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In Nottingham

von  -Moonshine-

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Kapitel 9: Someday or maybe never

"Da kommt er ja endlich." Claire warf einen ungeduldigen Blick auf ihre Armbanduhr und zog vorwurfsvoll die Augenbrauen in die Höhe, als Jake mit einem reumütigen Grinsen vor ihnen auftauchte,
Sie und Kate standen seit fast einer Viertelstunde an der Kreuzung zwischen Derby Road und St Helens Street und warteten auf Jake, der, mal wieder, nicht ohne Verspätung kam.
"Das war so was von klar, dass du dich wieder verspätest", schimpfte sie, als er keuchend neben ihnen zum Stehen kam und vor lauter Atemlosigkeit zum Gruß nur die Hand heben konnte.
Kate legte eine Hand auf die Schulter ihrer Freundin und schob diese sachte weiter. "Lass doch gut sein, Claire", beschwichtigte sie Claire in mildem Tonfall. "Wir haben uns ja extra früher verabredet."
"Ooh, na was hör ich da...?" Claire schaute Kate süffisant an. "Letzte Woche warst du aber noch nicht so gut auf ihn zu sprechen", raunte sie ihr im Flüsterton zu. Mit einem kurzen Blick zu Jake vergewisserte sich Kate, dass dieser nichts mitbekommen hatte und bedeutete Claire daraufhin mit einem ernsten Kopfschütteln, dass diese den Mund halten sollte.
"Sorry", entschuldigte sich Jake, als er endlich zu Atem kam. "Ich hab mich schon extra beeilt, aber ihr wisst ja, wie das ist..."
"Nein. Wie ist es denn?", provozierte Claire mit unschuldigem Gesichtsausdruck, doch Kate rollte nur genervt mit den Augen.
"Das ist so, wie wenn deine Freundin sich nicht entscheiden kann, was sie zur Party anzieht und du deshalb den Bus verpasst und eine Ewigkeit auf den Nächsten warten musst", erwiderte sie in scharfem Tonfall und brachte ihre Freundin, deren Mundwinkel sich zu einem anerkennendem Lächeln verzogen, damit endlich zum Schwiegen.
"Touché."
Jake schien jedoch etwas verwirrt von diesem mädchentypischen Dialog. "Äh, na ja, nicht so ganz...", stammelte er unsicher und schaffte es, beiden Mädchen ein Grinsen abzuringen.
"Haben wir uns schon auf einen Film geeinigt?", wechselte Claire gelangweilt das Thema, während sie aufmerksam den Verkehr beobachtete.
"Ich weiß nicht einmal, was läuft", gab Kate zu, den Blick auf die gegenüberliegende Ampel gerichtet, darauf wartend, dass sie auf grün springt und die Fußgänger über die Straße lässt.
Claire machte ein "Tz"-Geräusch. "Du bist so was von nicht up-to-date."
Jake steuerte zu dieser ganzen Unterhaltung ein ausgiebiges Gähnen herbei. "Ich, ehrlich gesagt, auch nicht." Claire's empörenden Blick ignorierend, grinste er Kate verschwörerisch zu.
"Was ist los, Jake?" Claire stieß ihm ihren Ellbogen in die Seite. "Du wirst doch nicht etwa schon schlapp machen? Wir haben gerade mal 19 Uhr!"
Dieser stöhnte schicksalsergeben. "Wir haben neuerdings eine Baustelle neben dem Wohnheim." Er konnte einem zweiten Gähnen nicht unterdrücken und unterbrach sich dadurch. "Die fangen schon früh morgens an. Und das in den Ferien!"
"Warum bist du denn dann nicht jetzt zu Hause und schläfst?" Claire unterzog den müden, mitgenommen aussehenden Jake einer genauen Musterung. Auf seinem Gesicht breitete sich ein schuldbewusstes Lächeln aus.
