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In Nottingham

von  -Moonshine-

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Kapitel 12: Memory-deletion

In my own hell, I must forever stay
When you leave, I'll rue the day
That I lost my chance
At a great romance
So that with my death
and my last breath
I'll do naught but whisper your name
To have loved you in secret, was a shame....


(Auszug aus "Secret Love" / Lauren V. Berkery)

_____________________


Kate merkte gar nicht, wie Claire, schon fertig angezogen, morgens in die Küche kam, während sie selbst in ihrem Schlafanzug geistesabwesend an der Spüle lehnte und aus dem Fenster starrte.
Der Februarhimmel war wie erwartet durchzogen mit grauen Wolken und es nieselte. Die Straße schien unbelebt, nur vereinzelt fuhr ein Auto vorbei.
Mit den Gedanken war Kate bei dem gestrigen Abend, an dem der volltrunkene Jake sie aus heiterem Himmel... sie schluckte. Sie konnte diesen Gedanken nicht mal in ihrem eigenen Kopf ausformulieren, aber die Erinnerung hatte sich unwiderruflich festgesetzt, eingebrannt. Zwar war alles zu schnell gegangen, dass sie es gar nicht richtig mitbekommen hatte, doch jetzt, im Nachhinein, sah sie alles noch viel schärfer vor ihrem inneren Augen ablaufen und die Gefühle strömten nur so auf sie ein. Und Gott wusste, es waren keine positiven Gefühle.
Zu viel ging ihr durch den Kopf, als dass sie einen Gedanken davon richtig festhalten konnte, doch ganz an vorderster Stelle rangierten die Angst und die Unsicherheit.
Jake war betrunken, sagte sie sich immer wieder, aber was hatte das zu bedeuten? Es hatte sicherlich nichts zu bedeuten, redete sie sich ein, doch die Frage nach dem warum blieb dennoch. Was würde er ihr sagen, wenn er sie das nächste Mal sah? Wie sollte sie sich ihm gegenüber verhalten? Würde es eine peinliche Situation geben, in der er ihr, fälschlicherweise annehmend, sie hätte alles falsch verstanden, erklärte, dass es nur ein Ausrutscher war?
Kate presste sich die Hand gegen die Stirn und schloss die Augen. Der Gedanken löste bei ihr sämtliche Variationen von Scham aus. Natürlich war es ein Ausrutscher und das wusste sie auch, doch allein der Gedanke, sich in einer solchen Lage zu befinden, war unerträglich. Unerträglich peinlich.
"Alles klar?", fragte Claire argwöhnisch und beobachtete, wie Kate erschrocken zusammenfuhr. Sie sah müde und aufgescheucht aus und war unnatürlich blass, was Claire ein bisschen stutzig machte.
Hastig nickte Kate und wandte sich schnell ab, sich wohl bewusst, dass sie einen äußerst besorgniserregenden Anblick bieten musste. Sie hatte die Nacht nicht gut schlafen können und wenn sie kurz eingedöst war, schwirrten nur wirre Bilder durch ihren Kopf, die sie noch mehr anstrengten als einfach wach zu bleiben.

"Soll ich für dich auch Toast machen?", fragte Claire beiläufig, ein paar Scheiben des Weizenbrotes aus der Verpackung nehmend. Sie drückte die zwei Scheiben in den Toaster und schraubte das Marmeladenglas auf.
"Nein." Kate schüttelte kurz den Kopf und wandte sich wieder der Spüle zu, in der ein paar Tassen und Löffel lagen. Sie drehte das Wasser auf und regulierte die Schalter bis das herausfließende Wasser eine angenehme Temperatur hatte.
Claire’s Toastscheiben sprangen aus dem Toaster heraus. Eine von ihnen landete neben dem Gerät auf der Ablage und krümelte sie voll.
Claire nahm sich das Brot und platzierte es auf ihrem Teller, setzte sich an den Tisch und griff gerade nach einem Messer, als das Telefon klingelte, das, wie immer, auf dem Küchentisch lag.
