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Every Little Thing

von  -Moonshine-

Epilog: Fortune

Zufrieden streckte ich meine Beine auf der Decke aus und lehnte mich zurück, stützte mich hinten mit den Armen auf.
Es war ein warmer Sommertag, die Sonne brannte heiß vom strahlend blauen, wolkenfreien Himmel hinab. Kein einziges Lüftchen wehte und ich saß auf unserer Picknickdecke und ließ mich von den warmen Strahlen verwöhnen. Sean lag direkt neben mir auf dem Rücken, die Knie angewinkelt, die Augen geschlossen, einen Arm über seine Stirn gelegt, der andere ruhte auf seinem Bauch. Doch während ich in der Sonne saß, hatte er es sich im Schatten einer großen Eiche bequem gemacht. Vielleicht döste er ein wenig, vielleicht auch nicht, ich wusste es nicht.
Liebevoll betrachtete ich ihn. Er hatte bis in die Morgenstunden arbeiten müssen und war trotzdem mit mir picknicken gegangen, wie er versprochen hatte, obwohl ich ihm mehrmals versichert hatte, dass er das nicht musste und wir es verschieben könnten. Er hatte allerdings nichts davon wissen wollen und mich stattdessen mit der Eisdiele in der Nähe des Stadtparks gelockt, die wohl, seiner Meinung nach, das beste Eis des Landes hatte. Kekseis. Karamelleis. Ich konnte einfach nicht widerstehen...
Friedlich lag er da und das regelmäßige Heben und Senken seiner Brust war die einzige Bewegung, die er machte. Seine dunkelblonden Haare waren nun etwas heller, sonnengebleicht, hinreißend. Der Sommer war dieses Jahr warm und sonnig, wie schon lange nicht mehr. Ein perfekter Sommer, aber jeder Sommer wäre perfekt, wenn ich ihn mit Sean verbringen dürfte.
Eine Woge der Zärtlichkeit wallte in mir auf und ich wollte ihn so gern berühren, mit den Fingern durch seine weichen Haare fahren, meine Lippen auf seine pressen, seine raue Wange an meiner spüren... Er sah so verführerisch aus, wenn er diesen leichten Bartschatten hatte, weil er nicht dazu gekommen war, sich morgens zu rasieren und nur todmüde ins Bett gefallen war... Na ja, nicht GANZ so todmüde...
Ich lächelte errötend und wandte mich von seinem fesselnden Anblick ab. Das war der Moment, in dem mir auffiel, dass etwas nicht stimmte.
Erschrocken fasste ich mir an die Nase und betrachtete dann einen Moment lang schweigend meine Finger. Meine roten, blutigen Finger!
Oh nein... ich hatte Nasenbluten! Das konnte doch nicht wahr sein!
Schnell setzte ich mich in Bewegung und durchsuchte hektisch meine Tasche nach einem Päckchen Taschentücher, wurde aber nicht fündig.
"Seeaan", jammerte ich verzweifelt, immer noch kramend. Nichts!
"Hm?", brummte er erledigt, ohne sich auch nur einen Millimeter von der Stelle zu rühren.
Ich ließ von meiner erfolglosen Suche ab und zupfte mit meinen verschmierten Fingern an seiner Jeans, presste meine andere Hand auf mein Gesicht, während ich die Augen zusammenkniff, als könnte ich dadurch verhindern, dass mir das Blut weiterhin aus der Nase quoll.
Uaah... das war ganz sicherlich die Sonne. Schon als Kind hatte ich im Sommer Nasenbluten bekommen, wenn mein Kopf ein wenig überhitzt war, wieso hatte ich denn bloß nicht aufgepasst und war mit anderen Dingen beschäftigt gewesen?
"Sean!"
Er öffnete ein Auge und blinzelte in die Sonne, die direkt über ihm zu stehen schien. Dann richtete er sich halb auf und schaute mich an. Für einen kurzen Moment war da keine Regung in seinem schläfrigen Gesicht, dann allerdings riss er erschrocken die Augen auf und kniete auch schon besorgt neben mir.
"Was hast du gemacht?", wollte er fast vorwurfsvoll wissen und legte die Hand auf meinen heißen Kopf, langte mit der anderen in die Tasche und beförderte sofort en Päckchen Taschentücher ans Licht. War ja klar!
Eiligst friemelte er eins heraus und drückte es mir in die Hand, damit ich es mir gegen die Nase pressen konnte.