"Du weißt schon... Abendprogramm und so. Außerdem müssen wir den Kinobesuch doch nachholen." Er warf Kate einen fragenden Blick zu, die schweigend neben den beiden herlief und ihre Unterhaltung abwesend mitverfolgte. "Nicht wahr, Katie?"
"Ja, genau...", murmelte diese nicht gerade überzeugend, doch für Jake war das Bestätigung genug.
"Ehrlich, bei diesem Lärm kann man einfach nicht schlafen", fügte er noch einmal nachdrücklich hinzu, da ihn scheinbar niemand aufgrund seiner misslichen Lage bemitleidete.
Claire sprang sofort drauf an. "Naaa ja...", begann sie nachdenklich und tat so, als müsste sie stark überlegen, "du kannst ja mal bei uns übernachten, wenn es wirklich so unerträglich ist."
Jake fuhr sich erschöpft durch seine blonden Haare, die hinter seinem linken Ohr widerspenstig abstanden und sich ganz offensichtlich nicht der Richtung der anderen Haare oder der Bürste hatten unterwerfen wollen. "Danke, Claire." Er warf ihr einen dankbares Lächeln zu und sie nickte bestätigend.
"Gern geschehen. Kate's Bett ist ja groß genug." Bei diesen Worten warf sie eben Genannter einen hinterlistigen Blick zu und grinste boshaft. Kate zuckte unmerklich zusammen und erwiderte Claire's tückisches Grinsen mit einem fassungslosen, alarmierten Blick.
"Claire!", zischte sie warnend, gerade so leise, dass Jake es nicht hören konnte. Doch anscheinend dachte er sich bei Claire’s unmoralischem Angebot auch nichts, denn er gähnte noch einmal ausgedehnt und bestätigte, dass er, sollte er es nicht mehr aushalten, sicherlich auf das Angebot zurückkommen würde, während seine beiden Freundinnen ein stilles, unerbittliches Blickduell ausfochten: Todesblick vs. Killergrinsen.

"...als sie Mum und mir dann den wahren Grund für ihr Auftauchen erzählt hat, das war vielleicht ein Schock."
Sie waren beinahe am Kino angekommen und Kate erzählte gerade, auf Jake's Frage hin, wie ihr Wochenende gewesen sei und was es Neues gebe in Collingham, die Geschichte ihrer - wie sie sagte - "durchgeknallten" Schwester Liz, die ihren Freund verlassen hatte, weil er sie heiraten wollte.
Claire war vollauf begeistert von Liz's Verhalten - eine Reaktion, die vorhersehbar gewesen war, Jake jedoch schien genauso verwirrt, wie Kate und ihre Mutter es gewesen sind.
"Aber warum?", fragte er nun schon zum zweiten Mal verständnislos und brachte es tatsächlich fertig, Claire ein wenig zu verärgern. "Warum, warum", äffte sie ihn nach. "Darum!"
"Ich versteh's auch nicht", seufzte Kate, um den Streit der beiden nicht weiter ausarten zu lassen. "Vielleicht liebt sie ihn ja nicht."
Jake kräuselte die Stirn. "Aber warum war sie dann mit ihm zusammen?"
"Keine Ahnung."
Er schürzte die Lippen. "Frauen. Ich werde sie nie verstehen."
Claire stieß ein schnaubendes Lachen aus. "Das wirst du allerdings nicht, Jakey."
Ohne auf die Beleidigung einzugehen, wechselte er das Thema. Ihm schien etwas eingefallen zu sein.
"Apropos Freund. Dave hat mich letztens gefragt, ob du mit Gabe zusammen bist." Verwundert wandte er sich an Kate, der sofort Gabe's Aktion auf der Party einfiel, als dieser versucht hatte, Dave in die Flucht zu schlagen. Claire, die das Ganze natürlich durchschaut hatte, grinste dezent vor sich hin, während Kate Jake ängstlich anblickte, das Schlimmste erwartend.
