Die Chroniken von Khad-Arza - Das Blut der sterbenden Welten von Linchan (Erstes Buch) ================================================================================ Prolog: Prolog -------------- Die Chroniken von Khad-Arza Die fast nackte, vollbusige Frau tanzte wild gestikulierend barfuß über den langen, hölzernen Tisch des Senats. Dabei schwang sie eine Rassel aus einem Flaschenkürbis, gefüllt mit Pflanzensamen, durch die Luft. Ihre langen Haare wirbelten dabei durch den Raum und ihre seltsam apathischen Augen hefteten sich auf einen Mann nach dem anderen, während sie tanzte und vom Unheil sprach. Senator Puran Lyra hatte wenig Mühe, sie nicht anzusehen, als ihre nackten Füße an ihm vorbei tänzelten. Frauen mit zu großen Brüsten, zu wenig Kleidung und albernen Rasseln waren meistens Lügnerinnen, sie verdiente eigentlich keine Beachtung; wenn der König, dem der Senat unterstand, nur nicht so ein Esoteriker wäre… „Sprich mit uns, Wahrsagerin!“, forderte der esoterische König des Landes Kisara aufgeregt und starrte sie halbnackte Frau an, die über den Tisch balancierte und rasselte. „Was siehst du für die Zukunft meines Landes?“ „Tod… und Finsternis!“, antwortete die freizügige Wahrsagerin keuchend, warf den Kopf in den Nacken und hob die Arme gen Decke des Raumes, ihre Haare flogen dabei erneut durch die Luft. Als sie das Haupt wieder nach vorn lehnte, sah sie erst der Reihe nach alle Ratsmänner und dann den König aus ihren seltsam milchigen Augen an. Puran Lyra fragte sich kurz, ob sie blind wäre, als ihr Blick auch an seinem Gesicht für einen Moment hängen blieb. Dann wandte sie sich schon wieder ab, ehe er seine Frage selbst hätte beantworten können; als sie jetzt sprach, war ihre Stimme erfüllt von der Apathie einer richtigen Seherin, und Senator Lyra schauderte kurz. Er war Schamane, genau wie das junge Ding auf dem Tisch. Er wusste, wie richtige Seher klangen, wenn sie sahen, ohne ihre Augen zu benutzen. Diese Frau war keine Amateurin. Was die Rasseln sollten, verstand der Mann zwar nicht ganz, aber was sie sah, war kein esoterischer Unfug. Es waren wirklich die Worte der Geister… keine dahergelaufene Zigeunerin würde so sprechen wie sie. „Das Ende des Zeitalters… ist nahe, mein König.“, raunte sie gerade, während sie auf dem Tisch direkt vor dem Herrscher geschickt in die Knien ging und dabei auf eine unglaublich erotische Art ihren Körper verbog; eine Art, wie sie im Ratssaal von Vialla verboten gehörte. Puran Lyra beobachtete den König von Kisara, der die Wahrsagerin verblüfft anstarrte, als hätte er niemals eine nackte (oder fast nackte) Frau gesehen. Vielleicht hatte er das wirklich nicht, zumindest hatte der Senator ihn in all den Jahren, die er ihn schon kannte, nie mit einer Frau gesehen. „Mit Feuer und Schatten… wird das Bündnis der Drei Welten zerbrechen…“, wisperte die blonde Frau weiterhin und starrte mit ihren eigenartigen Augen gen Decke. „Die Sieben… wurden von den Schicksalsgeistern erwählt, um die Zerstörung… von Khad-Arza zu verhindern, mein König.“ Alle Augen des königlichen Senats richteten sich auf die Wahrsagerin und der Monarch weitete bestürzt die Augen. „Zerstörung? Um Himmels Willen! – Und… die Sieben? Welche Sieben?“ Er sagte nichts weiter, als die Frau sich keuchend wieder erhob, ihre Rassel schwang und wieder die Senatoren anstarrte. Zuletzt blieb ihr Blick an Senator Lyra hängen und er erwiderte ihren starren Blick ohne jede Gefühlsregung. „Mit Feuer und Schatten… werden sie kommen aus dem Osten…“, fuhr sie fort, „Und mit dem Schatten kommt das Ende… der Welt.“ Senator Lyra zog die Schultern zusammen, als sie ihn anlächelte, auf eine verboten betörende Weise. Sie wollte fortfahren, da flog mit einem Mal die Tür des Saals auf und störte die Wahrsagung. „Mein König! V-vergebt die Störung, aber wir haben eine eilige, entsetzliche Botschaft erhalten!“, rief der Soldat, der gekommen war und jetzt verblüfft stutzte beim Anblick der geschmückten Frau. „Ähm – ähm, Majestät!“ „Sprich!“, forderte der Monarch laut und erhob sich, während die Wahrsagerin zischte und herumwirbelte. „Er sagt, was ich gesehen habe im Schatten…“, sagte sie, ehe der Soldat zu Wort kam, und das Milchige in ihren Augen verflüchtigte sich. „Sie kommen. Die Bestien, die das Ende der Welt einläuten.“ Der König hatte jetzt genug von der Wahrsagerei und schwenkte seine Hand ungeduldig. „Sprich, Soldat!“, forderte er abermals und der Mann in der Tür verneigte sich hastig. „Es ist wegen Ela-Ri, dem Reich des Ostens. Der Inselstaat Dhimorien ist an ihre Truppen gefallen… wir haben die Nachricht gerade eben erhalten von unseren Spähern im Süden.“Auf diese Botschaft herrschte entsetztes Schweigen im Ratssaal und Puran Lyra ignorierte die Blicke, die die Frau mit den großen Brüsten ihm jetzt wieder zuwarf, zu entsetzlich war die Nachricht. „Das… bedeutet nichts Gutes.“, sagte einer der Ratsmänner heiser. „Das heißt, das Ostreich dehnt sich immer weiter aus?! Das ist schlecht!“ „Nicht nur schlecht…“, murmelte Puran Lyra und senkte energisch die Augenbrauen, „Mit Dhimorien ist das letzte Land gefallen, das zwischen uns und Ela-Ri stand. Wenn sie es wirklich auf das Zentralreich abgesehen haben, haben wir ein großes Problem.“ Sein Blick wandte sich wieder auf die Wahrsagerin, die ihn immer noch ansah. Als sie spürte, dass er ihren Blick erwiderte, wurde ihr wissendes Grinsen breiter. „Wenn Mutter Erde und Vater Himmel ihren Zorn über uns ergießen, Senator… dann ist die Zeit der Sieben gekommen. Ich sehe in Euch… sein Gesicht. Ihr habt einen Sohn, nicht wahr, Senator Lyra…? Ich kann… in Eurem Gesicht die Schicksalsgeister sehen…“ Der Schamane erwiderte nichts und fragte sich nur, ob es gut oder schlecht war, was diese Dame alles über ihn zu wissen schien. Die Geister in seinem Kopf schwiegen ihn an. Das war grundsätzlich ein schlechtes Zeichen. Die Schatten kamen nicht nur aus dem Osten. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)