakito danach, mit dem Blonde unbeschwert reden zu können, doch der Schock von dem Überfall saß ihm wohl noch immer schwer in den Knochen. Wenn er ihm doch bloß helfen könnte...! Nachdenklich fuhr er auf den Parkplatz des Krankenhauses vor und parkte das Auto ohne Probleme ein. Dann stellte er den Motor aus und sah unschlüssig zu Uruha. "Wir sind da...", murmelte er und lächelte kurz, eher er seinen Gurt löste und ausstieg. Da er ein Kavalier war, ging er um das Auto herum und öffnete dem Blonden die Tür. "Kommst du...?"
 

Auch Uruha störte das Schweigen, aber sagen konnte er dennoch nichts.

Er versuchte seine Gedanken zu verdrängen. Versuchte an die Zukunft zu denken, die nun kommen würde.

An den Spaß den sie wieder haben würden. An die Ruhe, die sie wieder haben würden.

Dass sie hielten, hatte er gar nicht bemerkt, zu sehr war er darauf konzentriert, an gute Dinge zu denken. Erst als die Türe an seiner Seite geöffnet wurde, schrak er aus seinen Gedanken hoch.

"J-Ja...", antwortete er etwas verwirrt, aber leicht lächelnd.

Er schnallte sich ebenfalls schnell ab und stieg dann aus dem Auto. Ein leises Danke, für das Aufhalten der Türe entwich seinen Lippen, ehe er hinauf zu dem Krankenhaus sah.
 

"Na dann gehen wir mal rein... hm? Und überbringen ihnen die wunderbare Nachricht.", seufzte Sakito zufrieden und stellte sich vor, wie glücklich die beiden darüber sein würden. Vielleicht schlafen sie auch gerade? Sollten sie dann vielleicht Morgen wiederkommen?

Erst jetzt fiel ihm auf, wie spät es eigentlich war. "Hoffentlich lassen die uns noch zu ihnen. Es ist spät."

Sakito schloss noch rasch das Auto ab und kam dann neben Uruha zum stehen. "Ist alles okay...?"
 

Als Sakito neben ihm stand, ließ er den Blick noch kurz auf dem Gebäude. Ja eigentlich war alles okay.

"Ja, ich denke schon...", antwortete er und sah den Brünetten an. "Es ist alles okay."

Für einen Moment blickte er ihn weiterhin an. "Hai, gehen wir..."

Er machte ein paar Schritte in Richtung Eingangstüren, hielt jedoch dann inne und ging nochmal zu Sakito zurück. Er umarmte ihn und schwieg.
 

Ein wenig verwundert, wandte er den Blick zu dem Blonden und legte den Kopf schief. Erst als die bestätigenden Worte kamen, lächelte er zufrieden. "Okay, dann geht's los.", sagte er und blinzelte ihn fragend an. Warum sah ihn denn Kouyou so an? Wollte er ihm vielleicht irgendetwas damit sagen? Als Uruha dann zum Krankenhaus vorging, musste er sich beeilen mit ihm schritt zu halten, denn so hilflos, wie er sich unter den Blicken des Blonden fühlte, war er leicht zurückgeblieben. Doch noch bevor er zum ihm aufschließen konnte, drehte sich der Größere plötzlich um und umarmte ihn. Er umarmte ihn! Einfach so! Überrascht legte auch er die Arme um ihn und die eben noch da gewesene Anspannung fiel von ihm ab. Ein schneller schlagendes Herz blieb zurück. "Womit hab ich denn das verdient?", fragte er leise und leicht nervös. "Hast du Angst? Das brauchst du nicht haben. Ich bin doch bei dir."
 

Uruha hatte die Augen geschlossen. Er hatte den Kopf vorsichtig auf Sakitos Schulter gelegt und er schüttelte diesen leicht, als er die Worte des Anwalts vernahm.

"Nein... es ist... einfach nur so...", antwortete er dann etwas unsicher und rang mit sich, ob er ihn gleich wieder loslassen sollte, oder ob er ihn noch umarmen sollte.

Es gab keinen spezifischen Grund, warum er das gerade getan hatte, aber irgendetwas in ihm wollte das gerade tun.

Er löste sich nur langsam von dem Brünetten und sah diesen dann an.
 

"Nur so...", hauchte er glücklich und musste lächeln. Da er von dem inneren Zwist des anderen nichts mitbekam, legte nun auch Sakito seinen Kopf vorsichtig auf Uruhas Schulter ab und schloss seelig lächelnd die Augen. Wie schön sich das doch anfühlte, ihm so nah zu sein. Und gerade als sich sein Denken ausschalten und seine Hand in Uruhas Nacken hinauf streichen wollte, um ihn dort sanft zu kraulen, löste sich der Blonde von ihm und er schreckte abrupt auf. Unsicher erwiderte er den Blick des anderen. "Danke...", murmelte er und lächelte verlegen. "Also... wollen wir...?", setzte er fragend mit leicht erhöhter Stimme hinzu. //Herzschlag bitte herunterfahren...! Und cool bleiben.//
 

Komisch. Dieses Gefühl. Dieses Gefühl, das Uruha immer hatte, wenn Sakito in der Nähe war. Ein Gefühl von Sicherheit. Sicherheit und Vertrauen. Er fühlte sich wohl in seiner Gegenwart. Und ohne es zu merken, versank Uruha wieder in seiner Gedankenwelt. Wie schon so oft in den letzten Wochen. Minute für Minute hing er seinen Gedanken nach. Ob gut oder schlecht, war egal. Denn da war er sicher. Er blickte den anderen noch immer an.

Er wollte nicht mehr nur in seiner Gedankenwelt leben. Er wollte wieder so sein wie früher. Unbeschwert leben können. Und je länger er darüber nachdachte, desto kleiner kam er sich vor. Aoi und Reita hatten viel größere Probleme. Er sollte sich nicht so anstellen, sondern seine Probleme, wenn man es so nennen wollte, hinten anstellen.

Als Sakito dann fragte, ob sie gehen wollen, zögerte Uruha für einen Moment, erinnerte sich aber an sein eben Gedachtes und nickte dann. "Ja."
 

Ohne groß darüber nachzudenken, nahm er Uruhas Hand und führte ihn zur Eingangstür des Krankenhauses. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen und zaghaft drückte er sie, um ihn zu zeigen, das er für ihn da war. Mit der anderen Hand drückte er die Klingel und wartete auf das Nachtpersonal. Dieses ließ auch nicht allzu lange auf sich warten und schnell erklärte er der älteren Dame, warum es sich bei ihrem Besuch handelte. Erst als sie versprachen, das Maximum von 15 Minuten einzuhalten, durften sie passieren. Zielstrebig lief Sakito zu Aois und Reitas Zimmer und dort klopfte er leise an. Kurz noch sah er auf ihre Hände und dann zu Uruhas Gesicht hoch, lockerte den Griff, falls sich der andere diesem entziehen wollte. Schließlich hatte er gar nicht um seine Erlaubnis gefragt! "Tut mir Leid...", flüsterte er und horchte wieder auf die Geräusche in dem Zimmer. Da schien sich jemand zu unterhalten! Ein gutes Zeichen.
 

Etwas überrascht, aber nicht abgeneigt, war Uruha als Sakito plötzlich seine Hand nahm. Er ließ sich einfach mitziehen.

Bloß nicht wieder seinen Gedanken verfallen.

Er folgte dem Brünetten die Gänge entlang und blieb dann schließlich auch neben ihm stehen.

"Hm?", fragte er etwas überrascht, denn so wirklich wissen, warum der andere sich entschuldigte wusste er nicht. Eigentlich wollte er noch eine Frage abwarten, doch dann hörte er von drinnen schon eine Stimme ihre Erlaubnis geben.

Kurz blickte Uruha zu Sakito und nickte dann zaghaft in Richtung Türe.
 

~+~
 

Reita strich über Aois Hand, die sich in sein Hemd gekrallt hatte und versuchte ihn zu beruhigen. Ganz ruhig schien der Schwarzhaarige nicht zu sein... Hatte er einen Alptraum? "Aoi...? Hey... Es ist alles gut... Ich bin bei dir...", murmelte er und spürte langsam seine Kräfte wiederkehren... Endlich... erholte er sich wieder. Endlich konnte er wieder auf seinen Engel aufpassen und für ihn da sein. Das hatte er sich jeden Tag im Gefängnis gewünscht. Doch würde er seine unbeschwerte Art wieder bekommen? So wie früher? Er versuchte sich zu erinnern... Es war lange her... Wie war er früher? Unbeschwert, er hatte in den Tag hinein gelebt, hatte Unmengen an Geld für coole Klamotten ausgegeben... Er seufzte. Damals war ihm Ansehen und Respekt das Wichtigste... Daher wohl auch die Freundschaft mit Uruha. Neben dem schönen Japaner verblasste er nicht, sie ergänzten sich. Reita unterstrich Uruhas feine Art und durch Uruha wurde Reitas Männlichkeit betont. Oh ja... und wie oft sie abends weggegangen waren... Die Stars in jeder Disco, jeder Bar. Jeder hatte sich um die beiden gerissen und Uruha flirtete für sein Leben gern, während Reita eher cool an die Sache heranging, Distanz bewahrte und nur sehr selten sein wahres Ich zeigte.

Reita lächelte. Er wollte, dass es wieder so war wie früher... Es war so eine wundervolle Zeit gewesen... Und jetzt, mit Aoi an seiner Seite, würde es noch viel viel schöner werden, da war er sich sicher. Er hatte eine neue Chance zu Leben bekommen und er würde sie nutzen!
 

Schweißgebadet schreckte er aus seinem Schlaf hoch, kaum war Reitas Stimme verklungen. Ein unangenehmer Druck auf seinen Lungen, nahm ihm den Atem. Als die Realität langsam in sein Bewusstsein kroch, verschwand auch der Druck und ließ ihn panisch nach Luft schnappen. Als er Reita erkannte und sein Atem wieder ruhiger ging, blinzelte er erschrocken und sah sich hastig im Raum um. Der Traum wollte ihn einfach nicht loslassen! "Rei...", hauchte er und zog das Krankenhausoberteil von dem Blonden am Kragen ein wenig nach unten, um nach der Wunde zu suchen, die ihm in seinem Traum zugestoßen wurde. Als er sie nicht fand, atmete er erleichtert auf. "Rei ich... i-ich hab geträumt, das sie dich mir wieder wegnehmen... u-und dir wehtun...!", brachte er mit zittriger Stimme hervor und Tränen bahnten sich einen Weg über die blassen Wangen. "Verlass mich bitte nicht...!", schluchzte er schließlich und presste sich an den Blonden, nur, um ihm ganz nah zu sein.
 

"Shh... ist ja gut, Aoi... Ich bin ja da... und es geht mir gut! Ich werde nicht gehen... Ich werde immer bei dir bleiben und dich beschützen... Ganz ruhig...", er hielt ihn fest im Arm und hauchte Küsse auf sein Haar.
 

"Wirst du das wirklich...?", fragte er immer noch etwas ängstlich, doch sein Herzschlag beruhigte sich ein wenig. Reita hatte etwas beruhigendes an sich, was ihn immer recht schnell fesselte. Auch jetzt wieder und das zauberte ihm ein kleines Lächeln auf die Lippen. "Wenn wir erst frei sind, können wir dann... ein neues Leben anfangen...?", fragte er leise und wehrte sich nicht unter Reitas Behandlung. Eher lehnte er sich dieser entgegen. Als er langsam den Blick hob, um in die schönen Augen des Blonden sehen zu können, waren ihre Gesichter nur wenige Millimeter voneinander entfernt. Überrascht öffnete er den Mund, um etwas zu sagen, wandte dann aber verlegen den Blick ab. Für einen kurzen Moment hatte er sich gewünscht, seine Lippen berühren zu dürfen, aber würde er das auch wollen...?
 

Reita lächelte und nickte dann. "Ja Aoi, das will ich wirklich. Glaubst du mir das nicht?" Er lächelte nochmal und für Sekunden verharrte er über Aois Mund, doch dann setzte er sich ein Stückchen auf, er wusste nicht, ob Aoi das recht war und auch in ihm weckte das keine schönen Erinnerungen... "Ja, da habe ich gerade drüber nachgedacht. Wir fangen ein neues Leben an und es wird wundervoll werden, das verspreche ich dir."
 

"Doch, ich v-vertraue dir... a-aber... was ist, wenn ich zurück muss? Oder du...? Und unser Traum...", murmelte er unsicher und senkte den Blick. Vertraute er ihm wirklich? Schon so oft wurde sein Vertrauen missbraucht und auch von denjenigen, die er dachte zu lieben. Verwandte sollte man doch lieben, oder? Aber... Reita war kein Verwandter, also woher sollte er wissen, ob er ihn liebt? Die plötzliche Bewegung Reitas ließ ihn aufschrecken. "Hast du gar keine Schmerzen mehr?", fragte er überrascht und erleichtert zugleich, akzeptierte die Entfernung zwischen ihnen, die bei seinem Aufsetzen entstanden war. Als er dann Reitas Versprechen vernahm, konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten. Er war wirklich sensibel geworden, seit er Reita kannte. Dank ihm, hatte er den Willen zu leben und das machte ihn zu einem Menschen mit Schwächen. Mit ihnen kam er sich in Reitas Nähe so unglaublich schwach vor! Reita war stark. Immer war er das für ihn gewesen. Doch es blieb ihm ein Rätsel, wie er das schaffte.

Er wischte sich über die Augen und schenkte ihm ein glückliches Lächeln. Ein echtes Lächeln! Denn das was Reita ihm versprach, war alles, was er sich erwünscht hatte. Mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Das war in den letzten Tagen... oder Wochen(?)... sein Traum geworden. "Ja, es wird wundervoll. Wir beide...", murmelte er träumerisch und umarmte den Blonden. "Dann... kannst du mir erklären, was L-Liebe ist...?", setzte er fragend hinzu und schloss seine Augen. Er schämte sich für seine Dummheit, aber wie sollte man etwas verstehen, wenn man es nie wirklich... gefühlt hat?! "Alle reden immer von diesem Wort und ich weiß nicht, wie das ist... und was es bedeutet"
 

"Du musst nicht zurück. Dafür werde ich sorgen! Nie wieder, Aoi! Ich werde für dich da sein, egal was passiert. Aoi... ich hätte dich beinahe verloren im Gefängnis, als du ins Krankenhaus kamst... Erinnerst du dich an deine Worte...? Du hast gesagt, du kannst mir das nie verzeihen... Ich weiß, dass es so ist... aber vielleicht... kannst du... damit leben... gemeinsam mit... mir...? Ich... muss selbst lernen, was dieses Wort bedeutet... ich bin reifer geworden... erwachsener... und jetzt merke ich... das ich früher viel zu viel versäumt habe..."
 

"Ich hoffe es so sehr, Reita... Denn obwohl sie... ihn haben, gibt es überall grausame Menschen...", murmelte er verbittert und seine schwachen Hände ballten sich zu Fäusten. Als ob er damit jemanden wehtun könnte, so schwach wie er war. Kaum war er in Gedanken abgedriftet, holte Reita ihn aus diesen zurück und erinnerte ihn an eine Zeit, die er am liebsten hätte verdrängen wollen. Schmerzlich zog sich sein Magen zusammen und mit reuevollen Augen sah er nun auf seine zittrigen Hände, mit denen er Reita so viel Leid angetan haben musste. Den Blick hatte er gesenkt und seine langen Haare, von seinem seit langem nicht mehr geschnittenem Pony, klebten ihm in seinem tränendurchnässten Gesicht. //Ich muss furchtbar aussehen...//, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. //Dabei hat es mich bisher noch nie gestört, wie ich aussehe!// Leise aufschniefend, wischte er sich die Haare aus dem Gesicht. "Ja... ich erinnere mich dunkel daran... Hass, Verzweiflung und Reue haben mich dazu getrieben. Inzwischen hasse ich mich dafür, aber ich wusste ja nicht, warum du das getan hast! Bis... ER es mir sagte... Ich werde versuchen, dir zu vertrauen... Irgendetwas sagt mir, dass ich es kann! Ich weiß nicht, was es ist, aber mein Leben liegt in deinen Händen...", meinte er andächtig und neigte den Kopf. "Vielleicht kann ich es mit dir lernen...?", fragte er hoffnungsvoll und zuckte plötzlich zusammen, als es klopfte. Da fiel ihm der Albtraum wieder ein. "Nein, sie dürfen dich nicht holen!", rief er ängstlich und klammerte sich an Reita.
 

Reita hörte ihm aufmerksam zu und strich ihm die langen Strähnen aus dem verweinten Gesicht. "Shh... wir schaffen das. Und ich habe dir längst verziehen..." Er zuckte zusammen, als es klopfte und noch mehr erschrak er, als Aoi sich an ihn klammerte. "Ganz ruhig... Das ist nur die Tür... Ja? Herein?"
 

"SIE kamen auch durch die Tür.", murmelte Aoi bedeutungsvoll und sah mit weitaufgerissenen Augen zur Tür.
 

+~+
 

Leicht lächelnd winkte Sakito ab und ließ schließlich Uruhas Hand los, um mit ihr die Tür zu öffnen, hinter der eindeutig Reita sie dazu aufgefordert hatte, reinzukommen. Als erstes schob er seinen Kopf hinein. "Hey, wir sind es. Uruha und Sakito. Ich hoffe, wir stören nicht...?", fragte er und schenkte den beiden ein Lächeln. Er schmunzelte nur leicht über Aois ängstliches Gesicht, doch schenkte er dem keine besonders große Bedeutung. Der Schwarzhaarige war doch allem gegenüber misstrauisch und zeigte sich ängstlich.

Langsam öffnete er die Tür um ein weiteres und trat schließlich ein. "Wir dürfen nicht lange bleiben, aber ich habe gute Neuigkeiten für euch.", verkündete er und wandte sich an Uruha. "Möchtest du vorher vielleicht nochmal mit ihm reden? Er hat sich sicher Sorgen um dich gemacht."
 

Uruha lächelte leicht und nickte nochmal, ehe er Sakito bei seinem Tun beobachtete.

Irgendwie wurde er gerade nervös. Auch wenn er nicht wirklich wusste weshalb.

Immerhin kannte er Reita lange genug und auch Aoi hatte ihm bisher keinen Anlass gegeben irgendwie nervös zu sein.

Vielleicht war es auch einfach nur die Nervosität vor dem Bild, das sich ihm gleich bot.

Ob Reita immer noch so schlecht aussah, wie in dem OP Saal?

Er lauschte den Worten des Brünetten und wartete ab, ehe er vorsichtig einen Schritt vorwärts machte und in der Türe stehen blieb.

Auf Sakitos Frage hin schüttelte er leicht den Kopf. Er wusste nicht, was er sagen sollte.
 

"Nicht...?", fragte er verwundert und spürte die Unsicherheit in dem Blonden. Kurzerhand nahm er ihn wieder an die Hand und führte ihn weiter in das Zimmer hinein. "Der Mörder wurde gefasst.", sagte er wieder an Reita gerichtet und sah unsicher zu Uruha. //Noch immer nicht...?"// Leicht drückte er seine Hand und wartete darauf, dass irgendwer etwas sagte.
 

Reita sah Uruha lange an, doch als er nichts sagte, senkte er traurig den Kopf. "Das ist schön... zu hören...", sagte er leise und versuchte ein Lächeln, das aber kläglich scheiterte.
 

Erneut schüttelte Uruha leicht den Kopf und senkte den Blick.

Uruha kaute leicht auf seiner Unterlippe, spürte dann jedoch den leichten Druck auf seiner Hand und so sah er vorsichtig wieder auf.

Er wusste wirklich nicht, was er sagen sollte. Er fühlte sich irgendwie unpassend.
 

"Mörder...?", fragte Aoi mit zitternder Stimme. "Der... der Uruha bedroht hat?", fragte er an Reita gewandt und sah dann zu dem Blonden an der Tür auf. //Warum ist er denn so schweigsam?// "Alles okay... mit dir?", fragte er unsicher, denn auch er hatte die angespannte Stimmung gespürt. Er war erleichtert, das die Typen aus seinem Traum nicht durch die Tür gekommen waren, aber dieses Schweigen war ebenso schockierend. Von Reita wusste er doch, wie wichtig Uruha für ihn war. Er wollte sich zwar ungern von Reita trennen, aber vielleicht würde es helfen, wenn die beiden alleine miteinander reden könnten...? "Wollt ihr alleine reden...?", fragte er sogleich und drückte Reitas Hand, wobei er seine Beine aus dem Bett schwang und vorsichtig auftrat.
 

Reita sah Aoi an, hielt seine Hand kurz fest und nickte dann. "Du kannst Sakito vertrauen...", murmelte er leise. Dann sah er wieder zu Uruha. "Ruha-chan... Es ist... so lange her..."
 

Verstehend nickte er, schenkte Reita noch einen liebevollen Blick, bevor er auf unsicheren Beinen zu Sakito stolperte. Hilfesuchend klammerte er sich an den freien Arm des Anwalts und verfolgte verwirrt den Lauf des anderen Armes, wie er an der Hand mit der von Uruha verbunden war. //Sind die miteinander verwandt...?//, fragte er sich leicht irritiert, verwarf aber den Gedanken mit einem Kopfschütteln und versuchte mit etwas Druck gegen Sakitos Arm, ihn zum Gehen zu bewegen.
 

Unschlüssig stand Sakito da und sah immer wieder zu Uruha. //Hoffentlich geht es ihm gut.//, dachte er besorgt und schreckte leicht hoch, als Aoi die Stimme erhob. Als er den Schwarzhaarigen so betrachtete und an die schreckliche Vergangenheit zurückdenken musste und dann den Aoi heute sah, wie er in Reita endlich jemanden gefunden hatte, mit dem er glücklich werden könnte, war es schon erstaunlich, was Liebe alles bewirken konnte. Als er dann auch noch rücksichtsvoll nachfragte, wie es Uruha...? Also Kouyou ging, dankte er Aoi im Stillen und wandte sich mit einem aufmunternden Lächeln wieder an den Blonden. //Warum nennt er sich eigentlich Uruha? Hm... mag er Kouyou nicht? Und ich nenne ihn schon die ganze Zeit so. Warum sagt er nichts? Uruha passt zu ihm und könnte ihn wohl am besten beschreiben. Vielleicht... darf ich ihn auch irgendwann so nennen?// In Gedanken vertieft, bemerkte er gar nicht, wie Aoi aus dem Bett kroch. Erst als dieser sich an seinen Arm festkrallte, verlor er vor Überraschung beinahe sein Gleichgewicht, konnte es dann aber noch rechtzeitig halten. Aoi war ja ein Leichtgewicht. Also kein Problem für ihn. Fragend blickte er zu ihm und folgte seinem verwirrten Blick. //Uh... Hoffentlich fragte er nicht nach...// Sich über den Druck wundernd, den Aoi dann an ihm ausübte, ließ ihn eher ungewollt den Händedruck lösen und rückwärts stolpern. Als er Reitas Worte vernahm, verstand er endlich, was Aoi von ihm wollte, nahm ihn lächelnd am Handgelenk und führte ihn hinaus. Am Türrahmen wurde Sakito allerdings zurückgerissen, da Aoi partout nicht weitergehen wollte und er sehnsüchtig noch einen Blick zurückwarf. Schwer aufseufzend, ließ der Kleinere den Blick sinken und stolperte über die Schwelle in Sakitos Arme. "Ich will... zurück...", hauchte er traurig, da er Reita jetzt schon vermisste. "Aoi, das dauert doch nicht so lange.", beschwichtigte er ihn und führte ihn zu den Besucherstühlen. "Ich hab so'n schlechtes Gefühl, Sakito... Ich... Ich hatte einen Albtraum und... und da haben sie ihn mir w-weggenommen...!" "Ach das war doch nur ein Albtraum gewesen. Bestimmt hat das nichts zu bedeuten. Ihr beide seid doch sicher" "Wie sicher...? Polizei? Bodyguards?" "Ähm... nein, aber ein gutes Personal. Die passen ganz sicher auf!" "Mhm... sehr beruhigend...", murrte Aoi und starrte an die gegenüberliegende Wand. Eine Zeit lang schwiegen sie.

"Aoi? Hey, nicht einschlafen~", sagte Sakito irgendwann und stupste ihn sachte in die Seite. Aoi keuchte schmerzhaft auf und drehte den Kopf dem Anwalt zu. "Nicht anfassen!", zischte er angesäuert und betrachtete ihn aus zusammengezogenen Brauen. "Tut mir Leid! Tut dir denn noch alles weh?", erkundigte sich der Anwalt. "So gut wie alles..." "Oh... ich wollte dir nur sagen, dass ihr bald eure Prozesse habt, da ja der Mörder nun gefasst wurde. Dann kommt ihr frei." Wie erwartet, weiteten sich Aois Augen und ein glückliches Lächeln zierte sein Gesicht. So gefiel ihm Aoi viel besser. Er sollte öfters lächeln. Dies wollte er dem Schwarzhaarigen gerade sagen, als dieser plötzlich in Tränen ausbrach. "D-dann... können wir ein n-neues Leben anfangen...!", schniefte er und wischte sich die Tränen mit seinem bereits durchweichten Ärmel weg. "Ich danke dir Sakito.", setzte er noch ein wenig gefasster hinzu und sah dankbar zu ihm auf. "Das du dich so für uns eingesetzt hast." "Ach, keine Ursache, Aoi. Ich bin froh, dass es vorbei ist."
 

+~+
 

Etwas überrascht, als Aoi einfach aufstand machte Uruha einen kleinen Schritt nach vorne, da der Dunkelhaarige ziemlich unsicher aussah. "Alles okay...", antwortete er ihm leicht nickend, allerdings wich er seinem Blick etwas aus. Warum wusste er nicht genau. Wahrscheinlich weil Aoi dann sehen würde, wie er sich wirklich fühlte.

Als die beiden anderen dann schließlich draußen waren und Uruha nach einiger Zeit hörte, wie die Türe sich schloss, waren sie also alleine, um zu reden. Über was?

Ebenfalls etwas unsicher, stand er nun ein paar Schritte entfernt von Reitas Bett und ging zögernd näher zu ihm.

"Ja...", sagte er und setzte sich vorsichtig an die Bettkante, "... Wie geht's dir?"
 

Reita sah Uruha an, ein komisches Gefühl nahm Besitz von ihm, als Aoi ging... Es dauerte lange, bis er realisierte, dass sein Freund mit ihm sprach. "Uhm... ja... danke... Mir geht's gut... relativ... eben... und dir? Ich... ich hab dich vermisst... weißt du, was ich mir wünschen würde? Dass wir wieder so wie früher sein können... Abends weggehen und so... denkst du... das würde gehen?"
 

"Hm...", antwortete Uruha mit einem leichten Nicken und hörte dem Blonden weiterhin zu.

Reita sprach das aus, was Uruha sich ebenfalls wünschte. Und so nickte er erneut und versuchte leicht zu lächeln.

"Ja, das... das wäre schön."
 

Reita senkte den Kopf. "Entschuldige... du... du willst sicher zu Sakito zurück... nicht wahr? Ich... ich wollte dich nicht aufhalten..." Er seufzte.
 

Überrascht und etwas verwirrt blickte er seinen Freund an. "Wieso entschuldigst du dich...? Ich... ich bin froh, dass es dir gut geht..."

Zögernd nahm er die Hand seines besten Freundes und drückte sich ganz leicht, um ihm nicht weh zu tun.
 

Reita seufzte leise, erwiderte aber den Druck und lächelte. "Mach dir keine Sorgen, mir geht's gut... Na geh schon zu den beiden. Ich bin dir nicht böse... Ich bin froh, dass du jemanden gefunden hast."
 

Wollte Reita ihn loswerden? Oder wieso sagte er sonst so oft, dass er gehen sollte. Uruha sah zu ihren Händen und so langsam sammelten sich wieder die Tränen in seinen Augen.

Er wollte sie doch eigentlich unterdrücken. Er wollte doch seine Gefühle hinten anstellen.

Aber jetzt, wie sie hier saßen und redeten, redeten, als würden sie sich gar nicht richtig kennen, da wurde ihm erneut klar, wie sehr er das alte Leben vermisste.

Wie sehr er seinen besten Freund vermisste.
 

Reita tat es weh, dass Uruha nichts sagte... Er schien sich nicht einmal zu freuen, dass er hier war...
 

Noch eine ganze Weile schwieg Uruha, ehe er sich für einen Moment wegdrehte und sich über die Augen wischte.

Dann drehte er sich wieder in Reitas Richtung und sah auf das weiße Bettlaken.

Wiederum vergingen ein paar Minuten bis Uruha endlich etwas sagte: "Versprichst du mir... dass es wieder so wird wie früher?" Er hob seinen Kopf und blickte dem Blonden in die Augen.
 

"Es... hat sich... viel verändert...", murmelte der Blonde mit erstickter Stimme. Doch dann lächelte er schwach, nickte. "Es wird wieder wie früher und noch toller."
 

Im ersten Moment schluckte Uruha bei Reitas Worten.

Doch als er den letzten Satz vernahm, schien sich etwas in ihm zu lösen. "Danke...", hauchte er und lächelte ebenfalls leicht.

Vorsichtig, um ihm nicht wehzutun, umarmte er ihn, so gut das nun mal in einem Bett ging.

Dann schniefte er leise und sagte: "Ich... bin so froh, dass du wieder da bist."
 

"Sei nicht... so traurig, ja? Ich bin dir nicht böse... Sei fröhlich, Ruha... Es ist doch... alles gut... Wir werden wieder... leben... okay?"
 

"Aber... ich vermisse dich so... und den Spaß, den wir zusammen hatten.", schniefte er leise und wischte sich nochmal leicht über die Augen.
 

"Gib mir... Zeit... okay? Bitte... es war... nicht leicht... ich... ich muss es erst verarbeiten... Ich bin nicht mehr so stark... wie früher..."
 

Uruha öffnete die Augen und richtete sich wieder auf. Er wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht und versuchte weitere zu unterdrücken. "J-Ja... Ist gut...", antwortete er dann leise und blickte wieder zu Boden. "Ich... geh dann wohl besser..."
 

+~+
 

Nicht unweit von dem Zimmer entfernt, in dem ihr Zielobjekt ruht, versteckten sich zwei dunkle Gestalten. Sie trugen Handschuhe und Masken, die an Clowns erinnerten. Blasse Gesichter mit roten Lippen und einer großen roten Nase. Ein kleiner Gag, in dieser doch so ernsten Lage. Sie bewachten das Zimmer und beäugten kritisch jede einzelne Person, die es wagte, sich ihrer Person zu nähern. Sehr zu ihrem Leidwesen, tauchten kurz bevor sie ihre Mission erfüllen wollten, zwei Gestalten auf, die auch noch DAS Zimmer betraten! Wie kann es sein, das um Mitternacht noch Besucher erlaubt waren?! Und warum ausgerechnet Bekannte ihres Zielobjektes?! So war das nicht geplant gewesen! Das machte die Sache noch schwieriger, als sie eh schon war. Je mehr Augenzeugen sie hatten, desto größer war das Risiko, gesehen und aufgehalten zu werden.

Der Größere der beiden, saß starr wie eine Salzsäule in seinem Versteck und strich mit zuckenden Mundwinkeln, er hatte die Maske nach oben geschoben, um besser atmen zu können, über den Lauf seiner Waffe. Ein verrücktes Funkeln war in seinen Augen und er kniff sie augenblicklich zusammen, als ein Rascheln neben sich ihn erschreckte. Es war eindeutig zu ruhig gewesen, aber auffallen war ja auch nicht ihr Plan. Schnell wandte er den Kopf von der Tür ab und sah seinen Assistenten wütend an. Eingeschüchtert verstummte der Kleinere und wurde wieder zur Salzsäule. Er hatte sich nur bewegt, da sein halber Körper eingeschlafen war. Wegen diesem nächtlichen Besuch, hatten sie auch länger verharren müssen und nun schmerzten den beiden die Glieder. Da der Größere auch älter war, hatte er mehr Jahre an Disziplin hinter sich und so störte ihn dieser Zustand nicht weiter.

Ein leises Klicken durchbrach die Stille und die beiden Männer hielten den Atem an. Zwei Männer kamen aus dem Krankenzimmer. Während der Anführer der verhüllten Gestalten den beiden mit zusammengekniffenen Augen hinterher sah, beugte sich der Jünger zu ihm. "Der Schwarzhaarige war vorhin nicht dabei. Dann ist der andere noch bei IHM!" "Psst... denkst du, das weiß ich nicht? Jetzt oder nie!", flüsterte der Größere und positionierte die Maske, bevor er aufstand und sich kurz streckte. Der andere folgte ihm und tat es ihm gleich. Schmerzerfüllt verzog er sein Gesicht, was der Anführer aber durch seine Maske nicht sehen konnte. Dieser winkte kurz und öffnete die Tasche an seiner Seite, um sofort etwas daraus hervorholen zu können. Kurz blickte er den Gang entlang und lauschte den leisen Stimmen, die zwar in der Nähe waren, aber sie unmöglich sehen konnten, da der Gang nach etwa 30 Schritten einen Knick machte.
 

Ein kurzes Nicken und schon riss der Größere die Tür auf, um hineinzustürmen und schnell die Situation zu erfassen. Bis auf ihre Zielperson, war nur eine weitere, unbedeutende Person noch im Raum. Mit einem Hechtsprung war er bei dem blonden Mann, die er als eine der Personen identifizierte, die um Mitternacht dem Patient einen Besuch abgestattet hatte. Großer Fehler!

"Keinen Mucks!", zischte er den beiden zu und drückte dem Blonden die Knarre gegen den Kopf. Sein Assistent lief derweil auf ihre Zielperson zu, die vor Schreck erstarrt war und packte ihm hart am Arm. Der Größere zog eine Spritze aus seiner Tasche und reichte sie dem Kleineren. "Denk erst gar nicht ans Schreien...", zischte der Ältere gedämpft, ganz nah an Uruhas Gesicht und nahm ein Tuch hervor, das er kurz darauf auf Uruhas Nase hielt. Die Pistole hatte er dem anderen zugeworfen, da er seine Hand brauchte, um sie Uruha auf den Mund zu pressen, der inzwischen versucht hatte, hastig die Luft in sich aufzusaugen und nicht den Geruch des betäubenden Tuches. Auch der Assistent hatte bereits seine Arbeit getan. Die leere Spritze, in der einmal ein starkes Schlafmittel gewesen war, wurde weggepackt und der Blonde in seinem Krankenhausgewand wurde geschultert. Zu schnell wurde Uruha das Tuch von der Nase entfernt. Er war noch nicht weggetreten und wurde somit der unfreiwillige Zuschauer dessen, was diese dunklen Gestalten mit Reita taten. Doch der Blonde konnte seine schweren Glieder kaum bewegen.
 

Warum jetzt?! Jetzt, wo alle dachten, das Übel wäre vorbei?! Warum jetzt, wo alle neue Hoffnung schöpften und fleißig Zukunftspläne schmiedeten?! Warum jetzt...? Warum immer er?!
 

Als die verhüllten Gestalten mit ihren grotesken Clownsmasken das Zimmer verlassen wollten, stieß Uruha einen Schrei der Verzweiflung aus.
 

"Reeeeiiiitttaaaa!!!"
 

Alle Gedanken waren wie weggefegt und sein Körper fiel wie ein Stein nach vorne. All seine Sinne waren auf Eis gelegt und ein beruhigender, betäubender Nebel legte sich über sein Bewusstsein. Mit dem Oberkörper auf dem noch warmen Bett seines besten Freundes, der vor seinen Augen entführt wurde und seiner Liebe entrissen wurde. Seinem neuen Leben...
 

Warum nur er...?
 

Warum immer sie...?
 

Aufdringliche Stille.
 

Dann ein plötzlicher Aufschrei, der durch die Gänge hallte und ein Schuss, der fiel und so bizarr in diesem sterilen Krankenhaus der Hoffnungen war, dass die, die von dem Krach erwachten, dachten, es wäre nur ein schrecklicher Albtraum gewesen, in dem sie ihrem Tod noch einmal gegenüber gestanden hätten. Nur ein Albtraum, der einer ganz bestimmten Person den letzten Rest an Hoffnung nahm und ihn verzehrte. Haut, die brach. Glück, was genommen wurde. Nur das Leben blieb, was einen immer wieder daran erinnern sollte, in was für einem Albtraum man lebte. Ein Teufelskreis, aus dem man nicht fliehen konnte.
 

Verzweifelte Schreie. Licht, welches die Gänge flutete. Hastige Schritte. Ärzte, die unfreiwillig an diesem Albtraum teilhaben durften. An diesen Drama, aus Liebe, Gewalt und Verbrechen.
 

Sie kamen, um den beiden Männern zu helfen, die verstört am Boden hockten. Ihre Hände färbten sich blutrot, als sie die eine Gestalt packten, die eine Kugel getroffen hatte.
 

Ein paar mutige Ärztinnen wagten sich an die andere in sich zusammengefallende Gestalt heran und packten ihn unter den Achseln, um ihm aufzuhelfen. Als sie es schließlich geschafft hatten, dieses dürre Gerippe auf die Beine zu stellen, stieß dieser sie bitter lachend von sich und stolperte vorwärts. Er packte sich eine Glasvase, die auf einem kleinen Tisch zur Dekoration gestanden hatte und schmiss sie mit aller Kraft auf den Boden. Ungerührt und ohne in Deckung zu gehen, geschweige denn, sein Gesicht zu schützen, stand der irre Mann daneben und ließ es zu, das sich ein große Anzahl an Glassplittern in seine Haut bohrten. Und das dünne Gewand bot nicht gerade viel Schutz. Nur kurz zischte er auf, als ihn knapp neben eines seiner Augen ein Splitter traf. Dann bücke sich dieser Mann und nahm sich ein extra großes Stück, mit vielen scharfen Kanten.
 

"NEIN!! AOI!!!! TU DAS NICHT!!!!", schrie der verwundete Sakito und stolperte vorwärts, wobei er versuchte, den Scherben auszuweichen. Schnell war er bei ihm und packte den Verzweifelten an seinem zum Glück unversehrten Handgelenk, um ihm die Scherbe zu entreißen. "Aoi, bitte...! Hör mir zu!". drängte ihn der Anwalt und wich er Faust aus, die auf ihn zugeschossen kam. Dabei keuchte er schmerzerfüllt auf, da seine Schulter unglaublich schmerzte. "NEIN! Jetzt hör mir mal zu, Sakito! Ich hasse mich dafür, dir vertraut zu haben! Du hast uns alle reingelegt! Du hast zugelassen, das sie ihn mir genommen haben! Ich hätet bei ihm sein müssen! Ich will nicht ohne ihn! LASS ES MICH ZUENDE BRINGEN!!!", brüllte Aoi, schubste den Brünetten von sich, wollte gerade zum endgültigen Schnitt ansetzen, als ihn zwei Polizisten an den Arme packten und ihm die Scherbe aus der Hand fiel. Das Personal hatte Verstärkung geholt. Aber sie kamen zu spät...
 

In Aoi war etwas gebrochen, das er dank Reitas Hilfe aufgebaut hatte und nun in wenigen Sekunden wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen war. Sakito war angeschossen wurden, als er Aoi beschützen wollte und hatte sein Vetrauen verloren. Vielleicht hatte er auch Uruha verloren...?
 

In was für einer Welt leben wir, wenn wir so etwas erleben müssen...?
 


 

~+~+~+~
 

Da ich bereits mehrmals gefragt wurde, warum die Entführer Clownmasken tragen, werde ich euch die Frage hier einmal versuchen zu beantworten:
 

Der Boss weiß von Aois Angst vor Clowns und möchte ihm Schmerzen zufügen.

Selbst wenn Clowns nicht lachen, haben sie etwas hähmisches an sich, so als würden sie Aoi auslachen. Deshalb die Masken.

Verhasstes Wiedersehen - Verfolgt vom Wahnsinn

Piep... Piep... Piep... Dieses nervtötende Geräusch lag er in der sonstigen Stille des Krankenhauszimmers und verkündete lauthals den Zustand des Patienten Sakito Edokawa, der schon längst nicht mehr im kritischen Bereich lag. Es hatte lange gedauert eine Blutspende zu finden, da Sakito die seltende Blutgruppe 0 besaß und Uruha, der zu Aufsicht in dem Bett neben ihm lag und diese Blutgruppe auch hatte, konnte aufgrund seines geschwächten Zustandes und seiner Bewusstlosigkeit nicht gefragt werden. Daher musste die Spende erst aus der nächstgrößten Stadt mit einem Eiltransport geliefert werden. Nach einer Operation, die notwendig gewesen war, um die Kugel, die noch in seinem Fleisch steckte, zu entfernen und die Wunde zu nähen und ihn mit Blut zu versorgen, wurde sein Zustand immer besser. Er hatte mächtig Glück gehabt, das keine wichtige Sehne getroffen wurde, wodurch sein Arm unbrauchbar geworden wäre und Glück, das die Entführer in der Aufregung daneben getroffen hatten.
 

Aoi hatte es weniger gut erwischt.
 

Aufgrund mehrerer Selbstmordversuche, wurde der Schwarzhaarige zum zweiten Mal in wenigen Tagen in eine Zwangsjacke gesteckt. Etwas anderes war den Ärzten nicht eingefallen. Doch selbst in dieser versuchte Aoi sich Schaden zuzufügen. Leider mit Erfolg. Er hatte zahlreiche Blutergüsse und Schürfungen im Gesicht und einmal musste er am Hinterkopf genäht werden, da er immer wieder versucht hatte, sich den Schädel an einer Wand einzuhauen und sich dabei ein Loch im Kopf eingehandelt hatte. Er starb einfach nicht, das war Aois größtes Problem und das Problem der Ärzte lag darin, etwas geeignetes für diesen schwierigen Patienten zu finden, damit dieser nicht weiterhin so eingesperrt leben musste, aber auch seine Selbstmordversuche ihm nicht gelangen. Sie kannten die Geschichte von Yuu Shiroyama und wollten ihm helfen, doch leider nahm er sie nicht an. Immer wieder brüllte er den Namen "REITA!!!" doch dieser jemand kam nicht und Aoi blieb hofffnungslos allein. Tränen über Tränen flossen in wahren Bächen über seine Wangen und er verweigerte das Essen. Hilflos mussten die Ärzte mit ansehen, wie Aoi noch mehr abmagerte und demzufolge auch immer öfter zusammenbrach. Nicht einmal Takeda konnte etwas gegen den Dickschädel ausrichten. Einmal hatte er versucht, Aoi zum Essen zu zwingen, aber der Schwarzhaarige hatte ihm zur Antwort immer versucht in seine Hände zu beißen, sobald sie ihm zu nahe kamen. Drei Männer mussten anpacken, um den gebrochenen Mann zu bändigen. Selbst der Toilettengang war ein schwieriges Unterfangen. Natürlich hatten sie Verständnis dafür, das er nicht angefasst werden wollte, aber sich deshalb immer in die Hose zu machen, wäre doch auf Dauer auch keine Lösung.
 

In dem bereits nur allzu bekannten Quarantäneraum ohne Fenster und ohne Einrichtung - das Bett hatten sie wieder entfernen müssen, da Aoi versucht hatte, sich an den scharfen Kanten des Gestelles wehzutun - befand sich Besagter in die Enge getrieben zwischen drei Ärztinnen vor, die versuchten ihn zum Essen zu bringen.
 

"Bitte Herr Shiroyama, sie müssen etwas essen!", meinte eine

der drei Frauen und betrachteten den hübschen Patienten mitfühlend. Wütend blickte dieser von einer zur Nächsten. "Wenn ihr mich danach umbringt, esse ich auch was!", machte er ihnen das Angebot und legte den Kopf nach hinten, damit sie sehen konnten, wie ernst er es meinte. "Ein Stich in die Halsschlagader und alles wird gut..." "Nichts wird gut! Sie werden leben!", schrie ihn eine wütend an.

"ICH WILL ABER NICHT LEBEN!! WARUM GEHT DAS NICHT IN EUREN VERDAMMTEN SCHÄDEL!!!? DUMME... KLEINE... MENSCHEN!!!",

brüllte Aoi plötzlich wütend werdend und stellte sich auf die zittrigen Beine. Dann schubste er die Schwester mit dem Essenstablett von sich, sodass diese das Tablett fallen ließ, wurde aber im nächsten Moment von den anderen beiden Schwester an den Schultern gepackt und zurückgezogen. Schmerzhaft keuchte er auf, verlor den Halt, stolperte zurück und landete in den Armen einer der Frauen.

"FASS MICH NICHT AN!!",

brüllte er ängstlich und wieder liefen ihm Tränen über die Wangen. Jede Berührung schmerzte und brannte ihm auf der Seele. Sie sollten ihn einfach in Ruhe sterben lassen... Warum verstand ihn denn niemand...?! Es gab nichts, wofür er noch leben konnte... Denn die Wahrscheinlichkeit, das Reita noch leben könnte, nur noch an einem seidigen Faden hing und Aoi nicht mehr zu hoffen wagte...
 

+~+
 

Inzwischen bei den Entführern...
 

"Man, was machen wir denn jetzt mit dem?!" "Woher soll ich das wissen?! In dem Auftrag stand nur, das wir ihn uns nur schnappen sollen!" "Und wann kommt unser mysteriöser Auftragsgeber?" "Psssstt...! Komm mit! Der Typ könnte wach werden!", zischte der Anführer der zwei, die nun anstatt Masken große Sonnenbrillen trugen, aber immer noch in Schwarz gehüllt waren und ihre Kapuzen tief ins Gesicht gezogen hatten. Sie verließen den engen Lagerraum und verriegelten die Tür hinter sich, ließen den regungslosen Reita allein in dem leeren Raum ohne Fenster zurück. In der ewigen Dunkelheit... mit verbundenen Augen und gefesseltem Körper.
 

Reita kam nur langsam wieder zu sich. Sein Kopf schien zu platzen, irgendwo hämmerte etwas, scheinbar von innen, gegen seinen Schädel und erschwerten das Denken... Reita stöhnte auf und wollte sich ganz instinktiv aufsetzen, doch dadurch, dass er gefesselt war, sank er hilflos zurück. //Was zum..?!// Er blieb liegen und versuchte sich zu erinnern...
 

Er war doch eben noch bei Uruha gewesen... Hatte versucht ihn zu trösten... //Ich bin nicht mehr so stark wie früher...// Dann hatte sich Uruha umgedreht und wollte gehen, scheinbar hatten ihn Reitas Worte enttäuscht... und dann? Was war dann passiert? Reita konnte sich nur noch an zwei Männer erinnern, die ihn gepackt hatten und dann wurde es dunkel...
 

Dort wo er war, war es kalt.. er trug nur eine Jogginghose und ein ärmelloses Shirt... Seine Hände waren auf den Rücken gefesselt und seine Füße waren ebenfalls mit starken Seilen zusammengebunden... Er seufzte und gab es erst einmal auf, an den Fesseln zu reißen... //Verdammte Scheiße!//
 

Das musste der Boss gewesen sein, anders konnte es ja gar nicht sein... Der Boss und seine verdammten Gefolgsleute...
 

Was war mit den anderen geschehen?! Reita erschrak und versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen. "Hallo?" Er erschrak, wie dumpf und heiser seine Stimme klang... "Aoi? Uruha? Sakito...?" Aoi... was war mit ihm geschehen? Er gab es auf zu rufen, als er keine Antwort erhielt... Seine Gedanken galten nur seinem Freund... ob sie ihm etwas angetan hatten? Das würden sie bereuen! Das schwor er sich! niemand tat seinem Aoi etwas an!
 

Während der Anführer noch der Entführertruppe noch immer versuchte seinem Helfer die Hintergründe ihrer Tat zu erklären, hörten sie eine Stimme, die aus der kleinen, leergeräumten Abstellkammer drang, in dem sie den Gefangenen gefesselt eingesperrt hatten. "... und deswegen mussten wir ihn entführen. Hast du verstanden? Los, kümmer dich um ihn! Ich übernehme die erste Wache. Und... erinnere dich an meine Worte bezüglich der Handhabung des Gefangenen." "Oh... die wären...?", fragte der Kleinere vorsichtig und schrumpfte, unter dem sauren Gesichtsausdruck seines Kameraden, in sich zusammen. "Das wir ihn gut behandeln sollen! Den Rest übernehmen sie!" "Ach richtig..." Der Größere verdrehte schnaubend die Augen und wandte dem anderen den Rücken zu, der sich endlich auf den Weg zur Abstellkammer begab, noch einmal den Sitz seiner Kapuze prüfte und dann die Tür öffnete, um einzutreten. "Hör auf, hier herumzuschreien! Es wird dich eh niemand holen kommen, außer vielleicht von denen, die du nicht einmal gerne in deinen Träumen begegnen würdest.", meinte er mit verstellter Stimme und rückte die Sonnenbrille zurecht. "Hast du Hunger?"
 

Reita kniff die Augen zusammen. trotz dem Tuch vor seinen Augen schmerzte das Licht und ganz instinktiv drehte er sich um, zu der Stimme, die ihn angesprochen hatte und fauchte: "Was soll der Mist?? Warum habt ihr mich entführt?? Ich bin doch... ich hab euch doch nichts getan!" Verdammt, er wollte nicht so ängstlich klingen..., aber es war bitterkalt... "Nein verdammte scheiße! Ich hab keinen Hunger!", knurrte er. "Aber mach mich ruhig los, dann bring ich dich um, du Schweinehund!!" Aoi... was hatten sie nur mit ihm gemacht? War er auch gefangen? Begann der Alptraum jetzt wieder von vorne? "Wo ist Shiroyama Yuu?! ich will mit ihm sprechen!!"
 

Das er von dem Gefangenen so angefaucht werden würde, war ihm von Anfang an klar gewesen, aber die Heftigkeit und der Hass, der dank den Umständen fest in der Stimme verankert war, überrumpelte ihn trotzdem von Mal zu Mal immer wieder von neuem. Beschwichtigend hob er die Hände. "Wow, wow~ Mal ganz langsam Kleiner. Unsere Freundlichkeit hält sich in Grenzen, wenn du verstehst. Und wenn ich dir sagen würde, warum wir dich entführt haben, dann müsste ich dich töten, also frag nicht weiter.", riet er ihm und musste grinsen, da er die Angst ganz deutlich in seiner Stimme vernehmen konnte. Das, was ihn so sehr an dem Job erregte. Also Reita seine Frage nach Essen verneinte, zuckte er mit den Schultern und wollte sich schon umdrehen, um den Raum zu verlassen, doch wurde er durch dessen Worte an Ort und Stelle festgenagelt. "Dann tus doch... wenn du es kannst.", entgegnete er mit ruhiger Stimme dem Geknurre und ließ seine scharfe Klinge, die in seinem Gürtel steckte, aufblitzen. Als er den Namen Yuu Shiroyama nannte, drehte sich der Entführer interessiert um und trat auf Reita zu. "Wir haben ihn... NOCH nicht, aber schon bald wird er tot unter mir liegen", meinte der Kerl sehr von sich überzeugt und lachte auf. "Er soll gut im Bett sein, hab ich gehört. Stimmt das...?", fragte er mit einem dreckigen Grinsen auf dem Gesicht, kniete sich zu dem Zugeschnürten und ließ einen Finger über Reitas Hals gleiten, was ausdrücken sollte, das er hier die Macht hatte und Reita Ärger bekommen würde, wenn er ihm nicht antwortete.
 

Reita erschrak, als er berührt wurde und zuckte zurück. Dann spannte er seinen Körper an und trat mit aller Kraft zu. Er musste getroffen haben, das spürte er und er hörte auch das Keuchen des Entführers. Reita grinste böse. So schnell würde er nicht klein beigeben! So schnell würden sie ihn nicht bekommen! Niemals! "Yuu wirst du niemals bekommen, du Mistkerl! Nicht so lange ich noch lebe, lass dir das gesagt sein!!", knurrte er böse. "Du wirst es nicht schaffen, uns zu besiegen, das wird niemand schaffen!"
 

Keuchend fiel der Vermummte zurück und hielt sich die getroffene Stelle mit schmerzverzerrten Gesicht. Rasend machte ihn diese Abwehr und schnell erhob er sich, um nach dem am Boden Liegenden zu treten. "Das wirst du büßen Jungchen...!", bellte er, vergaß die warnenden Worte seines Vorgesetzten und zückte seine Waffe. "Wenn ich will, kann ich alles! Und ich kriege alles, das wirst du schon sehen!", setzte er noch wütend hinzu und wollte dem anderen gerade sein Messer ins Fleisch rammen, als er einen Schuss fielen hörte. Abrupt hielt er in seiner Bewegung inne. "Was...?!"

Laute Stimmen drangen zu ihnen durch die Tür, die plötzlich aufgerissen wurde. In ihr stand ein breitschultriger Mann im Anzug und Offiziersmütze. "Wo ist er...?!", fragte der gerade Eingetretene und ließ seinen Blick über dem Boden schweifen. "Du da! Was machst du da?!", fragte er den Entführer, der die Waffe sinken gelassen hatte und überrascht zu ihm aufsah. Schnell stand dieser auf und stellte sich mit verschränkten Armen vor Reita, den er gerade noch hatte bestrafen wollen. "Sind Sie unser Auftraggeber?! Ich habe mir sie ganz anders vorgestellt...! Sie sind so... schlank und groß? Also... das hier ist dieser Akira.", klärte er den viel größeren und stärkeren etwas durcheinander auf und wollte gerade den Blick auf den Gefangenen freigeben, als ihn ein gewaltiger Schmerz durchfuhr, er entsetzt dem Lauf einer Waffe entgegenblickte und letztendlich leblos zur Seite fiel.
 

Reita war erstarrt, soviel passierte um ihn herum und er konnte nichts sehen.. Er hatte Todesängste und nur langsam begriff er, was passiert sein musste... Sein Entführer war tot... oder zumindest sehr schwer verletzt... und ein anderer... hatte das Kommando übernommen.
 

Grausames Lachen drang aus der Kehle des Ungetüms, welcher sich zu nun zu Reita hinunterbeugte und ihn an den relativ dünnen Ärmchen packte und ihn mühelos auf die festgebundenen Füße half. "Da freut sich schon jemand ganz gewaltig auf ein Wiedersehen mit dir...", sagte er mit einem fiesen Grinsen im Gesicht und warf den Blonden über seine breite Schulter, um ihn hinaus aus der Lagerhalle zu tragen, über die Leiche des anderen Entführers zu steigen und ihn zu einem schwarzen Wagen mit getönten Fensterscheiben zu bringen. Am Auto angekommen, riss der Riese die Schiebetür auf und warf den Gefesselten etwas unsanft hinein ins Innere des Wagens.
 

Die Tür schlug zu, hasserfülltes Lachen drang an Reitas Ohr und ein Gesicht, das er glaubte, nie wieder sehen zu müssen, trat in sein Blickfeld...
 

"Hallo Kleiner...~ Hast du dich nach mir gesehnt? Ich habe dich schrecklich vermisst. Wir haben vieles nachzuholen..."
 

Keuchend schlug er auf dem Boden des Lieferwagens auf, doch bei seinem Sturz verrutschte die Augenbinde und geblendet von dem hellen Licht blinzelte er, nur um wenige Sekunden später zu erstarren... Eine Eishand schien sich um sein Herz zu legen und zuzudrücken... Dieser Mann... sein schlimmster Feind... war aus seinen Alpträumen gekommen und war wieder real... doch dieses mal noch viel schlimmer... Reita riss wie von Sinnen an den Fesseln, das Entsetzen lähmte ihm die Stimme...
 

+~+
 

Übelkeit war das Erste, was Uruha spürte, als er das Bewusstsein wiedererlangte.

Ein Geschmack den er nicht kannte, lag ihm auf der Zunge. Ein Geschmack der ihn aber an etwas erinnerte.

Er drehte den Kopf leicht zur Seite, spürte etwas weiches unter sich.

Wo war er? Und was war passiert?

Um ihn herum herrschte Stille, nicht einmal das kleinste Geräusch drang an seine Ohren.

Er öffnete langsam seine dunklen Augen, wurde jedoch von weißem Licht geblendet.

Ein Krankenhaus?

Langsam gewöhnten sich Uruhas Augen an das Licht im Zimmer, dass von den kahlen Wänden zusätzlich erhellt wurde.

Er richtete sich vorsichtig auf hielt sich jedoch den Kopf, da ihm etwas schwummerig war.

Gerade als er sich die Frage was passiert war, noch einmal stellen wollte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

Sie hatten Reita besucht und dann waren diese Kerle aufgetaucht.

Er erinnerte sich an die Waffe, die auf ihn gerichtet war und daran, wie sie ihm gedroht hatten.

Ob sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnten? Wenn nicht... wo waren dann alle?

Sein Zimmer war leer. Vorsichtig rutschte er zum Bettrand und stand schließlich neben seinem Bett. Für einen kurzen Moment spürte er einen Druck auf seinem Kopf, der ihm kurz die Sicht vernebelte.

Kurz schüttelte der Brünette den Kopf und ging langsam zur Türe um den Raum zu verlassen.

Er musste wissen was mit den anderen war. Wo Reita war. Und vor allem, wo war Sakito?
 

Langsam kehrte auch Sakitos Bewusstsein wieder zurück und erst ganz vorsichtig, dann immer mehr, versuchte er seine Glieder zu bewegen, sich zu strecken und die Augen zu öffnen. Schwer waren seine Lider. Wie lange hatte er wohl geschlafen? Und was war geschehen? Wenn er die Augen öffnen würde, dann würde er in Kouyous Antlitz blicken und gefühlvolle Worte, Geständnisse würden über seine oder vielleicht sogar über Kouyous Lippen an sein Gehör dringen und ihn betäuben. Was wollte er mehr...? //Ist das alles schon geschehen...?//, fragte er sich schläfrig und allmählich drangen die Erinnerungen auf ihn ein und benebelten seinen Geist. Schmerzvoll zog er die Augenbrauen zusammen und blickte auf die Seite, auf der sein verletzter Arm wie leblos in einer Schiene lag und in dem das Blut kochte. /An manche Erinnerungen, will man sich nicht erinnern...//, dachte er reuevoll und öffnete seine Augen. Erst ganz wenig, um dem hellen durchdringendem Licht zu entfliehen, das trotz Sichtschutz um seinem Bett herum, zu ihm vordrang. Als er schließlich seinen blassen Arm entdeckte und den dicken Verband und die Schiene darum sah, seufzte er traurig auf und ließ den Kopf zurück ins Kissen sinken. //Hm... Schuss der fiel... Aoi der wie verrückt schreit und Akira retten will... Kouyou beschützen... Kouyou!// Hell entflammte der Name vor seinem inneren Auge und ließ ihn hochfahren, wodurch ihn ein Schmerzenslaut entglitt und ihn kurzzeitig schwarz sehen ließ. Er hätte sich nicht so abrupt aufsetzen sollen! Nachdem er sich nach kurzer Zeit wieder allmählich gefasst hatte, versuchte er seine Beine aus dem Bett zu schwingen und aufzustehen, aber Kabel hielten ihn an Ort und Stelle. Mit verärgerter Miene besah er sich die Geräte, an die er angeschlossen war, die seinen Blutdruck und weiteres messen sollte und empfand plötzliche Gleichgültigkeit, durch deren Hilfe er begann, an den Kabel zu zerren, um sich loszureißen. Was brauchte er diese Geräte!? Er war wach und es ging ihm gut! Zumindest solange, wie es Kouyou gut ging! Er musste ihn sehen! War er den Entführern entkommen? Hatte er ihn retten können, als er sich vor ihn geschmissen hat?!

Doch ehe Sakito sich vollends von allen Kabeln losreißen konnte, kamen zwei Schwestern in sein Zimmer gestürmt und drückten ihn zurück in das schweißnasse Bett. "Ich will zu Kouyou!!" "Nichts da! Sie blieben schön hier!", meinten die Schwestern und kabelten ihn wieder an die Geräte. "Ihr Blutdruck ist schon wieder zu hoch! Sie sollen sich nicht so aufregen! Sie brauchen diese Flüssigkeiten! Sie lindern die Schmerzen und unterstützen die Heilung!" "Wenn sie mich wie ein Kind behandeln, darf ich mich doch wohl aufregen, oder nicht?!" "Nein!" Und da war das Kind vorläufig still und schmoll beleidigt vor sich hin. //Kouyou... wo bist du..?//
 

Etwas schwerfällig öffnete Uruha die Türe und betrat den Gang.

Seine Augen hatte er leicht zusammengekniffen, denn die Helligkeit der Räume war er im MOment nicht ganz gewohnt.

Ein dumpfes Pochen, gedämpft von den Nachwirkungen des Betäubungsmittels, machte sich in seinem Kopf breit.

Er rieb sich kurz die Schläfe und ging langsam den Gang entlang um jemanden zu finden, der ihm weiterhelfen könnte.

"Sakito...", murmelte er leise und machte ein paar Schritte voran.

Kurz hielt er inne um sich an der Wand abzustützen. Dieses flaue Gefühl in seiner Magengegend machte ihm zu schaffen und irgendwie hatte er gerade Lust eine Menge Dinge zu Essen.

Nicht weil er Hunger hatte, sondern einfach, dass dieses Loch, dass in seinem Bauch war, zu füllen.

Ein paar Schritte weiter kam eine Schwester auf ihn zu, die ihn mit sanfter Gewalt zurück ins Zimmer schieben wollte.

"Bitte, was ist passiert? Wo sind die anderen?", fragte der Brünette die Schwester, die ihn jedoch nur mit Worten versuchte zu besänftigen.
 

Dem Patienten die Wahrheit zu sagen, wurde den Ärzten strengstens verboten. Zumindest in den ersten Tagen seiner Genesung. Herr Takeshima hatte nämlich einen Schock erlitten und man rate ihm dringend, sich bei einem Sozialhelfer, sprich Psychodoc, durchchecken zu lassen, für alle Fälle. Denn das Schicksal des noch recht jungen Mannes, die Geschehnisse, die er miterleben musste, waren so auf Psyche wirkend, das die Ärzte Angst hatten, ihr Patient würde davon einen bleibenden Schaden erlitten haben. Sowohl als Ärztin, als auch als Mensch, tat er ihr Leid, aber er musste auf sie hören! "Bitte, fragen Sie nicht... Legen sie sich wieder hin!", bat sie ihn dringlich und führte ihn zurück in sein Zimmer. "Brauchen Sie etwas? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?", fragte sie schwach lächelnd und schon ihn mit leichtem Druck zum Bett zurück.
 

In Sakitos Zimmer versuchte man immer noch den Patienten an Ort und Stelle zu halten und ihn mit ausweichenden Antworten zu besänftigen. Aber ein Anwalt, ließ sich nicht so leicht täuschen. "Jetzt hören Sie schon auf, zu sagen, es wäre alles okay! Es ist NICHTS okay! Mein Kunde... Nein man könnte sagen... mein Freund ist entführt wurden! Kouyou wäre beinahe erschossen wurden... und... Wo ist Aoi??! Was haben Sie mit ihm gemacht? Wo haben Sie ihn hingebracht?! Lebt er noch?!", fragte er und aufgeregt schlug ihm sein Herz gegen die schmerzende Brust. Wieder hatte er sich aufgerichtet und wurde zurückgedrückt. Die Wangen des Anwaltes färbten sich rot vor Wut und die Jüngere der Ärztinnen wich ängstlich zurück, während die andere unbeirrt fortfuhr ihn ans Bett zu binden und das wortwörtlich gemeint! Fassungslos sah Sakito auf rechte Hand, die die Ärztin mit Verbandszeug um das Bettgestell wickelte. "WAS WIRD DAS?!! LASSEN SIE MICH GEHEN! ICH BIN IM DIENST!" "Wir auch. Wir tun wie Sie nur unsere Arbeit und wenn sie mich weiterhin so anschreien, dann lernen Sie mich kennen!", warnte sie ihn, dich Sakito ließ die Drohung kalt. "Wenn Sie mich nicht sofort gehen lassen, dann werden sie von meinem Anw... von MIR hören!", antwortete er mit ernster Stimme und verengte die Augen zu Schlitzen. Doch anstatt die Ärztin antwortete, betrat der Chefarzt das Zimmer und lief mit tiefen Falten auf der Stirn auf Sakito zu. "Ich weiß, wer Sie sind und warum Sie hier sind, aber Sie befinden sich immer noch auf meiner Station und wenn meine Kollegin sagt, Sie sollen sich hinlegen, dann hören Sie gefälligst auf sie!", sagte er mit solch Autorität, die Sakito verstummen ließ. "Dann geben Sie mir wenigstens die Informationen, die ich haben will und ich füge mich ihren Wünschen...", gab er irgendwann trotzig zurück und ballte die unverletzte Hand zur Faust. "Und binden Sie mich von dem Bett los! Ich bin kein Gefangener, sondern ein Patient." "Ach...", konnte man die ältere Ärztin schnauben hören und Sakito schenkte ihr einen bösen Blick.

Seufzend hatte der Chefarzt Sakito gemustert und dachte über dessen Bedingung nach. Würde der Anwalt danach überhaupt noch ruhig sitzen können? Er bezweifelte es.

"Also gut. Sie würden es eh bald erfahren und wenn sie dadurch noch ein paar Tage liegen bleiben, wäre ich einverstanden, ihnen zu erklären, was geschehen ist." Aufgeregt nickte der Brünette mit dem Kopf. "Bekomme ich mein Handy und meinen Laptop wieder?? Ich muss weiterarbeiten und ständig erreichbar sein. Wie sie wissen, wurde mein Klient entführt, obwohl er bald die gerichtliche Anhörung gehabt hätte.", meinte Sakito nun etwas verzweifelter und biss sich auf die Unterlippe. Warum musste denn alles nur schiefgehen?!