Jake lachte und kratzte sich am Hinterkopf. "Ich hab ihm gesagt, dass das nicht stimmt. Wie kommt er bloß auf so etwas?" Kate's fassungslosen Blick und ihr leises, genervtes Stöhnen quittierend, blinzelte er irritiert.
"Oder?", versicherte er sich und warf einen schnellen Seitenblick zu Claire herüber, die schadenfroh kicherte und die Augen rollte.
"Nein", knurrte Kate zwischen den zusammengepressten Zähnen hervor und gab sich alle Mühe, nicht aus der Haut zu fahren. "Ich bin natürlich nicht mit Gabe zusammen."
"Oh, gut." Jake sah erleichtert aus. "Ich dachte schon..." Er schaute Claire kurz vielsagend an. Es war klar, dass er das für einen Regelverstoß gehalten hätte, wenn dem tatsächlich so gewesen wäre. Kate jedoch beschäftigten momentan ganz andere Gedanken: im Klartext bedeutete Jake's großmütige Aufklärungsaktion, dass sie Dave wieder an der Backe hatte. Na halleluja!
Mit sichtlich schlechterer Laune beschloss Kate, zu diesem Thema nichts mehr zu sagen, denn Jake schien ihre Anstrengungen, Dave loszuwerden, einfach nicht in seinen Schädel zu bekommen. Sie brauchte es auch nicht, denn Claire, die, zu Kate's Missfallen, heute extrem angriffslustig war, übernahm schon wieder das Ruder.
"Wo wir gerade dabei sind: wie sieht's denn mit Rachel aus, Jake?", fragte sie in hinterhältigem Tonfall. Kate horchte auf und betrachtete mit unauffälliger Neugier, wie er gleichmütig die Schultern zuckte.
"Ich hab sie seit der Party nicht mehr gesehen." Seit der Party, an dem Claire und Gabe sie mit vereinten Kräften in die Flucht geschlagen haben.
Claire hob überrascht die Augenbrauen. "Sehr traurig scheint dich das ja nicht zu stimmen", bemerkte sie trocken, sich über die Ruhe wundernd, die er bei diesem Thema neuerdings an den Tag legte. Das war es auch, was Kate stutzig machte. Normalerweise mutierte er schon bei der Erwähnung des Namens zu einem jammernden Häufchen Elend, das nicht wusste, was zu tun war.
Jake begegnete dem Staunen der Mädchen mit neugewonnener Souveränität. "Man muss sich halt rar machen", belehrte er die Zwei altklug mit völlig erster Miene, was Claire ausnahmsweise in stummes Erstaunen versetzte.
Kate jedoch erkannte Gabe's Worte und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ganz offensichtlich hatte Jake seine Lektion gelernt.
Claire lehnte sich leicht zu Kate herüber und murmelte: "Wo hat er das denn her?"
"Gabe", formte Kate lautlos mit den Lippen und auf Claire's Gesicht breitete sich ein Ausdruck der Erkenntnis aus, der aber zu schnell einem verächtlichem, schiefem Lächeln wich.
"Natürlich", spöttelte sie leise. "Woher sonst?"

"Wir sind da", verkündete Jake laut und deutete auf das große Gebäude vor ihnen. Das "Cineworld"-Kino. "Lasst uns reingehen."
"Und der Kampf um den Film geht los", murmelte Kate, ein paar Meter hinter Claire und Jake zurückbleibend, während die beiden das Gebäude durch die große Glastür betraten.

Jake drückte Kate ihren Becher mit Cola in die Hand und hielt den Popcorn-Eimer sicher in seinem anderen Arm.
"Oh, danke." Abwesend griff sie danach und versuchte sich gleichzeitig, aus ihrer Jacke zu befreien, was sich als erfolgloses Unterfangen erwies, da sich ihr Arm vollkommen im Schal verhedderte. Mit einem gekonnten Handgriff befreite Jake sie aus ihrer misslichen Lage und Claire, die in diesem Moment mit einer Tüte Chips und einem Becher Wasser zu ihnen stieß, warf einen Blick auf ihre Eintrittskarte und kommandierte die zwei bestimmt hinter sich her, zum Kinosaal Nummer sieben.