Kate hob eine Tasse auf und hielt sie unter das warme Wasser, mit den Gedanken längst schon wieder beim gestrigen Abend. Bei Jake, wie er seinen Kopf an ihrer Schulter vergraben, nachdem er sie so seltsam angesehen hatte... Es wollte ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen und sie fühlte sich schon ganz krank, weil sie an nichts anderes mehr denken konnte.
"Hey Jake", ertönte Claire’s fröhliche Stimme hinter ihr vom Tisch aus. Vor Schreck rutschte Kate die Tasse aus den Händen und landete polternd, aber heil, wieder auf dem Grund der Spüle, wo sie mit einer anderen Tasse zusammenstieß und ein klirrendes Geräusch verursachte.
"Äh, Kate?" Claire hielt sich den Hörer vom Ohr weg und blickte sie stirnrunzelnd an. "Alles okay?"
Mit zitternden Händen machte Kate den Wasserhahn zu und versuchte vergeblich, sich zu beruhigen. Jake war am Telefon... was würde er sagen, was würde er tun? Sie strich sich mit der nassen Hand die Haare aus dem Gesicht und drehte sich kontrolliert zu Claire um.
"Ja ja, alles okay", bestätigte sie mit einem gezwungenen Lächeln.
Nicht überzeugt hob Claire die Augenbrauen und presste sich wieder das Telefon ans Ohr.
"Nein. Nur 'ne Tasse. Weiß ich nicht... Warte."
Ein bisschen ungeduldig legte sie es wieder auf den Tisch und drückte eine Taste.
"Du bist jetzt auf laut", verkündete sie. "Kate ist auch hier."
Diese hielt die Luft an. Gleich...
"Hi Katie." Jake klang etwas verwirrt und – verständlicherweise - verkatert.
"Hey...", krächzte sie nervös und handelte sich wieder einen misstrauischen Blick von Claire ein, die dazu übergegangen war, seelenruhig ihren warmen Toast zu buttern.
"Wie geht's?", fragte er der guten Manieren halber und Kate wurde von Sekunde zu Sekunde noch angespannter.
"Gut."
"Schön... Ich hab nämlich tierische Kopfschmerzen." Jake hörte sich wirklich gequält an. "Und das Schlimmste ist", regte er sich auf und Kate holte schon mal vorsichtshalber tief Luft, um sich zu wappnen, "ich erinnere mich an gar nichts mehr!"
Erstarrte lauschte Kate in den Hörer hinein, doch am anderen Ende der Leitung war nun Stille. War das ein schlechter Witz?
Dann sprach Jake weiter. "Zumindest nicht daran, wie ich nach Hause gekommen bin." Kate atmete nach dem ersten Schock erleichtert aus. "Gabe hat gesagt, du hättest mich begleitet?"
"Ah, ja", sagte sie schnell.
Er seufzte erleichtert. "Danke... wenigstens ist nichts passiert."
So konnte man das nicht gerade nennen, ging Kate durch den Kopf.
Jake hielt plötzlich inne. "Oder?", hakte er dann alarmiert nach. "Ich hab doch nichts Peinliches gemacht oder... gesagt... zu Rachel...?"
"Oh...", entfuhr es Kate und sie schimpfte sich noch im selben Moment für ihren enttäuschten Tonfall, den sie nicht im Zaum halten konnte. "N... nein...", versicherte sie ihm mit zittriger Stimme. "Absolut gar nichts."
Claire hob mal wieder unmerklich ihre Augenbrauen, während sie auf ihrem Toast kauend desinteressiert in einem Klatschmagazin blätterte.
"Gott sei dank. Was würde ich nur ohne dich tun?" In seiner Stimme hörte sie sein befreites Lächeln und konnte sich richtig gut vorstellen, wie er gerade in seiner Wohnung saß, wahrscheinlich noch in Boxershorts, die Haare verwuschelt vom Schlaf, etwas angegriffen vom Alkohol, und in den Hörer hineingrinste.