"Ja, ich verstehe. Die Polizei hat ihren Klienten bisher nicht finden können. Sie hat weder einen Anhaltspunkt, noch irgendein Indiz gefunden. Die Entführer sind durch die Lüftungsschächte in das Gebäude eingedrungen und haben die Feuerleiter genommen, um fliehen zu können. Kein Fingerabdruck, nichts. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, aber die Kameras in dem Raum, indem die Tat stattgefunden hatte, sind kaputt. Yuu Shiroyama befindet sich wieder in Quarantäne, aber wir müssen ihn in eine Klinik für psyschich labile Menschen versetzen, da es eine umfangreichere Technik benötigt, ihn so zu bändigen, das er sich keine Schäden mehr zufügen kann. Wenn er hier bliebt, haben wir ein großes Loch mehr in unserer Wand und er einen platten Schädel.", meinte er und verzog die Miene. "Außerdem muss er künstlich ernährt werden, weil er sonst verdursten wird. Er verweigert alles und jeden. Und Herr Takes-" "Nein, stecken sie ihn nicht darein! Das... können sie doch nicht machen! Er ist nicht psychisch labil! Er... er ist nur... also... Er hat viel durchmachen müssen! Tun sie ihn das bitte nicht an!", bat Sakito den Chefarzt und sah ihn flehend an. //Das soll Aoi nicht mehr durchmachen müssen! Ich habe ihm gesagt, das alles vorbei sei... Ich bin ein schlechter Mensch... ein Lügner... Ich muss das wieder gut machen!// "Aber so hören Sie doch! Es geht nicht anders. Es gibt keine andere Einrichtung, die solch Konstuktionen besitzen und die ihn aufnehmen würden. Von Gefängnissen hab ich mich gleich ferngehalten. Es tut mir Leid Herr Edokawa." Fassungslos und wütend auf sich selbst, schlug der Anwalt mit seiner unverletzten Hand auf die Krankenhausbettdecke. "Verdammt...!" "... Ich fahre fort. Kouyou Takeshima hat einen Schock erlitten. Wie groß dieser ist, können wir noch nicht sagen, aber wie ich hörte, wollte er, genau wie sie, in seinem Zustand durch das Krankenhaus irren.", erzählte der Arzt und schüttelte den Kopf. "Sie beide bleiben unter unserer Beaufsichtigung für ein paar Tage bei uns. Danach können Sie sich gerne wieder ihrer Arbeit zuwenden. Allerdings rate ich ihnen, Urlaub zu nehmen. Ihre Werte sind nicht besonders gut, was darauf schließt, das sie kaum schafen und wenig bis gar nichts essen und ständig nur unterwegs sind. Anwalt ist wohl kein gesunder Beruf.", schlussfolgerte er und trat zur Tür. "Und nun ruhen Sie sich aus!" "Aber...!" "Nichts aber! Nun halten Sie sich an ihr Versprechen." "Und mein Handy? Mein Laptop?" Der Arzt schnaubte. "Wird ihnen schon noch gebracht, aber nun schlafen Sie!"
 

Glücklich, wenigstens seine Sachen zurückzubekommen und über die momentanen Geschehnisse Bescheid zu wissen, ließ Sakito in seinen Protesten verstummen und sich zurücklegen.
 

"Aber~", begann Uruha und konnte dabei nicht mal versuchen sich gegen das drängen der Ärztin zu wehren.

Er stolperte langsam zum Bett, drehte sich jedoch um bevor sie es erreicht hatten.

"Warum? Ich möchte es aber wissen. Wo sind die anderen? Sind sie hier? Bitte..", fragte der Brünette erneut, hielt sich jedoch leicht an der Bettkante fest, denn das viele stehen ging doch leicht auf seinen Kreislauf.

Er resignierte und ließ sich doch auf das Bett sinken, blickte jedoch noch immer zur Ärztin vor ihm.
 

Die Ärztin seufzte und sah über ihre Schulter zur Tür. "Yuu Shiroyama und Sakito Edokawa sind noch hier. Herrn Edokawa scheint es gut zu gehen, aber Herr Shiroyama...", flüsterte sie und schüttelte den Kopf. "Jetzt ruhen sie sich bitte aus und denken sie nicht zu viel nach. Das bekommt ihrem Blutdruck nicht.", meinte sie dann etwas lauter, schenkte ihm einen mitleidigen, aber durchdringenden Blick, der sagen sollte, das er lieber tun sollte, was sie sagte und wollte das Zimmer verlassen.
 

Tränen der Erleichterung stiegen in seine Augen, als die Ärzten meinte, dass sie hier waren.

Er atmete tief durch und senkte seinen Blick. Sie waren hier.

Es würde also alles...

Mitten im Gedanken stutzte der Brünette und blickte wieder auf.

"Und was ist mit..", begann er, wusste aber nicht ob er die Frage zu ende stellen wollte.

Ja, was war mit Reita?

"Was... was ist mit Akira..?", murmelte er schließlich fragend und er stand wieder auf. "Wo ist er?"
 

An der Tür wurde die Ärztin hellhörig und drehte sich langsam zu ihrem Patienten um. "Herr Takeshima... jetzt legen sie sich doch hin und ruhen sich aus! Ich meine es doch nur gut mit ihnen. Sie werden ihre Freunde schon noch wiedersehen... mehr oder weniger...", meinte sie und wurde zum Schluss immer leiser, bis sie schließlich den Kopf schüttelte und kurz traurig aufseufzte. "Die Polizei tut ihr Bestes, um Herrn Suzuki zu finden... Hach...! Sehen sie doch, ihr Blutwerte!", fing sie plötzlich an zu schimpfen, meinte es aber eher im halbherzigen Ton, tippelte zurück zu ihrem Patienten und dirigierte ihn wieder zurück in sein Bett. Das Gerät zum Blutdruckmessen, welches sie gerade erst wieder mit Uruha verbunden hatte, piepste leise vor sich hin. Die anderen Geräte stimmten mit ein. "Wenn sie nicht schlafen wollen, helfe ich nach.", meinte sie dann doch etwas strenger und zeigte ihm eine Spritze. "Sie haben die Wahl. Und denken sie nicht, das sie, wenn ich hier raus bin, sie nicht im Auge behalten werde."
 

Die Polizei wird ihr bestes tun um Reita zu finden?

Was meinte sie jetzt damit?

Hatten sie es also doch geschafft ihn zu bekommen?

Uruha blickte sie an und schluckte leicht.

"Aber...", murmelte er leise und ließ sich diese Gedanken immer wieder durch den Kopf gehen. Das konnte doch nicht wahr sein.

Mit leichtem Protest ließ er sich zurück ins Bett drücken.

Er ließ sich darauf sinken und er sah die Ärztin noch immer an.

"Das... er ist doch hier... oder?", fragte er schließlich leise und hoffte, dass er sich vor wenigen Sekunden nur verhört hatte.
 

Schwer seufzend schlug sie die Arme über dem Kopf zusammen. "Ach verd-... Er ist nicht hier! Haben sie denn gar nichts mitbekommen??", fragte sie überrascht und setzte sich zu ihm. Es brachte doch eh nichts, den Patienten still zu bekommen und außerdem hatte er ein Recht darauf zu erfahren, was geschehen war. Außerdem hatte sie eh schon zu viel ausgeplappert. Wie sollte er sich da auch beruhigen?! "Sie haben auf Herrn Shiroyama geschossen, aber Herr Edokawa sprang dazwischen. Er hat es aber überlebt."
 

Haben Sie gar nichts mitbekommen? Was sollte der Satz. Wie hätte er denn bitte was mitbekommen sollen.

Uruha senkte den Blick und hörte der Ärztin zu.

Sakito wurde angeschossen? Bei diesen Worten blickte er wieder auf und wurde jedoch durch den Satz, dass er es überlebt hätte, etwas beruhigt.

"Kann ich ihn sehen? ... bitte?"
 

Ablehnend schüttelte sie den Kopf und stand wieder auf. "Ist ihnen ihre Gesundheit denn gar nicht wichtig? Ich kann sie unmöglich zu ihm schicken! Dann könnte ich meinen Job wegen Fahrlässigkeit verlieren!", meinte sie und stemmte ihre Hände in die Seiten. Plötzlich vibrierte ihr Piper in ihrer rechten Seitentasche und überrascht schnappte sie nach Luft und zog ihn hervor. Sie hatte diese Technik noch nie sonderlich gemocht. Nachdenklich hob sie den Blick und sah in die flehenden Augen ihres vom Schicksal hereingelegten Patienten, der fest dazu entschlossen schien, all ihre Warnungen über Bord zu werfen, egal was sie täte, nur solange er Gewissheit über den Zustand seiner Freunde hätte. "Hören sie... ich muss ins Büro. Ich werde sie in etwa 10-20 Minuten in Zimmer von Herrn Edokawa abholen. Gehen sie erst, wenn ich draußen bin und wehe sie erzählen jemanden davon! Er liegt im Zimmer 513. Im Gang links von dem ihren.", sagte sie ihm mit leiser, aber verständlicher Stimme, musterte sein Mienenspiel, bevor sie sich zur Tür drehte und hinaus lief.
 

"Aber... bitte~", sagte Uruha nochmal und erneut hatte er sich mehr aufgerichtet. Es ging ihm doch eigentlich gut. Denn immerhin war er nicht verletzt worden.

"Ich will doch nu-", begann er, wurde jedoch durch das Zusammenzucken der Ärztin unterbrochen. Reflexartig wollte er erst fragen, ob alles okay sei, doch als er sah was die Ursache war, schwieg er lieber.

Leise seufzend wandte er den Blick zu Boden.

Wie sollte er denn jetzt zu den andern kommen, wenn er die Erlaubnis der Ärzte nicht hatte?

Gerade als er sich wieder zurücklegen wollte um darüber nachzudenken, wie er ungesehen aus diesem Zimmer kam hörte er was sie zu sagen hatte und blickte sofort wieder auf.

Zimmer 513 also.

Dankbar blickte der Brünette die Ärztin an und nickte leicht.

"Danke..."

Er sah und hörte die Türe zufallen und jetzt war er wieder alleine.

Jetzt musste er nur noch das Zimmer finden.

Er mochte keine Krankenhäuser, die hatten so viele Gänge in denen er sich nicht auskannte.

Vorsichtig verließ er das Zimmer, blickte sich kurz im Gang um und ging dann in die Richtung in die er 'geschickt' wurde.

Als er den Gang erreicht hatte, hielt er inne und lehnte sich kurz an die Wand.

Er wusste gar nicht wie anstrengend laufen sein konnte.

Tief durchatmend, ging er dann jedoch weiter und fand schließlich auch die Türe mit der Aufschrift.

Leicht zittrig legte er die Hand auf die Klinke zögerte dann jedoch und klopfte lieber vorher leise an.
 

Sakito hatte indessen seinen Laptop und sein Handy, mit dem sein Ohr seit gefühlten Stunden zusammenklebte, zurückerhalten. Er musste doch dem Richter, der für den Aufrollprozess in Aois und Reitas Fall zuständig war, über die Umstände informieren und diskutierte nun schon die ganze Zeit mit diesem scheinbar genervten Richter, um eine Verzögerung der Verhandlung zu erhalten. Das Problem lag nur noch darin, Reita wieder zu finden und Aoi wieder zu Verstand zu bringen. Gegen sein Gewissen, hatte er den Oberarzt gebeten, den Schwarzhaarigen zum Psychodoktor zu schicken. Es musste doch irgendetwas zu machen sein! Er wollte ihn auf gar keinen Fall aufgeben!
 

Dann klopfte es plötzlich, zögerlich zwar, aber dennoch zu hören. Warum kam die Ärztin nicht einfach herein? Oder war es gar kein Arzt?? Aber wer sollte es denn sonst sein? Verwirrt legte er die Hand auf die Sprechmuschel. "Herein!", rief er, ehe er dem Richter die Dringlichkeit seines Anrufes und die gebetene Verzögerung noch einmal darlegte, bis dieser schließlich zusagte und sich grummelnd verabschiedete. "Da hat jemand den falschen Beruf gewählt...", meinte Sakito seufzend und sah nun neugierig zur Tür.
 

Uruha hatte die Hand mit der er geklopft hatte noch erhoben und hielt sich mit der anderen weiter am Türgriff fest.

Er wartet ab.

Er hörte wie Sakito redete, nur mit wem wusste er nicht, denn eine andere Stimme konnte er nicht vernehmen.

Als der andere ihn jedoch aufforderte einzutreten schob er die Türe langsam auf, ließ den Blick kurz durch den Raum schweifen und blieb schließlich bei Sakito hängen.
 

Als Sakito Uruha erkannte, richtete er sich abrupt auf und begann zu strahlen. "Uruha! Komm doch herein und setz dich! Wie konntest du deinen Ärzten entkommen? Ich wollte auch zu dir, aber ich wurde aufgehalten...", meinte er missbilligend und winkte den Blonden mit einer Hand zu sich heran. "Wie geht es dir??", fragte er besorgt, merkte er doch, wie erschöpft Uruha schien. "Schön, das du unverletzt bist! Ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen und schreckliche Bilder haben mich gequält.", meinte er ein wenig verlegen und freute sich wie ein kleines Kind über die Anwesenheit des Blonden, der überlebt hatte.
 

"Hai...", murmelte er kurz und nickte, ehe er den Raum betrat und die Türe hinter sich schloss.

Langsam ging er zu Sakitos Bett und ließ sich daneben auf einen Stuhl sinken.

"Mir gehts gut.", antwortete auf die Frage des Brünetten hin, der wirklich besorgt schien.

"Wie gehts deiner Schulter?"

Während er das fragte, fummelte er leicht an seiner eigenen Krankenhausklamotte, um sich irgendwie davon abzulenken, nicht all zu viel über das was die Ärztin ihm gesagt hatte nachdenken zu müssen.
 

Erleichtert sackte er ein wenig in sich zusammen und atmete hörbar aus. "Zum Glück... Aber du siehst trotzdem ziemlich fertig aus. Wer hätte denn auch ahnen können, dass so etwas noch passieren könnte.? Ich dachte, wir hätten es geschafft, hab euch nur Positives versprochen und am Ende... stehe ich jetzt als der Idiot dar. Es tut mir Leid.", meinte der Anwalt und senkte betreten den Blick. "Ich hätte euch einen besseren Schutz bieten müssen, als nur die Polizei in kleinen Mengen." //Nur, das mein Budget noch mehr Überziehungen nicht aushalten würde.// Er horchte auf. "Was? Schulter? Ach so... Ich kann meinen Arm kaum bewegen und die Schulter schmerzt ein wenig. Aber das liegt wahrscheinlich nur am Heilungsprozess. Es wird schon wieder. Zum Glück ist es NUR mein linker Arm."
 

Ja, das stimmte, wer hätte das ahnen können. "Es braucht dir nicht Leid tun, du... du kannst ja nichts dafür.", sagte er und schüttelte kurz den Kopf.

Er ließ Sakito weiter reden, schwieg jedoch noch eine ganze Weile.

Die Gedanken daran, wo Reita gerade sein könnte, ließen ihn nicht los.

Und noch weniger los, ließen ihn die Gedanken, dass er es nicht verhindert hatte. Immerhin war er es, der mit Reita auf diesem Zimmer war. Und er war es, der nur dastehen konnte. Genauso wie er es war, der es überhaupt dazu gekommen hat lassen.
 

"Danke.", meinte er und lächelte ehrlich, fühlte sich doch gleich ein wenig besser. Doch noch immer beschlich ihn ein ungutes Gefühl, das es mit der Schuldzuweisung noch längst nicht abgetan war. Was dachte Reita, wo auch immer er war...? Was... dachte Aoi? Dachte er überhaupt darüber nach? All dies fragte er sich, wandte sich allerdings wieder an Uruha, als dieser stumm blieb. "Woran denkst du...? An... Reita... nicht wahr?", fragte er leise und verzog mitleidig die Brauen. "Er hat das alles nicht verdient. Niemand hat das. "Uruha - darf ich dich so nennen? - Du hast die Entführer doch sicherlich besser sehen können als ich, oder? Kannst du dir vielleicht vorstellen, wo sie ihn hingebracht haben könnten? Vielleicht am Geruch? Rochen sie salzig? Dann verstecken sie sich am Meer. Oder nach Abgase bzw. Rauch? Dann sind sie vielleicht im Industriegebiet Tokyos.", schlussfolgerte er und verzog nachdenklich die Stirn, bis ihm plötzlich etwas in den Sinn kam, was ihn traf, wie ein Hieb in den Magen. "Was ist, wenn sie ihn außerhalb verstecken?! Dann können wir ja ewig suchen!", rief er entsetzt aus und schlug mit der heilen Hand auf die Bettdecke. Verzweiflung machte sich in ihm breit.
 

Uruha vernahm zwar Sakitos Stimme, aber wirklich zuhören konnte er nicht.

Er sah noch immer zu seinen Händen, mit denen er am Saum des Krankenhaushemdes zupfte.

Schließlich stand er auf und ging langsam zum Fenster des Raumes.

Noch immer schwieg er. Ein paar Wolken beobachtend kreisten seine Gedanken immer wieder um sich selbst. Und die dadurch entstehenden Kopfschmerzen, nahm er nur am Rande wahr.

"...ich hab ihn im Stich gelassen...", begann er schließlich nach einiger Zeit der Stille, "...ich hätte es verhindern können, aber..."

Für einen kurzen Moment hielt er inne. Er hatte das alles doch nicht gewollt.

"...ich bin einfach stehen geblieben..."
 

Noch verwirrter als vorher war er, als Uruha plötzlich aufstand, seine Frage völlig ignorierte, als wäre sie unpassend und er zum Fenster ging. Er wird doch nicht...!?

Nein, tat er nicht. Der Blonde sah aus dem Fenster und sprach aus, was ihn so sehr beschäftigte. Sich auf der Lippe herumknabbernd, betrachtete er kritisch die Kabel, die schmerzstillende und heilungsfördernde Flüssigkeiten in seinen Körper sendeten und ihn laut Aussage der Ärztin zu dieser guten Verfassung verhalfen und ärgerte sich erneut über seine Schwäche. Sollte er es wagen...? Es ging schließlich um Uruha! Er wollte ihn doch so gerne beistehen! Zögerlich streckte er seine Hände nach den Kabeln aus, um sie wenn nötig von seinem Körper zu trennen. "Kouyou...! Red dir doch sowas Unsinniges nicht ein...! Was hättest du denn bitte tun sollen?! Wolltest du für nichts und wieder nichts sterben wollen?! Du hättet gar nichts gegen diese bewaffneten Typen tun können! Red dir nicht ein, du seist ein Superheld, der alles verhindern kann! Du bist auch nur ein Mensch! Reita wird das verstehen. Er wird dir nicht die Schuld geben!", redete er eindringlich auf den anderen ein und taxierte ihn mit seinen Blicken.

Seine Hand ruhte währenddessen immer noch über den Kabeln. Sie zitterte leicht.
 

Nein, ein Superheld war er nicht. Aber er war Reitas Freund.

Und als dieser hatte er wohl kläglich versagt.

Er starrte weiterhin aus dem Fenster, beobachtete vorbeifahrende Autos etwas abwesend.

"...einfach stehen geblieben...", murmelte er erneut und eine Träne löste sich aus seinem Augenwinkel.

Er wischte sie nicht weg, denn es sollte die einzige bleiben, die er heute vergoss.

Vorsichtig legte er eine Hand auf die Fensterscheibe.
 

Auf dem Fensterglas spiegelte sich das betrübte Gesicht Uruhas wider und natürlich blieb ihm die Träne nicht verborgen, die sich über dessen blasse Wange schlich.

Okay, das war genug!

Vorsichtig riss der Anwalt... - Nein, er war schon längst nicht mehr nur Anwalt! - Vorsichtig riss sich Sakito, der Beteiligte dieser Misere und selbst ernannter Beschützer seiner Schützlinge, von den Kabeln los, wobei er einen leisen Schmerzenslaut ausstieß und anschließend aufstand. Mit puddingähnlichen Knien schritt er auf Uruha zu und als er hinter diesem stand, zog er ihn in seinen unverletzten Arm und lehnte seine Stirn an Uruhas Hinterkopf, wobei er die Augen schloss. "Uruha... lass bitte gut sein. Du kannst NICHTS dafür!", murmelte er ein wenig geschwächt und ob er wollte oder nicht, er genoss die Nähe und die Wärme, die Uruha ausstrahlte.
 

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ließ Sakito zusammenzucken. Mist...! Hatten die Ärzte doch gemerkt, das er gegen ihre Erwartungen und Forderungen verstoßen hatte. Und Uruha...?! //Scheiße!//

Doch nicht der Chefarzt kam herein, oder dutzige von Krankenschwestern, sondern eine eingeschüchterte etwas molligere Frau stand im Türrrahmen, schaute etwas verwirrt, als sie den unerwarteten Gast in Sakitos Zimmer entdeckte, redete aber ohne Beirren los: "Ihr Freund ist gerade dabei, die Krankenhauseinrichtungen zu zerstören! Tun sie etwas!!", bat sie verzweifelt und schien mit den Tränen zu kämpfen. Anscheinend hatte sie Angst, gefeuert zu werden, nur weil sie Yuu nicht bändigen konnte... Moment mal?!

"Scheiße...! YUU!", rief Sakito entsetzt aus, löste sich widerwillig von Uruha, um sich der Ärztin zuzuwenden. "Na los, holen sie Verstärkung!", forderte er sie auf, sah zu, wie die Frau losrannte und drehte sich wieder zu dem Blonden am Fenster hin. "Uruha?" Keine Antwort. "Kouyou?!" Immer noch nichts. Schnaufend lief der langsam Schwächelnde zu dem geistig Abwesenden, verrenkte sich ein wenig, damit er, trotz kaputten Arm, Uruha so über seine gesunde Schulter legen konnte, das er seine Verletzte nicht annährend berühren konnte und rannte los, einfach dem Krach folgend.
 

Irgendwann bog er dann um eine Ecke und entdeckte den wütenden Aoi, der sich gerade von mehreren Ärzten losriss, einen Stuhl aus seiner Halterung von anderen Stühlen trennte, um diesen in die Höhe zu stemmen und so den Ärzten drohte, sofern sie ihm auch nur zu Nahe kamen, diesen nach ihnen zu schmeißen. "WO IST ER???!!", brüllte er und man konnte den Wahnsinn in Aois Augen erkennen.
 

Leise vor sich hinfluchend, setzte er Uruha auf einem Stuhl, weit entfernt von dem Geschehen nieder und stolperte auf Aoi zu. "Uruha, bleib wo du bist!", rief er noch nach hinten und sah wie Aoi ihn ins Auge fasste und den Stuhl weiter anhob.

"Yuu bitte, sei doch vernünftig!", bat Sakito den Schwarzhaarigen und konnte gerade noch so zur Seite hechten, als der Angesprochene den Stuhl nach ihm warf und der sich nun, da er den Brünetten verfehlt hatte, im Boden versenkte. Sakito schrie vor Schmerz auf, als er mit der Wand kollidierte und krampfte seine Finger nun in den Stoff über seiner Wunde, die wieder stark zu bluten begonnen hatte.
 

"DUUUUU!!", brüllte der Schwarzhaarige und lief auf den Verletzten zu.
 

"Aoi, bitte...!"
 

Der feuerspeiende Verrückte näherte sich und ließ Sakito erkennen, das seine Befürchtungen, die er die ganze Zeit gehabt hatte, nun Wirklichkeit wurden...

Ohne jede Vernunft...

In diesem Kapitel wird Hizumi von Soulfucker übernommen.

In einer bestimmten Szene beschreibe ich einen ,ärztlichen' Eingriff und möchte an dieser Stelle nur mal erwähnen, dass ich keine Ärztin bin.
 


 

~+~
 

"DUUUUU!!", brüllte der Schwarzhaarige und lief auf den Verletzten zu.
 

"Aoi, bitte...!"
 

Der feuerspeiende Verrückte näherte sich und ließ Sakito erkennen, das seine Befürchtungen, die er die ganze Zeit gehabt hatte, nun Wirklichkeit wurden...
 

"Aoi bitte... Tu das nicht! Es tut mir Leid! Wirklich... Sein Verschwinden trifft doch nicht nur dich...! Bitte, glaub mir doch! Wir sind alle davon betroffen! Kouyou... du... und ich! Reita ist es, der am meisten leiden muss! Bitte... er würde nicht wollen, das du so wirst, wie seine Entführer! Alles Mörder...", versuchte Sakito den Schwarzhaarigen davon abzuhalten, die völlige Kontrolle über sich zu verlieren und hob die Arme zur Deckung über seinen Kopf, rechnete mit dem Schlimmsten und verabschieden sich gedanklich bei Kouyou. Verzweiflungstränen rannen ihm über die Wangen. Sein Atem ging unregelmäßig und allmälich stellten sich die Schmerzen wieder ein. Anscheinend verlor das Schmerzmittel an Wirkung. Sakito keuchte schmerzhaft auf, presste die Augen zusammen und zitterte am ganzen Körper, während die Tapete der Wand sich mit rot färbte. "Aoi..."
 

Statt einem Hieb, weiteren Schimpfwörtern oder irgendwelchen Gegenständen, mit denen Aoi hätte auf ihn einschlagen können, hörte der Brünette den Aufschlag eines Körpers, aus dem verzweifelte Laute und Schluchzer drangen. Vorsichtig öffnete er die Augen und sah einen völlig aufgelösten Aoi, der vor ihm auf dem Boden zusammengebrochen war. "Nein... ich bin nicht wie... wie die und ich will nicht zum Mörder werden, aber... aber ich kann dir nicht mehr vertrauen...", meinte der Schwarzhaarige mit zittriger Stimme und breitete die Arme aus. "Ein letzter Wunsch nur... Hilf mir endlich diesem grausamen Leben zu entfliehen.", bat er mit ernster Miene und klarer gewordener Stimme und schloss die Augen. Er war bereit für das Ende.

Doch Sakito rührte sich nicht! Dieser konnte vor Schmerzen kaum die Augen offen halten und sein Blickfeld trübte sich zunehmens. "Nein... du musst leben! Reita lebt noch! Bitte... Aoi... glaub an ihn...", murmelte der Brünette noch schwach, bevor er das Bewusstsein verlor.
 

Nach Sakitos Worten, schlug Aoi die Augen wieder auf und musterte Sakito mit leerer Miene, um schließlich aufzustehen. "Du hattest versprochen, das alles vorbei sein wird... Lügner...", hauchte er mit bitterer Stimme, bevor er sich von ihm abwandte und Uruha schließlich erblickte.
 

Uruha schien verwirrt. //Wo bin ich hier? War ich nicht gerade noch bei Sakito gewesen?//, fragte er sich, da alles um ihn herum viel zu schnell geschehen war.

Uruha sah sich um und blickte fast sofort in die Richtung aus der die Geräuschkulisse gekommen war. Er stand auf, blieb jedoch noch auf der Stelle stehen.

"Was..."

Was war da los?

Uruha machte ein paar Schritte auf das Geschehen zu.

Er sah die Schmerzen in Sakitos Augen, wie er da an der Wand lehnte, er sah den verzweifelten Aoi wie er zusammengekauert auf dem Boden saß, und er fühlte sich hilflos, hilflos weil er nicht wusste was er machen sollte.

Weil er einfach nur dastand und sich nicht zu helfen wusste.

Als Sakito zusammensackte blieb sein Herz für einen Moment stehen und er wollte zu ihm laufen, als Aoi sich jedoch wieder rührte und auf ihn zukam.
 

Dann stand der Schwarzhaarige ihm gegenüber.

"Auch dich hat er belogen Uruha... Wirst du ihm dennoch folgen...?", fragte er mit monotoner Stimme und ließ die Arme kraftlos baumeln. Sein Ausbruch hatte sehr an seiner Energie gezerrt. "Was machst du jetzt... wo er weg ist...? Wirst du ihn suchen gehen...? Hast... Hast du noch Hoffnung?"
 

"Aoi ich-", begann er, doch hörte er zeitgleich den Dunkelhaarigen reden.

Ob er noch Hoffnung hatte? Uruha stutzte und sah in die fast leblosen Augen des Schwarzhaarigen und Schuld überkam ihm.

"Ich... du darfst ihm nichts vorwerfen.", sagte er schließlich und blickte den Geschwächten an. "Gomen..."
 

Leicht verzog sich Aois Stirn in Falten. "Wie du meinst...", murmelte er und wandte den Blick ab.

Laute Schritte drangen nun von überall her und kaum hatte der Schwarzhaarige aufgesehen, war er auch schon von mehreren Ärzten und Polizisten umzingelt, als wäre er ein wildes Tier, nur mit dem Unterschied, das Aoi nun nicht mehr in der Lage war die Kontrolle zu verlieren, da sein geschwächter Körper dies einfach nicht mehr zulassen konnte. Doch er verlor kein Wort dabei, ließ mit sich machen, was diese Kreaturen mit ihn anstellten, gab nur ab und zu ein Knurren von sich, wenn man zu sehr an seinen Gliedmaßen zerrte oder die unangenehmen Berührungen auf seiner Haut ihm schier die Haut wegäzten, so glaubte er. Irgendwie hatten Sakitos Worte ihn nachdenklich werden lassen, was nicht hieß, das er ihm so leicht so schnell wieder vertrauen würde. Nicht heute, nicht jetzt...
 

Doch die Menge an Ärzten war nicht bloß wegen dem wilden Schwarzhaarigen gekommen, sondern auch, um allen möglichen Verletzten Hilfe zu gewährleisten, was unter anderem Sakito bitter nötig hatte!

Also schnell auf die mitgebrachte Trage und ab auf die Intensivstation, wo sich in den nächsten Minuten und Stunden hoffentlich alles zum Guten wenden würde...
 

Doch bei Aoi gab es mal wieder ganz andere Probleme, die überwältigt werden mussten.

"Wo sollen wir ihn hinbringen?"

"Frag mich nicht... Wir müssen den Oberarzt fragen! Wieder in Quarantäne?"

"Aber das hat doch nichts gebracht!"

"Stimmt... Ach Herr Shiroyama... Lassen sie sich doch helfen. Wir-"

"Ich. Brauche. Keinen. Psychodoktor!", knurrte der Gemeinte ärgerlich und grinste triumphierend in sich hinein, als die Ärztinnen ängstlich zusammenzuckten.

"A-ab-"

"Nichts aber! Lassen sie mich einfach gehen und sie werden mich nie wieder sehen!"

"Damit sie sich... Nein!", blockte die Ältere entrüstet ab und sie brachten den Schwarzhaarigen zu dem Büro ihres Oberarztes, bevor sie an der Tür klopften.

Kurz nachdem sie geklopft hatten, sprang die Tür auf und ein großer Mann mit Doktorbrille stand im Rahmen. "Ich bin gerade auf dem Sprung. Yuu Shiroyama hat... Oh...! Sie haben ihn schon?! Gut."

"Ja, Herr Doktor. Und wo soll der Patient hin?"

"Vorerst wieder in die Quarantänestation.", meinte er und verzog die Miene, bevor er sich direkt an Aoi wandte und diesem einen Finger in die Brust bohrte, den der Schwarzthaarige am liebsten abgebissen hätte, so bedrängt fühlte er sich gleich durch diese kleine Geste. "Lange werden wir sie hier nicht behalten können. Wir werden etwas anderes finden müssen. Wenn ich nichts auftreiben kann, kommen sie zur Beaufsichtigung in ein weiter entferntes Gefängnis. Also fügen sie sich und reißen sich lieber zusammen!"
 

Bei dem Wort >Gefängnis< weiteten sich Aois Augen und Angst und Fassungslosigkeit bemächtigte sich seiner. "N-nein...! Kein Gefängnis!", protestierte er schwach und starrte mit leeren Augen zu dem Mann in Weiß auf.
 

"Ich möchte das ja auch nicht, Herr Shiroyama. Aber Fakt ist, das sie es uns nicht gerade leicht machen und unser Repertoire an Konstruktionen für solche Dienste sind rar."
 

"DANN BRINGEN SIE ES DOCH ENDLICH ZU ENDE!!", brüllte Aoi wutentbrannt mit neu entfesselter Wut und Energie, machte sich von den beiden Frauen los und ballte die Hände zu Fäusten. Noch ehe er weiter reagieren konnte, spürte er einen deutlichen Schmerz auf seiner rechten Gesichtshälfte. Der Oberarzt hatte ihn doch tatsächlich geschlagen!! "Reden sie nicht so einen Stuss! Los, aus meinen Augen!", sagte er eben so gereizt und wies den Frauen an, Aoi in seine ,Zelle' zu bringen. "Ich töte hier niemanden."
 

~+~
 

Schaurig lachte der dickleibige Mann auf, als er die heftige Gegenwehr seines Gefangenen bemerkte, rutschte von seinem Sitz und kniete sich ächzend neben dem am Boden Liegenden, um dessen Kinn anzuheben und ihn dazu zu zwingen, ihm in die Augen zu sehen. Ein paar Wunden von alten Bekannten, die der Boss im Gefängnis wieder getroffen hatte, zierten sein Gesicht und ließen ihn noch grausiger aussehen, als er es eh schon getan hatte. Verzogen sich seine Mundwinkel, so sah sein Gesicht, wie eine groteske Maske aus, die von jeglichen negativen Gedanken beseelt war. Sein vom Handschuh überzogener Finger glitt, nur um den Blonden zu quälen, seinen Hals entlang, um ihn dann unter Reitas Kinn zu platzieren und ihm den Kopf ruckartig nach oben zu reißen. "Das du immer noch lebst, hast du wohl diesem vermaledeiten Anwalt zu verdanken, aber nun bist du ganz weit weg von ihm und niemand wird dir mehr helfen können. Du bist ganz allein... dein Anwalt wurde erschossen... Yuu wird sterben... du wirst für deine Taten bestraft werden und du weißt... was ich damit meine... hm? Unter mir wirst du Bohnenstange wie ein Insekt zerbrechen und kläglich sterben. In meinen Händen wirst du dein Ende finden... Kein ehrenhafter Tod... Deine brennende Asche im eiskalten Wind über zerstörten Land...", erzählte der Boss mit schauriger Stimme und berührte den Gefangen an der Wange mit der Zungenspitze. Oh wie er das Quälen vermisst hatte...
 

Das Herz des Blonden blieb beinahe stehen, als er in die schaurige Maske des Gefängniswärters blickte. Angeekelt wich er zurück... , schluckte schwer... Dann, als sein Kopf so ruckartig hochgerissen wurde, schrie er vor Schmerz auf, er dachte, sein Genick müsse brechen... "Du Schwein... lebst also immer noch...", keuchte er. "Hat das noch niemand korrigiert?! Aber so fett wie du bist, wirst du eh bald krepieren, wie ein dickes, fettes Schwein, grunzend, und wirst dich wahrscheinlich auf dem Boden wälzen, weil du nicht mehr hochkommst! Und du nennst das, was mir bevorsteht, einen schlimmen Tod?!" Trotz aller Angst, die Reita hatte, lachte er ihm höhnisch ins Gesicht, dass nur wenige Zentimeter von seinem entfernt war. Er wollte ihm damit beweisen, dass er keine Angst hatte, dass er immer noch stärker war als der Boss, trotz seiner aussichtslosen Lage...
 

„Du hast dich wirklich nicht verändert... Schade... wirklich Schade...", murmelte das ,fette Schwein' und zog ihm mit seinem Stock, an dessen Ende ein silberner Knauf war, eins über, sodass Reita Sterne sah und Schwärze ihn bemächtigte. Zur Vorsicht, legte der Boss dem Blonden noch ein Tuch über die Augen, falls er frühzeitig wieder aufwachen sollte und zog sich vorerst zurück. Er wollte das Auto ja nicht beschmutzen und Blut ging so schwer raus...~
 

Reita gab nur einen dumpfen, erstickten Laut von sich. Dann sackte er in den Armen seines Erzfeindes zusammen und rührte sich nicht mehr. Blut floss aus einer Platzwunde auf seiner Stirn.
 

Emotionslos blickte der Boss auf den Gefangenen hinunter, nachdem er sich auf seinen bequemen Sitz gesetzt hatte, und informierte den Riesen am Steuer mit einem Schnippen, das er losfahren solle. "Endlich kann ich mit meiner Rache beginnen...", murmelte er dunkel und lachte auf. Denn wenn er ehrlich war, hatte er sich schon von Klein auf jemanden gewünscht, den er bis zum Tod quälen konnte. Man hatte nur immer wieder Möglichkeiten gefunden, ihn aufzuhalten, indem man ihn für verrückt erklärte und wegsperrte. Unzugänglich für das Leben, das sich an der Oberfläche abspielte. Jetzt bekam er endlich seine wohlverdiente Rache! Seine Rache für alle die dunklen Jahre seines Lebens, auch Kindheit genannt...
 

~+~
 

Während der Oberarzt sich darum kümmerte, einen sicheren Ort für seinen stark psychisch belasteten Patienten Yuu Shiroyama zu finden, in der er nicht nur sicher vor anderen war, sondern auch vor sich selbst, hatten die Ärzte der Notaufnahme Sakito Edogawas wieder aufgerissene, stark blutende Wunde erneut genäht und ihn wieder auf sein Zimmer gebracht. Herrn Takeshima hatte man, so verloren wie er im Gang gestanden hatte und nicht wusste wohin mit sich, wieder auf sein Zimmer gebracht und versichert, das seinen Freunden geholfen werden würde. Das war das Einzige, was sie im Moment tun konnten. Beten und hoffen...
 

Hoffen... das man Akira Suzuki wohlbehalten wiederfinden würde...
 

... dessen Entführer dafür bestrafen würde...
 

Yuu Shiroyama wieder zu Verstand kommen würde und solange am Leben blieb...
 

... und das Leben wieder seinen gewohnten Gang nehmen würde.
 

Würden sie je ihre wohlverdiente Ruhe finden können?
 

... je wieder in Ruhe schlafen können...?
 

Glücklich miteinander...?
 

... in Frieden?
 

~+~
 

Reita stöhnte leise. Der Schlag hatte dem Blonden das Bewusstsein geraubt, doch nicht für sehr lange. Er konnte einiges einstecken und so kam er schon bald wieder zu sich und blinzelte das Blut weg, dass in seine Augen floss. Er spürte die Bewegung des Autos... Wohin brachte man ihn? Was war mit Aoi?? Er sehnte sich nach ihm, war er doch der einzige, der den Schwarzhaarigen beruhigen konnte... und nun war er so weit weg von ihm...
 

Als der Boss die leichte Bewegung des schwachen Körpers auf dem Boden des Autoinnenraumes bemerkte, lachte er so sehr auf, dass das Essen, welches er gerade genüsslich gekaut hatte, zu Boden fiel und dicht neben dem Gesicht des Blonden zum Liegen kam, als wollte es sagen: Du bist nichts! Du bist weniger als Nichts! Du hast wie ich es nicht verdient zu leben!

Natürlich machte es keinen Sinn, wenn man Essen sein Gehör schenkt, aber übermittelte es genau die Botschaft, die auch dem Boss auf der Zunge lag.
 

Wertlos... eine Puppe in seinen Händen...
 

"Was ist... Kleiner!? Hunger? Sehnsucht?!", fragte der Boss und lachte abermals laut auf. "Jetzt im Moment ist jemand auf dem Weg zu ihm. Nicht mehr lange und sein lebloser Körper wird neben dir liegen oder nein...! Noch besser. Du wirst ihn sterben sehen.", machte er Reita zum Angebot, wartete erst gar nicht auf seine Antwort und zückte sein Handy, um die Nummer des Auftragskillers einzugeben, den er beauftragt hatte, seinen ehemaligen Spielpartner bzw. Sklaven seiner dreckigen Gelüste Yuu Shiroyama umzulegen.

"Bring ihn lebend zu mir...!", zischte er in sein für seine großen Hände viel zu kleines Handy, wartete auf das "Okay" dieser Spielfigur seines perfiden Spiels und legte wieder auf. //Was für eine geniale Idee.//, lobte er sich selbst.

"Warts ab, bis wir da sind...", sagte er dann wieder an Reita gerichtet und rieb sich die fettigen Hände. "Hab 'ne Überraschung für dich..."
 

Schauriges Gelächter, das selbst aus der Fahrerkabine dröhnte.

Was Reita wohl da wieder erwartete?
 

Dieser drehte sich gerade angewidert weg, erstarrte jedoch, als der Boss Aois Namen erwähnte... Dann bäumte er sich trotz der Fesseln auf und versuchte den Boss irgendwie zu treffen oder anzugreifen. Aoi!! Ihm durfte nichts geschehen! Auf keinen Fall! Aoi war sein... der Grund, warum er lebte... und viel zu früh war er von ihm fortgebracht worden. Er hatte nicht gegen den Tod gekämpft und ihn besiegt, nur um jetzt machtlos zusehen zu müssen, wie sein Geliebter starb... Das durfte nicht geschehen! Er würde Aoi beschützen! So wie er es ihm versprochen und geschworen hatte!
 

Schmunzelnd griff der Boss nach seinem Stock und schlug ihn dem Wehrlosen auf den Rücken, auf das dieser wieder zu Boden ging. "Lass deinen Schmerz raus, Kleiner. Schrei, weine oder freu dich mit mir... Liebe ist so unnötig. Sie quält dich nur. Sie dich nur an, was er aus dir gemacht hat. Vergiss ihn, dann ist der Schmerz nicht so groß...", riet er ihm grinsend, mit dem Plan, ihn in innerliche Konflikte zu bringen. "Außerdem ist er schon viel zu verbraucht, um noch wirklich Spaß mit ihm haben zu können. Der würde doch für jeden die Beine breit machen.", meinte er mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Hin und Her gerissen zwischen den Gefühlen, ließ es sich gleich noch viel mehr leiden, wenn man dem Geliebten beim sterben zusehen durfte. Der Blonde würde außerdem noch viel geschockter sein, wenn er erst seine Überraschung sehen würde.

"Und jetzt sei endlich still, oder du wirst noch mehr geknebelt! Noch ist es schmerzfrei, wie du da liegst und leidest...~ Wir sind gleich da..."
 

Reita würde Aoi NIE vergessen und so sah er den Boss auch böse an. Er würde sich nicht unterkriegen lassen... Reitas Sehnsucht war sehr groß, aber er hatte früh gelernt, keine Gefühle zu zeigen... Er war stärker als der verdammte Boss... Viel stärker! Er würde alle beschützen... Aoi... Uruha... ja... vielleicht sogar Sakito...
 

Leicht angepisst grummelte der Boss vor sich hin. Warum sagte der Blonde nichts?! So machte das doch keinen Spaß! "Das war's? Mehr nicht?! Willst du ihn nicht verteidigen?!", brüllte er ihn an und ließ das Fett unter seinem Kinn wabbeln, was er seit seiner Flucht aus dem Gefängnis noch zugefuttert hatte und dabei waren nicht mal Wochen vergangen! Da er noch immer keine Antwort erhielt, hob er den Stock zu seiner Rechten und schlug viermal auf den Rücken des Gefesselten ein. //Ich hasse es, wenn er mich ignoriert.//, dachte der Boss noch, als aus der Fahrerkabine die Stimme des riesigen und muskelbepackten Fahrers drang. "Boss, da vorne ist es!"
 

Der Angesprochene wandte den Blick aus dem Fenster und als er das finstere Schloss erblickte, das ziemlich heruntergekommen aussah, zierte sein Gesicht ein bösartiges Grinsen. "Wahahahah!!", lachte er und schlug noch weitere viermal aus Freude auf Reita, aber dieses Mal auf die Beine. "Ja, ja Kleiner! Gleich... gleich ist es soweit...~"
 

Reita krümmte sich bei den Schlägen zusammen. Er keuchte, aber das war auch das Einzige, was er an Lauten des Schmerzes von sich gab. Äußerlich. Innerlich aber, spürte er mehr und mehr, wie er langsam an seine Grenzen stieß... Seine Stärke war nur noch gespielt, sein Vertrauen und sein Selbstbewusstsein fingen an zu zerbrechen. Er wusste, dass der Boss dieses mal ein leichtes Spiel mit ihm haben würde, doch das wollte er nicht zulassen... Er war doch stark! Er konnte doch nicht aufgeben! Aoi brauchte ihn! Und er... er brauchte Aoi! Er wollte sich endlich ausruhen... seinen Kopf auf Aois Schoß legen und einschlafen... Endlich Frieden finden... Endlich... schwach sein dürfen... Die weiteren Schläge spürte er kaum noch, er war so müde... sehnte sich nach Ruhe...
 

"Na wenigstens etwas!", knurrte der Boss weniger zufrieden als er sich gewünscht hatte. Schreie wären ihm lieber gewesen. Aber was regte er sich auf...? Hatte er doch das perfekte Mittel, um Reita weich zu bekommen und dann würde das Quälen umso mehr Spaß machen. Außerdem hatte er seinen berühmten Trumpf dabei. Einen alten Freund aus der Jugendzeit, der manchmal noch kranker drauf war als er und das sollte was heißen! Er wollte lieber daneben sitzen und sich an dem Leid dessen Opfer ergötzen, ehe er selbst eingriff.
 

~+~
 

Sakito erwachte, als es bereits dunkelte. Seine Schulter schmerzte, aber hatte er weitaus mehr Probleme zu bewerkstelligen. Eines stand gerade mit angesäuerter Miene mitten in seinem Zimmer bzw. dem Krankenzimmer.

Der Oberarzt!

Sakito blinzelte und rubbelte mit seiner frei bewegbaren Hand über seine Augen. "W-was ist denn los?", fragte er unsicher und versuchte Ordnung in seine wirren Gedanken zu bringen.
 

"Was los ist?!", schnaubte der Arzt und atmete tief ein und aus. "Da sie nichts dafür können, werd' ich Heute mal davon abraten sie anzuschreien, aber ich muss ihnen sagen, das ich nichts für ihren Freund gefunden habe, der unsere Einrichtung zerstört hat! Und deswegen bleibt mir nichts Anderes übrig, als ihn in ein etwas weiter entferntes Gefängnis zu stecken. Das in Okohama.", erklärte der Mann und sah aus dem Fenster. "Es ist wohl der einzige Weg ihn sicherzustellen. Und glauben sie mir, ich habe in allen Krankenhäusern in näherer Umgebung nachgefragt. Nichts! Wollen sie, das ich mich weiter erkundige? In Kofu oder Nagano?"

"Nein, schon gut. Ich werde mich darum kümmern.", meinte Sakito und verzog nachdenklich die Stirn.

"Gut, ich werde in etwa einer Stunde wieder hier sein und wenn sie bis dahin nichts gefunden haben, dann tut es mir Leid um Herrn Shiroyama, aber hier kann er nicht bleiben. In eine Nervenklinik möchten sie ihn ja nicht verweisen." "Um Gottes Willen nein! Ich werde mich darum kümmern!", versprach Sakito etwas dringlicher und wünschte sich, der Arzt würde ihn endlich in Ruhe lassen. Er hatte vor ein paar Stunden oder Minuten(?) erst eine Operation gehabt(, zum zweiten Mal) und hatte nur eine Stunde Zeit, für Aoi etwas Passenderes zu finden als ein Gefängnis oder eine Nervenklinik. Bei den Gedanken an diese beiden Möglichkeiten verzog sich sein Gesicht zu einer Grimasse. //Nie im Leben schicke ich Aoi dorthin! Er mag mich vielleicht hassen, aber ich werde nicht aufhören, mich um ihn zu kümmern! Ich habe es anderen versprochen und mir zur Aufgabe gemacht und das werfe ich nicht so einfach über'n Haufen.//
 

Zu seinem Glück verschwand der Arzt sehr schnell und Sakito griff mit zittrigen Fingern, war er doch noch sehr schläfrig von den Nachwirkungen der Narkose, nach seinem Handy, welches auf dem Nachttischen lag. Die Anzeige auf seinem Display verwirrte ihn. Drei Anrufe in Abwesenheit. Und wer ihn angerufen hatte, überraschte ihn noch viel mehr. Zweimal war es sein Chef, der ihn vielleicht auf die Dauer seiner Arbeit an einem Fall aufmerksam machen wollte und hatte ihn Hizumi angerufen. Was wollte Hizumi denn?

"Natürlich!", fiel es ihm kurz darauf wieder ein und schlug sich die Hand gegen die Stirn. "Tatsuya Minamoto...", setzte er murmelnd hinzu und wählte Hizumis Nummer.
 

"Hey Alter! Schön das du auch mal anrufst.", murrte Hizumi missgelaunt. "Tut mir Leid Hizumi, aber ich bin gerade erst aufgewacht, weil i-", wollte Sakito erklären, als der andere ihn unterbrach. "Heißt das, du hast gepennt?! Schöner Anwalt. Ich hab hier zufällig so'n beschissenen Mörder bei mir im Haus und du pennst dir einen!“ "Hör mir doch mal zu Hizumi!", bat ihn daraufhin Sakito und wartete darauf, das der andere sich wieder beruhigte. "Na dann schieß los..." "Ich hab gerade erst eine Operation hinter mir, weshalb ich nicht anrufen konnte. Zwei Männer sind hier im Krankenhaus eingebrochen und haben Reita entführt! Und dann wollten sie auf Uruha schießen und-" "Ich weiß nicht, von wem du redest, also komm auf'm Punkt!"

//Mann ist der stinkig...//, dachte Sakito genervt und richtete sich versuchsweise auf. "Hör auf mich anzubrüllen Hizumi! Und tu nicht so, als wärst du das Opfer!", meinte dieses Mal der Anwalt mies gelaunt und verzog das Gesicht. "Ist ja gut..! Man was hast du'n für'n Problem Saki-chan?" Der Gemeinte murrte kurz auf, ehe er unbeirrt mit seiner Erklärung fort fuhr: „Jedenfalls haben die mich angeschossen. Uruha, das ist der, dessen Haus du beschützen solltest und dessen Tür du hoffentlich ersetzt hast und der ist auch ziemlich angeschlagen wegen der Sache. Doch mein größtes Problem ist es, in einer Stunde ein Krankenhaus zu finden, die Aoi, meinen zweiten Klienten, aufnehmen könnten! Er ist kurz davor sich das Leben zu nehmen und ich brauche eine Konstruktion, die ihn davon abhält und nein, ich möchte ihn nicht in eine Irrenanstalt stecken! Hast du vielleicht eine Idee?" "Mhm... schon, aber die wird dir auch nicht gefallen." "Schieß los Hizumi, mir bleibt nicht mehr viel Zeit." "Er könnte zu uns, wir haben solche Konstruktion und frag jetzt nicht, warum wir das haben, aber das wird dich was kosten Sakito! Und nur zur Erinnerung... Ich habe einen Mörder bei mir, der, denke ich, mit dem Jungen zu tun hatte..." "Mit Aoi?! Ach richtig... verdammt! Aber... Sonst fällt dir nichts ein?" "Mein Cousin vielleicht, aber Zero ist gerade in der Pubertät. Der ist Dauerrattig.... Lassen wir das! Sonst gibt es nichts. Überlegs dir gut. Uns fehlt der Platz, den beiden einzelne Zimmer zu geben."
 

Nachdenklich knabberte Sakito auf seiner Unterlippe herum und dachte angestrengt nach. Aber auch ihm fiel nichts Besseres ein.
 

"Habt ihr keine Trennwand oder so?"
 

"Nee, die ist bei der letzten Spaßprügelei kaputt gegangen."
 

Verwundert öffnete Sakito den Mund, schloss ihn aber wieder. //Muss man nicht verstehen.//, beschloss er und schüttelte mit dem Kopf.
 

"Dann kauf ich eben eine Neue! Hauptsache die beiden sehen sich nicht! Und sie dürfen nicht miteinander reden!"
 

"Lass den beschissenen Befehlston, Sakito! Du bist nicht mein Boss!"
 

"Tut mir Leid... Aber geb' dir bitte Mühe, okay? Aoi musste schon genug leiden. Mehr kann er nicht ertragen."
 

„Heißt das nun, das du das Angebot annimmst?"
 

"Ja, aber ich kann hier nicht so einfach weg. Jemand muss ihn holen kommen."
 

"Na klasse... Und wann?"
 

"Ich werde versuchen, mich zum Eingang zu schleichen. Schick bitte so früh wie möglich einen... oder lieber zwei!"
 

Hizumi seufzte genervt auf, was Sakito zum Schlucken brachte. Wenn Hizumi die Nerven voll hatte, dann würde alles zerstört sein, was sich Sakito aufgebaut hatte! Der Mörder wäre weg oder sogar Tod und Aoi müsste in eine Nervenklinik. Hizumi war seine einzige Stütze, die er noch hatte!
 

"Ich schicke welche los. Ich kann dir allerdings nichts versprechen!", merkte Hizumi an und legte auf.
 

Mit klopfendem Herzen ließ Sakito das Handy sinken und stieß einen erschrockenen Laut aus, als die Tür plötzlich aufging. Eine Schwester kam mit einem Tablett in das Zimmer und stellte es mit einem aufmunternden Lächeln auf Sakitos Nachtisch ab. "So es gibt Essen, Herr Edokawa. Möchten sie gefüttert werden oder schaffen sie das alleine?", fragte sie und der Anwalt hob die Brauen. "Danke, das schaffe ich noch alleine. Würden sie mich bitte alleine lassen?", fragte er höflich. "Na dann... Ich bin schon weg!", meinte die Ärztin etwas gekränkt und wackelte aus dem Zimmer. Sakito verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. //So unbekümmert möchte ich auch wieder sein können, aber das... wird wohl in nächster Zeit nicht gehen.//
 

Dann riss Sakito die Nadeln aus seinem rechten Arm und versuchte erneut aufzustehen und dieses Mal gelang es! Wenn auch nur mit größter Anstrengend. Warum war er eigentlich so furchtbar müde...? Lag das immer noch an der Narkose oder war etwas in den Spritzen drin gewesen, was ihn so ,lähmte'? Die Ärzte wussten wohl inzwischen, das Sakito nicht viel Wert auf seine Gesundheit legte und hatten daraus gelernt - sehr zum Leidwesen Sakitos.
 

Dieser stolperte gerade zu seiner Tür, riss sie auf und versuchte so schnell und leise wie möglich zum Krankenhauseingang zu gelangen. Als er endlich nach gefühlten Stunden und lang andauernden Fahrstuhlwartereien dort ankam, musste er überrascht feststellen, das sich zwei düster aussehende Gestalten vor dem Eingang befanden. Erleichtert atmete er auf, als er Hizumi erblickte, blieb kurz an der Wand gelehnt stehen, um Kraft zu schöpfen, bevor er weiter stolperte.
 

"H-Hizumi!", rief er erleichtert und wäre diesem beinahe um den Hals gefallen, wenn dieser ihm nicht die ausgestreckte Hand entgegengehalten hätte. "Also wo ist er?" "O-oh klar... 'türlich...", murmelte er ein wenig enttäuscht, besah sich kurz die andere Gestalt, die ihre Hände tief in den Taschen vergraben hatte und eine große Sonnenbrille auf hatte, genauso wie Hizumi, bevor er sich umdrehte und zurück zum Krankenhaus stolperte. "Wurdest du ins Bein geschossen, oder warum läufst du so beknackt?", fragte Hizumi und wieder wurde Sakito das Gefühl nicht los, als wäre der andere mehr als nur schlecht gelaunt. Sollte er nachfragen? //Lieber nicht. Sonst ist er noch schlechter drauf. Neugierde kann er nicht leiden.//, fiel Sakito ein und lief weiter, ohne umzudrehen. "Die Ärzte haben mir irgendein Schlafmittel verabreicht und bin froh, meine Augen wenigstens noch offen halten zu können." Hizumi schwieg dazu und folgte dem Anwalt im weißen Kittel ins Krankenhaus, nachdem er seine Hände in seine Taschen gleiten ließ.
 

Schweigend verging die Fahrt in den dritten Stock. Erst kurz bevor Sakito aussteigen wollte, wurde er zurückgezogen. Ganz nah war ihm Hizumi plötzlich gekommen. "Sieh nach, ob jemand da ist. Ich möchte nicht gesehen werden. Die Kameras haben wir für eine Weile lahm legen können.", flüsterte er und sah kurz über dem Rand der Brille hinweg zu Sakito, der bei den gefärbten Kontaktlinsen in Form von Schlangenaugen, irgendwie ziemlich gruselig aussah. "Klar...", hauchte er und wurde Sekunden später losgelassen, nur um zu schauen, ob der Gang frei war. Er fragte lieber nicht, wie Hizumi das mit den Kameras geschafft hatte. Hauptsache war doch, das er Aoi hier endlich heraus bekam!
 

Dann wies er die beiden Gestalten dazu an, ihm zu folgen.
 

Was sie hier taten sah verdammt verboten aus! Lag wahrscheinlich an dem Auftritt der zwei, aber auch das, was sie vorhatten, war kriminell. Um sich Erklärungen zu sparen, die Sakito hätte eh nicht geben können, würden sie Aoi ohne Wissen des Oberarztes von hier wegbringen. Hoffentlich machten die Ärzte gerade eine Pause!
 

Stumm vor sich her betend schritt Sakito weiter und weiter, bis er den Gang erkannte, der ihn zu Aoi führen würde. Zumindest wenn er dort war, wo er ihn schon einmal in einem schlimmen Zustand vorgefunden hatte.

Immer wieder vergewisserte er sich durch Blicke über seine Schulter, ob der seltsame Trupp noch hinter ihm war und war erleichtert, das Hizumi keinen Rückzieher machte.
 

Als sie endlich vor der Kabine waren, in dem immer jemand saß, um den, der dort eingesperrt war, zu beobachten, musste Sakito erkennen, das es auch dieses Mal der Fall war und seufzte auf. "Versteckt euch, wenn ihr nicht gesehen wollt. Ich versuche den dort drin irgendwie dort wegzubekomen.", sagte Sakito und wollte gerade zur Tür gehen, als ihn Hizumi eine Hand auf die Schulter legte und mit einem ernsten Blick mit dem Kopf schüttelte. Fragend hob der Brünette die Brauen und wollte protestieren, als Hizumis Begleitperson die Tür eintrat und darin verschwand. "A-aber-", wollte er ansetzen, wurde aber durch einen Finger auf den Lippen unterbrochen. Dann hielt ihm Hizumi mit einem Grinsen auf den Lippen die Tür auf, die nur noch schief in den Angeln hing und wies ihn an, den anderen zu folgen. Eingeschüchtert tat dieser, wozu er stumm gebeten wurde und schnappte erschrocken nach Luft, als er sah, das der Kopf des Arztes, der Aoi beobachtet hatte, auf dessen Brust lag und die Augen geschlossen hatte. "Was habt ihr getan?!", fragte er mit ängstlich aufgerissen Augen und zuckte zusammen, als hinter ihm die Tür wieder eingehangen wurde. "Ihn nur bewusstlos gemacht. Der wird in etwa drei Stunden wieder wach. Keine Sorge.", beruhigte Hizumi den anderen und wandte sich dem Häufchen Elend zu, der sich in einer Zwangsjacke befand und anscheinend bewusstlos war. Vor ihm auf dem Tisch lag eine Spritze, dessen Inhalt halb leer war. //Wahrscheinlich ein Schlafmittel.//, dachte er, nahm sich den Schlüssel, der nicht unweit von der Spritze entfernt lag und machte sich daran, die Tür zu öffnen. Als er dies geschafft hatte, wies er seinen Begleiter an vorzugehen und folgte ihnen dann, während Sakito die Tür offen halten sollte. "Und wag es nicht, mir eine Falle zu stellen, Sakito. Sonst ist dein Freund hier Tod.", warnte ihn Hizumi, bevor er ganz den Raum betrat, um sich erstmal sein Lamm anzuschauen, welches er die nächsten Tage hüten sollte.
 

"Nein, werd' ich schon nicht...", murmelte Sakito noch und wischte sich über die Stirn. //Dafür hab ich wohl zu viel Angst. Hizumi ist ganz schön gruselig geworden. Vielleicht hab ich früher dem Falschen zu Freiheit verholfen...?//, fragte sich der Anwalt und lehnte sich an die Wand, mit dem Fuß zwischen Tür und Rahmen. Sein sorgenvoller Blick galt allerdings dem Geschehen hinter der Glaswand. Von hier konnte er nur schwer verstehen, was die zwei dort drinnen redeten.
 

"Ziemlich Lecker oder...?", fragte der Unbekannte und leckte sich über die Lippen.

"Halt dich ja zurück, Kru.", warnte Hizumi und strich Aoi eine Strähne aus dem Gesicht, um es besser betrachten zu können. "Wir... müssen gehen...", setzte er dann hinzu, klebte noch eine Weile mit dem Blick auf den Schwarzhaarigen, ehe er sich gegen den Erwartungen seines Begleiters selbst dazu entschloss, Aoi zu tragen.

"Hizumi, alles-?"

"Shht... Ich will nix hören!", warnte dieser und lief zur Tür, um sie sich von seinem Begleiter öffnen zu lassen.
 

Dort stand Sakito und sah besorgt auf Aoi hinunter. "Also Trennwand, oder reicht es, wenn wir beiden die Augen verbinden und ihn die Mäuler stopfen?", fragte Hizumi und hatte wenig später Geldscheine in seiner Tasche stecken, welche Sakito aus seinem Portemonnaie, welches er vor seinem Aufbruch mitgenommen hatte, gezogen hatte. "Trennwand bitte. Lasst Aoi weitgehend Freiraum, nur soll er sich nicht verletzen können. Und zieht ihm bitte die Zwangsjacke aus! Dem Mörder könnt ihr die Augen verbinden und ihm etwas in den Mund stopfen, damit er nicht redet. Wenn wir Reita haben, wird sich hoffentlich alles zum Guten Wenden und dann nehme ich euch auch die Beiden ab. Dann bekommt ihr eure Belohnung." "Die wird nicht klein ausfallen, Sakito..." "Wenn es sich auf Geld bezieht, werde ich zahlen! Sollte es etwas anderes sein, werden wir sehen, inwiefern ich euch helfen kann." "Okay, wir bleiben im Kontakt.", meinte Hizumi noch abschließend, nickte Sakito zu, ehe er durch die Tür ging, die im aufgehalten wurde und verschwand dann aus den Augen des Anwalts.
 

Dieser atmete erleichtert auf und hätte sich am liebsten an Ort und Stelle hingelegt, wenn er sich dadurch nicht verraten hätte. Also auf zurück ins Zimmer. Zu seinem Glück liefen noch immer keine Ärzte in den Gängen herum, was wohl daran lag, das diese Pausen hatten oder bereits Schlafenszeit war? Irgendwie fehlte Sakito jegliches Zeitgefühl.
 

Schnell war er auf seinem Zimmer und legte sich dort zurück in sein Bett. Damit nicht auffiel, das er aufgestanden war, verstaute er sein Portemonnaie in der unteren Schublade seines Nachtschranken, nahm sein Handy und legte sich so hin, als ob er vor Erschöpfung mit seinem Handy in der Hand eingeschlafen wäre. Das letzte Puzzleteil, welches noch fehlte, waren die Spritzen in seinem Arm. Allerdings fehlte Sakito dazu die nötige Kraft und der benötigte Willen, weswegen er so, wie er gerade lag, einschlief und sein verdientes Schlummerchen hielt.
 

Hoffentlich würde es Aoi bei Hizumi gut ergehen...
 

~+~
 

Als der Wagen zum Stehen kam, trat der Boss Reita in die Seite, damit er an ihm vorbei an die Freiheit konnte. "Herrlich! Mein alter Spielplatz...", schwärmte der Boss, breitete die Arme aus und drehte sich verzückt im Kreis. "Der Folterspielplatz...", setzte er, nachdem er aufgehört hatte sich zu drehen, hinzu und sah dabei mit einem irre zufriedenen Blick zu dem Schloss hinauf. "Wenn ich daran zurückdenke, wie wir an unseren Opfern experimentiert haben..." Ein wohlige Gänsehaut schlich über seinen Rücken und ein irres Lachen dröhnte aus seinem Mund hervor. "Und niemand wird dich hier finden, Kleiner.", lachte er weiter und ging voraus, während der breitschultrige und hühnenhafter Fahrer Reita mit Leichtigkeit aus dem Auto hievte und ihn sich über die Schulter legte, um dem Boss zu folgen.
 

Reita stolperte aus dem Auto und hatte kaum genug zeit, sich einen Überblick über die Gegend zu verschaffen... Er seufzte. Wahrscheinlich hatte der Boss recht... Niemand würde ihn hier finden... Niemand... Wie sollten sie auch ausgerechnet auf diesen Ort kommen? Es sei denn... man könnte dieses Schloss mit diesem kranken Arschloch in Verbindung bringen... Dann... hatte er eine Chance... Eine winzige Chance... Er streifte unbemerkt seinen Ring ab und ließ ihn zu Boden fallen. An dem Ring klebte sein Blut... und sein Name war eingraviert... Hoffentlich würde Jemand den Schmuck finden und nach ihm suchen...
 

"Was tust du da?!", brüllte ihn der Hühne an, als er die Bewegung des Blonden gespürt hatte und drehte den Kopf. "Boss, der Kerl hat's gesehen!", meinte er alarmiert, als er die verrutschte Augenbinde sah, doch der Boss drehte sich nur grinsend zu ihnen um und zuckte mit den Schulter. "Hilft ihm auch nicht weiter. Dann sieht er wenigstens, wie Aushilfslos seine Lage ist." Dann lachte er wieder und der Hühne folgte ihn grinsend.
 

Reita erschrak fast zu Tode. Er hatte schreckliche Angst gehabt, dass der Typ seinen Trick mit dem Ring durchschaut hatte... Doch in einem hatte er Recht... Seine Lage war aussichtslos... Würde er Aoi jemals wieder sehen? Er dachte an ihn... pausenlos... Was würde Aoi tun, wenn er tatsächlich sterben sollte...? Wie würde er reagieren?
 

"Irgendein krummes Ding Kleiner und ich werd' dich eigenhändig umbringen und schmerzlos wird das ganz gewiss nicht!", drohte der Hühne den noch immer gefesselten Blonden und schritt voran. Er hatte den blutverschmierten Ring nicht gemerkt, der hinter ihm auf dem Boden gefallen und schließlich etwas weiter entfernt in eine Art Graben gesprungen war. War die letzte Hoffnung nun auch zerstört?
 

"Los, schneller!", kam es von vorne und sofort bemühte sich der muskelbepackte Riese dem dickleibigen Boss hinterher zu stampfen. Dem Schloss immer näher kommend, hinter welchem gerade der Mond aufging.
 

"Das... das traust du dich eh nicht...", knurrte Reita, doch er verstummte, als er sah, wo der Ring hinrollte... Er war verloren... Eine stumme Träne rollte aus seinen Augen und fiel zu Boden, wo sie sofort versickerte, eine weitere folgte... Reita war es richtig schlecht... Er hatte Angst, er wollte nicht sterben! Und er wusste nun, zu was der Boss fähig war... und jetzt... jetzt war er richtig wütend!
 

"Werd' nicht frech!", brüllte der Hühne und knurrte angriffslustig. "Warts ab bis wir drin sind. Dann wirst du meine Fäuste spüren...!", brummte der Größere und endlich gelangten sie an die riesen Eingangspforte.
 

Der Boss presste sein wülstige Hand auf einen uralt erscheinenden Knopf, der sich erst nach mehreren Versuchen in seiner rostigen Halterung eindrücken ließ. Leise hörte man im Schloss eine Glocke ertönen und hoch oben auf dem Dach schreckte ein Schwarm Fledermäuse auf und ließ sie davon fliegen.
 

Ein Knarzen ließ den Boss samt Gefolge zu einem Seiteneingang herumwirbeln, der sich geöffnet hatte und einer verhüllten Gestalt platz machte, die sie heran winkte.
 