Natürlich konnten sie sich nicht einigen, welchen Film sie sehen sollten, aber es war selbstverständlich Claire gewesen, die gewonnen hatte. Wehmütig dachte Kate an die Male, als sie noch allein mit Jake ins Kino gegangen ist - selten waren sie sich uneinig und wenn, dann gab Jake meistens nach und ließ sie gewähren. Ihm zuliebe ließ sie ihn dann beim nächsten Mal den Film aussuchen, aber so, dass er es nicht bekam. Aber dieses Mal hatte sie Claire gebeten, sie zu begleiten - mit Jake allein zu sein war momentan undenkbar.

"Es ist ja so leer hier", bemerkte Jake mit milder Verwunderung, als sie im schwach beleuchteten Saal die Treppen hoch zu ihren Plätzen in der letzten Reihe gingen. Außer ihnen war noch niemand drin, aber sie waren auch erstaunlich früh dran.
"Ist ja auch ein Werktag." Claire zuckte die Achseln und arbeitete sich zwischen den Stuhlreihe zu ihrem Platz vor, den sie schließlich nach langem hin und her ausfindig machen konnte. Neben ihr ließ sich Jake nieder und dem Platz neben ihm war für Kate bestimmt.
Während sie ihren trüben Gedanken nachhing - Dave, ihrem momentanen Problem mit Jake und ob seine, beziehungsweise Gabe's, Strategie bei Rachel wohl fruchten würde - erklärte Claire zwei Plätze weiter dem aufmerksam zuhörenden Jake, wovon der Film handelte.
Kate fragte sich, nicht zum ersten Mal in letzter Zeit, warum es ihr so schwer fiel, in Jake's Nähe zu sein. Es war nicht neu für sie, nein. Aber kaum tauchte er auf der Bildfläche auf, schon spielten ihre Gefühle verrückt. Wenn er lachte, überkam sie eine Welle der Zuneigung und wenn er niedergeschlagen war, wollte sie ihm am liebsten über den Kopf streichen und seine Haare verwuscheln. Doch wenn sie an den Grund seiner Bedrückung dachte, oder oft, wenn er nur den Mund aufmachte, erfasste sie eine Woge der Wut auf ihn, und das, obwohl er weder etwas dafür konnte, noch irgendetwas davon wusste. Sie war sich sicher, wenn er auch nur den Hauch einer Ahnung hätte, würde er nicht so gedankenlos vor sich hin plappern. Aber das wollte sie nicht. Er sollte so normal wie möglich sein. Kate wollte nicht alles kaputt machen, nur, weil sie ihre Gefühle nicht unter Kontrolle halten konnte.
Leider konnte sie nicht anders und reagierte hin und wieder patzig auf ihn, in Situationen, in denen er nichts getan oder gesagt hatte, was sie eigentlich hätte dazu veranlassen können. Doch zum Glück hielt sich Jake nie mit solchen Nichtigkeiten auf und schaffte es immer wieder unwillkürlich, sie zum Lachen zu bringen oder sie zumindest in den - ihr verhassten - Zustand der Zuneigung zurückzuführen. Wenn er dann lachte und ihr Recht gab und ihr stolz erzählte, er hätte sich einen Schirm gekauft, nur, weil sie ihn das letzte Mal darauf hingewiesen hatte, dass er bei Regen ganz nass werden würde...
Verzweifelt platzierte Kate ihren Ellbogen auf der freien Lehne rechts neben ihr und stützte ihren Kopf ab. Die Kinoleinwand war noch immer schwarz und leise Musik trällerte aus den Lautsprechern, die überall im Saal an der Decke angebracht waren.