Plötzlich wurde Kate schmerzlich bewusst, dass die ganze Situation jetzt noch schlimmer war, als sie es vorher gewesen ist, als sie noch angenommen hatte, er wüsste bescheid...
Bewusst wurde ihr auch die kleine, unterdrückte Hoffnung, die sie gehegt, sich aber nicht eingestanden hatte. Dass es eben doch etwas zu bedeuten hatte. Weil sie wusste, dass es dumm wäre. Und es weh tun würde. Und das tat es auch.
Er hatte sie geküsst und nun... hatte er keine Ahnung mehr. Dummer, dummer Alkohol. Dummer Jake. Dumme Kate, schimpfte sie sich.
Schweigend starrte Kate das Telefon an, und spürte, wie ihre Augen langsam nass wurden, doch sie wollte jetzt nicht weinen. Weder jetzt, noch irgendwann anders! Dummer Jake!
Claire streckte den Arm nach dem Telefon aus und entwendete es Kate’s lockerem Griff.
"Hör mal Jake. Wir frühstücken jetzt, also leg ich auf, okay?", sagte sie so freundlich wie möglich, wartete noch auf Jake's "Okay, bis dann" und legte auf.
Dann fasste sie Kate in Augenschein, die sich soweit wieder ganz gut zusammengerissen hatte.
"Okay", setzte sie an und schob das Magazin beiseite. "Was ist gestern passiert?"


Claire jubelte. Kate nicht.
"Das ist doch perfekt, Kate. Besser hätte es nicht laufen können."
Kate schnaubte, als Claire in die Hände klatschte und ihre Augen vergnügt funkelten.
"Es hätte besser laufen können, wenn wir einfach zu Hause geblieben wären...", murrte sie missmutig und seufzte. Sie konnte Claire's Enthusiasmus überhaupt nicht verstehen. Jake hatte Mist gebaut und konnte sich - zum Glück oder nicht - nicht mehr daran erinnern. Das war nichts, worüber sie, die sich - leider nicht zum Glück - daran erinnern konnte, sich freuen könnte.
"Ich geb ja zu, das war eine dumme Idee", räumte Claire ein, doch ihr angestrebter, zerknirschter Tonfall ging in ihrem Grinsen unter. "Aber es war doch auch sehr aufschlussreich, findest du nicht?"
"Nein?"
"Gestern, als ihr weg wart..." Ihre Freundin lehnte sich über den Tisch zu Kate herüber und sah sie verschwörerisch an. Kate imitierte die Sitzhaltung Claire's und tat es ihr unwillkürlich gleich.
"Hat unsere Lieblingsrachel noch mal kräftig in den Männertopf gelangt. Und ich kann dir sagen..." Sie schüttelte verständnislos den Kopf. "Die hat sicher nicht darauf gewartet, dass Jake noch vorbeikommt."
Kate war nicht wirklich überrascht, das zu hören. "Oh", überlegte sie stattdessen erleichtert. "Gut, dass Jake das nicht mitangesehen hat."
Claire verdrehte die Augen. "Ist das deine kleinste Sorge? Weißt du, was das bedeutet? Sie hat es auf ihn nur abgesehen, weil sie weiß, dass du auf ihn stehst."
"Ich 'stehe' aber nicht auf ihn", protestierte Kate widerwillig, ihr gefiel das Wort nicht, doch Claire warf ihr nur einen mitleidigen Blick zu.
"Die Diskussion können wir uns ja sparen", entschied sie. "Aber wenn da von seiner Seite nichts wäre, wie du sagst, was würde ihn sonst dazu bewegt haben, dich zu küssen?"
