[24/7] Zwischen den Zeilen von halfJack ================================================================================ Kapitel 3: Ein neues Gefängnis ------------------------------ Ein neues Gefängnis Obwohl die Nacht bereits hereinbrach, war es ungewöhnlich hell, da der von Wolken bedeckte Himmel die Lichter der Stadt zurückzuwerfen schien. Kein einziger Stern war zu sehen. Als Inspektor Yagami den Wagen in die unterirdische Garage fuhr, umgab die Insassen sofort grelles, kaltes Neonlicht. Light sah zu, wie sein Vater auf Ls Anweisung hin den Arm aus dem Fenster streckte, um auf einer Schalttafel einen Code einzugeben und anschließend seinen Fingerabdruck scannen zu lassen. Danach mussten die drei Männer noch einige Sicherheitsvorkehrungen über sich ergehen lassen, bevor sie in das Herz der neuen Zentrale vordringen konnten. Light war nicht überrascht, dass hier ein ganzes Arsenal an Computermonitoren auf sie wartete. Die Umgebung war steril, als hätte noch nie ein Mensch seinen Fuß auf diesen Boden gesetzt oder mit seiner Hand die Geräte berührt. Er fragte sich, für welchen Zeitraum dieses Gebäude ihr neues Zuhause werden würde, und spürte dabei deutlich das Gewicht der Handschellen. „Was ist mit dir, Light-kun?“ Der junge Mann wandte den Blick zur Seite und schaute in Ls rabenschwarze Augen. „Nichts, es war nur...“ Light dachte einen Moment nach und kam schließlich zu dem Schluss, dass eine ehrliche Aussage keine Auswirkungen auf die Situation haben würde. Deshalb antwortete er: „Wenn ich dieses Gebäude sehe und dann an die Handschellen denke, dann habe ich kurzzeitig das Gefühl, mich wieder in einem Gefängnis zu befinden.“ „Light!“, ermahnte Herr Yagami seinen Sohn. „Das ist schon in Ordnung“, beschwichtigte ihn L, „gegen das eigene Empfinden kann man nichts machen. Die ehrliche Meinung Ihres Sohnes wirft gewiss kein schlechtes Licht auf ihn.“ Damit ging er zu dem Überwachungssystem hinüber und schaltete es mit wenigen Handgriffen ein, sodass auf den Bildschirmen etliche Zimmer aus den unterschiedlichsten Perspektiven erschienen. „In der Theorie“, sagte L dann und deutete auf die verschiedenen Monitore, „hat Light-kun sogar recht. Ein Gefängnis erfüllt die Anforderungen von Sicherheit und Ordnung, so wie viele andere Institutionen auch. Die ersten Formen der Inhaftierung existierten bereits sehr früh und selbst für den Minimalstaat ist irgendeine polizeiliche Instanz unentbehrlich.“ „Was redet ihr da schon wieder?“ Matsuda war soeben eingetreten und stellte die Frage teils belustigt, teils peinlich berührt. Der Polizeiinspektor fügte nachdenklich hinzu: „Ich wüsste auch nicht, wie ich das verstehen soll. Ich bin Polizist aus Leidenschaft und das gilt sicher auch für Matsuda. Aber an die zurückliegenden Enttäuschungen können wir uns noch gut erinnern. Darum sind wir doch hier, um als einzelne Menschen unser Ideal von Gerechtigkeit zu vertreten. Nicht alle am Kira-Fall Beteiligten sind Polizisten und auch die Lenkung durch das polizeiliche Institut ist kaum mehr vorhanden.“ „Genau diesem Prinzip“, erläuterte Light nun, während er sich auf einen Drehstuhl fallen ließ, „folgt auch die minimalstaatliche Konzeption, von der Ryuzaki spricht. So wird ein politisches Gemeinwesen bezeichnet, das vom Menschen und nicht vom Staat gelenkt wird. Die Funktionen des Staates sind auf ein Minimum reduziert, auf den Schutz des Eigentums und der Person. Dazu ist allgemein gesehen eine Rechtsinstanz wie die Polizei nötig.“ L bestätigte die kurze Erklärung mit einem Nicken und fuhr fort: „Bedenkt man dies alles, ist das Gefängnis auch die Geburt der Anstalt oder der Schule. Die Funktionen dieser Einrichtungen sind ähnlich.