Aber nicht nur, dass sie momentan so launisch war ihm gegenüber... sie musste zugeben, das sie leicht egoistisch war. Dass er Rachel mochte, das wollte sie gar nicht hören. Sie wollte es sich nicht anhören müssen. Sie wollte es nicht sehen und auch nicht daran denken müssen. Sie hasste es, dass dieser Gedanke ihr ständig im Kopf herumschwirrte und sie nicht in Ruhe ließ. Sie hasste ihre Eifersucht und sie konnte sich selbst dafür nicht mehr richtig leiden. Andererseits war sie nicht mehr fähig, ihre Gedanken auf etwas anderes zu fokussieren. Bei der Party vor fast zwei Wochen hatte sie ihre Augen kaum von Rachel und Jake abwenden können und obwohl es wehtat, wie nichts anderes, war sie nicht fähig, sich abzuwenden und sich auf andere Gedanken zu bringen.

"Hmmm..." Erschrocken fuhr Kate zusammen, als Jake's Gesicht neben ihr auftauchte. Er musterte sie prüfend und runzelte die Stirn.
"Du bist ja so still", stellte er treffend fest und ließ sie noch immer nicht aus den Augen. "Sag mal, Katie, warum bist du in letzter Zeit so trübselig?"
Claire lehnte sich auch weiter vor und blinzelte ihre Freundin unschuldig an. "Ja, Kate", stimmte sie zu. "Das ist mir auch schon aufgefallen."
Kate warf ihr einen vernichtenden Blick zu. Anscheinend hatte die Gute es heute wirklich drauf angelegt. Es schien, als hätte Claire in Dublin neue Energie getankt, denn sie war, seitdem sie zurück war, besonders frech und offensiv.
"Ah!", rief Jake aus und strahlte Kate an. "Ich hab's!"
Damit lenkte er Kate's Aufmerksamkeit wieder auf sich. Verwundert blickte sie ihn an.
"Du bist unglücklich verliebt!", verkündete er zuversichtlich und sah sie erwartungsvoll an.
Kate's Augen weiteten sich vor Überraschung und sie konnte nicht verhindern, dass ihr Gesicht zu glühen begann. Unbehaglich sank sie etwas tiefer in den weichen Kinosessel und wich seinem fragenden Blick aus.
"Nein“, erwiderte sie zögernd, doch Jake glaubte ihr nicht.
"Komm schon, Katie. Wer ist es?" Er lächelte ihr aufmunternd zu.
Es war nicht nötig, ihm zu antworten, denn Claire meldete sich nun auch zu Wort.
"Also, als ich das letzte Mal unglücklich war...", überlegte sie nachdenklich und streichelte ihren nicht-vorhandenen Bart, "da war ich in meinen besten Freund verliebt..."
Die entsetzte Kate bemerkte, wie Claire's Mundwinkel unmerklich zuckten, doch sie behielt sich den ernsten Ausdruck bei.
Jake, vor Verblüffung ganz still geworden, starrte sie fasziniert an und Kate, die in Gedanken schon ihr letztes Stündlein geschlagen sah, verkroch sich noch mehr in den Polstern, bevor er seine Sprache wiederfand.
"Wirklich?", wollte er interessiert wissen. "Meinst du damit Gabe?"
Während Claire Jake fassungslos anstierte, gluckste Kate erleichtert und atmete auf. Jake's Ahnungslosigkeit hatte sie mal wieder gerettet. Wäre dieser nur halb so scharfsinnig wie Gabe, wäre spätestens das wohl ihr Ende gewesen... Aber es war verständlich, dass Jake neugierig war, denn er war damals in derselben Ahnungslosigkeit gelassen worden wie Kate.
Ärgerlich wandte Claire sich von Jake ab und schob sich frustriert einen Chip in den Mund, um Zeit zu gewinnen, denn mit ihrer Aktion hatte sie sich mal wieder selbst in Bedrängnis gebracht und blieb Jake eine Antwort schuldig.
"Ich wusste gar nicht, dass Gabe und du damals schon so gut befreundet wart?", stichelte Kate nun auch, um es ihrer Freundin heimzuzahlen. Sie hatte sich heute schon genug herausgenommen und das wusste Claire auch - Zeit, zurückzuschlagen!