"Willkommen daheim... So tretet doch ein... Es ist alles vorbereitet...", hauchte der knochige Mann mit rauchiger Stimme und verschwand wieder im Inneren des Schlosses.
 

"Na dann. Kleiner, deine letzten Stunden haben geschlagen...", meinte der Boss mit einem schaurigen Grinsen und folgte der verhüllten Gestalt in das Schloss.
 

Auch der Hühne schaffte es mit Ach und Krach gerade so durch die Öffnung, indem er Reita von seiner Schulter genommen hatte und ihn zuerst durch die Tür hat stolpern lassen. Fesseln verhinderten Reitas sicheres Auftreten. "Seh dich ruhig um... Das ist das Letzte, was du in deinem Leben sehen wirst.", grummelte der Mann, drehte den Blonden zu sich und schlug grinsend mit der Faust in seine Magenkuhle. "Muck hier nicht auf, klar?! Wir haben hier das Sagen!", brüllte er ihm mit zusammengezogenen Augenbrauen zu.
 

"Hey, jetzt komm endlich und bring meinen Gefangenen mit! Verprügeln kannst du ihn später immer noch!", meinte der Boss mit gelangweilter Stimme und winkte ihm genervt zu, ihm zu folgen.
 

"Nochmal Glück gehabt...", grummelte der Hühne noch, eher er sich wieder Reita über die Schulter legte und dem Boss folgte.
 

Reita taumelte nach vorne, als er einen Stoß bekam... Für einen kurzen Moment dachte er an Flucht, doch die Fesseln belehrten ihn eines besseren. Damit würde er nicht weit kommen... Es schien tatsächlich so zu sein, das Letzte, was er je sehen würde... Der Schlag in seinen Magen riss ihn aus seinen Gedanken und raubte ihm die Luft. Keuchend krümmte er sich zusammen, und wäre zusammengebrochen, hätte dieser Riese ihn nicht wieder auf die Schulter geworfen und weiter getragen... einem ungewissen Schicksal entgegen...
 

~+~
 

Hizumi brachte Aoi nun in den Raum neben dem Mörder. Er hatte seine Leute angewiesen, dafür zu sorgen, dass dieser keinen Ton von sich geben konnte und auch dessen Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt war.

Hizumi beugte sich über Aoi, der immer noch bewusstlos war und begann, ihm die Zwangsjacke auszuziehen. Er war alleine mit ihm und niemand hinderte ihn daran, den schmalen Jungen genauer zu betrachten... Nachdenklich strich er Aoi eine Strähne aus der Stirn..

Er war schön... trotz aller Qualen und Schmerzen, die er erleiden musste, war dieser Junge schön... Und ein wenig sah er sich selbst in Aoi. Er war einfach fasziniert von dem Schwarzhaarigen und er würde nicht zulassen, dass jemand anderes ihn berührte...
 

+~+
 

Genervt tigerte Kru vor dem Raum mit den Gefangenen auf und ab. Wurde er doch von Hizumi gebeten, draußen zu warten. Doch dieses Nichtstun regte ihn furchtbar auf. Schon seit Tagen, vielleicht sogar Wochen, in dem ihr Anführer diesem Anwalt half und somit Gutes tat, war kaum noch etwas, wie es vorher war. Noch dazu taten sie eigentlich nur Dinge, die ihnen nützten, aber was nützte es ihnen, den Mörder einer ihrer Brüder lebend zu bewachen. Nicht mal ein wenig zuschlagen oder verletzen durften sie ihn, obwohl sie sich geschworen hatten, ihren Bruder zu rächen. Hizumi jedoch, hatte ausdrücklich verlangt, ihn in Ruhe zu lassen. Nicht weil er genug für seine Tat büßen musste, das wäre der grausamste Tod gewesen, die sie ihm hätten schenken können, sondern weil so ein daher gelaufener Anzugträger ihren Chef bestoch. Wie wussten sie nicht, aber war es für sie unerklärlich, das ihr Anführer, dessen grausame Taten in ihrer Welt sehr wohl bekannt waren, einem Fremden half und dabei seine Brüder mit einbezog. Seit Tagen haben sie schon keine Revierkämpfe ausgetragen und Schlachten geführt. Die Meute war angespannt, schlugen auf ihre Brüder ein, weil sie gereizt und unausgelastet waren. Es blieb zum Glück nur bei Verletzungen, aber dennoch konnte es so nicht weiter gehen! Wohin mit ihrer Energie, wenn nicht in Kämpfen?
 

"Hizumi?!", rief er genervt und ballte die Fäuste. Er wartete. Wartete darauf, das der andere die Tür öffnete, hinter der er sich mit seinem neuesten Fang befand. Bei dem Gedanken an Aoi verdrehte er die Augen und schnaubte erbost auf. Kannte er seinen Anführer und Freund doch und die Blicke, die er Aoi geschenkt hatte, waren ihm nicht entgangen. //Wag es dir, dich jetzt mit ihm zu vergnügen...//, dachte er und spürte die angestaute Wut in sich aufsteigen. Auch er brauchte einen guten Kampf, indem er all seine überschüssige Energie verausgaben konnte.
 

Es dauerte 10 Minuten, dann öffnete Hizumi die Tür und trat nach draußen, schenkte Kru einen warnenden Blick, der sagen sollte "Treib es nicht so weit und reiz mich nicht!" Dann war er wieder ganz ihr Boss und Freund. "Denk nicht, dass ich nicht merke, dass ihr wie kampflustige Hunde im Haus herum schleicht und euch gegenseitig zerfetzt." Er lächelte.
 

Kru blieb neugierig stehen, als die Tür aufging, hinter der Hizumi so lange verschwunden war. Auch versuchte er einen Blick hinein zu erhaschen, doch begegnete er Hizumis Blick und seufzte innerlich. Als sein Boss ihm von seinen Beobachtungen mitteilte, faltete Kru seine Hände in seinem Schoß und grinste irre, hielt den Blick aber gesenkt.
 

Dann trommelte der Schwarzhaarige im Wohnzimmer alle zusammen. "Ich hab einen Auftrag für euch. Heute Nacht findet im Shikawa-Viertel ein Treffen zwischen zwei Drogenbossen statt. Dabei werden Drogen im Wert von mehreren tausend Dollar übergeben. Ihr sollt euch dazwischen drängen. Beschafft diese Drogen, schaltet die Leibwächter aus, doch jagt den beiden Bossen nur etwas Angst ein. Und lasst euch bloß nicht erwischen! Keine Spur soll zu uns zurückführen! Noch Fragen? Wenn nicht, dann gehen wir raus und schnappen sie uns, Männer!"
 

Kru grinste noch breiter, als Hizumi alle zu einer Versammlung zusammentrommelte, denn das hieß immer Gutes. Freudig streifte er durch die Masse und schimpfte die zurecht, die Hizumi bei seiner Ansprache durch aufgeregtes Getuschel unterbrechen könnten. Nebenbei lauschte er den Worten ihres Anführers und jubelte schließlich am lautesten, als der Auftrag bekannt gegeben wurde und wollte genauso losstürmen, wie alle anderen, als ihm eine Frage in den Sinn kam, welche ihn zu Hizumi führte. "Was ist mit den Gefangenen, Hizumi?! Wer passt auf sie auf?", fragte er und rieb sich die Hände. Mordlust hatte ihn gepackt. Schließlich ruhte in der Zelle nicht nur ihr neuer Gefangener, sondern auch der Mörder seines ehemals besten Freundes, bevor er hierher kam, um ihn zu finden und sich zu rächen. Er wollte nicht noch länger warten!
 

Hizumi beobachtete Kru und grinste, als er seinen Freund so aufgeregt sah. So kannte und mochte er ihn und er genoss es, von Kru so respektiert zu werden, überhaupt von allen... Kru war ein wenig verrückt, aber das waren sie alle, sonst hätten sie gar nicht die Kraft, das alles durchzustehen.

Hizumi zog ein Messer aus seiner Tasche und schnitt sich damit probeweise über den Finger, betrachtete interessiert das Blut und leckte die Messerklinge sauber. Dann sah er, dass Kru vor ihm stand und ihm eine Frage gestellt hatte.

"Mach dir keine Sorgen um sie. Die Neuen werden sie bewachen... Hmm... vielleicht solltest du ihnen nochmal klar machen, dass Aoi tabu ist. Ihm darf nichts passieren, sag ihnen das. Na los." Er grinste und gab Kru einen Klaps.
 

Interessiert beobachtete der Brünette die Blutfäden an Hizumis Fingern und leckte sich bei dem Anblick über die Lippen. Dann antwortete ihm Hizumi. "Die Grünschnäbel?!", regte er sich sofort auf und verzog das Gesicht. "Was ist mit dem... Verräter?!", setzte er fragend hinzu und spuckte auf den Boden. Krus linkes Augenlid zuckte. Als er seinen Befehl bekam, grummelte er einverstanden und bewegte seine langen Finger, die mit Ringen besetzt waren, die mit lange Krallen besetzt waren, vor Aufregung.
 

Hizumi seufzte theatralisch auf. "Auch der ist tabu, Sakito braucht ihn wohl, aber nicht als winselndes Weichei... Also dürfen wir ihm nichts tun.", sagte er ernst. Mit diesen Worten ging er an Kru vorbei und raunte ihm dann ins Ohr. "Nur ein wenig reizen.", er zwinkerte Kru zu und klatschte dann in die Hände. "Auf gehts, Männer!"
 

"Verdammt...", grummelte der andere unzufrieden und ballte die Hände zu Fäusten. Er senkte wieder den Kopf, als Hizumi an ihm vorbeigehen wollte, schließlich hielt er viel von ihm als Boss und auch als Freund und so angenehm dürfte sein Anblick nicht gerade sein, weshalb er sich dies angewöhnt hatte, als er die geraunten Worte hörte und er vor Freude loslachte, was sich für Nichtwissende anhören mochte wie ein schauriges Lachen, welche sich auch sogleich aus dem Staub machten. "Ich komm dann nach...", meinte er noch zu Hizumi, ehe er Richtung Gefangenenraum lief.
 

Als er von weitem die Neuen ausmachte, machte er sich, so gut es eben ging, in der Dunkelheit unsichtbar und schlich sich von hinten an einen eher mickrig Aussehenden heran, um ihn von hinten anzuspringen. Wie erwartet schrie der noch recht junge Mann auf und strauchelte nach vorne und wenn Kru nicht von seinem Rücken gesprungen wäre, um ihn am Kragen zurückzuziehen, wäre er wohl auf die dreckigen Steine gefallen. "Wenn ich ein Eindringling wär, dann wärst du jetzt Tod... Du musst besser aufpassen Junge...", raunte er und sah den Unerfahrenden strafend an, welcher unter Krus Blick noch kleiner zu werden schien. "J-j-ja S-Sir!", stammelte er und Kru hob eine Augenbraue. "Lass diesen Scheiß! Mein Name ist Kru. Merk dir das! Und jetzt passt gefälligst auf die Tür auf! Wenn ihr von dort drin Schreie hören solltet, kommt nicht rein, solange ich drin bin, klar?!" "J-ja!" "Geht doch...", murmelte Kru noch, ehe er den Zweitschlüssel für die Tür aus seiner Hosentasche zog und in dem dunklen Raum verschwand. Hinter sich schloss er die Tür vorsichtshalber ab, falls die Grünschnäbel es doch wagen sollten, ihn zu stören und ließ seinen Blick dann durch den Raum wandern. Sein Blick bleib an Hizumis Juwel hingen, der noch immer Bewusstlos schien. //Ein wenig näher kann ich ihn doch wenigstens betrachten, oder?!//, fragte er sich und trat auf Aoi zu. //Der sieht mehr als fertig aus. Wäre bestimmt etwas für die Bande...//, meinte er zu sich selbst, wandte sich dann von dem Schwarzhaarigen ab und erkundete den Raum.

Als er den Mörder seines Freundes erblickte, spürte er die blanke Wut in ihm aufkeimen und er hatte Mühe, sie im Zaum zu halten, als er noch näher an den gefesselten und blinden Mann trat.

Mit seiner krallenbesetzten Hand, kratzte er leicht über die rechte Wange des Mannes, wegen dem so viele leiden mussten und grinste höhnisch, als der Kerl vor Überraschung zusammenzuckte.
 

"Angst...~?", fragte er mit schauriger Stimme an seinem Ohr und ließ seine Hand nun über den Hals des Mörders gleiten, der wieder vor Angst aufzuckte. "So gern würd' ich dich zwischen meinen Fingern zerquetschen... wenn... ich doch nur dürfte...", grollte er und ließ ein wenig Hoffnung in seiner Stimme mitschwingen.

Ein klägliches Wimmern war die Antwort. Enttäuscht fuhr ihn Kru an: "Wie erbärmlich du bist! Wenn du dich jetzt sehen könntest! Du lebst nur noch, weil du vor Gericht verurteilt werden sollst und wenn das getan ist, werde ich dich holen und du wirst mich auf Knien anbetteln, dich am Leben zu lassen! Soviel Leid... hast du verursacht, du winzig kleine Schachfigur in diesem erbärmlichen Leben!", brüllte er ihm hasserfüllt zu und schwang überrascht herum, als die Tür mit einem plötzlichen Knall aus den Angeln gerissen wurde.
 

"Was wird das?! Bist du Lebensmüde?!!!", fragte er den Eindringling mehr als gereizt, denn er ahnte ja nicht, das dieser Jemand nicht zu ihnen gehörte. "Ihr Neuen, seid so erbärmlich du-", wollte er sagen, als der junge Mann, der er vor nicht allzu langer Zeit von hinten angesprungen hatte, in der Tür erschien, etwas sagen wollte, aber kurz vorher röchelnd im Türrahmen zusammenbrach.

Sofort erklangen die Alarmglocken in Kru und schnell nahm er seine Shukōs hervor und zog sie sich zusätzlich zu seinen Krallenringen über, um dann gleich darauf noch nach seinen beiden Messer zu greifen. "Was willst du hier?!", fragte er mit gefährlicher Stimme und bemerkte den Blick, den der größere und kräftigere Mann in Schwarz kurz auf Hizumis Juwel warf.
 

//Dieser...!!// "Du fässt ihn nicht an, hast du kapiert?!!", brüllte er und rannte auf ihn los.
 

Und damit begann ein Kampf auf Leben und Tod...
 

~+~
 

Kaum hatte der Hühne ein paar Schritte durch den dunklen und recht engen Gang gemacht, wurde er vom Boss aufgehalten. "Lass ihn wieder runter!", befahl dieser ihm und nickend kam er der Aufforderung nach. "Er kann auch auf eigenen Beinen stehen...", fügte der Boss fies grinsend hinzu und reichte dem Größeren eine Art Leine. "Mach ihm das Halsband um und führ ihn an dieser Leine mir nach."

Um Reita zu erniedrigen, fiel dem Boss auch immer wieder Neues ein. "Er soll meine Überraschung sehen. Gleich... ich will nicht länger warten." Dann an Reita gerichtet. "Na Hündchen? Wie fühlst du dich? Gedemütigt...? Befriedigt...? Gleich wirst du nur noch Schmerz spüren..."
 

Und damit wandte sich der Boss wieder ab und verließ den Flur durch eine Tür in eine scheinbar größere Halle.
 

Der Hühne tat, was sein Boss ihm aufgetragen hat und kaum hatte er die Leine an dem Halsband befestigt, zog er so kräftig daran, das der Blonde hilflos in seine Arme fiel. Lachen. Dann spuckte der Größere dem Hilflosen vor die Füße, drehte sich gut gelaunt um und zog Reita hinter sich her. Hastige Schritte, dann wurde ihm die Leine beinahe aus der Hand gerissen, als der Blonde fiel und zu Boden ging. Doch dieses Mal drehte sich der Hühne nicht um, sondern zog den anderen hinter sich her. "Den Toten spielt Hündchen wohl gern, hm...?", fragte er grinsend und folgte dem Boss, welcher sich auf einer eingezäunten Plattform befand, welche eine Fahrstuhl-Konstruktion glich und die drei ein paar Stockwerke tiefer bringen sollte.
 

Was man an dem Schloss zuvor nicht hatte sehen können, war nämlich, dass das Schloss auf einer Klippe gebaut war und ein paar Meter über dem Wasser befand sich eine Höhle, die direkt in die schaurigen Weiten des Gesteins führte und dort viele grauenvolle Geheimnisse barg.
 

Und diesen Weg nahmen die drei Besucher dieses Höllenhauses.
 

Reita zuckte überrascht zurück, doch er hatte keine Chance... Das Halsband schnürte ihm die Luft ab und röchelnd stolperte der Blonde hinterher, Schritt für Schritt, doch das atmen fiel ihm immer schwerer... Nach Luft ringend stürzte er zu Boden, sah schon schwarze Schatten vor seinen Augen. Dann... Ein unbarmherziger Ruck und er wurde weiter gezogen, völlig wehr- und hilflos.. "Warum.. bringt ihr mich... nicht gleich... um...?", flüsterte der völlig erschöpfte Blonde.
 

"Weil das keinen Spaß macht, dummer Hund!", bellte der Hühne und ging unberührt weiter, selbst als er den Laut eines fallenden, schweren Körpers vernahm.

Nach gefühlten Stunden erlangten sie schließlich einen großen, weiten Raum. Doch bevor sie ihn vollständig betraten, drehte sich der Hühne zu dem Blonden um, half ihm auf die Beine und führte ihn zum Eingang des Kellergewölbes. Dann zerschnitt er seine Fußfesseln und ersetzte sie durch Fußfesseln, damit er nicht völlig frei, aber zumindest besser laufen könnte, dann nahm er ihm noch die Augenbinde ab und schubste ihn in den riesigen und finsteren Raum hinein, der voller Gerätschaften hing, die Reita an seine Foltern erinnern sollten. Puppen oder sogar Menschen hingen an langen Stahlketten von der Decke und hatten alle die Gesichter einer einzigen Person:
 

Aoi...
 

Der Boss wusste nur zu genau, was dem Blonden am Herzen lag und deshalb habe er bestimmte Vorkehrungen getroffen, die in physisch zerstören sollten. Er habe veranlasst, junge, schwarzhaarige Männer umbringen zu lassen und ihnen Aois Gesicht, aus Gelatine gegossenen, auf deren Gesicht zu nähen. Ein bisschen Schminke drauf und schon wirkten sie, als ob leibhaftig Aoi hier überall in diesem riesigen Kellergewölbe hängen würde, mehr tod als lebendig. Leere Augen schienen alle auf Reita herabzublicken und ihn mit ihrer Kälte aufdolchen zu wollen. Doch nicht nur unbekannte Schwarzhaarige hatten frühen Tod gefunden, nein auch Personen aus längst vergangenen Zeiten.
 

Doch das war noch längst nicht alles...
 

Der Boss hatte es sich in einer Art Thronsessel niedergelassen und blickte über das Geschehen, sah genug tuend in Reitas gequältes Gesicht, während der Hühne ihn immer noch weiter durch den Raum schubste.
 

"Jetzt wirst du meine große Überraschung sehen!", rief der Boss vergnügt und sah ganz gespannt durch ein Fernrohr vom Rande des Raumes zu, wie Reitas Augen sich entsetzt weiteten, als er alte Bekannte von ihm an der Wand aufgehängt hängen sah. Kein Laut kam aus deren entsetzt aufgerissenen Mündern.
 

Der Boss lachte auf. "Anscheinend hatten meine Leute viel Spaß mit ihnen."
 

Reita stolperte in diese grausame Höhle und starrte fassungslos auf die Körper an den Wänden... "Aoi..." krächzte er und es war, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggerissen werden. Keuchend sank er auf die Knie und hatte Mühe, sich nicht zu übergeben, so grausam war, was er sehen musste...

Doch das sollte nicht das Ende der Qualen sein...
 

Langsam wandte er seinen Kopf und erstarrte... Die Menschen..., die da hingen... Er kannte sie alle... seine alte Gang... Alle waren sie da! Und sie waren alle... tot... grausam gefoltert und hingerichtet worden... Reita wurde schwarz vor Augen... Er war verantwortlich für ihren Tod, war verantwortlich dafür, weil er sie gekannt hatte... ,weil es einst seine Freunde gewesen waren, die ihn aufgenommen hatten, als er keinen Lebensmut mehr hatte...
 

Er hatte die Gang verlassen... oder besser gesagt, sie hatten ihn vertrieben... aber dennoch... waren es seine Freunde gewesen... Er hatte einige Jahre bei ihnen verbracht und viel von ihnen gelernt...
 

Der Anblick der vielen toten Menschen, seine Bekannten und die Männer, die alle Aois Gesicht trugen, das war zu viel für den geschwächten blonden Mann. Ohne einen Laut und ohne den Versuch sich abzustützen, fiel er nach vorne auf den harten Steinboden...
 

+~+
 

... den Kru nur dank seiner Geschicklichkeit am Ende gewann, ehe er selbst neben Aoi vor Erschöpfung zusammenbrach und versuchte bei Bewusstsein zu bleiben. Irgendwer musste doch schließlich auf die beiden aufpassen, während die anderen auf Jagd sind und ihren Spaß haben.

Genervt leckte er sich über die blutigen Hände und wartete auf Hizumis Rückkehr.
 

+~+
 

Dieser ließ seinen Männern ihren Spaß, doch dieses Mal hielt er selbst sich etwas zurück. Kru war immer noch nicht zurück... Wo zum Teufel steckte er nur? Er hielt sich an die Abmachung, das wusste Hizumi, er war der einzige, dem er blind sein Leben anvertrauen würde, der einzige, den er als Freund bezeichnen würde...
 

Die Mission verlief sehr erfolgreich und Hizumi trommelte alle zusammen, um ihnen zu sagen, dass sie für den Rest der Nacht und den darauffolgenden Tag frei hatten. Er seufzte. Immer noch keine Spur von Kru... Er überließ seinen besten Leuten die Arbeit, die Spuren zu beseitigen und fuhr dann mit dem Motorrad zurück, um nach ihm zu sehen. Er war jetzt zusammen mit Kru, den beiden Neuen, Aoi und dem Mörder der einzige in ihrem Versteck... ,dachte er. Er schloss die Tür auf und schlich sich hinein. Dann machte er das Licht an. "Kru!!", brüllte er.
 

Dieser schreckte gerade aus dem Halbschlaf und blinzelte verstört in das viel zu helle Licht, in welches gerade Hizumi trat und seinen Namen brüllte. "Brüll doch nicht so Alter...", motzte er halbherzig und versuchte sich aufzurichten. Wie lange hatte er eigentlich geschlafen? //Und verdammt! Warum bin ich eingeschlafen?!// Seine Gliedmaßen fühlten sich an wie schwere Zementsäcke. Mit einem leichten, her untypischen Kru-Lächeln richtete er sein Wort erneut an Hizumi, der ziemlich nervös zu sein schien. "Schön, das du zurück bist. Der Typ hier... wollte den Kleinen hier zu Leibe rücken. Irgendwer hat ihn auf ihn gehetzt. War das eine Falle von deinem... diesen Anwalt?", fragte er und deutete auf den toten Hühnen.
 

Gerade als er sich aufrichten wollte, spürte er eine Bewegung unter seinem Kopf, mit dem er auf etwas weichem gelegen hatte. Verwirrt tastete er die Unterlage ab und richtete seinen Oberkörper dann ganz auf, um sich die Ursache für den eben entstandenen Seufzer anzusehen. Natürlich! Der Schwarzhaarige erwachte wohl langsam. "Er wacht auf...", gab er überflüssig von sich und richtete sich mühselig auf. "Keine Angst Hizumi... Ich bin nicht aus Zucker. Wie ist es verlaufen?", fragte er und bemühte sich, nicht allzu geschafft zu wirken. Er würde zu einem ihrer Ärzte gehen, die für sie arbeiteten, und würde sich dann eine Nacht in seinem Bett gönnen. Das würde ihn schon wieder auf Vordermann bringen. Dieser Mann war ein Profi, so viel war sicher. Denn so viel Spaß und Schweiß beim Kämpfen hatte er schon lange nicht mehr gehabt.
 

"Kru..." Hizumi musterte seinen besten Freund und seufzte. "Gut ist es gelaufen, hast 'ne Menge Spaß verpasst." Er ging und kam mit einem Verbandskoffer wieder. "Lass mal sehen.." Er verband Krus Wunden so gut er konnte. Zwei ließ er unbehandelt. "Die müssen genäht werden, geh am besten gleich zum Arzt. Du meinst, das war eine Falle von Sakito? Warum sollte er das tun? Ihm liegt viel daran, dass sie leben, beide. Aber wie ist der Kerl hier reingekommen? Wir müssen vorsichtig sein, irgendjemand scheint hier Informationen auszuplaudern... Das war wohl nichts mit dem freien Tag." Er seufzte und rief seine Männer zurück. Er konnte nicht davon ausgehen, dass dieser Typ ein Einzelgänger gewesen war.
 

"Dafür hatte ich den hier. Hizumi..., das war ein Profi, das schwör ich dir! Und der Typ sah nicht gerade freundlich aus, als er zu deinem Juwel geschaut hat", merkte er an und sah verheißungsvoll in Hizumis besorgte Augen. "Jemand will ihn Tot sehen...", raunte er hinzu und ließ einen Blick über den langsam Erwachenden gleiten. Als er wieder zu seinem Freund aufschauen wollte, war der Schwarzhaarige verschwunden, kam aber kurz darauf mit einem Verbandskasten wieder. "Och nee Hizumi...~ Jetzt komme ich mir vor wie ein Weichling...", gab Kru verkniffen von sich und ließ es widerwillig über sich ergehen. Er wusste doch, das der andere es nur gut mit ihm meinte, aber er wäre eh sofort zum Arzt gegangen... Heimlich natürlich...~ Hizumi sollte sich lieber um Aoi kümmern!

"Ja ja, ich werd' ja gehen Herr Doktor.", seufzte er, nachdem er einige Male das Gesicht verzogen hatte, als Hizumi seine Wunden gereinigt und verarztet hatte. "War nur 'ne Vermutung. Er ist der einzige, der weiß, wo Aoi steckt. Oder wir haben es mit einem Auftraggeber schlimmster Sorte zu tun und das hier... war ein Killer, der ihn töten sollte.", kombinierte Kru, der früher gerne Detektiv gespielt hatte, bevor er zusehen musste, wie Verbrecher seine Mutter vor seinen Augen töteten und er schließlich in der Bande aufgenommen wurde. "Wenn ich herausfinde, wer dieses Verräterschwein ist, wird er sich bis über den Tod hinaus verfluchen, mir begegnet zu sein und diesen Fehler begangen zu haben!!", presste Kru unter zusammengebissen Zähnen hervor, als er sich ohne Hizumis Hilfe aufrichtete. "Brauchst du mich noch?"
 

Hizumi nickte langsam. "Ich tippe auf einen Auftragskiller... Wo der war, gibt es noch andere... Ganz sicher.. und deshalb müssen wir verdammt vorsichtig sein. Es kann sein, dass wir einen Maulwurf unter uns haben, der den anderen verrät, wo wir sind und was wir gerade tun..." Er sah zu Aoi. "Von nun an sorge ich persönlich für seine Sicherheit. Kru? Du bist mein Stellvertreter. Ich vertraue dir." Ganz kurz grinste der Schwarzhaarige und klopfte ihm auf die Schulter. "Na? Alles wieder fit, mein Freund?"
 

"Hm...", machte Kru und zuckte mit den Schultern, wodurch sein Muskelkater, den er sich durch den Kampf geholt hatte, überrannte und ihn kurz die Mundwinkel verziehen ließ. "Ich werde mich mal umhören, sobald ich 1... vielleicht 2 Stunden Schlaf bekommen habe...", versprach er und sah bei seinen Worten auf den Boden. Er wollte nur nicht als Weichei dastehen, wenn er sagen würde, das er seine Pflicht als Freund und Mitgleid für einen Arztbesuch verschieben würde. "Du weißt schon...", setzte er noch hinzu und straffte die Schultern. "Ich hasse diese Schwäche. Wenn ich daran denke, das ich früher immer so war, zieht sich alles in mir zusammen.", meinte er und spuckte verächtlich auf den Boden. "Ich werde mich darum kümmern. Du kannst dich auf mich verlassen!", sagte er sofort, als Hizumi ihm sein Vertrauen mitteilte und deutete eine Verbeugung an. Als Hizumi ihm dann auf die Schulter klopfte, grinste er nur verbissen und streckte den Daumen in die Höhe. "Passt schon. Sobald ich was habe, meld' ich mich. Ich... lass euch dann mal...", verabschiedete er sich noch, als der Schwarzhaarige, der noch immer am Boden lag, schmerzhaft aufstöhnte und die Augen aufschlug.

Schnell drehte sich Kru um und verließ den Raum, nicht ohne einen sehnsüchtigen Blick auf den Mörder seines ehemaligen Kumpanen zu werfen, der wieder alleine im Mondlicht saß und sich nicht zu rühren wagte, er er die Tür mit Gewalt versuchte wieder einzuhängen, da diese der Killer aus den Angeln gerissen hatte, und schließlich dagegen lehnend stehenblieb. Kurz gönnte er sich eine Verschnaufspause und legte seine rechte Hand an seine linke Seite der Taille, an welcher er sich eine tiefe Wunde eingehandelt hatte. Dann ging er wankend weiter und sah jeden, der ihn besorgt musterte mit einem vernichteten Blick an, sodass sie ihn in Ruhe ließen.

Nur einer musste natürlich wieder angelaufen kommen!

Genervt seufzte Kru auf. "Hey... Was geht?", versuchte er eine Konversation und lief einfach weiter, sein Verfolger ihm dicht an den Fersen klebend.
 

"Hey Kru! Hast du Hizumi gesehen!? Er hat mich einfach stehen gelassen und ist abgehauen, als es gerade spannend wurde. Und was keuchst du hier eigentlich herum?", fragte Tsukasa aufgeregt und musterte Kru mit gehobenen Brauen. Irgendwas musste geschehen sein, da war er sich sicher!

"Noch nie 'nen Menschen mit Asthma gesehen? Und jetzt lass mich! Ich brauch jetzt ein wenig Ruhe. Dein Hizumi befindet sich in den Gefängnisräumen, zu denen du keinen Zutritt hast. Sein Juwel ist gerade aufgewacht...", verkündete er hähmisch grinsend und ließ einen entsetzten Tsukasa stehen, der, nachdem er die Informationen verarbeitet hatte, Kru mit angesäuerter Miene hinterherlief und ihm am Arm packte, um ihn zum Anhalten zu zwingen. "Du hast kein Asthma Kru! Und seit wann hat Hizumi ein Juwel?! Wer ist es...??!", fragte er und klang dabei leicht bedrohlich. Eifersucht übermannte ihn und so bekam er auch nicht mit, wie Kru das Gesicht vor Schmerz verzog. "Wärst du bitte so freundlich... und krallst deine Nägel in den Rücken von einem deiner Liebhaber und verschonst mich damit?! Was weiß ich, wer das ist! Er ist da, wir sollen auf ihn aufpassen, Punkt. Wenn Hizumi einen Narren an ihn gefressen hat, dann kannst selbst du nichts tun und jetzt such dir jemand anderen, dem du auf die Pelle rücken kannst!", giftete Kru und stieß ihn von sich, sodass Tsukasa zurückstolperte und gegen jemanden stieß, der seine Arme, mit einem dreckigem Lächeln im Gesicht, um ihn legte. "Na Tsukasa~ Schon was vor?", säuselte der Kerl in Tsukasas Ohr und stöhnte schmerzhaft auf, als er ein Bein zwischen die seinige bekam, um dann sofort auf dem Boden zusammenzubrechen. "Ja, aber nicht mit dir, Hohlbirne!", giftete Tsukasa schlecht gelaunt zurück und lief zu den Gefängnisräumen, um, als er davor stand und sich an Hizumis Verbot und Krus Worte zurück erinnerte, sein Ohr an die Tür zu legen, um zu lauschen. Wut kochte in ihm und seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt.

//Wer es wagt, meinen Hizumi für sich zu beanspruchen, muss leiden...//, schwörte er und lächelte hinterhältig, welches Hizumi zum Glück nicht sehen konnte.
 

~+~
 

Der dickleibige Mann, der in dem Raum des Todes auf einem Thron saß, brach in schallendes Gelächter auf und mit Hilfe seines Stockes richtete er sich auf. "Das muss ich mir doch mal genauer anschauen...", setzte er nach seinem Lachanfall murmelnd hinzu und lief auf den Bewusstlosen zu. Plötzlich wieder mies gelaunt, trat er probeweise in die Seite des Blonden. Auch der Hühne bekam den Stimmungsumschwang mit. Das konnte nichts Gutes heißes. Der Boss wechselte seinen Launen öfter als seine Unterwäsche, so viel er jedenfalls wusste.

"Hey, komm her!", wurde er angewiesen und trat zögernd näher. "Mach ihn wach! Egal wie, aber tu es! Ich bin noch lange nicht mit ihm fertig!", meinte der viel kleinere Mann rasend und bekam einen ganz roten Kopf.
 

"Ja,ja! Schon gut! Setzen sie sich lieber. Ihr Blutdr-" "Der geht dir ein Scheißdreck an! Los!", unterbrach ihn der Boss und kehrte ihm den Rücken zu, um trotz allem dem Vorschlag des Hühnen nachzukommen.
 

Seufzend packte der Riese Reita unter den Achseln und versuchte ihn aufrecht aufzustellen. "Hey, werd' wach Kleiner! Die Show ist längst noch nicht vorbei!"

Dann ein, zwei Backpfeifen später, aber der Blonde blieb Bewusstlos.
 

"Boss, der is-"

"Ruhe! Lass mich nachdenken..., grummelte der Boss und legte die Stirn in Denkfalten.

"Versuch's mit Wasser oder... schlag ihn weiter, bis er aufwacht! Solange habe ich schon drauf warten müssen... da-"

"Aber dann können sie doch noch ein paar Stunden wart-", rutschte es dem Hühnen raus und geschockt weiteten sich seine Augen. "S-sorry Boss."

"Grrr... SHI!!!???", brüllte dieser zur Antwort und wie aus dem Nichts entsprungen, stand ein ebenfalls groß geratener Mann mit langen silbernen Haaren und weißem Kittel neben dem ,Thron' Sein Kittel war vollgespritzt mit Blut.

"Ja...?", machte der Neuankömmling mit emotionsloser Miene und starrte den Hühnen, inmitten des Raumes, an.

"Bring ihn in die Arrestzelle! Er soll lernen mir zu gehorchen und mir nicht zu widersprechen!", wies der Boss ihm an und gestikulierte mit der Hand durch die Luft.

Mit langsamen, zielsicheren Schritten, ging der Silberhaarige zur Mitte des Raumes und zog sein blutiges Messer. "Darf ich bitten...?" "Was hast du vor, Bruder?!", fragte der Hühne ängstlich und schluckte. Schon immer hatte er vor dem älteren Bruder Angst gehabt. "Den Befehl ausführen..." "Dabei gibt es doch ganz sicher einen Haken, oder?", fragte der Hühne und ließ Reita zu Boden fallen. Der hatte ihm die Sache doch erst eingebrockt!

"Keinen Haken... Komm nur mit... Bruder... herz.", raunte der Ältere und brachte ein Zucken des rechten Mundwinkels zu Stande. Das Gesicht des Hühnen verdüsterte sich. "Du willst mich umbringen, oder?! So wie du es mit Mum und Vater gemacht hast! Du widerliches Schwein!", brüllte der Jüngere und machte einen Schritt auf seinen Bruder zu. "Oh... Du... weißt es...? Dann muss ich dich wohl doch umbringen...", meinte Shi, setzte sich in Bewegung rammte dem jüngeren Bruder sein Messer mit solcher Geschwindigkeit in die Brust, das dieser überhaupt keine Chance gehabt hätte, den Angriff abzuwähren.
 

Erstickt röchelte der Hühne und sank auf die Knie. "W-warum?" "Du weiß zu viel und warst ungehorsam...", erklärte der andere und lächelte. "Du bist k-krank!" "Das war ich schon immer gewesen und trotzdem bist du mir hierher gefolgt." "Jemand musste auf dich aufpassen, aber von Liebe hast du ja keine Ahnung..." Ungerührt zog der Ältere das Messer aus der Brust des Jüngeren und zog ihn mit einer Hand in die Höhe, was sehr viel Kraft bedeuten muss, denn der Jüngere war weißgott nicht der Leichteste.
 

"Bin ich denn nur von Idioten umgeben...?!", fragte sich der Boss und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. "Shi, ich habe gesagt, das du ihn wegbringen sollst und nicht gleich töten! Wenn du so weitermachst, hab ich überhaupt kein Personal mehr und zuverlässige Leute sind schwer zu kriegen. Dann bring ihn halt weg... Beeil dich aber, ich will hier fortfahren!"
 

"Jawohl...", summte Shi vergnügt und stieß seinen Bruder durch den Knauf seines Messers an.
 

Zähneknirschend wartete der Boss auf Shi's Rückkehr und tippelte mit den dicklichen Fingern auf der Armlehne seines Throns. Als Shi dann plötzlich wieder unerwartet neben ihm stand, ohne das der Boss sein Kommen gehört hatte, atmete der Boss hörbar ein. "Du sollst dich nicht immer so anschleichen!" "Ja, Herr...", meinte der Silberhaarige belustigt. Der andere knurrte auf, schüttelte dann mit dem Kopf, da es eh nichts bringen würde, den Silberhaarigen zu belehren, und hob den ausgestreckten Finger. "Der Kleine soll wach werden. Schaffst du das, ohne ihn gleich an die Nieren zu gehen?" "Ich werde mich bemühe.", meinte Shi mit einem schiefen Grinsen und lief auf den Bewusstlosen zu. Zu seinem Bedauern, musste er das Messer wieder wegstecken, an dem noch immer das Blut seines Bruders klebte.
 

Mit einem einzigen Griff an den Kragen des Bewusstlosen, hob er diesen hoch und musterte ihn neugierig. Dies war also das Opfer, was sich der Boss genommen hatte. Ziemlich mickrig und unscheinbar, wie er enttäuscht feststellen musste. Und gegen ihn hegte der Boss solch Groll, das er sogar ihm bei seinen Menschenexperimenten störte? Das gab es sicherlich einen Haken bei, dachte sich der Größere und riss dem Blonden, wieder mit einer Hand, den Kragenbereich seines Krankenhausoberteils ab. Schnell hatte er die zwei wichtigsten Chi-Punkte gefunden, die die Hirnaktivität des Kleineren wieder beleben sollte, ohne das bleibende Schäden entstehen würden. Als er sie genauer betrachtete, fiel ihm etwas wichtiges ein. "Ohne Schäden, Boss?", fragte er und verzog nachdenklich die Stirn. "Ich müsste ihm Nadeln in die Haut bohren.", erklärte er und hob den Blick, rückte seine Brille zurecht, die gefährlich im fahlen Licht des Kellers aufblitzte. "Solange es nur Nadeln sind..." "Ich kann aber nichts versprechen..." "Das bedeutet?", fragte der Boss seufzend nach. Er wusste, das es dabei einen Haken geben würde. Besonders bei Shi. "Ich habe diese Methode nicht gelernt. Ich existiere, um Schmerzen zuzufügen, nicht um Schmerzen zu lindern. Ich könnte also gewisse Punkte ihn ihm treffen, die ihm viele Schmerzen zufügen könnten.", setzte Shi erklärend hinzu und grinste sein gefährliches Grinsen. Wenn der Boss wüsste, wie sehr er sich danach sehnte, diesen kleines Wesen in seinen Händen zu foltern...

Dann brach es aus ihm hervor. Ein hohes, angsteinflößendes und irren Kichern, das über die blassen Lippen Shis hervorbrach und dessen dürren Körper erzittern ließ.
 

Die Augen des Bosses formten sich zu Schlitzen und die Röte kroch auf seine Wangen. "Lass ihn sofort los Shi! Er wird nicht zu einem deiner Versuchskaninchen! Er gehört mir, hast du verstanden?!", fuhr er den Größeren an und erhob sich röchelnd. Nun veränderte sich das Gesicht des weißen Kittelträgers und nur widerwillig ließ er den Bewusstlosen wie eine leblose Puppe zu Boden fallen.
 

"Dann rufen sie mich gefälligst, wenn es wieder interessanter wird! Meine Beute wartet auf ihren grausamen Tod...", stieß der Silberhaarige wütend aus und verschwand so schnell, wie er gekommen war.
 

Seufzend ließ der Boss sich wieder in seinem Sessel fallen und tastete nach seinem Handy.

"Ja, ich bin es. Ich brauche vier neue Gefährten! Gibt mir die zwei Stärksten, die ein Blutbad aushalten. Ich brauche starke Männer!", informierte er seine Leute und legte auf. Dann rief er den nächsten an. "Wurde der Auftrag schon ausgeführt?!", fragte er sogleich und erhielt ein >nein< vom Auftragskiller, den er auf Aoi gehetzt hatte. "Wie, er ist aus dem Krankenhaus raus?! Dann such ihn gefälligst und bring ihn hierher! Ich will sie beide zu Tode quälen...", informierte er den Mann und legte abermals auf. Dann lehnte er sich seufzend zurück und wartete darauf, das die Zeit verging und neue Angestellten sich ihm vorstellten.

"Die sollen sich beeilen... Ich habe Hunger.", grummelte er und warf einen Blick auf das Häufchen Elend, welches sich Reita schimpfte.
 

~+~
 

Und während die Zeit verging und es immer dunkler draußen wurde, selbst der Mond hinter den dichten Wolken verschwand, öffnete sich knarrend eine unauffällige Tür und silbernes Haar lugte dahinter vor. Dann stahl sich eine blasse, langfingrige Hand aus der Dunkelheit und legte sich an die Seite der Tür, um sie aufzustemmen. Brillengläser blitzten auf und kurz darauf trat Shi in seinem blutigen Arztkittel hervor, um seinen scheinbar gelangweilten Blick auf den Boss zu werfen, der sich durch das knarrende Geräusch der Tür auf die andere Seite gedreht hatte und nun noch unbequemer auf dem leicht gepolsterten Stuhl mehr lag als saß.

Ein gehässiges Grinsen schlich sich auf seine fast blutleeren Lippen. //Ich nehme mir immer, was ich haben will...//, dachte er und ging auf die Mitte des dunklen Raumes zu, in der noch immer der zusammen geschnürte Bewusstlose lag. Mit abschätzenden Blick blieb er vor dem Blonden stehen, bückte sich zu ihm hinunter und hievte ihm mit einem Ruck auf seine Schulter. Ja bei seiner schmächtigen Figur würde man denken, er sei schwach und zerbrechlich, aber das war er nicht. Ganz im Gegenteil. Und das machte ihm zu einem unberechenbaren Gegner.
 

Auf leisen Sohlen schlich er zurück zur Tür und schaffte sein Opfer durch den Spalt, eher er selbst auch eintrat und die Tür wieder mit einem ungewollten Knarzer schloss. Dann ging es abwärts, immer weiter hinein in den dunklen, feuchten und immer enger werdenden Tunnel, der sich durch das Gestein fraß, bis er vor einer etwas zerfressenden Tür angelangte, welche einen Spalt offen stand. Aus dem Raum dahinter, wehte ein ekelerregender, miefiger Gestank, der dem Gestank des Todes hätte gleichen können, wenn Knoblauch und andere merkwürdig aussehende Gewächse nicht von der Decke hängen würden.

Hinter dem Herr dieses Zimmers schloss sich die Tür und Staub rieselte von der Decke, als die Tür in ihren Rahmen gefallen war.

"So...~ Was mach ich nun mit dir... kleiner Mann...?", fragte er rhetorisch und legte Reita unsanft auf seinen Experimentiertischchen ab, welcher nur so von roten Blutflecken überquoll, das man glatt denken könnte, er wäre nicht eigentlich weiß, was er wirklich ursprünglich war, sondern wäre rot und hätte weiße Flecken.

"Lass mich nachdenken...", murmelte er, schaute nachdenklich zu seinen Tierchen, die er sich hielt und schlug grinsend gegen den Fledermauskäfig, wodurch unnatürlich hohe Quietschgeräusche ertönten, die von drei kleinen, aufgeschreckten Fledermäusen kamen.

"Ich glaub, ich hab da was Nettes...", säuselte er dann plötzlich, als ihm in dem Lärm ein Gedanke gekommen war. Schnellen Schrittes wandte er sich seinen zugemüllten ,Schreibtisch' zu und warf die ganzen Papiere vom Tisch, um unter den letzten Unterlagen einen Schlüssel zu finden, den er sogleich in die Schublade rechts neben seinem Stuhl steckte und verheißungsvoll zu grinsen begann. "Hab ich letztens einen Wissenschaftler abgenommen, nachdem ich ihm die Hand abgeschnitten habe.", wiederholte er die vergangene Erfahrung sehnsüchtig lächelnd und nahm ein giftgrünes Schmuckkästchen hervor, mit welchem er ehrfürchtig auf den Tisch zuging, auf dem Reita noch immer bewusstlos ruhte und von all dem nichts mitbekam. Das Kästchen stellte Shi kurz beiseite, um den Blonden aus den Bauch zu drehen. "Ich würde dir raten nicht aufzuwachen. Das könnte sehr schmerzhaft werden.", verriet er mit belustigter Stimme und nah riss den Stoff über Reitas Wirbelsäule auf. "Ich bin gespannt, ob es funktioniert, was der Kerl da erfunden hat. Und wenn du wach bist, erzähl ich dir was ganz tolles.", verkündete er und klang dabei fast wie ein Kind, welches ein neues Spielzeug bekommen hat.
 

Dann begann das Experiment.
 

+~+
 

Kaum hatte Aoi die Bewusstlosigkeit verlassen, traf ihn der nächste Schlag. Unglaubliche Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Rückenschmerzen trafen ihn wie eine starke Welle der Empfindungen und brachten die zuvor geschaffte Leere in seinem Kopf in ein heilloses Durcheinander. Hatte er nicht zuvor noch in einem strahlend weißem Raum gelegen, umgegen von Kameras und nichts weiter als die Leere, die auch in seinem Geist herrschte und nicht etwa in einem düsteren und kleinen, stickigen Raum, an dessen Wände Stahlketten hingen und nur kleine Fenster mit Stahlgittern angebracht waren???!

Geschockt weiteten sich seine Augen und zitternd richtete er sich auf. Ängstlich blickte er sich um und faltete die kalten und zitternden Hände zwischen seinen dürren Beinen, die ihm nur wenig Wärme spendeten. Es war nicht so, das eine ungehäure Kälte in diesem Raum herrschte, aber die Erinnerungen an alte Zeiten holten ihn ein und überspülten sein kalt gewordenes Ich mit Empfindungen, die Richtung Angst und Entsetzen gingen. Wo hatte man ihn hingesteckt?! Wieder... in ein Gefängnis?

//Nein... nein...! Sakito... du... Wie kannst du mir das antun...?!//, fragte sich Aoi und schrie wütend auf. "Sakito!!!" Irgendwo musste er sich doch befinden... oder nicht?

Unbewusst traten Tränen aus seinen Augen und liefen Aoi über die glühenden, aber blassen Wangen.

"Das ist nicht witzig...", gab er noch mit leiser Stimme hinzu und schreckte auf, als er einen sich nähernden Schritt vernahm. Der Boss??!

Panik überkam ihn und schnell versuchte er in die entgegengesetzte Richtung zu kriechen, weg von den Schritten, doch etwas hielt ihn damit zurück. Verwirrt blickte er an seinen Händen hinab und Entsetzen überkam ihn, als er die dicken Eisenringe darum erblickte.

//Er hat mich... Er wird mich endlich erlösen...//, dachte er gab seinen Widerstand auf. Er hatte eh keine Chance sich gegen den Boss zu wehren, das wusste er und einen Grund hatte er auch nicht mehr, jetzt, wo Reita wieder weg war... //Und tot...//, setzte er in Gedanken hinzu und und sah trotzig zu dem Mann auf, der sich ihm genähert hatte. Abschätzend blickte er in die Augen seines Gegenübers. "Wenn du mich töten willst, bitte... tu es endlich! Schneid mir die Kehle durch, oder erschieß mich... Warum endlos leiden, wenn man die schlimmsten Leiden bereits durchlebt hat...? Oder gib mir etwas, womit ich mein Leben beenden kann! Es gibt keinen Grund mehr zu leben und auch wenn du deine Befehle hast, bitte... ich... ich flehe dich an... Bring es zu Ende!", bat er Hizumi und kroch nun auf Knien zu dem Schwarzhaarigen vor. "Bring mich nicht zu ihm!", bettelte er und krümmte sich zu einem Häufchen Elend zusammen. Nein, er würde es nicht ertragen, den Boss zu sehen und womöglich die Leiche seines Liebsten. // Ich traue diesem perversen Schwein alles zu!//
 

Hizumi sah Aoi lange an, dann setzte er sich vor ihn und tat erst mal gar nichts. Er beobachtete ihn nur und hörte ihm zu. Dann legte er den Kopf schief. Shit, war dieser Mensch am Ende... Langsam und leise sprach er auf ihn ein. "Mein Name ist Hizumi und du musst keine Angst haben. Du bist nicht beim Boss. Ich kenne Sakito. Er hat mich gebeten, mich um dich zu kümmern und auf dich aufzupassen, dass dir nichts geschieht. Hast du Hunger Aoi?"
 

Verwirrt sah er auf, als Hizumi zu sprechen begann. Warum klang dieser Kerl so ruhig und... scheinbar harmlos?

"N-nicht... bei ihm?", fragte er verwirrt und versuchte seine Gedanken zu ordnen. "A-aber wo bin ich hier?! Warum sieht es so aus, als würde ich wieder in einer engen und dunklen Zelle hocken und bin an diese Eisenketten gebunden?! Das... hätte Sakito doch nicht gewollt, oder?", fragte er misstrauisch und riss an den Ketten. Ihm war es egal, ob die Ketten in seine Handgelenke schnitten und sich Wunden bildeten. "Ich rate dir eines Hizumi... Fass mich nicht an und lass mich hier in Ruhe vor mir hin siechen! Ich habe keinen Hunger!", meinte Aoi, sagte nichts zu seinen an ihm nagenden Bauchschmerzen und zog sich an die Wand zurück. "Egal ob Sakito mir helfen wollte... ich brauche seine Hilfe nicht! Ich habe schon längst den Lebenswillen verloren und nichts hält mich hier. Vergiss Sakito und bring es zu Ende!"
 

Hizumi schüttelte den Kopf. "Nein, so einfach ist das nicht Aoi. ich lasse dich nicht sterben und einfach so aufgeben wirst du auch nicht, verstanden? Also... du bist nicht gerade gefangen... Aber hier bist du am sichersten. Eine Blümchentapete konnte ich in der kurzen Zeit nicht mehr organisieren, tut mir Leid." Er zog ein frisches, duftendes Brötchen aus der Tasche und legte es vor Aoi. "Gefesselt bist du nur, weil wir deine selbst zerstörerische Art kennen." Hizumi lächelte und sah Aoi an. "Du kannst nicht einfach so aufgeben. Dein Freund kämpft mit Sicherheit auch für dich..."
 

"Du hast mir gar nichts zu sagen! Wenn du das trotzdem tun willst, dann bist du nicht anders als die anderen! Ich hasse euch! Nimm dein Essen und geh! Ich will es nicht!", meinte er abweisend und schüttelte wild mit dem Kopf, sodass sich ein Schwindelgefühl in ihm ausbreitete. Als Hizumi dann von Reita sprach, riss er wütend die Augen auf, sprang auf und wollte sich auf Hizumi stürzen, doch die Ketten rissen ihn zurück und schließlich zu Boden. "Sprich nicht über ihn! Sprich nicht über etwas, was du nicht verstehst! Du hast ja keine Ahnung!", brüllte er, ignorierte die Tränen, die seine Wangen benässten und stand wieder auf, um sich Hizumis Waffe an dessen Gürtel zu schnappen, um sich selbst das Leben zu nehmen.

//Er ist Tod!!//, schrie jemand in seinem Kopf und ließ ihn blind wüten.
 

Hizumi zuckte zurück. Doch dann schüttelte er den Kopf und sah ihn streng an. "Baka! Ich rede, wie es mir passt! Und ich sag dir eins: ich beschütze dich. Ich lasse nicht zu...", er verstummte als Aoi sein Messer griff, dann reagierten seine Reflexe. Er griff nach dem Messer, drehte Aois Handgelenk und keuchte auf, als sich die Klinge in seine Seite bohrte. Trotzdem hielt er Aoi fest und drückte ihn an sich. "Beruhige dich... Bitte.. "
 

Einen überraschten Laut ausstoßend, verlor er die Kontrolle über das Messer, welches er glücklicherweise hatte ziehen können, als der Besitzer sein Handgelenk auch schon weggedreht hatte und fiel genau in dessen Arme, welche er fast wie selbstverständlich um ihn schlang. Doch Aoi war nicht blind. Er hatte gesehen, was geschehen war. Doch wenn dieser Hizumi nicht versucht hätte, ihm das Messer wegzunehmen, mit welchem er sich hatte töten wollen, hätte genau dieses Messer seinen Besitzer nicht getroffen. "Du nennst mich Baka?! Schau was du dir selbst zuzuschreiben hast! Warum willst du auch einem helfen, der dir fremd ist?", fragte er verständnislos mit aufgebrachter Stimme und drückte den anderen von sich. Zumindest versuchte er es, aber dieser Hizumi war wohl doch stärker, als er gedacht hätte...

Ein unangenehmes Kribbeln auf seiner Haut und das sich wieder präsent zeigen wollende Gefühl der Beengung und der Angst übermannte ihn. Dieser Hizumi solle ihn loslassen!

"Bitte... nimm deine Hände von mir...!", bat er ihn im dringlichen Ton und begann wieder einmal zu zittern. "Geh und lass mich hier alleine zurück! Ich brauche keine Hilfe!", rief er wieder aus und versuchte erneut, den anderen Körper, der ihn so beengte, von sich zu drücken. Als sich trotz allem nichts änderte, weiterhin diese Arme um ihn lagen und zwangen, in seiner Position zu verbleiben, versuchte er es mit anderen Mitteln. Entgegen seinen Berührungsängsten hatte Aoi seine Hände auf den Rücken des Schwarzhaarigen gelegt, ehe er weiter hinab wanderte und Hizumi versuchte, mit seinen dunklen Augen und festem Blick Bewegungsunfähig zu machen - vielleicht war es dumm zu glauben, das die Tricks aus den Krimifilmen, die er früher ab und zu gucken durfte, wirklich funktionieren konnten - Dennoch versuchte er sein Glück, legte eine kurze Bewegungspause ein, ehe er schnell nach Hizumis Shirtende griff, um ihm dieses über den Kopf zu ziehen, damit er blind werden würde und anschließend den Moment der Überraschung zu nutzen, um in die Dunkelheit fliehen zu können.
 

Doch Hizumi war kein leichter Brocken, wie Aoi bitter feststellen musste, denn nun war der Griff noch fester geworden. "Irgendwann musst du mich loslassen, um wieder etwas sehen zu können, zumal du ja auch verletzt bist...", meinte Aoi mit flatternden Nerven und versuchte nun die ineinander verhakten Finger Hizumis auf seinem Rücken zu lösen. "Tu dir selbst den Gefallen und lass mich los, ehe ich dir wehtue!", warnte er ihn dann, als es langsam echt zu viel für ihn wurde. "Wenn du mir helfen willst, dann lass mich los!", setzte er noch hinzu und schlug nun verzweifelt auf die Brust des Schwarzhaarigen ein, da er gemerkt hatte, das seine Versuche wohl nichts brachten. Mit wem hatte er es hier wirklich zu tun?! Entweder war dieser Hizumi unglaublich sicher in dem, was er tat und wie er es tat, oder er war unglaublich dumm.
 

Hizumi hielt Aoi nun nicht mehr so fest, trotzdem konnte er den Jungen nicht loslassen. "Aoi..." Überrascht zuckte er zusammen, als dieser ihm das Shirt über den Kopf zog. "Aoi... sei kein Narr... Es ist sicher nicht leichter für dich, wenn ich hier halbnackt... vor dir knie..." Das Blut tropfte aus der Wunde, doch Hizumi störte es kaum. "Aoi... wovor hast du Angst? Dass ich dir weh tue? Dass ich sonst irgendwas mit dir tue? oder dass ich eben all das nicht tue, sondern dir helfen kann?" Hizumi ließ ihn langsam los und zog sein T-Shirt wieder runter. "Tu mir ruhig weh, das stört mich nicht.", meinte er und sah ihn ruhig an.
 

Verzweifelt überlegte Aoi, was er noch tun konnte. Er wollte niemanden umbringen, soviel stand fest, aber der andere legte es ja regelrecht an, das er ihm weh tat! Wut über diesen dummen Mann überkam ihn. "Da kannst du lange auf eine Antwort warten...!", presste er wieder zwischen den Zähnen hervor, suchte dabei den Boden nach etwas Brauchbarem ab, welches er verwenden konnte, um sich von Hizumi lösen zu können, und fand das Messer, welches von Blut überseht war. Schnell griff er danach, fiel jedoch kurz darauf aus Hizumis Armen, als dieser ihn endlich losgelassen hatte und kroch nun bewaffnet zurück in die dunkle Ecke dieses beinahe fensterlosen Raumes. "Wer bist du wirklich...?!", fragte er und hielt das Messer kampfbereit, falls Hizumi es wagen sollte, sich ihm wieder zu nähern. Er wollte, das dieser verschwand! Endlich hatte er gefunden, wonach es ihm die ganze Zeit gedürstet hatte und endlich sollte etwas beendet werden, was schon lange hätte beendet werden sollen. Sein Leben, welches er als unwichtig und unbrauchbar empfand, da er nicht ohne seine zweite Seite leben konnte.
 

"Ich sagte dir bereits, wer ich bin, Aoi. Ich bin Hizumi, ein Freund von Sakito. Er hat mich gebeten auf dich aufzupassen, mich um dich zu kümmern und dich zu beschützen. Meine Männer suchen Reita und glaube mir, wir finden ihn und was sollen wir ihm dann sagen? Dass Aoi sich umgebracht hat? Aoi, kämpfe, solange noch der Rest einer Chance da ist, dass er noch leben könnte!" Hizumi kam auf ihn zu und streckte die Hand aus. "Gib mir das Messer, Aoi. Ich werde dir nichts tun. Ich gehöre nicht zum Boss, doch ich habe überall meine Leute." Er strich sich seufzend durchs Haar. "Was soll ich noch tun, um dir zu zeigen, dass ich's Ernst meine? Ich weiß nicht mehr weiter, Aoi... Ich kann es Reita nicht erklären, wenn du tot wärst... Dann wäre alles umsonst gewesen... und ich denke, dann würde er auch nicht mehr leben wollen... Versetz dich doch in seine Lage! Er wird kämpfen, weil er weiß, dass du noch lebst. Warum gibst du ihm nicht die gleiche Chance und kämpfst für ihn?" Während er sprach, hatte er Aoi unbemerkt das Messer entwendet und wich wieder ein Stück zurück.
 

"Das sagtest du bereits.", grummelte der Schwarzhaarige und hörte diesem Hizumi aufmerksam zu, blieb aber dennoch an der Wand gelehnt sitzen. Als sein Gegenüber auf Reita zu sprechen kam, ballten sich Aois Hände zu Fäusten und bitter senkte er seinen Blick. Nur Hizumis ausgestreckte Hand erschien in seinem Blickfeld, welches stark von seinem langen Pony verdeckt war. Und wie er Hizumi so zuhörte, spürte er ein Fünkchen Wahrheit in dessen Stimme und begann in seinem Beschluss zu schwanken. Würde er damit wirklich das Richtige tun? Wartete Reita nicht bereits auf der anderen Seite auf ihn? Doch wie groß konnte er die Wahrscheinlichkeit einschätzen, das sein Liebster bei diesem Mistkerl noch lebte? Stumm verblieb er, zusammen gekauert, schwankend. Sollte er diesem Kerl trauen? "Haben sie schon etwas... herausfinden können...?", fragte er schließlich mit schwacher und zitternder Stimme. Auch hob er dabei den Blick und sah Hizumi fragend und zugleich hoffend an. Den Griff um das Messer hatte er unbewusst gelockert. So gab er auch nur einen überraschten Laut von sich, als er das Messer, welches er gerade noch in der Hand gehabt hatte, sich plötzlich in Hizumis Besitz wiederfand. "Wie...?!", stieß er fragend aus und sah auf seine Hand. Verwirrt fasste sich der Schwarzhaarige an den Kopf und ließ diesen in der Kuhle zwischen Knien und Schultern sinken.

Hizumi hatte ihn in der Hand.

Und durchaus mochten seine Worte Sinn ergeben! Aber... konnte er ihm wirklich trauen?

"Ich... i-ich würde es nicht ertragen, wenn ich seine toten Körper vorfinde sollte oder sehe, wie er soweit gequält wird... I-ich kann nicht mehr... ich... will das alles nicht mehr... Hizumi... finde ihn. Hilf uns... ich bitte dich. Ich will ihn lebend in meinen Armen halten und sehen, wie der Verursacher unserer Leiden elendig stirbt.", gab Aoi mit schwacher Stimme von sich, die schließlich an Kraft verlor und Aoi verstummen ließ. Trocken hustete er auf.
 

Hizumi sah mit Erleichterung, wie sein Widerstand endlich brach und er lächelte leicht. "Ich werde dir helfen, Aoi, wir finden ihn und er wird leben, das verspreche ich dir und diesen Boss werde ich eigenhändig umbringen." Das Messer legte er weg, außerhalb Aois Reichweite und hob langsam die Hand, um seine Tränen weg zu wischen. "Hey... Du musst stark sein, Reita wird dich brauchen. Er kann sich wirklich glücklich schätzen, so einen tollen Freund zu haben...", sagte er und ein klein bisschen Neid schwang in seiner Stimme mit.
 

"Versprich nichts, was du nicht halten kannst.", meinte er bitter lächelnd und schüttelte schwach den Kopf. Als Hizumi, der wirklich nichts Böses wollende, ihn dann plötzlich an der Wange berührte, schreckte er erschrocken zurück und stieß mit dem Kopf an die Wand. Schmerzhaft keuchte er auf. "T-tut mir Leid... ich mag das nicht.", erklärte er und sah zu Boden. Als er den Schwarzhaarigen weiter sprechen hörte, lachte er kurz verächtlich auf. "Guter Freund!? Wegen mir muss er doch erst dieses Leid ertragen!", meinte Aoi und biss sich auf die Lippe. "Wegen mir, hätte der Mistkerl von Boss ihm nie seine Aufmerksamkeit geschenkt! Er war nur wegen mir an das Gitter gekommen und dann hat er eine neue Möglichkeit gefunden, mir weh zu tun. Reita ist wegen mir sein neues Opfer geworden...", gab er mit trauriger Stimme hinzu und verdeckte sein Gesicht mit den Händen, schluchzend. Den neidischen Unterton in Hizumis Stimme hatte er nicht wahr genommen...
 

Hizumi seufzte. "Schon gut... Ich will nur helfen, ich will dich nur verstehen.. mehr nicht. Aber Aoi... lass dich nicht gehen. Du musst was essen, Du solltest dich waschen, du solltest Reita nicht zeigen, wie schlecht es dir geht,wenn er dich sieht.. Ich helfe dir dabei, aber du musst mir auch entgegenkommen und mir nicht bei erster Gelegenheit ein Messer in den Leib rammen."
 

//Warum will er das? Niemand hat sich bisher für mich interessiert, außer... Sakito... Reita...//, zählte er in Gedanken auf und beendete seine Aufzählung auch schon nach zwei Nennungen. Zu Hizumis Ratschlägen kräuselte er nur seine Stirn. //Und wenn ich ihm dann Quietschfidel entgegenkomme, dann ist das nicht fair! Aber vielleicht, würde Reita es so wollen?//, fragte er sich und starrte das Essen wie einen Feind an, welches Hizumi ihm vorhin vor die Füße gelegt hatte. "Vielleicht hast du Recht...", murmelte er schließlich und fuhr mit zusammengezogenen Brauen auf, als Hizumi ihm vorwarf, ihn absichtlich verletzt zu haben. "Denkst du etwa, ich wollte das?! Ich wollte das Messer nicht, um dir wehzutun! Wenn du es mir nicht hättest entreißen wollen, dann wäre das nicht geschehen!", rechtfertigte er sich und kam etwas aus seiner Ecke heraus, um der Wunde nun doch einen abschätzenden Blick zu zuwerfen. "Ich bin niemand, der andere gerne verletzt...", setzte er noch mit leiser gewordener Stimme hinzu und rückte noch ein wenig näher, um seine zitternde Hand auszustrecken und Hizumis Shirt an der verletzten Seite etwas hoch zuschieben. Aoi musste schlucken, als er die Wunde sah. "D-du musst zum Arzt...", presste er hervor und senkte beschämt den Blick.
 

Er überraschte sich immer wieder selbst. Gerade noch verlor er den Verstand, tat alles, um sich und die, die er liebte, schützen zu können und im nächsten Moment war er wieder der ,alte' Aoi, wenn man einen gebrochenen Menschen so bezeichnen konnte, der zusätzlich unschuldig einige Jahre im Gefängnis verbracht hatte und die schlimmsten Jahre seines Lebens dazu!
 

"Ich wollte das nicht... wirklich nicht..."
 

"Ist schon gut. ich weiß, du wolltest das Messer nicht um mir weh zu tun, sondern um dich zu verletzen, aber das ist keine Lösung, hörst du? Also... es ist so besser und es macht mir auch nichts aus. Ist nicht schlimm. Wir schaffen das Aoi. So wie du sprichst, gefällst du mir sehr gut. Du fasst neuen Mut und das ist wichtig. Das hilft dir dabei Reita zu helfen und mach dir um die Verletzung keine Sorgen. Ich bin Schlimmeres gewohnt.."
 

"Du hörst dich an, wie ein Lehrer.", seufzte Aoi und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. "Durch deinen Job...?", fragte er vorsichtig und neugierig zugleich und sah erschreckend zu, wie Hizumi noch mehr Blut verlor, da sich sein Shirt nun ganz über der verletzten Stelle mit Blut getränkt hatte. "Solltest du nicht lieber... na ja... einen Arzt holen? Du kannst mich ruhig alleine lassen. Solange noch Hoffnung besteht, wie du meinst..., werde ich nichts weiter versuchen. Sollte ich aber erfahren, das er... nicht mehr leben sollte, dann verspreche mir, das du mich das nächste Mal nicht aufhältst, wenn ich nach einem Messer greife. Versteh bitte... Ich kann nicht ohne ihn und ich habe ihm mein Wort gegeben, das wir immer zusammenbleiben werden."