“ „Anstalt oder Schule?“, wiederholte Herr Yagami ungläubig. „Kann man das miteinander vergleichen?“ „Wenn man unsere Gesellschaft als Räderwerk betrachtet, dann schon“, antwortete Light an Ls Stelle, „aber ich weiß nicht, ob mir dieser Gedanke gefällt.“ „Mit einer solchen Vorstellung muss man sich nicht moralisch arrangieren“, meinte L, wobei er seine Aufmerksamkeit von Herrn Yagami auf Light richtete, „schließlich ist das nur ein Konzept, um sich vorzustellen, wie unsere Gesellschaft funktioniert oder funktionieren könnte. Mit individuellen Anschauungen hat das nichts zu tun, auch wenn ich weiß, was du damit ausdrücken willst. Ansonsten passt der Vergleich mit einem Räderwerk sehr gut.“ Damit wandte er sich von Light wieder an dessen Vater. „Die Schule ist das Instrument zur Konditionierung der nachfolgenden Generation. Um in der Moderne leben zu können, reicht in der Regel die Betreuung durch die Eltern nicht aus. Darum dient die Schule der Integration neuer Räder in das Räderwerk. Anstalt und Gefängnis dagegen sondern die kaputten Teile des Getriebes aus. Letzten Endes bestimmt unsere Gesellschaft, wer normal ist und wer nicht, wer sich integriert und funktioniert und wer nicht.“ Light verschränkte seine Arme vor der Brust und seufzte skeptisch: „Aber was wäre dann noch Gerechtigkeit? Dann würde sich uns nicht mehr die Frage stellen, was gerecht ist, sondern was der Norm entspricht. Und der Mensch ist dann nicht mehr als ein genormtes Subjekt.“ „So kann man es aber auffassen, Light-kun. Das gesellschaftliche Leben bestimmt das Bewusstsein des Menschen, nicht andersherum. Eine Person entwickelt sich erst durch ihre Sozialisation.“ „Das stimmt zwar, aber es öffnet auch Tür und Tor für die Legitimation der Ungerechtigkeit durch den Staat. Ein Dieb oder Gewaltverbrecher kann sich dann einfach aus der Affäre ziehen, indem er meint, das Ghetto hätte ihn so werden lassen. Kriminelle Wohnviertel entstehen aber nicht aus sich selbst heraus. Die dort lebenden Menschen machen eine solche Gegend erst zu einem belastenden Faktor für die menschliche Psyche. Ansonsten klingt es so, als wärest du der Meinung, Kira selbst könnte nichts für sein Handeln.“ Light hatte das Gefühl, von Ls schwarzen Augen durchbohrt zu werden, als dieser fragte: „Bist du denn absolut sicher, Kira hätte anders handeln können?“ Auf einmal kam es Light so vor, als hätten er und L die Seiten getauscht. Klangen die letzten Worte des Detektivs nur in seinen eigenen Ohren wie eine Verteidigung Kiras? Oder verbarg sich hier ein neuer Trick, um Light als etwas zu entlarven, was er nicht war? Bevor er antworten konnte, fügte L noch hinzu: „Du meintest doch, du würdest keine Selbstjustiz walten lassen. Aber wie können wir uns eine Meinung über einen Anderen erlauben, wenn wir uns nicht selbst in seinen Schuhen befinden? Weißt du denn, wie du mit der Fähigkeit Kiras handeln würdest, Light-kun?“ An diesem Punkt unterbrach Herr Yagami die Konversation: „Jungs, ihr solltet anfangen in seichteren Gewässern zu fischen. Durch diese ganzen Gesprächsthemen macht ihr euch irgendwann noch eure Köpfe kaputt.“ Er klopfte seinem Sohn schwach lächelnd auf die Schulter. Light erklärte sich mit einem Nicken einverstanden, das Thema vorerst zu beenden. „Ich habe gehört“, wandte sich nun Matsuda an Light und grinste dabei unverhohlen, „Misamisa verlangt ein Date von dir, sobald sie hier eintrifft.“ Stirnrunzelnd erwiderte Light mit einem Blick auf die Monitore: „Wahrscheinlich wird sie sich dieses Date aber völlig anders ausmalen.