Kate errötete ein bisschen. Bis jetzt hatte sie das nicht so direkt angesprochen und als sie Claire die Situation geschildert hatte, hatte sie auch mehr oder weniger um den heißen Brei herumgeredet, bis Claire selbst darauf kam - was wirklich nicht sonderlich lange gedauert hat - aber dass ihre Freundin es so offen heraus sagte, war ihr dennoch unangenehm. Obwohl Jake es doch war, der diese Unmöglichkeit vollbracht hatte. Aber leider musste ER sich nicht mit der quälenden Erinnerung herumschlagen. Und mit Claire.
"Er war betrunken!", wiederholte Kate noch einmal, wie sie auch zuvor schon mehrmals betont hatte. "Er wusste nicht mehr, was er tut. Er ist ein Idiot." Sie zuckte gleichgültig mit den Achseln, doch so lässig, wie diese Geste den Anschein machte, war sie lange nicht.
"Eben", nickte Claire altklug. "Und heißt es nicht 'Betrunkene und Kinder sagen immer die Wahrheit'?"
"Das ist doch nur ein Sprichwort", seufzte Kate erschöpft. "Auch Kinder lügen und Betrunkene erzählen nur Mist. Die Wahrheit ist da schon eher die Ausnahme."
Claire verdrehte die Augen. "Du bist einfach zu pessimistisch. Hör mal, ich bin doch nicht blind."
"Das bist du ganz sicher nicht", bestätigte Kate, obwohl sie nicht wusste, worauf ihre Freundin hinauswollte. Immerhin war es nicht Claire, deren Brille kaputt gemacht worden war. Ein Glück nur, dass Kate’s Augen noch nicht ganz so schlecht waren, dass sie sich wie ein Maulwurf vorkam. Aber was sah Claire, was sie nicht sehen konnte?
"Na siehst du." Diese war ziemlich zufrieden mit sich selbst und lehnte sich entspannt zurück, lächelte überlegen. "Du und Jake, ihr seid ein Herz und eine Seele. Ihr ergänzt euch perfekt... Es ist fast so, als seid ihr zwei Seiten ein und derselben Medaille."
"Wir sind Freunde", widersprach Kate energisch und schüttelte den Kopf. "Da ist man irgendwann aufeinander eingespielt."
"Nein, nein... nicht so..." Claire überlegte eine Weile und zog die Stirn in Falten. "Ich will sagen... Findest du nicht, dass das darüber hinausgeht?"
Anscheinend hatte sie Schwierigkeiten, in Worte zu fassen, was sie meinte.
"Worüber?" Kate verstand nicht ganz.
"Über ganz gewöhnliche Freundschaft, meine ich. Es ist... seltsam zu beschreiben. Aber wenn man euch zwei sieht, ist es, als sähe man vielmehr ein altes Ehepaar, als zwei Freunde. Und vielleicht ist es auch das, was Rachel sieht?"
Kate beäugte ihre beste Freundin zweifelnd. Mit einem "alten Ehepaar" verglichen zu werden, war nicht gerade schmeichelhaft, fand sie. "Dave scheint das aber nicht zu sehen", warf sie als Gegenargument ein und fügte in Gedanken hinzu: leider.
Claire lachte. "Dave ist ja auch ein Kerl. Die raffen doch eh immer als Letzte etwas." Dann seufzte sie.
"Ach Kate... was passiert, wenn du in 30 Jahren von ihm erfährst, dass er dich ebenfalls mochte? Wirst du dann nicht denken: Verdammt, warum hab ich damals nur so viel Zeit verschwendet? Wirst du dich nicht fragen, was du verpasst hast? Ich meine, du wirst es nie erfahren, wenn du es nicht drauf ankommen lässt."
"Das Thema schon wieder", murrte Kate genervt. Sie hatte es wirklich langsam satt, Claire ihre Sicht der Dinge zu predigen. Es stand wohl außer Frage, dass sie auf keinen Nenner kamen, aber Claire wollte einfach nicht locker lassen.
"Wie sagte diese Berkery-Frau doch einst?
'So that with my death
and my last breath
I'll do naught but whisper your name
To have loved you in secret, was a shame...'", zitierte sie mit gewichtiger Miene. "So willst du doch nicht enden, oder?!"