//Warum erzähle ich ihm das eigentlich?!//, fragte er sich und senkte irritiert den Blick.
 

Hizumi nickte. "Okay. ich werd' nicht eingreifen.. Versprochen...", sagte er schweren Herzens. "Aber alleine lasse ich dich nicht. Ganz sicher nicht. Damit musst du jetzt eben leben, Aoi. Leicht werde ich es dir nicht machen, zu gehen. Wie du siehst, bin ich bereit, so einiges auf mich zu nehmen, um dich zu schützen."
 

"Danke...", entgegnete Aoi dankbar und sah auf, als Hizumi weitersprach und ihm da etwas erzählte, was sein Herz schneller schlagen ließ. Was war denn jetzt los?! "W-warum sagst du sowas? Wir kennen uns doch gar nicht! Tust du das nur wegen Sakito? Bezahlt er dich dafür?!", fragte er misstrauisch und mit bitter unterlegter Stimme.
 

"Warum sagst du das?? Okay... ich versteh schon... Für dich ist es schwer zu vertrauen... Aber das ist kein Grund mir sowas zu unterstellen. Bitte Aoi... Iss etwas."
 

"Auch wenn du nett zu mir bist, kann hinter deiner Fassade ein Geheimnis lauern, welches nur auf den richtigen Moment wartet, freigelassen zu werden. Man kann niemandem trauen, nicht mal sich selbst.", erklärte er sich und warf nach Hizumis Bitte einen Blick auf das Brot. Bei dem Anblick zog sich sein Magen zusammen. "Es wird nicht lange drin bleiben...", befürchtete er und nahm das Brot widerwillig in die Hand. Nach einigen Betrachtungen wollte er es wieder zurücklegen und meinte dabei zu Hizumi: "Ich... ich hab keinen Hunger." und schüttelte mit dem Kopf. //Mein Magen rebelliert jetzt schon...//
 

Er seufzte. "Ich kann dich verstehen.. Sakito hat mir erzählt, was dir passiert ist, und ich nehme es dir nicht übel.. Nach all dem was du durchgemacht hast, ist es ein Wunder, dass du noch nicht den Verstand verloren hast. Aber denkst du nicht, dass es gerade jetzt an der Zeit ist, Mut zu fassen und darauf zu vertrauen, dass alles wieder gut wird? Du hättest es verdient. So.. und nun tu was für deinen Körper. Hier, trink wenigstens etwas. Soll ich den ersten Schluck nehmen, damit du siehst, dass das Wasser nicht vergiftet ist? Also gut." Er nahm einen Schluck und gab Aoi dann die Flasche. "So, siehst du? Kein Gift." Er lächelte ihn aufmunternd an. "Aoi.. fang wieder an zu leben..." bat er ihn.
 

Geschockt riss Aoi die Augen auf. //Er weiß... alles?!//, fragte er sich und versuchte seine Entrüstung und seine Wut auf Sakito möglichst nicht preis zu geben. Schließlich schien er es zu sein, der ihm noch immer helfen wollte, obwohl er ihm seinen Hass deutlich gemacht hatte, oder?! Es mochte schon seine Richtigkeit haben, das er Hizumi aufgeklärt habe, aber dennoch fühlte er sich unwohl dabei.

Bei dem Wort Körper sah er auf. Zuerst sah er Hizumi panisch an, ehe er begriff, das dieser nichts von ihm wollte, sondern ihm nur wieder seine Hilfe anbot, indem er ihm etwas zu Trinken hinhielt. Irritiert musterte er die Flasche und sah dann unsicher zu Hizumi auf. Er sah ja ein, das Hizumi recht mit seinen Worten hatte, aber würde es Aoi sicherlich schwer fallen, sich wieder an Trinken und vor allem Essen zu gewöhnen. Wie lange hatte er gehungert? Er wusste es nicht.

Aus der Unsicherheit heraus, beobachtete Aoi jede Bewegung Hizumis und musste leicht grinsen, als dieser den Gifttest machte. //Irgendwie glaube ich ich ihm...//, stellte der Schwarzhaarige überraschend fest und fasst nach der Flasche, als Hizumi ihm diese wieder reichte. Zuerst sah er noch etwas unsicher drein, ehe er es wagte und die Lippen an die Halsöffnung presste, um ihr auch ja so viel wie möglich Inhalt zu locken und nichts daneben zu schütten.

Anfang war es schwer, den Würgereflex zu unterbinden, den er sich in den letzten Tagen angeeignet hatte, doch als er sich damit abgefunden hatte, trank er gierig die Flasche leer. Als er es geschafft hatte, atmete er hastig die Luft ein und lehnte sich zurück an die Wand. Erschöpft hustete er auf. Er hatte gar nicht bemerkt, wie durstig er eigentlich gewesen war! "Danke...", murmelte er schwach und schloss die Augen, während er sich über die Lippen leckte, um auch den letzten Rest von der kühlen Nässe in sich aufzunehmen.
 

Hizumi sah ihm lächelnd zu, wie er die Flasche leer trank. Wieder war der Anführer bei dem Schwarzhaarigen einen Schritt weiter gekommen. "Na siehst du?" Hizumi hielt ihm nun eine weiche Decke hin. Er wollte versuchen, trotz der trostlosen Situation dem Verzweifelten soviel Komfort wie möglich zu geben. "Ruh dich ein bisschen aus, ja? Und vielleicht schaffst du es ja doch, etwas zu essen. Wir kriegen dich schon wieder auf die Beine, Aoi. Sei unbesorgt."
 

Als der andere erneut das Wort an ihn richtete, öffnete Aoi erschöpft die Augen, um schließlich der Decke, die Hizumi ihm hinhielt, einen irritierten Blick zu schenken. Fror er überhaupt? Nachdenklich griff er nach ihr und befühlte etwas abweisend den Stoff, aus dem sie gemacht war. //Auch wenn ich Kälte schon längst nicht mehr empfinde, mein Körper wird es mir danken.//, sagte er sich und legte sie seufzend über seinen Unterkörper. "Danke für die Decke. Später... werde ich dann auch duschen. Weck mich aber sofort, wenn ihr Neuigkeiten von Reita habt, okay?!", bat er mit fordernder Stimme und sah Hizumi aus großen Augen an. "Wisst ihr denn, wo er sich befinden könnte? Habt ihr überhaupt schon etwas herausgefunden?"
 

„Meine Männer arbeiten daran, Aoi. Wir werden seine Spuren verfolgen und ihn finden." Er rutschte etwas näher und zog Aoi in seine Arme, streichelte den schmalen, dürren Körper beruhigend. "Wir finden ihn.", wiederholte er. Diese großen Augen... Hizumi konnte dem Blick nicht widerstehen... Vorsichtig legte er seine Arme um Aoi, streichelte ihn, und legte seine Lippen sanft auf Aois...
 

+~+
 

Der nicht gelernte Arzt im weiß-roten Kittel nahm sich ein Skalpell zur Hand und prüfte die Schärfe, in dem er sich selbst damit in den Oberschenkel schnitt. "Perfekt...", meinte er, ohne mit der Wimper zu zucken. Dann wischte er das Messer an seiner Hose ab und wandte sich wieder Reitas Rücken zu. "Setzen wir das kleine Ding mal in deine Nervenbahn was?", murmelte er konzentriert, rückte die Brille noch einmal zurecht und setzte das Messer an. Ein kleiner Schnitt schon und Blut spritzte ihm entgegen. Genervt seufzte der Silberhaarige auf und wischte die Brille an seinem Kittel ab, ehe er sie wieder aufsetzte und seine Arbeit fortführte. "Deshalb hasse ich Lebende..."
 

Und je tiefer er schnitt, desto mehr Blut floss aus der offenen Wunde und behinderte den nicht gelernten Arzt. "Verdammter Mist! Wo bleibt die Schwester, die das Blut wegsaugt, wenn man sie braucht?! Jin!!! Komm her, dummes Gör!", brüllte er wütend und versuchte irgendetwas außer Blut an der Schnittstelle auszumachen. Als keine Antwort kam, wollte Shi erst seine Arbeit unterbrechen, um seine Schwester zu holen, als ihn siedend heiß einfuhr, warum sie nicht kommen konnte und zum ersten Mal bedauerte er seine Experimentiersucht ein wenig(!). Nachdenklich blickte er zur Decke, an welcher auch Knochen herunterhingen. "Schade... jetzt hätte ich dich gebrauchen können.", murmelte er und blickte den Totenschädel ausdruckslos an. "Na dann eben blind drauf los...!", seufzte er, griff schulterzuckend ein bereits blutbeflecktes Tuch zur Hand und tupfte weitgehend das Blut von der Wunde. Natürlich bewirkte dieser Versuch keine große Wirkung, den weiteres Blut floss nach. Schließlich lebte sein Opfer noch und musste leben, nicht nur wegen dem Boss, sondern weil sein Experiment nur bei einem Lebenden gelingen würde.

"Also wenn ich jetzt hier lang schneide, würde ich ihn querschnittslähmen und DAS würde dem fetten Sack auffallen und mir nicht viel bringen... und hier...? Wenn ich was sehen könnten, wüsste ich es. Ich versuch's einfach... Wenn er mir wegstirbt, hat Fettsack pech und ich such mir ein neues Opfer.", meinte er und schnitt sich den Weg frei. Immer mehr Blut quoll hervor und ab und zu zuckte der Körper unter ihm hoch, was wohl bedeutete, das er nah dran war. "Der Streber meinte, das es sich selbstständig verbinden würde... Dann hoff ich mal für ihn, das er mich nicht angelogen hat, sonst stirbt er ganz.", grummelte er mit bedrohlicher Stimme, öffnete mit blutiger Hand das giftgrüne Schmuckkästchen, um einen kleinen Chip daraus hervor zu holen. Dann drückte er Reita diesen Chip blind in die offene Wunde an seinem Rückgrat und das solange, bis der Körper des Blonden sich ihm entgegenbog. "Getroffen...", bemerkte er fies grinsend und wischte sich die Hände an seinem Kittel ab, bevor er hastigen Schrittes zu seinem Schreibtisch lief und eine kleine Fernbedienung hervorholte. "Dann testen wir dich mal.", murmelte Shi und drückte den grünen Knopf an der Vorderseite der Bedienung. Ein seltsames Geräusch war zu hören und dieses kam deutlich aus Reitas Richtung. Wieder zuckte der Körper auf, nur noch gewaltiger als vorher. Man könnte meinen, die Wirbelsäule würde brechen, so arg verrenkte sich der Körper aus Reflex, weil sich der Chip gerade an seine Nervenbahnen anknüpfte, die seinen Körper steuerten. //Wenn er doch nur wach wäre...//, dachte Shi sehnsüchtig und funkelte sein Opfer begeistert an. //Anscheinend funktioniert es.//, merkte er dann irgendwann an, als sich die Bewegungen des zuvor noch zuckenden Körpers beruhigt hatten. Dann legte er die Fernbedienung zur Seite und drückte Reita zurück auf den Bauch, um dann einen Faden aus seinem Werkzeugasten zu nehmen und diesen durch eine Nadel zu fädeln. Konzentriert machte sich der Silberhaarige nun daran, die Wunde zuzunähen, damit der Chip nicht verloren gehen könne.
 

Zufrieden bestaunte er sein Werk und griff mit einem dreckigen Grinsen nach der Fernbedienung.

"Dann sehen wir mal, was mein Püppchen so alles kann.", sagte er zu sich selbst und gab Reita durch die Fernbedienung den Befehl, aufzustehen.

Und zu seiner völligen Befriedigung tat er es auch, nur das er, anstatt von dem Tisch zu gleiten und sich dann aufzustellen, sich direkt auf den Tisch aufstellte, wodurch dieser durch das Gewicht zusammenbrach. Schützend legte Shi die Hände um die Fernbedienung und brach dann in schallendes Gelächter aus, als er den zerbrechlichen Puppenkörper betrachtete, in dem noch ein Herz schlug, der ihm aber nun völlig Untertan war.
 

"Hahahahahahahahah!!!!"
 

Reita wurde durch den ständigen, bohrenden, quälenden Schmerz aus seiner Bewusstlosigkeit gerissen und riss keuchend die Augen auf. Wo war er?! Warum stand er inmitten von Trümmern und wer war dieser... "Arzt"? Er wollte sich seinen schmerzenden Kopf reiben, doch er konnte die Arme nicht bewegen... Es war, als sei er gelähmt..

Stumm vor Entsetzen starrte er den Mann an... Was hatte dieser mit ihm gemacht??
 

"Ohhh... erwacht mein Dornröschen?", fragte Shi mit funkelnden Augen, aus denen die Neugierde blitzte, doch sein Gesicht zeigte keine Gefühlsregung. Noch immer war es blass wie der Tod und hatte unberührte graue Augen, die Reita höhnisch entgegen blickten. "Du fragst dich sicherlich wer ich bin... oder?", fragte er mit immer leiser werdender Stimme, schnippte mit den Fingern, wodurch das Licht ausging, und schnippte erst wieder, als er ganz dicht neben Reita stand und sein Gesicht dessen Ohr zugewandt war. "Dein... schlimmster Albtraum...~", hauchte er mit düsterer Stimme in das Ohr des entsetzten Mannes.

Dann schlich er um den bewegungslosen Körper herum und begutachtete sein stattliches Opfer. "Du hattest die Ehre, eines meiner Opfer zu sein und glücklicherweise... ist es mir sogar gelungen und du hast überlebt. Du kannst dich glücklich schätzen, das du noch lebst. Denn jetzt wirst du keinen Tag mehr erleben, an dem du nicht getestet wirst oder dich für Experimente zur Verfügung stellen musst, ob du willst... oder nicht. Setz dich nun hin! Ich erkläre dir deine Aufgaben...", meinte Shi, betätigte die Fernbedienung und tigerte vorerst im Zimmer auf und ab, während er jede Bewegung Reitas beobachtete, die dieser selbst scheinbar geschockt realisierte.

Denn Shis Marionette bewegte sich ohne sein selbiges zu tun dazu, sich auf einem voll gestellten Tisch zu setzen, nachdem er ein paar seltsame Gebilde in Reagenzgläsern weggeschoben hatte.
 

"Ich habe dir einen Mikrochip in den Bereich deines Rückgrats gepflanzt, welcher nun, wenn ich es ihm befehle, die Steuerung über deine Bewegungen übernimmt und dich genau das tun lässt, was ich verlangt habe. Deine simplen Aufgaben liegen darin, mir Untertan zu sein. Aufräumen, putzen, assistieren, mit bei Experimenten helfen und noch viel mehr Dinge, wirst du von nun an tun. Der Boss kann dich, wenn er es schafft, psychisch fertig machen, aber vorerst liegt dein Leben in meiner Hand. Du kannst nicht vor mir fliehen. Ich bin überall und nirgendwo. Und durch diese Fernbedienung bist du für mich auch immer erreichbar. Sie kann dir nicht entnommen werden. Dann würdest du dein Leben verlieren. Und wenn du mir nicht gehorchst, lass ich sie in die Luft gehen. Lass uns etwas ausprobieren! Doch zuerst... lass ich mir den Spaß nicht nehmen und werde dir mein Zeichen geben, so wie ich es mit allen Experimenten tue.", erklärte der Silberhaarige und grinste hämisch.
 

Kurz werkelte Shi an der Fernbedienung herum, während Reita hilflos mit ansehen musste, wie seine Hände sich plötzlich bewegten, als würde eine unsichtbare Hand sie in ihre Position bringen. Seine Hände befanden sich nun an seinem Hinterkopf und seine Finger strichen sein Haar aus dem Nacken.
 

Der blutbefleckte Kittelträger hatte die Fernbedienung aus der Hand gelegt und sich zum Ofen bewegt, in dem er vor ein paar Stunden ein lebendes Tier geworfen hatte, um es später zu essen, aber da war ihm der Boss in die Quere gekommen. Neben dem Ofen lag eine Eisenstange mit ein paar Schnörkeln am anderen Ende, welches er nun in die heiße Glut des Ofens legte, bis das Eisen sich stark erhitzt hatte. Zufrieden Grinsend schloss er den Ofen wieder und kam nun mit der erhitzen Eisenstange auf den Blonden zu. "Ich kann dich kontrollieren, aber Schmerzen kann ich dir nicht nehmen. Ich hoffe, du magst Tattoos...~", sagte er in einem sing sang ähnlichen Ton, hob das Stangenende mit den Schnörkeln, die Buchstaben zu bilden schienen, auf Höhe Reitas Nackens. Dann drückte er diesem das glühende Eisen auf die Haut, an welcher sofort Dampf aufstieg, als die Haut an den Stellen, wo da Eisen drauf traf, wegbrannte.
 

Als er die Stange sinken ließ, leuchteten ihm die schwarzen Lettern "Slave" entgegen und Shi lachte erfreut auf. "Gebrandmarkt sind alle meine Kinder...", sang er und sah sich mit Freuden an, wie sein ,Sklave' darunter litt. Die Fernbedienung hatte er für kurze Zeit deaktiviert, damit er auch ja mit ansehen konnte, wie Reita mit den Schmerzen kämpfte.
 

Es ging alles viel zu schnell... Kaum war er wach, da hatte er schon wieder schreckliche Angst... Er konnte sich nicht mehr bewegen!! Stumm vor Entsetzen musste er mit anhören, was dieser kranke Kerl mit ihm gemacht hatte, dann hoben sich auch schon seine Hände, unfreiwillig, und er strich sich das Haar aus dem Nacken... Er konnte nicht sehen, was dieser Shi da hinter seinem Rücken tat, doch der grausame Schmerz, der folgte, traf ihn mit voller Wucht...
 

Reita brüllte laut auf vor Qual und brach zusammen. Da Shi die Kontrolle in dem Moment vernachlässigte, griff der Blonde schreiend in seinen Nacken und blieb dann zuckend liegen. Überall im Raum roch es nach verbranntem Fleisch und ohne Reitas Zutun flossen heiße Tränen über das blasse Gesicht des Blonden und er schluchzte nur noch und kauerte sich zusammen, als der Schmerz langsam nachließ...
 

Mit Freuden beobachtete er den Emotionsausbruch des Blonden und bewegte den Kopf von der linken Schulter zur Rechten. "Und das war noch längst nicht alles...", murmelte Shi und rieb sich die Hände. Ich werde dir nun verraten, wie ich deine Freunde getötet habe. Alleine ist das ziemlich anstrengend musst du wissen, da sie sich ganz schön gewehrt haben. Aber nun habe ich ja einen Assistenten.", meinte Shi vergnügt und schritt auf eine weitere Tür zu, die verschlossen zu sein schien. "Es ist noch einer übrig geblieben. Ich habe gewusst, das ich ihn noch brauchen werde und ich weiß auch, das er ebenfalls eine wichtige Rolle in deinem Leben gespielt hat. Darf ich dir vorstellen... dein Rivale deiner alten Familie...", verkündete Shi hämisch grinsend, öffnete die Tür, nachdem er den Schlüssel im Schloss umgedreht hatte, und nahm dann die Fernbedienung zur Hand, damit er Reita dazu zwingen konnte aufzustehen und sich genau das Bild einzuprägen, welches sein alter Widersacher ihm gerade bot. "Ich glaube, ihr habt euch gehasst, hm? War mir eine Freude, in seinen Kopf hinein zu blicken.", gab er kichernd von sich und begutachtete den Verband um das Gesicht des vor Reita zum ,Sklaven' Gewordenen. Die Augen des Mannes waren trüb und auch als er Reita erblickte, der ihm nun gegenüber stand, veränderte sich nicht viel seines Gesichtsausdruckes, außer das sich sein Mund stumm öffnete und seinen Kiefer bewegte, als wolle er etwas sagen. "Oh ich gestehe. Ich habe seine Stimmbänder entfernt. Er hat mir zu viel geschrien, als ich an ihm experimentiert habe. Das Betäubungsgas ist eben teuer und da hatte ich auch keines.", erklärte der Silberhaarige und klang dabei nicht bedauerlich, sondern eher amüsiert.

Als sein vorheriges Opfer auf Reita zugehen wollte und dabei die Arme so hielt, als wolle er ihn erwürgen, lachte Shi vergnügt auf. "Nach so vielen Jahren hasst dich Matsuda immer noch. Du musst ganz schön was geleistet haben.", meinte er an Reita gerichtet und deaktivierte die Kamera, um sich ein wenig zu amüsieren.
 

Der stumme Mann namens Matsuda trat unberührt Shis Worte weiter auf Reita zu und versuchte ihm durch seine Lippenbewegungen etwas zu verstehen zu geben. Worte, die ihm schon lange auf dem Herzen lagen und jetzt, wo er ihn vor sich hatte, war er froh, das er diese nicht wie viele andere Dinge durch die Operation dieses Wahnsinnigen an seinem Kopf, vergessen hatte. Er fragte sich immer noch, wie er es geschafft hatte zu überleben. Vielleicht war er auch ein Zombie? Von den Toten auferstanden? Er könnte alles diesem Shi zutrauen, Auch das er ein Nekromant sein könnte. Schon allein, weil er gerne an anderen Leben herum pfuschte, ließ ihn das denken. Doch wie sollte er Reita seine Worte mitteilen, wenn er nicht sprechen konnte!? Hasste ihn den andere noch?!
 

Entgegen seiner Vorstellung jedoch, sagte Reita keine hasserfüllten Worte und wurde handgreiflich, als er sich ihm immer weiter näherte. Halbherzog legte er seine Hände an dessen Kehle, als er ihn erreicht hatte und drückte leicht zu. Schließlich sollte es vor Shi so aussehen, als wollte er Reita wirklich töten, weil er ihn noch hasste. Aber da hatte sich Shi getäuscht. Einfach so in die Köpfe anderer zu gucken, in dem man seltsame Maschinen benutzt, gibt einen trotz allem nicht die 100%ige Sicherheit, das gewonnene Wissen könne einem weiter helfen.

Denn er hasste Reita nicht! Schon so lange nicht mehr. Eher hatte er sich nach seinem Verschwinden schuldig gefühlt. Schließlich waren sie eine Familie gewesen und er gab sich auch die Schuld daran, das Reita sie verraten hatte. Sicherlich hatte er sich durch ihn nie willkommen gefühlt, da war es klar, das er irgendwann gehen würde, um sich eine andere zu suchen.

Zumindest nach den Informationen seine Bosses, der nun Tod war.

Bei dem Gedanken an seinen Freund und jahrelangem Vater der Organisation, traten Tränen in seine Augen.
 

Wieder öffnete er den Mund und bildete mit den Lippen die Worte:

"Es tut mir Leid, Reita. Sie sind alle Tod! Du musst von hier verschwinden!"

Immer wieder und wieder bewegte er die Lippen. Langsam, bedacht und hoffte darauf, das er ihn verstehen könne und vor alle mitspielte. Wenn er das nicht tat, wäre sein Verhalten aufgeschmissen und Shi würde sauer werden.
 

Reita wich keinen Zentimeter zurück als Matsuda auf ihn zu kam. Er gab sich für alles die Schuld... Für alle Qualen, die Matsuda erleiden musste... Alles war wegen ihm geschehen...
 

Nur langsam bemerkte er, dass Matsuda versuchte mit ihm zu reden. Und erschrocken bemerkte er die tränen in seinen Augen. "Matsuda...", murmelte er tonlos, dann verstand er und spielte mit, übertrieb sogar. "Nein... Bitte... Du verstehst das falsch! Ich habe nichts getan! Tu mir nichts! Argh..." Er röchelte, als würde Matsuda ihm wirklich die Luft abdrücken.
 

Erschrocken löste dieser allerdings den Griff, da er glaubte, zu fest zugedrückt zu haben. Entschuldigend blickte er sein Gegenüber an und verstand zeitgleich, das er soeben einen Fehler begangen hatte. Ängstlich weiteten sich seine Augen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte und Nägel sich darin bohrten.

Shi hatte sie durchschaut!

Hektisch, ängstlich, vollkommen hilflos, betete er stumm die Worte: >Verzeih mir!<

Immer und immer wieder kamen diese unausgesprochenen Worte über seine Lippen, die er vor Schmerz aufriss, als sein schwacher Körper gegen die Überreste des Experimentiertisches gestoßen wurde.
 

"Du bist ein toter Mann, Matsuda! Das warst du auch vorher schon, aber nun darf Reita dir das Leben nehmen. Anscheinend versteht ihr euch doch besser, als ich dachte...", knurrte der Silberhaarige unzufrieden, griff nach der Fernbedienung und befehlte Reitas Körper dazu auf, Matsuda auf dem Tisch festzuketten und dieser vorher von unnötigen Reagenzgläsern und anderen unwichtigen Schreibkram zu befreien.

Der Blonde tat, wie ihm befohlen.
 

Verwirrt musterte Matsuda seinen alten Kameraden, sah ihn flehend an und versuchte Reita wach zu rütteln.

>Reita, komm zu dir!<, versuchte er ihm mitzuteilen und erkannte zu spät, das er ihm nicht mehr helfen konnte, als er fest an den Tisch gebunden war und sich kaum mehr rühren konnte. Fest spannte sich ein Seil über seinen Brustkorb und bereitete ihm Schmerzen.

//Shi hat ihn zu einem Sklaven gemacht!//

Wütend funkelte er daraufhin Shi an, der das Schauspiel ebenso wütend betrachtete. >Mistkerl!<
 

"So... nun werde ich euch zeigen, wie ich eure Freunde umgebracht habe. Und du wirst meine Hand sein!", sagte er an Reita gerichtet und stellte sich neben den Tisch.
 

Da Reita nichts darauf erwiderte, gab Shi seine erste Anweisung: "Nimm diese Nadel, fädelte den Bindfaden ein, der daneben liegt, und nähe Matsuda dieses Gesicht genau über dem seinen an. Dann kannst du dir einen weiteren Aoi machen.", lachte er zum Ende hin und erschrak, als die Tür plötzlich aufflog und gegen die hinter ihr liegende Wand knallte. Reflexartig versteckte er die Fernbedienung hinter seinem Rücken und trat hinter dem Tisch hervor.
 

"Was macht ihr hier?!", giftete er die Neuankömmlinge sauer werdend an und baute sich auf, was bei seiner eher schmächtigen Gestalt nur wenig Wirkung zeigte.
 

"Wir holen uns nur zurück, was dem Boss gehört und du ungefragt entwendet hast.", meinte einer der Schränke und ging an Shi vorbei, um Reita wieder mit nach oben zu nehmen, doch Shi war schneller. Dieser hatte sich vor ihn gestellt, deaktivierte die Fernbedienung, eher er sie unbemerkt in einer seiner Manteltaschen steckte, und breitete die Arme aus. "Ich experimentiere gerade! Und dafür brauche ich ihn. Geht wieder! Sagt ihm, das ich gerade in seinem Wohlwollen arbeite und er ihn danach unbeschadet wieder bekommt!", wies Shi sie an und wurde zur Seite geschoben. Wut überkam ihn. Wenn sein Abkommen mit dem Boss nicht wäre, würde er diese Eindringling mit Leichtigkeit töten, aber wie sollte er ihm das erklären? "Ich sagte, ihr sollt gehen!", versuchte er es noch einmal mit Nachdruck in der Stimme und gerade als der Kerl, der sich Reita genähert hatte, diesem dem Rücken zudrehte, sah Shi, wie Matsuda mit Hilfe Reitas von dem Tisch erhob, auf dem er gerade noch gefesselt gelegen hatte. //Ich kann ihm jetzt keine Befehle geben!//, merkte er verbissen an und wechselte einen Blick zwischen den beiden Bediensteten des Bosses, die bei ihrem Ankommen diesen wohl geweckt haben mussten. "Ich sag es euch noch einmal... Geht zu ihm, richtet ihm meine Nachricht aus, nur verschwindet! Sofort!", befehlte er ihnen mit wütender Stimme und ging auf den einen Schrank zu, der Matsuda und Reita am nähesten standen. "Willst du sterben, oder warum stehst du noch hier?!", setzte er drohend hinzu und sah mit Genugtuung, wie der Mann zurückwich. Anscheinend kannten sie ihn doch...

Innerlich lachte Shi auf. "Los, raus hier! Er wird nichts mit ihm geschehen!" Nur unsicher traten die beiden Hühnen zurück und warfen sich fragende Blicke zu. "Tut mir leid Shi, aber wir haben unsere Befehle!" "Befehle sind da, um gebrochen zu werden. Wenn ihr lebend dieses Gebäude wieder verlassen wollt, dann hört lieber auf mich und verlasst dieses Zimmer!", drohte er weiter und näherte sich den beiden. Nun zog endlich einer den Schwanz ein und verschwand, aber der Größere von ihnen blieb. "Dummer Hund!", bellte er und wollte sich auf den Kerl stürzen, als ein bekanntes Geräusch ihn zurückfahren ließ. Die Klappe des Ofens! "Was... was machst du da?!", schrie er Matsuda verständnislos zu und wollte nun auf diesen zulaufen, als er sah, was Matsuda vor hatte. Seine Augen weiteten sich bei der Erkenntnis und ließ seinen Blick von der Fernbedienung in Matsudas Hand zu Reita gleiten, der ihm ein ihm undefinierbares Grinsen schenkte, zu seiner Manteltasche, in der sich die Fernbedienung hätte befinden müssen. //Matsuda hat sie gestohlen!// "Nein! Wag es ja nicht, das zu tun!", brüllte er ihm warnend zu und lief schnellen Schrittes auf seinen Sklaven zu, als dieser mit einem stummen Lachen auf den Lippen, die Fernbedienung in den Ofen warf und die Tür zuknallte. "Neeein! Dafür wirst du bezahlen!", versprach Shi und pinnte Matsuda mit Gewalt gegen die Wand hinter ihm, ließ ihn in der Luft baumeln.
 

Während Shi abgelenkt war, hatte sich der Hühne von Mann, der dem Boss direkt unterstellt war, an Reita herangeschlichen und packte ihn nun mit solch einer Kraft, das dieser nicht einmal die Chance gehabt hätte, sich wehren oder gar fliehen zu können.

Als hinter ihm die Tür zuknallte und er nun mit Reita und seinem feigem Begleiter die Treppen hinauf rannte, um möglichst schnell von diesem gefährlichen Shi wegzukommen, bekam auch dieser mit, was hinter seinem Rücken geschehen sein musste. Wütend schrie er auf, ließ den bewusstlosen Matsuda fallen und rannte den beiden hinterher, um sich sein Eigentum zurückzuholen. Irgendwie geriet alles aus den Fugen...
 

Reita konnte gar nicht so schnell schalten, wie alles um ihn herum geschah. Gerade noch sah er sich mit Entsetzen eine dieser schrecklichen Masken nehmen und starrte in Matsudas panisches Gesicht, dann kamen auch schon irgendwelche Kerle, mit denen Shi stritt. Reita nutzte diese Chance, da der irre Arzt die Fernbedienung vernachlässigte und befreite Matsuda, welcher sich die Fernbedienung klaute und in den Ofen warf. Ein unglaublich erleichtertes Gefühl machte sich in Reita breit, endlich hatte er wieder die Macht über seinen Körper.
 

Doch seine Freude währte nicht lange, denn schon wurde Matsuda gegen die Wand geworfen und verlor das Bewusstsein. Reita schrie auf und wollte zu ihm, doch schon wurde er gepackt und von dem Riesen fortgerissen. Reita versuchte sich verzweifelt zu wehren, sah dann aber mit Entsetzen, wie Shi hinter ihnen her rannte. //Ich muss ihn von Matsuda ablenken!!//, dachte er sich und wehrte sich nur noch mehr. "Du kranker Mistkerl!", schrie er dem weißhaarigen zu und provozierte ihn mit Beschimpfungen. Dieses Chaos kam ihm gerade recht!
 

Vielleicht hatte er nun ja doch noch eine neue Chance bekommen...
 

Zornentbrannt rannte Shi den beiden Räubern nach, um sich sein selbst ernanntes Eigentum zurückzuholen, stoppte aber in seiner Bewegung, als ihm Bewusst wurde, das er etwas vergessen hatte. Hin und her gerissen überlegte er, welchen Schritt er als nächstes tun sollte. Einen Bewusstlosen allein lassen, in der Hoffnung, das er rechtzeitig wiederkommen würde, um sein Werk zu beenden, was er vorher durch Reita nicht geschafft hatte, oder um sein Eigentum einzufördern. So oder so müsse er dem Boss sein Verhalten erklären, aber vielleicht könnte er die beiden Kerle, die sich seinen Sklaven geschnappt hatten, stoppen, um dem zu entgehen und an der Stelle weiterzumachen, an der sie ihn unterbrochen hatten. Zwar war es Schade, das er die Fernbedienung nicht mehr hatte, aber gäbe es da auch weitere Möglichkeiten ihn zu quälen.

Also hinterher!

Und das tat Shi. Schnell setzte er sich in Bewegung und versuchte, die beiden mit leichtem Vorsprung aufzuholen. Gleichzeitig zermarterte er sich den Kopf darüber, wie er dem Boss, seinem alten Freund, sein Anliegen vorlegen sollte, falls er es nicht schaffen sollte, sich vor dem Treffen Reita zu krallen. Er müsse sich dann nur Ausreden einfallen lassen, was mit den beiden geschehen ist.

So in Gedanken vertieft, sah er erst auf, direkt in Reitas Augen, als dieser ihn einen kranken Mistkerl schimpfte. Ein belustigtes Grinsen schlich ich auf seine Lippen. //Denkt er etwa, er kann mich damit kränken?//, fragte er sich unberührt und rannte schneller, holte dabei sehr schnell auf.

Wieder einmal sprang eine Tür auf und weitere dem Boss Unterstellten kamen zum Vorschein. Zu Shis Unglück merkten sie wohl sehr schnell, was Phase war und kamen den beiden die Treppe hinauf hastenden Männern entgegen, um ihnen Reita abzunehmen oder im Notfall Shi aufzuhalten, falls dieser sich in irgendeiner Weise angriffslustig verhielt.
 

//Mist!//, fluchte der Silberhaarige innerlich und drosselte sein Tempo. Er würde es nicht schaffen unbemerkt 4 große Schränke umzubringen und Reita zurückzuholen. So dumm war der Boss nicht, das er das nicht merken würde.
 

Als er schließlich, weit hinter den Vieren, den großen Kellerraum betrat, sah ihn der Boss bitterböse an. "Shi, warum widersetzt du dich meinen Befehlen?! Haben wir nicht einen Vertrag ausgehandelt?" "In dem Vertrag stand nicht, das ich alles machen soll, was du verlangst. Meine Aufgabe ist es, ihn zu quälen, psychisch wie auch körperlich. Du hast mich in meiner Arbeit unterbrochen! Er ist unversehrt, wie du siehst! Kann ich meine Arbeit fortsetzen?!", fragte er in einem dringlichem Tonfall und verschränkte die Arme vor der Brust. Erleichtert sah er aus den Augenwinkeln, wie Reita inzwischen wieder gefesselt wurde und ihm auch der Mund verboten wurde, wodurch er seinen Plan nicht mehr würde ausplaudern können.
 

"Nein, Shi! Du experimentierst nur mit ihm! Er gehört mir, lass also die Finger von ihm! Außerdem habe ich nun viel Wichtigeres vor, als ihn gehen zu lassen. Er ist wieder wach und bereit für die zweite Runde.", merkte der Boss erfreut an und stand auf. "Du kannst gerne hier bleiben und dabei zusehen, wie gut mein Plan aufgeht.", schlug der Boss vor, jedoch mit einem Unterton in der Stimme, der Shi verbot ihm zu widersprechen.

Mit gesenktem Kopf trat Shi zurück und beobachtete stumm und verbissen die Szene, die sich ihm nun abspielte.
 

Der Boss schlug mit seinem länglichem Stab in Reitas Kniekehlen und zwang ihn somit auf die Knie. Dann bückte sich der Boss zu diesem hinunter. "Tut mir Leid, das du warten musstest, Kleiner. Jetzt werde ich mich wieder mehr um dich kümmern können. Ich habe eine weitere Überraschung für dich. Deine Freunde hast du ja schon gesehen... Schau nun genauer hin. Fehlt da nicht jemand...?"
 

Reita hatte die Augen angstvoll weit aufgerissen und sah, wie der Verrückte immer näher kam. Doch als noch zwei weitere kamen, die ihn in den Raum brachten und fesselten, da verlor er wieder jegliche Hoffnung, die er vorhin noch gehabt hatte. Er war wieder bei dem verhassten Boss... und was noch schlimmer war... Man knebelte ihn, so dass er keine Möglichkeit hatte zu sprechen... Mit einem dumpfen Keuchen sank er auf die Knie und starrte den Boss aus dieser Position heraus an. was redete er da? Es... fehlte jemand? Reita hatte es nicht über's Herz gebracht, diese armen Seelen genauer zu betrachten oder sie zu zählen... Entmutigt senkte er den Kopf, ihm war seelisch schlecht von der unfassbaren Grausamkeit des Bosses...
 

Knurrend griff dieser den Geknebelten hart in die Schulter. "Du sollst aufsehen! Sieh sie dir an! Mach schon!", brüllte er ihm ins Ohr und riss an seiner Halsfessel, die ihm die Luft abschnüren konnte.
 

Von weitem sah Shi mit finsterem Blick zu, wie der Boss seinen Befehl durchsetzen zu versuchte. Genervt schüttelte er den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. "Du musst schon mehr Gewalt anwenden, Dickerchen!", rief er herüber und kassierte von einem aus des Bosses Gefolge einen Hieb in den Rücken.
 

"Zeige dem Boss deinen Respekt und red ihm nicht dazwischen!", wurde ihm zugeknurrt, doch Shi blieb unberührt stehen und warf einen gelangweilten Blick in seine Richtung. "Das ist mein Heim. Ihr seid nur meine Gäste. Pass auf was du sagst, denn das bist du schneller Tod, als du meinen Namen aussprechen kannst.", meinte er gelassen, funkelte dem Hühnen allerdings angriffslustig entgegen.

Auch der Boss hatte kurz aufgesehen, jedoch wollte er sich den Spaß mit dem Blonden nicht verderben lassen, weswegen er sich wieder dem Gefesselten zuwandte. "Du hast ihn gehört. Wenn du nicht spurst, dann werde ich ihm freie Hand lassen!", drohte er nun, riss wieder an der Halskette, die Reita kurz die Luft raubte, ehe er wieder losließ. Schließlich sollte er die Qualen noch miterleben und nicht einfach so auf langweilige Art sterben.
 

"Sie hoch! Wer war dir am wichtigsten in deiner damaligen Familie, hm Reita?!", gab er ihm nun den Tipp und riss sein Kinn hoch.

Damit die Person, auf die er die ganze Zeit hinaus wollte, auch gut zu erkennen war in diesem Meer aus toten Leibern, gab er einem seiner Leute den Befehl, diesen vor Schmerz aufschreien zu lassen.
 

Reita zuckte zusammen und hustete. Er rang nach Luft und musste dem Boss den Gefallen tun und hochsehen. Seine Freunde... seine Familie... Sie alle waren tot... Er konnte nicht verhindern, dass eine Träne über seine Wange rollte.
 

So schwach wie er war, erblindet und bewegungslos, bemerkte der einzig Lebende an diesen Wänden des Todes nicht, das über ihn die Rede war. Überhaupt bekam er gar nicht mit. Sein Leben hing an einem dünnen Faden, den es zu zerschneiden galt. Sein Liebster wurde ihm genommen und seine Freunde und Familie gleich mit.

Gerade noch hatte er mit ihnen gescherzt, gelacht und ein wenig getrunken, schließlich hatte man nicht alle Tage Geburtstag, als tosender Lärm die Stille um sie herum durchbrach und schwarze, vermummte Gestalten die Party stürmten. Gegen einen solch überraschenden Angriff waren die Jungs nicht vorbereitet gewesen und auf die Stärke dieser ihnen unbekannten Männer auch nicht. Innerhalb weniger Minuten war das Kampffeld geräumt gewesen. Konfetti wehte ihm schwachen Lüftchen über den verstaubten Boden. Girlanden und zerbrochene Sektgläser lagen zerstreut darauf und ließen ein Bild des Chaos übrig. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte man es nicht mal für möglich gehalten, das Menschen hier eben noch gesessen hätten und guter Laune waren. Niemand hatte ahnen können, das dieser Tag, der doch so schön angefangen hatte, so traurig enden würde.

Tod waren nun alle seine Freunde, die seit dem Auflösen der Gang so viel im Leben erreicht hatten und nun Kinder... Mütter... Frauen und Geliebte ungewiss zurückließen.

Nein, so wollte Kota nicht Leben.

Aus seinen trüben Gedanken gerissen, die er seit Stunden nun schon hegte - was blieb ihm auch anderes über, hing er doch an einer Eisenkette an der Wand, die aus eben jener zu kommen schien und konnte sich über den Schmerz seiner Arme hinweg kaum konzentrieren, schrie er desto überraschter und schmerzvoll auf, als ihn etwas mit voller Wucht in seiner Magengegend traf und ihn danach noch umso eingesackter von der Wand hingen ließ. Schwach ließ sich sein schneller Herzschlag unter dem dünnen Leinenhemd und dem dürren Körper erahnen.
 

Aber hatte er gerade nicht etwa einen ihm nur zu bekannten Namen gehört? Oder waren das Hirngespinste seiner überdrehten Fantasie gewesen?
 

Doch dann blieb ihm bei diesem Schrei schier das Herz stehen... Diese stimme! Mit einem mal wusste er, WER noch lebte... WEN der Boss meinte... Nein... Wie hatte dieses miese Schwein das herausgefunden?! Er bäumte sich auf, riss an den Fesseln und ignorierte dabei, dass er sich fast strangulierte...
 

"R... eita...?", murmelte Kato schwach, fragend und hoffnungsvoll und hob den Kopf. War da wirklich Reita? Aber was tat dieser hier? Gehörte er zu dieser schrecklichen Bande, die sie ausgelöscht hat? War Reita etwa auf Rache aus? "Rei?"
 

"Ohhh wie rührend. Langsam kriechen wohl die dunklen Erinnerungen in eure so gut wie toten Köpfe. Fühlt ihr den Schmerz, an den ich mich nur zu gerne labe? Eure Freunde, sie alle sind Tod! Und ihr werdet auch sterben! Glaubt ihr an Schicksal?", fragte Shi lachend und warf die Haare zurück. Auch der Boss hatte ein Grinsen auf den Lippen, allerdings war er gerade mehr damit beschäftigt, den Blonden wieder zu bändigen.

Vergangenheit ist Zukunft

"R... eita...?", murmelte Kato schwach, fragend und hoffnungsvoll und hob das Kinn. War da wirklich Reita? Aber was tat dieser hier? Gehörte er zu dieser schrecklichen Bande, die sie ausgelöscht hat? War Reita etwas auf Rache aus? "Rei?"
 

"Ohhh wie rührend. Langsam kriechen wohl die dunklen Erinnerungen in eure so gut wie toten Köpfe. Fühlt ihr den Schmerz, an den ich mich labe? Eure Freunde, sie alle sind Tod! Und ihr werdet auch sterben! Glaubt ihr an Schicksal?", fragte Shi lachend und warf die Haare zurück. Auch der Boss hatte ein Grinsen auf den Lippen, allerdings war er gerade mehr damit beschäftigt, den Blonden zu bändigen.
 

~
 

Reita wehrte sich wie ein Löwe gegen den Boss, der ihn so unerbittlich auf den Boden drückte. Mit äußerster Willensanstrengung gelang es ihm, den Kopf und den Oberkörper so weit anzuheben, dass er einen Blick auf Kato erhaschen konnte... War dieses halbe Skelett wirklich sein ehemaliger Geliebter? Doch das geflüsterte "Rei?" vertrieb auch noch den letzten Zweifel aus ihm und ließ sein Herz schmerzhaft schnell schlagen... Wie sehr musste der Boss ihn hassen, dass er sich soviel.. Mühe machte, um seine Qualen nur noch zu verstärken...?!
 

Reita zitterte und knurrte wütend auf, als er die "poetischen" Worte von Shi hörte.. Er starrte den Weißhaarigen bitterböse an. Er war nicht mehr geknebelt. "Das Schicksal kann mich mal!!", knurrte er böse und riss den Kopf hoch, hustete heiser, doch er war nicht gewillt, den Kopf wieder demütig auf den Boden zu legen. "Ihr seid kranke Schweine! Was geht nur in euch vor, was müsst ihr nur erlebt haben, was müssen euch die Menschen nur angetan haben, dass ihr solch einen Hass in euch spürt?! Es muss viel passieren, um einen Menschen so weit zu treiben, doch eins verspreche ich euch! Ihr werdet mich nicht brechen, ich bin stärker als ihr glaubt und am Ende werde ich triumphieren, denn ICH werde gewinnen!"
 

Bereits leicht schwitzend rammte der Boss dem Gefangenen seinen Fuß in den Rücken, der nicht einmal eine Stunde zuvor noch auf dem OP Tisch gelegen hatte, und drückte ihn wieder zu Boden. Freudig spürte er, was seine 'Überraschung' für einen inneren Kampf in dem Blonden auslöst hatte. Verzweiflung stand auf Reitas Stirn geschrieben, als er sich soweit aufbäumte, um seiner ersten Liebe einen unsicheren Blick zuzuwerfen.

"Wie ich sehe, erfreut dich der Anblick, den ich dir möglich gemacht habe. Ich hoffe, der Anblick wird sich in dein Hirn brennen, solange es noch kann, denn er wird nicht mehr lange leben, das verspreche ich dir.", meinte er an Reita gerichtet und drehte leicht den Kopf, als von Shi ein bitterböses Kommentar kam.

Grinsend verzogen sich seine Mundwinkel nach oben.

Doch Reitas folgende Worte ließ sein Gesicht verdüstern. "Das geht dich gar nichts an!", brüllte er wütend und trat nach dem am Boden Liegenden. "Du solltest dir lieber Sorgen um dich machen, als um deine Peiniger, du dummes Kind!"
 

Dann schalt sich Shi ein, der wieder näher gekommen war, um sich ganz nah und bedrohlich zu Reita hinunterzubeugen und dessen Kehle zwischen seine Finger zu nehmen. "Die Herausforderung nehme ich gerne an. So ein Menschenkind wie du, kann nicht stärker sein als ich. Wir haben dich in der Hand... Ob du willst, oder nicht. Und wenn du noch mehr aus deinem frechen Mund kommt, trenne ich dir die Zunge ab!", knurrte der Silberhaarige und musste wieder an Matsuda denken, der noch immer Bewusstlos in seinem Labor liegen musste. Sofort richtete er sich auf und richtete den Blick auf die Tür, durch die er gekommen war. Sollte er nicht doch mal nachgucken gehen?

Doch seine Aufmerksamkeit wurde wieder nach vorne gelenkt, als der Gefangene, der nun schon seit Tagen an der Wand hing, sich bewegte und somit die Ketten zum Rasseln brachte. Sein rechter Mundwinkel zuckte und schon schlich der Kittelträger zu Kato hinüber. Natürlich ließ er dabei keinesfalls Reita aus den Augen.

Als er neben dem Gefesselten und Blinden stand, hob er die Hand, nahm ein Haar seines wild vom Kopf abstehenden Haares und riss es ihm mit einem mörderischen Blick aus, wodurch Kato überrascht einen abgedämpften Schmerzenslaut von sich gab. "Ich kann das gerne fortsetzen, wenn du danach verlangst.", drohte er Reita dämonisch grinsend und hob erneut die Hand, sah abwartend zu dem Blonden.

"Hast du ihm denn gar nichts zu sagen? So viele Dinge, die bereden werden müssten, können doch nicht ewig unausgesprochen bleiben. Hast du es ihm je gesagt...?", fragte er und ließ seine Hand abwesend über den abgemagerten Oberkörper wandern.
 

//Langsam stiehlt er mir die Show//, dachte der Boss genervt, verfolgte aber interessiert das Geschehen, während er Reita weiterhin auf dem Boden hielt. Vielleicht würde er doch noch etwas von Shi lernen können. Eigentlich wollte er sich dieses Mal beweisen, aber Shi musste wohl in den letzten Jahren mehr Zeit und Opfer gehabt haben, als er es hatte. //Natürlich, was anderes hat er ja nicht. Nur dieses Schloss und seine Spielchen. Da kann ich nicht mithalten.// Vielleicht wäre dann ein klein wenig mehr Unterstützung, als er eigentlich hätte haben wollte, ein gute Sache.
 

"Ich habe deine Freunde an seinem Geburtstag holen lassen, während sie ahnungslos ihre lächerliche Party feierten.", fügte nun der Boss hinzu und grinste hinterhältig.
 

Reita bäumte sich weiter auf, teils vor Schmerz, als der Boss ihm seinen Fuß in den Rücken stieß, teils vor Entsetzen, was sie mit Kato getan hatten und vorhatten zu tun..
 

"Nein!! Nehmt mich! Nicht ihn!!", schrie er vor lauter Verzweiflung. Er wollte die beiden kranken Schweine von Kato ablenken, was hatten sie seinem früheren Geliebten nur angetan.., Er war fassungslos, wollte ihn beschützen, doch wie so oft, er war einfach zu schwach..,
 

Zufrieden bogen sich Shis Mundwinkel nach oben und entblößten einen kurzen Einblick auf seine zugespitzten Zähne, die selbst der Boss überraschte. Dem an der Wand Hängenden noch einen kurzen gelangweilten Blick zuwerfend, stieß er sich von der Wand ab und kam auf Reita zu, um ihn kurzerhand an den Haaren zu sich hochzuziehen. "Boss~? Kann ich ihm jetzt wehtun?", fragte er mit erregter Stimme und warf seine viereckige Sonnenbrille weg, die die ganze Zeit seine Augen verdeckt hatten, nur um dahinter in Katzenartige Augen blicken zu können. Auch war das Weiß vollkommen durch Schwärze beseelt, was ihm einen weiteren Touch von Finsternis und Monströsität verlieh." Gierig musterte er die ängstlichen Züge des Gefangenen. Seine lange Krallenhand hielt er geöffnet um Reitas Kehle, jeden Moment darauf wartend, sie vollends zu schließen. Über seine Schulter hinweg war es dem Blonden möglich, den geschwächten Kato an der Wand hängen zu sehen, welcher plötzlich den Mund öffnete, um Reita ein paar Worte zukommen zu lassen. "Rei... f-flieh...~"
 

Der Weißblonde knurrte auf und sah hinauf zum Boss, der seinen Blick nur kurz erwiderte, um dann mit finsterem Blick auf Kato zuzugehen. "Ich habe eine weitaus bessere Idee. Warum kümmern wir uns nicht erst um den hier. Wenn er sich schon opfern will, sollten wir ihm den Gefallen tun.", meinte der Boss mit einem fiesem Grinsen im Gesicht und schnippte mit den Fingern, wodurch seine Angestellten auf ihn zu kamen und Kato von der Wand nahmen. "Shi, pass auf ihn auf. Ich bereite alles vor.", setzte er noch verkündend hinzu.

Da Shi nicht sofort verstand, was sein alter Kollege nun mit dem anderen Gefangenen vor hatte, stand er auf und zog dabei Reita mit auf die Beine. "Was hast du vor?", setzte er fragend und misstrauisch hinzu, während er die Befreiungsversuche des Blonden im Keim erstickte und ihn in den Schraubstock nahm. Seine freie Hand ließ er wieder an Reitas Hals wandern. Dann beugte er sich zu dessen Ohr vor.

"Versuchst du dich zu befreien, werde ich dir so zusetzen, das du zwischen Tod und Leben schwebst und dir wünschen würdest zu sterben, weil die Schmerzen so unendlich groß sind, das du sie unmöglich auf längere Zeit aushalten könntest...~", drohte er ihm mit zischender Stimme und ließ seinen längsten und am meist zugespitzten Fingernagel zu Reitas Halsschlagader wandern. "Ich kenne keine Skrupel, wie du begriffen haben solltest.", zischte er weiter. "Ich... habe sogar das Fleisch meiner Schwester den Tieren verweigert.", gestand er und leckte sich über die zugespitzten Zahnreihen.
 

Dann richtete sich sein Blick wieder auf das Geschehen. Kato wurde auf dem Boden inmitten des riesigen Gewölbes gekettet und geknebelt. Interessiert verfolgte er, wie durch eine Vorrichtung an einer der Wände eine riesige Kugel direkt von der Gewölbenmitte heruntergelassen wurde. Als ihm aufging, was der Boss vorhaben könnte, hob er anerkennend die Mundwinkel. "Wirklich grauenvolle Idee. Wirklich grauenvoll gut...~", meinte er und ließ den Boss auflachen. "Wenigstens etwas, was ich dir beweisen kann. Ich hab mich nicht verändert. Wie man die Psyche zerstören kann, das konnte ich schon immer besser als du." "Du kennst die Menschen eben besser als mich mein Freund.", musste Shi gestehen, ließ den Blonden in seinen Armen jedoch nicht los, während er gesprochen hatte.
 

Reita ignorierte die Worte Shis, es war auch gut möglich, dass er sie gar nicht mehr richtig wahrnahm... Er starrte nur schockiert auf Kato und die grausige Vorrichtung und als ihm klar wurde, was diese Kerle vorhatten, wurde ihm so übel, dass er würgen musste, doch nichts kam aus seinem abgemergelten Leib, außer bittere Galle... Der Würgereiz ließ seinen Körper zittern und sich noch mehr aufbäumen. Vergebens versuchte er, Kraft zu sammeln und sich loszureißen, zu Kato hinzurennen und ihn zu befreien... Er kam nicht einmal gegen Shis Griff an. Röchelnd versuchte er zu sprechen, doch immer wieder würgte er, keuchte und brach immer wieder in die Knie, kämpfte sich wieder hoch und schließlich drang ein abgrundtief verzweifelter Schrei aus seinem Mund. "KATO!!!"
 

Entgegen seinen Worten bewegte sich der Blonde in seinen Armen und nur knapp entkam er dem tödlichen Schnitt an die Halsschlagader, als Shi rechtzeitig reagiert hatte und die Hand wegzog. Schließlich musste er ihn noch immer am Leben lassen, auch wenn er ihm gedroht hatte. Irgendwann würde er es schon wahr machen. Und nicht nur irgendwann, sondern bald, wie ihm mit Vorfreude auffiel, als die Konstruktion an der Gewölbedecke sich immer weiter hinunter durch die Dunkelheit fraß.

Trotz vorzeitigem Rückzug, zerrte Shi den Gefangenen wieder auf die Beine und fest an seinen Körper, der überraschend stark war. "DU kannst sowieso nichts tun! Warum also nicht gleich aufgeben! So würdest du es uns und besonders dir viel einfacher machen.", merkte der Silberhaarige an und krallte seine langen Nägel in das Fleisch Reitas linken Armes. "Schmerz... Ja, lass sie uns spüren.", bat er mit vor Gier bebender Stimme, hatte seinen Kopf dabei auf Reitas rechter Schulter abgelegt und sah mit vor Aufregung geweiteten Augen hinauf zu der mageren Gestalt am Boden und zu der schweren Stahl- oder Eisenkugel hinauf und zum ersten Mal missfiel es ihm, das es so dunkel in seinem Schloss war. Nur das schwache Mondlicht drang zu ihnen vor und zu ihrem Unglück schoben sich dicke Wolken in immer kürzeren Abständen davor.
 

Knurrend hob er den Kopf. "Halt ein!", bellte er zu dem Boss hinüber und riss Reita an den Haaren zurück, als dieser sich befreien wollte.
 

Der Boss drehte sich verwundert zu Shi um und hob die Brauen. Ein Wink reichte und die Konstruktion blieb, wo sie war und die zwei, die sich gerade noch um jene gekümmert hatten, eilten nun auf Reita zu, um diesen ohne Shi in Schacht zu halten, welcher nun auf den Boss zu schrittt, welcher sich ebenfalls dazu bemühte, sich in Bewegung zu setzen.
 

"Warum soll ich aufhören, Shi? Kneifst du jetzt?!", fragte der Boss verwirrt und verzog die Stirn in Falten.

Doch Shi lachte nur auf. "Nein, ich kneife nie! Nur wäre es doch schade, wenn wir gar nichts von dem Schauspiel sehen können, oder? Lassen wir die beiden ein wenig Nähe spüren und erlösen sie, sobald die Sonne ihre Lichtstrahlen in das Schloss lässt.", schlug der Silberhaarige vor, woraufhin der Boss unzufrieden aufknurrte. "Ungern möchte ich dem zustimmen, aber du magst recht haben. Hast du nicht Lampen da oder Strom?" "Nein, ich verzichte schon seit Jahren auf Strom und die Lampen haben alle ihre Geist aufgegeben. Ich kann es mir nicht erlauben, neugierige Techniker oder Elektriker hierher einzuladen, was du sicherlich verstehen wirst. Und meine Kerzen können niemals das herrliche Bild preisgeben, was uns erwarten wird. Die Schmerzen, der Kummer, das Leid... Nur ein wenig warten und dann können wir uns daran laben.", schwärmte Shi mit einem leicht verträumten Lächeln und leckte sich das Blut von den Nägeln.
 

"Okay, dann warten wir eben...", stimmte der Boss schließlich zu und wies seinen Leuten an, Reita mit Hilfe von Fesseln neben Kato auf dem Boden zu Ketten. Zwischen ihnen immer noch so viel Platz lassend, das sie sich nicht berühren konnten. Außerdem wurden beide so geknebelt, sodass sie einander Nahe sein konnten, aber mehr auch nicht.
 

"Außerdem habe ich noch Hoffnungen, das der Auftragskiller seinen Freund endlich zu mir bringt. Apropos... den hab ich ja ganz vergessen.", merkte der Boss an und nahm sogleich sein Handy zur Hand, um dessen Nummer zu wählen, den zweifelnden Blick Shis missachtend.
 

+~+
 

Nur langsam öffnete sich die Tür des Krankenzimmers, hinter welcher Kru vor nicht einmal einer Stunde verschwunden war, und ein Kopf lugte zwischen Tür und Angel hervor und spähte mit einem nervösen Flattern in der Brust den Gang auf und ab. Erleichtert, aber auch ein wenig enttäuscht, musste Kru feststellen, das kein Hizumi nervös davor auf und ab getigert war und so konnte sich der Schwarzhaarige ganz aus dem Krankenzimmer begeben und sich endlich an die Arbeit machen. Schließlich hatte er dem Boss etwas versprochen, was er um alles in der Welt nicht vergessen wollte zu erledigen.

Und somit verließ Kru ihr Geheimversteck und machte sich auf die Suche nach den Spuren Reitas. Zuerst begab er sich auf den Weg zum Krankenhaus, in dieser er zuletzt gesehen worden war.

Dort angekommen, erklomm er die Feuerleiter und schließlich den schmalen Fenstersims. Zum Glück wiegte er kaum etwas. So konnte er sich auf den zum Glück aus Stein bestehenden Sims recht gut halten. Vorsichtig riskierte er einen Blick in das Krankenzimmer und stellte fest, das der Raum leer war. Mit einem Grinsen auf den Lippen, setzte er sich seine Sonnenbrille auf und zog sich die Kapuze tief ins Gesicht. Dann entnahm er seiner Tasche seinen geliebten Glasschneider, setzte ihn am Glas an und schnitt eine runde Fläche daraus. Als er die Glasfläche entnehmen konnte, verstaute er das Gerät samt Glas in seiner Tasche. Als er dies erledigt hatte, griff er durch das Loch in der Schneibe nach dem Fensteröffner und öffnete es von innen. Dann krabbelte er durch die schmale Fensteröffnung und setzte das Glas nun von der anderen Seite wieder in das Loch der Fensterscheibe und schlich an der Wand entlang zur Kamera, die nur auf das Bett gerichtet war, um sie kurzerhand in den Stand-By Modus zu setzen. Gut, das er sich trotz Unkenntnis an der Technik ein wenig mit Kameras auskannte.

Als er das geschafft hatte, machte er sich daran, nach Spuren zu suchen, die vielleicht unentdeckt geblieben sind. Jedoch war alles in dem Krankenzimmer, vom Boden bis zur Decke klinisch sauber und somit war es Kru unmöglich, auch nur eine Fingerspur oder etwas anderes zu finden. //Verflucht!//, dachte er und schreckte herum, als jemand in das Zimmer eindringen wollte. Schnell versteckte er sich hinter der Tür und wartete ab.

Und zu seinem Glück betrat ein Polizist samt Krankenschwester das Zimmer. Normalerweise würden alle Gangster und Bandenmitglieder, also alle von der Straße, solche Momente verfluchen, das sie Angst hatten, gefangen genommen zu werden, aber dieser Polizist musste neu sein, denn dieser war unvorsichtigt und vergaß das Zimmer vor Eindringlingen zu kontrollieren. //Wie unvorsichtigt die Menschen doch sind.//, dachte Kru und musste sich das höhnische Lachen verkneifen.
 

Dann begann eine uns bekannte Stimme zu sprechen. "Wären Sie bitte so freundlich und würden mir ganz genau schildern, was hier passiert ist? Und vor allem, wie das passieren konnte?", fragte der Polizist Takeda und nahm sein Klemmbrett und einen Stift zur Hand, um sich Notizen zu machen.
 

Kru, der gerade zum Angriff übergehen wollte, erstarrte in seiner Bewegung und lauschte der Unterhaltung neugierig.
 

Und während Takeda sich mir der Krankenschwester unterhielt und zig Fragen stellte, merkte er die ganze Zeit die Anwesenheit Krus nicht hinter seinem Rücken. Zu sehr hatte ihn Reitas Verschwinden aufgebracht und durcheinander geworfen. Fragen über Fragen wirbelten in seinem Kopf herum und warteten auf Antworten. "Gut, ich danke Ihnen. In welchem Zimmer befindet sich der Anwalt Sakito Edokawa?", fragte er zum Schluss noch, denn dort würde er sich sofort hinbegeben wollen, als ein frischer Luftzug ihm am Nacken traf. Er wirbelte herum und sah gerade noch, wie die Tür wieder ins Schloss fiel. Seine Alarmglocken läuteten. Schnell verstaute er das Klemmbrett hinten mit Hilfe seines Gürtels und riss die Tür auf, um auf den Gang zu treten und diesen nach allen Seiten mit dem Blick abzuscannen. Verwundert stellte er fest, das sich niemand auf dem Gang befand außer er.

Die Krankenschwester war ihm nachgeeilt. "Was ist denn passiert, Herr Takeda? Haben sie etwas herausgefunden?", fragte sie naiv, da auch sie nichts mitbekommen hatte. Der Polizist setzte die Mütze ab und strich sich die Haare aus dem Gesicht, ehe er sie wieder aufsetzte. "Wo befindet sich der Kameraraum? Wir hatten höchstwahrscheinlich gerade Besuch im Zimmer. Ich war unvorsichtig.", gestand er mit reuevoller Stimme und nach der anbschließend von der Krankenschwester folgenden Wegbeschreibung hechtete er sofort los, diesen aufzusuchen. Dort müsste sich gerade sein Arbeitskollege befinden und der müsste doch etwas gesehen haben! Warum also, hatte er ihn nicht über den Besuch eines Einbrechers gewarnt oder war ihm zu Hilfe geeilt? Fragen über Fragen, doch auch als er den Kameraraum erreichte, wurden diese nicht weniger, sondern noch um einiges mehr. Die Tür befand sich zu seinem Entsetzen nämlich nicht mehr in seinen dafür vorgesehenen Angeln. Anscheinend hatte jemand die Tür mit Gewalt aufgetreten. //Schlaue Kombination Sherlock.//, dachte Takeda genervt und betrat den Raum. "Nagi?", rief er nach seinem Arbeitskollegen, doch niemand antwortete ihm.

Doch bevor er sich in dem Raum nach diesem umsehen konnte, fiel sein Blick auf das heillose Durcheinander, welches sich auf dem Boden ausgebreitet hatte. Entsetzt öffnete er den Mund, doch kein Wort entkam seinen Lippen. Das waren ihre gesammelten Beweisstücke! Warum lagen diese auf den Boden und wo zum Henker war Nagi abgeblieben?! //Wehe er ist sich was zu Futtern holen gegangen!//, dachte er wütend und suchte den Boden nach allen Beweisstücken ab. //Fehlt etwas?//, fragte er sich und wunderte sich gleich darauf, da der Übeltäter anscheinend nichts hatte mitgehen lassen.

Schnell suchte er alles zusammen und legte sie vorerst auf einem Tisch ab, ehe er diesen umrundete, um den restlichen Raum zu durchsuchen. Entsetzt schlug er sich die Hand auf den Mund, als er seinen Arbeitskollegen Bewusstlos oder Tod an der Wand sitzend vorfand. "Nagi?!", rief er entsetzt und stürmte auf diesen zu. Erleichterung überkam ihm, als er seinen dickleibigen Kollegen atmen hörte. Er war also ,nur' Bewusstlos. "Nagi, wach auf!", wies er ihm an, doch ihm blieb keine Zeit. Ein Einbrecher befand sich noch innerhalb dieses Gebäudes, doch wer weiß wie lange noch. Ein seltsames Geräusch ließ ihn herumwirbeln. Es klang so, als ob das Band einer Kassette sich gerade irgendwo aufleierte.

>Zetto<, kam es nun immer lauter werdend von den Überwachungs- und Videoaufnahmegeräten. "Was zum...?", entkam es Takeda und hielt reflexartig die Arme über den Kopf, als es zu einem Knall kam und eines der Videoabspielgeräte plötzlich zu Rauchen begann. Mit großen Augen näherte er sich vorsichtig diesem Gerät und öffnete die Klappe, in der das Video stecken musste, welches soeben in Rauch aufgegangen war. Rauch kam ihm entgegen und ermöglichte ihm jegliche Sicht auf den Rest des Bandes. Takeda griff nach dem Klemmbrett auf seinem Rücken und wedelte den Rauch beiseite, nur um die letzten Überreste der Beschriftung entziffern zu können, die dort mit roten Lettern geschrieben stand. >Aufnahmen vom Freitag den 13. März<, las er bzw. reimte er sich zusammen, da nur wenige Buchstaben die kleine Explosion überlebt hatten. "Scheiße!", fluchte er und überschlug die Hände auf den Kopf bzw. der Mütze, die deswegen zu Boden fiel. "Das waren die Aufnahmen von Reitas Verschwinden! Wir haben es hier mit einem schlauen Kerlchen zu tun! Nagi, wach auf!", rief er wieder und alarmierte nun die Zentrale von dem Eindringling.
 

Das schlaue Kerlchen, auch genannt Kru, war soeben in den Lüftungsschacht gekrabbelt, durch den wohl die Entführer gekrochen sein mussten, als sie Reita holen wollten und suchte diesen nach allen Seiten mit einer Taschenlampe, welcher er dem fetten Polizist entwendet hatte, ab. Draußen dunkelte es inzwischen. Doch Kru machte dieser Zustand weder Sorgen noch Angst. Er fühlte sich in seinem Element.
 