“ Die Fensterfront des Schlafzimmers erstreckte sich über die gesamte Länge der Wand und bot einen fantastischen Blick auf die nächtliche Stadt. Light wusste, dass die Scheiben verspiegelt waren, nicht aus Schutz vor der Sonne, sondern vor den Augen Fremder. Obwohl es in dieser Höhe fast unmöglich war, dass ein Feind seinen Weg hierher fand, stellte dies eine weitere Sicherheitsmaßnahme dar. Zum wiederholten Mal überlegte Light, ob sich sein Ermittlungspartner tatsächlich für so wichtig hielt, ob dessen Antrieb nun Uneigennützigkeit war oder einfach nur pure Angst. Der Blick des Japaners fiel auf eine gläserne Halbkugel an der Decke. Wahrscheinlich war das nicht die einzige Kamera, die sich in diesem Raum befand. L saß schon eine Weile reglos auf dem Bett, schien nun jedoch Lights Gedanken zu erraten und sagte: „Die Funktionen des Überwachungssystems, das du vorhin gesehen hast, beschränken sich bei den Privaträumen allein auf den Bereich, der für Amane Misa vorgesehen ist.“ „Und was ist mit dem Rest?“, fragte Light, wobei er sich ihm zuwandte. „Die restlichen Kameras werden an anderer Stelle ausgewertet“, erwiderte L schlicht. Er hatte die Augen auf einen unbestimmten Punkt am Boden gerichtet und biss auf seinem Daumennagel herum. Sein Schweigen machte Light unmissverständlich klar, dass er nicht mehr dazu sagen würde. „Du solltest das lassen.“ „Wie bitte?“, fragte L und sah irritiert auf. Bevor er jedoch eine Antwort erhielt, hatte Light die geringe Distanz zwischen ihnen überwunden und Ls Hand von dessen Lippen fortgezogen. „Du beißt dir sonst noch deine Finger kaputt.“ Light war vor ihm auf die Knie gegangen und hielt dessen kalte Hand in seiner eigenen. L spürte die angenehme Wärme, die von der Berührung ausging, und erwiderte den Griff kurzentschlossen, um dieses Gefühl für den Moment nicht zu verlieren. „Ich glaube an Gerechtigkeit“, sagte er schließlich leise und unvermittelt, „darum versteh das, was ich vorhin sagte, bitte nicht falsch. Du glaubst doch auch daran, oder?“ „Natürlich“, antwortete Light ungewohnt sanft, nachdem er seine anfängliche Irritation überwunden hatte. „Dennoch ist es nur eine Idealvorstellung in unserem Kopf, Light-kun. Wir richten uns nach ihr, wenn unsere Persönlichkeit so konzipiert ist, aber in welchem Maß wir so gestrickt sind, können wir nicht bestimmen.“ Light seufzte und schaute seinem Ermittlungspartner direkt in die Augen, als er antwortete: „Glaubst du denn wirklich, dass jede Erklärung für unser Verhalten in der Gesellschaft zu finden ist? Es gibt viel zu viele Faktoren, die dafür eine Rolle spielen. Ein ganzes Spektrum an menschlichen Emotionen, zu viele, um sie unter einfachen Begriffen zusammenzufassen.“ „Vielleicht...“, setzte L gedankenversunken an und konzentrierte sich noch immer auf die Wärme, die von Lights Hand ausging. „Vielleicht sind wir viel einfacher zu beeinflussen, zu lenken oder zu reparieren. Unsere Schwächen könnten weit weniger individuell sein, unsere Persönlichkeit weniger unantastbar, als wir glauben. Vielleicht fehlen bei Depressionen nur ein paar Neurotransmitter, man gibt den betreffenden Personen Tabletten und sie funktionieren wieder. Ein Gramm Soma oder ein Schuss falsches Glück, damit es keine Rolle mehr spielt, als wäre es niemals Wirklichkeit gewesen.“ „Aber was du fühlst“, entgegnete Light ernst, „ist für dich echt. Darüber kann dich niemand belügen. Darum ist das die einzige Wahrheit.