Diese warf Kate einen verdrießlichen Blick zu. "Oh doch", bestätigte sie widerwillig. Eine glatte Lüge, wie Kate wusste.
Jake lächelte wohlwollend. "Und ich dachte immer, du warst mit Gabe nur befreundet, weil er mit mir, ich mit Kate und Kate mit dir so gut befreundet war?" In seinen Gedanken schien er seine bisherige Annahme zu revidieren und die hinzukommenden Infos zu einer neuen Ansicht zu formen, nicht wissend, dass er damit den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
Kate schmunzelte leise vor sich hin, als Claire, überrascht von Jake's Erkenntnis, brummelte: "Falsch gedacht..."
Tatsächlich hatte Claire Gabe früher nur "geduldet", aber da Kate und Jake viel miteinander unternahmen, musste sie ihn zwangsläufig ertragen. Zwischen den beiden gab es viele Sticheleien, scheinbare Auseinandersetzungen und scharfe Wortgefechte, aus denen Gabe mit einem ruhigen Lächeln und Claire, nach Außen hin zwar kontrolliert, aber Innen vor Wut nur so brodelnd, heraustraten. Bis einen schönen Tages der Vorhang dann endlich fiel...

In diesem Moment gingen die gedämmten Lichter aus und die Leinwand erstrahlte für einen Moment in hellem weiß, bevor sich endlich ein Bild abzeichnete. Die obligatorische Kinowerbung ging los. Im Saal saßen mittlerweile schon mehr Leute, wenn auch unerheblich. Kate hatte sie gar nicht hereinkommen sehen.
Jake lehnte sich zu ihr herüber und wisperte ihr leise zu: "Du solltest es ihm sagen. Ich bin sicher, er mag dich auch."
Kate schüttelte langsam, unmerklich den Kopf über Jake's unerschütterlichen Optimismus. "Wenn du wüsstest...", murmelte sie kaum hörbar, als er den Mund gerade voller Popcorn hatte und geräuschvoll darauf herumkaute.
Sie versuchte, sich auszumalen, was gerade in seinem Kopf herumging, gab dann aber schnell auf, denn sie wusste absolut nicht, was überhaupt jemals in Jake’s Kopf vor sich ging – es war für sie genauso ein Rätsel, wie die Welt für ihn.
"Irgendwann sagst du's mir aber." Schon wieder war er zu nah an ihrem Ohr.
Der Satz ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Wusste er etwa doch bescheid...?
"Was...?", keuchte sie erschrocken, klammerte sich unbewusst an die Sitzlehne und eine Hitzewelle überkam sie, die plötzlich ihr Hirn vernebelte.
Jake lächelte. "Na, wer es ist. Sonst kann ich ihm gar nicht erklären, dass er mit mir zu tun bekommt, wenn er dich schlecht behandelt." Er wandte sich wieder der Leinwand zu, auf der die Werbung langsam ein Ende nahm. Der Nebel in Kate's Kopf lichtete sich.
Für einen kurzen Augenblick hatte sie tatsächlich geglaubt, dass er Claire's Anspielungen doch verstanden hatte!
Kate warf dieser einen kurzen Blick zu. Sie saß gemütlich in ihrem Sessel und grinste schweigend vor sich her, keinen Zweifel daran lassend, dass sie alles mitangehört hatte.
Kate verzog schmerzerfüllt das Gesicht, lehnte sich in ihren Sitz zurück und verschränkte die Arme vor der Brust, um das Gefühl von quälendem Wehmut und wieder aufflammender Zuneigung zu unterdrücken. Was für eine Ironie des Schicksals, dachte sie bitter. Da saß er nun, neben ihr, sagte Sachen, die er besser nicht sagen sollte und hatte nicht mal den leisesten Hauch einer Ahnung, dass er für all das verantwortlich war.
"Klar...", krächzte sie und fügte in Gedanken hinzu: niemals.


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