+~+
 

"Danke für die Decke. Später... werde ich dann auch duschen. Weck mich aber sofort, wenn ihr Neuigkeiten von Reita habt, okay?!", bat er mit fordernder Stimme und sah Hizumi aus großen Augen an. "Wisst ihr denn, wo er sich befinden könnte? Habt ihr überhaupt schon etwas herausgefunden?"
 

"Meine Männer arbeiten daran, Aoi. Wir werden seine Spuren verfolgen und ihn finden." Er rutschte etwas näher und zog Aoi in seine Arme, streichelte den schmalen, dürren Körper beruhigend. "Wir finden ihn.", wiederholte er. Diese großen Augen... Hizumi konnte dem Blick nicht widerstehen... Vorsichtig legte er seine Arme um Aoi, streichelte ihn, und legte seine Lippen sanft auf Aois.
 

~
 

Schon als er die Frage gestellt hatte, schlug sein Herz bereits schneller als zuvor, da die Hoffnung wieder in ihm aufkeimte, das sein Reita doch noch leben könnte. Vielleicht hatten Hizumis Leute bereits eine Spur aufnehmen können!?

Doch nach Hizumis folgenden Worten, zerbrach die Hoffnung erneut und frustriert aufseufzend lehnte sich der Schwarzhaarige zurück. Die ganze Sache war so frustrierend! Er verstand schon, warum er hier war, aber er wollte Reita auch suchen gehen! Doch hielten ihn die Fesseln an Ort und Stelle und auch Hizumi würde es nicht zulassen, das er einfach verschwand und sich dort draußen in der gefährlichen Welt zu Tode ängstigte, da war er sich sicher. Und obwohl er Hizumi kaum kannte, fühlte er sich bei ihm wohl. Er fühlte sich sicher und ja auch ein wenig akzeptiert, so wie er war. Andere hätten ihn schon längst links liegen gelassen. Nicht aber Hizumi... der gerade überraschend näher rückte. Wieder etwas, was Aoi nicht verstehen konnte. "Was...?", gab er überrascht von sich und blickte dem Schwarzhaarigen verwirrt entgegen. Dann wurde er in dessen Arme gezogen und spürte zusätzlich eine fremde Hand auf seinem Rücken, die sich auf und ab bewegte. Aoi riss die Augen auf. "Was tust du da?!", entkam es ihm mit immer schneller werdenden Herzschlag und ängstlichem Unterton in der Stimme. "Ich hab dir gesagt, das ich das nicht mag!", merkte er bitter an und versuchte den anderen von sich zu drücken. Dabei blickte er den Schwarzhaarigen aus großen weit aufgerissenen Augen ängstlich an und zuckte panisch mit dem Kopf zurück, als Hizumi sich ihm weiter näherte. //Nein, nein, nein!!//, dachte Aoi abweisend und versuchte sich verzweifelt aus der Umarmung zu befreien. Blöd war nur, das Hizumi auf der Decke lag, die seine Beine an Ort und Stelle hielten und sich gegen Hizumi zu Wehr zu setzen war Aussichtslos, das wusste Aoi inzwischen. "Hizumi, nein! Lass mi-", wollte der Schwarzhaarige sich erneut zur Wehr setzen, als Hizumi den letzten Abstand überbrückte und ihn küsste. Fassungslos sah er in die Augen seines Gegenübers und verblieb ein paar Sekunden in dieser starren Verfassung. Was tat Hizumi da eigentlich?? Wusste er nicht, was er ihm damit antat?!! //Reita, es tut mir Leid! Ich wollte das nicht!//, dachte Aoi schockiert und versuchte das Fremdküssen zu erklären, doch warum entzog er sich Hizumi nicht einfach? Und als ob Aoi diese Möglichkeit vergessen hatte, löste er sich viel zu spät von Hizumi, um noch weiter zur Wand hin zu fliehen. Doch viel Platz war nicht. Das merkte Aoi, als er mit dem Kopf gegen die Wand aufschlug. Doch kein Schmerzenslaut drang aus seiner zugeschnürten Kehle. Nur seine Augen füllten sich allmählich mit Tränen. "W-warum hast d-du da g-getan?!!", fragte er nach schier endlosen gefühlten Stunden und fühlte sich mal wieder viel zu sehr in die Ecke getrieben.

Wütend funkelte er Hizumi an. "Tu das nie wieder!", bellte er und wischte sich verwirrt über die Lippen, auf denen er noch immer die sanften Lippen des anderen spürte. "Denkst du etwa, du kannst mit mir spielen?! Wenn, dann hat Sakito mich zu der falschen Person gebracht! Lieber würde ich draußen auf der Straße oder in dunklen engen Gassen leben wollen, als meinen Körper für meinen Schutz zu geben!", meinte Aoi mit ernstem Gesichtsausdruck und wischte sich verärgert eine Träne aus dem Gesicht. Doch es blieb nicht bei dieser einzigen Träne. Immer mehr kullerten über Aois leicht geröteten Wangen und immer wieder wischte dieser sie weg, um nicht das Bild des Jammers darstellen zu müssen. Hizumi sollte ihn ernst nehmen!
 

"Aoi!" Hizumi war selbst vor sich erschrocken und rutschte zurück. "Oh... verdammt... Ich... Ich wollte nicht... nein... Es tut mir Leid... Das... war nicht richtig... Ich... Ich hätte das nicht tun dürfen... Bitte... entschuldige... Ich wollte nicht mit dir spielen... ich wollte nicht... Ich wollte dir damit nicht weh tun..." Er setzte sich im Schneidersitz vor Aoi und starrte auf seine Hände. Was hatte er da nur wieder angestellt?
 

Doch der Schwarzhaarige wandte sich ab. Zu verletzt war er durch die üblen Gedanken, die der Kuss in ihm aufbeschworen hatte, das er nur wieder benutzt werden würde und zu schockiert war er von sich selbst, da er sich in Hizumis Armen geborgen und sicher gefühlt hatte. Er kannte den anderen doch gar nicht und doch war er beinahe so weit gewesen, sich völlig gehen zu lassen. Er hatte Hizumi seine Ängste preisgegeben und nun konnte dieser durch seine eigene Dummheit sich diese jederzeit zu Nutze machen. Würde er das denn?! Er wusste es nicht, aber in dieser beschissenen Welt voller Lügen, Verbrechen, Gewalt und Hass befand er alles für möglich. "Geh... geh einfach!", bat er aufgewühlt und schlang die Arme um seinen zitternden Oberkörper. Sollte er ihm glauben schenken, das er nicht mit ihm spielen wollte? Sollte er einem Fremden Vertrauen schenken, nur weil er anders zu ihm war, als andere? "Warum... hast du mich dann geküsst?", wollte er wissen, doch schüttelte gleich darauf den Kopf. "Nein, ich will es nicht wissen! Geh Hizumi! Lass mich alleine!", schrie er verzweifelt und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, die ihm plötzlich noch viel verzweifelter in die Augen geschossen waren, als ihm der Gedanke in den Kopf schoss, das der andere es vielleicht aus Liebe getan könnte. Würde er sich sonst so liebevoll um ihn kümmern? Ihn umarmen? Ihn, ein minderwertiges, verbrauchtes und gebrochenes Geschöpf, küssen?
 

Hizumi sah ihn sehr schockiert an und schüttelte den Kopf. "Nein, Aoi! Versteh das nicht falsch... Ich will dir nichts Böses tun, wirklich nicht... Es tut mir Leid, dass ich dich geküsst habe... Es war... Es ist einfach mit mir durchgegangen..." Zur Unterstützung seiner Worte setzte er sich weiter weg vor Aoi und sah ihn traurig an. "Es tut mir Leid..", murmelte er nochmal und wunderte sich, warum dieser magere junge Mann in der Lage war, in ihm die tiefsten Gefühle wachzurufen, was bisher sonst niemand geschafft hatte. Die Mauer, die er um sich herum errichtet hatte, schien Risse zu bekommen...
 

Der Gedankenschwall wurde Aoi langsam zu viel. Immer mehr krümmte er sich zu einem kleinen Häufchen Elend zusammen und hatte die fest geketteten Hände an den Kopf gelegt. "V-vergiss den Gedanken... geh...", murmelte der Schwarzhaarige und klappte die Augen zu, wollte nichts mehr von alledem hören, noch wissen, noch sehen.

Er ahnte nichts von Hizumis inneren Konflikten. Sollten diese ihm ja eigentlich herzlich wenig interessieren. Und bevor er aus Erschöpfung einschlief, der Müdigkeit und Abgeschlafftheit nachgab, wünschte er sich plötzlich, Hizumi würde nicht noch weiter von ihm wegrutschen. Im nächsten Moment hätte er sich dafür am liebsten geschlagen, war dieser Gedanke doch völlig irre gewesen, völlig konfus und doch ganz im Gegensatz zu seinen Gefühlen zu Reita, doch stattdessen sackte er nur noch mehr zusammen und schluchzte auf, ehe er schließlich ermüdet eingeschlafen war.
 

Hizumi ging zu ihm und legte ihn angenehm hin, breitete die Decke behutsam über ihn und ließ seine Hand ein paar Sekunden länger auf seiner Schulter ruhen als nötig gewesen wäre... Dann stand er wieder auf und verließ Aois "Gefängnis", achtete darauf, dass alles gut verschlossen war und ging, ohne dem Mörder auch nur einen Blick zu gönnen, wieder nach oben, wo er mies gelaunt unter die Dusche stieg. Das kalte Wasser auf seinem Körper beruhigte ihn wieder etwas. Er konnte warmes Wasser nicht ertragen, er fühlte sich dadurch unwohl und eingeengt. Nach 30 Minuten stieg er aus der Dusche und trocknete sich ab, zog sich frische Sachen an und ging in sein "Arbeitszimmer", um Kru anzurufen. "Kru? Wo steckst du? Ich hoffe, du warst beim Arzt und hast dann etwas über unseren blonden Jungen herausgefunden?" Hizumi verlangte einiges von seinen Männern und er wusste, dass er sich auf Kru verlassen konnte.
 

Gerade verließ Kru die Halle am Hafen, die er nach einer gefühlten Ewigkeit endlich aufgefunden hatte, nachdem er den kaum sichtbaren Spuren der beiden Entführer gefolgt war, als sein Handy plötzlich in seiner hinteren Hosentasche zu vibrieren begann, welches ihn aufschrecken ließ. Gott wie er diese verdammte Technik doch verabscheute! Aber leider war sie von Nöten und da Hizumi ihn darum gebeten hatte, hatte er sich dieser nur mit einem unzufriedenem Grummeln angenommen. Schnell griff er danach und starrte auf das leuchtende Display, als wolle er dem Handy damit sagen, das es sich von allein anstellen soll. Jedoch, und nachdem es ein weiteres Mal ungeduldig klingelte, war immer noch nichts geschehen und Kru seufzte auf. "Billig Ding. Nichts kann es! Nicht mal einen Gegner könnte ich damit ausschalten.", grummelte er und drückte auf die grüne Taste, wie es ihm Hizumi zuvor gezeigt hatte und legte es an sein Ohr, um der Stimme seines Bosses und Freundes zu lauschen.

"Ich befinde mich gerade außerhalb einer Lagerhalle am Hafen im Osten der Stadt. In dieser wurde dieser Junge geschleppt und außerdem habe ich zwei Leichen gefunden, die keine anderen sein können, als die Entführer. Derjenige, der sie getötet hat, war ziemlich dumm. Er hätte ihre Leichen ins Meer werfen müssen, aber anscheinend hatte er es eilig gehabt. Ein Auto hat auf ihn gewartet. Die Spuren sind noch immer gut erkennbar. Ich werde der Spur sogleich folgen und Bericht erstatten, wenn ich etwas gefunden habe. Ruhe dich ruhig etwas aus. Ich werde die Nacht über die Augen offen halten und die Spur verfolgen. Die Nacht ist, wie du weißt, mein Element.", erwiderte Kru auf Hizumis Frage und lief im schnellen Schritt den Spuren nach, hielt sich dabei immer an den Lagerhallen, damit ihm möglicherweise Deckungsschutz gegeben sei, falls Gefahr drohte. "Ist alles okay bei euch? Was ist mit dem Jungen? War er anständig?", setzte er fragend hinzu. Wenn er Hizumi etwas angetan hatte, würde der Junge dafür büßen müssen.
 

Hizumi hörte seinem Freund lächelnd zu, wie er keuchend berichtete. "Das sind gute Neuigkeiten, Kru. Ich wusste, ich kann mich auf dich verlassen. Melde dich, wenn du etwas neues herausfindest. Ja, der Junge ist lammfromm. Er schläft jetzt erstmal. Mach dir keine Sorgen.", fügte er dann noch lächelnd hinzu. "Und pass auf dich auf. Ich werde selbst hinkommen, wenn du weißt, wohin die Spuren führen. Und Kru? Du bist nur Beobachter, hast du verstanden? Du wirst nicht eingreifen, egal, was du auch sehen magst. Ich brauche dich noch."
 

"Zu seinem Glück...", knurrte er und dachte schon, das wäre es von Hizumis Seite, aber die nächsten Worten, ließen ihn genervt aufseufzen. "Du wirst dich auch niemals ändern, oder Hizumi? Spielverderber... Ja, ich halt mich zurück.", versprach er und brachte seinen Unmut durch einen Kick gegen eine herumstehende Mülltonne zum Ausdruck. "Noch etwas?", setzte er anschließend fragend hinzu, da er sich weiter auf seine Arbeit konzentrieren wollte.
 

+~+
 

Nichts von all dem, was Hizumi noch tat, bekam Aoi mit. Doch als plötzlich in greifbarer Nähe etwas zu vibrieren begann und gar nicht mehr den Anschein erwecken wollte, irgendwann einmal zu ersterben, wurde der Schwarzhaarige aus seinem unruhigen Schlaf gerissen, in den er doch eigentlich gerade erst gefallen war! Sich die Schläfen reibend richtete sich Aoi langsam auf und suchte danach blind den Fußboden ab, auf der Suche nach dem Ursprung des Vibrierens. Als er es gefunden hatte, und zu seiner Überraschung war es ein Handy, welches ihm aus dem Schlaf gerissen hatte, überlegte er fieberhaft ranzugehen. Vielleicht war es Sakito? Schließlich hatte er ihn hierher bringen lassen! Vielleicht wusste er etwas über den Aufenthaltsort Reitas! Nun doch neugierig geworden, nahm er das Telefonat an und blieb vorerst stumm.
 

"Endlich! Warum hat das so lange gedauert!? Ich hoffe für dich, das du ihn hast. Ich will ihn neben seinen blonden Freund legen und die beiden leiden sehen, sodass sie sich die Hölle wünschen, da diese viel erträglicher wäre als das richtige Leben. Wann bringst du ihn mir?! Ich will sie Morgen früh erlösen!", verkündete der Boss naiv und hob die Brauen, als Shi nur enttäuscht mit dem Kopf schüttelte. Doch viel Gedanken konnte er sich nicht darüber machen, denn ein lautes Geräusch an seinem Ohr ließ ihn zusammenzucken. Es hatte sich fast so angehört, als ob der Killer sein Handy fallen gelassen hatte. "Hey! Was ist los?!", brüllte er in sein Handy und sah sauer drein, als Shi ihm sein Handy wegnahm und es ausschaltete. "Dein Killer ist Tod, du Dummkopf. Da hilft dir schreien auch nicht weiter."
 

Und das war er tatsächlich, wie Aoi feststellen durfte, da fast neben ihm, ein Mann an der Wand zusammengekrümmt saß und so ziemlich Tod aussah.
 

"R-Rei...", hauchte Aoi fassungslos und war zum wiederholten Male den Tränen nahe, während er sich mit letzter Kraft auf stemmte und versuchte die Ketten um seine Handgelenke aus den Verankerungen in den Wänden zu reißen. Immer verzweifelter schrie er auf, währen seine Tränen ihn blind werden ließen.
 

+~+
 

"Und wer soll es geschafft haben, meinen besten Killer umzubringen?!", fragte der Boss, der Shis Worten keinen Glauben schenken konnte. "Kein Ahnung. Woher soll ich das wissen. Aber selbst ein Killer wäre fähig gewesen dir zu antworten. Demzufolge hast du also nicht mit ihm gesprochen und hast ihm auch noch deine Pläne verraten. Du warst noch nie der Schlauste.", schnaubte der Silberhaarige, wandte sich von dem Kleineren ab und ging auf Reita zu, damit er dessen Fesselung selbst in die Hand nehmen konnte. //Alles muss man selbst machen.//
 

+~+
 

Sein Reita war also noch am Leben! Das war ein gute Neuigkeit, verbunden mit einer Schlechten. In einigen Stunden wäre er es definitiv nicht mehr. Der Boss hielt, was er versprach und das eben war eindeutig der Boss gewesen. Aoi hätte ihn unter Hunderten erkennen können! Er musste doch irgendetwas tun können! Ja... zum Beispiel ihm zur Hilfe eilen! Wieder schrie er auf. //Wer kam auf die blöde Idee, mich an die Wand zu ketten!? Sakito, das wirst du büßen! Ich könnte jetzt schon fast bei ihm sein!//, dachte er und vergaß dabei völlig, das er nicht einmal wusste, wo sich der Blonde befand. Blind machte ihm die Panik, die sein Herz zuschnürte.
 

+~+
 

Reita konnte nur hilflos mit ansehen, wie sie ihn zu Kato brachten und ihn dann neben ihn ketteten... Er konnte sich gegen die Männer nicht wehren... Gerade wollte er auf begehren, da knebelten sie ihn auch schon und mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte er die schwere Eisenkugel an, die bedrohlich und stumm über ihnen schwebte, bereit, sie jederzeit zu zerquetschen..
 

Langsam drehte er den Kopf und sah in Katos verzweifeltes Gesicht. Es brach ihm das Herz, seinen ehemaligen Geliebten so zu sehen... Und nicht mal berühren konnte er ihn, um ihm wenigstens etwas Trost zu schenken! Wie er so da lag, kamen alle Erinnerungen wieder... Die Zeit an seine Kindheit und Jugend...
 

~Rückblick in Reitas Vergangenheit~
 

Er war gerade mal sechzehn, als er von daheim weglief. Seine Eltern hatten Geld, zu viel Geld, denn das verdirbt oft den Charakter und so kam es, dass der kleine Akira von seinen Eltern meist nur strenge Worte zu hören bekam. Sein Vater schlug ihn oft, anfangs mit der Hand, später dann mit Stöcken oder Gürteln, er fand auch Gefallen daran, den Jungen zu würgen. Niemand kümmerte sich darum, niemand wagte es, sich in die Belange einer reichen Familie einzumischen und eine Schule durfte der Junge nicht besuchen. Er wurde von einem Privatlehrer unterrichtet, die Blutergüsse und Striemen erklärte man diesem so, dass der Kleine eben gerne auf Bäumen herum kletterte und genauso oft herunter fiel. Akira lernte schnell und viel, doch durch das Lernen merkte er auch, dass es noch mehr auf der Welt gab, als Schläge und kalte Kellerräume, in die man ihn einsperrte.
 

Es war ein Novemberabend, als Akira einige wenige Sachen zusammenpackte und das elterliche Anwesen verließ. Er bereute es nicht, zum ersten Mal sagte ihm niemand mehr, was er tun sollte. Zum ersten Mal in seinem Leben war er sein eigener Herr. Wie er so durch die Straßen lief, kam er an ein paar finsteren Typen vorbei und da man dem Jungen seine reiche Herkunft ansah, überfielen diese ihn und ließen ihn mit nichts anderem als seiner zerfetzten Kleidung am Boden liegen...
 

Der junge Akira hatte wieder etwas gelernt. Nämlich das Träume genauso schnell zerplatzen konnten wie Seifenblasen... So seiner Träume und Hoffnungen beraubt, blieb er einfach liegen und schloss die Augen.
 

Es war ein unglaubliches Glück, dass ihn kurze Zeit später eine Gruppe Jugendlicher fand, die meisten in Akiras Alter, manche etwas älter. Der Anführer nahm den durchgefrorenen Jungen, der in der Kälte mittlerweile das Bewusstsein verloren hatte, mit zu sich nach Hause und kümmerte sich um seine Wunden und gab ihm Kleidung und etwas zu essen. So kam es, dass Akira in dem "Abschaum der Straße" erst erfuhr, was Freundschaft war.
 

Akira blieb über Jahre hinweg bei der Straßengang, er war der beste Freund des Anführers. Er lernte schnell sich zu verteidigen, wurde stärker und bald konnten und wollten es die wenigsten mit ihm aufnehmen. Die Gang verdiente sich ihr Geld mit Raub und Überfällen und da in der Gruppe ein sehr großer Zusammenhalt bestand, konnte auch kein Hüter des Gesetzes ihnen habhaft werden, jeder stand für den anderen ein.
 

Aus dem schmächtigen kleinen Jungen war ein starker, schlanker Jugendlicher geworden. Sein Haar färbte er blond und trug es fortan als Iro gestylt und auch seinen Namen änderte er in Reita um. Akira gab es nicht mehr, er war für alle Zeiten tot...
 

+Rückblick in Reitas Vergangenheit Ende+
 

Seit dem unschönen Vorfall im Krankenhaus, von dem sich Uruha durch Beruhigungsmedikamente und dem Schockzustand nur noch wenige Bruchteile merken konnte, war kein Tag vergangen, an dem der Brünette nicht nachfragte. Danach fragte, was passiert war, wie es Reita, Aoi und vor allem wie es Sakito ging. Doch jedes Mal war er auf's neue hingehalten worden. Man sagte ihm jedes Mal wieder, dass man es ihm früh genug sagen würde.
 

Und so auch an diesem Tag. In seinem unschönen Krankenhausaufzug schritt er langsam den relativ leeren Flur entlang. Man hatte ihn vorsichtshalber auf die offene psychosomatische Station B3 verlegt. Es gab wenig Patienten, die sich außerhalb ihrer Zimmer aufhielten. Eigentliche waren es nur 2 davon. Ein älterer Mann, der jeden Tag eine Runde durch die Station machte und sich dabei bei jedem entschuldigte, der ihm über den Weg lief. Und eine junge Frau, die immer ein und denselben Gang entlang lief, die Arme dabei fest um sich geschlungen, um sich ihr Tagebuch an die Brust zu drücken.
 

Uruha war nun schon ein paar Tage hier, da die Ärzte der Ansicht sind, er wäre hier am besten aufgehoben. Für sich selbst hatte Kouyou entschieden, das er so bald wie möglich wieder rauswollte. Er hatte hier drin regelrecht das Gefühl verrückt zu werden und das konnte er sich in dem Moment einfach nicht leisten, denn immerhin musste er sich darum kümmern, Reita zu finden, oder wenigstens dabei helfen. Denn dass das Krankenhauspersonal von diesem Vorfall nichts preisgab, musste bedeuten, das irgendetwas passiert sein müsste. Leise ging der Brünette den Ganz bis zum Schwesternzimmer weiter, vorsichtig darauf bedacht, von keiner der Patrouillierenden gesehen zu werden. Vorsichtig schlich er durch den Schatten in das geöffnete Zimmer. Durch die Abenddämmerung, die sich durch das Fenster schlich, legte sich eine drückende Stimmung über den Raum, die nur durch zwei kleine Tischlampen durchbrochen wurden. Uruha blinzelte durch seine Haarsträhnen hindurch in die Gänge, doch keiner der Schwestern schien in der Nähe zu sein und so schob Kouyou die Tür ein Stück zu.

Er wandte sich dem Raum zu und versuchte sich so schnell wie möglich zu orientieren. Medikamentenschränke, haufenweise Papierstapel, leere Kaffeebecher und flackernde Computerbildschirme. //Wo sind die Patientenakten?!//, fragte sich Uruha und kramte einen der Schränke leise durch. Wenn er die Schwestern nicht mit Bitten und Betteln dazu brachte, mit der Sprache rauszurücken, dann musste er es wohl irgendwie anders schaffen.

"Medikamente... Zimmerverteilung...", murmelte der Brünette vor sich hin und strich sich fahrig eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Irgendwo hier müssen doch... AH, hier...", stieß Uruha leise hervor und entdeckte die Schublade mit Patientenakten. "Mal sehen...", murmelte er sich selbst zu und ging die Namensschildchen in der Reihe nach zügig durch. Aber er fand keinen Namen seiner Freunde. Enttäuscht sank er auf die Knie und steckte die letzte Kartei zurück in die Schublade.

Aber natürlich, er war hier schließlich auf der Station der psychisch Kranken, wie sollte da auch etwas von den anderen sein, die immerhin körperlich verletzt sind. Aber zumindest mit Aois Akte hätte er hier gerechnet. Aber darin wollte er nicht herumschnüffeln, also stand er wieder auf, zog die Schublade so weit wie möglich nach draußen und durchsuchte beim Buchstaben T: "... Takano, Takuro, Takashima... Aha... Takashima Kouyou."

Uruha zog die Mappe aus der Schublade, stieß diese mit der Hüfte leicht an, sodass sie zuschnappte und setzte sich auf den Boden.

Er klappte den oberen Teil der Patientenakte, auf denen nur formale Daten standen zur Seite, überflog ein paar der anderen Dinge und kam schließlich zu dem Vorfall mit den maskierten Männern.

"... Schockzustand... bla bla... Starre... bla bla... das weiß ich doch schon verdammt, ich will wissen, was mit den anderen ist...", fluchte er leise und blätterte ein paar Seiten weiter.

Seufzend las er weiter und hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als er endlich fündig wurde.

"Durch den Verlust (Entführung) des Mitpatienten Suzuki-san, den besten Freund des Patienten und des nervlichen Zusammenbruchs von Shiroyama-san, wird dem Patienten jeglicher Kontakt zu seinem eigenen Schutz verboten. Weiterhin darf dem Patienten keine Auskunft über das Belangen des Patienten Edokawas gegeben werden. Das alles dient dem Schutz des Patienten und sobald er sich außerhalb des derzeitigen Schockzustandes befindet, wird die Verlegung auf eine andere Station betrachtet.", all das las Uruha mit einer verwirrten und hofflungslosen Miene. "Was soll das heißen 'Verlust'? Wieso verdammt, hat dieser Arzt so eine Sauklaue, das kein Mensch was lesen kann...", grummelnd beugte er sich näher dem Papier zu und versuchte die verschnörkelte Schrift in der Klammer hinter dem Wort Verlust zu entziffern. "Enff... Enthü... Enthng?! Das ergibt doch alles keinen Sinn.", seufzte der Brünette und strich sich die Haare hinters Ohr. Aber Verlust... und Aois Nervenzusammenbruch... Bedeutet das etwa, das...

Doch bevor Uruha weiterdenken konnte, hörte er wie sich die Türe öffnete und so schnell er konnte faltete er die Akte wieder zusammen und wollte sie zurück an ihren Platz stecken, als eine Schwester ihn dabei erwischte. "Was tun sie da Takashima-san?"

"Ich... ähm... also ich wollte nur... Ist Reita Tod?! Ist Suzuki Akira Tod?!!", rief er stattdessen, nachdem ihm nach kurzer Zeit des Stammelns nichts mehr eingefallen war.

Die Schwester nahm ihm hastig die Akte weg, schob diese zurück in den Aktenschrank und verschloss diesen sorgfältig.

"Kommen sie Takashima-san, ich bringe sie auf ihr Zimmer!", sagte sie und schob Uruha aus dem Schwesternbereich.

"Ich will wissen, ob Suzuki Akira tot ist?!! Er ist tot, oder?!! Sonst könnten sie mir doch sagen, das es ihm gut geht!", schrie er sie an und musste sich wirklich beherrschen, sie nicht zu schütteln.

"Es tut mir Leid, aber sie wissen, das ich ihnen darüber keine Auskunft geben darf. Und jetzt gehen sie auf ihr Zimmer!", erwiderte die Schwester und nahm vorsichtig Uruhas Arm. "Kommen sie schon..."

"Nein! Ich will erst wissen was mit Akira und Sakito ist?! Geht es den beiden gut?!"

Anstatt zu antworten, blickte die Schwester nur Hilfesuchend zur einem weiteren Helfer, der Uruha zurück in sein Zimmer brachte.

Erst auf seinem Zimmer ließ der Brünette sich erst wieder beruhigen. "Bitte, ich will doch nur wissen, was mit den anderen ist, sie sind schließlich auch meine Freunde."

"Und wir sind Ärzte und wollen ihnen helfen, also vertrauen sie uns.", antwortete der Pfleger erneut und verließ dann das Zimmer, in dem er die Türe hinter sich schloss.

Uruha trat erstmal gegen den Bettpfosten und ließ sich dann auf der weichen Matratze fallen.

Je länger er darüber nachdachte, umso klarer wurde ihm, das die Ärzte ihm etwas Grundlegendes verheimlichten.
 

Wenn Reita noch am Leben wäre, dann hätten sie ihm doch bestimmt gesagt, wie es ihm geht. Und selbst wenn sein Zustand kritisch wäre, dann wäre Uruha trotzdem wohler dabei, es wenigstens zu wissen. Und ob Sakito an seiner Schussverletzung gestorben war?

Erst jetzt, da er auf dem Bett lag und sein schmaler, ja erneut abgemagerter Körper zur Ruhe kam, spürte er den ganzen Druck, der auf ihn lastete. Der ihn so sehr belastete. Als die erste Träne ihren feuchten Weg die weiche Haut hinab fand, erinnerte sich Uruha daran, wie er die Situation schon einmal erlebt hatte.

Doch damals war alles noch einfacher...
 

~Rückblick in Uruhas Vergangenheit~
 

Es war einer dieser kalten Winternächte und als der junge Brünette auf die Uhr sah, bemerkte er, das es bereits nach 1 Uhr war. Noch immer lag er hier in der Kälte. Das Kalt des Bodens schlich langsam durch die dünnen Klamotten des Jungen und hinterließen ein schauriges, aber kaum wahrnehmbares Gefühl auf des Haut. Es müssen schon Stunden sein, die der Brünette dort lag, aber jegliches Zeitgefühl hatte ihn verlassen.

Nun ja, eigentlich hatte ihn jedes Gefühl verlassen. Abgehauen, aus seinem ,Gefängnis', hatte er alles hinter sich gelassen.

Seit seine Eltern ihn aus Angst und Sorge um die Gesundheit ihres Sohnes, hilflos in die Obhut einer psychiatrischen Anstalt gegeben haben, war Uruha nicht mehr wie vorher.

Zwar war er zu Beginn nur auf einer offenen Station, doch er hatte sich gefühlt, wie in einem Gefängnis.

Ein Gefängnis, in dem er mit seinen Gedanken und Problemen eingesperrt wurde, in denen er ihnen nicht mehr entkommen konnte und hilflos mit ansehen musste, was seine Probleme aus ihm werden ließen.

Je länger er auf dieser Station bleib, umso stärker wurden seine Gefühle. Umso stärker wurde der Hass auf sich selbst, der Hass auf die Menschheit, der Hass auf Krankheiten.

Je länger er drin blieb, umso stärker wurde der Drang sich selbst zu verletzen, umso größer war der Wunsch ausbrechen zu können.

Er schaffte es nicht aufzustehen. Erst spät am Abend konnte er erst aufstehen und eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen, die er jedoch kurze Zeit später von sich gab.

Er wusste, er war krank, aber diese Enge und diese vielen kranken Menschen gaben ihm das Gefühl, Irre zu werden.

Lange Zeit hatte er an sich gearbeitet und es ging ihm von Tag zu Tag wieder besser, auch wenn er das Essen immer noch vernachlässigte.

Doch all der Besserung gab es viele Rückschläge in der Familie, was ihn dazu brachte, sich selbst zu verabscheuen. Er war eine Last für seine Familie und eine Last für seine Freunde.

Doch nun lag er hier. Geflohen aus der geschlossenen Psychiatrie, in die er gekommen war, nachdem er sich mit einer Sicherheitsnadel ein Loch durch die Lippe gestochen hatte.

Geflohen aus seinem Gefängnis aus Kameras, Visiten- und Therapiestunden.

In seine Zukunft. Sein Leben, das er ohne seine Eltern weiter leben will.

Denn immerhin hatte er einen Freund.

Einen besten Freund.

Einen, der ihm immer zur Seite stehen wird, der für ihn wie ein Bruder ist.

Und genau dessen Bad nahm er gerade in Beschlag. Er lag auf den kalten Fliesen von Reitas Badezimmer und starrte an die Decke. Er wusste, das es nicht so weitergehen konnte. Er wollte unter gar keinen Umständen zurück in dieses Irrenhaus.

Aber Reita hatte ihm geholfen und so bezwang Uruha seine Essstörungen soweit, das er in einem Lebensfähigen Bereich blieb und auch gut damit zurecht kam.
 

~Rückblick in Uruhas Vergangenheit Ende~
 

Damals war es der Wunsch, schlank zu sein, das Uruha so abgemagert war. Heute war es der Schmerz im Inneren, der ihn davon abhielt, zu essen.

Wie konnte das alles nur passieren...

Reita war... wahrscheinlich Tod und... es war allein Uruhas Schuld. Er war so ein schlechter Freund.

Er hätte in dieser einen Nacht nicht mit diesem Kerl mitgehen dürfen. Er hätte Reita damals nie anrufen dürfen.

Und vor allem hätte er vor wenigen Tagen nicht einfach nur reglos daneben stehen dürfen.

Uruha vergrub sein Gesicht in den Händen und schluchzte leise. Wie konnte er nur Schuld sein, das Reita nun vielleicht Tod war? Und das Sakito und Aoi vielleicht auch nicht mehr lebten?

Ein erneutes Schluchzen ließ Uruhas Körper erzittern. "Das kann doch alles nicht wahr sein...", schluchzte er und raufte sich leicht die Haare. Die Erinnerung an die Zeit, in denen es Uruha so schlecht ging und Reita als sein bester Freund immer für ihn da war, schmerzten tief im Herz des Brünetten.

Die ganzen letzten Monate konnte Uruha nicht für ihn da sein. Er konnte und hatte sich nie dafür revangiert. Und nun hatte er auch nicht mehr die Gelegenheit dazu.

Das er wusste, das was er sagte und dachte nicht richtig war, verdrängte er unbewusst. Er hatte den Punkt erreicht, an dem er nicht mehr konnte. Sein Körper fühlte sich so schwer an, obwohl er wahrscheinlich noch gerade so über der 41Kg Grenze war. Sein Kopf fühlte sich so leer und gleichzeitig so voll an, das er sich an den Haaren zog, nur um irgendwie etwas Luft darin zu bekommen, um einen klaren Gedanken fassen zu können.

Er wollte aufstehen und sich das Wasser vom Tisch nehmen, doch als mit den Füßen auf dem Boden aufkam, knickten seine Knie ein und er sank zu Boden.

Erneut durchzuckte ihn ein Schluchzen und er schlug mit der Hand auf die Bettkante.

"Verdammt!", fluchte er unter Tränen und schüttelte den Kopf. Er schwieg für einen Moment doch es wurde nie still in seinem Raum. Denn immer wieder schnappte er stockend nach Luft.

Als er es geschafft hatte, seine Atmung zu beruhigen und sich zumindest aufzurichten, wischte er sich kurz über die tränenverschmierten Augen. Er hatte wirklich alles verloren. Zumindest fühlte er sich in diesem Moment so verloren wie noch nie. Seine Gedanken waren aussichtslos.

Er kroch auf allen Vieren in das anliegende Badezimmer. Anstatt jedoch das Licht anzumachen, kramte er im Dunkeln nach seiner Tasche oder zumindest nach seiner Jacke.

Doch beides war wie unauffindbar. Schluchzend ließ Uruha sich gegen den Wannenrand sinken und schlug leicht den Kopf dagegen.

Langsam zog sich Uruha hoch und tastete nach dem Lichtschalter, den er kurz später betätigte und das Licht den Raum flutete.

Ach ja, er hatte seine Jacke ja an den Schrank gehängt. Kein Wunder, das er sie nicht finden konnte.

Er seufzte lautlos, kramte in seiner Jackentasche nach seinem Geldbeutel und ging mit diesem in der Hand zurück ins Badezimmer.

Schweigend ließ er sich zurück auf den Boden sinken und lehnte sich zurück an den Rand der Badewanne. Mit leicht zitternden Händen öffnete er den Druckknopf seiner Geldbörse und klappte die Innenseite auf.

Das erste was ihm entgegen fiel, war ein Bild von Reita und ihm selbst. Gefolgt von einer Rasierklinge, die er seit seiner Jugend in seinem Geldbeutel aufbewahrte.

Was sollte er denn noch hier?

Er hatte das Leben von Menschen zerstört und konnte ihnen im Nachhinein nicht einmal helfen. Er war so ein Versager.

Ein Versager, der nur noch lebte, weil andere für ihn litten.

Erneut raufte Uurha sich die Haare und biss sich auf die Unterlippe, um die Tränen vergeblich zurückzuhalten.

Wieso dachte er nur solche Dinge? Wieso konnten ihn diese Gedanken nicht einfach in Ruhe lassen?

Immer wieder ketteteten sich negative Gedanken in seinem Kopf fest, die sich immer enger um seine Sinne zogen.

Der Brünette stand auf und ging zum Waschbecken. Es war trocken, bis auf ein paar vereinzelte Tränen, die sich ihren Weg von Uruhas Wangen hinab gesucht hatten. Er wandte den Blick in den Spiegel. Das was er von sich sah, war nicht mehr er selbst. Eine Hülle, ein Körper, der zerfressen war, von all dem Leid. Er dachte immer, er wäre eine starke Persönlichkeit, der in schweren Zeiten derjenige war, der andere die Schulter zum Anlehnen gab. Doch wie sehr hatte er sich darin getäuscht.

Er war schwach.

Wie länger Uruha den Blick in den Spiegel warf, desto größer wurde der Hass auf sich selbst. Das Spiegelbild, was ihn von dort aus ansah, war zerstört, kaputt und ein Mensch, der es nicht würdig war, weiterzuleben.

Kouyou strich sich vorsichtig über die Wange. Sein Spiegelbild tat es ihm gleich. Er fuhr mit seiner zittrigen Hand weiter über die dennoch weiche Haut über seinen schmalen Hals bis hin zu seinen Schlüsselbeinen, die bei seinem geringen Gewicht bereits ziemlich stark hervortraten. Seine Haut spannte sich über seine Knochen, aber dennoch konnte man seine einstige Schönheit erkennen. Die feinen Züge in seinem Gesicht, waren überschatten von Trauer in seinen Augen.

In seinem Spiegelbild beobachtete er jede einzelne seiner Bewegungen. Es war also wirklich er.

Erneut stiegen ihm Tränen in die Augen und Wut machte sich in ihm breit.

Er ballte die Faust und schlug mit all seiner Kraft, die er noch hatte, in den Spiegel, der in tausend Scherben zerbrach. Der Brünette sank in die Knie, ließ dabei seinen Geldbeutel fallen und begann erneut zu Schluchzen.

Er war es nicht wert am Leben zu bleiben.

Er hatte alles verloren... und es war seine Schuld.

Unter Tränen suchte er fast verzweifelt nach der Rasierklinge, die irgendwo zwischen den Scherben lag. Erst als er sie gefunden und sich dabei leicht in den Finger geschnitten hatte, kroch er in eine Ecke des Bades und versuchte sein Schluchzen zu unterdrücken.

Inzwischen hatte er seinen Verstand irgendwo auf der Strecke liegen gelassen, denn im Moment wollte er nur eines: nicht mehr zu denken.

Als er sich die Klinge tief ins Handgelenk drückte und sie Richtung Ellenbeuge zog, fühlte er, wie die Spannung in ihm nachließ. Als würde sie durch als Blut, das sich über sein Handgelenk ihren Weg bahnte, mit hinaus geschwemmt.

Erneut schluchzte er leise und drückte die Klinge noch ein Stück tiefer. Den Schmerz, der dabei entstand, war für ihn nicht wahrzunehmen. Sein ganzes Denken hatte sich bereits verabschiedet.

Er zog die Klinge bis hinaus zum Ellenbogen. Ein langer tiefer Schnitt zeichnete nun seinen Unterarm. Er beobachtete, wie die rote Flüssigkeit, all seine Vorwürfe mit sich nahm. Bei seinem zweiten Arm gestaltete sich das Ganze schon etwas schwieriger, da er bereits kaum noch Kraft hatte, sich tief genug zu schneiden.

Es dauerte nicht lange und seine Hose hatte sich rot verfärbt. Er ließ die Klinge aus seiner Hand gleiten und neigte den Kopf in den Nacken. Uruha spürte das Pulsieren in seinen Handgelenken, spürte wie das Blut sich seinen Weg nach draußen bahnte und wie seine Kraft langsam seinen Körper verließ.

"... Ich bin so dumm... Verzeih mir Reita...", flüsterte er und schloss müde die Augen.

"... Sakito..."

Er versuchte sich an sein Gesicht zu erinnern. Sein Lächeln, das er ihm immer geschenkt hatte, wenn er versuchte, ihn aufzumuntern.

Er war doch solch ein Idiot.

Uruha versuchte die Augen wieder zu öffnen. Warum versank er immer in solch einem Selbstmitleid?!

Erneut schluchzte er und als er versuchte aufzustehen, fiel er zur Seite in die Scherben.

Den Schnitt, den er sich dadurch an der Wange zuzog, spürte er nicht. Er dachte nur daran, das er solch ein Idiot gewesen war.

Erneut schluchzte er und versuchte den kleinen roten Knopf zu erreichen, um eine Schwester zu rufen. Doch er wurde immer müder und schließlich fielen ihm die Augen zu. Schwärze umfing ihn, doch es wurde warm. Er spürte die Wärme und Geborgenheit um sich, die er bisher kaum kannte.
 

In seinem eigenen Blut, lag er alleine auf den kalten Fliesen ohne Licht und ohne Hoffnung...
 

~+~
 

Ohne Gegenwehr hatte Kato sich von der Wand abmachen und später auf dem Boden festmachen lassen. Er hatte schon längst mit dem Leben abgeschlossen. Doch nicht im entferntesten könnte er sich vorstellen, was der Boss und dieser Verrückte, der seine Freunde durch das Aufsetzen dieser Masken ersticken lassen hatte, damit bezweckte, ihn hier auf dem Boden niederzulegen. Wollten sie etwas seinen Körper? Oder sollte er Reita nun durch seine bloße Anwesenheit, durch seine Nähe noch mehr quälen? Aber wie sollte er ihn quälen? Reita hatte doch sicherlich jemand anderen gefunden, der seine Liebe wenigstens erwiderte. War er doch inzwischen sicherlich über ihn hinweg, oder nicht?! Wenn dies nicht der Fall sein sollte, dann könne er den Plan dieser Mörder verstehen.

Doch das war völlig Absurd!

Er hatte ihm doch damals klar gemacht, was er von seiner Liebe hielt, oder hatte es Reita immer noch nicht verstanden?!
 

Kato ließ den Kopf zur Seite fallen und versuchte rein nach dem Gefühl auszumachen, wo sich der Blonde - war er denn überhaupt noch Blond? - befand.

Seine Augen sahen nichts. Seine Lippen verließ kein Laut. Nur ein rhythmisch stumm gesprochenes Gebet, welches ihm seinen Liebsten und dem himmlischen Tod näher bringen sollte.
 

~Rückblick in Katos Vergangenheit ~
 

Er selbst war gerade 17 geworden, als er sich mit seinen Freunden auf dem Heimweg befand und auf jemanden stießen, der sich später ihr Freund nennen durfte. Scheu hatte er sich an die Hand seines Freundes geklammert und versteckte sich hinter dessen breiten Rücken, während er und zwei andere Jungs den Unbekannten und halb Erfrorenen musterten und die Lage abschätzten. Ängstlich zog er an der Hand Mizukis, der nicht nur sein Freund, sondern auch der Anführer der Straßengang war, die im Viertel Shibuyas die Straßen ihr eigen nannten und hoffte darauf, das sie schnell diesen düsteren Ort verließen. Er war schon immer ein Angsthase gewesen. Ein Angsthase und jemand, dem es nicht gelang, auch nur einer Fliege etwas zu Leide zu tun. Doch wegen dieser Eigenschaften, hatte er erst Mizuki kennengerlenrt, der schnell einen Beschützerinstinkt für ihn entwickelt hatte und schließlich sein Freund wurde.

Doch entgegen seinen Willen, ließ Mizuki nicht von dem Jungen ab, der Bewusstlos am Rande eine dunklen Gasse lag, sondern von ihm, um den anderen vom Boden aufzuheben und ihn zu sich nach Hause zu bringen. Doch so war Mizuki nun mal und gerade das liebte er doch so sehr an ihm. Also ging er mit und erhielt die Aufgabe, sich etwas um den Unbekannten zu kümmern.

So hatten sich der spätere Reita und er kennen gelernt.
 

~Katos Perspektive~
 

Doch ihr wollt sicherlich wissen, warum sich der Weg unserer gemeinsamen Familie getrennt hat, richtig?
 

Nun es begann bereits kurz nachdem ich Akira kennen gelernt hatte, aber so richtig wurde ich mir dessen erst bewusst, als Akira zu Reita wurde und Mizuki dessen bester Freund. Dementsprechend verbrachten auch wir viel Zeit miteinander und irgendwann, nachdem der Tag, an dem wir ihn gefunden hatten, um einige Jahre voran geschritten war, vielen mir die Blicke auf, die Reita immer häufiger zu mir rüber sandte und ich begann mir allmählich Sorgen zu machen. Nicht, weil ich glaubte, Reita hätte irgendein Problem und brauchte jemanden zum Reden, sondern weil mit diesen Blicken sich auch die Atmosphäre in der Gang geändert hatte und vor allem die Gespräche zwischen Mizuki und Reita wurden immer knapper. Ich hatte Angst um ihn, weil ich genau wusste, was Mizuki tun würde, falls mir jemand, und in diesem Fall hatte ich unweigerlich an Reita denken müssen, zu Nahe kommen würde.
 

Ich suchte also immer öfter die Einsamkeit, wenn Mizuki außer Haus war. Ob Selbstschutz oder Vorsicht, vielleicht auch beides. Ich spürte, wie es Reita ganz verrückt machte, das ich mich ihm gegenüber so abweisend benahm. Lächerlich.

Hatte niemand ihm gesagt, was ich für eine Rolle inne hatte in der Gang? Niemand?! Nicht einmal Mizuki? Fragte sich Reita nicht auch, warum ich in der Gang war, wenn ich mich nicht an den Straßenschlachten beteiligte?
 

Und dann kam der Tag, ich erinnere mich noch genau, so als wäre es erst Gestern geschehen, erfuhr er es und ich sah genau, das in ihm etwas tobte, was auszubrechen drohte. Ängstlich wie ich nun einmal war, verkroch ich mich in dem gemeinsamen Bett Mizukis und mir, was dessen vor Sorgen geknitterte Stirn auf mich lenken ließ.
 

Nachdem er angewendet hatte, was mich immer weich werden ließ, nämlich in dem er mir Zärtlichkeiten schenkte, die kein anderer auf der Welt mir geben könnte, um mich glücklich zu machen, gestand ich ihm, das ich mir Sorgen um Reita machte, worauf Mizuki total austickte. Wahrscheinlich hatte dieser bereits gemerkt, was los war und ich musste ihm schwören, ihm sein Leben lang treu zu bleiben und drohte mir sogar, was mich in den darauf folgenden Tagen noch stiller werden ließ. In meinen Gedanken vertieft, bemerkte ich nicht, wie Reita sich mir näherte, als Mizuki mal wieder außer Haus war...
 

+Reitas Sicht...+
 

"Kato?", rief ich leise nach dem anderen, welcher sich erschrocken zu mir umdrehte und gar nicht erfreut darüber zu sein schien, ausgerechnet niemand anderen als mich vorzufinden. Allein sein verschrecktes Gesicht, als er sich schließlich aufgerichtet und ein paar Schritte nach hinten gemacht hatte, jagten mir einen weiteren Stich in mein bereits blutendes Herz. Warum reagierte Kato immer auf diese Art, wenn er mich sah und wich mir aus?

Nicht nur, weil ich eine Antwort auf diese Frage haben wollte, war ich zu ihm gekommen, sondern auch, um Kato etwas sehr wichtiges zu gestehen und ihn gleichzeitig um etwas schier unmögliches zu bitten.

Schnell hatte ich den Abstand zwischen uns überwunden und griff nach Katos Handgelenken, damit er nicht auf die Idee kommen könnte zu fliehen.

Doch er hatte wohl zu fest die dürren Handgelenke gepackt, denn Kato entwich vor Schmerz ein Schmerzenslaut, welcher eine schmerzhafte Erinnerung in mir wach rief.
 

Jene Erinnerung, die mein bisheriges Leben erneut eine Wende bescheren sollte.

Was dieser Mann bisher mit mir angestellt hatte, nicht körperlich, aber seelisch, konnte ich all das, was er mit mir angestellt hatte, als eine einzige Qual beschreiben, die sowohl süße Seiten, als auch dunkle Seiten versprach.
 

Die erste große Veränderung fand wenige Tage nach der Aufnahme in meiner jetzigen Familie statt. Bei der Zeremonie hatte natürlich niemand aus der Bande bei der kleinen Party, die darauf folgte, zu fehlen, mit der er künftig Seite an Seite kämpfen sollte. Und so war auch Kato dabei gewesen, der sich sehr distanziert im Hintergrund hielt, aber dennoch durch seine langen schlanken Beine auffiel, die er nur mit einer Hotpans bekleidet zur Show stellte. Natürlich war diese Absonderbarkeit dieses Mannes, welche er noch nie zuvor bei einem Mann der Gesellschaft gesehen hatte, auffällig und so auch für Reita, der alles Neue förmlich in sich aufzusaugen schien. Und das blieb nicht lange unbemerkt. Mizuki, der Anführer der Bande, riet ihm nachdrücklich die Hände und Augen bei sich zu lassen, sonst würde er ihn töten müssen. Damals hatte Reita den Ernst in dessen Worte nicht verstanden, aber im Laufe seiner nächsten Tage, die er noch unter Beobachtung stand, kam noch ein weiteres Bandenmitglied dazu und wieder wurde gefeiert. Doch bei dieser Party kam der erste Schock. Kato hatte zu viel getrunken und ein wenig zu ausgelassen auf der Tanzfläche seinen heißen Körper zur Show gestellt und der Neue, der wohl nichts Böses dabei dachte, hatte ihn angetanzt, was er mit seinem Leben büßen musste. Kato hingegen wurde 'nur' geohrfeigt und strenger bewacht denn je und seitdem wurden es immer weniger Neulinge. Warum Mizuki so entschied, konnte nur bedeuten, das er davor Angst hatte, das weitere Unwissende seinem Eigentum zu nahe kommen würden.

Doch nicht nur der Tod dieses eines Mannes, der nur ein wenig Spaß zu suchen schien, hatte Reita nachdenklich werden lassen, sondern auch die Frage um diese undurchschaubare Mizuki-Kato-Beziehung und auch die Verwirrtheit über ein Gefühl, das er noch nie zuvor gespürt hatte... so etwas wie Eifersucht. Denn als er den Neuen so nah bei Kato hatte tanzen sehen, war dieses Gefühl unverständlicherweise aufgetreten und hatte Besitz von ihm und seinem Handeln ergriffen und zwar so weit, das schließlich er es war, der Mizuki von dem Tanz seines Freundes erzählte. Das Schlimme daran war die darauf folgende Genugtuuung, das dieser Mann SEINEN Kato nie wieder anfassen könne. Doch seit wann bitte, behauptete er, das Kato sein wäre?

Die nächsten Tage waren die Hölle für ihn, so glaubte er. Denn unbewusst suchte er immer wieder Katos Nähe auf, wurde zunehmend tollpatschiger und schaffte es nicht einen normalen Satz in seiner Gegenwart auszusprechen! Seine Lage war zum Verrückt werden! Zumal er schwer mit sich zu kämpfen hatte, da die Enthüllung, nämlich das er anscheinend Schwul zu sein schien oder zumindest Bi, so plötzlich gekommen war, das es ihn förmlich den Boden unter den Füßen fortgerissen hatte. Noch dazu hatte ihn die Verzweiflung gepackt, da er von der Beziehung zwischen Mizuki und Toki wusste und von dem Verbot und den darauf hinausführenden Tod, sobald man Kato auch nur zu nahe kam.
 

Doch jetzt war kein Mizuki hier, der ihn bei seinem Vorhaben stören könnte. Auch kein Matsuda, der ihn im Auftrag von Mizuki beschattete, wie er einmal heimlich miterleben durfte und das, obwohl er geglaubt hatte, Mizuki sei einer seiner engsten Vertrauten und sein bester Freund, wie dieser selbst immer behauptet hatte, aber da hatte er sich wohl gründlich getäuscht. Und diese Ungewissheit wurde Gewiss, als er von Matsuda etwas erfuhr, was seine bisherige Ungewissheit über seine Gefühle nun erst recht bestätigte und warum er nun hier war. Hier bei Kato, der gerade im Begriff war sich aus meinem Griff zu befreien, doch ich war stärker und das wusste wohl auch er, denn er gab es recht schnell wieder auf und sah daraufhin mit einem unsicheren Blick zu mir auf. Fragend reckte sich meine linke Augenbraue in die nördliche Atmosphäre.
 

"Ich tue dir nichts Kato, aber hör mich wenigstens an.", forderte er nun mit verzweifelter Stimme und fuhr einfach fort: "Ich weiß zwar nicht, was Mizuki dir gedroht hat, damit du mich meidest, aber... ich will dir wirklich nichts Böses! Nein, dafür... dafür liebe ich dich zu sehr... Kato, bitte...", begann er nun mit Bettelsstimme und ging in die Knie, senkte verlegen den Blick. "Bitte nutze die Chance, von hier zu fliehen... Es ist niemand da außer wir... Flieh mit mir! Ich verspreche dir, ich werde dich glücklich machen! Für mich... bist du kein Objekt, das, wenn ich es will, tun soll, was ich verlange, so wie Mizuki es tut, der dich niemals so sehr lieben kann, wie ich es tue... Bitte Kato! Verschwinden wir von hier und suchen ein besseres Leben weit weg Tokyo! Vielleicht nach Nagoya oder nach Kyoto!? Du wolltest doch bestimmt schon immer dorthin, oder? Wenn du mit mir gehst, dann kann ich dir all das geben, was du dir ohne mich nicht einmal in deinen kühnsten Träumen hättest erträumen können! Bitte... Ich ertrage es nicht, dich leiden zu sehen. Du bist doch kein billiges Spielzeug mit dem Mizuki machen kann, was er will und...!", ratterte er seine Gedanken herunter und wollte gerade zu einer weiteren Ungerechtigkeit von Mizuki Seite aus erzählen, während er wieder langsam aufgestanden war, als Kato ihn durch einen kurzen, aber liebevollen Kuss alles vergessen ließ, was er sich bis eben noch zurechtgelegt hatte.

Nachdem Kato sich nach diesem viel zu kurzen Kuss wieder von ihm gelöst hatte, ertappte er sich dabei, wie er den verführerisch glänzenden Lippen nach sah, über die sich Kato soeben geleckt hatte. Hammer...! Eindeutig, jetzt wusste er, warum sein Herz so schnell in seiner Anwesenheit schlug und warum er sich in einen Kerl verliebt hatte.
 

Doch nun war ich es wohl, der zuhören musste und ich hätte wirklich vor Aufregung und Nervenkitzel laut schreien oder Kato durchschütteln können, aber solche Aktionen wären wohl gerade jetzt nicht sehr hilfreich, also konzentriere dich gefälligst Reita!
 

"Reita... ich weiß nicht, von wem du erfahren hast, welche Rolle ich hier spiele, aber so oder so hättest du es irgendwann erfahren. Ich bin dir aus den Weg gegangen, weil ich deine Gefühle bemerkt hatte und sie im Keim ersticken wollte, bevor du auf dumme Gedanken kommen würdest, aber... wie ich sehe... hat es sich nicht gelohnt, sich bei Matsuda einzuschleimen, damit er dich in meinem Auftrag vor den Gefahren warnt...", erklärte Kato und seufzte tief ein und wieder aus, während ich wie vom Donner gerührt dastand und mein Herz mir in die Hose rutschte. Ich schluckte schwer und versuchte seinen folgenden Worten auch noch zu folgen, während die aufsteigende Wut mein Blut langsam zum kochen brachte, denn es rauschte bereits in meinen Ohren. "Außerdem musste ich mich auch von dir fernhalten, weil Mizuki verdacht geschöpft hat und du weißt, wie er ist Reita... Er würde dich töten! Und ich kann nicht einfach gehen...~ Ich bin an ihn gebunden. Er möge mich vielleicht nicht lieben, aber ich liebe ihn. Ja... so fair ist nun einmal das Leben zu uns, aber wir müssen versuchen damit klar zukommen. Ich liebe dich nicht und dieser Kuss... der war nur dazu gedacht, deinen Redefluss zu stoppen und weil ich dir danken wollte, das du dir solche Gedanken um mich machst, aber bilde dir bitte nichts darunter ein! Es hat nichts bedeutet. Er bedeutet, das ich dir für deine Mühen danke, aber... ich kann Mizuki nicht verlassen und ich werde wohl für immer hier bei ihm bleiben, egal wie unglücklich ich sein sollte. Solange ich bei ihm sein kann, bin ich glücklich.", endete er seine die Situation aus seiner Sicht und schluckte schwer, als er den schwer verletzten Blick des Blonden sah, welcher seine Fingernägel tief in Katos Arme drückte, welcher trotz Schmerz nur ein entschuldigendes Lächeln zu Stande brachte und plötzlich einen entsetzten Laut ausstieß, als sowohl er, als auch ich, die immer lauter werdenden Stimmen hörten.
 

Die anderen waren von ihrer Beutetour zurück und anstatt das Weite zu suchen, stand er noch immer wie gelähmt an gleicher Stelle wie zuvor auch und bekam kaum mit, wie Kato panisch versuchte, seine feste Umklammerung zu lösen. Reita nahm kaum noch etwas seiner Umgebung war, nur das Blut in seinen Ohren, welches alles zu übertönen versuchte und die Verzweiflung in seinem Herzen hatte jegliche Reaktionen seines Körpers ausgeschaltet.
 

"Reita, lass los!", zischte Kato ängstlich und gab mir eine Ohrfeige, die sich gewaschen hatte. Blinzelnd kam ich wieder zu mir, doch es war bereits zu spät. Mizuki war im Türrahmen erschienen und sein Gesicht zeugte kein bisschen mehr von der Heiterkeit, die man zuvor noch aus seiner Stimme entnehmen konnte. Auch Matsuda, der neben ihm hergelaufen war, schien wütend zu sein, doch wohl mehr auf sich selbst, das er es nicht geschafft hatte, mich Dichschädel zurückzuhalten, denn er senkte den Blick und hatte die Hände zu Fäusten geballt.
 

"ICH WUSSTE ES!!", brüllte Mizuki wie ein wütender Löwe und stürzte sich auf uns, was so endete, das ich mit einer langsam anschwellenden Blauverfärbung um mein rechtes Auge herum vor Schmerz aufstöhnend auf dem Boden landete und Kato allein mit einer Ohrfeige bedient war.

"Zu dir komme ich später noch!", meinte Mizuki zu seinem Lover und wandte sich erneut an den am Boden Liegenden, doch noch ehe er irgendwas hätte tun können, warf sich Kato ihn um den Hals und zog ihn zurück. "Bitte Mizuki, nicht schon wieder töten...! Können wir das nicht anders klären? Ich... Du darfst auch alles mit mir machen, was du... willst.", versprach Kato mit leicht zitternder Stimme und einen kurzen Seitenblick auf Reita, der sich stumm aufrappelte und ungläubig sein Gesicht betastete.

Er wusste, was die Folge seiner Worte anrichten würde, denn Toki war, was den Sex anging, sehr experimentierfreudig und Kato wusste, das er sich auf etwas gefasst machen konnte, was die bisherigen Schmerzen bei weitem übertreffen würde, aber er wollte nicht, das wieder jemand wegen ihm sterben musste und schon gar nicht Reita, der wohl der Erste war, der ihn wirklich zu lieben schien und sich tatsächlich Sorgen um ihn machte.
 

"WAS?! Aber...! Oh...", gab Toki immer leiser werdend von sich und schien tatsächlich darüber nachzudenken, was er anstelle des sonstigen Angedrohten tun könne. "Und was ist grausam genug, um den Tod zu ersetzen?", fragte er immer noch gereizt und ließ sich die Liebkosungen an seinem Hals gefallen, was ihn etwas besänftigte. "Bring ihn zum Rande der Stadt! Andere Banden werden sich schon um ihn kümmern...", schlug Kato nach einigem Zögern vor und war einen möglichst kalten Blick zu Reita, welcher den Blick nicht erwiderte, da er viel zu sehr in Selbstmitleid versunken war. Er hatte nicht einmal mitbekommen, das Kato ihn versuchte, vor dem Tod zu bewahren.

Einzig und allein drehten sich seine Gedanken um die Frage: warum? Warum er? Warum alles auf einmal? Erst lehnte Kato ihn ab und dann sollte er auch noch sterben?! Das waren eindeutig zu viele Informationen und Wendungen für ihn, als das er sich nun auch noch um die beiden kümmern konnte, die sein Leben zerstört hatten, und sich gerade in aller Seelenruhe schon fast an die Wäsche gingen.
 

"Hm... Okay, aber wenn ich ihn jemals wieder sehen sollte, werde ich ihn töten.", beschloss Mizuki zufrieden grinsend und drückte Kato von sich, um sich erst einmal um den Blonden zu kümmern, der bis jetzt noch kein einziges Wort gesagt hatte. //Wahrscheinlich Gewissensbisse, weil er mich hintergangen hat.//, wünschte sich der Boss der Bande und zog Reita mit einem heftigen Ruck an seinem Kragen zu sich. "Du hast echt Glück, das Kato für dich eingesprungen ist, du Verräter!", keifte er und hatte die Augen zu Schlitzen verengt. "Du wirst jetzt brav mit mir kommen und wenn du es wagen solltest zu fliehen, dann mach ich dich kalt!", drohte er und schüttelte Reita aus Spaß ein wenig durch, ehe er ihn losließ.
 

"Danke, für's Schütteln", wär mir beinahe entflohen, als ich dadurch meine Sprache wiedergefunden hatte, jedoch beließ ich es bei einem Knurren, was mir eindringliche Blicke Katos einbrachte. Doch was sollte dieser ihn noch kümmern? Er liebte ihn schließlich nicht und sterben würde er eh ohne sie, da er niemanden an ihrer Stelle hatte, kein Heim und kein Leben mehr außerhalb dieses Viertels.

So also folgte er Mizuki und ließ Kato ohne noch ein weiteres Wort zu sagen zurück, um mit ihm und einigen anderen aus ihrer Bande zum Rande der Stadt zu fahren. Dort angekommen, beförderte sein ehemaliger bester Freund den Blonden mit einem Tritt aus dem Auto und hetzte zusätzlich seine Gefolgsleute auf ihn, die ohne mit der Wimper zu zucken und ohne ein Wort zu sagen, den Befehl ihres Anführers ausführten und Reita heftig zusetzten, um dann anschließend lachend in ihrem todschicken Wagen davonzufahren und einen bewusstlos geschlagenen Reita zurück zu lassen.
 

Doch ohne jeder Erwartung ließ sich das Glück seit langem mal wieder in Reitas Leben blicken und bescherte ihn ein freundliches älteres Paar herbei, die gerade auf der Durchfahrt waren und ihn am Straßenrand haben liegen sehen. Gutherzig wie sie waren, hielten sie ihn in ihr Auto und fuhren Reita in das nächstgelegene Krankenhaus.

Und schließlich kam es dazu, das Reita, der weder Familie noch Heim besaß, bei dem älteren Paar Unterschlupf finden konnte.
 

~Rückblick Ende~
 

"Nein, Kru, das war alles. Melde dich, sobald du näheres weißt, ich werde dann bei dir sein. Und schalte dein Handy auf lautlos, ich werde dir eine Nachricht schreiben, wenn ich etwas herauskriegen sollte." Hizumi legte auf und fuhr sich mit den Händen durchs Haar. Warum war alles so kompliziert, seit der Schwarzhaarige da war? Ein ungutes Gefühl beschlich ihn und er stand auf und ging zum Fenster, sah nach draußen. Das schlechte Gefühl blieb... Er seufzte und verließ sein Zimmer, ging wieder hinunter zu Aoi. Schon von weitem hörte er ihn schluchzen... Er beschleunigte seine Schritte nur noch mehr und war schon bald bei ihm. "Aoi! Was ist los??", fragte er und ließ sich in einigem Abstand zu Boden sinken.
 

Tränen über Tranen rannen über Aois blasse Wangen und zauberten einen leichten Rotschimmer um Auge und Wange. Seine Gedanken und seine Vernunft hatten sich kurz nach dem Telefonat mit dem Boss verabschiedet und ließen ihn nun dumme Dinge verrichten, die ihm mehr schadeten, als ihm helfen sollten. Kein Schmerz empfand er mehr in seinem Denken und Fühlen, da sein Kopf, der voller Verzweiflung unter dem Druck zu zerbrechen drohte, zu erfüllt mir Kälte und Angst war, als das er sich um sich sorgen konnte! Sein Reita lebte! Aber nun wollte der Boss ihn wohl auch wieder haben und das nur, um ihm nur noch mehr Schaden erleiden zu lassen, bevor der Tod sie endlich aus dieser grauenvollen Welt riss. Nein, so sollte es nicht sein! Er wollte seinen Reita froh und gesund neben sich oder auch in seinen Armen wissen und wissen, das nichts ihnen mehr anhaben könne. Doch hatte er allein, ein schwächliches, vom Leben gezeichnetes Geschöpf, auch nur den Hauch einer Chance gegen den Boss und seine Leute? Nein, wie auch?! Er schaffte es ja noch nicht einmal sich aus diesen Ketten zu befreien, geschweige denn, sich lange auf den Beinen zu halten, so erschöpft wie er war. Er war ein Wrack! Eines, das seinem Liebsten in keinster Weise helfen konnte...
 

Laut jammerte er auf und warf sich noch einmal entgegen der Wand. Doch auch wie schon zuvor, wurde er zurück gerissen, krachte mit einem knackenden Geräusch gegen die Wand und sackte schließlich verzweifelt an ihr herunter, seine blutig aufgeschürften Handgelenke missachtend, die er um seinen zitternden Körper schlang. Die Beine hatte er angewinkelt und wippte nun leicht in seiner umschlungenen Körperhaltung vor und zurück. Sein fiebrig glänzender Blick, gemischt mit Tränen, irrte über den Boden, auf der Suche nach dem Schlüssel für die Handschellen oder auch einer simplen Haarnadel, mit der er das Schloss knacken könnte.
 