"Die Sonne", jammerte ich verzweifelt. Ich gefiel mir gar nicht in der Rolle der nasenblutenden, überhitzten Frau, die nicht mal ein paar Sonnenstrahlen vertragen konnte. Aber das war typisch...
Ohne große Reden zog er mich in den Baumschatten, wo es nicht so heiß auf mich herunterstrahlte, und drückte entschieden meinen Kopf nach unten.
"Au!", beschwerte ich mich. Er musste doch nicht gleich so grob werden!
Er lachte. "Entschuldige." Doch es klang nicht, als ob es ihm wirklich leid täte, und ich fand das gar nicht lustig! "Lass den Kopf unten", ermahnte er mich dann und nahm die Hand gar nicht erst weg, als ob er mir das nicht zutraute.
Ich seufzte resigniert. Wieso musste so was immer mir passieren? Es war ein so schöner Tag gewesen!
"Wollen wir nach Hause?", fragte er sanft. "Du bist schon ganz aufgeheizt." Wieder lachte er. Ja, die ganze Situation war wirklich lustig, haha.
Ich starrte grimmig die Picknickdecke an, weil ich nichts anderes im Blickfeld hatte und meinen Kopf nicht heben konnte.
"Nein, ich wollte noch das Eis", quengelte ich trotzig.
"So kannst du unmöglich Eis essen gehen", schmunzelte er und tätschelte ein paar Mal meinen Kopf. "Ein anderes Mal, okay?"
"Aber ich hab mich so drauf gefreut!"
Er seufzte. "Wir haben auch Eis zu Hause."
"Aber du hast gesagt, dass das das beste Eis in der Stadt ist und du hast es versprochen... jetzt sind wir extra hier und... ich wollte doch das Kekseis", schmollte ich. Hätte er mir das doch bloß nicht in den schillerndsten Farben und Geschmäckern beschrieben... Mir war das Wasser im Mund zusammengelaufen und das tat es noch immer.
"Im ganzen Land", korrigierte er mich vergnügt. "Und es tut mir leid. Ich mach es wieder gut, ja?"
"Wie denn?", fragte ich misstrauisch. Nichts konnte ein verschmähtes Kekseis wieder gutmachen, wusste er das denn nicht?
Er beugte den Kopf zu mir herunter und berührte meine Schläfe, die er mit seinem warmen Atem streifte. "Das zeig ich dir, wenn wir zu Hause sind", flüsterte er mir verschmitzt zu und berührte mit den Finger seiner freien Hand die Haut an meinem Nacken, sodass sie zu prickeln anfing.
"Oh", war meine geistreiche Entgegnung darauf. Er schaffte es immer noch, mit sämtlichen Wind aus den Segeln zu nehmen und meinen Kopf leerzufegen. Ich liebte das so an ihm!
Er lächelte leise. "Na siehst du. Komm, lass uns aufstehen. Kopf runter!" Wieder drückte er mit der Hand dagegen, als ich mich erheben wollte und zufällig den Blick hob. Er machte mich noch ganz wahnsinnig!
Vorsichtig und ohne viel zu sehen stand ich auf und achtete darauf, auch immer schön nach unten zu blicken, als ich plötzlich hochgewirbelt wurde und schon im nächsten Moment auf Sean's Armen lag. Er hatte mich hochgehoben, ganz einfach so!
Ich schnappte erschrocken nach Luft. "Lass das", protestierte ich peinlich berührt und zappelte ein wenig herum, doch er wollte nicht auf mich hören und lachte nur.
"Halt still, Emily, sonst lass ich dich noch fallen. Halt den Kopf unten", ermahnte er mich noch einmal nach einem kurzen Blick auf mich, die ich ihn empört anstarrte und dazu den Kopf hatte heben müssen.
Ich tat, wie mir geheißen und presste das Taschentuch fester auf meine Nase.
"Lass los, die Leute gucken schon...", flehte ich verzweifelt unter dem Stück Papier hervor und drehte mich weg, um die herumstehenden und -liegenden Menschen, die uns anstarrten, nicht sehen zu müssen. Das war so peinlich... Und irgendwie echt süß.
"Ach, Liebes, die sind doch nur neidisch, weil ich so eine Schönheit wie dich auf Händen tragen darf und sie nicht", schmeichelte er neckend und ich vergrub lachend mein Gesicht an seinem Pullover.
"Du Spinner."
Ich hätte schwören können, dass er grinste.


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