 Sonatine (Intro Edition Asien 10, OmU) [Übersicht] - [Filme aus Japan]
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| Medium |
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| Ursprungsland |
Japan |
| Release |
September 2009 (erschienen) |
| Firma |
Rapid Eye Movies |
| Preis |
9,99 EUR |
| Sprachen |
Japanisch |
| Untertitel |
Deutsch |
| Länge |
94 min. |
| FSK |
18 |
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Gangsterfilm mit Poesie (Amazon-Benutzerseite)
Diese Mischung (poetischer Gangsterfilm) war einmal die Stärke des französischen Kinos, aber ist nun wohl auch ein Markenzeichen für den Japaner Takeshi Kitano. Mit Hana-Bi hat er 1997 in Venedig als Überraschung den Goldenen Löwen abgeräumt. Nicht unumstritten, wie ich gehört habe, aber verdient, wie ich finde. Sonatine ist 4 Jahre früher entstanden und nach ähnlichem Muster gestrickt, und bekommt von mir 5 Sterne. In dem Genre bekommt man meistens Strass und wenig Perlen. Aber hier haben wir eine.
Der Held ist ein Verbrecher (Yakuza). Man erfährt, daß er als Jugendlicher seinen Vater umgebracht hat, weil der ihm nicht genug Freiheiten einräumte. Killer und Verbrecher als Sympathieträger und tragische Helden aufzubauen, sie poetisch zu erhöhen, ist in der Kunst, Literatur, Kino, Theater möglich und kann in einem freien Land nicht verboten werden. Aber es unterwandert die Sitte und political correctness. Vielleicht ist der Film deshalb nicht jugendfrei. M.E. ein Fehlurteil der freiwilligen Zensurbehörde. In 'Stirb langsam' oder 'X-Men' oder 'No Country for Old Men' (alle jugendfrei) gibt es mehr Nihilismus und spektakulär brutales Töten. Allerdings sind dort die Bösen Buben einwandfrei schlecht und sehr böse und nicht mal ansatzweise menschlich oder achtenswert angelegt. Also dürfen die Guten die Bösen jugendfrei bombastisch ausblasen, oder? (In 'No Country ...' spaziert allerdings der absolute Böse (Chigurh) am Ende unbehelligt aus dem Bild und der Sheriff geht in Pension. Das ist eigentlich auch ein Bruch mit der eingespielten Moral.)
Die Welt in Gut und Böse einzuteilen ist eine zementierte Säule unserer Religion (oder Kirche). Ebenso die Strafe für Böses, inklusive Todesstrafe in bekannten christlichen Ländern (wenngleich 'Du sollst nicht töten'). Also, der Held in Sonatine ist ein Verbrecher. Wie der Held in Hana-Bi (total frustrierter Cop) oder Alain Delon in Le Samurai von Melville oder Belmondo in Außer Atem von Godard. Im vorerwähnten französischen Kino - denken Sie an die Verbrecherfilme mit Jean Gabin oder Lino Ventura - wird das Publikum meistens ziemlich erbaut (d.h. nicht deprimiert) aus dem Saal entlassen, außer daß die meisten Leute es eher bedauern, wenn die guten bösen Helden am Schluss erschossen werden müssen (damit die Geschichte nicht die Gesetzlosigkeit total glorifiziert). Bei Kitano (in den beiden genannten Filmen) ist man am Ende aber nicht glücklich. Nur bemooste Steine blieben kalt und unbetroffen, daß der Held laut Drehbuch sterben muß. Allerdings wird hier m.E. nicht der Sitte gedient, sondern der Kunst und Glaubwürdigkeit. Beide Kitano-Filme sind als Schicksalsdramen angelegt (nicht Unterhaltungskino) und konsequent durchgezogen, und da hat ein Happy End oder ein offenes gelassenes Ende nichts zu suchen.
Der Titel 'Sonatine' (kleine, einfache Sonate) erscheint etwas versonnen oder versponnen für einen unerbittlichen Gangsterfilm, in dem tatsächlich reihenweise Leute umgenietet werden. Dennoch macht es Sinn. Sonatine erklärt die Erzählstruktur. Aus einer Folge einfacher Handlungsstränge entwickelt Kitano als Regisseur/Drehbuchautor und Hauptdarsteller die Geschichte vom traurigen Ende und Abgesang eines Yakuza, der 'innerbetrieblich' beim Big Boss in Ungnade (Neid) gefallen war und entsorgt werden sollte. Unter dem Vorwand, er soll mit seiner Truppe nach Okinawa fliegen, um dort einen Klan-Streit zu schlichten, wird er in die Falle geschickt. Die Rechnung geht aber nicht auf. Der Mann, illusionslos und melancholisch geworden und berufsmüde wie der traurige Tod, durchschaut das Komplott und schreibt es um. Bloß sein Schicksal nimmt er im Grunde genommen an. Als Yakuza lebt und stirbt man nicht normal/natürlich. Ausstieg in ein braves Anstandsleben steht nicht im Programm. Nicht für ihn noch die anderen. Also nimmt der den ganzen Klan mit in die Hölle - und stirbt als Letzter von allen. Der Erzählstruktur 'Sonatine' ist es mit geschuldet (natürlich auch dem Drehbuch) daß dieser Stoff nicht als die genreübliche gewaltgeile Füsilieroper daherkommt, sondern als Film-Kunst, also Kino, das nicht einfach thrillt oder entertained, sondern betroffen macht, berührt und zum Denken anregt. Der Gewinner ist das Publikum.
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