Doch nichts ließ sich hier finden außer Staub, Mäusereste und einem toten Mann. Und gerade als sein Blick auf einen dunklen Vorhang fiel, der etwas zu verstecken schien, wurde er aus seinen wirren Gedanken gerissen und sah erschrocken, wie paralysiert, zu Hizumi auf, der ihm mit einem teils besorgten, teils fragenden Blick taktierte.
 

Mit zitternden Händen wies er auf das Handy, das vor ihm auf dem Boden lag. Dann öffnete er den Mund und wollte etwas sagen, doch kein Laut drang aus seiner wie zugeschnürten Kehle. Tief einatmend schloss Aoi kurzzeitig die Augen, nur, um dann noch ein wenig verzweifelter zu Hizumi aufzuschauen. Vielleicht könnte der andere ihm helfen??!
 

"D-der Boss hat diesen Mann geschickt und... und er will mich, um Reita... um ihn noch mehr zu quälen, bevor wir sterben! Morgen ist Reita Tod!", meinte Aoi und koordinierte sich so um, das er auf den anderen zukrabbeln konnte und die Hände bittend zu erheben. "Bitte...! Du musst mich gehen lassen! Ich muss ihn retten! Sofort!", setzte er mit Nachdruck hinzu, vergaß sogar den Kuss in seiner Situation und krallte sich schließlich in das Oberteil des Schwarzhaarigen fest. "Lass mich frei...!", bat er noch einmal und sah verzweifelt auf.
 

"Aoi! Beruhige dich! Ich... ich kann dir nur helfen, wenn ich genauer Bescheid weiß... Niemand wird dich kriegen... Und jetzt haben wir endlich eine Spur! Also... Wenn du mir versprichst, nichts Dummes zu tun und... uns die Sache zu überlassen... Okay... Dann befreie ich dich... Aber du wirst dich waschen und dir was ordentliches anziehen, hast du gehört? Dein... Freund... soll nicht sofort sehen, wie es dir geht...", murmelte er und strich ihm über die verletzten Handgelenke. "Ich werde das versorgen... Komm mit. Und vertrau mir, ja? Wenn du das nicht tust, werde ich dich wieder einsperren, denn ich habe Sakito versprochen, auf dich aufzupassen und hier bist du nun mal in absoluter Sicherheit." Hizumi sah ihn an, ernst, jedes seiner Worte war absolut ehrlich und ernst gemeint.
 

Verständnislos blickte der Schwarzhaarige in das ernst wirkende Gesicht seines Gegenübers und auch wenn er Hizumi vor Wut am liebsten etwas entgegnen würde, musste er klein beigeben! Schließlich konnte er als einzelner nichts ausrichten. So musste er wohl oder übel auf die Bedingungen Hizumi eingehen und brav befolgen, was er von ihm verlangte.

Während er also zaghaft nickte, Hizumi dabei allerdings keines Blickes würdigte und wieder von ihm abließ, tobte in ihm ein erbitterter Kampf. //Hat er nicht begriffen, wie ernst die Lage ist?! Reita wird schon in wenigen Stunden Tod sein und ich soll mich herrichten?! Weiß er nicht, wie es ist, seinem Liebsten so nah und doch wieder so fern zu sein?! Solang bis die Sehnsucht einen fängt und einen brutal auf den Boden der Tatsachen zurückholt, in dem er dem Besitzer dieses Gefühls klar macht, völlig allein mit seinen Gefühlen zu sein?! Verdammt Hizumi! Wir haben keine Zeit zu verlieren!//, dachte Aoi und hätte es dem Schwarzhaarigen am liebsten direkt ins Gesicht gebrüllt, damit er endlich begriff, das Reita nicht einfach nur ein Freund war...

"Bitte... bitte finde so schnell wie möglich heraus, wo er ist...", bat er ihn noch ein letztes Mal mit brüchiger Stimme und versuchte aufzustehen. Die Berührung an seinen schmerzenden Handgelenken nahm er kaum war, so geblendet war er von den auf ihn einströmenden Gedanken und verwirrenden Gefühlen.

//Ich soll ihm vertrauen... Die Ausnahme mache ich für dich Rei... Ich hoffe, ich werde es nicht bereuen... Sonst vergess ich mich... Nur warum ist er so verdammt... nett? Mein Verstand sagt mir, ich sollte mich vorsehen, mein Herz sagt mir, ich solle mich fallen lassen... Aber kann ich das?//, fragte er sich und schmulte unsicher zu Hizumi.
 

Hizumi sah Aoi an und zog ihn hoch. "Na komm mit. Ist das das Handy, auf dem der Mistkerl angerufen hat?", fragte er und nahm es zur Sicherheit an sich. Dann brachte er Aoi in sein Arbeitszimmer und setzte ihn auf die Couch, verschloss die Tür. "So, das ist zu deiner und meiner Sicherheit." Er lächelte und verschwand im Badezimmer, kam mit einer Schüssel warmen Wassers und Tüchern zurück. "So... Wasch dir ein bisschen das Blut und den Dreck ab, ja?" Er ging zu seinem Schreibtisch und untersuchte das Handy, drückte auf Wahlwiederholung und notierte die Nummer, ehe eine Verbindung hergestellt werden konnte. Dann klappte er seinen Laptop auf und tippte schnell etwas hinein, er suchte den Besitzer der Nummer, hackte sich in das Netz des Telefonanbieters und endlich hatte er die Nummer. Dann grinste er und nickte. "Got'cha, mein Freund. Jetzt hoffen wir mal, dass du so dumm warst, und dein Handy noch an hast. Aoi? Komm mal bitte her." Auf dem Bildschirm war das Bild des Bosses zu sehen. Hizumi sah ihn an und drehte ihm den Laptop zu. "Ist das der Kerl?"
 

Als Aoi so plötzlich von Hizumi gepackt und hochgezogen wurde, entkam dem Schwarzhaarigen ein überraschter Laut und reflexartig krallte er seine Hände um die Handgelenke des anderen, um nicht zu fallen, falls dieser ihn plötzlich loslassen sollte. Man wusste ja nie...~

"Entschuldige...", murmelte er verlegen und entließ Hizumis Handgelenke sofort aus seiner Umklammerung, kaum das er stand. Mit einem ängstlichen Blick auf das Handy, auf das Hizumi dann ansprach, nickte er und verfolgte die Bewegungen des anderen, welcher gerade nach etwas in seiner Hosentasche zu suchen schien, dann einen Schlüssel hervor zog und ihm die Handschellen abnahm, die ihm zuvor noch ins Fleisch geschnitten hatten. Erleichtert atmete er auf, als das Gewicht von ihm abfiel und ein Gefühl der Freiheit ihn für einen kurzen Moment einholte. //Wie schön es doch wäre, mit Reita diese Freiheit zu genießen...!//, dachte er sehnsüchtig, fast verzweifelt und fragte sich gleichzeitig, ob dies wohl jemals in ihrem Leben noch möglich würde.

Und während er so in seine Gedanken vertieft war, nahm er nur nebenbei wahr, wie sie den Raum verließen, den Hizumi wieder hinter sich so gut es eben ging schloss, wie eine wohl größere Ansammlung an linkischen Menschen um sie herumwuselten und auseinander stoben, wenn sie an ihnen vorbei wollten, Hizumi dabei in gebückter Haltung ehrenvoll grüßten und schließlich wie er einen Raum betrat, so viel schöner als der dunkle kellerartige Raum war. Dort wurde er von Hizumi durch eine stumme Geste dazu gebracht, sich zu setzen und er folgte, ebenfalls stumm, und sah sich neugierig um.

Er wurde erst wieder aus seinen Erkundungen gerissen, als er das Geräusch einer einrastender Tür hörte. Ein ihm nur allzu bekanntes Geräusch seiner Vergangenheit, die ihn immer wieder in Panik versetzte, egal wo er sich befand, mit wem und wie viel Zeit inzwischen vergangen war. Abgeschlossene Räume bedeuteten nichts Gutes. Irgendetwas geschah immer, wenn Räume abgeschlossen wurden und obwohl dieses Zimmer sehr viel größer war als das Zimmer, aus seiner Vergangenheit, an welches er nie wieder auch nur denken wollte, überkam ihm das Gefühl der Bedrängnis, der Platzangst.

Wie versteinert blickte er mit weit aufgerissenen Augen zu Hizumi auf, bevor sein Blick fieberhaft durch das Zimmer schnellte und er schließlich aufsprang, um, wenn möglich, fliehen zu können. Egal wohin, doch durch das plötzliche Aufstehen und dem zusätzlich noch rasendem Herzen und der panischen Angst, wurde Aoi kurz schwarz vor Augen und er sank wieder zurück auf die Couch, zog die bleischweren Beine an und versteckte seinen Kopf zwischen Knie und Brust, murmelte dabei penetrant immer wieder die selben Worte und starrte in Leere: "B-bitte nicht... hör auf... lass mich doch gehen..." Wie gelähmt verharrte er in dieser Position und überhörte die beruhigenden Worte Hizumis.

//Er soll aus meinem Kopf verschwinden!!//, schrie er innerlich und presste die Augen zusammen, wollte die Bilder verdrängen, die ihn einzuholen drohten.
 

>Du sehnst dich nach der Liebe deiner Eltern? Ich kann dir Liebe geben und dann werden dich auch deine Eltern lieben.<,

hatte sein Onkel zu Beginn seines Leidweges zu ihm gesagt, doch da war er noch zu naiv gewesen, ihm zu glauben und die Ausmaße seines Handelns zu begreifen. Nur Schmerzen hatte es ihm gebracht und noch mehr Hass von seinen Eltern, die ihm doch nur einmal sagen sollten, wie sehr sie ihn liebten!

Damit hätte ich Aoi damals zufrieden gegeben, aber nach dem schrecklichen Unfall seiner Eltern, kurz nachdem sie ihn verleumdet und beschuldet hatten, war er sofort hinter Gittern gebracht wurden und erst dort erfuhr er von ihrem Schicksal. Damals war eine Welt nach der anderen über ihn zusammengebrochen, die er sich zum Schutz erschaffen hatte und die Frage nach dem Grund seiner Existenz zermarterte jeden Tag auf Neue seinen glühenden Kopf, bis er irgendwann aufgegeben hatte darüber nachzudenken und sein Leben ihm wertlos schien.
 

Doch wieder war es Hizumi, der ihn aus seinen Gedanken riss, indem er, die Ruhe in Person, vor ihm stand und ihm eine Schüssel und einen Lappen hinhielt, mit dem er seine Wunden säubern sollte.

Nur langsam wich seine Versteinerung, wichen die negativen Gedanken und mit zittrigen Händen griff er nach den beiden Dingen, hielt den Kopf dabei, Hizumis Blick ausweichend, gesenkt und stellte die Schüssel samt Lappen neben sich auf dem Boden ab und um sich dann vorsichtig mit Hilfe seiner wackligen Beine auf selbigen niederzulassen. Schließlich wollte er die Couch nicht mit seinem Dreck beschmutzen. Etwas neben der Spur griff er nach dem Lappen und begann seine blutigen Handgelenke zu säubern, den Schmerz dabei verbissen ignorierend.

Als er damit fertig war, ließ Aoi den Lappen in das Wasser gleiten und versuchte ihn dort von seinem Blut zu säubern. Und während er gedankenverloren in das Wasser starrte, nahm er sein Spiegelbild war, das durch die vielen Bewegungen im Wasser sehr verzerrt wirkte. Erschrocken ließ der Schwarzhaarige den Lappen aus seiner gleiten und tastete sein Gesicht mit den Händen panisch ab. //Bin das wirklich ich?!//, fragte er sich und wollte seinem eigenen Spiegelbild kaum glauben. //Ich bin in den letzten Jahren sehr gealtert... Wie kann mich Reita nur lieben, so wie ich bin?! Ich sehe doch scheußlich aus!//, dachte er verständnislos und verzog nachdenklich die Stirn. //Er... hat mir noch nie gesagt, das er mich liebt.//, fiel ihm plötzlich auf und ihm war, als rutsche sein Herz ihm in die Hose. Selbstbewusstsein war noch nie seine Stärke gewesen, wenn es um Beziehungen ging. Mal davon abgesehen... das er vor dieser schrecklichen Zeit nur eine kurze Beziehung hatte und sein Partner Schluss gemacht hatte.

//Ich hab es als selbstverständlich gesehen, da er so nett zu mir war, mein Herz in seiner Nähe klopft, als wäre jemand oder etwas hinter es her und immer bei mir war, für mich da war und mir zugehört hat! Warum hab ich nie nachgefragt...? Liebt er mich?//, fragte er sich und dachte über ihre gemeinsamen Momente nach. //Natürlich tut er das! Er... er kann es nur nicht... nicht sagen. Ja, so wird es sein.//, verteidigte er ihn schließlich und sah noch einmal in das Wasser, um sich betrachten zu können. "Hm..~", grummelte er und fischte den Lappen aus dem Wasser, da dieser ihm die Sicht versperrte. Dann betrachtete er sein Gesicht und drehte es von der einen Seite zur anderen und wieder zurück, Schnitt Grimassen und versuchte ein Lächeln, um zu sehen, ob er es noch konnte. Aber da sein Lächeln eher wie eine schlechte Grimasse aussah, ließ er es lieber bleiben und seufzte traurig auf. Und je näher sein Gesicht der Wasseroberfläche kam, desto größer schien der Schmutz zu sein, den Aoi plötzlich wahrnahm und mit einem Mal hatte er sein Gesicht in die Schüssel getaucht. Die Augen hielt er geschlossen und den Atem hielt er an. Es schien, als wolle er versuchen, den Dreck, der auf seinem Körper lastete, auf diese Methode wegspülen zu wollen, aber er wusste auch, das Reita seine Hilfe brauchte und so tauchte er auch recht bald wieder auf und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht. Sehnsüchtig blieb sein Blick an dem Wasser hängen und wieder seufzte er.

//Es könnte alles so einfach sein...//, dachte er und verzog das Gesicht, als er die Nässe spürte, die durch das Wasserspritzen verursacht wurde. Und wieder kamen Erinnerungen auf. Erinnerungen an das eiskalte Wasser, was ihn einmal die Woche bis auf die Knochen gefrieren ließ und an das kochende Wasser, das ihn verbrannte. Sowohl innerlich als auch äußerlich. Wie scheußlich solch Qual war, wünsche er niemanden, denn es war kaum auszuhalten. Nicht einmal für ihn, der diese Behandlung drei Jahre lang jede Woche ertragen musste...

Und wie im Reflex packte er sein Oberteil und zog es sich über den Kopf aus. //Ausziehen... Dusche... Anziehen... immer wieder...//

Das Stück Stoff ließ er neben sich fallen und zögerlich senkte er den Blick auf seine geschundene Brust, die überseht von sämtlichen Wunden überdeckt war. Trocken schluckte er und ließ seine zittrigen Fingerspitzen vorsichtig über seine Brust gleiten. Doch anscheinend war er nicht sanft genug, denn ein heftiges Ziepen ließ ihn zischend einatmen. Wenn er genauer hinsah, dann ließen sich für ihn deutlich violett angelaufende Schwellungen erkennen, die dazu noch höllisch brannten, wenn er sie berührte. "Au man...", murmelte er fasziniert und tastete weiter, bis er schließlich vor Schreck zusammen schreckte, als ihn Hizumi plötzlich dazu aufforderte, sich etwas anzusehen. Was er da in den letzten Minuten genau getan hatte, wusste er nicht, aber er hoffte, das es etwas Gutes bedeutete, denn allmählich ließ ihn seine Situation verrückt werden. Immer weniger verstand er, was Reita wohl an ihm finden sollte und erste richtige Zweifel kamen auf, was die Gefühle des Blonden zu ihm angingen. Dieses Mal rettete sein Gefühl Reita nicht. Dieses Mal verteidigte er ihn nicht und die Zweifel, die zurück blieben, nagten an ihm, wie lästiges Kleingetier. Er brauchte dringend Ablenkung!

//Ich halte das nicht länger aus...! Hat mein Leben einen Grund oder hat es ihn nicht?!//, fragte Aoi sich und wünschte, er würde sofort die richtige und ehrlich gemeinte Antwort von Reita erfahren, aber dieser war weit weg von ihm, noch unerreichbar und unsprechbar in diesem Moment, in jenem er ihn doch so am dringendsten brauchte!
 

Immer noch mit den Gedanken bei Reita, stand Aoi mühsam auf und wandte sich an Hizumi. Jedoch bemerkte er zu spät dessen entsetztes Gesichtsausdruck, als dieser seinen Oberkörper sah, da sein Blick zu allererst auf den Bildschirm des merkwürdigen elektronischen Gerätes fiel. Entsetzt riss er die Augen auf und taumelte zurück. "D-d-d-a... d-d-a..!", begann er immer wieder, doch sein Stammeln ließ sich nicht aus seiner Stimme verbannen, solange er dieses verhasste Gesicht im Blick hatte.

Um sich zu beruhigen, kniff Aoi schließlich die Augen zusammen und atmete tief ein und aus. Wut überkam ihn, als er wieder an den Boss denken musste. //Und das alles nur wegen ihm! Warum musste er mir dieses Bild zeigen!? Und woher hat er das?! Kennt er ihn etwa? ... Ist er Teil seines schrecklichen Spiels?!//, fragte er sich und wieder stieg Angst in ihm auf. Angst vor einer weiteren Enttäuschung, da Hizumi doch ein recht netter Kerl zu sein schien.
 

Dann plötzlich packte Aoi wütend den Laptop, hielt ihn hoch über seinen Kopf und überlegte, ob er ihn zu Boden schmeißen solle, um das Bild und die Erinnerungen zu zerstören, aber da dieser hoch moderne Laptop, schließlich sahen die vor drei Jahren noch ganz anders aus, nicht sein Eigentum war, zögerte er dennoch. "Verflucht seist du...!", presste er zähneknirschend hervor und starrte zu Boden. "Nicht mal das kann ich...", setzte er dann nach weiteren verstrichenen Sekunden des Zögerns hinzu und ließ den Laptop wieder sinken. Mit ausdrucksloser Miene stellte er den Laptop wieder auf dem Tisch ab und sah zu Hizumi auf. "Tut mir Leid... Ja, er ist es... Woher... woher hast du das Bild? Kennst du... ihn?", fragte er und machte sich innerlich bereits auf einen weiteren Schlag bereit.

//Sag mir bitte, das ich mich nicht in dir getäuscht habe!// Abwartend schlang er die Arme um seinen Oberkörper und zischte dabei schmerzhaft auf.
 

Hizumi bemerkte erst jetzt, dass Aoi sein Oberteil ausgezogen hatte und er stutzte. So konnte er auch nicht rechtzeitig reagieren, als dieser sich seinen Laptop griff. Recht hilflos streckte er die Arme aus, würde Aoi das Gerät fallen lassen, wäre alles umsonst gewesen... "Nicht.." Erleichtert sah er, wie er den tragbaren PC wieder hinstellte. "Beruhige dich, ich habe nachgesehen, wem das Handy gehört, im Internet... Das ist also das Schwein, das für alles verantwortlich ist?", fragte er und strich Aoi sanft über die Hand. Mehr traute er sich nicht, er hatte gemerkt, wie unberechenbar Aoi sein konnte und wie sehr er in der Vergangenheit noch gefangen war. Doch so halb unbekleidet konnte er ihn auch nicht lassen... Er stand vorsichtig auf, ging zu einem Schrank und hielt Aoi eins seiner Hemden hin. "Hier... zieh das an, ja? Eine passende Hose hab ich hoffentlich auch... und einen Verbandskasten... Kannst du das selbst oder kann ich dir helfen?", fragte er sanft lächelnd.
 

Aoi zuckte überrascht zusammen, als Hizumis Hand plötzlich über seinen Handrücken strich, um ihn anscheinend beruhigen zu wollen, doch Aoi war zu aufgewühlt, um sich tatsächlich beruhigen zu lassen! Er brauchte mehr als nur ein leichtes Streicheln, er brauchte Liebe und Verständnis... und die glaubte er nur, bei Reita finden können, welchen er nun durch Hizumis Hilfe gefunden haben zu glauben schienund... wenn Reita ihn tatsächlich liebte, was er sich sehnlichst erhoffte.

"K-können wir ihn damit auffinden?", fragte er hoffnungsvoll und zeigte auf den Laptop, dessen Bildschirm er sicherheitshalber von sich weggedreht hatte. Er wollte keinen weiteren Ausraster riskieren.

Als Hizumi aus seinem Stuhl aufstand und um den Tisch herumging, verfolgte er ihn argwöhnisch mit seinen Blicken. Dann wurde ihm ein Hemd hingehalten, das Hizumi aus einem der Schränke gezogen hatte. Fragend musterte er dies, kombinierte Hizumis Aussage mit dem Fakt, wie er herumlief. Peinlich verlegen nahm er das Hemd entgegen und senkte den Blick. "Tut mir Leid, wenn du... das hier sehen musstest...", entschuldigte er sich für den unschönen Anblick seiner von Narben und anderer Wunden gezeichneten Brust. Dann meinte der andere, das er auch eine Hose haben müsse und Aoi blickte verwirrt an sich hinunter. Gut eine weiße Hose, die fast so viele Flecke und so viel Schmutz aufwies, das man meinen könne, sie wäre Schwarz mit weißen Punkten, war nicht sehr schön mit anzusehen. Das wollte er nicht abstreiten.

Bei der nächsten Frage hob der Schwarzhaarige verwirrt die Augenbrauen, legte die Stirn in Gedankenfalten und ließ wieder einmal den Blick sinken. "Ano...", begann er und wusste nicht so Recht, was er antworten sollte. Meinte Hizumi nun seine Brust oder seine Handgelenke? Denn sicher war, das beides dringende Verpflegung benötigten. Unsicher trat er von einem auf das andere Bein. "Ich... ich bräuchte schon... Hilfe... ja...", setzte er murmelnd hinzu und sah unsicher auf. "Aber bei...," begann er erneut und deutete mit verbissenem Gesichtsausdruck auf seine Brust, ehe er weiter sprach ", bräuchte ich wohl mehr als nur einen Verband und vielleicht etwas Wasser... Dafür haben wir aber jetzt keine Zeit! In wenigen Stunden soll Reita sterben, Hizumi!", sagte er mit Nachdruck und wollte sich gerade das Hemd überziehen, blieb aber darin stecken, da er vergessen hatte am Kragen die Knöpfe zu öffnen. "Das Hemd ist zu klein...", meinte er im Schmollton und gab es auf, den Kopf durch den viel zu engen Kragen zu quetschen. Und immer wenn der Stoff des Shirts an seine Wunden kam, verzog Aoi das Gesicht.
 

Hizumi half Aoi, sich das Hemd richtig anzuziehen. Er musste lächeln, als er das Unbeholfene sah.
 

+~+
 

"Hey! Sag das nicht! Es hat sich in den letzten Jahren viel verändert! Woher soll ich denn wissen, das der beste Auftragskiller Japans so leicht stirbt, hä?!", fuhr der Boss Shi an, um sich zu verteidigen und steckte das Handy zurück in seine Hosentasche.

"Darum ging es nicht! Aber du sollst erst denken, bevor du sprichst! Kann doch sonst wer an dieses Teil rangehn! Deswegen verabscheue ich solche Technik auch. Nimm dir ein Beispiel an mir!", meinte der Silberhaarige und beugte sich über Reita, der Gedankenverloren zu dem anderen Gefangenen sah. Böse grinsend, da die Überraschung, die noch folgen würde, äußerst brutal werden würde und die Vorfreude darauf in ihm langsam aufstieg.

Er sicherte die Ketten und überprüfte nun auch die des anderen, der ebenfalls zu Reita blickte. //Erinnerungen werden wohl gerade ausgetauscht.//, dachte er und lachte innerlich auf. //Umso schöner wird es, wenn das Finale eintritt. Ich weiß gar nicht, worauf er noch wartet...!//, meinte er und richtete sich abrupt auf, als ein merkwürdiger Laut durch die große düstere Halle fegte. Mit düster verzogenem Gesicht folgte er dem Geräusch und landete direkt bei seinem Spielgefährten, der mit verwirrtem Gesichtsausdruck sein Handy aus der Tasche zog und es begutachtete. Mit zu Schlitzen verengten Augen erhaschte er einen Blick auf das Display und bevor sein Gegenüber auch nur an den Gedanken kommen könne, das Gespräch anzunehmen, versiegte das Klingeln auch schon wieder. "Merkwürdig... das war der Killer...!", murmelte der Boss und ehe er eine richtige Entscheidung fällen konnte, was nun zu tun war, wurde ihm das Handy plötzlich von Shi aus der Hand gerissen. "Hey, gib mir das sofort wieder zurück, Shi!", sagte der Boss verärgert und wollte es sich zurückholen, doch mit einem Schritt zur Seite, brachte dieser ihn eher zum Stolpern. "Was hast du damit vor?!, setzte er also fragend nach und versuchte sich erneut das Handy zurückzuholen, doch Shi wich ihm erneut aus.

"Wie blöd musst du sein, das du mich das fragst?!", antwortete Shi und schmiss das Handy mit voller Wucht auf den Boden, sodass es in seine Einzelteile zersprang.

Mit fassungslosem Gesichtsausdruck starrte der Boss auf sein ehemaliges Handy und dann zu dem zufriedenem Gesichtsausdruck Shis. "Wofür war das denn jetzt?!", schrie er ihn verständnislos an und scharrte mit dem Fuß die Einzelteile zu einem Haufen zusammen.

"Bist du blöd, oder tust du nur so? Schon einmal etwas von Ortungsgeräten gehört? Ich habe wenig Ahnung von der Technik außerhalb dieses Schlosses, aber so viel Grips hab ich dann doch noch. Außerdem nervt mich der Klingelton. Und jetzt heul hier nicht rum."

Endlich verstehend ließ der Boss sein Handy Handy sein und begab sich stillschweigend zu seinem 'Thron', um sich zu setzen und lieber Shi das Feld zu überlassen. So dumm, wie er sich jetzt teilweise gegenüber seines Konkurrenten benommen hatte, wusste er nicht einmal mehr, was er noch sagen sollte und durfte. Shi war ein ernst zunehmender Gegner, der ihn nun schon des öfteren Bloß gestellt hatte und in seiner Ehre gekränkt zog ein Mann, der viel von sich hielt, sich lieber erst einmal zurück und beobachtete das Schlachtfeld von außen, eher er sich später gewinnbringend einbrachte und das Feld somit wieder an sich reißen konnte.

Vielleicht hatte er aber auch nur Angst, noch einmal zu versagen...
 

+~+
 

Mit einem Grinsen nahm Kru, der endlich fündig geworden war, sein Handy hervor, um Hizumi anzurufen und während er darauf wartete, das der andere ran ging, besah er sich den blutbesudelten Ring, der er in einem Graben gefunden hatte.

Als er nämlich der Autospur gefolgt war, hatte er sich zur Vorsicht in dem Graben niedergelassen, um nicht gleich gesehen zu werden, falls Wachen sich hier herumtrieben, was nach Krus Gespür nicht der Fall war, was für ihn stark nach einer Falle roch oder nach bloßer Dummheit! Sicher würde man nie darauf kommen, in diesem heruntergekommen Schloss nach Leben zu suchen, aber ganz sicher hatte man Reita hierher geschleppt, soviel stand fest. Und dieser Ring bewies es. Darauf war nämlich dessen Namen eingraviert.

Zu dumm nur, das er auf die nächsten Anweisungen seines Bossen warten musste. Kru würde sich nur zu gerne einmal umsehen.
 

~+~
 

Nachdem er Aoi so betrachtet hatte, beugte er sich wieder über seinen Laptop und fluchte unfein, als er sah, dass das Signal verloren war. //Fuck...// Er notierte sich die letzte Position und schickte Kru eine SMS. "Kru. Wo bist du? Ich hab das Signal des Handys der Kerle eingrenzen können auf 10 km." Er nannte ihm die Position und seufzte. "Reita hat noch bis zum Morgengrauen Zeit, dann bringen sie ihn um. Sag mir bitte, wenn du was gefunden hast und ruf an."

Als er die SMS abgeschickt hatte, sah er auf sein Handy und sah erstaunt, das es klingelte. "Kru? Das ging aber schnell! Ich habe dir gerade geschrieben. Hast du die Mail gelesen oder hast du was herausgefunden?" Er gab Aoi mit einem Wink zu verstehen, dass dieser ruhig bleiben sollte und strich ihm nochmal beruhigend über die Hand.
 

Überrascht lugte Aoi hinter den nun geöffneten Knöpfen hervor und senkte, als er Hizumi sah, peinlich berührt den Blick und wandte sich schnell ab. //Gott, war das peinlich!//, dachte er und zog das Shirt an seine zu sitzenden Stellen. Dann besah er sich die Knöpfe am oberen Kragenrand und fragte sich, wann er das letzte Mal solch ein Hemd gesehen hatte. Verwirrt wandte er sich an Hizumi, als dieser zu fluchen begann und hob die Brauen. Unschlüssig beobachtete er den anderen, welcher ihn kaum noch zu zu bemerken schien, was ihn schon irgendwie störte. Doch um über seine Gefühle nachzudenken blieb ihm nicht viel Zeit, denn als Hizumi plötzlich zu sprechen begann, reagierte seine Neugier und ließ ihn mit großen Augen aufschauen. //Neues von Reita??!//, fragte er sich und versuchte etwas über Hizumis Gesichtsausdruck herauszufinden.
 

"Ich wollte dich eh gerade anrufen. Ehrlich gesagt, hat mich deine Nachricht eher überrascht. Ich weiß nicht, wie du das gemacht hast, ihn zu finden, obwohl du immer noch im Quartier bist, aber du warst eben schon immer besser und klüger als ich. Na jedenfalls... Also ich hab ihn auch, nur hat es bei mir etwas länger gedauert... Ich befinde mich hier gerade in so einer Art Graben und habe den Ring von diesem Reita gefunden. Blut hat an ihm geklebt. Sicherlich wollte er eine Spur hinterlassen. Was mich wundert ist, das hier keine Wachen herumstehen. Darf ich mich ein bisschen umsehen? Und... wann kommt ihr nach? Denn wie du schon geschrieben hast, haben wir nicht mehr viel Zeit.", merkte Kru noch einmal an und lugte aus dem Graben hervor, um die Gegen noch weiter zu inspizieren.
 

"Ein Ring? Gut.. Hör zu, ich lasse dein Handy orten. Bis ich deinen genauen Standpunkt habe, bleib in dem Graben und tu nichts bis ich da bin, hörst du? Verhalte dich ruhig Kru. Kein Handeln auf eigene Gefahr, ich meins ernst. Wenn wir stürmen brauche ich jeden einzelnen von euch. Aoi hat ein Gespräch belauscht, wir greifen im Morgengrauen an, bis dahin habe ich einen Plan erarbeitet. Bist du bewaffnet? Wie ist der Zustand deines Akkus? Wie ist dein Empfang? Wir dürfen auf keinen Fall den Kontakt zu dir verlieren." Während er sprach ging er schon zu seinem Laptop und ließ Krus Handy orten, dann sah er zu Aoi und lächelte ihm aufmunternd zu.
 

Unzufrieden mit dem Befehl seines Bosses murrte er auf. "Jaaa~ is' ja gut. Spielverderber~", murmelte er leise vor sich hin und hatte die Wangen aufgeblasen, um wie ein kleines, unglückliches Kind zu schmollen. Dann nickte er auf Hizumis Frage hin, ob er bewaffnet war. Als jedoch keine Antwort folgte, rollte er seufzend mit den Augen und bestätigte mit einem "Klar bin ich bewaffnet." //Akku?//, fragte er sich und hielt das Handy etwas von seinem Ohr weg, um darauf zu schielen. "Ano... Wenn du diese Anzeige mit den Balken meinst... Zwei Stück sind noch da."

Gelangweilt setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden und bewegte spielerisch seine langen Finger, die perfekt zum Erdrosseln geeignet waren. //Wie viel ebenbürtige Gegner es wohl sind?//, fragte er sich grinsend und spürte, wie sein Blut vor Aufregung zu kochen schien. Am liebsten würde er jetzt schon rein und alles niedermetzeln...~ Aber er musste die Befehle befolgen.
 

"Okay, das reicht noch, schalte das Handy auf Stand-by, dann sparst du Strom und bist trotzdem noch erreichbar." Hizumi überlegte. Er kannte seinen besten Mann und grinste. Vielleicht würde er ihm jetzt eine Freude machen. "Ach Kru? Vielleicht ist es doch eine gute Idee, wenn du mal ein bisschen die Gegend erkundest, vielleicht gibt es ja eine bessere Möglichkeit für uns, in das Gebäude einzudringen, unbemerkt, verstehst du? Das würde uns einiges an Ärger ersparen. Aber lass dich nicht erwischen!", warnte er ihn noch. Er klemmte das Handy zwischen Kopf und Schulter und kniete sich vor Aoi, knöpfte ihm vorsichtig das Hemd auf und begann seinen Oberkörper zu reinigen und die Wunden zu desinfizieren. "Sonst noch was, Kru?" fragte er in das Telefon. Er war schon immer gut darin gewesen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, das hatte ihn zu so einem guten Leader werden lassen.
 

"Was? Stand-by?", wiederholte Kru verwirrt und fragte sich, was das bedeutet sollte. War das ein verschlüsseltes Code-Wort? Aber warum sollte er denn so etwas benutzen? Dachte er vielleicht, sie würden abgehört? "Eh... is' klar... Verstanden.", meinte er nur und leckte sich nervös über die Lippen. Er konnte doch Hizumi nicht einfach sagen, das er keinen blassen Schimmer davon hatte, was der andere gerade damit meinte. Dann würde er den wahrscheinlichen Abhörern ja direkt in die Falle laufen, in dem er sich verriet. Außerdem wollte er seinen Freund und Boss nicht enttäuschen.

So in Gedanken vertieft, zuckte er erschrocken zusammen, als er seinen Namen hörte. "Hm~?", machte er leicht grummelnd und ungläubig fanden seine Augenbrauen den Weg gen Norden, als Hizumi ihm nun doch erlaubte, sich ein wenig umzugucken. Kru ging der Mund auf. Er wollte etwas sagen, aber vor Freude brüllen würde ihn wohl auch nur verraten, oder? "Wenn ich kein Kerl wäre, würd' ich dich dafür knutschen, Alter.", meinte Kru dann grinsend im Scherz und richtete sich etwas auf. "Du kennst mich einfach zu gut. Danke und klar pass ich auf! Ich bin doch kein Anfänger.", versicherte er und spähte über den Rand der Grube hinweg. "Nein, sonst nichts. Meld dich bei mir, wenn ihr ankommt. Ich gehe klettern.", meinte Kru kurz angebunden und ein freudiges Funkeln blitze in seinen Augen auf. "Bis später.", setzte er noch hinzu und legte auf. Mehr gab es jetzt nicht zu reden. Das würden sie dann später machen, wenn es endlich los ging.

Wie ein kleines Kind freute sich Kru darauf, doch sein freudiges Gemüt wandte sich schnell in ein anderes um. Was sollte dieses Stand-By bedeuten? Stand-By Modus? Bei einem Handy? Wie das...? Darüber musste er, bevor es los ging, sich noch einmal gründlich Gedanken machen. Ein tiefes Grollen entkam seinem Rachen, als er mit nachdenklich verzogener Miene ein paar Tasten auf seinem Handy drückte. "Ich bin zu alt für so'n Kinderkram...", murmelte er genervt und fiel beinahe rückwärts vor Schreck, als eine Melodie aus dem Handy kam. //Scheiße, was war denn das?!//, fragte er sich und drückte schnell ein paar Tasten auf dem Handy, hielt es dabei absichtlich ganz weit von seinem Körper weg. Misstrauisch beobachtete er die sich verändernde Bildanzeige. Als beim nächsten Tastendruck ein greller Blitz aus dem Gerät geschossen kam, schmiss Kru das Handy reflexartig weg und rollte sich zur Seite.

Kein Bumm? Keine Explosion?!

Verwirrt hob Kru den Kopf und sah sich um. Nichts hatte sich verändert. Vielleicht hatte aber auch die Erde die Explosion geschluckt? Schließlich hatte er es so geworfen, das der Bildschirm nach unten zeigte. Aber Kru hatte kein Beben gespürt. Was also hatte dieser grelle Blitz zu bedeuten?

Langsam kam er auf das Handy zugekrochen und streckte seine Hand zögernd danach aus. //Technik ist ganz gewiss nichts für mich.// Er drehte das Gerät in seinen Händen und besah es sich genauer. Ungläubig riss er die Augen auf, als er sich selbst, ziemlich erschrocken aussehend, auf dem Bildschirm erblickte. //Pah... ein Fotoapperat in dem Ding? Wozu soll das gut sein?! Soll ich sie mit dem grellen Blitz blenden oder soll ich sie fotografieren, bevor ich sie umbringe. Unnütz.//

Genervt über das Wunder der Technik, steckte er es sich schulterzuckend in die kleine Tasche, die auf seinem Rücken hing und befreite seine Finger von den Krallenringen, die er liebevoll dazupackte. Beim Klettern würden sie ihm nur stören. Dann grub er seine Hände in die aufgelockerte Erde und rubbelte anschließend alle Stellen, die etwas Haut preisgaben, damit ein. Er wusste sich eben gut zu tarnen.

Als er diese Prozedur hinter sich hatte, kroch Kru aus dem Gruben hervor und schlich zum Auto. Überrascht musste er feststellen, das dieses nicht abgeschlossen war. Auch befand sich niemand mehr darin. Da ging wohl jemand davon aus, das sie hier nie zu finden wären, aber gleichzeitig jederzeit bereit sein müssten, zu fliehen? Widersprach sich da nicht? Kopfschüttelnd kramte Kru sein geschliffenes Messer hervor und rammte es zielgerichtet in den rechten Hinterreifen. Dann kroch er weiter und tat dasselbe mit dem rechten Vorderreifen. Doch das reichte Kru noch lange nicht aus. So leise wie möglich öffnete er die Beifahrertür und kroch in das Auto. Mit einem gezielten Griff riss er ein Stück Blech unter dem Autoradio ab und zum Vorschein kamen lauter bunter Kabel, die förmlich danach schrien, durchgetrennt zu werden. Grinsend schnappte sich Kru das Kabel für die Bremsen und trennte sie durch. Jeder, der hier einsteigen würde, würde den sicheren Tod finden. Bei den steilen Klippen und engen Kurven, war das Fahren ohne Bremsen schier unmöglich.

Glucksend verließ Kru den Wagen wieder, nachdem er das Stück Blech wieder provisorisch (also mit Gewalt) wieder dort befestigt hatte, wo es ursprünglich saß und schlich sich zum Schloss, um dort nach möglichen anderen Eingängen zu suchen.
 

+~+
 

Hizumi lachte. "Heb dir das mit dem Knutschen für später auf.", witzelte er und verabschiedete sich dann von Kru. Er vertraute ihm und er wusste, dass er der Beste auf seinem Gebiet war.

Nun hatte er alle Zeit, sich um Aoi zu kümmern. Er legte das Telefon beiseite und reinigte die zahllosen Wunden auf dem Körper des Jungen, wusch vorsichtig den Schmutz aus den teilweise schon älteren Verletzungen und begann dann mit der mühsamen und schmerzvollen Prozedur des Desinfizierens. Er wollte Aoi nicht weh tun, immer wieder strich seine Hand beruhigend durch das zottelige schwarze Haar und er lächelte ihn beruhigend an. "Keine Angst, es brennt scheußlich, aber danach werden die Wunden schneller heilen und es bleiben keine Narben."
 

Eine Schnute ziehend, weil er nur die Hälfte des Gespräches verstand, dennoch so viel, das es ihm vor Anspannung und gewünschter Tätigkeit in den Fingern juckte, merkte Aoi gar nicht, wie sich der andere plötzlich vor ihm hinkniete. Erst die Finger an seinem Hemd ließen ihn herumschrecken und anschließend verwirrt blinzelnd der Hand folgend, die Hizumi gehörte, fragend zu ihm hinuntersehen. Knopf für Knopf öffnete sich und je mehr geschundene Haut entblößt wurde, desto unsicherer wurde Aoi. Fand der andere ihn nicht abstoßend, so wie er war? Sein Herz machte einen unangenehmen Hüpfer, als er die Wärme spürte, die für einen Moment seine Haut streifte, als Hizumis Hand diese berührte, ehe es sich in seiner Hose verlor. Mit ängstlichem Blick verfolgte er die Bewegungen, die Hizumi zaghaft ausführte und zischte erschrocken auf, als Wasser auf seine Wunden tropfte. Aoi schluckte trocken. "D-du musst nicht, wenn du nicht.. nicht möchtest...", murmelte er und warf den Blick verlegen zur Seite.

Wieder ein unangenehmes Ziehen auf seiner Brust, verfolgt von einem schmerzhaften Brennen und Aois Gesicht verzog sich zu einer gequälten Maske. Er biss sich zusätzlich auf die Unterlippe, um nicht allzu laut seine Schmerzen kundzutun. Warum taten seine alten Wunden immer noch weh?

Durch Hizumis Behandlung, der abwechselnden warmen Hand mit dem anschließenden Schmerz war so verboten süß, das ein Schauer nach dem nächsten über seinen Rücken schlich und seine Beine wie Pudding werden ließen. Keuchend knickte er ein, hielt sich aber im letzten Moment noch an Hizumis Schultern fest, um sich dann mit einem zittrigen Seufzen in die Hocke zu begeben. Ein leichter Rotschimmer hatte sich auf Aois Wangen gelegt und peinlich berührt schlug er die Augen nieder. Er konnte Hizumi nicht in die Augen blicken... nicht jetzt, wo er sich so schwach fühlte und... schwach wurde...

Am liebsten würde er sich dafür schlagen, das er diese Behandlung genoss. Wie lange war das her, das Reita ihn so behandelt hatte? Ihn so berührt hatte? Es schien eine Ewigkeit her zu sein...
 

~+~
 

Hektik herrschte auf den Gängen und laute Stimmen drangen bis zu Sakito vor, der bis eben noch fest geschlafen hatte und nun allmählich aus seinem Schlaf gerissen wurde. Müde schlug er die Augen auf, presste sie allerdings im nächsten Moment wieder fest zusammen, als ihn helles Licht vom Fenster her erwartete.

Sich den Schlaf aus den Augen reibend, versuchte sich Sakito in seinem Bett aufzurichten. Als seine Schusswunde zu ziepen begann, verzog der Anwalt sein Gesicht und strich seufzend über den Verband, der in der Mitte einen leichten Rotton aufwies. "Was zum...?!", fragte er sich, besah den Verband genauer und hob erschrocken den Kopf, als die Tür aufgerissen wurde. Reflexartig verdeckte er die wohl wieder aufgerissene Wunde und sah den hereingestürmten Chefarzt fragend an, welcher ihn mit einem wütenden Blick taktierte. //Mist! Wenn er sieht, das die Wunde blutete, dann kann er sich bestimmt denken, das ich das Bett verlassen habe!//, dachte Sakito panisch, versuchte aber möglichst cool zu bleiben, um sich nicht gleich zu verraten. "Guten Morgen...?", begann er also vorsichtig und hob fragend eine Braue. "Ist was passiert?", setzte er fragend hinzu und schielte an dem Chefarzt vorbei in den Flur, an dem gerade eine Horde an weiß gekleideten Männern vorbeilief. Hinten ihnen liefen einige Ärzte, die Handtücher in den Armen hielten, die voller Blut waren. //Mein Gott, was ist hier los?!//, fragte er sich und ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit. "Wie geht es Herrn Takeshima?!", wollte er wissen und wollte aufstehen, um Notfalls zu diesem zu gehen, wenn etwas nicht stimmen sollte, doch er wurde von dem Chefarzt zurück gehalten. "Sie bleiben schön hier Herr Edokawa! Ich weiß zwar nicht, wie sie es geschafft haben, Herr Shiroyama hier heraus zu bringen, aber eines weiß ich ganz genau: nur sie können ihre Finger dabei im Spiel gehabt haben. Sollte ich allerdings erfahren, das es meinem Patienten, wo auch immer sie ihn hingebracht haben, nicht gut ergeht, werden sie es sein, der sich einen Anwalt suchen muss. Unter anderen Umständen wäre ich nun ganz anders mit ihnen umgesprungen, aber sie und ihre Kunden geben wohl nie Ruhe. Herr Takeshima hat versucht sich das Leben zu nehmen. Wir haben ihn gerade noch retten können. Ein paar Minuten später und er wäre tot gewesen. Wenn sie sich noch einmal haben durchchecken lassen und ihr Verband neu gebunden worden ist, können sie ihn gerne besuchen, aber noch schläft er. Sie hören es vielleicht nicht gerne, aber wir müssen ihn einer psychiatrische Anstalt übergeben. Sein Zustand ist ganz und gar nicht labil. Die Geschehnisse der letzten Tage müssen ihn ziemlich zugesetzt haben. Und... ich weiß, es wird Ihnen und auch Herrn Takeshima schwer fallen, aber jeglicher Kontakt wird untersagt werden, sobald er versetzt worden ist. Und das wird er, wenn er aus seinem komaartigen Schlaf erwacht ist. Legen sie sich bitte wieder zurück in ihr Bett Herr Edokawa. Ich werde sofort jemand nach ihnen schicken.", meinte der Chefarzt bestimmt und verließ den Raum, ehe Sakito etwas hätte sagen können, welcher gerade fassungslos auf einen unbestimmten Punkt starrte und sich das gesagt durch den Kopf gehen ließ. //Warum... warum Kouyou?//, fragte er sich verzweifelt und unendliche Trauer überkam ihn, die ihn schwer schlucken ließ. Auch viel es ihm schwer, die Tränen zu unterdrücken. //Warum hast du mir nicht erzählt, wie es dir in Wahrheit geht?//, fragte er ihn in Gedanken und spürte einen verletzten Stich in seiner Brust. //Warum vertrauen Aoi und Uruha mir nicht?//, fragte er rhetorisch und legte die Stirn in Denkfalten. Am liebsten wäre er sofort aufgesprungen und zu Kouyou gejumpt, aber da dieser nun schlief, er dagegen auch nichts ausrichten konnte und weil der Chefarzt dann wahrscheinlich so richtig sauer auf ihn wäre, ließ er es lieber bleiben. Es war schon erstaunlich gewesen, das er so gefasst darauf reagiert hatte, wenn er schon glaubte, Sakito sei es gewesen, der Aoi befreit hatte.

//Und wie soll ich das überleben, ihn nicht sehen zu dürfen?//, fragte er sich und zuckte erschrocken zusammen, als die Tür ihn aus seinen Gedanken riss und eine etwas voluminösere Frau das Zimmer betrat. "Dann wollen wir sie mal untersuchen, Herr Edokawa.", verkündete sie freudestrahlend und wie s ihn mit einer stummen Geste an, sich hinzulegen, was er sogleich kommentarlos befolgte.
 

~+~
 

"So...~ Nun können sie zu Herrn Takeshima. Soll ich Sie hinführen Herr Edokawa?", fragte die freundliche Ärztin in einem Ton, als würde sie mit einem Kind sprechen. Missbilligend verzog er das Gesicht, nickte allerdings im nächsten Moment, da er nicht wissen konnte, wo sich Kouyou befand und somit auf ihre Hilfe angewiesen war.
 

Als sie das Zimmer des Patienten Takeshimas erreicht hatten, schob die Ärztin ihn in das Zimmer und verschwand zum Glück des Anwalts. Unsicher wand er den Blick von der Tür und nachdem er sich umgedreht hatte, fiel sein Blick auf das im weiß erleuchtendem Bettes, in dem ein nicht minder weißer Patient lag. //Mein Gott, ist Kouyou blass!!//, dachte er erschüttert und näherte sich mit entsetzt aufgerissenen Augen, ließ den Blick über das wandern, was von Kouyou unter der Decke hervorblickte. Ein EKG-Gerät verriet ihm den Zustand des anderen, der ihm Sorgen bereitete. Er war zwar aus dem kritischen Bereich raus, aber die Werte waren trotzdem nicht das, was er sich für ihn gewünscht hätte. "Ach Kouyou...", seufzte er traurig und ließ sich auf einen Stuhl nieder, den er zuvor zum Bette Kouyous geschoben hatte. "Warum hast du das nur getan...?", fragte er die entscheidend wichtige Frage in den Raum, die vorerst noch unbeantwortet bleiben sollte.

Sanft nahm er die Hand des Blassen in die seine und beobachtete Kouyou beim Schlafen. Selbst jetzt war er noch schön. Doch ungewiss war, wie lange er ihn so noch sehen würde und wie lange es danach dauern würde, ihn wieder in seiner vollen Schönheit und natürlich in voller Gesundheit betrachten zu dürfen. Wieder seufzte Sakito auf und langsam ließ er den Kopf auf dem Bett sinken. Durch müde Augen betrachtete er Kouyou weiterhin, lauschte den schwachen Atemzügen des Blonden und seufzte mal hier und da auf.

Das war doch alles nicht fair...
 

Verloren in der Dunkelheit, hoffend auf ein Zeichen stand Uruha in der Stille. Hörte niemand seine Rufe? Alle Farben waren verschwunden. Alleine stand er in der Nacht. Warum fühlte er nichts außer dem Schmerz? Wo war das Licht? Die Wärme die ihn empfangen und der leichte Wind der mit seinen weichen Haaren gespielt hat? Wieso war es so kalt?

Weit entfernt vernahm er ein Geräusch. War es das Zwitschern eines Vogels? Orientierungslos und verwirrt versuchte er ihm zu folgen. Immer tiefer führte es ihn in die Dunkelheit in das Ungewisse.

Er konnte sich nicht fühlen. Seine Bewegungen schienen ihm so fremd. Als er versuchte sich auf die Hand vor seinen Augen zu konzentrieren, verschwammen die Konturen immer und immer mehr.

Er schaffte es nicht sie festzuhalten. Wieder dieses Geräusch, das immer lauter zu werden schien.

Erneut versuchte der Brünette zu rufen. Versuchte sich an das Geräusch zu klammern um aus der Dunkelheit zu entkommen.

Es wurde immer schwerer sich auf den Ton zu konzentrieren. Immer mehr verzerrten sich die Töne, vermischten sich mit Stimmen und verteilten sich um Uruhas Lage.

Er hatte das Gefühl alles um sich herum würde sich drehen, würde ihn verschlingen wie ein Strudel aus Erinnerungen und Sehnsüchten.

Plötzlich wurde es hell und er spürte wie seine Augen schmerzten. Sofort schloss er sie wieder und versuchte seine Gedanken zu sortieren.

Erst nach einigen Minuten versuchte er erneut seine Augen zu öffnen, doch seine Lider erschienen ihm wie Blei, so dass es ihm schwer fiel sie offen zu halten.

Fast verzweifelt versuchte er zu erkennen was um ihn herum geschah. Doch die Decke war weiß, ein paar Schläuche fielen in sein Blickfeld, doch seine Aufmerksamkeit galt noch immer dem Geräusch.

Was war mit ihm? Langsam kam die Erinnerung zurück, bevor dieser Schwärze ihn empfangen hatte.

Dieser Schmerz, diese Verzweiflung und die Sehnsucht nach dem Tod.

Uruha bemerkte wie seine Augen zu brennen begannen und er spürte wie sich Tränen in ihnen sammelten.

Er war also nicht tot. Und das Geräusch musste das EKG-Gerät sein. Und diese Stimmen die er gehört hatte?

Erneut versuchte er seine Augen zu öffnen, doch bevor er sich darauf konzentrieren könnte, machte ihn etwas anderes stutzig. Er spürte Wärme die seine Hand umfing. Die leicht seine kalte Haut streichelte und die er als angenehm empfand.

Doch gleichzeitig fühlte er die Hilflosigkeit, die ihn an dieses Bett fesselte.

Endlich schaffte er es wieder, seine Augen zu öffnen und den Blick schwach in Richtung Bettrand zu wenden.

Er konnte nicht richtig erkennen wer da saß und so ließ er seine Augen wieder zufallen und öffnete leicht den Mund.

„…wo…“, begann er leise den Satz den er nicht beenden konnte, denn erst jetzt bemerkte er wie schwach er sein musste und wie trocken sein Hals war.

Langsam glitt eine Träne seine Schläfe hinab und er jetzt war ihm bewusst in welcher Lage er sich befand.

Er wollte nie in dieser Situation sein. Zu sehen, wie andere darunter litten was er getan hatte. Zu sehen, wie schwer er es ihnen gemacht hatte.

Gerade in diesem Moment wünschte er sich, dass alles war nur eine letzte Szene, die ihn kurz vor dem Tod daran erinnerte, dass er geliebt wurde und dass er danach für immer erlöst war.
 

Sakito war schon halb weggedöst, als er diese klitzekleine Bewegung bemerkte, die so viel Hoffnung versprach, das Sakito für einen Moment gar nicht glauben konnte, was er dort sah. Trotz das es nur eine Millisekunde angedauert hatte, das Uruhas Lider sich bewegt hatten, stieg unglaubliche Erleichterung in ihm auf und gleichzeitig stieg sein Herzschlag in so kurzer auf das Doppelte an, das er glaubte, es würde seine Brust durchbrechen und sich auf und davon machen. Sakito gab einen erstickten Laut von und richtete sich allmählich wieder in seinem Sitz auf. "U-Uruha?", rief er seine Namen hoffnungsvoll in die Stille dieses sterilen und kalten Raumes hinein und beugte sich über den schwachen Körper seines Freundes, dessen Hand er noch immer fest umschlossen hielt. Nun hob er die andere Hand, um der Träne, die sich nach kurzer Zeit aus Uruhas wieder geschlossenen Augen glitt, mit einer sanften Berührung hinwegzustreichen. "Uruha, ich bin es, Sakito. Du liegst im Krankenhaus, weil du Selbstmord begehen wolltest. Zum Glück hast du es nicht geschafft... Ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte...", gestand er murmelnd und strich wieder über Uruhas kalte Hand. Sein Blick ruhte kontrollierend für einen Moment auf den Gerätschaften, die Auskunft über Uruhas Zustand geben sollten und erkannte, das dessen Befinden sich nicht gebessert, aber auch nicht verschlechtert hatte. "Ruha, bitte... halte durch!", bat er ihn inständig und blickte aus verzweifelten Augen auf die blasse Antlitz seiner heimlichen Liebe. "Wir brauchen dich hier!... Ich... brauche dich... Bitte geb nicht auf!", fügte er noch hinzu und schluckte. //Nein, du fängst jetzt nicht an zu weinen!//, zwang er sich und blinzelte mehrmals, um die Tränen im Zaum zu halten.
 

Dann wurde plötzlich die Tür aufgerissen und Sakito wirbelte erschrocken herum, machte sich, wenn nötig, Kampfbereit. Doch ganz groß wurden seine Augen als mehrere Schwestern und der Chefarzt das Krankenzimmer betraten und um das Bett Uruhas herumwuselten und ihn von diesen zu trennen gedachten. //Nein, wie konnten sie so schnell erfahren, das er aufgewacht ist?!//, fragte er sich und sein Herz rutschte ihm in die Hosen. Verzweiflung überkam ihn. "Nein, lasst ihn doch! Warum nehmt ihr ihn mir jetzt weg?! Gibt mir bitte noch... noch wenigstens 5 Minuten!", bat er mit Tränen in den Augen und hielt noch immer die Hand des Blonden umschlossen. Er wollte ihn nicht schon wieder verlieren!

Doch der Chefarzt verneinte seine Bitte mit einem bloßem Kopfschütteln und am liebsten hätte Sakito ihn angesprungen und ein Gewissen in den Schädel geschlagen, so unfair fand er auf einmal alles und auch kroch die Wut in ihm hoch. Eine Schwester, die gerade dabei war, seine Hand aus der Uruhas zu lösen, schon er grob beiseite. "Nein! Wenn ihr ihn mir wegnehmen wollt, dann nehmt mich auch mit!", bat er den Arzt und eine erste Träne rollte ihm über die Wange.
 

"Rei...", kam es gehaucht vom Krankenbett, welches langsam in Bewegung gesetzt wurde, um es in eine andere Station zu verlegen. In die geschlossene...
 

Mit weitaufgerissen Augen drehte sich Sakito zu Uruha um. //Reita? I-ich... ich nein... bitte Uruha... Du kannst das nicht von mir verlangen! Ich liebe dich... verdammt...//

"Rei...", hauchte Uruha erneut und drückte ganz kurz die Hand Sakitos. "Rette ihn... bi-bitte..."
 

Und das war der Moment, in dem Sakito die Hand des Blonden widerwillig losließ und sich seinen Tränen ergab, während er den Bett hinterher sah, welches ihm seinen Liebsten nahm.
 

"Ich... Ich liebe dich Uruha....", hauchte er und rutschte an der weißen Wand hinunter. Sein verheultes Gesicht hielt er bedeckt.
 

"Wenn sie fertig sind, gehen sie bitte wieder auf ihr Zimmer. Sie haben eine Mission, Sakito-san.", meinte der Chefarzt, musterte den Anwalt für einen kurzen Moment aus traurigen Augen, ehe er ihn alleine zurück ließ und weiter seinem Job verrichte, auch wenn manche Taten nicht immer die Richtigen zu sein schienen.
 

Ohne sich auch nur im entferntesten gegen seine Verlegung wehren zu können, musste sich Uruha kampflos seinem "Schicksal" überlassen.

Er wollte nicht wieder dorthin und vor allem wollte er nicht von Sakito weg.

In diesem Moment könnte er sich dafür hassen, was er getan oder besser gesagt versucht hatte.

Schwach öffnete erneut seine Augen, doch Sakito war bereits aus seinem Blickfeld verschwunden.

Nur noch ein paar Silhouetten erkannte er, die sein Bett wohl in Bewegung setzen mussten. Er wollte etwas sagen, doch sein Hals war so trocken, dass kein Ton seine Lippen verließ.

Wie lange es wohl dauern würde, bis er sie wieder sehen würde? Sie alle. Reita, Aoi und Sakito?

Last Night? - Distressing Realization...

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Finale? Part I

WICHTIG!
 

Da sich einige beschwert haben, was Aoi im letzten Kapitel geleistet hat, hier ein kleiner Beitrag, damit ihr ihn vielleicht besser versteht:

"Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Vergewaltigung zur Folge haben kann, dass die Betroffene oder der Betroffende den Drang verspürt, mehr Sex zu haben."

Und von Aois sonstigen Zustand muss ich hoffentlich nichts erwähnen.
 

Und für dieses Kapitel gilt:

Ich habe kein Praktikum bei der Polizei gemacht und keinen Kurs der Spurensuche belegt. Herangehensweisen der Polizei oder Spurensuche sind mir nicht bekannt und hier frei erfunden.
 

~+~
 

Irgendwann, es fühlte sich an, als hätte Sakito Stunden zusammengesunken auf dem kalten und harten Boden des Krankenzimmers gesessen, richtete sich der angeschlagene Mann, der immer noch der Anwalt seiner zwei schwersten und kompliziertesten Klienten, die er je hätte bekommen können, auf und ächzte auf, als er beinahe eingeknickt wäre. Schmerzhaft verzog sich sein Gesicht, als er den ersten Schritt wagen wollte, doch seine Beine waren tatsächlich eingeschlafen und sein Hintern tat ihm vom vielen Sitzen weh. In Gedanken versunken klopfte er sich auf den Hintern, um wieder ein Gefühl hinein zu bekommen und ging dann wieder einige Schritte. Bei jedem Schritt durchzuckte ihn ein kurzer Schmerz, doch da er, wie der Chefarzt schon meinte, eine Mission hatte, mühte er sich vorwärts. An der Tür schließlich angelangt griff er nach der Klinke der Tür und öffnete sie, bevor er einen Blick hinaus auf den Flur warf. Er war leer. So leer wie sein Kopf es noch momentan war und sein Herz, dem ein Schleier von Trauer übergeworfen worden war.
 

Nach kurzem Grübeln und düsteren Gedanken vertreibend, entschloss er sich vorerst dazu, sein Zimmer aufzusuchen, um sich seine Wertgegenstände daraus zu beschaffen, bevor er von hier verschwinden würde. Alle Vorsicht über Bord geworfen. Es gab wichtigeres als einen angeschlagenen Anwalt, auch wenn es galt, einen seiner Klienten aus den Händen eines psychopathischen Entführers und seinen Killern zu befreien. Zur Not hatte er noch Takeda, der ihn mit seinen Leuten von der Polizei unterstützen könnte. Takeda. Vielleicht wäre es schlau, ihm einen kurzen Besuch zu bestatten? Schließlich hatte er seit der Entführung, seinen Kummer wegen Uruha und seiner Verletzung ziemlich viel verpasst. Jedenfalls hatte er das Gefühl, das kaum Zeit vergangen war, seit er Aoi hier raus geholfen hatte. Aoi... Ob es ihm gut ging? Was er gerade wohl machte? Sakito seufzte schwer auf, während er seine Schläfe auf der Seite seines gesunden Armes massierte. Er wusste gar nichts. Und die Zeit, die es brauchen würde, um all das, was er noch immer nicht wusste, aufzuholen, könnte Tote bedeuten. Doch Uruha glaubte an ihm, also musste er versuchen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um genau das zu verhindern. Sicher war, das nicht mehr viel Zeit blieb.
 

Da Sakito seine Beine wieder spüren konnte, ging er schneller und erreichte auch nach kurzer Zeit schon seit ehemaliges Zimmer. Schnell war er drin und suchte seine Sachen zusammen, wobei er versuchen musste, alles nur mit einer Hand zu tun, da sein verletzter Oberarm noch immer arg schmerzte. Doch für Sakito hieß es Zähne zusammenbeißen, denn der Schmerz, den er empfand, hatten Aoi und Reita tausendfach erleben müssen und dennoch lebten sie. Bei den Gedanken an diese zwei wohl stärksten und tapfersten Menschen, die er jemals kennen lernen durfte, verzog sich sein Mund zu einem traurigen Lächeln. Aoi war zwar schon lange nicht mehr jemand, den man als völlig gesund einstufen könnte, aber dennoch war er ein Mann, den man aufgrund seiner Leiden ehren musste, wenn man die Selbstmordversuche gekonnt missachten mochte. Was Liebe alles schaffen konnte, beeindruckte Sakito immer wieder, doch was diese Liebe schaffte, ließ ihn nur ungläubig wieder den Kopf schütteln und tausendfach an Gott und andere Götter danken, an denen er sonst nie geglaubt hatte. Hoffentlich wurde er jetzt nicht Christlich oder irgendetwas anderes von all dem... Sakito schnaubte und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Wenn er diesen... diesen... nein, dieses Schwein!... endlich hatte, dann würde er es mit ihm zu tun bekommen. Das hatte er verdient und auch Reita und Aoi hatten das, doch die beiden sollten sich da nicht einmischen, wenn es soweit wäre. Die beiden sollten, sofern er es schaffen würde sie da herauszuholen, ein neues Leben anfangen, ganz ohne Gewalt und Gedenken an die Vergangenheit. Auch wenn es natürlich schwer sein würde, aber aus irgendeinem Grund, hatte er auch nichts dagegen, dafür zu sorgen.
 

Waren die beiden mit ihren Leidenswegen ihm so sehr ans Herz gewachsen?!
 

Sakito schulterte seine Tasche und verzog augenblicklich das Gesicht. //Sei vorsichtiger! Du brauchst den Arm noch, um diesen...!//, dachte er und verkniff sich jegliches weiter denken, als er aus seinem Zimmer trat und eine recht grimmig dreinschauende Ärztin vor ihm stand. "I-ich muss gehen...!", meinte er eindringlich und war verblüfft, als die Schwester einen Schritt zur Seite machte. "Eigentlich passt mir das überhaupt nicht, Herr Edokawa, aber anscheinend bleibt uns auch nichts anderes übrig, hm? Sie würden bei uns ja doch nur kranker werden vor Sorge und Kummer. Könnte ich bitte ihren Arm nochmal sehen?", fragte sie und nickend ließ Sakito die Tasche sinken. Mit Leichtigkeit hatte sie ihm den Ärmel hoch gekrempelt ohne seine Wunde zu berühren. Dann beäugte sie misstrauisch den Verband, der dieses Mal nicht rot gefärbt war, schließlich war erst kürzlich von ihr neu verbunden worden, bevor sie den Ärmel wieder hinunter krempelte. Doch noch hatte sie Sakito nicht entlassen, der sie ungeduldig mit hochgezogenen Brauen musterte. "Und?", harkte er nach. "Ich fass' es nicht, das sie so auf die Straße gehen wollen!", meinte sie dann und musterte ihn kritisch, wodurch Sakito erstmal den Blick auf seinen Patientenumhang warf. "Eh...", machte er unbeholfen und sah über die Schulter nach unten, denn er kannte aus Filmen nur zu genüge, das bei solchen ja fast schon Kleidern ein breiter Schlitz über dem Hintern war. Doch zum Glück hatte man bei ihm Knöpfe dran gemacht, die diesen verschwinden ließen. Gerade als er erleichtert aufatmen wollte, stieß er einen überraschten Laut aus, als ein Finger der Schwester auf seine Brust tippte. "Ich rufe ihnen ein Taxi! Warten sie schön unten bei der Rezeption. Man sagt ihnen dann Bescheid."

"D-danke! Für alles!", warf er der davon tippelnden Schwester etwas spät hinterher und lief dann mit seiner Tasche zum Fahrstuhl, um in den ersten Stock zu fahren.

Kaum hatte er sich dort auf einen der Wartestühle gesetzt und versuchte angestrengt den fragenden Blicken der anderen Besuchern auszuweichen oder sie zu ignorieren, da rief man ihm zu, das sein Taxi da war. Schnell sprang Sakito auf und eilte mit einem kurzen dankbaren Nicken zur Rezeption hin hinaus aus dem Krankenhaus, direkt auf das Taxi zu, indem ein Mann saß, der einen verwirrten Blick zu seinem Fahrgast warf. "Würde ich Ärger bekommen, wenn ich einen Flüchtling fahre?" "Sie würden Ärger bekommen, wenn sie nicht fahren! Also los, ich hab nicht viel Zeit." "Schon gut, schon gut. Eilig hat's ja jeder im heutigen Leben." Sakito grummelte und wartete darauf, das der Fahrer sich wieder umdrehte und anschnallte. "Wohin soll's gehen?" "Erstmal in die Stadt. Ich muss mir was zum anziehen kaufen." Nach einem kurzen irritierten Blick in den Rückspiegel, zuckte der Fahrer mit den Schultern und fuhr los.