Kate verdrehte die Augen. Dass Claire ihr hier schon Gedichte vortrug, ging eindeutig zu weit. Immerhin war SIE hier die Literaturstudentin und müsste eigentlich selbst anderen die weisen Zitate um die Ohren hauen.
"Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass das bis an mein Lebensende anhalten wird", argumentierte sie etwas empört. "Ich meine, irgendwann muss es ja auch reichen."
Claire schüttelte nur den Kopf. "Wer weiß. Es hätte schon LÄNGST gereicht, finde ich, aber so einfach, wie man es gerne hätte, ist es eben nicht, nicht wahr?" Ihr Blick schweifte ab und sie schwieg eine Weile gedankenverloren.
Kate war sich nicht mehr sicher, ob Claire nun von ihr und Jake oder von sich selber sprach.
Aber sie hatte Recht... so einfach, wie man es gerne hätte, war es nie.
"Trotzdem", sagte sie dann und stand energisch auf, sicherte sich wieder Claire's Aufmerksamkeit. "Du weißt es doch auch nicht und behauptest einfach irgendwas. Außerdem ist es besser so."
"Du bist so verdammt stur", knurrte Claire missmutig und warf ihrer Freundin einen unzufriedenen Blick zu, Kate jedoch grinste nur.
"Sagt die Richtige", konterte sie und brachte Claire ebenfalls zum Schmunzeln.
Für einen kurzen Moment sagte keine der beiden Mädchen etwas, bis Claire wieder das Wort ergriff.
"Und, was hast du jetzt vor?"
Kate seufzte. "Wenn ich das wüsste..."
"Ich meine... willst du... ihn darauf ansprechen?" Claire schmunzelte. Sie konnte sich die Antwort schon denken, die auch prompt kam.
"Nein, um Himmels willen!", rief Kate entsetzt aus. "Bloß das nicht. Es wird schon schwer genug sein, in nächster Zeit in seiner Nähe zu sein, auch ohne, dass ich ständig daran denken muss, dass er... na ja... vielleicht daran denkt." Sie runzelte die Stirn und überprüfte noch mal ihre Logik. Es war tatsächlich viel einfacher so, als nicht zu wissen, was in Jake's Kopf vorging. Was würde er sonst denken, jedes Mal, wenn er sie sah? 'Oh je, ich habe meine beste Freundin geküsst, ob sie sich jetzt etwas darauf einbildet?' Dieser Gedanke war so unangenehm, dass Kate vor Scham errötete und nicht weiter darüber nachgrübeln wollte.
Claire allerdings schien ihren Spaß zu haben. "Soll ICH mal mit ihm reden?", schlug sie verschwörerisch vor und funkelte ihre Freundin schon voller Vorfreude an. Diese stöhnte.
"Lass gut sein, die Situation ist für mich auch so schon unerträglich."
"Mhm", machte Claire und zog eine enttäuschte Schnute. "Ich wusste irgendwie, dass du das sagst..."
Beide Mädchen grinsten sich plötzlich einvernehmlich an. Claire hatte es wirklich drauf, jemanden wieder aufzumuntern und das wusste sie auch. Kate jedenfalls fühlte sich schon viel besser in dem Wissen, ihre beste Freundin immer an ihrer Seite zu haben. So schlimm diese auch sein konnte, im Notfall war doch immer auf Claire Verlass.
"Jake, diese Pflaume", schimpfte sie auch schon drauflos. "Mit seiner unbedachten Art macht der alles nur noch komplizierter!"
"Wie soll ich ihm denn jetzt begegnen, unmittelbar nachdem..." Sie brach ab und kratzte sich ratlos über dem Ohr. Sie konnte es noch immer nicht laut aussprechen. "Ich meine... ob er was merkt?"
Claire lachte laut los. "Das ist nicht dein Ernst? Das wäre das achte Weltwunder, wenn er tatsächlich etwas merken würde." Kate lächelte leicht. Da hatte Claire mal wieder Recht. Trotzdem traute sie sich nicht so recht zu, ihm in nächster Zeit zu begegnen. Zu präsent war der letzte Abend...