“ Ohne etwas zu sagen, erwiderte L den Blick seines Ermittlungspartners auf eine Weise, die dieser schwer zuordnen konnte. Nach einiger Zeit lösten sie die Hände voneinander und gingen wortlos zu Bett, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Die ganze Situation verwirrte Light. Das neue Hauptquartier war hervorragend ausgestattet, besonders in Bezug auf die Sicherheit und Verwahrung der Insassen. Lights Vater hatte sich sofort nach ihrer Ankunft mit dem Polizeidezernat in Verbindung gesetzt, um die neuesten Informationen einzuholen. L hatte ein wenig Zeit darauf verwendet, Matsuda das Überwachungssystem zu erklären. Doch danach rührte sich bei dem Meisterdetektiv nichts mehr. Vor einigen Tagen noch war Light der Meinung gewesen, dass die allgemeine Tatenlosigkeit beendet werden würde, sobald sich alle im neuen Quartier befanden. Jetzt allerdings saß er zusammen mit Misa und L an einem Tisch mit Kaffee und Kuchen, um der belanglosen Konversation der beiden zuzuhören. Langsam verlor Light die Geduld. „Sag mal, Ryuzaki, was ist eigentlich mit dir los?“, wandte er sich an L, der gelangweilt neben ihm saß und sein Stück Kuchen aß. „Was ist mit deiner Motivation?“ „Motivation? Die habe ich verloren“, antwortete dieser, als würde es sich nur um eine belanglose Sache handeln. „Ich bin an einem toten Punkt angelangt.“ Mit einer solchen Einstellung hatte Light bereits gerechnet, seitdem L ihm eröffnet hatte, sie würden sich bei ihrer Ermittlungsarbeit nur noch im Kreis drehen. Light konnte dieses Gefühl nachvollziehen. In letzter Zeit ging es einfach nicht mehr voran. „Ich war so darauf fixiert, dich als Kira zu entlarven, dass ich durch mein Scheitern den Boden unter den Füßen verlor. Kira hat die Fähigkeit, Menschen zu manipulieren. Er hätte mich glauben lassen können, du seiest er. Ihr könntet beide von ihm manipuliert worden sein. Das ist im Moment die einzig logische Erklärung.“ Ernst hörte Light den Worten zu und wurde sich in diesem Augenblick einer Tatsache bewusst, die er aus der Erläuterung schließen musste. Um sich zu vergewissern, fragte er: „Selbst wenn wir nichts davon wussten, würde das dennoch bedeuten, dass Misa und ich Kira wären, oder?“ „Das ist korrekt. Ihr seid beide Kira.“ Ein eisiger Schauer lief Lights Rücken hinunter, als er sich erneut mit diesem Vorwurf konfrontiert sah. Er schluckte so hart, dass es in seinem Hals wehtat. Konnte das tatsächlich sein? „Während du in Einzelhaft saßt“, erläuterte L, „hörten die Morde plötzlich auf. Bis zu diesem Punkt warst du Kira. Doch als nach zwei Wochen neue Morde verübt wurden, startete damit auch ein neuer Fall. Das heißt, dass Kira seine Kraft einfach weitergibt.“ Light fragte sich, wie weit seine eigene Schuld ging, wenn diese Vermutung zutraf. Bei einer Manipulation konnte er kaum für das Geschehen verantwortlich gemacht werden. Darum glaubte er voller Zuversicht an seine eigene Unschuld. „Interessante Theorie, Ryuzaki. Aber wenn du Recht hast, gibt es kaum eine Möglichkeit, ihn zu fangen.“ „Und darum sprach ich von einem toten Punkt.“ Während L seine Vermutung mit ein paar weiteren Worten ausführte, hörte Light schweigend zu und blieb auch danach noch einen langen Moment stumm. Dann entschied er sich jedoch, die Distanz zwischen ihnen zu überwinden. Er legte L eine Hand auf die Schulter, um ihm mit dieser Geste ein wenig Mut zu spenden. „Aber das alles ist nicht zweifelsfrei erwiesen“, sagte er aufmunternd. „Wir wissen noch immer nicht genug über Kira. Deshalb gibt es auch keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen.“ Die Demotivation stand L deutlich ins Gesicht geschrieben, als er entgegnete: „Ich weiß nicht... Ich glaube nicht, dass das was bringt. Wir sollten uns besser zurückhalten, sonst riskieren wir nur unser Leben.“ „Ryuzaki...“ Light war schockiert. Er selbst war noch immer voller Kampfgeist. Umso mehr schmerzte es ihn, zu sehen, dass L anscheinend aufgegeben hatte. Bevor es Light selbst bewusst wurde, war er bereits auf den Beinen und schlug seinem Ermittlungspartner mit all seiner angestauten Wut ins Gesicht. Durch die Wucht wurde L vom Sofa gerissen. Als er sich wieder aufgerappelt hatte, starrte er Light mit weit aufgerissenen Augen an. „Das hat wehgetan.“ „Reiß dich endlich zusammen!“, überging Light den Protest. „Nur weil ich nicht der richtige Kira bin, weil deine Theorie sich nicht bewahrheitet hat, bringst du jetzt keine Motivation mehr auf?!“ „Ich habe nur gemeint, dass sich die Situation mit jeder unserer Bewegungen verschärfen könnte.“ „Wovon sprichst du überhaupt? Wenn wir nichts unternehmen, dann können wir Kira niemals fangen. Wer hat denn großspurig im Fernsehen angekündigt, er wolle ihn hinrichten lassen?“ Light packte L am Kragen und zog ihn näher zu sich. „Wie viele Menschen wurden in die Sache hineingezogen, wie viele getötet, bis du zu der Erkenntnis kommen konntest, dass du jetzt nicht mehr genügend motiviert bist?“ „Das ist mir alles klar“, antwortete L scheinbar unbeeindruckt, obwohl ihn der Gefühlsausbruch seines sonst so beherrschten Partners innerlich aufwühlte, „aber es spielt keine Rolle mehr... Auge um Auge.“ Mit einem gezielten Tritt traf er Light am Kinn, sodass dieser weggestoßen wurde und L mit sich zog. Im Fall warfen beide die Couch um. Misa wich verängstigt zurück. Während sich Light mühsam wieder aufzurichten versuchte, sprach L bereits weiter. Mittlerweile bebte auch seine eigene Stimme vor Zorn. „Das Frustrierende ist, dass der Fall nicht gelöst ist, obwohl feststeht, dass ihr beide Kira seid. Ist es nicht verständlich, dass mich das ankotzt?“ „Nein“, entgegnete Light kalt, „ich habe eher das Gefühl, du kannst es nicht ertragen, dass ich unschuldig bin.“ „Ich kann es nicht ertragen, dass du unschuldig bist?“ Ls rabenschwarze Augen schienen für den Moment noch dunkler zu werden als sonst. Er wusste doch schon längst, was er wollte. „Das wird mir gerade richtig klar, insgeheim habe ich mir gewünscht, dass du Kira bist.“ Diese Aussage war Light einen weiteren Schlag mit der Faust wert, der L direkt im Gesicht traf. Beide steigerten sich immer mehr in den Kampf hinein. Zwar hatte L zugegeben, dass er Light als Kira sehen wollte, doch die eigentliche Erkenntnis, die ihm gekommen war, ging tiefer. Ihm war bewusst geworden, dass diese Tatsache nicht an seiner Gewinnsucht lag. L wollte nicht einfach nur Recht haben. Dieser Fall war sein bisher schwerster und forderte von ihm alles. Durch den Schlagabtausch, den er sich mit Kira geliefert hatte, war zwischen dem Meisterdetektiv und dem unbekannten Killer eine besondere Beziehung entstanden. Eine Beziehung aus Rivalität, die stärker als jede Freundschaft zu sein schien. L wollte nicht, dass die Person, gegen die er so unerbittlich kämpfte, jemand anderes war als Yagami Light. Während L einen erneuten Faustschlag erntete, fragte er sich, warum es Light so zusetzte, dass er aufgeben könnte. War er vielleicht wirklich nicht Kira? Doch genauso gut bestand die Möglichkeit, dass Light selbst seine Kraft weitergegeben hatte und jetzt nur unwissend tat. Als beide Kontrahenten nach dem Kragen des Anderen griffen und die Hand zum Schlag erhoben hatten, klingelte plötzlich das Telefon. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)