An einem Geschäft angelangt, wies Sakito den Taxifahrer an, ja auf ihn zu warten, bevor er aus stieg und schnell in den Laden rannte. Irritierte Blicke folgten ihm. Doch der Fahrer wartete geduldig, während sein Blick grinsend auf den Zähler linste. //Hoffentlich hat er auch genug Geld dabei.//

Sakito jedoch hatte ganz andere Sorgen, denn kaum hatte er sich das nächstbeste gegriffen, was auch noch anständig aussah, lief er in die Garderobe und erkannte mit Unwillen, das er es wohl nicht alleine schaffen würde, sich um zuziehen...

Als Sakito wieder aus dem Laden geschossen kam, gekleidet in einer gut betonten Hose und einem schwarzen Muskelshirt - Typisch Sakito: Ein Griff, alles passt - und ins Taxi sprang, da rief die Verkäuferin nach ihm, die ihm gerade beim Umziehen geholfen hatte. Ihre Wangen waren immer noch Rot vor Verlegenheit.

Sakito war kurz davor, den Taxifahrer anzuweisen, so schnell wie möglich weiter zu fahren, als er seine Tasche in ihren Händen erkannte, die er tatsächlich beinahe vergessen hatte. Mit einem peinlich verlegenden Lächeln und einem kurzen dankbaren Nicken hatte er die Tasche ins Taxi gezogen und wies den Fahrer an, zur Polizei zu fahren, wodurch nun nicht nur der Fahrer die Augen überraschend aufriss, sondern auch die Verkäuferin. "Sind sie etwa Polizist?" "Sowas ähnliches... und jetzt fahren sie bitte!" "Natürlich! Sofort!" Ein kurzer Blick nach Rechts und Sakito erhaschte noch einen strahlenden Blick der Verkäuferin, die ihm lächelnd zuwinkte, bevor das Taxi endgültig los fuhr.
 

Die Fahrt verlief schweigend. Nur der Fahrer lugte ab und zu misstrauisch in den Rückspiegel, doch Sakito ignorierte es, indem er seinen Laptop einschaltete und seine Mails checkte. Doch bis auf die Nachricht vom Gericht mit der Anfrage, wann der Prozess anlaufen sollte, hatte er nichts Weiteres bekommen. Schnell tippte er eine Entschuldigung und Aufschubsbitte der Verhandlung, bevor er den Laptop wieder ausstellte.

"Wir sind da.", verkündete der Fahrer und riss Sakito so aus seinen trüben Gedanken. Schnell packte der Anwalt seine Sachen zusammen und kramte nach dem Portemonnaie, während der Taxifahrer direkt vor dem Revier zum Stehen kam. Das macht dann 5892,71 Yen bitte.", meinte der Fahrer und funkelte Sakito mit drohendem Gesicht an. "Keine Sorge, ich hab's schon!", meinte Sakito und legte dem Mann 5900 Yen in die Hand, bevor er ausstieg. "Passt schon!", rief er noch, ehe der Fahrer etwas sagen konnte und war auch schon im Gebäude verschwunden.
 

"Takeda!", rief er und sah sich um. "Kann ich ihnen helfen?", fragte ein Polizist und stoppte ihm beim wilden Herumlaufen, indem er einen Arm ausstreckte, der Sakito am weiterlaufen hinderte. "Ich muss zu Takeda!" "Und sie sind?", fragte der Polizist misstrauisch. "Sakito Edokawa, Anwalt und ein Freund Takedas! Ich brauche seine Hilfe! Er steckt in dem selben Fall wie ich! Wollen sie jetzt auch noch meine Augenfarbe, Sternzeichen und Familienstatus wissen, oder bringen sie mich endlich zu ihm?!"

Nach einem kurzen Schweigen, wies der Polizist ihn an, ihm zu folgen und kaum hatten Takeda und Sakito sich gesehen, sprang Takeda auf, wies den anderen Polizisten aus seinem Büro und stürmte auf den Anwalt zu, der ihm erleichtert entgegen kam. "Mensch Sakito! Was machst du denn hier?! Wie bist du...", begann er und suchte seinen Arm ab. "Haben sie dich entlassen?!" "Eher notdürftig, aber ich bin nicht hier, um über diesen kleinen Erfolg zu reden. Ich bin hier, um zu erfahren, was ich verpasst habe und du raus gefunden hast! Bitte, sag es mir Takeda!" Der Polizist hatte die Stirn nachdenklich verzogen. Dann nickte er verstehend und beförderte Sakito in einen Stuhl. "Gut, aber unterbrich mich nicht! Fragen kannst du zum Schluss stellen.", meinte er und begann Sakito aufzuklären...
 

+~+
 

Ganz langsam, kam Uruha wieder zu sich und öffnete seine dunklen Augen. Etwas benommen durch die Beruhigungsmittel zog das Bild in seinem Kopf etwas nach. Wo war er?

Erneut schloss er seine Augen für einen Moment. Und je mehr er nachdachte, desto klarer wurde ihm was passiert war und wo er sich nun befand.

Etwas zögerlich öffnete er seine Augen wieder und blickte sich um. Er war noch immer in der Klinik, doch sah das Zimmer anders aus, als das in dem er vorher wach geworden war.

Er erkannte zwei Kameras an der Decke, die das Zimmer im Blick hatten und er sah die vergitterten Fenster.

Eine unangenehme Vorahnung machte sich in seinem Bauch breit.

Alles war ihm jetzt recht, aber nicht das an das er dachte.

Er richtete sich im Bett auf, hielt sich jedoch für einen Moment den Kopf, da ihm Schwindel überkam.

„Bitte nicht…“, flüsterte er zu sich selbst und stieg langsam aus dem Bett. An der Türe hing bereits ein großer Zettel mit Regeln und Anweisungen.

„..Frühsport..? Morgengruppe..?“, murmelte er und riss den Zettel von der Türe.

Der Blonde fühlte sich in seiner Vorahnung bestätigt und er zerknüllte den Zettel in seiner Faust, ehe er ihn fallen lies und vorsichtig den Raum verließ.

Der Gang war leer, doch nicht weit entfernt hörte Uruha Stimmen. Immer langsamer werdend ging er in die Richtung aus der die Geräusche kamen und erreichte schließlich einen großen Raum in dem einige Patienten sich die Zeit vertrieben. Zwar war der Brünette damals in einer anderen Klinik, doch erinnerte er sich ganz genau an die Atmosphäre.

Und genau dies hatte ihn jetzt wieder eingeholt. Langsam, fast träge sammelten sich Tränen in seinen Augenwinkeln. „Sakito…“, flüsterte er leise und er wollte sich gerade wieder in sein Zimmer zurückziehen, als ihn eine Schwester ansprach und ihn sofort mit ihn den Alltag einbinden wollte.

Erst am Abend konnte sich der Brünette in das Bad einschließen um etwas Ruhe zu bekommen.

Niemals würde er es hier aushalten. Er kühlte sich das Gesicht mit etwas Wasser und blickte dann wieder in den Spiegel.

Noch immer war er ein Wrack. Doch das schlimmste war nicht einmal, dass er aussah wie ein Penner, der seit Wochen weder gegessen noch geschlafen hatte, was zum Teil sogar stimmte. Das Schlimmste war, dass es anderen Sorge bereitete ihn so sehen zu müssen und genau das machte ihm ein schlechtes Gewissen.

Er wollte mit einem Arzt sprechen und so, verließ er das Bad wieder um zum Schwesternzimmer zu gelangen.

Doch dort wurde er zu Beginn gar nicht beachtet, bis sich eine Schwester „dazu erbarmte“ sich aus ihrem Telefonat zu lösen und sich ihm anzunehmen.

Doch auch dann wurde ihm das Arztgespräch verweigert. Es wäre zu spät und kein Arzt mehr im Hause.

„Das hier ist eine Klinik. Es ist immer ein Dienstarzt da~“, antwortete Uruha etwas säuerlich, hielt sich jedoch das Handgelenk, da dieses etwas schmerzte.

Doch selbst auf diese Aussage hin, wurde ihm das Gespräch verweigert und für morgen Vormittag angesetzt. Enttäuscht und geknickt ging Uruha wieder auf das Zimmer. Immerhin hatte er ein Einzelzimmer, wenn auch nur vorübergehend.

Er würde sowieso nicht lange bleiben, morgen würde er sich freiwillig entlassen, denn da er klar denken kann, konnten sie ihn nicht hier behalten.

Die Nacht über schlief Uruha nicht gut, um es genau auszudrücken, vielleicht eine halbe Stunde.

Die Kameras machten ihn verrückt und die Tatsache, dass sein Zimmer über Nacht abgeschlossen wurde.

Erst am nächsten Tag um 12 Uhr mittags bekam er sein gewünschtes Arztgespräch. Doch auch das verlief anders als gewünscht.

Durch seinen Selbstmordversuch und die momentane Lage in seinem Umfeld wird die Suizidalität von den Ärzten als sehr hoch eingestuft und so hatte er nicht einmal Ausgang.
 

Nachdem er es geschafft hatte, sich ein paar Zigaretten zu erschnorren, saß er in ihrem Raucherraum, das mehr wie ein großes Aquarium als ein Raucherraum aussah, und blickte aus dem Fenster.

Wenn er nicht mit Erlaubnis hier gehen durfte, dann musste er es irgendwie anders probieren.

Er nahm einen Zug an seiner Zigarette und schloss seine Augen. Er merkte, wie schwach er durch die letzten Wochen und Monate geworden war und wie anstrengend schon so ein kurzer Tag sein konnte.

Der Schweiß stand ihm bereits leicht auf der Stirn, doch davon wollte er sich in seinem Vorhaben nicht abhalten lassen.

Jetzt musste er sich sein Vorhaben nur noch überlegen. Sein Zimmer wurde nachts abgesperrt, das heißt, dass er es irgendwie vor 21 Uhr schaffen musste.

Doch durchs Fenster passte er nicht, selbst so dünn wie er jetzt war.

In Gedanken versunken merkte er nicht einmal, wie sich seine Zigarette von selbst rauchte und schließlich Asche auf seine Krankenhaushose fiel. Leise fluchend begann er sie von seiner Hose zu wischen, hörte jedoch wie er von zwei Mitpatienten dafür ausgelacht wurde.

Wenn er nicht sowieso schon schlechte Laune hätte, weil ihm einfach keine Lösung einfiel, wäre es ihm egal gewesen, doch er wollte gerade einen dummen Kommentar zurückgeben, als eine Pflegerin den Raum betrat. „Herr Takashima? Sie haben noch eine Untersuchung in der Chirurgie, wegen ihrem Handgelenk.“, sagte sie und überrascht blickte Uruha auf.

Er hatte einen Termin? Außerhalb dieser Station? Das war seine Chance.

Die Frage war nur, wie bekam er die Schwester los, die ihn begleiten musste?

Das überlegte er sich, wenn sie draußen waren. Er nickte ihr leicht zu, drückte den Zigarettenstummel aus und erhob sich um ihr zu folgen.

In der Chirurgie angekommen und die Untersuchung hinter sich gebracht, blieb Uruha kurz im Eingangsbereich der Chirurgie stehen.

„Was haben Sie?“, fragte die Schwester und blieb ebenfalls stehen.

„Ano... könnte ich... vielleicht noch die Toilette benutzen?“, antwortete der Brünette und deutete auf einen Gang, durch den es zu den Toiletten ging.

„Hm... na gut, aber beeilen Sie sich~“, antwortete die Schwester und ging mit ihm den Gang entlang.

Zu seinem Glück war es eine Schwester die ihn begleitet hatte und kein Pfleger, denn so konnte er alleine die Toilette betreten.

Sein zweites Glück war das Fenster, denn es war zwar hoch, aber groß genug um durch zu passen.

Er stieg auf einen der Toilettendeckel, öffnete das Fenster und versuchte sich rauszuziehen.

Was er dabei vielleicht vergessen hatte, war die Tatsache, dass sein Handgelenke nicht gerade die gesündesten waren.

Doch das versuchte er auszublenden, denn schließlich war er daran auch selbst Schuld.

Nach kurzer Zeit, hatte er sich aus dem Fenster gezogen, fiel jedoch in einen Busch, da das Fenster kein Fenstersims hatte. Kurz verzog er das Gesicht, da er ungünstig auf seiner Hand aufgekommen war, rappelte sich jedoch schnell auf, bevor ihn jemand entdeckte.

Er wusste, dass er gesucht werden würde, sobald sie merken, dass er weg war.

Und dann würde der Richter ihm einen Beschluss verhängen durch den er wohl die nächsten Monate in dieser Klinik eingesperrt blieb.

Uruha rannte die Straßen entlang, soweit wie möglich von diesem Krankenhaus weg.

Erst als er kaum noch Luft bekam und seine bereits schmerzlich nach Aufmerksamkeit schrie, wurde er langsamer und blieb an einer Hausecke stehen. Er stütze sich an der Wand ab und versucht nach Luft zu schnappen.

Wo konnte er eigentlich hin?

Wenn er nach Hause ging, fanden sie ihn sofort. Und wo Sakito wohnte wusste Uruha nicht, denn auch seine Telefonnummer hatte er nicht.

Da viel ihm ein, dass er gar kein Handy dabei hatte. Damit war der Plan Sakito anzurufen schon mal zunichte gemacht.

Langsam lief Uruha die Straße entlang und dachte nach.

Als er an einem Kiosk vorbei kam, fiel ihm etwas ein.

Dieser Polizist, der ihnen geholfen hatte. Wie hieß er gleich noch. Tatsuya...? Nein…Takuya?

Überlegend betrat Uruha den Kiosk und lief zur Kasse.

Auf die Frage nach einem Telefon sah ihn der Verkäufer etwas skeptisch an, gab ihm jedoch das Haustelefon und behielt ihn im Auge.

Uruha wählte die Nummer der Polizei, zögerte jedoch mit der Wahltaste, denn er wusste gar nicht so recht was er sagen sollte.

Schluckend tippte er dann die letzte Taste und hielt sich das Telefon ans Ohr.
 

+~+
 

"Also lass mich das ganze einmal zusammenfassen...", brummte Sakito am Ende Takedas Erzählungen vor verzweifelter Wut und hatte die Hände unter dem Tisch zu Fäusten geballt.

"Ihr... ihr habt gar nichts?!"

Takeda nickte schwer seufzend und ließ die Stirn auf dem Tisch sinken.

"Nur Spuren an der Küste, aber die verlaufen sich immer mehr im Sand."

Takeda nickte erneut. "Durch den Sturm, der kurzzeitig an der Küste entlang gezogen ist. Anscheinend wussten die Täter das und haben es genutzt.", meinte der Polizist und sah wieder auf.

"Und ihr habt nur die Leichen in der Hafenhalle entdeckt? Sonst nichts?! Keine Fingerabdrücke?! Hinweise?!" "Nein Sakito, das hab ich dir doch bereits schon gesagt.", maulte Takeda niedergeschlagen und rieb sich das Gesicht. "Wegen dieser Hoffnungsloigkeit in diesem Fall und dem Geschick dieser Täter haben meine Kollegen alle schon aufgegeben. „Wir haben noch genügend andere Fälle“, haben sie zur Ausrede genommen, aber Sakito, sie haben irgendwo schon Recht... Wir haben alles getan! Wirklich, aber es gibt nichts! Wir haben sogar einen Polizeihelikopter herum fliegen lassen." "Dann lasst ihn nochmal rum fliegen! Es kann doch nicht sein, das ein Auto nicht auffällt!", regte sich Sakito auf und sprang auf die Beine. "Gut, dann such ich eben alleine weiter. Schönen Tag noch Takeda.", wollte er sich verabschieden und drehte sich um, als er ein Hand auf der Schulter spürte, die ihn festhielt. "Nein, ich will helfen, Sakito! Ich will nicht untätig herum sitzen! Dafür wurde ich nicht Polizist!" Nur langsam drehte sich der Anwalt wieder herum. "Dann sorg' dafür, das die Ermittlungen weitergehen und schick den Helikopter nochmal los. Sie müssen irgendwo sein! Such, wenn nötig, die ganze Küste ab!" Takeda nickte verstehend und verließ mit dem Anwalt zusammen das Büro, um sich sofort an die Arbeit zu machen und die Polizisten zusammen zu rufen.

"Ach mist...", fiel es Sakito wieder ein, als er aus dem Polizeigebäude trat. "Ich hab vergessen, das ich das Taxi nochmal brauche..."

"Hey! Sieh da!", rief jemand und verwundert drehte sich Sakito zur Seite und erkannte überraschend den Taxifahrer wieder, der ihm grinsend zuwinkte. "Ich konnte doch mein Auto nicht direkt vor dem Eingang stehen lassen, Irgendwie hatte ich es im Gefühl, das sie mich heute nochmal brauchen werden." "Ähm... vielen Dank, da haben sie Recht.", meinte Sakito immer noch etwas irritiert aufgrund seines Glücks und stieg ein. Auch der Taxifahrer stieg hinter das Lenkrad und funkelte ihn neugierig über den Rückspiegel an. "Wohin?" "Fahren sie einfach. Ich sag dann schon, wo sie abbiegen müssen.", meinte er nur ausweichend und kramte nach seinen Klemmbrett, um all die wenigen neuen Informationen darauf niederzuschreiben.

"Okay.", meinte der Fahrer nur enttäuscht und fuhr los.
 

Nach einer Weile und vielen Anweisungen Sakitos später standen sie schließlich vor einer Haltestelle. "Und sie sind sicher, das wir hier richtig sind?", fragte der Fahrer irritiert, der damit gerechnet hatte, etwas aufregenderes zu sehen. "Nein, nein... Wir sind schon richtig, danke. Wie viel macht das?" "Ano... 1202,94 Yen." Nickend nahm Sakito seine Geldbörse hervor und bezahlte den Fahrer, bevor er ausstieg. Ohne sich noch einmal umzudrehen ging Sakito los. Er verfluchte die bereits eingekehrte Dunkelheit, die er nach seinem Besuch bei Takeda ungewollt bemerkt hatte.

Als er seine Wohnung von weitem sah, ging er schneller. Weswegen er so vorsichtig gehandelt hatte, wusste er nicht, aber er hatte lernen müssen, nicht jeden zu vertrauen.

Er ging also rein und hing seine Jacke auf, nachdem er seine Halbschuhe aus dem Krankenhaus von den Füßen gekickt hatte. Er wollte sich nur schnell etwas zu essen machen, sich andere Schuhe suchen und seine Detektivausrüstung schultern, bevor er dieses Mal mit seinem Auto weitermachen würde.
 

+~+
 

Als Uruha die Stimme eines Polizeibeamten hörte, blieb ihm für einen Moment die Stimme weg.

„A-ano... ich... ich würde gern mit einem ihrer Beamten sprechen. Takuya oder... Takeda oder so ähnlich?“, sagte er dann leise und hoffte, dass er wenigstens annähernd den Namen erkannt hatte.

„Takeda?“, wiederholte die unbekannte Stimme am anderen Ende der Leitung, „Ich werde Sie verbinden. Wie heißen Sie denn?“

Uruha schluckte und sah den Verkäufer kurz an, ehe er ihm den Rücken zudrehte. Vor ihm stand eine Nudelpackung auf der der Name „Kobayashi“ stand und so stellte er sich einfach unter dem Namen Kobayashi vor.

Endlich hörte er das Freizeichen, das ihm deutete, dass er verbunden wurde.

Hoffentlich lief alles gut.
 

+~+
 

Gerade als Takeda mit einer Schar an Polizisten die Polizeistation verlassen wollte, wurde er von einem seiner Leute, die zurückbleiben würden, um die Menschen, die ebenfalls Hilfe suchten, nicht vollkommen im Stich zu lassen, zurückgerufen. Genervt blieb er stehen und wandte sich um. "Was denn noch?", fragte er und war mit dem Gedanken schon ganz weit weg. "Da ist jemand für sie am Telefon." "Humpf...", machte Takeda und winkte seinen Leuten zu, sich schon mal in ihre Streifenwagen zu stürzen und bereits ohne ihn loszufahren. Ihre Anweisungen hatten sie ja von ihm erhalten und davon nicht zu wenig. "Soll ich ihn abwimmeln?" "Wer ist es denn?" "Irgendso'n Kobayashi.", meinte der Polizist und Takedas Brauen hoben sich. Verwirrung spiegelte sich in seinem Gesicht wieder und nun sah auch der andere Polizist verwirrt aus. "Soll ich ihn nun abwimmeln?" "Was? Nein nein...", murmelte Takeda mit nachdenklich verzogener Stirn und lief schnellen Fußes an dem Mann vorbei, um in sein Büro zu gelangen. Schnell hatte er es aufgeschlossen, schloss die Tür hinter sich und entriss anschließend dem Telefon den Hörer. "Takeda hier. Wer sind sie und was wollen sie?! Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.", meinte er lauernd und lauschte angestrengt.
 

Als er die Stimme vernahm zuckte er kurz zusammen, denn die Tonlage erschreckte Uruha doch schon etwas. Für einen kurzen Moment blieb ihm die Stimme weg, wodurch er sich räuspern musste.

"A-ano... Takeda?", fragte er nochmal leise nach und starrte noch immer die Packung im Regal vor sich an, "hier ist..Takashima... ano... Takashima Kouyou..."

Er wusste nicht, ob der Name dem Beamten etwas sagte, doch Uruha hoffte inständig, dass er ihm helfen konnte.
 

Als er diese ihm bekannte Stimme und noch dazu den ihm bekannten Namen hörte, riss Takeda überrascht die Augen auf. Natürlich erinnerte er sich! Diese Szene in dem OP-Saal, in dem verzweifelt um Reitas Leben gekämpft wurde, würde er nie vergessen! An dem Tag hatte er auch Kouyou kennen gelernt, aber... nach seinem Wissen müsste dieser sich doch noch im Krankenhaus befinden, oder nicht?! Hatte er etwas wichtiges verpasst? Hatte man ihn entlassen? "M-Mensch... Kouyou... Ich hätte nicht gedacht, das ich deine Stimme in nächster Zeit hören würde. Bist du schon entlassen?", fragte er erfreut und überrascht zugleich. "Ich weiß natürlich, was passiert ist, aber... wir werden alles daran setzen, ihn zu finden, glaub mir! Aber was mich interessiert: warum rufst du mich an? Was ist mit Sakito?", wollte er wissen und aus irgendeinem Grund hatte er ein schlechtes Gefühl in der Magengegend. Hätte er ihn vielleicht nicht alleine losfahren lassen sollen?
 

Bei diesen Worten musste Uruha doch leicht zittern.

Was würde passieren, wenn er ihm davon erzählte, dass er einfach abgehauen war?

Würde er ihn wieder dort hin zurück bringen? Jetzt war der Brünette doch ziemlich unsicher.

"Ich... na ja... nicht direkt.", gab er deswegen als Antwort wieder und hoffte, dass Takeda ihn irgendwie verstand.

"Ich... ich weiß nicht, wo Sakito wohnt...", antwortete er erneut und senkte seinen Blick Richtung Boden.

Seine Klinik Klamotten waren doch irgendwie offensichtlich, auch wenn man es für einen Jogginganzug halten könnte.
 

Überrascht hob Takeda die Brauen. "Ah... Ich verstehe...~ Ihr seid mir wirklich ein paar Chaoten, aber was wäre ich nur ohne euch?", seufzte er leicht grinsend und sah zu den Fenstern, die mit Schalousinen bedeckt waren, ob nicht vielleicht eines davon offen war, oder ob die Tür geöffnet wurde und jemand lauschte. "Sag mir, wo du bist und ich hol dich ab, bevor dich noch jemand wegfängt und zurückbringt.", sagte er und schnappte sich seinen Hut und einen zur Farbe passenden bechen Mantel seines Garderobenständers. Diese Sachen mussten doch zur Tarnung eines Entflohenen reichen, oder?
 

"Gomen...", nuschelte Uruha etwas schuldbewusst und er warf einen kurzen Blick auf den Kioskbesitzer, der ihn bereits etwas skeptisch betrachtete.

Doch er warf gleich wieder den Blick aus dem Fenster, um auf einem Schild den Straßennamen zu erhaschen, den er Takeda auch sofort durchsagte.

"Ano...arigatou..", murmelte der Brünette nach einiger Zeit leise und legte schließlich auch auf. Er hoffte jetzt nur noch, dass ihn kein anderer fand. Er gab das Telefon zurück und verneigte sich mit einem Dankeschön.

Jetzt wusste er nur nicht wo er hin sollte.

Sollte er hier drinnen warten? Oder draußen?

Eigentlich war beides für ihn etwas unangenehm, denn draußen war das Risiko größer gefasst zu werden, doch hier drin war der Besitzer bereits in Alarmbereitschaft.

Etwas unsicher blieb Uruha dennoch stehen.
 

"Okay, hab verstanden. Ich versuche so schnell wie möglich da zu sein. Ist schon okay, Kouyou. Ich bin doch auf eurer Seite.", meinte er grinsend und legte ebenfalls auf. Dann verließ er eilends das Büro, schloss rasch ab und rannte an den verwirrten Polizisten vorbei zu seinem Auto, um die Sachen, die er mitgebracht hatte, auf die Rückbank zu werfen und sich hinters Lenkrad zu setzen. "Auf auf Takeda!", spornte er sich an und startete den Motor, während er sich hastig anschnallte. Dann ließ er die Sirene aufjaulen und fuhr ihm schnellen Tempo los. Seinen Männern hatte er mit Hilfe seines Autotelefons mitgeteilt, das sie vorerst ohne ihn weiter suchen mussten.
 

Kaum hatte er die ihm von Uruha genannte Straße erreicht, sah er sich nach dem Laden um, den er ebenfalls erwähnt hatte. Dann fuhr er an die Seite, stellte die Sirene ab und verließ den Wagen, dessen Motor noch immer lief. Er wollte schließlich nur Kouyou abholen. Doch kurz bevor er den Laden betrat, fiel ihm etwas wichtiges ein, was er noch beachten musste, wenn er noch länger seine Dienstmarke behalten wollte. Nur zur Vorsicht natürlich...

Eine ernste Miene aufsetzend stürmte er den kleinen Laden, dessen Ladenbesitzer ihn aus großen Augen anblickte. "Officer, ich...", wollte dieser ansetzen, da er verwirrt über den Besuch war, ließ seinen Blick allerdings zu Kouyou weiter wandern, der ihm schon die ganze Zeit als hier fehl am Platze vor kam.

Währenddessen fixierte Takeda Kouyou und zwinkerte ihm möglichst unauffällig zu, ehe er mit großen Schritten auf den etwas zurückweichenden Blonden zu ging, während er weiterhin die ernste Miene miemte. "Da bist du ja!", meinte er etwas erleichtert klingend, legte seinen Arm um Kouyous Schulter und dirigierte ihn zu Tür, während er möglichst sichtbar für den Ladenbesitzer seinen linken Arm fest im Griff hatte, natürlich darauf bedacht, nicht sein Handgelenk zu erwischen, denn von dem Vorfall hatte er erfahren. "Lauf nie wieder weg, ja?", richtete er seine Worte wieder an Kouyou, als ob er mit einem Kind reden würde und dirigierte ihn lächelnd aus dem Laden heraus. "Ich bring dich jetzt nach Hause.", meinte er noch möglichst verständlich für denn Ladenbesitzer, der ihnen nun verstehend hinterher sah. „Tut mir Leid, mein Herr, für die Unannehmlichkeiten!“, rief er noch zu dem Mann im Inneren des Ladens und hob die Hand zum Abschied.
 

Dann öffnete Takeda die hintere Tür seines Dienstwagens und ließ seinen Arm los. "Steig ein, Kouyou.", bat er ihn drängend, aber mit leiser Stimme und kaum war der Blonde eingestiegen, lief er um den Wagen herum und setzte sich hinters Steuer. "Tut mir Leid, aber ich musste so tun, als ob ich meine Pflicht tue. Du siehst nicht gerade unauffällig aus, verstehst du?", erklärte er und fuhr los, dieses Mal ohne Sirene, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. "Ich hab dir Sachen hingelegt. Sie dürften dir zu groß sein, da ich nicht gerade deine Statur habe, aber sie müssten zur Tarnung reichen. So... dann bring ich dich mal zu Sakito und hoffe, das er noch da ist. Ansonsten musst du bei mir bleiben oder wir versuchen ihn auf Handy zu erreichen."
 

Verunsichert blieb Uruha auf seinem Platz stehen.

Wie lange er wohl warten werden müsste? Er hoffte wirklich, dass es nicht all zu lange dauerte, denn der Besitzer des Ladens beäugte ihn bereits skeptisch.

Der Brünette ließ den Blick sinken und zupfte nervös am Ende seines Hemdes herum.

Als Takeda schließlich den Laden betrat atmete Uruha etwas erleichtert auf. Da er noch immer den Blick gesenkt hatte, bemerkte er nicht wie Takeda ihn anzwinkerte.

Bei den Worten des Beamten rutschte ihm das Herz etwas in die Hose, doch für ihn brachte es nichts, jetzt abzuhauen.

Immerhin wusste er nicht wohin, mal davon abgesehen, dass Takeda ihn wohl sowieso einholen würde.

Etwas geknickt lies er sich von Takeda "abführen", stieg in den Wagen und knetete etwas nervös seine Hände.

Nachdem er die Türe auf der Fahrerseite zugehen hörte sah er ganz zögerlich auf, entspannte sich aber doch wieder leicht, als er hörte, dass sie nun zu Sakito fahren würden.

"... Vielen Dank...", antwortete der Brünette und lächelte zaghaft. Er wandte den Blick nach hinten zu den Klamotten und nickte leicht. Nach kurzer Zeit, hatte er die zu großen Kleidungsstücke übergezogen und wandte den Blick aus dem Fenster.

Hoffentlich war Sakito da...
 

"Ach was... nicht dafür.", winkte Takeda grinsend ab und warf einen Blick in den Rückspiegel, als er glaubte, Uruha müsse fertig mit anziehen sein. "Hm... Entweder ich muss abnehmen oder du musst eindeutig zunehmen! Aber... sieht irgendwie witzig aus. Hoffentlich empfinde nur ich das so. Deine Tarnung soll ja nicht auffliegen. Schnallst du dich bitte an? Wir haben nicht viel Zeit.", meinte er und kaum hatte Uruha sich angeschnallt, erhöhte er die Fahrgeschwindigkeit, um letztendlich die letzte Einbiegung einer endlos vorkommenden Straße zu nehmen und vor einem Haus zu stoppen. "Wir sind da. Setz lieber den Hut auf und hüll dich richtig in den Mantel ein. Das Krankenhaushemd könnte dich verraten und mir den Job kosten.", erklärte Takeda noch, stellte den Motor aus, entschnallte sich und stieg aus dem Wagen, um Uruha die Tür aufzuhalten, nachdem er vorerst um den Wagen herumgelaufen war. Er half den Blonden auf die Füße, um den Wagen abzuschließen. Polizisten waren eben nie gerne gesehen und es gibt immer irgendwelche Idioten, die es wagen, einen Streifenwagen zu stehlen.

Gemeinsam gingen sie dann zu Sakitos Haus hinauf und Takeda klingelte gleich mehrmals, ungedulig.
 

Ein leichtes Lächeln stahl sich auf Uruhas Lippen, als er sich vorstellte, wie er wohl aussehen musste, vor allem nachdem was Takeda ihm sagte.

Er nickte jedoch gleich, zog sich die Jacke etwas enger, schloss sie bis auf den letzten Knopf um den Hals und nahm sich dann denn Hut.

Er strich sich die Haare nach hinten zusammen, als würde er sich einen Pferdeschwanz binden wollen, drehte sie leicht ein und hielt sie sich auf dem Hinterkopf fest bis er den Hut darüber gezogen hatte, sodass sie unter der Kopfbedeckung verschwanden.

Den Hut zog sich Uruha etwas tiefer ins Gesicht, denn nach all dem was Takeda für sie getan hatte, wollte er nicht der Grund sein, weswegen er den Job verlieren konnte.

Er stieg aus, und folgte dem Beamten bis zur Türe, wo er etwas hinter ihm stehen blieb und wartete.

Hoffentlich war Sakito zu Hause. Etwas nervös und angespannt verkrampfte er seine Hände in den Jackentaschen und biss sich leicht auf die Unterlippe.
 

+~+
 

Zum Glück ahnte Aoi nichts von Hizumis zweifelnden Gedanken und dessen inneren Kampf, den er führte. Zu sehr war er seiner Erschöpfung ergeben, doch er vertraute Hizumi, welcher ihm versprochen hatte, ihn zu wecken, wenn es los ging. Aoi wollte dabei sein... musste dabei sein! Denn dann würde er ja sehen, ob seine Entscheidung richtig war, wie es Reita ging und was passiert war, würde den Boss wieder sehen... und dennoch hoffentlich nie wieder leiden müssen... und wenn doch und wenn Reita bereits Tod war, dann sollte es endgültig vorbei sein. Hizumi hatte versprochen ihn gehen zu lassen, also würde auch dieser sich nicht gegen seinen Willen stellen.

Aber wer wusste schon... was ihn noch alles erwartete...?
 

+~+
 

Mit ungeduldiger Miene schritt Shi auf und ab, knurrte immer wieder auf, wenn er kurz davor war, durchzudrehen, weil es nicht weiter ging und sie immer noch auf die ersten Sonnenstrahlen warteten, die er sonst so sehr hasste und nun liebte, aber so lange darauf warten musste, bis er bekam, was er brauchte. Seine viel zu langen Fingernägel hatte bereits seine Arme ganz blutig gekratzt, aber es kümmerte ihn nicht und immer, wenn er etwas gehört zu haben glaubte, zuckte sein Blick in diese Richtung. Meistens war es jedoch nur der Boss in seinem über dem Schauspiel erhöhten Sitz, der sich rührte und die Position wechselte, da sein Hintern ihm weh tat. Shi knurrte jedes Mal wütend, wenn er dies tat. Er machte ihn noch verrückter mit seiner Dummheit und seinem Egoismus. Doch so war er ja schon immer gewesen... dumm, egoistisch, rechthaberisch, nervig und fantasielos und eben aus jenen Gründen war er es... Shi... der der Bessere von ihnen war. Doch er kostete seinen Ruhm nicht aus. Prahlerei war eine Schwäche der Menschen... Er war anders. Ganz anders...

Doch seine Schwäche war wohl die Ungeduld, wie er wiedermal feststellen musste, doch wie sollte er sie auch unter Kontrolle bekommen, wenn bisher alle seine Opfer den schnellen Tod gefunden haben?! Aber... er musste zugeben... die Idee seines Mitstreiters seiner Leidenschaft war eine verdammt Gute... Mal etwas anderes... Aber er musste sich gedulden! Wieder knurrte er auf und ging wieder in die andere Richtung. Sein Blick unterdessen zu seinem Sklaven und diesem... anderen, für den er keinen Namen hatte und auch keinen brauchte, denn sterben würde er sowieso und ein Grabstein würde er auch niemals bekommen. Lachhaft... Wenn jeder Grabsteine setzen würde, der so etwas herrlich abstoßendes wie er tätigte, dann würden die Straßen mit Grabsteinen beflastert sein! Unter Brücken, unter Mauern und Gebäuden... ja sogar ganze Landstriche davon bedeckt sein! Und man würde erkennen, das die ganze Welt ein einziger Grabstein ist!
 

Mit hasserfülltem Blick trat er näher an ihre beiden Opfer, die ihre Köpfe einander zugewandt hatten und als er die Tränenspuren auf ihren beiden Gesichter sah, musste er so sehr lachen, das der Boss vor Schreck fast aus seinem Stuhl gerutscht wäre. "Hahahah! Habt ihr's bald mal?! Was verschwendet ihr jetzt nach Jahren immer noch Tränen?! Das ist dumm... Lachhaft... Schwachsinn!", zählte er fast kreischte auf und kniete sich zu ihnen, wobei er einen kleinen Wortfetzen aufschnappte, welches von dem Namenlosen kam. Hasserfüllt griff er nach dessen Kehle, um sie ihn abzudrücken. Wut und Ungeduld hatte ihn blind werden lassen. Kato röchelte, hörte aber nicht auf, das Mantra an seinen Geliebten abzubrechen, auch wenn die Stimme ihm dazu fast gänzlich fehlte. Wieder liefen die Tränen nach und in dem Moment, wo sie auf Shis Hand fielen, hatte auch der Boss die Stimme erhoben, um ihm Einhalt zu gebieten. Widerwillig und vor Ekel verzogener Miene lockerte der Silberhaarige den Griff, sodass Kato wieder aufatmen konnte. Doch Shi beugte sich zu ihm hinunter. Mit einem Lächeln, das an Verrücktheit glänzte, hatte er sich zu seinem Ohr hinunter gebeugt. "Am liebsten würd' ich dir dafür die Zunge abschneiden...~ Was du tust, ist sinnlos. Du wirst ihn nie wieder sehen, dafür hab ich schon gesorgt...~", kicherte er und entfernte sich wieder mit einem Ruck. Die von einer Träne befeuchtete Hand wischte er sich mit verzogenem Gesicht an seinem Kittel ab und als er den Namenlosen nun auch noch unaufhaltsam Schluchzen hörte, musste er sich zurückhalten, um nicht wieder kehrt zu machen und ihm jeden nächsten Laut zu nehmen... Die Menschen waren schrecklich nervig! Doch... er musste geduldig sein. Nur noch wenige Stunden und der Tod war ihnen sicher, dafür würde er schon sorgen...
 

+~+
 

Schweren Herzens stand Hizumi auf, rief seine Leute zu sich und zog sich an. Es war soweit, die Aktion begann und die nächsten Stunden würden über Leben und Tod entscheiden... Hizumi bewaffnete sich bis unter die Zähne und steckte Messer und Pistolen ein. Auch schnallte er sich ein Katana auf den Rücken. Dann beugte er sich über Aoi und betrachtete ihn. Er war verliebt... Ohne Frage... Sein Herz schlug bis zum Hals und ganz behutsam, fast als berühre er etwas unendlich Filigranes, strich er ihm über die Wange und hauchte einen Kuss darauf. "Aoi...? Aufstehen..."
 

Als Aoi inmitten seines nur noch durch Albträume geplagten Halbschlafes, eine Berührung gleich eines kurzen hoffnungsvollen Windhauches, auf seiner Wange spürte, kräuselte der Schwarzhaarige die Nase und schlug verschlafen nach dem Übeltäter, ehe er sich auf die Seite drehte. Jedoch der sanfte Kuss auf die ebenso sanft berührte Wange, ließ ihn träge blinzeln, ehe er die Augen schließlich, wenn auch auf Halbmast, aufschlug. Wo war er hier? Wer...?

Aoi riss die Augen auf, als ihn ein hoffnungsvoller Gedanke kam und drehte sich wieder auf den Rücken, um Reita...

Er seufzte enttäuscht, als er Hizumi erkannte und ließ ein wenig verwirrt seine Hand nun an seine Wange wandern. "Ano... Ich dachte, du bist... Ach... nicht so wichtig... Geht es los?", fragte er anschließend und schluckte. Nervosität überfiel ihn und Angst davor, was ihn erwartete. Würden seine Zweifel sich bewahrheiten, oder gab es doch noch Hoffnung, die ihn, sogleich er es erkennen würde, innerlich zerbröseln ließen würde? Schließlich hatte er aus Verzweiflung und Angst etwas getan, was er vielleicht nicht hätte tun sollen...? Was sein Körper nicht hätte tun dürfen. Nicht verlangen dürfen...

Doch das was war, war doch aus vollkommen platonischer Sicht geschehen, nicht wahr? Aber... warum hatte ihn Hizumi dann geküsst? Oder irrte er sich?
 

Doch er vergaß vollkommen zu fragen, als er all die Waffen sah, die Hizumi an sich trug. "O-oh...", machte er und richtete sich mühselig auf. Sofort verzog er wieder das Gesicht, als er den Schmerz in seinem Unterleib spürte. //Nein, den hast du verdient.//, dachte er und biss sich kurz auf die Unterlippe, ehe er seinen Blick wandern ließ. Seine Sachen lagen wohl immer noch in Hizumis Arbeitszimmer verstreut. Ein wenig rot wurde er doch, als er daran denken musste und senkte verlegen den Blick. "M-muss ich auch eine... also... sowas tragen?", wollte er wissen und zeigte auf einer seiner Waffen, meinte aber alle, die er trug, denn Aoi war eher nicht der Typ, der wissentlich andere verletzen wollte... Obwohl... wenn er dem Boss gegenüberstehen würde... Er schluckte wieder. "Dann kann ich den.... dieses Mistschwein töten.", sagte er trocken, kalt, aber mit unscheinbaren Fragen auf den Lippen. Würde er es können, wenn er die Chance dazu hätte? Würde er wirklich zum Mörder werden für diesen Mann? Hatte er den Mumm dazu?

Und ohne das er's bemerkte, knabberte er unsicher auf seiner Unterlippe herum und stoppte am Bettrand seine Bewegung, nachdem er dorthin gerobbt war. "Hizumi...? Meinst du... Meinst du, das ich das kann?", wollte er seine ehrliche Meinung dazu wissen und sah zu ihm auf. Seine Stirn hatte sich nachdenklich verzogen.
 

// Ich dachte, du wärst Reita... Reita... Reita!// Dieser Name hämmerte HIzumis seinem Kopf, fraß sich wie ein Monster in sein Bewusstsein und ließ ihn zittern. Doch, sicher, Reita war mit Aoi zusammen. Für Hizumi gab es einfach keine Chance auf Glück oder gar die wahre Liebe... Wahre Liebe... Innerlich lachte er über seine Dummheit und die törichten Gedanken. Machte das Liebe aus einem Menschen? Nahm sie alle Rationalität und betrog sie den Menschen um Verstand und Logik? Nicht nur das tat die Liebe mit einem... Sie zerstörte auch... Ließ ihn dumme, komische Dinge tun und sorgte dafür, dass man sich selbst verlor... Hizumi sah Aoi an und hörte ihm dann zu. "Nein, du wirst ihn nicht töten, das werde ich nicht zulassen. Du wirst eine Schutzweste tragen, so kannst du nicht verletzt werden... Du wirst im Hintergrund bleiben und dich nicht einmischen, hast du gehört? Wir erledigen das, du darfst dann, wenn alles gut gegangen ist, deinen Freund in die Arme nehmen und feiern... //Reita... Gott... Ich kenne ihn nicht, aber ich hasse ihn...//
 

"Ist... ist alles in Ordnung, Hizu?", fragte der Schwarzhaarige zögerlich und verwundert zugleich. //Es war doch platonisch... oder nicht??//, fragte er sich nun doch wieder ängstlich, da er wieder glaubte, etwas falsch oder etwas wichtiges verpasst zu haben, doch er traute sich nicht, Hizumi darauf anzusprechen. Er hatte vorgehabt, es nie wieder anzusprechen. Es war NUR dieses eine mal gewesen! Dann würde er entweder vor Reita im Staub um Verzeihung betteln oder neben dessen Leiche sterben wollen oder... wenn er ihm nicht verzieh...

//Hoffentlich vergisst Hizumi das nicht...//, dachte er und schluckte, versuchte unter der Decke seine zitternden Hände zu verstecken.

Er spitze interessiert die Ohren, als Hizumi auf seine Frage antworten wolle, ob er sich vorstellen könne, wenn er den Schänder seines Lebens und den Reitas töten würde, wobei ihm wieder einfiel, das er sich auch dafür noch tausendmal entschuldigen müsse, obwohl er keine Ahnung hatte, wie er das anstellen sollte. Man zerstörte schließlich nicht dauernd jemanden das Leben... Wie entschuldigte man sich da? Konnte man das überhaupt? Würde er es können? Würde Reita ihm verzeihen, wenn... wenn er noch konnte?

Dann lauschte er wieder auf. Ließ Gedanken kurz Gedanken sein.

"I-im Hintergrund?! Aber ich will auch etwas tun! Ich kann doch nicht einfach Däumchen drehend darauf warten, das ihr mir helft, wofür...", begann er sich aufzuregen und biss sich jäh auf die Unterlippe, als ihm wieder etwas bewusst wurde. "Vielen Dank Hizumi, dass du mir hilfst, aber... ich würde so gerne auch helfen.", meinte er schließlich verzweifelt und zwang die Wut oder auch die Enttäuschung nieder, die ihn noch stärker zittern ließ.

"F-feiern?", lachte er gequält auf und sah Hizumi mit großen traurigen Augen an. "Die Qualen werden nie enden, Hizumi! Das war mein ganzes Leben schon so gewesen und wenn er wirklich leben sollte...", begann er und wirkte für einen Moment geistig abwesend, während ein seliges Lächeln seine Lippen umspielte, ehe er sich wieder fing und den Blick bedrückt senken ließ.
 

"Dann werd' ich ehrlich zu ihm sein und sagen, was ich von dir... verlangt habe. Was ich gewollt habe... und das nicht von ihm. Ich werde ehrlich zu ihm sein. Ja...", endete er seine Erklärung und sah wieder zu Hizumi auf. "Sagte ich dir nicht, den Ärger und die Qualen werden wir nie los bekommen? Irgendwie... führen wir nur immer wieder einen Teil dazu bei. Ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, in unserem Wissen oder nicht, es ist... wie ein Teufelskreis, in dem wir gefangen sind und nicht raus können.", meinte er und ein bitteres Lächeln lag nun auf seinen Lippen. Schließlich erhob sich Aoi, krallte sich dabei allerdings in die Decke, damit diese sein Geschlecht nicht entblößen würde, mit einer Hand, während er mit der anderen die Hizumis ergriff. "Und glaub mir bitte, Hizumi. Ich habe es nicht bereut.“, versuchte er ihm zu versichern und ließ den Kopf nachdenklich sinken. //Inzwischen weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. War das nur der Durst meines Körpers, oder bin ich echt unersättlich, allen Schmerz zuzufügen?//

„Doch wenn Reita... nun doch leben sollte... was ich an Hoffnung schon so gut wie aufgegeben habe, da ich spüre, wie mir das Herz geschnürt wird, jede Sekunde mehr, die verstricht. Doch...", fuhr er weiter fort, doch unterbrach sich, während er auch Hizumis Hand wieder entließ. "I-ich werde dafür gerade stehen, was ich getan habe. Was ich mir gewünscht habe und ich bitte dich, wenn dies tödlich endet, gib dir nicht die Schuld oder hasse ihn dafür! Für seine Schwäche muss man gerade stehen und wenn es zu Ende sein sollte, dann hatte ich wenigstens ein paar Momente gehabt, in denen ich glücklich war.", meinte Aoi, sah wieder auf und blickte Hizumi aufmunternd lächelnd an. Anschließend wickelte er sich dann die Decke um die Hüfte. "Ich geh mich nur schnell umziehen. Die Sachen sind noch drüben. Dann... Dann kann es losgehen.", sagte er ungewohnt gut gelaunt, um Hizumi nicht weiter Sorgen zu bereiten und um sich selbst zu betrügen, denn in Wahrheit hatte er einen riesen Schiss vor dem hoffentlichen Finale...? Würde Hizumi und seine Bande ihm wirklich helfen können, seinen Reita wieder zu bekommen? Und wie ging es diesem gerade? Bestätigten sich seine Vorahnungen? Konnte man ihm noch helfen?! Was würde mit dem Boss geschehen? Würden sie jemals ein normales Leben führen können? Frei von Gewalt und Schmerz?

Fragen über Fragen häuften sich in seinem wirren Kopf und er hoffte, bald auf alles eine Antwort zu erhalten, egal wie gut oder schlecht sie waren. Schocken konnte ihn soweit vieles nicht mehr...
 

~+~
 

Gerade stolperte Sakito aus der Küche heraus, im Mund ein eben schnell gemachtes Sandwich, in den Händen seine Tasche mit den wichtigen Utensilien wie z.B. seinen Laptop oder eine Pistole, die er sich zum Schutz einmal gekauft und lizensiert hatte, seine Autoschlüssel samt Hausschlüssel und sein Spionagekoffer, falls er Fingerabdrücke machen musste oder eine Taschenlampe brauchte. Besser vorbereitet sein, als gar nicht, lautete seine Devise.

Da klingelte es plötzlich an der Tür.

Ein missmutiges Brummen drang gedämpft aus seiner Kehle und schnell versteckte all seine Habseligkeiten im angrenzenden Wohnzimmer in einer Couchecke, bevor er die Pistole aus der Tasche zog und ein Kissen über den Rest warf, um alles zu verdecken. Wer wusste schon, wer ihn jetzt stören wollte?! Darauf bedacht, keine unnötigen Geräusche zu machen, schlich er sich zur Tür und sah durch den Türspion hinaus. Einen überraschten Laut ausstoßend, erkannte er Takeda und öffnete sofort die Tür, sah durch den Türschlitz. "Takeda, was ist denn noch?! Du weißt doch, das ich los wollte! Ist was passiert?!", wollte er wissen, ohne den anderen zu begrüßen und erspähte noch jemand anderen, der sich hinter Takedas breiten Rücken versteckte. Mit gerunzelter Stirn steckte er sich die Pistole hinter der Tür unter den Hosenbund und öffnete daraufhin die Tür einen Stück weiter. Er musterte den Eingehüllten von oben bis unten, sah dann von Takeda wieder zu dem anderen und als dieser so aufsah, das er dessen Augen über den Mantel hinweg sehen konnte konnte, musste er schwer schlucken. Diese Augen! Die kannte er doch! "U... Uruh... a?", hauchte er erstarrt, wollte nicht wahrhaben, wen er da gerade, so hoffte er zumindest, vor sich hatte, wollte etwas sagen, doch stattdessen gaffte er den Eingehüllten völlig perplex an. Erst nach einer Weile rührte er sich wieder. "B-Bist du e-es?", fragte er mit leiser hoffnungsvoller Stimme und ihm wurde ganz schwer ums Herz. "Takeda! Wen hast du da mitgebracht?", wollte er wieder an den Polizisten gewandt wissen und blickte wieder zu dem Verhüllten. Der Polizist lachte auf, schob Sakito allerdings etwas beiseite, damit er eintreten konnte. "Super! Man erkennt dich nicht! Hab ich's doch gewusst.", rief er triumphierend und sah sich neugierig in Sakitos Wohnung um, dessen Frage er noch immer nicht beantwortet hatte. "H-hey!", versuchte dieser nun wieder auf sich aufmerksam zu machen, stand an der Haustür gelehnt und ließ den Blick wieder zwischen Takeda und dem Unbekannten hin und her wandern. "Klärt mich mal jemand auf?", bat er mit klagendem Tonfall in der Stimme und ruckte mit dem Kopf zum immer noch Eingehüllten, der nun ebenfalls eintrat, sodass Sakito die Tür schließen konnte. "Also ich weiß nicht, wer dieser Uruha sein soll, von dem du geredet hast, aber ich hab dir Kouyou mitgebracht und... ich lass euch am besten mal eben alleine.", meinte Takeda und zwinkerte Sakito grinsend zu, was dieser jedoch nicht mehr sah, da der Anwalt sich schon bei Uruhas richtigen Namen dem Verkleideten zugewandt hatte. Vollkommen baff und einfach nur sprachlos, starrte Sakito seinen Uruha einige Sekunden an, ließ seinen Blick eher zufällig zu dessen verhüllten Handgelenke gleiten, eher er sich anschließend um Uruhas Hals warf.

"D-du Dummkopf!", schluchzte er geradeaus und klammerte sich an dem anderen fest. "W-warum?!", fügte er dem noch hinzu, nahm ihm mit zitternden Händen den Hut ab und zog mit einer Hand vorsichtig den Mantelkragen hinunter, um Uruha richtig ins Gesicht sehen zu können. Fragend und anschuldigend sah er ihn an.

Da war es wieder. Sein schneller Herzschlag. Sein rasender Puls. Seine Liebe. Sein Uruha direkt vor ihm, in seinen Armen und am liebsten würde er ihn nie wieder loslassen, doch er wusste, das ging nicht. Eigentlich schade, aber vielleicht ließe sich das irgendwann noch ändern...?

//Aus, Sakito! Vergiss nicht, was du eigentlich vor hattest! Überfall ihn doch nicht so!//, rief er sich zur Vernunft und löste sich nur widerwillig von Uruha. Peinlich verlegen blickte er ihn an und biss sich auf die Unterlippe. "T'schuldigung...", murmelte er und sah nach einem kleinen Lächeln wieder zu ihm auf, während er sich die Tränen aus dem Gesicht wischte und sich zu fassen versuchte. Allerdings wollte das Zittern nicht so recht aufhören und das Beben seiner Lippen ebenso nicht. "I-ich hatte schreckliche Angst um dich! Ich dachte, i-ich sehe dich nie wieder!", teilte er ihm mit zittriger Stimme mit und rang immer noch mit den Tränen.
 

Bis die drei Männer in der Wohnung standen hatte Uruha den Kopf gesenkt gelassen, nur kurz hatte er Sakito vor der Türe angesehen, doch den Blick sofort wieder nach unten gewandt.

Obwohl er erschöpft war, fühlte er noch immer die Nervosität in seinem Bauch, die sich so langsam in ihm breit machte.

Immerhin hatte Uruha Sakito seit diesem... Vorfall, nicht mehr gesehen und er hatte Angst vor dessen Reaktion.

Die Zeit, die verging während die beiden schweigend voreinander standen kam Uruha wie eine halbe Ewigkeit vor und nur langsam hoch er den Blick wieder an.

Im nächsten Moment spürte er jedoch schon Sakitos Arme um seinen Hals und er zuckte leicht zusammen, da er mit dieser plötzlichen Reaktion am wenigsten gerechnet hatte.

"I-ich weiß~", hauchte er leise auf dessen "Beleidigung" und mit Schuldbewusstsein in den Augen erwiderte er den Blick des anderen. "Es...es tut mir Leid..", nuschelte er und senkte den Blick.

Er wollte doch nicht, dass es den anderen dabei schlecht ging. Und je länger er sich damit auseinandersetzte, desto dümmer kam ihm sein Handeln vor.

Seine Tränen unterdrückend blickte er weiterhin zu Boden.

"... das... ich...", begann er, doch wie sollte er es erklären? Er wusste ja nicht ein mal selbst, wieso er es wirklich getan hatte.

Schließlich schluchzte er doch leise, fiel Sakito nun selbst um den Hals und entschuldigte sich immer wieder auf Neues bei ihm: "Es tut mir so Leid... ich... das... tut mir Leid..."
 

"Ich hätte dich verlieren können...", sagte er mit belegter Stimme und senkte ebenfalls den Blick, so wie Uruha es auch tat, um seine roten Wangen zu verdecken. Das Uruha jedoch einsah, dass er Dummes getan hatte, ließ ihn aufatmen. So konnte Sakito wenigstens schon mal hoffen, das es nicht noch einmal geschehen würde. "Du hättest somit den Problemen zwar aus dem Weg gehen können, doch du hättest alle, die dich l... ich meine, denen etwas an dir liegt, alleine gelassen. Alleine mit ihren Problemen. Mach das nie wieder... Bitte, Kouyou.", bat er ihn mit ernster Miene und ernster Stimme, die trotz Versuch noch immer etwas angekratzt klang, und schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter, als er Uruha schluchzen hörte. "U-Uruha...", hauchte er hilflos, da er den anderen den Weinen sehen konnte, schließlich hatte er von Anfang an versucht, den anderen davon abzuhalten, traurig zu werden, was im Nachhinein teilweise nicht der richtige Weg gewesen war, aber Liebe macht Blind, oder nicht? Doch weiter konnte er nicht nachdenken, denn nun war es Uruha, der sich ihm um den Hals warf und ihn überrumpelt zurück stolpern ließ. Doch reflexartig schlang Sakito seine Arme um den zitternden jungen Mann, der seine Entschuldigung wie ein Mantra vor sich her stotterte. Beruhigend strich ihm Sakito über den Rücken. "Schttt... Es war schon eine Entschuldigung genug, als du es eingesehen hast, dass es dumm war. Mehr wollte ich nicht hören und jetzt hör bitte auf zu weinen. I-ich kann dich so nicht ertragen...", gestand Sakito mit warmer Stimme, löste seine Umarmung und die von Uruha, nur, um diesen dann mit einer schnellen Bewegung unter den Achseln und den Kniekehlen zu packen und ihn zur Couch zu tragen, wo er sich niederließ und den Blonden wieder umarmte, um ihn sogleich wieder beruhigend über den Rücken zu streicheln. Das dieser nun auf seinem Schoß saß, nahm er schon gar nicht mehr war, da er sich diese Nähe schon so lange gewünscht hatte und da Uruha auch nicht zu meckern schien, was sein Herz fröhlich springen ließ. All die Sorge von zuvor, war wie weggeblasen, jetzt, da er Uruha wieder in seinem Arm halten konnte und wie er da so saß, so glücklich und doch wieder nicht, konnte er die erneut laufenden Tränen nicht mehr zurückhalten. Es wäre taktlos, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, sein Liebesgeständnis noch einmal zu wiederholen, da er sich sicher war, das Uruha es beim ersten Mal nicht gehört haben konnte, obwohl der Moment so perfekt schien, aber das war er nicht, wie ihm Takeda wieder bewusst machte, indem dieser ins Zimmer trat und sich räusperte.

"Ähm... Ich will ja nicht stören, aber... wollten wir nicht Leben retten?" Sakito schrak von seinen Beobachtungen im Gesicht des Blonden auf und blinzelte mehrmals verwirrt, um sich seiner Umgebung wieder bewusst zu werden. "A-ano... n-natürlich... Wo war ich nur mit meinem Kopf?!", fragte der Anwalt peinlich berührt in den Raum hinein, schüttelte ihn kurz und ließ Uruha langsam neben sich in die Kissen der Couch gleiten, damit dieser aufstehen konnte. "Und ich befürchte, du willst mitkommen, hm?", fragte er an diesen gewandt und sah ihn besorgt an. "Hier ist es auch sicherer.", setzte er möglichst überzeugend hinzu, da er Uruha nicht in Gefahr bringen wollte. Abwartend biss er sich auf die Unterlippe.
 

Nachdem Uruha mit zur Couch gezogen wurde, versuchte er sich wirklich zu beruhigen, was ihm schwerer fiel als gedacht. Er schluchzte noch leise an Sakitos Schulter und hielt sich leicht an seinem Oberteil fest.

Als er schließlich Takedas Stimme vernahm zuckte er für einen Moment zusammen, aber nur, weil er damit nicht gerechnet hatte.

Doch als er hörte was dieser sagte war er plötzlich still.

Er wusste was Sakito meinte, als er ihm das sagte und ihn dabei an sah, aber er wollte helfen und nicht einfach hier rum sitzen. Vor allem nicht, nach dem was er selbst vor kurzer Zeit getan hatte. "Ich... komm mit~"
 

Schwer auf seufzend ließ sich Sakito wieder neben Uruha fallen und fuhr sich durch die Haare. "Okay... dann... bleib immer schön bei mir oder Takeda, hai?!", bat er den Blonden mit einem Unterton in der Stimme, die Uruha deutlich machen sollte, das jede Widerrede sinnlos war. „Ich geb' dir erstmal andere Klamotten, bevor wir losfahren. So würdest du dich auf Dauer erkälten.", meinte er fürsorglich, griff nach Uruhas Hand und zog ihn mit hoch, als er wieder aufstand. Nah bei ihm gehend, ihn sogar etwas stützend, da die Anstrengungen der letzten Tage schwer auf ihm lasten mögen, verließen sie gemeinsam die Wohnstube und machte selbst keinen Stopp, als er sein Schlafzimmer erreichte. Dort versicherte er sich, das Uruha genügend Möglichkeiten finden könnte, sich irgendwo festzuhalten und ging zu seinem großen Kleiderschrank, um darin nach einer passenden Hose und einem Oberteil zu suchen. "Hat man dir wenigstens eine Unterhose gegeben oder brauchst du eine?", wollte er wissen und zog gerade eine Hose aus dem Schrank.
 

Mit dieser Reaktion des Anwalts hatte Uruha doch irgendwo gerechnet, aber er nickte gleich zustimmend.

Lieber blieb er bei ihnen, als wenn er gar nicht mit durfte.

Er ließ sich widerstandslos mit ins Schlafzimmer ziehen, hielt sich leicht an seinem Arm fest und setzte sich dort erstmal auf die Bettkante. Er schlang die Arme um sich und beobachtete Sakito beim Suchen.

Diese Frage war ihm sichtlich unangenehm. Uruha hatte sich bisher nicht wirklich damit beschäftigt, was er trug, außer dass ihm die Krankenhauskluft zu weit war und er sie an der Seite etwas zusammen geknotet hatte. Aber jetzt wo Sakito ihn direkt darauf ansprach senkte er den Blick und schüttelte leicht den Kopf.
 

Da keine Antwort von Uruha folgte, wandte er sich kurz vom Kleiderschrank ab, in der Hand eine seiner Hosen und ein Shirt, was er soeben noch mit herausgezogen hatte, und konnte gerade noch sehen, wie der Blonde den Kopf geschüttelt hatte. Bei dieser Antwort färbten sich seine Wangen rot. Seine trocken gewordene Lunge ölte er ein, indem er bei dem Gedanken an Uruhas Nacktheit schwer schlucken musste. "S-so dann bekommst du noch eine von mir.", meinte er und wandte sich schnell um, um sich abzulenken und seine roten Wangen zu vertuschen. Schnell war eine Boxershorts gefunden, die bequem sein und sitzen musste und mit ihr zusammen, reichte er Uruha nun die Sachen, die er anziehen sollte. "Ich zeig dir das Bad.", murmelte er und bot ihm seine Hand, um ihm aufzuhelfen. Kaum hatte sich Uruha erhoben, führte er ihn weiter durch seine Wohnung und öffnete die Badetür. "Wenn du noch etwas brauchst... ich... bin in der Nähe. Ruf mich einfach.", bot er Uruha an und trat zurück, um ihm den Weg ins Bad freizumachen.
 

So unangenehm wie es Sakito war, war es Uruha auch. Er fühlte sich wie ein kleines Kind, das man umsorgen musste.

Er nickte leicht und stand langsam auf. "Danke..", antwortete er und nahm die Klamotten die er leicht an seine Brust drückte und so festhielt.

Uruha hielt sich leicht an Sakito fest und ließ sich das Bad zeigen.

Er blieb noch in der Türe stehen und hob seinen Blick langsam an.

"D-danke..", sagte er leise und schloss schließlich die Badtüre um sich um zuziehen.
 

"Kein Problem.", meinte Sakito lächelnd und wiederholte seine Worte an der Badtür noch ein weitere Mal, ehe Uruha dahinter verschwand. Am liebsten würde er ihn darin einschließen, damit er nicht mitkam, aber lieber wollte er ein wachsames Auge auf ihn ruhen, als ihn hier alleine zu lassen und wahnsinnig vor Unwissenheit werden zu lassen.

Schnell schüttelte Sakito den Kopf und erschrak als er Takeda erblickte. "Mensch... Erschreck mich doch nicht so.", schimpfte er halbherzig und trat von der Badtür weg. "Tut mir Leid. Wo wolltest du anfangen zu suchen? Am Hafen?" "Nein, an der Lagerhalle, wo man zuletzt die Leichen gefunden hat. Da fällt mir ein... Ich muss die Spurensicherung anrufen, um-" "Die hatten wir schon da.", meinte Takeda nachdenklich. "Aber es kann doch nicht sein, das keine Spuren gefunden worden. Das Auto muss... keine Ahnung... Tonnen gewogen haben! Vielleicht würde eine Erdprobe weiterhelfen können. Die Polizei hat ich bestimmt nur auf die sichtbaren Ergebnisse gestürzt. Doch was ist mit der Erde?" Nachdenklich legte Takeda die Stirn in Falten. "Hm... Kann sein, das dies tatsächlich noch nicht überprüft wurde. Man warum fällt mir das erst jetzt ein?!" "Mach dir keine Vorwürfe. Du hattest keine Ausbildung. Bist einfach da rein geschliddert. Als Anwalt hat man oft die verrücktesten Ideen, denn wenn es eine Möglichkeit gibt, gibt es meist noch andere." "Verrückt aber gut. Vielleicht sollte ich eine Ausbildung zum Anwalt machen?", gluckste Takeda und erhielt ein belustigtes Grinsen zur Antwort. "Dann müsstest du Jura studieren. Bleib lieber bei der Polizei. Der Job scheint dir zu gefallen." "Tut es auch. Gefällt dir deiner noch...?"Sakito ließ den Blick sinken und dachte über diese Frage nach. Doch, nach kurzer Schweigepause, schüttelte er schließlich den Kopf. "Wenn das hier vorbei ist, höre ich auf.", meinte Sakito und lehnte sich an die Wand. Takeda stutzte. "Und würdest du mir sagen, warum?" "Nach allem... was geschehen ist, würde ich alle andere Taten als Kleinvieh halten und nicht ernst nehmen. So würde ich mein Ansehen verlieren und meinen Job. Außerdem habe ich mir geschworen aufzuhören, wenn es Tatsache ist, das Aois Eltern Anwälte waren...", erklärte er und strich sich mit gerunzelter Stirn über den linken Arm. "Und...?" "Sie waren es..." "Uhm..."
 

~+~
 

Hizumi half Aoi beim Anziehen der schusssicheren Weste und strich über seine Brust. Schon bald würde es vorbei sein... mit ungewissem Ende... "Bist du bereit?" Er nickte ihm zu und wusste, dass einen keinen Weg zurück gab. In wenigen Stunden würde er Aoi verloren haben... So oder so... Er schnallte sich das letzte Messer um und rief dann seine Männer. Seine Stimme war wie gewohnt dunkel und gab einen Befehl nach dem anderen. Er berief eine Versammlung ein und befahl, dass die Männer in zehn Minuten fertig sein sollten.
 

Als sie 10 Minuten später ankamen, starrten ihnen wortlos eine Horde bis unter die Zähne bewaffnete, junge Männer entgegen, die alle aufgeregt ihren Anführer ansahen. Hizumi stellte sich schräg vor Aoi, verdeckte ihn nicht, aber gab ihm das Gefühl von Schutz. Dann erklärte er seinen Leuten den Auftrag und informierte sie über Opfer und Täter. Er teilte ihnen auch mit, was Kru herausgefunden hatte und schärfte ihnen nochmals ein, wie wichtig es war, dass Reita und mögliche andere Opfer überlebten. Dabei sah er zu Aoi und lächelte ihm aufmunternd zu. Was mit dem Ekel von Boss geschah, das überließ er ganz der Fantasie seiner Männer...
 

Nachdem sich Aoi im Nebenraum schnell angezogen hatte und für einen Moment über die sich leicht von seinen Hüftknochen abstehende Hose wunderte, war der Schwarzhaarige wieder zurück zu Hizumi gegangen, um sich bei der Schussweste helfen zu lassen. Hatte er wirklich so viel abgenommen, das er selbst den schlanken Hizumi übertraf?