"Ich glaub, ich brauch' Urlaub...", stöhnte sie entnervt, lehnte sich zurück und fuhr sich mit der Hand durch ihr Pony. "Einfach vergessen und Abstand nehmen..."
Sie seufzte und Claire richtete sich plötzlich gerade auf, blinzelte. Die Blicke der Beiden trafen sich.
"Was ist?", wollte Kate wissen, da ihre Freundin sie noch immer fassungslos anstarrte und nichts sagte.
"Dann fahr doch", erwiderte Claire verständnislos. "Du hast doch Ferien."
Kate schnaubte. "Ja klar. Und wohin? In die Karibik vielleicht?", konterte sie trocken und stützte ihren Ellbogen auf dem Tisch ab, legte den Kopf in die Hand. "Schön wär's..."
"Nein", grinste Claire nun überlegen. "Nach London natürlich."
Kate saß nun auch aufrecht da, ihr Ellbogen noch immer auf dem Tisch, aber ihre Hand hing bewegungslos in der Luft.
"Hast du nicht gesagt, Liz hat mit ihrem Freund Schluss gemacht und sich ein paar Wochen frei genommen?", fuhr sie fort. "Ruf doch an und sag ihr, dass du kommst!"
Das klang wirklich verlockend, aber Kate wurde mit der Idee noch nicht ganz warm.
"Das geht doch nicht... ich muss noch Hausarbeiten schreiben..", protestierte sie zweifelnd, obwohl Claire's Vorschlag wirklich etwas an sich hatte. Wirklich...
Diese verdrehte die Augen. "Du bleibst ja nicht für immer da und wenn's nötig ist, schreib ich sie halt für dich." Sie grinste. "Die kann außerdem doch warten, oder? Du nicht!"
Kate zögerte noch immer. "Ich weiß nicht so recht..."
"Warum denn nicht? Du machst dir 'ne schöne Woche in London und ich kümmere mich hier um alles." Ein diabolisches Lächeln erschien auf Claire's hübschem Gesicht. "Und nebenbei kann ich Jake das Leben ein bisschen zur Hölle machen...", griente sie drohend und rieb sich voller Vorfreude die Hände.
"Los!" Sie nahm das Telefon, das zwischen den beiden auf dem Tisch lag und hielt es Kate hin. "Ruf sie an. Jetzt. Wag mal was."
Unschlüssig starrte Kate das äußerst verführerische Display und die Tasten des Telefonhörers an. Claire hatte schon Recht. Sie war eigentlich frei, hatte Ferien und theoretisch KÖNNTE sie einfach abhauen. Und es wäre wirklich zu schön... Sie liebte London, sie liebte Liz und sie war sich sicher, dass beides zusammen noch toller war als ohnehin schon. Und außerdem würde sie von Jake abgelenkt werden und war es nicht das, was sie wollte? Allerdings war sie nie ein sonderlich spontaner Mensch gewesen und überdachte jede Entscheidung drei Mal, bevor sie zustimmte oder eben nicht.
Claire bemerkte, dass Kate angebissen hatte. "Na los doch", forderte sie sie leise auf, mit einem verschwörerischem Lächeln auf den Lippen.
Kate erwiderte nun das Lächeln ihrer Freundin und griff nach dem Telefon. Warum sollte sie nicht einfach flüchten und spontan sein? Liz würde sicher nicht nein sagen und Kate würde ihren verdienten Urlaub bekommen!
Zufrieden lehnte sich Claire zurück und betrachtete, wie Kate aufgeregt Liz's Nummer wählte.
Nach nur wenigen Minuten legte Kate auf und grinste über das ganze Gesicht.
"Ich fahr nach London!", jubelte sie atemlos.



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Das vollständige Gedicht: http://www.lovepoetry.com/poem.asp?x_id=36865


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