Er schrak aus seinen Gedanken, als er Hizumis Hand auf seiner Brust spürte und erzitterte kurz. Schließlich war die Erinnerung an das, was hinter ihnen lag, noch allzu frisch. Doch daran durfte er jetzt nicht denken!

Er schluckte schwer und nickte ganz langsam, sodass ihm die Haare über die blassen Wangen fielen. "Ich hab nur... Angst...", gestand er murmelnd und schluckte erneut, als er das Messer auf blitzen sah, welches sich Hizumi in die dafür vorgesehene Tasche in seinem Gürtel steckte. Er zuckte zusammen, als Hizumi grollende Stimme ihn erneut aus seinen trüben Gedanken riss und sah mit großen Augen zu dem Schwarzhaarigen auf, biss sich auf die Unterlippe. Jetzt war Hizumi wieder anderes.... irgendwie... und das spürte Aoi, doch die Angst machte schnell dem Gefühl der Sicherheit platz. Auch nachdem Hizumi sich von ihm abwandte, folgte er ihm mit langsamen Schritten. Als dann jedoch Hizumis Gefolgsleute oder Freunde oder beides, alle aus ihren Winkeln gekrochen kamen, sah Aoi sich eingeschüchtert um und zitterte leicht. Die sahen ja alle... angst einflößend aus! Aber wiederum waren da Hizumis Worte und dessen Stimme, die ihn beruhigten, ihn von der Situation ablenkten und die sein Herz schneller schlagen ließ. //Er weiß tatsächlich wo er ist!//, dachte er und Erleichterung machte sich in ihm breit. Als Hizumi dann auch noch zu ihm blickte, brachte er ein dankbares Lächeln zu Stande und nickte. Er war mehr oder weniger bereit für diese Aufgabe. Unsicher wartete er ab was geschehen sollte und zuckte fürchterlich zusammen, als die gesamte Schar zu schreien begann vor Freude, teilweise sogar jubeln. Mit großen Augen und klopfenden Herzen wagte er es auf zusehen und erstarrte, als ihn jemand aus der Menge hasserfüllt ansah. Oder täuschte er sich?

Aoi schluckte, bevor er etwas sagen wollte, ihm aber keine Worte einfielen und wenn, dann wären diese wohl verloren gegangen in dem Lärm, der sich allmählich legte, als die Kämpfer aus dem Raum stürmten. Hastig sah Aoi sich um, doch der Mann, der ihn eben noch so feindselig angestarrt hatte, war verschwunden. Verwirrt drehte er sich um die eigene Achse, suchte die sich lichtende Menge ab und schrie vor Schreck auf, als eine Hand sich auf seine Schulter legte.

"Hallo~ Wir haben uns noch gar nicht kennen gelernt~", säuselte jemand mit fröhlicher Stimme in sein Ohr und Aois Herz rutschte ihm in die Hose, als sich noch zusätzlich ein Arm um sein Taille legte.

"Mein Name ist Tsukasa~ Und du... riechst nach Sex...", hauchte dieser Tsukasa ihm ins Ohr und Aoi kam es so vor, als ob dessen eben noch so fröhliche Stimme plötzlich in ein gefährliches, warnendes Knurren übergegangen war. Das war dieser Mann gewesen! Ganz sicher! Nicht einmal rot war Aoi geworden vor Verlegenheit, nach dieser Erkenntnis. Eher blasser. "Er gehört mir~ Hast du verstanden?", fügte Tsukasa dunkel hinzu und fuhr anrüchig mit der Zungenspitze Aois Ohr entlang, um vielleicht Hizumi zu erschmecken, denn kein anderen außer Hizumi sollte es wagen, den Gefangenen anzurühren. Nun verfluchte er sich dafür, das er solange fern geblieben war, um etwas Spaß mit Hizumis dritten Gefolgsmann zu haben. Kru hatte er nämlich schon vor langem aufgegeben. Nur Hizumi war schon lange sein Ziel, doch bisher war dieser nicht zu knacken und nun sollte es dieser... dieser... Fremde es geschafft haben! Unbändige Eifersucht und Wut brodelten in Tsukasa und am liebsten hätte er dem Gerippe vor ihm den schlanken Hals umgedreht... wenn dieser ihm nicht...

"Du kannst ihn haben!"

... gerade das zurück gemurmelt hätte. Überrascht hob Tsukasa die Brauen, ließ jedoch nicht von Aoi ab, während seine Hand, die zuvor noch auf Aois Schulter geruht hatte, zu dessen Kehle wanderte. "Was?!", zischte er und spürte, wie der Schwarzhaarige in seinen Armen erstarrte. Genugtuung überkam den Größeren. "D-du w-willst i-ihn haben...? W-wenn du gut zu ihm bist, d-dann kannst du ihn haben." "Willst du mir jetzt auch noch vorschreiben, wie ich mit ihm ungehen soll, oder was? Du traust dir ja was zu...! Dir ist bewusst, das ich dich ganz leicht...!", begann er und strich mit einem seiner langen Fingernägel Aois Hals entlang, was diesen die Augen schließen ließ. "Er hat es verdient, ja!", meinte Aoi schlug auf die Hand, jedoch war das nicht besonders klug, denn Tsukasas Fingernagel rutschte so blöd ab, das er ihn schnitt. Aoi jedoch verzog keine Miene, drehte sich nur schnell in Tsukasas Armen um, der noch überrascht von Aois Gegenwehr war, und stieß ihn von sich. Beide standen sich nun gegenüber und funkelten sich böse an, wurden dann jedoch von Hizumi unterbrochen.
 

Hizumi hatte sich soeben noch mit anderen unterhalten und sie nochmal zum letzten mal unterwiesen. Dann drehte er sich um und sah Tsukasa und Aoi zusammenstehen. Er ging zu ihnen. "Was hat wer verdient?"
 

Erschrocken sah Aoi auf, als Hizumi zu ihnen trat, senkte augenblicklich verlegen zu Boden und schwieg.

Tsukasa hingehen richtete sich siegessicher auf und stolzierte auf Hizumi zu, fuhr mit seinen schlanken Fingern über Hizumis gepolsterte Brust, hinauf zu dessen Hals, über den er anzüglich strich. Nach einer halben Umdrehung blieb er hinter Hizumi stehen und beugte sich zu dessen Ohr hinunter. "Mich~", hauchte er anzüglich und grinste süffisant.

Aoi biss sich währenddessen auf die Unterlippe. //Der will doch nur mit Hizumi spielen!//, dachte er und hob leicht den Blick, um so vielleicht festzustellen, ob Hizumi auf dieses Flittchen reinfiel. //Ich bin ihn für all das dankbar, was er für mich getan hat, da werde ich es nicht zulassen, das dieser...//, dachte er grimmig und funkelte Tsukasa böse zu.
 

Hizumi sah zwischen den Beiden hin und her. Er schenkte Tsukasa einen warnenden Blick und ging zu ihm, packte ihn am Kragen und drückte ihn gegen die Wand. "Tsu!", zischte er. "Wir haben eine Mission zu erfüllen und du wirst dich gefälligst zusammennehmen, ist das klar?! Ich hab hier das Sagen und das weißt du! Du schuldest mir absoluten Gehorsam! Und wenn du das vergessen hast, dann ist das sehr ungesund für dich, kapiert?! Also hör auf, Aoi Angst ein zu jagen oder ihm zu drohen!" Er hatte Tsukasa gegen die Wand gepresst und seine Augen flammten vor Feuer und Wut. Oh ja, Hizumi hatte verdammt gute Ohren. Dann drehte sich der Anführer von Tsukasa weg und ging zu Aoi hin, der immer noch zitterte. "Alles okay, Aoi. Mach dir keine Sorgen, ja? Noch heute bist du wieder mit deinem Liebsten zusammen und bald ist der ganze Schmerz der vergangenen Jahre vergessen und dann hast du auch mich vergessen. Aber das ist gut so, denn ich bin ein Teil deines Lebens, der dir nur Schmerz und Trauer gezeigt hat. Aber glaube mir, wenn ich dir sage, dass es auch noch andere Dinge gibt, schöne Erfahrungen, die du mit jemandem machen solltest, der bereits einen Platz in deinem Herzen hat." Bei diesen Worten sah er ihn an, das Feuer war aus seinen Augen gewichen und hatte einer tödlichen leere Platz gemacht. Hizumi war bereit. Bereit zu sterben, um seinem Schützling ein ruhiges, sicheres Leben zu sichern..
 

Überrascht hob Tsukasa seine fein nachgezogenen Brauen und erwiderte Hizumis Blick. Jedoch nur für kurze Zeit, denn diesem konnte er nie besonders lange standhalten ohne schwach zu werden. //Der Kerl macht mich rattig, egal was er tut, aber wenn er gehört hat, was ich dieser kleinen Hure zugeflüstert habe, dann...//, dachte er alarmiert und mit einem mulmigen Gefühl im Magen, als er auch schon am Kragen gepackt wurde und nach hinten gegen die Wand stolperte, von der sogleich Putz hinab regnete. Schmerzhaft keuchte er auf. Schweiß trat ihn auf die Stirn, als er Hizumis Worten lauschte. Nervös befeuchtete er sich die Lippen und jappste erschrocken nach Luft, als der Druck an seinen Schultern sich vergrößerte. Mit schnell schlagendem Herzen wagte er es aufzusehen und zuckte unter Hizumis Blick zusammen. "A-aber Hizumi...~ I-ich war... war nur wegen dir so...! Ich laufe dir schon seit Jahren nach und plötzlich verliebst du dich in den Nächstbesten!", meinte er leise zu ihm, trotzig, denn er glaubte zu wissen, das es nicht gut war, Hizumis Gefühle so offen zu legen.

"Es... tut mir Leid...", setzte er widerwillig hinzu und hatte den Blick reumütig gesenkt, während seine Hände sich zu Fäusten ballten. Doch Hizumi wandte sich einfach von ihm ab und beinahe wäre Tsukasa nach vorne gestolpert und weggeknickt, da seine Knie wie Gummi waren. Noch einen enttäuschten und wütenden Blick zugleich warf er diesem Schwarzhaarigen und Hizumi zu, bevor er sich abwandte und wie seine Vorgänger davor aus dem Raum lief.
 

Erleichterung hatte Aoi übermannt, als Hizumi dem anderen so offensichtlich ablehnte und ein freudiges Lächeln trat auf sein Gesicht, als er daran dachte, wie froh er sein konnte, Hizumi von der anderen Seite kennen gelernt zu haben, denn gerade wie er mit diesen jungen Mann umging, zeigte ihm deutlich, wie viel Macht er über seine Männer hatte und wäre er an Stelle dieses bösen jungen Mannes, dann hätte er sich wohl vor Angst in die Hose gemacht. Zumindest beinahe...

Als Hizumi auf ihn zu kam, schluckte er den Anflug von Nervosität hinunter und sah mit großen Augen zu ihm auf. Verwirrt legte er den Kopf schief, als Hizumi begann zu sprechen. "A-aber Hizumi! Warum sollte ich dich denn vergessen? Wie könnte ich? W-was redest du da?! Du hast mir keinen Schmerz und keine Trauer gezeigt!", meinte er entrüstet und stemmte die Hände in die gepolsterten Seiten. "Du bist doch überhaupt erst der Grund, warum ich noch lebe! Wenn du nicht an mich geglaubt hättest, dann hätt' ich wohl den Mut verloren...", setzte er noch hinzu und war zum Ende hin immer leiser geworden, hatte den Blick gesenkt. Als Hizumi ganz geendet hatte, sah er jedoch wieder auf, um etwas zu sagen, um sich zu bedanken, doch er erstarrte, als er in leere Augen sah, die ihren Glanz verloren hatten. "H-Hizumi?", fiepte er erschrocken auf und nahm dessen Gesicht in seine Hände, um es genauer zu betrachten oder besser: um sich zu versichern, was er gesehen hatte. "W-was hast du?! Ist alles okay? Hast du vielleicht... Angst? Du musst das nicht tun! I-ich kann da auch alleine hin!", meinte Aoi und versuchte dabei möglichst überzeugend zu klingen, was jedoch kläglich misslang. "Hast du was?"

//Er ist echt ein netter Kerl. Sowas in der Art hat bisher nur Reita zu mir gesagt...//, dachte er wehmütig und musterte Hizumi noch immer besorgt.
 

Hizumi brachte nicht mehr als ein schwaches Lächeln zustande. Er schüttelte den Kopf. "Nein Aoi... Alles ist gut.", sagte er und drückte beruhigend seine Hand. "Es ist nur so, weil ich konzentriert bin. Das ist normal.", log er. "Red nicht so einen Unsinn. Ich habe keine Angst, meine Bande ist bereit wie noch nie und sie alle werden dazu beitragen, dass alles in deinem Leben wieder gut wird. Du musst nur vertrauen und bitte tu nichts Unüberlegtes. Meine Männer sind bestens für solche Situationen ausgebildet und ich auch, Aoi. Halte dich nur von Tsukasa fern. Er scheint gewisse, völlig haltlose Besitzansprüche zu haben,und er scheint auch alles dafür zu tun, dass ihm nichts und niemand dazwischen kommt... Pass gut auf dich auf und wenn du das Gefühl hast, er will dir wirklich etwas tun, dann wende dich an Kru oder mich. Hast du verstanden, Aoi? Bald ist der Alptraum vorbei, alles ist überstanden und ich möchte dich sogar darum bitten mich zu vergessen... Es ist das Beste für uns beide, hörst du? Also... hör auf meine Worte und denk daran..." Er nahm seine Kette ab, ein silberner Anhänger in Form eines stirilisierten Drachens an einem schwarzem Lederband, und hängte ihn Aoi um den Hals. "Dein Talisman... Er hat mir immer Glück gebracht. Jetzt sollst du ihn haben.", sagte er leise und lächelte ihn dabei an.
 

Unverständnis spiegelte sich in seinem Gesicht wieder, doch zwang er den Drang nieder, zu widersprechen, indem er sich auf die Unterlippe biss. Nur langsam nickte er, hatte wieder den Blick gesenkt, doch als Hizumi meinte, es würde sich alles in seinem Leben bessern, schüttelte Aoi mit einer traurigen Grimasse den Kopf. //Er versteht es nicht... Es wird nie enden...//, dachte er und seufzte lautlos. Doch es war Unsinn, ihn immer wieder daran zu erinnern. Hatten sie nicht längst losgehen müssen?!

Mit sich hadernd, trat er von einem auf den anderen Fuß und rieb sich mit den Händen die Schläfen, versuchte den Kopfschmerzen Heer zu werden. Bitter lächelte er auf, als Hizumi ihn wie ein kleines Kind zurecht wies. "Woher soll ich wissen, wer Kru ist...?", wollte er schon leicht genervt wissen, verzog die Lippen zu einer Schnute, nickte. "Ja... verstanden...", grummelte er und riss schockiert den Kopf nach oben, als er Hizumis Bitte vernahm. Sein Kopf war mit einem Mal wie leergefegt. Aus großen Augen starrte er Hizumi an, blinzelte mehrmals, kniff sich, doch vor ihm stand immer noch Hizumi, der ihn vollkommen ernst anblickte, ohne jeglichen Schalk im Gesicht. "D-dann... W-was verlangst du da, Hizumi?!", fuhr er ihn mit wässrigen Augen an und trat zurück, sah wütend drein. "Ich soll dich verleumden und... und... dann sicher Rei belügen, was?", fragte er unglaubwürdig und zitterte abermals. "Und ich dachte, wir wären jetzt sowas wie... Freunde...?", setzte er mit schwacher Stimme hinzu und starrte zu Boden, während die Tränen über seine Wangen liefen, vorbei an seinen bebenden Lippen. "Warum...?", hauchte er einmal... zweimal... und zuckte zusammen, als Hizumi näher getreten war und anscheinend die Arme um ihn legen wollte. "N-nein! I-ich will das nicht!", rief er trotzig und boxte auf Hizumis gepolsterte Brust ein, schluchzte dabei laut auf. Die Worte des Größeren bekam er nur teilweise mit, da sein Schluchzen ihn immer wieder erzittern ließ, doch er bekam sehr wohl mit, um was es ging und das dort über seinem Herzen plötzlich etwas lastete. Heftig blinzelnd sah er nach unten und schluckte, als er den Talisman sah.

Mit immer noch tränennassem Gesicht blickte er schließlich zu Hizumi auf, der ihm ein Lächeln schenkte, und schüttelte den Kopf. "Wie soll ich dich vergessen...?", fragte er unwissend mit schwacher, leicht erhöhter Stimme, biss sich jedoch auf die Unterlippe, die noch heftiger bebte als zuvor, senkte die Lider und wollte an ihm vorbei in Richtung Ausgang gehen, aus dem auch die anderen Bandenmitglieder gestürmt waren, als er in seiner Bewegung erstarrte, da Hizumi sein Handgelenk fasste. Nur kurz warf Aoi einen Teils verzweifelten und Teils verletzten Blick zur Seite, riss sich jedoch los und ging weiter, wenn auch auf wackligen Beinen. "Danke. Ich werde ihn bei mir tragen.", meinte er noch mit belegter Stimme und verließ den Unterschlupf.
 

Hizumi starrte ihm nach. Warum verstand Aoi ihn immer falsch? Plötzlich spürte er etwas seine Wange herunter fließen. War es Blut? Hatte er sich verletzt? Zögernd fuhr er sich mit dem Finger die Wange entlang. Doch sein Finger war nicht rot. Nur... nass? Hizumi konnte es nicht glauben. Er weinte?! Hizumi wischte sich ärgerlich über die Augen. Was war denn jetzt los? Zeigte er etwa Schwäche? Hizumi schüttelte den Kopf und ging dann zu den Männern. "Los geht's!", koordinierte er und wies Aoi an, in seinen Wagen zu steigen und fuhr dann los.
 

Der Schwarzhaarige folgte stumm der Aufforderung des Bandeschefs, stieg in den Wagen und wandte sich sogleich dem Fenster links neben sich zu, um Hizumi ja nicht ansehen zu müssen. Unwirsch wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht und kurz nachdem er wieder eine klare Sicht hatte und sich seinem Spiegelbild gegenüber sah, hätte er am liebsten vor Wut das Glas eingeschlagen. Vor Wut auf sich selbst! Auf Hizumi und diese ganze bescheuerte Welt!

Lautlos ließ er seine Hand auf das kühle Glas wandern, um sein Spiegelgesicht abzudecken und gleich darauf die warme Stirn dagegen zu lehnen, wobei sein Blick auf den Talisman glitt, den er von H... von einem ihm Unbekannten geschenkt worden ist...

Wieder brannten Aoi die Tränen in den Augen und schnell schloss er sie, um das schlimmste zu verhindern.

Er wusste, das er ein schlechter Mensch war.

Er wusste, das er jämmerlich war und kompliziert, wie es Hi... jemand ihm einmal gesagt hatte...

Aber er hätte nicht gedacht, das er nach den vielen Jahren in Einsamkeit sogar ein schlechter Freund geworden war.

Anders konnte er SEINE Entscheidung nicht verstehen...

Doch was hatte er nur falsch gemacht?

Warum sollte er IHN vergessen?

Warum sollte es richtig sein, einen Menschen zu vergessen, der so viel für einen getan hat und man dachte, das sie nun Freunde seien?

Warum?!

Warum musste man ihm jemanden schicken, der einen länger an dieses grausame Leben fesselt, um ihn einem gleich darauf wieder zu entreißen?!

War es das Schicksal eines Engels?
 

Warum Hi... verdammt... Ich kann das nicht! Nicht einfach so... Nicht jetzt... Warum Hizumi?

Warum hab ich dich nicht verdient?

Hab ich denn Reita verdient?

Mit all meinen Macken?

Mit... meinen Fehlern?
 

Wieder strömten ihm die Tränen über die geröteten Wangen. Wieder versank er in Selbsthass, machte sich ganz klein auf seinem Sitz, und schaukelte während des Fahrens immer wieder vor und zurück, was er selbst kaum bemerkte.
 

Hizumi brachte die anderen endlich zu dem Anwesen, in dem Reita und die anderen gefangen gehalten wurden. Immer wieder hatte er während der Fahrt zu Aoi gesehen, doch sein Verhalten hatte ihm auch allen Mut geraubt. Er stieg aus, und pirschte sich zusammen mit Aoi und den Männern an das Schloss heran. Zuerst musste er Kru finden, und zu diesem Zweck legte er die Hände an den Mund und imitierte den Schrei einer Eule, nicht ungewöhnlich in dieser Gegend, aber ein eindeutiges Erkennungsmerkmal für Kru.
 

Eisernes Schweigen erfüllte den Wagen während der gesamten Fahrt. Nur die Geräusche, die von außerhalb kamen, ließen die Situation nicht ganz so trostlos wirken, doch niemand sprach ein Wort. Es gab nichts zu reden.

Stumm, schwach nickend, folgte er dem anderen aus dem Wagen und blieb mit etwas Sicherheitsabstand neben dem Auto, seinem Fahrer und Hizumi stehen und sah ehrfürchtig zu dem riesigen und düsteren burgähnlichen Gebäude auf. Schwer schluckte er und als er das Geräusch eines ihm altbekannten Tieres hörte, sah er sich nach diesem um und bestaunte den Himmel. Als er es jedoch in der Nähe rascheln hörte, stolperte er zurück zum Auto und sah sich um. Noch immer verließ kein Wort seinen Mund. Auch nicht, als etwas aus einem Gebüsch geschossen kam und Hizumi von dem Beinen riss. Entsetzt sah er hinüber zum schwarzen Knäuel und wandte den Kopf letztendlich ruckartig zum Fahrer. "Tun sie doch was!", bat er ihn mit zittriger Stimme und biss sich wieder auf die Unterlippe.

Er machte sich schon wieder Sorgen um Hizumi.

Sollte er selbst eingreifen?

Und warum lachte der Fahrer plötzlich?

Und warum lachte der Mann, der aus dem Gebüsch geschossen war?

Aoi verstand die Welt nicht mehr.

Wieder meldeten sich seine Kopfschmerzen und er verzog schmerzhaft das Gesicht.
 

"Buh!", hatte Kru mit tiefer Stimme gesagt, bevor er leise auflachen musste. "Du hast dir ganz schön Zeit gelassen, Alter.", setzte er dann tadelnd hinzu und erhob sich, wobei er Hizumi wieder auf die Beine zog. "Tut mir Leid. Konnte mich nicht mehr beherrschen. Das hier...", begann er und breitete die Arme aus ", ist ein riesiger Spielplatz. Der Wahnsinn! Und keine Wachen. Unsere Leute hab ich erstmal in Deckung gebracht. In dem Graben, wo ich auch den Ring von diesem Typen gefunden habe, den...", setzte er zur Erklärung an und sah sich um. Als er Aoi entdeckte, der eingeschüchtert vor ihm zurückwich, zeigte er grinsend auf ihn ", er sucht.", beendete er seinen Satz und wandte sich wieder an Hizumi. "Wenn das keine Action verspricht, dann schuldest du mir was.", meinte er, wandte sich ab und führte die beiden - Aoi folgte nur langsam und misstrauisch - zu den anderen, die sich mucksmäuschenstill in die Grube gehockt hatten und auf weitere Befehle seitens Hizumi warteten.
 

Hizumi erschrak ordentlich, als ihn etwas aus dem Dunkel angriff. Doch schnell realisierte er, wer es war und lachte ebenfalls. Mit Krus Hilfe stand er auf und klopfte seinem Freund auf die Schulter. "Du bist echt unmöglich, Kru! Mach das nie wieder.", grinste er und sah Kru an. "Alles okay mit dir? Geht es dir gut?", fragte er und befahl dann seinen Männern leiser zu sein. "Ein Spielplatz ist das hier nicht, höchstens vom Teufel persönlich.", sagte er seufzend. "Alle sind vorbereitet, wir werden lautlos in das Schloss eindringen, dort trennen wir uns und überzeugen uns von der Lage. unentdeckt zu bleiben hat oberste Priorität, ist das klar? Habt ihr noch Fragen?"
 

"Weiß ich. Hast du was anderes von mir erwartet?", erwiderte Kru nur grinsend und war voraus gegangen. "Ich bin kein Weichling, Hizumi. Klar geht's mir gut. Du hast mich ja spielen lassen.", meinte er, hob den Daumen seiner rechten Hand und sprang daraufhin in die Grube zu den anderen, um von dort wie auch die anderen auf Hizumis Anweisungen zu warten. Als es darum ging, noch die letzten Fragen stellen zu können, erhob sich Kru leicht. "Wer mit wem?", wollte er wissen und von den anderen kam unterdrücktes Lachen, doch sein Gesicht blieb ernst, wodurch das kleinste Glucksen sofort wieder erstarb, und sah fragend zu Hizumi auf.
 

"Die Gruppen wurden bereits verteilt, als wir in der Zentrale waren, du kannst dir aussuchen, mit wem du losgehen willst, meinetwegen auch mit mir. Die Aufgabenverteilung ist klar und ich möchte, dass Aoi bei euch mitgeht.", sagte er und sprach damit die Gruppe aus, von der er wusste, dass sie am stärksten und gleichzeitig aber auch am vorsichtigsten und ruhigsten war.
 

Verstehend nickte Kru und besah sich die Gruppen. "Dann pass ich auf dein Küken auf, hm.", brummte er und reckte den Kopf, um nach Aoi, der etwas abseits stand und von Hizumi verdeckt wurde, zu sehen und ihn heran zu winken. Da Aoi jedoch weiterhin ängstlich wie eine Salzsäule an seinem jetzigen Standpunkt verblieb, brummte Kru erneut auf und machte sich auf den Weg zu Aoi, der vor ihm zurückwich. "Du brauchst vor mir keine Angst haben, es sei denn, du willst es." Der Schwarzhaarige starrte ihn einige Sekunden lang an, ehe er schwer schluckend den Kopf schüttelte. "Gut, dann können wir los.", meinte er an Hizumi gerichtet und schob Aoi weiter, da dieser vor Angst immer noch nicht selbst gehen konnte, wie ihm genervt auffiel. //Super, aber Hizumi weiß, das er sich auf mich verlassen kann. Ich glaube, er würde es wollen, das ich mit dieser Bohnenstange gehe.//
 

Hizumi ging zu Aoi und legte ihm seine Hand sanft auf den Arm. "Aoi... Es wird alles gut... Du darfst keine Angst haben... Auch wenn es normal ist... Weißt du was? Wenn ich Angst habe... und das hab ich oft... dann zähle ich innerlich bis fünf... Konzentriere mich auf die Angst und lasse sie zu. Aber wenn ich bei fünf angekommen bin, dann lasse es nicht mehr zu, dass ich Angst habe. Und weißt du, was dann passiert? Ich spüre die Angst nicht mehr, sie ist weg und ich bin ganz ruhig. Und dann kann ich mich auf die Situation konzentrieren und nicht darauf, dass ich Angst habe.“
 

Aoi stemmte die Füße gegen den Boden vor ihm, damit er nicht gegen Hizumi stoßen konnte, der plötzlich auf ihn zukam, und Kru ließ knurrend von ihm ab, nachdem er nun selbst gegen Aoi geprallt war.

Maaaaa~n! Er wollte endlich seinen Spaß haben und sich in die Schlacht werfen! Doch dieser... dieser Aoi! - er wusste nun endlich seinen Namen - hielt mal wieder alles auf! Mit verschränkten Armen blieb er etwas abseits stehen und wartete darauf, das auch die letzten drei inklusive sich selbst weiter konnten, denn die anderen Männer warteten auch schon aufgeregt auf sie in der Nähe des Schlosses, versteckt hinter alten Büschen, die so aussahen, als ob der Tod an ihnen haftete. Vielleicht war es der Herbst? Schulterzuckend sah Kru in den Himmel. Sein Zeitgefühl beschränkte sich auf Tagesangaben, wie z.B. in zwei Tag wird dies und jenes getan, in fünf Tagen wieder etwas anderes, und um Jahreszeiten, die sich eh am Wetterumschlag bemerken ließen, aber nicht an genauen Angaben von Zeiten oder was für ein Wochentag ist. Für sie hatte all dies keine Bedeutung.

Und obwohl Kru nicht lauschen wollte, was Hizumi zu sagen hatte, hörte er doch mit einem Ohr zu und ein stolzes Grinsen trat in sein Gesicht. //Hizumi weiß eben zu allem einen Rat.//
 

Aoi hingehen starrte verwirrt in Hizumis Augen, die noch immer dunkel schienen und ab und zu verwirrte sich sein Blick auf dessen Lippen, die ihn vor kurzem noch darum gebeten hatte, ihn zu vergessen. Verständnislosigkeit herrschte in ihm, aber dennoch versuchte er trotz der beklemmenden Angst, den Sinn hinter Hizumis Worten zu verstehen. Nachdenklich legte sich seine Stirn in Falten und sein Augen fixierten einen Punkt zwischen Hizumis Augen, damit er ihm nicht länger in diese blicken musste. Viel zu hingerissen zwischen den Gefühlen und Gedanken wollte er seiner Bitte folgen und sie doch wieder missachten. Aoi wusste schlichtweg nicht, wie er sich gegenüber dem Größeren noch zu verhalten hatte, weshalb er auch auf der einen Seite froh war, nicht in Hizumis Gruppe zu sein, bei dem Gedanken an Kru, der ihm Angst machte, jedoch hoffte, Hizumi würde sich noch um entscheiden. Unsicher biss er sich auf die Unterlippe und fokussierte nun Hizumis Hand, welche sich auf seinen linken Arm gelegt hatte. Verwirrt nahm er dies zur Kenntnis, vergaß jedoch völlig, seinen Arm zurückzuziehen. Warum sollte er auch? Wenn Hizumi nun selbst wieder nach Kontakt suchte, warum sollte dann er, der „Unschuldige“, ihn auf seine Bitte aufmerksam machen, die er entweder falsch verstanden hatte oder sie schlichtweg nur unmöglich fand.

Um wieder ins Hier und Jetzt aufzutauchen, grübelte er angestrengt über Hizumis Worte nach, merkte jedoch, wie Ungläubigkeit jegliches Weiterdenken blockierte. "Du... und Angst?", wiederholte er mit zitternder Stimme und schluckte. "I-ich... bin nicht so stark wie du.", musste er sich dann eingestehen, da er Angst, die er versuchte zu verdrängen, auch lieber verdrängen wollte, als sie zuzulassen. Das hatte er sich in den letzten Jahren so angeeignet, denn wenn er sie zugelassen hätte, dann wäre er noch angreifbarer gewesen und so war es für ihn wohl das Beste, seine Gefühle einfach komplett abzustellen. Leider nur, hatte sich diese so besonderes Eigenschaft mehr und mehr verabschiedet, da das viele Hin und Her seiner Gefühle, seiner zerrütteten Seele und die vielen Umstände, des Helfens und Betrügends, ihm diese einzig noch vorhandene Stärke unmöglich machte. Wenn er es täte, würde diese starke Mauer, um die ihn viele beneiden würden, immer mehr reißen und ihn an Ende komplett hilflos zurücklassen. Zerstört. Wehrlos, wie ein kleines Kind.

"Ich... kann das nicht so wie du...", fügte er nach gefühlten Stunden hinzu und sah wieder auf. "Ich schaff das schon.", versuchte er Hizumi klar zu machen, griff nach dem Talisman und steckte ihn unter die Weste und unter Hizumis Shirt. Ein kleines Lächeln war dabei über seine Lippen gehuscht, was jedoch sogleich wieder verschwunden war. "W-warum Hizumi...? Warum willst du, das ich dich vergesse? Warum? ... Und wie? ... Wenn ich dich aus meinem Leben verdrängen müsste, würde ich jetzt nackt vor dir stehen, weil alles, was ich trage, dir gehört, oder gar nicht erst vor dir stehen... Ich würde Reita belügen und mit einer Lüge könnte ich nicht leben. Das weißt du. Und ich will mich nicht selbst belügen. Hasst du mich? Warum...", wollte er fortsetzen, doch seine Worte gingen in einem erneuten Schluchzen unter.
 

Kru, der nur mit einem Ohr gelauscht hatte, wandte sich mit gehobenen Brauen zu den beiden um. Er wusste nicht, was geschehen war, war er schließlich die ganze Zeit über hier gewesen, aber diese Auseinandersetzung verwirrte ihn. Hizumi hatte diesem Wicht Sachen geschenkt? Den Talisman, den er schon von Klein auf um seinen Hals getragen hatte, um den Kru in immer beneidete? Um den sie immer gekämpft hatten? Verwirrt verdunkelte sich sein Gesicht. //Und jetzt flennt der auch noch! Boah Hizumi, schlag ihn oder geh einfach von ihm weg. Das ist ja nicht auszuhalten. Gefühlsduselei...~ Da kräuseln sich ja die Fußnägel.//
 

Hizumi sah Aoi an und mittlerweile verstand er ihn auch nicht mehr... "Aoi, du musst dich zusammenreißen. Lass deine Vergangenheit hinter dir, wir haben andere Sorgen! Werd' jetzt nicht hysterisch, deinem Freund geht es mit Sicherheit schlechter und er braucht dich, Aoi!! Er braucht dich bei klarem Verstand!"
 

Und wieder riss Aoi die Augen auf. "B-Bitte?! Hysterisch?!!", wiederholte er fassungslos mit leicht erhöhter Stimme. "Ich bin bei Verstand!", versuchte er sich dann zu rechtfertigen, starrte Hizumi verletzt und wütend an, riss sich schließlich von dessen Hand los und rannte an ihm vorbei zu den Männern, von denen einer ihn ganz besonders böse anstierte, von dem Aoi allerdings wenig mitbekam, da er sich nicht nach Tsukasa umsah, der in der Menge lauerte, in dem er sich mit gesenktem Haupt zwischen die düsteren Fremden stellte und sich auf die Unterlippe biss. //Verdammt Hizumi... Dein Verhalten...// Aoi schüttelte den Kopf und fasste sich anschließend an diesen, plötzlich verunsichert, da er von allen angestarrt wurde und das nicht gerade freundlich, schließlich hatte er gerade ihren Boss und Freund angemacht... oder? //Bin ich vielleicht derjenige, der alles falsch versteht? Der... durchdreht? Der Hizumi dazu bringt, so gemein zu sein? Bin ich ihn Wahrheit gemein zu ihm?!// Aois Kopfschmerzen meldeten sich verstärkt wieder zu Wort und der Schwarzhaarige kniff schmerzhaft die Augen zusammen, während Tränen sich ihren Weg über seine Wangen bahnten. Er war so schwach...
 

Hizumi sah ihm nach, überfordert mit seinen Gefühlen und der Verantwortung für die 31 Männer, die auf seinen Schultern lastete. Er sah Aois Tränen, gab seinen Männern wütend ein Zeichen, dass sie schon mal losgehen sollten und wandte sich an Aoi, sah ihn an und umarmte ihn, drückte ihn fest an sich und versuchte ihn zu beruhigen. "Shh... nicht weinen... okay?", murmelte er lieb.
 

Als erst Aoi und anschließend Hizumi in Richtung Schloss gingen, verdrehte Kru genervt die Augen und eilte ihnen nach. Auch befolgte er die Befehle Hizumis, blieb jedoch verwirrt am Eingang stehen, welchen die anderen bereits nach kurzer Zeit problemlos und leise öffnen konnten, um hindurch zu schlüpfen und das nähere Umfeld zu sichern, blieben jedoch in der Nähe des Eingangs, um ihren Anführer nicht alleine zu lassen, zumal dieser die Führung einer Truppe und Kru die der zweiten übernehmen sollte, der nun ebenfalls noch weg blieb und das nur, weil dieser sich zur Aufgabe gemacht hatte, Hizumis Küken zu schützen, welcher jedoch gerade in eben jenen Armen lag, was ihn erneut stutzen ließ. DAS hatte Hizumi bei ihm noch nie getan. Kurz darauf hätte Kru auflachen können, wenn er nicht mucksmäuschenstill hätte sein musste, um sie nicht zu verraten, denn wann heulte er schon los, um eventuell von Hizumi umarmt zu werden und warum sollte er das bitte überhaupt tun? Nachdenklich kratzte sich Kru am Hinterkopf und ließ seinen Blick wieder zwischen seinen Männern im Inneren und dem Knäul außerhalb des Schlosses wandern. Wartend. Ungeduldig.
 

Schlaff hing Aoi zwischen Hizumis starken Armen, weinte lautlos und rang mit sich. Wenn Hizumi wütend war, hatte er Angst vor diesem, da ihn dieser Hizumi an die Szene im Bad erinnerte, weshalb er sich nun nicht traute, diesen von sich zu stoßen, obwohl sein Verstand ihm Mut zu redete. Allerdings ließ ihn Hizumis plötzlich wieder vertraut wirkende Stimme jämmerlich aufseufzen. "Ich weine wegen DIR und DU kannst es nicht ändern!", meinte er bitter an Hizumis Brust und versuchte sein Gesicht wegzudrehen, konnte sich jedoch kaum rühren, so sehr hielt ihn Hizumi fest. "Spiel nicht mit mir...", setzte er noch hinzu und ein Ton der Verzweiflung und der Trauer schwang in seinen Worten mit.
 

"Ich spiele nicht mit dir.", rechtfertigte er sich und sah ihn an. "Weine nicht wegen mir. Weine am besten gar nicht mehr. Bald ist sowieso alles ganz anders, das hab ich dir schon oft gesagt. Und wenn ich eh nichts ändern kann... dann... dann darfst du nicht mehr weinen..."
 

"U-und warum erklärst du mir nicht einfach, warum ich... ich dich vergessen soll und du mir Dinge vorwirfst, die gar nicht stimmen... oder... b-bin ich hysterisch? Bist du wegen mir so...?", wollte er wissen und schniefte einmal, zweimal, wischte sich mit der rechten freien Hand über sein Auge und tat es dann mit der linken Hand gleich. "I-ich will nur wissen, woran ich bin, möchte nicht mit einem schlechten Gewissen das hier enden lassen, sollte es der Fall sein und ich will nicht, das wir ohne ein Wort des Abschieds auseinander gehen. Kannst du mich nicht verstehen...?", setzte er fragend hinzu und schluckte. Dann musste er abgehackt auflachen. "I-ich werde wohl nie damit aufhören können zu weinen...", meinte er abgedämpft und schloss die Augen. "Antworte mir und dann... dann können wir rein. Bitte Hizumi..."
 

Hizumi schloss die Augen und dachte nach. Es war Zeit für eine Antwort, auch wenn diese Antwort Aoi weh tun würde und vermutlich auch verwirren würde. "Du hast die Wahrheit verdient Aoi... Aber... du musst damit leben... Ich... ich will, dass du mich vergisst, weil ich mich... weil ich mich in dich verliebt habe... Wir werden nicht ohne ein Wort des Abschieds auseinander gehen...", antwortete er ihm und sah ihn verzweifelt an.
 

Am Anfang nickte Aoi Bekräftigend, um Hizumi zu zeigen, das dessen Entscheidung, ihm endlich zu sagen, warum er sich ihm gegenüber so benahm, gut war und er nur darauf wartete, es wissen wollte, doch als er seinen Worten folgte, sickerte langsam die erschreckende, nicht erwartende Erkenntnis in ihn, was hinter diesen Worten steckte. Es waren mehr als Worte. Es war ein Gefühl, das er sich so lange gewünscht hatte, aber das doch nicht von Hizumi! Klar war er attraktiv, aber er liebte Reita und niemanden sonst! Er hätte nicht mit ihm schlafen sollen... DAS musste der Auslöser gewesen sein! Zumindest konnte es sich Aoi nicht anders erklären, denn warum sollte man sich in ihn verlieben? Das hatte er sich auch schon bei Reita gefragt, der ihn zu lieben schien, auch wenn er es nie ausgesprochen hatte, und woran er gezweifelt hatte, aber nie hatte er vorgehabt, Hizumi weh zu tun!
 

Leicht drückte er Hizumi von sich, um aufsehen zu können. Seine Augen schimmerten vor Tränen. "Es tut mir so Leid, Hizumi...", begann er sah ihn mitleidig an. "Das wollte ich nicht...! Ich will... dir doch nicht wehtun, aber... ich... i-ich liebe Reita! Es tut mir so Leid, Hizumi! Wirklich! Ich hätte dich nicht bitten sollen, mit mir zu schlafen... Ich wollte dich nicht verletzen, wirklich...! Wie lange... schon...?", wollte er mit brüchiger Stimme wissen, weinte nun hemmungslos und umarmte Hizumi, um ihn vielleicht etwas trösten zu können, indem er ihm über den bewesteten Rücken strich. Ach verdammt! Er konnte ihm nicht mal helfen. Hilflos behielt er ihn in seinen schwachen Armen und zuckte erschrocken zusammen, als sich ein Schlagstock in seine Seite bohrte.

Schnell ließ er von Hizumi ab und besah sich noch einmal die vielen Waffen, die Hizumi mit sich schleppte und schluckte. "U-und jetzt willst du da rein, um ihm... zu helfen, dem ich gehöre? Wie Selbstlos... Hizumi..." Hilflos, gerührt und verständnislos zugleich biss er sich auf die Unterlippe und sah wieder zu ihm auf. "Bitte glaub mir... Ich... hab das nicht mit Absicht gemacht.... Nicht gewollt, das du jetzt leiden musst... wegen mir... Ich wollte, das du jemanden findest, der dich glücklich macht, aber... d-der sollte nicht ich sein! Es tut mir so Leid, Hizumi.", schluchzte er und stand unsicher vor ihm, nicht wissend, ob er ihn noch einmal umarmen sollte oder nicht. "... so Leid...", murmelte er und sah zu Boden. Seine Wangen leuchteten Rot, doch seine Augen standen noch immer unter Wasser.
 

Hizumi strich ihm sanft lächelnd die Tränen weg und legte einen Finger unter sein Kinn, um ihn dazu zu bringen, ihn anzusehen. "Es muss dir nicht Leid tun, Aoi, auf keinen Fall... Es ist okay so, glaub mir, es ist alles okay und vielleicht musste es auch sein, denn jetzt weiß ich was Liebe ist und wie es sich anfühlt... und ich danke dir für diese Erfahrung, Es ist schon okay, weißt du? Und jetzt lass uns da reingehen und den Mann deines Herzens retten."
 

Unsicher begegnete er Hizumis Blick und hörte ihm geduldig, abwartend und nervös zugleich zu. Überrascht über die plötzliche Wendung und der Dankbarkeit Hizumis, blinzelte Aoi jedoch mehrmals, kniff sich ungläubig in den Arm und zischte aufgrund des Schmerzes auf. Da er nicht wusste, was er sagen sollte, nickte Aoi letztendlich zustimmend, schenkte Hizumi ein kurzes und unsicheres Lächeln und wandte sich dem Eingang zu und somit Kru, der ihn mit verschränkten Armen undeutlich ansah. //Ich habe ihm gezeigt, was Liebe bedeutet... Wie hab ich das gemacht?! Wie sollte ich das können, wenn ich es nicht mal selbst richtig weiß?!// Aoi konnte nicht erkennen, was sich dort in seinen Augen spiegelte, was er dachte, aber als er näher trat, machte ihm Kru schweigend Platz und bedeutete ihm mit einem Finger auf den eigenen Lippen es ihm gleich zu tun. Nur einen kurzen Blick warf Kru seinem besten Freund zu, hob kurz den Daumen, nickte noch ein letztes Mal aufmunternd und verschwand nach Aoi im Schloss, um ihn zu seiner Gruppe zu führen, um nun endlich die Aktion: "Rettet Reita!" zu starten.
 

Hizumi folgte Kru, überprüfte nochmal alles und schloss sich dann Kru an, um die Lage zu checken. Langsam kamen sie dem Folterkeller näher.
 

Je weiter sie gingen, desto düsterer und unheimlicher schien es zu werden. Ratten kamen ihnen entgegen, als wäre es Gang und Gebe, das sie hier herum liefen. Kru spürte, wie Aoi, den er immer im Auge behielt und manchmal sogar dazu bringen musste, weiterzulaufen, wenn ihm etwas erschreckt hatte oder Angst machte, wie z.B. diese Ratten eben, merklich zitterte. Als die Gruppe vor ihm plötzlich inne hielt, vertraute er Aoi jemanden seines Teams kurz an und ging mit Hizumi nach vorne, um die Lage zu checken und herauszufinden, warum angehalten wurde. Hier spaltete sich der Gang. Kru wandte sich an Hizumi und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und grinste. Er freut sich über beide Ohren, das er endlich seinem Ziel näher kam. Aufgeregt ließ er seine Fingerknöchel knacken und winkte anschließend seiner Gruppe ihm in den rechten Gang zu folgen, während Hizumi die linke Seite nehmen würde. Hastig zog Kru nun seine Krallenfinger hervor und stülpte sie über. Er war bereit zum Kampf. Sowohl körperlich, als auch seelisch. Nur ungern ließ er mehrere seiner Leute vorgehen, um Aoi im Blick haben zu können, der Hizumi hinterher gesehen hatte und nun mit geweiteten Augen auf Krus Finger starrte. Während sie gingen, verließ kein Pieps ihre Münder, doch als die Gruppe nach einer Weile erneut stehen blieb, musste Kru sich stark zusammenreißen, um nicht vor Unwillen loszubrüllen. Die angewiderten Gesichter seiner Leute machten ihn jedoch neugierig und so verließ er Aoi erneut, um nachzusehen, auf was seine Jungs gestoßen waren und selbst er, der starke Kru, der schon vieles in seinem jungen Leben gesehen hatte, verzog das Gesicht aufgrund des Anblicks, der sich ihm bot. Sie hatten anscheinend die wohl verwaiseste Küche entdeckt, die sie jemals betreten hatten und in ihr tummelten sich die Ratten. Doch das war nicht das schlimmste. Mitten auf dem Küchentisch, lag etwas, das viel Blut hatte lassen müssen und über dem Tisch gequollen war. War das ein Mensch? Vorsichtig trat Kru näher und trat nach den Ratten, die ihm das Bein hoch krabbeln wollten. Überall waren Ratten auf dem Körper und alle sahen wohl genährt aus. Anscheinend fütterte der Hausherr diese Plagegeister auch noch und ließ hier seine Leichen zurück. Angewidert spuckte Kru auf den Boden und wich zurück.
 

Und während Kru sich das Desaster angesehen hatte, hatte jemand Aoi aus der Mitte der Gruppe geschliffen, ohne das irgendjemand sich einschaltete. Warum auch? Er gehörte schließlich zu ihnen...

Eine seiner lang fingrigen Hände hatte sich um Aois Mund geschlossen, damit dieser erst gar nicht die Gelegenheit dazu erhalten könnte, ihn, Tsukasa, zu verraten. Etwas abseits der Gruppe blieb Tsukasa mit dem sich wehrenden Aoi im Arm stehen. Dann beugte er sich zu seinem Ohr hinunter. "Shhhttt... WAS... hast du mit Hizumi getan?", wollte Tsukasa wissen und drehte Aoi mit einer einzigen Bewegung in seinen Armen um und bedeutete ihm mit einem Finger auf den Lippen leise zu sein. "Was habt ihr draußen besprochen?", setzte Tsukasa hinzu und bedeutete Aoi mit einem Messer an dessen Kehle mit der Wahrheit rauszurücken, der ihn ängstlich anstarrte, den Mund öffnete und wieder schloss, doch kein Ton kam über seine Lippen. "Geht's noch undeutlicher?!", giftete Tsukasa und setzte das Messer an. Doch Aoi zeigte nur die selbe Angst wie zuvor auch. Er fürchtete sich schließlich nicht vor dem Tod. "Das geht dich nichts an...", hauchte der Schwarzhaarige schließlich und Tsukasa Augen verengten sich zu Schlitzen. "Wenn ich nur könnte, wärst du schon längst tot für deine Frechheiten. Lass die Finger von ihm, klar?!", drohte er ihm, stieß ihn grob von sich gegen die Wand und ging zur der Gruppe zurück, die sich allmählich wieder in Bewegung setzte.

Nur kurz verweilte Aoi an der Wand, um seine Gedanken zu ordnen, und gerade als er sich in Bewegung setzen wollte, um sich der Gruppe wieder anzuschließen, nahm er eine Bewegung hinter sich war und eine Hand, die wie aus dem Nichts kam, verschloss seine Lippen, die Krus Namen formten, und eine ungeheure Kraft zog ihn zurück in die Dunkelheit...
 

Kru, der soeben aus der Küche trat und seinen Leuten durch Handbewegungen deutlich machte, das sie weitergehen sollten, wartete darauf, das Aoi ihm begegnete, um sich dann anzuschließen. Doch selbst als der Letzte an ihm vorbei war, war kein Aoi in Sicht und leichte Panik stieg in ihm hoch. Hastig trat er in den Gang und sah seinen Leuten hinterher, die nicht zu bemerken schienen, das Kru zurückblieb. Kein Aoi. Er hatte sich nicht getäuscht. Aoi war nicht da! Kru lief den Ganz zurück, suchte nach Aoi in den unzähligen Nebenräumen, fand jedoch nichts. Nicht einmal eine Spur von ihm. Nur der herbe Geruch eines Mannes konnte er wahrnehmen, nachdem er seine Nase in die vermoderte Luft gesteckt hatte. Den Geruch kannte er nicht! Mist! Nein, nein, nein!! Mit zugeschnürter Brust rannte er den Gang wieder zurück, um zu seinen Männern zu gelangen. Wieder sah er sich dabei um, doch sein Verdacht wurde nur bestätigt. Aoi war verschwunden!
 

"Wo ist Aoi?", wollte er wissen und seine Stimme schwang dabei zwischen aufgebracht und nervös. Verdammt! Hizumi würde ihm Vorwürfe machen! Was bitte konnte er aber dafür, das der Kerl einfach abhaut?! "Hat jemand was gesehen? Wo er hin ist? Ist ihm jemand nach gelaufen?", wollte er mit leiser aber dringlicher Stimme in Erfahrung bringen, doch seine Freunde schüttelten nur betreten den Kopf und nahmen sich vor, nun etwas aufmerksamer zu sein. Fehlte noch jemand?

Kru erkundigte sich währenddessen noch bei den Letzten, die bisher geschwiegen hatten und demonstrativ zu Boden sahen, während ihre Hände zu Fäusten geballt waren. "Hey, was ist los?! Wenn ihr was wisst, dann immer her damit! Los, uns bleibt keine Zeit mehr! Redet!" Der, der ihm am nächsten Stand, hob zögernd den Kopf und wandte ihn dann wieder ab, zeigte auf eine Person. "Er hat... ihn weggebracht.", gestand er und schrumpfte unter Tsukasas wütenden Blick. Krus Gesicht verdunkelte sich merklich und als er auf Tsukasa zuhechtete, um ihn am Kragen zu packen und ihn an die Wand zu drängen, stoben die anderen auseinander.

Überrascht japste Tsukasa nach Luft, bevor ein unheimliches Lächeln auf seine Lippen trat und seine Augen sich auf Halbmast legten. "Wo hast du mit Aoi getan, Tsukasa?!" "Nichts~", säuselte der andere und leckte sich verführerisch über die Lippen, während seine Fingernägel sich Krus sehnige Arme hinauf kratzten, wodurch dieser ihn abrupt losließ. "Du sollst das verdammt nochmal lassen, Bitch! Wo ist Aoi?!" "Tze... woher soll ich das wissen?", warf Tuskasa gekränkt ein, verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Nase hoch. "Irgendwann werd' ich dich schon kriegen...", warnte er Kru mit rauer Stimme und gab einen erstickten Schmerzenslaut von sich, nachdem Kru nach ihm ausgeholt hatte. "N-nicht mein Gesicht!", fauchte Tsukasa erzürnt und tastete sein Gesicht ab. "Sag mir jetzt sofort, wo Aoi ist!" "Oder was?" "Oder... ich werde mir ein paar Gerätschaften von diesem Typen hier ausleihen und sie dir alle in den Arsch rammen, bis du um Gnade winselst!" Nachdenklich verzog Tsukasa die Stirn. "Was haben die denn im Angebot?"

Rasend vor Wut schlug Kru noch ein weiteres Mal nach Tsukasa aus, doch dieser duckte sich rechtzeitig und riss nun Krus Hände nach hinten auf den Rücken, beugte sich zu dessen Ohr hinab. "Viel lieber hätte ich aber etwas ganz anderes in meinem süßen Hintern stecken...~" "Mach nur weiter so und du wirst nie wieder dazu kommen, das dir irgendwer irgendwann etwas steckt!", warnte ihn Kru und befreite sich ohne große Mühe von dem anderen.

Tsukasa seufzte. "Ich habe nur mit ihm geredet, klar? Dann bin ich wieder zur Gruppe und er ist zurückgeblieben." "Und du hast natürlich nur wieder an dich selbst gedacht, was? Wir sollten auf Aoi aufpassen! Was ist, wenn die ihn haben?!" "Wir haben bisher alles gemeistert. Warum sollten wir das nicht auch schaffen? Außerdem...", begann er, unterbrach sich jedoch selbst und verschränkte die Arme vor der Brust. //Kann mir das gestohlen bleiben, das DER weg ist.//, setzte er in Gedanken fort und schwieg. Zum Glück winkte Kru wutentbrannt ab und trat wieder an die Spitze der Gruppe. //Ich müsste ihn suchen gehen, aber wir können keine dritte Gruppe aufmachen. Wir müssen uns an den Plan halten!//, meinte Kru und ging nun mit harter Miene voran, während die anderen ihn folgten und sich hin und wieder nervöse Blicke zuwarfen. Mit Kru war gerade nicht gut Kirschen essen und mit Hizumi würde es nicht viel anders sein, wenn sie ihn trafen und er von ihren Fehler erfuhr.
 

Hizumi war mit seinen Männern den anderen Weg gegangen, doch nun trafen sie sich wieder, als die Gabelung endete und die beiden Wege vereinte. Hizumi war schnell bei Kru. "Was gefunden?", fragte er und sein Blick überflog Krus Gruppe. Dann sah er Kru wieder an, stutzte aber. "Wo ist Aoi?!" zischte er und fasste Kru scharf ins Auge. Dann, ohne dass Kru etwas sagen musste, glitt sein Blick zu Tsukasa und langsam ging er zu ihm, ahnte instinktiv, dass dieser etwas mit Aois Verschwinden zu tun hatte. "Hast du mir was zu sagen, Tsukasa?", fragte der Anführer und funkelte seinen Untergebenen gefährlich an. Seine Stimme war ruhig, klirrte aber wie Eis.
 

Als Kru Hizumi auf sich zu hechten sah, senkte er betreten den Blick und schüttelte den Kopf. "Wer auch immer dieses Schloss gehört, er hält nicht viel davon, die Toten zu begraben. Wir haben in der Küche eine Leiche gefunden und überall waren Ratten. Und... und bei euch?", wollte er wissen und atmete noch einmal tief ein, ehe er zu erklären begann, was noch ungewöhnlich war. "Eh... Hizumi? Ich... ich habe einen großen Fehler gemacht.", wollte Kru dem anderen gestehen und hatte seine Hände erneut zu Fäusten geballt, doch da fiel Hizumi bereits Aois Verschwinden auf. Lautlos seufzte er. "Töte mich, wenn du willst. Ich hab nicht genug-", fing er an zu erklären, als Hizumi ihn stehen ließ. Verwundert wandte er sich um und ging ihm nach, als er sah, wie Hizumi zu Tsukasa ging, der zu schmollen schien. "Es tut mir Leid, Hizumi. Ich habe nicht genug auf ihn aufgepasst. Aoi ist verschwunden. Spurlos! Ich hab den Gang abgesucht! Keine Fußspuren, keine auffälligen Geräusche. Nichts und-", wollte er während des Laufens weiter erklären, doch Hizumi schien ihn zu ignorieren, denn gerade versuchte er aus Tsukasa die Antwort herauszufinden und funkelte ihn eisig an. Wie erwartet, wich Tsukasa beleidigte Miene und machte der einer Eingeschüchterten Platz. Mit gesenktem Haupt wartete Kru ab, was genau noch geschah und wann sein Urteil folgen würde. Schließlich trug er der Schuld auch seinen Anteil bei.

"I-ich habe nur mit ihm geredet! Etwas von der Gruppe entfernt und hab ihn dann stehen lassen. Er ist mir nicht gefolgt, aber... das... war mir auch nicht... na ja... ich fand's nichts ungewöhnlich.", verbesserte er sich schnell und senkte den Blick.
 

„Verdammt nochmal, wozu hab ich euch ausgebildet?! Ihr solltet auf ihn aufpassen, ihn mit eurem Leben verteidigen!!!" Er packte Tsukasa und griff um seinen Hals. "Das wird ein Nachspiel haben! Gnade dir Gott, wenn ich herausfinde, dass das Absicht war, hast du mich verstanden?!", zischte er ihm ins Ohr, so dass die anderen es nicht hören konnten. Dann drehte er sich wieder zu seinen Leuten um. "Wenn er gefangen wird, haben wir keinen Vorteil mehr, dann sind wir erpressbar. Fünf von euch suchen ihn und das ist eure Hauptaufgabe, verstanden?! Lasst euch nicht erwischen, aber bringt Aoi heil und lebend zurück. Sagt mir über das Headset Bescheid, wenn ihr ihn habt!", befahl er und schickte die fünf los. "Und ihr anderen kommt mit, vergesst nicht, was eure Aufgabe ist, das rate ich euch bei eurem Leben!", knurrte der Anführer bissig und schloss sich Kru an. "Wir reden später.", versprach er ihm knurrig.
 

Die Männer rings um Hizumi herum, fuhren bei dessen Aufschrei zusammen und senkten allesamt betreten die Köpfe. Jedoch war es Tsukasa, der darunter am meisten leiden musste und würde und das nur, weil er aus Eifersucht ein Gespräch mit Aoi gesucht hatte. Zittrig presste er die Lippen aufeinander und schloss die Augen, als ihn Hizumis Atem striff. Normalerweise würde ihn bei solch einem Umstand immer ein anrüchiger Spruch einfallen, doch aufgrund der Situation, in der er sich befand, schwieg er und rutschte mit wabbeligen Beinen an der Wand hinunter, nachdem Hizumi ihn wieder losgelassen hatte. Seine Worte hatten ihn verletzt. Schwer verletzt, denn er würde Hizumi niemals betrügen! Also nicht... zwischenmenschlich gesehen, sondern seine Familie betrügen! "Das war... keine Absicht, Hizumi...", warf er ihm nach und wendete schwer schluckend den Blick ab. Erst als eine Hand in sein Gesichtsfeld trat und welche er als eine jene identifizierte, die bereits seinen Körper hatte näher kennen lernen dürfen, schlug Tsukasa sie weg und rappelte sich auf. Er ließ seinen willigen Helfer zurück und vernahm Hizumis Anweisungen. Er musste sich nun zusammen reißen und tun, was er tun musste. Das Leben konnte schließlich nicht nur aus Sex und... Sex bestehen. Leider...

Während er dies bedauerte und sich die trocken gewordenen Lippen befeuchtete, nahm er wie hinter einem Schleier wahr, wie fünf ihrer Männer in die entgegengesetzte Richtung davon stürmten.
 

Kru war währenddessen noch immer geknickt an die Spitze der Truppe gegangen und blickte düster drein. //Es ist verdammt schwer, auf jemanden aufzupassen, wenn man gleichzeitig die Verantwortung für eine ganze Truppe hat. Verdammt... Ich hätte den Rat Hizumis befolgen sollen, das man niemanden vertrauen kann, nicht einmal den eigenen Leuten. Dann wäre Aoi jetzt noch da. Der Junge bringt nichts als Unglück und dieser verdammte Tsukasa! Wenn er nicht wichtig für die Jungs wäre, um sich zu vergnügen und auslassen zu können, dann hätte ich ihn schon längst sich selbst überlassen oder ihn gar um die Ecke gebracht! Hizumi hätte es auch, aber er weiß nun mal, was gut für die anderen ist. Wenn wir ihn nicht hätten. Was da allerdings zwischen ihm und diesem Knilch läuft, versteh ich nicht ganz, doch die Frage spare ich mir lieber. Ich sehe doch, das er nicht darüber reden will.//, dachte er und bemerkte Hizumi neben sich. Auf seine geknurrten Worte nickte er nur folgsam und zusammen machten sie sich weiter auf den Weg.
 

~+~
 

Nachdem Uruha die Türe geschlossen und sich für einen Moment sammelte, indem er sich auf den Badewannenrand niedergelassen hatte. Er atmete tief durch und begutachtete die Klamotten in seiner Hand. Er sollte sich beeilen, damit sie endlich los konnten. Mit diesem Gedanken stand Uruha auf zog sich die weichen Klamotten an und wusch sich das Gesicht, bevor er nochmal einen blick in den Spiegel warf. Hoffentlich hörte dieser Horror bald auf. Das hoffte Uruha wirklich, als er sich über den doch ziemlich hervorstehenden Wangenknochen strich. Er kämmte sich die Haare, bevor er sich den Pullover überzog und dann das Bad verließ um zurück ins Wohnzimmer zu kehren.
 

Sakito sah auf, als die Badezimmertür sich nach kurzer Zeit wieder öffnete und hob die Brauen. "Schon fertig? Okay, dann können wir los.", meinte er und musterte Uruha besorgt, ehe er sich von der Couchlehne abstieß und unter dem Kissen seine Tasche und seinen Spionagekoffer hervor zauberte.. "Willst du den Mantel behalten Uruha, oder soll ich dir einen wWrmeren geben? Draußen ist es kalt.", wollte er wissen und schlug den Weg zur Garderobe ein. "Takeda, brauchst du noch etwas?" "Ähm... nö. Ich bin bedient, danke. Ich will nur endlich los." "Dann geh schon mal zum Auto.", meinte Sakito nur leicht genervt und wartete auf Uruha.
 

Uruha sah für einen kurzen Moment an sich herunter als er den Mantel über gezogen hat und schüttelte dann den Kopf. "Es geht schon~", antwortete er auf Sakitos Frage und lächelte leicht unsicher. Es war nicht der richtig Zeitpunkt zu lächeln.

Er seufzt innerlich leise und dachte an Reita. Wann er ihn wohl wiedersehen würde...

Er zog den Mantel enger um sich und folgte den beiden zum Wagen.
 

Er wollte zwar auch wie Takeda endlich los, aber er hatte auch Sorgen um Uruha. Seiner Meinung nach, müsse er sich schonen, etwas essen und sich schlafen legen und nicht auf eine gefährliche Reise ohne Rückkehrversicherung gehen. Er wollte ihn nicht verlieren, ihm absichtlich schaden zufügen, auch wenn er dies bereits aus blinder Liebe getan hatte, sich jedoch weder schuldig ihm gegenüber fühlen, indem er ihm seinen Wunsch verwehrte und noch ihn alleine lassen. Ein innerer Konflikt herrschte in ihm und Sakito hoffte, das er dieses Chaos bald beendigen und ihn einfach nur ihm Arm halten konnte. Dort, wo er Laut seines geheimen Wunsches, hingehörte. Doch bis dahin mussten sie dem Schrecken in die Augen blicken und aus Ungewissheit eine schreckliche Gewissheit ziehen, die alle Beteiligten wohl nie vergessen könnten, denn wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, das Reita noch lebte? Das Aoi in Sicherheit war? Das sie lebend wieder aus diesem 'Krieg' kamen?

Wenn er Uruha so betrachtete, die hervorstechenden Wangenknochen mit dem Blick striff und den Schmerz in seinen Augen und die Sehnsucht nach den alten Zeiten darin sah, ließ ihn die Sorge um den blonden Schönling, der für ihn immer diese Bezeichnung tragen würde, erzittern und die Fäuste entgegen der unsicheren Zukunft und Hilflosigkeit ballen. Wann nur, hätten sie endlich den Punkt erreicht, an dem ihr Leben wieder 'normal' ablaufen würde? Könnten sie dem irgendwann entfliehen? Wieder sicher sein?

Doch was war schon >Normal<? Was bedeutete es?
 

Uruhas Worte rissen ihn wieder zurück in die schmerzende Wirklichkeit und kaum hatte er dem mit einem Nicken zugestimmt, was auch immer der andere gesagt haben mochte, in dem Moment seiner fehlenden Aufmerksamkeit, und war nun mit Uruha an der Seite Takeda zum Wagen gefolgt. Die Tür hatte er natürlich sicher hinter sich abgeschlossen und einen letzten sehnsüchtigen Blick auf seine ehemals so sicher vorkommende Behausung, die in schlimmen Zeiten zum ärgsten Feind werden könnte. Nicht ohne Grund hatte er schließlich Uruha damals aus seiner Wohnung geholt.
 

Sakito öffnete die hintere Wagentür und deutete Uruha einzusteigen, wobei er sich aufmerksam in der Nachbarschaft umsah. Keine Menschenseele brachte zu dieser frühen Stunde seinen Hund raus und plötzlich kam Sakito diese unheimliche Stille so fremd und unwirklich vor, das er Uruha zur Eile antrieb. "Ich mag diese Stille nicht...", meinte er nur entschuldigend und warf dem Blonden einen besorgten Blick zu. "Und schnall dich an.", fügte er dem hinzu und schloss die Tür, ehe er schnell um den Wagen herum lief und die Fahrertür öffnete. Doch Takeda blickte ihm besorgt lächelnd entgegen. "Ich fahre. Du bist mir zu aufgewühlt."

Dafür hatte Sakito nur ein dankbares Knurren zur Antwort und leicht beschämt wechselte er wieder die Seite, um nun als Beifahrer zu agieren. Kaum saß er, hatte er Mühe, sich anzuschnallen, da Takeda bereits rücksichtslos losgefahren war. "Wir wollen da lebend ankommen!", meinte er leicht genervt zu dem Polizisten, nur um sich sicher zu gehen, doch der Angesprochene grinste nur und stellte seine mitgebrachte Sirene an. Sakito bekam große Augen. "Wo hast du die denn her?" "Tja..." "Hast du vergessen, das wir nicht auffallen wollten?" "Und du vergisst, das wir erstmal durch die Stadt fahren müssen, um zum Hafen zu kommen. Ich hab keine Zeit und keine Geduld mehr, wie ein normaler Autofahrer zu warten, bis die blöde Ampel auf grün springt oder die Geschwindigkeitsvorschriften einzuhalten. Scheiß drauf!" Verwundert wanderte Sakitos Blick zu dem am Lenkrad Sitzenden, der anscheinend sein Spaß hatte, einfach vorbei gelassen zu werden oder auf der zweiten Gegenspur zu fahren. "Und das von einem Polizisten?" "Ja, das von einem Polizisten! Die Marke zählt in diesen Zeiten herzlich wenig, wie du bereits gemerkt hast. Macht haben und Macht wirklich nutzen... dazwischen liegt ein gewaltiger Unterschied."